IV. Jahrgang. Nr. 16. Zeitschrift für vaterländische Interessen. Erscheint jeden Dinstag und Freitag und kostet: Insertionsgebühren: Für die Apaltige Petit-Zeile oder deren Raum Mit der Post: Für Laibach sammt Zustellung: bei Imaliger Einschaltung 6 lr., 2 Mal 8 lt., 3 Mal 10 kr. Ganzjährig 6.— Ganzjährig fi. 5.— Stempel jede« Mal 30 lr. Halbjährig 3.— Halbjährig „ 2.50 Inserate übernimmt Haasens»«» ss Vogler in Wien, Wollzeil« 9, zelne Nummer 5 lr. Hamburg, Berlin, teipzig, Franlfurt «/M., Basel. Die Redaktion befindet sich Et. Peters-Norftadt Nr. 22, waffelseil«. Geldsendungen find zu richten »n den Eigenthümer de« Blattes. Die Administration in Ottolar Klerr'« Buchhandlung Hauptplah, Nr. 313. Manuskripte werden nicht zurückgesendet. Laib ach, Dinstag am 23. Februar 1869. Worte und Thaten. Eine glänzende oratorische Begabung ist, wie nicht zu leugnen, im Stande, sehr viel gutes zu wirken, eine gediegene, logisch lichtige, schwungvolle Rede verfehlt selten oder nie ihren Eindruck auf Ge° bildete und Ungebildete. Großen Staatsstreichen gehen Reden voran, Revolutionen werden durch Reben hervorgerufen und gedämpft, Mon ­archen eröffnen das Neujahr mit einer Rede, und der konstitutionelle Verein — die Wichtigkeit und Bedeutung desselben für unser Land wird wohl niemand verkennen! — regelmäßig seine Sitzungen. Wenn Göthe sagte: ,Denn wo Begriffe fehlen, da stellt ein Wort zu rechter Zeit sich ein," fo dachte er ganz gewiß an den kon­stitutionellen Verein in Laibach, der damals zwar noch nicht bestand, den aber Göthe, wie überhaupt alles große, schöne und erhabene, bereits im Geiste vorhersah. Des konstitutionellen Vereins wichtigste und vorzüglichste Auf­gabe ist es also, Reden zu halten und zu hören, dieselben zu be­tlatschen, wenn Kraftausdrücke, wie: Nationalilätenschwindel u. f. w. fallen, und den Rednern dann durch ihre Leiborgane Weihrauch zu streuen. Es passirt freilich mitunter, daß nicht alles, was gedruckt erscheint, wirklich gesprochen wurde und umgekehrt — dieß entspringt dem leicht verzeihlichen Fehler des jeweiligen Schriftführers, der — nicht Stenograf ist — , aber die Reden sind gediegen, denn auch die kleinen und großen grammatikalischen Verstöße, welche unfern deutfch­gewordenen Landslcuten unvermeidlich Passiren, werden durch die kun­dige Hand des Faktors glücklich beseitigt; was sie behandeln, ist Nebensache, denn der „Verein der Weisen" hat vor anderen seines­gleichen das voraus, daß er niemals Unsinn spricht, denn che ein Redner aufsteht, wird er von jenem Geiste geschüttelt, den man tref­fend den „Fortschrittsgeist" nennt, man sieht es ihm an, daß er ir­gend eines Stoffes los werden möchte, er ringt nach Athem, verliert die Besinnung und ist nun nicht mehr die Person, die er vorstellt, als welche er im Verzeichnisse des Vereines eingetragen erscheint, sondern bloß das Medium jenes Geistes, der ihn „besessen." D a nun aber jeder Geist das vollkommenste Wesen, folglich infallibel ist, so versteht es sich von selbst, daß stets nur goldene Worte aus dem Munde des Mediums stießen. Wenn dann bebärtete, erfahrene Männer, nicht Knaben, Beifall klatschen, so ist der Moment ein furchtbar ernster, er sollte durch Kanonendonner vom Schloßberge und durch Glcckengeläute im ganzen Lande gefeiert werden. Was ülfo Reden und Redner anbelangt, steht der konstitutio­nelle Verein unerreicht da; wenn man dieß auch in Bezug auf die Thaten von ihm fagen kann, fo ist er das Vollkommenste, was man in der Zusammenstellung von Senaten leisten kann. Suchen wir also in seiner Geschichte nach Thaten. Noch im Werden begriffen schuf er das „Tagblatt", das voll­endetste, musterhafteste, wahrheitsliebendste und gerechteste journali­stische Unternehmen, das einige bisher Unbescholtene zu waghalsigen Versuchen auf dem literarischen Felde verleitete, fönst aber, unter Leitung eines im Interesse der guten Sache plötzlich mündig gewor­denen gleichfalls Unbeanstandeten, von großen Männern „gemacht" wurde, so daß man kühn behaupten lann, ein ähnliches, des Landes Interessen vertretendes Journal existire nicht, weder in Oesterreich noch anderswo, weder in Europa noch in Amerika, ja, weder auf der Erde noch im Himmel. Dieses Journal ist also der von der konstitutionellen Vorsehung geborene und Papier und Schwarze ge­ wordene Erlöser der sündigen, weil slovenischen Menschheit, bestimmt, dieselbe für seine n Glauben zu gewinnen und selig zu machen, denn nur in diesem und mit diesem ist Heil. Die zweite wichtigere That des Vereines war die berühmte wohlbekannte Petition an den Landtag bezüglich der Beibehaltung des Deutschen als Unterrichtssprache in den Schulen. Und dieses Meisterstück einer rebatteurlichen Hand wurde gar nicht gelesen, son­ dern aä acta gelegt, zu unendlichem Verdrusse des Verfassers, der sich dann, um die auf Effekt berechnete Komposition nicht im Staube vermodern zu lassen, genöthigt sah, dieselbe durch das „Weltblatt" in die Oeffentlichkeit zu bringen. Daß also diese große That für das Land von keinem Nutzen war, ist demnach nicht die Schuld des kon­ stitutionellen Vereines, sondern des Landtages, dessen Gesinnung all­ gemein verdammt worden ist. Noch eine That folgte, deren Tragweite nicht zu ermessen war, wenn sie vollständig gelungen wäre. Nach jener für die „Turner" so glorreichen Schlacht bei Ieöica entsandte der Verein im Vollbe­wußtsein der dem Lande durch die slovenische Pest drohenden Ge­fahren ein Triumvirat nach Wien, um den für flavische Länder über­haupt, für Böhmen aber insbesondere heilsamen Ausnahmszustand auch für Laibach zu erflehen, damit unter dem Schutze desselben Kapital und Intelligenz gedeihen könne. Daß diese Bitte abgeschla­gen und unserer Stadt der Segen des Ausnahmszustandes nicht zu Theil wurde, ist auch wieder nicht die Schuld jener Legaten. Nachdem diese beiden großen Staatsstreiche in die Luft gegan­gen waren, folgten mehrere ins — Wasser. Doch nein, nicht alle, denn ein Arrangement von politisch-sozialer Tragweite gelang ihnen, nämlich das weltgeschichtliche