für Vaterlands Knnjt, Wissenschaft und geselliges Leben. Nedigirt von Vr Johann Hladnik. «H^ OO« Samstag den 6. Octalicr. ^O^AO« Skizzen ans dem magyarischen Heereslager. (Aus d>>r »Prcßburger Zeitung.") ^3?iu Correspondent des »C. Bl. a. B." bringt nachstehende hoch interessante, aus ga,,z verläßlicher Quelle fließende Beiträge zur Geschichte der ersten ungarischen Campagne. Görgey hatte noch vor der Schwechater ?lffaire seine Ernennung zum Oberaeneral und die Ordre im Sacke, den FML. Moga augenblicklich abzusetzen, falls er Verrath bemerke. Görgey war durchaus gegen dei, Zug gegen Wien, und meinte, als ihu Kossuth frug, ob er denn wirklich fürchte, daß die junge Armee vernichtet werden könne-. „Das nicht, in di.-scr Beziehung vertraue ich deu schnellen Fußen unserer Leute." Als er das Cominando übernommen, drang er uuf de„ Rückzug nach Raab. Die Gränze bewachen sey Unsinn, das Heer müsse im Innern des Landes eist organisirt werden. Bei scinem spätern Marsche auf Naab sollte er noch bitterer enttäuscht werden. Die Schan-jei, waren im riesigen Maßstabe angelegt, faßten 50,N00 Mann und benöchigten eine Unzahl schweren Geschützes, was N Alles nicht besaß. In Pesth theilte Görgey bekanntlich sein Heer. Er selbst ging nach Waitzen, Moritz Perczel nach Szolnok. Bei dieser Gelegenheit stahl ihm dieser ein Paar g^ite Bataillons, wie j.nes ron Zanini, das spater bei Käpolna gefangen wurde. In Waitzen erließ Görgey tt»e Proklamation, darin er für Se. Maj. den König F er. din and V. und die Sanction der-Märzerrungenschaften zu fechten vorgab. Sein meisterhafter Rückzug ist bekannt. Der Marsch von Kremiutz nach Neusohl war schon mit großen Schwierigkeiten verknüpft, der Umzingelung entging er durch ein Seirenstück zu dem Alpeumarsch, durch einen Nacht-'"arsch über den Starzecz, wobei die Generale und Officiere, Fackeln tragend, eigenhändig die Kanonen ziehen hallen und l'n alter verschütteter Tunnel wieder fahrbar gemacht werden wußte. In Rosenberg kam der pensionirte Rittmeister N., Ü? ^on der »Oesterr. Lloyd" berichtete, als Abgesandter des Fürsten Windischgratz zu ihmj die Unterhalidlllligen zer- schlugen sich aber, da Görgey auf seiner Waitzner Procla-mation bestand. In Kaschau kam ihm die Nachricht zu, daß Dembinsky deu Oberbefehl erhalten habe. Alles murrte und seit dieser Stunde wurde Kossuth und die Ablegaten, wenn sie das Heerlager besuchten, 6» !)«":»!«!!« behandelt. Görgey erließ an, 14. Februar einen Armeebefehl aus Kaschau, darin die denkwürdigen Worte zu lesen: »er hoffe, daß sich die Armee mit derselben Demuth wie er, dem Befehle des erfahrenen — wie es heiße — alten polnischen Generalen unterordnen werde." Merkwürdig war die erste Zusammenkunft Görgey's mit dem Polen. Dembinsty geberdece sich wie ein Feldwebel, der einen raisonnirendel» äorporal abzukanzeln hat; Görgey blieb ruhig und antwortete laconisch, als ihm D em b i ns ky zudonneite, er solle sich mehr um seine Rathschläge bekümmern: „H.'ii Generallieutenant, von Ihnen habe ich nur Befehle, a!'er keine Rathschläge anzunehmen.'' Als Windischgratz bei Kä-polna attac>uirte und zwar früher, als Dembinsky es glaubte, verlor dieser Freund allen rothen Weines — von dein er aber nie einem O'ficier einen Tropfen anbot — und guten Nachtquartieren den Kopf und beorderce demungeach-tet, als Görgey mit der 7, Armcedivision, welche den linken Flügel bildete, eintrat, denselben nach dem rechten Flügel. Dort sollte er das Commando über Klapka's Truppen übernehmen, eine Maßregel, einzig getroffen, um Görgey von seine» Leuten zu trennen. Klapka's Corps befand sich aber in