IV» RSt Areitag den^LZ? Aezemöer 1874. MI. Jah«ga«g Vit <»Marburger Zeitung" erscheint jeden Sonntag, Mitt»voch und Freitag. Preise — für Marburg: ganzjährig 6 fl.,halbjährig 8 fl., vierteljährig 1 fl.vo kr: ins Haus monatlich 19 kr. — mit Postversendung: ganzjährig 8 fl., halbjährig 4 fl., viertellährig S fl. Snsertiontgebühr 5 kr. pr. Zelle. sürSustellmiß Dil Ntbtilptst. I. Im Jahre des Heils 1374, schreibt die ^Költtische geituvg", begab eS sich, daß ein frem-der Welvhändler in die Berge der Cote d'Or stieg, um daselbst die Trauben zu bestchtigeo, von denen er einige Morgen auf dem Stocke zu er-haildein wünschte. Mehrere Tage ging er darin nmher, schauend und notirend, nnd ließ sich angelegen stin, die ganze Gemarkung eines Dorfes ln elner der befsero Lagen abzustretsen. Die Bau« ern ober, wenig an solche Proeeduren gewöhnt, sahen ihm erst verwundert, davn unmuthig nach, und als er endlich am drillen oder vierten Tag wieder erschieo, einsam durch ihre Weinberge wackelnd, da hielten sie eine RathSversammlung ab ui»d kamen, nachdem sie AUrS reiflich eiwo-gen, zu dem Gchlusst: daS muß der?Ii)^lloxsra, der die Weinberge verdirb», sein, vor dem der Maire uns im Auslrage der Regierung gewarnt hat UN» auf dtfftn AuSroilung ein PreiS von 300.000 Franks gesept ist. Zogen also auS mit Flegeln und Sensen, umzingelten den Fremdling, nahmen ihn muthig gefangen, Verabreichten ihm einige Prügel und srKien ihn ins SprißenliSuS-chen, woraus sie eine Deputation an den Unter-piäfekten abst^dten und das Geschthene berichteten; selbiger aber war freudig erbaut von dem Scharssinn seiner Untergebenen. So kam die zu der Ehre, im Spritze»hüusch»n zu stAen und von vier bewaffne-tln Männern bewacht zu werden. Leider war eS da, wo sie eigentlich haust, nicht so leicht, ihr bcizukommtu, und sie übt bis heute ihr verderb- liches Gewerbe in ftets wachsender Ausdehnung, ist bereits über die Grenzen Frankreichs hinaus» gegangen und bekommt dadurch auch für unS eia bedrohliches Interesse. Wie das Oidium hat sie sich von kleinen Anfängen aus zu einer surcht-baren Macht gestaltet; hoffen wir, daß eS auch bald gelinge, ihr tvie dem Oidium den Garaus zu machen. Im Jahre 1665 nahm man in einem Weinberg« bei Avignon, der zum Dorfe Roque-Maure gehört, eine neue Krankheit wahr. Die Slöcke wurden welk, die Wurzeln schwollen an, die Blätter und Früchte vergingen. Man gab zunächst lvtnig darauf Acht; aber schon im folgenden Jahre war die ganze Gemarkung von Avlgnon krank, und zugleich zeigten sich die Rhone auf- und abwärts zerstreute Flecke in den Weinbergen, welche die Symptome der neuen Krank-heil dalboten. Viele dieser Flecken lagen nord-ivärtS in der Umgebung von Orange, andere jiidivärtS, einer in einer Entfernung fünf Meilen vom Ausgangspunkte. Von diesen Mittelpunkten aus dehnte sich nun im Jahre 1867 die Krankheit übir zwei große Flecken aus, von denen der «ine Avignon und Orange umfaßt, der andere die Hügel füdösllich von Tarascon. Von da ab griff die Seuche unaufhaltbar um sich, so daß sie im Jahre 1673 schon 12 Departements lnsizirl hatte. Den Weinbau an der unlern Rhone hat sie vernichtet, fängt