Kreitag de» II. Hktover 1878. !VII. Jahrgaag Vit ^«arburgn Seit»«g" eescheint jeden eonntag, Mittwoch und Freitag. Preis, — für Marburg ganzjährig 6 fl., halbjährig 8 fl., vierteljährig 1 fl. bv kr? für Sustellung iu» Hau« monatlich 10 kr. — mit Postversendung: ganzjährig 8 fl., halbjährig 4 fl., vierteljährig Z fl. Insertionsgebiihr S kr. pr. Zeile. Vach Nascitn? Marburg, 10. Oktober. Wird der Vormarsch nach Nasclen angetreten, oder nicht? Der Beschluß, fünf Divisionen heimzube-rufen, läßt annehmen, dab Heuer wenigstens dieser Marsch nicht ftatlftnden soll. Die Ver-tagung allein besriedigt uns aber nicht; wir müssen Gewißheit haben, daß der Vormarsch nach Rascien auch für das nächste Frühjahr nicht und nie mehr geplant werde. Wir scheuen nicht blos die Steuer an Gut und Blut, welche die Bezwingung dieser Wild-ntß erfordert — uns bangt auch vor den po-littsch-militärischen Folgen derselben. Denn Novi-Bazar allein thul's noch lange nicht! Wenn einmal die schwarzgelbe Fahne von diesen Bergen weht, so muß sie nach Südosten hinausgetragen werden — so weit, als der Volksstamm reicht, der uns bedroht — so weit, als der albanesijche Bund seine Streiter gegen uns sammelt. Der Kriegszug nach Nascien verknotet die Orientsrage, entflammt den Rasien- und Ne-lizionskrieg der Mohamedaner in seiner scheußlichsten Gestalt und blingt uns mit jenen Mächten in Zwiespalt und offenen zd der Tag wird kommen, da sie sich nnr aus friedlichen Schlachijeldern, wie die Weltausstellungen, begegnen werden. In dieser Nolle slret t der Kongreß in Wahrheit das Glück der Völker und die Freude der Mütter an. (Politik. Zur Belebung Bosniens und der Herzegowina.) Der bekannte kroatische Magnat Baron Lazar Hellenbach hat bei Fischer in Wien eine Schrift über: „Die Okkupation Bosniens und deren Folgen", herausgegeben. Der Verfasser, welcher die Besetzung und Einverleibung dieser Länder besürwortet, schreibt u. A.: „Was in keilier Weise begriffen werden kann, isi die Art und Weise, wie die Okkupation in Ecene gesetzt wurde, es sei denn, daß man einen kräftigen Widerstand finden wollte, um irgendwie Kapital dtnaus zu schlagen. Wir schritten zur Okkupation, als Türken, Serben und Montenegriner freie Hand hatten, uns Hindernisse in den Weg zu legen, und wir das ausrichtige Eii.verständniß Rußlands und das Interesse Engl.uidS nicht mehr zur Seite hatten. Bosnien hat. so wie alle Länder der Welt. Individuen, die etwas besitzen und um ihr Eigenthunl besorgt sind; es hat Geistliche, Lehrer, Handelsletile, lnit Einem Worte: eine Mittelklasse, welche nationale Teiidenzen verfolgt nnd lnit der nationalen Partei in Agram und Belgrad in Beziehungen steht; es hat eine Masse rohen Volkes, das gedankenlos für Alles begeistert tverd^n k^uin; es hat endlich katili» narische Existenzen, Hadschi Löjas, die inl Trüben fischen u,ld sür wenig Geld sehr viel zu thun dereit sind. Während wir ntin nach gar keiner Richtung elwas gethan, haben die zwei silr ihre Znkunst zitternden Filrslen, die rachedurstigen Türken und Russen Alles aufgeboten, uns Prügel zwischen die Füße zu Wersen; und um der Soche die Kroi^e aufzusetzen, wurde die Ann xion für eine unbestitnlnte Okkupc>lion „So? Das war wohl recht fchön? Uttd die Bluinen hat er Dir natürlich gcreicht?" „Ja; sind sie nicht prächtig? Nelken sind meine Liebling^blumen." „Und morgen zutn Tanz unter der Linde kommt er doch auch, der