^ "" Nr. 276. Vlän>ii»erlltl'-i. N. 5.5«. Fär bie.». ss. l5, balbj. ss. 7.50. Dounelstilg, 2. Dccelnber 3ul«ltl on«g«>»ühl bl« IU feilen: iuiat «u lr>. «m.»0lr.,3m,i st.isouftpl.^eile lm. «lr., i!ul.«lr., »m. lO tr. u.I.w. I»ltl!i?»t,'mvel i«del»m. »oll. 1889. Aintlicher Theil. Der Minister für CnltnS und Unterricht hat eine am Gymnasium zu Cilli erledigte Lehrstelle dem Gym« nasialprofcssor zu Czernowitz Valentin Kermavner verliehen. Der Minister für Cultus und Unterricht hat eine am Gymnasium zu Görz erledigte Lehrstelle dem Gymnasiallehrer zu Sftalato Joseph Kulot verliehen. Nichtamtlicher Theil. Politische Uebersicht. Laibach, 1. December. Wir haben bereilS die Geantwortung der Inter-jilllntion wegen dcS dalmatinischen Aufstandes, im Pe-st er Unterhaus?, erwähnt. Heute liegt der ausfübrlichc Sitzungsbericht vor. Wir entnehmen der von Baron EölvöS ertheilten Antwort folgende bezeichnende Stelle: ^Was die Fragen unserer Mitabgeordncten Svetozar Milelics und Sabbaö Bulouics betrifft, ob es nämlich uüt Wissen der Regierung geschehe, daß in den Ncihen der den Aufstand iu Dalmatien bekämpfenden Truppen auch ungarische Regimenter sich befinden, so ist meine kurze Antwort darauf die, daß diese Verwendung der ungarischen Regimenter mit unferem Mssen geschieht, und ich kann mein Erstaunen über die Besorgnisse nicht verschweigen, welche mein g. Freund VulovicS wegen einer solchen Verwendung der ungarischen Truppen vom constitutioncllen Gesichtspunkte aus geäußert. (Rufe vou der Linken: Hört! Hört!) Nachdem es Niemanden gibt, der die pragmansche Sanction, welche zur gegenseitigen Erhaltung der Sicherhett sämmtlicher unter der Regierung der durchlauchtigsten Dyuastte stehenden Länder und Provinzen geschlossen wurde, mcht als eines uuserer Grundgesetze anerkennen würde; nachdem der Gesetzartilel 12: 1««? die Vertheidigung uud Erhaltung der gemeinsamen Sicherheit mit vereinter Kraft als fo gemeinsame und gegenseitige Verpflichtung anerkennt, welche direct auS der pragmatischen Sanction erfließt: und nachdem der H 7 de« Gesetzartitels 40: 1868 als Beruf der ganzen Armee die Vertheidigung beider Hälften der Monarchie gegen inhere Feinde und die Erhaltung der inneren Ordnung und Sicherheit angibt: so konnte der geehrte Herr Abgeordnete gegen die Verwenduug ungarischer Regimenter in Dalmatien vom Standpunkte deS Gesetzes aus uur dauu Einwendungen "heben, wen-, er von der Ansicht ausginge, daß durch den bewaffneten Widerstand, welcher in einem Theile Dalmatiens gegen das Wehrgesetz ausgebrochen, die innere Ordnung und Sicherheit nicht gestört sind, und ich setze nicht voraus, daß dies irgend Jemand behaupten wollte, am allerwenigsten mein geehrter Freund, der, nachdem er lauge Jahre die politischen Bewegungen aufmerksam verfolgt hat, fehr gut weiß, daß, wenn die an den Grenzen der Monarchie ausgebrochenen Wirren keine ernsteren Besorgnisse veranlassen, wir dies dem Umstaude zu dauken haben, daß die Feinde der österreichisch-ungarischen Monarchie wissen, es werde ein jeder Angriff, welcher von wem immer gegen welche u Theil der Monarchie immer gerichtet wird, der gesammteu Kraft beider Staatsgebiete der Mo u archie begegnen. (Lebhafter Beifall.) Und in dieser Hinsicht ist die Ve-sorgniß des g. Abgeordneten Miletics. der gegenwärtige Fall werde ein Präcedeus schaffen, allerdings