Vürgerfest auf der Schießstätte, dessen Folgen bei manchem noch tagelang sichtbar waren. Enkel und Ur­enkel werden davon erzählen und der Verein erhält eine eigene Loge im Welttheater, wo er seine Sonne ungestört über den Seinen schei­nen und feinen Donnerkeil ungehindert unter der Slovenenbrut wü­then lassen kann. Doch damit ist die Liste der Thaten dieses Areopags noch lange nicht erschöpft. Soeben erhalten wir die Kunde, daß es ihm gelun­gen ist, den Beweis zu liefern, daß Laibach eine deutsche Stadt ist, und zwar dadurch, weil der Verein die Gemeinderathsstühle fämmt­lich mit seinen Mitgliedern besetzen will und wird. Nun der Verein mag seinen Willen haben, wir fügen uns der weisen Vorsehung, denn wir sehen unsere Nichtswürdigkeit ganz ein und bekennen, daß der höchste unter uns nicht würdig ist, dem niedrigsten des Vereines die Schuhriemen zu lösen, denn uns beherrscht der Geist der Fin» sterniß, der das Licht scheut. Das Licht aber ist der konstitutionelle Verein, ja mehr, er ist die Quelle des Lichtes, alle seine Glieder sind Lampen der Intelligenz, deren Licht niemals aufhören wird zu leuchten jenen, die sich davor nicht verkriechen, wie die Mitglieder der öitalnica und andere Aussätzige,, für welche ein Ort bestimmt ist, den zu betreten den Gläubigen niemals zu Theil wird. Wir glauben im vorstehenden den Beweis geliefert zu haben, daß der konstitutionelle Verein nicht bloß redet, vie l und gu t re­det, und die Reden drucken läßt, sondern auch handelt . Daß dieß alles im Interesse des Landes und , Volkes . geschieht, daran wird wohl niemand zweifeln, der von Volksrechten den kleinsten Begriff hat. Vielmehr aber würde noch geschehen, wenn sich alles ausführen ließe, was diese Herren denken; doch wir wissen auch den guten Willen zu schätzen und nehmen ihn für die That selbst, um ihnen gegenüber in jeder Beziehung gerecht zu erscheinen. Die Interpellation wegen Dalumtien, welche der Abg. LjubiZ a überreichte, lautet, wie die „Zukunft" schreibt: Es sind einige Monate her, feit das hohe Ministerium des Kultus und Unterrichts, anstatt die öffentlichen Unterrichtsanstalten auf eine folche Weise zu organisiren, daß jeder Volksstamm die ge­nügenden Mittel zu seiner Ausbildung in seiner eigenen Sprache finde und somit das theuerste staatsbürgerliche Recht im Einklang mit ß. 19 der Staatsgrundgesetze vom 21 . Dezember, 186? ver­wirklicht werde^ — vielmehr ganz umgekehrt Zugeordnet hat^ daß in allen Staatsgymnasien Dalmatiens der Unterricht nur in italienischer Sprache ertheilt werde, so zwar daß es heute in jenem unglücklichen slavischcn Lande auch nicht eine einzige Mittelschule gibt, an welcher irgendwie in slavischer Sprache unterrichtet würde, das einzige Pri­vat°Gymnasium in Sinj ausgenommen, daß die Franziskanerordens­brüder aus christlicher Liebe mit großer Aufopferung errichtet haben und nun einen geringen Bruchtheil der nächsten Bewohnerschaft von Oberdalmatien ihre geistige Hilfe gewähren. Endlich ist auch noch das Realgymnasium von Cattaro, das zu den Zeiten des Ministers Feuilleton. Laibacher Typen. (Fortsetzung,) Der Fashiomble (Spil-itu» t»llu»j. Obschon der Fashionable eigentlich als ein Attribut größerer Städte bekannt ist und bei uns nur in einer Abart, der sogenannten Spezies der Pflastertreter und Nachtschwärmer (Vo^Lr­tilio QoKiÜZ vel vul^ariä) vorkommt, so besitzt er doch einige Ei­genschaften und Merkmale, die ihn von der andern Menschheit un­terscheiden lassen. Mi t dem Rentier hat er nur das Nichtsthun gemein, den Reichthum nicht. Trotzdem versteht er es, zu leben, und gu t zu le­ben, häufig auf Kosten der Kellner und Marqueure, der Schneider und Schuster und der Hausherren. Infolge seiner Vertrautheit mit den Verhältnissen der Stadt ist er ein lebendiger Anzeiger, er weiß überall Bescheid, besucht alle Abende das Theater und steht mit dem weiblichen Theaterpersonale auf dem besten, oft intimen Fuße. Bei Tage sieht man ihn auf allen Promenaden, wo er die Damenwelt firirt und durch seinen nachlässigen Gang und blasirten Anstrich in­teressant werden will ; im Kaffeehause, wo er sich die besten Zigarren geben läßt und einige Billardpartien verlieret, und im Gasthause, wo er sein Mahl mit russischen Sardinen und Kaviar beginnt und mit „Gemischtem" schließt. Für gewöhnliche Menschenkinder schlägt die Stunde der Ruhe um zehn, eilf, zwölf Uhr; nicht für ihn, denn er hat Zeit, am Morgen bis zehn Uhr oder noch länger zu schlafen, und zeigt dieß auch, indem er Freunden noch Vouteillen-Weine zahlt oder dieselben auf seine Rechnung sich vormerken läßt. Erst wenn alle Lokale gesperrt sind, schlägt auch er den Heimweg ein. Sonn­tags liebt er es, auf die Jagd, auf Fischfang u. f. w. mitzugehen und kehrt zwar ohne Beute, aber sehr erschöpft zurück und unterhält jeden, der es hören und seinen Wein trinken will, mit Erzählungen fabelhafter Iagdabenteuer und bereits stattgehabter und noch in Aus­sicht stehender Rendezvous. Seine Vergangenheit ist übrigens nicht selten eine sehr bewegte, er hatte als Offizier blutige Schlachten mit­gemacht und mindestens anderthalbhundert Feinde erstochen; er hatte als Universitätsbesucher mindestens die Hälfte Wiener oder Grazer Mädchen zu Verehrerinen und fast wegen jeder ein Duell. — Wenn hm endlich Geldi und Kredit ausgehen, dann wird er wieder zahm Schmerling für die slavifche Sprache errichtet wurde, heute bereits durch, und durch italianisirt. Nach historischen und ethnografischen Fakten lebt in Dalmatien ein Volt von einer einzigen Nationalität und zwar vom serbisch­kroatischen Stamme. Von 5en 930.000 Seelen der dortigen Bevöl­kerung wurde noch unter den Zeiten der Republik Venedig vermiß telst der italienischen Untcrrichisanstalten etwa ^,5 italianisirt. Jetzt hat dieser Bruchtheil der Bevölkerung, der längs des ganzen See­gestades zerstreut lebt, nicht weniger als sieben Staatsgymnasien, von denen vier Ober- und drei Realgymnasien sind; für die serbisch­kroatische Nation aber besteht nicht ein einziges. Vor der Zeit der Staatsgrundgesetze war die Methode