feine junge Herr?" „Das versteht sich; ich habe ihnt zwei Tänze versprochen, weil er so sehr —" Das Weitersprechen erstarb Gertrnd ans den Lippen vor dem Ausdruck, d.r wie ein dräuendes Wetterlenchten über Ewald'S AntliK dahinflog. Er !?ar zu ihr herangetreten, dir Blumen hatte er ihr entrissen, und indeni er ihre beiden Hände fest hielt, lief er drohend und gebietend: „Es soll aber dies Alles nicht sein! Er soll :.icht init Dir gehen, nicht mit Dir tanzen. Dir keine Blutnen reichen; ich will es nicht, ich leide es fortan nicht ! Das Alles mußt Dn mir gestatten, mir allein, hörst Du? Denn ich bin Di.r gut, Gertlud, mit rechtschaffenem, wartnen Herzen gut, und Du tnußt tnein Weib werden!" Dttrch die schlanke Gestalt des Mädchens rieselte es mit bebendem Schauer bei den Worten, den Blicken des JiinglingS, die von mächtiger Liebe sprachen. Sie fühlte, die Stunde war gekotninen, in der sie sich ihrein Herrn und Meister beugen mußte; aber noch auSgegebett. Man hätte die Leute aufklären und gewinnen tnüssen, was einige Hundert» tauscirde gekostet, aber Millionen erspart haben würde. Aber nicht im Wege der Konsulate allein, sondern durch die Klöster, Emissäre und die Einflllßreichen itn Lande hätte die Aktion wellenförmig tem Eintnarfche vorangehen müssen." (Aus Galizien. Oeffentliche Krankenpflege.) Das „Extrablatt" veröffentlicht einen Brief aus Leuiberg, in welchem es heißt: „Seinerzeit meldete ich Ihnen Über d e schrecklichen Zustände, welche in der galizischen Lan» deSirrenans^alt in Kulparkow herrschen. Es'war dies aus Anlaß einer Gerichtsverhandlung in Lemberg, in welcher ein Wärter der galizischen Landesirrenanstalt, Namens Wrzesza angeklagt war, zwei Geisteskranke erschlagen zu haben. Die Opfer des barbarischen Wärters hatten gebrochene Nippen und einer derselben erlitt anch in Folge eines Schlages eine Gehirnerschütterung. Ueber diese peinliche Affaire und überhaupt die in der genannten Irrenanstalt herrschenden Zustände wurde letztl^in im galizischen Landtage eine Interpellation eingebracht, welche erwies, daß „der Rippenbruch als Heiltnethode sür Geisteskranke" in der galizischen Landesirrenanstalt in vielen Fällen praktizirt wird. Lassen wir darüber den Rcsereitten des Landes-au»schusses, Dr. Hosz^rd, welcher die Leitung der erwähnten Heilanstalt vertheidigte, selbst sprechen. In der Sitzung des galizischen Landtages voln 21. September sagte wörtlich Dr. Hoszard: „Itn laufenden Jahre starb arn 16. Februar in der Anstalt der Geisteskranke Jgnaz Ezerwinski, am 17. Februar Michael Kaliziuk; der eine hatte fechs, der Andere drei gebrochene Nippen. Der Thäter des Verbrechens war in beiden Fällen der Wärter WrzeSza . . . Anfangs Mäiz s^arb daselbst Feige Saß; sie hat sich tnit Apfelschalen erivürgt (?)... Aln 18. März starb Stanislaus Kiß, am 14. Juli Olena Hupaluk uiid am 23. Juli Josef Gwioz-donik; der Erste hatte zwei, der Zweite zwei nnd der Dritte ciiie gebrocheite Rippe. . So spricht der Ver'.heidlger der Anstalt; hierauf ei hob sich der Abgeordnete Splawinski und replizirt: „Die Veantlvortung der eingebrachten Interpellation seitens des Landeeausschusses ist ungenügend. Es sind iil der Kulpmkower Anstalt itn Lanse dieses Jahres noch vier andere Todtschläge vorgekommen und zwar die des Goldner, Krasnodebski, Powidajka ultd Mel-niank. Die Leichen wurden sezirt und ergaben den Todtschlag. Was weiter geschehen