begründet. (Beifall). Das Pracedens besteht darin, daß ebenso, wie in dem gegenwärtigen Falle, in einem solchen Theile der Monar« chic, welcher thatsächlich zum jenseitigen Staatsgebiete ge« hört, ungarische Regimenter wirken und dort diejenige», welche, vielleicht von der Vorspiegelung der Nationalitätsinteressen verleitet, sich gegen die Gesetze auflehnen, auch ungarischen Regimentern begegnen, wir dasselbe in ähnlichem Falle vou der jenseitigen Reichöhälfte fordern, wclche gewiß in jedem Falle zur Vertheidigung der Integrität deö Territoriums und der Verfassung Uugarns, wenn dieselbe von wem immer angegriffen werden sollte, eben so verpflichtet ist, wie in dem gegenwärtigen Falle Ungarn, und welche diese ihre Pflicht ebenso erfüllen wird, wie wir es thun. (Lebhafter, anhaltender Beifall.) Allein ich bin überzeugt, daß diejenigen, welche die territoriale Integrität und verfassungsmäßige Freiheit Ungarns aufrecht erhalten wollen — und ich zähle zu diesen auch unseren Mitabgeordncten Miletics — (höhnisches Gelächter von der Rechten) in dieser Gegenseitigkeit keinen Grund zu Besorgnisseu finden werde». (Beifall.) Mein g. Freund Vutovics hat iu seiner Rede, mit welcher er seine Interpellation nwtivirte. auch die Besorg niß ausgedrückt, daß durch eine derartige Verwendung der ungarischen Truppe» Haß gegen die ungarische Nationalität erweckt würde. Ich stimme mit meiuem ehrenwerthen Freunde darin liberein, daß es Menschen gibt, die es sich wirtlich zum Zweck gemacht haben, gegen die ungarifche Nation Haß zu erregen, und daß die Tapferkeit, mit welcher die ungarischen Krieger auch hier kämpfen, unsere Beliebtheit in diesem Kreise gewiß nicht erhöhen werde. Dafür aber stimmt wohl auch mein geehrter Freund gewiß darin mit mir überein, daß es Kreise gibt, in welchen sich die ungarische Nation nur dann beliebt machen kann, wenn sie, ihre wichtigsten Interessen vergessend, au ihrer Selbstvernichtung arbeitet, uud daß jene Gattung der Beliebtheit, welche man nnr dadnrch erreichen könnte, daß wir unsere gesetzlich übernommenen Verpflichtungen nicht erfüllen, der ungarifchen Nation schon in Folge ihres Charakters immer unerreichbar bleiben wird." Die französische Thronrede, welche wir weiter unten vollinhaltlich veröffentlichen, ist im Augen» blicke jedenfalls duö hervorragendste politische Ercigniß und es wird dicfcllic daher auch von dem Wiener Journalen eingehend besprochen. Wir citiren hier die Urtheile der beiden bedeutendsten Blätter. Die „Presse" findet in der Thronrede den Bruch dcS Kaiserreichs mit dem persönlichen Regiment unwiderruflich vollzogen, fie glaubt an die Aufrichtigkeit des Kaifers, der im Iuteresfe der Dynastie den Constitutio-nalisinus wollen müsse. „Frankreich will die Freiheit, aber mit der Oro» nung'." Das ist die Devise, um die sich die Rede des Kaisers dreht. Indem er aber betont, daß ..der gesunde öffentliche Sinn" bereits „gegen die strafbaren Uebertreibungen reagirte," als noch alle Welt fragte, ..»ie weit die Regierung ihre Langmut!) treiben würde" — kann Napoleon auch, ohne der ttraft, die jeder ernsthaften Executive inncwolmen muß, etwas zu vergeben, der Kammer zurufen: „Helfen Sie mir, meine Herren, die Freiheit retten!" Wohl hat das Empire heute noch „das Recht und die Kraft", Voll und Land „über alle Gewalsamlciten hinweg unversehrt