Skr Arettag. September K8VV. V. Jahrgang Die „Marbtirger Zeitiinl," erscheint jed?« SoniUa^. Mittwoch und Freitag. Preise — für Marburg: ganAhrig 6 fl.. halbjähug 3 fl., vierteljährig 1 fl. 50 kr; für Zustellung ln» Hau» monatlich 10 kr. — mit Postversenduliti: glmzjühriq 8 fl., halbjährig 4 fl.. vierteljährig 2 ft. Die ein Mal gespaltene Garmondzeile wird bei einmaliger Einschaltung mit 1», beizmeunallger mit 15, bei dreimaliger mit 20 kr. berechnet, ivozu für jedesmalige Eiuschaltuug 30 kr. Jnseraten-Skempelgcbülzr kommen. Zur Geschichte des Tages. Die neuesten Berathungen, Ivelche dermalen im Schöße des Kriegs-Ministeriums gepflogen werdtn. drehen sich um die Einsührung ci« neS.neuen WehrsyftemS in Oesterreich. Hiernach wi»rde die Wehspfllcht eine allgemeine und jcdcr taugliche Staatsbürger bis zum 45. Lebensjahre verpflichtet sein, im Falle eines Aufgebots zu den Waffen zu eilen und seine Kräfte der Vertheidigung des Staates und deS Vaterlandes zu widmen. Die Feststellllng der eiMtlichen Dieuslztit wurde noch nicht vereinbart, jedoch dürfte sich selbe nicht über fünf Jahre hinauserstrecken. Der Abschluß des Friedens mit Italien wird durch die Schuldfrage verzögert. Bei den griedenSunterhandlungen von Zürich liatte nämlich das Kabinet von Turin cS durchgcseKt. daß ihm bloS drei Fünftel der lombardischvenetianischen Landesschuld und ferner vierzig Millionen für daS im Jahre 1854 abgeschlossene Anlehen. ebenfalls drei gsnlftel des auf Italien zu überschlagenden Theiles bildend, zur Zahlung auferlegt wurden. Oesterreich wollte schon damals die Allsgleichung auf Grundlage der Gesammt-Ltaatsschult' und dcr italienischen Bevölkerung bewerkstelligt lvissen. Bei den Verhandlungen von Nikolsburg bestand Italien neuerdings daiauf. daß ihm die noch übrigen zwei Fünftel allein auferlegt werden, und. von Frankreich und Preußen unterstützt, trug die italienische Anschauung wirklich den Sieg davon. Die italienischen Unter-Händler glauben somit, die Grundlage von Zürich als gesichert betrachten zu dürsen. Oesterreich will zwar die Züricher Grundlagen für die bis 1859 zusammengekommene Staatsschuld hingehen lassen, verlangt aber, daß für die seit 1859 abgeschlossenen Anlehen die Bi^rechnung nach der Seelenzahl zur Richtschnur genommen »verde. 3n Ziffern ausgesprochen, belauft der Unterschied zivischen den beiden Veranschlagungen sich auf IW Millionen Franken, indem Oesterreich 350 Millionen verlangt, während Italien blos 250 Millionen anbietet. Allem Anscheine nach werden die Verhandlungen in Folge dieser Meinungsverschiedenheit sich noch um einige Tage hinausschieben ; doch ziveiselt man nicht an einem endlichen guten Crgebniß. Die Verhandlungen zwischen Preußen undSach. sen haben eine Wendung genommen, welche der sächsischen Armee eine gewisse Selbständigkeit verbürgt; dieselbe »vird in Folge der Vereinbarung auf 40,000 Mann vermehrt, in Regimenter eingetheilt, und bleibt im Lande unter dem Oberbefehl des Kronprinzen, der dem Oberfeldherrn des nord-deutschen Bundes, d. i. dem Könige von Preußen, den Eid der Treue leistet. HeereSergänzung. Besoldung und Pensionirung wird nach preußischem Systeme durchgeführt. Sachsen wird von den Preußen vollständig (?) geräumt. Bis zum 1. Juli 1867 muß die neue Organinrung der Armee vollendet sein, und bis dorthin bleibt in drei Städten (Dresden ist nicht darunter) preußische Besatzung. Der Königslcin wird Bundesfestung und zur Hälfte mit fremden Truppen besetzt. Der König von Sachsen soll telegraphisch bereits seine Zustimmung zu diesen Vereinbarungen ertheilt haben und am 25. September der Abmarsch der sächsischen Armee, und zwar auf der Westbahn i:ber Baiern beginnen. Ueber die römische Frage schreibt einer drr bedeutendsten Staatsmänner Italiens, der eizemalige Unterrichtsminister Matteueci: „Die Römer müssen aushören. der politischen und bürgerlichen Rechte, deren die übrigen Italiener genießen, beraubt zu sein. Wir können es nicht zulassen, daß man der Nation einen Theil ihres Territoriums wegnehme. und Rom. die cdelste. berühmteste ihrer Hauptstädte, darf nicht sonfahren. der Herd deö Bürgerkrieges, der Vorurtheile. der Jntriguen ge-gen Italien zu sein, statt daß es der Mittelpunkt des LichteS und der Liebe wäre. Es liegt aber auch in unserem Interesse, das d'etvissen aufrichtiger Kathollken nicht zu verletzen, die Freiheit und Uuabhängigkeit des verehrten Kirchenoberhauptes nicht anzugrelsenes ist unsere Pflicht, durch diese Wirksamkeit unserer Freiheiten, durch Mäßigung und Freundlichkeit in unseren Bezielzungen einen Einfluß zu üben, der sicherlich für die Zukunft der Kirche heilsam sein wird, und für den selbst die Seele Pius IX. nicht unempfindlich bleiben ivird. Der Tag, an dem Italien den Katlioliken bfweisrn »vird. daß es mit der Kirche in Frieden leben will, und daß es. ohne ihre Unabhängigkrit anzutasten, ihrem Oberhaupte ein unverletzliches Asyl und einen Mittelpunkt der geistigen Wirksamkeit sichern »vird ; der Tag. an dem diese entschlossen sein lvird, endlich dem eitlen Scheine einer weltlichen Macht zu entsagen, die ihr in der That nur Unbilden eingebracht ; der Tag endlich, »velcher der Kirche die volle freie Ausübung der geistlichen Macht garai^tirt. der wahren und einzigen Der Ureiteuhaus. Erinnerungsblatt auf ein vergessenes (Arab. vou Z. Frey. I Ja wohl ist dein Grab vergessen, guter. 