ist, iveiß ich nicht . . ." Die zitirten Thutsachen beleuchten geradezu gratienhasie Zustande in der galizischen Landesirrenanstalt, denen gegenilder wohl die Frage sich von selbst answirst: Leben wir wirklich in Europa, in einem Rechtsstaate, oder gehört Galijien zu einetn Barbarenstaate?' sträubte sich ihr weiblicher Stolz, noch rang die Hingebung mit dem Trotz, der besonders vor der gebieterischen Art des Mannes sich auflehnte. „Gieb meine Hände srei — augenblicklich!" ries sie zürnetid. ^Jch lasse mich zu nichts zwingen, zu nichts, auch nicht zur Liebe l" Die Worte klangen hart, sast rauh. Ewc>ld meinte, so könne kein liebendes Mädchen sprechen. Er ließ ihre Hände los. Also hatte er sich doch geirrt! Unter dein Necken und Trotzen, mit dem sie ihn oft genug gequält, war kein wärmeres Gefühl vorhanden gewesen l Alles vorbei, was er gehofft und ersehnt seit so manchein Jahre! Er lvandte sich ab; die tiese GeinÜthsbewegung war so gewaltig in ihin, daß er sich gegen einen Baum lehnte, tveil seine kräftige Gestalt zitterte und es ihtn tvar, als sei ihm plötzlich der Boden unter den Füssen genoinmen init diesen» Schwinden seines liebsten Hoffens. Wie von einem Traum besangen, schaute Gertrud auf Ewald — fo groß, so tnächtig hatte sie seine Liebe zu ihr sich doch nicht gedacht ; aber als sie den starken, muthigen Mann zitternd und bebend, sast gebrochen vor sich sah, da flammte es auch empor in ihrem Herzen, was schol» lange als Funke dort geglüht. (Zustände in Ober-Schlesien.) Vor dem Kreisgerichte in Gleiwitz kain dieser Tage ein Fall znr Verhandlung, welcher ein kleines Städtchen in einer vollkommenen Verschwörung gegen Gesetz und Recht befindlich zeigte. „Seit einer Neihe von Iahren" — schreibt man über die Gerichtsoerhandlung — „bestand in dem oberschlesischen Orte Tost eine Gesellschast „Minerva", welche es sich zur Aufgabe machte, durch falsche Eide gerichtliche Verfolgungen unmöglich zu machen. An der Spitze diefer Gesellschast siand der Holzhändler Jen-' drollek, und die Gesellschaft streckt ihre Anne selbst in Kreise, in denen man solche sittliche Verkommenheit nicht erwarten sollte. Das Manöver der Gesellschaft war sehr einfach. Bei etwaiger Anklage gegen ein Mitglied wurde zunächst durch falsche Zeugen der Alibibelvei» geslihrt, dann lvurden dle Belastungszeugen dürch entgegengestellte a»ldere Zeugen übel be-lemnundet. Dieses verbrecherische Treiben hatte eine geraume Zeit in Tost sortgedauert. Erst als Streisrichter Schubert mit der Vertretung des hiesigen Kreisgerichts in Tost detraut wurde, fing man an, dieser Gesellschast aus die Finger zu sehen. Die Frau des genannten Iendrollek wurde wegen Meineid zu anderthalbjähriger Gesängnißstrase verurtheilt. In Folge dessen warf der Genante auf den Kreisrichter Schubert einen unauslöschlichen Haß, ebenso auf Herrn Bürgermeister Hirschberg, der als Polizei-An-lvalt den Vorgenannten redlich unterstützte. Der Angeklagte verabredete d.shalb init den Bauern Krawitz aus Bogufchutz und Szmeja aus Groß-Pluschwitz, den Bürgermeister und den Kreis-richt^r arn zweiten Pfingstseiertage zu erfchieben. Sollte das nicht glücket,, fo sollte Szmeja in die Wohnttng des Kreisrichters eine Dynamitpatrone werfei», fobald man sicher wisse, daß er zu Hause fei. Dieser Thatbestand wurde durch den Belastungszeugen Kuhn sestgestellt, dessen Aussage dadurch an Wahrscheinlichkeit