für Vaterland, Kunst ^ Wissenschaft und geselliges Leben. Nedigirtvon Vr Johann Hladnik. «H/? Mnftag den 11. September. FKHO. Marschall Radetzky in Venedig. Aus dcm »Fr.'ihafcn.« ^er Himmel hatte sich in sein schönstes, reinstes Blau gekleidet — die Sonne ihren blendendsten Glanz auf die Kuppeln und Thürine der Stadt ausgegossen — und spiegelte sich bedeucnngsvoll in den Symbolen deZ Glaubens, die auf ihren Spitzen thronen. ?luf dem Marcuö-thurme wehere eine große schwarzgclbe Fahne, und auf den drei Masten vor der Kirche große kaiserliche Flaggen. Aus allen Fenstern deS vice-königlichen Pallastcs und der Procu-raticn hingen Festtücher und Teppiche herab, und gaben den alten, grauen Mauern ein festliches, heiterees Aussehen. ?llle Pallaste und Häuser am Canal Grande schinückten sich ebenfalls mir Festgewandcn, denn Oesterreichs Held, Italiens wahrer Befreier, sollte seinen Einzug halten in die alre Residenz der Dogen, und wahrlich, keiner der gepriesenen Männer der alten, glorreichen Republik hat es ihm zuvorgethan an Heldengröße und Staacsklugheit im schönsten Bunde mit Großmuth und Milde. Mir fliegenden Fahnen u»d klingendem Spiele zogen sie auf den Marcusplatz die kriege-rischen Bataillone, die durch ihren Muth das Land von übermüthigen Feinden gesäubert und ihre Fahnen mir unvergänglichem Ruhme bedeckr haben. In Bataillonsmasscn "ihclen sie sich gegenüber dem königlichen Pallaste anf dem schönste,, Platze den dic Welt der Bewunderung des Men-sch''" bictc„ kann. Eine große Schaar Officiere jeden Ran-N", die Brust der Meistm mit Ehrenzeichen geschmückt, versammelte sich auf der Piazza, um den hochverehrten Füh-l" z" ciwarten. Ferner Kanonendonner verkündete bald seine Ankunft, und langsam und feierlich sah man endlich die großen kaiserlichen Hof-Gondeln aus der Mündung des großen Canals herab schwimmen. Da entzündeten sich die Geschütze der im Hafen aufgestellten Kriegsschiffe, die sich zugleich, wie mir eiuem Zauberschlage, mit allen ihren Flaggen schmückten. Feierlich mischte sich der erhabene Ton der großen Mar-cusglocke in diesen kriegerische,, Gruß. Eine Gondel nach der andern fuhr vor den Stufen der Piaz;etta auf, und heraus stiegen die edlen, ritterlichen Gestalten- der wackern Kämpfer der italienischen Armee: Generale, Stabs-, Genie? und Marine--Officiere, und viele andere von alle,, Waffengattungen, und schlössen sich an die schon Wartenden an. Endlich nahete die letzte Gondel, da stand der Mai schall selbst, an seiner Seite der Vice-Admiral Dahlrup, der General-Quartiermcister H eß, der Feldzeugmeister Ritter von Gorczkowsky nnd noch einige höhere Officiere und Adjutanten aus des Marjchalls nächster Umgebung, wie auch der Hauptmann und Marine-Referent v. Wüllerstorf, der die ganze Feierlichkeit leitete. — AIs der Marschall die Stufen der Piazzetta erstiegen hatte, trat ihm der Pfarrer der Marcnskirche in Begleitung dcs Podestil entgegen, und überreichte ihm auf einem prachtvollen Kissen die goldenen Schlüssel der Stadc, die man einst für den Kaiser Napoleon geschmiedet hatte, und die der Marschall mir entblößtem Haupte empfing. Kaum war diese feierliche Handlung vorüber, so brach das versammelte Dfficiercorps in ein echu-siastisches »Evviva" aus, und auf seinen Marschallstab