'vt,ckrer Mann, und selbst der Zlüster konnte mir nicht genau angeben, ivo du nach so prüsunstS-voller irdischer Wanderschaft deine Ruheslätte ausgeschlagen. Noch sind nicht volle vier Itüjre verfloflei». als du mir zum Abschiede mil feuchtem Auge die Hand drücktest. „Gott geleile dich.^^ sagtest du. „uird bewahre dir in drr Fremde ein frommes, wackeres Schweizerherz Wer halte damals gedacht, daß ich jetzt schon dein Grab nicht mehr finden könnte, der du damals noch hoch und ungebeugt ivie eine Eiche in s Leben herein-— Doch weist auch kein Kreuz, kein Stein deinen Nainen. so bin ich d rum nicht drr Einzige, der dich mit dankbarer Erinnerung nennt. Aber Mancher, der von dir erzäljlt. von der riesigen Kraft, die dir bis in dein hohes Alter treu geblieben, wird am Ende bedeutungsvoll sagen: „Gott habe ihn selig;" und tvie ein Schatten des Zlveiscle« gel^t einr dunkle Erinnerung über die Mienen der Hörer und des Erzählers. Der Breitenhans war eine von den ("l^estalten. die heutzutage immer seltener werden, die aber, eiiimal gesehen, dann auch unv.rgevli>h bleiben. So missen unsere Vorväter ausgcsetien haben, die bei St. Jakob sich aus die Leichen der Feiilde betteten oder bei Murten die getvaltige» Burgun der aufs Haupt schlugen. Wenn ich ihn so daherkommen sah. Karst oder Nickel auf der mächtigen Schulter, so verwandelten sich mir unwillkürlich die ftiedlichen Ackergerüthe zur Hallbarde. or»cr das Beil in der Hanv zur mörderischen Streitazt. Nur daS gutmüll)igt Gesicht schien nicht recht zu passen zu der her'nlis.l^en Gestalt, so ganz geqen allen heutigen Brauck. Ivo so oft ktn erschrecklich droliendes (Aesichl auf einer spintelleichten Figur mühsam heranwackelt. Aber ich erinnere mich recht gut. ivie dieses gutmilthige Gesicht ein-mal ausgesebkN hat. Es irar im Frühjahr 1845. Aus dem Dorse. da» kaum eine Viertelstunde von der Grenze des KantonS Luzern liegt, lvar eine grosse Anzahl Bewaffneter mit den Freischaaren gezogen. Natürlich ivaren die Zurückgebliebenen in größter Spannung. Kein Mensch dachte an Arbeit; Webstuhl und Spindel ruhte, ivährend an allen Ecken Grup. Pen standen, die sich mit den abenteuerlichsten Gerüchten trösteten oder bange machten. Indessen lvar man im Allgemeinen gar guter Hoffnung. Luzern sei eingenommen, die Regierung verjagt und die Pferde der Freischärler in der Jesuitenkirche einquartirt. In denl JesnittNkloster habe man schrecklich viel Goli) und Silber gesunden, von dem jeder Ausgezogene ein schö-nes Stück Mit nach Hause bringen »verde. Ziiar schon am Abend des ersten April erlitten diese goldenen und stlberneil Hoffnungen einen geival-tigen Stoß^ Ein versprengter Flüchtling brachte die Nachricht, Alles sei verloren, — aus dem Cmm>^^ns>.lde liegen mehr todte Freilchaaren. als Fische in der Emme schwimmen; Den und Jenen aus dem Dorfe habe er in seinem Blute gesehen. Da tvar der Jammer groß und manches Auge konnte sich diese Nacht vor Thranen nicht schließen. Und als gar am folgenden Tage die Sturmglocken das ganze Thal entlang heulten, die Larmkanone von der Gontenschibyler Egg auS mit dröhnenden Noth-schüssen zur Hilfe gegen den Feind rief, der an der Grenze Einbrnch drohte, da packte die Angst manches sonst muthige Herz, und der Schre-cken vor zügellosen Blut- und Brands'cenen verwirrte manchen Kopf, der sich sonst nicht gerne einen blauen Nebel vormalen ließ. Die Männer eilten zu den Waffen; die Weiber nach ihrer besten Habe und zu den Kindern; daS zur Flucht aus den Ställen lost elasseae Vieh stand aus den Straßen mit ängstlichem und nngstverbreitendem Gebrülle — ällent-halben war blinder Schreck und planlose Verwirrung. Damals lvar es, als ich den BreitenhanS mit einem Gesichte sah. das so recht zu seiner'athletischen Figur paßte. Wie ein belveglicher Thurm kam er ruhigen Schrittes durch das Getümmel die Straße dabergeschritten. den Naidsack um die Schulter, den alten Stutzen mit dem mächtigen Kaliber im Arme. Ueber den rior dem Schulhause Versammelten Haufkn Bewaffneter, Von denen bis jeßt keiner gehorchen und jeder nur befehlen i,etvollr. legte sich wie mit unnchtbarer Zaubergkivalt eine plötzliche LtiUe. als BrkitenlianS herantrat und mit blitzendem Auge über die ungeregelten Quelle ihrer Macht und Größe: dieser Tag wird Italien die Genug-thuung gewähren, der zivilisirten Wtlt einen ermäßlichcn Dienst erwiesen zu haben/' Ueber die Stimmung der Christen in der Türkei wird dem „Wanderer" geschrieben: „Auf der ganzen Halbinsel werden Sic keinen einzigen Mann von Intelligenz finden, der in eine andere Lösung der orientulischen Frage sich fugen würde, als in diejenige, welche eine nationale Unabhängigkeit zur Grundlage hätte. Dabei wissen wir Orien» talen nicht muselmännischen Ursprunges ganz gut, wie die Großmächte uns gegenilber gesinnt find. Der berühmte Ausspruch eines russischen Diplomaten: „Euch wird Niemand befragen, weil ihr schwach seid." würde ganz gut auf die Diplomaten anderer Höfe passen. Allein in solchem Falle find die Christen der europäischen Türkei entschlossen, lieber mit dem Revolver in der Hand bis zum legten Athemzuge zu kämpfen, als einer neuen Herrschast sich zu unterwerfen. Europa wird ungeheures Blutvergießen, unsägliches Elend und das Unglück von Millionen abwen-den, wenn eS auf diese Stimmung der orientalischen Christen Rücksicht nimmt. — Im EpiruS gehen