einge­führt, daß in diesen Gymnasien einige Disziplinen, namentlich Ge­schichte und Religion in serbisch-kroatischer Sprache vorgetragen wur­den; und damit gab sich das Volk einigermaßen zufrieden. Nun aber, da die Dalmatiner mit Recht hoffen durften?, durch das Staatsgrundgesetz mehr zu erlangen, verlieren sie auf einmal auch noch das, was sie bisher besessen, und befinden sich nun in der ver­zweifelten Lage, ihre Kinder entweder mittelst des Unterrichtes ver­walschen oder aber sie als Unwissende und Dummköpfe aufwachsen zu lassen. Nachdem die hohe Staatsrcgierung noch vor kurzem die Erklä­rung abgegeben, daß sie jedes Verlangen einer Vereinigung Dalma­tiens mit den Ländern der ungarischen Krone muthig zurückweisen werde, sollte sie es sich doch heute gut überlegen, ob dieß wohl die besten Mittel seien, Dalmatien auch so und gegen dessen Willen im Verbände mit den zisleithanischen Kronländern zu erhalten. Wie könnte man denn auch anderseits dem Glauben sich hin­geben, daß die hohe Staatsregierung in der nächsten Zeit mit der einen Hand die serbisch-kroatische Sprache in die Administration und das Gericht, mithin ins öffentliche Leben einführen werde, wenn ste und als Schreiber oder etwas ähnliches ein nützliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft. Ter Gastwirt!) (Vnmpxrl»»). Er gehört gleich dem Hausherrn zu der Klasse der Säuge ­thiere, obschon ihn einige Zoologen unmittelbar unter die Färbe r einreihen möchten und zwar nach seiner Praxis im Färben des Was­sers; andere wollen ihn in die Familie der Chemike r schwärzen, doch finden sich an ihm nicht Merkmale genug, um diese Annahme zu rechtfertigen. Sein Körperbau verrät!) eine gesunde Konstitution und inklinirt nicht zur Abzehrung; seine wissenschaftliche Bildung hat er von feinen Gästen profitirt, doch macht er in der Regel keinen Anspruch auf Gelehrsamkeit, nicht einmal in seiner Haupiforce, im Addiren, ist er infallibel, doch nie zu seinem Nachtheile. Solange sein Körperumfang nicht gemeinderäthlich geworden, ist er höflich gegen seine Gäste, mit dem Umfange aber nimmt auch feine Grobheit zu, das traditionelle Käppchen bleibt fortan fix auf seinem Kopfe. Er kennt nur zwei Menschcnklassen: die erste, die Geld hat, schätzt er, die zweite, die keius hat, läßt er seine Verachtung rück­sichtslos fühlen. Sein Glaubensbekenntniß ist weder entschieden na­tional, noch entschieden antinational, sein Keller und seine Küche speisen jedermann; doch weiß er es infolge seines Scharfblickes dem Eintretenden sogleich auf dem Gesichte zu lesen, welcher Nationalität er angehört, und spricht ihn demnach entweder in der deutschen oder slovenischen, oder auch in einer schlechten italienischen Sprache an. Zur Zeit der Gemeinderathswahlen macht er eine dringende Ge­schäftsreise nach Triest oder Wien, welche ihn wenigstens drei Tage von Laibach entfernt hält. Weitere charakteristische Eigenschaften besitzt er nicht, es sei denn, daß er mitunter etwas über das gewöhnliche Maß trinkt, ohne die­ses gerade an Stimme und Haltung merken zu lassen. Ter Kllfetier (llumo 6ltt>ni8el,«rj. Er reiht sich im wesentlichsten seinem Vorgänger an. Obwohl er eigentlich nur Kaffee fie d er fein sollte, so ist er vielmehr Kaffee­falscher, d. h. er weiß aus verschiedenen Surrogaten ein Gebräu zu kochen, das dem eigentlichen Mokka sehr ähnlich sieht, ohne eß an Güte zu erreichen. Nebstbei Pfuscht er auch dem Apotheker ins Handwerk, er fabrizirt aus fönst unschädlichen Nggredienzen Katzen­jammer erzeugende Flüssigkeiten und verkauft dieselben als Liquen«, Sonst ist er ausnahmslos Höftich gegen jedermann, er läßt sein Gas-, licht leuchten über Gerechte und Ungerechte, d. h. über Nationale mit der anderen Hand, die Mittel verkürzt und abschneidet, die nö­thig sind, damit die Jugend diese Sprache ordentlich erlerne? Ich frage demnach das hohe Ministerium: ob und wann und wie es die Absicht hat, in Dalmatien jenes Grundgesetz vom 21 . Dezember 1867 durchzuführen, nach welchem jeder Volksstamm die nothwen­digen Mittel zur Erziehung in seiner eigenen Sprache erhalten soll? Politische Revue. Wie man vernimmt, soll gelegentlich der griechischen Konferenz in Paris beantragt worden sein, man möge künftighin alle Diffe­ renzen der Mächte durch ein Schiedsgericht beilegen. — Wird wahr­ scheinlich ein frommer Wunsch bleiben. Aus Pari s wird gemeldet: Die Konferenz nahm in ihrer letzten Sitzung nach Anhörung der Antwort Griechenlands Akt von dem Veitritte des Athener Kabinets zu den in der Konferenz-Dekla­ ration ausgesprochenen Prinzipien, erklärte die diplomatischen Bezie­ hungen zwischen der Türkei und Griechenland iz>80 taow hergestellt und beauftragte ihren Präsidenten, den beiden Regierungen für die den Rathschlägen der Konferenz bezeugte Achtung den Dank auszu­ sprechen. Sodann erklärte sich die Konferenz als aufgelöst. I n Rumänie n wird fleißig fortgerüstet. Borgestern kam eben wieder einmal ein Kanonentransport über Bessarabien hier an. Eine Menge von Maschinisten und Büchsenmachern langt täglich dort an und findet gleich Verwendung im Arsenal, wo manche bis 3 Napo­leond'or wöchentlich verdienen. Die Türken schweben fortwährend in großer Unruhe. Die Herren von Konstantinopel haben außer einem Schwärme von Spionen, die in Rumänien thätig sind, dieser Tage zwei Oberspione, einen Deutschen und einen Griechen erpreß nach Bukurest gesandt, um dem bulgarischen Komits auf die Spur zu kommen. Die dortigen Bulgaren haben davon Wind bekommen und sich gehörig in Bereitschaft gesetzt, die beiden Herren allerliebst zu und NemZkutarje, ohne selbst entschieden Farbe zu bekennen. Auch ihn rufen zur Zeit der Gemeinderathswahlen dringende Geschäfte von Laibach ab und wenn er endlich heimkehrt, so bedauert er es, nicht zugegen gewesen zu sein, um durch seine Stimme vielleicht ein anderes Resultat zu erzielen. Da seine übrigen Eigenschaften denen des Gastwirthes ganz ähnlich sind, so lassen wir ihn sonst ungescho­ren und ewähnen nur noch, daß seine Heimat entweder die Schweiz «der Idria