tt 1917 (Dezemö.-Jänner) V ä t / (* p (14. Jahr.) A. 168-169. für den JUmilungsmrnmcbi Monatschrift )ur Förderung der österr. Landschul»esenr. Be*ug«gebübt einschl. von .Schule und Vaterland" »X Schriftleiter: Geschäjtiichet au»schll«tlich («». 7K.> jährlich. «ln,el- an die .Verwaltung der Nummer «0i> (60 Ps, 70 ct). R n h H I f Reer» Blatt« silr den Abteilung«- Postspark. Nr. S8.L18. **' """‘I " unterricht ln Laibach». Handschriften und Blich« an den Schriftleiter: MieS in BShmen. — Die „Blätter für den »bleilungAunterricht" kbnnen gesondert nicht bezogen werde». Ein Haides Jahrhundert pramsarijch! Nun werden es 50 Jahre, daß das österreichische Bezirksschulinspektorat in seiner jetzigen Form ins Leben gerufett wurde. Man begann zunächst mit einem Provisorium. Dagegen hätte niemand etwas einzuwenden. Aber ein Provisorium auf ein halbes Sä« Fulum auszudehnen, das muß als Unikum angesprochen werden. Zum Teil ist dieses übergründliche Prinzip allerdings durchbrochen worden; denn Galizien, das glückliche Ausnahmsland/ erhielt nach rund einem Vierteljahrhundert sein Definitivum. Aus diesem „so raschen" Überführen ergibt sich die Frage: „£)at sich in Galizien seitdem das Definitivum bewährt?" — Wenn ja, dann darf mit der Stabilisierung in anderen Aronländern nicht einen Monat gezögert werden! Wenn nein, dann hat es in Galizien sofort wieder in ein Provisorium überzugehen, denn warum sollte es weiter Schaden anrichtenl <£s ist weder das eine noch das andere eingetreten. Die eigenartigen Verhältnisse Galiziens gewähre»! überhaupt keinen Ginblick in die Wirkung einer staatlichen Maßnahme, weil die Unterströniungen zu stark sind. Aber das steht fest: Nachteilig konnte das Definitivuin an sich nicht fein. Warum zaudert man dann mit feiner Verallgemeinerung ? Aus dein Grunde, der die Staatsvolksschule nicht aufkommen läßt. Die politischen Parteien wollen die um ihr Schicksal Bangenden als Instrument benützen und Herren der Schule bleiben. — Zum Teil sind auch die Vertreter des Inspektorats schuld an der Stagnation. Zweimal waren sie nahe daran, in den Staatsrock zu schlüpfen; da zerfleischten ihr Werk der persönliche Neid und die Lauheit. (Ohne eine geschlossene (Organisation, die jedwedeSelbllsucht zurseite stellt, kann heute niemand etwas erreiche,». Also zurück zur (Einheit! Und gerade zurzeit wäre sie vonnöten! Gin Gesetzentwurf liegt auf dem Grünen Tische. Erinnert man nicht nachdrücklich und ständig an ihn, so wandert er in die Lade. — Die Übungsschullehrer haben mehr erreicht, als sie erhofften, weil sie einig, d. H. stark waren; die Bezirksschulinspektoren sollen es ihnen gleichtun I Dann steht das Definitivuni vor der Tür. Lockern jedoch Eigennutz und Scheelsucht ihre Reihen, so wird das österreichische Unikum sich einmal mit einem Jahrhundert brüsten können. 7$. 4038 Über das Seelenleben der Säuglinge. Von Alba Hintner.* Vorbemerkung: Mit der nachstehenden geistvollen Abhandlung aus der Feder einer „Mutter" sei ein wichtiges Neuland der Pädagogik dem Blick des Beschauers eröffnet. Wir haben uns bisher, insbesondere physiologisch, in der Kinderstube viel ju wenig umgesehen; unsere gesamte Aufmerksamkeit war auf das schulfähige Geschöpf und auf den schulmäßigen Drill eingestellt. So haben wir also gebaut auf Quadern, die uns verborgen waren. Die neue Zeit führt auf neue Fährten; die erste nimmt ihren Ausgang vom Säugling. Sein Seelenleben soll studiert (Säuglingskunde), sein Befinden geregelt (Säuglingspflege) werden; Pädagogik und Fürsorge werden Hand in Hand daran gehen müssen, das junge Geschlecht vom Keimen an im Auge zu behalten. Niemand ist berufener, diesen Kursus zu eröffnen, als eine Frau, die über pädagogisches Rüstzeug verfügt und dabei ein Vierteljahrhundert lang an der Wiege saß. — P. „Aller Anfang ist heiter; die Schwelle ist der Platz der Erwartung." Sa ober ähnlich hat Goethe einmal gesagt. An dem schönen Worte braucht man gar nicht viel zu drehen und zu deuteln, um es bequem und paffend auf die ersten Anfänge des kindlichen Seelenlebens, die rätselvolle Schwelle der geistigen Menschwerdung im ersten Lebensjahre, anzuwenden. Ja, diese Schwelle ist ein Platz der Erwartung und des heiligen Staunens für uns Eltern und Kinderfreunde, einer der Brennpunkte, an denen das Interesse für die Gesetze der Entwicklungslehre sich' entzünden und das Verständnis menschlicher Natur und Geisteswelt volleres Licht gewinnen kann. Niemand wird und darf behaupten, er kenne oder verstehe eine Pflanze, wenn er sie nur in der Blütezeit gesehen hat. Denn Keim lind Kern, erster und frühester Zustand der lebendigen Pflanze sind eine gleichberechtigte, nur in anderer Lebensform existierende Verwirk-lichung eines bestimmten Individuums in seiner geheimnisvollen Werdefolge des schaffenden Naturwaltens. Sich mit der Beobachtung der völlig ausgebildeten Naturwesen begnügen, hieße mit eben dem Rechte Naturgeschichte, wie die bloße Kenntnis der krönenden Bildungshöhe eines Volkes den Namen einer Geschichte des Volkes verdient. Und nicht bloß unvollständig, sondern auch unverständlich bleibt die Naturgeschichte eines Wesens ohne die Kenntnis seiner Uranfänge, denn nur durch die Anschauung und Beobachtung dieser einfachsten Formen und Verhältnisse lernt man den verwickelten Bau und die vielfältigen miteinander und durcheinander wirkenden Kräfte verstehen, die das ausgebildete Naturmesen zeigt. Nun ich meine: wenn also zum Verständnis einer Pflanze ihre Entwicklungsgeschichte förderlich, ja unumgänglich notwendig ist, wie sollte es da nicht ersprießlich sein für die Gewinnung einer besseren Einsicht in die verwickelten geistigen Lebenstätigkeiten des Menschen, einmal mit der Miniaturausgabe des Menschen, dem Neugeborenen, dem Säugling und Wickelkind, anzufangen und der allmählichen Entfaltung seiner körperlichen und geistigen Fähigkeiten zuzusehen, sozusagen Knospe um Knospe in ihrer Entfaltung und Gestaltung zu belauschen? „Omne vivum ex ovo.“ Alles, was lebt, nimmt den Anfang seines Werdens aus dem Ei. Das gilt für den Menschen wie für alle höheren Lebewesen. Der geheimnisvolle Vorgang, der darin besteht, daß ein männliches Wesen ein winziges Teilchen, ich möchte sagen, die Quintessenz, den Krastauszug seines Leibes, abgibt und dieses Teilchen sich mit dem gleich winzigen Teilstück eines weiblichen Leibes, eines ebensolchen feinen Extrakt des mütterlichen Individuums vereinigt, daß Ei und Samenzelle im Mutterschoße sich treffen und ihre Mitgift an Kernsnb-stanz Zusammenlegen, so daß das Gute und Schlechte, was Vater und Mutter sind, sich hier als Quittung wiederfindet, — das ist ein so hohes und herrliches, feierlich-festliches Mysterium, daß es all unsere kluge Weisheit zuschanden macht und das Wort der Heiligen Schrift in uns aufklingen läßt: „Zieh deine Schuhe von den Füßen, denn du betrittst ein heiliges Land I"-------------- „Ab ovo“, von den Anfängen aul Das muß auch das Leitwort für die Kinderseelenkunde sein. „Zurück zum Zauber der Kinderstube I" muß es heißen, wenn man das Losungswort des französischen Philosophen Rousseau „Zurück zur Natur 1" recht verstehen will, der als erster die Menschheit gelehrt hat, ehrerbietig zu den Füßen der Kindheit zu sitzen, die Augen aufzuschlagen, zu beobachten, zu lernen. Ja man darf das Wort Preyers, eines der führenden Kinderpsychologen unserer Tage, freudig unterschreibe», wenn er sagt: „Ohne das 1 Nack) einem aus Anlaß der Wanderausstellung für Säuglingsschuh in Asch (August 1917) gehaltenen Vortrage. Studium der Seelenentivicklung des kleinen Kindes kann die Erziehungs- und Unterrichtskunst in der Tat auf festem Boden nicht begründet werden." Jedenfalls ist ohne Kinderpsychologie an ein wissenschaftliches, gründliches Erfassen der Eigenart des heranreifenden Menschen, an eine wahrhaft individualisierende Erziehungskunde nicht zu denken. Dichter und Denker aller Völker standen an der Wiege unserer heutigen Kinderforschung und Kinderseelenkunde. Und das wird niemand verwunderlich finden, der weiß, wie die Menschheit dazu kam, den besten Teil ihrer geistigen Erfrischung, alle-, was Licht und Freude in ihr wachsen läßt, aus dem lauteren Jungbrunnen der Natur zu schöpfen. Die Engländer William Wordsworth, William Blake, Robert Louis Stevenson haben sich liebend über die Kinderwiege geneigt und waren eifrig darauf bedacht, den „traumhaften Schimmer" erlebter Seligkeit zu erhaschen, ehe er entschwände; Dickens und Swinburne haben es mit Glück versucht, uns den göttlichen Zauber der „kindlichen Kniffe und Pfiffe" zusammenzufassen. Die Franzosen Viktor Hugo, Henri Frederic Amiel, Edgar Quinet und Frau Necker haben uns mit den zarten, zuckenden Herzfasern oder dem Spiel drolliger Züge im kindlichen Denken und Handeln bekannt gemacht. Ein Pestalozzi, Goethe, Jean Paul, Grillparzer, Hebbel, Gottfried Keller, Rosegger, eine George Sand, Marie v. Ebner-Eschenbach, Helene Bühlau und andere haben als sorgfältige Beobachter der Kindesnatur und treue Bewahrer ihrer eigenen kindlichen Erfahrungen zu den Quellen dieser reinen, unbefleckten Natur und in den Zauberkreis kindlicher Erlebnisse geführt. Und ein ganzer Stab von gelehrten Forschern, wie Charles Darwin, Dietrich Tiedemann, Berthold Sigismund, G. Stanley Hall, H. Taine, I. E. Löbisch, B. Perez, F. Tracy, G. Compayrö, Mark Baldwin, W. Preyer, M. W. Shinn, L. Ferri, Paola Lombroso, Garbini, Ottolenghi, Ricci, Colozza, Chrisman, Schultze, Egger, Gutzmann, Dewey, Sully, Pollock, Ament, Keber, Bartholomäi, Emminghaus, Meumann, Hauffe, Heidner, Burkard, Kußmaul, Levinstein, Oppenheim, Strümpell, Schultheh, Trüper, Ufer, Zimmer u. a., sie haben das Kind zu einem Gegenstände pädagogischen und physiologischen Interesses erhoben und das scharfe Auge der wissenschaftlichen Beobachtung auf die Geheimnisse des kindlichen Gehirns gelenkt. Es ist interessant, daß, während der Zauber der Kindesnatur sozusagen von Dichtern entdeckt und in Denkmälern reiner Kinderbewunderung niedergelegt worden ist, die Bahnbrecher auf dem Gebiete der experimentellen Forschung vorwiegend Ärzte waren. Die Bedeutung dieser Tatsache ist ziemlich klar. Der Arzt hat nicht nur Sinn für wissenschaftliche Beobachtung, sondern er genießt in der Kinderstube ein gewisses Vorrecht. Die natürlichen Beschützer der Kindheit, Mutter, Hebamme und Wärterin, nehmen ihn bei dem allgemeinen Bann aus, den sie über die männlichen Personen verhängen. Außer ihm ist es kaum einem Manne, oft nicht einmal dem eigenen Vater des Kindes, erlaubt, sich mehr mit jenem göttlichen Geheimnis der Geburt und dem wundersamen Sammelpunkte aller Anmut und Seligkeit, dem kleinen, neugebornen Schreihals, zu befassen. Und noch etwas anderes fällt ins Gewicht. Es besteht kein Zweifel darüber, daß der Kiuderkultus, die sentimentale Anbetung kindlicher Art und