Prnnumrraiiono-Prkisc: Fi! r Laibach: Ganzjährig . . . 8 fl. 40 (r. Halbjährig . . . 4 „ HO „ Vierteljährig. . . 2 „ 10 „ Monatlich . . . — „ 70 „ SD! i t der Post: Ganzjährig . . . u fl. - ft. Halvjährig . . . 5 „ 50 „ vierteljährig. . . 2 „ 75 ö'fir Zustellung ins Haus viertel- jährig 25 fr., monatlich 9 fr. Einzelne Nummern 6 fr. Laitmcher Tagblatt. Anonime Mittheilungin werden nicht berücksichtigt; Manuskripte nicht zurückgesendet. KrdaKiion Bahnhofgalle Nr. 1.1:. iEcptbition und Inscraic» üiircan: Kcngreßplatz Nr. 81 (Buchhandlung von I. v.KleinmayrLF. Bamberg). Jttfrrlioneprtifr: Für die einspaltige Petitzeile a kr. bei zweimaliger Einschaltung & ft kr. dreimal L 7 kr. Insertionöstempel jedesmal 30 kr. Bei größeren Inseraten und öfterer Einschaltung entsprechender Rabatt. Nr. 123. Mittwoch, 31. Mai 1871. — Morgen: Gratiana. 4. Jahrgang. Krieg btu Paläste», Friede den Hütten! ©o tautet „ach der Behauptung Bebels, des Stimmführers der Sozialdemokraten im deutschen Reichstage, das Schlagwort der europäischen Sozialisten. Alles, sagt er, was Gefühl für Freiheit und Gleichheit athme, habe sein Augenmerk auf Paris gerichtet; das Ringe» der Weltstadt im gegen-wattigen Augenblicke sei nur ein kleines Vorspiel dessen, was da kommen werde. Ob Bebel wirklich im Aufträge und Namen des europäischen Proletariats gesprochen, mag dahin gestellt bleiben. That-}9che ist, daß die Organe des Sozialismus bis zum letzten Augenblicke das Borgehen der Pariser Kommune nicht nur gebilliget, sondern zum Theil viel matt und energielos gefunden haben. Die übrigen Klaffen der europäischen Gesellschaft, die Gebildeten und Besitzenden, werden jedenfalls gut thu», bei Seiten an Maßregeln zu denken, um die Schrecknisse und Greuel, welche Raublust und entfesselte Leidenschaften über Paris verhängt haben, von sich ferne zu hatten. An die Regierungen, wie an die Volksvertretungen tritt angesichts solcher Verwilderung die ernste Aufgabe, ungesäumt Vorkehrungen zu treffen, wie der Gesetzesverachtung Einhalt getan, der Entsittlichung, der Verrottung, der Begriffsverwirrung und schließlichen Verthiernng der arbeitenden Klassen gesteuert werden könne. Die schwarzen und nationalen Wühler, die wohl fühlen, wie viel Schuld ihre ruchtose Thätigkeit, welche de» Staat nie zur Ruhe kommen, ihn nicht der friedliche» zivilisatorische» Arbeit pflege» läßt, der Verwirrung der Volksmassen, an der Unter« 0rabung a((cr Gesetzesautorität trägt, sind frech und unverschämt genug, das freiheitliche Regierung«-sistem selbst für die Unthaten der Kommunisten verantwortlich zu machen. Die Partei ist eben zu tief i» ihre Verlogenheit verrannt, um einzugestehen, daß Staaten, wo die freiheitlichen Institutionen geachtet werden, keine gefahrdrohende soziale Frage kenne», daß die Schweiz, Großbritannien, Nordamerika, Deutschland, wo Gesittung, Bildung und Wohlstand auch den untersten Schichten zugänglich gemacht sind, lebendige Zeugen von der wvhlthatigen Wirkung eines durch Pfaffen und nationale Hetzer nicht gestörten liberalen Sistems seien. Daß nicht blos unsere gesellschaftlichen Zustände, sondern auch unsere gesellschaftlichen Gefahren gegenwärtig ganz anderer Natur geworden, als die der frühem Jahrhunderte, wer wird daö leugnen ? Das Mittelalter, das in vielen europäischen Staaten noch weit in unser Jahrhundert hercinragte, war mit feinen Zuständen und Bestrebungeil auf eine ganz andere Gesellschaftsordnung begründet als nufere heutige. Unsere Ahnen schränkten das Recht des vollen Lebensgenusses, Besitz, Erwerb und politische Selbständigkeit ans einzelne Bevorzugte ein und verurteilten die große Masse zu unwürdiger Dienstbarkeit. An den Grundbesitz waren die Pflichten wie die Rechte des hörigen Bauernstandes gefettet. In gleicher Abhängigkeit, wie der Bauernstand, bewegte sich die gewerbthätige Bevölkerung der Städte. Die Genossen der Zünfte übteu das Recht der industriellen Produktion und des Erwerbs ausschließlich. Gesellen und Knechte, abhängig von der Zunft, besaßen nur ausnahmsweise Mittel und Geschick, die Meisterschaft und dadurch eine gesellschaftliche Stellung zu erringen. Bei solcher engen ständischen Gliederung der Gesellschaft war freilich Massenverarmung, Uebermncht des Kapitals, llcbevmciß der Konkurrenz, aber auch die freiheitliche Bewegung der Person, lebendiger Fortschritt und Bildung nicht möglich. Deutsche und französische Denker hatten die gleiche Geltung der Persönlichkeit vor dem Gesetze, damit auch das Recht auf Erwerb, Eigenthum und bürgerliche Selbständigkeit theoretisch mehr oder minder bestimmt ausgesprochen und für ihre Lehre unter deu Gebildete» aller Völker Propaganda gemacht. Der nordamerikanische Unabhängigkeitskrieg und die französische Revolution von 1789 führten diese Grundsätze siegreich ins Leben ein. Die ändern Staaten folgten theils freiwillig, theils gezwungen. Mit dem erwachten Gefühle und Bewußtsein der Rechtsgleichheit unter den Völkern mußte aber auch das Ringen nach Glück und den Genüsse» des Lebens, ohne die keine Freiheit denkbar, auftreteii. Einerseits erfolgte nach Vernichtung der alten Gemeinde- und Grundverhältnisse die Zerstückelung des Bodens, die Errichtung der kleinen und kleinsten Wirtschaften, wodurch das Proletariat auf dem Lande grvßgezvgen wurde. Durch die erleichterten Eheschließungen und die Aushebung der Zunftgesetze in den Städten entwickelte sich ans den ehemaligen Gesellen und Knechten ein Bnrgerthnm, das nur Ansprüche und gesunde Armee als