Lllibllchcr Tanbllitt. Nr. 198. ptänumetali°n«vre>se: Sät Laibach: Ganzj. fl. 6'4u; Austeilung in« Hau« vrilj. 25 !r. Ulit der Post: Kanzjäht. fl. 12. Rcd acrion und Expcdili on: Babnhvsgassc Nr. 15 Frei lag, 29. August 1879. — Morgen: Rosa v Lima. 3nfertion6yteife: Ein. , IpaUige Pelilzeile ä 4 lt., bei -i O C>» (.«» Wiederholungen k S lt. An- X zeigen bi« 6 Zeilen 20 kt. u „Lastet die Mädchen zu uns kommen!" Der Erfolg, welchen die national-klerikale Agitation durch Beeinflussung der weiblichen Landbevölkerung erzielte, läßt einen Mitarbeiter des „Slovenec" den Wunsch nach Gründung einer höheren slovenischen Töchterschule aussprechen. Der betreffende Autor verweist hiebei auf das Beispiel Prags, wo das deutsche Idiom seinerzeit überwog und wo, wie er versichert, die Fräulein ebenso deutschthümelten, wie bei uns zulande. Seitdem nun Prag eine höhere, im nationalen Sinne organisierte und geleitete Töchterschule besitzt, sei es ganz anders geworden. Die Präge-rinnen sprechen heute das reinste Slavisch und seien derartig vom nationalen Geiste beseelt, daß sie den Offizieren nur dann Antwort geben, wenn sie von denselben in czechischer Sprache angeredet werden. Um gleiche Erfolge zu erzielen, sollte m^n daher auch in Laibach bedacht sein, der Verdeutschung der weiblichen Bevölkerung durch die Errichtung einer höheren slovenischen Töchterschule vorzubeugen. Die heutigen Laibacher Mädchenschulen seien ein Nest der Deutschthümelei, und durch sie werde die weibliche Bevölkerung der Nation noch weit mehr entfremdet, als das bei den Knaben durch den Besuch der deutschen Schulen der Fall ist. Wir sind weit davon entfernt, den Slovenen das Recht abstreiten zu wollen, slovenische Lehranstalten zu errichten, vorausgesetzt, daß dieselben den vorgeschriebenen Bedingungen entsprechen. Doch eine andere Frage ist es, ob der Vorgang, welchen man bei der Realisierung dieses jüngsten Vorschlages zur Nationalisierung der Schulen im Auge hat, zu billigen wäre. Denn offenbar geht aus der gehässigen Bemerkung, daß man derzeit Schulen bezahlen müsse, in welchen Verächter der Nation großgezogen werden, hervor, daß man die Errichtung der slovenischen höheren Töchterschulen auf Staatskosten verlangt. Zugestanden, daß der Staat in der Lage wäre, diesem Wunsche Folge zu geben, ist es doch immerhin sehr wahrscheinlich, daß der Erfolg, den die „Nation" mit dieser Einrichtung erzielte, ein sehr problematischer wäre. Denn jeder Vater, der sein Kind in die höhere Töchterschule sendet, geht doch offenbar von dem Wunsche aus, demselben einen über die gewöhnlichen Alltagsarbeiten der künftigen Hausfrau hinausreichenden Bildungsgrad zu verschaffen. Eine nationale Schule aber, welche eingestandenermaßen dem beklagten Umstande entgegenwirken sollte, daß die deutsche Sprache Conver-sationssprache wird, trägt wenigstens hier bei uns den Keim des Siechthums ebenso in sich, wie das aus Schülermangel langsam dahinsiechende nationale Realgymnasium zu Krainburg. Oder glaubt man wol, daß sich das Ziel einer höheren weiblichen Bildung mit der Ausschließung des deutschen Idioms vereinigen ließe? Hält man die Sprache Schillers und GötHe's für so nebensächlich, daß ihrer eine gebildete Hausfrau in einem Lande entrathen kann, das, zum großen Theil von Deutschen bewohnt, der integrierende Bestandtheil eines Staates ist, in welchem das deutsche Element sowol der Zahl als auch der Bedeutung nach die erste Stelle einnimmt? Man halte uns nicht entgegen, daß die Ge-sammtzahl der Slaven Oesterreichs jene der Deutschen überrage. So wie die Dinge heute stehen, ist die Idee einer literarischen Wechselseitigkeit aller Slaven eben nur ein Traum, und er wird es auch bleiben, so lange Pole und Ruthene, ©zeche und Slovene, Serbe und Kroate sich einer wesentlich von einander verschiedenen Schriftsprache bedienen. Wenn aber der Verfasser des in Rede stehen- den Artikels behauptet, daß man in Prag aA schönem Munde nur mehr ein schönes Slavißch-höre, so hat er dabei einerseits vergessen, daß m4n in Prag auch ein sehr schönes Deutsch von Mädchen-lippen bekommt, und daß ferner der Kreis, in welchem die czechische Nation sich heimisch fühlt, denn doch etwas größer ist, als der Ausbreitungsration der Slovenen. In den Städten KrainS und Untersteiermarks, welche ja doch das Kontingent für die angestrebte höhere Töchterschule im nationalen Sinne stellen müßten, ist das deutsche Element trotz aller gegnerischen Versicherungen so mächtig, daß jede Mutter Bedenken tragen wird, ihre Tochter einem Institute anzuvertrauen, welches die Ausmerzung der deutschen Sprache methodisch betreibt. So lange die erste Agitation nachhält, könnte man wol durch entsprechende Pressions-mittel slovenische Eltern halb nöthigen, ihre Kinder dem nationalen Institute anzuvertrauen. Wäre aber erst einmal der erste Begcisterungsrausch vorüber und würde man einmal beginnen, die Sache von ihrer praktischen Seite zu betrachten, so würde man sehr bald zu anderen Resultaten kommen, als sie dem nationalen Schulmaune des „Slovenec" vorschweben. Gar bald würden die Lehrsäle der höheren slovenischen Töchterschule leer und die Kosten, welche die Erhaltung des Instituts verursachen, in gar keinem