jetzt an, sich ia der Gironde zu verbreiten und hat ihren Einzug in die Sch veiz gehalten; wird ihr kein Damm entge-geNtttsltz», so bedroht sie die ganze Wrinkultur Äüdslaukreichs und der Schweiz binnen wenigen Jahikn mit dem Tode. Wie furchibar sie unter dkn Reben aufräumk, zeigen die Zahlen der Weinproduktion an den betroffenen Orten. Die Gemeinde Graveson zum Beifpi.l produzirte biß 1867 im Mittel jährlich 10.000 Hektoliter. Im Jahre 1866 trat die Krankheit daselbst auf, und in demselben Jahre sank der Ertrag au! öb0<), bis 1870 aus 400, bis 1873 aus ö0 Hektoliter. Die unglücklichen Winzer der Gegend sind ruinirt. l^nd überall, wo die ?dMoxors sich «igt, sanken die Produktionszahlen «n demselben Ber» hältuib. Im Jahre 1866 erkannte man zuerst, das man es mit einer neuen, spezifischen Krankheit der Rel>en zu thun hatte, und bald darauf entdeckte Planchon, daß dieselbe von ver Anwesenheit eines Insektes herrührte, dem er den Namen ?d)^IIvxvra vk^statrix gab. Als man später nach seincr Herkunft forscht,, stellte sich heraus, daß in der zuerst befallcn Zone amerikanische Schöß» linge angepflanzt worden waren, welche das Un-theil stiftende Thierchen aus ihrer Heimat mitgebracht hatten. Man darf sich nicht darüber wundern, daß trotzdem in Amerika noch keine Klage über die Reblaus gesühit woiden ist. denn dort stellt das Tlzier keine gefährliche Krankheitsursache dar; bei den amerikanischen Pflanzen lebt eS als Blattlaus an den Blättern, Vermehrt sich nicht ütiermäßig und st ftet keinen be-dkutenden Schaden. Erst als es auf die europäischen Pflanzen kam, fand i< an ihnen weniger widerstandsfähige Objekte, gr'ff die Wurzeln an und vermehrte sich in der jetzigen furchtbaren Weise. ES izängt dies mit einer Thatsache zusam-Mkn, die allgemeiv beobachtet iverden kann : übermäßig tulltvirle Organismen degeneiiren. veriie-ren an Widerstandskrasi, und ein Feind, der iharn im N'itukzustanoe nicht gefährlich tverd»n Aeuilletyn. Schwiii^tlikstrate. Jedermann kennt jene Anzeij^eo, welche, von ut»bekannter Hand verösfentlicht, gegen Einstudung eines mehr oder minder großen Geldbetrags, ein Geheimniß oder eine neue Elfindung mitzulheilen Vtrsplecheo, die den Käufer bivnen kürzester Zul zum reichen Manne machen soll. Zum reichen Manne! Wie Viele haben sich wohl schon von diesem gleißenden AuShüngtschild täuschen lon Zeit zu Zeit ver-hterende Seuchin oustretkn: Kartoffelkrankheit, Rinderpest, Oidinm und?dMoxora, unter den Menschen selbst die Epidemltn, die, wenn eine alte Form übirwunden ist, stetS in neuer Form wieder austreten; das All«s und vieles Aehnliche sind Belege dasür, und eS ist zu vermuthen, daß wir mit unsern Ersahrungen über neue SeuchtN unter Wanzen, Thieren nnd Menschen noch lange nicht zu End» sind. Von Zeit zu Zeil Wied immer wieder ein neuer Pilz oder sonstiger Feind die Umstände wahrnehmen, welche ihm erlauben, irgend eine Art von Organismen bei einer schwachen Steile anzugreifen, ftch aus ihre Kosten mastenhast auszubreiten und die Gesundheit der ganzen Art zu untergraben; und dieS wird um so leichter geschehen, je wehr der betreffende Organismus durch übermäßige Ausbreitung