Mitgift in die Gesellschaft brachte. Andere, die Glück ii„d Talent begünstigte, ober die schon mit der Rüstwehr des Besitzes den Kampfplatz betraten, nutzten diese Verhältnisse aus; eine fieberhafte industrielle Thätigkeit begann; in den Händen Einzelner häuften sich Schätze, während der Arbeiter selbst, der nur feine hinfällige LeibeSkraft einzusetzen hatte, arm und Feuilleton. Aberglaube und Unwissenheit des Landvolkes. (Schluß.) Wem, es auch kein religiöser Aberglaube ist, so ist es doch religiöser Mißbrauch, wenn die Landbevölkerung alljährlich im Sommer während der dringendsten Arbeitszeit Haus und Hof oft eine Woche laug verläßt und weithin wallfahren ^dgesehen davon, daß die Arbeit unterbleibt, Wallfahrer aus Anstrengung, unordentlicher ohrting Ullb Unterkunft ysterg krank werden, wohl auch dabei unsittlich leben, wie oft werden während “cr ..jCU jvaniilieugtieder ober das Vieh krank, brennt 06 H^us ab, oder wird dock bestohlen? ^as Halten der sogenannten Bauernfeiertage, noch an vielen Orten üblich, gibt auch nur Gele-öenhcit zum Nichtsthun, zu Trunksucht und Raus« handeln, wahrend der Ernst der Situation die volle «lusnützung der Zeit durch Arbeit, sowohl der Belker als der Dienstboten erfordern würde. Der °"onn- und gebotene Feiertag ist zur Ruhe bestimmt, ein bei der Mahd, der Lese hängt es oft von ein paar benützten Stunden eines solchen Tages ab, daß °le «rucht gut eingebracht werden könne. Wie schwer fällt es da, die Dienstboten zu ein paar Stunden Arbeit zn bewegen, versteht sich Nachmittags, welche vorziehen, ins Wirthshaus zu gehen. Eine andere Art Aberglaube ist der blos auf Unkenntniß der Naturgesetze beruhende. Da heißt eine Viehkrankheit.- „Die Lehmkröte," mithin gibt man der kranken Kuh eine Kröte ein, das soll helfen. Solche Albernheiten bei der Viehzucht überhaupt, insbesondere aber bei der Viehmedizin gibt es viele. Man glaubt ferner« noch viel zu sehr aus einen großen Einfluß der sogenannten regierenden Planeten, die Venus ist heiß, das Jahr heiß; Saturnus kalt, das Jahr kalt. Trachtet lieber durch vernünftigen Fleiß dem Schaden abznhelfen, den manches schlechte Jahr, aber nicht auf Befehl des Planeten bringt. Viel zu viel wird noch auf den sogenannten Bauernkalender, auf die Mondesviertel und Himmelszeichen gesehen. Im Wassermann soll man nicht Klee säen, das Vieh tvenfet hievon, sondern in der Wage, da wird er schwer. Im Neumonde sollst du die Reben nicht beschneiden, denn sie wachsen dann zu viel ins Holz und setzen wenig Trauben an. In diesem ober jenem Monde mußt du Kraut, Veigel rc. ansäen, da wird ersteres groß und fest, letzterer gefüllt u. s. w. Läßt sich der Einfluß des Mondes auf alles Lebende auch nicht ganz ableugnen, so ist er doch gewiß nicht so groß, als man glaubt, Planet und Himmelreichen haben als solche gewiß keinen Einfluß. Arbeite, wenn du Zeit dazu hast und die Zeit dazu da ist, wenn der Boden und die Luft dazu geeignet ist, und du wirst dabei wohl fahren. Das übliche Wetterläuten vertreibt das Wetter nicht, im Gegentheite zieht es eher den Blitz an, was dadurch bewiesen ist, daß schon so viele beim Wetterlüuteu erschlagen wurden. Es dürfte kaum bei ganz nahen Gewittern möglich fein, dieselben durch Schießen dagegen aus Pölleni zu entfernen. Da komme ich nun, obwohl es eigentlich nur indirekt hiehcr gehört, auf daö verbotene, aber noch immer häufige Schießen aus oft überladenen Pollern und Pistolen auf Kirchweihfesten, zu Ostern und bei Hochzeiten. Wie viele Unglücke geschehen da durch Verletzung ober Schreck? Mit dem verpufften Gelbe könnten im Winter viele arme Schulkinder gekleidet werden. Schulbilbung überhaupt und in den Naturwissenschaften insbesondere ist also die erste Vorbedingung des Gedeihens der Landwirtschaft, den» in ihrem Mangel wurzeln alle oben at,gedeuteten Mißbräuche, deren ich noch viele anführe» könnte. Darum, Lanbmann, schicke deine Kinder fleißig in die Schule und lasse dich keines dafür aufgewandten Kreuzers gereuen, sie werden dir es einst danken. abhängig geblieben ist. Aus diesen von fremdem Kapital ausgenützten Arbeitern entwickelte sich das Proletariat der Städte. Angesichts dieses doppelten Proletariats, das sich aus dem Zusammenbruch der alten Gesellschafto-schranken gebildet, steht nun die Gesellschast vieler Staaten rathlos da; durch kein neues Band weiß sie die Massen an daö Staatsmteresse zu knüpfen, sic dem Organismus als mißliches ©Heb cinzit-fi'igcn. Ja, so oft diese Frage in ihrer ganzen schrecklichen Tragweite, wie gegenwärtig in den ent. fesselten Bestien in Paris, herantritt, ist man kurzsichtig genug, das Prinzip der freien Persönlichkeit selbst anzugreifen, die Rückkehr zur Unfreiheit und Beschränkung der früheren Zeiten zu fordern. Eine solche Umwälzung, ganz abgesehen davon, ob sic überhaupt noch möglich, wäre ein Verbrechen gegen den sittlichen Geist, der sich in der Menschheit ettb wickelt. Wie die jüngste Geschichte Frankreichs lehrt, war cs nicht das freiheitliche Regiernngssistem, welches die Massen entsittlichte und verthierte, sondern der offene Eid- und Trenbruch der Regierenden, der Staatsstreich, die sistematische Fälschung veröffentlichen Meinung durch bezahlte Soldschrciber, die Unterdrückung der Gedankenfreiheit, die sittliche Fäulniß, die von dem Hofe anögiug und sich in alle GescllschaftSschichtcn einsraß, die vom Staate geförderte Verfinsterung und Verdummung der Massen durch Auslieferung des gesammten Volks-rnitcn-ichtS in die Hände eines