____ «•""•»■ - »"l-l-..- ».... ...........- ";,x^ - •>-»•*•- •»—•«■ Sr. 24. Gilli, Tmincrstnfl bcn 24. Mär; 1887. XII IahlAa»,,. Sand in die Ängen. Wien, I». März. Was doch die Clericalen schon zusammen-mammert haben über die Verlogenheit der >wn liberalen Presse, die ihnen so nnsanft aus die Hühnerauge» tritt, und die es in ihrem bö-m Willen von Zeit zu Zeit ivagt, den Schleier swi den. Treiben der schwarzen Herren hinweg-oueben. den Schleier der Dunkelheit, der ihnen doch so angenchm ist und den sie so sehr lieben, da sie so gerne in. Dunkeln muukeln. Es ist ewigen Gezeter über die liberale Presse Mwber schon oft das alte Sprichwort „Jeder Ihre vor seiner Thüre," angezogen worden, aber »guten Pfäsfelein nnd Pfaffenfreunde haben to! -taubaufwirbeln im eigenen Hause nicht grau;, denn da könnte so manches ans Licht ge-werden, was besser unter Staub und ^oder verborgen bleibt. Und so müssen denn die ^Liberalen dieses unangenehme Geschäft immer liitder doch besorgen. Sine Zuschrift des elericalen..Grazer Volks-jHair' aus Mähren ist heute die Ursache, die » den Besen in die Hand zu nehmen zwingt, der mährischen Stadt Freiberg nähmlich lie feil fahren der Eapiau P. Stojan. einMit-d der weitverbreiteten Gilde der tschechischen ^qcapläne. und das „Grazer Volksblatt", dieses Int Blatt der deutschen Elericalen, feiert nun i> Mann in zwei langen Spalten als einen den fürchterlichen Freimaurern nnd autikirch-i Liberalen hart und ungerecht verfolgten «niter für die „katholische Bewegung." i Sand in die Augen! ist der Wahlspruch frommen Blätter in, Süden Oesterreichs, in die Augen den deutschen Alpenbewoh-tt», damit sie ja nicht aufgeklärt werden über k Bedeutung des schweren Kampfes, den die Machen in den nördlichen Provinzen um ihre Nationalität zu führen gezwungen sind! Spätlieör. Von Christine del Negro. Ter Schloßherr trat in fein Zimmer und «M die Thüre hinter sich zu. Da er die Ge-Weit hatte, sich ohne Beistand auszukleiden, is tt seinen Kammerdiener nicht herbei. Was ks ^riedburg allabendlich brauchte, stand be-I«. Zlie purpurnen Broeatvorhänge des Him-pdbrtte« waren geöffnet, die an den beiden vstern zugezogen; auf dem von Lehnstühlen Ebenen Tisch in der Mitte des Zimmer« »Mtn die Kerzen der zwölsarmigen Silber-«hu? und zwischen diesen standen auf kost->»«1 Präsmtirteller glitzernde Gläser und eine wird,!, bestaubte Flasche. Me erleichtert ausathniend wars sich der «i in einen der Lehnstühle am Tisch und ließ » Avflen lang umherschweifen. Da fuhr er sdch auf. Es war ihm, als hätte sich einer K Fwstervorhänge bewegt. Erst wollte er sich tmraisern, daß Niemand in der Fensternische «. aber dann zuckte er gleichgiltig die Achsel ■I 'tml mit einer mehr müden als trägen Be-in seinen weichen Stuhl zurück. F'?°m rechten Schloßflügel, in welchem die chastsräume lagen, drangen die Töne hei-tanzweisen gedämpft, aber doch deutlich «bar zu dem Einsamen herüber: denn Mit kühnem Taschenspielergriff verwandelt I'ch da unter der Hand des Organes des Für-sten Lichtenstein der wüthende Tscheche, der das Ansehen, das ihm das Priesterkleid verschafft, mißbraucht, um nationalen Umtriebe» zu sröhneu. in einen duldenden echten Katholiken, den alles Deutsche auf das tiefste hassenden Panslavisten in einen Anhänger der katholischen Sache. Welches war denn die Thätigkeit des P. Stojan ? Erstens brachte er es durch allerlei Machenschaften dazu, im Jahre l 882 die deutsche «tadwertretung von Freiberg zu stürzen und eine tschechische (das VolkSblatt lügt freilich „katho-lische") an die Stelle zu setzen. Zweitens wollte er nach dem Volksblatt in das Freiberger Gym-nasium katholisch christliche Grundsätze einführen. Diese christlichen Grundsätze bestehen darin, daß P. Stojan einfach eine Agitation zur Errichtung tschechischer Paralellclaffen in Scene setzte. Drit-tens war P. Stojan der Anreger der großen Wallfahrt zum Grabe der Slaveuapostel Gijrill und Methud. Also endlich doch eine wahrhast katholische That! wird mancher ausrufen. Ja wer nicht wüßte, daß diese ganze Willfahrt eine rein panslavistische Spitze hatte! Die guten Pilger aus der Slovakai, Böhmen, Polen und Rußland haben sich verteufelt wenig um die tausendjährigen Gebeine der beiden Apostelbrüder bekümmert: desto mehr aber wurde von der Zu-sammengehörigkeit aller Slaven, vom väterlichen Ezar und panslavistischem Zeug gefabelt. Das also sind die „katholischen Thaten" Sr. Hochwürden! Nationale Hetzereien, Ilnfrie-den stiften. Verwirrung in eine vordem sried-liche Bevölkerung tragen — das nennt ein Or-gan der „deutschen Eonservativen" Pflege katholischer Gesinnung und kirchlicher Grund-sätze. Wenn die Herren Führer der katholischen Bewegung in den Alpenländern sich schon nicht schämen, ihr VolkSthum im Tage 77 Male zu verleugnen, können sie es aber vor Gott und das herbstliche Jagdfest, das heute auf der Friedburg gegeben wurde, hatte erst seinen Höhe-punkt erreicht. Die Abwesenheit deS Hausherrn störte die Gäste in ihrer Freude durchaus nicht. Man kannte ja seine einsiedlerischen Neigungen zur Genüge und wußte, daß ihm jede Geselligkeit ein Greuel war: man begriff, daß ein Mann, wie er. der sein Leben lang für nichts Anderes Sinn und Leidenschaft gezeigt, als für seine ge-lehrten griechischen Forschungen, kein besonderes Vergnügen an den Bällen. Soireen und Jagd-festen finden könne, die seit einigen Wochen auf der Friedburg stattfanden und nicht durch den Schloßherrn, sondern durch seine verwitwete Cousine veranlaßt worden waren. Baronin Seltenwart hegte nämlich die Be-sorgniß, ihre Tochter werde ohne Sang und Klang verblühen, wenn sie noch lange die Ein-samkeit ihres Vormundes theilte, und sie hatte darum den Grasen gebeten, seine Mündel in die Welt einzuführen. Baronesse Sidonie den Winter in der nicht allzufernen Hauptstadt zubringen zu lassen, dagegen wehrte sich der Vormund mit felsenfester Entschiedenheit, ohne einen plausiblen Grund für seine Weigerung anzugeben. Dafür erklärte er aber, daß eS seiner Mündel zur Jagdsaison an geselligen Vergnügungen nicht fehlen solle. ihrem Volke verantworten, daß sie auch im Volke durch ewiges Sand in die Augen streuen jedes Verständniß für die harte nationale Lage der deutschen Brüder in den gemischten Ländern unterdrücken? Die Herren berufen sich so gerne auf die heilige Schrift! Ist ihnen das Gebot: „Du sollst nie die Unwahrheit reden," unbekannt? oder kümmern sie sich weniger um die Gebote Gottes als um die der Kirche, u. zw. der Kirche, die sie sich zurechtschneiden und zurechtlegen, wie es den jeweiligen Parteiverhältnissen gerade paßt ? Endlich wird doch ein Tag kommen, wo I'ch das sanftmüthige Volk den Sand aus den Augen reibt nnd selbst zu kehren ansängt. Dann dürste manch' sauberer Herr, manch' verlogenes „christliches" Volksblatt hinweggefegt werden. Eorrespondmzen. Wien, 21. März. |J tt der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses brachten der Abg. Bendel und Genossen in Angelegenheit der von dem „Deutschen Turn-verein" zu Prag beabsichtigten Feier seines 25-jährigen Bestandes folge,ü>e I n t e r p e l -l a t i o n ein? „Der Deutsche Turnverein in Prag beabsichtigte eine öffentliche Feier keines 25 jährige« Be-standcs. Die k. k. Polizeidirection in Prag nahn« die gerichtliche Beschlagnahme zweier hierauf bezüg-licher Circuläre, welche aber nicht einmal von dem genannten Verein selbst herrührende Verlautbarungen waren, zum ungerechtfertigten Anlaß, alle geplanten Festlichkeiten zu verbieten, «in RecurS an die k. t. böhmische Statthalterei blieb erfolglos. Das k. t. Ministerium des Innern hob auf Einschreiten deS Turnvereins zwar das allgemeine Verbot des ganzen Feste« auf. untersagte jedoch gleichfalls den beabsichtigten Festzug au» Rücksichten der öffentlichen Sicherheit und des öffentlichen Wohles. Die Baronin fügte sich ohne Widerstand dem Willen ihres Vetters, einesteils, weil sie kein eigenes Vermögen besaß, da ihr Mann so-wohl das seine wie das ihre vergeudet hatte, theils weil sie die Ueberzeugung hegte, daß unter den reichen Gutsbesitzern der Umgebung der eiue oder der andere ihre schöne Tochter zur Frau begehren werde, sobald ihnen die Ge-legenheit geboten würde, sich dem liebenSwür-digen Mädchen zu nähern. DaS war bis vor Kurzem nie^ geschehen, denn die beiden Damen hatten seit Sidonieus Kindheit, seit sie überhaupt auf der Friedburg weilten, gleich dem Schloß-Herrn das Leben von Einsiedlern geführt. Sidonie hatte in der That schon nach dem ersten Feste, das aus der Friedburg gegeben wurde, eine ernste Eroberung zu verzeichnen, um die sie alle jungen Damen im Umkreise beneide-ten. Freiherr von Wartenheim war ein hübscher Eavallerie-Lieutenant, der gerade zum Besuche seiner Eltern aus einem benachbarten Gute weilte, sonst aber in Berlin bei seinem Regiment« ein seinem Reichthum entsprechendes glänzendes Leben führte. Der junge Mann hatte sich offenbar in die schöne Baronesse ernstlich verliebt und dieser schienen seine Huldigungen nicht unangenehm zu sein, wenigstens hörte sie mit sichtlichem Interesse die Schilderungen, die er ihr von seiner Reise nach Griechenland entwarf. DaS war auch Da nun bis in dir ntueste Zeit wiederholt öffentliche Auszüge deutsch«? Vereine in Prag mit behördlich«? Bewilligung und ohne Störung d«r öffentlichen Rübe und Sicherheit stattfanden, so zum BeÜpiel im Zahre 1 Si» I anläßlich d«r Fahnenweihe d«H Deutschen Turnverein«, im September 18.9 bei dem Deutsch-böhmischen Sangerfesie. am 9. Oct. 1881 bei Kelegtnbeit der fiinwribung der Deutschen Turnhalle, endlich selbst noch im Februar 1885 anläßlich der Fahnenweihe des Academisch«» Besang-meines, „Liedertafel deutscher Studenten," bei welchem Festzuge allerdings fonderbareriveise allen geladenen Vereinen das Mitfuhren der Vereins- sahnen untersagt war. Da ferner Festlichkeiten tschechischer Vereine in Prag niemals auf ähnliche Weise behördlich ein-geschränk, worden sind, wie auch auS der von tschechische Sei!