gezwungen ist, angreifbare Steilen darzu-bieten; daS heißt die Seuchen find am meisten zu erwarten und zu fürchten sür die Menschheit selbst und sür die Produkte ihrer Kultur. Seit die ^K^Iloxor» erkannt war, haben sich die Weinbergbtsi^er theilS selbst mit ihr be-schäftigt, theilS die Pariser Akademie gebeten, Untersuchungen über den Gegenstand anstellen zu lassen; eS sind Kommissionen und einzelne Beobachter in Menge an Ort und Stelle, und die Berichte über die kdz^Iloxsra VAststrix nehmen seit Jahren in den Oowptss rsväug der Akademie oft mehr alS ein Drittel deS Ranmes in Anspruch. An Beobachtungsmaterial fehlt eS also nicht; eS ist dessen eher zu viel vorhanden, so daß eS schwer wird, einen AuSzug daraus zu geben. Wir wollen versuchen, das Wichtigste daraus zusammenzustellen, ohne unS dabei aus schwebende Kontroversen einzulossen. Zur Geschichte des Hages. Die Budgetkommission deö Herrenhauses drückt ihre Befriedigung ans, daß die Beralhung deS Voranschlages vor'm Jahresschluß beendigt werden kann. Die strenge Verfassungsmäßige Ordnung und die Bereiu« sachung deS FtnanzdiensteS verlangen diese Be-rathung. Die Antwort der sranzösischen Regierung auf die Beschwerden Spaniens ist nun endlrch zu Madrid übergeben worden. WaS in solchen Füllen gar zu lange währt, wird niemals gut. DieseS Schrlst- als zwei Thaler gekostet. Da in der Anzeige gesagt war, doh ohne alleS Kapital, ohne jede Auslage, mit leichter Mühe täglich z'hn Thaler zu verdienen seien nad daß euch Frauenzimmer sich an dem Geschäste betheiliger' könnten, so hat der Jndustrieritter jedenfalls einen guten Fang gemacht. Ich habe später gehört, daß einzelne Personen sich mit Franksurter Kollekteuren — B.,n-quierS nennen sich die Herren — in Verbindung setzten und daS Versprechen erhielten, daß man ihre Adressen honoriren w?rde; sie möchten sie nur einsenden. DleS thaten sie auch, erhielten sie aber nach einigen Tagen mit der Bemerkung zurück, daß man keinen Cebrauch davon machen könne, weit man sie sämmtlich bereits besi^e. Die Unwahrscheinllchkeit dieser AuSslucht liegt auf der Hand, und man wird schwerlich irren, wenn mau annimmt, daß die Herren „BaiiquierS" die erhaltenen NamenSlisteu erst vor der Rücksendung abschreiben ließen, und sich ans diese Weise ohne AnSlager, in den Besitz der Adressen setzten. So waren Sie armen Getäuschten doppelt geprellt. (Schluß folgt.) stück enthält nicht einen einzigen Gegenbeweis wider die Anklagen, sondern ettel Wortgeflunker und heuchlerische Versicherungen. Der Kongreß der Vereinigten Staaten von Mexi ko hat die relis^iösen Orden aufgehoben! Freunde der vergleichenden Politik in Oesterreich wünschen und fordern, unsere Gesetzgebung möge sich zu einer gleichen That entschließen. Vermischte Rachrtchte». (Rückgang des Theologie st ud i-umS in Deutschland.) Im Wintersemester 1830 aus 1831 zählte man 220S preußische Studeaten der Theologie, in Halle allein 881, das heißt 144 mehr alS jetzt alle neun theologischen Fakultäten Preußens zusammen ausweisen. Breslau hatte 1839 noch 144, im letzten Jahre nur 40, Königsberg jetzt nur noch 50 bis V0, während eS vor 20 bis 30 Jahren