zu erhalten." Allein der Souverän selber gesteht zu, daß dies nur so lange möglich isl, als die Regierung „der legitime Ausdruck des nationalen Willens ist", und dah sie das heute nur dann ist, wenn sie „die liberalen Bahnen erweitert." lvcnn sie „entschieden eine ncne Aera der Versöhnung und des Fortschritts eröffnet". Mögen die ..Unversöhnlichen" an diesen Ausdrücken drehen und deuteln, die grohe Mehrheit deS Corps Legislatif besteht jedenfalls aus Männern, die praktisch genug sind, den Redner beim Wort zu nehmen, statt sich den Kopf über etwaige Hintergcdanlcn zu zerbrechen, dercn eventuelle Vereitlung von jetzt ab immer nur vou der Energie und Umsicht der Volksvertretung abhängen wird. Die Freiheit der Gemeinde als die festeste Basis der politischen Freiheit, die materiellen Reformen. Un-entgclllichtcit des Elementarunterrichts und Verminde« rnng der Iustizkosten werden den Sieg der Freiheit vollenden. In einem frappanten Gegensatze mit dieser An« schaunng steht der die Thronrede behandelnde Leitartikel der „N. Fr. Pr." Er findet, daß die Thronrede die Erwartungen einer Annäherung des ssaiserrreichs an den Conslitutionalismus vollständig getäuscht hat. Der Kaiser erklärt darin wiederholt, daß die politischen Reformen über das Maß deS im ScnatS-Consult vom Juli dieses Jahres, welches seine dictatorischcn Machtvoll' kommenhcitcn völlig unverkürzt aufrecht erhält, Gebotenen Mulsetlill. „Dauer" und „Landwirth!"* Wer. gelegentlich des letzten Jahrmarktes das Glück hatte, sich die so lehrreichen, wie schön gefärbten Guck-tchenbilder der Kunstausstellungen (;. V. gegenüber der Domtirchc) nicht entgehen zu lassen, anerkannte sicherlich des Zeichners ticflünstlerische Auffassung die dort auf tlciucm Raume die sogenannten „Stände" der Gesellschaft in staffclformiger Gegenüberstellung uns vorzufüh. r:bc redlich meinen, au« vollstem Herzen nur '"schließen. Bettler, den Soldaten, den Inben, den Geistlichen, den (Kdclmann, den Herrscher! Eine so bittere Satyrc oaS tlcine Blältchen als Streiflicht auf unsere socialen Zustande wirft, fo voll-kommen stimmt cS zu den Anschauungen aller Zeiten, als Ausdruck einer der grüßten Wahrheiten. Daß übrigens ebendaselbst als Idol der Vaterlandsuerthcidigcr die preußische Pickelhaube florirt, ist für uns um so lehrreicher, empört sich auch d^s loyale Gefühl patriotischer Kunstliebhaber dagegen. Wir lernen dadurch dic Forderungen der Idecnassociation des Künstle»« um so leichter verfolgen, und daraus ersehen, indem wir das Nationale desselben flottweg lwttr die anettirten Jung-Preußen stellen, daß eben nicht alleS Gold. waS glänzt. Denn als erste Veranlassung ^, j^mn Kunstwerke mag wohl der stille Jammer über die verdoppelten Steuer» leistungen geleitet haben, denen heutzutage die Millionen von Mitgliedern des Norddeutschen Bundes sich zu Gunsten dcö dreilheiligcn Denlschland hoffl'ungSrcich aber leise knurrend unterziehe,, müssen — in erster Linie zur Herstellung von einer M'Uion Pickelhauben! Ich will nun damit nicht behaupten, daß wir durch solche Anschauungen nicht verführt werde« könnten, anch auf so manche Scene unseres inländischen Wcltthrateis Ncflere spiegeln zu lassen — aber ich glaukc, der Bür-germeister von Zaardam sagt irgendwo: .Mhe 'st die crstc Bürgerpflicht." Für uns Landwirthe, „"üttclloo" wie wir sind, gibt es vieUcicht