gestützt, schritt der Marschall frisch und rüstig auf die Hauptwache zu, wo eine Compagnie Wocher in Parade aufgestellt >var, und an dieser vorüber auf den Platz, um die wackern Truppm, die sein Geist zur muthigen Ausdauer ermuntert hatte, die endlich alle Schwierigkeiten besiegte, welche Na-tur und Kunst unüberwindlich gemacht zu haben schienen. Sämmtliche Truppen präsentirten das Gewehr und die Mu-sikbandcn stimmten die Volkshymne an, deren Klänge mit dem Donner der Geschütze, dem Schall der Glocken und dem Iubelruf der Truppen in einen majestätischen Triumphgesang sich verschmolzen, würdig des Feldherrn und der Armee, die mir ihren Thaten den Abgrund ansgefiillc, der die Monarchie zu verschlingen drohete. Bei manchen Ehrenzei-zeichen blieb der Marschall stehen, und richtete an ihren Träger einige von diesen freundlichen Worten, die aus dem Munde des angebeceleu Führers kommend, den Soldaren zu den kühnsten Thaten entstammen. Das Volk hacte sich in nicht geringer Zahl versammelt, und wenn es auch stumm blieb, legte es doch hin und wieder mehr als bloße Neu-gierde an den Tag. An vielen Fenstern sah man geputzte Damen, die dem edlen Feldherrn ein freundliches Willkom- 290 - men zuweheten. Doch war die Eisdecke noch nicht geschmolzen und leicht begreifliche Ursachen hielten es von einer leb-hafteren Theilnahme an diesem rein militärischen Feste ab. Nachdem der Marschall die letzte Abtheilung besichtigt hatte, begab er sich mit seinem ganzen Gefolge in die Marcus-Kirche und wohnte den» feierlichen Hochamte bei, welches der Patriarch in Person verrichtete. Geschützsaloen bezeichneten die Hauptmomente desselben. Auf beiden Seiten des Hauptschiffes, welches die Officiere erfüllten, saßen fremde Consuln, Municipal - Rache und andere Beamte In den Seitenschiffen bewegte sich das Volk. Am 20, März 1848 hatte ich in derselben Kirche dein feierlichen Hochamte bei Gelegenheit der Constitntions-Verkündigung beigewohnt. — Hente am 30. August <8^9 war ich Zeuge des h.'rzerhebenden Siegesfestes. — Wenn mein Blick auf die bleichen, hagern, gefurchten Gesichter siel, die mit zitternden Lippen, an dle Säulen gelehnt, ihr Gebet murmelten, beschlich mich eine vorübergehende Wehmuth, und ich hätte wohl gewünscht, der ganze Zeitraum zwischen jenem und diesen: Tage wäre mit seiner Glanz- und Nachtseite nur ein Traum gewesen; wenn ich abcr auf die edlen, männlichen Gestalten der Officiere, auf die There-slen-, Leopold- und eiserne Kron-Orden, auf die goldenen und silbernen Medaillen sah, da verwandelte sich diese Weh-muth in Stolz und Freude über den Ruhm unserer Waffen, die Oesterreichs Ehre und Integrität auf so glänzende Weise wieder hergestellt haben. Noch ein anderes Gefühl trug zu dieser Stimmung bei. Auf diesem selben Platze hatte ich vor siebzehn Monaten der Proclamirung der Republik beigewohnt, hatte den Frevel mit angesehen, den man mit unsern Wappen und Farben trieb, hatte die Schmähungen angehört, die mein Mund zu wiederholen sich sträubt. Und wie schonungsvoll, wie rücksichtsvoll war das Benehmen unseres Militärs! Nicht einem Blicke des Triumphes oder schadenfroher Freude begegnete mein Auge. Ein so edles Benehmen war dieser Männer würdig. Eiues Umstandes muß ich hier noch erwähnen Als der