voller Deroute, und General Schulz, ein Löwe, doch stockraub, erwiederte, als Görgey's Flü-geladjutant, Baron Kenzelen, ihm den Befehl zum Vor-rücken brachte, «weiß Alles" und marschirte mit der Reservebrigade aus Mißversta'udniß auf und davon. Dem-biusky wollte mm bei Mezö-Köoeöd eine zweite Schlacht annehmen, besaun sich aber Abends eines Bessern und zog sich nach Tißa-Füred zurück. Damals ließ sich Görgey jenen Subordinationsfehler zu Schulden kommen, der ihm später als Verrath angerechnet wurde. Der Damm bei Po? roßlo ist rings von undurchwatbaren Sümpfen umgeben und war mit Batterien gespickt. Görgey erhielt nun Ordre, vor dem Damm mit einer Division die Kaiserlichen 316 aufzuhalten. Ein Unsinn! Die Bedeckung des Dammes gehörte hinter denselben, wohin auch Görgey, um nicht, wie es Dembinsky wünschte, aufgerieben zu werden, mar-schirte Dembinsky schrieb hastig nach Debreczin. Da traten die Generäle, Stabs- und Oberofficiere zusammen und der Chef des O.uartiermeister-Stabes, Bayer, arretirte Dembinsky im Namen der Armee in Tißa-Füred, eine Compagnie Grenadiere vor dcm Hause u»d zwei Mann vor der Thüre des Arrestanten aufführend. So fand ihn K o s-suty, der Görgey den Prozeß machen konnte. Seine Escorte, die bekannten waim angezogenen Jäger, wurden von dem Ofsiciercorps rein «n eslmills behandelt, und der Präses des Landesverlheidi'gnngs-Ausschusses ward also, decon-tenancirt, daß er gegen die Oberbefehlshaberschaft Gör-gey's keine Sylbe einzuwenden wagte, und bevor er mit Dembinsky nach Dedreczin zurückkehrte, nur schüchte-n frug, was Dembinsky, da ihm der Gehorsam verweigert woideu sey, hätte anfangen sollen? Görgey antwortete bitter lächelnd: »Wenn ich Dembinsky gewesen wäre, hätte ich Görgey erschießen lassen." Thatsache! — Kos-su t h wußte es demuiigeachtet durch Hilfe der Ja-Herren auf dem Reichstage durchzusetzen, daß FML. Vetter den Oberbefehl erhielt. Hier einige Croquis über die ungarischen Heerführer. Görgey, großer Stratege und Tactiker, Meister in com-binirten Märschen und Contremärschen — »il ms lrump« touioui'6, cot lloinlil«" soll sich der Graf von Erivan einmal geäußert haben — (^oeur lls lion, Abgoct der Soldaten, eiserne Willenskraft und Energie, stählerne Kör-p.'rconstitution. Bem, trefflicher Artillerie-General und Par^ teigänger, kleiner Krieg seine Force. Vetter, mittelmäß'ger theoretischer Stratege, lederner Tactiker. Meszäros, Haudegen, fleißiger Aussteller von Officierspatenten. Klapka, bedeutendes Feldherrentalent, aber zu weiches Auftreten, nicht geschaffen zu imponiren. Damjanich, verwegener Soldat, Untergeneral par ox«6lI«ilC6) militärischer Bullenbeißer, Riese an Scatur, ein anderer Kleber. Aul ich, 8»N8 päl'sil als Commandant der Reserve, den rechten Moment erfassend, vorbrechend wann und wo es Zeit und Noth. Guyon, ein General drauf und dran nach Erhalt fremder Dispositionen. M. Perczel, spottschlechler Heerführer, zweifelhafter Braoour, grausam. Pöltenberg und NagySän-dor, Reitergenerale eammß il sglit, österreichische Cavalle-rieschule u. s. w. Damjan ich hatte mittlerweile, am 5. März über die Theiß bei Czibakyaza setzend, den Ueberfall bei Szolnok ausgeführt, wozu der spater bei der Belagerung von Ofen gefallene Generalstäbler Kleinheinz den Plan entworfen. Der riesige Raitze lag sich mit Vetter beständig in den Haaren, sagte ihm die gröbsten Sottisen und meinte sogar einmal, ein Mensch mit einem so ledernen Gesichte könne kein guter Feldherr seyn. Er beurtheilte den Menn richtig, und dessen Plan, über Szolnok die Offensive zu ergreifen; mißglückte vollkommen. So blieb es bei Görgey's