leinen besser.» Rath, damit man unS nicht verdächtige, auch wir strebten darnach, an dem Bestände des Bestehenden z" rillte!» und Handlangerdienste zu leisten zur Gründnog irgendwo und irgendwie lines „Reiches der Mitte" mit chinesischen Zuständen; cmcrscilS nahe von Rußland als gemüthli« chcm Nachbar, andererseits vom Meere begrenzt, wo der Mcinjotl" da, sich gegenseitig freundlichst zublinzelnd, mit dem vollen Effcct cincS wahren Wohlseins und Vergnügens sich die Hände reiben würden. Nein, uns als zahmen Europäern geziemt es höchstens, vcrcim mit unserem „wissenschaftlich-gebildeten" Laibachcr Gal> lrrievublicmn des Hauscö am Iakobsplatzs, „das Jahr-ln'udert in die Schranken fordernd," harmlos „gesegnete Mahlzeit" zu wünschen, wenn cs dort zu einem tüchtigen aber erleichternden Niesen kommt in Folge der gegenseitig mit so vieler Liebenswürdigkeit präscntirten Priesen, von denen die eine Seite behauptet, sie enthalte stärlsteu und noch wenig ,.fcm" pulvcrisirten „HauStabal" iu Dosen, die manchmal böhmischen Dörfern entstammen, mährend die andere Scttc sogar — Iiorrikilo äi<:tu — fürchtet. eS sei ausländische Waare, Taliak. im Tempel SalamoniS gebaut und versetzt mit ocm ätzenden Gifte des---------Frcimaurerthums! ,.O Mensch, — — fürchte die Götter und begehre nimmer und nimmer zu schauen, was sich da birgt in Abgrunds-Grauen. — Doch wohin gerathe ich---------freilich standen sie alle herum, auf dem kleinen Bildchen, um den armen Bauer und sahen geringschätzend auf ihn herab. Und wahr ist eS! Nur getragen von der absoluten Nothwendigkeit, deu Sacke schleppenden Ackerbauer als Vcrsorger leerer Magen und leerer Taschen zu gebrauchen, hatten ihn die vergangenen Jahrhunderte unter irgend einer zahmen Gesellschaftsform, wie z. V. unter den Namen : ..Sclaven, Leibeigene, Grundholden, Robolher, Unterthanen" und 202 0 nicht hinausgehen dürfen. Diese Linie überschreiten, erklärt die Thronrede für ..Entwaffnung dcr Ncgierungs-gcwalt, fi'ir Erschülterung des Kaiserrcichcö, für Mißachtung dcr Verfassung." Dcr Kaiser ancrkmnt, daß Frankreich die Freiheit will, aber die Freiheit mit dcr Ordnung. „Helfen Sic mir die Freiheit reiten," ruft dcr Kaiser dem gesetzacbcndcn Körper zu, „die Ordnmig, für die bürge ich." Es klingt fast tomisch, wenn da von dcr Rettung einer Freiheit gefabelt wird. die alle Welt vermißt, und von dcr Berbürgung einer Ordnung, die Niemand bedroht. Aber klar wird dcr Sinn dieser neben einander lautschrciendcn Worte, wenn man fest-hält, daß dcr Kaiser das in seiner persönlichen, untie» schränkten Gewalt wurzelnde Regime für freiheitlich genug hält nnd mir hierin allein die wahre Ordnung verwirklicht findcl. Consiilutionclle Bräuche, Theilung der Gewalt, Pallamcntarismus, Minister-Verantwortlichkeit — das gehört für ihn bereits zur Unordnung, zur Emelitc, zur Anarchie. „Die Ordnung, für die bürge ich" — was ist es anders als das: „dcr Staat bin bin ich" der absoluten Monarchie? Den Mittelklassen soll dadurch in Erinnerung gebracht werden, daß der Kaiser noch immer in der Armee die Gewalt besitzt, jeden Widersland nicdcrzuschlagcu. Frankreich vc, lange parlamentarisch regiert zu werden, die Thronrede sei eine rückhaltlose Ablehnung dieser Forderung und statt des Brotes politischer Reformen werden dem Volke nur Steine geboten. Während sonst jeder