Liliblichcr Tagblatt. Redaction und Expedition: Bahnhofgafse Nr. 15. SränumerationS preise: __ ___ , . „ -erx-. ,, j Insertionspreise: Ein- . - a«i>; Nr. 59. fcÄiSSfWlt.*“! Mittwoch, 12. Marz 1879. —Morgen:Rosina. IL.Jahra' Mit der Post: ©aiijjö^r. fl. 12. u zeigen bi« 5 Zeilen Ä> kr. ^ ° IN Zur Novibazar-Frage. Die offiziöse „Montags-Revue" ist der getreue Dolmetsch des in orakelhaftes Dunkel gehüllten Premiers, sie schreibt: „Der Herr Minister des Aeußeren vermochte der österreichischen Delegation allerdings keine formelle Zusicherung zu ertheilen, daß der definitive Abschluß der Convention bezüglich des Sandschaks von Novibazar bereits unmittelbar bevorstehe. Aber ebenso wenig läßt sich aus seinen Worten eine Bestätigung der Gerüchte folgern, welche diesen Abschluß bereits vollständig gescheitert oder doch wenigstens in eine unbestimmte Ferne gerückt sein lassen, und jedenfalls hat Graf Andrasfy das Meritorifche der Frage von den Accessorien derselben vollständig getrennt, wenn er das Recht Oesterreich-Ungarns auf die Garni-sonierung des Sandschaks innerhalb seiner historischen Grenzen (über Mitrowiza hinaus) unbedingt aufrecht erhielt und in dieser Beziehung wie in jeder anderen die stricte Observanz des Berliner Friedens als ein europäisches nicht minder denn ein österreichisches Interesse proklamierte." Die Steuerträger Oesterreich-Ungarns werden dieser Mittheilung zufolge das Vergnügen genießen, ihr Gut und Blut nicht nur den österreichischen, sondern auch den Gesammtinteressen Europa's zum Opfer zu bringen. Wir sind dem ministeriellen Organe für diese erhebende und Trost bringende Mittheilung zu großem Danke verpflichtet. Oesterreich-Ungarn wird dieser Mittheilung zufolge die unschätzbare Ehre gutheil, die Zeche für ganz Europa bezahlen zu dürfen. Oesterreich und die Pforte. Nach Bericht der „Times" befinden sich die Verhandlungen zwischen den Regierungen Oesterreichs und der Türkei seit längerer Zeit im Zuge. Eine wichtige Frage betrifft die Stellung der Bosnier, welche auf türkischem Territorium wohnen und daselbst Handel treiben. Weiter handelt es sich um die Frage, welche Ausdehnung die Zollinie erhalten solle, obgleich nicht zu ersehen ist, was dabei herausspringen soll, denn es ist klar, daß diese Linie mit der Verwaltungslinie übereinstimmen muß. Da die Oesterreicher Bosnien und die Türkei das San« dschak Novibazar regieren, so muß die Grenzlinie zwischen beiden doch zugleich auch die Zollinie sein. Es ist ohne Zweifel für beide Theile ein Vortheil, wenn alle Fragen möglichst gründlich gelöst werden, um späteren Mißverständnissen vorzubeugen. Wenn man jedoch alle Möglichkeiten ins Auge fassen wollte, so dürfte sich schwer Voraussagen lassen, wann die Verhandlungen ihr Ende erreichen werden. Die Besetzung Ostrumeliens. Berliner Blätter servieren das Gerücht, Oesterreich werde berufen werden, nach Abzug der russischen Truppen auch Ostrumelien zu besetzen zu dem Zwecke, um dort Ordnung aufrecht zu erhalten. Der Wiener Korrespondent der „A. A. Ztg." entgegnet dieser Meldung wie folgt: „Ich kann Ihnen all' dem Geschwätz gegenüber nur wiederholen, daß die bezüglichen Gerüchte auf wahrscheinlich aus einer und derselben Quelle stammenden Erfindungen beruhen. Geradezu albern ist es, wenn behauptet wird: es sei, um für diese Besetzungsabsicht, von der, wie gesagt, hier niemand etwas weiß, vorzuarbeiten, die Lage in Ostrumelien von österreichisch-offiziöser Seite als bedrohlich dargestellt worden. Es dürfte wol das Verlangen gerechtfertigt fein, daß diejenigen, welche öfter-reichifch-offiziöfen Federn diese und andere Darstellungen unterschieben, doch einmal den Ort namhaft machen möchten, wo sich derlei angeblich aus offiziöser Quelle stammende Nachrichten zuerst ge- sunden. Man bedient sich nämlich neuestens, da die wirklich offiziösen Meldungen von hier wenig Anlaß zu Bekämpfungen geben, der Methode, Meldungen, die geradezu von oppositioneller Seite ausgegangen, für offiziös auszugeben. Es ist in der letzten Zeit öfters vorgekommen, daß sogar Nachrichten, welche zuerst von der „Deutschen Zeitung" oder dem „Tagblatt" gebracht wurden, als offiziös hingestellt wurden. Was die Besorgnisse wegen der Zustände in Ostrumelien sowie wegen neuer Eonslicte auf der Balkan-Halbinsel überhaupt anbelangt, so ist man der Meinung, daß die Pforte im stande sein werde, mit eigenen Machtmitteln für die Aufrechthaltung der Ruhe zu sorgen. Beweis dessen, daß sie nach den eingelangten Meldungen an verschiedene Punkte Truppen abgesendet hat, um etwaige bulgarische, gegen Mazedonien gerichtete Unternehmungen zu verhüten. Auch was die albauefische Liga anbelangt, so wird die Gefährlichkeit derselben überschätzt. Man hatte ja auch geglaubt, daß die Liga die Schlichtung der türkisch-montenegrinischen Angelegenheiten verhindern werde, und doch hat es sich gezeigt, daß die aus das Verhältnis der Pforte zu Montenegro