unwissenden, fanatische» Klerns. Man stelle einen Vergleich an zwischen den Schulen Deutschlands und Frankreichs, zwischen der Zahl der Gebildeten und Ungebildeten in beiden Ländern. Von den vierzig Millionen Franzosen konnten nach de» letzten statistischen Berechnungen 24 Millionen nicht lesen und schreiben, während diesfalls in Deutschland kaum noch eine Unkenntniß vorkonunt. Die Heilung der Schaden deö Proletariats, die Bewahrung der Gesellschaft vor solchen Wuthausbrüchen , wie wir sie in den letzten Tagen in Paris erlebt, ist nur möglich, wenn wir dem Niedrigsten im Volke die Wohlthat der Bildung zugänglich machen, wenn wir die Bestie iin Menschen zähmen, die angeborne Brutalität dadurch zurück-drängen, daß wir ihm Achtung vor dem Gesetze und dem Rechte seines 91ebcninenschcn beibringen. Erst durch die Bildung, die der Staat jeden, vermitteln muß, wird der Arbeiter frei, nur dadurch erringt er sich ein menschenwürdiges Dasein und fügt sich als nützliches Glied in das Staatsganze ein.___________ Der"Bürgerkrieg in Frankreich. „Der ungeheuerlichste Aufstand, den die Welt je gesehen," nach den Worten des Ministers Picard, ist endlich am 28. d, vollständig unterdrückt worden. Eine Zirkulardepesche Thiers von, 28., 2 Uhr Nachmittags, sagt: Unsere Truppen, gestern um die Buttes de Chaumout geschaart, besiegten diese Nacht alle Schwierigkeiten. Das Korps Ladmirault, das Bassin de Vilette überschreitend, erstieg die Buttes de Ehamnont und die Höhen von Belleville, die cs bei Tagesanbrnch in seiner Gewalt hatte. Gleichzeitig verließ das Korps deö Generals Douay den Boulevard Richard Lenoir und nahte sich den Stellungen von Belleville. General Vinoy erstieg den Ptzre Lachaise, nahm die Mairie des 20. Arrondissements, das Gesängniß Roquette, wo wir 1(39 Geißeln vorfanden. Die Insurgenten hatten schon 64 Geißeln, darunter den Erzbischof, den Pfarrer Deguerry uud de» Präsidenten Bonjean erschossen. Gegenwärtig sind die Insurgenten bis zu der äußersten Enceinte zwischen der französischen Armee und den Preußeu zurückgeworsen. Letztere verweigern ihnen den Durchzug, und somit werde» sie ihre Verbreche» büßen, da sie keinen anderen Ausweg haben, als zu sterben oder sich zu ergeben. Die Zirkulardepesche bestätigt den Tod Delcs-cluze's und Milwre's und sagt schließlich, die fanatische Insurrektion, auf deu Raum vou einigen 100 Meters eingezwängt, ist besiegt, definitiv besiegt. Der Friede wird wieder erstehen, aber er darf nicht ans den ehrlichen und patriotischen Herzen den tiefen Schmerz verscheuchen, von welchem sie durch-dru»ge» sind. Um * Uhr Abends wird dann die vollständige Unterdrückung des Aufstandes mir den Worten gemeldet: „In Paris existirt keine Insurgentenbande mehr, es wurden zahlreiche Gefangene gemacht." Ein weiterer Bericht vom 29., 9 Uhr früh, meldet: 3000 Gefangene wurden gestern Abends eingebracht. Die letzten Banden der Aufrührer wurden hinter Belleville und dein Friedhofe Pei'c Lachaise vernichtet. Die Militärbehörde nimmt gegenwärtig die Entwaffnung, Hausdurchsuchungen und Verhaftungen vor, ohne irgend anf Widerstand zu stoßen. Die Bevölkerung zeigt große Befriedigung, vorn Joche der Kommune befreit zu fein. lieber eine» glücklich vereitelten Plan der Pariser Jnsurgentenführer verlautet: Deutsche vor Paris fingen die Korrespondenz mehrerer Chefs der Insurrektion ans, wonach diese im Falle der Unmöglichkeit eines weiteren Widerstandes die deutscherseits besetzten Rayons zu passiren und sich nach B r ü ff e I zn begeben beabsichtigten, um da die Pariser Bewegung fortzufetzen durch Anzünden von Banken, Palästen, Zerstörung von Monumenten rc. Dic erwähnte Korrespondenz wurde in Kopien nach Brüssel und Versailles geschickt. Unter dieser Korrespondenz besand sich auch ein Brief RochefortS an seine Geliebte in Arcachon, in welchem er dieser ein Rendezvous nach Brüssel gab. Dieser Brief führte zur Verhaftung RochefortS. Der Antrag der Jn-surgentensührer, sich den deutschen Truppen zu ergeben, wurde vou General Fabricc zurückgcwiese». Die „Süddeutsche Prcssx" bezeichnet die Vorgänge in Paris als die Folge eines epidemischen Wahnsinnes, der jenen Theil der Pariser Bevölkerung, der seit langem von sanatischem Hasse gegen die Welt in ihrer jetzigen Gestaltung erfüllt ist, befallen hat. Sie sqgt: Man denke sich ein Irrenhaus von hunderttausend Narren, zum Theil der bösartigste» Klasse, welche, ihrer Aufseher und Wächter plötzlich losgeworde», auöbrcchen uud sich der Regierung über eine Stadt von einer Million Menschen bemächtigen! — Daö ist seit einigen Monaten die Lage von Paris gewesen! — Oder ist es nicht Wahnsinn, welcher soeben dic Pariser Paläste niedergebrannt und unersetzliche Kunstschütze vernichtet hat ? — Daö heilige Paris Viktor tpugo’ö, vor dessen Mauern dic siegreichen deutschen Heere in Ehrfurcht dic Waffen senken sollten, in Brand gesteckt von den Bekennern der nämlichen neuen Religion, welche in dem verrückten Poeten einen ihrer Hohenpriester anerkannt hat! Das Schicksal, welches die Hanpträdclöführcr deö Pariser Ausstandeö getroffen hat, ist noch nicht bekannt. Pyat und Grousset haben den Schauplatz ihrer verbrecherischen Thätigkeit unbehelligt verlassen, und sic sollen glücklich in Brüssel angelangt sein. Wahrscheinlich wird ihnen jedoch Belgien kein Asil bieten können, weil sie als gemeine Verbrecher behandelt werden sollen. Dombrowöky wurde von deu Versailler Truppen ergriffen und füsilirt, auch Delescluze's Leichnam wurde bereits