UUAUNNN3VN für Annst, Wissenschatt und geselliges Leben. Nedigirt von Franz Hermann von Hermannsthal. ^ OZ.. Freitag am I.Z. Mar? 1H4Ä. ^H ^ Von d,eser Zeitschrift er,che,ne„ wi>che,>il,ch zwei Nummern, jedes Mol ein halber Noaen. Der Preis »es Blattes ist i« Laiback a»!,,i»hl>a d, dalblährig !i st, Durck d,c k. f. Post unier 0,uvert »,,i vorlotreier Zusendu»« nan,,äbr,a u, baldiäbria 4 >I. C.M., und w,rd balbiädrig l>»r°u«­beiabll. Alle l. l. Postämter nehmen Pränumeration an. In 3a,bach vräiiumeriri man be»n Nerlener am Raan, illr. ,yc>, ,»i ersten «locke. WZinterreise. Von Joseph Philibert. 1. V'utend, wie das Herz des Armen, D»s getroffen scharfer Hohn, Steig! die Sonne aus den Tiefen Auf den diamllnt'nen Thron. Ach! sie weint um ihre Kinder Flockenthräuen wuuderklar. Um die Kinder, die gestorben, Denen sie einst Mutter war. Um die blaue» Sommerlüftc» Um die Blume» dufigcschwelll, Um die Waldeshohen rauschend» Um das grüne Saatcnfeld. Und die rolhaeweinten Augen, Und den schwcrbctrübten Sinn , Hüllt in schwarze Trauerschleicr Die «erlaßne Königin. Mit starkem Arm der Mühlbach hält Das schlanke Rad umschlungen, Das sonst den» jungen Springinsfeld War scheu und slinf entsprungen. Und innen herzt die Müllerin Dich, niedlicher Geselle; Wie nippt der süße Fridolin An süßer Freuden Quelle! Dcr alte Müller schläft dazu Am Herd auf weichem Pfühle, lind nickt in tiefer Seclenruh' Den Toet zu ihrem Spiele. Vi! Winter, führst d», kalter Mann, Auch Liebende zusammen? Mit Eis und Flocken ongethan, Beschützend heiße Flamme»? (Fortsetzung folgt.) Die Opfernacht. Vaterländische Erzählung. (Fortsetzung.) Gegen Ende des festlichen Schmauses stand ein jun­ger Krieger an einer Eiche im Hintergrunde, und starrte regunglos in den lustigen Wogentanz des heimatlichen Gewässers. Namlose Sehnsucht malie sich in den etwas dunklen aber schönen Zügen des Iünglinges. Ein ältli­cher Mann näherte sich, und jener fuhr aus seinen Trau­mereien empor. — »Triglav möge den edlen Priwina schützen, und Shiv a ihm ein treues Liebchen schenken," begann Hauptmann Iell o und bot dem sinnenden Jung linge die Hand, welche Priwina herzlich drückte. „Du stehst hier düster gestimmt, während Lust und Freude un­ter den Völkern unseres Stammes herrscht. Kuren t wird Dir zürnen, daß Du das Gelage meidest," sprach Iello . Doch der Jüngling entgegnete ziemlich rasch und rücksichtlos: »Mögen die Verblendeten dem Gotte der Schwelgerei, dieser Ausgeburt betrügerischer Götzendiener, reichlich opfern. Mein Herz ist betrübt und nicht geeig­net, dem Kurent oder irgend einer Gottheit meines Vol­kes zu dienen.« — Vergebens meinte der biedere Iello , dasi, Priwin a nicht klug handle, die Götter in der Nähe lauschender Priester zu schmähen. Voll Eifer und mit Begeisterung fuhr Priwina fort: „Ich glaube nicht mehr an diese falschen Götter. Sie sind Lügengeister der Hölle. — Es war im vergangenen Winrer, als mich der Dienst an die Pfalzburg unseres hochedlen Herzoges rief. Dort lern« ich den Glauben der Christen kennen. Nicht bluti­ger Opfer bedarf es bei ihnen: Brot und Wein genügt, wenn man ein Herz voll gläubiger Liebe hat; denn der Christen einiger Gott ist sanft und gütig. Folge mir, Freund! Virgilius, ein Mann mit greisem Haupte und ewig jungem Herzen, voll edler Liebe für seinen alleinig wahren Gott, wird Dich taufen, und Du wirst glücklich sein.