Miltzen mih Vergnügen. -----^—«« 22 -——------ Freptag den 28. May 1824. Ritter Hugo Heron. ^' (Fvrtsetzung). X^ie Geschichte des Soldaten verbreitete sich wlit «nd breit, und das Volk trauerte um den verwunde» t?n und gefangenen Ritter. Niemand aber schien sein Schicksal mehr zu schmerzen, als seinen Vetter Aymer; nnd obgleich er zuweilen die Geschichte als eine Erdichtimg angesehen haben wollte^ so sprach er doch oft von dem wandelbaren Kriegsglück und den eben so wandet baren Männerherzen. Er suchte jede Gelegenheit, um Bcatrice nahe zu seyn; manchmahl fragte er sie/ ob sie von der französischen Dame geträumt, und wie wohl die Lille und die Distel sich zusammen auf seinem Schilde ausnehmen würden? Dann bedauerte er, daß ein solcher Schandfleck auf einem so alten und rühmlichen Nahmen haften solle, Beattice hörte AlleZ an, aber ihr Glaube an ihres Geliebten Treue blieb unerschüt-tert. Der Mutter Kummer aber war tief: zwarWun-den und Gefangenschaft achtete sie nicht sehr, denn, meinte sie, junge Wunden heilen bald, und Gold kann aus der Gefangenschaft befreyen — aber Treulosigkeit gegen Geliebt« und Vaterland — das konnte sie ihrem Sohne nicht vergeben. Eines Abends erschien ein Harfner vor dem Burgthor und bath dringend um Einlaß, den ihm der Pförtner, seines erhaltenen Befehles gemäß, verweigern > mußte. Heattice, die an ihrem Fenster saß, hörte ihn > von der Normandie reden und den großen Herren, die er dort fechten gesehen, und sie bath Ritter Aymer, ! den Barden doch einzulassen. »Euch zu Gefallen, Fräu- lein, sagte der Ritter, will ich diesen müßigen Ver-fenfchmied für eine Nacht aufnehmen; es ist einer von dem Lügengeschlecht, das den Niedrigen erhebt und den Hohen erniedrigt, und für ein elendes Goldstück die edelsten Nahmen befleckt; aber Ihr wünscht es, und das ist mir genug." Und er ging und brachte den Harfner in das Prunkzimmer. Es war ein kleiner Greis, der von Jugend auf Harfner und Krieger gewesen; er war aus jener lang bestrittenen Gegend zwischen England und Schottland, welche unter dem Nahmen des bestrittenen Landes bekannt war. Ein Mahl war «r dem englischen, ein anderes Mahl dem schottischen Heere gefolgt, und war, wie mancher Größere seiner Zeit, wechselsweise ein Plünderer und Vertheidiger feines Vaterlandes gewesen. B^atrice befragte ihn über den Krieg in der Normandie. Er sagte, von den Thaten der Armee wisse er wenig; er besing« bloß die Tapferkeit und den Heldenmuth einzelner Krieger, die Thaten der Menge überlasse er dem Geschichtschreiber u. s. w. Dabey schien er traurig, und nur mit Mühe konnte ihn das Fräulein bereden, zu singen, denn, sagte er, was er ihnen fingen müsse, sey ein Gesang der Wahrheit, aber der Trauer, und es schmerze ihn, ein so schönes Fräulein zu betrüben. Jedoch sang'er. Sein Gefa.iZ war vom Ritter Heron, wie er tödtlich verwundet an einem See gelegen, mit Trauer nach der Geliebten in der Heimath hingeblickt, und bann mit dem Troste, daß er in glorreicher Feldfchlacht gefallen, gestorben sey.— Als das Lied geendigt war, stand das Fräulein auf,, legt» dem Greis eine Perlenschnur auf die Harfe, „nd entfernte sich; aber mit lautem Ächzen sank sie vo? — 66 — ibrer Kamlnerthur nleber. Die Frau'von Heron eilte hin^u, und pflegte ihrer wie einer Tochter. Acht ganze tage lang vermißten sie die Bauern auf der Burgzinne, ,on wo sie Morgens und ?lb«nos auf das Meer hinaus» zu blicken pflegte; a,n neunten aber erschien sie wieder/ und man vernahm aufs Neue den Klang ihrer Laut« »nd ihrer Stimme von ihrem vergitterten Fenster. Dieß war-im Sommer; die Mitte des Herbstes kam und brachte keine gewisse Nachricht von Ritter Hugo. Das Gerücht «var um fo thätiger: gar man-cherley Widersprechendes und Abenteuerliches erzählte «j