lnr Annst, Wissenschaft und geselliges Leben. ---V'G-s Nedigirt von Franz Hermann von Hermannsthal. ^ ^Z. Montag am R^. Jänner 4G4Z. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich zwei Nummern, icdes Mol ein holber Bogen. Der Vreis des Nlotlcs ili in Loiboch aonüöoriaü, dall>!»bl,a 5 fl. Durch d,e l. l . Hoü unter <^nu»err m,t vorlorreier Susenduna aonziodr,g », balbiöbrig 4 sl. l . M.< unö wird doldjabria uorou«, be,oolt. Alle t. l. Postämter neo»,en Pränu»,erot,o» an. In üo,ba« »ränumerirl man beim Verleger om Roon, Nr. >yu, im «r,ien Sioclc. Volkslieder aus der Vretagne. 11. Die Nachtigall.*) "^errn Molo's junge Gattin weint. So oft am Fenster sie erscheint. Ach Weh! Ach Weh! Welch trüber Fall! Todt ist die arme Nachtigall. »Worum, mein neu Gemahl/ 0 sprich. Vom Veit so oft erhebst Du Dich? Von meiner Seit' um Mitternacht, Warum bist Du so oft erwacht? Warum barhaupt und ohne Schuh Vom Lager Dich erhebest Du?" „»Von Eurer Seit' um Mitternacht Warum so oft ich aufgewacht? Die großen Schiffe wollt' ich sch'n, Die Schiffe kommen schau» und geh'»."' »Nicht uni die Schiffe sicherlich So oft zum Fenster schleichst Du Dich! Dich ziehen Schiffe nicht herbei. Und wären's zwei auch oder drei. Nicht ist's, nach diesen hinzuseh'n. Auch uicht nach Mond und Sternen schon. Nun, meine Gattin, endlich sprich. Was jede Nacht erhebst Du Dich? »»So muß ick nach der Wiege geh'», Mein kleines Sohnlein schlummern seh',!,"« »Ick glaub' es nicht. Dein Wort ist Wind, Du gehst nicht schlummern seh'» Dein Kind. Du tauschest nicht mit Währchen mich, Sprich wahr! warum erhebst Du Dich?" »»Mein altes Männchen, zürne nicht! Dein Weib jetzt sicher Wahrheit spricht. Mich weckt dos ?ied der Nachtigall I m Garten Nachts mit süße,» Scholl. ') Diese Geschichte o°» der Nachtiaall, schon von Mari e von Frankreich als ein bretonnischcs 3ai erzählt, auch anderwärts frühe bekannt, ist jedenfalls «or de,» 12. Jahrhundert entstanden. Vom süßen Sang bin ich erwacht Der Nachtigall in jeder Nacht. Sic singt so sonst und lieblich sehr. All' Nacht, all' Nacht, wenn still das Meer.« Als Dos der alte Herr Uernohm, Da drückt es ihu gar wundersam. Als Das der ölte Herr oernahm, Die leise Rede »on ihm kam: «Sei wahr das Wort, sei's leerer Schall, Nachts fang' ich diese Nachtigall.» Und als dos Morgenroth erschien, Da kam er zu dem Gärtner hin. »Mein guter Gärtner, Hab' wohl Acht, Ein Dmg mir trübe Sorge macht. 'nc Nachtiaall an dieser Stell', Die ganze Nacht sie singt so hell. 'ne Nachtigall im Garten singt, Ihr Lied mich um den Schlummer bringt. Und fängst Du bis zum Abend sie. Ein Goldstück geb' ich Dir allhie.« Und als der Gärlncr Das »erstand, Lin Netz er aus im Garten spannt'. Die Nachtigall gar bald er fing, Damit zu seine»! Herrn er ging. Der Herr, als sie ihm war gebracht. Hellauf in seinem Herzen lacht. Und lachend würgt er sie zu todt, Darauf sie hin der Dome bot: »Nimm hin» nimni hin, mein jung Gemahl, Da hast D u Deine Nachtigall! Für Dich fing ich den Vogel heut. Ich wünsch', mein Schatz, daß Dich's erfreut. Als Dos gehört der Buhle traut, Er traurig ward und seufzte laut. »Mein Schatz und ich, man fing uns schön, Nu» können wir uns nimmer seh'n. Nicht mehr wie sonst om Fensterlein, Wie wir gepflegt beim Mondcnschcin. 