Juni. Zwölfter Jahrgang. 1915. Folge 138. (Seite 3301 bl» 3328.) Blätter für den Abteilungsunterridit. tTlonatschrift zur Förderung des österr. Schulwesens. (Schriftleiter: Dr. Rudolf Peerz.) o o o o o o Inhalt: Seite 1. Lehrer Erwin Krall................................... 3301 2. Vom Siege der Daheimgebliebenen..................... 3302 3. Hannes.............................................. 3304 4. Splitter............................................. 3304 5. Die Schnelligkeit der Gedankenfolge .... 3305 6. Von der Schutzheiligen der Artillerie und der Festungen............................................... 3307 7. Lesefrucht ...........................................3310 8. Unser Nachwuchs und der Krieg....................3311 9. Morgengebet in den Karpathen..........................3311 10. Vierzig Tage russisch.................................3312 11. Neue Mitglieder.......................................3313 12. Feldpostbrief.........................................3314 13. Kriegsrechenaufgaben..................................3315 14. Kriegsschrifttum......................................3315 15. Briefkasten...........................................3316 16. Kleine Mitteilungen . . . ......................3318 17. 1. Ausweis, betreffend die zweite Kriegsspende der Blätter............................................3319 18. Spendenausweis....................................... 3320 19. Blätter für Prüfungskandidaten: a) Für Bürgerschulen.................................. 3321 b) Für Volksschulen................................... 3326 20. Abschlußliste, betreffend die Kriegsspende der Blätter................................................... 3328 Verlag der Blätter für den Abteilungeunterricht in Laibach. — Druck von J. Ravlicek in Gotische.. Jährlicher Bezugspreis 6 K (6 Mk, 7 Frk.). 4 i 4 «8 4 4 4 4 4 4 4 Für Lehrbefähigungsprüfungen empfohlen: Lehrbuch der Psychologie von k. k. Professor F. Schindler. (Verlag O. Gollmann, Troppau.) 207 Seiten, 42 Textfiguren, 1913; eleg. Leinenband K 4. Urteile. Blätter f. d. Abt.-U.: Eine ganz ausgezeichnete Erklärung für den psychophysischen Verlauf der Geistesphänomene. — Angenehme instruktive Art. — Wissenschaftliche Fundierung der Beispiele. Päd. Jahresbericht (Dr. E. Meumann): Unter den elementaren Lehrbüchern der Psychologie gebührt dem Lehrbuche von Sch. eine besondere Stelle. — Sucht zu gunsten der Wissenschaft freizuhalten von autoritativen Traditionen. Schles. Schulbl.: Gliederung und Sprache lassen an Vollkommenheit und edlem Schwünge nichts missen. — Wärme des Tones vereint mit Durchsichtigkeit der Darstellung. Kärntner Schulbl. 1913: Nicht bloß L.-B.-A. und Prüfungskandidaten, sondern allen Kollegen empfohlen. — Vorzügliches Mittel zur mühelosen) angenehmen Auffrischung. Schaffende Arbeit und Kunst 1914: Das Lehrbuch ist sehr zu begrüßen. Es berücksichtigt die Errungenschaften der modernen Psychologie. — Wird vortreffliche Dienste leisten. Oster r. Schul-Ztg. 1914: Der Stoff ist übersichtlich und in den schwierigsten Teilen leichtfaßlich dargestellt, der Weg von der Erfahrung zur Erkenntnis psychologischer Gesetze streng eingehalten. — Wärmstens empfohlen. Reichsverein österr. Lehrerbildner: In meisterhafter Weise die verschiedenen psychologischen Richtungen berücksichtigt. — Plastische Sprache, gekennzeichnet durch Schönheit, Klarheit und Leichtfaßlichkeit. P B ► B vbji Hoher Extra-Vorzugsrabatt für Lehrer! Trautwein, wien, vii. ■ Mariahilferstraße Nr. 58 B. Pianinos und Klaviere von hervorragender Klangfülle und Tonschönheit, gediegendster kreuzsaitiger Eisenpanzer - Konstruktion mit leichter, elastischer Spielart und verstellbarer Harfenton-Vorrichtung. 10 jährige, schriftliche, gesetzlich bindende Garantie! — 4 wöchentliche, frachtfreie Probelieferung nach jeder österreichischen Bahnstation I WW- Ratenzahlungen ohne Preiserhöhung gestattet! 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Vier Stunden später hatte der Tod das Künstlerauge des Lebensfrohen für immer geschlossen. Ein einfaches Kreuz auf dem Kirchhof zu Kiskarima bezeichnet die Stelle, wo er neben anderen Helden seinen ewigen Schlummer hält. Aus dem Leben des Gefallenen. Krall wurde am 16. Dezember 1891 als Sohn des Oberlehrers in Spielfeld geboren und besuchte in den Jahren 1906—1910 die k. k. Lehrerbildungsanstalt in Graz. Er wirkte hieraus drei Jahre an verschiedenen hiesigen Volks- und Bürgerschulen, legte 1912 am Konservatorium in Wien die Staatsprüfung aus Gesang und Klavierspiel mit Auszeichnung und bald darauf auch die Lehrbefähigungsprüfung für Volksschulen ab. Seit 1913 diente er als Einj.-Freiwilliger und zog im August 1914 zum erstenmale ins Feld. Bei Grobno wurde er durch einen Schrapnellschuß verwundet, ging jedoch, wieder genesen, Mitte Februar neuerdings aufs Schlachtfeld, um nicht mehr wiederzukehren. Würdigung. Erwin Krall war ein liebenswürdiger Lehrer, der es durch seine sonnige Heiterkeit verstand, die Herzen der Schüler zu gewinnen. Er war aber auch ein gottbegnadeter Künstler. Sein weicher, heller Tenor schmeichelte sich in Ohr und Herz und sein meisterhaftes Klavierspiel bezauberte die Zuhörer. Krall betätigte sich auch erfolgreich als Tondichter und seine Lieder verrieten ein hervorragendes Talent. Allzufrüh ist sein liederreicher Mund verstummt, seine Künstlerlaufbahn beendet. Sicher wäre er zu Großem berufen gewesen, denn er war „der Töne Meister". Joses Höri. 3302 Vom Siege der DnheimgedLiedenen. Kaifcr Wilhelm II., der Sieghafte, der große hohenzollern, unser treuer und machtvoller Bundesgenoß, hat in dem Zeitpunkte, da der Nibelungenhort des deutschen Volkes aufgetürmt und das letzte Goldstück mit dem Fluch „Gott strafe England!" in den Hanf der 9 Milliarden geworfen wurde, das bedeutungsvolle wort vom „Siege der Daheimgebliebenen" in den Schlachtenlärm gerufen und damit den Wut derer gestählt, die fernab vom Kanonendonner stilles Heldentum betätigen, indem sie des Vaterlandes kostbare Güter im Inneren schützen und Werke edelster Menschenliebe verrichten. (Es war notwendig, daß die Arbeit jener, denen es nicht vergönnt ist, Treue zum Kaiser und Treue zum Reich im harten Strauß durch die blutige Tat zu bestehen, die aber nicht minder zum Gelingen der hohen Sache beitragen wie die Streiter im Feld, von berufener Seite gedacht und damit ihr Kraftgefühl geweckt, ihr Stolz entzündet, aber auch die eiserne Pflicht, den Sieg der Daheimgebliebenen wahrhaft zu erringen, vor Augen gestellt wurde, wie eine Befreiung wirkt das stolze Wort- auf die, die feit Beginn des Weltkrieges hinter der Front ihr Bestes daransetzen, wie ein Alpdruck für jene, denen der Krieg bisher nichts von den lieben Gewohnheiten, nichts von der Ruhe und Behaglichkeit, nichts vom gemächlichen Trott des Tages, nichts aus dem Geldschrank genommen hat. Nun müssen sie herans die Feiglinge ans Sonnenlicht und zeigen, ob sie fjelöcn sein wollen oder Riemmen bleiben, wir zerren sie aus ihren Winkeln und peitschen sie durch die Gassen. Das ist unter den gegebenen Verhältnissen eine falsche Rücksicht, die da meint, Werke der Liebe müßten spontan verrichtet werden, sonst erfreuen sie nicht; in den Zeiten, da das Vaterland bedrängt ist, heischt es die Not, daß man solche Thesen zur Seite stelle, daß man die (Elenden, denen das eigene Ich über alles geht, an die Öffentlichkeit drücke und sie vor aller Augen zur Hilfeleistung zwinge. Gelegenheit ergibt sich täglich. Die Lehrerschaft, die vielfach im Dienste der Tagesblätter steht, soll Listen zusammenstellen, in denen die vermerkt erscheinen, die sich der Hilfeleistung im Dienste des blutenden Vaterlandes entziehen oder ihr Mittun gerade nur andeuten, wer etwas gab, genug gab, soll nicht erst auf Belohnung warten und seinen Namen in den Berichten suchen; er hat ja nichts getan als seine Pflicht gegen den Staat, der ihn nährt, der ihn schützt. So ist es Losung draußen in Deutschland, so soll es auch bei uns sein; dieLehrer schaftsei unerbittlich und ginge auch manche persönliche Freundschaft in Brüche! Sie kündige es der Bewohnerschaft an, daß sie heimlichen Verrat — ein solcher ist das Abseitsstchen vom Strome der öffentlichen Wohltätigkeit — ahnden und die (Elenden, die ihre Truhen verschließen, an den pranget stellen werde, wenn der Gedanke von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf eilt, so wird er zu einer gewaltigen Wirkung führen. Und daß er sich ans der Druckerschwärze hebe und ins Leben greife, dafür bürgen, soweit wir inbetracht kommen, all die Taten, die seit den Tagen, da der Kaiser zu den Waffen rief, aus unfern „Blättern" entsprossen sind. — wir haben uns bisher zumeist gegen die Kriegsnot im Inneren des Reiches gewendet und die Sorge um die verwaisten Kinder nach gefallenen Familienvätern walten lassen. Diesmal soll unser Blick eine Frage treffen, die nicht minder in den Kreis unserer Belange gehört: Was soll mit den Bedauernswerten geschehen, denen die feindliche Kugel den Arm zersplittert, das Bein durchliohrt oder ein Sinnesorgan verletzt hat? Darf ein aufstrebendes Jahrhundert, dem der Stempel edelster Humanität aufgedrückt ist, in deutschen Landen den Melden hinter der Drehorgel dulden und dem damit verbundenen Bettel Zusehen? Der draußen sein Blut fürs Vaterland verspritzte, soll nun von l)aus zu tjaus, von ©rt zu ©rt wandern und für sein Heldentum manch unfreundlichen Blick, manch 3303 bitteres Wort einheimsen?! So heilt ein Staat, der seine Tapfern ehrt, nicht die Wunden. Wir müssen vielmehr alles aufbieten, den zurückkehrenden Reservisten trotz des physischen Gebrechens in einen bürgerlichen Beruf zu bringen, auf daß er ob der Arbeit für seinen Lebensunterhalt des beides vergesse, das ihm der Krieg angetan. Selbst der Gnadensold des Kaisers, der den Wackern der Not des Tages entrückt, vermag nicht das zu bieten, was ihm der Arbeitsvermittler in die Hand gibt. Ein stilles Invalidendasein gleicht dem Siechtum; was die Betroffenen tröstet und im Glauben an ihr „tätiges" Menschentum stärkt, das ist der Beruf. Also ihn müssen wir für alle, die arm- und beinlos, mit getrübtem Aug' und dumpfem Gehör zurückkehren, bereithalten, damit wir ihnen allfogleich den Grsatz vorlegen. Wie werden sie sich freuen, wenn sie unsere Fürsorge aus dem drük-kenden Gedanken reißt: „Ich bin für nichts mehr; als Bettler oder Nichtstuer werde ich durchs Leben wandern müssen!" Ja, das ist auch wieder einmal ein hoher, ein herrlicher Sieg, wenn es uns gelingt, in allen Fällen auf die Stirne der Heim gekehrten einen neuen hoffnungsfreudigen Lebensfrühling zu zaubern! Und das können wir bewirken, müssen wir bewirken! Man blicke um sich: In allen Berufen gibt es Lücken. Man merke sie vor und überlege, ob für jede der freien Arbeitsstellen die geraden Glieder, die ungeschwächten Sinne u n bedingt nötig sind! Der gefühlsarme Fabriksinhaber wird vielleicht auf die erste Frage hin jedwede Zumutung, daß man ihm zu diesem oder jenem Hebel einen Invaliden setzen will, rundweg ablehnen. Das soll uns nicht entmutigen! Gin DTann, dessen Sinn dem Geschäfte zu-gewendct ist, kann nicht gleichzeitig das Herz und die weitgehende Überlegung sprechen lassen. Wenn wir jedoch Töne klingen lassen, wie: „Es ist doch gleichgültig, ob der Arbeiter, der dieses oder jenes Rädchen überwacht, gesunde Beine hat oder nicht, — er muß ja ohnedies den ganzen lieben Tag an der Stelle sitzen —" oder: „Wozu zwei Arme, wenn es der eine auch tut?!" oder: „Zu dem Geschäfte braucht es nicht erst ein gutes Gehör, bezw. ein scharfes Aug'". . . und: „Bedenken Sie, welch gutes Werk Sie verrichten, wenn Sie den Armen, der sich das Gebrechen im Kampfe fürs Vaterland geholt hat, zur Arbeit bringen!" oder: „Die Auswahl an Vollkommene» wird nach dem Kriege nicht groß fein" oder, wenn alles nicht wirkt, mit etwas stärkerem Anschlag, die Worte: „Es ist unsere Pflicht, für die zu sorgen, die für uns geblutet haben. Für das, was der Bedauernswerte nunmehr weniger leistet, mögen Sie ihm den Lohn kürzen; der gute Kaiser wird den Entfall schon decken; aber die Tür dürfen Sie dem Bittenden, der draußen in bitterster Kälte focht und ein Heroentum zeigte, wie es die Welt noch nicht gesehen hat, nicht weisen!" . . ., so wird es selbst dem nüchternsten Fabrikanten über den Rücken krabbeln und ein Ja entlocken! — Unser suchender Blick forsche indes nicht bloß in den Maschinenräumen nach Stellen für die zurückkehrenden Reservisten, sondern gleite nach allen Seiten hin: in die Bergwerke, in die Kaufmannsladen, in die Schreibstuben der Ämter, in die großen Wirtschaften, in die Gasthöfe und erlüge den ehrlichen Verdienst. Wer einmal sein Brot durch Arbeit erwarb, mag nicht von der Gnade leben. Das müssen wir uns vor Augen halten und es wird der Eifer für die gute Sache noch vieles ergründen, was hier nicht dargelegt erscheint. — Der tiefe patriotische Gedanke, dem die vorstehenden Zeilen dienen, hat in der „K. f. Gesellschaft vom Osterr. Silbernen Kreuze zur Fürsorge für heimkehrende Reservisten" Ausdruck gefunden. In den Satzungen heißt es: „Diese Fürsorge erstreckt sich insbesondere darauf, jenen Soldaten, welche nach tadelloser Ableistung ihres Präsenzdienstes aus der aktiven Dienstleistung entlassen wurden, durch unentgeltliche Vermittlung einer entsprechenden Stelle oder Arbeit die Rückkehr ins bürgerliche Leben zu erleichtern." — Hiemit ist das Gebiet, auf das ich die Tapfern, so sie im Wohltun mit uns im Schritt sind, geleiten wollte, scharf umgrenzt. Wer die Einzelheiten kennen lernen will, lasse sich die Satzungen kommen (Wien, Riemergasse 'H3).1 Die Lehrerschaft, die wie kein anderer Stand die Technik des Vereinswesens kennt und innerlich gehalten ist, vor den Augen der Rinder und des Volkes Werke echter Menschlichkeit aufzuzeigen, mag es sich nicht entgehen lassen, die Einrichtung alsbald in sichtbarer Form einzubürgern! Rein schöneres Siegesreis wird in den Tagen des Friedens den Daheimgebliebenen gereicht werden können als das, das aus der Sorge für die Verlassenen und für die, denen d er Rrie g eine folgenschwere IV u n 6 e schlug, gewachsen i st. — Laßt es schassen durch die Lande, faßt es zur Kat werden, was der große Kaiser preist, das Wort vom „Siege der Dastcimgeütieöencu"! Asses reihe stch ein in den gewaltigen Trupp und als Keldenführer schreite liühn und weitansölickend voran — der Lehrer! peerz. Z)cmites. (3it der Mundart der Schwaben in de» Karpathcnländer». Drüwe beim Michelpat hl oft a Trunipct, Diiroe beim Schwengel noch stehen die Mäd. Täten so gern stch doch drehe im (Tritt, Awer net tätlich: die Bersch mußte» mit. Nor Htm die desmol trotz all ihrer Lieb Herz im Gedanke so schwer ntt so trüb. !vaß doch fchuit alles im trauliche Nit: Kriech is ntt morje, fchuit morse geht's fort. Geschter beim Schwengel noch Hitit ich se gfteh, lveibauers Bannes litt 's Fritze Marie, lvas sc gered hnn? Ich bin jo ka Maus, Nor hntt das Hänsche fors Mäde a Strauß. Beut schnn, es war noch ganz duschter ntt früh, Merk ich, beim Schwengel steht wieder Marie. Naß is das Scherzche tut naß is der Stil, Unter a iüeilche, im Hannes kn nt int a. lvas se gered hnn? Ich bin jo ka Maus, Nor Hatt das Mäde fors Hänsche a Strauß. Mädche, du grein dir die Aue net routt I 's Hänsche, den muß unser Kaisir doch hnn. lvie ach so weit im so groß unser Dorf, lveibauers Hannes Hot kaner geworf. lvaren doch drunuer schnn Kerl wie a Baut, Bans Hot se gschmiß un druff schlat er se lahm. Den brauch der Kaiser. Gschwind geb chm a Buß, Daß er ach deutsch red amol mit dem Nuß l Lzernowitz. Heinrich Flippers Splitter. 