gewann, daß in der Wohnung des Iendrollek seinerzeit zerlegbare Gewehre, Revolver und scharse Patronen gesuitdeu tvordea waren. Das obeil geschilderte Zeugenmauöoer wurde auch hier versucht, aber die Anklage wußte die geringe Glaubwürdigkeit sämnulicher Entlastungszeugen nachzuweisen. Der Hauptangeklagte wurde zu eiiutn Jahr drei Monaten, Krawitz und Szmeja zu vier Monaten Gefängniß verurtheilt. Die Verhandlung dauelte süns Stunden. Kreisrichter Schubert entrollte ein eigenthüinliches Bild der Toster Zustände. „Ich sehe Viele aus Tost im Zuhörerraun'.e, aber sast alle silld entweder schon wegen Meineid angeklagt oder ich werde deshalb in nächster Zeit diese Anklage gegen sie erhebrn. Ich gehe die Aktei» der letzten sniis Jahre durch, fast jeder in dieser Zeit geführte Prozeß g,bt mir Veranlassung, elne De- Ewald lehnte noch gegen den Stainm des Baumes, das Haupt tn die verschlungenen Artne gelegt. Es war der erste Schmerz, der das froh^, srische Jünglingsherz traf, und vielleicht der tiefste, das Aufgebenfollen funer ersten Liebe, der ersten — bet Manchen, wenn auch lncht tei Vielen, der einzigen. Leise legte sich Une weiche Hand auf feine Schulter und eine Stimme flüsterte: „Zwingen lasse ich mich zn nichts, selbst nicht zur L ebe; aber da sie so freiwillig gekommen, so — so sollst Dn es auch hören, herzlieber Ewald, daß ich gern Dein Weib sein will.- Er wandte sich uln; war's wieder ein Traum, wollte sie ihn von Neuem necken? Nein, da lag tiichts von Trotz und Necken auf dem lieben Angesicht, nur weiche, mädchenhafte Hingebung. Und Gertrud lieb es geschehen, daß er sie judelttd an seine Brnst zog nnd in Beider Herzen war ein Glück, so groß und rein, daß sie ilteinten, es sei geraden Weges aus dem Himtnel, der sich in seinen flammenden Abend-sonnengluthen über ihnen wi)lbte, herniedergestiegen zu ihnen. Ueber den Feldern, über detn Dorf lag die Ruhe des Sonnabend-Abends, die sich aus dem Lande viel bemerkbarer macht, als in der nunziatton an den Staatsanwalt abzugeben." Und der Staatsanwalt konstatirte seinerseits, dab auch die gegenwärtige Verhandlung zu ver« schiedenen Anklagen wegen Meineid führen würde. Der Meineid hatte seinerzeit in Tost eine bestimmte Taxe. Man hofft, daß es dem energischen Vorgehen des Gerichtes gelingen wird, in unserer Nachbarschaft nach dieser Richtung hin Ordnung zu schaffen." (Rechtsleben. Vertheidiger und Staatsanwalt.) Ein Wiener Bezirksgericht hatte — wie die ^Deutsche Zeitung" vom 6. Oktober berichtet — eben mehrere Zeugen vernommen» die aussagten, dab Frau A. die Frau B. gröb-l'.ch beschimpft hat. Frau A. hat ober einen sehr energischen Vertheidiger, der die Vernehmung einer erklecklichen Anzahl weiterer Zeugen, die den Korridor füllen, begehrt. Der Vertreter der Staatsbehörde ist dagegen. Es entspinnt sich nun zwischen Vertheidiger und Staatsanwalt folgender erbauliche Dialog : Vertheidiger: Ich bestehe aus der Vernehmung, weil daraus hervorgehen soll, dab auch meine Klientin von der Gegnerin insultirt wurde, damit eine Kompensation der Beschimpfungen stattfinde. — Staatsanwalt: So? das ist das Neueste! — Vertheidiger: Bitte, Entscheidung des Obersten Gerichtshofes! — Staatsanwalt: Merkwilrdig! — Vertheidiger: Ich bedaure, dab der Staatsanwalt das nicht weiß. — Staatsanwalt: Was der Vertheidiger weib, wissen wir, Gott sei Dank, auch noch. — Vertheidiger: Der Herr TtaatsanwaU. braucht