398 Bilder aus der Ferne. IV. Nordische Gastfreiheit. Der Herr des Hauses setzt seine Geschäfte nach, wenn er Gäste hat, um zu jeder Zeit für sie bereit zu sein. Die Frau des Hauses überwindet ihre Krankheit, erscheint unter den Fremden als angenehme Wirthi», und wird da­für gelobt, bewundert, daß sie trotz ihrer erstaunlichen Schwäche sich für die. Fremden so thätig und aufopfernd zeige. Und findet man zuweilen sogar auch hier zu Lande Leute, welche die heiligen Pflichten der Gastfreundschaft weniger zuvorkommend und weniger freundig üben, so ist doch Keiner, der nicht diese Pflicht als unabweislich aner­kenne, und an ihrem Allare — wenn auch wider Willen — wenigstens mit geziemender Höflichkeit fungire. Bei uns kann man Besuche machen, bei denen Gast und Wirth wie auf Nabeln sitzen, weil man merkt und merken läßt, daß man nicht gelegen kam. — „Ach, entschul­digen Sie, daß ich störe." — „Ja, verzeihen Sie gütigst, ich habe einen sehr eiligen Gang. Wenn sie ein ander­mal mir die Ehre erweisen wollen. Allein, bitte, setzen Sie sich doch wenigstens einen Augenblick." Von solcherlei Redensarten vernimmt man im Norden nie eine Andeutung. Man kömmt vielmehr überall zu je­der Zeit gelegen, und ist immer im höchsten Grade will­kommen. Bei uns bedankt man sich sehr artig, wenn man ir­gendwo gebeten war, oder man macht auch hincenher eine vi^ts 6o reuiei-eimeut. Man preist Gott, wenn ein Be­such, der eine ganze halbe Stunde saß, erst wieder fort ist, und freut sich, wenn man ein durchaus unvermeidliches Festin, das Aian seinen Berannten einmal geben mußte, überstanden hat. I m Norden ist es umgekehrt, der Gast bekommt tau­send Dank für seinen freundlichen Besuch, und es wäre sehr lächerlich, wenn er seinerseits für eine Abfütterung danken wollte. Mi t nichts mehr kann mau sich dort die Leute kräftiger verbinden, als mit häusigen Besuchen, man bekommt aber bittere Vorwürfe, wenn man das Mittags­mahl oft versäumte. Wenn man nach achttägigem Quartieren schon wieder wegfahren will, so wird man dringendst gebeten, doch noch einige Zeit, ein Paar Tage, sine Woche zuzugeben, und Gast und Wirth lassen gewöhnlich so schwer von einander, daß in der Regel die Bitte zugestanden wird. Man be­fiehlt, die Pferde wieder abzuspannen. Nach einigen Ta­gen läßt man dann wieder vorfahren, packt und rüstet sich zum zweiten Male zu unweigerlichem Abzüge. Die Bitten des Hausherrn erneuern sich, und der Weichherzige, mitleidige Gast läßt auf diese Weise nicht selten zum drit­ten und vierten Male die Pferde zum Stalle zurückfüh­ren, und schlendert selber noch einige Wale zur vollen Ta­fel des „angenehmen Wirthes." Bei uns ist nur alle sieben Tage ein Sonntag, alle Monate kommt man einmal beim Familienhaupte zusammen, dann und wann gibt man einen Thee, einen Kaffee, ein Diner oder auch eine Tanzpartie, bei welcher Gelegenheit dann alle Minen springen und das ganze Haus umgekehrt wird. Alles hat seine bestimmte Zeit, sein abgetheilces Maß. Jenseits des Z6. Breitengrades ist es ein Anderes. Da ist jeder Tag ein Sonn- oder Freudentag, Werktage gibt es nicht. Die Thüren sind nie verschlossen, und ein Gast löst den andern ab, ein Festin das andere. Man ist immer vorbereitet, man ist stets aufgeräumt, beständig heilerer Laune, und badet sich in ununterbrochener Gesel­ligkeit, wie der Fisch im Wasser. Wie die Werktage aus dem Kalender, so sind die Wohn- und Arbeiczimmer aus der Architectur gestrichen. Man kennt keine solchen Säle, wie bei uns, die verschlo­ßen werden, und in denen das Ameublement mit Ueberzü­gen bedeckt ist, bis dann an einem Gesellschafttage Alles in Glanz und Pracht strahlt. Alle Zimmer sind Gesell­schaftsäle, und durch alle Räume fluchet der sich tum­melnde, nie endende Drang der Gäste, und dem Nachden­ken, dem Wohnen, der Einsamkeit, bleiben nur kleine, un­bedeutende Cabinete. Die Hälfte des Hauses ist als Gastlogis gewöhnlich geradezu an die Fremden abgetreten. Hier und da findet man auf einigen Gütern auch besondere Häuser zum Be­herbergen der Fremden. Viele der Familie nahe stehende Gäste haben ein für alle Ma l