Verhältnisse mehr mit dem Erfolge stehen, daß einzelne absolvierte Schülerinnen desselben nach Prager Muster die Liebeserklärungen der Offiziere nur dann beantworten, wenn sie slvvenisch vorgebracht werden. Politische Tagesgeschichte. Zur Audrassy-Krisis bringt die „Presse" folgende, vom 27. d. datierte Notiz: „In den nächsten Tagen wird hier eine 3imillcton. Die Geheimnisse der Residenz. Nachtstücke aus dem Leben. Roman von F. Klinck. (Fortsetzung.) Der Graf schloß Adele entzückt in seine Arme und sagte ihr die größten Schmeicheleien. „Sie sind ein Engel, Adele!" rief er aus. „Ja, ich weiß, daß es nicht Eigennutz bei Ihnen ist, wenn Sie mir Ihre Liebe schenken, und darum will ich Sie auch belohnen, darum soll Ihr Erbe auch nicht durch jenes Mädchen verkürzt werden, welches ich nicht einmal kenne. Nein, nein — wir müssen sie aus dem Felde schlagen." Fräulein Meinhold hätte dem Grafen vielleicht ein anderes Lied von der Uneigennützigkeit Adelens singen können, aber der Graf hatte es sich einmal zur Regel gemacht, niemals auf die Worte dieser Dame zu hören, und so erfuhr er manches nicht, was für ihn vielleicht von Nutzen gewesen wäre. „Helene Streitmann hatte, wie Sie ja wissen, eine Tochter. Dieses Mädchen, von deren Existenz ich seit einer Reihe von Jahren nichts er- fahren habe, ist nun plötzlich wieder aufgetaucht, und zwar mit dem bewußten Trauscheine, um ihre angeblichen Rechte in Anspruch zu nehmen und die Ehre ihrer Mutter wieder herzustellen. Gelingt es uns nicht, den Trauschein in unfern Besitz zu bekommen, so ist für mich meine gesellschaftliche Stellung verloren und für Sie mindestens die Hälfte meines Vermögens." „Aber wie ist das möglich?" „Darnach möchte ich Sie gerade fragen, Adele, Sie sind ja fo klug. Fassen Sie einmal Ihre ganze Verstandeskraft zusammen, ob es nicht möglich ist, den Trauschein in unsere Hände zu bekommen. Der kostbarste Halsschmuck, einer Königin würdig, soll Ihren schneeigen Nacken schmücken, wenn Sie den Trauschein in meine Hände liefern." „Ich?" fragte Adele immer erstaunter, obgleich ihre Augen bei Erwähnung des Halsschmuckes hell aufleuchteten. „Ich?" wiederholte sie nochmals. „Ja, Sie und nur Sie, Adele. Ich darf mich, ohne Verdacht zu erwecken, nicht um die ganze Angelegenheit bekümmern. Auf mich würden zahllose Augen sehen, während an Sie niemand denkt — während man Sie vielleicht nicht einmal kennt." „Und wenn man mich doch kennt? Halten Sie die Geliebte des Grafen Horn für so unbedeutend, daß Sie annehmen dürfen, man kennte mich nicht?" „Derartige Leute pflegen sich um solche Dinge wenig zu bekümmern," entgegnete Graf Horn lächelnd, „sie sind viel zu naiv und tugendhaft, um den Namen einer solchen Dame auszusprechen." Adelens klare Stirn zog sich leicht zusammen. Gras Horns Worte hatten sie getroffen — Verachtung war das Schwerste, was sie ertragen konnte. „Meinen Sie?" fragte sie blos kühl und bedeutend herabgestimmt. „Ich weiß daraus aber noch immer nicht, wie es mir gelingen kann, den Trauschein zu erhalten." „Das wissen Sie nicht ? O, du lieber Himmel, Adele, Sie bringen mich zur Verzweiflung. Auf Sie habe ich meine ganze Hoffnung gesetzt, wenn Sie mir nicht dazu verhelfen, bin ich verloren !" rief Graf Horn wirklich bestürzt und ängstlich aus. „Sagen Sie mir nur zunächst, wie es mit dem Trauschein zusammenhängt und was Sie eigentlich beabsichtigen, was ich thun soll," sagte Adele ruhig, „wir haben dann noch immer Zeit zum Ueberlegen. Seien Sie doch nicht gleich so Anzahl von Vertretern Oesterreichs an den europäischen Höfen versammelt sein. Graf Beust (Paris), Graf Ludolf (Madrid) und Baron Haymerle (Rom) befinden sich bereits in Wien, und die Ankunft des Grafen Langenau (Petersburg) und Grafen Paar (Vatican) wird erwartet. Dieses Zusammentreffen steht, wie unS mitgetheilt wird, mit der Ernennung des Nachfolgers des Grafen Andrassy in Zusammenhang, indem Se. Majestät der Kaiser Werth daraus lege, bei der Entscheidung über die Besetzung des wichtigen Postens des Ministers des Auswärtigen die Vertreter der Monarchie im Auslande anzuhören." Wie die „Bohemia" erfährt, wird Andrassy am 28- oder 29. nach Wien zurückkehren, worauf dann die Entscheidung über die Person seines Nachsolgers sofort stattfinden soll. Der Gasteiner Zusammenkunst deS Grafen Andrafsy mit Bismarck wird von einem officiösen Korrespondenten des genannten Blattes die größte Bedeutung beigelegt. Sie beweise einerseits, daß Gras Andrassy der Vertrauensmann der Krone sei, da er sonst zu einer solchen Begegnung gewiß nicht die Ermächtigung seines Monarchen erhalten hätte in einem Augenblicke, wo er sein Portesenille niederlegt. Andererseits dürfe man annehmen, daß Graf Andrassy nach Gastein auch die Vollmacht mitnimmt, dem deutschen Reichskanzler die bündige Versicherung zu ertheilen, daß, sowie seit dem Jahre 1871 die Pflege der intimsten Beziehungen zu Deutschland den Leitstern der hiesigen Politik bildete, in dieser Richtung durch den sich vollziehenden Personenwechsel nicht die geringste Aenderung eintreten werde, lieber den Verlauf der Unterhandlungen zwischen den beiden Staatsmännern wird natürlich nichts in die Oeffentlichkeit gelangen. Doch spricht der Umstand, daß