« erlassenen Ankündigung zu entnehmen ist, daß auf die Gestaltung deS großen Sokolfeste», da» in einigen Monaten in Prag mit öffentlichen Aufzügen stallfinden soll, von Eingeweihten mit Zu- verficht gerechnet wirt>: Muß das bezogene Verbot im Zutammen-halte mit den Schwierigkeiten, welche seinerzeit dem Deutschen Handwerkerverein anläßlich einer «aiser Josef-Feier innerhalb seiner VcreinSloealitätcn von den Behörden bereitet wurden, während zu gleicher Zeit einem tschechischen Vereine ein- Zizka-Feier in einem öffentlich«,, Garten gestattel wurde, in der deutschen Bevölkerung daS bittere Gesühl wachrufen, daß die k. k. Regierung und die ihr unterstehenden Behörden die Staatsbürger d«utfch«r Nationalität nicht in gleicher Weise in ihren Rechten schützen, wie diejenigen tschechischer Nationalität. Die Unterzeichneten stellen daher an Se. Ex-cellenz den Herrn Minister-Präsidenten die Anfrage: 1. Hält die k. k. Regierung die derzeitigen Verhältnisse in Böhmen und speciell in der Haupt-stadt dieses Lande» für viel bedenklicher in Betreff der öffentlichen Sicherheit der Teutschen als in den früheren Jahren, in welchen kein Verbot eines Fest-zuges deutscher Vereine in Prag für nöthig bernnden worden ist? 2. Ist die Regierung gewillt, den Deutschen den gleichen Rechtsschutz zu gewähren, wie er den Tschechen jederzeit gewährt worden ist, und wie kann sie dann eine solche polizeiliche Maßregel, wie daS Verbot des FestzugeS bei der JubiläumSs-ier des Teutschen Turnverein» in Prag rechtfertigen ?" * 5 Marburg, 21. März. (Orig.-Ber.) >A u S der M a g d a l e n a - V o r st a d t.) Wenn schon wiederholt die Frage der Errichtung einer Apotheke in der Magdaleua Vorstadt die «aß-gebenden Kreise der Bürgerschaft Marburgs be schästigt hat. so ist unseres Wissen« eine damit in, Zusammenhange stehende, ungleich wichtigere Angelegenheit sonderbarerweise doch noch nicht erörtert worden. Die Magdaleua-Vorstadt am „Deutsche Wacht" rechten Tran-Ufer zählt mehrere tausend^ Einwohner und hat infolge der zu diesem Stadt-theil gehörige» Colonie der Südbahnarbeiler eme sehr beträchtliche Ausdehnung. Trotzdem hctt sich hier, wo es so ein weites Feld der Thä» tigkeit gäbe, noch kein Arzt niedergelassen, denn sämmtliche, sehr Nichtige und ausopienrngs-volle Aerzte wohnen in der innere» Stadt. Es ist allerdings richtig, daß der Bahuarzt für die Werkstätteuarbeiter täglich ordinin, aber dies ge schieht eben nur siir diese und aus bestimmte kurze Zeit. Das gleiche ist bezüglich der Aerzte des in unserer Vorstadt gelegenen allgemeinen Krankenhauses der Fall, welche ihre ohnedies geniig in Anspruch genommene Thätigkeit natürlich nur ans dieses erstrecken können. Es macht sich deshalb in unserer Vorstadt schon seit langem der sehr empfindliche Maugel eines Arztes be-merkbar, u. zw. umsomehr, als man eines wl chen sehr oft mitten in der Stadt bedarf, wo man genöthigt ist, den weiten Weg in die innere Stadt zu machen, um den Arzt zu ruse». Für die Aerzte selbst aber, obgleich sie jederzeit be-reitwillig Hilfe leisten, kann es gerade nicht an-genehm sein, in der Nacht nnd gar bei schlechtem Wetter den nichts weniger als einladenden Weg von der Stadt bis in die Siidbahn-Eoloiue zurückzulegen. Schon aus diese,« Grunde wäre es sowohl im Interesse der Aerzte als der Be-wohner gelegn,, wenn der eine oder der andere der Herren Aerzte in der Magdalena-vorstadt seine Wohnung aufschlagen würde. Dazu aber kommt noch, was gewiß jeder Bürger wird zugeben müssen, daß das Wohne» in unserer Vorstadt nicht unangenehmer ist, als jenseits der Drau. Es geht dies schon daraus hervor, da,; sich hier mehrere der vornehmsten Familien Marburgs niedergelassen haben. Auch sind wir in hygienischer Beziehung geradezu bevorzugt. Wir haben eine frische, reine Lust, gesundes Trinkwasser und eine ziemlich gute Canalisirung, welche demnächst infolge der Willenskraft und aufopfernden Thätigkeit des geehrten Herrn Bür -germeisters und des Genteinderathes in größerem Maßstabe durchgeführt werde» wird. Bei den, außergewöhnlichen Aufschwünge, den Marburg in den letzten Jahren in vieler Beziehung ge-uommen, ist die Magdalenavorftadt keineswegs zurückgeblieben, nnd so hat das gegen unseren Stadtbezirk lauste bestände«? Vorurtheil einer nnparteiischen Beurtheilung desselben weichen müssen. Wir haben immer dieselbe Reg-samkeit des öffentlichen Lebens wie in den übrigen Bezirken der Stadt. Bei der be-kannten Ilneigennützigkeit und Bereitwilligkeit, mit der unser geehrter Herr Bürgermeister den Wuu schen der Stadtbewohner entgegenkommt, zweifeln wir nicht, daß es auch diesmal seinem Einflüsse gelingen wird, in einer dringenden Angelegen das Einzige, was sie aus de»u apathisch«» Zustande zu reißen vermocht«, den, sie seit einigen Wochen verfallen war. Dieser «heilnahmslose Zustand, diese traumhafte Gleichgiltigkeit gegen die Außenwelt konnte der Baronin Seltenwart umsoweniger entgehen, als der Onkel ihn mit der Nichte theilte. Sie beobachtete den Grafen, um zu entdecken, ob es wirklich das gesellige Lebe« sei, was seinen selt--sanien Gemüthszustand verursachte, und nach ein paar Tagen hatte sie ihre eigenen Gedanken darüber. Da sagte sie wiederholt zu ihm: „Such' Dir eine Frau, lieber Friedrich: eS stattet,, doch jetzt so viele hübsche junge Mädchen in Deinen, Schlosse ein und aus. Ich »iöchte Dir die Augen öffnen. Jeden, Bücherwurm kommt die Stunde, da er einsieht, daß ihn, sein gelehrter Plunder nicht einen Augenblick des Glückes verschafft hat . . . Die Stunde hat Dir geschlagen. Friedrich. Du bist verstimmt, menschenscheu, weil Dir das Glück fehlt. Friedrich, glaube mir, Tu brauchst ein Weib." „Wenn Du unter einem Weibe Liebe ver-stehst, die echte, reine, einzig beglückende, so stimme ich Dir bei: aber wer sollte mir altem Grankops eine solche entgegenbringen ?" „Freilich", pflegte die Baronin zu erwidern. „Du bist schon siebennndvierzig. Und so spätes Liebesglück fallt den Frauen n i e, den Männern nur selten zu. Aber Du könntest den Versuch immerhin wagen. Bist ja ein hochinteressanter Mensch. Wenn ich noch jung wäre, wer wem. was da nicht Alles geschehen könnte." Daraus lachte sie. Die Baronin zählte schon fünfzig Jahre und durste sich solchen Scherz er-lauben. Der Graf stimmte in ihr Lachen e,n. aber ihre Worte hatten ihn nicht uuteruehmuugs-lustig gemacht. Er war nach wie vor verstimmt, ungesellig, gedankenvoll, ja, in den letzten drei Tagen zog er sich noch öster als sonst in die Einsamkeit seines Zimmers zurück. Aber nicht, um über gelehrte Probleme uachzusiuue». sou-der» um zu grübeln, zu träumen — über eme Begegnung, die er mit Sidonie im Walde gehabt. Immer wieder stand die Scene vor seinen, inneren Auge, noch immer klangen die Worte, die sie gesprochen, in seinen, Ohre. Sie lehnte im entlaubten Walde an den, Stamme einer hundertjährigen Eiche, die großen blauen Augen unverwandt auf ihn gerichtet, der mit fest verschränkten Armen und gesenktem Blicke neben ihr stand. Er war ihr aus Eifer-sucht gefolgt, weil si« sich vou der übrigen Jagd-gesellschast getrennt hatte. Zwar war er zn der Ueberzeugung gekommen, daß Sidonie den stillen Waldwinkel ausgesucht hatte, um allein zu trau-men. nicht, wie sein argwöhnischer Sinn ver-muthct hatte, um mit Wartenheim «ngestört zu sprechen, aber trotzdem stand er in finsterem, wortlosem Groll an ihrer Seite. Was hätte er heit die geeignetsten Maßregeln zur Zufneven-stellung eines großen Bruchtheiles der Bewohner schaft Marburgs zu treffe». Habe» wir aber einmal in der Magdalenavorftadt eine» Arzt.p wird gewiß auch die schon öfter angeregte ^ruftt der Erichtung einer eigenen Apotheke in cm günstigeres Stadium treten. ^ & Slcinblülk. 21. März. (Crg. Ber.j [I it Gemeindewahlen in Laa k.j Wie die „Dentsche Wacht" schon in Kürze berichtete. I«t die „Südsteirische Post" einen welterschünernden Bericht über den riesigen Sieg der national-clericalen Partei bei den Ausschußwahlen in der Gemeinde Laak gebracht. Rnn. nach dem ff wöhnlichen Menschenverstände gehört zu ein« Siege vor allem ein Gegner. Da »ch jedoch die deutsch-sortschrittliche Partei im dritten nnd im zweiten Wahlkörper an der Wahl gar nicht !