aufgefuuden. In Versailles, wo mau die Gefangenen zu Tausenden ciitbriiigt, ereigne» sich schreckliche Gemeinheiten, bei dere» A»blick ei» Versailler Korrespondent der „Judependance" ansrust: „Ach, wieviele Schuldige! Aus welche Seite ich mich wende, überall sehe ich in Frankreich Verbrecher, Narren, Memmen uud Ohnmächtige." Eiu anderer Korrespondent des belgischen Blatteö sagt: „Biö wohin sind w,r gesunken. Wir sind nur mehr wilde Thterc. Alles menschliche Gefühl ist uns abhanden gekommen, und nicht blos in Paris ist dies so, wo der Bourgeois gleichgiltig auf Leichenhaufen und die zerstörten Mo-numeute blickt, sondern auch in Versailles, wo man Todesdrohuugen gegen wehrlose Gefangene ausstößt und schweigt, wenn sie feig zu Boden geschlagen werden." Louis RatiSbonue, dcr bekannte Mit- arbeiter der „Debats," ist wegen eines Artikels verhaftet worden, worin er der Volksmenge ein würdigeres Auftreten gegen die Gefangenen anempfiehlt! Ein Korrespondent der „Times" erwähnt eines entsprechenden Beispiels, wo ein Mann von der Polizei weggeschleppt wurde, weil er seine Unzufriedenheit mit der Behandlung der Gefangenen kuudgab. „Ich erinnere mich," fetzt er hinzu, „vor drei Wochen ähnliches in Paris unter der Willkurherrschaft der Kommune und der Nationalgardc gesehen zu haben. Hier wie dort, bei den Anhängern der Kommune wie bei denen der Regierung, findet sich derselbe despotische Geist, dieselbe Mißachtung der Meinungsfreiheit, derselbe Trieb der Tiraunci und Unterdrückung. Ist es möglich, eine freie Nation aus solchen Elementen zn bilden?" Politische Rundschau. Laibach, 31. Mai. Inland. Sämmtliche Vertretuugskörper, Reichs-fall), Delegation und ungarischer Landtag, haben ihre Ferien. Die ganze Aufmerksamkeit wendet sich darum dem Schicksale der Adresse zu, welche dieser Tage vom Präsidenten dcS Abgeordnetenhauses dem Kaiser überreicht wird. Die Antwort, dic sie findet, wird bestimmend auf die nächsten Schritte der Ver-sassnugspartei einwirken. Die Hoffnungen auf den unmittelbaren Erfolg der Adresse sind in Abgeord-netenkreisen nicht groß. Ja, das offizielle Organ des Ministeriums preist als Ergebuiß der Adreß-debatte, daß dic Stellung Hohenwarts in Folge derselbe» mächtig befestigt morde» fei, »»d versichert, die Antwort Sr. Majestät anf die Adresse werde darüber keine» Zweifel lasse». Wen» der Reichsrath nächsten Freitag wieder Zusammentritt, werde er die Weisung bekommen, nur nicht viel Umstände zu machen und das Budget zu erledige». Die Ministeriellen thun ungeheuer sicher uud verspreche» auch, bald die Ezechcn tu den Reichsrath zu bringen. Und dieses Versprechen insbesondere soll dem Graft» Hohenwart seinen Halt geben. Obzwar die Adresse ursprünglich nicht viele Verehrer zu finden vermochte, weil man dein Kompromiß unter den einzelnen Fraktionen dcr Verfaf-fungspartei keilte Dauer zuschrieb, so herrscht doch jetzt nicht mir in Westösterreich, sondern auch in Ungarn nur der Eine Wunsch vor, daß die Adresse die beabsichtigte Wirkung erzielen möge. So bezeichnet z. B. „Pesti Naplo" die Adresse als eine politische That und spricht die Erwartung ans, dic reichSräthüche Manifestation möge Gehör finden und nicht lediglich eine Fase des Verfaffnngskampfes bilden. Das Deakistischc Organ bringt mit unserer Adresse auch die von Wiener Journalen augeregte Frage von den möglichen Rückwirkungen einer Reaktion ans Ungarn in Verbindnng und meint, daß eine zisleithanische Krisis Ungarn unberührt lassen würde. Was insbesondere das Ministerium Hohenwart anbelangt, so scheinen die Besorgnisse des „Naplo" gänzlich geschwunden zu sein, denn die Art des ministeriellen Vorgehens zeige, daß die Regierung nicht absolut schlecht, sondern — ungeschickt sei. Das ist in der That eine schmähliche Kritik! Ein reichsräthlicher Korrespondent des „EzaS" will die ganze Adreßgcschichte mit der galizischen Vorsage in Verbindung bringen und behauptet, daß die Adresse gar nicht aufgctaucht wäre, wenn man nicht ausschließlich die gatizischc Frage hätte todtmachen wollen. Polnische Kirchthurmpolitik. Hier handelte cs sich um ci»c Existenzfrage und nicht allein um dic gali-zische Resolution. Was die ungarische M iuisterkrisi 6 betrifft, so weiß man über den Nachsolger des Justizministers Horvath noch nichts. Einige bezeichnen den Abgeordneten Paul Ordody, die andere» den Staatssekretär Tauarky als künftigen Justiz* minister. Was die parlamentarische Thätigkeit der nächsten Woche betrifft, so wird das Abgeordnetenhaus mit Eifer tut die Budgetberathung gehe». Der Berichterstatter Dr. Brestel hat sich Mühe gegeben, die stetige Abnahme unseres Staatsvermö-gens in seinem Berichte darzulegen und den Schluß nahe zu legen, daß wir, wenn einmal die Kausschil-liugörateli ausbezahlt und nichts mehr zu verkaufen sein wird, an einem hohen chronischen Defizit kranken werden. Im Jahre 1871 hat unser StaatSver-mögen nach dem Referate Brestel'S um 41 Millionen abgenommen. Ausland. In M i't n ch e n begannen am 28. d. in D ölli n g er s Wohnung die Berathnngen über die Frage der Kirchenreform Dieselben werden dieser Tage fortgesetzt. Lord Acton, Döllingers Freund, wohnte denselben bei. Der Zwiespalt zwischen dem deutschen Reichskanzler und dem Reichstage ist durch das Kompromiß, welches im Elsaß-Ansschnsse erzielt wurde, glücklich beigelegt, nachdem Fürst Bismarck noch einmal eine Art KabinctSfrage gestellt. Er drohte zwar nicht mit seinem gänzlichen Rücktritte, aber er vcr-weigerte für seine Person die