« — Da schritt der böse Drachus hinter dem Gebüsche hervor, und erhob drohend seinen Stab. »Fluch über Dich, Lästerer unserer Gottheiten,« schrie er, und die Freunde flohen eilends in das dichteste Volksgewühl. — Der Platz war leer geworden, das Feuer am Opferherd und in den Brandstätten des Haines verloschen und alles ruhig, nur die Wogen des Stromes eilten rastlos vorwärts und der 3«H Uhu krächzte zuweilen ouf einer nahen Eiche. Drachus aber stand am Gestatx, Hob ein«. Kieset, warf derselbe« in den schäumenden Strudel und murmelte! „Bei den Schrecken des Zhar t und der Mor a sei's geschworen, daß ich den abtrünnigen Priwin a den Mächten des Welt­alls zum Opfer bringen werde. Heulet, ihr Stürme und vernichtet, mich, wenn ich den Feind meiner Götter nicht in die Wellen versenke, wie diesen Stein, welchen ich dem ewigen Triglav zum Unterpfand gebe. Auch Valduch muß fallen, damit die Götter ^eben>« —Endlich begab sich der wüchende Greis in seine Hütte. Einige Tage nach dem Kurentfeste ritt Priwina , welcher aus einem ansehnlichen slovischen Adelshause ein­sprossen war, nach Marburg, wo damals Herzog Valduch Hof hielt. Er brachte diesem nur böse Nachrichten. I m Lande verbreitete sich die Kunde, daß Drachus mit den Häuptlingen Samo, Drodor und Aurelius, welcher einen Cäsar unter seinen Ahnen zu haben behauptete, in der Umgebung der damals wichtigen Stadt Windischgraz einen Volksaufstand bewirket habe, und daß sich die Wen­den auch an der Save zahlreich erhüben, um den Keim der Christuslehre mit Feuer und Schwert zu vertilgen.— Valduch , der edelherzige Fürst, wäre gern vom Throne gestiegen, um das Blut seiner Unterthanen zu schonen; aber wer sollte dann im Wendenlande die Christuslehre, für welche zu sterben und zu kämpfen er einst feierlich ge­lobt haue, beschützen? Auch schloßen sich die Bekenncr des Kreuzes, welche sich täglich vermehrten, fest an ihren Fürsten und schwuren, bis auf den letzten Hauch stand­haft seine Sache gegen die heidnischen Aufrührer zu ver­fechten. Um diese für immer zu demüthigen, beschloß Val ­duch, sich an das Frankenreich um Hilfe zu wenden, da­mit dieses einen Kreuzzug gegen dieselben unternehme. Die Ausführung dieser wichtigen Angelegenheit wurde dem edlen Priwin a übergeben, der auch so glücklich war, den König für die Sache seines Vaterlandes zu gewinnen. Dieser befahl dem Baierfürsten Tassilo II. mit einem wohlgerüsteten Heere gegen die Aufrührer zu ziehen und den edlen Valduch zu beschirmen. Als Priwin a mir dieser tröstlichen Nachricht heim­kehrte, erwies man ihm an Valduch's Hofe die größten Ehren, und dieser forderte ihn auf, sich eine Gunst zu er­bitten. Priwin a stürzte zu den Füssen seines geliebten Herrn und begann: „Jedermann weiß, daß mich Gott mit Gütern reichlich gesegnet hat. Wollet Ih r mein HauS mit einer Gnade bedenken, so gebt mir Eure Tochter, die reizende Virgilie, zur Frau; denn wir lieben uns." Der Fürst lächelte gnädig und meinte, Priwin a sei dieser Vergünstigung wohl werth, nur müsse man den Aufruhr erst dämpfen, bevor an eine Hochzeit zu denken sei. Der beglückte Jüngling schwur, die Sache seines Fürsten mit unverzagtem Herzen zu verfechten. Inzwischen erhoben