daS Doppelte aufwilS. Auch Leipzig und Erlangen haben verloren, nur Tübingen und 3»na siud sich relativ gleich geblieben. In den acht alten Provinzen Preußens ist statistisch festgestellt, daß während des Zeitraums von 1851^73 von fämmtlicheu Theologie-Studireuden in ihrer LebenSperiode biS zur Erlangung der Wahlfähigkeit der dritte Theil nicht in den Kirchendienst eingetreten ist und daß, wenn nicht neue Zunahme im theologischen Studium listtritt, mindestens der jährlich zu besetzenden evangelischen Pfarrstellen mit eigenen Geistlichen nicht mehr versehen werden kann, sobald der jetzt noch vorhandene Bestand an wähl« fähigen Kandidaten verwendet sein wird. Ganz besonders drückend ist der Nothstand schon jetzt in den Provinzen Posen und Schlesien. In Baden hat laut amtlichem Nachweis eine Abnahme der Kandidatenzahl in den letzten Jahren nicht stattgefunden. In Gotha wird vcu Kandidaten meist voS zweite theologische Examen in die va» kanten BikariatSstellen einrücken. Ja» Koburgi» schen sind von lö Pfarrstellen 4 bereits unbe» setzt, die letzten 2 Kandidaten sind im Lause deS Sommers auf Pfarrstellen befördert worden und für die nächste Zeit steht ein Zuwachs an neuen Kandidaten nicht zu erwarten, da gegenwärtig nur ein einziger Student auS dem Herzogthume Theologie studirt. In der Weimarischen Landeskirche endlich find gegenivärtig 28 Stellen unbesetzt, nachdem schon im Lause der letzten drei Jahre 14 ausländische Geistliche in de« dortige» Kichendienst gezogen wurden. Im Brauuschwei-gischen war unter den zuletzt in Braunschwe,g entlassenen 12 Gymnaßal-Äbiturienten kein Theologe, in den Oberklossen kein Schüler, tvelcher sich dem Kirchendltnste wzdwen wollte. (Schulgärten.) Den ersten Schulgarten Deutschlands wird Settegast in ProSkau nach österreichischem Muster auösühren. (Kosten der Nordpol-Expedi-tion.) Die Gtsammlsumme der etngelausenen Gelder beträgt 222,616 sl. 70 kr., die Ausgaben 222.599 st. 19 kr. ^Eisenbahn. Bequemlichkeit sür Reisende.) DaS Handelsministerium hat die Bahnverw^ltungen angeiviesen, daß bei allen Zügen mit Perionenbtförderung Aborte vorhan-den sein müssen, welche entweder in den Personenwagen selbst oder in den Gepäcks- oder einem eigenen Wagen angebracht sein können. Als Wunsch wird den Verwaltungen serner empfohlen, dahin zu streben, daß nach und nach Kourier-, Eil- und Schnellzüge, sowie sonstige nur mit kurzem Aufenthalt auf Zwischenstatioaen oder ohne solchen verkehrenden Züge nur mit Wagen ausgerllstet iverden, die alle erforderlichen Bequemlichkeiten, leicht zugänglich, selbst enthal» ten, auf welche daS reisende Publikum in Anbetracht der höheren Fahrpreise berechtigten Au-spruch hat. (Zur Bedeutung der Hochschulen.) Professor Maassen (Wien) sprach kürzlich in einem Vortrage über die Bedeutung, welche die italienischen Hochschulen deS zwölften Jahrhunderts für die Wissenschaft deS Rechtes gehabt. Nachdem er bemerkt, daß da< Jugendalter der Universitäten, jene Zeit, l^a die Universitäten auS sich selbst herausarbeiteten und wesentlich auf sich angewiesen waren, zugleich die Epoche ihres höchsten Ansehens und ihreS höchsten Glanzes