Wr$*swrr*tten6 - Preise Sät Laibach: «entWrig . . 8 (L 40 tr. »Echrig... 4 „ 20 „ Nirrteljührig . 2 „ 10 „ Mnutljch . . . — „ 70 „ Mit der Post: ««ttSfrrig..........12 fl. K-lbjShrig......... 6 „ Wmttja^g............ 3 „ Laibacher Redaktion Bahnhvsgaffe Nr. 132. Tj Für Anstellung in< Hau» 'irrtelj. S6 kr., «onatl. 9 kr. Cinielnt Rn««ern 6 kr. Lßgbltttt. Anonyme Mittheilungen werden nicht berücksichtigt; Mannscripte nicht zuriickgesendet. Expedition- & Inseraten-Bureau: Tongreßplatz Nr. 81 (Buchhandlung von Jgn. D. Klein-mayr & Fed. Samberg.) Jnsertionspreise: Für die einspaltige Petiizeile L 4 kr., bei zweimaliger Einschaltung ä 7 tr., dreimaliger ä 10 fr. Kleine Anzeigen bis 5, Zeil 20 tr. Bei größeren Inseraten u öfterer Einschaltung entspr ckender Rabatt. Nr. 177. Donnerstag, 6. August 1874. — Morgen: Kajetan. 7. Jahrgang. Das jungczechische Programm. (Schluß.) Am ärgsten, erklärt Gregr, haben sich die Con-servativen bei Berathung des Gemeindegesetzes betragen, wo sie sich zu Schleppträgern des Adels hergaben. Wenn es damals nach dem Sinne der Großgrundbesitzer gegangen wäre, sie hätten sich dem Gemeindeverbande entzogen, in den sie durch das Gesetz vom Jahre 1849 gezwängt worden waren, und die czechische Nation wäre noch tiefer gesunken auf dem Wege zur bürgerlichen Freiheit und des Fortschrittes. Wie sehr den Großgrundbesitzern darum zu thun war, dies zu erlangen, zeigt sich - daraus, daß die ganze Curie des Großgrundbesitzes ohne Unterschied politischer oder nationaler Färbung wie ein Mann stimmte, lieber diese Einigkeit konnte sich niemand wundern, handelte es sich doch um ihren gemeinsamen Vortheil; aber worüber jeder wahre Freund des Volkes staunen mußte, war, daß sich auch in der Reihe der Vertreter des Volkes Leute fanden, die in dieser wichtigen Frage auf Seiten des Großgrundbesitzes sich stellten, indem sie für die Ausscheidung des Großgrundbesitzes sprachen und stimmten. Und diese Abgeordneten waren nicht Deutsche, es waren Czechen, es waren Abgeordnete, die unsere Landbevölkerung gewählt hatte, damit sie vor allem die Interessen der Landgemeinden wahren viöchten. Es waren in erster Reihe die Führer der czechischen Ration: Palacky, Rieger, Prachensky, Klaudy und noch einige ihrer Parteigenossen. Die SOiatmer der liberalen Partei: Sladkowsky und Trojan bekämpften die Gründe der Grafen Clam- Martinitz, Leo Thun und die Argumente Riegers. Der Antrag fiel nur mit Hilfe der liberalen czechi-schen Partei; denn hätte diese gestimmt wie Palacky und Rieger riethen, dann wäre der Antrag auf Ausscheidung des Großgrundbesitzes angenommen worden, zum Schaden des Volkes und zur ewigen Schande des czechischen Namens. Eben so zeigte sich der Gegensatz zwischen Conservativen und Liberalen in der Frage der Aufhebung des Schulpatro-nats, da sich die Großgrundbesitzer weigerten, im Verhältnisse zur Besteuerung Beiträge für die Schule zu leisten und eben so bei anderen, die Interessen der Großgrundbesitzer betreffenden Fragen, so namentlich bei der Dienstboien-Ordnung. Am 15. Jänner erfolgte die Abstimmung über die Dienstboten-Ordnung. Gregr charakterisiert das Gesetz, welches eine Commission, nahezu ausschließlich aus conservativen Landtagsmitgliedern bestehend, ausarbeitete, durch Hinweis auf den bekannten § 16, der dem „Herrn" die Leibesstrafe gegenüber dem Diener gestattet, falls der letztere dem ersteren nicht die gebührende Achtung erweise. Gregr hebt die Verdienste hervor, welche die jungczechische Partei um die parlamentarischen Angriffe gegen diesen conservativen Antrag sich erwarb. Er zählt die Namen der jungczechischen Redner auf, welche im Vereine mit den deutschen trotz der conservativen Bemühungen einen Gesetzesparagraph zu Falle brachten, der ermöglicht hätte, „daß der Herr seinen Diener einfach auf die Bank lege." Gregr gedenkt weiter als einer liberalen That der Jungczechen der Interpellation, die er selbst am 19. Dezember des Jahres 1866 wegen Einwanderung der Jesuiten in Böhmen einbrachte. Er er- zählt, wie die Conservativen gegen diese Interpellation wühlten, und wie es infolge dessen nicht möglich war, unter allen czechischen Abgeordneten mehr als 29 Unterschriften für seine Interpellation zusammenzubringen. Nach 1866, meint Gregr sehr charakteristisch', ließe sich schwer von irgend einer gesetzgeberischen Thätigkeit der czechischen Abgeordneten im Landtage reden, denn so oft in diesen ersteren Jahren die czechischen Abgeordneten im Landtage erschienen, handelte es sich nur um staatsrechtliche Fragen. Der Aufzählung dieser auf die staatsrechtlichen Kämpfe bezüglichen bekannten Beschlüsse der Landtage in der Aera Potocki und Hohenwart läßt Gregr einen Hinweis auf die Vorgänge hinter den parlamentarischen Coulissen folgen, indem er sagt: „Viel schärfer als im Plenum des Landtages trat der Unterschied der konservativen und freisinnigen Gesinnung in den geheimen Sitzungen der Commissionen und der Klubs hervor." Hier, im vertrauten Kreise nur weniger Männer, ohne die Controle der Oeffentlichkeit, zeigte er sich in seiner wahren Farbe und brachte seine Anträge ohne Scheu und ohne Hülle vor. Gründe der Schicklichkeit verhindern jedoch Gregr, weitere Andeutungen über diese Vorgänge zu- machen. So schildert Gregr das allmälige Wachsen der Kluft zwischen Liberalen und Conservativen unter den Czechen und die endliche Entstehung der jungczechischen Fraction, welche auch in der Vereinigung Träger des liberalen Programms war. Dieses Programm zu definieren, ist der eigentliche Zweck der Broschüre. Dieselbe schließt deshalb mit einem Capitel, das die Ueberschrist trägt: „Programm der Feuilleton. Ein Jubiläum des Sauerstoffs. Bon Friedrich Mohr.