4.) Wer überall schulmeistert, ist nirgends Lehrer. 5.) Kollegialität ist zumeist Gesinnungslumperei; sie handelt nicht, sie heult nur. 6.) Der gräßlichste Mord hat keinen Richter: der Gewissensmord. 1 (Es ist selbstverständlich, daß ich bei der gezeichneten Nrganisatio» tätig mitwirke; daher können Aufschlüsse auch von hier aus erteilt werden. p. s Für tapferes Verhalten vor dem Feinde wurde dem (Oberleutnant i. d. <£. und Kommandanten des Bukowiner L.-St.-Bataillons Nr. ^ Heinrich Kipper (Bürgerschullehrer, Gemeinderat der Landeshauptstadt Lzernowitz, Mitglied der Prüfungskommission für Volks und Bürgerschulen) vom Kaiser das Signum laudis verliehen. D. Sch. 3305 Die Schnelligkeit der Gedankenfolge. Von Rudolf Schulze, Leipzig. Es gibt Menschen, bei denen der Strom der Gedanken mit großer Geschwindigkeit dahinfließt, die beim Sprechen oder Schreiben kaum imstande sind, schnell genug auszudrücken, was in ihrem Inneren nach Gestaltung ringt. Bei ändern ist der Gedankenfluß langsam, träge, zuweilen durch unbekannte Kräfte gehemmt. Wir wissen ferner, daß unser Vorstellungsverlauf nicht immer mit gleicher Geschwindigkeit erfolgt. Es gibt Tage und Stunden, in denen mit großer Schnelligkeit und Kraft eine neue Vorstellung der ändern folgt, während wir zu ändern Zeiten eine bedeutende Verlangsamung unseres Vorstellungsverlaufes bemerken. Mancher versucht dann wohl durch kleine Mittel, durch ein Glas Wein, eine dampfende Zigarette, dem Übel abzuhelfen. Starke Affekte können die Gedankenfolge zu fliegender Hast beschleunigen oder bis zum völligen Stillstand behindern. Es ist gewiß eine reizvolle Aufgabe, die Geschwindigkeit der Gedankenfolge bei verschiedenen Menschen und Menschenrassen, in verschiedenen Lebensaltern und Lebenslagen einer genauen Messung zu unterziehen, und die moderne Seelenlehre hat sich durch die Schwierigkeit der Aufgabe keineswegs davon abschrecken lassen, sie anzugreifen. Schon mit der Fünftelsekundenuhr, einer sogenannten Sportuhr, kann man solche Messungen ausführen. Man ruft der Versuchsperson ein Wort zu, etwa das Wort „Apfel", und drückt gleichzeitig auf den Knopf der Uhr, so daß die Zeiger zu laufen beginnen. Die Versuchsperson ist aufgefordert worden, sofort nach dem Anhören des Wortes das nächste Wort zu nennen, das ihr daraufhin gerade einfällt. Sie sagt vielleicht „Birne“. Sowie sie das Wort ausspricht, drückt man wieder auf den Knopf der Uhr und arretiert dadurch die Zeiger. Für wissenschaftliche Versuche genügt eine so ungenaue Messung natürlich nicht. Man bjnützt da elektrische Uhren, die bis auf die tausendstel Sekunde genau die Zeit angeben. Die Reizwörter werden der Versuchsperson meist nicht vorgesprochen, sondern gedruckt vorgelegt. Dazu hat man besondere Reizapparate, die so eingerichtet sind, daß beim Erscheinen des gedruckten Wortes ein elektrischer Strom geschlossen wird, so daß in diesem Momente der Zeiger der Uhr zu laufen beginnt. Die Versuchsperson spricht das ihr einfallende Wort gegen eine runde Scheibe, wobei durch die von den Schallwellen hervorgerufenen Erschütterungen der elektrische Strom wieder geöffnet und der Zeiger der Uhr arretiert wird. So wird der Vorgang mit der größten Genauigkeit gemessen. (Im Laboratorium der Bl. steht eine Tausendlelsekundenuhr. D. Sch.) Ein neunjähriges Mädchen, das ich auf diese Weise prüfte, antwortete auf Schlüssel Schrank, auf Tisch Stuhl, auf Rose Garten, wobei die Zeiten 21, 2'5 und 4 6 Sekunden betrugen. Von diesen Gesamtzeiten ist natürlich in jedem Falle die Lesezeit in Abzug zu bringen. Sie betrug bei dem erwähnten Kinde, wie ich durch besondere vorhergehende Experimente festgestellt hatte, durchschnittlich 0 9 Sekunden. Demnach brauchte das Mädchen für die Verknüpfung der Vorstellungen bei den drei Versuchen 12, 16 und 3 7 Sekunden. Das sind nun sehr verschieden lange Zeiten, wie nicht anders zu erwarten war; und um zu brauchbaren Mittelzahlen zu gelangen, muß man natürlich eine große Anzahl von Versuchen anstellen. Bei Erwachsenen kommt man dabei zu einem Mittelwert von 7/io bis 8/io Sekunden. Bei diesem freien Vorstellungsverlauf lassen sich aber die an verschiedenen Personen gefundenen Zahlen nicht gut mit einander vergleichen, weil der Verlauf seinem Inhalte nach wesentlich verschieden sein kann. Manche Personen reagieren häufig mit Verbindungen, wie: Garten — warten, Haus — Maus usf. Hier ist es lediglich der Klang, der die Verbindung knüpft, und solche Brücken sind natürlich viel rascher geschlagen wie etwa die durch logische Beziehungen geschaffenen. Zu vergleichbaren Zahlen gelangt man bei Versuchen mit gebundener Marschroute. Man stellt an die Verknüpfung bestimmte Anforderungen. Man gibt also beispielsweise der Versuchsperson auf, jedes Wort als eine Ursache aufzufassen und die dazugehörige 330G Wirkung zu nennen. Dann erhält man Reihen, wie: Blitz — Donner, Regen — Abkühlung usf. Es ist merkwürdig, daß bei solchen Versuchen mit besonderer Aufgabenstellung die Zeit nicht länger, sondern kürzer wird. Sie beträgt bei Erwachsenen durchschnittlich 4/io Sekunden. Zwei Gründe lassen sich für diese seltsame Erscheinung anführen. Erstens ist unsere gesamte Gedankenfolge auf das Schaffen von Beziehungen (Ursache — Wirkung, Grund — Folge, Überordnung — Unterordnung usf.) ganz besonders eingestellt, und zweitens wird der Gedankenfluß beschleunigt, wenn er unter die straffe Zucht einer richtunggebenden Aufgabe genommen wird. Nach der Länge der gemessenen Zeiten lassen sich die verschiedenen Verknüpfungsarten ihrer Schwierigkeit nach ordnen, denn es darf wohl angenommen werden, daß die schneller ausgeführten Verbindungen die leichteren sind. Da zeigt sich, um nur ein Beispiel herauszugreifen, daß man leichter von einem Ganzen auf den Teil schließen kann (Schrank — Tür) als umgekehrt (Finger — Fland). Bei Kindern ist die Gedankenfolge — gleichartige Verbindungen vorausgesetzt — durchschnittlich langsamer wie bei Erwachsenen. Die Beziehung von Ursache und Wirkung wird erst im Pubertätsalter geläufig. Die Bedeutung solcher Ergebnisse für die Erziehung leuchtet unmittelbar ein, und man sieht nun auch: Solche Untersuchungen haben nicht nur einen wissenschaftlichen, sondern auch praktischen Wert, hat man doch Versuche über Reproduktionszeiten sogar als Mittel zur Entlarvung von Verbrechern benutzen wollen. Die dabei angewendete Methode wollen wir etwas ausführlicher betrachten, weil sie am deutlichsten zeigt, wie schwierige Aufgaben die moderne Seelenlehre zu lösen imstande ist und wie große Hoffnungen manche Psychologen in ihre praktische Anwendbarkeit setzen. Wir nehmen an, daß bei einem Einbruchsdiebstahl durch die Besichtigung am Tatorte folgendes festgestellt ist: Der Verbrecher stieg, nachdem er ein Eisengitter durchfeilt und eine Scheibe eingedrückt hatte, in ein Zimmer ein und stieß dabei an einen Stuhl an, der im Umfallen eine auf einem Tischchen stehende Flasche zu Boden warf. Er entfernte sich schließlich unter Mitnahme einer Kassette auf demselben Wege, auf dem er eingedrungen war. Der Angeklagte leugnet alles und wird zu Versuchen aufgefordert. Zunächst werden ihm allerlei harmlose Wörter zur freien Reproduktion dargeboten, und man gewinnt so seine mittlere Reproduktionszeit. In einer zweiten Versuchsreihe werden die Wörter mit verwendet, die auf den Einbruch Beziehung haben. Da erscheint z. B. das Wort „Stuhl“. Gerade ist der Verbrecher im Begriff, „Flasche“ zu rufen, da erschrickt er. Er merkt, das ist ja das Wort, das mich verraten wird. Rasch sucht er nach einem ändern, harmlosen Wort, und schließlich hat er es: Baum. Das Versuchsprotokoll aber weist nach, daß bei dieser „gefährlichen“ Reproduktion eine ungewöhnlich lange Zeit auftrat. Zeigt sich das nun in vielen Fällen, bei allen gefährlichen Wörtern immer wieder und wieder, so ist der Verdacht stark begründet, daß wir den Verbrecher vor uns haben. Doch Verbrecher sind meist geriebene Burschen. Er kennt sie wohl, die Psychologen, und weiß, wie sie es machen. Und die Beschaulichkeit der Einzelhaft gibt Muße genug, um alle Möglichkeiten zu erwägen und für alle Fälle vorzubeugen. Er hat einmal ein Buch gelesen oder einer Verhandlung beigewohnt und versteht die „Tricks der Psychologen“. Er wird ihnen ein Schnippchen schlagen. Also welche Wörter werden sie geben? Gitter, Fenster, Stuhl, Flasche. Gut. Was werde ich auf Fenster antworten? Haus. Auf Stuhl? Bank usf. Und nun übt er die Verbindungen ein. Am nächsten Tage läßt er sich an dem Versuchstisch nieder, lächelnd, sicher. Die Versuchsreihe ist abgelaufen, er hat sich gewiß nicht verraten. Der Experimentator aber zählt die Versuche durch: alle gefährlichen Wörter zeigen diesmal ungewöhnlich verkürzte Zeiten. Wenn sich auch diese Methode bei den Gerichtsverhandlungen nicht einführen konnte — wichtige juristische Bedenken sprechen dagegen —, so zeigt sich deutlich genug, welcher Leistungen die moderne Seelenlehre fähig ist, seitdem sie sich des Experimentes bedient. Und die Berufung von psychologischen Sachverständigen an deutsche Gerichtshöfe läßt erkennen, daß die Bedeutung der modernen Psychologie auch von Juristen gewürdigt wird, wie ja in der Pädagogik seit Jahren schon die verschiedensten Fragen durch experimentelle Untersuchungen geklärt wurden. 3307 Von der Schutzheiligen der Artillerie und der Festungen. Vom Gymnasialdirektor F. Hintner. (Schluß.) Und wie die goldene Legende sie in ihrem eigenen Leiden und in eigener Seelenpein derer gedenken läßt, denen in Todesnot ein Druck vom Herzen zu nehmen ist, so lassen sie andere Quellen noch ausdrücklich den Herrn anflehen, die, welche ihrer Leiden gedächten, vor Hungersnot, Pest und jedem Verderben zu bewahren. Nach Metaphrast trifft der Blitz auch den Präfekten Marcianus und ein gewisser Valentianus, ein frommer Mann, bestattet ihren Leichnam, der nun heilkräftige Wirkung habe, 12 Meilensteine von Euchaita im galatischen Gebiete. Nach den griechischen Handschriften geschieht dies durch Valentinus (so heißt in der goldenen Legende ihr Lehrer) in Heliopolis, wo nun Heilungen kranker Christen vor sich gegangen seien, ln dieser Stadt hat sie auch nach den meisten Handschriften gelitten; doch nennt die verbreitetste Barbara-Tradition den von der goldenen Legende bezeichneten Ort. Von den handelnden Personen der Barbara legende ist der Richter Marcianus sichtlich ein Spiegelbild des gleichnamigen Kaisers; die Person des Origines und der ganze Verkehr Barbaras mit ihm und dem Priester ist erst später in die Legende eingedrungen. Barbaras Vater, von dem die goldene Legende nur sagt, er sei ein vornehmer und reicher Mann gewesen, legen andere Quellen die amtliche Stellung eines Toparchen (Platzbefehlshabers), eines Satrapen, ja sogar eines Königs bei. Wie überhaupt die Legenden gern die Familien der Heiligen als königlich erscheinen lassen, so tritt auch Barbara schon in den liturgischen Büchern der griechischen Kirche als Königstochter entgegen. Ja die Wandgemälde im Leipziger Kreuzgang lassen sie sogar bis zur Kaisertochter vorrücken. Als Todestag wird der 4. oder 5. Dezember in den Handschriften angegeben. Das Vorkommen von Martyrien unter Kaiser Maximian ist auch sonst durch zuverlässige Angaben bestätigt; so wurde die allgemeine Christen Verfolgung in Bithynien am 23. Februar 303 mit der Nieoerreißung der Kirche zu Nikomedia eröffnet. Demnach dürften bei der Datierung des Todes der heil. Barbara wohl die unmittelbar folgenden Jahre in Betracht zu ziehen sein. Daß Barbara „bei einer großen Christenverfolgung“ unter dem genannten Kaiser umgekommen sei, erzählt eine Pariser Handschrift aus dem 11. oder 12. Jahrhundert. Daß auch die Legende von der heil. Barbara, wie so viele Heiligensagen der ersten nachchristlichen Jahrhunderte, in manchen Zügen ihren Ursprung aus dem Heidentum und den Übergang alter Mythen in christliche Vorstellungen veranschaulicht, wird uns kaum überraschen, wenn wir uns gegenwärtig halten, wie geschickt die Religion des Kreuzes die alten Erinnerungen aus dem Heidenalter der Welt mit den neuen religiösen Anschauungen zu verflechten verstand, wie das Christentum sozusagen das Inventar des Heidentums übernommen hat. Vergleicht doch schon der Apostel Paulus (Rom. XI, 17. 