Bismarck sich zum Baron Todesco geäußert haben soll, er hoffe, den Besuch des Grafen Andrassy in Wien erwidern zu können, für das herzliche Einvernehmen der beiden Staatsmänner. Die Tiroler Ultramontanen sind durch die Designierung der Kandidaten für die erledigten Bisthümer Trient und Brixen außer Rand und Band gerathen. Denn sowol der für Brixen designierte Canonicus v. Leiß in Innsbruck als auch der für Trient bestimmte Weihbischof Della-bona in Innsbruck ist nicht von jener echt ultra-moutanen Farbe der Unversöhnlichkeit, welche insbesondere den verstorbenen Bischof Vincenz Gasser von Brixen zum Abgotte der „Tiroler Stimmen" machte. Beide Männer haben vielmehr, wie ein außer sich, Georg, ohne Ruhe bringt man nichts fertig in der Welt." „Was Sie thun sollen, Adele, davon habe ich zu meinem Unglück eben nicht die leiseste Ahnung. Ja, wenn ich das wüßte. Wie es mit dem Trauschein zusammenhängt, daS ist bald gesagt. Das Ding war verschwunden und muß, so viel ich weiß, plötzlich durch irgend einen Zufall wieder ans Tageslicht gefördert sein. Genug, er befindet sich jetzt in den Händen der Tochter, die mich heute morgens in meiner Wohnung aufsuchte, um ihre Rechte einzufordern." Fräulein Adele blickte einige Augenblicke nachdenkend zum Fenster hinaus, um einen Ausweg in dieser Sache zu finden. „Und es war Ihnen denn nicht möglich, dem Mädchen, welches vielleicht, so wie ich nachrechne, kaum achtzehn Jahre alt sein kann, den Trauschein zu entreißen?" fragte Fräulein Adele nach einer kurzen Bause. „Das Mädchen wird nicht so einfältig sein, ihn bei sich zu tragen. Ich fand sie außerordentlich klug und, was noch schlimmer ist, argwöhnisch. Zunächst habe ich sie zu täuschen gesucht, indem ich mich willig zeigte, ihren Ansprüchen gerecht zu werden; wir haben mindestens Zeit gewonnen, und das ist in dieser Angelegenheit schon sehr viel. Innsbrucker Korrespondent der „Deutschen Zeitung" treffend bemerkt, den in den Augen der Klerikalen begreiflicherweise entsetzlichen Fehler, trotz ihrer kirchlichen Würde Achtung vor den staatlichen Institutionen bewiesen. Namentlich habe Canonicus von Leiß während der Taaffe'schen Statthalterschaft durch seine Nachgiebigkeit und durch sein Anrathen zur „milden Praxis" der Geistlichkeit nicht wenig zur Vermittlung beigetragen, allerdings ein Umstand, der nicht geeignet ist, ihm das Vertrauen der Tiroler Klerikalen zu verschaffen. Während daher das liberale „Innsbrucker Tagblatt" die Erklärung abgeben kann, daß cs ohne irgend welche persönliche Nebenabsichten recht rool mit einem Bischöfe zufrieden fein würde, unter welchem die fanatischen Politikastereien aus den Kanzeln aufhören müßten und die übertriebene Andächtelei und Werkheiligkeit wieder der wahren Andacht Platz machen müßte, sind die „Tiroler Stimmen" über solche Aussichten ganz untröstlich. Sie wollen, wie das „Jnnsbr. Tagbl." in drastischer Weise erörtert, daß der künftige Bischof von Brixen „ein wilder Fanatiker, ein roher Rüpel, ein zelotischer Glaubensstreiter, ein eigensinniger Rechthaber, ein vom Allmachtsdünkel besessener Eiferer und Schwärmer" fei. Die Ultramontanen nennen zwar keinen Namen; sie verrathen nicht, wem sie jenes Maß von „roher Ungeschlacht-heit, jene Fülle von gehässiger Unduldsamkeit, jene potenzierte Herrschsucht" zuschreiben, welche sie bei einem Nachfolger der Apostel für unerläßlich halten. Nur das Eine sagen sie unter nicht mißzuverstehender Hinweisung auf den Dekan und Canonicus v. Leiß in Innsbruck trocken heraus: „Uns wäre eine und die andere Persönlichkeit lieber gewesen." Um nun den Glauben zu erwecken, daß durch die Designierung der genannten Kandidaten eine Bewegung im Volke selbst hervorgerufen worden fei, eutblödet man sich nicht, eine schamlose Agitation ins Werk zu setzen. Unter dem Vorgeben, der Glaube sei in Gefahr, werden öffentliche Gebete angekündigt. Nachdem sie abgehalten sind, wird in den „Tiroler Stimmen" über die Andacht bei denselben berichtet. Aehntich gefärbte Korrespondenzen gehen in andere klerikale Blätter Über. Dadurch gewinnt die Agitation Ausdehnung, und schließlich kann auch die ultramontane Presse Deutschlands nicht umhin, mit Genugtuung eine echt katholische Bewegung in Tirol zu constatieren. Im Grunde genommen wird aber der ganze Zeitungslärm nur durch einige verbissene Römlinge mit weitem Gewissen veranlaßt, die entweder selbst die rothcn Strümpfe an ihren Waden prangen sehen möchten, auf irgend einen Consistorialposten spccnlieren ober Es handelt sich jetzt nur darum, wie wir uns diese Zeit zunutzen machen." „Sie sind also im besten Einvernehmen von ihr geschieden?" „Im besten Einvernehmen. Das Mädchen ist in der festen Meinung, daß ich in dieser Sache zuerst Schritte thue und wird deshalb das Papier für sich behalten. Noch einen Vortheil haben wir. Ich glaube schwerlich, daß sie einen Vertrauten hat." „Das wäre allerdings ein Vortheil, und zwar ein sehr bedeutender," sagte Adele mit einem zufriedenen Lächeln. „Die Sachen stehen überhaupt, wenn sie sich so verhalten» nicht so ganz schlecht. Es fragt sich nur, ob das Mädchen Sie nicht betrügt, Georg?" „Mich betrügen?" „Nun ja, ich meine, wenn Sie Verdacht geschöpft und Sie durch ihr