sich die Heiden haufenweis, bei Cilli und Marburg, an der Save und Gurk, und vertrie­ben oder tödteten diechristlichen Landleute mit ihren Prie­stern. Man riß den Säugling vom Busen der wehrlosen Mutter, warf sie als Opfer d.) (Fortsetzung.) Die Civilisation der Chinesen tritt jedoch in einer wesentlichern Form hervor, nämlich in den Erfindungen, die sie gemacht, in den Künsten und Wissenschaften, die sie cultivirt haben. Drei höchst wichtige Erfindungen, welche dem Fortschritte der Civilisation in Europa einen außeror­dentlichen Aufschwung gegeben haben, waren den Chinesen, als sie bei uns auftauchten, längst bekannt; diese sind: der Seecompaß, den sie wahrscheinlich schon 2000 Jahre v. Ch, kannten, die Buchdruckerkunst, welche bei ihnen schon übel 900 Jahre alt zu sein scheint, obgleich man daselbst übe! das ursprüngliche Verfahren darin noch kaum hinausge langt ist, endlich das Schießpulver, wovon man bald nacl, dem Anfange derchristlichen Zeitrechnung bei diesem Volk« die ersten Spuren findet. 3G3 Was die Wissenschaften anbelangt, s« können die Chi­nesen hierin nicht eben hochgestellt werden, obwohl sie in ei­nigen Fortschritte gemacht haben. Der Astronomie haben sie stets einige Aufmerksamkeit gewidmet, und selbst unter der Regierung ihrer frühesten Könige waren ihnen die fünf Pla­neten , die acht und zwanzig Sternbilder und die zwölf Zeichen des Thierkreises wohl bekannt. Sie hatten im Gebrauche, verschiedene Himmelserscheinungen zu beachten, und Sonnen- und Modesfinsternisse wurden regelmäßig beobachtet. Diesen Erscheinungen schrieben sie immer ei­nen Einfluß auf ihre Dynastien und auf Ereignisse in ih­rem Volke zu, wovon eine Menge Geschichten erzählt wer­den. Zu allen Zeitaltern ihrer Geschichte glaubten die Chinesen, daß die Himmelskörper zu keinem andern Zwecke in ihren Bahnen sich bewegten, als um das Emporsteigen und den Fall der Dynastien anzudeuten; und Hungers­not!) und Pest, Dürren und Überschwemmungen werden nach ihrer Meinung durch Sternschnuppen und andere Me­teore vorher verkündigt. Es wird daher die Astronomie blos mit Rücksicht auf den Einfluß der Gestirne auf die mensch­lichen Angelegenheiten betrieben, daher steht auch das astro­nomische Collegium in der innigsten Verbindung mit der Regierung, und ein Verkehr mit diesem Departement wird als Scaatsverrach betrachtet und bestraft. Von der Botanik besitzen die Chinesen hinreichende Kenntnisse, um eine große Zahl Pflanzen zu sammeln und einzutheilen. Nach dem umfangreichen, mit vieler Mühe zusammengetragenen botanischen Werke, Pun-theo genannt, theilen sie die Pflanzen in Classen, Geschlechter und Ar­ten. Der Classen sind fünf, nämlich: Gesträuche, Körner, Kräuter, Früchte und Bäume. Ihre Eintheilungen sind zwar Nichts weniger als wissenschaftlich, doch geht wenig­stens daraus, daß sie überhaupt das Pflanzenreich zu un­tersuchen und zu classisiciren bemüht waren, hervor, wie aus so vielem Andern, daß sie ein denkendes, nicht uncivi­lisirtes Volk sind. Der Arzneikunde haben sie ebenfalls einige Aufmerk­samkeit gewidmet, allein sie zeichneten sich darin in frühe­ren Zeiten mehr aus, als in späcern. Zu Ansang der chi­nesischen Geschichte wird von einem ^göttlichen Landwirthe" erzählt, der die Landwirthschaft und auch die Heilkunst