ist, weil nur dieser Boden dem Gedeihen dieser Klasse günstig erscheint. Ter Mlllqueur <8ervu» vul3»ri8j. Auch er entstammt gleich seinem Herrn entweder Idria's gebir­gigen Gefilden, oder der Schweiz fruchtbaren Triften. Er ist ge­wohnt, auf jeden Namen zu hören, obwohl er eigentlich Johann oder Josef heißt. Auf Trinkgelder ist er besonders abgerichtet, er sieht es Ihnen am Gesichte an, ob Sie trinkgeldfähig oder willig sind, und richtet darnach seinen Diensteifer ein. Die Tasche seines Beinkleids hat eine eigene Verlängerung, eine unergründliche Tiefe, feine Stimme ist sonor oder monoton und wenn er beim Billard­spiel die Points zählt, einer Todtenuhr vergleichbar. Die Serviette ist sein Wappen, sein Schwert der Billardstock. Uebrigens ist er kein so armer Schlucker, als es den Anschein hat, dieß sieht man ^ius dem Respekt gewisser Gäste, welche ihn häufig beiseite rufen und vertraulich mit ihm reden. Infolge dieser stillen Audienzen gelangen Uhren, Uhrketten, Ringe und Medaillons in seinen Besitz, meistens allerdings nur auf Wochen oder bis zum ersten des Monats; ist dieser Termin verflossen, dann gehen sie in sein Eigenthum über. Er ist also gewissermaßen ein barmherziger Samaritaner, ja ein wandelndes Versatzamt, zwar ohne Scheine, aber mit desto größeren Prozenten, namentlich dann, wenn Spieler Anlehen machen. — Ist seine Nacht- oder Tagesarbeit beendigt, so geht auch er seinen Ver­gnügungen nach, er unterhalt sich dann besser und nobler, als der Gentleman, der ihm kurz vorher zwei Kreuzer Trinkgeld gegeben; er besucht seine Geliebte mit einem Fünfer in jeder Tasche und klagt über schlechte Zeiten und unregelmäßigen Geschäftsgang. So lebt er von Trinkgeldern und feinem Verdienst, bis er selbst ein Ge­schäft anfängt; dann handelt er an seinen dienstbaren Geistern, gleich wie sein Herr an ihm gehandelt. Wenn er heiratet, fo thut er es nicht aus Vcdürfniß oder des innern Dranges wegen, sondern — doch halt, das verrathen wir nicht. (Forts, folgt.) empfangen. Diese sind richtig angelangt,, getrauen sich aber nicht aus dem Hause. Was werden sie wohl ihren Biodherren in Stambul erzählen?! Kürzlich feierten die Buturester Bulgaren mit ihren slavischen Brüdern, den dortigen Serbo-Kroaten und Polen, auf die großartigste und erhebendste Art einen Trauergottesdienst für den Märtyrer ihrer nationalen Kirche, den greisen, in der Verbannung gestorbenen Erz­bischof Aksentije. Die alte Krönungskirche der walachischen Fürsten war übervoll von patriotischen Besuchern. Nach dem Gottesdienste wurden im Saale der bulgarischen öitalnica „Li-at^Ä Isudov" Reden in slavischer und rumänischer Sprache gehalten, welche die Bedeutung des Festes für die nationale Sache auseinandersetzten. Aus Böhme n wird Wiener Blättern von einem Broschüren-Spektakel berichtet, dessen Ursprung Berlin sein soll. Wir geben den diesbezüglichen Bericht des „Wiener Tc.gblatt" ohne weitere Kom­mentare wieder. „Vor kurzem'trug eitt Pascher von Schreiberhau ein an den Hochstädter Postmeister adressirtes, gut geschnürtes und versiegeltes Paquet über die Grenze. Der Posterpeditor in Schreiberhau soll an den Mann bei der Uebergabe des Paquets die Frage gestellt haben, „ob sie denn in Böhmen Revolution machen wollen?" Der Pascher verstand anfangs den Sinn dieser Worte nicht, doch begriff er wohl auf dem Wege gegen Prichowitz, daß in dem Paquete ein wichtiges Geheimniß enthalten sein müsse. Hier angelangt, kehrte er im Gast-Hause des P. ein und theilte dem Wirthe seine Besorgnis; mit, daß er fürchte, verbotene Broschüren zu tragen. P.' schlug vor, das Pa­quet aufzureißen, womit sich der Pascher einverstanden erklärte; sie fanden zum Staunen Beider eine Anzahl von lithografirten Bro­schüren, wovon P. ein Eremplar an das Tannwalder k. k. Finanz­wach-Kommissariat sandte und die übrigen direkt an unser Ministe­rium nach Wien schickte. Uebrigens sollen derartige Flugschriften in und um Hochstadt zirkulicen und foll die Haupttendenz derselben die „Aufforderung der Steuerverweigerung fein." — Vernmthlich sind diese und ähnliche Nachrichten mindestens übertrieben. Die Broschüre soll trotzdem feitdem bereits konfiszirt worden fein und der Prager Ober­staatsanwalt ein bezügliches Rundschreiben an die Unterbehörden erlassen haben. — (Ungarische Wahl g eschichten.) Der „Corr." zufolge wird in Ungarn die Linke ungemein verfolgt. Erlau und Gyöngyös wurden der Vollgewalt des tonigl. Kommissars untergeordnet. Die verschiedenartigsten Pressionen hinsichtlich der Wahlbewegung gehen von dem Bureau des Kommissärs aus; mit einem Worte: wir ha­ben Belagerungszustand. Aus Baj6th , einem Orte im Graner Komitate, wird berich­tet: Die ganze Gemeinde wird von dem Deäkistischen Richter in das Gemeindehaus geladen, und jeder Einzelne, der für den Kandi­daten der Deäkpartei zu stimmen verspricht, erhalt Wein, Fleisch, Zigarren und außerdem eine Ladung Brennholz aus dem Walde des Primas. Das alles wird unter der ausdrücklichen Bedingung ver­abreicht, daß die Betreffenden gegen den Kandidaten der Linken stim­men müssen; sollten sie für ihn stimmen, so müßten sie nachträglich die ganze Zeche bezahlen. I n Mezötu r ging ein Wirthschaftöbeumter des Ministers Gorove mit einem eigenhändigen Schreiben des Ministers von Haus zu Haus hausiren, um Proseliten für die Deäkpartei zu machen. Der Minister verspricht in dem Briefe denjenigen, die für den Kan­didaten der Deä,kpartei thätig sind, sich durch „Gegendienste" dank­bar zu zeigen. I n Tola h kamen einige einflußreiche Gemeindeniitglieder zu dem reformirten Seelsorger, der dem linken Zentrum angehört, und drohten ihm, er werde von feinem Amte verjagt werden, wenn er die Fahne der Linken nicht verläßt. I n einem Orte in Siebenbürgen sind die Deäkisten auf ein ebenso sinnreiches als ergötzliches Mittel verfallen. Sie schicken 4—5 handfeste Kerle von Haus zu Haus, um Unterschriften für die Kan­didatur eines Regierungskandidateu zu sammeln; wersich nicht willig zeigt, der wird im eigenen Hause weidlich durchgeprügelt. Im Decser Wahlbezirke