24) das Heidentum mit dem wilden Oleaster, dessen Reis, in den edlen Ölbaum des Christentums gepflanzt, selber veredelt wurde. Die Legendenschreiber wetteiferten miteinander, ihren Gegenstand mit Wunderzügen auszuschmücken, in denen das Herzensevangelium des Heidentums neu auflebt, so daß Nikolaus von Cusa auf dem Konzil von Basel nicht mit Unrecht sagen konnte, daß die Heiligen als Helfer in allen Nöten eigentlich die Rolle der alten Götter übernommen hätten, ln jenen Tagen sprach man noch unbefangen aus, was heute nachzusagen manchem gewagt erscheint. Nur ein paar Andeutungen mögen zeigen, wie die Barbaralegende aus der Mythologie schöpft. Daß St. Barbara in ihrem Turm den Typus der unter der Tyrannei des Vaters schmachtenden Danae ausprägt, darauf hat schon A. Wirth1 hingewiesen. Übrigens ist die von den Eltern eingesperrte, die Ehe ablehnende Jungfrau eine der allergewöhnlichaten Märchen- und auch Novellenfiguren aller Zeiten. Barbara entflieht der Verfolgung des unnatürlichen Vaters, indem ein Fels (wohl die Steinwand des Schwimmraumes) sich auftut und sie aufnimmt. So flieht auch die heil. Odilia, die Blindgeborene und bei der Taufe sehend Gewordene, als ihr Vater sie vermählen will, und wird von einem Felsen ausgenommen, der gespalten bleibt und eine Quelle ergießt, als sie wieder hervortriit. In diesem Zuge spricht sich die jungfräuliche Ablehnung der Ehe als Grundton aus, wie dies z. B. im alten Mythus von der altindischen „Bergfrau“ Parwati, die auszeichnenderweise „Kumari“ (= Jungfrau) genannt wird, der Diana Cimeris in der Krim, die ihrerseits identisch ist mit der gekreuzigten Kümmernis, der heidnischen Vorstellung der Weltseele, deren Minne man aus einem Becher trank, und anderen Gestalten hervorgehoben wird. Übrigens ist die Idee der heil. Kümmernis, die sich lieber kreuzigen 1 Danae in christlichen Legenden. Wien 1892. S. 45. — Dagegen O. Crusius im Literar. Zentralblatt 1892, Sp. 1584. 3308 läßt, als daß sie sich einem Manne ergibt, im tiefsten Grunde religiös. So spricht die kosmogonische Kumari der Inder wie bei der moralischen Wiedergeburt des Menschengeschlechtes die Jungfrau von Nazareth: „Ich erkenne keinen Mann.“ Ihre mythischen Ebenbilder Pallas Athene bei den Griechen und die persische Anähita (= Immaculata) bewahren gleichermaßen ihre Reinheit unbefleckt. St. Barbara wird vom eigenen Vater enthauptet wie Iris vom Sohne Horus. Weil sie vornehme Bewerber ausschlägt, wird sie ihres Hauptes beraubt. Als Prinzessin trägt sie die Krone. Auch dies stimmt zur Legende der heil. Kümmernis. Die goldene Legende läßt Barbara dem verräterischen Hirten fluchen und im Handumdrehen verwandelt er sich in ein Steinbild. Nicht selten werden so Menschen in Steine verwandelt: Atlas und Niobe, Pilatus und Frau Hitt, König Watzmann mit Weib und Kindern sind Beispiele hiefür. So sind die Bildsäulen der Kamenja Baba nach dem russischen Volksglauben durch Christus zu Stein verwandelte Menschen, in Sibirien Männer, in Südrußland Frauen. Unter den Füßen Barbaras, deren Spur durch ein Wunder eingemeißelt bleibt, dringt plötzlich Wasser in das Badebecken. Wer denkt nicht an Balders Pferd, das mit dem Huf einett Brunnen aus dem Felsboden schlägt, an Pegasus, das Quellroß, an den Born Pirene am Helikon oder an die Hippokrene, die unterm Hufschlage des Bellerophontischen Reittieres entquoll, an das Pferd des heil. Bonifatius, das mit wundem Fuße einen Heilborn ausscharrt, und Ähnliches? Mit der Wasserheilung durch Barbaras Gebet und der damit verbundenen Heilkraft des Bades steht es ähnlich. * * * Mit diesen mythischen Beziehungen der Legende, die sicher auf alter Naturreligion fußen, hängt die Frage vom Patronat der heil. Barbara eng zusammen. Weil Barbara, die Reine und Tapfere, vor ihrem Tode für ihre künftigen Verehrer Schutz vor Hungersnot, Pest und jedem anderen Verderben beim Herrn ausgewirkt hatte, wurde sie unter die Zahl der 14 Nothelfer aufgenommen und speziell als Patronin gegen die Pest betrachtet, die im Mittelalter ja so entsetzlich viele Opfer verschlungen hat. Daß die heil. Jungfrau, die außerdem Sündenvergebung für die sie anrufenden Verehrer von Gott ausgebeten hatte, als Patronin gegen plötzlichen, unbußfertigen Tod betrachtet wurde, ist eine weitere natürliche Folge dieser Seite ihres Kultes. Als solche wurde sie namentlich von Leuten verehrt, die einem gefahrvollen und leicht den Tod bringenden Berufe obliegen, wie die dem Feuerregen und Eisenhagel der Schlachten ausgesetzten Krieger, in erster Linie von den Vertretern des Geschützparkes, den schlagenden Wettern ausgesetzten Bergleuten, den Kranken und Verwundeten auf Schlachtfeldern und in Hospitälern. Am Rhein und in der Oberpfalz wird sie beispielsweise als Patronin der Sterbenden angerufen durch das Gebet: „Heilige Barbara, du edle Braut, Mein Leib und Seel’ sei dir anvertraut, Sowohl im Leben als im Tod, Steh mir bei in jeder Not. Steh mir bei an meinem End’, Führ’ mich in den Himmelssaal usw.“ Und weil ihren Vater, nach anderer Version auch ihren Richter, zur Strafe der Blitz getroffen hatte, wurde Barbara die Nothelferin gegen Donner, Blitz und alle Gewittersnot und in natürlicher Folge gegen alle Gewalt des Feuers. Die goldene Legende berichtet selbst in einem später hinzugefügten Teile, wie Barbara den Kriegsgefangenen eines sächsischen Grafen, der als verhungert und tot galt, zum Danke für eifrige Verehrung noch der heil. Sakramente teilhaftig werden ließ, ferner wie im Orient der Diener eines Statthalters zum Lohne dafür, daß er ihr ewigen Dienst gelobt hatte, durch ihre Fürbitte vor Verwundung durch die Schergen geschützt wurde. Daher verehrten unsere Heilige frühzeitig alle Handwerker, bei deren Berufe das Feuer eine Rolle spielt: Schmiede, Waffenschmiede, Eisengießer, Glockengießer, Hochofenarbeiter, Herdfrischer und Puddler, Erzeuger von Chemikalien, Glasbläser usw. Erzeugnisse der Glockengießer, die den Namen der heil. Barbara tragen, gewähren Schutz gegen Blitzgefahr, worauf uns die beliebte Inschrift „Fulgura frango“ (die Blitze breche ich) hinweist. Schon im Mittelalter beteten die Gefangenen zu der einst selbst in Turm und Gefängnis eingesperrten Heiligen, die späterhin z. B. die Patronin des Towers (des bekannten großen Staatsgefängnisses in London) wurde, wo man ihr Leben in der Kapelle dargestellt findet. Von manchem der berühmten Verurteilten, die am Towerhill das Blutgerüst bestiegen, wird berichtet, daß er in seiner Todesnot ein vertrauensvolles Stoßgebet zur heil. Barbara auf den Lippen gehabt habe. Daß Architekten, Maurer und Zimmerleute Barbara zur Schutzfrau erkoren haben, dafür liegt die Erklärung nicht weit, spielt doch der Bau eines Turmes und Schwimmbassins in ihrer Le- Sende eine nicht unwesentliche Rolle. Weniger klar ist, wie sie zum Patronat der Bürstenbinder, der Hutmacher und Weber gekommen sein mag. In den Tagen unserer großen, heißen Schlachten interessiert uns natürlich St. Barbara vor allem als Schutzheilige des Geschützwesens, der Pulverkammern, Forts und Festungen. Nach Erfindung des Schießpulvers ward Barbara alsbald eine der bekanntesten und meist verehrten Heiligen. Zunächst wurde sie in Spanien, Italien und Frankreich die Patronin der blitzversendenden Feuerwaffen, auf denen sie häufig dargestellt wurde, der Feuerwerker, Raketenmacher, Salpetersieder, Schießpulvererzeuger, Teer- und Pechsieder, des gesamten Löschwesens, der Dampfpfeifer, Nebelhornrufer, Alarmtrommler u.a. Vor allem aber gilt sie als die Schutzheilige der Artillerie, der Festungen und Türme, Arsenale, Pulvermagazine, der Munitionslager und Batterien, in neuerer Zeit auch der Unterseeminen und Torpedos. Alles, was donnert und blitzt, all der Zorn der Schlachten, der im fressenden Feuer und im verheerenden Hagel der Geschütze tobt und brüllt, alles, was die Kriegsfurie zur jähen Tötung von Menschen und zur Verwüstung befestigter Orte erfindet und verwendet, steht unter dem besonderen Protektorate der tapferen nikomedischen Jungfrau. Schon zur Zeit der Kreuzzüge — um das Jahr 1003 wurden ihre Gebeine hach St. Marco zu Venedig gebracht und wenige Jahre darauf im Kloster des Evangelisten Johannes auf der Insel Torcello beigesetzt, wo sie noch heute ruhen sollen — galt sie als die Herrin und Schirmfrau der Schlachten und Kampfstätten. Der deutsche Ritterorden eroberte das Haupt der Heiligen in Danzig; aber auch die Insel Kreta bewahrt dasselbe. Daß auch manche andere Orte — ich nenne beispielsweise nur Rom, Reale, Scandrilia bei Reale, Verona, Piacenza, Cremona, Mantua — im glücklichen Besitze von Barbara-Reliquien zu sein behaupten, ist bei der hohen Bedeutung der großen Märtyrin selbstverständlich. Nach den von Kaiser Karl V. für die Artillerieschulen in Burgos (Altkastilien) und auf Sizilien erlassenen Gesetzen und Verordnungen hat der Artillerist, wenn die Kugel ins Stück eingeführt wird, das Zeichen des Kreuzes über die Mündung zu machen und die Hilfe St. Barbaras anzurufen. Wer gegen das Gebot verstieß, mußte der Bruderschaft der heil. Barbara zwei Pfund Wachs verehren. Im 16. Jahrhundert erlangte der Konstabler (Schutzmann, bes. Hilfspolizist) nach der Prüfung unter einem Gebete zu dieser Heiligen seine Aufnahme. Das Bildnis der heil. Barbara wurde an Artillerieschulen, Arsenalen, Zeughäusern und Pulverkammern angebracht; die Pulverkammer auf französischen Schiffen heißt schlechtweg die „heil. Barbara“ (Sainte Barbe). In den unterirdischen Gängen zu Reichersdorf saß St. Barbara Jahrhunderte lang als Steinbild; erst vor etwa drei Jahrzehnten wurde sie ans Tageslicht gehoben. Die österreichische, bayerische, französische, belgische und spanische Artillerie feiert noch heute das Fest dieser ihrer Patronin kirchlich und mit festlichem Gepränge. In Metz und Maubeuge, Antwerpen und Przemysl wird das Fest, wenn auch nicht regelmäßig, durch Festschmäuse begangen. In mehreren Offizierskorps österreichischer, ungarischer und deutscher Artillerieregimenter, z. B. in Salzburg und Klagenfurt, Krakau und Steyr, Pirna und Straßburg wird der 4. Dezember als Gedächtnistag der Heiligen gefeiert; in der Berliner Artillerieschule findet herkömmlicherweise an diesem Tage ein Liebesmahl mit komischen Aufführungen statt. In einem großen Saale dieser Schule steht eine sich aufs Kanonenrohr stützende gekrönte Barbara-Statue und eine humoristische „Barbara-Zeitung“ erscheint regelmäßig zum 4. Dezember. Die italienischen Festungen Ferrara, Guastalla und Mantua haben die heil. Barbara zu ihrer Schutzheiligen erwählt; ebenso hat frommer Glaube Danzig, Przemysl und Libau unter die starke Obhut der berühmten Märtyrin gestellt. In der Festung Mantua wurden im Jahre 1620 unter Herzog Ferdinand sogenannte Barbara-Schildtaler (Scudi) geprägt, deren Rückseite die Heilige mit der Inschrift „St. Barbara Protectrix“ zeigt. Auch halbe, vom Herzog Karl II. geprägte Scudi finden sich gelegentlich. Pedena in Istrien, Maldeghem und Roy in Belgien, Culen-bourg in den Niederlanden, D’Ashton under Hill in England und viele andere Städte haben die heil. Barbara zur Patronin erwählt. Die Schutzfrau des Bergbaues und der Schächte ist sie nicht erst seit dem Anfänge des 17. Jahrhunderts, d. h. seitdem eben das Schießpulver auch für das Montanwesen Bedeutung gewann, sondern schon lange vor Anwendung desselben. In Böhmen, Schlesien, Steiermark, Krain und Tirol, wie überhaupt in Ländern mit überwiegend katholischer Bevölkerung, spielt sie von jeher eine große Rolle. Die Bergleute flehen sie um Schutz vor plötzlichem Tode, besonders durch schlagende Wetter. Man sieht sie auf vielen Flügelaltären der Kirchen im östlichen und nordwestlichen Böhmen und der Zechenhäuser Oberschlesiens, z. B. in einem Betsaale der Königin Luisen-Grube der Stadt Zabrze, die sich vor kurzem den ruhmbedeckten Namen „Hindenburg“ beigelegt hat. Beim Morgengebet und Gesang der Bergknappen werden diese Altäre aufgeschlagen. Der Barbaratag wird in ganz Österreich als Bergfeiertag begangen. Zu Hall in Tirol ziehen die Musikkapellen der „Berger“ und „Pfannhauser“ (d. i. der Arbeiter des Salzbergwerkes und Sudhauses) mit klingendem Spiel und we- henden Fahnen in die Kirche. Wir finden es begreiflich, daß eine Stadt wie Annaberg im Erzgebirge, die ihre Gründung dem Bergbau verdankt, in den Besitz von Barbara-Reliquien zu kommen suchte. Im Jahre 1507 wurde denn eine Reliquien-Partikel aus dem Marienkloster zu Roermonde in Geldern in die Annaberger Hauptkirche gebracht. Bei einer im Jahre 1518 stattgefundenen Prozession befanden sich unter den 120 verzeichneten Reliquien der St. Annen-Kirche daselbst auch ein Finger, ein Zahn und zwei sonstige Teilchen der heil. Barbara. In der Annaberger Münze wurden von Frau Barbara von Köln, einer Bürgerin der Stadt Annaberg, im 16. Jahrhundert sogenannte Barber- (= Barbara-) Pfennige geschlagen. Auch in Ungarn ließ die genannte Frau mit Erlaubnis des Königs, dessen Gläubigerin sie war, Münzen mit dem Bilde und Namen der heil. Barbara prägen. In Breslau und Straßburg gibt es St. Barbara-Gassen, desgleichen eine Barbara-Straße im nördlichen Teile von London, und in Metz ist ein Tor, das ins Zeughaus führt, nach dieser Heiligen benannt. Ein Barbara-Kanal führt aus der Magelhacns-Straße in den Großen Ozean. Zahllos sind die Orte, die nach St. Barbara den Namen führen. Nach der Heiligen ist ferner eine österreichische Insel bei Dalmatien, eine französische in der Saöne, ein zur brasilianischen Provinz Bahia gehöriges Eiland und eine Gruppe von neun Inseln — darunter St. Barbara selbst — an der Südküste von Kalifornien und eine Insel westlich von Borneo getauft. Am Barbara-Berg bei Neustadt am Kulm, wo eine große Schlacht vorgefallen ist, wie an den Thermen von Trier haftet ihr Name. In der Nähe des kohlenreichen Dux in Böhmen liegt ein Barbara-Teich. Sehr