bedeutete, fuhr er kort: „Später sind andere Tage gekommen, welche dem wissenschaftlichen Geiste und seineu Trägern, de» Universitäten, weniger günstig gesinnt waren — Zeiten, in denen jeder Halbwiffer sich berufen hielt, über die Universitäten den Gtab zu brechen, und durch Vergrößerung, Verallgemeinerung «>d Erdichtung von Thatsachen sie zu verunglimpfen sich angelegen sein ließ. Meine Herren! Der echt historische Sinn vermag. Vergangenes als Gegen» wärtigeS zu empfinden. (Bravo! Bravo l) Run wohl! wenn wir unS mit unserem Bewußtsein deS akademischen Bürgers — denn daS find wir Alle, ich wie Sie (stürmischer Beifall)in jene Zeiten versetzen^ welche Refteeion würde fich uns anfdräogen? Offenbar würde unser Gedanke der folgende sein: Die Kritik, die um der Wahrheit willen an unS geübt wird, und wäre fte noch so strenge, soll unS zur Selbstprüfung auffordern und, wenn nöthig, zum Bessermachen anregen; die Verurtheilung aber, welche von einem anderen Motive als der reinen Wahrheit eingegeben r^ird, gereicht nicht dem zur Unehre, gegen den fte gerichtet ist, sondern kehrt zu dem zurück, vo« dem sie ausging. (Beifall.) Marburger Berichte. (Uebernahme einer Steuerdirektion.) Die Gemeinde Graz hat bekanntlich die VerzehrungSsteuer, soweit diese daS eigene Gebiet betrifft, auf die Dauer von drei Jahren gepachtet und hat die Vertretung Herrn Karl Lang, Finanzwach-Oberkommissär und Inspektor der Finanzwache bei der FinanzbezirkS-Direktion Marburg um die Direktion vieler Pachtung ersucht. Herr Lang übernimmt diese Äelle mit Einwilligung der Staatsbehörde. (Ernennung.) Herr Dr. Raimund Gottscheber, Adjunkt deS Grazer LandeSgerich» teS — ein geborner Marburger — ist zum BezirkSrichter in Murau ernannt worden. (Zur Gemeinde Wahl in Marburg.) Von 261 Stimmberechtigten des zweiten Wahlkörpers betheiligten fich (16. Dez.) 110, als gewählt erscheinen die Herren: Dr. Heinrich Lorber, Eduard Jauschitz, Peternell, Holtmann, Lobenwein, g,tz, Kart Flucher, PtchS, Mar Baron Rast, Franz Holzer. (Schaubühue.) Wir wache» das The» aterpui»likum im Allk'Meinen und die Freunde deS Herrn Gustav Karldorf insbesondere aus' merksam, daß morgen znm Vortheile dieseS de-ltebtcn OperetteusängerS „Javotte" gegeben wird. (Verpachtung der Verzehrung S-steue r.) Die VerzehrungSsteuer von Wein und Fleisch in den Gruppen St. Georgen an der Pößnitz, M^hrenberg und Saldenhofen (3.250 ft.) wird sür 1875, mit Vorbehalt der Auskündung auch für 1876 und 1877 wiederholt zur Verpachtung ausgeschrieben. Die Verhandlung findet am 22. Dez. von Vormittag 10 bis 12 Ui»r bei der FinanzbezirkS-Direktion Marburg statt. (Photographie.) Herr Vtncenz Loden-tvein, Photograph in Klagensurt, wird Anfangs Jänner sein Atelier in Marburg eröffnen. Der „Verein zur Unterstützung dürftiger Schüler der Volksschulen in Marburg" veraa. sür Mittwoch den 23. Dez. d. I. Abends nm 7 Uhr im Saale „zur Stadt Wien" in der Tegett-hofstraße einen Ehristbaum, bei welchem 6 Kna-den uud 6 Mädchen der Stadt- und Vorstadt-. Volksschulen in Marburg mit vollständigen Winteranzügen und mit SchulrequisttkN betheilt werden. — Mit dieser ersten Verlheilung beginnt