deßhalb nicht zu spotten! — Staatsanwalt: Wer spottet? — Vertheidiger: Ich habe schon dieses gewisse Lächeln bemerkt. — Endlich gelmgt es dem Richter, wieder zu Worte zu kommen. Zllarbur^cr Mrichle. (Lal^dwirthschaftliche Ausstellung in Cilli.) Das Preisgericht dieser Ausstellung hat solgende Auszeichnungen zuerkannt: 77 Geldpreise, 15 stlderne Staats-Medaillen, V silberne Gesellschaftsmedaillen, 10 bronzene Staatsmedaillen, 7 bronzene Ge» skllschastsmedaillen, 26 Anerkennung^diplome, 11 Denkschreiben. (Zur Landtagswahl in Win d is ch-Graz.) Der Lanvesausschub beantragt,- die Wahl in Windisch-Groz (Landgemeinden) zu genehmigen. (Gemeindesteuer n.) Die Gemeinde Pettau ersucht den Landtag um die Bewilligung, von Bier, Wein und Branntwein eine Abgabe einführen zu dtirsen. (Vrandstiftun g.) In Tschretten, GerichtSbezirl Marburg!, sind das Wohnhaus ultd die WirthschaftSgebäude des Grundbesitzers I. Käsrr sammt Fult. Oktober: St. Marein „ 3500 „ Sachsenfeld . 9450 „ Friedan „ 6000 „ Wöllan „ 5200 „ Die schrijllichen Angebote silid beim Vorsteher der Finanzbezirks-Direktion Marburg bis 24., beziehungsweise 26. Oktober zu überreichen. Die weiteren Bestimmungen können bei dieser Direktion und bei den Bezirksleitungen der Finanzwache in Marburg, Cilli und Gonobitz eingesehen werden. Theater. Anl.'j. Oktober ging die „Vorstadt-Prin-zessin" mit derjtll'en Besetzung zum zweiten Mal in Szene. Die flotte und gerundete Dar-stelluilg hielt das Publikunr vom Beginn bis znm Schlüsse in heilerer Laune lmd es blieb auch die Anerkennung nicht aus. Besonders verdient machten sich darum Herr Högler, Herr Brakl und Frl. Grobmann; auch die andern Mitwirkenden brachten ihre Rollen vollkommen zur Geltung. Samstag den 5. Oktober „Der G'wiffens-wurm", Bauernkomödie in 3 Akten von L. Anzengrnber. Die Exposition war etwas langweilig, doch zeigte die Besetzung und Durchführung des Stlickes ein erfreuliches Zeichen von der Schaar echter Talente, welche denr Theater für die Repräsentation derlei Komödien zu Gebote steht. Sonntag den 6. Oktober „Strauß und Lanner", Lebensbild mit Gesang in 3 Akten von A. Langer. Die Wahl dieser Vorstellung „als Sonntagsvorstellung" scheint uns doch nicht eine ganz gelungene gewesen zu sein, da dieselbe niehr oder minder doch nur sür das Publikum Wiens ehemals Jntereffe halte und heute auber Nepertoir ist, daher trotz derechten Kunstbegeisterung, mit welcher die Titelrollen gegeben wurden, dos Stl'ick nicht erwärmen konnte; dessen ungeachtet brachten einzelne Affektstellen den Betheiligten wohlverdiente Hervorrufe und rauschende Beisallsleweise. Dienstag den 8. Oktober „Chemie sür'S Heiralhm", Original-Lustspiel in 3 Aufzügen von Rudolf Kncisel. Es läßt sich nicht leugnen, daß dieses Lustspiel, wie die meisten desselben Autors, bei nicht allzu hoch gespannten Nn-spri'lchen danach angethan ist, einen Abend ganz entsprechend zu süllen und genügend Unterhalt zu bieten. Ein keineswegs tiefer, als vielmehr geistreich hingeworfener löedanke wird durchgeführt, wobei es auf allzu motivirte Situationen nicht ankommt. — Am meisten auffallend er-scheint in dieser Beziehung der Schluß, inso-ferne als der Zuschauer von dem in Bina jedenfalls schon früher erregten lebhafteren Gefühle zu^Hotineg erst dann Kenntniß erhielt, als sie am Schluß zu pliitzlicher Leidenschast entflammt, die Lösung herbeiführt. — Es ge» nvge init