*) Am 1. August war ein volles Jahrhundert ab« Kaufen, feit zuerst jener anscheinend unbedeutende Ersuch gemacht wurde, der zur Entdeckung des ^Urrstosfs führte und der in seinen Wirkungen so *eT eingreifend und nachhaltig verändernd auf die ^IchjFe bCr Menschheit wurde, wie die Erfindung ^ SchießpulverS uud der Buchdruckerkunst. Die „N°r'chung dieses Zusammenhanges entzieht sich dem g wohnliche, Geschichtsschreiber der Kriege, Schlach-n und Revolutionen der Völker und muß auf l inem eigene» Gebiete verfolgt werden. • "in 1 - August 1774 stellte Josef Priestley, 17 JJ$!.n,Qmfäcr Prediger in Leeds, geboren den h.,r* iärA 1733- gestorben den 6. Februar 1804, hn, J\rJ^en bon rothem Quecksilberkalk ein Gas _ , welches von Wasser, nicht absorbiert wurde, in *) «uü der „Köln. Ztg." welchem die Verbrennung mit der größten Heftig« kr.it vor sich ging und worin Thiere länger leben konnten, als in gleichviel gemeiner Luft. Mart nannte dieses Gas deshalb Lebenslust. In demselben Jahre 1774, aber ohne bestimmtes Datum, stellte Karl Wilhelm Scheele, schwedischer Apotheker, geboren den 19. Dezember 1742, gestorben den 21. Mai 1786, den Sauerstoff ebenfalls rein dar, durch Erhitzen eines Gemenges von Braunstein und concentrierter Schwefelsäure. Beide Darstellungsweisen sind noch heute üblich. Die erste von Priestley angewendete Methode macht gewöhnlich das erste Experiment bei einem Vortrag über Chemie, weil es den schönsten Fall von einer Zerlegung einer Verbindung in zwei verschiedene Körper darbietet und dadurch unmittelbar zu dem Begriffe eines einfachen Körpers, eines sogenannten chemischen Elementes, führt; die zweite Methode dient noch immer dazu, große Mengen Sauerstoffs zu chemischen Zwecken darzustellen. Noch in demselben Jahre 1774 kam Priestley nach Paris und machte Lavoisier mit seiner Ent- deckung bekannt. Es konnte nicht fehlen, daß der Besitz eines Gases, in welchem Kohle, Schwefel, Phosphor, Eifen mit der größten Lebhaftigkeit und unter Entwicklung eines oft blendenden Lichtes verbrannten, worin ein glimmender Span wieder in Flammen ausbrach, das höchste Erstaunen erregte. Lavoisier stellte Versuche damit an und kam bald zu dem Resultate, daß die Verbrennung die chemische Verbindung des neu entdeckten Gases mit einem Körper sei, den man deshalb „brennbar" nannte, daß das neue Product an Gewicht so viel betrug, als beide Körper vorher zusammen, daß die sich so verbindenden Körper unter sich ungleichartig, aber für sich einfach, unzerlegbar, sogenannte chemische Elemente seien. Dieser Begriff des chemischen Elementes ist eigentlich die Grundlage der ganzen Chemie geworden und bis aus den heutigen Tag geblieben. Unter Anwendung derselben ordneten sich wichtige That-sachen, die man kannte, aber nicht erklären konnte, in ein System, und es entwickelte sich rasch eine Wissenschaft, die von den weitgreifendstm Folgen wurde. (Schluß folgt.) freisinnigen (b. H. jungczechischen) Partei." Hier schreibt Dr. Gregr: Wir hören sehr oft den Vorwurf, die freisinnige Partei habe kein Programm, sic wisse selbst nicht, was sie will. Dieser Vorwurf ist ungerecht und zeugt von einer sehr oberflächlichen Kenntnis der wahren Beschaffenheit der politischen Parteien. WaS für ein Programm verlangt man von einer freisinnigen Partei? Ihr Programm läßt sich mit einem Worte kennzeichnen, und dies Wort heißt „Freiheit!" Ja, die Freiheit überall und in allein, wo sie vereinbar ist mit dem Dortheile und mit dem Heil der Nation. Die persönliche Freiheit jedes Bürgers in seinem Hause, die Freiheit in der Gemeinde, die Freiheit im Bezirke, die Freiheit im ganzen Lande; die Freiheit in dem Gebrauch der angebornen Rechte, insoweit dadurch die Freiheit anderer nicht eingeschränkt wird; die Freiheit der Arbeit, die Freiheit der Wissenschaft und der Lehre, Religionsfreiheit, Gewissensfreiheit — jede Freiheit, welche die Grundlagen, die Ordnung und den gesellschaftlichen Verband nicht zerstört. Das ist das Programm, der leitende G:dauke, das Ziel, der Lebenssaft einer jeden freisinnigen Partei auf der ganzen Welt und also auch bei uns. Mit diesem allgemeinen Programme aber pflegen sich nur wenige zusriedenzustellen: man verlangt ein ausführliches, formuliertes, in die kleinsten Details und für alle