früherem Rath, abermals bei Tisia-Füred zu debouchiren. Originell war das erste Zusammentreffen Gör gey's mi^ Damjanich. Ersterer kam nach Tisza-Füred, hörte, daß Damjanich und Klapka ein Quartier bewohnten, trat in die Stube, traf sie beide in tiefem Schlafe und begab sich daher, nach seiner Gewohnheit einen Stuhl zum Kopfkissen umstürzend, auf dein nackcen Fußboden gleichfalls zur Ruhe. Damjan ich erwachte, sah einen fiem'den Mann, der sich, die Brillen wegschiebend, die Augen rieb, sich erhob, durch das Fenster blickte und dann die Thüre aufreißend «NN8 ^ölw ausrief: »He da! habt Ihr Schnaps?" — »Das ist mein Mann!" donnerte der Niese. »Du mußt der Görgey seyn — küsse mich, Bruder! — Du mußt Marschall und Kriegsminister werden; — um den Vetter kümmere Dich nicht, den ärgere ich zu Tode — dann nimmst Du Buda-Pesty und einsetzest Komorn — hierauf Versöhnung mit Sr. Maj. dem König — ich aber marschire nach De-breczin und stäube die Schwätzer und Schönredner mir dem Baj>)nnete auseinander!" Thatsache. Wirklich erhielt Görgey bald darauf ein Schreiben des lakonischen Inhalceö: »Bruderherz! den Vetter hab' ich in das Becr gebracht, er hat aus Aerger das Gallen-fieder bekommen. — Kossuth mußte nun liolmy ,nins 9ll m»llvn!8 ^'<5!l macheu uud Görgey als ältestem General den Marschallstab übergeben. Hierauf erfolgte die bekaunte April-Campagne mit der Schlacht bei Hatvan beginnend und mit dem Entsatze von Komorn endend. In dieser Festung erhielt Görgey den ausdrücklichen Befehl des Reichstages, Ofen a Wut prix zu nehmen. Die De-brecziner Camarilla, die Unterröcke Mutter und Gattin Kossuth's, seiue Schwesten, M e s z l ü !i y i und R l! t t-kai, daun Lady Guyon, die durchaus m der Hauptstadt ein klein wenig Königin von Un^ain spielen wollte, hatten den großen strategischen Verstoß durchgesetzt. Görgey rief wehmüthig »^im'8 IIuno-Ii'^,.;" ^md nahm Ofen nach einer I8tägigen löwenkühnen Vertheidigung. Das Parlament sandte dem Sieger das Patent als Feldnnnschall-Lieutenant und den Olden ponr ls merila eister Classe. Görgey schlug beides aus und erwiederte trocken: »Als ich den Orden zweiter Classe annahm, gab es noch keine Republik Ungaln. Nun ist eine derlei Decorirung relner Unsinn Nach unseren Gesetzen kann es keinen FML., nur einfache Generale und während des Krieges Generalissimus aus ihren Reihen geben." Kossuth's wahnsinniger politischer und diplomatischer Fehlgriff vom 14. April war il-re-pin'»l)Io, die Armee blieb verstimmt, und Görgey sah das nahe »8imv<5 ljiii p«lil" immer drohender und unabwendbarer heranrücken. Görgey äußerte dieß mehr als ein Mal unverhohlen. So rief er, als man ihn bei einem Diner bei Kossuch mit den alten Römern und Griechen verglich, ärgerlich aus: »Ich, ein Republikaner? Seyd Ihr verrückt? Ich, ein alter Römer? Narrenpossen! Dazu besitze ich viel zu wenig Heroismus. Ware ich wirklich ein so antiker Kerl, als Ihr aus mir zu machen beliebt, so würde und müßte ich mir eine Kugel durch den Kopf jagen; denn wissen Sie es 319 lull-, meine Harren, Ungarn ist ^ verloren!" Wie eisern Görgey im Felde verfuhr, mag die Thatsache ei hätten, das; ei- den Obersten ?lsboth wegen einer Dummheit vom Schlachrfelde bei Pered mit den Worten nach Ofen sandte: »Legen Sie die Uniform angenblicklich ab und >ver-den Sie Abschreiber im Kriegsministerium!" Die Ungarn zählten von den l2 Husarenregimentvin alle auf folgende Weise zu ihrem Stande: I. Kaiser, 2. Hannover, 3. Ferdinand, 4. Ale,rander, 5. Reußköstritz, auf das Depot neu errichtet, da sich Stab und Regiment in Italien befand; l>. Wnitemberg, 7. Nadetzky, wie Nr. 