civilisirte Staat in Europa seine autonome Gemeindevertretung hat, welche die Bevölkerung wählt, soll in Frankreich diese Wahl erst dem allgemeinen Stimmrecht anheimgestellt, und für Paris, das bisher keine gewählte, fondcrn eine vom Kaiser eingesetzte Muuici-palcommissiou hatte, soll dieselbe künftighin von dem gesetzgebenden Körper gewählt werden, so daß cs ganz wohl möglich sei, daß die widerspenstige Hauptstadt unter die Zuchtruthc der Dcparlementsocrlrctcr gelange. Zudem sei es noäi nicht entschieden, ob dcr Kaiser sich des Rechlcs dcr Ernennung der Bürgermeister begibt. Diese, als „Decentralisation" angekündigten Reformen können daher selbst den bescheidensten Wünschen nicht entsprechen und die in Frankreich herrschende Aufregung nicht beschwichtigten, sondern nur steigern. Den auf das Ausland bezüglichen Theil der Rede findet die ,.N. Fr. Pr." „allgemein gehalten, mit friedfertigen Wendungen" kann aber zum Schlusfc dem Genius des Kaisers, der sich auch in dcr seltenen uollcndetcu Form ausprägt, ihre Anerkennung nicht verfugen. Doch werde dieser das Aufraffen Frankreichs aus der politischen Knechtschaft nicht verzögern, eher beschleunigen können. Die Thronrede wurde übrigens in Pans gut auf» genommen, man betrachtet Emauucl Olliuier vcrcitS als factischen Minister, obwohl seine Ernennung vielleicht noch einige Zeit auf sich warten lassen dmfle. Aus München, W. November, wird der „Presse" telegraphist: In dcr gestrigen äußerst zahl»eich besuchten Vcrsammlnng der vereinigten Liberalen, wollten die „Arbeiter," indcm sie tumullnarisch das Wort forderten, respective ertrotzen wollten, nach Schluß dcr Debatten des Meetings die augenscheinlich von anderer Seite ihnen eingelernten Reden foitsetzen und eine» Beschluß vereiteln. Die Vcisammluna, nahm aber mit Acclamation folgende Resolution an: „Die heute vc'sauimeltcn liberalen Bürger Münchens sprechen das Vertrauen ans, Se. MajcM werde bei dcr jetzigen, wenngleich bedrohten, doch unentschiedenen Lage der öffc»tl>chcn Angelegenheiten, die Einlassung des gegenwärtigen Ministeriums nicht genehmigen." Das officiclle Programm des bei der Eröffnung des Concils einzuhaltenden Ccrcmoniels ist > n»n vollständig bekannt. Um 7 Uhr Früh werden sich am achten dieses Monates die Väter des Concils in dem oberen Theile dcr Basilica des Vaticans versammeln und dcr Ankunft des Papstes harren, der um halb 9 Uhr eintreten wird. DaS Voni crouwr singend, begeben sich dann alle in großer Procession in den unteren Saal der Basilica, hierauf nehmen sie Platz indem Sitzuugssaale des Concils. Dcr Cardinal Patrizi, zweiter Dccan des Heiligen Collegium«, wird dort die Messe cclebrircn und nach dcr Beendigung derselben Msgr. Passarelli, Erzbischof von Iconium w ^Ältid,^, in lateinischer Sprache die Eröffnungsrede halten. Alle Bischöfe stellen sich sodann, einer nach dem andern, dem Papste vor und nehmen dessen Segen in Empfang. Dcr Bischof Fcßler von St. Pulten, bekanntlich Secrctür des Concils, wird hernach das Dccret vorlesen, welches die Vcrfammlung einberuft, und schließlich der Papst das Concil für eröffnet erklären. Während dcr Procession dcr Bischöfe werden alle Glocken von Rom läuten und die Kanonen der Engelsbnrg dazu accompagnircn. Nach der in Florenz erscheinenden „Nazione" ist es nicht unwahrscheinlich, daß bei Eröffnung der