Versprechen, den Trauschein für sich zu behalten, irregeleitet hat." „Nein, das ist gewiß nicht der Fall — dafür bürge ich," rief Graf Horn entschieden. „Dann bitte, lassen Sie mich noch einmal einen Augenblick Nachdenken, Georg, ich will sehen, ob sich ein Plan zurecht legen läßt." Und die Dame lehnte sich mit geschlossenen Augen in den Sessel zurück. der „guten Sache" aus anderen Gründen Handlangerdienste leisten oder leisten müssen. Selbstverständlich gehört unter jene Blätter, welche den ultramontanen Zeitungskrawall fördern, auch daS feudal-klerikale „Vaterland", der neueste Bundesgenosse unserer National-Klerikalen, wenn es eine brutale Beschimpfung ihrer politischen Gegner gilt. Wahlaufruf der National-Liberalen. Die national-liberale Partei Preußens hat in ihrem nunmehr vollinhaltlich veröffentlichten Wahlmanifeste der phrasenreichen Wahlproclamation des Centtunis eine Kundgebung gegenübergesetzt, welche in festen, bestimmten Sätzen die Ziele der Partei kennzeichnet. Anknüpfend an die jüngste Schwenkung der Regierung, welche die innere Politik der Zukunft zu einem bisher ungelösten Räthsel gestaltete, hebt der Wahlaufruf hervor, daß zwar die handelspolitischen Fragen nicht vor das Forum des preußischen Landtages gehören, deutet aber gleich« wol an, daß der deutsche Nationalstaat als solcher die Quelle seiner Existenzkraft aus den freiheitlichen Institutionen zieht, von welchen ja auch ein materielles Gedeihen des Volkes in erster Linie abhängig gemacht werden muß. Erhaltung aller dem Landtage zuftehenden constitntionellen Rechte müsse daher das erste Ziel der national-liberalen Partei sein. Ans diesem Grunde müsse man an den Verfassungsbestimmungen sesthalteii, welche der Regierung die Pflicht auferlegen, den Landtag alljährlich einzuberufen und demselben den Staatshaushalts-Etat vorzulegen. Bezugnehmend aus das von der Krone gegebene Versprechen, welches dem Landtage einen Einfluß für die Bemessung der direkten Steuern in Aussicht stellt, müsse die Partei darüber wachen, daß dieses Versprechen zur That werde und daß ihr Gelegenheit geboten sei, durch eine Entlastung bezüglich der direkten Steuern zugunsten der ärmeren und mittleren Klasse» ein Gegengewicht gegen das Anschwellen der indirekten Steuern zu schaffen. Der in Preußen ebenso wie in Oesterreich laut werdenden Klage, daß die einzelnen Gemeindewesen mit einer schweren Bürde von staatlichen Ausgaben belastet sind, stellt das Wahlmanifest der Nationalen die Forderung auf eine diesbezügliche Entlastung der Gemeindeverbände gegenüber. Zu den großen Fragen des Kulturkampfes übergehend erklärt der Aufruf, daß die national-liberale Partei nichts gegen eine Revision der Maigesetze einzuwenden habe, insofern durch sie der innere Friede ohne Pteisgebung der unentbehrlichen Rechte Die Berathung mit sich selber dauerte ziemlich lange und der Graf fand hinreichend Muße, die schöne Gestalt zu bewundern. „So wird es gehen," murmelte Adele endlich, bann setzte sie laut hinzu: „Ich habe einen Plan, Georg." „Und das wäre?" fragte der Graf gespannt. „Ich will ihn Ihnen nicht jetzt mittheilen, sondern ihn lieber erst ausführen, meinen Sie nicht auch? Und jetzt lassen Sie die unangenehme Geschichte ganz in Ruhe, suchen Sie sie zu vergessen und theiten Sie mir etwas von den neuesten Nachrichten aus der Residenz mit, ich höre und sehe hier keinen Menschen. Zur rechten Zeit werden Sie weiteres erfahren, bis dahin seien Sie unbesorgt. Kann überhaupt in dieser Angelegenheit etwas geschehen, so kann es gewiß nur durch mich, darauf verlassen Sie sich fest." „Ich bewundere Sie, Adele," rief Graf Horn entzückt aus, „ich hätte mich an keinen bessern Anwalt wenden können. Haben Sie eine Bitte, so sprechen Sie dieselbe aus, ich werde sie, wenn sie mit Reichthum zu erfüllen ist, gewähren." „Eine Bitte habe ich allerdings wol, aber ich will sie jetzt nicht aussprechen, damit sie nicht etwa denken, ich beanspruche ihre Erfüllung als Lohn für meine Hilfe. Nein, Georg, ich will jetzt meine des Staates allen kirchlichen Verbänden gegenüber gefördert werden könne. Eine Aufhebung oder Sistierung der Maigesetze dürfe aber in keinem Falle eintreten, das Gesetz über die Schulaufsicht im Sinne des Ministers Falk niemals preisgegeben werden. Nach einer Skizzierung der Wünsche, welche in Bezug auf die innere Verwaltung eine klare Regelung der Competenzen, Vereinfachung des Jnstanzenzuges und Billigkeit der Einrichtungen und des Verfahrens erheischen, kommt der Wahlaufruf auf die Verstaatlichung der Eisenbahnen zu sprechen. Ohneweiters ein bestimmtes Urtheil über das Prinzip dieses Vorganges auszusprechen, wird erklärt, daß man durch den Ankauf der Bahnen die finanzielle Leistungsfähigkeit des Staates nicht beeinträchtigen darf, und daß auch auf diesem Gebiete die nöthigen Garantien gegen einen Mißbrauch der Bahnverwaltung in wirthschaftlicher wie in politischer Hinsicht geschaffen werden. Das vorliegende Schriftstück schließt mit einem Hinweise darauf, daß gerade unter den vorhandenen schwierigen Verhältnissen jeder Anhänger der liberalen Sache seine ganze Kraft dafür einsetzen müsse, daß die Stimme des freisinnigen Bürgerthums in Stadt und Land in der