>«-theiligte, im ersten Wahlkörper aber ihre ßo» didaten durchdrängen, so kann von einem _S;cflt wohl kaum die Rede sein. Für die Clerical» ist der Ausgang der Wahl insoweit günstig, als dieselben zwei Psarrer und einen Organisten alw Ausschußmünuer durchbrachten. Aber auch diese» Resultat wäre nicht erreicht worden, wenn D* Geistlichkeit und ihre Verbündete« nicht mit all.« Hochdrucke und mit alle,, erlaubten und «« erlaubten Mitteln die Agitation geleitet halt«. An der Spitze dieser gehässigen Agitation stand,, wie immer, so auch diesmal, der Obmann Filiale des Eyrill- und MechudveteineS. Pfarrer von Scheuern. Dieser Herr, der soi« gegen Wind und Wetter sehr empfindlich zu M scheint, scheute diesmal nicht den weiten, dt-schwerlichen, infolge des Schneegestöbers nabefl ungangbaren Weg nach Laak, wo er im dwrcni Wahllocale den ganzen Tag seine mit Mix zusammengetriebenen Schafe mit einer bcias«» deruugswürdigen Geduld und Ausdauer udw wachte. Auffallend muß es erscheinen, daß cot Pfarrer, dem allein die Obsorge für feine P-aw gemeinde anvertrant ist, sich so lange und so «a von seinem Posten eutferuen darf. Wahrlich dieser pflichttreue Agitator hat seine 26 Stimm«, mit welchen er als Vorbeterjin die GemchM gewählt wurde, bitter verdient! Wir göm« es ihni auch vom ganze» Herzen. Bewuiilat haben wir auch deu «aplan von Laak, rodta mit Brutalität den Bauern die Zettel, auf chen sie die Mäuuer ihrer Wahl — naiuM leine Geistlichen — verzeichnet hatten, au» d» Händen riß und ihueu mit gebieterischen, 2m jene des clericalen Wahlcomites aufdrang«. Wir dürt'en auch des Trinen im heiligen Äi» nicht vergessen, denn sonst würde er sich Muck-gesetzt fühle» nnd diese» Bericht als der L-dp heit nicht entsprechend bezeichnen. Dieser famo? Biedermann, welcher mit Vorliebe die Piarrd« ihr auch sageu sollen ? Daß er iu dcn_ Wochen die Entdeckung gemacht, er liebe pe ganzem Herzen, habe eigentlich nie eme l'lit geliebt als sie? Daß er der gelehrten gen überdrüisig sei? Daß er sich in M Schlosse keine andere Hausfrau rourtftb«. . seine liebe, sauste Sidonie. an der er im Ü« von zehn Iahren keine» einzigen unschöne, ■ rendcn Zug bemerkt hatte 'i Würde Sidome, sagen: Du kommst mit Deiner Liede Vor einen» Monate, ehe ich die Welt fa wer weiß, was ich da gesagt hätt«, aber M« jetzt weiß ich. daß die Jugend zur Jugend r hört, daß ich nicht die Lebensgefährtin am > grauten Gelehrten werden kann . . . Das befürchtete Graf Friedderg i« und darum stand er schweigend und neben feiner goldhaarigen Richte. Sie war es, die zuerst das Stiöfd brach. ..Onkel", sagte sie mit ihrer winnt.| Herzen gehenden Stimme, „Du stehn w p neben mir. als hätte ich Dir Böses anq« Du übernimmst die Rolle, die eigentlich gebührt, deuu Leid hast nun Du mir zur Er verstand sie nicht und hob den fragend zu ihr. Rasches Errath«,, und Ber war nie sein« cache gewesen. Bei ' Alles langsam durch, sowohl in da» v< in den Kops. 188< aussucht, weil dort noch die egyptischen Fleisch-töpfc vorhanden sein sollen, und welcher sich sltic»! bei der Gründung des Cyrill- und Me-tblidoereine» so großartige Verdienste erworben habe» soll, das; er demnächst selig gesprochen «erden dürfte, ist der hiesige Postassistent Sewer. Tic Fama spricht von diesem Herren, das; er vcqen seiner politisch-nationalen Umtriebe von Lilli hierher verseht worden sei. Aber die Katze lagt das Mausen nicht und deshalb wird die Postdirection sür ihn wohl ein anderes Ab-hchlmigsplätzche» zu bestimmen die Güte haben, denn hierher paßt er nicht, da er nur Unfrieden Met. Schließlich müssen wir noch das Gerech tigkeitsgesühl der Wahlcommission etwas naher beleuchten. Diese ließ sich derartige Uncorrcctheiten m Schulden kommen, daß der Regierungscom^ mistär wiederholt Einsprache erheben mußte. So liest sie einen erst 17 jährigen Besitzer zur Wahl : in einem anderen Falle durste der söhn ! feinen Bater vertret»» u. s. w. Was auch kümmern die Clericalen Gesetz und Recht, wenn sie nur ihr Ziel erreichen! — Am 24. d. M. [ ßiidei die Wahl des Gemeindevorstehers nnd der Eemeinderäthe statt, lieber das Resultat der- seiden werden wir nächstens berichten. * - ' Et. Lorenzen an der Kärntnerbahn. am 22. Februar.*) (O.-B.) sE i n e w i n d i f ch e LesevereinS - Unterhaltung mit st e n d a r m e r i e a f s i st e n z.] Der Scandal, «elcher sich im vorigen Jahre im hiesigen win-difchcn Lefevereine abspielte und auch zur gerichtlichen Abstrafnng mehrerer Bereinsniitglieder fvhne. ist wohl noch in Aller Erinnerung. Um bei der hierdurch verursachten allgemeinen Volks-ausregung allen unangenehnirn Eventualitäten vorzubeugen, wurde von der hiesigen, nur um die Ruhe des Marktes besorgten Gemeindevertretung beschlossen. den, genannten Vereine Msiklicenzen über die Sperrstnnde ein- sür alle-«al zu verweigern. Demgemäß wurden auch w\ bezügliche Gesuche der windischen Vereins-rorstehung abgewiesen, wogegen sich letztere be-schwerte. Trotzdem min die Bezirkshauptmannschaft Marburg der hiesigen Gemeinde erst vor «in paar Wochen die Weisung ertheilte, Musik-licenzen, besonder» dann, wenn Raufhändel zu ' befürchten seien, zu verweigern, entschied sie so-eben wieder zu Gunsten des windischen Ver-eines, wogegen sich die Gemeinde ihres RecnrS-rechtes an die Statthalterei bediente. Obzwar dieser Recnrs noch gar nicht erledigt ist, wurde die Gemeindevorstehung mit dem bezirkshaupt-«annschastlichen Auftrage überrascht, dem ge-«mmen Vereine am 20. d. Ml«, die Abhaltung * Aus der cenfiscirten Nummer vom 24. Februar HttriL____ „Ja wohl, Tu hast mir großes Leid zuge-hie|i", wiederholte das schöne Biädchen. „Ich glaubte, ich hoffte, daß wir uns nie trennen mird^ll, daß Alles allezeit bleiben werde, wie es «ner gewesen." Die Augen des Grasen leuchteten sreudig wi. Indeß verlor er über der beglückenden Hoff-»mg, die in ihm aufgeblitzt war. uicht die Herr-schan über sich. ..So wie es war, konnte es nicht imier bleiben", sagte er mit mildem Ernst. ,v)n »m'ercm Schicksal mußte eine Wandlung vsr sich gehen, darin hatte Deine Mutter wohl recht. . „C, ich weiß, ich weiß, daß Ihr einer Atmung seid, daß Ihr einen Wunsch hegt!" rief sie mit Bitterkeit. „Spare Dir die Mühe, wir zuzureden, ich habe mich Eurem Willen jchon gesügt und werde gehorsamst Baronin kartenheim." .Dein Gehorsani ist bewunderungswürdig", stte er mit kalter Ironie. „Die Sehnsucht, inunn aus der Friedliurg zu bleiben, mag sehr heftig gewesen sein, da Du ihr in wenigen Zogen entsagst." „Heftiger, als Du meinst", sagte Sidonie mithast. „Meine liebste, meine einzige Hoffnung m durch Deine Schuld gescheitert." Er zuckle ungeduldig mit der Achsel. „Heftiger wie Du vermuthest". wiederholte w. »Und dennoch grolle ich Dir nicht. Sieh', Dentsche Wacht" einer „Musikunterhaltnng" unbedingt zu ge-statten. Zufolge dieses Auftrages ward der Ge-meindevorsteher auch persönlich dafür ver ant wörtlich gemacht, daß die bewußte Unterhaltung nicht gestört werde und auch bemerkt, daß der' Gendarmerie besondere Weisungen zugegangen seien. Sonntag Nachts sand nun die besagte Iln terhaltung in der Thal im hiesigen Pernat'schen Gasthause statt, und da die Gemeinde für diesen Tag ihrem Wirkungskreise gemäß eine Mnsik-licenz über die Sperrstunde nicht ertheilt hatte, so schickte selbe nach Verlaus der letzteren den Gemeindediener mit dem Auftrage in das be-sagte Gasthaus, nach der Licenz zu fragen, und eventuell die Anzeige zu erstatten. Vor deni Gasthause wäre» jedoch Gendarmen postirt, die dem gemeiiidebehördlichen Organe mit den« Be merken den Eintritt verweigerten, daß sie die Weisung hätten, von der Gemeindevertretttng Niemanden einzulassen. Dabei hatte es denn anch thatsächlich sein Bewenden. Indem wir diese Vorsälle, die noch an geeigneter Stelle bespro chen werden dürften, ohne weiteren Eomentar mittheilen, erwähnen wir noch, daß in Folge derselben der hiesige, in den weitesten Kreisen beliebte nnd geachtete Gemeindevorsteher, Herr Fasching, seine Stelle niedergelegt hat. Osfen-bar erschien ihm die Znmuthung doch gar zu stark, das; er sür Borgänge in einem Gasthause, da» er und seine Organe gar nicht betreten dürfen, verantwortlich sein sollte! Deutscher Schnsvereiu. jDeut scher Schul verein.] Wien. 17. März. In der am 15. März d. I. abge-haltenen Ansschnßsitzung wurde» die Berichte über die von der Frauenortsgruppe Wien. 6. Be-zirk, dem Vereine „Volksschule", der Mädchen-onsgrnppe Krems, dem Comite des Universität?