die Wogen hoch. Die ganze Masse der Landbevölkerung scheint von einem Freiheitsgeiste ergriffen worden zu sein. Viele Tausende von Familien sollen bereits in die Gebirge geflüch-^ tet sein, was ein untrügliches Zeichen beginnender Aktion sein würde. — Der zu erwartende Besuch des SerdarS. Omer Pascha in Bosnien, und Herzegowina verspricht auch nichts Gutes. Sie müsien fich nämlich ver. gegenwärtigen, daß dieser alte Herr, selbst Renegat, die Christen auf das Bitterste haßt und von diesen mit derselben Animofität angesehen wird. Außerdem kennen ihn diese Provinzen als einen der wahrheitSlosesten Menschen, die e^ je gab: wo find die Versprechungen geblieben, die er den Türken wie Christen in Bosmien und Herzegowina unlängst gemacht hat? Statt aller schöner Worte lagert über diesen Provinzen der empö» rendpe Despotismus und die scheußlichste Gewaltherrschaft, deren die Türken nur fähig find." Die Antwort, die der König von Griechenland einer Ab ordnung der Schntzmächte gegeben, hat die Aufregung bedeutend gestei-gett. Der König sagte: „Die Türkei hat durch Berletzuns, der Verträge die christliche Bevölkerung zum Aufstände getrieben. Was mich anbelangt, so kann ich meinen Unterthanen nicht verbieten, ihren Brüdern im Un glücke beizuspringen; selbst wenn ich es könnte, würde ich niemals zu ver. gesien wissen, daß ich nicht blos König von Griechenland, sondern auch noch König aller Hellenen bin. Bevor ich die mir auferlegten Pflichten verkenne, würde ich nach Dänemark zurückkehren. Von Anfang an. als die Bewegung auf Kreta ausgebrochen, habe ich unsere Neutralität erklärt und meinen Unterthanen aufgetragen, die Verträge loyal zu beobachten. Zndeffen hat die Türkei dieselben Verträge in Bezug auf die Behandlung der Christen gebrochen ; in Folge dessen können weder ich. noch die Grie chen für die Ereignisse verantwortlich gemacht werden." Der Bicekönig von Egypten unterhandelt mit der Pforte über die Erwerl>ung Kandias. England hat sich sehr entschieden gegen die Abttetung an Egypten erklärt und befürwortet mit großer Wärme eine kaufweise Übertragung an das Königreich Griechenland, welches ohne Zweifel mit Enthufiasmus den Kaufpreis — schuldig bleiben würde. 3n. zwischen klagt die Pforte immer lauter, daß der russische General-Konsul uud lärmenden Männer wegfuhr. „Angetreten!" schrie er mit dröhnender Stimme, und im Augenblicke waren die Glieder aufgestellt. Kein Mensch liatte den bald fiebenzigjährigen Mann zum Befehlshaber berufen, eben so wenig hatte er gefragt: wollt Ihr mich? Aber selbst der Lieutenant und iSxerziermeister deS Dorfes war eifrigst angetreten und dachte wohl kaum daran, daß ihm seine Epauletten eigentlich denn Oberbefehl sichern sollten. Der Gemeindeammann wie der Nachtwächter waren gleichermaßen besiiffen. die gegebtnen Befehle zu vollziehen. In weniger den eimr Stunde waren alle gefährlichen Punkte gegen die Grenze besetzt, die Verbindung zwischen den einzelnen Posten l)ergestellt. Berittene auf dem Wege nach Aarau, um Munition herbeizuschaffen und die Lärmkanone wurde gerüstet, um wenigstens durch ihren Donner dem Feinde Respekt einzuflößen. Als die Zeit der Angst und deS ersten Schrecken» vorüber war. al» die eidgenössischen Truppen die Grenzen besetzten und die Dorsmannschaft von ihrer beschwerlichen Pflicht erlösten, da war Mancher ein Held, dem V0t wenigen Tagen noch daS Her^ gar sonderbar an das Wcimms ge-pocht, und des Berichtens von beabsichtigten preiswürdigen Krieg»tl,titcn war kein Ende; aber jede derartige Erzählung schloß unwillkürlich mit dem Breitenhans, wie der in der Muwller Weide einen Trupp Luzerner Landstürmer auseinandergejnj;!. die dort einem todtmüden Freischärler aus der Ferse g wesen; »vie ei. der alte Mann, die drei falten Nächte im Freien zugebracht, überall ans den gefährlichsten Punkten, überall mit Rath und That zur Hand, als hätte ihn ein Unsichtbarer heruMiietratjeu er habe, man begreise kaum wie. in stockfinstrer Nacht einen Spion am Kragen erwischt, der die Vorposten schon umschlichen gehabt habe. Als nun gar ein eidgenössischer Oberst, der seine Jugend unter den Adlern Napoleons zugebracht, zur Inspektion der Truppen kam und es liieß. der Breitenhans sei zu ihm gegangen und der alte Herr t»abc vor Freuden geweint, als er den Dorfkommandanten wiedererkannt habe, und sie hätten de» ganzen Tag zusammen gesessen wie alte Kameraden, da ivard denn allmälig gar Manches von den Alten erzählt. waS wir Junge bis-her noch nie recht erfahre« und daS ich hier nun zur Erinnerung an den Tobten nacherzähle» will. II An einem trüben Tage deS Januar im Jahre 1798 ging eS in der Weinschenke bei m Untervogte im Dorfe Gontenschwyl bunt durcheinander. Man hätte beim ersten Anblicke meinen können, es iväre ein Muftcrungs-tag und die Hungen Soldaten mit ihren Mädchen warteten «ur noch aus den Geiger, nm bei sriedlicherm Vergnügen fich von der Last deS Waffen- in Kanea (Dendrino. ein Grieche von Geburt) mit dem Aufstande nicht blos sympathifire. sondern ihn geradezu ermuthige -, Thatsache ist. daß alle bei den Ausständischen vorgefundenen Gewehre russischen Ursprungs sind. Auf Kandia ist bei Kanea eine Schlacht geliefert worden : die türkisch egyptischen Truppön. gegin 30.000 Mann stark, sind nach achtstündigem Kampfe Herren des Schlachtfeldes geblieben. Die Aufständischen, deren Zahl 40,000 Mann