interessant gestaltet sich die Darstellung der heil. Barbara in der bildenden Kunst. Sie wird meist in königlicher Pracht dargestellt, ein Kreuz in der Linken, auf dem Haupte eine Königskrone. Die sonstigen Attribute, welche die christliche Kunst dieser Heiligen gab, sind der dreifenstrige Turm und der Hostienkelch, der Palmzweig als das Sinnbild des Sieges und der Auferstehung, auch Pfeil und Lanze. Buch und Feder weisen auf ihre Grübelei und Buchgelehrsamkeit, die etwas unklare flaumartige Feder nach gewöhnlicher Deutung auf die Unsterblichkeit hin. Der auf dem Boden stehende Turm, der getretene Ritter zu ihren Füßen, die Kanonenläufe und Ähnliches symbolisieren ihr Patronat über die Artillerie und die Festungsbauten. Aus den häufigen Darstellungen der heil. Barbara in der Bildnerei und Malerei, besonders der der niederländischen, mittelrheinischen, fränkischen und schwäbischen Schule wie der italienischen Schulen, wäre viel Interessantes hervorzuholen. Noch heute geht St. Barbara in einem der ältesten ländlichen Volksschauspiele über die Bühne, nachdem sie schon im frühen Mittelalter den Stoff zu französischen Mysterien, italienischen, spanischen und niederländischen Legendendramen dargeboten hat. Babette, im Volksmunde für Barbara gebraucht, ist mit dem alten Nornennamen Borbet zusammengeflossen. Barbarazweige, am 4. Dezember ins Wasser gesetzt, vertreten in Bayern und Österreich noch vielfach den Christbaum. In München werden solche Zweige von Kirschbäumen, Weichsein, Kastanien, Flieder und Hollunder korbweise auf dem Markte feilgeboten. Man läßt sie im warmen Wasser aufgehen wie die Jerichorosen. Im Egerland nehmen die Bauernburschen die aufgeblühten Barbarazweige am zweiten Weihnachtstage, zieren sie mit roten Bändern und gehen zu den Mädchen, um sie damit zu „peitschen“, wobei sie neckend fragen, wie der Pfefferkuchen schmecke. Daß diese Barbarazweige mit ihrem Hokuspokus an die Geißelung und Unsterblichkeit unserer Heiligen erinnern, liegt auf der Hand. Wieviel erhofftes und versprochenes Glück in diesen Zweigen rauscht und raunt, vermag nur ein echter Dichter zu verstehen und zu deuten, wie es die frische, bildhafte Augenkunst eines Martin Greif in einem allerliebsten „Barbarazweige“ überschriebenen Gedichte tut. Er mag zum Schlüsse meiner Blutenlese das Wort haben: „Am Barbaratage holt’ ich drei Zweiglein vom Kirschenbaum, Die setzt' ich in eine Schale: drei Wünsche sprach ich im Traum. Der erste, daß einer mich werbe, der zweite, daß er noch jung, Der dritte, daß er auch habe des Geldes wohl genung. Zu Weihnachten vor der Mette zwei Stöcklein nur blühten zur Frist: Ich weiß einen armen Gesellen, den nähm’ ich, wie er ist!“------------- Lesefrucht. Drum auf für deutsche Ehre, Du tapferes Teutsgeschlecht! Der beste Schild der Heere Heißt Vaterland und Recht. E. M. Arndt. 3311 Unser Nachwuchs und der Krieg (Fortsetzung zu F. 136.) 8.) Per Jeßrer tut Dienste der Kriegssiirsorge. (Hausarbeit. 3. Jg.) (Es ist hauptsächlich das Kriegs-»terkblatt, herausgegebcu vom k. k. Mimsteriutn fiir Kultus und Unterricht, Z. 3751 [8. 6. R. Z. 475], zur Grundlage zu nehmen!) — a) Insbesondere findet auch der Lehrer Gelegenheit, sein opferwilliges, goldenes österreichisches Herz zu zeigen. (B.) — b) So hat der Lehrer die Landlcnte, die sich gewöhnlich um nichts anderes kümmern als um die Landwirtschaft, und auch sehr häufig nicht die Zeit haben, die Verordnungen und Vorsichtsmaßregeln, die von den Ministerien hcransgegeben werden, zu lesen, darüber aufzuklären. (L.) — c) In edler patriotischer Begeisterung betätigt sich Böhmens deutsche Lehrerschaft an allen möglichen Kriegsfürsorgemerken und trotz der allseits bekannten schlechten Gehaltsverhültnisse dieses Standes wurde gern und freudig ein Prozent vom monatlichen Dieustbezugc dem „Roten Kreuze" gewidmet. — Daß sich trotz dieser Beisteuer namentlich der Lehrer in den kleineren Orten von den Gemeinden oder einzelnen Vereinen von Haus zu Haus vorgenommenen Kricgshilfssammlungen nicht entziehen konnte, ist einleuchtend; und so geben gar viele Lehrer doppelt im Vergleich zu anderen oft glänzend gestellten Mitbürgern. — Der Lehrer hält aber auch in der Küche Umsicht, mahnt die leichtfertige Hausfrau zur Sparsamkeit mit allein Eßbaren; er selbst geht mit gutem Beispiele voran. (Hof.) — d) So wirkt er als tüchtiger Bildner und Berater des Volkes, als eherne Stütze des Reiches. Wir müssen voll Stolz auf unsere Lehrer blicken und versprechen, ihnen durch Wort und Tat nachzueiferu. (X.) — e) Will der Lehrer dem Vaterlande größere Dienste erweisen, so kann er aus Grund des Kricgsmerkblattes die Bevölkerung über eine einfachere Lebensführung und einen sparsameren Haushalt in entsprechenden Vorträgen belehren. — Aus dem Lande ist es auch angemessen, wenn der Volkserzieher die Bauern aneifert, ihren Viehstand so weit als tunlich zu vermehren, und sie auf die anzubauenden Nutzpflanzen aufmerksam macht, welche sich in der Kriegszeit als besonders notwendig erweisen. — Kommt nun der Lehrer in der Heimat allen diesen Anforderungen nach, so hat auch er tapfer in dem Kampfe um Ehre und Freiheit des deutschen Volkes mitgerungen. (U.) — k) Es gibt mancherorts in der ganzen Umgebung keinen Arzt. In diesem Falle ist es wieder der Lehrer, der die rettende Hand reicht. Vermöge fernes Studiums kann er in den meisten Fällen, namentlich bei Verletzungen, dem Volke mit Rat und Tat zur Seite stehen. (Sch.) — g) Auch soll der Lehrer die Volksbücherei oder in Ermanglung einer solchen seine eigene Bibliothek öffnen, damit die Arbeitslosen und Trauernden durch das Lesen guter Bücher über die schwere Zeit hinwegkommen oder von ihrem Leide abgelenkt werden. (Hu.) — h) Die Ausführungen in meiner letzten Schularbeit find dem Titel begreiflicherweise nicht iit erschöpfender Weise gerecht geworben; darum schließe ich diese Arbeit jener an und will darlegen, wie sich der Lehrer zweckdienlich in den Dienst der Kriegssürsorge stellen kann. — Ist es schon in den Zeiten des Friedens die berufliche Pflicht des Lehrers, die Kinder zur Vaterlandsliebe zu erziehen, so erfordert das unser Kriegsjahr umso mehr. — Der Lehrer darf auch nie müde werden, die Kinder zum Gehorsam gegen die Mutter zu ermuntern. — Die heimkehrenden Verwundeten schmachten geradezu nach geeignetem Lesestoff. (E.) - _____________ Morgengebet in den Karpathen Von Hans Polaczek. (Erstdruck.) Der Waffen heißer Kuß wird kalt. Ich seh viel wunde Heimatwangen Am Himmel prangen. Vermählt mit diesem großen Tod, So blutig rot, so blutig rot. Der Sturm gelang. Der Lärm verhallt. Nun ist es still und mild umher, Als ob kein Krieg im Lande wär’. Und doch — ich stürze hin zu allen: „Er ist gefallen ...“ Sie merken, daß ich heimlich weine, Und jeder weiß gleich, wenn ich meine. Horch, eine Lerche steigt empor: Erlauscht der Beter frommen Chor, Den wir, da Helden sterbend ringen, Im Herzen singen, Trägt sie zu Gott ihr kleines Lied, Das endlos flehet: .Wird nit bald Fried?' Vierzig Tage russisch. (Bericht für die „Blätter für den Abteilungsunterricht“.) Nach einer an kriegerischen Eindrücken reichen Reise, die uns (drei in der Bukowina »»gestellte böhmische Lehrer) Anfang September 1914 durch Galizien, Ungarn in die Bukowina führte, erreichten wir unser» Dienstort im Radautzer Bezirke. „Die Russen in Czernowitz“, war der niederdrückende Empfang, der uns zuteil wurde. An einen Unterricht war natürlich nicht zu denken, da ein weiterer Vormarsch der Russen befürchtet wurde. Sie drangen langsam vor und besetzten während der Monate September und Oktober nur das Gebiet bis zum Seretli. Zu danken ist dieses Tempo dem Gendarmerieobersten Fischer, der mit einer Handvoll Landsturmmänner eine mehrfache Übermacht aufhielt. Gar traurig und wehmutsvoll anzusehen war es, wenn die Flüchtlinge aus den bedrohten Ortschaften mit ihren Habseligkeiten ankamen. Das hatte bald ein Ende; am 22. (Iktober marschierten die Österreicher in Czernowitz ein. Die Beamten kehrten zurück, der Unterricht wurde eröffnet, die Musterung wurde durchgeführt. Doch die Russen wollten unser schönes Buchenland nicht lassen, am 28. November räumte unser Militär wieder Czernowitz. Es folgten neuerdings Tage banger Sorge, doch beruhigte man sich bald hier in Radautz, da nichts mehr zu vernehmen war. Plötzlich am 30. September geht es durch die Stadt: „Die Russen sind da!u Wie sich nachträglich herausstellte, waren es von Warschau abgezogene Truppen, die nun die Bukowina überschwemmten. Vereinzeltes Geschützfeuer war zu hören, Gewehrfeuer mischte sich ein, einige Schrapnells flogen über die Stadt. Am Nachmittag kam der Feind von allen Seiten angeschwärmt. Und nun ging ein großes Suchen an, nach Militär und Waffen. Dabei wurde natürlich, was an Geld und Wertsachen nicht gut verborgen war, mitgenommen. Auf dem Ringplatze sangen sie; sonst war nichts Außergewöhnliches wahrzunehmen. Der Schrecken begann erst, mit der Dunkelheit. Da ging es bei den Häusern heraus und hinein, in Trupps von .'! —5 Mann. Alles wurde durchsucht, die Schränke, die Betten, selbst die Ofen und die Menschen. Die meisten benahmen sich brutal, einzelne jedoch auch artig. Geld wurde verlangt und Essen. Vor allem aber wutki (Schnaps) und djukej (Mädchen). Alles halbwegs Wertvolle an Wäsche und Kleidungsstücken wurde mitgenommen, um am ändern Tage für einige Heller feilgeboten zu werden ; und die Herren Russen waren sehr erbost, da niemand kaufen wollte. Viele der Einwohner hatten ihre Behausung abgesperrt und nicht beleuchtet. Da half das Bajonett, bei welcher Tätigkeit eine große Fertigkeit verraten wurde. Am schlimmsten hauste der Besuch in den verlassenen Wohnungen der Offiziere und Beamten. Gefragt wurde fleißig nach heorejs (Juden), die ja bekanntlich nicht gerade die Liebe der Russen besitzen. Sie wurden später gezwungen, ihre Kaufladen Samstags nicht zu sperren, etwas, was hier noch nicht erlebt worden war. So ging es durch zwei, drei Nächte; diese Zeit wird den Betroffenen wohl unvergeßlich bleiben. Alle Klagen beim Stadtkommandanten blieben ohne Wirkung. Es wurde aber doch anders; ein neuer Stadtkommandant wurde eingesetzt, ein sehr liebenswürdiger und feiner Herr, der bald Ordnung schaffte und sich auch sonst der Bevölkerung sehr warm annahm. Nachdem die Hauptmacht der Russen ins Gebirge abgezogen war, begannen die Zurückgebliebenen sich häuslich einzurichten. Sie belegten die Kasernen und die Gebäude des Staatsgestütes. Für die Sicherheit wurde gesorgt: ln den Hauptstraßen waren jederzeit Patrouillen, eine Bürgerwehr wurde errichtet. Es sollte schon eine russische Verwaltung eingerichtet werden, — wenn nicht unsere Truppen einen gar so dicken Strich durch die Rechnung gemacht hätten. Man erhielt Passierscheine für das besetzte Gebiet der Bukowina und Galiziens. Bald kamen auch die Frauen der Offiziere ihren Gatten nachgereist und hielten sich bis zum Abzug auf. Nach und nach wurde das Verhalten der Bevölkerung zum Militär weniger zurückhaltend. Die Russen gaben im Verkehre ihrer Abneigung gegen den Krieg ganz unverhohlen Ausdruck. Als dessen Urheber bezeichneten sie ihren Generalissimus Nikolaus Nikolajewitsch. Große Verehrung hegen sie zu Sr. Majestät den österreichischen Kaiser. Dafür hassen sie die Germanen (Deutschen) und besonders den einen: — Hindenburg. Im ganzen benahmen sich die Russen sehr anständig, was ihren Offizieren zu danken ist, die gute Mannszucht hielten. Alles wurde mit Rubeln, die zum Kurse von K 3'33 in Umlauf gesetzt wurden, bezahlt. Unter anderm wurden alle Steigeisen in den Eisenhandlungen aufgekauft, da sie zu den Kämpfen im Gebirge nötig waren. — Die russische Feldpost brachte Briefe aus Rußland von gefangenen Österreichern. Da alle ansässigen Ärzte geflüchtet waren, behandelte der russische Militärarzt die Kranken — ganz unentgeltlich. Bald brachten Kaufleute aus Hessarabien Zucker und Mehl. Dafür wurden Stoffe gekauft, da sie in solcher Oiite in Rußland nicht zu bekommen sind. — Ein kleines Ereignis war es, als eines Tages Turkmenen angeritten kamen: dunkelbraune Mongolengesichter, eine riesige Fellmütze auf dem Kopfe, gekleidet in einen roten Telz. Sie verlangten Tee ohne Rum und allen kein Schweinefleisch. Sie waren die Liebenswürdigsten unter dem Militär; ihre Behausung nahmen sie im Gerichtsgebäude. Hier waren schon früher die Akten zerrissen, verbrannt und einzelne Zimmer als Pferdeställe benützt worden. Während der Anwesenheit der Russen war man von der Außenwelt ganz abgeschnitten. Nur rumänische Zeitungen kamen hin und wieder. Die einzige deutsch geschriebene darunter, das „Bukarester Tagblatt", wurde vom Stadtkommandanten bald verboten. So wußte man nur, daß es bei Mestikanesti und .lakobeny für die Russen nicht günstig stehe und in Galizien die Österreicher vorrücken. Daß es mit diesen Nachrichten seine Richtigkeit hatte, zeigte sich bald. Am 5. Feber langten die ersten Munitionstrains aus dem Gebirge an, am 6. und 7. kamen die Massen des Fußvolkes. — Und was brachten sie mit? Viele Wagen hochbeladen mit Teppichen, Bettzeug, Körben, Möbel. In Radautz wurden nun die Wohnungen der Flüchtlinge geplündert und alles Tragbare wurde mit der Bahn weggeschleppt. In der Gestütsdirektion und im Absteigequartier wurde die elegante Einrichtung zerhackt und in ekelhafter Weise beschmutzt. Aber auch andere traurige Bilder waren zu sehen. Ermüdet, durch den zweitägigen Marsch von Kimpolung nach Radautz, langte die Infanterie am (i. abends an und sollte in den Schulen übernachten. Vollständig erschöpft legten sich viele Soldaten in den Schnee und schliefen ein, mußten aber bald auf und weiter nach Czernowitz. — Da der russische Soldat wenig Gepäck trägt und ganz vom Nachschub abhängig ist, so kommt er bei einem Rückzuge, wo die Intendanz leicht versagt, oft in üble Situationen. So war es auch hier. Bettelnd um ein Stückchen Brot, sah man die armen, entkräfteten Menschen von Haus zu Haus gehen. Hieher soll man denjenigen stellen, solches Elend sollte der schauen, der diesen Krieg freventlich heraufbeschworen. Der arme Soldat muß seine Familie, sein Haus lassen, muß gegen ein Reich kämpfen, von dessen Existenz er nie etwas vernommen; getrieben von der Nagaika eines Kosaken muß er in den Kampf, muß sich hinschlachten lassen für die Hirngespinste eines russischen Großfürsten! — Als letzter reiste der Stadtkommandant ab und lächelnd sprach er das große Wort: „Aut Wiederseh’n !u Doch lebt man hier jetzt in der begründeten Hoffnung, daß ihm zur Erfüllung seines Versprechens die nötige Gelegenheit fehlen dürfte. Wenn wir einen Rückblick auf die Zeit der Russenherrschaft werfen, so muß festgestellt werden, daß sie hier ohne größeren Schaden vorübergegangen ist. Mord und Brandstiftung kamen nicht vor. Nur in der Umgebung wurden nach dem Abzüge noch einige Brücken niedergebrannt. In der Stadt blieb dann noch eine Patrouille von etlichen 50 Mann Turkmenen zurück; auch diese verschwand am Abende des !). Feber. Am Morgen des 10. wurden die ersten Österreicher mit ungeheurem .lubel empfangen; sie geben uns die Gewähr, daß das Gespenst einer dritten russischen Invasion in unser schönes Buchenländchen uns nicht mehr beschieden sein wird. Alfred Herrmann, Lehrer. Weue Mitglieder unserer Arveitsgemeinde für pädagogische Forschung und Schulreform. Berka Franz, Oberlehrer in Biehtz. — Baron Anlon, Fachlehrer in Hotzenplotz. — Beezwarowsky Jos., Lehrerin in Klöch, Steiermark. — Blaas Georg, Schulleiter in Kirchdorf am Inn. — Beer Alois, Schulleiter in Michalkowitz bei M.