«H/ KH8. Samstag am 11. December R847. Steyermark. ^n der Nacht vom 29. auf den 30. November v. I. um 10'/4 Uhr wurde in der Kreisstadt Cilli eine von einem unterirdischen Getöse begleitete schwingende und etwa eine Secunde währende Erderschütterung verspürt, wobei mehrere Menschen von ihren Sitzen aufsprangen, aufgehangene Gegenstände herunterfielen und auf Tischen und Kästen befindliche Dinge von ihren Stellen verrückt wurden. Um 12'/4 Uhr folgte eine noch etwas heftigere und anhaltendere Erderschütterung, und in der Zwischen- zeit war ein sich öfters wiederholendes unterirdisches Sau- sen zu vernehmen. Auffallende atmosphärische Veränderungen gingen die- sem Naturereignisse nicht vorher. Der letzte Nachmittag war warm, fast schwül, die Nacht sternhell. Wien. Se. k. k. Majestät haben mit allerhöchster Entschlie- ßung vom 27. November l. I. den bisherigen mährisch- schlesischen Cameras Gefallen-Administrator, Hofrath Vin- cenz Hassenmüller Ritter von Ortenstcin, unter Bczeigung der allerhöchsten besonderen Zufriedenheit mit seinen lan- gen, treuen und eifrigen Diensien, in den wohlverdienten Ruhestand zu versetzen geruhet. Mit derselben allerhöchsten Entschließung haben Se. Majestät den bisherigen Central-Inspector der Finanzwache und Regierungsrath, Doctor Philipp Otto Ritter von Dttenthal, zum mährisch-schlesischen Cameral-Gefällen-Ad- ministrator mit dem Titel und Charakter eines k. k. Hof' rathes zu ernennen geruhet. Se. k. k. apostol. Majestät haben mit allerhöchster Entschließung vom 20. November l. I. den Gubernial- rath Francesco Rezzonico, Mitglied des Institutes der Wissenschaften und Künste zu Mailand, zum Vice-Präsi- denten des genannten Institutes allergnädigst zu ernennen geruhet. Se. k. k. Majestät haben mit der allerhöchsten Ent^ schließung vom 24. November l. I. die Lehrkanzel der Landwirthschaftslehre und der allgemeinen Naturgeschichte an der Philosophischen Lehranstalt zu Görz dem Assisten- ten des gleichen Lehrfaches an der Wiener Universität, Dr. Benedict Kopchky, allergnädigst zu verleihen geruhet. Lombardisch-Venetianisches Königreich. In der »Allgemeinen Zeitung" vom 28. November lesen wir folgenden Correspondenzartikel aus Venedig vom 18. Nov.: Ich habe Ihnen den im 66. Lebensjahre er. folgten Tod des Admirals Grafen Dandolo gemeldet. Ein Wcchstlsieber, das ihn nur einige Tage zuvor befallen hatte, setzte seiner irdischen Laufbahn das Ziel. Er hatte es am 14. Oct., wo er den Sarg des jungen Helden vail Smoa begleitete, wohl nicht geahnt, daß er sobald schon, gerade nach einem Monat, selbst in das bessere Jenseits folgen würde. Silvester G. Dandolo ist der vorletzte des Geschlechts, das diesen glänzenden Namen trägt. Er hinterläßt einen bereits bejahrten kinderlosen Sohn und eine unvermählte betagte Tochter. Dandolo begann seine Dienste zur See als Aspi- rant der Marine unter Angelo Emo, dem letzten Admiral der Republik Venedigs. Mit dem letzten Dandolo erlischt der Stamm einer der ältesten Familien Europa's, die ih- ren Ursprung bis zum Reich der Trojaner zurückführt. Danlo, so sagt sie, Gefährte und Schatzmeister Antenors, kam nach dem Sturz Troja's nach Italien, und wurde hier der Stammhalter eines Geschlechts, aus dem mehr als zweitausend Jahre lang ausgezeichnete Männer ent- sprangen: vier regierende Fürsten, zahlreiche Procuratoren der Venczianerrepublik, Prälaten, Generale und Senato- ren, die sich alle mehr oder minder durch