beträgt, sind schlecht bewaffnet und haben einen Verlust von 600 Todten. Die Rundreise des Präsidenten Johnson ist nach einem Berichte auS Philadelphia nichts als eine uiimittelbare persönliche Berufung an das Volk der Nordstaaten gegen den Kongreß, welchem diese Staaten seine Macht verliehen haben. Geplant »vurde dieselbe von Seward. um jenen Enthusiasmus im Volke zu erwecken, ohne welchen keine politische Partei in Amerika etw^is vermag. Der Präsident passirt Pennjylvanien, Nelvyork. Ohio. Indiana nnd Illinois, eben jene Staaten, in deren Grenzen im Oktober und November die Wahlschlachten geschlagen werden, deren Ausgang für das Schicksal seiner Politik entscheidend sein wird. Bemerkenswerth ist. daß auch Romero, der Vertreter der mexika-nischen Republikaner in Washington, sich im Gefolge Johnsons befindet. Wtrthfchaftliche Kr-ih-tt der Preffe. Marburg, 20. September. Unter Freiheit der Presse wird gewöhnlich die sogenannte „gesetzliche Freiheit" verstanden — daS Freisein der Presse von polizeilicher Willkür, das Recht, wegen Preßvergehen nur vor dem Gerichte sich zu verantworten. Die „Liberalen", die nur bitten und wünschen, bitten um ein möglichst freifinniges Preßgesetz, wünschen auch Schivurgerichte zur Veurtheilung der Preßvergehen — die Radikalen aber, die Männer der Volkspartei sagen: ein Preßgesetz ist gar nicht nothwendig, das allgemeine Strafgesetz genügt und auch dieses muß im Geiste der Zeit verbessert werden. Die Volks-Partei fordert Volks^ierichte zur Entscheidung über Preßklagen. Die Anerkennung dieser Forderungen geivährt der Presse aber nur einen Theil dcr Freiheit, deren sie bedarf, um ihrer Bestimmung zu ent» sprechen und getreue Verkünderin der öffentlichen Meinung zu sein: der andere, nicht weniger unentbehrliche Theil ist die wirthschaftliche Freiheit der Presse. Von diesem Standpunkte aus beurtheilt ist die Konzession nicht verträglich mit der Freiheit der Presse. Im freien Staate soll jeder Bürger jedes Gewerbe betreiben können, ohne sein Vorhaben erst bei der Behörde anzeigen zu müssen. Die Presse verlangt volle Gewerbe-sreiheit. Unverträglich mit der wirthsckafllichen Freiheit der Presse ist auch die Kaution. Der Betrieb deS PreßgewerbeS wird durch die Kaution erschwert: der Betrag, der bei Gericht hinterlegt »Verden muß ist bedeu-tend und wird die freie Verfügung über denselben dem Cigenthümer entzogen. Die Presse fordert Gleichstellung mit den übrigen Gewerben um so dringender. als hier nicht allein die Geldfrage in Betracht kommt, sondern auch die Güte der Leistung: die Kaution übt einen Druck auf die Frei-heit dcS Wortes, veranlaßt auS Scheu vor dem möglichen Verfalle eine Selbstzensur, welche mehr schadet, als die polizeiliche. Handwerks zu erholen; aber die verweinten Augen der Töchter, die stummen Gesichter dieser Soldaten und die ernsthaften Gekpräche der herum-stehenden alten Männer deutete» auf wichtigere Dinge, llnd so war eS denn auch. Der junge Untervogt, de? nun selbst im blanken Soldaten-kleide dastand, hatte vergangene Nacht durch einen reitende« Bote« ein Schreiben erhalten von dem gnädigen Herrn Landvogt zu Lenzburg, er solle die Mannschaft deS DorfcS auf den Mittag bereit halten — eS werde dann Jemand kommen, der sie auf den Sammelplatz deS Bataillons geleiten werde; denn — es gehe gegen die Franzosen. Das war schlimrne Botschaft, die manches schöne Auge naß machte; aber die Män-nerköpfe verwirrte uoch etwas Anderes. Drum standen die alten bedäch-tig beisammen und ivaren die sonst so fröhlichen Soldaten so stille. Am Vormittage nämlich war der Mchgermeister Siebenmann von Aarau dagewesen und hatte gar seltsame Nachrichten gebracht. — Der Meister Siebenmann war eine gewichtige Person im Dorse. Schon seit vielen Jahren war kaum ein Stück Schlachtvieh auS dem Stalle verkauft worden, das nicht vorher dem „Thötliwirth," so wurde der Meister zu-benannt, angetragen ivordcn tväre; er war billig und redlich in Handel und Wandel, und kein Gontenschmyler ging von Aarau iveg. bevor er am „Thörli" einen Schoppen getrunken , aber auch selten ging ein sol-cher vom Thörli fort, er hätte denn eine Wurst oder eine andere freund-liche Gabe für Weib und Kind mit nach Hause bekommen. Man kann sich also denken, daß Meister Siebenmann's Worte Gewicht hatlen. Diese lauteten abcr ungefähr folgendermaßen. Meinetwegen allen Respekt vor den gnädige» Herren in Vern; aber wenn itzr Lust habt, euch ihrcntwegen todtschlagen zu lassen, so hibt ihr daS Böglein noch nicht vom rechten Aste pfeifen hören. In Aarau ist ein Herr im Auftrage der franzüilschen Regierung geivesen. der hat mündlich und schristlich ausgesagt. daß die Franzosen als unsere Freunde kämen und blos den Herren von Bern, weil sie uns unsere Freiheiten geraubt, aus die Haube wollten. Wenn ihr nun aber die Franzmänner, die euch helfen wollen. Zehnten. Bodenzin» und Trattengeld-r abzuschaffen, euch das Recht t)rii»gen wollen, eure Obrigkeit selbst zu ivählen. wie sie euch gefällt, und abzusetzen, wann es euch gesällt, todtschlagen wollt — wenn ihr euch, wie gesagt, gegen all' das wehren wollt Mlt Händen uiid Füßen, meinetwegen; aber we«n ich bei euch ei« fettes Kalb haben kann, laufe ich «icht «ach einem magern ins Luzerngebiet, um zum schlechten Kauf noch Prügel von den Nachtbuben obendrein zu bekommen. Uebrigens macht meinet'vege«. was ihr wollt. Jetzt