-Ostrau. — Dr. Burgerstein Leo, Regierungsrat in Wien. — Ehowantz Richard, Oberlehrer in Bielau bei Wagstadt. — Dittrich Eduard, Oberlehrer in Wampersdors. — Dux W, Oberlehrer in tiuct. — Danko Viktor, Oberlehrer in Heimschuh, Steiermark. — Frießweg, Schulleiter in Waldbach. — Glaser Rudolf, Oberlehrer in Els. — Gütter Josef, Lehrer in Wien. — Ginter Hans, Lehrer in Tepl. — Harps Konrad, Schulleiter in St. Ilgen. — Heigcnmooser Josef, Seminardirektor in München. — .Hinterlechnet Gabriel, Lehrer in Langesthei. — Huemer Karl, Oberlehrer in Vorderstader. — Hinterholzer Josef, Oberlehrer in Schörfling. — Herrmann Alfred, Lehrer in Fürstenthal. — Hlobil Hans, Lehrer in Göding. — Hofmaier Hans, Oberlehrer in Hartberg o. d. Am. — Hedrich Hedwig, Lehrerin in St. Leonhard am Forst. — Janoschek Josef, Schulleiter in Neustadt. — Hron Johann für den Lehrkörper in Wien, 18., Celtesg. 2. — Korger Erwin in Nikolsburg. — Kruschandl Viktor, Lehrer in Grasendorf. — Kallinger Matth., Lehrer in Reidling bei Tulln. — Korzenioroski, Oberlehrer in Ellgoth bei Bielitz ob. Kurzwald. — Kunzl Vinzenz in Wscherau. — Krobat Vinzenz, Schulleiter in Alt-Lublitz. — Kindermann Johann, Lehrer in Frühbuß. — Koselka Franz, Oberlehrer in Hombok. — Lehrkörper in Allensteig. — Lehrkörper in Kukus.— Löschner Josef, Lehrer in Marienbad. — Lehrkörper in Wien, 2. Patzmanitengasse 26. — Lanthaler Georg, Schulleiter in Vierschach bei Jnnichen. — Lehrkörper in Friedland-Jäckelstal. — Mark August, Schulleiter in Lastnitz. — Mihaescn E., Lehrer in Bossancze. — Melzer Milma, Lehrerin in Potlendorf. — Müller Karl, Lehrer in Frühbub. — Mühlberger Josef, Lehrer in Eichheit. — Nohl Ernst, Lehrer in Niedergrund a. E. — Nitsch Ad., Fachlehrer in Triest. — Neuvraa Rudolf in Reinowitz a. d. N. — Neumann Theod., Bürgerschullehrer in Wien. — Dr. M. Offner, Professor in München. — Ossadnik Anton, Lehrer in Trink-saisen. — Preiß Josef, Oberlehrer in Oskau. •- Proske Ernst, Schulleiter in Alt-Zechsdorf. — Pawlowski, Fachlehrer in Wigstadtl. — Peter Franz, Bürgerschuldirektor in Hanffeld. — Pelzl Paula, Lehrerin in Seegang. — Piffrader Karl, Schulleiter in Feldturms-Klausen. — Pils Ignaz, Lehrer in Deutsch. Beneschau. — Pöschko L., Lehrer in Deutsch-Reichenau bei Friedberg. — Porstendörser Antonia, Lehrerin in Wieselsdorf. — Ploner Joses, Lehrer in Schwenot. — Paul Richter, Lehrer in Mauerbau. — Knilling R., Oberlehrer in Traunstein, Bayern. — Rettenbach« Josef, prov. Schulleiter in Rußbach. — Rosam Rudolf, Lehrer in Kosolup. — Rumpfer Marie, Lehrerin in Komotau. — Rolhmeyer Karl, Lehrer in Unterhütte bei Hostau. — Sniesko Lorenz, Lehrer in Salzburg. — Sperlich Franz, Oberlehrer in Sandhübl. — Smatzal Johann, Fachlehrer in Postelberg. — Schreiber M. Justus, Oberlehrer im Salmtal. — Schubert Mane, Lehrerin in Eichhorn. — Scheuch Leopold, Bürgerschullehrer in Wien. — Scharf Albert, Lehrer in Velden a. S. — Schindler Franz, Oberlehrer in Groß-Secloivitz. — Schmitt Gustav, Lehrer in Bülten. — Stadler Ludwig, Lehrer in Wolspasstng. — Strauß Marie, Lehrerin m Zameitko. — Stegensek I., Lehrer in Markt Tüffcr. — Turnwald Marie, Lehrerin in Cholieschau. — Theimer K., Oberlehrer in Bilni. — Unterkirchner Vinzenz, Schulleiter in Lana. — Knabenvolksschule in Unter-Wielands. — Waber Peter, Lehrer in Trient. — Winter Rudolf, Lehrer in Ruppersdorf. — Wagner Adalbert, Lehrer in Totzenbach. — Walla Johann, Oberlehrer in Hohemvarth. — Würl A., Oberlehrer in Spannberg. — Wendl-Sponner Irene, Bürgerschullebrerin in Wien. — Zach Hans, Lehrer in St. Margarethen. — Zaboj Franz, Oberlehrer in Katelsdors. Feldpostbrief. Karpathen, 13. April 1915. Ich hatte kaum die jüngste Folge der Bl. zuende gelesen, da kam der Befehl: „Marschbereit“. Um 2 Uhr nachts brachen wir auf und kamen nach einem mühseligen Marsche über die in tiefem Schnee liegenden bewaldeten Karpathenberge in unsere neue Stellung, liier gruben wir uns sofort, so gut es ging, ein und vervollständigten die Deckungen im Laufe der nächsten Tage und Nächte. Leicht war es gerade nicht, sich in dem schneebedeckten Abhange so tief einzuwühlen, dali man stehend vollständig gedeckt war. Steine und Wurzeln erleichterten diese Arbeit gerade auch nicht. Und doch brachten wir es fertig mit den kurzstieligen Spaten. Außerdem legten wir Drahthindernisse in drei Reihen und einen dichten Astverhau, den wir mit Minen und Leuchtraketen in Verbindung brachten, vor unserer Stellung an. Nun konnten die Russen kommen 1 Und sie ließen nicht lange auf sich warten. Am 21. März, einem Sonntag, kamen sie im Morgengrauen in Sturmkolonnen angerückt. Doch wir wachten, wie wir überhaupt in den neuen Stellungen noch nicht geschlafen hatten. Das blutige Schauspiel, das sich nun entspann, werde ich nie vergessen. Jede Einzelnheit haftet fest im Gedächtnisse. Über die Gefühle, die ich damals hatte, als ich die feindlichen Massen sich den Hang heraufwälzen sah, kann ich mir heute, da ich im „Zimmer“ sitze, keine Rechenschaft geben. Ich glaube, es war Mordlust, mit der ich den Befehl zum Schießen gab. Wir hatten die Russen ziemlich nahe herankommen lassen und konnten bereits jeden Einzelnen der vorderen Reihen unterscheiden. Da war jeder Schuß ein Treffer. Man konnte dabei, da es immer heller wurde, auch die Taktik der Feinde beobachten. Die vordersten Reihen trugen große Beile und Drahtscheren zum Niederlegen der Drahthindernisse, jeder zehnte Mann vielleicht hatte außerdem Handbomben. Fiel einer aus dieser Reihe, so wurde er bald aus nachrllckenden Reihen ersetzt, ln rasendem Lauf kamen sie herauf, ohne zu schießen. Ihr Angriff galt ja zunächst den Hindernissen. Und sie kamen unter riesigen Opfern bis an das letzte Drahthindernis — aber nicht einen Schritt weiter. Nach einer Stunde sah man keinen gesunden Russen mehr. Wir atmeten auf. Doch gleich begann neue Arbeit. Nun hieß es vor allem, die Drahthindernisse ausbessern, bezw. neu anlegen. Das war ein grauenhaftes Geschäft; denn vorerst mußten die toten und schwerverwundeten Feinde aus den Hindernissen entfernt werden. Wir trugen sie heraus, einen nach dem anderen, ohne besondere Gefühle, vielleicht so, als würde man statt einer Leiche ein Stück Holz tragen. Solchen Einfluß hat das Schützen- graben treiben auf das Gefühlsleben. Ich stand dabei und zählte, als meine Leute diese grauenhafte Arbeit verrichteten — und zählte 163 Leiehen. Sie lagen in den Hindernissen vor der Front meines Zuges auf einer Fläche von rund 50 Schritt Länge und 30 Schritt Breite. Die weiter in den Wald hinein vor den Hindernissen waren, konnten wir nicht wegschaffen; das besorgten die Bussen in der nächsten Nacht selbst. Solche Angriffe hatten wir nun während der nächsten Tage (besser Nächte) stets ab- zuwehren. An Schlaf, Reinigung u. dergl. Bedürfnisse war natürlich nicht zu denken. Dazu das Wetter! Bei Tag war der Schützengraben meist ein Kanal, nachts konnte man darin Schlittschuh laufen. Doch man gewöhnt sich an alles und hält alles aus. Wir schliefen wochenlang fast gar nichts; es war unmöglich. Bei Tag hieß es, die Stellungen besser ausbauen und Patrouillendienste verrichten, nachts immer gefechtsbereit sein. Wir hätten übrigens nachts vor Kälte gar nicht schlafen können. So folgte nach dem Falle Przemysls ein Angriff dem anderen. Dazwischen wieder unserseits „Umgruppierungen“. Lieber Sturm als dies! Der gewöhnliche Soldat drückt den Abscheu gegen die „Umgruppierung“ sehr drastisch mit dem fürchterlichsten Schimpfworte aus, das die Schwarmlinie kennt: „Ich gib dir a Watsch’n, daß’d di umgruppieren mußt!“ Eines bringt der Krieg mit sich, das habe ich nun erfahren: eine Umwandlung aller Werte. Nie konnte sonst ein Kulturmensch — für den ich mich auch halte — Lust am Morden haben! Vielleicht ist der Selbsterhaltungstrieb das einzige natürliche Gefühl im Menschen, alles Andere „Scheinkultur“. Leider geht das Papier zu Ende! Kriegsrechenaufgaben. 1.) Der Vater hat in das Lagerhaus Herzogenburg als ärarische Sammelstelle 1200 kg Weizen und 700 kg Korn, oder 1500 kg Gerste und 600 kg Hafer zu liefern; wieviel erhält er? 2.) Die Gemeinde Kapelln ist verpflichtet, in den Monaten Nov., Dez., Januar, Feber und März 10.000 kg Weizen, 40.000 kg Roggen, 6500 kg Hafer und 18.000 kg Gerste zu liefern. Wieviel macht die ganze Fruchtmenge aus? Wieviel hat die Gemeinde monatlich von jeder Getreideart zu liefern? Wie groß ist der Wert der ganzen Fruchtmenge? Zur Grundlage dienen immer die Höchstpreise, die rückwirkend bis 1. Oktober bezahlt werden u. zw. für 100 kg Weizen K 40 50, für 100 kg Roggen K 33 50, für 100 kg Gerste 29 K, für 100 kg Hafer 25 K. (Dieser letztere Preis versteht sich nur für Nied.-Ost. und ist für andere Kronländer ein anderer. Sieh Reichsgesetzblatt Nr. 347 vom 21. Dezember 1914!) Ich versäume nie, jede Rechnung zweimal u. zw. das zweite Mal mit Einsetzung der vorjährigen Preise zu rechnen. Durchschnittspreise: 1 q Weizen 21 K, 1 q Roggen 17 K, 1 q Gerste 14 K, 1 q Hafer K 15 50. Die Bauern kinder — ich habe größtenteils solche — sehen, daß der Bauer in diesem Kriege am besten dran ist, ja für manchen Großbauer ist der Krieg — falls er nicht Blutsteuer zu entrichten hat — bis jetzt geradezu ein Treffer. Es schadet gar nicht, darauf hinzuweisen, wie schwer sich jene tun, die die hohen Preise eigentlich bezahlen müssen. Ähnliche Rechnungen lassen sich auch mit Stroh, Heu und Kartoffeln unter Zugrundelegung folgender Preise machen: 1 q Stroh 5 K, 1 q Heu 9 K, 1 q Kartoffeln 9 K. (In anderen Kronländern stellt sich der Preis für Kartoffeln anders. Sieh R. G. Bl. Nr. 545 vom 23. Dezember 19141) Für Hasen werden in Wien seit Aufhebung der Linienverzehrungssteuer bezahlt: (Von der Behörde festgestellt!) R. G. Bl. Nr. 335 vom 10. Dezember 19141 1. Für Hasen über 2 kg in tadellosem Zustande K 3 80. 2. Für Hasen unter 2 kg oder stark beschädigt K 2 60. Gibt eine Menge Rechnungen; so auch mit anderen Volksnahrungsmitteln. Kriegsschrifttum. b) Lehrerblätter. 8.) Deutsch-österreichische Lehrerzeitung. (Verlag: Deutsch-österr. Lehrerbund in Wien; Schriftleiter: A. Chr. Jessen; monatlich zwei Hefte; jährlich 6 K.) — Unser größtes Lehrerblatt, das hauptsächlich den Fragen der Organisation dient. Das Ausland wird aus ihm ein klares Bild des Gehaltskampfes der österr. Lehrerschaft gewinnen können. — Kriegsartikel: Die Lehrer im Kriege. — Die große Zeit. — Schul- und Militärerziehung. Von Jessen. — Kulturbilder aus dem Gefangenenlager. — Volksernährung im Kriege. — Wenn wir siegenI 9.) Der Schulleiter. (Verlag: Verband der Leiter der Wiener Volks- und Bürgerschulen; Schriftleiter: Dir. Felix Knotz; jährlich 12 Hefte 4 K.) — Die Zeitschrift vertritt zunächst die Angelegenheiten der Wiener Schulen. Die Anlage folgt praktischen Zwecken; recht gut ist das Monatsrepertorium. Tagesfragen werden zuweilen treffend beleuchtet. — Kriegsartikel: Hütet das heilige Brot! Von II. Franke. — Deutsche Gegenwart und Zukunft. 10.) Österreichische Schul-Zeitung. (Verlag: Niederösterreichischer Landes-Lehrerverein in Wien; Schriftleiter: Leop. Scheuch; monatlich drei Hefte, jährlich 10 K.) — Jordan, der allbekannte Schulkämpe, hat als Schriftleiter in L. Scheuch einen würdigen Nachfolger gefunden. Es ist nur schade, daß sich das Blatt nicht weiten kann; man merkt die Enge, wenn größere Belange Platz finden sollen. — Kriegsartikel: Weltkrieg und Weltfriede. — Wie müssen wir heute stehen? Von Prof. F. Staudinger. — Stimmen des Friedens und der Liebe. — Weltkrieg und Weltwirtschaft. 11.) Deutsche Schulpraxis. (Verlag: Ernst Wunderlich in Leipzig; Schriftleiter: Hans Wunderlich; wöchentlich ein Heft, vierteljährlich M. 1 60.) — Befreiung der Volksschullehrer vom Kriegsdienste. Von Dr. R. Seyfert. — Der Weltkrieg. Von Dr. R. Seyfert. — Wie die Reichsregierung dafür sorgt, daß unser Volk nicht ausgehungert werden kann. Von H. Ernst. — Die Schule und der Krieg. — Die Nordseeschlacht am 24. Januar. Skizze einer Kriegsstunde. Von Dr. A. Reukauf. 12.) Zeitschrift des Oberöst. Landeslehrervereines. (Verlag: Oberöst. Landeslehrerverein; Schriftleiter: Josef Niemetz.) — Die eingelaufenen Hefte zeugen von strammer Organisation und lebhafter Behandlung unserer Tagesfragen. In neuester Zeit bringt das Blatt die Bilder gefallener Landeskollegen. — Kriegsartikel: Pflichten der Daheimgebliebenen. — Zum Weltkrieg. — Engländerei und Französelei im Erziehungswesen. 