diesen Bemerkungen, da ein tieferes Eingehen kaum gestattet, vielleicht auch unnötl)iz erscheinen würde. Die Darstellung hat in jeder Richtung, in jeder Nolle befriedigt, nichts störte den günstigen Totalcindruck, Vorzügliches boten die Einzelleistuttgen. Um den brillanten Erfolg haben sich neben dem Sterne der Gesellschaft, Herrn Dir. Äollmann, der gleich beim Eintritt stürmisch euipfangen wurde, übrigens auch Frl. Beer in ihrer Naivität besonders hervorgeth n und wurde dieselbe bei offener Ecene einigemal mit rauschendem Beifall gerusen. Nebst diesem Frl. schienen uns die Frls. v. Jser und Lahr, die Herren Hi)gler, Förster und Frantzen anr meisten aus dun Ensemble hervorzuragen, auch die Frls. ^^takesch, Uberli nnd Albrecht habeir das '.L'este beigetragen; Herrn Dr. Pohl zeichnet jedes Mal Maske und '.Viienenspiel ailS rrnd Stadt. Hier und dort kam grüßend einer der heimkehrenden Knechte an ihnen vorüber, da schaute eine Bäuerin den beiden nach und meinte, die Zwei seien ein schönes Paar, wie sür einander geschaffen. Laute, zankende Stimmen schallten aus der Wohnstube des UlmenhoscS. Im höchsten Cifer, mit allen Geberden wildesten Zornes schritt der Hausherr durch das Zimmer, heftig auf feinen Sohn einredend, der, todesdlaß vor innerer Erregung, an einem Tifch lehnte, an welchem er sich krampfhaft festhielt. Das Erwachen aus dem kurzen seligen Traum, den er geträumt, war ein furchtbares. Diesen Ausgang seines Liebeswerbens hatte Ewald nicht geahnt und mit Recht nimmer vermrUhen können^ Noch niemals hatte der Vater auch nur eine Andeutung gemacht, dab er eine Heirath mit Gertrud nicht billigen würde, sich überhaupt nie über die gemischten Ehen in so hestiger Weise ausgesprochen. Dem jungen Manne schwindelten die Sinne, er schien kaum saffen zu können, was sein Vater in so gewaltigem Eifer auf ihn einredete; und doch das Eine stand da in furchtbarer Klarheit, die ganze sonnige Welt ihm mit einem Schlage verdunkelnd: er sollte Gertrud nicht heirathen. „Unsinn, Alles Unsinn!" rief Ewald endlich, in der Heftigkeit nicht seine Worte wätZend. „Gotteslästerlich uitd sülldhast scheint mir solches Verbot, das nur von Meuschen ausgeht. Wir haben genug glückliche gemischte Ehen vor Augen, weshalb sollt' es die meine nicht auch sein? „Du würdest nicht standhafter sein als ändere; so wie Du, gerade so hat der Jürgen auch, hadeu noch Viele gesprochen und trotzdem nochgegeben. Du wirst nicht taktfester bleiben, im Gegelltheil; denn wenn es Eine versteht, einen Mann nach ihrein Wunsch heruin zu bringen und Alles von ihin z»» verlangen, so ist es gewiß das Blitzmädel, die Gertrud. Ellre Ehe würde Unheil in die Familie bringen, ihr selbst würdet nicht glücklich werden. Ich glaube daran, ich bin überzeugt davon." „Das ist w^hl hier nicht die Hauptsache, da ich heirathen will und nicht Ihr." Es lag wie ein leiser Spott in den Worten des Sohnes, der den jähzornigen Alteir noch mehr ausreizte. In furchtbarer Heftigkeit fuhr er empor: „Nafeweiser Bursche! Meine Meinung ulld nur sie allein gilt im Ultnenhof! So lange meine Augen offen stehen, werd' ich nimmer meine Eitiwilltgung zu einer Heirath geben, die nicht nach meinein Sinn ist, »lud Du mein junges Herrchen, was bist Dli ohne luich? Willst Dich vielleicht als Knecht auders-wo verdingen und die Herzliebste heimführen, oder —" „Wenn ich es thäte, wl''llde ich auch Vrot slir mein Weib