ein­geführt haben soll, während vor ihm das Volk von den Früchten der Bäume und von dem Fleische der Thiere lebte. Dem Pulse haben die Chinesen genaue Aufmerksamkeit ge­schenkt, und sie sind im Stande, dessen mannigfaltige Ver­schiedenheiten und Abweichungen mit einer Pünctlichkeit und Schärfe zu entdecken, wie kaum ein Europäer. Sie geben vor, 21 verschiedene Arten von Pulsationen zu ken­nen, und nicht selcen verordnen sie Arzneimittel, ohne eine einzige Frage zu stellen, oder auf irgend ein anderes Symp­tom zu achten. Indessen ist das System, daß sie sich ge­bildet haben, mehr das Ergebnis; der Einbildung als der Erfahrung, und der Zusammenhang, den sie zwischen den fünf Puncten, an denen sich der Puls fühlen laßt, den fünf Eingeweiden, den fünf Planeten und den fünf Ele­menten zu finden vorgeben, bildet eine fruchtbare Quelle der unzähligen IrrthumSr in ihrem Heilverfahren. Vor etwa einem Jahrhundert ward auf kaiserlichen Befehl aus den verschiedenen medicinischen Abhandlungen eine Samm­lung in 40 Bänden unter dem Titel: »Goldener Spiegel des Heilverfahrens" angelegt, und ein Bewohner Canton's hat nicht weniger als 892 medicinische Werke gesammelt, so, daß es wenigstens denChinesen an Büchern und Theo­rien in dieser Kunst nicht fehlt, obgleich man den Werch ihrer medicinischen Kenntnisse eben so wenig nach ihren zahlreichen Werken, als nach den noch weit zahlreichern Aerzten und Apothekern, von denen das Reich wimmelt, beurtheilen darf. Ihre Wundarzneikunde reicht nicht über Stechen, Brennen, Zahnausziehen und Bepflastern hinaus. Bedeutendere Fortschritte, als in den Wissenschaften, haben die Chinesen in den schönen Künsten gemacht. Ihre Erzeugnisse im Fache der Malerei sind gar nicht zu ver­achten. I n der Kenntnis; der Perspective sind sie zwar sehr weit zurück, und die Verschiedenheiten von Licht und Schatten verstehen sie nicht gehörig zu beachten, allein, abgesehen davon, daß ihre Farben lebhaft und ergreifend sind, leisten sie in der Darstellung von Blumen, Thieren und menschlichen Gesichtszügen oft sehr Gelungenes. Ihre auf Reispapier nach Europa gelangten Zeichnungen haben viele Bewunderung erregt. Treffliches bringen sie auch im Graviren zu Stande. Die Geschwindigkeit, womit sie ihre verwickelten und complicirten Schriftzeichen in Holz schnei­den, ist wahrhaft Staunen erregend, und kein Europäer ist im Stande, etwas gleich Gelungenes (?) zu liefern, ge­schweige denn zu demselben niedern Preise. Einen Holz­schnitt, der in England 60 — 80 Schillinge (36 — 48 fi. rhein.) kostete, würde ein Chinese vollkommener (?) zu ei­ner halben Krone liefern. I m Pecschaftstechen sind sie hinter uns ebenfalls nicht zurück, und ihr Schneiden und Siechen in Elfenbein und Ebenholz, Schildplatt und Perl­mutter übertrifft das der meisten andern Künstler. Die berühmtenchinesischen Kugeln, von denen immer eine in der andern steckt, bis auf ? oder 8, alle ausgezeichnet ge­schnitten, werden aus Einem Stücke und nur durch die verschiedenen Oeffnungen in denselben bearbeitet; eben so ausgezeichnet sind ihre Arbeitkistchen und Fächer aus El­fenbein, die verschiedene Figuren in herrlicher erhabener Arbeit darstellen. (Fortsetzung folgt.) Neues. (Das Wunderkind.) Der berühmte Pianist K. in Paris lätzt seinen talentvollen