war die Lunte an die Mine gelegt und Manches wurde deut-llch ausgesprochen, was bisher nur halbverstanden und unklar geflüstert worden. So abgelegen das Thal auch war und so wenig sich die Bauern Eine Belastung deS PreßgelvcrbeS ist daS Pflichtexemplar. Der Ver-leger dieses Blattes z. B. muß unentgeltlich die Zeitung senden: an das Bezirksamt Marburg, an die Statthaltcrei und Bibliothek der Hochschule ln Graz, an tie Hofbibliothek, die oberste Polizeibeliörde und das Staats-Ministerium in Wien. Das Pflichtexemplar hat vor Allem den Zweck, die Polizcilikliörde in Kknntniß zu setzen, ob nicht ctivn durch den Inhalt dcS Blattes ein Vergehen verübt worden. Es verstößt alier ge<^tn alle Grundsapc der Straftechtspflege. den StaatsdiNj,er zu verpslichten. die Mittel zu seiner strafgerichtlichen Verfolgung selbst herbeizuschaffen. Die Sicherheitsbehörde soll die Presse keiner Ausntihmc nnterwevfcn, soll zur Entdeckung von Preßvergehen dieselben Mitte! anwenden, die bei den übrigen Bergehen zum Ziele führen. Der Zweck. Büchersammlungen zu bereichern, das Staatsministerium von der Bolksstimmung zu unterrichten, ist an und für fich sehr löblich; allein wenn der Staat dazu der Zeitungen bkdarf, so muß er diese Bildungsmittel erwerben wie der geringste seiner Bürger — er muß sie kaufen. Ein Borrecht können wir dem Staate noch we Niger einräumen, als dem Einzelnen. Am schwersten getroffen wird die Presse aber durch die Besteuerung und durch die Postgebühr. Der Zeitungsstempel hat im verflossenen Jahr einen Ertrag von 1.670.000 fl. geliefert. Für jede Anzeige — und wenn sie nur eine Zeile enthält —müssen vom Einrücker dreißig Kreuzer entrichtet werden, welche der Verleger dem Stcueramte verrechnet. In welche Klaffe der Steuerbeamten verdient wohl drr Verleger gesetzt zu werden? Die Postgebühr erhöht den Werth unseres Blattes, das dreimal in der Woche erscheint, jäiirlich um 2 fl. Die Grazer Tagespost zahlt eine Postgebühr von 4 fl. 80 kr. Wie sehr diese Gebühr die Zeitungen ver-theuert, ersehen wir aus einem Vergleiche mit dem AuSlanve. An der schweizerischen Eidgenossenschaft, wo'die Presse wirthsch.,ftlich frei ist wie in keinem Lande Europas, beträgt die Postgcbühr für ein Blatt mit täglicher Versendung, wie z. B. die „Berner Zeitung." nur 2 Franken, da« heißt 80 kr. — schreibe und zahle achzig Kreuzer österreichischer Währung. Wenn EineS die Bildungsverhältnisse und die wirthschaftlichen Zustände Oesterreichs kennzeichnet, so ist eö die Preffe, welche dem Staate zu einer Quelle der Einnahme dient. Was der bewaffnete Friede» kostet. Ueber diese Frage bringt die R. B. Landeszeitung folgende Berech» nungen: „Nach Schätzungen, welche in Wirklichkeit eher zu niedrig als zu hoch gegriffen sind, unterhält Europa in Friedenszeiten einen Essektivftand von 3.815,847 Mann und verzeichnet dafür als AuSgalieposten in seinem Budget eine Summe von drei uud einer halben Milliarde "') oder 32 Perzent seiner Gesammtausgaben, um die Bedürfnisse dieses kolossalen Heeres bestreiten zu können. Wir wollen nun aber für einen Augen« blick annehmen, es käme durch gegenseitiges Einverständniß der bethetlig' ten Mächte zu einer Entwaffnung bis zur Hälfte. Hiedurch würden augenblicklich 1.907,924 junge Männer im Alter von 20 — 35 Jah'en. somit der Hauptkern der Bevölkerung, den Beschäftigungen deS Friedens Eine Milliarde — 1000 Millionen. Di« LandeSzeitnng spricht von Aran-ten: 1000 Mill. Franken m 400 Mill. Gulden. UM den Lauf der Welthändel kümmerten, so war doch auch manches Gerücht hieher gedrungen und hatte Unruhe und Neugier erweckt. Die Welschen (Waadtländer), hieß es. hätten die Landvögte verjagt, sich frei erklärt wie die in den kleinen Kantonen, und den Franzos zum Schutz aagerufeu. Ende vergangenen Monats habe man den Himmel von nacht-lichen FeuerSbrünsten geröthet gesehen, weil die BascUandschäftler die Her-renschlösser verbrannt hätten und ebenfalls frei fein wollten. Zudem fei vor mehr denn hundert Jahren schon ein Krieg der Bauern gegen die Herren von Bern gewesen, weil diefe mehr als ihnen gebührt verlangt hätttn, und man wisse, daß die Gontenschwyler. die damals erschlagen und hinter der Egg an der Kreuzgasse verschartt worden seien, noch jetzt nächtlich umgingen. Sie könnten, wie die Alten schon gesagt, keine Ruhe finden, bis dem Volke sein Recht werde. Der Untervogt, der bisher in allen Angelegenheiten die entscheidende Stimme gehabt, mehr noch seiner Persönlichkeit als seines AmteS wegen, hatte vergeblich Versucht, diesem Gerede entgegenzutreten ; verdrießlich und gedankenvoll saß er am Ofen, wälirend seine junge Frau mit verweinten Augen die Gäste bediente. Plötzlich erscholl's von draußen: sie kommen, sie kommen! Ein Donnerschlag otine vorangegangenen Blitz liätte nicht größeren Schreck erregt alS dieser Rnf. Alles griff nach den Wafft^n pnd drängte der Thüre zu in der Meinung, die Franzosen seien im Anzüge. Glücklicherweise ivaren's nicht die Franzosen, aber zwei Reiter auf stattli« chen Pferden hielten vor dem Höuse. „Seid Ihr es. Herr Junker!" rief der Unttrvogt aus der Thüre tretend, indem er rasch auf den ältern Reiter zutrat, um «hm den Bügel zu halten; „seid Ihr eS. gnädiger Herr? Ei. Ihr habt unS Alle weidlich erschreckt." ^ „Ich habe den Untervogt Frey noch nie erschrocken gesellen." erwi-derte lächelnd der Junker von Rued. „Da