Weise, wie solche bei Müttern und Wärterinnen nun einmal herkömmlich ist, der Durchführung eines vollkommen nüchternen und unparteiischen Verfahrens bei der wissenschaftlichen Beobachtung der kindlichen Seelentätigkeiten sehr nachteilig ist. Von der Durchschnittsmutter ist kaum mehr zu verlangen, als daß sie das Eingreifen des Experimentes in die geheiligte Einsamkeit der Kinderstube duldet. Man darf es wohl aussprechen, daß selbst geistig hochstehende und gebildete Frauen in der Zeit ihrer Mutterschaft nur wenig geneigt sind, sich gleich von Anfang an der sehr mühsamen, schwierigen und komplizierten Arbeit zu widmen, die in der Beobachtung und Aufzeichnung der verschiedenen Formen kindlichen Empfindens, des Gesichtes, Gehörs, Tastsinnes, des vorsprachlichen Lallens und der Anfänge der Sprachnachahmung usw. sowie der einschlägigen täglichen Veränderungen des Beobachtungsbildes liegen. Leider stehen die meisten Mütter nicht bloß gleichgültig, sondern gedankenlos dieser Entwicklung der Seelentätigkeiten ihrer Säuglinge gegenüber, als gingen sie sie nichts an; nein, die meisten werden sogar geneigt sein, wenn der weniger zartbesaitete Vater oder sonst ein nahestehender, geistig tiefer blickender Mann daran geht, die ersten, experimentellen Arbeiten bei der Erforschung der Kindesnatur zu übernehmen, die Erlaubnis zur Ausführung von Untersuchungen — als einer Sache, die für das Wohlbefinden des kleinen Wesens offenbar als gefahrbringend angesehen wird — glatt zu versagen oder nur nach und nach zu geben. Und doch glaube ich sagen zu können, daß eine vollständige Reihe von Beobachtungen über die geistigen Fortschritte eine« Kindes besser als von einem Manne, und selbst einem 4040 regelrecht dazu qualifizierten, von der gebildeten Mutter oder einer anderen erfahrenen und denkenden Frau, die zur Kinderstube regelmäßig Zutritt hat, bei ihrer häufigen und lang andauernden Gelegenheit zur Beobachtung in methodischer und verläßlicher Weise ausgeführt werden kann. Zum mindesten wird die Mutter oder ihre weibliche Stellvertretung als Mitarbeiterin und Gehilfin, bei der Ermittlung der genauen Daten über die ersten Regungen des Seelenlebens, einer Arbeit, die mehr ein Gegenstand ruhiger Beobachtung als aktiver Experimente ist, herangezogen und in Anspruch genommen werden müssen, da diese Personen ja den beträchtlichen Borteil voraushaben, den größten Teil eines jeden Tages tu der Nähe des Kindes zu verbringen. Die reiche Beobachtungsgelegenheit für die ersten Tätigkeiten der Sinnesorgane, die Äußerungen von Lust nnd Unlust, die ersten drolligen Versuche, zu denken und zu sprechen, und hundert andere süße Spiele des Nervensystems, durch die sich das Seelische im kleinen Menschengeschöpfe verrät, räumt den weiblichen Beobachtern des Kindesgeistes einen unverkennbaren Vorteil über ihre männlichen Rivalen ein; aber so einfach das Beobachtungswerk mit seinen Problemen der Hauptsache nach zu sein scheint: es setzt doch eine große Summe speziell psychologischer Kenntnisse und eine gewisse Schärfe der Beobachtung und Prüfung voraus, so daß es für ungeschulte Dilettanten ein fast hoffnungsloses Unternehmen ist, sich etwa nebenbei mit der Sache zu befassen. Doch will ich nicht verschweigen, daß bei diesem Studium des kindlichen Seelenlebens auch für einfachere und ungeübte Beobachtung noch Raum ist. Da sind bei der Ermittlung der kindlichen Geistesentwicklung gar manche Partien, die nicht so gewichtig die Forderung nach wissenschaftlicher Routine und technischem Geschick erheben, sondern von jedem halbwegs intelligenten Beobachter, der für die Aufgabe eine mäßige Summe elementarer seelenkundlicher Kenntnisse mitbringt, ausgeführt werden können. Das reiche nnd hochinteressante Feld des Auf-dämmerns der primären Sinnesempfindungen, des Hautsinnes, der Temperaturempfindlichkeit, des Geschmackes, Geruches, Gehörs und Gesichtssinnes, des Ausdruckes von Lust und Unlust, die ersten Lall- und Sprechversuche u. a. gehört hieher. Doch würde es ein Irrtum sein, zu glauben, daß selbst solche Zweige der Kinderbeobachtung nichts weiter als einen gewöhnlichen Hausverstand erfordern. Denn das ist sicher: wir alle, Männer und Frauen, soweit wir nicht eine besondere Schulung auf dem Gebiete der Kinderseelenkunde durchgemacht haben, bringen zunächst zu dieser Kinderforschung eine recht unglückliche Neigung mit, indem wir in unseren Kindern viel zu viel von unserem eigenen reifen Denken und Fühlen zu lesen glauben. Der französische Kinderforscher Gustave Droz, der seinerzeit als Verfasser des geistvollen Buches „Monsieur, Madame et B6b6“ (1866) einen weitreichenden Rus genoß, sagt in einem ändern Büchlein „L’enfant“, daß mir uns meist selbst zum besten halten, wenn wir unsere lieben Kleinen beobachten. Das ist ein sehr feines und richtiges Wort. Ich wiederhole also: Laien, die mit der Seelenkunde ganz unvertraut sind, können niemals jene vollständige und genauere Beobachtung ausführen, die wir mit dem hohen Namen „Wissenschaft" auszeichnen, obschon uns auch solche minder gebildete Beobachter auf dem Gebiete des Tatsachenausfiudens sicherlich ganz schätzbare Helferdienste zu leisten vermögen. Soviel über die Kinderseelenkuude im allgemeinen, über ihre Stellung in den wissenschaftlichen Bestrebungen der Gegenwart, ihre Geschichte und die Methoden und Quellen, mit und aus denen sie ihre Beobachtungen zu schöpfen hat. Was ich im Folgenden als Gewinn einer 25 jährigen Denkarbeit und Eigenbeobachtung aus dem Gebiete der Erforschung kindlichen Vorstellung»-, Gefühls- und Willenslebens niederlegen will, das ist nicht ganz mein eigen. Ich habe es gedacht und geschaut, als ich, in jungem Mutterglücke strahlend, in der weihevollen Stille der Kinderstube die Dreizahl meiner ersten Kinder stillte, ich habe es bemerkt und aufgefaßt, da ich als reife Frau auf der Lebenshöhe mit zärtlichem Blick die Bettchen zweier weiterer Kinder umkoste, und ich genieße und erlebe es wieder in diesen Tagen, da mir noch einmal das Glück junger Mutterschaft geworden ist und ich die reiche Gabenfülle edler Erkenntnis und reiner Lebensfreude, die das Studium der Eigentümlichkeiten des jungen Menschenkindes in denkenden Seelen auslöst, erst voll zu würdigen vermag. Und wie mich heute" junges, holdes Menschentum und erwachende Kindesseele jeden Morgen mit hellen Augen ansieht und wie mir jeden Abend ein junges, zartes Säuglings-glück, eine Verheißung der Zukunft, vielleicht ein Stück Menschengeschichte kommender Tage, dankbar und freundlich zulacht, ehe die müden Augen sich schließen, so habe ich in meinem Leben gar viele nnd verschiedenartige Menschenknospen um mich gehabt, wenn ich mit scharf- sichtigen Begleitern Kinderstuben und Kinderhorte, Kleinkinderschulen und Pflegehäuser durchwanderte und das Sammeldasein von ganzen Kinderscharen in Aug' und Ohr bekam. Zuvörderst eine Frage, die ein Angelpunkt ist, um den zu allen Zeiten die Gedanken und Träume der Weltweisen wie der schlichten Alltagsmenschen kreisten: Woher kommt die Seele des Kindes? Unsere alten deutschen Voreltern glaubten, daß die zum Himmel empor* geschwebten Seelen in Gemeinschaft mit den Göttern, auf dem Wolkeuberge oder im Wolkenbrunnen bei der goldhaarigen Frau Holle warten, bis sie zu neuer Geburt in einem anderen Leben wieder zur Erde herabgesandt werden. Dieses Seeleuland hieß denn auch des Kinderland oder Elfenland und Frau Holles Wolkenbrunnen nannte man gemeiniglich den Kinderbrunnen. Dem langbeinigen Storch oder dem bogenhalsigen Höckerschwan, in späterer Zeit auch dem der Muttergottes heiligen Marienkäserchen war die Aufgabe beschicken, die Seelen den gebärenden Frauen auf die Erde hcrabzubringen. Später verlegte man Wvlkenberg und Kinderbrunnen auf die Erde und es entstanden allerhand Ammenmärchen, nach denen die Kinder in Brunnen und auf Bergen, in Höhlen und auf Bäumen wüchsen und vom Storch zu braven Eltern gebracht würden. Es gibt noch heute uralte Kiuderliedchen, die, von unseren Kindern gesungen, aber von uns nicht mehr verstanden werden, die im Kern diese uralte Mythe bis auf unsere Dage lebend bewahrt haben. Ans der Frau Holle hat der christliche Glaube die Gottesmutter Maria und aus dem Elfenland ein Engelland (das wir ja beileibe nicht als „England" verstehen dürfen I) gemacht. Und im leuchtenden Spätrvt des Tages wird das alte, liebe Hvldakäferchen gemahnt, heimzufliegen, da ein Weltbrand ausgebrochen, die Heimat von unholden Riesen bedroht und Later Wotan gegen sie in den Krieg gezogen sei: Marienkäferchen, flieg'! Dein Vater ist im Krieg usw. Auch ein altes Kinderspiel von „Frau Rosen" gibt es, das fabelt von einer Göttin, die die Seelen der Kinder im Schöße trägt, von denen eines nach dem anderen zur Erde nieder* geholt wird. Ganz anders stellt sich der Glaube des Christentums die Herkunft der Kinderseelen vor: Gott ist es, der die Seelen erschafft. Wie das vor sich geht, darüber ist sich unser beschränkter Menschenverstand allerdings noch nicht ganz klar geworden. Die uralte Anschauung, die den gelehrten Namen Präexistenlianismns (d. H. etwa soviel als „Bvrdaseins-Lehre") führt, nimmt an, daß Gott gleich bei der Schöpfung alle Seelen vorweg erschaffen und bis zu ihrem Auftreten auf dieser Erde irgendwo aufgehoben habe. Dann trat wieder eine andere Meinung auf, der sogenannte Kreatianismus (vom lateinischen Worte creatio — Schöpfung; also etwa — Schöpfungsverteidigung), die Lehre, die besonders von der griechischen Kirche und den Scholastikern des deutschen Mittelalters, dann aber auch von reformierten Dogmatikern vertreten wurde. Die Anhänger dieser Richtung behaupten, daß bei der Zeugung des Menschen sich nur der Leib der Eltern fortpflanze, nicht aber die Seele, die direkt göttlichen Ursprunges sei. Eine dritte dogmatische Anschauung ist der Traduziauismus (vom lateinischen Worte tradux — Keim, Absenker, also — Fortpflanzungsverteidigung), auch Generationismus (von generatio — Zeugung) genannt, wonach Leib und Seele der Eltern sich im Kinde fortpflanzen, doch nicht in dem Sinne, als ob die Seele aus physischer Zeugung hervorgehe, sondern nur mittelbar als Schöpfung Gottes durch Fortleitung des in Adam eingcsenkten Keimes. Und wie verhält sich die moderne Wissenschaft der Entwicklungslehre zum Volksglauben unserer Vorfahren und den Lehren des Christentums? Die Wissenschaft nimmt diese Frage nicht mit Gemüt und Einbildungskraft, sondern mit dem kühlen Verstände in Angriff. Als die reife Frucht ihrer Mühen und Forschungen vermag sie an die Stelle phantasievoller Dichtung wirkliche Erfahrung und ernstes Wissen zu setzen. Aus den verschiedensten Gebieten des praktischen Lebens, der Medizin, der Erziehungslehre, der Rechtspflege usw. empfängt sie ihr Licht und Interesse für das Kind und lehrt uns eine Fülle interessanter Einzelnheiten, von