Fälle ausgearbeitetes Programm. Ist ein solches möglich? Es soll gesagt werden, wie der Mensch frei sein soll, wenn er zu Hause im Kreise seiner Familie ist, wie er frei sein soll auf der Reise, in der Fremde, zu Lande und zur See, wie er frei sein soll bei seiner Arbeit, in seinem Gewerbe, im Amte, im Handel. Daraus geht hervor, daß ein solches Programm alle möglichen Verhältnisse des Menschen umfassen müßte, die sich im vorhinein nicht einmal aufzählen lassen. Ein detailliertes Programm für alle möglichen Falle läßt sich also nicht ausarbeiten. Was man aber von jeder politischen Partei unb folglich auch von der freisinnigen verlangen kann, das ist, daß sie wisse, wie sie sich in dem ober jenem Falle verhalten wolle, was sie unter diesen ober jenen thatsächlichcn Verhältnissen thuit oder unterlassen wolle. Wenn z. B. jemanb fragt, wie bie freisinnige Partei sich zu bet Frage verhält, ob die Großgrunbbesitzer aus bem Gemeinbeocrbanbe auszunehmen seien, so würbe er zur Antwort bekommen, baß sie gegen bie Ausschabung bes Großgrunbbcsitzes aus ber Gemeinbe sei. weil die Ungleichheit der Stände, die Verschiedenheit der Lasten sich nicht mit dem Prinzipe der bürgerlichen Freiheit verträgt. Würde es sich auf dem Landtage um die Aushebung der BezirkSvertrctungen handeln, so mußte sich die freisinnige Partei dem widersetzen, weil die Autonomie der Gemeinden und Bezirke gleichfalls die bürgerliche Freiheit verbürgt. Würde eö sich darum handeln, daß die Wahlordnung für den Landtag geändert oder neugemacht werden soll, so müßte sich die freisinnige Partei für die Aufhebung der Curien und gegen die Interessenvertretung aussprechen, weil dies der bürgerlichen Gleichheit entgegen ist; sie müßte sich für das allgemeine Stimmrecht einsetzen. Würde cs sich um bie Aufhebung bes Schulgeldes, ber Gemeindcbciträgc für Schulen handeln, so müßte bie freisinnige Partei für bie Aufhebung fein, weil Unterricht, Bilbung, Aufklärung nach natürlichem Rechte jcbem ohne Unterschieb des Staubes und des Vermögens gleich zugänglich sein sollen. Und solche Fälle könnten wir ohne Ende aufzählen, ohne sie alle zu erschöpfen. Im gegenwärtigen Augenblicke handelt es sich aber hauptsächlich um zwei Dinge, die gerade an der Tagesordnung sind und denen gegenüber die liberale Partei einen festen Stanbpunkt einnehmen muß. Dir erste Angelegenheit betrifft die Beschickung des Landtags, und da arbeitet die freisinnige Partei dahin, daß der Landtag beschickt werde. Ich weiß wohl, daß man mir einwenden wird, daß die Beschickung oder Nichlbeschickung des LqndtageS eigent- lich mit dem Liberalismus gar nicht zusammenhängt und daß eine Partei sehr freisinnig sein kann, ohne daß sie gerade den böhmischen Landtag beschicken müßte, ja daß Fälle eintreten können, wo gerade die Interessen der Freiheit es verlangen, daß man aus einem Landtage austrete. Richtig! Aber unter unseren gegenwärtigen Verhältnissen verlangt es gerade das Interesse der Freiheit, daß wir in den Landtag eintreten. In unserem Landtage stehen einander zwei große Gruppen gegenüber, deren Vorlheile sich oft durchkreuzen: die Gruppe des Großgrundbesitzes und die Gruppe der Abgeordneten aus dem bürgerlichen Volke. Wie oft geschieht es, daß die Gruppe der Großgrundbesitzer das Uebergewicht über bie anbere Gruppe erhält zum Nachtheile bes bürgerlichen- Volkes unb zum Nachtheile ber bürgerlichen Freiheit. Da ist es bie Pflicht ber freisinnigen czechischen Elemente, aus bem Laubtage bie Partei zu unterstützen, welche bie Freiheit unb ben Vortheil des Volkes schützt. Außerdem aber haben wir schon sattsam gezeigt, welche Nachtheile bem czechischen Volke baraus erfloffen, baß seine Abgeorbneten sich vom Laubtage fernhatten, wie bas Heil ber Nation es bringenb erforbert, baß man wicber in ben Lanbtag eintrete, unb bas Heil ber Nation muß für jebe politische Partei bas höchste Ziel sein, also auch für bie freisinnige. Der Eintritt in den Landtag ist also in gegenwärtiger Zeit der erste Artikel im Programme der freisinnigen Partei. Der zweite Artikel in dem Programme der freisinnigen Partei, der sich gerade jetzt auf der Tagesordnung befindet, ist der Widerstand gegen die ultramontane ober jcsuitisch-reactionäre Partei. Diese Partei ist der größte Feinb aller Freiheit unb beswegen ber natürliche Gegner ber freisinnigen Partei. Diese Partei arbeitet jetzt energisch barau, baS czechische Volk in ihre Netze zu ziehen. Mit unermüdlichem Eifer verbreitet sie sich über unsere Länder, Vereine und katholische Casinos wachsen überall wie die Pilze nach dem Regen empor ; Fürsten unb Grafen, Bischöfe und Domherren, Pfarrer und Kaplänc burchftreifen bas Laub, regen bas einfältige Volk auf, überreden unb fanaiisieren es für ihre Interessen. Diesem verberblichen Beginnen muß vor allem bie freisinnige Partei einen Damm setzen. Die ultramontane Partei hat der freisinnigen offen ben Krieg erklärt; biese bars biesein Kampfe nicht ausweichen, sie muß ihn auf-nehmen