für Vaterland, Knnlt, Wissenschaft und geselliges Leben. Nedigirt von vr Johann Hladuik. «H/5 OI. Samstag den ^. August. ^lA^O. Isaak Pischl. Vatelländis^historische Erzahlun«, aus dem I. 1515. Von Ios. Vabnigg. z^H^ (Fortsetzung.) ^»-it verbissenem Grimme und höhnisch lächelnd sah ihliei, der Geheiinschreibcr nach. »Ihl' habt also Hoffnung, daß ich den betrübten Ver-wandte» mein gegebenes Worc werde erfüllen können?" fragte der Landeshauptmann den Nächsclhaften, nachdem er absichtlich ein wenig zurückgeblieben war. »Nicht nnr Hoffnung, sondern Gewißheit E. E." »Wohl, so handelt. — Euer sey der Preis, doch Euer auch die Verantwortung. Bleibt auf Eurer Hut, denn die Hölle trügt. Bedürft Ihr meiner ferneren Autorität, so steht Euch solche zu Dienen." Der Geheimschreiber, ein Sohn südlicher Zone, mit Ränken und Umtrieben aller Art vertraut, war eines jener Individuen, welche durch den Mißbrauch einer sich angemaßten Gewalt auf Kosten Anderer gut zu leben pflegte. Er schuldete namhafte Summen, besonders an israelitische Glaubensgenossen, welchen er vorzügliche Begünstigungen zuzuschanzen versprach und solche mit der Erfüllung seiner Zusage auf eine kluge Art hintanzuhaltcu wußte. Die Gläubiger waren endlich enttäuscht, sie drangen auf Rückzahlungen, die der Beorängce nicht leisten konnte. Ein kluger Damm mußte b'eslln Strome entgegen gesetzt werden. Dazu war nun die schicklich^. Gelegenheit. Er klingelte und ein Nathsdiener ""herein. »Der Schmid vom Discalziatenplatze soll gleich Hieher kommen.» v v / v ^°bl n,ei>, Herr." " ^eaufti'agte ainq und kam in kurzer Zeit mit dem Gerufenen. "Ist es wah>., mmi Freund," begann der Geheim-schre.ber, nachdem s,ch ^er wiener entfernt hatte, »daß Isaak P.schl „ch ^e Mühe gibt, ein neugebornes Kind in das Eigenthum z« bekommen, und daß er große Summen Dir ver.procyen, .«,„., ^ .hm Dein Anzuhoffendes abtreten würdest?" »Herr, dieses ist wahr.» »Und Du wolltest Dich dazu nicht verstehen?" »Beinahe hätte mich der Böse schon umstrickt. Doch bedenken Sie, gnädigster Herr, wie könnte ich die ewige Glückseligkeit einem meiner Kinder rauben. Nein. Gott bewahre mich vor einem solchen Frevel, mein eigenes Kind zu verkaufen nnd es wegen einer Hand voll Goldes der ewigen Verdammniß zu überliefern." »Unnütze Besorgnis;.' Dein Kind ist deßwegen noch nicht verdammt. Es ist nicht mit eigenem Willen von dem wahren Glauben abgetreten; Du wirst in der Folge leicht Gelegenheit finden, solches in den Schooß unserer Kirche zurückzuführen und Dein und Deiner Familie Los ist doch ein verbessertes, ein glücklicheres geworden. Bedenke, zwischen Noth und Wohlleben ist eine sehr leichte Wahl. Die Vernachlässigung dieser bleibt nur Deine Schuld. — Wie viel Kinder hast Du?" »Eilf, Herr, hat mir Gott gegeben und ein zwölftes erwarte ich täglich." »Mein Gott! eilf lebende Kinder Und kein Brot, und Du kannst einen Augenblick noch unschlüssig seyn?" »Der Ewige hat mir die Kinder gegeben, Er, der Gerechte, wild sie einstens wieder von mir fordern am Tage des Gerichtes, und wie werde ich vor seinem Zorne bestehen können, wenn ich in Gegenwart Millionen von Menschen werde laut ausrufen müssen: Erbarmen, Herr! ich habe Eines der mir anvertrauten Häupter verkauft." Der Geheimschreiber schlug tief erschüttert bei dieser Aeußerung die Augen zu Boden. Es ist eine Satte im Innern des Menschen, welche, wenn sie berührt wird, den Bösesten erbeben macht. Auch der Verstockteste hat einen verwundbaren Fleck, doch diese Mahnung ist nur von kurzer Dauer. So war es auch hier. »Ich will Dich glücklich wissen; — alles Andere wirst Du mir überlassen," begann nun, etwas stotternd, der Geheimschreiber. »Ich