-Kränzchens, der Frauen und Mädchenortsgruppe Bielitz-Biala sStenenheim - Vorlesung und Er-trägniß ftir Wandkalender), von der Ortsgruppe Mautern (Steierm.). vom dentschen Vereine in Klagenfurt (Scheer- und Weber-Feier), von der Ortsgruppe Kladrau, von beiden Ortsgruppen in Gablonz, der Ortsgruppe Mönchsdorf veran-stalteten Feste und eingelaufenen Spenden zur Kenntniß genommen und den Veranstaltern der Dank votirt. Der unerwartet plötzlich eingetretene Tod zweier trefflicher Mitglieder des Vereines, des Herrn Anton Ziegler in Haselbach und Dr. von Wiener in Prag, wird mit tiefem Bedauern zur Kenntniß genommen und wurden Beileid-schreiben an die Hinterbliebenen beschlossen. Das Ergebniß eines VortrageS in Brunn wird einer Tiroler Schule gewidmet und eine nachträglich eingelaufene Weihnachtsspende einer Schule in Mähren zugewendet. Für l^rrichruug eines Kin- ich reiche Dir liebevoll die Hand. Ach! daß wir nicht scheiden müßten!" Sie hatte bei diesen Worten ihre Handschuhe abgestreift und ihm ihre schmale, zart? Hand hingestreckt, an der ein goldenes Ringlein blitzte, das in Färbung. Form nnd Verzierung ein tausendjähriges Alter verrieth. Er schüttelte trotzig den Kopf, verschränkte die Arme und erklärte, daß er die Hand, die diesen altgriechischen Ring trage, nicht berühren werde. „War es Unrecht von mir, den Ring von Wartenheim anzunehmen ?" fragte sie, sichtlich erschrocken über seinen Uumnth. ..Er gab ihn mir als Andenke» an seine Reise, die mich so lebhaft interessirt, weil so Vieles von dem. was er in Griechenland sah, mit Deinen Forschiingen zusammenhängt." Wieder zuckte er ärgerlich die Schulter. „Sei nicht böse," bat sie in weichem Tone. „Sieh', ich streife den Ring ab — gebe ihn dem Freiherrn zurück ..." „Um ihn schleunigst gegen einen Bertobnngs ring auszutauschen. Was?" fragte er rauh. „Gieb mir den Ring! Aber vorher mußt Du wissen, was er mir bedeutet. Sobald Du ihn in meine Hände legst, sprengst Du die Fesseln, die Dich etwa an Wartenheim schon ketten, bist Tu mein eigen fürs Leben. Was stehst Tu sprachlos da ?.' So hab doch wenigstens den Muth, mir die 3 dergartens im nordöstlichen Böhmen wurde der präliminirte Beitrag bewilligt und für Tirol eine größere Anzahl von Exemplaren des „Tiroler Schulfreund" abonnin. Einem Lehrer iit Tirol wurde eine Ehrengabe und einem Lehrer in S t e i e r m a r k eine Remuneration zugewendet, weiter» sür eine Schule in Steiermark der erforderliche Betrag zur Anschaffung von Schul-inocntar bewilligt. Schließlich gelangen mehrere Personalangelegenheiten zur Berathung und Er-lediguug. Kleine Ekronik. j D i e Ausstellung für kirchliche K u li ft] ist am 19. d. in Wien im Museum an, Studenring durch den Minister Dr. von Gautsch eröffnet worden. Die zur Ausstellung angemeldeten zahlreichen Kunstobjecte sind mit Ausnahme einer kleinen Collectiv«, die von dem Erzbischos von Zara eingesandt werden sollte, aber durch Bora und Schneeverwehungen unter-wegs ausgehalten wurde, eingetroffen, so daß die Ausstellung bis aus diesen Rest als emnplet gelten kann. [D a S Mannlicher - Gewehrj ist auch von der rumänischen Heeresleitung zur Einführung in der Armee ins Auge gefaßt und deshalb von einer Fachcommission geprüft worden. Wie nun aus Bukarest gemeldet wird, hat sich diese Commission gegen das Mannlicher-Gewehr ausgesprochen. Das macht einigermaßen stutzig nnd man dars begierig sein, welche Mängel die Rumänen an der Waffe gefunden haben, die von dem österreichische» Kriegsminister so sehr gerühmt wurde. >O p a n k e n für unser Militär.] Opanken sind bekanntlich ein aus gegerbten Pferdehäuten hergestelltes Schuhwerk primitivster Art, welches statt des Oberleders nur Riemen hat, und daS in vielen Gegenden Ungarns, in der Militärgrenze, insbesondere aber in Bosnien die ausschließliche Fußbekleidung der dorttgen Bevölkerung bildet. Diese Opanken, welche in Form und Aussehen an die Fußbekleidung der ältesten Zeit gemahnen, haben Vorzüge manig-sacher Art, und die österreichische Heeresleitung, welche ych seit Jahren mit der Frage über die zweckmässigste Fußbekleidnng bei den Jäger- und Jnsanterietruppen beschäftigt, hat nunmehr auch die Opanken in Combination gezogen, und es scheint, als sollte durch dieselbe die vielfach veit-tilirte Fußbekleidungssrage zur glücklichen Lösung gelangen. Wie man mittheilt, sollen schon gelegentlich der nächsten llebuugsperiode und nach vorhergegangenen vielfachen befriedigenden Versuchen die Vortheile der Opanken in Bezug aus die Marschsähigkeit der Fußtruppen in grö-Hereilt Maßstabe demonstriert und der Ausrü- Wahrheit zu sagen - daß es zu spät ist, daß Du den Anderen schon liebst." „Aber »ein!" »Aber ja," sage ich. sonst läge der Ring schon längst in meiner Hand, sonst wärest Du mir schon längst um den Hals gefallen!" Damit war der alte Brausekopf fortgefttirmt. ohne auf den bittenden Ruf zu achten, den ihm Sidonie nachgesandt hatte. TaS war die Scene, über welche der Graf zu grübeln nnd zu träumen nicht aufhörte. Er war schon wieder eine ganze Weile in seine Gedanken versunken gewesen, als er plötzlich auft'prang. wie um sich von ihrem Banne zu befreien. Da siel sein Blick wieder auf den rechten Fenstervorhang und wieder stutzte er. Diesmal war er überzeugt, daß er sich nicht getäuscht hatte. Der steife Brokat hane sich ganz entschie-den bewegt, bewegte sich noch. ja. an einer Stelle schien er von einer Hand krampfhaft zu-sammengehalten zu werden. Wer wohl in der Fensterbrüstung verbor-gen sein mochte! Der Graf schenkte sich ein Glas Wein ein. trank es aus während er den purpurnen Vorhang fest iin Auge behielt und sich in allerlei Vermuthungen erging. Eine Frau ist es gewiß nicht, dachte der Schloßherr, der zu bescheiden war. »m diesen Verdacht in sich aufkommen zu lassen. Also ein Mann mußte es sein. Etwa gar ein Freiherr von Wartenheim, 4 ..Deutsche Zllacht" 1887 fturtst der Infanterie- und Iägertruppen cinver--leibt werde». [DaS Scepter Karl des Großen.] Aus Paris wird den „R. 9t." geschrieben: Die „Union c«'iilial5 datiren und seit 18t<4 unterbrochen worden waren, wieder aufgenommen. Im Monat August dS. I«. wird fit im Jndustrie-Palaste eine allgemeine recapituli-rende Ausstellung der früheren kunstgewerblichen Ausstellungen veranstalten. Die Vorträgt, welche in diesem und in dem kommenden Monat, aus der Place des VoSgeS •'!, wieder ausgenommen werden, können als Vorbereitung für b esc Ausstellung angesehen werden. Jüngst hielt Herr Germain Papst «inen solchen über die Geschichte der französischen Goldschmiedeknnst, der äußerst interessant war; vielleicht werden ihm aber seine Zuhörer darob gram sein, weil er ihnen eine der verbreitetsten Illusionen benahm. Bekanntlich figurirt in der Galerie d' Apvllon, ein unter dem Namen des Scepters Karls des Großen bekanntes und immer dafür bezeichnetes Scepter. Stach Herrn Papst wäre nun dieses Scepter nichts weiter, als ein sehr schöner Tactstock eines Kirchensängerö. Die Geschichte der Beibehaltung der Bezeichnung „Seepter Karls d«s Großen" an sich ist sehr merkwürdig. Bei seiner Krönung äußerte Napoleon I. den Wunsch, das Sceptrr des alten Kaisers deS Westens in seiner Hand zu haben. Für die Feier wechselte man den daS Scepter umgebenden rothen Sammt. Wie groß war das Erstaunen des Goldschmiedes, der damit betraut war, als er auf dem bloßgelegren Metall eingegraben folgende Worte entdeckte: „Dieser Stab gehört mir, X . . . Säuger in Notre - Dame — 1280 —". Er verständigte sofort Duroc, den Großmarschall deS kaiserlichen Hause«. — Man muß die Thatsache Seiner Majestät mittheilen, meinte der Goldschmied. — Hüten Sie sich davor, entgegnete Duroc. Umziehen Sie schleunigst des Stock mit Sammt und sprechen Sie kein Wort über das, ivaS Sie gesehen. ES ist absolut nothwendig, daß der Kaiser in der Ueberzeugung stirbt, das Scepter Karls des Großen gehalten zu baden. So kommt e», daß man noch immer das Karolingische Scepter hat. UebrigenS sind die vielen Degen und Kronen nicht mehr authentisch, wie dieser Tactstock. (D a 9 H e v j a m „r c dt 11 n" R l e rf.] In Aussig erkrankte ditstr Tage tin älterer Mann, eht-maliger Bediensteter bei der StaatSbahn. Die ärzt-liche Untersuchung trgab u. A., daß der Erkrankte das Herz auf der rechten Seite der Brusthöhle hatte. Vor Kurzem wurde bekanntlich ein ähnlicher Fall aus Berlin mitgetheilt. lDie Lesseps-Jnterviewsl werden von einem Berliener Witzblattc in sehr gelungener Weise parodirt. Unter Anderem läßt eS den großen Mann sagen: „Durchlaucht beliebte zu scherzen," vollzieht sich nach übereinstimmenden Berichten aus Wien, London, Paris und anderen Orten gegenwärtig auf dem Gebiete der Herren-Mode. Die Sitte der Zuge-knöpfthcit und der „fürchterlichen Enge," bei '»<> Grad Reamur und darüber, ist vorbei. Offene Westen, offene Röcke, weite Beinkleider verlangt der neue Geschmack. Dir Vcrkthrlbeit der bisherigen Mode-richtung hat die weiße Wäsche, speciell das Ober-Hemd, nicht nur unsichtbar gemacht, sondern auch Bielen »»nöthig erscheinen lassen. Und wie ungefällig, wie düster sahen die Herren mil dunklen VoUbärte» im hohen Schluß der Westen und Röcke aus! Der Prinz von Wales gab den Anstoß zu der Reform in der Herren-Mode und schaffte die Zugeknöpfrhett und Wäschelosigkeit aus der Welt. jH o h e s Honorar.] Kein Manuskript der Welt ist so hoch honorirt ivord:n, wie jener Foli-ant, der nach dem Tode des berübmten holländischen Arztes Boerhave in dessen Bibliotbek gefunden wurdt. Boerhaoe starb in fthr hohem Alter in» Jabre 1738. Der genannte Foliant wurde stark versiegelt in einem besonderen Fach entdeck?, und der Umschlag enthielt die Aufschrift: „Dit einzigen und tiefsten Geheimnisse der Heilkunst." — Da Boerhave der berühmteste Arzt seiner Zeit und selbst im höchsten Lebensalter gestorben >var, so glaubte Jedermann, daß in dem aufgefundenen