Kirchenoersamm-lung iu vielen Städten Italiens concilfeindliche Demonstrationen in Scene gesetzt werden. AuS Florenz kommt die Nachricht, unter den Haupt» punkten des neuen Ministerprogramms befinden sich: Reduction der Armce und Flotte. Ratazzi ist Can» didat für das Präsidium dcr Kammer. Die franMschc Thronrcic. Paris, 29. November. Dcr Kaifcr ei öffnete die Kammern mit nachfolgender Thronrede: Meine Herren Senatoren! Meine Herren Dcpuürten! Es ist nicht leicht, in Frankreich den regelmäßigen und friedlichen Gebrauch der Freiheit ciuzuführe". Seit einigen Monaten schicn die Gesellschaft von subversive,!, LeidcnschafMl bedroht, dic Freiheit durch die Ansschre,-lnngcn dcr Presse uud dcr öffeullichen Vcrsamnilnngcn gefährdet. Jedermann frug sich, wie weit die Regierung die Langmnthigteit treiben wmde. Aber dcr gesunde öffentliche Sinn hat bereits 8ca.en die strafbaren Uebertreibungen reagirt. Ohnmächtige Angriffe haben mir dazu gedient, um die Fesligtcit des durch die Abstimmung dei Nation gegründeten Gebüli-dcö zu zeigen. Die Ungewißheit uud die Unruhe, welche in den Gemüthern bestehen, dürfen nicht andauern uud die Sachlage erheischt mehr denn je Fremutth uud Ent« schcidung. Man muß ohne Umschweife sprechen und vernehmlich sagen, welches ist der WiUe des Landes. Frankreich will die Freiheit, aber mit dcr Ordnung. Die Ordnung, für die bürge Ich! Helfen Sie mir, meine Herren, die Freiheit retten. Um dieses Ziel zu erreiche«, halten wir uns in gleicher Entfernung uou dcr Reaction und von den revolutionären Theorien, halten wir UnS zwischen jenen, die da beanspruchen, alles ohne Aenderungen zu erhalten, und jenen, die danach streben, alleS umzustürzen. Es gilt, einen ruhmvollen Platz einzunehmen! Als Ich den Senatsconsult vom lctztverflossenen September als logische Conscquenz der vorgängigcu Reformen uud dcr am 28. Juni in meinem Namen vom Staatsminister abgegebenen Erklärung vorgeschlagen habe, beabsichtigte Ich, entschieden eine neue Acra der Versöhnung und des Fortschrittes zu eröffnen. Sie haben Ihrerseits, indem Sie Mich auf dieser Bahn unterstützen, die Vergangenheit nicht verleugnen, die Rcgierungsgcwalt nicht entwaffnen, noch auch das Kaiserreich erschüttern gewollt. Unsere Aufgabe besteht nun, die Principien, welche aufgestellt wurden, zur Anwendung zu bringen, indem dgl. als Mitmenschen geduldet und anerkannt. Mitrathcn oder mitbeschlicßcn stand ihm nicht zu und erst der Nen-zeit blieb cS vorbehalten, auch dem ersten Producenten eine gewisse bürgerliche Stellung anzuweisen. Die Fae-toren, die dies bewirkten, sind allzu bekannt! viel Schuld trugen übrigens die Landwirthe mit an dem Aschcnbrö-delthum, dem sie fast erlagen. Von da ab beginnt nun die Landwirthschaft als mächtiger Hebel deö Völkcrgc-deihcns hoch aufzublühen. Sie schöpfte neue und großartige Hilfsmittel aus den Erfindungen und den wissenschaftlichen Forschungen unseres Jahrhunderts; sie fing an .sich den geänderten Wcrthsvcrhältmffcn anzupassen — sie wurde unterstützt durch die rationalste, wenn auch jüngste, aber hoch von unserer Zeit emporgetragene Wissenschaft, dnrch die Statistik, wclchc der Landwirthschaft neue Verkehrsadern rröffnclc, iudcm sic das Pro und Contra, da« „Können" und „Nichtkönncn" der verschiedenen Staaten als Export und Import, als Freihandel und Schutzzoll sorgfältig gegen