in Siebenbürgen streut das Dcati­siifche Zentralkomits Pamfiete aus, worin die Führer der Linken als Werkzeuge Vratianos und Vismarcks bezeichnet werden. I n einem „Kortesliede" der dortigen Deäkisten heißt es: „Wollt ihr unter russisches Joch kommen, so wählet die Kandidatur der Linken." Tagesneuigkeiten. Laibach, 23. Februar. — (Das neu« Irrenhaus.) Dr. Schlager'« Berufung war, wie wir zuerst vorhergesagt, von schlagendem Erfolge; — es wurde aus humanimren, irrenärztlichen und national-ökonomischen Gründen der irrationale Umbau fallen gelassen, und Kram wird wieder zeigen, daß sein Landesausschuß, resp. Landtag dem Zeitgeiste, wenn es das wahre Wohl des Landes erheischt, volle Rechnung trägt. Wir weiden demnächst ein Irrenhaus besitzen, wie es sog. liberale Lander, wie Kärnten, Steiermark noch lange nicht be­sitzen dürften. — Dr. Schlager wurde beauftragt, Plane, Voran­schlag, innere Organisation u. s. f. für ein Irrenhaus auf zirka 100—120 Köpfe auszuarbeiten, welche dem nächsten Landtage vor­gelegt werben sollen. — (Prüfungen.) An der hiesigen l. l. geburtshilfli­chen Lehranstalt finden am 26. und 27. d. M . die Semester-Prü­fungen in flovenischer Sprache statt. — (Der letzte Sololabend) fand nicht statt, wie wir hören, aus — finanziellen Gründen. — (Treffende Antwort.) Einen Slovenenfresser in Gottschee »ersetzte die Art und Weise, in welcher die „Reform" die slavischen Zustande bespricht, in eine derartige Wuth, daß er an die genannte Wochenschrift einen wüthenden Artikel schrieb. Als Antwort bekommt er nun in der „Korrespondenz der Redaktion" folgende treffenden Worte: Herrn Dr. M. (Marschall?) in Krain: Wir haben es vor­ausgesehen, daß unsere deutschen Landsleute über den Artikel „Ein Königreich Illyrien" zürnen weiden, und es wundert uns daher gar nicht, daß Sie uns diesen Aufsatz als Verrath am Deutschthum vor­werfen. Wir fagen Ihnen aber, daß Sie durch Ihren Slavenhaß das echtbewußte Deutschthum beschimpfen und die Stellung der Deutschen in Oesterreich sehr gefährden, wahrend wir das Bewußt­sein haben, mit unserer Slavenfreundlichleit eben nur gerecht zu sein; und Gerechtigkeit währt am längsten. Wenn Sie uns übrigens einen sachgemäßen, in geziemender Form geschriebenen Gegenartitel einsen­den, so weiden wir denselben bereitwilligst aufnehmen. Der Gegen­stand ist einer eingehenden Besprechung welch. — (Sehr erbaulich.) Aus Trieft wird der „Corr." ge­schrieben: Der „Osserv. triest." veröffentlicht eine vom 8. d. M . datirte Eingabe mehrerer hiesigen Frauen an den Leiter der Statt­halterei, Herrn FML. Möring, worin dieselben mit Hinweisung darauf, „daß eine Schaar junger Müßiggänger sich zu dem unwür­digen Zwecke vereinigt zu haben scheine, durch grobe Störungen vom Kirchenbesuch in der gegenwärtigen Fastenzeit abwendig zu machen und unter den zum Gebet Versammelten selbst Petarden explodiren zu lassen drohen," um Schutz gegen solche Beleidigungen und Be­drohungen bitten. Auch meldet das nämliche Blatt, daß dieser Tage mehrere junge Leute während der Predigt in der Kirche S. Maria Maggiore durch Zischen und Husten ein solches Geräusch verursach­ten, daß der Geistliche seine Rede unterbrechen und die Störefriede zur Ruhe ermahnen mußte. — (Prozeß Kaiadjoidjeviö.) Bekanntlich fand dieser Tage eine Verhandlung gegen die Mörder, resp. Theilnehmer am Morde des serbischen Fürsten statt. Wie man der „Corr." aus Pest telegrafirt, beschloß der Gerichtshof, den in der Voruntersuchung ge­wesenen Karadjoidjeviö, Trifkoviä und Stantoviä wegen Theilnahme an der Ermordung des serbischen Fürsten in den Anklagezustand zu versetzen. — (Maßregeln.) Aus Bu kürest meldet man der „Corr." Der „Monitor«!" meldet, daß der Eigenthümer der „Reform" we­gen Veröffentlichung der Proklamation des Vulgaren-Komites vor­geladen und aufgefordert worden ist, die Mitglieder des Komites namhaft zu machen, damit, falls dieselben sich auf rumänischem Ge­biete befinden, eine Erhebung gegen die Türkei verhindert werden könne. Oberst Sazageslu ist zum Polizeipräsidenten von Buturest ernannt worden. — (Preßprozeß wegen einer Annonce.) Das „Wie­ner Tagblatt" wurde dieser Tage wegen einer Annonce verurtheilt, welche als Aufforderung zu einer unsittlichen Handlung aufgefaßt worden war. Die inliiminirte Annonce lautete: „Ein hübscher ledi­ger Mann sucht die Bekanntschaft einer jungen Dame, die aber ver­heiratet sein müßte." — Wie wir sehen, ist der Gegenstand der Ankündigungen in Wiener Blättern ein sehr mannigfaltiger. WH " Fortsetzung in Die lrainische Handels- und Gewerbekammer und ihr Programm.") IV. Die Zivilisation wächst mi< dem Zuwachs des Reichthums, der Reichthum selbst aber besteht in der Macht, über die Dienste der Natur zu verfügen ; leider jedoch verstehen die wenigsten Staaten von den segensreichen Gaben, welche die Natur und Vorsehung nach ihrer Willkür austheilt, von diesen dargebotenen Gütern den wahren Nutzen zu ziehen, und so wandern noch immer zum größten Theile die Rohmaterialien des Kontinents auf die brittischen Inseln — für die englische Arbeit. Das englische System, nämlich die Trennung der Konsumenten von dem Produzenten, ist mit Recht von vielen Nationalökonomen für das größte Unglück der menschlichen Gesellschaft bezeichnet wor­ den, weil dieses System aus der einen Seite einzelne unermeßliche Reichthümer und zugleich Pauperiswus schafft, wie uns gerade Eng­ land den glänzendsten Beweis dafür liefert, und andererseits die Agrilulturstaaten sich leiner Prosperität erfreuen tonnen. Das brit­ ische System, welches, wie gesagt, stets auf die Trennung des Pro­ duzenten vom Konsumenten hinzielt, hat für die Insel nach zwei Richtungen große Vortheile: erstens weiden die Preise von Roh­ materialien durch dieses System herabgedrllckt, und zweitens ist Eng­ land eben durch dieses für andere Staaten so verderbliche System eine kolossale Werkstätte für die Welt geworden. Vom Meere umschlungen und durch zahlreiche Kanäle hat Eng­land die billigsten Transportmittel zum Bezug von Rohprodulten und zum Versand von