unb tapfer in bemfclben ausharren bis zum enblichen Siege. Unb baß ihr ber Sieg nicht entgehen wirb, bafür birgt uns die Geschichte der Menschheit und hauptsächlich die Geschichte und Eigeuthümlichkeit unseres Volkes. Die Nachfolger der Hussiten können nicht auf lange Sklaven der Jesuiten werden. Nur auf einen Augenblick konnte vielleicht unser Volk durch den Nebel ber klerikalen Agitation verblendet werden, aber sein natürlicher Verstand wird wieder hindurchblicken; daß dies balb geschehe, das wird die Hauptarbeit der freisinnigen Partei sein. • Das ist einstweilen der oberste Zweck der freisinnigen Partei, dies das Programm ihrer Thalig-kcit jetzt und in der nächsten Zukunft. Was aber den staatsrechtlichen Bereich betrifft, so habt ich schon mehrmals gesagt, baß dieser unveränbert bleibt, so lange als wir nicht bie Verwirklichung besselben erreicht haben. In dieser Beziehung steht bie freisinnige Partei gerabe so fest unb unerschütterlich auf beni staatsrechtlichen Programme, wie bie con« servalive Partei; in bieser Beziehung stimmen wir trneber und wicber allen Grunbartikeln der Deklaranten, bei, welche sich in folgenden Worten znsam-mensassen lassen: Integrität, Selbstänbigkeit, Eigen-berechtig»»« der altberühmten böhmischen Krone. Zu diesen Worten fügen wir nur noch vom Stand» punkte der freisinnigen Partei hinzu: Thätigkeit unb Freiheit. Politische Rundschau. Laibach, 6. August. Inland. Die Regierung hatte unlängst ba» Gesuch mehrerer Staatsbürger um Genehmigung ber Statuten bes Freimaurervereins „Zukunft-abgeschlagen. Nun Begegnet man in ofsiciösen Blättern ungeschickten Versuchen, bas Vorgehen gegen bie Freimaurer, bte noch dazu in der östlichen Reichs« Hälfte ganz ungehindert wirken können, zu rechtfertigen. Es sei constatiert, heißt es da. daß die Frei, maurer in Deutschland, Italien und Belgien eine politische Rolle spielen (welches Verbrechen darin liege, wird nicht gesagt). Die Eonsolidierung Oesterreichs sei noch nicht so weit vorgeschritten, „daß es einem großen Geheimbunde sofort die Thore öffnen soll, der bei gewissen politischen Eventualitäten höchst unbequem, ja verberblich (!) werben könnte," unb bergleichcn schlagenbe Grünbe werben mehr gegen bie Freimaurer ins Treffen geführt unb zu allem lleberfluffe noch bemerkt, baß bie Einführung bes Freimaurerordens in Oesterreich kein Bebürfnis sei. Die „D. Z." bemerkt bazu: „Nun, wenn sich bie Regierung immer nach ben „Bebürsnissm" Oesterreichs bei der Bewilligung unb bem Verbote von Gesellschaften und Vereinen richten will, so wüßten wir verschicbene O r b e n , von benen bie böse Welt behauptet, daß sie den Staat Desterreich seit jeher geschädigt haben und baß sie noch heute bemüht sind, ihm bie größtmöglichsten Verlegenheiten zu bereiten. Diese Orden erfreuen sich jedoch hochobrigkeitlicher Duldung, und man wird nicht fehlgehen, wenn man die Nichtgenehmigung der Statuten des Freimaum-ocreins „Zukunft" auf ihre Rechnung setzt." Der klerikale Heerbann in Oesterreich scheint zu schwanken; die vielen Beweise tiefer Zuneigung, welche der Herr Eultusminister den Bischöfen zu geben sich bestrebt, bringt bei ben Kir. chenförften, von denen nur wenigen nach dein Mar. tyrium gelüstet, die Ansicht zum Durchbruch, daß es sich mit diesem Ministerium vielleicht doch paktieren ließe und daß ein herausforderndes Vorgchea nur schaden könnte. Darum so eifrige Dementis der Nachricht von neuen Protesten und Angriffen gegen die konfessionellen Gesetze. Auch konstatiert das „Vaterland" selbst den Zwiespalt, indem es er« klärt, der Protest ber Kirchenfürsten gegen die konfessionellen Gesetze sei zwar einmüthig gefaßt worden, allein über die Frage, welche praktischen Folgen diese einmüthige Erklärung haben solle, habe man sich nicht klar ausgesprochen. Daß die Meinungsverschiedenheit über diese praktischen Folgen unter den Bischöfen obwalle, sei — obzwar sie bisher in authentischen Erklärungen noch nicht zutage getreten — leider unzweifelhaft. Gestern sollte der kroatische 8anotag seine Thätigkeit wieder aufnehmen. Die pester „Reform" will von einem Conflict zwischen dem ungarischen Ministerium und der kroatischen Landesregierung wegen Competenzüberschreitungen wissen, bie sich bie letztere in ihre» Vorlagen zu schulden kommen ließ. Die „Reform" bekämpft unb verdächtigt eben systematisch alles, was von der gegenwärtigen kroa» tischen Regierung kommt; es wird sich dann erst zeigen müssen, ob die Angaben jenes Blattes von glaubwürdiger Seite bestätigt werden. Ausland. Die wichtigste Nachricht, welche aus Deutschland kommt, ist, daß Fürst Bismarck nach Beendigung seiner kissinger Badekur dem Könige von Baiern einen Besuch abstatten wird-Das Attentat hat bie Anlässe, welche für eine solche Begegnung vorhanben waren, beträchtlich vermehrt; aber auch schon vor demselben hatte Fürst Bismarck reichlichen Grund, dem jungen «aicrukönige für dessen ausgesuchte und ostentative Freundlichkeit per-fönlichc» Dank abjustatten. Den