Besorgung der elsässi-' scheu Angelegenheiten, wenn der Reichstag auf seinem Beschlüsse noch weiter beharren sollte. „Man möge sie dann," sagte er, einem verantwortlichen Minister übertragen, cö würden sich schon Leute finden, welche die Geschäfte unter solchen Bedingungen werden übernehmen wollen. Er lasse sich nicht unter Polizeiaufsicht stellen, er lasse sich nicht einschränken, wie man etwa die Rinderpest einschränke." Schließlich stimmte er dem Bermittlungsvorschlage Lamcy'S zu, 6a6 für Schulden Elsaß-Lothringens, die zugleich das Reich belasten, die Zustimmung dev Reichstages uöthig ist. Der bekannte italienische Publizist Petrucelli della Gattina, der seit vielen Jahren in Frankreich lebt und mit den französischen Zuständen der Gegenwart aufs innigste vertraut ist, bereitet die Italiener in einem seiner neuesten Briese auf ernstliche Gefahren vor, die ihnen von Frankreich aus in nächster Zeit zustoßen werden. Die Kriegsgefangenen, sagt er, kehren jetzt alle nach Frankreich zurück. Herr Thiers wird also binnen kurzem ein Heer von 450,000 Mann haben, zusammengesetzt aus den besten Elementen. Fürst Bismarck hat den Effcktivbestand der französischen Streitkräste nicht limitirt. Herr Thiers kann sich, wenn es ihm be-.liebt, mit einer Million Soldaten umgeben. Bismarck verlangt nur zweierlei: daß nach der Einnahme von Paris zwischen der Seine und dem rechten Ufer der Loire nicht mehr als ein Kontingent von 80.000 Manu verbleibe, und daß die Konzentration der übrigen Truppen nicht im Zwischenraum stattfinde, wndern jenseits des linken UscrS der Loire, wo !n'Wer Herr Thiers wolle, im Süden von Lyon, 1,1 Marseille, in Algier, in Rom oder in Florenz, toeun es dem reizbaren Gnom, der die Assemblse beherrsche, so gefällig sei. — Bismarck stipulirt zur Seit nichts als die Sicherstellnng des OkkupationS-wrps gegen einen plötzlichen Angriff des französischen Heeres mit bedeutenden Streitkräften. Was sollen nun 450.000 Mann Soldaten zwischen der Loire und dem Mittetmeere anfangen, da sic im Osten, festen und Norden nichts anfangen können, im worden und Westen zufolge des von deutscher Seite ei'Hobcucit Einspruchs? Die Italiener mögen Acht '•***«, über ihrem Haupte zieht sich eine dichte , Zusammen! Blitzableiter! ruft Petrucelli della , ,ua "us, Blitzableiter her! Frankreich hat seine NlUtürischc Ehre und seine Finanzen wieder herzu-Italien ist eine zu große Bersuchuug und ie Franzosen sind nicht dazu geschaffen, TantaluS-^ualcn..auSzustehe». Schließlich sagt der italienische Mutztst, er werde nicht müde werden, die Kassandra Italiens zu sein. Ans Spanien kommt wieder einmal eine "ueressante Nachricht: Der republikanische Depu-n» 6u'*tctal‘ l)at in der letzten Sitzung des Kon-.Madrid einen Antrag auf Abänderung r Verfassung eingebracht, der folgendermaßen lautet: ^tnztger Artikel. Die Kortes erklären in Ansäung ihrer Befugnisse, daß der Augenblick gekom- men ist, der Nation eine Reform vorzuschlagen, wodurch der Artikel 33 der Verfassung mit den dazu gehörigen Zusätzen aufgehoben und somit die Monarchie in Spanien abgeschafft wird." Zur Tagesgeschichte. — Der Hauptzweck der in Rußland bestehenden „slavischen Wvhlthätigkeits-Vereine" ist die durch massenhafte Verkeilung von russischen literarischen Werken zu bewerkstelligende Verbreitung der Kenntniß der russischen Sprache unter den außerhalb des ruffischen Reiches wohnhaften Slaven. In diesen ihren Bemühungen entfalten die Vereine in der Thal eine große Energie. So z. B. cxpedirte — wie wir den „Mos-kovskija Vjedoniosti" entnehmen — blos der Moskauer slavische Verein in letzter Zeit nach Wien 15, nach Prag 3 und nach Agram 4 mit ruffischen „Gratisbüchern" gefüllte Kisten. — Ans London, 20. d., wird telegrafisch gemeldet : Das Dampfschiff „Willem 111.," von Amsterdam nach Batavia mit 350 Personen an Bord, ist in See verbrannt. Der in Portsmouth angekommene Dampfer „Skorpion" Uberbrachte 134 Gerettete, und glaubt man, daß die übrigen durch andere Schiffe gerettet worden sind. — Merkwürdiger als die Siamesischen Zwillinge ist das „zweiköpfige Mädchen," das eben in Baltimore gezeigt wird und beabsichtigt, auch nach Europa zu kommen. Während bei den Siamesen die Zwillingsbildung bedingt wird durch das starke Band, welches von Brust zu Brust die beiden Brüder verbindet, so sind hier zwei Mädchen mit dem Rücken verwachsen, oder vielmehr haben dieselben von der Mitte des Rückens eine gemeinsame Wirbelsäule. Es sind zwei als Sklaven im Süden der Vereinigten Staaten geborne Schwarze von ausgeprägt charakteristischer Gesichtsbildung. Die Bindefläche auf dem Rücken ist 50 Quadratzoll groß. In den Beinen und Füßen haben sie gemeinsames Gefühl. Obgleich die Fotografie dieses Doppelwesens nichts weniger als schön anzusehen ist, so soll doch die Wirklichkeit weit weniger abschreckend sein. Die Mädchen sind 18 Jahre alt, völlig gesund, singen zweistimmig und sollen trotz ihrer vier Beine sehr nett tanzen. Lokal- und Provinzial-Angelegenheiten. Original-Korrespondenz. Johamiesthal, 29. Mai. Einen neuen Beweis, daß es Noch ihut, die „kleinen Gemeinden" von schier ausschließlich slovenischer Bevölkerung — weil für selbständige Verwaltung vollkommen untauglich — durch Hinzuschlagung zu Nachbargemeinden von unsinnigen Beschlüssen ehethunlichst fernzuhalten, liefert die jüngst vorgenommene Wahl der Gemeindevertretung in Dvor (Unterkrain). Mit Ausnahme eines einzigen Mitgliedes, welches übrigens auch nur nothdUrstig in der Schriftgelahrtheit