^--^7-^ ^-^(^ ^^II>^ ^^I>^' Freytag den 8. April 1826. Rache eines Sclaven. ^Abulem war ein frommer Muselmann, und zu gleicher Zeit der glücklichste Mann von Alevpo. Seine Einnahmen waren mehr als hinreichend zu seinem Unterhalt Er hatte eine schöne Frau / die er so innig liebte, daß er ihr, gegen die Sitten seines LandeS, ge» schworen t>nre, außer ihr kein anderes Weib zu nehmen. Er selbst war von Person schön zu nennen, und seine Gesui'.dhei: mar die beste. Mit einem Wort, ihm fehlte durchaus nicht5, aber — bald ward ihm sein Glück zur Last. Er bildete sich nähmlich ein, daß er in der Zukunft sein jetziges Glück zu büßen haben werde, und schon belrachtere er als die traurigen Vorbotheu her» annähenden Unglücks die Langeweile, die das Men. schenherz beschleicht, wenn ihm nichts mehr zu wünscheu Übrig geblieben. I» dieser trüben Stimmung warf fich Abulem eineS Abends, als er sich ganz aN.'in glaubte, in der Dun^ kelheit auf die Knie nieder, und bcith den Engel Ga. briel in lautem inbrünstigem Gebeth um die Wohlthat, ihm sein künftiges Schicksal zu entdecken: „Meine Zukunft zu kenn?», sagteer, ist mein sehnlichster Wunsch." Da antworlece eine Stimme, die ihm von der Decke seiner Wohnung herab;ukommen schien : „Wohlan »Abulem, unbesonnener Abulem,. dpin Gebeth sey er-„hört! Höre und zittere! DuwirstVarerzwcyer Söhne „werden , von denen der eine dir nach dem Leben trach« „ten wird. Deine Frau, die du so innig liebst, wird »dir untreu werden. Dein Haus wird zum großen Theil »von einer Feuersbrunst verzehrt werden. Du wirst in „einen Brunnen fallen. Deinen Beutel voll Zechinen wirst „du verlieren. Dein Lieblingscamchl wird einen Fehl« '„tritt thun, wird stürzen, und du wirst den Fuß bre-„chen. Doch das Bitterste, was ich dir sagen muß, „ist, daß du in deinem fünzigsten Jahre sterben wirst." „Wie! rief Abulem mit dem tiefsten Schmerz, auch kein einziges glückliches Ereigniß soll mich erfreuet! während dieser Kitte von Unglücksfällen?" — „Doch! du wirst für kurze Jahre die Güter ge« „niesten, welche du besitzest. Ein Pasch« von zwey Roß«-„schweifen wird deine Schwester heirathen; einer del« „ner Söhne wird schön und tapfer seyn und Ianit-„scharen-Aga werden. Die Pest wird eine große Zahl „deiner Mitbürger dahinraffen, du aber wirst verschone „bleiben. Genug jetzt, ohnedieß kannst du ja nicht glück-«sicher werden, als du schon bist, weil dir nichts fehlt, „was der Weise wünschen kann. Wer aber vollkommen „glücklich ist, muß sich auf Unglück gefaßt machen!" — Gern hatce Abulem einige Erläuterung über mehrere Stellen dieser Vorhersagung sich von dem Geiste erbe» then; allein die Veister haben in der Unterredung mit den Menschen keine Zeir zu verlieren. Zur Stunde warAbulem'ö Nube verloren. Obwohl er als frommer Muselmann an die Unabwendbarkeit des Schicksals glaubte, so trug doch der allen Menschen angeborne Iostinct, das Leben zu erhalten, den Sieg über seme Frömmigkeit davon, und auf alle Art suchce er dem Unglück vorzubeugen, das ihm vorhergesagt worden. Er genoß nichts mehr von all dem, was ihm de» scheert war, und eben so wenig gedachte er der verheißenen Glücksfalls. Unabwendbar fest stand »sur das Unglück, welches über ihn kommen sollte, vor seiner bang beklommenen Seele. Seine Frau betrachtete er mit dem Aug« der Eifersucht, er belauschte jede ihrer Bewegungen, und wies ihre Liebkosungen zurück. Nachts sah er im Trauine den gefürchtet«» Nebenbuhler, sein Schlum» mer wac gestovt. Die Geburt seines ersten Sohnes erfüllte sei»l Herz nicht mit Freude, denn er gedachte der Vorhersagung, und daß dieser vielleicht