bezüglichen Bestimmungen des Berliner Vertrags in aller Ruhe und ohne Zwischenfall durchgeführt worden sind." Organisation der occnpierten Provinzen. Pester Blätter melden, daß die Ministerkonferenzen in Angelegenheit der bosnischen Verwaltung demnächst wieder ausgenommen werden sollen. Bisher wurde zwischen den beiden Regierungen noch keine Einigung über die Regelung dieser Angelegenheit erzielt. Das österreichische Ministerium hat jedoch seit der Unterbrechung der Konferenzen feine Anträge formuliert, und diese dürften bei den wieder beginnenden Verhandlungen die Grundlage der Berathuug bilden. Bisher scheint Feuilleton. Das sympathische Organ. (Eine Humoreske.) Wandere mit mir, geschätzter Leser, in ein kleines, am Fuße der Alpen idyllisch gelegenes Landstädtchen. „Zur heißen Sommerszeit recht gern," dürftest du vielleicht ausrufen, „allein, könnte mir zu einer so unkonstanten Jahreszeit nicht das Malheur passieren, in dem Kothe dieses Städtchens zu versinken, wenn schon in einer halben Großstadt die traurige Geschichte sich zu-getrageu haben soll, daß dem Passanten einer gewissen Gasse die Schuhe in dem Epitheton dieser Straße stecken blieben." Der Karneval mit all' seinen Leiden und Freuden ist vorüber, die aufgeregten Gemüther legten sich, und entstammte Herzen laufen wieder in den Hafen des Friedens und der Seelenruhe ein. Oder feffelt dich noch immer das himmlische Antlitz jener reizenden Blondine mit den azurnen Augen, die dir zu Liebe noch den Schlußgalopp mit dem Risiko einer Lungenentzündung ausführte, oder der vielversprechende Blick der amazonischen Brünette, bei der du einen ganz niedlichen Korb in Empfang nahmst, als du sie, ohne zu wissen, daß Damenwahl sei, um die vierte Quadrille ersuchtest ? Schmerzt dich etwa gar die Erinnerung an jene „schöne Undine", die sich von dir auf die fünfte Quadrille engagieren ließ, weil sie wußte, daß nur vier getanzt werden? Die alpenreine Luft meines Landstädtchens dürste dir recht wohl bekommen und als unfehlbares Reagens zu deiner mit Esprit verschiedenster Sorte und Bachulli der jeglichsten Manier erfüllten Atmosphäre wirken. Vielleicht bietet sich dir dort die Gelegenheit, eine vom eitlen Tand des Lebens noch unberührte, in den Bahnen des Natürlichen und Ungezwungenen wandelnde Schönheit zu erblicken, durch die du zur Einsicht gelangen könntest, daß man nicht nur in den parkettierten Salons der Großstadt, sondern auch in den einfach gezimmerten Stübchen eines malerisch gelegenen Landstädtchens ganz anheimelnde Wesen finden kann. Wenn jener junge Mann, dem das Unglück widerfuhr, von der Residenz in eine Pro- vinzialhauptstadt transferiert worden zu fein, wahr gesprochen, als er behauptete, man könne sich nt jedem österreichischen ober steirischen Dorfe früher acclimatisierm, als in dieser sich den Anstrich einer Großstadt gebenden, jedes geselligen Lebens entbehrenden Provinzialhauptstadt, dann wird dir auch mein kleines Städtchen früher, als du eS vermeinst, zum trauten Heim werden. Die Klänge des Maiwalzers werden zwar dort verstummen, wie sie auch bei uns durch die permanente Heiserkeit unseres Operettensängers durch geraume Zeit nicht annehmbar waren. Konzerte wirst du dort ebenso genießen können, wie du sie hier nicht genießest, denn die fatale Mobilisierung raubte uns unsere prächtige Militär-Musikkapelle. Bist du gewohnt zu politisieren, so kannst du auch dort im Falle einer Ministerkrisis Kombinationen zu Dutzenden herumlaufen und über unsere Vertreter im Reichsrathe fortwährend, nur nicht in ihrer Gegenwart, losziehen hören, die aber bei einer neuen Wahl endlich und schließlich doch zu ihrer größten Befriedigung wieder gewählt werden, da man eben keine besseren und regierungsfreundlicheren ausfindig machen konnte, um hyperpvlisch bezüglich der Auffassung von der legislativen Com-vetenz des Reichsrathes und der Delegationen eine Verschiedenheit der Ansichten zwischen den beiden Regierungen obgewaltet zu haben, und infolge dessen wurde auch bezüglich der künftigen gesetzlichen Regelung der Verwaltunascontrslle ein Einverständnis nicht erzielt. Insbesondere soll die L österreichische Regierung nicht geneigt sein, die ' tzanze Angelegenheit, wie es die ungarische Regie-will, einfach dem gemeinsamen Ministerium M'ünd den Delegationen zu übertragen. Sie würde ;'^Mn diesem Falle nämlich mit dem Umstande zu " rechnen haben, daß ein solches Gesetz nur mit Zweidrittel-Majorität beschlossen werden kann. Zur Action in Rußland. Rußland hat, wie der „Avvenire' erfährt, verlangt, daß die bei Anbruch des Winters ein- S(stellten Grenzbestimmungs - Arbeiten mit iifer wieder ausgenommen werden, und außerdem vorgeschlagen, daß die mit diesen Arbeiten betrauten Kommissäre der Mächte gleichförmige Wei» sungen über die bei denselben maßgebenden leitenden Grundsätze erhalten, um eine rasche Durchführung derselben jm sichern. Die wichtigsten Fragen, über