der im Laufe dieses JahreS inS Leben getretene Verein seine Wirksamkeit, welche dahin gerichtet ist, durch Bertheilung von Kleidern und Schul-requisiten an dürftige Schüler anch dem Aerm-sten de» Besuch der Schule zu erleichtern. Der Ntreil» rechnet auf die rege Thetlnahme oller Schul- und Kiuderfreuude und die träfttge Uuteiftützung seines WirteaS. Um de» Bewohueru Maiburgs und der Umgegend Gelegeaheit zu biete», ihre Sympathie fi»c das gemUanützige Sireben des Vereines zu betuadea und denselben auch mit mateeielleu Mitteln zu nnterstiitzen, findet unter Mitwirkung der Musittapelle der Eildbahn-Werkslätten zugleich eia ges«lliger Abend, verbunden mit einen GlüctShafen statt. — Der Verein wendet ftch daher an alle Schul- und Kindirfieunde mit der Bitte, diksen Vlückshafcn durch Widmungen ausstatten zu wollen. Jede noch so kleine Gabe ist willtommm. Die zu diesem Zwecke gewidmeten Gewinnstgegenstände werden von heute an bei den Heeren: Schritt in der Hercengaffe, Sejk und Petuar in der Schulgasje, Krall in der Grozergasse, «astellitz in der v^ttringhosgaffe, Klaus am Sophlenplatze und Jost in der Kärntnerstraße, Kreuzheegeriche» Haus, in Empfang genommen. Der Ttutrittsprei« ist sür die Person ohn» VeschrSutung der Geoßmulh aus 20 tr.. und der Preis emes Looses sür den Glückshasen aus 5 tr. seftgesetzt. Der Reiuerirag wird zu Vereins-Zwecken verwende». Eintrittstarten können vor dem geslabende bei den obg'nannten Herren und in der Buchdruckerei des Herrn Sanschitz, am geftabende bei der Kassa gelöst werden. An Vunsteu de« Brreines hat Herr Wies thaler, Besitzer des Hotels zur „Stadt Wien" das g'stlokale un?ntgeliljch Überlassen, und die die Bestreitung der Kosten der Mufit hat ein Bereinsmitglied übernommen, wosür denselben der Dank ausgesprochen wird. Möge fich durch die rege Theilnahme der Bewohner Marburgs und der Umgegeud dieser Abend zn einem Ftft< der greude si»r die armen Schulkinder gestalten, zugleich aber auch dem Vereine die Theilaahme und Unterstützung Aller zusühren, welche in der allgemeinen vollkommenen Volksbildung eine Voran ie sür die gedeihlich» Entwicklung der gutunst Oeslerreichs erblicken und deren Streben dahin gerichtet ist, die Bildung auch dem Aermsten zugänglich machen. Marburg am 17. Dezember 1874. Theater. ^ Montag den 14. Dezember.-- „Heines junge Leiden", Lustspiel von Mels. — An der Hand des geistvollen Heinebiographen Gtrodtmann gibt uns A. Mels eine treffliche Darstellung aus Heines Jugendzeit. Die Verhältnisse zu seinim Onkel Salomon, zu seinen Koustnen Ottilie und Mathilde find ebenso wahr, als poesievoll und dramatisch wirksam geschildert. Wir sehen den ltomps des zum tdlerflug geborenen Jünglintts gegen den Druck des unfreiwillig gewähltln Kaus-mannsstandes, der ihm durchaus nicht zugefügt; wir suhlen das Unglück der ErstliugSliebe zu Ottilie mit nnd lernen in diesem Ausgant,spunkit die spätere Haltlofittkeit von Htine« Charakter, seines ost versehlien, zersahienen Sirebens be« greifen. Dieses Stingen seiner Kräfte mit d-n krankt» iSlementen gesellschastlich»r Be'hälinisse, durch w»lche er das Gleichtiewicht seines Jnuerrn verlor, die