bringe ich Euch den Mann, der Euch zum Bataillon sühren soll. Hoffintlich ist die Mannschaft ge-rüstet. Der Untervogt blickte nach dem andern Reiter, der. in die roth« Uniform, ivie sie damals die Schweizer in holländischen Diensten trugen, gekleidet, sich leicht wie eine Feder vom Pferde geschwungen und nun forschend die gaffende Menge durchmufterte. Kaum wendete er das Ge sicht. als der llntervogt den Bügel des Junkers fahren ließ und mit dem freudigen AnSrufe: „Bri-itenhans. VreitenhanS!" auf den Rothen zueilte. „BreitetihaiiS, ii.,as. Breitenhaus?" riefs mit hundert Stimmen, und des Perwunders. Grüßens war kein Ende. „Aber wer hätte daS gedacht. — nein, wie stattlich er aussieht. — weiß Gott, er ist noch schöner gewor-den!" flüsterten die Mädchen, die ohne Zwinkern den kräftigen und l)ohen Reiter angafften. Alles war für den Augenblick vergessen, Franzosen- zurückgegeben und gleichzeitig an der Gesammtheit der europäischen Staats-ausgaben die respektable Summe von 1 Millarde 600 Millionen erspart werden. Vermitttlst dieser Summe kann Europa jährlich sein Eisenbahnnetz (den Kilometn z.i 150,000 Franken berechnet) um 10.000 Kilometer vermehren, es vermag ferner in einem einzigen Jahre alle möglichen Gattungen von Landstraßen herzustellen und nebenbei auch noch alle seine Gemeinden Mit Primärschulen zu versehen. Sind !)icse großen Verbesserungen einmal eingeführt und wenn Europa stets die gleiche Summe in seinem Budget beibehalten will, so kann eS dieselbe zUr all« mäligen Tilgung seiner Schuld verwenden. Das jährliche Interesse nach heutigem Datum betrüge ungefähr 2'/g Milliarden, und diefeS Interesse zu dem mittlerem Zinsfuß von vier Perzent kapitalisirt. würde ein Kapital von 57'/^ Milliaiden ergeben, somit (und wenn man nur allein die aufgehäuften Zinsen in Rechnung bringen will) könnte die Schuld unge-fähr innerhalb 36 Jahren getilgt sein. Wenn die betheiligten Länder aber sich dahin aussprechen würden, diese 1600 Millionen zur Abschaf-fung oder zur Verminderui'g jener Steuern zu verwenden, welche am bärtesten auf der Erzeugung oder dem Verbrauche lasten, welche Erleichte-rung wäre dies nicht füe die Bevölkerungen! welcher neue Aufschwung würde hiedurch den Geiverben!? Wir haben oben bereits gesagt, daß 1.907.924 im besten Alter stehende Männer sich friedlicher Besihäftigung überlassen könnten. Dieser glückliche Umstand würde nebenbei für Europa noch eine weitere Ursache des Gedeihens werden. Wenn man den täglichen Arbeitslohn dieser zwei Millionen Arbeiter auch nur zu zwei Franken veranschlagt und dabei annähernd zu Grunde legt, daß der bezahlte Arbeitslohn ungefähr den fünften Theil des erzeugten Werthes auSMl.cht. alsdann würde diese fortan unter dem Banner der Arbeit kämpfende Friedensarmee einen täglichen Werth von 20 Millionen und jährlich von 7'/, Milliarden erzeugen. Wir find aber noch nicht zu Ende. Eine bedeutende Anzahl von Kapi-talien. welche heute zur Fabrikation der nöthigen AusrüstungS- und Be-waffnungS-Gegenstände dieser zwei Millionen Menschen dienen, nzurde fortan disponibel und könnte zu anderen, weit nützlicheren Zweigen der National Industrie verwendet werden. Dadurch, daß zwei Millionen jun-ger Leute an ihrem heimatlichen Herd verbleiben, würde mindestens in der Anfangszeit die Wirkung fich ergeben, daß «ine ziemliche Herabsetzung des Arbeitslohnes einträte unti hiedurch der Erzeugung aller Art und aller Formen ein mächtiger Auffchwung verliehen würde. Indem »vir für einen Augenblick die wirthschaftlichen Erwägungen in zweite Reihe treten lassen, weisen wir auch noch vorzugsweise auf den Bottheil hin, welcher dem Lande dadurch erwächst, daß eine bedeutende Anzahl Erivachsener an Arbeitsamkeit und ivitthschaftlicheS Leben gewöhnt werden, anstattt jenes Schlaraffenleben zu führen, zu welchem sie heute der Garnisonsdienst mit seinen traurigen Folgen verdammt. Schließlich weisen wir auch noch auf das Interesse der Ordnung und öffentlichen Sittlichkeit hin, welche durch die Erhaltung der Familien-bände gefichert sind, aber während der Abwesenheit mehr oder minder vollständig Noth leiden; denn eine vieljälirige" Entfernung vom Eltern-Haufe kann jedenfalls nur entfremdend wirken. Alarburger Berichte. (Einbruch.) Bor einigen Tagen haben unbekannte Diebe bei der furcht und gnädiger Junker, und dieser hätte noch lange im Sattel sitzen bleilien können, hätte er nicht auf eigene Faust versucht, herunterzuklettern. Als endlich Breitenhans, zu Atbem gekommen, sagte: „Ja. meine lieben Mitbürger, ich hielt es für Pflicht, viele hundert Stunden weit her zu komt»ien. um dem Vaterlande in Noth und Gefahr beizustehen, wie sich« einem braven Schweizer ziemt." da lvar auch plötzlich je0e Erinnerung an Meister Siebenmann und fein FeeiheitSevangelium verschwunden und in ivenigen Stunden zog die junge Mannschaft, von Segenswünschen begleitet. den wackern Breitenhans hoch zu Pferde an der Spitze, mit Sang und Klang zum Dorfe hinaus. (Fortsetzung folgt.) Zur Lustreinigung i>» Ztrankenzimmern. Vo« Dr. Ttrat«j. Seit Kurzem macht eine «varm empfohlene Methode zur Reinigung und Desinfizirung der Luft, besonders in Krankenzimmern, durch unfere Zeitungen die Runde. Diese besteht im Verbrennen von Weingeist, in tvelch'M Chlorkupfer aufgelöst ist. in einer gewöhnlichen Dochtlampe biS zum Merklichtverden deS EhlorgerucheS. Diese