welche Rußland eine prinzipielle Einigung hergestellt wünsche, beträfen: die bei den befestigten Stellungen, welche die Türkei auf der Balkangrenze errichten darf, zu begrenzenden Ver-theidigungsbezirke, die Ordnung der Grenzen um Silistria und der zwischen Bulgarien und Rumänien zu vertheilenden Wasserstraße, und das Si-stem der Revision und Ratification der Arbeiten der einzelnen internationalen Grenzbestimmungs-Kommissionen seitens der Mächte. Den „St. Petersburgskija Vjedomosti" wird aus Charkow berichtet, daß dort aus Anlaß des Prozesses des Nihilisten Fomin eine große Aufregung unter den Studenten und überhaupt unter der Bevölkerung herrsche. In der Stadt werden beständig Ploclamationen verbreitet, die von dem geheimen „Socialno - revolucionnyj izspolnitelnyj lcomitet“ („Social-revolutionäres Executivcomite") gezeichnet und voll von Beschuldigungen gegen die Regierung sowie von Drohungen gegen Staatsmänner, Beamte u. dgl. sind. In einer Proclamation drohten die Charkower Socialisten, respective Nihilisten, alle Polizei-, Gendarmerie- und Gerichtsbeamten Charkows gleich dem Fürsten Krapotkin umzubmigen, wenn nicht aus dem Smijew'schen Centralgefängnis (bei Charkow) fämmtliche politische Häftlinge entlassen werden sollten. Auf den Untersuchungsrichter wurde, während derselbe in seinem Wohnzimmer saß, durch das Fenster geschossen, das Ziel jedoch verfehlt. zu reden. Nominibus mutatis bleiben sich ja da alle Provinzialstädte gleich. Du siehst nun, geehrter Leser, daß du in einem solchen Landstädtchen alles nicht hast, was du auch hier nicht hast! Bist du aber ein Freund der Gemüthlichkeit und des geselligen Lebens, so hast du dort mehr; denn eine animiertere Stamm-esellfchaft kannst du dir gar nicht denken, als ie in jenem österreichischen Landstädtchen, in welches ich dich führe. Junggesellen, denen die himmlischen Rosen in das irdische Leben von den geehrten Frauen noch nicht geflochten wurden, finden sich dort allabendlich ein, ebenso eine Partie von Ehemännern, die sich von der Pantoffelherrschaft losgesagt. Zweimal in der Woche erscheinen auch junge Ehegatten, die, zwar dem Hause noch sehr treu und anhänglich, sich am besten Wege zur Emanci-pation befinden. Da wird gelacht und gescherzt, gegessen und getrunken, da werden wahre und erdichtete Anekdoten erzählt, und wenn es gar toll hergehen soll, sogar ein Commers abgehalten. Zählt ja die Tischgesellschaft in ihrem Verbände einige kneipfüchtige Beamte, einen „den Stoff Tagesueuigkeite«. — Kronprinz Rudolf als Redner. Kronprinz Rudolf wird in einer der nächsten Wochenversammlungen des „Militär-wissenschaftlichen Vereins der Prager Garnison" einen Vortrag halten, welcher die bei Spicheren am 1. August 1870 geschlagene Schlacht zwischen Preußen und Franzosen zum Gegenstände haben wird. — Mord und Selbstmord in SBi eit. Der praktische Arzt Dr. Ignaz Mühlhauser, einer der geachtetsten Aerzte im Bezirke Mariahilf, wurde am 10. d. vormittags in der Reithoffet'schen Gnmmiwaren-Niederlage von dem daselbst bedien-steten Hausknecht Carl Kossler durch eine Unzahl von Messerstichen ermordet, und Koffler schnitt sich nach dieser That den Hals durch. Die Motive dieser Verbrechen sind bis heute noch unbekannt. Der diesfällige Detailbericht der „91. fr. Pr.“ lautet wie folgt: „Der 45jährige Hausdiener Carl Koffler war schon über 20 Jahre bei der Firma Reithoffet bedientet, und während dieser langen Zeit hat er kein einziges mal Anlaß zur Unzufriedenheit gegeben. Er war ein nüchterner, ruhiger Arbeiter, der all' seinen Obliegenheiten mit Pünktlichkeit nachkam. Dieser guten Eigenschaften wegen wurde er auch zu Anfang des Jahres 1873 von Wimpassing, woselbst er in der Fabrik des Herrn Reithofser volle 15 Jahre thätig war, hieher berufen, um als Hausdiener verwendet zu werden. Heute früh zur gewöhnlichen Stunde kam Koffler ins Geschäft und ging feiner gewohnten Beschäftigung nach. Zwischen 10 und 11 Uhr ungefähr erschien Dr. Ignaz Mühlhauser, welcher bei Herrn Reithofser oft Bestellungen von Kautschukröhren zu Jnhalatiouszwecken machte, um Einkäufe zu besorgen. Der Buchhalter wies den Arzt an den fraglichen Hausdiener, und dieser begab sich ans dem Comptoir in ein links liegendes Magazin, wohin Dr. Mühlhauser folgte. Nach wenigen Minuten erschien im Lokale ein Mädchen, bas ebenfalls etwas zu kaufen hatte, und dieses be* merkte einen Mann in der Mitte des Zimmers Zusammenstürzen. Der Buchhalter und die Kassierin , in der Meinung, Dr. Mühlhauser sei. von eiitem Unwohlsein befallen, ohnmächtig zusammengesunken, eilten zur Stelle und erblickten zu ihrem Schrecken den Unglücklichen, mit Blnt überströmt, röchelnd auf dein Boden liegen. Ein schnell her-beigerufener Sicherheitswachmann sah, als er ins Lokale trat, Koffler an das äußerste Ende des Magazins eilen, und im Glauben, dieser hole Wasser, näherte er sich dem Arzte und gewann bald die Ueberzeugung, daß er es