denen der Glaube nichts wußte, wie die Sinnesorgane zum erstenmale in Tätigkeit treten, wie das Kind Tasten und Greifen, Denken und Sprechen lernt und hundert andere Dinge, mit einem Worte: wie die Seele zum erstenmale sich regt und zum Bewußtsein ihres Ich kommt und die erste Blüte des eigentlichen Menschenwesens und der höheren Menschwerdung entfaltet. Aber wie das Seelische als solches zum erstenmale entsteht, woher die Seelen kommen, das haben wir bis jetzt auch von der Wissenschaft nicht erfahren können. Es ist eine jener Fragen nach den letzten Ursachen der Dinge, mit denen wir an der Grenze alles Natnrerken- nens stehen. „Ignoramus, ignorabimus“ (Wir wissen's nicht und werdcn's nicht wissen) — das trostlose Wort des gelehrten Dubois-Reymond („Über die Grenzen des Naturerkennens") erfüllt sich unheimlich auch hier. Bleiben wir im Reiche der Erfahrung, so werden wir in der Seele immer nur eine Summe einzelner Erscheinungen sehen; was hinter dieser Reihe der Erscheinungen steht, und steckt, das werden wir nie erfahren, bestenfalls vermuten können. Da beginnt heute, so gut wie in alten Tagen der Menschheitsgeschichte, das Spiel von Glaube und Phantasie. Und nun will ich zu den Sinnen und seelischen Funktionen des Kindes im frühesten Menschenstadium übergehen. Die oft aufgeworfene, aber schwierige Frage, ob schon das ungeborene Kind (der Embryo, bezw. Fötus, wie die Frucht in den letzten Monaten vor der Geburt heißt) schon seelische Regungen äußert oder nicht, ist verschieden beantwortet worden. Preyer zeigt sich in seiner „Physiologie des Embryo" gerade nicht geneigt, die Lebensäußerungen der ungeborencn Leibesfrucht anders als für rein mechanische zu nehmen und ihnen wirklich seelische Bedeutung zuzumessen. Ein Psychologe kommt auf diesem Gebiete vielleicht zu einem anderen Ergebnis. Es wäre doch merkwürdig, wenn alle Organe des ungeborenen Kindes ihre Funktionen schon begonnen haben sollten, nur gerade das Großhirn, der Sitz der Seele, nicht. Jede Mutter weiß, daß um die Mitte der Schwangerschaft, etwa im 5. Monate, die Bewegungen des Kindes fühlbar werden. Preyer vermutet sie, wahrscheinlich mit Recht, noch viel früher. Manche Kinder bewegen sich wenig und schwach und werden von der Mutter kaum gespürt, andere gebärden sich viel heftiger, die Mütter sprechen da oft von „bösen Kindern" schon im Mutterleibe. Sind diese Kindesbewegungen seelischer Art oder nicht? Preyer sagt: Es kommen bisweilen kopflose Mißgeburten vor, die also kein Großhirn, sondern nur ein Rückenmark haben, und die bewegen sich merkwürdigerweise genau so, wie normal gestaltete Kinder. Es ist also der Schluß naheliegend, daß die Bewegungen der Gliedmaßen ohne Beteiligung des Großhirns nur durch das Rückenmark stattfinden. Er schreibt sie inneren körperlichen Ursachen, Antrieben ohne äußere Reize, wie er es nennt, zu und nennt sie impulsive Bewegungen. Anderseits hat aber die merkwürdige Art, wie das ungeborene Kind gerade durch diese Bewegung sich selbst im Mutterleibe lagert, die modernen Physiologen zu der Überzeugung gebracht, daß der Fötus sich in die Lage bringt, in der er möglichst wenig gedrückt wird. Dies würde doch wieder auf ein empfindendes und wollendes Großhirn Hinweisen, das schon im Mutterleibe eine Rolle zu spielen begonnen Hut. Die Schluck- und Atembewegungen des im Fruchtwasser schwimmenden Embryo hingegen — das ist jetzt schon sicher festgestellt — sind Reflexbewegungen, von denen noch später die Rede sein wird. Außer diesen von der Mutter gefühlten Kindesbewegungen besitzen wir zur Beantwortung der Frage, ob das ungeborene Kind schon Sinnesempfindungen habe, leider keine Anhalts-punkte. Tatsache ist aber, daß frühgeborene Kinder im allgemeinen geradeso wie reifgeborene mit den Sinnen schon empfindlich sind. Liegt es da nicht nahe, anzunehmen, daß sie schon länger im Mutterschoße für Reize ihrer Sinnesorgane zugänglich und zu Sinnesempfiudungen befähigt waren? Und in der Tat gehen mit dem Kinde im Mutterschoße Lebensprozesse vor sich, die das bedingen, was wir in unserer Alltagssprache „Befinden", in der wissenschaftlichen Ausdrucksweise „Gemeinempfindungen" nennen. Da wird zunächst der Hautsinn durch die Berührung mit der Gebärmutterwand und durch äußeren Druck gereizt. Der Geschmackssinn wird durch das Fruchtwasser, das der Embryo, in ihm schwimmend, schluckt und dem verschieden schmek-kende Stoffe beigemischt sind, angeregt werden. Für Temperatur-, Geruchs-, Gehörs- und Gesichtssinn dagegen glauben die Kinderforscher im Mutterschoße keine Reize annehmen zu dürfen. — Es dürfte also wahrscheinlich sein, daß die Entwicklung der Sinnesorgane des ungeborenen Kindes schon unter einer gewissen Übung im Mutterleibe vor sich gehen und das Kind S)on mit gewissen, wenn auch ganz geringen, Fähigkeiten geboren wird, die sich bei dieser bung herangebildet haben. Aus einer überreichen Menge von Beobachtungen und Versuchen hat sich Preyer aber überzeugt, daß die Empfindungsfähigkeit des Embryo später auftritt als die Bewegungsfähigkeit. Im Anfang steht also da der Wille. Auch eine gewisse Fähigkeit, Lust und Unlust zu unterscheiden, darf dem Fötus nicht abgesprochen werden; jeder reflektorischen Abwehrbewegung wenigstens wird ein dunkles Unlustgefühl als steter Begleiter zur Seite stehen, mindestens in den letzten Monaten der Gravidität. 4043 Uud nun ist er da, der junge Mensch I Ein ziemlich unförmliches, krebsrotes, plump -zappeliges Geschöpf, mit weichem Flaum am ganzen Körper behaart, — mißgestaltet der unverhältnismäßig dicke Kopf, mißgestaltet der dicke Leib und die massive, walzenförmig abgetriebene Brust, lächerlich kurz die Beine, das Gesicht zu einer unschönen Fratze verzerrt. Und diese unbehilfliche, ja schauerlich hilflose Masse gibt ein dröhnendes Geschrei von sich, so energisch und heldenhaft, als wollte die Natur zeigen, daß sie auch eine Entschädigung zu geben weiß für große Hilflosigkeit, die sie aufzwingt. Es würde aber, wie ich schon angedeutet habe, eine schmähliche Ungerechtigkeit sein, wollte man im Geiste des neugeborenen Erdenbürgers nicht mehr als einen bloßen Beherberget von durch äußere und innere Reize erregten Gemeinempfindungen (Hautsinn, Geschmackssinn, Temperatursinn usw.) sehen und seinem seelischen Organismus die für seine zukünftigen Funktionen unerläßlichen Anlagen absprechen. Nein: ist auch das Inventar der Mittel und ererbten Instinkte, mit denen die ersten Notwendigkeiten des Lebens bestritten werden, im hilflosen Menschenküchlein nicht ein allzu reiches: eine ganz unfertige, empfindungsunfähige, seelenlose Schöpfung ist der neugeborene Erdengast doch nicht. Das wäre doch ein gar zu trauriges Ziel der Natur, die solche Anstrengungen machte, das Endziel vieler Beschwerden, das die Eltern mit verlangenden Hoffnungen und bangen Seufzern herbeisehmen, das erreicht wurde in der Not schwerster Stunden, da die quälende Phantasie in peinlicher Ungewißheit die grausige Majestät des Todes in erschreckender Nähe glaubte I (Fortsetzung folgt.) Lesefrüchte. Förster: Jugendfürsorge. 1.) Selbst wenn die Schule nichts wäre als eine Anstalt zur Berufsvorbereitung, so müßte sie Charakterbildung und ethische Aufklärung in ihren Lehrplan aufnehmen, denn zahllose Menschen leiden in ihrem Berufsleben Schiffbruch oder bleiben stecken, nicht weil es ihnen an Kenntnissen und Fertigkeiten gebräche, sondern weil ihnen die elementarste Weisheit der Menschenbehandlung fehlt, die einfachste Fähigkeit der Selbstbeherrschung, oder weil sie nicht rechtzeitig auf verhängnisvolle Gewohnheiten aufmerksam gemacht wurden, oder endlich weil sie in ein laxes Denken über folgenschwere Dinge hineingeglitten sind. 2.) Charakter ist Einheit — jede vielseitige Ausbildung ohne gleichzeitige Sammlung der Seelenkräfte in einem großen, alles durchdringenden Lebensideal führt unrettbar zur Charakterlosigkeit. 3.) In der Herrschaft über den Lärm zeigt sich die Bildung des Menschen untrüglicher als durch schöne Schlippe, Spazierstöckchen, zierliche Aussprache und dergleichen. 4.) Das Ehrgefühl ist eben das einzige Rettungsseil, an dem sich ein Mensch emporziehen kann. 5.) Der mächtigste Mensch ist der, der soviel Feines und Gütiges in seiner Seele aufgespeichert hat, daß er von keinem Menschen mehr aus dem Gleichgewichte gebracht werden kann, sondern ruhig das Ärgste anhört und seine Antwort immer nur aus seiner eigenen tiefen Liebe quellen läßt. 6.) Denn nur das, was unsere rohe Umgangsweise veredelt und uns hilft in der Liebe und Selbstbeherrschung — das ist Bildung. Friedenswunsch. Keiner soll schwächlich um Frieden flehen, Nur um des Krieges Last zu entgehen I Nicht um die alten Schwächen zu nähren, Stehen sie draußen mit heißen Gewehren; Nicht daß der Faule weich sich bette, Stürmen durchs Feuer die Bajonette; Nicht um wieder zum Schlaf uns zu strecken, Hat uns erschüttert das grausige Wecken — Krieg heischt Männer ohn’ Furcht und Bangen, Männer wird auch der Friede verlangen---------- Erst wenn wir stark genug für den Frieden, Sei er uns kraftvoll zum Segen beschieden 1 Karl Frank. (Aus dem „Türmer“.) 4044 Leitsätze ans der Uede „Die gegenwärtigen foMlpolit. Aufgaben der Lehrerschaft". (Verf.: Dr. Rudolf Peerz.)> t.) Statt daß wir uns freuen sollten, daß es Gottbegnadeten und Unerschrockenen aus unseren Rechne gelingt, sich emporzuringen, um in den Höhen unsere Forderungen und Bestrebungen zu vertreten, köpfen wir sie, ehe sie noch appellieren konnten. 2.) Ein Stand, der gelegentlich bedeutsamer Umwälzungen im Staatsleben auf eine angemessene, wohlvorbereitete Stellungnahme verzichtet, schaltet sich von allfälligen Vorteilen aus. 3.) Es ist eben wieder einmal offenkundig geworden, daß der Geist, wie er aus unserer Hand hervorging, Barbarentum und verlottertes, mangelhaft gebildetes Volkstum niedergerungen hat. 4.) Kann nun angesichts der Tatsache, daß man ringsum bereits vor dem Anbruch des Friedens die Waffe der Bildung zu schleifen beginnt, unser Vaterland zuwarten, bis es in dem Belange, der im Kampfe den Ansschlag gab, eingeholt oder gar überflügelt wird? Unmöglich, will es nicht sein Verderben besiegeln. 5.) Sowie ein Stand, der zu Wendungen im Staatsleben nicht allsogleich Stellung nimmt, in ein Nichts versinkt, so ist ein Land dem Untergange geweiht, das sich bei gewaltigen Wendungen in der Weltgeschichte nicht regt. Neutralität ist in diesem Falle gleichbedeutend mit Vergreisung, mit Siechtum. 6.) Was für unfern Stand von großer Wirkung sein soll, muß aus der allgemeinen Lage der Dinge, aus der Staatspolitik herauswachsen. 7.) Was uns rasch vorwärts bringen kann, das ist die wohlerwogene, sachliche Forderung, hinter der ein kraftvolles einiges Aufgebot steht. 8.) Was wir anstreben, kommt ja letztenendes dem Staate zugute. 