selbst will wegen dieser Angelegenheit mit dem Pischl reden, denn ich habe ein besonderes Interesse, ihm diesen Vorschlag zu machen. Nimm vorlaufig diesen Beutel und mache Dir damit einen guten Tag. Glaube mir, morgen wirst Du eines Andern überzeugt seyn." 246 »Nun, warum greifst Du nicht zu?" »Ich kann nicht, Herr! Ein blutig rother Schein umgibt dieses Geschenk. Mir däucht, daß es das Blut meines noch ungebornen Kindes sey," rief der Schmid, sich das Gesicht mit beiden Händen bedeckend Er kämpfte einen furchtbaren Kampf. »Du nimmst, oder — Du kennst mich, wenn ich zürne." Der Angefahrene kannte den Ränkevollen, streckte die zitternde Hand nach dem Gelde aus, und ließ sich beinahe bewußtlos zur Thüre hinausdrängen. Der Sieger aber wischte sich den Schweif; von der Stirne und war ziemlich abgespannt an das Fenster getreten. Er schien dem Abgegangenen nachspähen zu wollen. »Bravo!" rief er nach einigen Augenblicken, beinahe außer sich voi Freude, und klatschte mit den Handen, denn der Schmid war einem nahen Wirthshause zugewankt. »Nun zum Isaak Pischl!" Dieser war zur damaligen Zeit Geldwechsler in Laibach; er hatte sich mit dem Handel im Orient, Venedig, Croatien und Ungarn ein so beträchtliches Vermögen erworben, daß man seine Firma, wo immer nur man sie kannte, auch hochschätzte. Er war übrigens ein guter Mann. Kalt und besonnen stand er da, wenn es galt, sein Vermögen zu vermehren. Dieses Benehmen gab ihm den Anschein eines Stolzen und man muthete ihm kein edles Gefühl zu. Lange wünschte er sich ein Kind, doch er mußte die Hoffnung aufgeben, nachdem er sammt seinem Weibe in den Jahren merklich vorgeschritten war. Der Geheimschreiber trat unvermuthet in das Comptoir. Der Alte lächelte in seinem Lehnstnhle und schob die Aligenglaser hoch über die Stirne hinauf, als er des Eingetretenen ansichtig wurde. »Eben recht, ich dachte an Sie, denn die Fristen sind verstrichen," bemerkte er mit einem empfindlichen Kopfnicken, indem er auf ein großes Buch, das auf seinem Schreibtische aufgeschlagen lag, kalt und höhnisch hinwies. »Mit der versprochenen Getreidelieferung ist auch nichts. Ich wiederhole nun, daß ich meine Zahlung haben muß." »Sie wird Euch bis auf einen Heller, glaubet meinem Leben und meiner Ehre! —" »Dieser außer allem Umlaufe gesetzten Ware?" Der Geheimschreiber, absichtlich über diesen stechenden Einwurf hinausgehend, machte ihm den Antrag, ein Kind in sein Eigenthum zu kaufen. Deßwegen der Verkäufer am morgigen Tage um die Hälfte der Kaufssumme, und die andere aber erst nach erfüllter Zusage kommen werde. Isaak, hoch erfreut über diese Nachricht, schrieb aus Dankbarkeit für diesen Freundschaftsdienst zur aufgezeichneten Schuld des Geheimschrcibers ein »verlängest auf 3 Monat 2 6ato" in sein Buch; der Handel war geschlossen. Seit diesem waren Wochen vergangen, ohne daß sich im Pi schl'schen Hause etwas Außerordentliches zugetragen hätte. Eines Abends jedoch polterte ein Trunkenbold in die Wohnstube des Wechslers. »Da — da —" lallte der Unbekannte, kaum vrrnehmlich. Man drängte sich, theils ans Neu^ierde, theils aus Furcht, zu dem Sprecher, und staunte nicht wenig, als die. ser nach wenigen Augenblicken aus den Falten seines Mantels ein kaum gebornes Kind herauslog, das mit seinem Schmerzenslaute zu allererst die We!t begrüßte. Der Überbringer des kaun, Gebornen war der Vatcr und — Verkäufer desselben. Tr empfing den Rest des Blutgeldes und schlenderte damit dem nächsten Weinhause zu. Der erfolgte Tod seiner Gattin fand ihn noch in demselben. Sie endete ihr Daseyn nn Murcerschmerze über den Verlust ihres Kindes, von dessen schandlichem Verkaufe sie keine Ahnung hatte. Eine