Methode ist eine verfehlte. Es ist allerdings lvahr. daß unter den Zerstörungomitteln der MiaSmen das Chlor eine hervorragende Stelle einnimmt, und mit Maß angewendet, die Athmungsorgane nicht belästigt, ebenso ist wahr, daß Chlorkupfer beim Erhitzen Chlor frei wer« den läßt. Ganz Andels hingeqen verhält sich die Sache, sobald Chlorkupfer in Verbindung mit verbrennendem Weingeist erhitzt wird. In diesem Falle tvird nicht Chlor, sondern dessen ähnlich riechende Wasserstoffverbin-dung. Salzsäure, frei gemacht, welche als luftrelnigendes und Miasmen zerstörendes Mittel nur von untergeordnetem Werth ist. dagegen sich den AthmungSorganen gegenüber entschieden feindselig verhätt. Man hat also bei Anwendung dieses Verfahrens nichts, als eine ttügerische Sicherheit, dagegen zuverläßig Schaden für die AthmungSorgane, und — den allerdings unterhaltenden Anblick einer grüngefärbten Beingeistflamme. Als Luftreinigungsmittel für Krankenzimmer stelzt noch immer die direkte Verbrennung der MiaSmen durch eine rauchlose, lebhaft unterhaltene Flamme, am Beste« au« dünnen Spänen von scharf getrocknetem Wach-dolderholz. unübertroffen da. Eigentliche Desinfizirung hingegen hat vor Allem dort, woher die Jnsizirung stammt, in den Senkgruben. Dunghaufen, Kloaken zc. zu geschehen. Wirthin Maria Krobat in Frau Stauden eingebrochen, den Wein aus einem hundert Mab hältigrn Fcisie und einige Zentner Schweinfleisch qe« stöhlen. (Diebstahl.) Am Ii». September wurden dem Grundbesitzer Michael Deichmann in Ranzenberj^ achtzig Pfund Honig auS dcn Bienen-stocken entwendet. Gestern wollten zwei Burschen vom L.mde beim hiesigen Lebzelter Herrn Enslein Honig verkaufen: Herr Enslein war nicht zugegen und seine Frau entfernte sich aus einen Augenblick, um ihn zu holen; als sie wieder kam. waren die Biedermänner verschwunden und hätten einen seidenen Regenschirm im Wcrthe von 5 fl. mitgenommen. (Die Satzungen des Ät ä n ne r gesa n g v e re i n S). der sich in St. Lorenzen an der Kärninerbcihn gebildet, sind von der Statthalterei genehmigt worden. (Der kaufmännische Berein „Merkur"), der hier von 45 Genossen der Handelsschaft angestrebt worden, tritt nun ins Leben, nachdem t)ie Statthalterei den vorgelegten Satzungen die Genehmigung ertheilt. (Theater.) Morgen wird unsere Schaubühne eröffnet. Bei die« ser Gelegenheit bringen wir zwei Wünsche der Besucher zur Kenntniß des BerwaltungSratlieS: um den starken Andrang nach dem Schlußc zu ver-hüten, soll die Thüre. welche vom Logengange auf die Tbeater-Gasse füizrt. geöffnet werden — die Sicherheit der Fußgänger in dieser Gaffe macht eS nothwendig. die Wagen in der Rebengasse halten zu lassen, die breiter ist, als die Theatergaffe und in Bezug dcö AuS- und EinsteigenS mehr Bequemlichkeit bietet. (Freilchießen.) Am nächsten Sonntag, den 23. d. M. beginnt die Marburger SchützengeseUschast ihr Freischießen. daS am 24. fortgesetzt wird und am 25. Abends um 6 Uhr endet. BereinSthaler — 4. 3. 2. 1— in entsprechender Faffuna bilden die vier ersten Preise: fiir die vier besten Schüffe und für daS Kreisbeste ist ebenfalls ein BereinSthaler aus-gesetzt. Bon den vier ersten Besten kann ein Schütze nur eineS gewinnen und muß wenigstens drei Schützen gelegt haben, um darauf Anspruch machen zu können. DaS Kreiöbefte fällt Jenem zu. der in den ersten drei Schützen die meisten Kreife und Kretsschüsse ht,t. DaS Lcgegeld für einen Schützen beträgt 96 kc., somit für einen Schuß 12 kr., wovon 2 für die Kosten abgerechnet und 10 auf Kreise vertheilt werden. Im Uebrigen gelten die allgemeinen Schützenregeln. Letzte Poft. Hab»« dt« letzt»» pr»«»is»»» Trupp»« v»ft»rr»ich Verlasse«, Die Ernennung des ungarischen Ministeriums soll erst dann stattfinden, wenn der Landtag die Krage der gemeinsamen Angele-aenl^eiten im Sinne der Regiernna erledigt haben wird. Preußen unterhandelt mit Dänemark und Schweden, um etn Schutz- u«d Trutzbtludniß abzuschließen. Em Keller aus 1W Startin ist zu vtrgebtll ia dir All«egafsc im Friedrich Ltyrer'schcn Hause> (370 S. 101K2. Edikt. Bom k. k. Bezirksgerichte Marburg wird bekannt gemacht: ES sei wegen schuldiger 600 fl. öst. W. sammt Anhang die exekutive Versteige-rung der dem Herrn Benedikt Bivat in Lobnitz gehörigen und auf 1846 fl. 80 kr. geschätzten Fnhrnisse, alS: HauS- und Zimmereinrichtung. Wagen. Holz und Kühe, bewilliget und hiezu zwei Fcilbietungstagsatzun. gen aus den I. und HM. Lktober 1866 jedesmal Vormittags von 10—12 Uhr im Wohnorte deS Txekuten in Lobnitz mit dem Anhange angeordnet worden, daß die Pfandstücke t-ei der zweiteti Feilbietung auch unter dem Schätzwerthe hintangegetien werden. K. k. Bezirksgericht Marburg am 22. August 1866._ Italien hat in der Schuldfrage die Mehrforderung Oesterreichs bis zur Höhe von Mill. Franken anerkannt. Benetien soll während der Abstimmung von VN.VV« Mann deS italienischen HeereS besetzt bleiben. Die Führer der Kandioten haben um die Vermittlung Nord-amerika'S nachgesucht. Eingesendet. Sollte je eine Cholera-Kommission wie in anderen Städten die gesundheitsschädlichen Stellen und Stoffe untersuchen, so lvird ste auf den giftstlttkenden Bach vor dem Kriehuber'schen Hause und dem Götz'schen Bräuliause längs der Haup«passage Ma-liurgS aufmerksam gemacht. Die Nähe des angefüllten Militär Krankenhauses macht ihn sicher nicht gesünder. Kinder und Rekonvaleszenten, von denen die Bänke daselbst immer besetzt sind, so wie die Promenirenden athmen die MiaSmen ein. da man sich durch die lange Strecke unmöglich Nase und Mund zuhalten kann. Mehrere um baldige Abhilfe Sittende. Telegraphischer Wiener Cours vom 20. September 5°/, MetaUiqueö.....61.85 Kreditaktien........1ü1.