mehrjährige Lähmung seiner dichierischen Fähigkeiten ist d»e Geschichte s.ines Lebens und seiner Werke auch. Da es A. Mge Einfälle den Grundzug des dargestellten Ctiarakters verwischen. DeSglelll»en verdienen Frl. Strecker (Klara Wallfried) und Herr Holdig (Kostau) ungetheiltes Lob. Wir könnten die Ge tamwtdaistellung als vorzügliche bezeichnen, wenn Herr Kühle (Ferdinand) nicht als Störenfried aus der Szene gewesen wäre. Es ist unverant-lich, daß e,n Schauspieler von so ungemeiner Fähigkeit ^ doch so ost mit Geringschätzung d Zuhörer und seiner Pflicht schlecht und mit un-verzeihlicher Nachläffigkeil seine Rolle abwickelt Was war daS wieder sür ein gerreißen der Sätze, was sür eia fianloses Nachbeten der sonffitrlen Worte! — Und dann; hätte eS ein Spaß sein sollen, daß die Figur dts Gentlemens.Warnberg" als Prügelknabe hingestellt wurt,e und Herr Kühle die ganze Rolle in monolenm Raseulauieu sprach, wie sie die jogenannten „Brettelkomiker" ge brauchen, wenn sie in emer Bierstube einen Ma riazeller Wallfahrer tarrikiren l Wir haben keinen Verstand sür solche Spaße, welche einer anstän-digen Bühne unwürdig stnd ; soffen dieselben vielmehr als Hohu aus und wollen unS gegen dergleichen Ungezogenheiten eines ausartenden Ta lentes ein für allemal verwahrt haben. Wühler des I-Ulthlkikperg! altet hoch die österreichische Fahne und laßt durch fremde Eindringlinge nicht abnehmen 291 Mehrere Bürger. er Setzte Pyst Im Abgeordnetenhause hat die Be-rathun« über die Forderungen der Arbeiter begonnen. An Weihnachten soll in Prag eine all gemeine Versammlnng der Inogtschechen stattfinden. Die Konferenz der ungarischen Blschi^fe hat beschlossen, gegen das geplante Gesetz be. zNglich der Religionsfreiheit Stellung zu nel^men. Eiugesaadt. Um »!I'N Zwetfilu »orjubluge», s< mich veranlaßt, einem geehrten Publikum dek«nn zn geben, daß sämmtliche neuen Kostüme, welche zur Oper «Angot" eigenS - angesertigt wurden, mein Eigeuthum find, die Anficht alio, daß selb« vom Grazer Stadttheater enttl'hen wären, gänzlich salsch und auf einem ungerechtfertigten, fein sollenden Scherz beruht. D ietz. ie UontAK de» 21. Desömber 1874 im gössen Lisino 8salo MZrst«« AlltKlIeÄvr» äss ^ai'liul'gvi' Müliilegesatlgvereiltts wit seiuem Wuäsl» l^dvr äsr l»r»sIitoQ »us „Sswsoll". 2. V. klsii^sIdsrK", ^msovo-I>i»llvsr- olior wit OIkviordsAlöitullK^. ö. Lsliubsri, Op. 1l>7, Rvlläsau Lür Olavior 2u visr Nälläsv. b) LaKuQkvU, kür xömiso^tsQ Ldor. . nut 3oli ullä (^lavisrdsxlsituox. 6. Lvl^ubsr^. „Oedst-, xswisobtsr Olior wit LIkvisr-bsxlsituvx. LöitrittssrlcläruvAen ullterslüt^enäer slieäsr v^sräsu auod au ävr (lassa entxvgvv-Ksuowwell. (1289 GßristV«u«! Sonntag den 20. d. M. um ö Uhr Nachmittag findet im großen Zeichensaale der Realschule daS WeiynachtSfest deS Kindergartens statt; daselbst sind auch an diesem Tage von 10 Uhr Vormittags die Arbeiten der Kleinen zur allgemeinen Ansicht ausgestellt, wozu ich die höslichste Elnlavung mache. 