Knaben sich mitunter auf dem Piano öffentlich vernehmen. Neulich hielt das Wun­derkind in einer herrlichen Improvisirun g plötzlich inne. »Nun denn," rief sein Vater, Zweiter, weiter!" Das Kind erwiederte ganz unbefangen: /Aber Papa, ich —er­innere mich nicht mehr ganz recht!" — (Erfrorne Kartoffeln.) Wie schädlich der Ge­nus; erfrorner Kartoffeln sei, beweisen mehre Unglücks­fälle, welche sich im Monate December v. I . auf der Herrschaft Wlaschim in Böhmen ergaben. ^ Es starben nämlich, wie die »Bohemia" erzählt, zwei Personen plötzlich in Folge eines solchen Genusses und mehre andere erkrank­ten in sehr heftigem Grade. — 364 Mitteilungen ans dem Tagebuche eines Wieners. Winterfeuilleton. (Beschluß.) lieber unsere Kunst-und Literaturzustände den Freunden des Schönen Folgendes, wenn auch nur Flüchtiges: Demk.k. Hofburgtheater v erda»ken wir ein neues Lustspiel, es führt den Titel: »Wer die Liebe Hot, führt die Braut heim«, von Franz von Nrlluna u (recte Fritsch), dem sinnigen Verfasser des so wohl oufgenonmienen Scherzspieles »Jodest". Einer englischen Anek­dote nachgebildet, tragt es von seiner Erfindung an bis zur letzter Phase der Ausführung, den Titel sogar mit eingerechnet, ungemein viel Elemente/ «on der Eigenthünilichkeit englischer Dramcnconstruction in, inncrn Wesen und an äußerer Form, was sich um so augenfälliger herausstellt, als eine darin vorkommende, und den eigentlichen dramatischen Entwickelungscffect bedingende Gerichtsscene viel Verwandtschaftliches mit jener Shokcspear'­schen im »Kaufmann von Venedig" wahrnehmen läßt. Ohne Zweifel hat der Verfasser tüchtige dramatische, namentlich englische Studien durchge­macht, von welche» letzteren er stark insluencirt scheint, was ihm indessen nur zur Ehre gereichen kann, da er dadurch nicht wenig an Kraft, (wenn auch nicht an jener Shakespeorisch — derbe», die denn auch keineswegs u„­erlnßlich) an Kern und Mark, so wie auch an der, besonders alteren engli­schen Schriftstellern eigenen prägnanten Mächtigkeit des Ausdrucks gewon­nen und den Muth errungen, sich an ein so sprödes Thema, wie es das vor­liegende war, zu wagen, denn nicht Jeder mochte es so getrost versuchen, eine» harten und unnatürlichen, das Ehe- und Lebcnsglück seines einzigen Kindes auf die trügerische, Entscheidung eines Würfelwurfes setzenden Vater auf die Breter zu bringen, ohne ihn nicht entweder schlechterdings dem all« gemeinen Verdammungsurtheil über einen unmenschlichen Vorgang preis zu geben, oder sich selbst die höchst riskante Aufgabe der Lösung eines all­zutühnen psychologischen Räthscls gestellt zu haben. Eine andere Novität der f. t. Hofburgbühne ist Dr. Raupach's vicroctiges Lustspiel, «die -feindlichen Brüder", andcrorten unter dem Titel: «Allopath und Homöo­path" bekannt. Nach unseren ästhetischen Begriffen müssen wir dieses Pro­duct des bühnengewandten Raupach's, denn als solcher zeigt er sich doch immer, in die Wallung der Possen rechne». So betrachtet, befriedigt sie den Lachlustigen, ohne eben den Wunsch auf etw,>s Gewählteres in mächti­gere Anregung zu bringen. Vom Gesichtspuncte des Lustspieles aber aus müssen höhere Anforderungen zur Sprache kommen. — Unter den neuen Bearbeitungen und in Scenefetzungen führe ich an: »Karl XII. bei Ben­ der", Schaus. in 4 