auffallenden Buche, nach der Anzeige der Aufschrift wirklich noch bisher nur dem Verstorbenen bekannte medicinische Vorschriften enthalten sein möchten, welche die Erhaltung und Verlängerung des menschlichen Lebens bezweckten. Bei der Versteigerung der Boerhave'fchen Bibliothek hatten sich daher eine Menge Käufer, selbst auS entfernten Ländern eingefunden, um das kostbare Buch zu erwerben, denn die Entdeckung desselben war durch die Zeitungen weilbin bekannt gewogen. Der glückliche Ersteher war ein Engländer, der da-für 7l>,000 Gulden bezahlte und eine Wett gecuon-nen zu habe» glaubte. In (Gegenwart einer Anzahl dazu geladener Gelehrter wurde daS Heiligthum er-öffnet und — alle Blatter waren leer, bis auf da» erste? Dort stand von Boerhave'S Hand mit großen Buchstaben geschrieben: „Halte den Kopf kalt, den Leib offen und die Füße warm, so kannst Du aller Aerzte spotten." — DaS Buch soll beut« noch exi-stiren: es gehört einem schottischen Großgrundbesi' tzer »emble, der für dasselbe als Kuriosität und Autograph — zwei Pfund Sterling gezahlt hat. jD i e Glücksgöttin] hat wieder einen Beweis ihrer Launenhaftigkeit abgelegt. Der Ge-winner des Haupttreffers deS serbischen Prämienan-leihe ist Kronprinz Alexander von Serbien. Der Gewinn beträgt 1*0.000 Frcs. in Gold. IV on einem eigenthümlichen Streiche,] den die Gesellschaft von Washington der Adeline Patti bei ihrem lttzttn Auftntbaltt daselbst gespielt hat. wird Folgendes erzählt: Präsident Arthur hatte eine große Gesellschaft zu sich geladen und die Sän-gerin schon mebrere Tage vor dem betreffenden Termin ersucht, diese Soir« durch ihre Gegenwart zu verherrlichen. Solch' eine Einladung in daS Weiße Haus wird in Amerika wie die höchste Ehre betrachtet, wie ein Befehl, welchem man unbedingt nachzukommen hat. Die böchstgestellten Persönlich-keilen bemühen sich deshalb um solche Auszeichnung. Nichtsdestoweniger fand es Madame Patti für gut, noch in letzter Stund« dem Präsidenten mitzutheilen, daß sie zu kommen verhindert fei. Die „Aristokratie" Washingtons war empört über diesen Mangel an Takt und Rücksicht bei einer Sängerin, welche von ihr aus den Händen getragen wurde. Die Rache, welche man zu nehmen beschloß, war ebenso originell, wie dosbast. Als Madame Patti einige Tage später neben Nicolini in der „Lucia" auftrat, war das Haus, wie gewöhnlich, ausverkauft. Aber auf den Plätzen, wo sonst die „Aristokratie" Washingtons dem Gelange der Div» lauschte, saß der gemeinst« Pöbel, welchem die Billets unentgettlich von un-bekannten Händen gespendet worden. Die Patti war außer sich. I>.de Arie, welche sie sang, wurde von dem Pöbel unter nicht endenwollendem Gejohle mit-gesungen. Schließlich wollte fie nicht mehr die Bühne betreten. Der Scandal, welcher sich nun erhob, läßt 1887 „Deutsche Wacht" fi4 einfach nicht schildern. Man drohte, sie zu tomien, wenn sie nicht ihre Rotte zu Ende spielte. So blieb der Patti nichts übrig, als sich in das Unabänderliche zu fügen. Sie, welche sich vor einigen k»zin wegen einer schlechten Laune, von der sie sich Äerkrmmcn fühlte, geweigert, in der vornehmsten Lesellicha't Washingtons zu erscheinen, mutzte jetzt ü« schönsten Triller an einem Pöbel verschwenden. sA n s p r u ch l o «.] Theater-Director: „Sehen Sie, Herr Doctor?" Locates und Drovinciates. - Cilli. 23. März. sPersonalnachrichte n.] Die Lan-d-sgerichtsräthe Wilhelm Freiherr von Rech-dach und Tr. Karl V i d i c in Laibach sind in bat Ruhestand getreten. t >Unsere legte Confiscatio n.s tu Niiniiner 16 bor „Deutschen Wacht" vom !t. Februar l. I. ist. wie sich unsere Leser er-■am, dürften, von der Staatsanwaltschaft mit ^schlag belegt worden. Das Kreisgericht ver-M dieser Beschlagnahme die Bestätigung, die -tmsanwaltschaft erhob gegen da» betreffende RfemutüK die Beschwerde, und nun hat das ilbttlaudesgericht in Graz die Beschwerde der -tacksanwaltschaft verworfen. Tie Zuschrift des Mgerichtec' Cilli, mit welcher uns die Ent-tznsung des Obergerichtes mitgetheilt wird lautet: .ßzdielöblicheRedactionderperio-iii>h e n T r u ck s ch r i f t „D e u t s ch e W a ch t" in Eilli. [ ta« hohe k. f. Oberlandesgericht als Gerichtshof R Hlstanz, hat nach Anhörung des k. k. Ober-iw^anivaltes die Beschwerde deS k. k. StantSan-W» gegen das preßgerichtliche Erkenntniß ddo. Februar 1887 Z. !t041, womit der Antrag » l k. Staatsanwalstchaft auf Bestätigung der von t »«fügten Beschlagnahme der Nr. der perto-vt<» Iruckschrift: „Deutsche Wacht" ddo. 24. Fe-Itan 1887! auf Fällung des Erkenntnisses, daß Ii« dann enthaltenen Artikel: „Der Löwe von ■fronen," und „Eine windische Lesevereinsunter-Htag* den Thatbestand des Pergehens gegen die W«lichc Rube und Ordnung nach S 300 St. G. fciinkfli; endlich auf Ausspruch des Verbotes der Mimerbreilunz dieser Druckschrist sowie auf Ber-■tom* der Druckschrift und Zerstörang des Satzes; |- «tlehnt wurde; mit Berufung auf die gesetzt Gründe des in Beschwerde gezogenen Er-Ihntniftet und in der weiteren Erwägung, daß in ihre der beanständeten Artikel eine Herab-Wirdigung der Anordnungen und Entscheidungen f Behörden durch Schmähungen, Verspottungen, ^^7« Angaben oder Entsteilungen von That-r? »«d ebenso wenig eine Aufreizung zum M Verachtung oder zu grundlosen Beschwerde-gegen behördliche Anordnungen erblickt ■fcx kann, daß somit durch den Inhalt derselben »th-ttesland einer strafbaren Handlung nicht he-■intet erscheint; als unbegründet zu verwerfen ■fafcn. — Hievon wird die löbliche Redaction zu «Berk ehrsstörnnge it.] Der gemischte Zug, welcher am 21. d. M. hier hätte eintreffen sollen, konnte die Strecke bei Divacca nicht pas-siren. weil ein mit Maschine und vielen Wagen entgleiste? Lastenzng beide Geleise verlegt hatte. Gegenwärtig ist der Personenzugsverkehr bis Trieft und Fiume wieder möglich, nachdem die Südbahn mit Anwendung aller Kräfte am Karst ein Geleise freintachen konnte. Die Züge treffen nunmehr mit geringen Verspätungen ein. Der Lastzugs verkehr ist bis jetzt über Laibach hinaus noch nicht möglich, dürfte aber bei der gegen-wältigen günstigen Witterung noch in dieser Woche ausgenommen werden. jCillier Spareasse.j Zu unserem Berichte über dte Gebahrung der Spareasse der Stadtgemeinde Cilli in, abgelaufenen Geschäfts-jähre 1886 kommt »och nachzutragen, daß der Gesammtreservesond Ende 1885 266.725 fl. 03 kr. betrug und mit Ende 1886 die ansehn-l'che Ziffer von 271.471 st. 80 kr. erreichte, tröst der viele» Spenden zu wohlthätigen und gemeinnützigen Zwecken, welche im Borjahre «4.471 fl. 36 kr. betragen habe». [6 i l l i e r Casiuoverein.j Samstag den 26. d. Mts. findet ein Conversationsabend statt: derselbe wird den Besnchern Heiteres und Ernstes an »tufikalischen und deelamatorischen Porträgen bieten, zu welchen sich Damen und Herren der Gesellschaft bereit finden ließen. Tar an schließt sich Tanz, zu welchem die Cillier Capelle die Musik besorgen wird. sP o ni steirischen L a n d e s a » s-f chusse.I Aus dem Protokolle der letzten Sitzung: Dem Bezirke Pettm, wird behufs Herstellung eines Uferschutzes an, rechten Drauufer oberhalb der Einmündung des WeUabaches nächst Ankenstein eine Subvention von 101 fl. aus dem Landesfonde zugesichert. Dein steierm. Kunstvereine wird sür die geschenkweise Ueber-lassung des Oelgemäldes von I. Schiffer „Der Attersee" an die landsch. Bildergalerie der Dank des Landesausschusses ausgesprochen. Wege» Herstellung eines Reciproeitäts- Vechältniffes bei Behandlung der Mittelschullehrer in Sachen der Carenztaxen und Pensionssonds Abzüge wird beschlossen, sich au die Regierung zu wenden. Der Landesausschuß wird dem nächsten Landtage die Creirung von Stipendien an den Lehrerbildnitgs-anstalten des Landes enipsehlen. jTüfferer Bezirksvertretung.j In der letzten Sitzung des steir. Landesaus-schusses wurde der Statthalterei die Ansicht des Landesausschusses ausgesprochen, daß die Er-g ä n z u n g d e r W a h l in den Gruppen des großen Grundbesitzes und der Höchstbesteuerten der Industrie anzuordnen, dagegen dis Wahl des Tüfferer Bezirksausschüsse? zu annullireu wäre. sG ü t e r v e r k e h r.j Das laudtäfliche Gut Laak verkaufte Herr Rudolf Freiherr v. Wächter an den Großindustriellen Herrn Franz Kurz in Iägerudorf. [21 itö Pett«u| wird uns geschrieben: Am 19. März hielt die hiesige Ortsgruppe des deutschen Schulvereines im Eafinofaale die sehr stark besuchte Jahresversammlung ab, bei der auch der hiesige deutsche Mämtergesangverein und der Musikverei» mitzuwirken die Güte hatten. In den Porstand wurden gewählt: Dr. Hanns Ästchelitsch als Obmann, und die Herren Hanns Tschanet, Joses Ornig, Rndols Gaupmann, Otto Bratanitsch und Ernst Schalon. — Mit dem „Deutschen Liede" wurde der schöne Abend ge-schloffen. sEine wichtige Frag ej ist auf der am 13. d. M. in St. Lorenzen a. d. K.