Volksvertretung zu kräftigem Ausdruck gelange und daß den liberalen Mittelparteien derjenige Einfluß gewahrt bleibe, welcher die unerläßliche Bedingung für den stetigen Ausbau des deutschen Verfassungsstaates ist. Vermischtes. — Bismarck in Kissingen. lieber den Umgang des Fürsten Bismarck während seines Kissinger Aufenthaltes schreibt man dem „Deutschen Montagsblatte" von dort: Es mag dem Reichskanzler während seiner diesjährigen Kur nicht an Zerstreuung gefehlt haben, denn sein Haus beherbergt von Zeit zu Zeit die allerverschiedensten Gäste. Da war zunächst die Hünengestalt des Herrn von Thüngen, welcher hin und wieder seine Frau besuchte, die die Segnungen des Rakoczy zu genießen hieher gekommen war, und die fast täglich von der Fürstin Bismarck zur Spazierfahrt abgeholt wurde. Herr Delbrück, welcher auch manchmal bei seinem früheren College» im Reichskanzleramte vorsprach, Wählte freilich stets einen Tag, an dem er sicher war, den obenerwähnten Gast nicht anzutreffen. Der neue Oberpräsident von Schlesien, Herr v. Bitte noch aufschieben, Ihre Großmuth beschenkt mich ja so überreich, daß mir kaum noch Wünsche bleiben." „Ja, ich kenne Sie, Adele, Sie können sehr bescheiden sein, aber sprechen Sie nur getrost Ihre Bitte aus, ich werde gewiß nicht denken, Sie forderten die Erfüllung als Lohn." „Ich habe Sie eigentlich nur an das versprochene Gewächshaus erinnern wollen, Georg. Sie werden es meiner Einsamkeit zugute halten, daß ich jede Abwechslung meines eintönigen Daseins mit Freuden ergreife. Damals als wir zuletzt diesen Gegenstand erwähnten, war Ihre Kasse zu sehr erschöpft, um eine solche Ausgabe zu ertragen, ich hoffe, daß sie jetzt wieder gefüllt ist und Ihnen diese Kosten daher nicht schwer fallen werden." „Gewiß nicht, meine holde Adele, mit Beginn des Frühjahrs soll die Sache sofort in Angriff genommen werden. Und nun erlauben Sie mir, wieder in die Stadt zurückzukehren, ich muß noch heute Abend bei einer Sitzung anwesend sein." „Schon?" fragte Adele. „Ja, Geliebte, Staatsgeschäfte gehen vor Minnedienst," gab der Graf lächelnd zur Antwort. Das Lächeln verzerrte sich aber zu einem abscheulichen Grinsen, denn die heftigsten Schmerzen in seinen Gliedern preßten ihm beinahe einen Schrei aus, doch faßte er sich noch früh genug und biß sich nur so fest auf die Lippen, daß diese blutige Spuren zeigten- „Wann darf ich Nachricht von Ihnen erwarten?" fragte Graf Horn noch. Seydewitz, erschien gleichfalls hin und wieder beim Kanzler, der seltsamerweise auch die Gesellschaft des Herrn Schliemann nicht verschmähte, welcher von Troja herbeigekommmen war. Seltsamerweise! Denn noch vor kurzem war der intimste Gegner Bismarcks, Professor Virchow, bekanntlich Schliemanns Gast in dem klassischen Lande, davon Homer gesungen. Herr Schliemann soll über die Kenntnis des Fürsten in Bezug auf Ausgrabungen alter Töpferwaren sehr erbaut gewesen sein. Also doch ein Berührungspunkt zwischen Kanzler und Fortschrittsmann ! — „Unregelmäßigkeiten" bei Assentier n n g e n. Der in Pancsova erscheinenden „Ba-nater Post" entnehmen wir die folgende Notiz über eine kleine lokale Überraschung in dieser so regierungsfreundlichen Stadt. Das bezogene Blatt berichtet nämlich: Seit einigen Tagen herrscht in der hiesigen Bevölkerung keine unbedeutende Aufregung, weil man im städtischen Referate über Militär-angelegenheiten „Unregelmäßigkeiten" entdeckte, infolge deren hier viele junge Leute, die bisher von der Stellung verschont waren, ex officio assentiert wurden. Trotzdem die Folgen der in dem Militärreferate entdeckte» Unregelmäßigkeiten erst jetzt der Bevölkerung acut vor die Augen treten, hat sich die Untersuchung hierüber schon seit längerer Zeit hingezogen, und hatte der Bürgermeister in dieser Richtung bereits seit geraumer Zeit die Anzeichen begangener Unregelmäßigkeiten in Händen. Da diese Unregelmäßigkeiten aus Jahre zurückgreifen, so ist es natürlich, daß die Untersuchung längere Zeit in Anspruch nehmen mußte. — Vom Blitze getödtet. Aus Bregenz, 25. August, wird gemeldet: „Historienmaler Herr Johann Boch begab sich mit einigen Freunden vor mehreren Wochen zur Sommerfrische nach Schattwald an der baierischen Grenze. Als er letzten Freitag nachmittags einen Spaziergang in nächster Nähe des Dorfes unternahm, kündigte ein Blitzstrahl ein nahendes Gewitter an. Um sich vor dem beginnenden Regen zu schützen, spannte Boch seinen Schirm auf, und fast unmittelbar darauf traf der nächste Blitz den Schirm und tödtete Boch. Ein schwarzer Streifen abwärts vom Kopfe bezeichnet« den Weg, den der Blitz genommen. Die goldene Uhrkette, welche er trug, war verschwunden, jedenfalls geschmolzen, fein Metallgeld weit herum zerstreut und die Kleider zerrissen. Boch war circa „Je'nachdem, ich weiß noch nicht, wie die ganze Sache sich macht, ich bin noch nicht einmal mit mir selber im Klaren," entgegnete Adele. „Jedenfalls erhalten Sie aber in den nächsten Tagen ein Billett, sobald die Sache eingeleitet ist. Zunächst muß ich versuchen, auf irgend welche Weise die Bekanntschaft des Fräuleins Streitmann zu machen. Das übrige wird sich dann weiter finden." Während Graf Horn davonfuhr, dachte Adele noch über einen Plan nach, der nur in dem