Marschall nach beendigtem Gottesdienste durch die Reihen der Officicre dem Ausgange zuschritt, stürzte ein Priester hervor und küsite ihm, ehe er es hindern konnte, mit allen Zeichen des Enthusiasmus und der Freude die Hand. Vor dem vicckö'niglichen Gebäude stellte sich nun die ganze Generalität auf, und die Truppen defilirten, Kolben hoch, im mnutern Manöorirschritt in schönster Ordnung und Haltung vorüber. Zuerst t^men die Sappeurs und die Artillerie, welche beide Corps sich bei der Belagerung so große Verdienste gesammelt haben, dann das Regiment Wocher (Böhmen), das Regiment Haugwitz (Italiener), das Regiment Piret (Steirer), das Regiment Großfürst Michael (Ungarn), dann drei Bataillone Croaten — und so sahen wir denn wieder bei dieser hohen Feier alle Nationalitäten der Armee vereinigt, die in brüderlicher Eintracht an dem glorreichen Werke der Wiedererobernng einer Provinz Theil genommen hatten, die ihren Versuch, sich vom Gcsammtverbande losizureißen, an ihrer Trene und Tapferkeit scheitern sah. AIs die Revue vorüber war, begab sich der Mal schall in den vicekönlglichen Pallast, den er bald darauf verließ, um sich zu Fuß und mitten durch das Volk, das sich an ihn herandrängte, bis zur Piazzetta zu begeben, wo er eine Gondel bestieg und zum Patriarchen fuhr, um ihm einen Besuch abzustatten. Am Abend war der Marcusplaß mit den Gas-Candelabern glänzend beleuchtet; drei Musikbanden spielten abwechselnd nnd ununterbrochen. Zahlreicher als am Moigen fand sich das Publikum ein, ungekränkt und ungestört wandelten die glänzenden, weißen Waffenröcke unter den, Volke umher. Auch der Marschall erschien, und wurde mir »kvvix»'«" uud allen Zeichen der Ehrerbietung empfangen. Die Stimmung war eme so günstige, so ruhige, daß mit einem Male gedruckte Placate erschienen, in welchen der Militär- und Civil-Gou-verueur den B,fehl, daß die Gast- und Kaffehhäuser um 10 Uhr geschlossen werden sollten, zurücknahm, und das Offenbleiben bis I Uhr gestattete. Es war in, Ganten eine so heitere, rnhige Bewegung auf dem Platze, daß ich ganz erstaunt darüber war, und mich unwillkürlich befragte: ^st es wirklich wahr, daß vor 6 Tagen noch die Kugelu Leben und Eigenthum dieser Bevölkerung bedrohten, Hunger, Elend und Krankheiten täglich zahllose Opfer forderten? Diese Stimmung, diese Haltung erfreuten mich doppelt, weil sie mir eine Bürgschaft war, daß die Stadt dadurch manches neue Leid erspart. Der 3l. bereitete uns ein neues, eben so großartiges Schauspiel vor, wie der vorhergehende Tag. Der Marschall wollte die Flotte mit einem Besuche erfreuen. Um 7 Uhr Morgens begab er sich in Begleitn»«, des Vice - Admirals mir einein zahlreichen nnd glänzenden Gefolge an den Boid des kais. Kriegsdamprers »Curcatone," dessen Name ihn wieder an eine der schönsten Waffenthaten seiner Armee erinnerte, nnd der sich seines Namens bereits einige Male würdig gezeigt hat. Hier empfing ihn der Commandant desselben, der tapfere und energische Major Fautz, dessen Brust der so wohl verdiente Leopoldsorden schmückt, und treuherzig, wie ein Waffenbruder dem andern, schüttelte der Maischall die Hand des wackeren Seemannes. I„ diesem Augenblicke donnerten die Geschütze aller im Hafen statio-m'rten kais. Kriegsschiffe, nnd alle Flaggen