patriotische Ge- sinnungen , Tapferkeit und thatenreiches Leben hervortha- ten. Die Familie Dandolo besaß längere Zeit Gallipolis, Andros und andere Theile von Griechenland, und beklei- dete sogar die königliche Würde, da eine Nichte des Do- gen Heinrich Dandolo zur Königin von Rascia (?) go- krönt wurde und andere Glieder der Familie durch Hei' rathen königliche Würden thciltcn. Zenone Danlo, später Dandolo (9 lllml^urk), war der erste, der sich im Jahr 421 bei der Gründung der Lagunenstadt hier niederließ, und daher mit Recht zu den zwölf Patrizierfamilien ge- rechnet wird, denen man die Erbauung Venedigs zuschreibt. Nicht bald wird ein Greis die Last der Jahre so rüstig tragen, als eben der entschlafene Admiral sie getragen. Sein Geist war kräftig und frisch bis zu den letzten Stun- den, sein Gedächtniß bewunderungswürdig getreu, so daß seine lebhaften Erzählungen aus der Vergangenheit sich ausnahmen, als lese man die anziehendsten Blätter einer Chronik vor. Königreich beider Siciliell. Neapel, 19. November. Der Vesuv hat wieder einen Ausbruch bekommen. Vom !3. bis heute flössen in südwestlicher Richtung ungefähr 10 größere und kleinere Lava-Ströme in der Richtung von Ottajano, Bosco reale und Torre Greco herab, von denen man jedoch in Nea- pel nicht viel wahrnimmt. Die starken Abfälle des Ber- ges an dieser Seite beschleunigten den Lauf der Lava so sehr, daß in der Richtung von Bosco reale die bebaum.- 918 ten Flachen nur noch eine Viertelstunde vom Feuer ent- fernt sind. Oberhalb dieses Ortes hat sich ein neuer klei- ner Krater von 13 Palmen Höhe gebildet, aus welchem Steine, Asche und Feuergarbcn mit großem Geräusch und Gestank emporgeschleudert werden. ^'^H^^S eh w e i z<'-^ ^ , ^- Chur, den 28. November. Nachdem nunmehr Lu- zern ebenfalls sich ergeben hat, erhielten die Tessiner und Graubündner Bataillone Befehl zum Borrücken und wer- den am 26. bis Faido, am 27. nach Airolo gelangt seyn, heute aber die Urner und Walliser auf der Höhe des Gott- Yards angegriffen haben (wenn nicht diese, was wahr- scheinlicher, sich indeß zurückgezogen). Es heißt, Wallis wolle sich aufs Aeußerste vertheidigen, und seine Lage macht, besonders im Winter, einen Angriff schwierig. Laut emem Schreiben aus Tessin in der „N. Z. Z." entstand zu Airolo Streit zwischen den Urnern und Wallisern, in- dem Erstere die letzteren mit über den Gotthard führen wollten; die Walliscr aber begaben sich durch das Be- drettothal und den Nufenenpaß in ihren Canton zurück. Lausanne, 26. November. Oberst Rilliet wird zu seiner Operation gegen den Canton Wallis über folgende Streitkräfte zu verfügen haben: 4 Bataillone Auszug, 6 Bataillone Landwehr, 4 Batterien Artillerie und 4 Scharf- schützen-Compagnien. Ferner stehen ihm die Freiwilligen zu Gebote. Laut einem Briefe aus Vevey vom 25. Nov. sollte der Angriff gegen Wallis nächster Tage Statt fin- den; man erwartete keinen starken Widerstand. Bei den Verwickelungen, in welche der Stand Neuenburg durch die Weigerung, sein Bundes-Contin-, gent zur Verfügung der Tagsatzung zu stellen, gerieth, dürfte es dienlich seyn, von der Urkunde, durch welche die Vereinigung Neuenburgs mit der Schweiz bewerkstelligt wurde, Kenntniß zu erhalten. In der Einleitung dieser Urkunde wird angegeben, daß »die Tagsatzung schon un- term 12. Herbstmonat 18l4 beschlossen hat, in das Be- gehren des souverainen Staats Neuenburg einzuwilligen und denselben als Canton in den Schweizerbund aufzuneh- men, und für nothwendig erachtet, diese endliche Vereini- gung nicht länger aufzuschieben, welche für beide Theile gleich vortheilhaft uno geeignet ist, die seit Jahrhunderten gegenseitig bestandenen freundschaftlichen Verhältnisse durch eine völlige Gemeinschaft der Schicksale und ^ntcresscn im- mer mehr zu befestigen.