von ihm — aber genug, um Neatricens Seele mit Zweifel und Besorgniß zu erfüllen. Das Lied des Min» nesängers sing sie an als eine Erdichtung anzusehen, welche Dichter oft nach einer bloßen Verwundung oder »erlernen Schlacht sich bedienen, um über den Gegen« stand ihrer Verehrung nach Herzenslust klagen zu tön« nen. Ab«r obgleich sie da< äußere Ansehen der Mun» terkeit behielt, fo sah man doch die Unruh« in ihren Augen, und die Abnahme der Blüthe auf ihren Wan, gen. Rittee Aymer war unermüdet aufmerksam, und so wachsam für die Sicherheit des Schlosses/ daß er Niemand bey den Frauen zulassen wollte, mit den« «V nicht vorher heimlich gesprochen; ja man flüsterte es sich ins Ohr, daß er manches Geschenkund manche Both: schafr aus der Normanbie aufgefangen und unterschla« gen habe, und daß er seine Augen auf das schone Frau» lein und die reichen Marken oonHeron geworfen. "-" Il^der Bmg selbst aber schien man von allen diesem nichts zu ahnen. Die Burgfrau verließ selten ihr Ge« mach, und nur, um in der Capelle zu bethen, wo sie oft bis spat in der Nacht blieb. Beatrice war ihre beständige Gefährtinn: sie liebte sie jetzt wie ihr eigenes Kind, und wünschte sehnlich ihres Sohnes Rückkehr, um ihre Hand in die seinige legen zu können. Aber die Liebe dieses edlen Paars und die Wünsche der guten Mutter sollten nicht ohne vorherige Gefahr und Blut gekrönt werben. Man erzähle, wahrend des französischen Krieges habe die Erscheinung, die RitterHugo in England gesehen, ihm beständig im Sinne gelegen, wobey ihn die Bekanntschaft mit seines Vetters Gemüthsart mit Miß» trauen und Ahnungen erfüllte. Das gänzliche Still, schweigen sem«r Mutter und Geliebten auf alle die Geschenke und Bothschaften, die erhesmgesandt, ww'd« ihn von dem äußersten Ende der Erde zurückgebracht haben, hätten ihn nicht seine Pflichten als Unterthan im Lager zurückgehalten. Daß aber seine Heimath, feine Mutter und Geliebte ihm immer vorschwebten, bemies sich bey der stürmenden Einnahme von Caen, wo er mitten in der Metzeley und dem Angsigeschress in das Gemach «ines normann'schen Zauberers stürzte, und, mit dem bluttriefenden Schwerte in der Hand, seine Burg, seine Mutter und Geliebt« zu sehen ver-langte. Nachdem der Zauberer den jungen Krieger eine Zeitlang angesehen , sagte er zu ihm : „Sieh in diesen Spiegel, mein Sohn!" Und er sah hinein, und d< l«g da er lächelte und sprach: „Ich will zwey Krieger aus jene"» kleinen Thale vor deine Thür stellen, und weh« denen, welche dein graues Haar zu mißhandeln suchen!" — Und dsr GreiS sah ihn traurig an und sprach: „Du hast die Gegenwart gesehen, mein Sohn, sieh nun auch die Zukunft, und wisse, daß einem entschlossenen Herzen Flügel gegeben sind — dein Schicksal ist in deiner Hand!" '—> Und Hugo blickte wieder in den Zcw< herspiegel, und das Blut schoß ihm inS Gesicht; er stand einen Augenblick still und rief dann: „Abscheulicher Bösewichl l" und hieb mit semcm Schwert den stählernen Rahmen des Spiegels ent^vey, undstüizte aus dem Gemach und über die zertrümmerte Mauer, wie Einer, den die Verzweiflung treibt. Es war lange der Gebrauch im Hause Heron gewesen, alle drey Jahre die Gränzen des Gelüechs zu umgehen. Das Haupt der Familie führte den Zug mit fliegenden Fahnen und unter dem Schalle der Musik. RitterAymer hatte dießmahl Alles aufs Prächtigste veranstaltet. Aber der Weg über Berge und Ströme und durch Schluchten war rauh und schwierig, und es war daher spät am Nachmittage, als der Zug das Meeres" ufer erreichte. Hier standen eine Menge reich geschmückter Fahrzeuge bereit, um die Gesellschaft auch längs der Meereögränze zuführen. Di« Frau von Hersn bestieg. - 67-' von cin'gen Zofen und Bew^ff^ten faseltet, das erste, und stieß vom Lande, ,ind die Musik vom