flatterten empor. Auf deu Verdecken war überall die Mannschaft mit ihren Ofsicieren aufgestellt, und empfing den Marschall, als er mit entblößte», Haupte und freundlich grüßend v^rüberfuhr, mit begeisterten Evoioa's. In einer Stunde erreichte der Dampfer den Hafen von Malamoc«, wo ebenfalls einige Schiffe ankerten und salu-tirten, und endlich die gegenüber von Malamocco in imposanter Schlachtordnung aufgestellte Flotte, die schon von Ferne den hohen Gast mit den Salven ihrer Geschütze begrüßte. Auf ein gegebenes Signal kletterten auf jedem Schiffe drei Mal l8 Macrosen in ihrem weißen Bordanzuge auf die Raaen der Mastbäume und bildeten eine symmetrische Pyramide, die sich im bunten Rahmen der Flaggen sehr malerisch ausuahm. Mit der einen Hand schwenkten sie a l«»,-pc> ihre Hüte und brachten dem Kaiser, dem Marschall und - 291 dem Viceadmiral enthusiastische „Evvioa's. Dasselbe geschah auf allen Schiffen, an denen der „Eurratone" vorüberfuhr. Die übrige Mannschaft und die Officiere paradirten auf den Verdecke», von der Fregatte „Bellona" schallte die Volks-Hymne herüber. — Es war ein schönes, erhebendes Schauspiel , welches den Marschall freudig überraschte. Dieser Besuch wird der Flotte unvergeßlich bleiben ; er war vom Ober-commandanteu bis zum letzten Matrosen, der so oft von seinen Thaten gehört, so oft seine Siege gefeiert hatte, schon längst sehnlich gewünscht worden. Nun war die Erfüllung dieses Wunsches eingetroffen, die Flotte halte sie verdient. Auch sie hat ihren gute» Geist, Muth und Ausdauer in verschiedenen Kämpfen und vorzüglich in der langen, beschwer-devollen Blokade bewährt; ihr ist es größten theils zu verdanken, daf; Venedig scho„ j^tzt gefallen, denn mehr noch als die Kugeln brach der, durch die strenge, höchst beschwerliche, mit vielen Mühseliqkeiten aufrecht erhaltene Blokade erzeugte Hunger den Widerstand der Gewalthaber der Scadt. Nachdem der »Curtatone» das letzte Schiff umfahren hatte, kehrte er zur Fregatte »Bellona" zurück, und der Marschall Mit seiner ganzen Begleitung begab sich an den Bord derselben, um ein l)«i.u„i,v einzunehmen, welches daselbst für ihn und seine Begleiter vorbereitet war. Auch die Commandanten aller Kriegsschiffe waren dort versammelt. Die Toaste auf das Wohl des Kaisers und des Marschalls wurdeu von stürmischen „Evviva's" und den entsprechenden Salven begleitet. Mit großem Jubel wurden auch die herzlichen Worte des gefeierten Gastes aufgenommen, in denen er seine warme Theilnahme für und seinen festen Glauben an die schöne Zukunft der österreichischen Marine'ausdrückte, deren Wichtigkeit für den Sraat die letzte Zeit so schlagend dargethan hat. Dieser Besuch hat den brüderlichen Bund, die harmonische Eintracht zwischen der Armee und der Flotte besiegelt. Beide haben auf verschiedenen Elementen dieselbe hohe Aufgabe zu lösen: den Thron und das gemeinsame Vaterland gegen äußere und innere Feinde zu schützen, Oesterreichs Militärischen Ruhm durch neue Thaten zu verherrlichen. Sie werden sie ihren alten Ueberlieferungen getreu erfüllen. Nach beendigtem Mahle begaben sich die Gaste wieder an Bord bes „Curtatone" und fuhren, von neuen „Eoviva's und Ge-schNtzsaloen verfolgt, nach Venedig zurück, wo sie auf die-^be hel)^ Weise empfangen wurden. Auch d.r englische Dampfs „^.