Fabrikaten, abgesehen von außerordentlich verzweigten Eisenbahnen. Zur Fabrikation haben die Engländer das wohlfeilste Eisen, die wohlfeilste Steinkohle, wohlfeiles Gas, mehr Kapital und billigeren Zinsfuß als irgend ein anderes Land. Daß die Engländer, wiewohl sie früher die schärfsten Schutzzöllner^) waren, jetzt unter solchen Bedingungen für die ganze Well das Freihandels­system verkünden, ist sonnenklar, so wie es erklärlich und statistisch erwiesen ist, daß die Ausfuhr ihrer Fabrikate erstaunlich zunimmt. Und diese Zunahme fällt fast ganz auf die Manufakturzweige, deren Rohstoffe fämmtlich aus dem Auslände bezogen werden. Die eingeführten Lebensmittel würden, wenn man sie, — wie ein ame­rikanischer Nationalökonom sagt, — unter vier Millionen Menschen veitheilt, weit mehr ergeben, als die durchschnittliche Konsumtion der in den brittischen Werkstätten beschäftigten Männer, Weiber und Kinder beträgt, und man kann also ohne Zweifel annehmen, daß das Kontinent vier Millionen englische Arbeiter mit Nahrung, Kleidung und Wohnung versorgt, weil es statt heimische englische Arbeit be» zahlt. Ferner liefert nach den neuesten statistischen Daten gegen­wärtig die brittische Dampfkraft eine tonzentrirte Arbeit von 600 Millionen Menschen und diese Arbeiter brauchen keine Wohnung und keine Nahrung außer etwas Steinkohle. Von den Rohma­terialien liefert das Ausland alle Seide und Baumwolle, alles Oel, allen Salpeter und alle Farbstoffe, von den Häuten der Wolle, dem Flachs, Hanf nnd verschiedenen andern Artikeln liefert es nicht nur alles^ was in der Form der Manufakturen wieder ausgeführt wird, sondern auch um so viel mehr, was überdieß noch mehrere brittische Einwohner nährt und kleidet. Es wird einmal die Zeit wohl kom­men, ja sie muß kommen, wo die Agrilulturstaaten einsehen werden, wie thöricht sie waren, ganze Berge von Reichthümern auf die brit­tische Insel für deren Arbeit und Fabrikate zu schleppen, statt die Rohstoffe zu Hause zu verarbeiten, da zu spinnen***), weben und fär­ ») Wir entsprechen dem Verlangen de« Herrn Einsenders und veröffent­lichen diesen Aussatz unveländert, die Vertretung des Inhaltes selbstverständlich auch ganz dem Herrn Verfasser überlassend. Anmerkung der Redaktion. *») Als ich, schrieb ein sehr aufgeklärter Leinwandfabnkant aus Vaiern, im Jahre 1814 in London auf deutsche weißgebleichte Leinen Bestellungen suchte, zahlten dieselben 40 Prozent vom beschworenen Wetthe, gefärbte sogar 100 Prozent. Alle fremden Baumwolwaaren waren total verbothcn. — Eng­land war ein Prohibitivstaat noch vor 27 Jahren imstrengsten Sinne. -^ Erst unter Peel brach dieses System, nach großen Debatten, im Jahre 1842. N»m. des Verfassers. "' ) Die NaumwoN-Industrie Englands ist eine Diamantengrube und ist das Fundament ler englischen Macht. Dort gibt es Spinnereien mit 100,000 bis 140,000 Spindeln, zusammen 31 Millionen Spindeln; Ruß­ der Beilage. "W U den ?c. Je mehr, wie bereits angeführt, der Produzent und Kon­sument nebeneinander rücken, desto größer ist die Prosperität des Landes. Wie weit kamen denn die bloß Ackerbau und Viehzucht treiben­den Nationen? Man blicke nur auf die östlichen Länder, als: Polen, Ungarn :c., Erfahrungen und Bedürfnisse müssen unser Leitfa­den sein. Ja nur in einem Staate, welcher die Manufatturkraft mit der Agrilulturkraft in seinem Innern vereinigt, blüht der all­gemeine Wohlstand. Der Grund und Boden steigt im Preise und jede Arbeit ist nutzbar. Ein Staat, der heutzutage in der Agrikultur allein den Schwerpunkt zu suchen glaubt, ein solcher Staat hat sich selbst den Todesstoß gegeben. Die Staatengeschichte vieler Länder liefert uns glänzende Beweise davon. Soviel aber ist es gewiß, daß die gegenwärtige Höhe des Handels und der Industrie Englands dasProdukt der englischen Staatsweisheit ist, sie ist das großge­zogene Kind der englischen Minister, die seit der Königin Elisabeth bis noch vor wenigen Jahren überall dem englischen Han­del, der englischen Industrie, der englischen Landwirthschaft der englischen Schiffahrt, wie wir alles nachweisen werden, stets zeitge­mäßen Schutz verliehen, und auch stets zeitgemäß aufgehoben haben. Wer kennt sie nicht die berühmten Navigationsakte, denen vielleicht England den größten Theil seiner Handelsmacht zu verdanken hat, und die klügsten Staatslenker Pitt und Fox huldigten entschieden diesem Systeme. Und Georg I. sagte im Jahre 1721 in seiner Thronrede zum Parlament: Es ist einleuchtend, daß nichts so sehr zur Beförderung des öffentlichen Wohlstandes beiträgt, als die Ein­fuhr von fremden Rohstoffen und die Ausfuhr von unseren Fabri­katen, weil der Kontinent die englische Arbeit bezahlt. Dieß war, wir sagen es noch einmal, seit der Königin Elisabeth der leitende Grundsatz der englischen Handelspolitik und er ist es noch heute, nämlich: Rohstoffe einführen, Fabrikate ausführen. Diefe Tendenz lag ihren Handelsverträgen stets zu Grunde; in ihren Worten sind die Engländer, wie auch bereits schon angeführt, Kosmopoliten und in ihren Werken immer nur Monopolisten. Gehen wir nun vor allem zu der angeführten Navigations­akte. Englands Handel war, wie der treffliche englische Geschicht­schreiber Hume bemerkt, vor Jahrhunderten ganz in den Händen der Kasterlinge der deutschen Hansa, und die Handelsgeschichte Englands kennt kaum eine Maßregel von so tiefgreifender Wichtigkeit und von so allgemeinen Wirkungen, wie die englischen Novigationsakte. Lon­don ist geworden, sagt Mac-Enlloch, was Amsterdam früher ge­wesen, der große Markt der Welt, riinversi, ordis tsirÄrum sm­poriuiu. Die Frage, welche England jetzt zu erledigen hat, ist nicht, welche die besten Mittel sind, um zur Herrschaft auf dem Meere zu gelangen, sondern wie sein Vorrang, den es bereits erlangt hat, zu bewahren sei. Zur Zeit, als die Schiffahrtsakte erlassen wurde, befanden sich England und Holland zwar nicht in offenbarem Kriege miteinander, aber ein feindseliger Haß trennte die beiden Nationen. Uns müßte es offenbar in unferm Zwecke zu weit führen, wenn wir ausführlich