— S°/. Rationat'Anlehen.... 68.50 London.........127.90 1860er StaatS-Anlehen . . . 81.30 Silber.........127.S0 Bantaktien....... 729.— K. K. Miinz-Dutaten .... 6.10 Angekommene in Marburg. Vom 16. bis 20. September. „Erzlierz. Johann." Die Herren: Baron v. Kaltenhausen, kk. Obeest. Vraz. Marquart. GutS.»erw.. Witschein. Streinz. Techniker, Zürich. Nalcher, kt. Hauptm.. Graz. Mengnser, Tastwirth, Graz. Bartz. Buchhändler, Trient. Jantsch, Schausp.. Wien. — Die Krauen: Varonin v. Rechbach. Hauptm.'Gattin, Laibach. Anna v. Rebenburg. Pr»oate, Vordernberg. v. Reicher. Private. Traz. — Araulein Rolla, Schausp.. Traz. „Stadt Wien." Die Herren: de Parodie, kk. Oberst, Wien. St^. kk. Major-Audltor, Pola. Hosmann. kk. Eisenb.-Oberinsp., Wien. Ritter v. Miller, Bankdir.. Wien. v. Ewald, kk. Offizier. Wien. Pawlik. kk. Oberlieut., Sörz. Maie v. Henking. GutSbes., Verona. Stahlberger. kk. Hydrograph. Kiume. Herbst, Apotheker. Bleiburg. Fröhlich, Mineralog, Graz. Gentilli, Negoziant^ Trieft. Pollak. Sparkasse. Liquidator. Graz. v. Leitner. Student. Gra». Nagele, «fm., Billach. Kreigher. Ktm. «indberg. Pnfitsch. Kfm., Tarvis. Unger. Handel»reij.. Renscheid. Rikolini, Schausp., Wien. — Kr. Tl»erese Gräfin Rimptsch, Wien. „Stadt M eran." Die Herren: Ritter v. «oßär, kk. Hofrath, Wien. Tede»chi. Privat. Triest. Wenhold, kt. Major. Wien. v. Wengelmiller. Privat, Preßburg. Wörth. Student. Graz. Mayer. Privat. Trieft. „Traube." Die Herren: Dr. Jlwof. Professor, Graz. R»emann. Akadem.. Renda». Maßiezek, Student. Graz. Lajh. Beuediktiner, «dmont. Neuner, Techniker, Graz. Albert. Student. Haid. Menacher, Arzt, St. Tgydi. Sigmund. Kfm.. Wuchern. „Kischerß Gasthaus." Die Herren: Babie, kk. Hauptm., Wien. Höne, kk. Oberlieut.. MonSberg. Willreider. Handelsreis.. Wien. Billick, Lehrer, Marein. Weininger, Klavierstimmer. Wien. Hohne. GafthauSbes.. VoitSberg. Z. 365. Kllndmachmg. (3Sk» Das unterzeichnete Stadtgemeindeamt gibt hiemit bekannt, daß daS Präliminare über die Empfänge und Ausgaben der Stadtgemeinde Marburg für daS 3ahr 1867 im Sinne deS K. deS GemeindestatuteS vom 20. September d. I. angefangen durch 14 Tage zur Einsicht der Gemeindemitglieder im Bureau deS Bürgermeisters aufliegen wird. Stadtgemeindeamt Marburg am 17. September 1866. Der Bürl^rmeister: Andreas Uappeiner Lizitations Anzeige. Mer bis fünf Schiller der unteren Gymnasialklassen oder der Normal- und Realschule werden in solide und billige Verpflegung aufgenommen. 356) Dr. Tedager, Religionslehrer. Samstag den BB. September 9 llhr grüh Lizitations-sortsetzung der dem Herrn Franz Hamornik gehörigen ZimmereinilchtungS-stücke aus hartem und weichem Holz, dann Acker- und Wirtlischaftegeratl)e im Hofe der Burg deS Herrn Grafen Brandis, wozu Kauflustige hiemit eingeladen werden. Marburg den 19. September 1866. Sehr guter Traber zu verkaufen; derselbe ist 6 Jahre alt. über 15 Faust hoch, sel'r froinm und etwas zugeritten. Wäre namentlich gut in einen der landesüblichen Einspänner zu Distanzfl^hrten. Steht in Laßnitz bei Lembach. Nr. 3. g. 10658. Kür alle P T BeAtzer von Schlößer«, Dillen^ Gehöften, Stadt und LandhSnfern. Zur Beschützung ihrer respektiven Baulichkeiten. Magazine. Speicher ,c. vor Ungewitler und BlitzeLnschlag empfiehlt der Gefertigte seine von Bau- und technischen Autoritäten bestens anerkaunten und verläßlichen Plitzableiter Edikt. mit t. k. a. priv. isolirtcn TrSgerstütze« und endlose« Kvpferseil, welche durch ihre vereinfachte und solide Konstruktion alle bisherigen Blitzableiter bei Weitem übertreffen und zu den billigsten Preisen erzeugt werden in der __ Dauschlosserri des 338) Wien, Alsergrund. Hahngasse Nr.. 6. Pmßcß>ra>te «»d öeschreibiiße« zratit. Bom k. t. Bezirksgerichte Marburg wird bekannt gemacht: ES sei die freiwillige Veräußerung der zum Nachlasse des Uhrmachers Otto Bindlechner gehörige«, auf 938 fl. 83 kr. geschätzten, bei den Tagsatznnqen am 5. Mai und 10. 3vli l. 3. nicht angebrachten Fahrnisse, als: UhrcNv Werkzenge. Zimmer- nnd sonstige Einrichtung. Wäsche. Bettzrug u. s. w. bewilliget und z»r Bornahme derselben die Tagsatzung auf den MI. ^ep»! tember l. 3. Vormittags von 9 bis 12 Uhr und nöth genf.'lis Nacd-^ mittags von 2 bis 6 Uhr im Gewölbe deS Erblassers in der Draugasse' z» Marburg mit dem Beisätze angeordnet worden, daß die feilzudiete».. den <^ge«stände nicht unter dem halben Schätzwerthe hintangegl^uen^ werde». ^ Marburg am 5. September 1866. Eisenbahn-Fahrordnung fllr Marburg. Nach Wie«: Nach Trie«: Abfahrt: 6 Uhr 19 Min. Krüh. Alkahrt: 8 Nhe Ib Min. ^h. 6 Uhr 4» «IN. Abends. 9 Utz, Z Mi». ««»dS. Nach Bill ach: Abfahrt: 9 Uhr Krüh. Die gemischten Züge verkehren tügllch in der Richtung nach Wien: Triest: Abfahrt: 13 Uhr 44 Min. Mittag». Abfahrt: 1 Uhr 2« Min. Mittags. Tilzng verkehrt von Wie» «ach lriest und von Trieft »ach Wie» Dienstag, Donne^ag u«d Lamstag. Nach »len: Nach Trieft: Abfahrt: -.t Uhr 3L Mu,. MtttagS. Abfahrt: 1 Uhr 52 «i» «ittagS. U,i»»t»oetticher NedOtSeue: Ara»z NieSthaler. / Druck u»d «ertag »a» E»«ar» Zanschitz m «aed«rß.