Ultrainontancn, welche Baicrn als ihr letztes Bollwerk in Deutsch-land ansehen, wird diese Nachricht wie Todtenge, läute in die Ohren klingelt. Ihr Widerstand gegen den Staat zeigt ohnehin schon ein hippokratische» Gesicht. Der Trotz der Verzweiflung spricht sich in der autorisierten Erklärung der „Germania" aus, laut welcher die preußischen Bischöfe der Regierung kundgethan hätten, daß sie nur solchen Staatsgesetzen über kirchliche Dinge sich unterwerfen könnten, welche unter Mitwirkung des Papstes oder Mindestens mit dessen nachträglicher Zustimmung entstanden wären. DaS also war das vielventilierte Ergebnis der letzten fuldaer Conferenz. Selbstverständlich konnte das Staatsministerium eine solche Manifestation nicht anders als mit einer einfachen Empfangsbescheinigung entgegennehmen; eine andere Antwort hätte auf die ersten Anfänge des Kirchen-kampfes zurückgehen müssen. Die ver s ailler Kamm er dürfte heute ihre Arbeit vollenden und dann die Vertagung ein-treten lassen. Vorher soll die Nationalversammlung noch über den Gesetzentwurf berathen, durch welchen die kriegsgerichtlich verurteilten Deputierten Ranc und Melville-Bloncourt ihrer Mandate verlustig erklärt würden. Während der Ferien kann dann der monarchische Hexensabbath ungehindert losgehen. Die Regierung wird demselben gewiß nicht hinderlich in den Weg treten, das beweisen ihre neuesten Maßnahmen; denn während sie das Journal „L'Ordre Röpublicain" von Chateauroux unterdrückt, weil es nicht an die Wunder des „heiligen Solange" glaubt, läßt sie es ungeahndet, daß dreihundert Pilger in Avignon unter Borantragung einer weißen Fahne: Es lebe der König! Es lebe Henri V.! ES lebe der Papst-König! u. s. w. rufen. Dem „Moniteur Unioerfct" zufolge wäre an die Prinzessin Margarita, die Gemalin des Don Carlos, die Aufforderung ergangen, die Gegend von Pau, wo sic sich bisher mit ihren Kindern aufhiclt, gegen einen Wohnsitz im Innern Frankreichs zu vertauschen, um der madrider Presse jeden Vorwand zu Klagen gegen die Regierung des Marschalls Mac Mahon zu benehmen. Aus Versailles wird dem „Soleil" gemeldet, daß der spanische Gesandte sich in einer neuen Unterredung Mit dem Herzog Döcazes dahin geäußert hatte, seine Oiegierung widersetze sich jeder Intervention und die Sendung der deutschen Flotte in die spanischen ©e-wässer sii keineswegs eine verabredete Sache. Zur Tagesgerichte. — Ein Drama zur See. Das italienische Schiff »Napoleon Gamateto" ging am 8. Juni mit einer vierzig Köpfe zählenden Bemannung von Macao ab. DaS Schiff ^atte 663 Kulis, die sich als Arbeiter nach Callao anwerben ließen, an Bord. Ferner führte das Schiff eine Ladung von 8000 Kisten mit Feuer-werkskörpern mit sich. Nach einer Fahrt von zwei Tagen entdeckte der Schiffzdolmelsch, daß die chinesischen Emigranten ein Complot unter sich organisiert haben, i« dem Zw!cke, sich der Schiffe« zu bemächtigen. Der Eapiiän ließ augenblicklich bic Halste der aufrührerischen KultS gefesselt in den Ktelraum bringen; deS ändern TaqeS aber bemächtigten sich die an Bors geriebenen KuliS aller nur irgend zu einem Angriff ^knlichen Gegenstände, z. B. der Schiffsbänke, die sie '8 Stücke zerbrachen und unter sich vertheilten, ferner bewaffneten sie sich mit Messern, Hacken k. und stürzten f'ch auf die Schiffsmannschaft, welche mittels Flinten "r>d Revolver auf die Rebellen Feuer gab. Nun kchaarten sich die Kulis auf dem Vordertheil des Schiffes zusammen und steckten dasselbe in Brand, sie hofften dadurch die Bemannung zu zwingen, sich zur Dämpfung e® Feuers zu den Pumpen zu begeben; während dieser Unterbrechung hätten die Kulis dann ihre gefangenen '»onoffen befreit und hierauf mit leichter Mühe die 0n verschiedenen Punkten arbeitenden Matrosen Uber« wattig«. Der Gapitön, welcher diesen Plan durchschaute, hat nichts zur Löschung deS FeuerS, sondern ließ in ° 6'c ®ote ins Wasser setzen, auf welchen mit c.mcm ^eite der Mannschaft rettete. Leider en e*n'9e Matrosen, dann der Arzt, der Maga-ZVJL "«1* infDl9c ihres zu langen Zau° vA . » ^ ’ ^ic *« nicht Dtvhuibecn, 6 da« Feuer die Kisten mit den explosiblen Stoffen erreichte — das Schiff flog in die Luft und mit ihm die Aufrührer und die unglücklichen Mitglieder der Bemannung, welche auf dem Schiffe zurückgeblieben waren. — Das Volk von Island hat am 2ten August den tausendsten Jahrestag seines Bestehen» gefeiert. Dieser Tag ist werth, daß man ihn nicht nur am Fuße de« Geyser und Hekla festlich begehe, sondern daß man sein allenthalben in Europa gehobenen Sinnes gedenke. Das Häuflein Männer, die vor einem Jahrtausend auS Norwegen die unwirtliche Küste des „EiSlandeS" zuerst betraten, führte ihr Freiheitsdurst und ihr Freiheitsstolz dorthin. Sie flüchteten in den entlegensten Winkel der Erde, um frei zu fein „von der Herschaft der Könige und anderer gewalttätigen Menschen." Wer sich gedrückt und beladen fühlte in den weiten Gestadeländern, welche die Normannen beherrschten, eilte in das nordische