fein Mörder »erden würde. So zeigt« er denn seinen beyden Kin< dern nur finsteres Mißtrauen; keines von ihnen ver« mochte er zu lieben, weil er jedes fürchten zu müssen glaubte, da beydes Söhne waren. Die Speisen seines Tisches wähnte er vergiftet, und stets glaubte er sein Geld verloren zu haben. Jedesmahl, ivenn er sein Ca» Mehl bestieg, geschah eS mit Zittern, weil er den an. gekündigten Sturz fürchtete. Jeden Tag fürchtete er sein Haus in den Flammen aufgehen zu sehen. Wahrend der häusigen Reisen, die er zu machen hatte, wagte er es nie, aus einem Brunnen Wasser zu schöpfen. Aber einesmahles, als er vor Durst verschmachten wollte, sich aber ganz allein befand., mußte er doch endlich das kühne Unternehmen wagen, jedoch gechah es nicht, ohne daß er vorher alle erdenkliche Slchecheitsmaßregeln er> griffen hätte. Dennoch befiel den Schreckhaften dabey aus Angst der Schwindel, er verlor den Kopf und stürzte in den Brunnen, der zum Glück nicht tief war, so d«ß er sich leicht selbst wieder heraushelfen konnte. Als er am Abend in die Herberge kam, fand sich, daß er bey dem Fall in den Brunnen seinen Beutel mit Ze-chinen verloren hatte. Aus Furchtsamkeit war er ein schlechter Reiter und Nel häufig vom Camehl, und so geschah es denn, daß er auch ein Mahl das Bein brach. Als Abulem sich den Vierzigen näherte/ vermochte nichts mehr seinem Leben Interesse zugeben, dessen baldiges Ziel ihm bekannt war, und das ihm kein unerwartetes Ereigniß mehr bringen konnte. Er magerte zusehends ab, weil er genau wußte, wie viele Jahre er noch zu leben hatte. Mit dem Antritte seines fünfzigsten Jahres glich er einem Schatten. Kaum hatte er noch Kraft zum Athemhohlen, als in der Mitte der Nacht die Stimme, die ihm einst seine Zukunft vorausgesagt hatte, wieder zu ihm sprach: „Abulem, lief sie, ist Gott nicht voll Erbarmen, «wenn er dem Menscht» den Blick in seine Zukunft „nicht erlaubt?" „Gewiß, rief er, teii, der mein letzter seyn soll." „So wisse den», Abulem, daß der Mensch sich «oft durch die Schrecken des Aberglaubens sein Leben »verdirbt. Auf den bloßen Zufall hin habe ich dir vor «einer Reihe von Jahren deine Schicksale voihergesagt, „ohne mehr zu wissen, als du selbst. Dein blinder Glaubt „hat sie in Erfüllung gehen lassen. Du stirbst, weil ich «dir deinen Tod für dieses Lebensjahr vorausgesagt habe,-; «und doch ist es nur Pako, dein Sclave, der jetzt „und damahls mit dir gesprochen, und durch die Über« „legenheil seines Geistes deiner Lebenszeit ein Ziel g«< «setzt hat." Dieser Sclave war ein klug« uno unterrichtete« Spanier, der von einem Corsaren gefangen genommen? an Abulem verkauft, und von diesem als Ghiaur nicht besser wie ein Hund behandelt worden war. So mußte Abulem mit seinem Leben die Unmensch« liche Behandlung büßen, die er seinem Sllaven hatte zu Theil werden lassen. Welcher von Beyden war mehr Sclave 3 W a r n u n g. (Aus dem Wanderer). Sowohl Chemiker als Ärzte haben unzählige Mahle die wichtige Erinnerung zur Kenntniß ves Publicumi gebracht, daß man in unverzinnten kupfernen Geschirren keine Speisen, welche Zusätze von Säuren haben, be» reiten soll, weil mittelst der Säuren die in dem Ku« pfer enthaltenen schädlichen Theile aufgelöset werden, und daher auf die Gesundheit sehr nachtheilig einwirken können. Dessen ungeachiet dringt uns ein sich erst vor Kurzem ereigüeter trauriger Vorfall die Nothwendigkeit auf, diese Erinnerung neuerdings den Unkundigen odel Leichtsinnigen zur ernsten Beachtung zu empfehlen. DerWeiynachtSabend, an welchem gewöhnlich die Fische auf den Tafeln einen bedeutenden Rang einneh» m