Lastcrrhac gebärt immer mehrere, — dieß ist der Triumph der Hölle. — Die Zeitgeschichte lehic, daß mit dem Verschwinden der irdischen Güter auch der Taumel cnt-fliehe, und daß das Bewußtseyn ^irückkehrc mir al.'en seinen schrecklichen Mahnungen u»d Gewissensbissen. So war es auch bei dem Schmiede. Das Blntgeld war in kurzer Zeit verzehrt, die Tischfreunde hatten sich verloren, uckd die all-mählig rückkehrende Armuth entfaltete ihm'ein immer gräßlicheres Bild seiner That. Zwar wnstte er „och einige namhafte Beträge von dem israelitischen Wechsler zu erpressen, und damit das erwachte Gewisse» im übermäßigen Genusse des Weines zu betäuben, aber die Gewissensbisse kehrten zurück und sprachen um so lautcr und empfindlicher, als mühsamer der Gequälte sie zu unterdrücken bemühte. Der Verkauf seines Kindes, der Tod seiner Gattin, durch diesen herbeigerufen, das unnütz verpraßte Blucgeld und die rückgekehrte Armuth waren die Schlange, welche mir nie gesättigtem Heißhunger den Armen erfaßt hielten, und an seinem Gehirne dergestalt zehrten, daß er nicht einem Vernünftigen, sondern einem wahnsinnigen Wesen glich. In einem solchen Zustande crat er eines Tages zu dein Geheimschreiber. (Fortsetzung folgt.» Eine Nazzia des russischen Generals Saß. tS ch I u h.) Fast geisterhaft war die Stille lingsum, als der General Saß auf mich zutrat, mich mir der einen Hand niederdrückte und mit der andern nach Osten wies, wo schon der nahende Morgen den Rand des Himmels zu lichten begann, während in der Schlucht, in der wir uns befanden, Alles noch vom tiefsten Dunkel umhüllt war. Ich sah nun in der angedeuteten Richtung, ein Paar lOl) Schritte voraus auf einer Höhe, die Schattenrisse zweier Abasechen deutlich am Horizont abgezeichnet und hörte gleich darauf, daß sie miteinander sprachen. Es mochten außer mir wohl nur Wenige seyn, die als Neulinge in den Bergen noch einer besonderen Hinweisung auf den zu beachtenden Gegenstand bedurften. Die Augen der Tscherkessen und Kosaken aber sind so scharf und in so rascher Bewegung, Alles ringsumher erspähend, daß bei dem ersten Zeichen des Führers auch gewiß ein Jeder schon den Gegenstand im Auge hat, der das Zeichen veranlaßt. Aus dem Gespräche dieser beiden Abasechen aing hervor, daß sie ein Geräusch vernommen hatten; der 347 Eine behauptete, es waren Russen im Au;uge, der Andere meinte, es hätten Wildschweine im hohen Grase geraschelt. Glücklicherweise machte dieser letztere seine Meinung geltend und schlug mit dem Flintenkolben auf die Büsche rings umher, in der Absicht, die Thiere zu verscheuchen. Wäre ihnen die Wahrheit klar geworden, so hätte ein Schuf; von Aul zu Aul den Allarm verbreitet, und da nach der Berechnung unsere Infanterie noch nicht an jener gefährlichen Grelle seyn konnte, so mußte ihm einleuchte,,, daß von dem Stummma-chen dieser feindlichen Schildivachen das Leben des ganzen Detachements abhing. Auf seinen Wink iraten zwei junge Leute in grauen Röcken leise z» ihm heran; es waren Zwillingsbrüder und Zöglinge des Generals. Nachdem er ihnen ein Paar Worre ins Ohr geflüstert hatte, warfen sie sich platt auf die Erde und verschwanden seitwärts im GcbiÜch. Mit der ängstlichsten Spannung war jedes Auge gegen Osten gerichiet, auf die beiden Abascchen, welche, da sie kein Geräusch mehr vernommen, sich auf die Erde niedergesetzt harten. Bald stand der Eine wieder auf und schien zu horchen; Plötzlich gewählten wir etwas Dunkles sich an ihm hinau-winden, ein kurzes dumpfes Röcheln und er sank. Gleichzeitig sah man den da Sitzenden mir einem Andern ringen und nach einen, Augenblick ebenfalls ins Gras zurücksinken, wahrend unsere beiden Zwillingsbrnder an derselben