^m» und die englische Bri^g „Frolic" hatten d'e österreichische Flagge aufgezogen; Officiere, Matrosen und Besatz^ paradirten auf dem Vei decke und brachten dem Marsch^ „„ dreimaliges „Hurrah", welches die Equipage des »Curtatone" mit eben so viel „Evviva's erwiederte. Der Marschall dankte äußerst freundlich und höflich. Im Hafen angelangt, erließ er den „Lurtatoue," nachdem er dem Vice-Admiral und den Marine - Oisicieren seinen herzlichsten Dank für das schöne Fest ausgedrückt und vom Major Fautz freundlich Abschied genommen, und begab sich m den vice-königlichen Pallast zurück. Eine halbe Stunde darauf schiffte sich der Marschall, vom 'Admiral und seineu Adjutanten, dem Grafen Ha- dick und Herrn von Willerstorf begleitet, an Bord des Dampfers „Messagiere" ein, der ihn nach Mestre brachte, von wo aus er auf der Eisenbahn nach Verona und weiter nach Mailand reis'te. Möge der Besuch des greisen Feldherrn auf die Bewohner Venedigs einen eben so tiefen Eindiuck gemacht und sie belehrt haben, das; jeder Aufstand gegen einen Thron, welchem solche Männer mit Anhänglichkeit und Liebe dienen, an ihrer Größe und felsenfesten Tieue zerschellen muß. Wissenschaftliches. Zwölfte Zusammenkunft der Wilsenschaftssrennde. Am 24. August 1849. Herr Prof. Pecruzzi har einen Theil seiner AbHand-luug über die Entstehung des Hagels vorgetragen Er hat den Hagel dein Inhalte, der Form und der Größe uach in Betrachtung gezogen. In ersterer Beziehung hat er die bisherigen Beobachtungen der Physiker und Meteorologen angeführt, nach welchen man bisweilen im Kerne der Hagelkörner: Sand, vulkanische Asche, Schwefelkies und Eisenoxydhydrat, und nach Scheuchzer auch kleine Stückchen Spreu und andere leichte Körper gefunden har. Nach der chemischen Analyse soll das Hagelwasser salpecersaures Silber enthalten. Es wird den Chemikern überlassen, solches zu bestätigen oder zu widerlegen. Die Gestalt der Hageltösner anlangend, so ist diese im Allgemeinen paraboloidisch oder birnförmig, und zwar daraus erklärlich, daß der zuerst gebildete flüssige Wassertropfel, sich während des Falles unten ausdehnen und oben zuspitzen muß. Bei den Hagelkörnern mir zwei und sogar drei Kernen und merklichen Erhöhungen an ihrer Oberstäche muß mau nothwendiger Weise annehmen, daß sie bei der Vereinigung zweier oder dreier noch flüssiger Wasseitropfen im Augenblicke ihres wechselseitigen Durchdringens zu Eis erstarrten und uns demnach die Erscheinung von atmosphärischen Zwillingen und Drillingen, so wie die Krystallisation im Schooße der Eide darbieten. Die pyramidenförmigen Hagelkörner mit durchsichtiger Basis (nach Lind say im „Edinb. phil. Iourn.") sind als Kugelsektoren durch Sprengung größerer Körner entstanden , zu betrachten. Dann wurde auch die seltenere ge-zähnelte, gabelförmige oder zackige Form besprochen, wobei Herr Museal.Eustos Freyer einen merkwürdigen Hagelfall zu Idria im Jahre 1825 oder l826 Nachts anführte, wo die Körner aus einem l — l'/, Loth schweren, mit tetrae-drischen Krystallen besetzten Kern bestanden. Zuletzt wurden auch Fälle von außerordentlich großen Hagelkörnern und unförmlichen, aus der Luft herabgefallenen Eismassen mit der Bemerkung erwähnt, daß die Größe eine wenig oder