einander abwog — kurz uns zum Anbau von Haudelofrüchlcn leitete, durch dercu gesicherten Absatz an Orte. wo solche dringend bcnöthigt werden, wenigstens die Sorge den Ackerbautreibenden genommen wurde: „wohin das erfcchste Product abzu-' setzen sei." — . „ . So rasch aber »m allgemeinen durch den neuzcit-lichcn Geist des Schaffens vcrhältnißmäßig den übrigen Ständen — wenn ich mich denn noch einmal auf das eingangscrwühntc Bildchen zurückbezichcn darf - cs leicht gemacht worden ist, rasch jene Geldsactslasfcl zu erreichen, so schwierig ist die Anhäufung von Reichthum für den Bauer und Landwirlh! Das „Warum" liegt nahe und cs foll Aufgabe cines nächsten Versuches sein, dies auszuführen. Bevor ich aber nach diesem Schlußsätze die Feder aus der Hand lege, sei cs mir gestattet, noch einige Worte des berühmten Altmeisters dcr Land-wirthschaft, A. Thacr, hier dem Sinne nach anzuführen.-..Die Landwirthschaft, wenn sie von einigem Umfange und mit Rechnungsführungen verknüpft ist. beschäftigt schon den Mann in einer Art, daß an Beschäftigungen anderer Art nicht leicht gedacht werden kann. Der Cultur der Erde muß die Cultur deS Geistes nachstehen. Einem Schrifstcller iu dicfcr Verfassung ist es daher nicht zu verbeulen, wenn cr weder gelehrt, noch schön schreibt!" Mit diesen Worten unseres Gewährsmannes schließend, erbitte ich Nachsicht für dicsc schriftstellerischen Versuche eines Landwirthes, dcr von den besten Absichten getragen, nur den Wunsch hegt, eS möge den vereinten Kräften unfcrer LandwirthschaftsgefcllfchaftS-Mitgliedcr das gelingen, was dcr neu erwählte Vereinspräsidcnt, Herr Landeshauptmann v. Würz bach, gclcgcnhcitlich eines Toastes auf unfer Krain öffentlich auSsprach-„Wenn auch nicht die Möglichkeit vorhanden ist, zu erreichen, daß jeder Bauer am Sonntag ein Huhu im Toftse habe, so wollen wir wenigstens ^dahiu streben, ihm zu einem Stück Fleisch zu verhelfen." V- man sie in die Gesetze und in das öffentliche Leben einführt. Die Maßnahmen, wclchc die Minister Ihrer Genehmigung vorlegen werden, haben alle einen aufrichtig liberalen Charakter. Wenn Sie sie annehmen, so werden folgende Vcrbcssernna.cn ihre Verwirklichung finden: Die Makes werden im Schooßc der Municipalräthe gewählt werden, ausgenommen in den vom Gchtze vorgesehenen Ausnahmsfällcn; in Lyon wie in den Vor-stadtgcmcindcn von Paris wird die Bildung dieser Mu' nicipalräthe dem allgemeinen Stimmrechte anheimgegeben werden. In Paris, wo die Interessen der Stadt sich an jene von ganz Frankreich knüpfen, wird dcr Municipal-rath vom gesetzgebendem Köiper gewählt werden, welcher bereits mit dem Rechte ausgestattet ist, das außeror-deutliche Budget der Hauptstadt zu regeln. ES werden Cantonalräthc errichtet werden, hauptsächlich um die Communalkrüfte zu vereinigen und ihre Verwendung zu leiten. Den Generalrüthen werden neue Vorrechte gewährt werden. Die Colonien werden selbst an dieser Deccnlrali' sationsbewegung Theil nehmen. Endlich wird ein Gesetz, den Kreis erweiternd, n> welchem sich das allgemeine Stimmrecht bewegt, dic öffentlichen Fmictionen bestimmen, wclchc mit dew Dcpulirtcnmandatc vercinbarlich sind. Zu dusen Reformen administrativer und politische Natur werden legislative Maßregeln von einem uniint' tclbarcren Interesse für die Bevölkerung hinzukomme»' Die raschere Entwicklung dcr Uncntgeltlichkcit