Mo. XVI. Wöchentlicher Auszug von Zeitungen. Laybach den i6te« April 1783. Ihr alten Iungfrau'n laßt euch sagen, Könnt ihr noch keinen Mann erjagen? So lebt die Fasten nur getrost, Daß ihr bis Ostern nicht verrost. Idria den uten April. i^eme kais. kön. apost. Majest. ha-^^ ben aus höchstdero angebohrne Mllde, jenen, so am 26ten August ver-Zangencs Jahr, durch das hier gcwe-' sie große Ungewitter und Hagelscha- i oen, betroffenen armen Bergknappen und Unterthanen, ersteren 2020 fi. und lezteren auch 2020 fi. allermildest zu jchenken geruhet, und dabey allcrgna-dlgst anbefohlen , daß dieses Geld, von dem hiesigen Bergoberamt, den bettoffenen Partheyen nack d^m Hochstand vertheilet werden soie sowohl die Bergmannsckaft' al^ Unterthanen haben aus besonders eigenen T^rieb der Dankbarkeit eine 8täqige Andacht durch den hiesigen Pfanhcrrn, halten lassen, um von Gott, eine lange segcnsvolle Regierung des gütigsten Monarchen, zu erbitten ; Man sahe bcy dieser Gcle-igenheit manche stille Thränen des Dankes, auch in jenen Auqen, denen nicht einmal das Unglück mit betroffen hat, fließen. Mien den 2 2ten März. Einige reiche Abteyen sind gleiche falls aufgehoben worden , worunter ,K",cn'.sm'-nster oben anstehet, die ei-!ncn überschwenglichen Schatz besitzen soll. soll. Die barmherzigen Brüder haben den dänischen Legationsprediger zu keinen Krankenbesuch mehr eingelassen, weil die Protestanten nun ihre eigene Kirche hatten, folglich auch Prediger haben müssen; so wurde dem Gesanoschaftsprediger nicht mehr diese Freyheit zugestanden. Da das Burgsrspital keine Pfarr mehr ist; so hat der dermalige Prediger, P. Maz-zioli die Weisung erhalten, sein Ka-nonikat zu Stein am Anger in Ungarn anzutretten, und die damit ver-. bundenen 1^00 st. in Nuhc zu verzehren. Die Kiegshoffnuna nimmt mit jedem Tage, bey uns Zeitungsschreibern, zu, und es glauben manche meiner Hrn. Collegcn, daß es mit dem Monat May zum Äusbruch kommen werde, doch laßt sich dieses mehr aus den Zurüstungen, als sichern Beweisen schließen. Nachdem lezthin ( sagt die Bay-reuter-Zeitung) die böhmisch-und österreichische Hofkanzley, die Hofkammer und Bankodeputation vereinigt worden sind, so sollen auf allerhöchsten Befehl bey dieser neucnStel-le nur 14 Hofräthe in der Würklich-keit bleiben, alle übrige aber in dcn Quiesccntenstand gefttzt werden.Dcm Obristen Hostanzlcr ward frey gelassen, die 14 zu wählen. Der Titl. Hr. Hofrath vonRaab, der sich durch das in den deutschen Erblanden eingc- ^ führte, von der höchstsel. Kaiserin anbefohlene, von Sr. regierenden kais. Majest. bestättigte Nobbath-Aboliti-ons-System berühmt gemacht, war nicht darunter, weil er von allen et-lich und 30 Hoftäthm einer der älte- lsten ist. Es ward ibm daher gleich fallen andern angedeutet, daß er seine ^bisherigen Dienstjahrc anzeigen solle, damit man ihm die nörmallnaßige Pension anweisen könne. Indejsen war der Iubillirte, ohngeacht seines ^jährigen Alters noch frisch vonGe-sulwheit und Diensteifer in seinen 30-ljahrigenDicnsten keinen nachzusetzen, ! und seine zahlreiche Familie ijt zum Theil unversorgt. Die 14. vorgc-schlagencn Hofrathe wurden von dem Monarchen bestattigct, aber Joseph (wer kennt die Menschen besser, wer weiß Verdienste besser zu belohnen als Er) befahl aus eignem Triebe, daß Hr. v. Raab nebst der normal-mäßigen Pension, die ihm angewiesen werden wird, noch jährlich 2502 fi. haben soll. Welch schöner Triumph? welch ausgezeichnetes Merkmal der allerhöchsten Gnade und Zufriedenheit! Gott segne dich, großer Monarch, gerechter Kaiser! Gott segne dich, würdiger Greis, redlicher Diener des Staats, ftomer Hausvater Ich bin einer von lausenden die durch Dich glücklich geworden, und bin er-ftcut Dir öffentlich dieses Danrlied zu singen. Nun konnte der Mann in Ruhe und Gelassenheit semSchick-sal ansehen; Er hatte noch dcn Trost, daß die ihm von dcm Monarchen bezeigte Großmuth nicht einen einzigen i Neider erweckte, und allgemeineFreu-!deverur,aäte. Zu Prag meldete sich obnlangst ein , Jude bey der geistlichen Obrigkeit und» !bat um Unterricht in der Religion, der ihm sogleich bey dem Pfarrer zum heiligen Castulus nebst Versorgung, mit Speise, Trank und WohnmiZ au- angewiesen ward. Der Pfarrer gieng noch weiter; er wollte nebst eifriger Fegung der Seele auch den äußern Menschen zu reinigen nicht unterlassen, kleidete ihn also von Kopf zu Fuß sehr anständig, bat verschiedene an-fthnliche Kavaliere und Damen zu Taufpathen zusammen, schickte ihn auch in viele vornehme Häuser, wo er reichlicheAllmoscn zusamen brachte; und damit nahte der zur Taufe bestimmte Sonntag heran. Die Kirche war festlich geschmückt, die vorneh-, mcn Pathen bereit, ein Bischof be-^ reitcte sich zu taufen, und der Tauf-, ling war davon gelaufen. Man er-^ fuhr nachher, daß er scine Betels rungsrolle auch schon zu Brüx zu spi-! len angefangen, sie abcr dort schon-früher niedergelegt habe, weil derz Stadtdechant ihn zu strenqe hielt.' Bey seiner Ankunft in Prag hatte er sich auch dem Oberrabincn vorgestellt.'