9.) Wir traten immer als Stand statt als Vertreter einer Slaatsnotwendigkeit auf den Plan. 10.) Es bedeutet geradezu einen Standesselbstmord, wenn Kollegen oder gar Lehrervereine einander in Nichtfachblätter» mit Schimpf überschütten. 11.) Soll unser Ruf von Wirkung sein, — und diese muß kommen, sonst ist alles Ringen vergeblich —, so muß uns vor allem das Einigkeitsgefühl durchströmen. 12.) Wenn jeder Einzelne in seinem Dörfchen draußen ein König ist, dann wächst unser Ansehen und mit ihm unser Wollen und Werden. 1 Verlag der Blätter für den Abteilungsunterricht in Laibach, Preis 40 h. Mdagogifche Weimpaare. Zurückhaltende Liebe. Man darf es den Kinder» nicht merken taffen, Wie fest wir in Liebe sie möchten umfassen. Gedeihlich. Die Kinder am besten gedeihen Durch kräftiges Zappeln und Schreien. Der Vielfraß. Der Vielfraß wird, das sei erwogen, Geboren nicht, er wird — erjagen. Nesthäkchen. Nesthäkchen ist die Sonn' im Haus Und sticht die ändern alle aus. Übertriebnes Mitleid. Beklagst das Kind du sehr, So weint es umso mehr. Hrnst Jirelmut. Der Menschen und der Glocken Los. I. Wenige Minuten fehlten noch, dann mußte die Kirchturmuhr die achte Abendstunde schlagen. Unruhig ging der Pastor in seinem Garten auf und ab, mitunter starke Rauchwolken aus seiner langen Pfeife blasend, und sah immer wieder empor zum Turme. Vor der Kirche waren einige Leute versammelt. Da standen nicht nur ein paar Großmütter, nicht nur ein halbes Dutzend Kinder, da standen noch die Arbeiter — sie hatten eben ihre Vorbereitungen im Turme beendet —, es waren sogar einige Presbyter, einige Honoratioren des Städtchens versammelt. Jetzt schlug die Glocke: eins, zwei, drei, vier, dann die große Glocke mit tiefem Tone achtmal. Dann läutete der Küster den Abend ein.------------------- Es war ein wundervoller Frühlingsabend. Goldig glänzte der westliche Himmel, purpurn glühten einzelne Abendwolken und eine feierliche Ruhe lag über der ganzen Natur, über dem Städtchen mit seinem zum Teile uralten, zum Teile neueren Häusern. Sehr langsam, feierlich ernst klangen die Schläge der ersten Glockenstrophe. Alles blickte empor zum Turme, alles lauschte und schwieg. Die zweite Strophe begann. Nicht mehr so ernst, traurig, sondern im üblichen Abendrhytmus. Dann folgte Strophe auf Strophe. Und jede in anderer Art. Die kleine Gemeinde wuchs an Zahl. Bald kam aus diesem Hause, bald aus jenem eine Frau, ein Kind, ein Jüngling, eine Maid, ein Mann und trat mit leisen Schritten zu den ändern. Der Pastor hatte seinen Zylinder aufgesetzt und war still grüßend unter die Leute getreten. Oben läutete der alte Küster Strophe um Strophe und jede in anderer Art. Denn die Gedanken eilten zurück in die Geschichte seines Lebens, die zugleich die Geschichte dieser Gemeinde im letzten halben Jahrhundert war. Dieselbe Glocke hatte schon sein Vater Tag für Tag, Jahr für Jahr geläutet bis die Krankheit ihn zwang, das Amt dem Sohne abzugeben. Wie viele, viele Gemeindemitglieder hatte ihr Klang von der Wiege bis zum Grabe begleitet! An alle dachte der Küster und ob er es auch gar nicht beabsichtigte, in anderer Weise als sonst zu läuten, was er dachte, teilte seine welke Hand dem Glockenstricke mit und änderte den Ton. Langsam verhallte die letzte Strophe. Ernst blickten alle drein, einige Frauen weinten, der Pastor nahm den Zylinder vom Haupte und trat vor, um zu sprechen. Aber da ertönte die Glocke noch einmal. Sehr langsam, sehr ernst und schwer klang sie zur allerletzten Strophe. Jeder empfand es, was den Küster bewogen, doch noch einmal den lieben altgewohnten Klang tönen zu lassen. War es doch das letzte Abendläuten dieser Glocke. Das letzte, denn morgen um diese Zeit war sie schon abgenommen, um die Reise in die ferne Großstadt anzutreten und für Kriegszwecke umgeschmolzen zu werden. Bimbam — bum--------------------bum-------— m — — m----------------------— m------- ----------------m jetzt war es oben wirklich still. Da trat auch der Küster aus der Kirche. Er war wie um weitere zehn Jahre gealtert. Mit zitternder Hand steckte er den großen Schlüssel ins Türschloß und langsam schloß er ab. Dann trat er zum Pastor. Dieser aber sprach: „Liebe Brüder und Schwestern in Christo. Ihr seid heute hierhergekommen, um Abschied zu nehmen von unserer Friedensglocke. Den Frieden von 1779 hat sie eingeläutet und noch manchen nachher. Aber den Frieden, den wir von ihr so bald eingeläutet haben wollten, den wird ihr alter Klang nicht mehr begrüßen. Auch die Glocken müssen hinaus ins Feld. Zu neuer, anderer Bestimmung. Konnten sie uns den Frieden nicht einläuten, so sollen sie ihn erzwingen helfen. Das Friedensgerät, die Kirchenglocke, geweiht dem Dienste Gottes, wird zum Kriegsgeräte. Schwer ist die Zeit und ernst die Not. Das heil’ge Vaterland zu schützen gegen eine Welt von Feinden, das erfordert Opfer an Blut und Gut. Endlich ist es Frühling geworden. Die Macht des Winters, der heuer so hart auf uns lag, ist gebrochen, aber eine andre Macht ist noch ungebrochen. Mit Gottes Hilfe muß und wird die Macht der Feinde gebrochen werden.----------------- Sie hat uns geläutet, da wir als Täuflinge zur Kirche getragen wurden, und sie hat schon so vielen geläutet, da sie hinausgetragen wurden zur letzten Ruhe auf den Acker Gottes. Und wenn die traurige Kunde kam, daß einer unserer Söhne, Brüder oder Väter draußen auf dem Felde ein einfaches, schmuckloses Grab gefunden, so läutete unsere Glocke hier auch ihm nochmals unseren letzten Gruß. Heute hat sie ihr eigenes Sterbelied gesungen. Aber sie wird noch einmal klingen! Wenn morgen die Sonne zu neuem Tage emporsteigt, dann wird die Glocke noch einmal klingen und ihr Ruf wird ein Ruf sein zur Arbeit für Gott und Vaterland, ein Ruf an uns alle, auszuharren in Pflichterfüllung auch weiterhin, auch weiterhin bereit zu sein, Gut und Blut für Kaiser und Reich zu opfern. Wer weiß, was Gottes Ratschluß noch bestimmt hat?“ Da zuckte ein schmerzlich Empfinden über des Geistlichen Antlitz, denn aus dem Pfarrhofe trat sein Siebzehnjähriger. Alle blickten auf ihn und alle empfanden das Gleiche. „Wandern wir auch im Tale des Schreckens, ein Hirte weilt bei uns, seine Gnade, sein Frieden sei mit uns, sei unser Trost und unsere Stärke. So laßt uns noch das Lied anstimmen: Ach bleib mit deiner Gnade.“ Mit unsicherer Stimme setzte der Pastor ein, bald aber hatte er sich überwunden und die Gemeinde sang mit ihm: „Ach bleib mit deiner Gnade Bei uns Herr Jesu Christ, Daß uns hinfort nicht schade Des bösen Feindes List. Ach bleib mit deinem Schutze Bei uns du starker Held, Daß uns der Feind nicht trutze, Noch fäll die böse Welt.“ Mit festem Tone und blitzendem Auge stimmte er hierauf das alte Kampf- und Siegeslied an: „Ein feste Burg ist unser Gott Ein gute Wehr und Waffen; Er hilft uns frei aus aller Not, Die uns jetzt hat betroffen. Der alt böse Feind Mit Ernst er’s jetzt meint, Groß Macht und viel List Sein grausam Rüstung ist: Auf Erden ist nicht sein's Gleichen.“ „Und nun gute Nacht, ihr Lieben!“ Mit lauter Stimme sprach er noch den apostolischen Segen über alle. Das Abendglühen war erloschen und langsam gingen die Leute auseinander, hoffnungsvoll flammte der Abendstern über den Bergen. Als der Pfarrer über den Hof schritt, rollte ein Wagen vorbei und der Arzt rief ihm zu: „Herr Pastor! Gerade sind die Wiener Zeitungen gekommen, kommen Sie noch hinüber zum braunen Bären?“ „Gut, ich komme.“ II. Sie saßen schon beisammen: der Arzt, der Apotheker, der Lehrer, der Bürgermeister, auch der Kaplan des Nachbardorfes, als unser Pastor ins Extrastüberl eintrat. „Ein neuer Sieg in Polen!“ rief man ihm zu. Und nun wurde eifrig vorgelesen und die Kriegs- und Friedensaussichten besprochen. Aber eine Nachricht stand in der Zeitung, die den Pastor tief ergriff: Musterung der Siebzehnjährigen.----------------------- Nach einer unruhigen Nacht stand er zeitig auf. Als die Sonne über dem Horizonte aufstieg, da klang das Morgenlied der Glocke, kraftvoll, siegessicher. Dann stampften Männerschritte im Turme empor und während der Küster mit bleichem Antlitze im Winkel saß, lösten die Männer die Glocke aus ihrem Stuhle und seilten sie langsam ab. Unten vor dem Turme wurde sie auf einen Wagen geladen. Einige Blumensträuße schmückten ihren Helm und wieder und wieder strich der Küster mit der Hand über das geliebte Metall, las nochmals die Widmung: Gott zu ehren, die Menschen zu lehren, das Böse zu wehren. Dann knallte die Peitsche und der traurige Zug setzte sich in Bewegung. Da klang vom Turme ein anderes Läuten. Die kleinere, jetzt die einzige Glocke sandte Abschiedsgrüße. Aber wer läutete sie? Nicht viele hatten Zeit, die Glocke zu begleiten, einige gingen bis zum Flusse mit, der Küster bis zur Stadtgrenze, dort blieb er lange stehen und sah dem Wagen nach, bis er im dunklen Walde verschwunden war. — Vom Kirchturme stieg des Pastors Sohn und schloß die Kirchentür. III. Mit dem Sträußel auf dem Hute kam der Pastorssohn von der Musterung. Er wunderte sich sehr, daß Vater und Mutter so gar ernst und feierlich, ja traurig waren die ganze Zeit, aber als es dann hieß Abschied nehmen und die letzten Jugendtage beendet waren, da wurde es ihm sehr weh ums Herz. — Die lange Eisenbahnfahrt brachte ihn nach Wien, wo er bei der Artillerie als Einjähriger eintrat. Die Wochen vergingen rasch im täglichen Dienste. Nur einmal schrieb er einen langen Brief, statt der Karten, die jeden zweiten oder dritten Tag nach Hause eilten. Er hatte im Arsenale zu tun gehabt und war da über einen Hof gegangen, auf dem zahlreiche Glocken standen. Und da hatte er die heimatliche Glocke gefunden. Die stand dort im Hofe zwischen zahlreichen anderen und so oft er dienstlich ins Arsenal kam, immer nahm er den Weg zur Glocke. Noch stand sie ja da, die Gefährtin seiner Jugend, aber schon bedenklich nahe war der Abtransport ihr gekommen und eines Tages fehlte auch sie. Das war wieder ein trauriger Tag für ihn. Nach der Prüfung weilte er wenige Tage daheim. Abends ging er mit dem Vater zum „braunen Bären“ und saß zwischen dem Vater und dem Kaplane, mit dem ja sein Vater im besten kollegialen Verkehre stand. Namentlich jetzt zur Kriegszeit waren die beiden Geistlichen oft genug bei Fürsorgeaktionen gemeinsam tätig und gingen ihren Gemeinden im besten Beispiele treuen Zusammenwirkens voran. Da hatte sich zwischen ihnen ein persönliches Freundschaftsband hergestellt und der „Onkel Franz“ nahm herzlich Anteil an den Sorgen des Pfarrhofes um den Ältesten. Auch heute widmete er sich ganz dem Soldaten und wachte darüber, daß der Wirt ihm ja nur das Beste vorsetze. Sein Pfarrer war ein milder, kränklicher Herr und konnte fast nur dem Namen nach das Amt verwalten und wenn er auch zuerst über diese echte Freundschaft verwundert war, so billigte er sie doch, zumal er beide Männer als feste Charaktere achtete. Wenige Wochen später kam die Nachricht: Der Pastorssohn zieht ins Feld. Eine ganz neue Batterie war aufgestellt worden und der Gedanke — weil unbeweisbar, desto glaubhafter — „seine“ Kanone sei aus „seiner“ Glocke gegossen, wurde sogar von allen in der Stadt geglaubt. Dann kamen Feldpostkarten. „Heute hat meine Kanone das erste Mal gegen den Feind geschossen und jeder Schuß war ein Treffer. Sage dem Küster: Sie ruft mit lauter Stimme dem Feinde ihr: Wehe Verräter zu und dann läuft er, was er kann.