mit einem Todten zu thuu habe. Ein Stöhnen, das der Wachmann vernahm, machte ihn aufmerksam, er ging weiter und erblickte Koffler mit durchschnittenem Halse auf einem Sessel fortwährend auf der Ax' habenden" Doktor, und, Scherz beiseite, der jüngste Kaplan des Ortes, ein famoses Haus, ursprünglich Jurist, durch mißliche Verhältnisse ins Seminar eingeschmuggelt, fühlt sich bei einem solchen Gelage so sehr begeistert, daß er beim Absingen des „Gaudeamus" oder des „Fürsten von Thoren" eine andächtigere Miene zur Schau trägt, als beim Absingen der Psalmen Davids. Heute sehen wir diese ganze Gesellschaft abermals beisammen, vollzähliger als sonst, denn auch die jungen Ehemänner haben sich eingefunden, unter denen ein in besten Jahren stehender Beamter, ein gewesener Bursch der Verbindung S., der er noch immer als „altes Haus" angehört, die größte Befriedigung in der ganzen Gesellschaft wachruft. Kommissär v. W. ist seit Jahr und Tag verheiratet, glücklicher Besitzer einer reizenden Gemahlin, die in ihrer liebenswürdigen Toleranz der bureaukratischen Ehehälfte zweimal in der Woche gestattet, den Hausschlüssel, den bis jetzt nur sie in strenger Verwahrung hielt, mitnehmen zu dürfen. (Schluß sitzen. Herbeigerufene Aerzte leisteten bis zum Eintreffen der Gerichtskommission dem Verwundeten Hilfe. Dieser ist bei der Uebertragung ins Spital gestorben." — Die Delegationen werden, wie verlautet , am Samstag den 15. d. ihre Thätigkeit einstellen. — lieberschtuentniuiig in Sjegedin. Dorozsma wurde am 10. d. vormittags um 10 Uhr vom Wasser überflutet. Bis 2 Uhr lagen übet 400 Häuser in Trümmern. Die Stimmung im Volke ist furchtbar erregt; die Stadt hat einen einzigen erhöhten Punkt, ihre Kirche, dort cainpieren jetzt die Leute. — Aus beit üccupierten Provinzen. Die Zustände in Bosnien und in der Herzegowina gewähren den Einwanderern ans Oesterreich-Ungarn nicht volle Beruhigung, Raub, Mord und Diebstähle stehen ans der Tagesordnung. Vonseite des Se-tessaitercorps und des Militärs werden in alleir Lattdesdistrikten Streifungen vorgenoinutcii, in den durchstreiften Dörfern wird gleichzeitig die Entwaffnung der Bevölkerung vorgenannten. Die Bewohner liefern die Waffen gutwillig ab, manchmal tragen sie die Handschats und Gewehre, wenn sie einer Patrouille ansichtig werden, ans die Gasse und legen sie dort nieder, nur damit die Waffen nicht im Haufe gesunden werden. Nur im Dorfe Pla-ntenica, bei Kljuc, kam es anläßlich der Entwaffnung zu einer kleinen Zusammenrottung, wobei ein Türke leicht verwundet wurde. Die unruhigste Gegend ist der Zworniker Kreis, wo die christlichen Bauern, jedenfalls durch Einflüsse von außen aufgestachelt, die Tretina verweigern, Türken überfallen und auch den behördlichen Organen gegenüber sich widerspenstig zeigen. Besonders Wlaseniza ist durch seine Diebstähle, Morde und Raubanfälle ein berüchtigter Ort. Bewaffnete ans dieser Gegend fallen auch in den benachbarten Tnzlaer Kreis ein, um zu rauben. Tag und Nacht müssen da die Seressaner auf den Füßen sein, um die Räuber und Diebe zu eruieren. In den Wäldern um Glasiuaz soll sich übrigens, wie von dort Kommende mittljeileit, auch eine Räuberschat unter dem Kommando eines gewissen Wrabez aufhalten. Lokal-nndprovin)ial-Angelegenheiten. Original-Korrespoudenze». Oberlaibach, 9. März. »Habemus papam!“ Wir haben ihn, den — neuen Bürgermeister! Schwiegervater und Schwiegersohn an der Spitze unserer Gemeinde, darin besteht meine heutige neueste Sensationsnachricht. Unsere ultramontane Partei hat einen Pyrrhussieg errungen, aus den sie nicht stolz zu sein braucht; im Gegentheil, diesmal kann die liberale Partei auf ihre Niederlage stolz fein, denn es war eine Ehrenniederlage. Nach Verlauf von zwei Jahren fand nach langen Kämpfen endlich einmal die Wahl des Bürgermeisters statt. Unsere Klerikalen befanden sich bereits in großer Verlegenheit, bet Wahltag war schon bestimmt, und noch hatten sie nicht den entsprechenden Mann. Gleich einem deus ex machina tauchten zwei Gestirne auf, Castor und Pollux, recte Funkek und Lencissi; es entwickelte sich ein lebhafter, heftiger Kampf, dessen Resultat darin gipfelt, daß Lenassi mit der Bürgermeisterkrone und der Toga ausgezeichnet wurde. In Kaffeeschwesterkreisen erzählt man sich, daß der neu gewählte Lordmayor von Oberlaibach weder Deutsch noch Slovenisch schreiben könne und nur den Dialekt der „Jtalia irredenta" vollkommen inue habe. Wer diesem Tratsche Glauben schenken könnte? So viel steht sicher, daß Lenassi der Auserwählte, der Günstling der Klerikalen , der Mäcen der Pfaffenknechte ist. Die Dunkelmänner machten aber auch die größten Anstrengungen und griffen zu den verwerflichsten Mitteln, um ihren Protektor auf den Stuhl deS Gemeinde- rathS-Präsidenten zu erheben. Bei diesem fromme», gottgefälligen Werke soll auch ein Mann lebhaft Antheil genommen haben, der über den Parteien stehen soll, der Sitz und