gar nichts entscheidende Bestimmung für die Entstehung des Hagels ist. Dauu legte er ein chronologisch geordnetes Verzeichnis; der ihm bisher bekannten Fälle von großen Hagelkörnern — 292 — und rohen atmosvhä'li'chen Eisklumpen vor; worauf er, aus Mangel an Zeir, den Vortrag einstellte, um ihn in der nächsten Sitzung wieder aufzunehmen. Feuilleton. Angenehme Nachbarschaft. — Ein Engländer, der schon durch eine Reihe von Jahren jeden Sommer Wien , mir seiner Gegenwart beglücke nnd dabei immer in denselben Gasthofe einlogirt, macht sich, wenn er dort ist, das Privatvergnügen, den ganzen Tag das Gehör seiner Nach-barn auf die schauderhafte sie Weise durch Waldhvrnblasen zu maltraitiren. Vor einigen Tagen nun ist er wieder in Wien eingetroffen und hat die gewohnten Zimmer in seinem Lieb-lingsgasihofe bezogen. Die Zimmer nebenan hatte aber ichon früher ein Franzose, welcher von deni Englander und leiner blasenden Leidenschaft keine ?lhnung hatte, bezogen. Gleich den ersten Tag nach der Ankunft des edlen Lords glaubt»: der Franzose, er sey in ein Tullhaus gerathen, denn von Früh 5 Uhr bis Mitternacht blies der Engländer ununterbrochen die Scala! AIs endlich der Franzose das Blasen nicht länger aushalten konnte, ging er ;um Wirth nnd drohte, sogleich seinen Gasthof zn verlassen, wenn der Dilettant auf dem Waldhorne nicht seine Musikübungen aufgäbe. Der Hotelbesitzer ersuchte endlich den edlen Sohn ?llbious, obgleich mir schwerem Herzen, sein Blasen einzustellen, da er ihm sonst den Franzosen, welcher auch ein gnter Gast, da-vonblasen werde. „Wie viel bezahlt Ihnen der Franzose?" fragte der Engländer phlegmatisch. Der zerknirschte Wirth antwortete: »200 fi. C. M. für den Monat!" Woranf der Engländer seine Brieftasche öffnete, eine 20 Pfundnote herausnahm und sie dem Wirthe mir dem Bedeuren, das; er den Franzosen nun ausziehen lassen solle, einhändigte. Gegenwärtig bläst der gute Mann nun wieder den ganzen Tag, zum großen Verdrusse der Nachbarschaft, nach Herzen sin st. Vterkwiirdisses Znsammentreffen — Nirgends häufiger kommt zuweilen ein sonderbares Zusammentreffen von Persönlichkeiten vor, die in früheren Zeicen sich auf das schroffste entgegengestanden sind, als in Frankreich, wo seit sechzig, Jahren einander die verschiedenartigste,, politischen Katastrophen gefolgt sind. Beispiele -dieser Art wurden schon früher mehrere angeführt, denen jeyr ein neues hinzugefügt wird. Bei der Anwesenheit des Präsidenten der französischen Republik in Rouen überreichte ihm der erste Präsident des Aopellationsgerichtes dieser Stadt, Fra n ck-Ea r r«e eine sehr schmeichelhafte Adresse. Derselbe Gerichtsbeamte hatte im Jahre l840 als Generalanwalr vor dem Pairs-gerichtshofe auf Todesstrafe gegen die TheÜnehmer an dem Attentate von Boulogne und ihren Anführer, Lndwig Bonaparte, angetragen. Sharlatanerie. — Im Intelligenzblatte der »Deutschen allgemeinen Zeitung" lesen wir von emem gewissen B o s» sard, der sich als „Nacurphilosoph nnd praccischer Psycholog" unterzeichnet, eine ganz im Tone eines Cbarlacans gehaltene „wissenschaftliche Anzeige für das gebildete, besonders gelehrte Pnbliknm." Dieser grosie Philosoph verkündiget nun, ein nenes System der Physiognomik geordnet ;u haben, und während weniger