“------------------ „Heute hat meine Kanone viel Arbeit gehabt. Einmal schlug eine Granate in unserer Nähe ein und ein Eisenstück traf das Rohr, das gab einen eigentümlichen Klang, ähnlich und doch anders, als wenn wir Buben früher die Glocke mit dem Fingerknöchel oder Messerrücken abgeklopft. Das Granatstück hab ich aufgehoben und sende es bei nächster Gelegenheit heim.“ Auf einmal blieben die Karten aus. Dann kam die Nachricht: Verwundet. Und dann die weitere Nachricht: „Ich liege in T. im Spitale. Vielleicht besucht Ihr mich einmal.“ Und sie fuhren hinaus: Der Pastor, seine Frau, der Doktor und der Kaplan. Hätte der Wagen mehr Platz gehabt, und hätte nicht der Doktor energisch abgewehrt, es wären noch mehr mitgefahren. Dort erfuhren sie auch, wie die Verwundung geschehen. Ein Volltreffer in der Batterie hatte „seine“ Kanone vollständig zersprengt, dem Rohre mehrere Schäden zugefügt und die Bedienungsmannschaft bis auf ihn getötet. Langsam heilten die Wunden und als der Herbst das Laub färbte, da weilte er wieder im Pfarrhofe. Nach langen Verhandlungen, nachdem der Doktor die Pflege amtlich zugesagt, war es gelungen, die Erlaubnis zu erhalten, den Kranken heim zu führen. Nur die Ärzte wußten genau, wie es stand. Langsam fuhr der Wagen ins Städtchen und ein bleicher Jüngling stieg mühsam heraus. Und wie sorgten alle für ihn! Onkel Franz kam oft vorbei, brachte das eine Mal einen guten Schinken, das andere Mal ein Huhn oder eine Flasche Rotwein. Aber die Kräfte nahmen ab und ab. Trotz des warmen Herbstes durfte der Kranke nicht mehr im Garten sitzen und nur vom Fenster aus glitt sein Blick auf die alten Spielplätze seiner Kindheit. Dann verließ er das Bett nur mehr für wenige Stunden und schließlich gar nicht mehr. Klang das Abendläuten der anderen Glocke, so horchte er auf, schüttelte den Kopf und sprach: „Das ist nicht meine Glocke.“ Tag und Nacht wich die Mutter nicht vom Bette und noch bis in die späten Nachtstunden saßen sie oft im Nebenzimmer, der Pastor, der Arzt, der Kaplan. Als der erste Schnee lautlos auf die entlaubten Bäume rieselte, da hörte im Pfarrhofe das jugendliche Herz zu schlagen auf. Am nächsten Tage brachte ein Freund und Kamerad die große silberne Tapferkeitsmedaille. Sie konnte nur mehr die Brust eines Toten schmücken. — Einen schweren Weg ging der Pastor, als er die Kanzel bestieg und am Sarge seines Ältesten der Familie Trost spenden sollte. „Der Herr hat ihn gegeben, der Herr hat ihn genommen, der Name des Herrn sei gepriesen.“ Dann öffnete er ein in Leder gebundenes Buch, in das er vom ersten Lebenstage des Sohnes angefangen alles eingetragen, was im Lebenswege des Kindes Bemerkenswertes vorgefallen war, und las einzelne Stellen vor. Wie er das erste Mal gelaufen war, das erste Mal gesprochen, gesungen, wie krank gewesen und genesen, wie er gelernt, gespielt, geplaudert und gearbeitet. „Warum sterben eigentlich die Menschen?“ hatte einmal das Kind gefragt, dann wieder: „Warum töten sich die Menschen gegenseitig?“ Kinderfragen, Menschenfragen. Er las vor, wie der Knabe die Friedensglocke zum ersten Male selbst geläutet und seither lieb gewonnen, las den Brief vor, wie er sie im Arsenale wiedergefunden und am Klange in der Kanone wieder entdeckt hatte. Las vor, wie der erste Treffer nur das Rohr zum Klingen gebracht — — dann brach er ab. Mühsam rang er nach Fassung. Durch die Kirchen drang lautes Schluchzen und Weinen. Dann setzte der Organist mit einem ganz leisen Orgelspiele ein, wie von weitester Ferne klang es, wie aus himmlischen Höhen: Ach bleib mit deiner Gnade. „Ich habe Dich getauft und erzogen und nun segne ich Dich ein zum letzten Schlafe, lieber Sohn. In der Jugend schönster Zeit fielst Du im Dienste Deines Vaterlandes. Friede ist für Dich gekommen. Du warst der Stolz und die Freude Deiner Eltern. Dem Herrn aber sei gedankt, daß dieses kurze Leben so gut, so rein abgeschlossen --------.“ Nach dem Gebete und dem Segen stieg der Pastor langsam von der Kanzel und schritt dem Sarge voran zum Friedhof. Vom Turme klangen die Strophen der anderen Glocke, deren Nachbarstuhl leer war. Nur ein dürrer Kranz hing dort, wie ein frischer, doch schon welkender im Pfarrhofe lag auf dem Bette. Als „Freund“ nahm auch „Onkel Franz“ Abschied vom Toten und drückte am offenen Grabe dem Pastor die Hand. Die Gemeinde sang das Lied: Jesus meine Zuversicht Und mein Heiland ist im LebenI Dieses weiß ich, sollt ich nicht, Darum mich zufrieden geben, Was die lange Todesnacht Mir auch für Gedanken macht. Reinhold. 4049 Ei» Luch über Kövess. Als ich vor mehr denn zwei Jahren aus freien Stücken ins Feld zog, geschah es, weil ich einerseits aus der Front heraus österreichisches Heldentum holen wollte, auf daß die Jugend des Vaterlands endlich an Vorbildern der Heimat und nicht fast ausschließlich an Mumien des Altertums sich das Beispiel nehme, und weil ich anderseits voraussah, daß die Lehrerschaft bei der Armee, der in kommenden Tagen, wenn einmal das Siegerkorps durch die Straßen borniert, das gewichtigste Wort für innere Gestaltung zufüllt, eine Vertretung haben müsse, die nicht durch das Reglement eingeengt ist und nicht von diesem oder jenem Faktor abhängig gemacht wird. Meine Mission ist znende. Ich habe die Schule, wie sie ist und wie sie sein soll, durch die Schützengräben aller Fronten geführt und sie mich jenen vor Augen gestellt, denen Macht und Einfluß zur Seite sind; ich habe aber auch mein Ränzel mit erlesenem Heldenstoff gefüllt und komme nun, um nach Stimmung und Muße von dem reichen Schatze nach allen Seiten hin das Erworbene auszuteilen. — Ein Buch, das die Taten unserer Braven aus dem Volke betrifft, ist im Werden, eines, das einem der hervorragendsten Heerführer, dem Feldmarschall Kövess, gilt, liegt fertig vor mir. — Warum ich aus der Reihe derer, mit denen mich der Krieg znsammengebracht hat, gerade Kövess als Ersten herausgreife? Weil sein Bild in meiner Seele in allen Teilen vollständig klar vorliegt. Ich war vor Jahren Lehrer in der Familie Kövess, konnte also schon damals die ganz absonderlich starke Persönlichkeit studieren. Im Feld wurde ich K. zweimal, u. zw. gelegentlich der Mai Offensive gegen Italien durch zwei Motmte und im Juli 1917 in den Karpathen durch eine Woche, zugeteilt und hiebei in seine unmittelbare Nähe gerückt, so daß ich Gelegenheit fand, meine Studien nach jeder Richtung hin abzuschließen. Zu allem hat mir die Familie das gesamte Material über Herkommen und Aufstieg überlassen, so daß ich in die Lage versetzt ward, eine gründliche Arbeit zu formen. — Sie umfaßt 145 Seiten und ist mit 60 Bildern geschmückt. Zugeeignet ist das Buch „Der aufstrebenden Jugend des Vaterlandes als Kraftquell für tüchtiges Schaffen und mannhaftes Sein." — Die Kinzelavschnitte: 1.) Der „Feldherr" Kövess. — 2.) Feldmarschall Kövess als Anwalt der Kriegsinvaliden und der Kriegerwaisen. — 3.) Ein Tag im Armeekommando. — 4.) Die Persönlichkeit des Feldinarschalls. — 5.) Beziehungen hervorragender Männer zu Kövess. — 6.) Aus der Gedankenwelt des Heerführers. — 7.) Die Familie Kövess. — 8.) Der Aufstieg des Feldmarschalls. (In den Abschnitten 1.) und 8.) sind die Feldzüge in Rußland, Serbien, Montenegro, Albanien, Südtirol und in der Bukowina schulmäßig, und zwar ausführlich behandelt; das Buch ist sohin eine Stoffquelle für die Geschichte der neuesten Zeit.) — Das Schlußwort des Kövess-Buches lautet: „Auf meinen vielen, vielen Wanderfahrten im Dienste der Invaliden- und der Kriegerwaisenfürsorge bin ich durch alle Länder der Monarchie gezogen, um mit dem Worte aus der Front die Gemüter für hohes Tun im Hinterlande zu entflammen. Wo ich auch weilte, war es im hintersten Winkel des AlptalS, war es am Strand des Meeres, droben im Böhmerwald oder drunten in den Gauen des Siebenbürger Sachsenlandes:1 es flog jedesmal, sobald ich den Namen Kövess genannt hatte, aus wie heller Feuerschein und ein Ruf der Bewunderung ging durch die Reihen. — „Wie das doch so kam?" Ich habe mir die Frage oft und oft vorgelegt. Niemand wußte eigentlich vom General sehr viel, keine Fanfare hatte ihn durchs Reich getragen — und doch dieses Entzücken und nachherige weihevolle Aufhorchen, wenn ich damit begann, über das Leben des Feldherrn den Schleier, hinwegzuziehen. Das ist der Zauber der Persönlichkeit, daß sie stillwirkend, durch eine Art von Influenz, die Herzen erfaßt und reges Interesse weckt. Wie draußen der Geist des Feldmarschalls.lebendig durch die Truppen zieht und alle, alle: den General im Kommando sowie die Schützen im feuchten Graben drinnen, mächtig durchströmt, so fließt ein Teil des Wesens auf das Hinterland ab mit einer Welle, die wie lauteres Wasser flutet. Man hört von den Siegen des Großen, doch man hört wenig von ihm. Darin mag des Rätsels Lösung liegen. Anderen eilt von der großen Tat der große Ruf voraus oder es reicht das noch nicht ausgereifte Werk schon hin, sie in die Götterhalle zu stellen. Über Nacht fegt sodann zuweilen ein böser Wind den Ruhm hinweg und es bleibt für die große Masse nichts zurück als 1 Fn der Heimat des Feldmarschalls. 