Stimme im Gerichtshause hat. Der neu gewählte „Vater des Vaterlandes" wird sich auf Opposition vorbereiten müssen, gar wichtige Stimmen werden sich in den Reihen der Opposition erheben, und der kleine Lenassi wird mit dem großen englischen Staatsmanne ausrusen können: „Es ist mir nicht ganz und gar gleichgiltig, wer mir opponiert ; ich pflege meine Gegner nicht allein zu zählen, sondern auch zu prüfen." Der hiesige Korrespondent des „Slov. Narod" verfiel über das Wahlresultat in totalen Siegesrausch, er dürfte wieder Anlaß nehmen, den Pyrrhussieg der klerikalen Parte! mit in den schönsten Farben spielendem Feuerwerk und Knallerbsensalven zu feiern. Trotz der erlittenen Ehrenniederlage wird die liberale Einwohnerschaft Oberlaibachs nicht müde werden, für das allgemeine Wohl in der Gemeinde zu kämpfen. Die liberale Partei ist in Kenntnis, mit welchen, aus niedriger, unreiner, sumpfiger Quelle geschöpften Mitteln die ultramontanen Gegner gekämpft haben, um zum Wahlsiege zu gelangen; sie wird diese Sippschaft scharf im Auge halten. Möge der hiesige Korrespondent deS „Narod", der seine journalistische Befähigung am Kastellberge zu Laibach erworben hat, immerhin über die letzte Wahl Hymnen und Festreden vom Stapel lassen, die geistig gesunden Leser des „Narod" werden den inneren Werth dieser Schwindelprodukte genau zu bemessen wissen. Die Majorität der hiesigen Bevölkerung läßt sich durch den Söldling des „Narod" in ihrer Stimmung nicht irremachen. Diesmal hat die klerikale Partei wieder einmal „recht" behalten, aber Sophokles sagt: es sei nicht immer gut, recht zu haben. Ich schließe meine heutige Korrespondenz, derselben die neuerliche Bemerkung beifügend, daß die klerikale Partei diesen Pyrrhussieg — nur 13 gegen 12 Stimmen — niemals erfochten hätte, wenn vorn Gerichtshause aus nicht eine so lebhafte Agitation entfaltet worden wäre. Wir trösten uns mit der Hoffnung, daß auch die Tage Lenassi's im Strome der Zeit verlaufen werden. „Selig ist, der vergißt, was nicht zu ändern ist!" Möttling, 4. März. Nachdem den Lesern in den Laibacher Blättern mitgetheilt wurde, daß im September 1878 die Mehrzahl der Mitglieder der hiesigen Citalnica infolge eines skandalösen Vorganges aus derselben ausgetreten, möge auch mitgetheilt werden, daß diese Secessionisten einen neuen Verein gegründet haben, welcher am 19. November 1878 feierlich eröffnet wurde. Sowol in den Monaten November und Dezember des Jahres 1878 als auch im Anfänge 1879 fanden mehrere Unterhaltungen in diesem Vereine statt, die alle, da eben nur solche Personen Mitglieder dieses Vereines sind, die — ferne von Politik — ein Vergnügen in einer so verlassenen Stadt, wie es Möttling ist, haben wollen, recht angenehm und überaus zahlreich besucht waren. Der Bestand dieses Vereins ist den derzeitigen Mitgliedern der Citalnica ein Dorn im Auge; anfangs wurde sogar mit Gegendemonstrationen gedroht, jetzt demonstrieren sie damit, daß sie die deutsche Sprache ganz verbannt, vielleicht auch schon vergessen haben, und daß sie. wenn man zufällig mit einem oder dem ändern zu sprechen kommt, in slove-»ischer Sprache antworten, die sie übrigens nicht ganz meisterhaft handhaben und daher oft ein verpöntes deutsches Wort sich ausborge» müssen. Sie treiben aber auch in ihren Zusammenkünften — insbesondere lieben sie Wirthshänser — Politik, und nicht selten trinkt eine durstige Kehle aufs Wohl der Russen rc., ja die Politik ist zur epidemischen Krankheit geworden — selbst dar weib- liche Geschlecht politisiert — und träumt, ich weiß nicht von welchem nationalen Erlöser. Es hat also das Hetzen Vonseite der Mitglieder der ditatnica gegen den neuen Verein noch nicht aufgehört, doch wird dem Lallen der Citalnieamitglieder wenig Gehör geschenkt. Es wäre noch eines jüngsten verlogenen Artikels im Hetzblatte „Slovenski Narod", betitelt: „Iz bele Krajne“, zu gedenken, allein es ist schon, was die Wahrhaftigkeit des dort Erzählten anbelangt, bezeichnend genug, daß „Slov. Nar." die Korrespondenz gebracht, und dann ist keine Antwort auch eine Antwort, wenn der slovenische Skribler weiß, was es heißt,! keine Antwort geben und sogar Unwahrheiten nicht! berichtigen. — (Personalitnchrichteil.) Der Stabsarzt Herr Dr. Schüler wurde vom hiesigen Garni-sonsspitale zum Feldspitale Nr. XV übersetzt. — (Reservisten-Beurlaubung.) Ein Erlaß des Generalkommandos in Serajewo verordnet, daß die noch bei der k. k. Truppe befindlichen Reservisten der Jahrgänge 1869 und 1870 in die Heimat entlassen werden; da bereits bei einigen Truppenkörpern eine theilweise Beurlaubung jener Jahrgänge stattfand, so kommt diese Verfügung hauptsächlich den bei der technischen Truppe eingetheilten Reservisten zugute. — (Sterbefälle.) Gestern starb in Laibach die k. k. Oberstenswitwe Frau Stefanie von Kratky nach längerer Krankheit im 38. Lebensjahre. — Die Leiche des am 9. d. in Graz verstorbenen penf f. k