Thule. In 60 Jahren war die Insel bevölkert. Die Männer, die sich ihr neues Heim geschaffen, traten zum ersten „Thing" zusammen, und gründeten im freien Verein einen Freistaat. Wenn der nordische Tag blinkte, wenn der Sommer die Schneetrift schmolz und den Eisberg bröckelte, da schifften sie kühn durch die Brandung in das Weltmeer hinaus. Oft blieben sie Jahre lang der Heimat fern. An fernen Küsten warben sie in harter Arbeit um des Lebens Güter, mit ihnen beladen wandten sie dann den Kiel heimwärts. Sie wagten sich auf Wogen, die vor ihnen noch keine» Schiff.'S Kiel gefurcht. Lange ehe ColurnbuS in der Bucht von Guanahani Anker warf, hatten sie „Bioland" entdeckt — da» heutige Nordamerika. Noch heute findet man da nnd dort am Hudson einen Runenstein, der die Stätte bezeichnet, an welcher ein isländischer Viking hinüberging nach Walhalla. Wenn sie ober daheim waren, wenn in der monatelangen Winternacht die brandende Woge zu Ei» erstarrte, da schrieben sie und lasen sie. Ihr Fleiß erhielt uns die Edda und viele Gesänge altnordischer Skalden. Die Chronik ihres Landes und Volkes führten und führe» sie mit nirgends wieder zu findender Genauigkeit. Aus diesen ihren Auszeichnungen schöpfte ColurnbuS die letzte und volle Gewißheit von dem Dasein der westlichen Erdveste. Ihre Belesenheit, die Summe von Wissen, die der geringste Mann auf dem Eilande hat, ist erstaunlich und ohne Beispiel anderwärts. Den Glauben ihrer Vater verloren sie im Laufe der Zeit und ihre Unabhängigkeit. DaS Kreuz wird das Symbol de» Festes fein und der König von Dänemark mit feiner Familie wird ihm vorstehen. Aber der volle Laut der gothischen Sprache wird auf ihm in alter Reinheit klingen, und der alte Freiheitstrotz tritt dem Könige dort entgegen, der Freiheitstrotz, der schon die Hälfte der Eilandsbewohner in die neue Welt trieb, die ihre Vorfahren fanden, und die auch heute noch „frei ist von der Herrschaft der Könige." — Eine seltsame Trauung. Die „East Sussex News" verzeichnet das Stattfinden einer seltsamen Trauung im Kirchensprengel Jewington. Die Braut hatte keine Arme und der Trauring mußte ihr an die dritte Zehe ihres linken Fußes gesteckt werden. Nach dem Schluß der Trauung Unterzeichnete sie das HeiraiS.Register, indem sie die Feder mit ihren Zehen hielt und nichtsdestoweniger eine schöne Hand schrieb. Local- und PromuM-AngeLege«yeUen. — (Mandatsnieder le gnn g.) Wie „No-vice" berichtet, hat der durch die BegräbniSaffaire des Advoeaten Dr. Spazzap'an auch in weiteren Kreisen unliebsam bekannt gewordene Dechant von Wippach Grabrijan sein Mandat als LandiagSabgeordneter niedergelezt. „Novicc" bedauert natürlich tief den Einschluß deS um die Heimat „viel verdienten Patrioten" (der z. B. während der ganzen vorjährigen Land-tagssejsion nicht ein eiuzigesmal im Landtagssaale erschienen) und erwartet von den Wählern WippachS, sie werven auf des DechaulS Stimme hören und nur den wählen, den ihnen der Hochwürbtge an feiner statt empfehlen werde. Wir aber erwarten, die Bewohner von Wippach werden die Gelegenheit einer Neuwahl nicht vvrübergehen laffen, ohne durch die Wahl eine» liberalen Abgeordneten einen weitem Schritt zur Emancipation vom verderblichen Einfluß der ultramontanen Finsterlinge zu thun. — (Am Staats-Realgymnasium in Gottfch ee) bestanden im heurigen Schuljahre die I. und II. Klaffe. Am 1.Oktober wird die dritte, und im Oktober 1875 die vierte Klaffe eröffnet. Das stattliche neue Gebäude für diese Lehranstalt geht seiner Vollendung entgegen, so daß aller Wahrscheinlichkeit nach der feierliche Einzug in dasselbe im Oktober stattfinden kann. Auf wiederholte Anfragen von Eltern theilen wir hier ausdrücklich mit, daß Schüler, welche die vier Klassen dieses Gymnasiums mit günstigem Erfolge absolviert haben, ebenso wie die betreffenden Schüler der Gymnasien in RudolfSwerth und Krainburg gesetzlich berechtigt sind, sowohl an ein Obergymnasium aufzusteigen, als auch, und zwar ohne Ablegung einer Aufnahmsprüfung, a n die OberreaIfchule; für diese letzteren Schüler aber bildet nebst dem obt. Zeichenunterrichte durch alle vier Klaffen eine moderne Kultursprache (in Kcain die italienische) in der III. und IV. Klaffe, bei Enthebung vom obt. Unterrichte im Griechischen, einen obligaten Unterrichtsgegenstand. — (Zum Raubmord in Tupalic.) Wir haben seiner Zeit berichtet, daß in der Sylvesternacht 1873 bei Tupalic ein frecher Raubmord verübt worden. Am Neujahrstag früh wurde die Leiche des Hausierers Math. Murnik aus Michelstätten (Bez. Krain-barg) 60 Schritte vom Hiufe feiner Verwandten Maria Zupan au» Tupalic zwischen der Straße und dem steilen Userabhange der Kanker aufgefunden. Der Schädel deS Gemordeten zeigte mehrere schwere Verletzungen, so daß er nach der Entfernung der zersplitterten Knochen in vier Theile zerfiel. Blutspuren zeigten ferner, daß der Körper von der linken Seite der Straße nach der rechten geschleppt und den Abhang hinabgewälzt worden, wo er durch Gesträuch aufgehalten