« Der Vereinigungs. Act selbst lautet wie folgt: »Art. 1. Der souveräne Staat Neuen- burg wird als Canton in die schweizerische Eidgenossen- schaft ausgenommen. Diese Aufnahme findet unter der aus- drücklichen Bedingung Statt, daß die Erfüllung aller Verpflichtungen, welche dem Staat Ncuenburg als Glied der Eidgenossenschaft obliegen, die Theilnahme dieses Stan- des an der Berathung der allgemeinen Angelegenheiten der Schweiz, die Ratification und Vollziehung der Beschlüsse der Tagsatzung ausschließlich die in Neucnburg residirende Regierung betreffen werden, ohne daß dafür eine weitere ' '^"V l^nchnnguug erforderlich sey. Art. 2. Dcr Canton Neuenburg tritt allen Bestimmungen des Bun- desvertrages bei, den er gleich den übrigen Ständen der Schweiz zu beschwören hat. Art. 3. Er liefert sein Con- tingent zur eidgenössischen Armee in dem für alle ande- ren Stände angenommenen Verhältnisse von zwei Mann auf hundert Seelen der ganzen Bevölkerung; nach wel- chem Maßstabe auf 50.000 Seelen das Contingent tau- send Mann betragen soll. Art. 4. Sein Geld-Contingent, nach dem gleichen Verhältnisse, wie jenes der Stände Ba- sel und Genf berechnet, ist auf 25.000 Schweizer Fran- ken festgesetzt. Durch diese Bestimmung und durch jene im vorhergehenden Artikel soll indeß der durch den dritten Artikel des Bundesvertrages vorbchaltenen Revision der Beiträge an Mannschaft und Geld nicht vorgegriffen seyn. Art. 5. Der Staat Neuenburg ist der ein und zwanzigste Canton der Schweiz. Er nimmt seinen Rang in der Tag- satzung unmittelbar nach der Republik Wallis. Art. 6. durch die Ratification des gegenwärtigen Actes soll die Vereinigung vollendet und definitiv auf ewige Zeiten ab- geschlossen seyn.« Die Acte ist in Zürich unterzeichnet den 6. April 1815 und von der Tagsatzung den 19. Mai des- selben Jahres ratisicirt. Dem „Täglichen Bulletin« zu Folge, soll den Tag- satzungstruppen von Langenthal aus eine Masse Volks der rohesten Art nachgefolgt seyn, welche schändliche Ex- cesse an Eigenthum und Personen an der Gränze des Can- tons Luzern begangen haben; unter Anderem seyen von diesem Gesindel in Huswyl drei Gebäude niedergebrannt, Ochsen und Pferde von den Wagen ausgespannt worden. Auch der Neservecolonne des Obersten Ochsenbein sey eine solche Horde nachgerückt, welche ebenfalls die fürchterlich- sten Excesse, Brand, Diebstahl, Zerstörungen und Raub begangen, sogar einige Stücke Vieh bis nach Schüpbach gebracht hätte. Dem «Täglichen Bulletin" zu Folge, hat der am 27. Nov. versammelt gewesene große Nath von Schwyz die Capitulation angenommen. — Die außerordentliche Regierungscommission wurde, entgegen eines Antrages, nicht aufgelöst, — Auch blieb der Antrag auf Aufhebung der Beschlagnahme alles im Canton befindlichen Vermö- gens der 122/2 Stände unbeachtet. Der Obergeneral Dufour hat angeordnet, daß die auf sein Begehren gcgcn den Sonderbund verhängte Sperre dcr Lebensmittcl lc., mit Bezug auf die bis jetzt zurück- getretenen sechs Stande, wieder aufzuheben sey. D r e u ß e n. Berlin, 2. December. Zur Publication des Ur- theils in dcr polnischen Verschwörungs-Angelegenheit war auf heute Morgen in dem Sitzungssaale des Staats-Ge- fängnisses ein Termin angesetzt. Sämmtliche noch hier an- wesende Angeklagte, ungefähr 190 an der Zahl, waren in dem Saale versammelt. Nachdem der Gerichtshof um 9 Uhr eingetreten, nahm der Präsident zunächst den Namens- aufruf vor und schritt dann zur Verkündigung des Ur- theils. 