4050 der Flitter. Sie sieht sich getäuscht und wird mißtrauisch, so Feldherren, die man noch nicht ge-kannt, plötzlich auf hohem Kothurn einherschreilen. Anders ist es bei Kövess. Schassend abseits vom lärmenden Strom, der alles mitreißt, ob es wertvoll ist oder nicht, klimmt er die Stufen des militärischen Ausstiegs empor. Er wird Exzellenz, wird Korpskommandant, ist geehrt, geliebt. . . Was will er mehr? Wird ihn nunmehr nicht die Ruhe locken? Ja, wäre dem Reich der Friede geblieben! Doch es kam der Krieg; der fand Kövess als den Soldaten, der in harter Zeit seinem Herrn und dem Vaterlande Gut und Leben weiht. Kövess sah mit klarem Blick die Dinge kommen, wie sie kamen, er wußte, daß nur klug« Strategie der erdrückenden Masse der Feinde standhallen könne; da holt er denn sein bestes Rüstzeug herfür und zieht ins Feld. Bald steht er drinnen in den Karpathen, bald im Wogen der gigantischen Schlacht und bald wieder im Waldgebirge, das der harte Winter mit seinen eisigen Armen umklammert; dann stürmt es hinaus in die weite Ebene, über die der Nordwind braust, gräbt sich ein, lugt aus, greift an und kämpst, stürzt plötzlich hervor, treibt die Russen wie eine Herde vor sich her, nimmt Stadt um Stadt — und niemand weiß, niemand liest, niemand hört was von Kövess, dem Eroberer; dem Zeitungsreporter war der Weg zu weit, das Land zu unwirtlich, in dem der Geniale hauste, r- Erst als Jwangorod im Sturme fällt, fragt sich die Welt: „Wer ist der Kühne, der Schlagkräftige, der in wenigen Tagen die Feste genommen?" — Kövess!.... Nun blitzt es auf wie aus einem Schacht in dem verborgene Talente schlummern. Man vernimmt die Kunde, man hört den Namen, aber man weiß ihn nicht zu umweben; ES fehlen Daten über Herkommen, Werdegang und Persönlichkeit. Diesem Bedürfnisse soll die vorliegende Schrift Rechnung tragen. Sie will den Feldherrn nicht konstruieren, sondern heraus aus dem schaffendem Leben führen und dem Leser näherbringen. Vor allem soll Österreichs-Ungarns studierende Jugend ein Heldenstandbild voll Wahrheit, an dem die Wirklichkeit noch jede Falte zeigt, vor sich haben. So lauter, so echt, so innerlich gefestigt ist nicht bald ein Charakter gediehen; ihn in allen Äußerungen einer idealen Weltausiassung sestzuhalten, ist Pflicht. Zu allen Zeiten haben Menschen sich an Menschen gebildet. DaS mag auch Feldmarschall Baron Kövess mir zugute halten, wenn ich auf ihn die Blende eingestellt. Ich weiß es, er, der das laute Lob nicht liebt, wird mir, wenn die Schrift vor seine Augen tritt, grollen und mich als Späher, der ihn belauschte, schelten. Doch ich will frei vor ihn hintreten und es offen sagen: „Exzellenz, nicht die Jagd nach Gunst und nicht die Schreiblust war es, die mich zur Abfassung getrieben, sondern der Ruf des Gewissens, in großer Zeit dem Volke, und vor allem dem Heranwachsenden beflissenen Geschlecht, ein Leben vorzuführen, in dem sich das, was wir „künftige Erziehung" nennen, und das darum ein Beispiel für Charakterbildung werden soll!" — Die Menge braucht den Gegenstand; Worte sind Schall, sie verfliegen. So muß denn der General, der vor Jahren aus der anmutigen Stadt, in der jedes Auge nach ihm sah, jedes Herz für ihn pochte, auf des Kaisers Wort zu den Waffen eilte, jetzt, da wir an der Zukunft des Staates zimmern, mit seiner Persönlichkeit und seinen Taten ans Licht, um als Mittel zur Durchführung hoher Bedanken zu dienen! Aas Auch über Kövess sei ein Auch der Erziehung!" — Pädagogische Splitter. Viele Schüler wollen sich beim Lehrer dadurch ein schönes Bild einlegen, daß sie das Treiben der ändern in den schwärzesten Farben malen. Und wie ist’s bei den Alten? ’n Stich dunkler. Ein Ratschlag: Willst Du was Großes beginnen, frage recht viele! Doch sei dann sicher, Du beginnst es nicht! Wie kläglich schwach doch der Mensch ist, ersieht man daraus, das er sich tröstet, ja geradezu freut, wenn er seine Fehler beim Mitmenschen entdeckt hat. Und beim Kinde? Das Kind bedarf der Stütze. Fällt diese, so fällt es. Eine alte Wahrheit: Meist sind die Redefleißigsten die Denkfaulsten. Wisse, was Du wissen sollst! Wisse auch, was Du weißt, nicht wissen willst. Halte das Nichtige nur für das Wichtige: fort ist das Tüchtig«. Theodor Tauber. 4051 Briefkasten. Unsere „Wechselrede" stockt — diese eigenartige Einrichtung der „Blätter für den Abteilungsunterricht", die über 500 Urteile über wichtige Schulfragen geliefert, so vieles geklärt, so vieles begründet hat. Ist das Wort im Munde eingefroren oder hat Resignation die Geister erfaßt? Daß keinesfalls! Der Augenblick ist derart, daß man aushorcht, wenn die sprechen, die in des Vaterlandes Not Treue hielten und rast, loses Handeln bekundeten. Also wäre Schweigen Verlust, uneinbringlicher Verlust. — Wenn wir vorläufig von den rein schulmüßigen Fragen absehen, weil Größeres, Wichtigeres, Dringenderes auf der Tagesordnung steht, so ist das nicht etwa ein Abwenden von dem Fach, sondern lediglich eine zeitgemäße Sichtung nach Wert. Dieser ist von der Tragweite des Erfolges bestimmt. Vor allem dürfen wir Lehrer es uns nicht nehmen lasse», Führer des Volkes zu sein, und dies insonders jetzt nicht, da Großes im Werden ist, Großes aus der allgemeinen Stimmung und Denkart geboren werden soll! In dieser Hinsicht treten zunächst 2 Fragen an uns heran: die eine, die staatspolitische wurde im Leitberichte der Doppelfolge 165/166 unter dein Titel „Die Zielschwankungen des Weltkrieges" aufgerollt, die andere bereits in Folge 151 in die Wechselrede eingestellt; sie betrifft das Thema „Erneuerung des österr. Schul- und Erziehungswesens". — Ich gebe zu, daß es leichter und kürzer ist, zu der Frage „Schiefertafel oder Papier?" Stellung zu nehmen, als sich in fundamentale Probleme des Verfassungslebens und der Schulzukunst zu vertiefen; aber dank-' barer ist es wahrlich nicht. — Unsere Zeitschrift wird durch alle Schichtungen der Gesellschaft gelesen; also zeige die Lehrerschaft, wie sie urteilt, was sie will und was sie kann! Ich erwarte demnächst zu den beiden Fragen eine scharfe Debatte. — Den AKschwenKcnden: Wie, Ihr wollt in entscheidender Zeit aus unserer Gemeinde, weil in allem Einschränkung Gebot ist? Was erhält man heutzutage um 6 U (den Bezugspreis der Zeitschrift)? Nicht einmal ein Liter des Saftes, der physischen Geist enthalten soll! Und dafür wollt Ihr den rechten, echten Geist brüderlichen gemeinsamen Schaffens für die Güter des Standes einlauschen und uns, die wir unentwegt durchhalten, im Stiche lassen?! — Aus dem Aries« eines Verbitterten: „Durch Arbeit ist in Österreich nichts, rein nichts zu erreichen. So werde ich nach dem Kriege mich in die Pension flüchten müssen! Man will es nicht anders. Die besten Staatsmänner läßt man auf der Ringstraße spazieren« gehen, die hingebungsvollsten Schulmänner taglöhnern oder man ekelt sie hinaus." — Mach Johnsvach: Gerne, sehr gerne hätte ich Sie persönlich kennengelernt; allein es war unmöglich, auch nur eine Stunde zu erübrigen. Unsereiner wird durch die Welt gehetzt und hat nichts frei für sich und die Freunde; alles gilt dem Vaterland. In 6 Wochen habe ich an 15.000 km durchfahren, oft, sehr oft im Eisenbahnwagen „Blätter" geschrieben und im Frost die Nacht verbracht. Es war jeder Tag kostbar. Also nicht grollen! Ein andermal kriechen Sie hervor! — Zur Wechsekrede. Herr Lehrer L. Gruber in Lichtenau bei Gföhl, N.Ö., wirst die Frage auf: „Soll die in der „Österr. Sch." enthaltene Forderung, die Bürgerschullehrerprüsung erst nach dem zweijähr. Besuche einer Päd. Akademie ablegen zu können oder wie bisher ohne Studienzwang, gelten oder nicht?" — Wenn Urteile eintaufen, stelle ich die Frage in die Wechselrede ein. — Jimkt. v. £. in j,.: Exz. vermeinen, selbstloses Patriot. Wirken müsse alle Bahnen freimachen. Ich wäre froh, wenn es bei der Sache zuträfe, von der Person gar nicht zu reden! — Hvk. Zt. K. in A.: Die alten Jahrgänge der Zeitschrift erhalten Sie durch die Blätter f. d. Abt. Unt. in Laibach. — Die Schulleitung St. Iöaköurg (Hirot) bestätigt den Erhalt von 50 „Soldatenbüchlein" durch Dr. O. Schwarz in Krummau und von 50 Stücken „Alles fürs kämpfende Vaterland!" durch die Hof- und Staatsdruckerei in Wien. Beide Sendungen wurden völlig kostenfrei zugesprochen. Wer die Geschenke haben will, muß sich beeilen. — Ein Vermächtnis für unsere Zeitschriften. Wie bereits einmal kurz mitgeteilt wurde, hat der im Kriege gefallene Lehrer Franz Wolf in Schömitz, dessen Bild F. 165/166 brachte, letztwillig verfügt, daß aus seiner Hinterlassenschaft an die „Bl." der Betrag von 100 K abgegeben werde. Das Notariat hat nunmehr K 86 56 übermittelt. Mit dieser Spende soll ein Erhaltungsfonds der „Blätter f. d. Abteilungsunterricht" begründet werden. Er ist besonders in harter Kriegszeit, da der Herstellungspreis in die Höhe geschnellt ist, während die Bezugshöhe fiel, eine Notwendigkeit. Wer die Bedeutung der Zeitschrift würdigt wie Herr Wolf, wird sich einstellen und den Fonds bereichern. — Art. W. K.: Nach Vorträgen bin ich schwer zu haben; man stürzt mit Fragen auf mich und schnürt mich ab. Warum haben Sie sich nicht in der Pause gemeldet? — Sie haben aus meiner Egerer Rede also entnommen, bezw. fortgesponnen, wie folgt: „Es ist der Arbeitsgeist, der frische, starke, lebendige, der kein Schwanken gelten läßt und kein Feigsein. Ich erkannte: Der Arbeitsgeist ist der schönste Ausdruck menschlicher Intelligenz und des Bewußtseins, Mensch zu sein. Aus Erfahrung wissen wir, aus tausendmaligem Selbsterlebnis ist uns bekannt, daß die Haupterschütlerung im Leben des Menschen der Kampf um und für seine Weltanschauung ist. (Die Auffassung der Welt, die Stellungnahme zu ihr, die Pflichterkenntnis ihr gegenüber, Fixierung der eignen, moralischen Gesetze usw.) Auch der fertige Mensch baut noch aus darin, öffnet bald hier dem Lichte ein Fenster, dämpft dort eine grelle Farbe ab u. a. Wie wunderlich statten sich die Menschen oft aus! Der eine begnügt sich mit einer elenden Hütte, in der kaum Luft zum Atmen ist, der andre stellt sich einen Tempel auf — voll schönen, edlen Ebenmaßes. Das Be- 4052 freiende bei beiden ist aber die Tat. Wo ein frischer, fröhlicher Arbeitsgeist herrscht, da ist gilt sein, da werden ganze Menschen; denn ein unfertiger Kopf (Geist) braucht Arbeit, um fertig zu werden und die vollendete Weltanschauung (wer sich einen festen Standpunkt gegenüber der Welt geschaffen hat) braucht sie als Tat. Gebe Gott, daß die neue Zeit recht viel arbeitsfrohe, starke Menschen hervorbringe oder finde und daß sie alle an den rechten Platz kommen!" — Sie haben aufmerksam gelauscht, Fräulein. Wären nur alle so bei der Sache! — Schullt. A. Sch. in A. (Steierm.): Erwünschen Sie die Berufung nicht; Fachleute werden ja erst herbeigeholt, bis die ändern ein Fiasko erarbeitet haben. — Kaiscrk. W. A. K. in W.: Wir schreiten wohl alle dem Grabe zu. Der eine vermeint, nahe zu sein, und wandert weiter; der andere trägt hoch den Kopf und — fällt, eh' er's vermutet. — Lehrer It. K. in W.: Kürzen, kürzen, lieber Freund! Woher nehm' ich jetzt Druckerschwärze und Papier für Tagespartien auf Gedankenspaziergängen! — Are Verzögerung der Ansgave dieser Folge erklärt sich daraus, daß eine Korrektur verloren ging. — An die Leser: Indes Ihr meinen Briefkasten durchgestöbert habt, bin ich tief im Süden, auf Kriegsschiffen und in Unterseebooten. Daran schließt sich eine Fahrt nach Görz, in dem ich 9 Jahre gewirkt, und nach Italien. Wie weit? Wer kann cs heute (am Abend vor der Weihnacht) ermessen! Vielleicht komme ich mit dem Frieden heim. Dann soll es blüh'n und knospen auch im Garten der Schule! — Kleine Mitteilungen. 677.) Voltisschulkeyrer Kranz Woks, der Begründer unseres „Bl.