entwickelt ist, ist der neuerwählte Dvorer Gemeinderath des Lesens und Schreibens u. dgl. m. unkundig. Besonders bedaucruöwcrlh erscheint übrigens auch, daß in hiesigen Bauernkreisen der bessere Theil stets jene Elemente hartnäckig iznorirt, welche halbwegs im Stande wären, ihre autonomen Geschäfte wenigstens der Form nach zu leiten. Und warum? Weil die hiesige Bevölkerung in ihrer Beschränktheit als Hauptmotiv für die Anstelligkeit zum Bürgermeisteramte die „Billigkeit" betrachtet und jener Persönlichkeit für ihre Gemeinde-Repräsentanz den Vorzug gibt, welche pauschaliter am billigsten die Gemeindegeschäfte leitet. Nach dieser Anschauung wurde auch der frühere Bürgermeister verdrängt, und gelang es seinem fpeku-lirenden Nachfolger, sein breitspuriges „Ich" aus hier-ortigen Thron zu setzen. Besonders interessant und neu ist übrigens auch noch, daß in hierortiger Gemeindevertretung — laut abgeschlossener Wahl — zwei leibliche Brüder als Gemeinderäthe bis nun fungiren, uud könnte es möglicherweise — da das Publikum hier mehr nach Gattuugs- als nach Spezies-Namen matrikulirt erscheint — geschehen, vorausgesetzt, daß die Wahl bestätigt wird, daß das Geschwisterpaar das öffentliche Wohl dauernd zu vertreten haben wird. Lokal-Chronik. — (Dr. Costa als Parlamentsredner.) Von Dr. Costa, dem „ersten nationalen Redner" im Reichsrathe entwirft ein Wiener Blatt folgende drastische 'Schilderung: Dr. Costa scheint ganz dazu an-gethau, die Rolle des Harlequins im Hause zu übernehmen. Er begleitet die Rede des wackern Czar-kowski mit höchst merkwürdigem Fußstampfen und grotesken Handbewegungen und weidet sich mit satanischem Grinsen an der Entrüstung der Journalisten, die zu der Qual verdammt sind, die nationalen Ti-raden in ein erträglich Deutsch zu übertragen. Dr. Costa, der ehemalige deutsche Burschenschaftler und gegenwärtige Vertreter des idealen Slovenien, hatte, das muß man ihm lassen, die Lacher auf seiner Seite. Er ist, wie gesagt, der Spaßmacher, besser gesagt, der Ziniker des Hauses, und steht in dieser Richtung einige Stufen unter seinem Gesinnungsgenossen Greuter und käst auf gleichem Niveau mit Petrino. Ein ewiger Schnupfen, den der Redner durch Anwendung der Kopfstimme zu verdecken sucht und der jeden Augenblick eine Nießeruption der bedenklichsten Art erwarten läßt, stört den äußeren Eindruck, dagegen versteht es Herr Costa, durch ein wundersames Mienenspiel das zu ersetzen, was ihm an Geist abgeht. Unstreitig darf er auf die Ehre Anspruch machen, in Rede, Gang, Haltung und Ton das Frechste zu leisten, was bisher in diesem Hause geboten worden ist. Er paßt mit seiner Miene so recht auf die Bierbank eines slovenischen Marktfleckens, wo er den gaffenden Stammgästen durch die Roheit des Ausdruckes und durch die Stärke feiner Lunge imponiren mag. Man muß den Mann sehen, wie er lachend und grinsend nach jeder Fräse zur Jourualisteuloge ausblickt; wie er nach Beendigung der Rede von Bank zu Bank läuft, um sich seine Belobungen einzuheimsen; wie er an der Ministerbank vorübertrippelt, um sich von Herrn Habietinek einen Gruß zu holen, und endlich in die Korridors läuft, um lachend zu rufen: Hab ich's denen gesagt! Solche Individuen sind wahrlich nicht ernst zu nehmen und wir überlasten Dr. Costa ruhig dem Griffel eines unserer Karrikaturenzeichner. — (Der Slovenensührer Herma it über bas Gemeindewesen.) In der nächsten Seffion des steiermärkischen Landtages soll bekanntlich ein neues Gemeindegesetz ausgearbeitet werden, da sich das jetzige vielfach als unzulänglich erwiesen hat. Ein eigenes Komitee hat den Entwurf eines solchen Gesetzes vollendet und in vielen Exemplaren unter die Bevölkerung vertheilt, um aus der Mitte derselben Abänderungsvorschläge entgegenzunehmen. Von allen bisher eingelaufenen Benrtheilungen des Entwurfes ist wohl die zumeist charakteristische jene, welche der bekannte Slovenensührer Her man, der jetzt stetem. Landesausschuß ist, in einer eigenen Schrift niedergelegt hat. Er ist natürlich mit dem Projekte, Groß-kommunen neben den Ortsgemeinden zu bilden, ganz und gar nicht einverstanden; zu ultranationalen Wühlereien taugen starke Gemeinden eben sehr wenig. Recht bezeichnend aber ist es, wenn Herman namens seiner SiammeSgenoffen erklärt, daß dem Staate und dem Volke eine wirkliche Erleichterung nur durch die Rückkehr zu ähnlichen öffentlichen Zuständen, wie solche vor 1850 bestanden, verschafft werden könne. Was er wünscht, das ist die Wiedereinführung der Patrimonialgerichtsbarkeit ; die Auflösung des Unterthänig-keits-Verhältnisses scheint ihm eine sehr unzweckmäßige Sache. Es heißt wörtlich in der Broschüre: „Das Volk will und soll seinem eigentlichen Berufe nicht entzogen werden und will und soll das Administriren uud Rechtsprechen bewährten Fachleuten überlassen (es ist nämlich von der Organistruug des niederen öffentlichen Dienstes die Rede); das Landvolk will seine Scheidung vom Bürgervolk, dem seinerseits wieder feine eigenen Obrigkeiten wünschenswerth sein dürften. Die Wiederbelebung der Burgen und Schlösser wurde auch den Beamten eine vielfach behaglichere Existenz und dem Staate manche Ersparniß in Aussicht stellen." Man sieht, Herr Herman hat sogar mittelalterlich-romantische Anwandlungen! Aberglauben Sie ja nicht, daß das leerer Scherz fei, im Gegentheile, es ist der SlovenenfUhrer vollster Ernst, wenn sie solche Ansichten und solche Forderungen entwickeln. Mit der ernstesten Miene sagt Herr Herman in seiner