91k Die Urtheilssprüche waren in Kategorien gebracht. — zur l. Kategorie gehören die Urheber des Unternehmens zur Losreißung eines preußischen Landestheiles: Zum Tode durch das Beil, als Landesverrä- ther erster Classe, werden unter Verlust des Adels, Con- fiscation des Vermögens und Verlust der National-Co- carde verurtheilt: Ludwig v. Mieroslawski, Wlad. Eus. v. Kosinski, Stanislaus v. SadowM, Severyn v. Elza- nowski, Joseph Lobodzki, Florian v. Ceynowa, Joseph v. Puttkammer-Kleszczynski und Apollonius v. Kurowski. Als Urheber eines Unternehmens :c. sind außerdem unter Verlust des Adels, Consiscation des Vermögens und Verlust der National-Cocarde verurtheilt worden: zu fünfundzwanzigjährig er,Festungsstrafe: Adolph v.MalczewskiundHippolytv.Trapczynski; zu zwanzig- jährigem Festungsarrest: Dr. Carl Friedrich Liebelt. II. Als Theilnchmer an einem Unternehmen lc. sind verurtheilt worden zu lebenswieriger Festungsstra- fe: siebzehn Angeklagte, darunter die beiden Dgrodowicz, Chachulski, v. Poleski, Stan. v. Radkiewicz, H. v. Po- mnM, Ios. v, Szoldcrski (mit Degradation zum Gemei- nen)^ Franz v. ,KobyIirM, Alex. v. Neumann; zu lebenswierigcr Zuchthausstrafe: vier Angeklagte; zu zwanzigjähriger Festungs- (resp. Zucht- haus.) Strafe: sechzehn Angeklagte (von denen die Aus- länder später über die Gränze zu bringen), darunter: Alph. v. Bialkowski, v. Gozimirski, Ios. Klatt, Ios. v. Ma- linowski, v. Smolensk!, Ios. Eßmann, L. Burchardt; zu fünfzehnjäh rigerFestungs.- ^resp. Zucht.- haus-) Strafe: zehn Angeklagte; zu zehnjähriger Zuchthausstrafe: Ein An.- geklagter; III. Wegen Wissenschaft der Landesv errätherei und wegen unterlassener Anzeige: zu achtjä h rig e m F e- stun g sarresse: Ios. Tulodzieski, I. v. Lebinski, Matth. P. Moszczenski; Thadä'us v. Sokolnicki, Thad. v. Na.- donsri, Casimir Boriliszewski, Hippolyt von Szczawins- kl, Constantm v. Sczaniecki, Stanislaus v. Bicsiekierski, Alsons v. Moszczenski, Fel. Zagorski, Alex, Szyszylo- wicz, C. v.Kowalkowski, Roman Stawisinski, V. Frost, Albin Kierski, Casimir Schultz, L. v. Ostaczewsti, Alex. Mierzwicki, Carl Koß, Ignaz Theodor Kerszka, Nicod. v. Kierski, v. Skrzycki, Kudlicki und Ios. Lcpinski (Zucht- hausstrase). Die Angeklagten Nr. I — 90 sind, in so fern sie nicht von der Anklage entbunden oder als unschuldig ent- lassen werden, außerdem verurtheilt, sämmtliche Kosten der Untersuchung zu tragen. IV. Wegen Theilnahme an einer verbotenen Ver- bindung ist verurtheilt: zu sechsjähriger Festungs- strafe (und zur Mittragung dcr Untersuchungskosten): Dr. Matecki. V. Wegen Landesverrathes ll. Classe ist verurthcilt: zu zweijähriger Festungsstrafe (und zu einem Beitrage von hundert Thalern für die Kosten): Broms- laus v. Dabrowski. VI. Wegen versuchter Befreiung von Gefangenen sind zwei Angeklagte zu zweijähriger, einer zu acht- zehn monatlicher und sünf Angeklagte zu einjähriger Festungs- resp. Zuchthausstrafe verurtheilt worden. VII. Wegen versuchten Aufruhrs sind, mit Anrech- nung der bisher erlittenen Freiheitsstrafe, verurtheilt wor- den: vierzehn Angeklagte. VIII. Von der Anklage wurden entbunden: Mich. Rcdmann, Leo v. Götzendorf-Grabowski, v. d. Bach-Le- winski, Ioh. Iankowski, Luc. v. Bajerskl, H. v. Kar- lowski, I. Bon. v. Garcynski, Anastas. v. Nodovski, Appol. v. Kurnatowski, Dr. Palicki, v. Taczanowski, Graf Mielzynski, v. Lacki, v. Brause-Brudzewski, Rich. Berwinski, Alex. v. Guttry, Thad. Leciejewski, Cypr. v. Iarochowski, Felix v. Bialoskorski, Ioh. v. Sokolnicki, Ludw. Kossobudzki, Graf Ign. Bninski, Zadora v. Lacz- kowski, Antomewicz, Fredro, v. Kaplinski, Enulian v. Moszczenski, Rom. v. Gozimirski, R. v. Bojanowski, Krygier, Peter Dahlmann, V. v. Mieroslawski, Rem- bowski, F. von Ponikiewski, v. Slomczewski, F. von Kalkstein, Ign. Lemanski, Caf. Hantak, Graf Const. Bninski, Mackiewicz, Dr. v. Niegolewskt, Hier. v. Ku- rowski, Wal. Stefanski und einige sechzig Angeklagte. IX. Das Nicht schuldig ist ausgesprochen worden über achtzehn Angeklagte, darunter Franz v. Moszczenski, Sev. v. Ostrowski, Kowalski, Fulg. von Grabowski, Graf Ed. Grabowski. X. Die Erkenntnisse sind ausgesetzt worden ge- gen die drei nicht verhörten Angeklagten : Knolinski, Szu- mowski und v. Trojanowski. Nach der Verlesung der Erkenntnisse gab der Herr Präsident in Kurzem die Haupt-Principien an, welche die Richter bei der Abfassung des Urtheils geleitet hatten. Darnach hatten die Richter Ueberzeugung von der Schuld der Angeklagten gewonnen, sobald dieselben in der Vor- untersuchung geständig waren und dasselbe in der öffent- lichen Verhandlung aussagten, auch dann, wenn sie in der Voruntersuchung geständig waren, in der öffentlichen Verhandlung aber ohne Motivirung geläugnet hatten, eben so: wenn bewährte Zeugen gcgen die Angeklagten ausgesagt. Der Gerichtshof hatte keine Ueberzeugung von der Schuld der Angeklagten gewonnen, sobald dieselben in der Voruntersuchung und bei der öffentlichen VerHand, lung die ihnen schuldgegcbcnen Puncte bestritten, oder wenn frühere Bezichtigungen von Mitangeklagten allein vorlagen. Die Erkenntnisse wurden, nachdem der Herr Prä- ' sident geendet, polnisch verlesen, und darauf folgte die Verlesung der Gründe der Erkenntnisse durch den Gerichts- schreiber. Um l2 Uhr war die Sitzung geschlossen. 32tt Frankreich. Paris, 21. November. Die Justiz-Chronik ist im Au- genblick besonders ergiebig an Scandalen. Der Giftmische- rin von l 6 Jahren, Hortense Lahousse, ist bereits Erwähnung geschehen. Sie wurde zu 20 Jahren ins Zuchthaus verur-" theilt. Diese jugendliche Verbrechen« blieb sich in ihrer Ver- stocktheit von Anfang bis zu Ende gleich. Nach Anhörung des Erkenntnisses in das Gefängniß von Douai zurück- geführt, verlangte sie zu speisen und aß mit großem Ap- petit. Als ihre Schwester und zwei andere Personen ka- men, um sie zu besuchen, sagte sie: »Also 20 Jahre! Ich war darauf gefaßt. Ich werde mit, 36 wieder frei. Ich werde also nach der Abtei von Loos gehen. Man sagt, daß man es daselbst nicht sehr gut habe; nun 20 Jahre, da ist für mein Alter noch viel übrig." »Ihr hattet," be- merkte eine anwesende Person, »den Glücksfall eures Alters für Euch, sonst würdet Ihr schwerlich nach der Abtei von Loos gehen." „Freilich, ich glaube es wohl," erwiederte sie, »sie waren Alle gegen mich. Aber das ist gleich Mein Ad- vocat hat mich hübsch vertheidigt ic." Dieser klägliche Fall berührt jedoch nur die untern Schichten der Gesellschaft, wo Mangel an Erziehung und andere Verwahrlosung oft