13.) Pestalozzi-Zeitung. (Verlag: Gustav Krützner in Wien; Schriftleiter: z. Z. K. C. Rothe; monatlich ein Heft, jährlich 2 K.) — Diese von uns bereits empfohlene Zeitschrift, die zunächst im Dienste der Jugendhorte steht, beginnt, sich allmählich einen Platz in den vordersten Reihen zu erobern. — Kriegsartikel: Vom Kriegsschauplatz im Norden. Von Kerschbaum. — Krieg und Erziehung. Von. K. C. Rothe. 14.) Österreichische Pädagogische Warte. (Verlag: Heinrich Kirsch in Wien; Schriftleiter: Dir. Au. M. Kemetter; jährlich 24 Hefte 4 K.) — Seit neuerer Zeit tritt in der Zeitschrift B. Merth stärker hervor u. zw. mit Aufsätzen, die einer gesunden Praxis entnommen sind. Als Bereicherung verzeichnen wir die Beilage „Aus alter und neuer Zeit“. — Kriegsartikel: Kriegblütenlese aus Webers „Dreizehnlinden“. Von MUhlner. — Kriegsgeschichten im Geschichtsunterricht. Von B. Merth. — Kriegs-Sprachlehre. Von B. Merth. — Krieg und Finanzen. Von Grüneis. — Der Krieg als Erzieher. Von Prof. Th. Ziegler. — Für und wider den Krieg. Von B. Merth. — Über den Verlauf einer Kriegsstunde in der Schule. 15.) Schul- und Kirchenbote. (Verlag: H. Zeidner in Kronstadt; Schriftleiter: R. H. Hiemesch; jährlich 24 Hefte 5 K.) — Ein fleißiger Bote, der die enge Fühlungnahme mit Deutschland verrät. Man findet in dem Siebenbürger Schulblatte viel Treffliches, viel, was die neueste Marke trägt. — Kriegsartikel: Der Krieg als Lehrmeister für den Geschichtsunterricht. Von K. Hildebrand. — Unsere gerechte Sache. 16.) Kartographische Zeitschrift. (Verlag: G. Freytag und Berndt in Wien; Schriftleiter: Prof. Joh. G. Rothaug; jährlich 10 Hefte 3 K.) — Es liegt in der Natur der Sache, daß sich unsere gutgeleitete geograph. Zeitschrift den Kriegsschauplätzen zuwendet. Wer sich also laufend informieren will, nehme Einblick. — Kriegsartikel: Historisch-geographische Studie über Ägypten und den Suezkanal. Von Prof. J. G. Rothaug. — Die Verteidigung des Suezkanals. — Seebeuterecht und Indultfrist. Von Dr. R. Rothaug. — Warschau. Von J. G. Rothaug. 17.) Bayerische Lehrerzeitung. (Verlag: Bayerischer Volksschullehrerverein in Nürnberg; Schriftleiter: M. Meyerhöfer; wöchentlich ein Heft, jährlich 10 M.) (Würdigung in F. 133.) — Heft 7 und 8 enthalten folgende Kriegsartikel: Deutscher Eichwald. Von J. Rauscher. — Wer wird verhungern? Von P. Lang. (Wird fortgesetzt.) Briefkasten. Die im Leitberichte der Folge 136 gegebene Anregung bat nicht vollends zu dem erwünschten Erfolge geführt. Gründe: a) In einigen Vereinen braucht man statt der als Mittelmaß genommenen Zahl von 500 Karten ihrer bloß 300 oder 400. (Das kann indes den Plan selbst nicht berühren.) — b) Es soll erst das Ende des Krieges abgcwarlet werden, um die Ehrung summarisch ins Werk zu setzen. (Dem steht unsere Darlegung in dem Teile, wo die Frische des Eindrucks betont wird, entgegen.) — c) „Ich Hab' auf die Angelegenheit ganz vergessenl" (Hier liegt das traurigste Moment. In diesen großen Tagen sollte uns doch nichts heiliger sein als der Gedanke an „unsere" Helden.) — Um nun noch dem letzten Hindernisse, das etwa aus dem Mißtrauen entspringt, zu begegnen, schalte ich die angebotene Vermittlung aus und teile mit, daß die Bild- 3317 stücke unter Berufung aus die Bl. bei der Firma Patzelt u. Ko. in Wien 7., Lerchenselderstraße 125, zum ermäßigten Preise von 4 K hergestellt werden. Die Anfertigung der Karten übernimmt jede Druckerei, die unserer Bl. (Josef Pavlicek in Gottschee, Krain) 500 Stück um K 8 50. Ich habe erklärt, bei leihweiser Überlassung des Bildstockes ein Viertel der Kosten (also 1 K) zu tragen. Auch diese Verbindlichkeit mag fallen, um den Gedanken nicht durch einen scheelen Blick zu stören. Da er an sich allseitigen Beifall gefunden hat, entkleide ich ihn aller Umstände, die seiner Durchführung im Wege stehen könnten, wiewohl mich bei der ersten Darlegung nichts leitete als der gute Wille, die Gestaltung zu erleichtern. — Nun wird doch wohl niemand mehr zaudern können, bei der nächsten Lehrerversammlung den Antrag zu stellen, es seien von den für das Vaterland gefallenen Mitgliedern des Vereines Bildkartcn zu beschaffen, um sie an jedes Mitglied der Gemeinde, an jede Schule im Bezirk und an jedes Kind kostenlos abzugeben, das den Helden seinen Lehrer nannte. — <&. W. in M.: Das Gedicht kam leider zu spät. Die Zeit rauscht so schnell vorüber, daß ihr Stimmungsgehalt ständig wechselt. — Lehrer Hy. I. in L.: Die Nachtragskriegskronen konnten erst jetzt vermerkt werde». — K. M., Zlmgl. 71t, 9. Komp. schreibt aus dem Felde: „Ta die Gedanken aller auf den Krieg gerichtet sind, müssen sich die Bl. mit ihm beschäftige», wollen sie den Zeitgeist in der Schule zur Geltung kommen lassen." — Lehrer L. St. in A.: Geldunterstützungen für Studienreisen können unter „geregelten" Verhältnissen nur erlangt werden, wenn Man sich mit einem besonderen Fache, das eine wichtige Neueinrichtung vorbereitet, beschäftigt und den Erweis einer fruchtbringenden Betätigung erbracht.hat. Dermalen ist indes an ein Stipendium nicht zu denken, auch wenn man eine Reise in den Siebenten päd. Himmel machen wollte. — Zlnsere Kriegsspendc ist noch nicht vollends aufgebraucht. Gesuche an die Schristleitung. — Direktor H. ZS. in AI. sandte Folge 136 (Lehrerheldennummer) an seinen im Felde stehenden Sohn. Wenn mir Anschriften zukommen, bin ich bereit, die kostenlose Zumittlung des genannten Heftes an Kollegen auf dem Kriegsschauplätze zu veranlassen. — Kaisers. Mai A. K. in ZS.: Es war mir ein Bedürfnis, Deinem Heldensohne ein Denkmal zu setzen. Jeder, der draußen für uns ficht, verdient es, daß wir das Andenken an ihn wahren für alle Zeiten. — *. y.: So, so, Sic wollen also unsere Bl. nur dann lesen, wenn Sie sich in ihnen gedruckt sehen. Merkwürdig! Ich dachte immer, man lerne von anderen und nicht von sich selbst. Ihr Beitrag folgt zurück, weil ich die Bedingung nicht eingehe. — Lehrer und I'rüfeki A. W. in Z».: Eine hohe, eine herrliche Tat für das Vaterland, für die Menschheit: Sie unterweisen die Kriegsblinden, d. H., Sie führen jene zum Leben zurück, denen die Kugel das Auge geraubt hat. Ihre Arbeit gehört auch zum Siege der Daheimgebliebenen. — Direktor K. Aranngrnver in Zöien teilt mit, daß das von ihm verfaßte Gedicht „Der Kaiser hat gerufen" (S. 3267 unserer Bl.) nicht etwa als Gesellschastsarbeit Kirchls und Keldorfers vertont, sondern von jedem der genannten Komponisten in eine eigene Weise gekleidet, also zweimal in Musik gesetzt worden ist. — Lehrer Al. M. in Anssisch-Aoken: Das glaube ich, daß in Ihnen unser Gedenken an Prof. Pindur (Folge 136) tiefe Wehmut wachgerufen hat, da Sie neben P. standen, als ihn die Russenkugel traf. Halten Sie das gesegnete Stück Erde; wir wollen kommen und pflügen! — Zlaih Aoka: Sie wollen mich erst einlassen, bis P. im Siegesschmucke prangt. Gerade im Kriegskleide hätte ich es gerne gesehen. — Lehrer $. in A- a. Schl. (Tirol): Aus Ihrer Doppelkarte: „Für den Krieg bin ich zu alt; aber dafür verrichte ich andere Arbeit für unser Vaterland, da ich Gemeindesekretär und Rechnungsunlerosfizier der Standschützen bin." — Ob sich alle, die nicht im Felde stehen, so rechtfertigen können? — Schlkt. A. ZS. in S.: Ihr tapferer Mut gefällt mir. In diesen großen Tagen wirkt nichts so ernüchternd, als wenn Männer, die das Vaterland ruft, flennen und sich drücken wollen. — Lehrerin Zkl. Ii. in K.: Sie würden sich den Dank der Amts-schwestern erwerben, wenn Sie die „Heldentaten der Lehrerinnen in dem Kriege 1914/15" sammelten. Beiträge, die uns für diesen Abschnitt zukommen, wollen wir sichten, um ein Ruhmesblatt für die Kolleginnen zu füllen. — Aachkeyrer A. S. im Aekde: Es mag sein, daß Feldpostbriefe bei vielen Zeitungslesern nicht mehr dem verdienten Interesse begegnen. Nichtsdestoweniger sollen Sie Ihre Erlebnisse aufzeichnen und gelegentlich den Bl. übergeben. Wie ich mich darüber freue, daß unsere Worte den Weg in die Schützengräben finden! — Antrag. Knapp vor Schluß der vorliegenden Folge lief der Antrag ein, es möge für unsere tapfere Mitarbeiterin Frl. Lehrerin Ella Schober, die bekanntlich aus freiem Antriebe ins Feld gezogen ist (F. 136 und 137), um dort der Berwundetenpflege zu obliegen, ein Ehrengeschenk, etwa ein silberner Lorbeerkranz, vorbereitet werden. In der an die Bl. gerichteten Zuschrift des Antragstellers heißt es u. a.: „Schwester Ella, — ein frisches, junges Tirolerblut! Daheim die fürsorgliche Beschützerin einer Kinderschar, im blutige» Streit eine Heldin. Möchte doch der Geist dieser tapferen Kollegin alle beseelen und das Beispiel zu großen Taten aneifern! Sollten wir angesichts des Heldentums der Amtsschwester nicht aus unserer „Blätter-Gemeinde" heraus ein Ehrengeschenk stiften?" — Die Schristleitung übernimmt Spenden und legt seinerzeit Rechnung. Bei der Übermittlung kann allenfalls auch die Meinung hinsichtlich der Wahl eines geeigneten Ehrenzeichens abgegeben werden. Der Gedanke ist schön; er sollte nicht überschlagen werden! — 3818 Kleine Mitteilungen. 589.) 4. Uraktifcher Zeichenkurs in Steyr. Für modernes Schnlzeichnen nach den neuen Lehrplänen veranstaltet Fachlehrer A. Lebeda-Sleyr einen allgemein zugänglichen Fortbildungskurs nach dem bewährten Programme des ministeriellen Kurses pro 1912. Kurszeit: Vom 18. Juli bis 4. August 1915. Als Vorbereitung und praktische Schulung zur Ablegung der Nachprüfung im Zeichnen besonders zweckmäßig und empfehlenswert. Programm: 1. Ornamentale Schriflformen (Gebrauch der Rohr- und Kugelspitzseder, des Holz- und Ouellstiftes und anderer Schreibwerkzeuge — 2. Zeichnen und Malen nach flächenhaflen Gegenständen, Pinselübungen, Silhouetten; kurze Belehrungen über das moderne Ornament, Farben-Mrschübungen; schmückendes Zeichnen, Stempeldruck. — 3. Perspektive, Ableitung der wichtigsten Gesetze auf empirischem Wege an einfachen Objekte». Visieren und Messen. — 4. Die moderne Gruppierung und ihre Gesetze. Darstellung einfacher Objekte und Objektgruppen. — 5. Freie Studien nach Naturobjekten verschiedener Art. Früchte, Blumen, Tiere, Teile des Schulzimmers, Slilleben, einfache Landschastsstudien. Aufnahme einfacher Tore, Brunnen, Stiegen, Höse usw. — Technik der Darstellung: Bleistift, Kohle, Kreide, Feder, Aquarell, eventuell Tempera und Ölstudien. Vorgeschrittene bilden eine eigene Gruppe, betreiben Architektur- und Landschaftsstudien, für welche die alte Eisenstadt Steyr eine wahre Fundgrube bildet. 690.) Weltkrieg und Krziehungsresorm. Von Johannes Richter in Leipzig. („Die Arbeitsschule". Monatsschrift des deutschen Vereines für Knabcnarbeit und Werkunterricht und seiner Landesverbände. 29. Jahrgang. Nr. 1.) Der Verfasser führt aus: „Der Krieg jenseits unserer Grenzen bestätigt uns heute, daß wir mit unserem Bemühen um die innere Biegsamkeit und Schnellkraft der Lehrerpersönlichkeit bislang auf dem rechten Wege hielten. Er nötigt »ns auch zu ernsthafter Selbstprüfung, die schwerlich einen unter uns ganz ohne Scham entläßt. Wie oft haben wir uns doch am Äußerlichen, Bequemen genügen lassen, wie oft sind wir aus Schwachheit oder trotzigem Eigensinn der besseren Überzeugung in uns untren geworden! Wie oft haben wir nur „Stunden gehalten", freudlos und flügellahm, wie oft den Jungen nur Stoff vorgeschüttet statt lebenweckender Speise! Mancher mag wohl ertöten, wenn er der einstigen Schüler gedenkt, die nun unter voller Einsetzung des Ihren die äußerste Pflicht dem Vaterlande gegenüber erfüllen und so zu uns reden wie die ehrwürdigen Vorbilder der Väterzeit. Es ist ein gewaltiger Weckens zu rastloser Hingabe an den Erzieherberuf, der von den frischen Schlachtfeldern herüberlönt. Denn unter unserer Verantwortung mit geschieht, was draußen gerungen, geopfert und — versäumt wird, und mit allem Schimmer, der auf die Arbeit der deutschen Schule vom Felde der Ehre herübergleitet, treten doch auch die Flecken unserer Verfehlungen ins volle Licht. Wir sehen sie heute klarer denn je und schöpfen aus der gcoßen sittlichen Woge der Zeit die Kraft, sie zu tilge». Wer möchte sich heute noch durch Standcsfragen der eignen sozialen oder wirtschaftlichen Stellung, durch Betätigung äußerlicher Strebergesinnung, die nach dem höher» Amt. »ach Würden und Orden geizt, der Heiligkeit der Erziehungsfrage entfremden lassen? Die Lust weht scharf, und das Unlebendige an uns stirbt: Der Dünkel, die eitle Selbstgefälligkeit der Weltverbesserer und griesgrämigen Splitterrichter, die selbstmörderische Eifersucht der Lehrergruppen untereinander und all das Kleine und Verächtliche, das in unseren Reihen schmarotzt. Jetzt dünkt es uns leicht, unserer ltnarten Herr zu werden; tuen» der Friede wieder die zusammengeballte Energie entspannen wird, müssen wir mit verdoppelter Wachsamkeit zum Kanipf gegen die lichtscheuen Elemente zusammenrücken. Das Wort von der vorbildlichen Er-zieherpersönlichkeit fristete vielfach in pädagogischen Lehrbüchern und Festreden ein blutloses Dasein. ES soll wieder Wahrheit werden. Nicht dadurch, daß wir vor unfern Schülern nach dem Ruhme des Gelehrte» geizen oder um Liebe werben, sondern durch den freien Entschluß, uns selbst zu geben und nicht bloß, was auch in Lehrbüchern steht. Solcher Entschluß ist ein Wagnis, und ohne Selbstkultur wiegt er wie ein Verbrechen. Daß wir uns selbst wieder ernsthaft in die Schule nehmen, nicht mit Erlerntem, sondern mit dem, was wir sind, zahlen, ist das große Anliegen der kämpfenden Nation an uns. Die Aussaat der großen Zeit soll durch uns keimfähig bleiben und mit der Werbekrast der reifen Erzieherpersönlichkeit auch nach dem Kriege Segen wirken." 