-Fondes", ist am 10. Oktober 1892 in Engelhaus, Bezirk Karlsbad, geboren. Er besuchte die dreiklassige allgem. Volksschule in Engelhaus, die Bürgerschule (2. und 8. Klasse mit Aufnahmsprüfung in die 2. Klasse) in Karlsbad 1904—1906, die 4. Bürgerschul, klaffe in Falkenau a. d. Eger 1906/07 (weil in Karlsbad diese 4. Klasse noch nicht bestand), die k. k. Lehrerbildungsanstalt in Eger 1907/1911, besitzt ein Zeugnis der Reife mit Auszeichnung, erwarb sich das Lehrbefähigungszeugnis für Volksschulen mit Auszeichnung im Maitermine 1914. Sein erstes Dienstjahr vollbrachte er in Bärendorf bei Bruck a. d. Mur. Sein nächster (seit Schulbeginn: 16. September 1912) und letzter Dienstort war Schömitz, Bezirk Karlsbad. Während der Hauptferien 1914 besuchte er einen Fortbil-dungskurs in Tetschen, welcher jedoch des Krieges wegen vorzeitig geschlossen wurde. Im Juni 1915 wurde Amlsbruder Franz Wolf gemustert, war zur militärischen Ausbildung vom 12. Juni 1915 bis 6. Jänner 1916 in Prag, kam als Kadett-Aspirant der Landsturmabteilung 12. Kompanie des k. k. Infanterie Regmt. Nr. 73 Eger in die Etappen an die italienische Front und bald daraus nach vorne. Am 6. Juli 1916 wurde er bei der Rückeroberung eines verlorenen Grabens auf dem Monte Zebio durch einen Minensplitter am Kopfe schwer verwundet, wurde bewußtlos auf den Verbandplatz gebracht und soll nach Kameradenbericht am ändern Tage gestorben sein. Sein wertvolles Tagebuch verwahrt noch sein Kampfkarnerad Fähnrich Schmidt. Der wollte es, wie er schrieb, dem Postwege aus verschiedenen Gründen nicht anvertrauen. Sollte dieser Augenzeuge noch leben, so würde er durch Zusendung dieses Tagebuches dem einzigen, noch lebenden nahen Verwandten, seinem Onkel, Gustav Huml in Engelhaus Nr. 69, die größtmöglichste Freude bereiten; auch eine weite Reise würde zu diesem Zwecke Herr Huml nicht scheuen. Zahlreich sind Lehrer Wolf's testamentarisch festgesetzte Legate. So erhielt sein Geburtsort Engelhaus a) der Armensond 100 K, b) die Volksschule für Bücher und Lehrmittel 50 K, sein letzter Schulart Schömitz für Schule und Armenfond sowie die zur Schule zugeteilten Ortschaften Eichenhof und Satteles ähnliche Beträge; auch das Südheim, das Nordheim, das Rosegger-Alpenheim, der Deutsche Landes-Lehrerverein in Böhmen u. a. sollen bedacht sein. Die Höhe der einzelnen Legate ist nur beim k. k. Notariate in Karlsbad genau sicher zu stellen. Grimm. 678.) Wo ein Kind in die Stube tritt, da wird die stockende Unterhaltung wieder lebendig, selbst der müde Großvater winkt und lächelt ihm zu. Wo ein Kind in die Gesellschaft kommt, stolpern die unsauberen Witzmacher und grinsen verlegen. Das Echte, Natürliche, Reine, der heilere Übermut können zu Wort kommen. Völklein verweist auf das Buch von Gertrud Bäumer und L. Dröscher: Von der Kindesseele, eine Sammlung aus Dichtung und Biographie. Der Schulmonarch bringt keinen Sonnenschein in die Stube; denn jeder Beruf ist ein Dienen. Bayerische Lehrerzeitg. 679.) goctTtts Aelskerbuch ist für einen, der sich schriftstellerisch betätigen will, unentbehrlich. Es enthält nicht allein die gangbarsten Sprachfehler, sondern gibt auch Anleitung zu einer fachgemäßen Drucksatz-Korrektur. (Preis K 1 60; Verlag Kienreich in Graz.) — 680.) ScvstöeschreiSungen stellen für Pädagogik« eine Duell«? des Genusses dar, besonders wenn ein Dichter unmittelbar unser Gefühl anregt. Im kindlichen Seelenleben mischt sich eben noch Dichtung und Wahrheit, darum schaut der echte Dichter weit wahrer als der „wissenschaftliche" Beobachter und Untersucher. Päd. Blätter. Durch den Russensturm. 2. AVer die ZKagura. „Dort, wo sich der Wald zur Senke neigt, dort standen sie einander hart gegenüber; dort entschied das Bajonett." . . . Ich sah zur Höhe, als wir aus dem Friedhof gingen und die trauernde Mutter ihrem Schmerze überließen. Line Regenwolke lag schwer über uns; da wir über die Granatentrichter und die verfallenen Schützengräben setzten, entlud sie sich und klatschte mit ihrem Naß auf die Buchenzweige. Stellenweise war eine Waldblöße; die Geschosse hatten den Forst niedergerissen. Wie ausgebrannte Fackeln standen die Baumstämme da, in die sich das vernichtende Lisen gewühlt. Der Weg war geprügelt; Tausende von Waldrecken mußten den lehmigen Boden mit ihrem Leichnam decken. — Die gesättigten Wolken folgten uns mit immer neuen Güssen, so daß wir in einer elenden Hütte des Geländes Schutz suchen mußten. Als wir eintraten, ging ein Schrei des Entsetzens durch den Raum: Mutter und Rinder vermeinten, der Sturm ginge wieder los. Dreimal war er vorübergebraust, hatte wunderbarerweise die Familie verschont, aber dreimal Tod und Schrecken um das Haus gebreitet; die Leichen lagen so zuhauf, daß sich die Frau einen Weg bahnen mußte. Das Wüten war vorübergezogen, die Gräberkommission hatte die (Dpfer der Schlacht aufgelesen, drüben im Hang beerdigt und nun hoffte die Mutter, ihre Kleinen in dauernder Hut zu wissen. Wie sie sie eilends an sich zog — ihrer vierl Ihre flehende Gebärde glitt indes alsbald in mildes Lächeln über, als ich die Kapuze zurückgeschlagen, den Mantel geöffnet und der Besorgten die Hand gereicht hatte. Was der Anblick des friedlichen Wanderers im Feldgrau nicht vollends bewirkte, ergänzten einige slawische Brocken, die ich in Lile zusammengeklaubt hatte. Und für die Kinderchen hatte ich Zwieback — die Notreserve des Kriegsbummlers — zurhand; also war die Schar gewonnen. Weniger versöhnlich war des Hauses Nährmutter, die Kuh, die in der Küche lag; sie war noch immer in Kampfstellung und erst das Streicheln durch die Frau konnte sie zum ruhmvollen Rückzuge bewegen. Die Stube war sauber gehalten; auch die vier pausbackigen Kleinen verrieten eine tüchtige Mutter. Linen Zuwachs erwartete die Frau als Erinnerungszeichen an die Russennot. Sie war mitten im Lager der Feinde auf der Scholle geblieben und hatte all die Schrecken der Schlacht miterlebt. Die Granaten haben die Hütte umbraust; doch keine hat ihr und den Lieben ein Leid zu-gefügt. Das Wogen fei an der Keusche einigemal vorübergczogen; bald brachen Österreicher ein, bald wieder Russen. Jedesmal spendete sie, was sie hatte, jedesmal drückte sie dem oder jenem, war es Freund oder Feind, die Augen zu, wenn fein Licht erlosch. Und die Kinderlein, sie wimmerten in der Ecke des Zimmers. . . Der Batet ist nicht wiedergekommen. Wer weiß, wo er umherirrt, wer weiß, wo er in ewiger Ruhe liegt 1 Noch einmal griff ich tief in die Tasche und holte das Letzte hervor, was Kindern Freude macht; dann schritten wir trotz fortdauernden Gießens zutal, um mit dem Wagen jenseitig die Lehne zu nehmen. — Solange wir in der schmalen Furche dahinrollten, wollte der feuchte Schwaden nicht von uns weichen; als wir aber die erste Höhenstufe erreicht hatten, brach die Sonne durchs Gewölk und ließ den tiefen, tiefen Wald in wunderbarem Funkeln aus dem Nebel treten. Ach, Ihr, die Ihr nicht in den dunkeln Forsten des Urwalds gewandert seid, wißt nicht, wie majestätisch, wie märchenhaft der Wald in seiner Unberührtheit, in seiner Frische ist! Als ob der Ewige da droben zum erstenmal den Schleier von seinem großen Schöpfungswerke hinweggezogen hätte, so zeigt sich uns das Land im letzte» Grund. Je höher wir stiegen, desto Heller ward der Tag, desto wundersamer quoll es durch das Gemüt. Erst gar, als wir den Sattel erklommen hatten I Rechts zogen, vielfach gewunden, Schützengräben bis zu einer Brückenkopfstellung hinan, Wir stiegen aus dein Wagen und wanderten in den Furchen. Allerlei Gerät lag ringsum. Wer mag hier gehaust, gekämpft, geblutet und ausgeatmet haben! Der Erklärer wies auf den Gupf, der gegenüber lag: „Dort waren die russischen Stellungen. Nur die Straße mit ihrem Begleitrasen trennte die beiden feindlichen Lager. Man kann es sich vorstellen, welch grimmer Kampf hier getobt haben mag!" — Der Friedhof am Waldrand bezeugte es. Grab an Grab, in der Ecke Massengräber, Österreicher, Ungarn, Russen — alle in gemeinsamer, ewiger Ruh! — Ein Marienbild erglänzte magisch aus der Mitte; über dem Eingänge stand zu lesen: Bleibt eingedenk in Lures Glückes Tagen. Daß dieser Grund voin heißen Kampf geglüht. Daß Todeswunden Taufende getragen, Damit der Sonne Segen Luch umblüht! Die Tausende der Opfer wurden aus dem ganzen Gelände zusammengetragen — ein mühsames Geschäft, nach Monaten die halbverwesten Körper aus dem Schutt zu wühlen, nach Namen und Heimat festzustellen und dann nach einem wohlgeordneten plane neuerlich zu bette». Wen» wieder einmal die Trümmer eines Menschenlebens aufgedeckt dalagen, mußte die Kommission, gehüllt in Mantel und Maske, mit einer Stockzange die Personalienkapsel hervorholen, öffnen und in den Taschen nach Briefschaften fahnden, die die nötigen Daten lieferten. Der Begleitmann berichtete, daß täglich an 200 Leichname festgestellt und geborgen werden. Wenn nun jemand — gleich der Mutter, die ihren Einzigen in Gorlice fand — zu der Stätte gewallt kommt, so kann er nach dem Friedhofplane das Grab des Gesuchten erkunden. Ein Werk der Pietät, das unseren militärischen Stellen ein ehrendes Zeugnis ausstellt. In düsterer Stimmung rollten wir zur anderen Seite des Sattels in eine Mulde, in deren Horizont die Berge des Ungarlandes gepinselt waren. In einer Senke lag ein Kommando, mitten im tiefsten Dunkel des Waldes. Der Gebieter — im zivilen Leben ein Baumeister — hatte hier die Straße zu sperren und zudem Holz für Barackenbau zu liefern. An die zwei Jahre hauste er nun schon im Grund, ohne einmal auf Urlaub gewesen zu sein; er konnte nicht fort, sein Bleiben war immer Gebot. „Wenn nur der Winter mit seiner Langen Weile nicht am Geiste nagte wie ein Wurm!" Das war die einzige Klage, die sich ihm entrang. „Jetzt", so meinte er, „in der schönen Sommerszeit, offenbart sich der Urwald in immer neuen Mären und die Seele saugt an ihm; jetzt streife ich kreuz und quer und nur zu bald ist der Tag zuende. Doch der Winter, der Winter! Werden wir noch viele fern der Heimat verleben?" . . . Die Straße lief nunmehr, da wir im eifrigen Gespräch dahinschritten, in einen weiten, weiten Wiesenplan aus. Schier in der Mitte eingebettet war wieder ein Soldatenfriedhof; mächtige Säulen, alles Holzbau, kündete weit in die Runde die Stätte des Ruhms. Ehe wir eintraten, lasen wir über der Pforte: Soldatentod ist heilig und bricht des Hasses Gebot, freund und Feind. von lvunden verfehrt. Sind der gleichen Liebe und «Ehre wert. 4055 Uber die ungarischen Berge herüber kam langsam der Abend gekrochen; ich mußte zurück nach Gorlice. Wie schwer doch das Scheiden wurde! Ich hatte die Waldmen-fchen, die mit eherner Treue hier in stiller Einsamkeit standhielten, so tief ins f}erz geschloffen und mich an ihrem geraden Sinn erquickt. Bis zur i)öhc hinan gaben sie mir das Geleite; dann wandten sie sich zum Wege in ihr Exil. Und ich? Ich stand auf der i)öh’ der Nkagura, sah ihnen nach in Wehmut und übermannt von Bewunderung, sah nach links, wo die Braven ruh'n, sah nach rechts, wo die Braven fielen, und sah sodann hinab in das Land, durch das die Welle der Verfolgten brauste, in dem ein Stück Geschichte liegt, das weit hinaus leuchten wird in die Jahrhunderte und berichten von großer Tat und herrlicher Entwicklung. — Unser Wäglein war spät abends heimgekommen. Der Wirt, ein Mann aus dem heiligen Lande, konnte um Geld alles bieten; er hatte es vor der Russengier gerettet. Ehe ich mein Schlafgemach bezog, meinte er kühl: „An Geistergesellschaft wird es nicht fehlen! Das £)aus war ein Tho-leraspital. In Ihrer Schlafstube sind Hunderte gestorben; man hat die Leichen gleich zum Fenster hinausgeworsen und im Blumen-gärtlein, das nunmehr ein Aartoffelfleck ist, verscharrt. Gute Nacht, Herr Doktor!