eme fruchtbare Quelle von Verbrechen ist. Ein Aufsehen anderer Art erregt daher seit 9. Nov. eine Untersuchung in Bordeaux, wo drei Brüder Lamarque, von denen ei- ner Friedensrichter daselbst, der andere Maire und Arzt in Montpont, der dritte Supplent des Friedensrichters dieser letztern Stadt ist, nebst einem Notar, Namens Si- mon, festgenommen worden sind. Diese drei Brüder sind im Besitz eines ungetheilten Vermögens von .mehreren Millionen, und jetzt wegen Wuchers, den sie bis zur ge- werbsmäßigen Ausbeutung des Landes trieben, Betrugs, Fälschung :c. zur Verantwortung gezogen. Im Gefäng- niß war der Maire eine Stunde nach eingenommener Mahlzeit plötzlich ohnmächtig niedergesunken. Es zeigte sich, daß er sich mit Morphin vergiftet hatte. Ein. Gegengift wurde bereitet, aber kein Zureden vermochte ihn zu bewe- gen, es einzunehmen, und nur dadurch, daß man es heim- lich unter Orangenwasser mischte, konnte man ihm etwas davon beibringen. Die herbeigerufenen beiden Aerzte wur- den in Eidespfiicht genommen, ihr Möglichstes zu thun, das Leben des Angeschuldigten zu erhalten. Diese Lamar- que sind Neffen von weiland Franz Lamarque, Rath am Cassationshof, und einem der vier Convent. Mitglieder (Camus, Quinerce und Bournonville), welche, um den General Dumouriez zu verhaften, zum Nordhcer abge- schickt wurden und in die Gefangenschaft der Desterreichcr geriethen, bis sie durch Auswechslung gegen die Herzogin v. Angoulöme ihre Freiheit wieder erhielten. Gleichzeitig ist auch eine Falschmünzerbande in Bordeaux entdeckt wor- den, die seit einiger Zeit den Handel mit täuschend nach- gemachten 5 Francsstückcn überschwemmt hatte. Endlich wird ein nicht unmerkwürdiger Rechtsconflict mit der ame- rikanischen Justiz gemeldet. Ein betriegcrischer Notar m Saargmünd, Metzger, hatte sich nach den Vereinigten Staa- ten geflüchtet, und sollte auf diplomatische Reclamation ausgeliefert werden. Nach langen Debatten und widerspre- chenden Entscheidungen hätte der Präsident der Vereinig- ten Staaten zuletzt unterm 3. März den Auslieferungs- befchl unterzeichnet, als der Staat New-York Einrede er- hob, ein Habeas-Corpus-Decret auswirkte und die Sache vor den Richter brachte, der sein Erkenntniß dahin gab: daß der Präsident nicht das Recht habe, ohne legislative und richterliche Sanction eine Auslieferung anzuordnm, so fern sich nicht der Angeschuldigte im Zustande des In- anklageverschtscyns im Sinne des Vertrags befinde. In Folge dieses Spruches wurde Metzger, ungeachtet eines Aufschubansuchens von Seite des General-Advocaten, so- gleich in Freiheit gesetzt. Spanien. Madrid, l9. November. Mit Anbruch des Tages verkündeten Artilleriesalven das Namensfest der Königin Isabella. Um die Feier desselben durch einen Act königli- cher Milde zu verherrlichen, hat Ihre Majestät ein in llullo proclamiren lassen, welches alle jene Individuen begreift, die wegen politischer, Militär.- und Civilvcrgehen — die eigentlichen Verbrechen sind ausgeschlossen — zu einer Ge- fängnißstrase unter 2 Jahren entweder schon verurtheilt, oder in Untersuchung befindlich einer solchen Strafe gewärtig sind. Flüchtlinge werden ebenfalls begnadigt, wenn fce binnen sechs Monaten nach Spanien zurückkehren, und für die aus den Philippinen ist eine Frist von einem Jahre gewährt. Preßvergehen sind ausgeschlossen, doch behält sich die Königin vor, alle in diese Kathegorie gehörenden In- dividuen zu begnadigen, unter der