1286 Achtungsvoll Miaa Aerdqjs. Für den I. werden folgende bei der Probewahl vorgeschlagene Herretr empfohlen. Herr G. H. Ogriseg. Herr Schaller Prof. „ Reuter Carl. „ Gutscher Dir. „ Pfrimer Julius. „ Dr. I. Schmiderer. „ Albensberg Lud. „ Leyrer Friedrich. „ Hohl Anton. „ vr. Joh. Sernec. Gasthans-ErWmg». Aimpsrhlmz. Eröffnung l9. Dezember l87h^. Unterfertigter gibt einem ?. I. Publikum bekannt, daß er in der Biktringhofgaffe, viZ-a-vis Herrn Girstmayr, ein Gasthaus unter der Firma: (1287 „Zum Nierjatkr^^ ganz neu und aus daS geschmackvollste hrrgerich-tet hat, und bittet ein hochverehrtes Publikum, ihn mil seinem zahlreichen Besuch zu unterstützen. Ich werde stets bestrebt sein, meine werthen Gäste durch schnelle und prompte Bedienung zu-friedenzustellen und werde nur echte und gute steirische Natnrwtine, sowie das sehr beliebte gut abgelegene Köh'Iche Märzenbier ausschenken, führe eine ausgtZticiMete Äül^e und kann man zu jeder Stunde mit warmen und kalten Speisen auf das beste bedient werden. Im Vertrauen auf einen sehr zahlreichen Besuch zeichnet sich mit aller Hochachtung Rarl Zilementschitjch. krkvdtsildrot billrnbvi'göi' l.vbvi'Icuokvn, Wnd-Lonfsot unci kontvoturon, Ikve, kum, Ananas VaniIIv-?UN80k-L88eni 1202 donäitor vi»-»-vis llotsi Uobr. Kaig. Icön. privilogifto Allgemeine Assekuranz in Triest (Assicurazioni Generali.) Gegründet 1831. «^✓vvvaAAAAAA, AVV Gesammtschadenzahlungen bis 31. Dezember 1873 Gewährleistungafond.......... Jahres-Einnahmen .......... Schadenzahlungea ;n Mr-br'g im Jahre 1873 fl. 97,794.289 „ 39,739.573 „ 10,640.000 34.826 l^ebeii»■ V er »icher u ngs- u. Kinder-Ausstattungs-Pollzzen zu Weflfiachts" und Neujalirsgescheuken 1^9 werden prompt geliefei . Mündliche r id sei1 ftliche Anträge übernimm«: der bevollmächtige Inspektor obiger Anstalt, Hötel Stadt Wien, 23. Sprechstunden von 10 bis 12 Uhr Vormittags. (1290 Kundmachung. Aus Anlaß deS außergewöhnlichen Geschäfts-andrangeS während d^r Weihnachtszeit, können Geldbritfe und Frachtslndungen vom 22. Dez. bis einschließlich 24. Dezeulber bei dem k. k. ^ilialpostamte in der Stadt nur biS halb S Uhr Abends und bet dem Bahnhofpostamte nür bis halb sechs Uhr Abends zur Aufgabe gebracht werden. 1279) Marburg am 16. Dezember 1874. Der k. k. Ober-PostVerwalter: vvppolÄ. WlmselikKezeiiMe »es Frlecb angekommen: Echte Znaimer Gurken, französischer und F emser Senf, beide offen und in Fläschchen, alle GaUungen Südfrüchte, als: Roiinei, Ziweben, Weinbeeren, Mandeln, Pignoli, Da, ein, Feigen, Limoni n, Orr igen, MaUgatrauben, Krachmandeln ; russ. und chinesische Thees, Caffees etc. eic.; diverse Gawi?r*en In- und Ausländer-Weine, besonders: Malaga, Hock leimer Himmelreich, üaus Johannisberger, Liebfrauenmilch, Obeingelhoimer, endMch Ti- lud Ausländer Champagner (echt frpnzösische) empfiehlt hochachtungsvoll Conrad rill witzer, 1285) Hauptpk% Eck de: Dowga^e. empfehle: vorzüglichen Caflfee, feinsten Jamaica-I*um, The © von allen Soi eo, Südfrüchte, ung,Damptmeh\ Schwelnfett u. Bindsetma^. Carl Scbmidl, Spezereiwaarenhandlung, Mr-burg, Herreogaspe 1282)_Nr. 125._ 3ol). ®. ßfldicr's Ülöbel ■ itnbliflement empfiehlt zjr Wahl von sein reich soriirtes Laier von Mitteln, Salon-Garnituren, Ottomans, Divans, Balza'is, Unlieberen, elast. 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