Kopfe des intriguautesten Frauenzimmers ausgebrütet werden konnte. Sie war keineswegs gesonnen, sich von einer wildfremden Person einen Theil der Erbschaft rauben zu lassen, die sie schon sicher in ihren Händen zu haben glaubte; für sie war es Hauptbedingung, daß sich niemand mehr um das Treiben des Grafen kümmere, damit sie ihn nur desto sicherer in Händen habe. Für den Rest des Abends befand sich Adele alsdann in heiterster Laune. Sie sprach und erzählte so viel, daß Fräulein Meinhold sie mit stummem Staunen betrachtete und wiederholt mit dem Kopfe schüttelte; sie wußte aber recht gut, daß Fräulein Adele irgend etwas bei dem Grafen erreicht hatte, oder daß ein besonderer Plan, der ausgeführt werden mußte, in ihrem Kopfe spukte — sie wußte, daß sie eine Jntrigue durchgeführt hatte, oder noch durchführen würde. (Fortsetzung folgt.) 53 Jahre alt, von seinen Mitbürgern geachtet und geliebt. Er hinterläßt eine tiefgebeugte Witwe." — Brudermörder und Mensch en -s r e s s e r. Zwischen den Brüdern ThomaS und Sebastian Longari zu Perosa in Italien herrscht schon seit vielen Jahren eine erbitterte Feindschaft. Da einer vor dem ändern gegründetes Mißtrauen hegte, vermieden sie es in letzter Zeit, miteinander zusammenzutreffen. Am Charfreitag kam Thomas nach Hause und erfuhr, daß feine Frau stch in der Kirche befinde. Nach der Zurückkunft der Frau fragte er dieselbe, ob sie Sebastian gesehen habe. Sie antwortete, daß er dem Gottesdienste beiwohne. Nachdem Thomas erfahren, was er zu wissen verlangte, stieß er die Worte: „Es ist Zeit, daß es anders werde!" hervor, bewaffnete sich mit einem scharf geschliffenen Messer und einer Hacke, begab sich an einen einsam gelegenen Ort. welchen sein Bruder passieren mußte, versteckte sich dort und erwartete sein Opfer. Es dauerte nicht lange, bis Sebastian des Weges kam. Er war kaum in die Nähe seines Bruders Thomas gelangt, als dieser aus seinem Versteck hervorstürzte und ihn mit einem Hieb mit dem Beil zu Boden schlug. Der Unglückliche war aber nicht gleich tobt, weshalb ihm Thomas mit einem zweiten Hieb den Kops völlig vom Rumpfe trennte. Nun folgte eine Szene unerhörten Sannt» balismus. Als der Mörder feinen Bruder tobt sah. stürzte er sich, mit bem Messer in der Hanb, auf den Leichnam, schlitzte denselben vollständig auf, riß das Herz, die Lunge und die Eingeweide heraus und legte diese Reste mit dem Kopfe sorgfältig' beiseite. Das Uebriggebliebene des Körpers hackte er in Stücke, welche er an dem Rande des abschüssigen Weges vergrub. Dann packte er Kopf und Eingeweide zusammen und trug alles nach Hanse. Dort fing er ein fchaubereuegenbes Spiel mit bem Kopfe an, ben er wie einen Ball emporfchleuberte und wieber auffing. Dann schlug er dem Kopfe die Augen aus, schnitt Nase unb Ohren weg und riß schließlich mit einer Zange sämmtliche Zähn« aus. Alle biese Scheußlichkeiten waren inbefsen bloS ein Vorspiel zu bem nun Folgenben. AnS Herz unb Lungen des Ermordeten kochte der Cannibale selbst eine Art „Fricasse" und ließ an diesem greulichen Male seine Frau und feine Töchter Antheil nehmen, welche keine Ahnung von den vorgefallenen Unthaten hatten. — Nach einigen Tagen fand ein Jäger an dem Orte, an welchem die Reste des Erschlagenen eingescharrt waren, einen menschlichen Fuß. Der Jäger machte die gerichtliche Anzeige, woraus Nachforschungen angestellt und zahlreiche menschliche Körpertheile aufgefunden wurden, deren Anblick die Umstehenden mit Granen erfüllte, nur Thomas, welcher ebenfalls unter den Neugierigen war, zeigte eine so ungemeine Heiterkeit, daß ihm ein von Abscheu ergriffener Mann zurief: „Ich glaube fast, du könntest dabei Macaroni verzehren!" ohne zu ahnen, wie nahe er mit diesen Worten der noch grauenhafteren Wirklichkeit kam. Bald aber lenkte sich der Verdacht auf den entmenschten Bruder. Es wurde eine Hausuntersuchung bei ThomaS vorgenommen, wobei man den verstümmelten Kopf, dann die Hacke und das Messer, welche zur Verübung der That gedient hatten, auffand. Bor dem Gerichtshöfe leugnete Thomas energisch die ihm zur Last gelegte That. Sein Vertheidiger machte geltend, daß der Angeklagte nur im Wahnsinn den kannibalischen Mord verübt haben könne, doch die Jury ging hierauf nicht ein, so daß Thomas Lon» gari zum Tode verurtheilt wurde. Der Verurtheilte, ein kleiner, aber starker Mann von 44 Jahren, nahm sein Urtheil mit einem Cynismns entgegen, welcher unter den Anwesenden lebhafte Entrüstung hervorrief. Aber fein ganzes Benehmen zeigte von so viel Stupidität und Roheit, daß man fast geneigt war, die Ansicht seines Vertheidigers zu theilen. — Ruhestörungen in San Francisco. Man meldet aus San Francisco, 23. August: Ernstliche Ruhestörungen drohen seitens der hiesigen Arbeiter infolge der schweren Verwundung eine» ihrer Führer, Namens Kelloch, durch Mr. de Aoung, den Redacteur des „San Francisco Chrouicle". Letzterer wird strenge bewacht, und die Miliz steht unter Waffen. Eine am 23. d. M. um Mitternacht anfgegebene Kabel-Depesche meldet: Mr. Kelloch ist noch nicht tobt. Die Kugel ging durch eine seiner Lungen, und sein Wiederaufkommen wird, obwol es möglich ist, als sehr zweifelhaft erachtet. Er war früher Geistlicher in Boston und ist