Bedingung, daß die- selben darum einkommen. Gestern hat die Königin aber. mals eine Iagdparthie im Pardo veranstaltet, wobei Ihrö' Majestät nur von ihrem Gemahl, dem General Narvaez, dem Minister des Innern, Hrn. Sartonus, und einem klei- nen Gefolge begleitet war. Nach der Jagd wurde dle Mahlzeit im Pardo eingenommen. II. MM. kehrten ge- gen 8 Uhr Abends nach der Residenz zurück, vor welcher die Musik der Garnison eine große Serenade ausführte. Heute um 2 Uhr Nachmittag begann die Ceremonie des Hand- kusses im Thronsaale. Des Abends ift Uhr ist Ball in den Gemächern der Königin, bei welchem die zwei jüng- sten Schwestern des Königs, wovon die eine 12, und die andere 11 Jahre zählt, zum ersten Male öffentlich erschei- nen werden. Auch die Königin Christine wird eine dritte Tochter bei diesem Hofball produciren. Die Gemahlin des Generals Narvaez ist vor zwei Tagen aus Paris eingetrof- fen. Narvaez gedenkt in Kürze zu Ehren der Königin in seinem Pallaste de la Calle Maria Christina eines der glänzendsten Feste zu veranstalten, die je in Madrid ge- sehen wurden. Die größte Staatskunst in Spanien besteht darin, die junge, lebensfrohe Monarchin zu unterhalten. Verleger: Ig»az Alois Gbler v. Olein««Vr. Anljanq;nv Iai!iac!terSeitnna. Osurs vom 7. Vccember l8«7. Vlitltlprei«. «taat Genua aufge. > zu » ,. ! 55 nommenen Anlehen ^ .,» » 5j4 ,. / — Aerar. D^mesl. Obligation«« der Stande (E.M) «i.M.) v. Oesterreich uxter und ^ zu H p^'i — ^ ob der Gnns. von Böh> l ju » >j» .. i — — »en. Mähr«,,. Vchl«, )ju,,j< .. ^ — — sten. Steyermarl. Körn» ^ zu « ,, < bä l^« — ten, Krain. Görz unt» lzu»Hj4 ,, l — — s'ec W. Vbert. AmleS ^ 1 Aetien der österr- Oonau > Dampfschifffahrt zu5aofl. C M......6oo ft. >n CM. Pfandbriefe 5er galizisch» ständischen Cre- dit . Anstalt zu 4 pVt. für 100 fl. CM. 99 'M fl-'» C- M. der hier Angekommenen und Abgereist en. Den 6. December. Hl'. Joseph Backes, k. k. Unlerlieureiianr, nach Pesth. — Hr. Joseph Hurtz, k. k. priv. Vergoldungs- Fabriksüchllber, von Tiiest nach Wien. Den 7. Hr. Peter Capitam Duoda, Handelsmann; Hr. Alphons o. Klll'koustlöm, k. k. Gubernial-Concipist; — Hr. Franz l^lamm.,, Handlungsagent, — u. Hr. ElmS Florio, Capita»,; alle , von Wlen nach Trieft.— Frau Hlijabelh Tacai'lnoff, kaif. russ, SraatSrachs.Ge- mahlln, von Triest nach Wien. —Frau Barbara No- vakooich, Handelsmllnns.-Wttwe, von Trl^st nach Agram. Den 6. Hr. Jacob 'Bei-ger, Handluügsagent, von Wien nach Tricst. — Hr. Joseph Garmp, k. k. Pollze».- Commlssär, nach Ma,land. — Hr. Anton Ritter v. Goldegg, Gülerbesißer, von Gratz nach Tricst. __ Hr. Damd Molliie, Fabllksbesitzer, — u. H>-. Edmund Ritter v. Hndrlvll. Handelsmann; be«de nach Triest — Hr. Gustav Rltter v. Goechter, päpstl. Capican, von Rov«go nach Wlen. — Hr. Franz Baron, ka,s. türk- Professor, — u. Hr. Bastln Barwld, russ. Handels- mann; beide von Triest nach Wlcn. Den 9. Hr. Franz Arrasch, Handelsmann, nach Triest. __ Hr. Johann Peretti, Handlungsagent, ven Gral) nach Tl'icst-----Hr. Ioh. Angelo Grasselli, Oroß. handler, von Wien nach Mailand. — Hi-. ?!lbert Fleisch' mann, Nosogllo-Fabnkant, nach Triest. — H,-. Georg Borchard, Predlglamrs-Candldat, von Wien nach Rom. Hr. Jacob Prevosti, Besitzer, von Wien nach Triest. Verzeichniß ver hier Verstorbenen. Dei, 2 December 1847. Dem Hrn. Thomas Struckel, Tischlermeister, sein Sohn AloiS,- alt ,^ Jahre, »n der Tyrnauoor- stadt Nr. 45, am TyphuS. Den F. Margaiccha Bieyer, InstltlttSarme, alt ?3 Jahre, ln der Tyriiauoerstadr Nr. 2i, an der 9ungenlähmung. __ Der Flau Amalia Koller, pens. k. k. Cam. Adjunctens-Wtcwe, ihre Tochter Amalla, alt l0>/, Jahre, m der Stadt Nr. z?ft, an der Ge- hirnhautentzündung. Den 4. Dem Herrn Joseph Stare, Handels- mann und Hausinhaber, seme Krau Mutter, Mana Schoklitsch, alt 90 Jahre, in der Stadt Nr. «4, an der Rippenfellentzündung. — Dem wohlaebornen Herrn Anton Ritter v. Lettner, k. k. Hauptmann und Gar- nisonS.