Stelle sich aufrichteten, einen Augenblick still standen und dann zmückeil-ten, um zu rapportiren, daß die Gefahr vorüber sey. »Trogai!" (vorwärts) sagte der General mit tiefer, leiser Stimme, und vorwärts gings mit verdoppeltem Schritt, um die versäumre Zeit einzuholen. Nun ward es allmälig etwas heller. Bald erreichten wir ein Plateau und erblickten, über deren Rand vorgebeugt, uuter uns das Ziel unseres Marsches, den feindlichen Aul und in demselben einige Noch brennende Feuer, uns ein sicheres Zeichen, daß die Feinde, Unsere Nähe nicht ahnend, sich sorglos d^r Ruhs überließen. Wahrend dessen waren die ersten 100 Kosaken in Linie auf-Marschirc und erhielten den Befehl, den Abhang vorsichtig hinunter zu reiten und die eine Hälfte des Dorfes zu umzingeln; dann mußte die 2. Sorajca (100) absitzen, um auch die andere Hälfte zu umzingeln. Darauf setzte sich der General ganz ruhig auf den Stein und ließ sich eine Pfeife anzünde». Auf meine Frage, was nun geschehen solle, ancwor, ^ ". ^.^ H^mde werden schon selbst das Zeichen zum "griff gebe,,.» Ich verstand ihn erst, als bei den ersten Vtlahlen der aufgehenden Sonne die Stimme der Mullah erscholl und durch'Aufruf zum Morgengebet den Russen das Zeichen zur Attaque gab, die mit einer allgemeinen Salve unserer Kosaken begann. Im nächsten Augenblicke war auch schon die das Dorf umgebende Dornenhecke überstiegen und das Thor, das nicht seitwärts, wie in Europa geöffnet, sondern wie eine Klappe i>, die Hohe geschlagen wird, eingestoßen. Jetzt waren aber auch schon d.e Tscherkesseu auf den Beinen und daö bei solch,,, Ueberfallen gewöhnliche Gemetzel begann. Von den Manne.» schlugen sich manche durch und entkamen in die Wälder; die Frauen und Kinder wurden von uns in größter Hast übereinander auf die Karren geladen, die Kinder, Pferde und Schafe aus den Umzäunungen getrieben und dann traten wir ohne Zeitverlust den Rückzug an. Bald sahen wir einzelne Reiter und dann immer mehrere am Rande der schon mit. Schnee bedeckten höhern Berge zu unser» Seiten hin und her sprengen. Der General erwiederte auf meine Frage, was das zu bedeuten habe, ich würde zeitig genug das Resultat dieses lebhaften Verkehres erfahren. An der erwähnten gefahrlichen Stelle des Felsenpfades anlangend, fanden wir dieselbe im Besitze der Infanterie, welche uns noch 4 Weifte weiter rückwärts das Geleite gab, bis zu einem im Voraus für das ganze Deraschement bestimmten Sammelplätze, einem etwa 400 Schritte im Durchmesser haltenden freien Raum in einem ziemlich ebenen Platze, den wir unangefochten erreichten. Jetzt eist konnte General Saß seinen milden, menschenfreundlichen Charakter beweisen, der mit seinem eisernen Gleichmuth während des Marsches und des Kamvfes selbst den auffallendsten Contrast bildete. Die aus Mangel an Zeit wie Bündel übereinander geworfenen Gefangenen wurden min sorgsam von den Karren gehoben, die Blößen bedeckt, Pelze ausgetheilt, und die Angeseheneren weich gebettet. Unter diesen befand sich auch eine Fürstin, oder richtiger, die Tochter eines Anführers der Abasechen, welche uns am Ende der Erpedicion ein interessantes Drama bereitere; angekommen auf diesem Sammelplatze, ließ General Saß seine gewöhnliche Aufforderung zum Kampfe in den Beigen ertönen, nämlich vier Kanonenschüsse, deren weit und breit wiederhallender Donner so viel bedeutet, als: »8—xv^arg^Il" d. h. Saß ist in den Bergen. Wahrend mm die Soldaten ihren Hirsebrei kochten, wozu sie wegen Mangel an Wasser Schnee nehmen mußten, und für uns aus dem im Uebersius; vorhandenen Wein und Sago eine treffliche Suppe bereitet ward, fragte ich den General, was es wohl mit den Reitern für eine Bewandtnis; gehabt