-B. statt-gehalten Wanderversammlung des Bauernver-eines „N m g e b u n g Ät a r b u r g" zur Sprache gelangt, nämlich der Mangel an Aerzten aus dem Lande. Der diesbezüglich eingebrachte An-trag lautet nach einer »nS zugekommenen Mittheilung des Bereiusvorstandes wie folgt: «Die Bevölkerung des Landes empfindet es zu ihrem höchsten Ziachtheil, daß allenthalben ein außerordentlicher Mangel an Aerzten fühlbar wird. Die Aerzte drängen alle den Städten zu, und entziehen sich dem beschwerlichen Erwerb auf dem Lande: dort wo jedoch promovirte Doetoren aus dem Lande practieiren, sind deren Honorare so unverhältnißmäßig hoch, daß eine Familie, in welcher ein Kranker sich ärztlicher Behandlung unterziehen muß. thatsächlich nahe an den Bettelstab gebracht wird. Solchergestalt ist die bäuerliche Bevölkerung iu einer verzwei-selten Zwangslage, umsomehr. da sogenannte Eurpfuscher. welche doch öfter in den Einöden theilweife den Aermsten Hilfe bringen, mit allem Eifer verfolgt werden. Da das I i, st i t ii t der Chirurgen, welches einftnials so tüchtige, an-spruchslose und opferwillige Aerzte hervorbrachte, durch den Ansturm der Doetoren vernichtet wurde, ohne die bäuerliche Bevölkerimg zu fragen, wo ist dermalen ein Ätonopol geschaffen, welches in traurigster Weise gegenüber der bäuerlichen Be-völkerung ausgebeutet wird. Die promovirten Doetoren glauben es ihrem Stande schuldig zu sein, möglichst hohe A n s p r ü ch e a n das Leben zu machen, trotzdem in sehr vielen Fällen das Wissen in klägliche», Berhälmiß zu den Honoraren steht. Es wird daher beantragt, der Perein möge dahin wirken, daß das Znsti-tut der Chirurgen für das flache Land ehestens ganz in seiner alten vortrefflichen F o r ui wieder errichtet wird ; es möge ferner eine Perordnung erlassen werde», daß sich kein Arzt in einer Stadt ansiedeln darf, der nicht vorher als Praeticaut resp. Assistent eines Land-arztes eine fünfjährige Praxis nachweisen kann." sE i » e s l o v e» i s ch e P o st k a r t e.] Die Pillacher „Teutsche 2111g. Ztg." erzählt: ..Eines schönen Tages tritt in das Hans eines sloveni-schön Bauern, dessen Wohnort der deutschen Grenze ziemlich naheliegt, der Briefträger und überreicht dem Besitzer eine slovenisch geschrie-bene Briefkarte. Der Bauer bekommt sogleich die kühne Idee, den Inhalt derselben zu entziftern. Doch keine Möglichkeit. Es werden die schrift-kundigen Wachbart, zusammengerufen und ihnen die Karte vorgezeigt. Allein trotz aller geifttgen 2lnftrengung will es Keinen, gelingen, die Sache zu euträthfeln. Einer glaubt, sie verkünde ein geschehenes Unglück, der Andere wieder ver-ninthet, es stehe darinnen etivas von der neuen Gailthaler Straße, bis endlich der Beschluß ge-faßt wird, zwei Jungfrauen abzuordnen, welche im Rachbardorfe eine deutsche Uebersetzung zu erbitten hätten. Im Nachbardorfe wohnen stich--tige Slovenen, die schon mit manchem durch-wandernde» Croaten im Gespräche Proben ihrer Gewandtheit abgelegt habe» sollen. Gesagt, ge-that,! Der große Rath versanimelt sich und da» Anliegen der Mädchen wird vorgebracht, worauf die Karte von Hand zu Hand geleitet wird. Der Gewichngste im Rathe steht aus, Neugierde fpie-gelt sich in den Mienen der Anwesenden. Er beginnt mit überzeugendem Tone in deutt'chen Worten die Ueberfetznng, wie folgt, zu verkün-den: „Die Karte ist unterzeichnet von Fit Haderlap und es steht in derselben, daß er eine größere Zahl Regenschirme zu verkaufe» habe; Wiederverkäufe? erhalten 10 Percent Rabatt." „Wahrscheinlich", setzt er hinzu, „hat er. um ein Privatvergnügen als peusionirter Schriftleiter des „Mir" zu erhalten, die Agentur irgend einer Regenschirmfabrik übernommen und will nun das Geschäft möglichst großartig betreiben. All-gemeines Staunen »ach dieser Erklärung. Es will nicht recht stimmen und man beschließt, die gan^e Geschichte reiflicher zu überlegen. Die Arbeit beginnt nochmals und nach längerer Zeit glaubt man zur Freude und Zufriedenheit 2tller, die richtige Entzifferung gefunden zu haben. In deust'cher Sprache werden die Worte auf Papier gebracht und der „Gefandttchaft" übergeben. Der Inhalt der Karte lautet: „Geehrter Herr! Wie Alle wünschen, habe ich Kärnmer Bücheln ver-saßt und koste» das Stück 10 kr. Hoffe. Sie werden mir davon abnehmen und noch mehrere 2lbnehmer dafür gewinnen." ch 0 6 (*$ m Schlafe erdrückt.^ Tie ledige Dienstniagd Iofesa Blafchitz aus Ogönscheg hat gesten, ilir zwei Monate altes Kind während des schlafen« erdrückt. [Xobtfc^Ia g.j Am 13. b. M. prügelte der Bauernsohn CgidiuS R o p o t a r au» Wöllan den Grundbesitzer Mathia» B a l l a n d in Grazerbir mit einem Hackenstiel derart, daß Balland noch am selben Tage starb. sJm Schlafe b e f» o h l e n.s Der Bauer Joh. K a »tz i u S aus St. Christofs bei Tüsser kehrte am 21. d. MtS. vom Jahnnarkte in Cilli wohlgemuth nach Hause zurück. Nachdem er bis in den Abend hinein in der Stadt verweilt hatte, er-eilte ihn bereits in Pollule die Nacht, und so entschloß er sich, in der Streuhütte des Gasthauses des Jakob Reietz zu übernachten, da er diese Ueber-nachtnng sür die billigste hielt. Indeß sollte ihm die Herberge theuer zu stehen kommen, denn als Kantziu» des Morgens erwachte, vermißte er seine Geldtasche mit 35 fl. Barschast. In welcher Art dieselbe verschwunden war, davon hatte er keine Ahnung, da er überzengt war, daß nur er allein in der Streul'ütte geschlafen hatte, und dieselbe durch die ganze Nacht von niemand Anderem betreten weisen sei. Hierin täuschte er sich allerdings, denn kurz vor seinem Eintreffen hatte auch der vazirende Bäckergeselle Franz T o p o l s ch e k auS Neukirchen die Streuhütte zur Nachtherberge gewählt, und dieser hatte, als «antziuS mit geräuschvollen Athemzüge» den tiefsten Schlaf bekundete, der Versuchung nicht widerstehen können, die Taschen des Schlafen-den zu untersuchen, und sich hiebei der ihm unter die Hände gekommenen Geldtasche zu bemächtigen. Nack'dem Topolschek die leere Geldtasche weggeworfen, das Geld aber hinter das Futter seines Hutes ver-borgen hatte, that er sich am 22. d. M. in der Stadt einen guten Tag an, indem er eine Gulden-note um die andere dem Hute entnahm. Bei einer solchen Manipulation wurde er in den« Hofraume eines diesigen Gasthauses von einem Sicherheitswach-mann bemerkt, und diese» sührte zur Entlarvung und Berhastung des Diebes und seiner Einlieserung an daS SreiSgericht. Herichtstaat. jA ch t Sträfling e,] welche vom Kreis gerichte Cilli zu schwerer Kerkerstrafe verurtheilt worden waren, gingen dieser Tage unter Gen-danuerie Escorte an die Strafanstalt Carlau bei Graz ab. s.,A r i st o k r a t e u".| In der Sylvesternacht machten sich einige der Aristokratie an gehörige Osficiere in G r a z den Spaß, in ange-heiterten» Zustande ein berüchtigtes Haus aufzu-suchen, wo sie die unglaublichsten AUotria trieben. Ta ihr Treiben immer unanständiger wurde, flüchtete» die weiblichen Inwohner dieses Hauses, woraus die Cavaliere. unter denen sich auch ein junger Baron des Civilstandes befand, Alles zer-trüinnierten und sich mich an dem z» Hilfe ge-rufenen Wachmanne thätlich vergriffen. Terfelbe wurde verletz» nnd zu Boden geworfen. Gegen die Officiere wurde seitens dos Garnisonsgerichtes eine Untersuchimg eingeleitet, deren Resultat bis-her unbekannt ist. Hingegen endete die gegen Baron Wimpffen vom Landesgerichte eingeleitete Unterfuchung damit, das? derselbe wegen Ver-brechenS der öffentlichen Gewaltthätigkeit ange-klagt wurde, worüber heu»e die Verhandlung stattfinde». Ueber den AnSgang derselben werden wir berichten. sDer Anarchistenproceß in Wien.) In, Oktober v. I. fanden in Wien zahlreich., Verhaftungen statt, die mit einem großen Anar chisten Complo»» in Verbindung standen, welches die ganze Stadt durch Brandstiftungen nnd Dqnamilattentate in Schrecken fetzen sollte. Der Proceß wider die fünfzehn damals verhaftetet, Anarchisten. welche. nebenbei bemerkt. s a st d u r ch g e h e n d s Tschechen sind, hat am letzten Montag begonnen. Tie Anklageschrist stellt den Gang des ComploiS ini Großen und Tanzen folgendermaßen dar: Tie fei» Iahren in den Zeitschriften der Anarchistenpane^ als einziges Mittel zur Lösung der socialen Frage anenipfohlene und angepriesene „Propaganda der That", sowie die zu deren Ausführung gegebenen ..Deutsche Wacht" Anleittingen sind schon seit geraumer Zeit ans fruchtbaren Boden gefalle«. Es organisirten sich auch unter den Arbeiten! in Wien und dessen Vororten geheime Verbindungen, welche zur Förderung anarchistischer Zwecke Pläne zu verschiedenen Verbrechen beriethen, die Mittel zu deren Begehung herbeischafften und vorbereiteten, zum Theile auch bereits die Ausführung dieser Verbrechen unternahmen. Die verbrecherische Thätigkeit dieser Perbindungen war eine drei-fache. Zunächst sollten zur Förderung der anar-chistischeu Bestrebungen unter Anwendung von List oder Gewalt, Geld und Geldeswerth, sowie die zum Betriebe einer Truckerpresse nöthigen Lettern herbeigeschafft werden, ferner war eS geplant, durch Anwendung von Sprengstoffen Furcht »lud Schrecken zu verbreiten, nnd als die aus Herbeifchaffuug von Mitteln für Parteizwecke gerichteten verbrecherischen Unternehmungen ohne Erfolg gebliebe» waren nnd wegen diefes Miß-erfolgeS auch der Ankauf von Sprengstoffen nnd die Erzeugung von Vorrichtungen zu deren Verwendung unterbleiben mußten. wurde endlich von der Mehrzahl der Beschuldigten beschlossen, gleichzeitig