-Auditor, sein Kind weibl. Geschlechtes, nothge- tauft, in der St. Petersoorstadt Nr. 7, todtgeboren. Den 6. Georg Gelst, pens. k. k. Cam/Cassa- Diener, alt 73 Jahre, in der Stadt Nr. 25«, an Al» tersschwäche. Den 7. Frau Maria Klementschirsch, Realitäten» besitzers-Witwe, starb ,m 7U. Jahre «hres ?UterS, in der Gradifchaoorstadt Nr. 53, an der Brust, und Herz» belltelwafserfucht. — Katharina Suppan, Inwohnerin, alt 74 Jahre, in der St. Petersvorstadt Nr. 62, an der Biustwafsl! sucht. Den 8. Der Margaretha Rrischay, Kellnerswitw,, ihr Kind Fi-anc>Scn der Stadt Nr. «45, an den Lunstentubei keln — Dem Joseph Iuvan, Webermeister, seme Gattin Mariana, alt 4? Jahre, in der Stadt Nr. 93, an der Lungensucht. Z. 2..3. (.) B,i Gustav Heckenast in Pesth »st erschienen, und be, l»Ml8 M. V.i lilMUM und G. Htercher in Laibach zu haben: INl8. Deutscher Illmanach für 19^6. Hcrausfteqebln von ^«>l,»uu >»r»lV»» M»l»ätl>. Neu Folge. __ Zweiter Jahrgang. Mlt sechs Stahlstich»«. Pre« s: In start vergoldetem Seiden-Einband 8 fi. — kr. CM. Ausgabe »n gewöhnl. Selden.-Emband 6 ^ ^l) » ^ Inh alt: Tltelblati: Adalbert Sriflcr's Portrait, in Stahl gestochen von Carl Mahltnecht. — Der arme Splelmann. Crzählung von F. GllUparzer. — D« Wanderung auf den Markt. Gedicht von D. I. Siegl. Mit einem Stahlstich. — ProkopuS. Erzählung von Adalbert Stifter. Mir emem Stahlstich als Titeloig.- nette.__Cr kebt mlch. Gedicht oon Rltter vcn Le- vllschnlg. M»r einem Stahlstich. — Der Marquis von Jamaika. Historische Novelle l70« von Waller Tesche. — Tempelcrümm.r. Gedicht »on Betty Paol'. M>t el» nem Stahlstich. — Johann Zäpolpa's Köni stswahl und Krönung, Zeit,an'N 50. August — , l. November l526 . Voi, Johann GrasVn Malläch. — D,e tle«nen Vliluo- (Z. Laib. Zeit. Nr. 146 0. ,,. December »64?.) sen. Gedicht von Josephine Zerffi. Mit einem Stahl- stich. — Der erste Traum. Gedicht von I. N. Vogl. — Eli,e Coiitertscene. Gedichr von I. G. Seidl. ^_ Die Sage vom Herzen. Gedicht von Johann Langer. __Die Auswanderung nach Texas. Erzählung von Julie o. Grsß.- mann. —Welke Blätter, Gedicht von Theodor Klein. — Kinderspiel. Gedicht von Adolph Bube. Z. 195«. (5) U u n d M achn n O. Nachdem ich aus Mangel eines günstigen Verkaufs-Localcs mick für dermalen bewogen finde, die Detailgeschäfte aufzugeben, so verkaufe ich alle Specerei-, Material-, Farb- WareN, Gxtraweine u. s. w., mit Ausnahme von Zucker, Kaff eh, Oel, Reis und Gewürzen, nebst geistigen Getränken, unter den Verkaufspreisen, und werde mich in der Zukunft mit den, in der Ausnahme vorkommenden Waren, bloß in größern Geschäften, im eige- nen Hause, am Hauptplatze Nr 3IU, dem Bischofhofe gegenüber, befassen. — Da sämmtliche Waren der erforderlichen Qualität entsprechen, so bitte um einen geneigten Zuspruch. Auch wäre ein gut erhaltener, gedeckter Wagen (Pirutsch), einspännige Brustgeschirre, nebst einem guten Wirthschaftowagm zu verkaufen. Laibach am I<». November 1847. I^'5l