Finanzsekretärs Herrn Veit Mosche wurde heute nachmittags am hiesigen Friedhofe zur Erde bestattet. — (Hagelversicherung.) Krain zählte im Jahre 1875 19, 187(3 17 und 1877 10 Hageltage und erlitt in diesen Jahren Schaden im Betrage von 223,595 ft., 243,095 fl. und 77,250 fl. — (Die steiermärkische Escompte-bauk) faßte den Beschluß, den Zinsfuß sowol im Wechselescompte- als auch im Effekten-Belehnungs-gcschäfte um i/2l respective 1 °/0 vom 15. März ab zu ermäßigen, und wird demgemäß die Bank vom erwähnten Tage ab dreimonatliche Wechsel — gleichviel ob Platz- oder Domicilbriese — mit nur 6°/0 p. a. escoinptieren und Vorschüsse auf Effekten im Betrage von über tausend Gulden gegen 6°/0 und int Betrage von unter und bis zu tausend Gulden gegen 6Vs0/,, Zinsen p. a. ertheilen. Hingegen erfährt auch die Verzinsung der bei der Bank ans Girokonto unb im Contocorrent erliegenden Gelder, deren Rücknahme an keine Kündigung gebunden ist, eine Ermäßigung um 1/a°/or d. i. aus 4°/0 P- a., welche Aenderung gleichfalls vom 15ten März ab in Kraft tritt. Die Grazer „Tagespost" bemerkt über diesen Beschluß folgendes: „Es ist anerkennenswerth, daß die Verwaltung der steiermärkischen Escomptebank dem von der österreichischungarischen Bank gegebenen Impulse hinsichtlich der Gleichstellung des Zinsfußes für Platz- und Domicilwechsel ohneweiters gefolgt ist und die Anstalt auf diese Weise ihren Committenten die Theilnahme an einer nicht zu unterschätzenden Begünstigung gewährt." — (Landschaftliches Theater.) Die alte, wohlbekannte Passe „Robert und Bertram" erzielte gestern, namentlich in den Reihen der zahlreich anwesenden Jngend, durchgreifenden Erfolg, die beiden Komiker, die Herren Selus (Robert) und Fried mann (Bertram), leisteten in ihrem Fache das Möglichste. Wohlthnend wirkte das von Fräulein M a f f a mit großer Innigkeit vorgetragene Lied „Ja, du bist mein!" von Bernhard Vogler. Das Haus war ziemlich gut besucht und begrüßte den Beneficianten Herrn Selus mit anhaltendem Applaus. — (Ein kühner Tourist.) Am 7. d. bestieg, wie die „Klagenf. Ztg." erzählt, Herr Richard Jßler aus Wien von Bleiberg aus durch den Laner, von wo der Lawinenabsturz erfolgte, den Dobratsch und kam bis zn den Unterkunftshäusern. Derselbe brauchte zu der Tour nicht mehr als 61/* Stunden, denn der Weg. den die Lawine genommen, erleichterte den Aufstieg, obwol niemand glaubte, daß es Herrn Jßler möglich sein würde, die Spitze deS Dobratsch zu erreichen. Derselbe konstatierte, daß der Fall durchschnittlich in einen Winkel von 33 Grad erfolgte und die Lawine nicht, wie vermuthet wurde, vom Kamme durch Abbruch der Windbretter erfolgte, sondern links unterhalb derselben, ungefähr 4/5 Höhe vou der Thalsohle eine sehr große Schneewand, muthiuaßlich durch die eigene Schwere und Einwirkung des Orkanes abbrach und den verhäng» l nisvollen Absturz begann, beim Verengen des WegeS ! die Felsen förmlich schliff und von dem Krummholze die Rinde abzog, weiter unten den Wald rasierte. In derselben Richtung, wo der Abbruch der Schnee« wand erfolgte, ist von den Wänden rechtsseitig ein circa 4 Klafter hoher Felsen abgestürzt und sitzt gegen Mitte des Laner 4/6 Höhe fest; nach dessen Lage ist jedoch nicht zn befürchten, daß dieser Koloß ins Rollen kommen wird. — (Aus der Musik Welt.) Das bestbekannte „Florentiner" Streichquartett konzertiert am 23. d. in Klagensurt. — (Aus den Nachbarprovinzen.) Die Direktion der „Assicnrazioni Generali" in Triest hat beschlossen, zum Andenken an daS Fest der silbernen Hochzeit des österreichischen Kaiserpaares einen Fond zur Anschaffung von Löschgeräthen für die freiwilligen Feuerwehren Oesterreich-Ungarns zu stiften und denselben vorläufig mit 20,000 Gulden Papierrente zu dotieren. Dieser Fond soll, wie man vernimmt, den Namen führen: „Kaiser Franz-Josef-und Kaiserin Elisabeth-Stiftung der k. k. priv. Assi« cnrazioni Generali in Triest zur Anschaffung von Löschrequisiten für die freiwilligen Feuerwehren." — In Tirol und Vorarlberg befanden sich bei Schluß des Jahres 1878: 388 Med. Doktoren, 160Wundärzte, 43 Thierärzte und 102 Apotheken. — (Wildtransport.) Das österreichische Handelsministerium hat unter anderen auch an die Kronprinz Rudolfbahn nachstehenden Erlaß gerichtet: „Mit Beziehung auf den Erlaß vom 23. Mai 1878 wird der geehrten Verwaltung eröffnet, daß auch der Schutzvcrein für Jagd und Fischerei für den Jimkreis in Ried um die Erlaffung des Verbotes des Eisenbahntransportes von Wild während der Schonzeit eingeschritten ist. Ich lade demnach den geehrten Verwaltungsrath ein, die unterstehenden Organe der in Oberösterreich befindlichen Stationen dahin zu belehren, daß in Ausführung des § 6 des oberösterreichischen Landesgesetzes vom 27. Februar 1874 über die Schonzeit des Wildes die Beförderung aller der Schonzeit unterliegenden Wildgattnngen vom 15. Tage nach dem im § 1 dieses Gesetzes normierten Eintritte der Schonzeit