an mehreren Orten von Wien und dessen Umgebung größere Holzlagerplätze in Brand zu stecken, „um", wie die Beschuldigten selbst angaben, „hierdurch Schrecken und Auf-sehen zu erregen nnd damit man erkenne, daß die Anarchisten noch etwas zu leisten im Stande sind". Mehrere Facten fehlen jedoch in den An-klageacten, so die geplanten Attentate aus ein kaiserliches Gebäude. Ter Proceß wird die ganze lausende Woche in Anspruch nehmen. sE i n e Hochstapler! n.] Vor einigen Tagen wurde eine raus« celöbre vor der Strafkammer in Freiburg verhandelt. Die in den Blättern bereit» öfters erwähnte Marie Hornuth von Heidelberg, ein 23jährige», hübsches Mädchen, das nach der Anklage unter dem Namen eines Freisräulein von Schröder zahllose Schwindeleien in verschiedenen Städten getrieben haben soll, war des Betruges, des Diebstahls. der Unterschlagung, Urkundenfäl-schung, Führung falschen Namen» u. s. w. angeklagt. Sie gab sich nach der Anklage für die Besitzerin mehrerer Schlösser und Güter aus, wußte sich auch in angesehene Häuser einzuführen, wie in Freiburg bei F-au v. Hillern, der sie ihre wundervolle Villa „Elfeneck" abkaufen wollte, und miethete sich, ohne einen Pfennig zu besitzen, eine prachtvolle Wohnung, von wo aus sie bald zu Pferd, bald in hochelegantem Ponnvfuhrwerk großes Aufsehen in der Stadt erregte. Mit einem reichen Studenten au» Würzburg, mit dem sie sich angeblich verheiraihen wollte, lebte sie in Konkubinat und beschwindelte denselben um etwa 4000 Mk. Auch hatte sie nach einander inehrere „Anstandsdamen" au» besseren Familien zur gründ-licheren Täuschung des Publicum». Die Angeklagte entstammt einer armen Familie in Heidelberg, die sich mit Kohlenhandel ernährte. Marie Hornuth erwies sich vor Gericht als eine überaus zungenfertige, geistig geweckte und um eine Ausflucht nie verlegene Person. Sie murde zu 3 Jahren, l Mo-naten, l Tag Gefängniß und zu 3 Woche» Haft verurtheilt. Theater, Kunst. Literatur. Koncert Mthetmj. ES steht nunmehr fest, daß'der Geigerkönig August Wilhelmj ,i»d fein Partner, der Pianist Rudolf N i e ni a n n . Montag den 28. d. M. in Cilli coneertiren werde. TaS Pro-gramm des Concertes wird, wie uns mitgetheilt wird, folgendes fein: 1. Toccata und Fuge, v-iuoll, für Pianoforte von Bach - Tausig, vorgetragen von Herrn Rudolph Nieinaim. 2. Concert für Violine von Beethoven, vorgetragen von Herrn A"t>us> Wilhelmj. 3. FaschingS-Sch^ank au# Wien, für Pianoforte, ->) Allegro; b) Intermezzo; c) Finale, von Nob. Schuman». vorgetr. von Rudolph Niemann. 4. a) Ave Maria, für die Violine, von Schubert- Wilhelms; b) Nocturne für die Violine, von Chopin, vorgetr. von Herrn August Wilhelms. 5. a) Feuerzauber a. d. »Walküre' für Pianofort. von Wagner - Brasst»; !>) Tarantel!« für Pianoforte. von Li»zt, vorgetr. von Herrn Niemann. 6. „Alla Foll' cca'*, Coucertstück für die Violine von A. Wilhelms, vorgetr. von Herrn August Wilhelmj. Einige Daten über Wilhelmj — au» dem „Musikal. ConverfalionSlerikon" geschöpft — dürften unseren Lesern willkonimen sein. Wach dieser Quelle wurde Wilhelmj — „der gefeiertste und populärste Geiger seit Paganini" — an» 21. Septbr. 1845. als der Sohn des bekannten Wein-Prodneenten Tr. Wilhelmj zu Hattenheim au, Rhein geboren. Trotz aller Anzeigen einer hervorragenden musikalischen Begabung war Wilhelmj'S Bater gegen eine ihr entsprechende Berufswahl. Erst nach langem Zögern filmte er sich unter der Bedingung, daß ein kompetent« Aunstrichter die Anlagen August's bedemeud genug fände, Im Frühjahre ltHil wandte sich daher Wilhelmj nach Weimar an Franz Liszt. Bei dieser sür sein Lebe,» entscheidende» Prüfung spielte er LiSzt Louis Spohr'S „Gesangsscene" und H. W. Ernst'S „Ungarische Weisen" vor. LiSz», der ihn auf dem Clavier accompagnirte, erkannte sofort die hohe Begabung, und, nach-dem auf sein Verlangen W. noch Einiges prima vistn gespielt und auch dieser Ausgabe sich mit erstaunlichen, Geschicke enrledig» hatte, sprang der Clavierheros auf und rief: „Und da konnte man noch über Ihren Beruf schwanken '! Tie Musik ist Ihnen ja angeboren! Arbeiten 3ie fleißig weiter: die Welt wird noch von Ihnen reden, junger Mann !" Einige Tage später geleitete LiSz» seinen neuen Protege nach Leipzig, »ni Ferdinand Tavid'S vielbewährter Leitung die weitere AnSbil-dnug anzuvertrauen nnd von 18G1-1864 gehörte W. dem Leipziger Conservatoriuni an. Was Wil-! helmj'S Specialität als Geiger betriff», so steht er anerkannt als Solist wie Ouanettist gleich ^ hoch: besonders hervorzuheben aber sind seine Leistungen in den letzten Quartetten Beethoven'» und in den Werken der neueren Tondichter. Johann Sebastian Bach wird von Keine», so vollende» interpretir», als von Wilhelmj. AIS ihn einstnials Richard Wagner die „Chacoune"! vortragen hörte, fiel er ihm um den Hals nnd j sagte: „Reden kann ich nicht, lieber Wilhelmj — aber Sie müssen fühlen, welchen Eindruck Sie auf mich gemacht habeu." — Um es mit! wenigen Worten zu sagen: ..Wilhelmj'S indwi- j duelle Größe als Geiger liegt in dem vorneh-t n«en, classisch»», originalen Vortrage, dem stet» absolut reinen und wunderbar große» Tone, verbunden mit einer beispiellose» technische» Vollendung — in der Vereinigung dieser charak ! »eristtschen Vorzüge steht ihm Keiner seiner Col-I legen gleich. _ Cillier Stadttyeater. „Tie Grasen von Cilli," histo-1 rifcheS Schauspiel in fünf Auftügen und einem Vorfpiele von P s a n n e r , ist ein Ritttpchfti spiel, nicht besser und nicht schlechler. als e« solche Dramen gewöhnlich sind. Tie Sprache dei Stückes ist hübsch, die Handlung jedoch klein und mnß»e das Ganze viel kürzer gefaßt 'ein. u», halbwegs zur Geltung kommen zu können: so aber schleicht eine Handlung, die leicht in vier Auszügen abgemacht sein könnte, durch fünf mit einem Vorspiele versehene Acte langsam dahin wie ein Steppensluß und die Geduld des PublicumS wird tro« allem historischen Inler-esse, das es durch sehr zahlreiche» Besuch be« wiesen, doch allzusehr in Anspruch genommen. Die Costtlme waren leidlich bis auf dasjenige des Gesandten Oesterreichs, der in der !l>u etwas würdevoller hätte gekleidet sein solle». Im letzten Acre, wahrend der letzten Huldigung*-scene erregte bei der Vorlesung der der -lad» Cilli verliehenen Privilegien der Passus, in wel-chen der S»ad» als Gegenleistung die Reinhal-tung der Straßen und Plätze aufgetragen wird, große Heiterkeit. Bon den Mitwirkenden vab> > sich die Herren Teller und Linde durch gutes und maßvolles Spiel hervorgethan. Herr Treuherz rrug wohl Anfangs zu stark aus. mäßigte sich jedoch allmälig. Fräul. Banint 1887 .Deutsche Wacht" t diesmal mit wenig Temperament. Int Heit schien die Äomödic wenig studirt und dc der Souffleur, den man int ganzen Hause baulich hören konnte, auffallend in An-fpucli genommen. » AuS München schreibt man: Der hochbe-tbtx dem Irunfe ergebene Schauspieler Mü-:fcr sollte eine» Abends, wied.r einmal bedenklich «^heitert, den Gehler spielen. Jeder Betrunkene ist, «r man oft beobachten kann, sehr leicht der Rüb-rxnfi,»gänzlich; die» war auch hier der Kall. Als lÄ auf den grausamen Befehl des Landvogts, den Viel von deS Knaben Kopf zu schießen, entsetzt in « Wcne ausbricht: „Herr — welches Ungeheu re t feuict Ihr mir an? — Ich soll vom Haupte mei-M Kindes u. f. w." zuckte es schmerzlich um Geb-Lippen. — Prft der Zuruf des Souffleurs riffle ihn wieder auf und veranlaßte ihn zu den Strten: „Du wirft den Apfel schießen von dem fers des Knaben — ich begehr'S und will's!" lli aber Teil darauf entgegnet: „Ich soll iiü meiner Armbrust auf daS liebe Haupt des iij iun Kindes zielen ? — Eher fttiV ich I" rannen nfc Thränen über des Landvogts Wangen in den Bart 11S statt nach dem Tert den Befehl zu wiederholen, üijerschluchzend: «Schieß' nicht Teil! Schieß' nicht!" Harter, (Teil) im höchsten Grad« außer sich, fiel ni rasch in'S Won, um das Gehörte zu verdecken ich begann mit der nächsten Red«, die in solcher 5ezung allerding« doppelt ergreifend wirken mußte: ,Z» soll der Mörder werden meines Kindes! — jerr, Ihr habt keine Kinder u. s. w." Nun war'S vt! Gebier war in ein Stadium d«r Rührseligkeit «rsetzt, welches unmöglich zu beseitigen oder zu ver-teten war. Nur mit Mübe konnte ihn Rudolf der huz? davon abhalten, dem Teil die Hand zu schul-xin und bei den unter Schluchzen wiederholten Venen: „Schieß' nicht Teil" mußte der Vorhang Wen, mm;- illld Landwirttjl'chafttichcs. of Ein neuer künstlicher Zucker-] ist das nach seinem Entdecker genannte „wdlberg'sche Saccharin." Es ist von einer so inva tiqen Sttniflkeit, dast eine Lösung desselben n der 70.vvvfachen Gewichtsmeitge Wasser noch üttklich süß schmeckt, etwa wie eine Lösung des imvhnlichen Rohr- und Rübeiuugers in der Wfacheu Menge Wasser; er ist also 280mal it' iiif;, als dieser, »nd ein Theil Saccharin gi(>i ».uM Theile starksüßeS Zuckerwasser. Das -«charin ist mit unserem Zucker chemisch gar zichi verwandt: es enthält dieselben (Grundstoffe k Eiweiß, nämlich Kohlenstoff, Wasserstoff, -auerstoff. Stickstoff und Schwefel, natürlich in lsoi; anderen Verhältnisse» und anderer Per iWvgsweise. Sein