Minuten durch nur stille Betrachtung und ohne alle vorhergehende Unterredung einem Jeden die nöthigen Aufklärungen über seine Naturanlage, Tugend, Ver- irrnng, Lebensdauer, Berufswahl, Wahl der Freunde u. s. w. geben zu wollen, nur müssen Kinder wenigsten-, schon das vierte Jahr erreicht haben. Und dieß Alleü gegen ein Honorar von nnr 10 Neugroschen! Kossuth's Instrnction zur Landesvertheidi gung, — ist nach einer neulich durch die „iXm'Ulloi ^oxvmv" mitgetheilte Notiz, nichts andere?, als die wortgetreue Uebersetzung eines gleichen spanischen Acrenstückes. Die „Bohemia" weis; den Führern der Magyaren ein ähnliches Plagiat nachzuweisen. Als der russische General Suwarow im Jahre 1?9t den siegreichen Erfolg der Schlacht bei Praga der Kaiserin Katharina II. nur den Worten meldete: „Hurra!), Praga, i^uwarow", antworlece diese eben so lakonisch: „Bravo Generalfeidinarschall!" Es ist bekannt, das; Görgey'ö erster Bericht an Kossuch über die Einnahme von Ofen gleichfalls ganz kurz lautete: „Hurrah: Buda, Gorgey," Gin Näuber, der den Vorsatz hat, sich von seiner Laufbahn zurückzuziehen. — Bei Chios wur-den vor Kurzem fünf änßerst gefährliche Piraten gefangen genommen und vom Gouverneur des türkischen Archipels nach Eonstancinopel gebracht Merkwürdig ist das Geständnis; eines dieser Seeräuber. Er hatte bereits l?0 Ranbmord-anfälle begangen, gestand aber, dasi, sobald die Zahl derselben 200 erreicht hätte, er die Piratenlanfbahn verlassen, eine Wallfahrt zum heiligen Grabe unternommen, dann aber sich ganz zurückgezogen härte, um friedlich die Früchte seiner Anstrengungen zu genießen. Gin Telegraph zwischen Oalais nnd Von-logne nach Dover. — Ein Engländer, Namens Brett, hat von der französischen Regierung die Erlaubniß erhalten, an der Küste einen elektrische,, Telegraphen zll errichten, der unter dein Meere zwischen Calais und Boulogne nach Dover gehr. Da eine Telegraphenlinie zwischen Dover und London bereits besteht, so wären dann die beiden Hauptstädte Englands und Frankreichs in unmittelbarer Verbindung mir einander. Brett wird die Kosten der Errichtung tragen uud Hai ein Privilegium auf 10 Jahre erhalten. England besitzt übrigens schon 500 deutsche Meilen elektrische Telegraphen. Die polnischen Flüchtlinge in Frankreich. — Ein großer Theil oer>elben gedenkt semen bisherigen Aufent-hallSorr zu verlassen, und in Nen-Merico eine Niederlassung unter oem Namen „Polnische Verbrüderung" zll gründen. Bereits haben 232 Familien sich diesem Plane angeschlossen. (Loh.) Concert-Anzeige. Am Donnerstag den 13. d. M. wir? Hcrr Alfred Khom. cin Schüler des Wiener Conservatorinms, sriiher Orchesterdirector im Theater zu Klageusurt und Chorregcnt der dortigen Liedertafel, ein Concert, veranstalten. Hcrr Khom, dem cin sehr Uortheilhaftcr Ruf voraus-qclit, wird nns gewiß Ausgezeichnetes darbieten, daher wir uns zum Vergnügen rechnen, unsere geehrten Lescr darauf aufmerksam zu machen. Insbesondere dürfte es fnr die Damen anziehend seyn, denn jcdcr wird cs freistehen, bei der Cajse cin Thema abzngebm, worüber dann der Herr (ioneertgebcr eine Komposition vortragen wird; jcncn zwei Damen, deren Themata sich des meisten Beifalles crfrcuen werden, wird je cine Comvosition gewidmet. Verleger: Ig « az Älois Kleinmayr.