^ und Buße verlangt, weil er dem Ge-, setz Mosls habe untreu werden wollen;^ allein dieser war weniger lcicdtglau-^ big/ und entlies den Kerl mit dem! Bedeuten, er sollte sich nach einem Jahr wieder stellen, und, wenn er wahrend demselben sich als ein wahrer Jude betragen haben würde, als-- denn wieder in den Schoos des Iu-dcnthums aufgenommen werden. Und nun zum Schluß eine sehr süße Nachricht für viele unsrer Leserm-mn. In Engelland ist der Zucker so sehr im Preise gefallen, daß der, welcher sonst mit i. Schilling (oder !2Pence) bezahlt werden mußte, Al "ur 8z Pcnce kostet. Auch in Frankreich wird dieses LeibZewürz sehr wohlfeil, und diese Wohlftile muß von langer Dauer seyn, da ein gewisser Hr. Bouchery, Unternehmer der Zuckerraffinerie zu Bercy, das Geheimniß erfunden hat, au^ den Melissen einen so süssen, reinen und achten Zucker als aus den Zuckerröhren zu machen, wovon er in Gegenwart der Staatsrathe und der Mit^ glieder der medicinifchen Fakultät und der Akademie der Wissenschaften eine Probe abgelegt, und dadurch ein königl. Privilegium zu Anlegung solcher Raffinerien in den Kolonien erhalten hat. Ganz gewiß werden die !Plantagebesl'tzer ihm das Geheimniß um jcdcn Preis abkaufen , weil als-^ denn sicher dieAmerikaner ihren wohlfeilen Zucker häufig abhohlcn, und lhrc Ochsen, Pferde, Hammel, Holz, Getraide und Gartcnftüchte dagegen bringen wcrdcn. Wahr-'scheinlrch wird Hr. Bouchery auch !für seine wichtige Entdeckung eine an-! sehnliche Pension erhalten / und die ganze Zunft der Schönen wird auf allen ihrcn Zuckcrschaalen, im Monu-^ mente bauen, und lieblich lächeln« neben demselben ausruffen: Gesegne» sey Herr Bouchery. Z Neapel, VON 25. MärF. ! Der dritte und jüngste Königliche Prinz Joseph ist den ryteu dieses zu Kaserta, zum größten Leidwesen der Königlichen Acltern im 2osten Mo- nnite seines Alters mit Tod abgegangen. Da er immer kränklich war, so .haben IbreMajestäten die Warter »desselben sehr reichlich beschenkt. / Nerlm, vom 14. März. ^ Da sich Ihro Königl. Hoheit die Prinzeßin von Preußen neuerdings in gesegneten Leibesumständen befinden / so hat man vorgestern die gewöhnlichen Gebeter für Deroselben glückliche Entbindung in allen Kirchen angefangen. Rom, vom 16. März. Gestern Abends sind Gc. Königs Hoheit der Erzherzog Maximilians glücklich allhicr angekommen/ und in^ Villa Medicis abgestiegen, indem Sie die im Vatikan zubercitetcWoh-nung verbaten. London , vom 14. März. Der Oberste Müller, ein Schweizer / hat im Hydepark / m Gegenwar-einer großen Menge Zuschauer/ eine Probe mit einem von ihme erfundenen Gewehr gemacht / das eine Kugel 500 Schritte weit mit eben der Geschwindigkeit schießt/ mil welcher ein anderes Gewehr seine Kugel 122. Schritte weit schießt. Auch ist gedachtes Gewehr weder größer noch schwerer/ als ein gewöhnliches Soldatengewehr. Tootenverzeieimiß. Nro. 2s8.hmter der Mauer, den 7. Apr. dem Math. Kollschneidcr, s. S. alt 17 Wochen. ^ Nro. 342. auf dem neuen Markt, den 7.Apr.dem IakobWaqner/Livre-bedienter, s. W. alt 30 Jahr, samt der Leibesfrucht/ welches ein Knäbel war. Nro. 285. in der Iudengafst, den8. Apr. Hr.Nikol. Savinschck, bürgert. Weinwirth/ alt 6s Jahr. Nro. 21. in Thrnau/ den 9 April, Agnes N. alt 8o Jahr. Nro. 92. auf der Vorstadt, den 12 Apr. dem Georg Tschcschenauer, s. S. alt2Iabr. ^ Nro. 13. in Krakau, den 12. Apr. dem Valentin Grilitz , s. T. alt 2 Iabr. ! Nro. 11 s. in der Kothgasse/ den 13 Apr. Gerdraut Orditschin, ledige Dienstmagd/ alt 8o Jahr. Nro. 121. in der Kothgasse/ den 13 Apr. dem Ios. Kutscher, s. S. alt 18 Jahr. Nro. 241. in der Spitalgajse/ den 13. Apr. Peter Bergcr, alt 64 Jahr. Das Vrodgewicht bleibt wie im verflossenen 1782. Jahr. Verzeichniß deren den i2ten April 1783. in Laybach herausgehobenen fünf Zahlen 8. 44. 5 8. 5. 4« Den 26ten April wird in Gmtz die Ziehung vorgenommen werden. Gedruckt in der Kleinmayrischen Buchdruckerey, log. im Iaglitschen Hause Nro. 9!. in der St.Petersvorstadt. -