angefangen zu verweigern und nur dann in Gemäßheit der §§ 3 und 4 dieses Gesetzes ausnahmsweise vorzunehmen ist, wenn der Aufgeber der betreffenden, der Schonzeit unterliegenden Wildgattung durch ein Zeugnis der politischen Behörde darthut, daß das zu verfrachtende Wild entweder in ein-gefriedeten Thiergärten oder infolge einer von den politischen Behörden angeordneten Verminderung des zum Nachtheile der Kultur überhegten WildeS erlegt worden ist." — (Vom Beamtenv ereine.) Aus dem Geschäftsausweise pro Februar 1879 des Ersten allgemeinen Beamtenvereins Der österreichisch-ungarischen Monarchie entnehmen wir folgende Daten: „Die LebenSversicherungs- Abtheilung nahm im Monate Februar 470 neue Anträge per 486,800 fl. Kapital und 1600 fl. Rente entgegen und fertigte 341 Polizzen über 328,700 fl. Kapital und 1100 fl. Rente ans. Der gcfainmte Versicherungsstand am letzten Febrnar bezifferte sich mit 31,009 fl. in Kraft befindlichen Verträgen über 29.127,300 fl. Kapital und 57,800 fl. Rente. Durch Todesfälle in den ersten zwei Monaten dieses Jahres sind 48 Versicherungsverträge erloschen und auS denselben 37,700 fl. fällig geworden. Die seit Beginn des Vereins ausgezahlten Versicherungskapitalien betragen mehr als zwei Millionen Gulden. An Prämien pro Februar war die Summe von 62,400 fl. einznheben." — (Pontebabahn.) Sicherem Vernehme» nach soll der Betrieb der Pontebabahn der Krön-prinz-Rudolfbahn übertragen werden, und sollen die dieSsälligen Verhandlungen dem Abschlüsse bereits nahe sein. — Der „Monitors bette Strade gerate" berichtet, die italienische Regierung wurde von der österreichischen verständigt, daß der Bau der Bahn Tarvis-Ponteba im Mai vollendet sein wird, und daß die Eröffnung der Bahn für den 1. Juni in Aussicht genommen sei. Zu den noch unvollendeten Arbeiten gehört auch die eiserne Brücke, welche die Bestimmung hat, das österreichische Netz mit dem italienische» an der Grenze zu verbinden, und an deren Herstellung eben in einer Grazer Fabrik gearbeitet wird. Infolge dieser Eröffnung hat die italienische Regierung beschlossen, auch ihrerseits die Arbeiten an der Pontebabahn beschleunigen zu lassen. Die Rudolfbahn hat, wie wir vernehmen, mit der „Alta Italia“ bereits den Stundenplan für die Züge Wien-Rom vereinbart. Staatsgewerbeschulen. In der Wiener „Gewerks^Zeituug" behandelt eine mit „I. K. Kajetan" gezeichnete Fachstimme das Thema über die Gründung von Staatsgewerbeschulen in Oesterreich. Die segensreichen Wirkungen der Verfassung und der autonomen Gestaltung des österreichischen Gemeindewesens sind unbestritten auf dem Gebiete der Schule am überzeugendsten zutage getreten. ■ In einer denkwürdige» Epoche geistigen Dranges und schöpfungsreicher Gestaltungen war es die erste Sorge der Volksvertretung und der Regierung, dem Schulwesen des Reiches eine solche Einrichtung zu geben, daß es befähigt werde, den Anforderungen des Gemeinwesens und dem fortschrittlichen Geiste des Jahrhunderts zu genügen. Zur schleunigen Erreichung dieses schönen Zieles wurden umfassende Mittel in Anwendung gebracht. Die obligatorische 14jährige Schulpflicht wurde Reichsgesetz; die Volksschule erhielt eine dem allgemeinen Bedürfnisse entsprechende Organisation; dem Mittel- und Hochschulwesen wurde die heilsamste Pflege zugewendet, und dennoch, damit dem glänzenden Bilde auch der Schatten nicht fehle, ein Zweig der vaterländischen Schule blieb vernachlässigt — unsere Gewerbeschule! Es muß jedoch ausgesprochen werden, daß den gesetzgebenden Factoren sowie der Unterrichtsverwaltung, die im Frühling der konstitutionellen Aera die neue Schule schufen, dieses Versäumnis, so bedauerlich auch dessen üble Nachwirkungen auf den ersten Blick erscheinen mögen, nicht zur Last gelegt werden darf. Die Gewerbeschule war ja seit jeher die wundeste Stelle unseres vielgliedrigen Unterrichtswesens, und ob auch in den Nachbarländern uud den Kulturstaaten Europa's im allgemeinen die gewerblichen Fachschulen in Blüte standen, in Oesterreich fanden sie keine Heimstatt; und wie groß auch die materiellen Opfer sein mochten, die in unseren Con-currenzstaaten ihrem Gedeihen unentwegt gebracht wurden, bei uns zu Laude wareu es eben nur Almosen, die für das gewerbliche Bildungswesen unseres großen Reiches abfielen. Daß unter solchen Umständen an sein Fortkommen nicht zu denken war, ja daß man im ersten Ansturme des Reorganisationsdranges sich seiner kaum erinnerte, darf solchergestalt nicht wundernehmen. (Fortsetzung foli.it.) Witterung. Laibach, 12. März. Wechselnde Bewölkung, schwacher Südwest. Wärme: morgens 7 Uhr + 2-4", nachmittags 2 Uhr + 10 4" G. (1878 + 10 2"; 1877 — 2,3*’C.) Baromeier im Fallen, 785 88 Millimeter. Das gestrige Tagesmittcl der Wärme + 69", um 41° über dem Normale. Angekommene Fremde am 11. März. Hotel Stadt Wie». Jeuniker, k. f. Kreisgerichtspräsident, Rudolfswerth. — Götz, Kfm., Nürnberg. — Kümmel, Kfm., nnd