jetzt der Arbeiterkandidat für den Bürgermeisterposten von San Francisco. Das Schießen war das Ergebnis eines erhitzten politischen Streites und des Austausches bitterer persönlicher Beleidigungen. Die Aufregung war während des Tages ungeheuer, und 10,000 Arbeiter zogen durch die Straßen, umringten das Gefängnis und forderten de Aoungs Leben. Sie drohten auch, die von der Polizei beschützte Officin des "„Chronicle" zu zerstören. Heute abends hielt Mr. Kearney eine Ansprache an eine ungemein zahlreich besuchte Jndiguationsversammlung, in welcher er Mäßigung anempfahl und die Volksmassen beruhigte, die sich seitdem auch, mit Ausnahme einiger hundert Personen, vor dem Gefängnisse zerstreut haben. Eine weitere Arbeiterversammlung wird am Sonntag abgehalten werden, um die Frage zu erörtern, ob de Aoung gehenkt werden solle, im Falle Kelloch stirbt. Das Militär hält das Arsenal besetzt, und der Befehlshaber der Miliz hat den Kriegsminister um 50,000 Patronen ersucht, welchem Gesuche aus Washington stattgegeben worden ist. Lokal-undProvinzial-Ängelegenheiten. — (Aus der Handelskammer.) Die hämische Handels- und Gewerbekammer beschäftigte sich in ihrer gestern nachmittags stattgefundenen öffentlichen Sitzung mit nachstehenden Gegenständen: Zunächst sprach dieselbe über Antrag des Herrn Präsidenten Sr. Excellenz dem gewesenen Herrn Handelsminister Ritter von Chlumeeky für die et» fprießliche Thätigkeit im Interesse des Handels und der Gewerbe den Dank durch AufsteHen von den Sitzen aus und nahm die Zuschrift Sr. Excellenz des neu ernannten Herrn Handelsministers Freiherrn von Korb-Weidenheim mit der Versicherung zur Kenntnis, daß es stets ihr Bestreben sein werde, mit allen ihren Kräften zur Förderung der Interessen des Handels und der Gewerbe mitzuwirken. Desgleichen nahm die Kammer das vom Präsidium dem scheidenden Vorstände der hiesigen Filiale der österreichisch-ungarischen Bank, Herrn Franz Kautz, zugemittelte Dankschreiben zur genehmigenden Kenntnis. Weiters sprach sich dieselbe für die Beschickung des Handelskammertages in Prag aus; erklärte sich dermalen gegen die Verleihung der Auszeichnung zur Führung des kaiserlichen Adlers im Schilde an Barbara Herther; beschloß, an die Bezirkshauptmannschaft in Gottschee die erbetene Aeußerung dahin abzugeben, daß Josef Röthel als Kaufmann anzusehen sei; sprach sich ferner für eine Petition an das Handelsministerium, betreffend den Ausbau der Arlbergbahn, aus; erklärte sich gegen die Bewilligung der Märkte an die Gemeinde St. Georgen, und beschloß endlich, der Prager Kammer die Aufnahme der Berathnng über die Denkschrift der Olmützer Kammer um Errichtung eines Ministeriums für Eommunicationen in die Tagesordnung des Handelskammertages zu empfehlen. — (Geburtshilfliche Lehranstalt.) An der hiesigen geburtshilflichen Lehranstalt ist die Assistenten- und zugleich Sekundar-Arztensstellc zu besetzen. Die Dienstdauer ist auf zwei Jahre normiert und kann bei guter Verwendung noch zweimal für je ein Jahr verlängert werden. Gesuche sind bis 15. September d. I. bei der Direktion der k. k. geburtshilflichen Lehranstalt zu überreichen. — (Jubiläum.) Sonntag den 31. d. begeht der Pfarrer von Lengenfeld (Oberkrain), Herr Anton Für mach er, sein 50jähriges Priesterjubiläum. — (Heftiger Sturm und Hagel.) In der Nacht vom Sonntag auf Montag ist in Littai und Umgebung ein starkes Hagelwetter, begleitet von einem sehr heftigen Sturmwinde, niedergegangen und hatte insbesondere in den Ortschaften Kreßniz-Polane und Kreßnizberg an den Kulturen großen Schaden angerichtet. In den genannten Orten wurden der türkische Weizen und die Hirsefrucht vollständig vernichtet, der Mais sehr bedeutend und selbst die Kartoffeln theilweise beschädigt. Ueberdies hat der Sturm eine Fruchtharpse umgeworfen und eine größere Anzahl von Bäumen entwurzelt. — (Falsche Silbergulden.) In Cilli wurde kürzlich ein Silberguldeu-Falsificat verausgabt. Dasselbe ist aus Zinn in der von einem echten Guldenstücke abgenommenen Form gegossen; durch die graue Farbe, den schlechten Klang und die fehlende Umschrift „Viribus unitis“ auf dem Rande sind die Falsifikate leicht als unecht kennbar. * * * Nassensuß, 28. August. Diesertage sind zwei berüchtigte Diebe vom hierortigen Steuerexecutor in die hiesigen Arreste eingebracht worden. Veranlassung dazu war, daß der eine von ihnen bei helllichtem Tage um 10 Uhr vormittags in einer Mühte nächst Naffeufuß beim Stehlen ertappt wurde, während dem zweiten Spießgesellen die Aufgabe zu-gefallen war, den Mühlenbesitzer vor der Mühle so lange im Gespräch festzuhalten, bis sein Genosse in der Mühle ungestört aufgeräumt hatte. Einige Tage nach Einbringung der beide» Gauner wurden die Bewohner des Nachbarhauses, welches an die Arresthofmauer angebaut ist, durch drei Nächte, jedesmal zwischen 12 und 1 Uhr nachts, durch einen fremden Menschen in der nächtlichen Ruhe gestört. Der in diesem Nachbarhause wohnende Bezirksarzt Franz Sanrau sah sich veranlaßt, hievon das k. k. Bezirksgericht Naffeufuß zu verständigen und zu bemerken, daß diese nächtlichen Besuche wahrscheinlicherweise den vor einigen Tagen eingelieferten zwei Dieben galten. Das k. k. Bezirksgericht verfügte