chemischer Name ist Benzoö-wrchilsinid oder genauer (der Leser zerbreche M nicht die Zunge!) Anhtidroorthosulfaminbe»-ure. Das merkwürdigste an dem neuen stoff. der von Dr. ^ahlberg in Leipzig itsmamg erzeugt wird, ist aber ohne Zweifel instand, daß man ihn aus Steinkohlentheer ^ »iu. Wenn man sich vergegenwärtigt, daß Skteinkolentheer bereits prachtvolle Farben dlMeude Riechstoffe geliefert hat, so gelangt ornt zu der Ueberzeugung, daß nicht leicht ein Mkchercs Materiale gesimden werden kann »« «es. Es entzückt Augen Rase »nd Zunge. sUeber eine neue Methode, Bau->id N u tz h o l z zu i m p r ä g n i r e ns wird, tk *B(gt, berichtet: Daß die Anwendung kieselsauren idL«» al^ Mörtel für Bauwerke in der ältesten pstichüichen Zeit bereits allgemein verbreitct war, wen zeugen beute noch die Ruinen der vor Jabr-Ul'knden gebauten Städte. Bor wenigen Jahrzehnten rit ist jedoch die Entdeckung gemacht worden, daß im Lösung von Kalk ein ganz ausgezeichnete» pro Malnsches Mittel gegen Wurmfraß und Pilz und «nammtildung für Bau- und Nutzholz liefert. Im Ber'abren der Jmprägnirung ist einfach und « ßenngen Kosten verbunden und bat den Vortheil» die Hölzer nicht erst getrocknet zu werden i>. wir zum Beispiel beim JmprSguiren mit Met. Zur Aufnahme der Hölzer genügt eine ge-* Grube, welche nach dem Einbringen der zu hnirenden Hölzer mit Wasser angefüllt wird, latent wird ungelöschter Kalk hinzugethan, der durch Rühren gelöst wird. Nachdem das Holz zwei bis drei Monate in diesem Bad belassen wurde, zeigt eS bereits eine Jmprägnirung bis auf 30 mm nach dem Kern zu. Sehr knorrige Stücke bedürfen etwa« längerer Zeit, da die Lösung die verschieden geschichteten Zellen nicht so schnell zu durchdringen vermag. Die Tragfähigkeit des Holzes wird durch diese Behandlung nicht im mindesten beeinträchtigt. Eingesendet.*) Tie großen Ovationen und die zahlreichen gütige» Spenden, welche meine lieben Freunde und hochgeehrten Gönner (in nnd außer Cilli) mir an meinem Beneficeabende in so glänzender Weise zu Theil werden ließen, haben mich mit außergewöhnlicher Freude erfüllt und ließen mich erkennen, wie hochherzig Cillis Bürgerschaft die Kunst und ihre Jünger auszeichnet und dieselbe fördert und stützt; diese That gibt mir nun die Gelegenheit, all' diese» Lieben meinen innigsten tiefgefühlteste» Dank auszusprechen, mit der Versicherung, daß ich alles thun will, um mir auch bleibend Ihre Huld zu erhalten; mit dieser Ueberzeugung wiederhole ich meinen Dank nnd zeichne hochachtungsvoll Cilli, 23. März 1887. G. Mayer, Kapellmeister des Musikvereines und des Stadt-theaters. ♦) Für Form und Inhalt ist die Redaction nicht verantwortliche Gedenket des Teutschen SchulvercineS bei Spielen nnd Wette», bei Festlichkeiten und in Testamenten, sowie bei »nverhosften Gewinnsten! Mvarzseidene Faille Francaise. Snrab. Satin Mmillm, Satin Loior, Atlasse, Damaste, Ripse nnd Taffete ff 1.10 per Meter bis ti. 8.85 (in ca. 120 vergeh. Qual.) versendet in einteilten Huben nnd Stärken zollfrei ins Hau.< da« Seidensubrlk-Depot G Henneberg: ll> k. Hul- lieferant), Zürich. Munter umgehend. Briefe kosten 14 3rörr Gillwirth der seinen Gästen einen Tropfen guten echten Ungarwein geben will, wende sich an IS« Giimlier^er Weinkandlun«? fm't'tPtts- Miaiiizata. > 1886er Weisswein ..14 fl. . 1886er Schillerwein .13 fl. per HectoliLer ab Kanizsa. Bei Einsendung von 1 fl. Angabe werden Probe-fiissl von ciro» 15 Liter (überallhin versandt. Kost wird naehgetiummen. 1'robeJussl über 200 Liter gehen aueh ohne Nachnahme. Die EUenbahnfraeht kostet ca. I kr. Fa.,x wird franco zurückgenommen. Flasehen-proben gratis und franco. 151 3 Warnung. H l't-r Uelertigte ^lebt bekannt, da»s er ohne vorhergehende Einwilligung keine wie immer Namen hubende und von Keinem MUndel Artais Hunt fr gemachten Schulden bezahlt. Johann Jellenz Vormund. ISuissezi frische, best« Marke, liefert da« 5 Kilo-Fan*! gegen Nachnahme ohne weitere Spesen um 2 fl 25 kr. lt. Kasparek in Fnlnek. Mähren. Kill (1OIII|)»SIKMI 7um Abonnement der „Wiener Zeitung" wird gesucht. Näherei. Exp. d. Bl. H. Kasparek in Fulnek, Mähren lieiert gegen Nachnahme 9 Kilo HnlTec: Domineo, elegirt. hochfeinst......fl. C.— Cuba, hochedelst, 11a. , ....... 6.25 Cuba. „ l». , ......0.5« l'ortorieco, hochedelst, Ifa. » ....... 0.25 I'ortoricco. , Ia. , ......, ti ÜV Java, goldgelb, Ia. , ......, 6.75 Menado Ia. , .......7.50 Ceylon, Ila. , ......, 7.— Ceylon. I». ....... 7.50 KaWer-Thee per I Kilo Nr. I, fl. 3.50, Nr. 2. fl. 4.—, Nr. :S. II. 4-5U. Nr. 4. fl. 5.—. Nr. 5. fl. 5 50. Nr. ii. fl. '3.—. Der Besteller hat also keinen Zoll, keine Porti nnd keine Emballage zu bezahlen. Ich bitte um Bestellungen. Fortal mit Spiegelscheiben ist billig zu verkaufen. Auskunft Expedition. HifH- MMiifinf/v frische, bester Marke, liefert das 5 Kilo-Fassl gegen Nachnahme ohne weitere Spesen um 2 fl. SO kr. II. Kasparek iu Fulnek. Mähren. Kijähriges Iteiioiiuiie! Aerztlich erprobte» »nd bestbewährtes Heil-mittel für Lungenkranke Akeilhlnchtige, Blutarme, Siropfiusösc, ?!kachitische ttttb Reconvasesceute ist der vom Apothetc, Herbabny in Wien bereitete •in«rr|>lioH|>liwrlKNa(sr<> Halk-EiNen-§yrii|i «M- Nicht zu verwechseln mit Nachahmungtii, die arm Publicum unter gleichen oder ähnlichen Namen «ngeboten werde»' Preis I »lasche sammt belehrender Proschiire von Tr. -chweizer ft. 1.25, ver Post 20 fr. medr für Packung. nebenstehende auf jeder Flasche befindliche Schutzmarke zu achten und sich unter keinem vorwande zum Ankaufe von Nachahmungen berede« zu lassen. Zentral Persendungs.Trpot fnr die Provinzen : Wien, „Apotheke zur Barmherzigkeit" M Jsil. ■■«•rhabiijr, Neubau, Saiscrstraße IM). Depots ferner bei den .Herren Apothekern: . Siußbeim. Mar-bürg i G Bancalari. Petta»: E. Bebrbalk, Sj. Miliior. RadkerSbnra: ^ Andrie«. Winvisch-'etstriv: F. Zinl Windischgraz: G. .«Orbit-Molssberg: A. Hulh l'iezen: Guüav Groiiwang I. z 780 cW. Kbict. Vom k. k. KreiSgenchte Cilli wird kund-ncmacht, daß über Ansuchen der Erben nach Fräulein Johanna Rankel. Lehrerin in Cilli die freiwillige gerichtliche Versteigerung der in die Verlassenschaft gehörigen Realität. Grundbuch»-einlage Z. l?4 der Katastralgemeinde Stadt Cilli. bestehend aus dem Hause Conscr. ?!r. !>3 in der Postgasse ;n Cilli und der Ackerparzelle Nr. 876/2 zu Mvllag im Gesammtschüynngs-werthe von Ü070 fl. ö. W. bewilligt und zur Vornahme dieser Feilbietung eine einzige Tag-fahrt aus den 14. April 1887 Vormittags 10 bis 12 Uhr im Rathsjaale des k. k. Kreis-geeichtes II. Stock Zimmer Nr. 24 angeordnet worden ist, bei welcher die Realität nicht unter dem Schätzungswerthe zugleich AnSrufspreise hintaugegeben werden wird. Auf die aus der Realität gnmdbüchllch hastenden Pfandrechte ist diese Versteigerung ohne Einfluss. t . Tie Feilbiemngsbedingniße sowie das Echätznngsprotocoll liegen in der kreisgericht-lichen Registratur zur Einsichtnahme aus. Den Ersteren zu Folge hat jeder Lieitant ein lOHiges Vadinm per 407 fl. in Baarem, innländischen Spareassebüchern oder pupillar-mäßig sicheren Wenhpapieren nach den, Course des Vortages zu erlegen, der Erstehe? aber diesen Crlag sofort nach ersolgtem Zuschlag bis zur Höhe von 2000 fl. zu ergänzen. Cilli, am 15. März 1387. IM 3 K k. Kreisgericht Nr. 1191. Kundmachung. Die Liste der Wähler der Stadtgemeinde Cilli für die aus den 15. April d. I. ange-ordneten Wahl des Reichsrathsabgeordneten «st angefertigt und liegt Hieramts zu Jedermanns Einsicht aus. Reelamationen wegen Ausnahme von Wicht« wahlberechtigten oder Weglassnng von Wahlbe-rechtigten können innerhalb 8 Tagen vom Tage der Afsiginlng dieser Kundmachung gerechnet, bei diesen, Stadtamte angebracht werden. Stadtamt Kilki, am 21. März 1887. Der kaiserl. Rath und Bürgermeister: Dr. Ttecketmaun. ISt 2 In allen Städten werden Mehlige Personen jeden Stande« inni Vertriebe eines beim Publicum sehr beliebten, leicht absetibaren Artikel» gebucht. Flotter Verkauf bei hoher Provision. Franeo-Offerten mit Angabe der gegenwärtigen Beschäftigung an: „Mercuriuft". Hauptpostlagernd Wien. 197 2 ..Deutsche Wacht" Notariat. Ich wünsche womöglich mit einem Herrn Collegen in Mittclateiermark einen Pusten tausch einzugehen. Dr. Leo Filafaro 10Ö 3 #». Mi. 3'atar it» KohitmcA. Wohnung Dr. T. Hoisel ordinirL in dieser SaUou nur noch bis 28. Mürz DameirPhaeton viersitiig, gani neu, hoch elegant, Wiener Fabrieat, ist billig zu verkaufen. Anzufragen bei 187— Anton Knplfl, Sattlermeister. Cilli. 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Friedhofes aus, wohin die Leiche zur Aafbahrung überführt wurde, statt. Die heil. Seelenmesse wird Samstag, 9 Uhr Morgens, in der Stadtpfarrkirche gelesen. Cilli, den 23. März 1887. Die Möbel-Niederlage Graz, Franzensplatz Nr. 1 und 2 den lÄM#«rtlM»ter •nspfleblt llur im skie Kr ich«1 ^ A n»wahl von Rakm-«»niitur<» _ Nnsa- nsd EiehenhoU. 8»loo-K**tn«, Credeaiea rt •0 fl. MfWftrta, SchUfWvmu«, Ottomuaa m»d IU»* Mttbltronge« von Uad> und BaieU««* wflrfss Hochach tuigsToU fiitAndinm TlpnrV nni, Yerlaff Ton ,TohaHII RflkUCb in Oilll. Verantwortlicher Redacteur A. Ehr lieh.