Aufzügen, und »der Nuckelige" nach Sheridan Know­les, bearbeitet von Johann N er th I) e im er, Schaus. in z Aufzügen; beide fanden von Seite der Kritik eine nicht »»lebhafte Opposition, ohne indessen dem Public» geradezu zu mißfalle». Das f. t. Hoftheater nächst dem Kärntnerthore brachte uns nebst mehren, demVallete angehörenden Divertissements eine neue Oper »Johanna V. Are", Test von Otto Prechtler, dem sinnigen Dichter, Musik von Hoven . Letztere Verdient, wenn auch nicht Hen Namen eines genialen Meisterwerkes, doch das Lob einer schönen, correcten, und in ihrer Art be­deutenden Schöpfung, die als Versuch gelten kann, die verschiedene» herr­schende» Musikstyle zu vermitteln, und eben so den Gesetzen der Kunst zu huldigen, als dem Eeschmacke des Publicums entgegen zu tommen. Die ästhetische Geltung dieses ^U5le.Milien lasse ich dahingestellt sein, und be­rufe mich nur auf die Wirklina, die bis jetzt eine nachhaltige gewesen. Gro­ßen und wahrhaft verdienten Ruh»! erntete in der Titelrolle Madame vo» Ha ssel t-N a rt h ; schöne künstlerische Auffassung und eine herrliche Dar­stellung gaben dieser Johanna die vollendete Gestaltung einer bezaubernden Opernhcldin. — Hr. v. Holt ei ist noch immer Gast der wiener Vorstadr­lhcater an der Wien und in der Leopoldstadt. Nun haben wir von ihm: «Erich der Geizhals, «der Wahnsinn und Ehre", Orig. Schausp. in 4 Auf­zügen, in der bekannten volksthllmlichen Manier des Dichters gehalten, breit ausgemalt, aber mitunter kräftige, ja zuweilen allzu farbengesättigte Car» Nation. Sonst sahen wir eine Reprise seines »Lorberbaum und Nettelstab«, dann «der »2. Februar« oder »die Wiener in Paris und die Pariser in Wien«, beliebte, und für Volkstheater gewiß auch recht gute Gemälde. Nicht unerwähnt bleibe Holtei' s declaniat. - dramaturgische Vorlesung. Holtei , der Vorleser, steht auf jeden Fall noch höher, als Holte, , der Dichter und Schauspieler, darin ist er Meiner, Meister im geistigen Durch­dringe» des Objectes, und vollends dann erst des Vortrages, womit er nicht nur zu elcctrisiren, sondern auch hinzureißen «ersteht. Er bot uns die er« sten 3 Acte Von Shakespeare s »Heinrich de». Fünften«, dann eine ei­gene Dichtung: «Heltor und Achill.» — Von den Vorstadtbühncn nur noch Folgendes: Wir leben in Erwartung, was die demnächst statt finden sollende Eröffnung der Aufführung jener bekannnten oder vielmehr zur Zeit noch un­bekannten Karl'schcn Preisstücke Schouwürdiges, dir Localmuse Förderli­ches bringe» werde. Man hat unsere Neugierde eben so sehr gespannt, als es bereits unser Verlangen seit Langem ist, willkommen denn, wenn es To< lente sind, denen wir unter herzliche,» Lachen und Weinen ein lautes Bra­vo zurufen müssen. Saphi r hat jetzt auch die Mühe übernommen, die ininicr mehr und mehr verfallende Volksbühne mit kräftigen Geißelhieben wieder zum Leben und Bewußtsein aufzustacheln, hier findet sei» beißender Witz allerdings Blößen genug, wo er enkaustisch einzuwirken vermag.