wurde. Bei der Leiche lag außer dem Hute des Erschlagenen ein ziemlich großer, blutbefleckter kantiger Stein, wie man solche eine Viertelstunde entfernt an der Kanker vorfindet, zudem der Handwagen des Murnik. Die Säcke feiner Kleidung hingen umgekehrt heraus, Geld fehlte gänzlich. Alles deutete darauf hin, daß M. von einem Reifegefährten erschlagen und auS-geraubt worden. Wie wir ferner berichtet, wurden mehrere der That verdächtige Individuen eingezogen, mußten aber fämmtlich wieder aus der Haft entlaffen werden, da sich ihnen keine Schuld nachweisen ließ. Sv blieb das Gericht ohne eine Spur von dem eigentlichen Thäter, bis am 29. Mai l. I. ein Lederer-geselle, Namen» Jznaz Der moto, au» Pölland im loaser Bezirke, sich selbst beim krainburger Bezirks-gericht stellte und anklagte, er habe seinen Reisegefährten Math. Murnik in der Sylvesternacht meuchlings ermordet und auSgeraubt. Er gab an, am 31. Dezember v. I. auf der Straße nach Kcainburg mit Murnik in einem Wirthshause zusammengetroffen zu sein. Beim Zahlen der Zeche habe er beobachtet, daß M. Geld besitze, er habe gedacht, eS müssen wenigstens 40 Gulden fein. Er selbst habe nur mehr 40 Kreuzer besessen. Da sei ihm der Gedanke gekommen, den M. umzubringen und ihm daS Geld zu nehmen. Einen Büchsenschuß unter Tupalic, als sie schon die Lichter aus den nahen Häusern gesehen, habe er sein Vorhaben mit dem unterwegs aufgerafften Steine ausgeführt. Gleich auf den ersten Schlag an die rechte Schläfe fei M. zusammengestürzt, ohne einen Laut von sich zu geben. Darauf habe er ihm noch zwei Schläge mit bem Steine versetzt. Beim letzten Schlage habe M. schwach aufgeseufzt, aber bald kein Lebenszeichen mehr von sich gegeben. Nachdem er ihm die Brieftasche mit dem Inhalte von 24 fl. 30 kr. genommen, habe er den Leichnam bei den Füße» über die Straße geschleift und ihn dort am Userab-hange liegen gelassen, ebenso den Wagen, der ihm aber hinab zur Kanker gerollt sei. Den Tragkorb des M. habe er genommen und in Tupaliö unter einen offenen Schuppen beim Hause de» Peter 6irc gelassen. Gleich daraus beiläufig um 10 Uhr abends fei er in ein Wirthshaus in Tupalic gegangen und habe in Gesellschaft des WirlheS und eines GendarmeriesührerS ge* Unnlen und am NmjahrStag früh sei er »ach Ätainberg weüer gegangen. BemerkeoSwerth ist, daß Derwota jschon am 15. Jänner vor dem Stadtmagistradt in Laibach erschien «nd sich selbst anklagte, daß er im Jahre 1873 in Kärnten einem Kameraden die Brieftasche mit 20 Gnlden gestohlen habe. Der Magistrat lieferte den Derwota an das Lande-gericht in Klagenfurt ob, wo er am 13. »pril d. I. deswegen zu 1 Monat schweren Kerkers verurtheilt wurde. Am 13, Mai entlasten, irrte er, von GewiffenSbiffen gequält, herum, bis er schließlich am 29. Mai sich neuerdings dem Gerichte stellte und ein umfaffendeS Geständnis feiner Frevellhat ablegte, «m 30. Juli kam der Fall vor das laibacher Schwurgericht «nd Derwota, welcher fein umfassendes Geständnis vor dem Schwurgerichte wiederholte, wnrde wegen vollbrachten meuchlerischen Raubmordes zu lebenslänglichem schweren Kerker verurtheilt. Der Angeklagte meldete gegen das Strafausmaß die Berufung an. — (Die heurige Ernte in Oesterreich. Ungarn.) Die „Montag.Revue" veröffentlicht einen Artikel aus der Feder des auf dem Gebiete der Producteristatistik bekannten Schriftstellers M. Leinkauf, in welchem derselbe auf Grund der Erhebungen der wiener Frucht- und Mehlböise über den Ausfall der heurigen Ernte in Weizen, Roggen und Gerste folgende Daten vertffentlicht. Was die Ernte in Wei-zen anlangt, fo betrug die mit Weizen angebaute Fläche in der gefammten Monarchie 5,109,000Joch; von denselben haben 2,537,000 Joch tuten Durch-fchnittSertrog geliefert 17,480,000 Joch einen Ertrag über und 824,000 Joch einen Ertrag unter dem Durchschnitte. Mit Roggen und Halbfrucht waren bebaut 6,246,000 Joch; davon ergaben 4,101,800 Joch einen Durchschnittsertrag, 1,086,000 Joch einen Ertrag über und 1,057,600 Joch einen solchen unter dem Durchschnitte. DaS mit Gerste angebaute Areal betrug 3,329,800 Joch, von welchen 1,366,000 Joch einen kurtschnittlidien Ertrag, 1,377,800 Joch einen Ertrag über und 586,000 Joch einen Ertrag unter dem Durchschnitte lieferten. Im ganzen hat Ungarn eine bessere Ernte als CiSleithanien, und es haben in der Monarchie, nach Jochen gerechnet, quantitativ geliefert : Weizen 49 7,0 Perzent des Anbaues einen Durchschnitt 342/l0 Perzent einen Ertrag über einen Durchschnitt, 16*/,, unter einem solchen; Roggen und Halbfrucht: 65°/,„ Perzent einen Durchschnitt, 17*/10 Perzent einen Ertrag übet den Durchschnitt, 172/10 unter einem solchen; Geiste: 41*/10 Perzent einen Durchschnitt, 415/10 Perzent einen Ertrag über den Durchschnitt, 17'/,« Perzent unter einem solchen. Die Berechnung nach Metzenergebnis, welche unverhältnismäßig genauer ist, als die nach den Durchschnitten bei Jochen, wird auf dem internationalen Getreide- und Saatenmarkt durch den Borstand der wiener Srud)t* und Mehlbörse publiciert werden.