Schüller, Reis., Wien. — Kleinbach, Kfm., Allen. — Jonke, Kfm., Bichatsch. — Wurianek, Direktor, Klagensurt. Hotel Elefant. Morpurgo, Kausm., Triest. — Kroschl und Santi, Reisende, Graz. — Schnabl, Produkten-händler, Görz. — Himmelbaner, Ingenieur, Wien. — Böckl, Ingenieur, Wocheiner-Feistriz. — Salomon, k. k. Hauptman», und Gregorik, Laibach. — Stanzer, Finanzrath, Marburg. Hotel Europa. Frank, Militär-Unterintendant, Graz. — Reising, Ingenieur, s. Frau, Oberkrain. Kaiser von Oesterreich. Kobau, Privat, Wippach. — JamW, Laibach. Mohren. Oblak Maria s. Sohn, Nasseusuß. Verstorbene. Seil 11. Mär z. Josef Sieal, Südbahnmagazins-Bediensteteu Kind, l1/« J.,F abriksgasse Nr. 2, Diphtheritis. Im Zivilspitale vom 23. bis inclusive 28. Februar. Am 23.: Maria Braune, Kindsmagd, 13 I , sterbend überbracht. — Am 24.: Mariamia Jerina, Inwohnerin, 60 I., Wassersucht. — Am 25.: Johann Zajc, Taglöhner, 22 I., Hirnhautentzündung; Cacilia Hladnik, Inwohnerin, 61 I., Lungenödem; Johann Lackner, Strafhausauffeher, 36 I., Darmkatarrh ; Andreas Kosjek, Arbeiter, 35 I., Lungenemphysem. über die am Gedenktafel 15. März 18 79 Licitationen. stattfindenden 1. Feilb., Jeraj'sche Real., Usik, BG. Stein. — 3. Feilb., Braudula'sche Real., Brüudl, BG. Gurkseld. — 1. Feilb., Tanko'sche Real., Rakituiz, BG. Reisuiz. 9 ßtrnhni mz. .. u—., ---------- ,-,v --------- -r—— Laibach. — 3. Feilb, Kralik'sche Real., Jgglack, BG. Lai bach. — 1. Feilb, Kambik'sche Real., Kleindorf, BG. Mött- Am 17. März. Reass. 3. Feilb, Sterle'scher Real., Smarata, BG. Laas. — 3. Feilb., Vilar'sche Real., Pudob, BG. Laas. — 3. Feilb., Knaus'sche Real., Ravne, BG. Laas. — 3. Feilb., Knifie'sche Real., St. Walburga, BG. Krainburg. — 2. Feilb., Klemenc'sche Real., Laibach, LG. Laibach. — 2. Feilb., Mekiuda'sche Real., Zirkniz, BG. Loitsch. — 2. Feilb., Kogovsek sche Real., Gereut, BG. Loitsch. — Mass. 1. Feilb., Sladiö'sche Real., Suhagora, BG. Rassen-suß. — Reass. 2. Feilb., Vidmar'sche Real., Vigaun, ÄG. Loitsch.__________________________________ Theater. Heute (ungerader Tag): Zum zweiten male: Dr. Klaus. Lustspiel in 5 Acten von Adolf L'Arronge. Telegramme. (Original-Telegr. des „Laib. Tagbl.") Budapest, 12. März. Nach Szegediner Telegrammen von 2 Uhr nachts ist die' Katastrophe eingetreten. Das Wasser ergießt sich in breiten Strömen durch den zerrissenen Damm gegen die Stadt. Alles flüchtet. Budapest ist in höchster Aufregung. ________________ Budapest, 11. März. Plenarsitzung der Reichsrathsdelegation. KlaiL und Genossen interpellieren den Minister des Aenßern betreffs des häufigen Biehraubes auf der dalmatinischen und der herzegowinischen Grenze. Der Antrag des Budgetausschusses, betreffend die Indemnität für die im Jahre 1878 noch verausgabten 41 7 Millionen, wurde ohne Debatte angenommen. Ein weiterer Nachtragskredit pro 1878 von 5 Millionen wurde, obwol vom Ausschüsse gestrichen, mit 35 gegen 22 Stimmen gleichfalls genehmigt. Drei weitere Ausschußauträge, betreffend den Occupationskredit pro 1879, wurden nach längerer Debatte unverändert angenommen. . ^"lin, 11. März. Der Reichstag lehnte den Antrag Buhlers wegen Zusammentrittes eines europäischen Kongresses behufs allgemeiner Abrüstung ab. Für den Antrag stimmten nur drei Mitglieder des Centrums und die Socialisten London, 11. März. Die britische Flotte verläßt unverzüglich das Marmarameer und bleibt vorläufig in der Besikabai. Ein britischer Emissär wurde mit Vorschlägen zur Eröffnung der Unterhandlungen nach Kabul entsendet. Die Regierung erklärte im Parlamente, sie beabsichtige den Ku-rumdistrikt nicht wieder an Afghanistan zurückzugeben. Madrid, 11. März. Die Cortes wurden aufgelöst. Konstantinopel, 11. März. Sechs tür-kische Bataillone sind in Adrianopel eingerückt. Danksagung. Für die vielfältigen herzinnigen Beweise regster Theiluahme anläßlich der Erkrankung und des Ablebens des Herrn Anton Pasch, k. k. Rittmeister-Rechnungssührers im R., sowie für das zahlreiche ehrende Geleite zu seiner ewigen Ruhestätte allen Freunden, Bekannten und Betheiligten den herzlichsten Dank von den tieftrauernd Hinterbliebenen. Frische Mailänder Butter angekommen bei (126) Peter Lassnik. Wiener Börse vom 11. März. frfiuU. Pavierrenke . . . Gilbertente . . . ©olbrente .... Staateioje, 1854. » 1860. „ 1860(61 1864. ®ruiid«ntln|tuog»- •Bligaliene». Galizien........... Siebenbürgen . . letncfet Banat . Ungarn............. Andere öffentliche AoleBcn. Donan-Regnl.-Loje Ung. Pramienanlehei Wiener Anlchen . . fielien v. JSnnRen. SScompte-Ges., n.ö. >!alionalbank. . . . Unternehmungen. Msöld-Bahn.... Donau - DamPsschiff Elisabelh-Weftbahn gerdinanb»-Norbb. Sranj-Joseph-Bahn Galiz. Karl-Ludwigd liemberg » Czernowitz Mohd-Gejeüschast . Geld Ware Geld 68-55 64-20 76 40 113 — 116 75 127 — 151-75 63-65 64 30 76-50 113 50 117*— 127*50 152 — Nordweftbahn .... NudolsS-Bahn .... StaatSbahn Südbahn Ung. Nordostbahn . . Pfand6ri