Verdeck ' sioß lieblich über die Welle« hin. Andere folgten, und zuletzt kam Ritter Aymers Schiff, welches von seinen eigenen Freunden besetzt war — Mannen», die die Liebe zu reichen Kleidern und guter Bezahlung von der wilden Gränze hevbepgelockt hatte — Männern mit unerschrockenen Herzen, aber äußerst leichten Moralsystemen. Auch ein Minnesänger befand sich dabey, ade« er schien mehr ein Krieger, als ein Sänger zu seyn, und feine Musik war von roher und wilder Arr. Ohne alle Besorgniß gab Beatrice dem Ritter Aymer ihr« Hand, und nahm auf einem fammetnen Kissen «nd unter einem seidenen Thronhimmel auf dem Ver. deck seines Schiffes Platz. Ihres Geliebten getreuer Hund lag neben ihr, und sie fühlte sich etwas beklommen / alS sie auf die dunkel werdenden Wellen hinaus» blickte. Vald zeigten sich wirkliche Ursachen zur Be^ forgniß. Seit Mittag hatten sich die Woltin in der Ferne über dem Busen des MeereS angehäuft; eine dunkle Wolke hatle sich über das Gebirge herabgelassen, »nb bewegre sich mit dem Zuge längs der rauhen Küste hin. Die Sonn«!, welche mit ihren heißen Strahlen die Wolken von See und Land aus emauder zu halten geschienen, ging jetzt unter; die Wolken häuften sich «n und trafen zusammen: in demselben Augenblick erhob sich der Wind, der Donner brüllte, Blitze durch« kreuzten sich, und das Meer schwoll lind schäumte, «nd in der dicken Finsterniß vermochte Niemand auf - Lanzenweite zu sehen. Das Heulen des Windei über-täubt« das Gijauchze der Seeleine und.den Gesang - des Harfners; aber obgleich der Sturm furchtbar in den höhern Klippen und Felshöhlen tobte, die sich längs der Küsse hinbogen, so war das Meer selbst doch noch ziemlich ruhig, und man ruderte und segelte wei> t züchtige Lieder sangen. Beatrice saß ziemlich weit vo« diesem rohen Haufen, eine kl?iv»e Fackel brannte ne> ben ihr, und vor ihr stand Ritter Aymer. (Der Beschluß folgt.) Ist eine Wechselfolge in der Reproduction der Pstanzenarten als Naturgesetz zu betrachten? Die Erfahrung von vier Iahrzehenten, seit Ar« th uc Poung bis auf jetzt, hat dargethan, daß die Wechselcultur oder der wechselnde Anbau der emiähri" gtn Pflanzen, und voraus der Getreidearten, ein we» seotliches Erforderniß guter Landwirthschaft sey. Herr Durea» de Lamalle sucht in «iner Abhandlung darzuthun, daß dieser Wechsel ein allgemeines, für die Erhaltung und Fortpflanzung der Pfianzenarteu nothwendiges Gesetz sey. Man will hier etliche der be< deutsamsten Angaben der Abhandlung mit deS Verfassn-ß eignen Worten ausheben. Herr Ä u r a n d hat seine Beobachtungen auf seinem Landsitz zu Landres im Orne^ Departements vierzig Meilen von Paris, angestellt, zwischen den bey i5,aooHectalen Bodenfiäche befassenden Waldungen von Neno, Bellesme, du Perche und Perseigne. Die Hochwälder dieser Landschaft bestehen aus Eichen, Buchen, wenigen Kastanien, Ulm' oder Eschbäumen. Dke im Schatten ihrer grünen Gewölbe wachsenden Sträucher sind die Stechpalme und Schwarzerlen in geringer Zahl. Ein Huoderttheil von diesem Hochwald? wird jährlich geschlagen. Als Laßreiser werden nur Eichen und Buchen zum Behuf der Saac und des Nachwuchses stehen gelassen; kaum aber ist das Hochholz geschlagen, so überdeckt sich der Boden aus« schließlich mit Pflanzen und niedrigen Sträuchern, Pfriemkraut, Fingerhut, Vaccinien und Heide, nebst den Holzarten der Birke und der Zitterpappel. Di«se weichen Holzarten werden nach 3o Jahren geschlagen, und es wachsen wieder Birken und Pappeln; 5o Jahre - 83 — fp'ter werden diese nochmahls geschlagen , und erst nach dem dritten Hau dieser Art, also nach neunzig Jahren, mögen sich Eichen und Buchen, oder die harten Holzarten,-ihres Erdreichs wieder bemächtigen; sie bleiben jetzt ungethei'.t im Besitz desselben, und