dcs Elementarunterrichtes, die Verminderung dcr Insti^ kosten, die Auflassung des auf die Einregisttirnn^ laxen bei Vcrlasscnschaftcn lastenden KriegSznschlag^ die durch dic Milwirkumi dcr Ahnten des Staal^ schatzes erleichterte uud der bäuerlichen Bevölkernd näher gcrücklc ZuMglichkeil dcr Sparcasscn, ci>n' humanere Regelung der Arbeit dcr Kinder in den M nufacturen, dic Erhöhung der geringeren Gehalte u"» andere wichtige Fragen, dcrcn Lösung noch nicht bereit ist, wurden in Verhandlung gezogen. Die Enqnölc b.zü^lich der Agricultur ist beendigt und nützliche Vorschläge werden daraus hervorgehe», sobald die höhere Commission ihren Belicht erstatte! Hoden wird. Eine andere Euquste in Bezug auf die städtische" Slenern (ootroi«) hat begonnen. Sie werden sich mit einem Zollgcsetzentwulf z" beflissen haben, welcher die allgemeinen Taiifc rep>^ dncirt, die zu kciocr ernsten Anfechtung Anlaß gebe«» Was diejenigen Tarife anbelangt, welche lebhafte Mla-mationcn gewisser Iildustriezweige hervorgerufen habe«', so wird die Regicruna Ihnen leine Vorschläge mache"' als bis sie sich mit allen Aufklärungen v^schcu hall?" wird, welche geeignet find, Ihre Berathungen zn ^' leuchten. Das Exposö über die Lage dcs Kaiserreiches b>c<" befriedigende Ergebnisse. Die Geschäfte h.ibcn uichl gestockt uud die indircctcn Einnahmen. derm natii^ liches Wachsthum ein Zeichen dcr Wohlfahrt n»d dc^ Vertrauens ist. haben bis jetzt um 30 Millionen uu'^ als im Vorjahre ergeben. Die laufenden Bnda,«^ weifen beträchtliche Ucberschüssc auf nnd das Ond!^ v»?u 1871 wird gestalten, die Verbesserung nichn'^ Dicnstzwcige vorzunehmen und die öffentlichen Arbeit^ in entfftiechcndcr Weise zu dotircn, Aber cs genügt nicht Reformen zu beantragen, ^ fparungcn in den Fiuanzcn einzuführen nnd gute 2>cl' waltung zu führen; es gehört auch noch dazu. daß ^ öffentlichen Gewalten in Uebereinstimmung mit dcr ^ gicrung durch eine offene und feste Haltung zeigen, ^"' jcmehr Wir die liberalen Bahnen erweitern, Wir dc! mehr entschlossen sind, die Interessen der GeseM«" und die Principien dcr Constitution über alle Gclva samleiten hinweg unversehrt zu erhalten. . ^ Eine Regierung, welche der legitime Ausdruck nationalen Willens ist, hat die Pflicht und die M°1' der Verfassung Achtung zu verschaffen; denn fie hat' sich das Recht und die Kraft. . ..^ Wenn sich meine Blicke vom Innern über "", Grenzen hinaus richten, beglückwünsche Ich Ma). fremden Mächte mit uns frcnndschaflliche Bezieh""« unterhalten zu fehen. Die Souvcrame nnd Voller n>" schcn den Frieden und beschäftigen sich mit den 6" schritten dcr Civilisation. ^, Welche Vorwürfe man auch immer unfcrem 5 alter machen kann, so haben wir doch «"dc N", » daranf stolz zu sein. Die neue Welt "ntcrdruckt Sklaverei. Rußland befreit die leibeigenen. E"»., läßt Irland Gerechtigkeit widerfahren, daS M'tteim' decken scheint sich seines alten Glanzes zu cnnncl". von der Versammlung aller Bischöfe dcr kalho 'a' Wclt in Rom darf man nur ein Werk der Wei«") und dcr Versöhnung erwarten. .. yza- Die Fortschritte der Wissenschaft bm'ge'id^ ^ tioncn einander näher. Amerika verbindet oe« " Ocean mit dem atlantischen Meere durch ""c ^ bahn in einer Ausdehnung von taufend A""«-'. ^« verständigt sich das Capital uud d:c ^"'"^O genden durch elcctrische Verbindungen die entferntesten M8