5; 8. Co-bürg zum Theile; 9. Nicolaus, 10^ Wilhelm, l l. Szekler, !2 Palatinal, Depot und die Deserteurs von diesem Sommer. Das 9. Honvedbataillon, die Kaschauer Rothkäppler schlugen sich am helllichten Tage wie die Löwen, in der Nacht und unbeobachtet soll es jedoch mit ihrer Courage gewackelt haben. Die Elice der Honvöd, ihr Kern war das 3. Honveobataillon, eine wahre Fremdenlegion, aus allen Nationen zusammengestellt. Einmal wollte es Kossuth beloben und hielt eine magyarische starkblumige Rede. Rasch trat ein Mann aus den, Gliede und sprach deutsch: »Halcen zu Gnaden, Herr LandeSgouoerneur, und sagen Sie uns die schönen Sachen auf deutsch, wir verstehen fast Keiner lmgai'isch." Es wlnden auch alle Be-fehle und Dispositionen in deutscher Sprache erlassen, und die Liebe zum König, wie die Abneigung gegen die Republik, zeigte sich bei den Ofsicieren wie bei der Mannschaft, daß Ablegaten, Officiere anderer Corps und sonstige Honi-leute, wenn sie Görgey's Lager besuchten, handeringend ausriefen: ,M3N')'9i-oli lslklism! >Iie8N) NxelloljllSI- <Ül,!M'l)6l-, Y,I66Il'lj Utilmll, <>'l)MMNN ?l«I8 und Lxel,6q„6i-, und sie sitzen in der stattlichen, von Wilhelm Rufus erbauten Westminster-Halle vom 1l- bis 31. Januar (llilu,-) l'6l>m.), lö. April bis 8. Mai (Ka8l6i- 'l'6l-m.), 22. Mai bis 12. Juni c/i'riml)''l'«l-m.), 2. bis 25. Noo. a«Iml»8 '1'enn ) Dies; sind die vier Jahreszeiten der Londoner Sachwalter, von den Thom-so n'schen auch insofern nnterschieden, als jede derselben einen Frühling im Herbst, eine Säe- und eine Erntezeit hat — vier Einten in Einem Jahre. Obwohl die Tage dieser Gerichtssitzungen sich in London nicht so bemerkbar machen, wie die Zeir der Assisen in einer Provinzialstadt, so bleiben sie doch auch, namentlich in dem Theile Londons, wo West- minster-Hall^ht, keineswegs unbemerkt. Die zuführendes Straßen und Gassen erhalten eine lebendigere Physiognomie, die Cabführer auf Palace-Mard erscheinen zahlreicher, werden öfter gerufen und schlnmmern weniger; durch alle vom Tempel in Whitehall ausmündenden Zugänge ergießt sich ein Strom bleicher und rother Advocatengesichter, eiliger Schreiber mit blauen bauschigen Beuteln, nieist wohlbeleibter Notare und untergeordneter Myrmidonen der Ausleger der Gesetze. Zwischen innc wandeln, was man hier sonst selten sieht, von ihren Wohnungen nach der «Halle" junge und alte unbeschäftigte Juristen, Arm in Arm, langsam, plaudernd , und lachend, und kommen nach kurzer Frist eben so zurück. Man nennt diese Peripathetiker oder spazierenden Rechtsgelehrten »Straßenpraccikancen." Am Tage der Eröffnung der Gerichtshöfe ist die Bewegung am stärksten. Es sammeln sich Haufen Neugieriger, die peisonisicirte Majestas des Rechtes zu schauen. Im Innern der von keinem Pfeiler getragenen, 270 Fuß langen, 7-t Fuß breiten und 90 Fuß hohen Halle fehlt es nicht an feinen weiblichen Toiletten, welche unter dein Schutze solcher ihrer männlichen Bekannten, denen die Befugniß zusteht, hier zn seyn, und die heute dieselben vorzugsweise geltend machen, den Saal auf und ab rauschen. Vor der Halle rasseln Wagen ab nnd zu und üben Polizeidiener das Amt der Ceremonienmeister, während andere die Beutelschneider und Taschendiebe beaufsichtigen, welche für ihre bei der Morgenmusik der Militärbande an St. James - Pallast vielleicht getäuschten Hoffnungen hier im Gedränge , das sie wo möglich selbst verursachen, sich entschädigen wollen. Plötzlich verstummt das Getöse auf der Straße, die Wandelnden in der Halle werden ersucht, sich in Reihen zu ordnen, die Mannen noch besonders, ihre Hüte abzunehmen. In scharfem