Broschüre, daß die Autonomie die Mutter des Leichtsinns sei, und beweist, daß nur aus einem geregelten Abhängigkeits-Perhältnisse Wohlbefinden für die Bevölkerung er« blühe. Und diese Leute nennen sich freisinnig! — (Selbstmord des ehemaligen Redakteurs Tom Sic.) Aus Marburg, 26. Mai, schreibt man der „Grazer Ztg." : Der ehemalige Re. dakteur des „Slovenski Narod", Anton Tomsiö, wurde heute früh tobt in seinem Bette aufgefunden. Durch die sofort vorgenommene Leichenbeschau wurde zwar die Todesursache nicht bestimmt festgestellt und wird demnach erst die Obduktion der Leiche hierüber Aufklärung verschaffen (bekanntlich lautete diese auf Gehirnschlag), doch fand man die Extremitäten der Leiche kramphaft zusammengezogen. Im Zusammenhalte dieses Umstandes mit dem, daß T. schon länge« Zeit auffallend trübsinnig war, und dies namentlich am Abende vor seinem Verscheiden, dann daß er vor kurzem Gift zu nehmen versucht hatte, wo er jedoch rechtzeitig gerettet wurde, gewinnt das Gerücht, daß T. sich mittelst Giftes das Leben genommen habe, an Wahrscheinlichkeit. T. hatte nach Absolvirnng der rechtshistorischen Studien an der Grazer Universität sich vor mehreren Jahren der Journalistik zugewandt, und verdankte ihm zumal die sogenannte jungslovenische Partei, zu deren Organ sich das mtter feiner Redaktion stehende Blatt „Slovenski Narod" in letzterer Zeit bildete, die regste Unterstützung. Eingesendet. Wir geben »ns das Vergnügen, der Frau P e l r a n, Gasthofbesitzerin in Veldes, unser» herzlichen Dank für die prompte Bedienung, vortreffliches Mittagsessen und ausgezeichneten Wein auszujprechen. Fern von jeder Reklainemacherei finden wir uns bewogen, unsere aufrichtige Anerkennung dieser braven Frau Gastwirthin auszndrücken. Während die Natur für Veldes aus eine so herrliche Weise sorgte, übernimmt die liebenswürdige Frau Petra» auf die billigste und beste Weise die Sorge für Gaumen und Magen. Tie Laibacher VeldeS-Besncher uum Pfingstmontage. Das Haus 3. Sacks 8» Co. in Hamburg wird »ns wegen prompter uud aufmerksamer Bedienung seiner Interessenten so angelegentlich empfohlen, daß wir nicht umhin können, auf die im heutigen Blatte befindliche Annonce desselben ganz besonders hinzuweisen. Gedenktafel über die am 3. Juni 1871 stattfindendcn Lizitationen. 3. Feilb., Steirer'sche Real., Lack, BG. Lack. — 1. Feilb., Kralj'sche Real., Veldes, BG. Äindmannsdorf. Witterung. Laibach, 31. Mai. Vormittag halbheiter. Nachmittag sonnig, Feder- und Sausenwolken. Siidwest heftig. Wärme SOtotgenS 6 Uhr + 10.2”, Nachm. 2 Uhl' + 19.4° R. (1870 + 21.4"; 1869 + 21.8"). Barometer im fallen 323.46"'. Das gestrige Tagesmittel der Wärme + 14.1", um 0.7° über dem Normale. Der gestrige Niederschlag 0.40'"._______________ Angekommene Fremde. Am 30. Mai. Elefant. Milosfich, Klageufurt. - Berger, Fiume. -Peric, Privat, Jstrieu. - Pivec, Privat, Istrien. — Alivicri, Venedig. - Vilhar, Prcsid. - Jermann, Fiume. Prixner, Kanfm., Mi. — Ureiic, Kommis, Petta». — Morro, Saufm., Villach. — Frau Buda, Private, Hörberg. Stadt Wien. Schüssel, Saufm., Furth. — Stare, Ingenieur, Aßling. — Scarpa, Cilli. — Walcmga, Saufm., Wien — Graf Pichler, Oberkrain — Pausier, Saufm., Reifniz. — Kranossky, Kausm., Wien. — Wenzel, Berlin. - Oswald. Balerlsclier Hol’. Rizzota, Venedig. — Renner, Schneider, Sessana. Mohren. Potocnik, Oberkrain. - Heimberg, Wien. Verstorbene. Den 30. Mai. Dem Johann Dezinau, Taglöhner, sein Kind Johann, alt 8 Tage, im Hühnerdorse Nr. 19 am Kinnbackeiikranipse. Anton Dvlar. Taglöhner, alt 50 Jahre, im Zivilspital an der Abzehnmg. Telegramme. Wien, 30. Mai. Das Abendblatt der „N. Fr. Pr." meldet: Die Adresse des Abgeordneten-Hauses wurde heute durch das Präsidium überreicht. Der Kaiser habe deu Präsidenten sehr ernst empfange» und in der Antwort, entgegen dem Urtheile der Reichsrathsmajorität, die Politik des Ministeriums gebilligt. Der „Volksfreund" veröffentlicht eine päpstliche Enzyklika vom lö. Mai an die gestimmten Bischöfe, worin der Papst die Garantien der italienischen Regierung als Machwerf der Lüge und Heuchelei bezeichnet, die Verletzung der Rechte und der Freiheit des Papstes hervorhebt und dagegen protestirt. Der Papst fordert die Bischöfe auf, den Beistand Gottes zu erflehen, damit der Kirchenfriede und die Ruhe der Völker erzielt werde. Versailles, 30. Mai. läiit Dekret Thiers befiehlt Entwaffnung von Paris und löst die Nationalgarde des Departements der Seine auf. Eine Proklamation Mac Mahon's an die Pariser zeigt die gänzliche Unterdrückung des Aufstandes und die Rückkehr zur Arbeit und Sicherheit an. Telegrafischer Wechselkurs vom 31. Mai. Sperz. Rente österr. Papier 59.30. — öperz. Äieiite österr. Silber 69.10. — 1860er Staatsaulehe» 102. — Bankaktie» 793. — Kreditaktien 282.70. — London 124.15. — Silber 122 25. •- A. f. Münz-Dukateu 5 88. — Na poleousd'or 9.88. Zum Glücks-Versuche durch ihre solide» und für die Interessenten äußerst I vortheilhasten Einrichtungen ganz besonders geeignet ist die in aller Kürze wieder beginnende, vom Staate I Hamburg genehmigte und garantivte große Geld Verlosung. —— \ Million Mark! eventuell als Hauptgewinn und speziell Gewinne von Silberguldeu 105.0001 - 70.000 - »5.000 - 28.000 - 17 500 - 2 ä 14.000 - 3 & 10.500 —Hü 8400 - 7700 — 3 ä 7000 — 4 ii 5600 — 5 a 4200 — 11 ü 3500 — 28 ä 2100 — 106 it 1400 — 5 fi 1050 - 156 ä 700 — 206 ä 350 ic. :r. bietet dieselbe in ihrer Gesammtheit,I »nd verdient dieses Unternehmen schon deshalb »» streitig