— Nun ein flüchtiges Wort über einige Concerte, und dann zu einem andere Genre der Kunst hinüber, Concerte die Fülle, Cuncerl« luujnur«! Ach, wer zählet sie all die Namen, die da auf den Afsichen gestanden! Nur so Viel also, daß uns vor Allen Julius Regondi , der Guitarreorpheus und Melophonamphyon in, Gefolge seines wackeren Gefährten, des Violoncellisten Lidel , unvergeßlich bleiben wird, und daß sich diesen Augenblick der ll> jäh­rige Karl Filtsch auf dein Piano-Forte hören läßt, dem glaubwürdige Propheten noch eine größere Zukunft als Liß t vorhersage». Möge keiner der beiden Theile getäuscht werde», am mindesten die Kunst! — Anton Ritter v. Pergcr , ein junger hochstrebender Künstler,') hat für die nächstkünftige Kunstausstellung ein schönes, gedankenreiches G.e­mäldc vollendet, eine Sccne aus Danlc's Mvilli» 6n»ime. Cum.) Die Auffassung ist poetisch, künstlerisch, schön, die Eoniposstion reich, die Ausführung harmonisch; über die Wahl des Sujets vom mal. art. Gesichts­puncte aus, müssen competentere Kunstrichter entscheide». — Gerechtes Auf­sehen erregte auch ein neues Gemälde der f. f. Nildergallerie im Nelve» dere: «Die beiden Foscari« von H a j e z. Man sehe und bewundere. — I» Ncrmanns et Sohn Kunsthandlung »uf dem Graben wird der Freund phy­sikalischer Versuche nebst einigen trefflichen Daguerreotypen, einige sehr ge­lungene galvanoplastische Abdrücke von Gypsmodelle» finden, welche bereits von einem bedeutenden Forlschritte dieses ungemein interessanten Verfah­rens zeuge». Wer sich über Letzteres näher zu unterrichten wünscht, der lese Dr. Nu rn berg cr's diesfällige ungemein faßliche Erläuterung in der letzten Mouatlicferung der »Dresdner Abendzeitung." Bedeutendere wissen­schaftliche Erscheinungen sind : des ausgezeichneten Reisenden Baron v. H ü-gel «Geschichte des Reiches der Sikh" und Baron v. H a m m c r> P ur g­stllll's »Geschichte der goldenen Horde." Wer sich an Gedichte» zu crgui­ cken wünscht, der taufe Frankl's neue Gedichte bei Nrockhaus in Leipzig und den von I . G. Seidl' s Freundespictät besorgten poetischen Nachlaß des zu früh dahingeschiedenen Halirsch , bei Gerol d in Wien. Und da wir denn gerade von Dichtung und Dichter» reden, so wisset denn. Freunde, daß unser Grillparze r vor Kurzem sein zu. Geburtsfest ge­feiert. Fünfzig Jahre eines Dichterlebens! Welche Fülle von Wonnen und Schmerzen! Denket darüber im Stillen »ach. Doch nicht wehmüthig sollt Ihr mir werden, nicht traurig wollen wir scheiden; auf! dieweil gerade noch Dlonyfos regieret, stimmet dieses Lied mit mir an: »Freude, schöner Götterfunken, Götter, sitzen wir beim Male, Tochter aus Elnsnim, Wissen nichts vom Erdenscin, Wir begrüße» wo»neiru»ten, Neliar schäumet im Pokale, Göttliche, dein Helligihum!« Unfre Hebe schenkt ihn ein; Also rief der hohe Meister, Netzt mit schimmerrcincm Thaue Glühend von Begeisterung, Das entzückte Äug' uns mild, Und e:> folgen unsre Geister Daß der Blick de» Stur nicht schaue Seiner Seele Jubelschwung. I n der Tiefe schwarz und wild. Ach, wie selig dieses Schwebe», Aller Schmcrz ruht ja begraben Trägt die Lust uns sonncnwärts! I » der nachtbcdeckten Fluth, Duft'ge Iris wird das Lebe» Und ein seliges Erlaben Und ein Ga»ymed das Herz; Füllt die Brust mit sanfter Glut. Auch hat sich der Tafelrunde Lieb und Freund sch a f I zugesellt Höchste Lust in unsrem Bunde! Dielen Kuß d er g on ze » W c l t! A. Montan. ')Den Lesern dieses Blattes aus der geistvollen Novelle: «I.» ci ilnrön 1« munu,» >n Nro. 12 — iü dieses Jahrganges bekannt, Ä. d. R. Laibach. Druck und Verlag des Joseph Vlasnit.