Trabe rollen Wagen heran und halten vor dem Hanvtchore; der prächtigste und reichste derselben ist der Staatswagen des Lordkanzlers. Durch die Doppelflügel des Hauptthores tritt er in die Halle, ihm voran der Träger seines Amtszeichens, der goldenen Keule, er selbst in großgelockter, weißgepuderter Allongeperrücke mit der schweren goldenen Brustkette über dein weitfalti-gen, schwarzsammetnen Talar, dessen Rand gewaltige goldene Fransen säumen und dessen Schleppe ein Page hält. Ihm folgt der Vicckanzler, ebenfalls in schwarzem, mit goldenen Fransen gesäumtem Ornat und langer Perrücke; dann paarweise die Oberrichter in scharlachenen, mit Hermelin ausgeschlagenen Roben; darauf streng nach den Rangstufen nnd jeder in seiner Amtstracht die Unterrichtet-, General-siscale und Generalprocuratoren, Kronanwälte, Nechtssergean-ten nnd all' die Glücklichen, welche der Lord Kanzler zum ^r»nll ^^«iillkl' eingeladen. Unter den in der Halle versammelten Zuschauern befinden sich eine Menge Advocaten ohne Prozesse, die aber deßhalb ihren mit Praris gesegneten Ccllegcn um nichts weniger freundlich die Hand schütteln und mit Schicksalsgenossen um nichts weniger herzlich lachen. Doch sieht man auch hie und da einen Vereinzellen, in der linken Hand 320 einige Bogen Papier, die er aufmerksam liest,^, der Rechten einen Scift, mit welchem er Randbemerkung» anschreibt. Der äußern Form nach kann, was cr liest, ein sogenannter »briks" seyn, ein 8lalll« oiu,5i»6, das Sachverhältniß eines Rechtsstreites, welches der „Solicitor" zusammenstellt und zum Behuf der Verhandlung vor Gericht dem „Barrister" übergibt. Die Papierbogen können einen solchen Auftrag enthalten; vielleicht sind sie aber bloß, was technisch ein ,>laZ,'s»l" heißt, die Unterlage eines abschauen Rechtsstreites, ' durch deren Vorzeigen der Inhaber glauben machen will, daß er Praxis habe. Zu demselben Zwecke hat ein anderer ein dickes Rechtsbuch unter dem Arme; er wünscht die Vermuthung zu erregen, daß er beim Plaidiren sich auf einen für seine Ansicht sprechenden Rechtsfall berufen werde. Es soll noch viele Mittel geben, um den ersten Fuß auf eine Bahn zu bringen, nach welcher Viele stieben und deren Endpunct Wenige erreichen. Selbst so lange diese Mittel auf einen Versuch zu täuschen sich beschranken, wird Niemand sich rechtfertigen mögen; abcr eine kleine Entschuldigung ist für manchen, der Jahre lang geharrt, die schraube der Noth und ein Blick auf das in der Halle hängende Nameusverzcichniß derer, welche wahrend der laufenden Gerichtssitzung um Zulassung zur Barre angesucht. In der ersten Sitzung dieses Jahres betrug ihre Zahl einhundert und achtzig. Wer Lust hat, schlagt einen Vorhang zurück, der von der Decke zur Flur reicht, und tritt aus der Vorhalle iu den Court of O.ueeu's Beuch, wo die Richter auf einer mit carmoisinrothen Kissen belegten Bank sitzen. Hinter ihnen prangt an der eichenen Wandtäfelung das königliche Wappen, über ihnen ein Prachthimmel, vor Jedem steht ein Schreibtisch von blankem Mahagoni. Tiefer, in Perrücken und Talaren, sitzen die dem Gerichtshofe zugetheilten Kronanwalte, noch tiefer, auf dein Parquet, die Sachwalter, welche heute sprechen werden, in ihrem Rücken, Bank an Bank, die „nnl6l' lii»l'l-i«l6i'8", die gleich der weiter rückwärts versammelten Menge nur als Zuhörer anwesend sind. Ein Anschlag zu beiden Seiten des Einganges nennt die zur Verhandlung kommenden dachen und die Namen der Parteien. (Schluß folgt.) Feuilleton. Ueberstandene Gefahren — Ein Wachtmeister des Cürassier-Regimentes P-inz von Preußen kehrte zu seinen Cameraden nach Wien zurück, von