de» Borzug vor viele» ähnlichen, weil 24900 Lose, d. i. weit Über die Halste der Gel sammtzahl, im La»se der Ziehtuigen respektive inner» 1 halb einiger Monate mit Gewinn erscheine» müssen. Die erste Ziehung ift ans den 21. Zuni d. I. amtlich festgestellt, »»d kosten zu, derselben Ganze Original 2»,e 3/, fl. Halbe it • u " Viertel ,, 1 . >• , Gegen Einsendung des Betrages iu Banknoten werden die mit dem Staatswappen versehenen Ovi= ginat-Lose von uns versandt und die amtlichen Plane gratis beigefügt. . Sofort nach der Ziehung lassen wir unseren geehrten Interessenten die Gewinnliste zugehen und I j gelangen ebenso die Gewinngelder unmittelbar nacl^ I Entscheidung zur Auszahlung. ErfahrnngSgemäsr tritt mit fccm tocr ntittobni deS ZieyungstermlnS cm iait fld an Losen ein, nnv beliebe man, »m sofortiger Ausführung Ver geiicigteii Anr-1 rräge sicher zu fein, sich baldigst 6trcft| zu wenden au °> N. Nack!1» *$? E « , rtaatSeffekten-Sanolniig in »«»>»»!,»» Eine Wohnung im ersten Stockwerke, bestehend aus 4 parquettirten Zimmern, Küche, Keller, Speis, Dachkammer und Holzlege, ist von Michaeli ab zu vermiethen. Das Nähere ans Gefälligkeit in der Expedition dieses Blattes. (228 - 4) Einladung zur' Beteiligung an den ne» beginnende» Ziehungen der großen vom «tonte Hamburg genehmigten int» garautirten Geld-Verlosung» Der größte Gewinn betragt im glücklichsten Fall 100.000 Thaler. jvie yaupiprciie Betragen : Haler 60.000 , 40.000 , 20.000, 16.000, » 000, > u SOOO, :$ ü 6000, :$ ;t 4S00, 1 ü 400, 3 ü 4000, 4 ü 8200, 5 ü 2400, 11 ä Die Hauptpreise betragen: Tlialer 10 4400. 2000, 2 ii 1600, 28 ii 1200, 106 i\ 800, 6 ä 600, 5 it 480, 156 ii 400, 206 n 200, 2 u 120, 301 ä 80, 11.600 ä 44, 12 ä 40, 12 ä 20 «. K. Ueber die Hälfte der Lose werden durch sieben Ber losnngen mit Gewinnen gezogen; in allein 24.000 Gewinne, und kommen solche planmäßig innerhalb einiger Monate zur Entscheidung. Gegen Einsendung des Betrages in österr. Banknoten versende ich „Original-Lose" für die erste Verlosung, welche amtlich planmättig festgestellt, schon den 21 Juni d. I. stattfindet, zu folgenden festen Preisen: Mn ganzes Lriginal-Los :! ft. 50 kr. ö. W. Ein halbes Lriginal-Los 1 ft. 75 fr. ö. W. Ein viertel Lriginal-Los - 00 kr. it. W. unter Zusicherung promptester Bedienung. Jeder Theiliiehmer bekommt von mir die mit dem amtliche» Wappen versehene» Original-Lose pünktlich zngesandt, und sind solche nicht mit Promessen zu vergleichen, welche nur auf persönlichem Vertrauen beruhen. Der amtliche Originalplan wird jeder Bestellung gratis beigefiigt uud den Interessenten die Gewinn gelber nebst amtlicher Liste prompt zugesandt. Durch das Vertrauen, welches sich diese Lose so rasch erworben Haben, erwarte ich bedeutende Aufträge, solche werden bis zu den kleinsten Bestellungen nach den entferntesten Gegenden prompt und verschwiegen ausgeführt In kurzen Zwischenräumen fielen mehrere der erste» Hauptgewinne in mein vom (Würfe begünstigtes Geschäft. Man beliebe sich baldigst «nd direkt zn wende» an Adolf H»ai, Staatseffetteu-Handlung in Hamburg. Für das mir bisher in so reichem Matze bewiesene Vertrauen sage irf> ineinen Interessenten den besten Tank. (241—2) Wieuer Börse vom 30. Mai. Staatsfonds. 6pttc.!)tcnte, oft. i. ose von 1854 . . . ?->Ic von 1860, gan,e äofe een 1860, Silnft. Vrdmicnldj. v. 1864 . Urrimdentl.'Qbi. Steiermark >u - p-t. «amten, itrain u. ftüflcntanb !> „ ängarn . . an 5 „ Rtoftt. u. Slav. 5 , Siebcniürg. . 5 . Actien. fiationa!b»r.t . . Unten - Bank . . • ireditanftatt . . , ft. ö. 6Gcomt>te»®:f. 8ngIo=cfle$c. Lank vert. Bodcncred.-A. , Oeft Hvpotb.-Bank , Steiet. $«ccmet.=S!. Franko - Sluftria . »ati. Ferd.-Nordb. , 6ütta6n=@cfctll6. itais. 6Iisabett«8abn, iarl-Ludwig-Babn Sieben £>. Eisenbahn , Ltaalsbahn... Lais. itviini^Ootcfi'b.. Pnf!.=8arefet E.-B. LIIöld-Fium. Lahn . Pfandbriefs. Nation. ö.W. oerleib. Kng. 8cb.--3rebitanfl. $ßg.efl.$ob.«6$rebif. tto. >.» 3S.<. Ware «Selb 59.40 69.S0 h9 to 6S 30 95.—| »5.511 102 — 102 2} 113.50114.50 129.75:130.— 93.— j 94.— 86.— 86.50 79.15 80 84.50; 85.50 75.76, '.6 1 792 — 7f4 $77.20 277.75 kt-2 80 283. 892.- B'jS 251.50 i52.~ 2S8.- 260.- 89.— 10 -HO ■ - 117.25 117.50 2S00 2302 173 40 173 60 222 50 123.-260.fO 161 — 170.50 171. 423.50 424. 201 25 201 50 176 £0 177.- 177 25 177 75 62 60 f-2 80 8-1.25 89.50 106.251106.50 R6 »C| 87. fflelb SLi'art i.eft. Hypoth.-Lank. riorltiits-übltg. @übb.i@ei. lUSOOgr. bto. flonä 6)Hit. ’Jiotbb. (100 ft. ÜM.) 6ieb..».(200fl.ö.iB.) Staal»bahn Pr. Stück Staatöb. er. St. 1867 IHubclfeb.iSOOrt.ii.äB.) Srtm,v3c(. (200.(1.®.) tStcbtt 100 fl. ö. 20. . Don.-DampslS.-Bes. SU 100 fl. 3i't. . . $ tieftet Ivv fl. '55D(. . bto. 50 fl. ö.SSJ. .1 fenvt . 40 ft. ö.W. Salm . „ 40 „ Palfih .„■«)„ Slatt) . „ 40 , ®t. ®enciä„ 40 „ Wiubiiügratz 20 „ Walbftein . 20 „ Segleci* .10. iRuboIffftift. 10 f.SD. Woohn«l(Sl'f:n.) $ug?b. lOOR.fiibb.itB. 7tankf. 100 ft. , „ •enton 10 PI. etecl. Paris 100 tftanc« Ktruen. Kais. Mün,-Duc-ten. 20-grancSftück . . . BereinSth»!kr . . . @i!tcr 110.50 110.75 138.- 239.— 99— 99.20 88 75 89.10 lS9.i5 136.75 135.- 135.5» 90.60 90 6» 96.90, 97.10 173 — 173 50 102.5(1 103.50 122.— 124.— 58.— 60.-36.— S6.<" 40 50 41.' 30.— 30 d» 34.- 36.-" 30.— 30 5» 21.50 22.50 22.— iS" 17.- 15.- 15-50 103 20 103 30 103.5v-i03.«0 124 20 1*4.30 6.88 . 5 SO 9.89 I 9.90 1.83 ! 1-bS* 122 — >li8 2* Druck von Jgn. c. Äleinmaijx & gef. icamteri in Beilege: uns für die SRetcitton verantwortlich: Cttcmar Lamberg.