den Beweggrund beschreiben sollten, warum und wann die angeführten Schiffahrtsgesetze erlassen wurden, welche in England seinerzeit allgemeinen Beifall gefunden, und worüber Prießlei ganz nach unferm Standpunkte gesagt hat: „Es dürfe ebenfo klug sei, die Navigationsbeschränkungen aufzuheben , wie es klug war, sie einzuführen." Nachdem es in L. R. Schmidts Komptoirhandbuch über die eng­ lischen Schiffahrtsgesetze, Seite 1226, wörtlich heißt: „sie sind aber so weise, als ob sie sämmtlich von der überlegensten Staatsklugheit erdacht worden wären," wollen wir vor allem den § 12 der bezeich­ neten Schiffahrtsgesetze anführen und dann in gedrängten Umrissen weitere Erläuterungen machen. § 12 lautete: „Brittische Schiffe im Seehandel. Kein Schiff soll als brittisches behanoelt werden, wenn dasselbe nicht mit einem Register versehen und den Gesetzen gemäß bemannt ist. Jedes brit­ tische Negisterschiff foll während der Dauer einer jeden Seereise, es mag geladen sein oder nicht, in allen Welttheilen von einem briti­ schen Unterthanen als Schiffsführer befehligt und mit Schiffsvolk land hat 2 Millionen >md Oesterr, 1.800,000 Spindeln. „Der Industrielle Vstercn,", Seite 8. Anw. d, Verf. bemannt sein, von dem zum wenigsten dreiviertheile brittische See­leute sind. Und wenn ein solches Schiff in der Kllstenfahrt von einem Theile des Königreichs nach dem andern, oder in einer Fahrt zwischen dem Vereinigten Königreiche und den Inseln Guernsey, Jersey, Alckreny, Sark oder Man, oder von einer jener Inseln nach der andern, oder von einem Theile irgend einer derselben nach einem andern Theile solcher Inseln oder auch in der Fischerei an den Küsten des Reiches gebraucht wird, so soll die ganze Besatzung aus britti. schen Seeleuten bestehen." Wir waren wohl in der Lage, alle 22 ßß, welche die Navi­gationsakte enthielt, unseren Lesern anzuführen, jedoch aber wollen wir aus dem Grunde, als wir nur mehr in allgemeinen Umrissen schreiben, nur aus der Zeitschrift: „Der Kaufmann" redigirt von Dr, Julius Schadeberg in Halle an der Saale, anführen, was die­felbe über die Navigationsfrage berichtet, und geben bloß folgenden Auszug: Dieser Akte zufolge durfte kein Schiff mit Gütern aus andern Welttheilen in englische Häfen einlaufen, das nicht in England ge> baut, nicht Eigenthum eines englischen Unterthanen war und nicht mindestens Dreiviertheil der Bemannung geborene oder naturalisirte Engländer hatte. Die einzige Ausnahme war, wenn ein Schiff mit Produkten seines Landes, und zwar nur aus Europa, beladen in englische Hafen einlief. Aber auch diesen schwachen Vortheil konnten die fremden Nhe­den nicht benützen, weil die englischen Zollgesetze auf die Wallren, welche auf fremden Schiffen ausgeführt wurden, einen höheren Aus­gaugszoll legten, als wenn sie auf englischen Schiffen ausgeführt wurden. Eine Tonne englisches Bier zahlte auf englischen Schiffen 2 Sh., auf fremden 6 Sh. Ausgangszoll; Baumwolle aus britti­schen Kolonien gab auf brittischen Schiffen keinen Ausgangszoll, auf fremden aber 5 Perz. des Werthes; das Chaldron Steinkohlen er­legte auf englischen Schiffen 15 Sh,, auf fremden 2? Sh. Aus­gangszoll. Fast alle Handelsgüter wurden mit einem Differentialzolle zum Vortheil der einheimischen und znm Nachtheil der fremden Flagge belegt. Andere, wie Farbchölzcr, waren dem Ausländer geradezu verboten . Es ist einleuchtend, daß, wenn nicht besondere Umstände den englischen Kaufmann dazu nöthigten, er lein fremdes Schiff be­fruchtete, oder daß der fremde Schiffer, um eine Rückfahrt zubekom­men, sich den Betrag der höheren Bezollung an der Fracht kürzen lassen mußte. Dieß sind die allgemeinen geschichtlichen Umrisse der englischen Navigationsakte. Betrachten wir die großen Wirkungen derselben für England und den Welthandel. Kein fremdes Schiff durfte anders als mit den Produkten des eigenen Landes in die brittischen Häfen einfahren. Ein deutsches Schiff, das mit Getreide nach Schweden gefahren war, durfte lein Eisen laden, um in einem englischen Hafen zu löschen, wie ein holländisches Schiff, das eine Ladung Kolonialen nach Ruß­land verführt hatte, dort keine Felle, keinen Leim oder Talg oder ein anderes russisches Produkt für England verladen durfte. Das höchst einträgliche Geschäft der Frachtfahrt der fremde n Nhederei wurde geradezu vernichtet. Die nächste Wirkung war Zunahme uud Ausbildung der eng­lifchen Handelsmarine, Vermehrung der Verdienste, Zunahme des Wohlstande s uud bessere Lage seines Schiffsvolies; — bei den fremden Nationen Verlust der Frachtverdienste, Abnahme der Nhede­rei und der Seetüchtigkeit des Schiffsvolkes, Abnahme der Kapital­kraft und der politischen Macht, die Ausdehnung des englischen Handels mit allen nordischen Reichen, mit Deutschland und Belgien. Von dort bezog England Rohstoffe und sandte dahin fast ausschließ­lich Fabrikwallren und Kolonialprodukte. Die Navigationsakte verbot den Engländern den Gebrauch von Schiffen, die nicht in England gebaut waren. Holland und die deut­schen Uferstaaten, zumal Danzig, Königsberg u. a, verloren dadurch die Vortheile, die ihnen das Gewerbe des wohlfeilen Schiffbaues einbrachte, und die Engländer waren genöthiget, die größte Sorg­falt auf den eigenen Schiffbau zu verwenden. Es zwang dadurch die baltischen Länder, die Schiffbauhölzer im Preise herabzusetzen, wenn sie sie nicht wollten verfaulen lassen, und setzte seine Weiften in den Stand, wohlfeiler bauen zu können. Der brittische Handel wurde in allen seinen Haupt zweigen Aktiv Handel. Wie sich die englische Schiffahrt ausdehnte und England es anderen Nationen so schwer und nachtheilig machte, ihm ihre Giiter zuzuführen oder englische Wallren mit eigenen Schiffen aus dem Lande zu holen', fo war es eine natürliche Wirkung, wenn sich da­ durch auch der Gang des Handels veränderte. Die Kommissionen der Fremden auf England konnten nicht mehr bleiben, wie sie Jahr­ hunderte lang gewesen waren, sondern die englischen Kaufleute setz­ ten in allen großen Seeplätzen und in allen Handels- und Meß­ städten ihre