____________________ Witterung. Laibach, G. August. Nachts Gewitter. Morgenroth. Veränderliche 'feuchte Witterung. Wärme: morgens 6 Uhr + 164°, nachmit tags ü Uhr + 22-5-6. (1873 + 28 5“, 1872 +26 0" C.) Barometer im Fallen 733 35 Millimeter. Das gestrige Tagesmittel der Wärme + 17 4. um 2 4 unter dem Normale. Der gestrige Niederfchlag 3025 Millimeter. Lebensmittel Preise in Laibach am 5. August 1874. Weizen 5 fl. 60 Ir.; Korn 3 fl. 60 kr.; Gerste 2 fl. 90 kr.; Hafer 2 fl. 20 kr.; Buchweizen 4 st. 60 tr., Hirse — fl. — kr., Kukurutz 4 fl. 60 tr., Erdäpfel — fl. — tr., Fisolen 7 fl. — kr. pr. Metzen; Rinb-schmalz 52 kr., Schwnnfett 42 kr., Speck, frischer, 44 kr., Speck, geselchter, 42 fr. pr. Pfund; Eier 2 kr. pr. Stück; Milch 10 tr. pr. Maß; Rindfleisch 30 kr., Kalbfleisch 24 tr., Echweinfleifch 36 kr. pr. Pfund; Heu 1 fl. 20 kr., Stroh 75 tr. pr. Zentner; hartes Holz 6 fl. 40 tr., weiches Holz 4 fl. 70 fr. pr. Klafter. Telegramme. Wien, 6. August. Die heutige „Wiener Zeitung" meldet: Der Kaiser verlieh dem Bank-gouverneur Pipitz das Großkreuz des Leopoldordens. Prag, 5. August. Das „Abendblatt" met bet: Der Kaiser trifft in Prag am 7. September nachmittags ein und reist am 9. September früh nach Brandeis zu den Truppenmanövern weiter. Berlin, 5. August. Die Kanonenboote Nau tilus und Albatroß gehen am 6. August nach Spa nien ab. London, 5. August. Königin Victoria besuchte heute die österreichische Kaiserin in Beniner, Das Unterhaus verwarf die vom Oberhause abgelehnten Amendements zur Kirchcndiecipliribill, um die gänzliche Billverwerfung zu verhindern. Madrid, 5. August. „Jmparcial" sagt, die Franzosen fahren fort, die Grenzüberschreitungen seitens der Carlisten zu begünstigen. Telegraphischer CurLbericbt am 6. August Papier-Rente 70 60 — Silber-Rente 74'55 — 1860et Staats-Anlehen 107 25 — Bankactien 973 — «rebit 243 50 — London 109 95 — Silber 10350 — 20» Franci» Stücke 8-81. (467-1) Verkauf eines 11 arenlagrere. Das zur Concursmasse des Schnittwarenfrämers Herrn Alois Sernec gehörige Warenlager wird zum Verkaufe im ganzen ausgeboten. Die Kauflustigen, welche hierauf reflectieren, werden eingeladen, sich wegen Besichtigung desselben baldigst an den Concursrnasseverwalter Dr. Robert Schrey, Advo-caten in Laibach (Spitalgaffe Nr. 266) zu wenden, wo auch die näheren Bedingungen eingesehen werden formen. An Herrn WerksdirecLor I. Langer in Sflgor. Für den herzlichen und liebevollen Empfang, welchen Sie uns am Sonntag den 2. August d. I. nachmittags nach dem Leichenbegängnis in Sagor angedeihen ließen, sagen wir Ihnen unseren verbindlichsten Dank. (463—3) Die beim Kcicheiyugc bethciligtcn Lrifailer. Wiener Börse vom 5. August. Staatsfonds. bpcrc. diente, 3, bto. btc. c‘i. 1c Sole ton 1864 . . . irfe eou 1860, gan»i fofe von 1860, gLnsi $tämienf$. e. 1864 GrundentL-Obl. G'ebeubürg. laiflfltn zu. . Actien. Nnglo-Bank .... Kreditanstalt . . . Depositenbank . . . LScomple-Anstalt . Franco-Bank . . Handelsbank .... vtattonaldank . . . Oeflerr. allg. Bank Cest. Bankgesells. . Union * Bank . . . BereinSbank .... BerkehrSbank.... Möld-Bahu .... Karl-Ludwig*Babv. ftitf. Elisabeth-Bahn , katf. Hranz-Iosesöd.. EtaatSbahu . . . . Küddahn............ Ereid Ware 70.55! 70.65 74 SOj 74 40 99.2.^ 99.75 107.50 108.— 111.- 134- 75.- 77.50 lll.CO 1S4.60 75.50 I8.5t I5L.50 >4 2.50 147.-915.- 152.-842.- 146.-910. -61.1b' 61.50 74.751 75 -972.— 974. -54.- 55.-190 -!l92 — 121.50 12« 75 *0.—! 20.50 96.50 97.- 142 fU 14a.-847.— *47.50 205 — 206 — 193 - 193.60 31*.- |320.- 133.50 134.- Pfandbriefe. Geld Ware Büg. Oft. Sot.»6vcbit. btc. in 33 3 italioc. 6. ZB a«g. Bob.-6tebitan(l. 84.-87.50 83 40 85.75 95.— 88.— 83.50 86.- l’riorit&ts-Obl. ftcon,-Josefs-Bahn . Oest.-Nvrbweftdahn. ©iebenBütget 1(3 — 96.25 80.60 137.50 103.50 88 75 86.80 138 — eübb..@cf.jU 600 Fr. btO. $0118 107.20 221- 107 50 223 - Lose. ülrebtt - L Rudolfs»L 160.— 13- 160.50 14.- Wotihsol (3Mou.) fluä?b.i00fl.1übb.B. »HauEf. 100 fL m „ Hamburg -‘onboü io Pf. fctetL i Endesgefertigter beehrt sich hiemit anzuzeigeu, daß er die g $ Apotheke „zu goldenen Mler“ t tu Laibach (Stadt, Kundschastsplah) (444-3). käuflich an sich gebracht und die Concesfion zu deren Betrieb mittelst Erlaß der Roheit k. k. Landesregierung ddo. 5. Jnli l. I., Z. 4260, erlangt hat. Gestützt auf die Erfahrungen meiner nahezu zwanzigjährigen Pharma-centifchen Thätigkeit in verschiedenen Kivnländern der Monarchie, namentlich in meiner Stellung als Provisor einer der renommierteste» Apotheken Wiens während der jüngsten sechs Jahre, glaube ich zu der Lersicheruug berechtigt zu fein, daß ich allen Anforderungen sowohl seitens der Herren Aerzte als auch seitens deö p. t. Pnblicums zn entsprechen im Stande bin. Achtungsvoll Laibach, 23. Juli 1874. $>wci eon Jgn. v. «lrinmayr & geb. Bamberg in Laibach. 3e|cf Stwliobit. r i Ü i ■■ ■■ B. Berleger und für die Redaction verantwortlich: Ottomar Bamberg.