hätte, die wir vorhin auf den Berghöhen erblickt? Scatt der Antwort erhielt ich die Gegenfrage: wie viel Tscher-kessen wohl nach meiner Berechnung jetzt um uns verborgen liegen möchten? Und nun erfuhr ich zu meinem, Erstaunen, daß jene Reiter alle Auls des Bezirkes zum Kampfe mit den Russen aufgefordert hätten, und daß jetzt schon 10,000 Mann schlagfertig im Walde liegen mochten. Als ich mich darauf genau umschaute, fand ich auf etwa 100 Schritte vom Rande des Waldes den Kreis unserer Scharfschützen, wie jeder unter dem Schutze eines Baumes oder Strauches gelagert, in malerischer Stellung seine Büchse nach dem Dickicht gerichtet hielt. Auf den ersten Schuß erfolgte lings-um alsbald aus dem Walde ein furchtbares Kleingewehrfeuer; der Generol nahm seine Mütze ab, und sagte sehr freundlich: »milosll pl'ossim" (seyd willkommen), wie man in Rußland bei einer Einladung sagt. Von unserer Seite blieb alles still, und auch auf die zweite feindliche Salve erfolgte kein Schuß zur Erwiederung. Als aber nun die Tscherkessen in ihrer Erwartung, den Feind in Unordnung zu bringen, getäuscht aus ihrem Dickicht hervorkamen und die grimmigen Gesichter unter den blatterlosen Bäumen sichtbar wurden, da hatte schon jeder unserer Scharfschützen seinen Mann auf's Korn genom- 248 - men, und im Nu stürzte eine ganze Menge der Feinde todt zu Boden. Sie wichen etwas i» den Wald zurück, erneuerten sofort ihre Angriffe, und fügten uns manchen Schaden zu, konnten uns aber doch nicht zum Alifbruch zwingen, bis alle unsere Soldaten ihr Mal vollendet und sich ausgeruht hatten. Da sahen wir in einer Lichtung des Waldes ein Paar hundert Reiter sich sammeln, in deren Bewegung man deutlich las, wie sie einander ermuthigtcn und zum Angriffe auf. forderten. Sogleich wurden ihnen 50 Kosaken entgegengesandt, und hinter diesen unsere 4 Kanonen aufgestellt. Mit wildem Geheul und hochgeschwungenem Schaschki (Babel) sprengen jene auf die Kosaken ein; diese aber wichen links und rechts aus, und die kühnen Reiter wurden von einer ganzen Lage Kartätschen überrascht. Die niedergeschmetterten und verwundeten Menschen und Pferde bildecen einen verworrenen Knäuel, der die nachfolgenden aufhielt. Nach dem ersten Schrecken rafften diese ihre Todten und Verwundeten auf und zogen sich in ohnmachtiger Wuth in das dichte Gebüsch zurück. Mehrere ähnliche Attaquen hatten keinen besseren Erfolg. Endlich ward das Signal zum Aufdruch gegeben und mm galt es auch unserseits, die Todten und Verwunderen mit fortzuschaffen. Die Todten, die zurückzulassen in dortigen Ge genden als die größte Schmach und Schande betrachtet wird, werden quer über die Pferde gelegt, die Verwundeten aber in eigenthümlichen, für die schmalen Bergpfade berechneten Pferdesänften getragen, nämlich auf langen, durch die Steigbügel zweier hintereinander gehenden Pfeide gesteckten und in der Mitte zwischen diesen durch Zweiggefiecht verbundenen Stangen; dann folgt das Detachement, die Gefangenen in der Mitte. Den Schluß des Hauprzuges bilden die von einem Kosaken getriebenen Heerden. Zu beiden Seiten aber formiren sich Tirailleur-Ketten, und der General bleibt mit seinen besten Leuten in der Nachhur. So geht's nun unter ewigen Kämpfen, Angriffen und Vertheidigen zurück in die Ebene, wo die Tscherkessen von jeder weitern Verfolgung abzustehen pflegen, weil sie zur Genüge erfahren haben, daß sie im freien Felde gegen unsere disciplinirteu Truppen den Kürzern ziehen müssen. Feuilleton. Zur Geschichte der Bärte. — Unser durch die eifrige Pfiege unserer slovenischen Landessprache berühmt gewordene Landsmann, Sigmund Graf v. Herberstein, (geb. zu Wippach 1486) erzahlr in der