sogleich das Nöthige. Es ist nun zwar nicht gelungen, des nächtlichen Besuchers, resp. Ruhestörers habhaft zu werten, dagegen hat das Verhör der beiden Arrestanten Ergebnisse geliefert, welche vielleicht zur Eruierung des Mörders von Bischoflack führen könnten. Die beiden Verbrecher befanden sich nämlich damals, als der k. k. Bezirksrichter Dr. Kraus ermordet wurde, auf einer Wallfahrt nach Oberkrain zur Mariahilf in Brezje und haben gerade an demselben Tage, an welchem der schaudererregende Mordanfall vollbracht wurde, in Bischoflack übernachtet. Möge es dem Untersuchungsrichter gelingen, an der Hand dieser Angaben die Spur des Mörders zu entdecken, auf daß unser altbewährtes Sprichwort: „Nichts ist so fein gesponnen, es kommt einmal an die Sonnen" auch in diesem Falle in Erfüllung geht. — Vergangenen Samstag war hier Jahrmarkt, und muß bei dieser Gelegenheit mit Bedauern eou-statiert werden, daß der Viehmarkt auch diesmal in der Mitte des Marktfleckens Nassensuß abgehalten wurde. Dadurch werden nicht nur die frequentesten Punkte vollkommen gesperrt, sondern wird auch ein derartiger Geruch verbreitet, daß es auch heute noch, also am sechsten Tage nach Abhaltung des Jahrmarktes, die Bewohner belästigt. Abgesehen davon, daß hiedurch die Entwicklung von Epidemien ermöglicht wird, könnte durch das Zusammenpferchen des Rindes auf beschränktem Raume sehr leicht ein großes Unglück entstehen. Uebrigens soll die ordnungswidrige Abhaltung des Bichmarktes gleichzeitig mit den Jahrmärkten der Politischen Behörde angezeigt werden. Hoffentlich wird Naffeufuß doch einen Platz außer der Ortschaft zur Abhaltung des Viehmarktes auffinden können. Witterung. Laibach, 29. August. Morgens Nebcl, herrlicher Tag, schwacher Ost. Wärme: morgens 7 Ubr + 144ü, nachmittags 2 Uhr + 28 2° 6. (1878 + 271"; 1877 -f- 29 3" 0.) Barometer 737 21 Millimeter. Da» gestrige Tagesmittel der Wärme 4-19 5° um 2'5° über dem Nvrmalc. Gedenktafel über die am 1. September 1 879 stattfindenden Licitationen. 2. Feilb. Jahn'sche Real., Grabtsche, BG. Radmannsdorf. - 2. Feilb., Ausec'sche Rcal.. Podlaas, BG. Laas. — 2. Feilb., Kolevar'sche Real., Podlaas, BG. Laas. — 1. Feilb., Rozman'sche Real., Kamnik, BG. Krainbura — 2. Feilb., Saletel'sche Real., Schöpfendorf, BG. Sei-senberg. — 2. Feilb., Kastelic'sche Real., ftlecet, BG. Teisenberg. — 1. Feilb., Marolt'sche Real., Morast, LG. Laibach, — 3. Feilb., SupanMsche Real., Kurcitcn, BG. Radmannsdorf. IrsoLenstcrngen bei (360) _________Emil Mühleisen._________ Neuestes in Herren-Halskravatten, sehr billig, bei (166) 12 Karl Karinger. Als Haushälterin Äf ein Fräulein, gesetzten Alters, hier oder auf dem Lande unterzukommen. Dieselbe ist praktisch in der Küche, Haus-wirthschaft und Feldwirthschaft. Auskunft im Zeitungs-Comptoir. (395) 3—3 Ein Lehrling von angenehmem Aeußeru, nicht über 14 Jahre alt. der sich über die nöthige Schulbildung mit guten Zeugnissen aus-löeiscn kann, findet in einer Schnittwarenhandlung hier Aufnahme. Wo? sagt die Expedition dieses Blattes. (394) 3-3 Wiener Börse vom 28. August. Allgemein« Stael»-fAuld. ltü»ierrcnte . Holdrenle............. ^tootfllofc, 1854. . . 1860. . . * 1860 zu 100 fl. * 1864. . . 6rundenl!u|lung*- Obligationen. Galizien.............. Siebenbürgen . . . Lemeser Banal . . , Ungarn .............. . Andere öffentlich« Anteilen. Donau-Regul.-Lose tlng. Prämienanlehei wiener Anlehen . . Aciien v. üanfcen. Nationalbank. Achen p. Transport Unternehmungen. «lsöld-Bahn .... Donau»Dampfschiff Slisabeth-Wepbahn FerdinandS-Nordb. Hranz-Sosevh-Bahn Galiz. Karl-Ludwigb Lemberg - Ezernowitz Llovd-Gesellschaft . 1 | Geld Ware 66 05 67 70 1 78 75 ;114'— 124*60 66-10 67*90 78 85 115 — 125 - 125-75 157-50 126*25 158 — 90-75 86— 84-50 86-75 9125 86-50 84-90 87 25 107*60 97-25 111-25 108— 97-75 111*76 254 60 623 — 254 8*' 825 - . 131 — 569 — . 175— . 2200 . 142 60 . 233— 134-50 . 576 — 131 60 570 — 175-50 2210 143-60 233 50 135-578 — Hordwestbahn . . . kiudolfS-Bahn . . . LlaalSbahn .... Südbabn ......... lng. Nordostbahn . Pfandbrief«. Lodenkreditanstalt in Gold........... in öfter*. Wäbr. . Nationalbank.... Ungar. Sobenkrebit» prioritätr-Oblift. Elisabethbahn, l.tfm Zerd.-Nordb. i. Silber ^ranz-Ioseph-Bahn „ Galiz.K-Ludwigb. I.E. Oest. Nordwest-Bahn Siebenbürger Bahn SlaatSbahn, l. ($m. Südbahn k 3 Perz. Krivatkose. Kreditlose......... Rudolfslose .... Geld 124 — i 81-50 *70-50 87—; 124-25 Devise». London ©efdjorlen. Dukaten............ 20 Franc- .... IUO d. Reichsmark Silber............ 116 — 100 — 1011,. 99-50 96 — 10450 93 80 103— 95 60 71*30 168-50 120 50 102 — 168 75 18 11690 5 50 9 28»/» 67-35 100 — Ware 124-50 132— 270 75 87-60 124 75 116-50 100-50 101-30 100 — 96 50 105 — 94-20 103.60 96 — 71 80 169-50 121— 102*40 169— 18-25 117 — 6 51 9-29«/a 57 40 100 — Telegrafischer Kursbericht am 29. August. Papier-Rente 66 30. — Silber-Rente 68 05. — Gold-Rente 78 95. - 1860er Staats-Anlehen 124 —. — Bank-actien 824. — Krcditactien 257—. — London 117 30. — Silber —. — K. k. Münzdukaten 5 51. — 20-Franes-Stücke 9 30-/,. — 100 Reichsmark 57 45. Druck von Jg. v. Kleinmayr & geb. Bamberg. Verleger: Ottomar Bamberg. Für die Redaction verantwortlich: Dr. Hans KrauS.