“ . . . Ja, sie waren an meine Pritsche gebunden, die dunklen Schatten, und hatten mich mit ihren gläsernen Augen angesehen. Doch ich habe mich nicht scheu abgewandt, sondern sie gegrüßt; auch sie standen als Melden für ihre Sache. Als ich erwachte, fiel mir ein Satz ein, den ich über einem Massengrabs, das Freund' und Feinde barg, ein. Es hieß: Zum blutigen Kampf sind wir ausgezoge», Zum ewigen Frieden haben wir uns gefunden! (wird fortgesetzt.) An ein Kind. 0 geh in deine Schule froh und gerne, Und freue dich der schönen Gegenwart; Die Lebensschule liegt ja noch so ferne, Und die, mein liebes Kind, ist schwer und hart! Wie mancher, der in steter Sehnsuchtsqual Im Lebensbuch geblättert nach dem Glück — Er kehrte gar zu gerne noch einmal Zur Fibel als ein frohes Kind zurück! Ein strenger Lehrer ist das Menschenleben; Hist du erst groß, wird dich gar hell und klar Die freundliche Erinnerung umschweben: Wie gütig einst zu dir dein Lehrer war . . . Alfred v. Wurmb. Polack-Ccke. Wer mehr gibt, als das Kind faffen kann, der treibt eine schlimme Verschwendung mit dem Stoff, der Kraft, der Zeit und der Liebe. Wer zu viel erreichen will, der erreicht nichts. Ul., 44. 1 Aus einem Briefe an den Kaiser!. Rat A. Hofer in Wien. (Bisher noch nicht veröffentlicht.) Tiefernster Lrief an die Qser von „Schule und Vaterland" behufs Aufrüttelung -er Schläfer. Neujahrsgruß zuvor! Wir treten, so Gott will, in das Friedensjahr ein und werden alsbald vor die Frage gestellt werden: „Was habt Ihr, während wir draußen fochten, daheim für die neue Zeit vorgekehrt?" — Stünd' die Frage heute vor uns, traun, sie träfe uns unvorbereitet, so unvorbereitet, wie uns der Krieg überrascht hat. Damals war der Mangel halbwegs entschuldbar, nimmer könnte er jedoch jetzt, da uns jede Stunde an die Zukunft mahnt, da die Not nach Lösung ruft, da das große Geschehen so manches in Schutt legt, was vordem als stolzer Bau vor uns stand, vergeben werden. Die aus den Schützengräben hervorkriechen und heimwärts wallen, werden an alle», die untätig den Dingen ihren Laus ließen, ein Strafgericht halten. Deß sollten die Gewissenlosen gedenken! — Soweit dabei die Schule in Frage kommt, erscheint dies im Leitbericht der vorliegenden Folge niedergelegt. Auch von uns, den Hütern von Bildung und Zucht, wird man Rechenschaft fordern. Ich habe die Kriegsjahre her darüber viel Worte ausgesendet, komme mir aber leider vor wie der Prediger in der Wüste. Damals, es war gleich nach Ausbruch des grimmen Streites, als ich in den Fängen des Todes lag und mein Leben nur noch nach Stunden zählte, schrieb ich gleichsam als Vermächtnis an die Lehrerschaft das Wort vom Tagen, und was damit zusammenhängt, nieder; ich bin den Schatten entflohen, aber anders geworden ist es nicht in unseren Reihen. Wäre ich doch damals hingesunken — es galt ja nur noch einen Sturz der Blutwelle —, es wäre mir eine bittere Enttäuschung, daß ein Teil der Lehrerschaft trotz eindringlicher Vorstellung und Mahnung nicht aufzurütteln ist, erspart geblieben! Wer sein Leben idealen Gütern weiht und dann zusehen muß, wie alles, ja alles wirkungslos verhallt, was sie in günstiger Zeit fördern könnte, dem geht tiefes Leid zum Herzen. Wenn doch die Trägen wüßten, welche persönlichen Opfer man den Bestrebungen für Schule und Lehrerschaft bringen muß, wie man in kränkender Weise zurseitegestellt, getreten, geschmäht, verlacht, verhöhnt, vernadert, in die Niederung gedrückt oder brüsk abgeschüttelt und mit Bösem aller Art überschüttet wird, — es müßte sie um des Himmels Willen die Scham überkommen und zu Handlungen führen. Wie oft, wenn es hieß: „Kehren Sie doch der undankbaren, unbeweglichen Lehrerschaft den Rücken, wechseln Sie das Metier, viele Wege stehen Ihnen offen!" — zuckte es in der Hand und ich verspürte Lust, zuzugreisen; doch gleich stieg der Gedanke empor: „Wie, du willst sie lassen, all die Getreuen, die dir Jahre hindurch gefolgt, bloß wegen der Säumigen, die im Schlummer liegen, oder gar wegen des höheren Ranges und der größeren Bezüge?! — Die Gewiffenssrage wandte den Entschluß und ich blieb — in der Heimat, bei der Lehrerschaft. Sollt' ich es einmal bereuen müssen? — Vorläufig erfüllt mich die frohe Zuversicht, daß doch einmal ein Aufleuchten durch unsere Reihen ziehen und blendende Helle verbreiten werde. Es ist hoch an der Zeit. Erst vor wenig Tagen schrieb mir Einer, der gleich mir für die Lehrerideale blutet: „Ich kan» nicht mehr, ich breche zusammen!" Wie, wenn ich einmal dasselbe von mir sagen müßte, wenn einer nach dem anderen fällt, der es mit dem Stande und der Schule ehrlich meint, und wenn dann nur noch Lehrerdemagogen übrigbleiben?! — Ich halte es mit dem Kommandanten, der mir zurseite im Granatenfeuer aufschrie: „Sie mögen uns zerschmettern, wir steh'n!" Ich halte durch mit meinem Eigensinn und meiner Kraft und meinem wandernden Boten, der Doppelzeitschrist. Falle ich oder fällt das Blatt, dann soll der Teil der Lehrerschaft, der müßig zusah, wie andere um die Güter des Amtes stritten und erlagen, mit sich zurategehen, wie sie vor jenen, die bald, sehr bald kommen und Bericht fordern, die Prüfung besteht. — Ich spreche nicht allein für mich und meine Fachblätter, sondern für alle, die Treue im Kampf bewähren, und Schule und Vaterland im Herzen tragen. Der Ernste wird wissen, was zu tun Pflicht ist; der Spötter mag zum Troß der Tapfern stoßen, die johlend wie Gassenjungen hinter der Schar der Sieger einherschreiten, mit hocherhobenem Haupt und offenem Mund, als hätte sein „Heldentum" das Vaterland gerettet. — ’&eai. Herausgeber und verantwortlicher Gchrtftleurr Rudolf Peerr. — Druck von Ivlet V mittel m Onui«a Schriften von Dr. Rudolf Peerz. (Bezug durch die Verwaltung der „Blätter für den Abteilungsunterricht* in Laibach.) Talaufwärts von Schule zu Schule. (Eine lustige und lehrreiche Schulwanderung.) — 3. Auflage. Reich illustriert, mit der Ergänzung „Talabwärts von Schule zu Schule“ (Die Wanderung nach 7 Jahren) versehen. Elegant gebunden 3 K (2 K). Das Zeichnen nach der Natur in der ö Landschule. ■3 3. Auflage. 7. Tausend! — Geheftet 1 K 50 h (1 K), geb. 2 K (1 K 50 h) £ 3. Die gegenwärtigen sozialpolitischen Aufgaben der Lehrerschaft. Aufsehenerregende Rede; ein Programm für die Zukunft. 40 h. 4. Der heimatkdl. Unterricht im Dienste der Volkswohlfahrt. Eine sozialpädagog. Studie. Preis 1 K (70 h). 5. Grüsse an unsre tapfere Armee. (Unter der Mitwirkung von 50 Mitarbeitern herausgegeben.) — 1 K .5 (50 h). 5 6. Kreuz und quer von Schule zu Schule. § (Eine Wanderfahrt durch das österr. Alpengebiet.) 2. Auflage. — Elegant gebunden 2 K (1 K 50 h), geheftet 1 K 50 h (1 K). 7. Anleitung zur Ausarbeitung von Prüfungsthemen. Allgemeine, aus der Praxis geschöpfte Leitsätze, Ratschläge und Beispiele in Dispositionen. Preis 40 h. 8. ,Blätter für den Abteilungsunterricht1. (Monatschrift zur Förderung des österreichischen Schulwesens.) — a) 1., 2., 3. Jahrgang (1904, 1905, 1906) als Buch in 3. Auflage erschienen (geheftet)....................... 4 (3) K elegant gebunden..............................5 (4) „ b) 4. Jahrgang (1907) als Buch in 4. Aufl. erschienen (geh.) 3 (2) c i> Q> hß *5 1911) (1912) (1913) (1914) (1915) Alle Jahrgänge bis einschl. 1915 in eleg. Bänden, Lexikonformat, 50 K. Bis 20 K Ratenzahlung zu 2 K monatlich, über 20 K zu 4 K. Einsendung mittelst Erlagscheinen. Mappen ä 1 K und Einbanddecken ä K 110 vorrätig. Der Bezug der „Bl.“ kann mit jedem Monate beginnen. 4 (3)K 6 (4) „ 6 (4) „ (4) „ (4) „ (4) „ (4) „ (4) „ gebunden 4 (3) 6 (5) 8 (6) 8 (6) 8 (6) 8 (6) 8 (6) 8 (6) 8 (6) Neue Bücher im Verlage der Blätter für den Abteilungsunterricht inlLaibach. 1.) Feldmarschall Baron Kövess. (Erster Band aus der Sammlung „Die Generale des Kaisers und Königs Karl.) Verfasser: Dr. Rudolf Peerz. Abschnitte: 1.) Der „Feldherr“ Kövess. — 2.) Feldmarschall Kövess als Anwalt der Kriegsinvaliden und der Kriegswaisen — 3.) Ein Tag im Armeekommando. — 4.) Die Persönlichkeit des Feldmarschalls. — 5.) Beziehungen hervorragender Männer zu Kövess. — 6.) Aus der Gedankenwelt des Heerführers. — 7.) Die Familie Kövess. — 8.) Der Aufstieg des Feldmarschalls. In den Abschnitten 1.) und 8.) sind die Feldzüge in Rußland, Serbien, Montenegro, Albanien, Südtirol und in der Bukowina schulmäßig, und zwar ausführlich behandelt; das Buch ist sohin eine Stoffquelle für die Geschichte der neuesten Zeit. — Preise: Ausgabe A (Glanzpapier) 7 K; für Abnehmer von „Schule u. Vaterland“ 6 K. B (Mattpapier) 5 K; dtto. 4 K. Bestellungen an den Verlag der Blätter für den Abteilungsunterricht, derzeit in Wien, 8. Lange Gasse 44. 2.) Des Lehrers Takt und Schliff in der Gesellschaft. (Ein Standeswegweiser für den jungen Amtsgenossen.) Verf.: Dr. Rudolf Peerz. Abschnitte: Einleitung. I. Die Kleidung. 2. Gang, Haltung, Gebärde. 3. Die Vorstellung. 4. Die Anrede im Gespräch. 5. Vom Grüßen. 6. Der Besuch. 7. Beim Tee. 8. Die Table d’ hote. 9. Zur Christbescherung. 10. In Terpsichorens Diensten. 11. Auf Amors Gefilden. 12. In der Gesellschaft der Obern-Zehntausend. 13. Beim Dämmerschoppen. 14. Beim Spiele. 15. Wintersport. 16. Besondere Anlässe. 17. Welche gesellschaftlichen Untugenden aus unserer Arbeit sprießen. 18. Der Lehrer in Vereinen. 19. In der Instruktionsstunde. 20. Im Eisenbahnabteil. 21. Auf der Ferienreise. 22. In der Sommerfrische. 23. Brief. 24. Die Beglückwünschung. 25. Die erste Stelle. 26. Die neuen Kollegen, 27. Kollegen unter Kollegen. 28. Kollege und Kollegin. 29. In der Lehrerversammlung. 30. Die Lehrer des Lehrers. 31. Neid, Scheelsucht, Undankbarkeit. 32. Der Vorgesetzte. 33. Die Inspektion. 34. Der Prüfungskandidat. 35. Der Lehrer als Dichter. 36. Das Familienleben des Lehrers. 37. Der Krieg. 38. Der Lehrer als Soldat. 39. Schule und Haus. 40. Lehrer und Schüler. Schlußwort. Bilder aus dem Lehreralbum. Preis: Gebunden 4 K, für Abnehmer von „Schule und Vaterland“ 3 K. 3.) Die gegenwärtigen sozialpolit. Aufgaben der Lehrerschaft. (Eine zeitgemäße Rede.) Verfasser: Dr. Rudolf Peerz. 1. Unsere sozialpolitischen Aufgaben im allgemeinen. — 2. In welcher Weise sollen wir den dermalen an uns gestellten Aufgaben gerecht werden? — 3. Welche Vorarbeit ist für die Zukunft ins Werk zu setzen? — Preis des Heftes 40 h.