welchen er längst für todt gehalten woiden war. Der «Wiener Abend-Courier" bringt nähere Mittheilungen über die Erlebnisse dieses Mannes. Nach einem an einem kalten Februartage Statt gefundenen Gefechte, in welchem er verwundet worden war, versagte ihm sein Pferd den weitern Dienst, und er siel so in die Hände der Magyaren, die ihn ganz ausplünderten und für todt liegen ließen. Als cr wieder zu sich kam und sich fortschleppen wollte, bemerkte ihn ein feindlicher Ossicier, und er wurde nun in ein Vcrbandhaus gebracht, sodann gefan-gen nach Debreczin abgeführt. An dem Tage, an welchem die ungarische Republik proclamirt wurde, und man während des Jubels eiu weniger wachsames Auge auf die Gefangeneu hatte, gelang es ihm, bekleidet mir einem Hon-v^dtittel, zu entfliehen Durch seine Verkleidung geschützt, kau: er glücklich bis Pesth, von wo er nach Ofen zu einem Wirthe gelangen wollte, bei dein cr fiüher in Quartier gelegen, und den er als einen gut kaiserlich Gesinnten kannte. Kaum betrat er aber den Kahn, der ihn nach Ofen bringen sollte, als er von einem fanatischen Hausknechte dieses Wirthes erkannt wurde. Diese Erkenn'.mgsscene rief einen argen Tumult hervor, und nur durch Schwimmen konnte er sich vor den Mißhandlungen der zügellosen Menge retten. Acht Tage lang hielr ihn sodann der Wirth im Keller vei-borgen, bis die kaiserlichen Truppen in Pesth einrückten, und er so zu den Seinen ungefährdet zurückkehren tonnte. Wieder eine Gutfiihrung. — Der »Lancaster Guardiau" meldet aus Uloersto»: D^s schöne Geschlecht in unserer Stadt war am letzten Mittwoch nicht wenig überrascht, als es am Morgen erfuhr, das, eine Entführung iu der Nacht Statt gefunden habe. Ein Sohn Aesculaps hatte mir dei- schönen Tochter eines reichen Geucleman aus Urswick das Weite gesucht. Ein besonderer Glücksfall für das liebende Paar muß der Umstand genannt weiden, daß der elektrische Telegraph, dieser Popanz der nach Gretna-Green flüchtenden Liebenden, in dieser Gegend des LandeS völlig unbekannt ist. Sie hatten ihre Maßregeln so gut ge-troffeu, daß, bevor die Nachsetzenden sie einzuholen im Stande seyn werden, der rußige Schmid das unauflösliche Band schon geknüpft haben würde. Sie flüchteten im Wagen nach Baoenglas und werden von dort wahrscheinlich auf der Eisenbahn sich in das Land der Berge und Seen begeben. Sie scheinen diesen Schritt mit Vorbedacht becilr zu habe»,, da bekanntlich Lord Campell iu der nächsten Parl-nnents-saison gewaltige Einsprache geaen diese Art schottischer Ehe-bündnisse einlegen wird. ^W. Z.) Die Kleidung der Chinesen. — In dem Berichte eines Russen, oer ;ehn Jahre in Peking bei der dortigen russischen Mission gelebt hat, wird erzählt, daß die Kleidung des Chinesen aus einer Mem>e von Abtheilungen und Uluerabcheilungen bestehe, die häufig gewechselt werden. Die Kleidung ist nicht etwa der Mode Uüt.rworfen, ihr Schnitt vielmehr seit Iah, Hunderten derselbe, und nur beim Wechsel der Jahreszeiten ei folgt auch der Wechsel der Kleider — nicht etwa aus Liebhaberei, sondern auf Befehl des Kaisers, der jedesmal verkündet, von welchem Tage an die Frühjahrs - mit der Sommerkleidung u. s. w. vertauscht weiden müsse. Papierkorb des Amüsante«. Guter Rath. — Landrichter. „Also Sie können gegenwältig Ihre Gläubiger nichr befriedigen?" — Angeklagter. «Nein, nicht kumpabel!" — Landrichter. „Aber sagen 'V'e mir um's Himmelswillen, womit sott ich diese Leute beruhigen? Ich »verde gar zu oft von ihnen überlaufen." — Angeklagter. „Halten zu Gnaden, Herr Landrichter! Machen Sie's wie ich, werfen Sie's hinaus." Verleger: Ignaz Alois Kleinmayr.