691.) Hvnngsfchule an der Universität. An das vom Universitäts-Professor Dr. Götller geleitete pädagogische Seminar der Universität in München, das mit praktischen Übungen ausgestattet wurde, ist Lehrer F. Weigl als Assistent berufen worden. Die Ausgabe des Praktikums besteht darin, den Hörern der theoretischen Vorlesung eine Einführung in die Praxis zu geben, Musterleklionen zu bieten und sie zur eigenen Unterrichts-erteilung anzuleiten. Es ist zu wünschen, daß die Einrichtung, die unseres Wissens neben Jena einzig an den deutschen Universitäten besteht, ja selbst Jena überlasst, indem der praktisch erfahrene Volksschullehrer zur Leitung mit beigezogen ist, recht bald weiter ausgebaut wird. Deutsch.österreichische Lehrerzeitung. 592.) Sir Iaht der gefallenen ösierreich. Wittelfchirtlehrer beträgt nach den „Mitteilungen anS dein höheren Schulwesen" (Hest 4/5) bisher 71. 593.) Waterländifche Abende für junge Mädchen, wie sie in Magdeburg stattfinden, sind eine recht empfehlenswerte Einrichtung, die auch bei uns Eingang verdiente. Da lernen die Teilnehmerinnen sich auf 3319 der Karte zurechlsiudeu, aus richtiger Würdigung die kriegerischen Ereignisse ohne (Schönfärberei und ohne den Mißklang schwarzseherischer Anschauung kennen. Sie empfinden die ganze Große unserer Zeit mit; der gemeinsame Gesang hilft das Feuer vaterländischer Begeisterung in den jungen Seelen entzünden. 594.) fln HedenKvkatt aus F»ervnrgcrs Lekdengrav. Lehrer Julius Herburger aus Braunau am Inn, Rcscrvcleutnaut im Infanterie.Regiment Nr. 14, fiel auf Polens blutigen Gefilden im Kampfe für Kaiser und Reich. H. hat mit seinem Heldentod in den Ruhmcskranz der Lehrerschaft ein Reis geflochten, das unvergänglich grünt. Die Oberosterreich. Bolkszeitung erzählt in Nr. 14 d. I. über die letzten Stunden dieses Lchrerhelden: Ein schönes Sterben. Ich saß in einem Abteil 2. Klasse. Ein Fähnrich erzählte von seinen Erlebnissen aus dem Kriegsschauplätze. Man hat das Gefühl, daß der Mann die Wahrheit sage. So schlicht, so losgelöst von eigenem Ich waren die Worte. Allerdings, jedes von inniger Vaterlandsliebe beseelt. „Da draußen hat man nie das Gefühl, daß es endgültig schief gehen könne. Alles kloppt. Da gibt cs keine Raunzer wie daheim, die das stärkste Vertrauen erschüttern." Dann erzählte er von seinem Freunde Hcrburger und von seinem schönen Sterben. Es war im November. Heiße Wochen waren über» standen. Unsere Oberösterreicher haben längst die Probe auf ein erstklassiges Soldatenmaterial Überstunden. Die größten Entbehrungen und auch Mißerfolge lassen die herrliche Disziplin nicht locker werden, schwächen nicht Tapferkeit und Vertrauen. Auch die Kompagnie Herburgers war mit ihrem Leutnant noch von den gleichen Tugenden beseelt wie zu Beginn des Krieges. Es hieß nach schweren Tagen des Rückzuges wieder angreifen, und zwar auf russischem Boden. Eines Tages ging es unter mörderischem Gegenfcner der Russen von Deckung zu Deckung; der Leutnant ist getroffen. Der Erzähler dieser Begebenheit eilte nach vorne. Beide waren intime Freunde geworden. „Was ist Dir, mein Lieber?" fragte ihn der Fähnrich „Mich hat's erwischt. Sei so gut und verständige meine Angehörigen; ich sühl's, es geht »ms Leben." Man tat dem Schwerverwundetcn, was man konnte; die Uniform wurde aufgemacht, die Schuhe wurden ausgezogen. Da fragte der Sterbende seinen Freund: „Glaubst Du, daß mich meine Leute gern hoben?" „Aber geh', Du weißt doch, wie Deine Soldaten an Dir hängen." Ein Lächeln verklärte sein Antlitz. „Mit dem Trost sterbe ich gerne. Geh', ruf’ mir die alten Bekannten herbei, die vom Anfang an bei mir waren. Ich will mich verabschieden ..." Und nun krochen die bebärteten Männer herbei und jeder einzelne gab dem Scheidenden die Hand. „Psüat Gott, Herr Leutnant!" Und dann weinten die Soldaten wie Kinder um ihren Vater. Auf dem Sterbenden aber, den man nun zurücktrug und der bald darauf verschied, lag es wie Sonnenschein. Seine Leute hatten ihn ja gerne. . . Dem Fähnrich, der dies erzählte, sind bei dieser Schilderung die Auge» naß geworden und die Zuhörer glaubten es gerne, als er versicherte: „Ich glaube nicht, daß in meinem ganzen Leben auch nur ein Tag vergehen wird, an dem ich nicht an dieses Abschiednchmen denken werde." Eingesendet von Andreas Lothallcr, Lehrer in Pram, Oberösterreich. 1. Ausweis, betreffend die zweite Kriegs irrone der Al. A. Junker, Lehrerin in Auschowitz 1. — I. Zwischcnberger, Lehrer in St. Ulrich 3. — V. Eisen, Lehrer in Neustadt 1. — H. Demal, Lehrer in Windhag 1. — Schulleitung in Harland 1. — A. Lothaller, Lehrer in Pram 1. — Franz Joses-Jugendasyl in Weinzierl 1. — F. Nußdaumer, Lehrer in Bczau 1. — I Mair, Lehrer in Scekirchen l. — L. Kreisky, Lehrer in Prerau 1. — H. Gintner, Lehrer in Stadt Tepl 1. — I. Gaßncr, Lehrer in Viehdorf 2. — M. Bednarik, Lehrerin in Jedenspeigen 1. — H. Wenusch, Lehrer in Rottenschachen 2. — F. Salzncr, Oberlehrer in Thening 1. — I. Zojer, Oberlehrer in Irschen 1. — Lehrkörper der Volksschule in Markersdorf 1. — H. Scherer, Oberlehrer in Oberzeiring 1. — R. Neuwirlh, Schulleiter in Wilkowitz 1. — R. Beck, Schulleiter in Neu-Raußnitz 1. — L. Pöschl, Oberlehrer in Unter-Wielands 1. — Lehrkörper in Wölmsdorf 4. — CH. Bogensberger, Oberlehrer in Aschbach 1. — W. Gloger, Lehrer in Landskron 1. — H. Hinke, Bürgerschuldirektor in Groß-Enzersdorf 1. — F. Kaff, Schulleiter in Deutsch-Thomasschlag 1. — Jg. Tschiesche, Oberlehrer in Langugest 4. — A. Parzyk, Oberlehrer in Ochab 1. — T. Schierer, Oberlehrer in Waldkirchen 1. — H. Zotlöterer, Lehrer in Raubegg 2. — I. Bacher, Lehrer in Unterfennberg 1. — I. Schmid, Oberlehrer in Ncudorf 2. — K. Mykylynski, Oberlehrer in Neuhütte 1. — F. Anderl, Schulleiter in Nieder-Öblarn 1. — I. Triansch, Lehrer in Gutenstein 1. — B. Adelt, Oberlehrer in Altenbuch 1. — I. Reisinger, Direktor in Vöcklabruck 1. — I. Sachse, Oberlehrer in Leitmeritz 1. — Reg.-Rat K. Kraus in Wien 1. — Hosrat Dr. K. Stejskal in Wien 5. — I. Neumann, Lehrer in Schön-linde 2. — P. T. Ursulinen in Graz 6. — A. Löhnert, Schulleiter in Lobming 1. — A. Walter, Lehrer in Going 1. — A. Kotremba, Lehrer in Pottenstein 1. — F. ©hat, Oberlehrer in Wartcnberg 2. — I. Havel, Oberlehrer in ©zachrau 1. — Lehrkörper in Langegg 4. — R. Ehrlich, Lehrer in Teplrtz-Schönau 1. — I. Moosleitner, Schuldirektor in Straßwalchen 1. — I. Kuba, Lehrer in Hermannseifen 2. — A. Adelt, Lehrer in Schallau 1. — I. Geiger, Oberlehrer in Gr.-Schweinbarlh 1. — A. Eigner, Oberlehrer in Spital am Semmering 2. — I. Wratschko, Oberlehrer in Psaffstätten 1. — W. Zohner, Oberlehrer in Deutsch-Eisenberg 1. — St. Harter, Jngenieursgaltin in Graz 2. — E. Narozny, Oberlehrer in Althart 1. — E. Sol}, Lehrer in Trifail 1. — W. Servus, Oberlehrer in Rabcnstein 1. — Jp. Mobingcr, Lehrer in Pischelsdorf 1. — I. Auer, Schulleiter in St. Jukob 1. — E. Plischke, Lehrer in Wildschiß 1. — I. Rößler, Lehrer in Warnsdorf 1. — I. Laure, Lehrerin in Weißbuch 1. — Dr. I. Wentzel, Professor in Laibach 1. — A. Fleschurz, Lehrer in Ternberg 1. — W. Kcmpf, Oberlehrer in Domstadtl 1. — E. Müller, Lehrer in Litton 1. — Mädchenvolksschnlc in Slotschau 1. — St. Pichler, Schulleiter in Schönberg 10. — Buchhandlung U. Horvat in Rudolfswert 1. — L. Lampl, Oberlehrer in Wilhelmsburg 1. — A. Roschlaritsch, Lehrerin in Brunnsee 1. — R. Hanptmann, Lehrer in Scheiblingskirchen 1. — K. Wopatt, Lehrer in Wistritz 1. — A. Schmid, Oberlehrer in Leopoldsdors 1. — R. Kristoferitsch, Lehrer in Strallegg 1. — G. Schlicker, Lehrerin in Sternberg 2. — E. Tannert, Oberlehrer in Rohateh 1. — Schulleitung in Klei»-St. Paul 1. — E. Köstner, Lehrerin in Petersburg 1. — W. Fechter, Oberlehrer in Kotzian 2. — A. Schrott, Lehrer in Zebau 1. — Lehrkörper in Fels am Wagram 5. — Mädchen-Bürgerschule in Mies 1. — D. Hlach, Lehrerin in Reichraming 1. — A. Haubner, Übungsschullehrer in Trautenau 4. — I. Gütler, Lehrer in Wien 2. — F. Sachse, Lehrer in Ringelshain 1. — W. Schöttuer, Oberlehrer in Aich 2. — I. Wenig, Oberlehrer in Kuttenpla» 1. — F. Hellmer, Lehrer in Trpist 1. — I. Rößler, Lehrer in Stankowitz 1. — K. Pötsch, Oberlehrer in Albrechtsberg 1. — F. Wolf, Lehrer in Schömitz 1. — L. Dietel, Oberlehrer in Niklasberg 1. — W. Hildwein, Lehrer in Prostibor 1. — I. Krause, Lehrer in Doberseik 1. — I. Prause, Oberlehrer in Hilbetten 1. — M. Schwender, Lehrerin in Preßguts 2. — Prof. Dr. W. Toischer in Smichow 2. — I. Psrogncr, Lehrer in Lichtcnstein 1. — G. Schmitt, Lehrer in Bülten 1. — F. Zachcrl, Lehrer in Suttenberg 1. Ab. Hcrbig, Lehrer in Schönwald 1. — F. Hedrich, Lehrerin in St. Leonhard 1. — G. Seitz, Lehrer in Ullcersreith 1. — F. Langer, Lehrer in Fahrafeld 1. — F. Pöschko, Lehrer in Deutsch-Reichenau 1. — E. Hortifl, Lehrer in Molschen 1. — F. Körbl, Lehrer in Altrothwasser 1. — I. Passauer, Lehrer in Wiesmath 1. — I. Schöwel, Oberlehrer in Spindelmühle 2. — SUl. Wokan, Lehrerin in St. Oswald 1. — I. Berz-warowskp, Lehrerin in Klöch 1. — R. Franz, Lehrer in Millstadt 1. — L. Klug, Lehrer in Groß-Ebcrs-dorf 1. — Summe 170 Kronen. Innigen Dank! Um weitere Spenden wird herzlich gebeten. D. Sch. Spendenausweis betreffend die kostenlose Übersendung unserer 2. Kriegsnummer (Ausgabe: Grüße an unsre tapfere Armee) an Verwundetenspitäler. Wie bereits in der Dezemberfolge der Bl. mitgeteilt wurde, sind als Weihnachtsspende der Schrift-leitung 525 Stück der 2. Kriegsnummer an die Front abgegangen. Zugleich mußte aber auch der Armen gedacht werden, die als Verwundete zurückkehrtcn und in den Spitälern der Heilung entgegensetzen; ihnen sollte durch die Verherrlichung ihres Heldentums Trost gespendet und obendrein erfrischender Lesestoff geboten werden. Zu diesem Zwecke liefen bei der Schristleituug eine Reihe Spenden ein. Die nachstehende Zusammenstellung nennt die Edeln, denen das Geschick der Bedauernswerten naheging und die in der Zuwendung unserer 2.Kriegsnummer ein Mittel für seelische Gesundung ersahen. (Reihung nach der Zeit des Eintreffens.) — Statthalter Fürst Thun in Prag 10 K. — Landespräsideut Dr. Frh. v. Fries-Skeue in Klagensurt 5. — Minister des Inneren Frh. v. Heinold in Wien 20. — Minister für Kultus und Unterricht Dr. R. v. Huffarek in Wien 20. — Frh. Bertrun Jaeobi in Klagensurt 3. — Justizminister Dr. R. v. Hachenburg« in Wien 10. — Flottenkommando Sr. M. Schiff „Viribus unitis" in Pola' 20. — Kriegsminister R. v. Krobatin in Wien 3. — Zentralkaffe in Wien der Skodawerkc 60. — Minister für Öffentliche Arbeiten in Wien 10. — Kreuzer-Flotillenkommando in Pola 10. — Univ.-Pros. Dr. W. Toischer in Prag 4. — Erste priv. Donau-Dampf-schiffahrts-Gesellschaft in Wien 5. — Bürgerschullehrer Franz Breunlich in Wien 3. — W. ®löget in Laudskron, B., K 110. — Herrenhausmilglied A. Dreher in Schwechat bei Wien 10. — Lehrerin Ernestine Erbacher in Wien 3. — Lehrerin A. v. Wagner-Jaueregg in Wien 3. — Baronin Luise v. Ritter in Görz 60 h. — Österr.-ung. Bank in Wien 30. — General der Inf. Frh. v. Teuffenbach in Görz3 10. — Hofrat Dr. K. Stcjskal in Wien 2. — Regierungsrat Dr. Burgcrstein in Wien 2. — Schulrat Dr. I. I. Binder in Laibach 2. — Landeshauptmann Leop. Frh. u. Aichelburg-Labia in Klagensurt 2. — Hosrat Behacket in Salzburg 4. — Prof. R. Löhrl in Prag 1. — Kaiserl. Rat F. Legier in Reichenberg 2. — I. Bornska in Sichojed 1. — Lehrerinnen D. und A. Simper in Wien 5. — Lehrer Ungerböck in Hochneukirchen, N.-Ö 1. — Lehrer I Hinterholzer in Schärfling, O.-Ö 1. — Lehrerin H. Wretzer in Gerersdorf 1. — Lehrer St. Pichler in Schönbcrg, St. K 1 50. — Oberlehrer L. Bollinger in Weikersdorf 50 h. — Osfiziersmeffe Sr. M. Schiff „Tatra" in Sebenico 20. — Summe K 276-70. Für den vorstehenden Betrag von K 276-70 wurden 300 Stücke der Schrift „Grüße an unsre tapfere Armee" an Vcrwundetenspitäler abgegeben. Sollten weitere Spenden einlaufen, so wird gegebenenfalls eine Neuauflage veranstaltet werden. — H»ecrz. 1 Die 20 Stücke wurden an den Zweigverein Polo des Frauenhilfsvereines vom Roten Kreuze für Trieft und Istrien abgegeben. * Die 10 Stücke wurden auf Wuusch des Spenders an das k. u. k. Etationskommando in Görz geliefert. Nr. 20. Juni 1915. Blätter für Prüfungskandidaten. XIX. a) Für Bürgerschulen. Pädagogik. 4. Frage: Wie erklären die führenden Philosophen das Wesen der Vorstellung? Welche päd.