Beschreibung seiner zweiten Gesaudtschaftsreise nach Moskau im I. l52ss, daß der russische Czar bei der großfürstlichen Tafel vertraulich die Frage an ihn gerichtet habe, ob er je seinen Bart abgeschoren hätte; und als Herberstein dieß, wie er sagt, ohne Hilfe eines Dolmetschers bejahece, sagte der Großfürst, er habe es auch schon ein Mal gethan, nämlich bei seiner zweiten Vermählung. Bekanntlich hielt man ehemals in Rußland den Barr allgemein in großen Ehren, wie es noch jetzt der genieine Russe thut. — Wir sehen in dieser Aneccode ein merkwür- diges Beispiel von der Freiheit, die man sich wohl hie und da nahm, einer geliebten jungen Gattin zu Liebe von der Sitte der Väter abzugehen. Daß dieß gerade in der ersten Hälfte des 16. Iahrhundeites nicht selten geschehen seyn muß, erhellet aus dem Hirtenbriefe des Erzbischofs Makar, durch welchen er das Volk zum Kriege gegen die Polen auffordert, und bei Aufzahlung der Vergehungen, wodurch sie das Strafgericht des Krieges über ihr Land gezogen haben könnten, auch die verdammliche Neuerung anführt, welcher zu LiebeViele sich sogar den Bart abscheeren ließen, um ihren Geliebten mehr zu gefallen. —r. Folgen der Unvorsichtigkeit. — Zu Dirmerz heim (Kreis Euskirchen) gingen am 2l. Juni beide Ehe-leute ihrer Feldarbeit nach, während sie ihr sechsmonatliches Kind unrer Aufsicht ihres anderen fünfjährigen im Hause zurückließen. Als die Mutler nach einer Stunde zurückkehrte, fand sie ihren Säuglmg sammt der Wiege zu Kohlen verbrannt, in Folge der Entzündung von Streichhölzchen, womit das ältere Kind gespielt hatte. Möchte der schreckliche Jammer dieser Aeltern Vielen zur Warnung und Vorsicht in der Aufbewahrung der Schwefelhölzchen dienen! Mißglücltes Gxveriment. — Der Chemiker van Asten in Rotteidam beschäftigt sich mit einem größeren Werke über Chemie und wollte in Erfahrung bringen, welches Quantum Wasserstoffgas der Mensch ohne Gefahr einathmen könne. Er machte den Versuch an sich selbst, fiel aber halb betäubt zusammen, und starb in wenigen Stunden. Auf ähnliche Weise hacre Briton in London im Jahre 1841 sein Leben verloren. Papierkorb des Amüsanten. Galant. Eine junge, amerikanische Dame, welche sich eben verheirarhet hatte, sollte ihren jungen Mann missen, der, Schiffslieutenant, die Ordre erhielt, sich auf seinen Posten zu begeben. Die Dame schrieb an den Staarssecre-tär wegen Zurücknahme dieser Ordre und bezog sich unter andern auf die Bibel, in der, 5. Buch Mosis, 24. Capitel, 5. Vers steht: »Wenn ein Mann ein Weib genommen har, soll er nicht in den Krieg ziehen, noch soll er irgend ein Geschäft verrichten; sondern er soll frei seyn auf ein Jahr und kosen mit dem Weib, so er genommen." Der Staatssecretär entgegnece: Da selbst die Bibel zu ihren Gunsten, schöne Miß, sprichr, muß ich wohl meinen Befehl, wie hiermit geschieht, zurücknehmen. Herr A., ehemals Mitglied der ersten constituirenden Versammlung, betrat nur ein einziges Mal die Rednerbühne und begann mit den Worten: »Meine Herren, der Mensch ist nur ein Thier.. .>> Von dem imposanten Anblicke der Versammlung betroffen, hielt er inne. Ein Mitglied rief aus: »Ich trage darauf an, daß diese Rede gedruckt uud mit dem Bildnisse des Verfassers geschmückt werde. Von Ledru-Rollin, der sich ,eßt als Flüchtling in London befindet, soll nächstens eine Schrift erscheinen, unter dem Titel: ,kl6m6 ll-imegi«." Man kann sich das Interesse denken, mit dem diese' Schuft allgemein erwartet wird. Berichtigung In Nr. «0 dcs Illyr. Blattes, Seite 24tt, Spalte 2, Zcilc 8, von obcn, soll cs heißen, statt: „ein bcdcutcnd dicker" „eine dcn bedeutend dickeren, stumpfen Theil" ,c. Verleger: Ignaz Ällois Kleinmayr.