alles welche Holz, das diesen mit ihnen theilen möchte, wild erstickt. Demnach sind dann zwey hundert neunzig bis drey hundert dreyßig Jahre erforderlich, um auf dem nähmlichen Waldbodsn zwey Schläge Hochholz zu erzielen, und das weiche Holz, hat denselben wahrend neunzig Jahren «m Besitz gehabt. Und doch setzt Herr Durand hinzu, finden sich jene weichen Holzarten nirgends in der Nahe, und ihr Same kann nicht vom Winde zugebracht werden: also muß^ unter gewissen Umstanden, di« Keimungskraft in den Samen de« Birke, Pappel u. s. w. sich wenigstens ein Iahrhun» dtrr lang im Bodew erhalten. Dieser Schluß dürfte Einsprache leiden: wir kommen aber auf die Wechsel' «rscheinungen zurück. Hr. Durand hat kürzlich in dec Gegend von Mont.igne ein hundert Hectaren Hoch» walb, die zur Krondomaine gehören, angekauft. AuS den in den Archiven aufbewahrten Urkunden/ Veschrei« bungen und Rechnungen erhellet, daß aus diesem Waldboden im Jahre 1720 Eichen und Buchen angesäet wurden; gegenwärtig stehen davon nur noch magers Stämme, die kaum den zehnten Theil deö Bodens de. cken. Es ist dieses Gesetz der Wechselung auch nichr «twa mir den gemäßigten Erdstrichen eigenthümlich, sondern es kann daSfelbs unter allen Breiten wahrgenommen werden^ wie folgende Stellen zeigen. Die Erdbeerpsianze vermehrt sich hauptsächlich gern auf dem durch Feuer versengten Erdreich. Sie theilt dieß Verhältniß mit andern Pflanzen mehr, und es ist That.-fache, daß im Pinnenlande, wie in den Wäldern von Albani und Morsö, «ach dem Abbrennen von Holz und Moos,' der Boden sich mit Himbeer-und Brombeer-siauden überziehet. (Hearne, Reise ins nördliche Weltmeer). . . Sehr bemerkenswerth ist der Umstand, daß, wenn das Feuer einen Tannen- oder Birkenwald verzehrt hat, Papp,lbä'ume alsbald da wachsen, wo zuvor gar kein Baum dieser Art angetroffen ward. (Mackensie Reifenach der Nordküste deS nördlichen Amerika). . . Tannen und Fichten gedeihen nicht wie' der an den Orten, wo sie gefallt wurden, dem Gesetze de.r Pflanzenwelt zu Folge, das den kräftigen Wuchs eines Baumes oder einer Pflanze an der nähmlichen Stelle, wo zuvor Individuen dergleichen Art standen, nicht gestattet. (Leop. v. Buch Reift nach Nor< wegen). . In Brasilien, wenn man durch weite Strecken ausgerotteter Walder reifet, trifft man am Saum« derselben einen Nachwuchs ganz anderer Baume an, alS die der Wald vorhin enthielt. (M. A. d e St. Hi« laire, Reise nach Brasilien). . Auf Isl? de France, wenn Waldboden urbar gemacht wird, sey es durch Hau oder Brand, so kommen alsbald ganz verschiedene Pflan^ zenarten zum Vorschein, die der Insel fremd sind, und der Flora von Madagascar angehören. M i s c e l le n. Die weiblichen Ärzte in tzer brasilianische.«. Provinz St. Paul. Hier hat sich das weibliche Geschlecht die Heilfunde vorbehalten, und macht sich dazu durch eine ge« naue und gründliche Kenntniß der in diesem Lande sl> zahlreichen kräftigen Pflanzen geschickt. Gegen die so häusig vorkommenden Kröpfe gebrauchen sie aber auch als Getränk das Wasser, in dem mehrere Tage ein zerriebener Ameisenhaufen aufgeweicht ist. Da b?y uns der Qualm eines Aufgusses von Ameisen gegen Gicht' schmerzen gebraucht wird, könnte diese Analogie unsern Ärzten zum Fingerzeig dienen. Der Lord von Keppach, Haupt der M'Donalds, führte iu dem harten Winter »453 Krieg mit einem Lord in der Nachbarschaft um das Besitzchum eines Schlosses. Ats er deK Nachts mit feinen Ritcern im Feld« lag, rief er seinen Knappen zu, sie sollten ihm einen Schneeball rollen, damit er sein Haupt darauf legen koime. „Da müssen wir wohl," murmelte das Gefolge, „am Siege verzweifeln, wenn unser Herr sH weich wird , daß er nicht mehr ohne Kopfkissen schlafen kann!" Gedruckt bey Ignaz AloyöEdle» von Kl«jnmayr.