fchoffen. Ueberdies, Vater, wa^' dies die geringste -sorge; Martini übers Jahr »verde ich mündig, da müßt Ihr,nir, lvenn ich's verlange, einen Theil ineines Mnttererbes auszahlen." Dieser richtige Einwand, die nicht wegzuleugnende Thatsache, gob Oel ins Feuer; jetzt war es um den letzten Ncst der Selb>lbc-herrschung deS alteit Bauers geschehen. „Dli, Du willst mir trotzen, »nir drohen? —" „Vater, es sei fern von mir. Euch zu drohen, Gott beivahre mich vor so unkindlichein Thun; ich will Euch irn Gegentheil recht herz» lich bitten, Vernunft anzunehmen^ — chorse^iiliti folgt.) der darzustellende Charakter selbstverständlich an Wahrheit und Verständlichkeit. Wir können mit Recht sagen, daß aus Provinz-Theatern selten ein Lustspiel einen derartigen Erfolg erlangt. Selbst die hübsche Gruppirung, zweisellos das Werk unsere« diestügigen Regisseurs, hat an dem reichen Applause wohlverdienten Antheil. Leider war das Haus sehr schwach besucht, und es wäre nur zu wünschen, daß das Marburger Publikum dem Herrn Dir. Bollmann so viel bieten würde, was Herr Bollmann uns bietet, dann könnte Herr Bollmann recht zufrieden sein. Letzte Vost Potoekt soll in das Ministerium berufen werden. Die Brigade Viheinlilnder hat nach dem Kampftag bei Petschi den Weitermarsch nach Vraaogretz fortgesetzt, ohne ernstlichen Widerstand zn finden. Fotscha ist auf Bitten der Bevölkerung von unseren Truppen besetzt worden. Die Arnauten konzentriren sich bei Giljen und am Goljak gegen die Serben. Ein blutiger Zusammenstoß wird befürchtet. Gefunden Schlüssel, welche der Eigmthümer im Compt. dicskS Blattes abholen kann. Die Logen Nr. 7 parterre und Nr. 3 1. Stock sind zu vergeben. (1144 Anfrage bei Anotn B ad l. I'. VrvHRvnstvli», thcmalS Agent, wird ernstlich aufgrsordert, den unbefugt linkafsirtrn Betrog endlich ssfort abzuliefern, sonst folgt Weitere». 1148)_^ S. sür ein Nürnberger- nnd Kurzwaaren Geschäft gesucht. Slavifche Sprache erforderlich. Offerte unter ö 20 iw3te rostanto Klagenfurt._(1149 Zwei Wohnungen. die eine in der Schillerstraße, bestehend auS 3 Zimmern, Kiiche zc., im II. Stocke gassenseitig gelegea, und die andere in der Kaiserstraße, besteh.nd aus 3 Zimmern, Küche, Speise zc., ebenerdig gassenseitig gelegen, sind mit 1. November d. I. zu vrrmiethen. (1120 Anzufragen beim H^uSeigenthümer Caj tan Pag ani in der Schillerstraße._ Meni-ErSIstmig. Gefertigter zeigt dem ?. 1'. Publikum erzenst an, daß er eine Bäckerei in der MeKins;erstraße Nr. Iv eröffnet hat, und wird bemüht fein, durch gutcS LuxuSgebäck, weißeö und fchwarzeS Brot die geehrten Kunden bestens zufrieden zu stellen. 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HM l)amon-8pvvl»!lM pr. Dutzend ff. 2.80 versendet diskret gegen Nachnahme oder gegen Ein. sentung de» Brtfage» (922 SPtjialitätrn-Magazin „Zum Schästr" HVIv«, VII, Ei« Lehrj«nge wird aufgenommen bei Ferd. Wagrandl, Glaserer. (iWZ verantvorUiche Sledattion, Druck und Verlag von le8i»M, Marburg, Burgpla». Ein möblirteS Aimme» ist vom 15. Oktober an zu vergeben: Schillerstraße Nr. 8, parterre links. (1146 Ein Keller auf 60 Startin ist iu der Flöhergaffe, HauS Nr. 5. zu vermiethen. (1147 Gtvit« «avlit ein militärfreier junger Mann mit geläufiger Handschrift und im Rechnen tüchtig in einer Kanzlei oder Comptoir unter bescheidenen An« sprüchen. Anträge unter VV gütigst im Compt. dieses Blattes abzugeben. tn Marburg.