Kontore ein, an welche sie ihre Schisse, ihre Ladungen und Güter konsigmrten. Zwei Jahrhunderte hatte es nach diesem Vorzuge getrachtet, seine wagenden oder Adventurer Kaufleute hatten in Danzig, Hamburg, Bremen, Köln u. a., in ganz Deutschland und in den Niederlanden darnach getrachtet, eigene Kontore auf den großen Handelsplätzen zu errichten, aber der Zweck blieb nur unvoll­ ständig erreicht, bis die Nllvigationsakte dem englischen Handels­ stande es möglich machte, ganz Europa mit einem Netze von engli­ schen Handelshäusern zu übersiricken. Die Navigationsakte verlangte, daß kein Fisch des Meeres auf englischen Boden gebracht werden würde, der nicht auf einem engli­ schen Fahrzeuge von einem geborenen oder naturalisirten Engländer gefangen und von einem englischen Schiffe mit brittischer Bemannung ans Land gebracht wäre. Diese Bestimmung gründete den englischen Härings- und Wallsischfang und brach das Monopol der Holländer. Die Nllvigationsakte setzte die Regierung in den Stand, die vortheilhaftesten Verträge abzuschließen. Die mächtigen Erfolge der Akte nöthigten die Negierung zur Annahme und Verfolgung der staatspolitischen Grundsätze, durch deren Anwendung England zur ersten Seemacht der Welt emporgewachsen ist. Wie England vermittelst seiner Politik — denn die Naviga­ tionsatte hat nicht etwa nur eine ökonomische, sondern weit mehr noch eine Handels- und staatspolitische Seite — feine Seemacht fchuf, so hat es mit seiner Marine feine Manufaktur-und Handels­ kräfte bis ins erstaunliche vermehrt. — Der heutigen Postauflage liegt ein Exemplar des „Lrsuoslj" bei, der nach mannigfachen Hindernissen endlich die Presse verlassen hat. Wir erinnern nochmals, daß jene p. t. Abonnenten des „Triglav", welche den „Lreuoelj", der von nun an zwei» mal im Monate erscheinen wird, nicht beziehen wollen, den­selben retourniren mögen, damit die Versendung eingestellt wird. I n Kürze wird der „Lreuoch'" illustrirt erscheinen. Der Preis ist, wie bisher, 10 kr. für die Nummer. Einzelne Exemplare sind auch in Hrn. Ottokar Klerr's Buchhandlung am Hauptplatz zu haben. — Der nächste „Lrencoli" erscheint mit Ende der Woche. Erklärung. Da gewisse Leute in der Stadt, wie wir hören, in tendenziöser Absicht Gerüchte kultiviren, als würden die „Laibacher Typen" aus der Feder des Herrn I . A. Hartman n stammen, so erklären wir hiemit, daß genannter Herr nicht der Verfasser derselben ist. Die Redaktion. l'/v und 2 Netzen, sind zu den billigsten Preisen in großer Anzahl bei Gefertigtem vorriithig. Derselbe empfiehlt auch die bei ihm befindliche der Natschacher Papier-FabriK v°n luftgetrockneten deßgleichen das große Wohl assortirte Manufaktur - Waaren - Lager, welches zu den billigsten Preisen abgegeben wird. 11-5. — Chemisches Attest und wissenschaftliches Gutachten über das An atherin-Mundw asser des Herr» Zahnarzt Tr. I . G. Popp in Wien. Durch die wiederholte und Vielseitige Prüfung der Gesundheits­und Toilette-Mittel weiden deren Vorzüge und gute Eigenschaften im­mer genauer erforscht und auf unparteiische Weise festgestellt, so daß alsdann da« Publikum den fortgesetztesten, ausgedehntesten und unbe­denklichsten Gebrauch davon machen kann. Obgleich daher das be­rühmte Anatherin-Mundwasser des Herrn Dr. Popp in Wien, Stlldt, Bognergllsse Nr. 2, schon langst als ein Präparat von ganz vorzüglichen Eigenschaften bekannt ist, so habe ich doch dasselbe auch einer gründlichen wissenschaftlichen, analytisch-chemischen, pharmakolo­gischen und technisch-phisiologischen Prüfung unterworfen, nm dadurch ein wiederholtes kompetentes und fachwiffenschaftliche« Urtheil und Gut­achten zu gewinnen. Als Resultat dieser Prüfung hat sich demzufolge herausgestellt, daß dieses Anatherin-Mundwasser aus höchst vorzüg­lichen Kräuterstoffen zusammengesetzt ist, und zwar nur aus solchen, welche nach den wissenschaftlichen Beobachtungen und Erfahrungen aller Zeiten bei Mund- und Zahnlciden aller Art von der ausge­zeichnetsten Hcilsamleit und Wirksamkeit, in keiner Beziehung aber für die Gesundheit jemals schädlich nnd nachthcilig sind. Gs muß somit anerkannt werden, daß der große Ruf, den diese« Anlltherin-Mundwllsser bereits längst besitzt, ein vollkommen begründeter ist, und daß dasselbe um seiüer vorzüglichen Eigenschaften willen ganz allge­mein und bestens zu empfehlen ist, was ich, auf Grund der von mir damit vorgenommenen wissenschaftlichen Prüfung der Wahrheit gemäß hiedurch bestätige und durch meines Namens Unterschrift und Siegel bescheinige und beglaubige. Berlin, 16. November 1868. approbirter Apotheker und Chemiker I. Klaffe; wissenschaftlicher Untersuche! und Sachverständiger für medizinische, pharmazeutische, technische,chemische und Gesundheits-Artikel, Fabrikate und Dro­guen aller Art. l Zu haben in: Laibach bei Josef Karinger, Ioh. Kraschowitz, A. Knsper, Petriii« H Pill«, Ed. Mahr, F. M. Schmitt und Kraschowitz' Witwe; Krainburg bei L. Krisper; Vleiburg bei Herbst, Apotheker; Wara«diu bei Halter, Apotheker; Rudolfsw erth bei D. Rizzoli, Apotheker; Gurkfeld bei Friede. BÜMchcs, Apotheker; Stein bei Jahn, Apotheker; Görz bei Franz LllMr und Pontoni, Apotheker; 16-1 . Wartenberg bei F. Gadltt. Einladung zur allgemeinen Versammlung der Ehren- und wirklichen Mitglieder des gewerblichen Anshilss-Kassa-Vereins in welche am 28, Februar 1869 Vormittag um 11 Uhr im großen städtischen Rathhaussaal e abgehalten werden wird. Programm der zum Vortrage kommenden Gegenstände: 1. Eröffnungsrede des Vereins-Vorstandes. 2. Jahresbericht und Rechnungsabschluß pro 1868. 3. Mittheilungen des Vereins-Vorstandes. 4. Andere allfällige besondere Anträge. 5. Bericht des in der letzten allgemeinen Versammlung ge­wählten Revisionsausschusses. 6. Wahl von 4 in diesem Jahre zum Austritte bestimm­ten Verwaltungsräthen. ?. Wahl eines neuen Revifionsausschusses zur Prüfung der Iahresrechnung von 1869. 17—1. Eigenthiimer und Herausgeber keter Orasnelli. Für die Redaktion verantwortlich: ^K . HlsZovo. — Druck von ^osel L1a»uiK in Laibach. 5. N. HlarinsoKßli.