-praktischen Folgerungen ergeben sich daraus? — Zur Einführung in diese überaus wichtige pädagogische Frage, bei der man ohne Kenntnis der größeren philosophischen Systeme nicht zum Grund der Dinge wird gelangen können, empfehle ich zunächst das prächtige Buch Seidemanns „Die modernen psychologischen Systeme und die Pädagogik“. (Verlag Julius Klinkhardt in Leipzig; Preis etwa 4 K.) Für unsere Zwecke gibt es kein besseres Werk; aber nicht nur der Studierende, nein, jeder Lehrer sollte es sich beschaffen. Es führt auf angenehme Art in die großen Fragen der Philosophie ein und klaubt aus allem das, was für unser Sondergebiet, die Pädagogik, brauchbar ist. — Die österr. Lehrerschaft ist zum großen Teile in die Bildertheorie, wornach die Vorstellung des angeschauten Gegenstandes gleichsam als Photographie in das Bewußtsein des Menschen eingeschoben erscheint, um im gegebenen Falle wie auf einen Druck hin als automatische Nummer hervorzuspringen, eingeschworen und wird darum schwer auf ein anderes Gleise zu bringen sein. Und doch muß das geschehen, will man nicht mit der neuesten Forschung, die die sogenannte Dispositionstheorie zur Grundlage nimmt, in Widerspruch kommen. Nicht das Bildchen oder etwas Ähnliches ist es, was die Wiedererweckung eines gewonnenen Eindruckes bewirkt, sondern die zurückgelassene Spur, die eigentümliche Reizung des psychophysischen Apparates. Taucht einundderselbe Gegenstand des öfteren auf, so erzeugt der gleiche oder ähnliche Anlaß umso sicherer und umso rascher die Wiederbelebung des einmal aufgenommenen Reizes in unserem Nervensystem; es entwickelt sich allmählich die »Disposition“ hiefür. Sie ist es, die in ihrer Summierung das ausmacht, was wir Gedächtnis oder Reproduktionskraft nennen. Die zum Überdruß eingepaukten „Reproduktionsgesetze“ (das abgegriffenste Kapitel der alten Pädagogik) lassen sich nach dieser Andeutung unschwer erklären. Nr. 1 (Gleichheit und Ähnlichkeit) ist bereits erörtert; Nr. 2 wurzelt hauptsächlich im Gefühlston, der jeden Eindruck begleitet. Das Pädagogikbüchlein sagt nichts, als daß entgegengesetzte Vorstellungen einander reproduzieren. Warum? fragt jeder halbwegs forschende Studiosus. Darüber ist kein Sterbenswörtchen angegeben. Ich will die Gründe streifen: Fürs erste läuft eine Reihe von Vorstellungen nach mehrmaliger gleicher Ordnung so rasch ab, daß nur Anfang und Ende (die entgegengesetzten Teile) noch deutlich zum Bewußtsein kommen. (Kindheit, Knabenaller, Jünglingsalter, Mannesalter, Greisenalter.) — Fürs zweite wird jeder Eindruck sofort mit einem eigentümlichen Gefühlstone versehen. Wird nun beispielsweise in mir durch das Tropfen die Vorstellungsdisposition „Regen“ erregt, so lebt gleichzeitig das unangenehme, für mein Lebensinteresse negative Gefühl des Nassen auf und allsogleich erwacht die positive Komponente: sie zeigt auf Sonnenschein (auf das Trockene, auf das Warme, auf das Lebenerhaltende.) — Ein Drittes gründet in rein mechanischen Momenten. Man ist gewohnt, zu sagen: Kind und Greis, Regen und Sonnenschein, groß und klein, arm und reich, usw. — also eine Folge des 3. Gesetzes. — Das 3. Gesetz nun kann physiologisch durch die stattfindenden Überstrahlungen in den Faserzügen des Nervensystems erklärt werden. (Näheres in den bereits empfohlenen Büchern von Ebbinghaus und Pfeifer.) — Das 4. Gesetz endlich ist nichts als eine Abänderung des 3. — Nun gibt es aber noch ein 5., 6. und 7. Gesetz. Man denke bloß einmal an die Kausalität, auf der ja unser gesamter moderner Betrieb in den Realien beruht. Wenn man da von Hume herauf den philosophischen Streit verfolgt, wird man stutzig, wieso die Pädagogik daran achtlos vorübergehen konnte. — Nach allem schließt sich an unsere eingangs aufgestellte Frage das 5. Thema: Die Erklärung der Reproduktionsgesetze. Wer auf einen Examinator alten Stils stößt, lasse die neuwissenschaftliche Grundlegung lieber weg; sieht man sich jedoch einem nach dem Schlage Prof. Schindlers, der in seinem Lehrbuche von S. 68 —79 im Sinne unserer Ausführungen vorgeht, gegenüber, so streife man das Alte und vergleiche es mit dem Neuen. — (Einen tieferen Einblick in das Wesen der Dispositionstheorie gewährt das Buch Witaseks „Grundlinien der Psychologie“. Verlag der Dürr-schen Buchhandlung in Leipzig; 5 K.) Peerz. 3322 Naturgeschichte. Dem Stamme der Gliedertiere folgt der Stamm derWeichtiereoder Mollusken (von dem lateinischen Worte mollis weich; ein weiter abgeleitetes Adjektiv ist molluscus weich). Wir studieren daher in Gräbers Lehrbuch diesen Stamm pg. 108 bis 110. Die Leibeshöhle ist bis auf geringe Reste durch Zellwucherungen gewissermaßen ausgefüllt (ausgegossen), deshalb nennt man sie parenchymatöse Tiere. Körper weich, Haut schleimig, kein Skelett. Wir unterscheiden an dem Molluskenkörper stets vier Teile: Kopf, Eingeweidesack oder Eingeweideknäuel, Fuß und Mantel. Am mächtigsten ist der Eingeweidesack ausgebildet. Seine Verlängerung nach vorn bildet eben den Kopf mit Augen und Fühlern. Bauchwärts (ventral) liegt der muskulöse Fuß, der zum Ortswechsel (Lokomotion) dient. Seine Ausbildung ist verschieden: trichterförmig, sohlenförmig oder beilförmig. Auf dem Rücken befindet sich eine Hautdoppelfalte (Hautduplikatur), die einen mehr minder großen Teil des Körpers umschließt und Mantel genannt wird. Eine ähnliche Bildung zeigen uns schon die Krebse. Zwischen Mantel und Eingeweidesack ist dann eine Höhle, genannt Mantelhöhlc, die der Atmung dient wie beim Flußkrebs, daher auch der Name Mantelhöhle, Kiemenhöhle. Das Epithel der Außenseite des Mantels sondert kohlensauren Kalk und einen organischen Stoff ab, der Konchiolin genannt wird. Das Nervensystem ist nach Gräber gut verständlich. Die Eingeweideganglien versehen das Geruchsorgan. Das Herz ist dorpal wie bei den Gliedertieren, es wird von einem Herzbeutel umhüllt, der ein Rest der alten Leibeshöhle ist und durch einen Flimmerepithel tragenden Kanal mit der Niere zusammenhängt, deshalb heißt dieser Kanal auch Nierenspritze. Das Blutgefäßsystem ist nicht völlig geschlossen, an einzelnen Stellen erweitert cs sich, man nennt es ein lacunäres Gefäßsystem, (lacus Sumpf, Pfütze, Lache.) Vergleich mit einem regulierten Flußlauf, der plötzlich in einen Sumpf übergeht. Mächtige Leberausbildung und Speicheldrüsen. Geschlechtsdrüsen beiderlei Art können vorhanden sein, dann spricht man von Hermaphrodyten (Hermes ein männlicher Gott, Aphrodyte (Venus) eine Göttin). Das Vorhandensein der Flimmersegellarve ist häufig. Die Mollusken sind als Leibfossilien von großer Bedeutung, um das Alter früherer Erdschichten zu bestimmen. Sie bilden die häufigsten Versteinerungen, besonders in den mesozoischen und känozoischen Schichten. Bereits im Kambrium treten sie auf. Wir studieren zunächst die Ur-mollusken auf Seite 123, dann die Muscheltiere Seite 119, hierauf die Schnecken Seite 114 und zum Schluß die Kopffüßler Seite 110. Dem Stoßzahn eines Elefanten ähnlich ist das Gehäuse der Zahnschnecke, Dentalium, zu den Grabfüßlern gehörig. Schnecken und Muscheln nennt man auch mit einem gemeinsamen Namen Konchylien (Konche = Löffel). Die Bestimmung von Schalen setzt eine genauere Kenntnis von Fachausdrücken voraus; für die Süßwassermollusken ist das Büchlein von Geyer sehr zu empfehlen, größere Werke sind die von Kobell, Preis über 70 Mark, und Clessin zu nennen. Aus den Lehrmittelkatalogen mit Abbildungen kann man leicht manche Form kennen lernen. Auch bin ich nicht abgeneigt, von zu kleinen Formen abgesehen, die Bestimmung selbst vorzunehmen, wenn jemand an einer Form besonderes Interesse hat. Dr. Fuchs. Physik.1 A. Kurzer Rückblick. Der Abschnitt „Wärme“ gehört zu den schwierigeren der Physik, ganz besonders für jene, die sich den Gegenstand auf dem mühevollen Wege des Selbststudiums aneignen müssen. Die Fülle und die Mannigfaltigkeit der hiehergehörigen Erscheinungen und Schlußfolgerungen nötigt vor allem, den Gesamtüberblick über das neue Gebiet durch Teilung in Einzelabschnitte sich jederzeit klar vor Augen zu halten. — Nach Feststellung einiger unentbehrlicher Grundbegriffe und der gleichfalls grundlegenden Erfahrungstatsache des Temperaturausgleiches (Schluß des Art. 89) behandeln die Art. 90—96 die „Ausdehnung der Körper durch die Wärme“, die als das wichtigste Hilfsmittel zur „Temperaturbestimmung“ (Thermometrie) genau zu studieren ist. Im Einzelnen dürften sich hier kaum bemerkenswertere Schwierigkeiten ergeben. Die Willkür, die in der Temperaturbestimmung durch das Quecksilberthermometer liegt (Art. 90), und ihre Unsicherheit (Art. 92) werden zu voller Klarheit erst dann gelangen, wenn die Ausdehnungserschemungen bei den vollkommensten thermometrischen Substanzen — den Gasen — gründlich erfaßt sind. Zu beachten wäre auch, daß das Gleichheitszeichen in den Umwandlungsformeln für die verschiedenen Thermometerskalen nicht im Sinne des — mathe- 1 Im Laufe der letzten zwei Jahre hat Herr Prof. Dr. Otto Pommer in diesen „Blättern“ in dankenswerter Weise Ratschläge zur Benützung meines Lehrbuches der Physik für die Vorbereitung zur Bürgerschulprüfung erteilt. Die Erfüllung seiner militärischen Pflichten hat ihn nun in russische Gefangenschaft gebracht und ich erfülle gerne den Wunsch der verehrlichen Schriftleitung dieser „Blätter“, für die Zeit seiner Abwesenheit seine Vertretung zur Fortsetzung des begonnenen Kurses zu übernehmen. Möge der geschätzte Fachkollege, dessen glückliche und baldige Rückkehr in seine Heimat wir aufrichtig wünschen, darin auch den Ausdruck meiner dankbaren Gesinnung erkennen. L. Sch. Insp. Dr. Karl Rosenberg, Graz. 3323 malische Identitäten kennzeichnenden — Zeichens der Mathematik aufzufassen ist; man lese daher Aufschreibungen von der Form 100° C = 80« R etwa als: 100° C entsprechen 80° R usw. Genau festzuhalten sind die Definitionen der Ausdehnungsund Spannungskoeffizienten und die sie enthaltenden Grundformeln lt = 10 (1 ßt), vt — vo U + rjtt), pt — p0 (1 + at). Daß für den reduzierten Barometerstand näherungsweise auch b0 == bt (1 — <*i) gesetzt werden darf, ergibt sich am einfachsten, wenn Zähler und Nenner des zuerst geschriebenen Bruches mit (1 — «>) multipliziert werden und sodann das Glied a2t2 wegen seiner Kleinheit vernachlässigt wird. (Man überzeuge sich davon, indem man aus k ----- 0 000182 [für Quecksilber] «2 berechnet.) Von besonderer Wichtigkeit ist das Mariotte-Gay-Lussacsche Gesetz (Formel 37), das uns das Volumen eines Gases als Funktion zweier veränderlichen Größen — Temperatur und Druck — darstellt. Sehr wertvoll ist auch die vereinfachte Form dieses Gesetzes, die sich durch Einführung der absoluten Temperatur ergibt (Formel 40). Sie leistet uns auch gute Dienste bei der Lösung gewisser Aufgaben (z. B. Nr. 17, 21, 23). Der zweite Abschnitt umfaßt die Art. 97 und 98 und könnte überschrieben werden: »Wärmemenge und spezifische Wärme“. Er führt zugleich in die Wärmemessung oder Kalorimetrie ein, die von der Wärmegradmessung oder Thermometrie wohl zu unterscheiden ist. Der dritte Abschnitt ist räumlich kurz, aber dafür um so inhaltsschwerer. Die Art. 99—101 führen uns die wichtige Beziehung „Wärme und Arbeit“ vor Augen. Wir erkennen in der „Wärme“ eine besondere Form der Energie und sind daher auch in der Lage, die Wärmemessung auf das absolute Maßsystem zurückzuführen. Aus Zweckmäßigkeitsgründen (schon allein, um spätere Wiederholungen zu vermeiden) schließen sich daran auch bereits die gebräuchlichen Vorstellungen Uber das Wesen der Wärme. Besondere Beachtung verdient der in Fig. 200 angedeutete Versuch; die hier auftretende Erscheinung — Abkühlung einer sich ausdehnenden (expandierenden) Gasmasse — spielt auch eine Rolle bei der „Erzeugung künstlicher Kälte“ (Lindes Eismaschine, Art. 107) sowie bei der Temperaturabnahme, die man bei wachsender Erhebung in der Erdatmosphäre vorfindet (Ballonfahrten, Schneegrenze). Man bemühe sich auch besonders, die geistvolle Berechnung des mechanischen Äquivalentes der Wärme durch Julius Rob. v. Mayer (Art. 101) voll und ganz zu erfassen. Sie bildet für immerwährende Zeiten eine der stolzesten Errungenschaftelf wissenschaftlicher Forschung. Verhältnismäßig viel leichter gestaltet sich das Studium des nun folgenden vierten Abschnittes: „Veränderungen des Aggregatzustandes durch die Wärme“ (Art. 102—110). Das Material, das wir aus dem seinerzeit genossenen Schulunterrichte gewonnen haben, ist im Art. 102 übersichtlich zusammengefaßt, während beachtenswertere Einzelheiten und Erweiterungen in den nachfolgenden Artikeln aufgenommen erscheinen. Besonders die ersterwähnte Übersicht möge wiederholt gelesen werden. Auch kehre man nach Durcharbeitung des ganzen Kapitels nochmals darauf zurück, um die energetischen Beziehungen bei allen diesen Umwandlungen der Aggregatzustände niemals aus den Augen zu verlieren. Etwas schwieriger erscheinen wohl nur die (gerade sehr wichtigen) Abschnitte über die Eigenschaften der Dämpfe sowie über die Bestimmung der Dampfdichte. Dagegen dürften die fesselnden Stoffe: Verflüssigung der Gase, Luftfeuchtigkeit und atmosphärische Niederschläge kaum ernsthafte Schwierigkeiten bereiten. Vom fünften Abschnitte „Wärmekraftmaschinen“ (Art. 111) erscheint etwas eingehender nur die „Königin der Maschinen" — die Dampfmaschine — behandelt. Über das Prinzip hier hinauszugehen, ist nicht Sache des Studiums der elementaren Physik; die sinnreichen Einzeleinrichtungen, die mannigfaltigen Typen der Dampfmotoren u. dergl. gehören bereits in das Gebiet der Technik. Dasselbe gilt von den gerade gegenwärtig so bedeutungsvollen Gas- und Explosionsmotoren (man denke nur an Automobil und Luftschiffahrt 1). Der nachfolgende sechste Abschnitt: „Ausbreitung der Wärme“ (Art. 112—115) soll sehon wegen ähnlicher Vorgänge in anderen Gebieten (Leitung elektrischer Vorgänge) gründlich durchgearbeitet werden. Am Schlüsse der Wärmelehre finden wir — allerdings nur in bescheidenstem Umfange — die „Wärmevorgänge in der Atmosphäre“ besprochen und wird somit hier ein wenn auch nur flüchtiger Ausflug in die reichen und bedeutungsvollen Spezialwissenschaften der Meteorologie und Klimatologie unternommen. Wer sich hier näher belehren will, dem sei das schöne Buch von Dr. R. Börnstein, Leitfaden der Wetterkunde, wärmste ns empfohlen.1 Da es — besonders für reifere und denkend arbeitende Studierende — immer wertvoll und anregend ist, Rückblicke über neugewonnene größere Wissensgebiete zu halten, würden wir 1 Dritte Auflage, 1913. Verlag von Fried. Vieweg <& Sohn, Braunschweig. Preis 7 Mark. 3324 nach Beendigung des Studiums der Wärmelehre zwei Themen einer aufmerksamen Überlegung empfehlen: I. Inwieferne lassen uns diethermischen Eigenschaften des Wassers eine Fülle bedeutungsvoller und wunderbarer Natureinrichtungen erkennen? 2. Wie lassen sich alle Vorgänge in der Natur auf die Sonne als Wärmequelle (als Energiezentrum) zurückführen? Noch einige Worte über die am Schlüsse der Wärmelehre zusammengestellten Aufgaben! Wie immer, ist ihre gründliche Durcharbeitung dringendst zu empfehlen; sie dienen wesentlich der Festigung und Erweiterung des Verständnisses und lassen den inneren Zusammenhang der Tatsachen in wachsender Klarheit erfassen. Wissen und Können müssen immer Hand in Hand gehen! Zu einigen wenigen Aufgaben, die vielleicht Schwierigkeiten bereitet haben dürften, folgen einige kleine Andeutungen. Zu Nr. 13: Es ist b0 = bt (1 — rM) und die b0 entsprechende Maßstablänge b0 (1 + ßt); somit ergibt sich die richtige Ablesung x b, (I — «t) (1 -j- ßt), woraus unter Vernachlässigung des kleinen Wertes aßt2 folgt: x bt [1 — (