ihr ihnen reservirtes Logis. „Dies ist das Logis für meinen Schwiegervater, dies für meinen ältesten Sohn, wenn er von Frankreich mich be­suchen kommt", u. s. w. Es ist unmöglich, daß ein Gastwirts) bei uns sehnli­cher nach Gästen aussehen kann, als ein kur- oder livlän­discher Landedelmann. — „Gäste! Gäste!" heißt es in ei­nem Ende des Hauses, wenn Einer, am Fenster lauernd, eine Kutsche von ferne erblickte. Alles läuft aus allen Winkeln zusammen, um zu sehen, wer die Fremden sein mögen, ob der Besuch wohl ihrem Hause gelte. Die Be­dienten stellen sich an der Thüre in Bereitschaft. Haus­herr, Dame, Kinder, Alles fliegt hinaus den lieben Gä­sten entgegen. Denn — richtig! — die Kutsche bog auf dem Gehöfte ein. Es ist das liebe Onkelchen, das gute Tantchen und das hübsche Cousinchen. Die Vettern haben nachzukommen versprochen, und wollen gegen Abend auch noch ein Paar gute Freunde mitbringen. Welcher Jubel! Man wird acht Tage beisammen bleiben, fröhlich plaudern, tanzen, frühstücken, zur Tafel gehen, Thee cinken, Kar­ ten spielen, Jagd machen, ein Elen schießen, einen Bären Hetzen. Ja , was wird man nicht noch Alles vornehmen! I n einem Lande, wo die Natur so unfreundlich, ist es ein besonderer Segen Gottes, daß er die Menschen bort so freundlich machte. Vor Kälte zitternd, obgleich von oben bis unten in Pelze gehüllt, zehn Meilen durch Nebel und Sturm über Sumpf und Wald gefahren, von Wölfen- und Bärengeheul verfolgt, wie freut man sich da über die heimliche Ansiedelung der Menschen! Wie erquickt man sich bei der dienstfertigen Aufmerksamkeit und Pflege! Von den zahlreichen dienenden Geistern entkleider, ge­reiniget, geputzt, wie tritt man froh und zufrieden in die vollen Gesellschaftzimmer! Mi t welcher Genugthuung schrei­ 299 tet man auf die gnädige Frau des Hauses zu, küßt ihr verbindlich und ehrerbietig die Hand, und läßt sich von ihr zur Erwiederung nach nordischer Sitte mit zarten Lip­ pen die Stirn berühren! — Wie erfreut Einen der Thee­ tisch, das heimliche Kaminfeuer, und dann am Abende das bequeme Lager! (Beschluß folgt.) Ferial-Früchte. Humoreske von Fr. Wilh. u°n Sie b enhuen er. (Beschluß.) Wir hatten den Park erreicht. Brennend vor Begierde, ihr Wort zur Stütze meiner Hoffnungen machen zu kön­nen, wußte ich es einzuleiten, daß wir, getrennt von der übrigen Gesellschaft, einen einsamen Gang, umschattet von dichtem Laubwerke, verfolgten. Hier war es nun, wo ich meinen Empfindungen Worte geben wollte, wo meine ge­preßte Brust Erleichterung zu finden hoffte, indem ich, was sie drückte, in kunstlosen aber heißen Betheuerungen mei­ner umwandelbaren Liebe vor ihr auszuschütten mich berei­tete. Allein in süßem Vergessen, wie wenig wir an diesem Orce vor Ueberraschungen gesichert waren, und von einer Empfindung übermannt, welche mir mit einemmale alles Sprachvermögen raubte, sank ich vor der Geliebten nieder, kniend ihr den Tribut meiner Zärtlichkeit darzubringen. Aber eben da ich die Lippen öffnen wollte, mein Schicksal zu erfragen, ob ich nämlich Gnade finden vor ihren Au­gen, oder ein neuer Torquato Tasso vergehen solle in den Schmerzen einer hoffnunglosen Liebe, eben in diesem Augenblicke voll Poesie und dramatischer Wirklichkeit wurde das prosaische Haupt des Doctors, nicht des Bruders, son­dern seines Kunstgenossen, zwischen den Gesträuchen sicht­bar^ und sogleich nachher dessen ganze Gestalt. Ich sprang auf voll herber Verzweiflung, und wollte dem sehr erstaunt sich Geberdenden den erneuerten Bund zweier glücklicher Herzen verkünden, als meine etwas weniger unangenehm überrascht scheinende Geliebte die Lösung des Räthsels ge­gen den Zudringlichen selbst übernahm. „Dieser Herr«, sagte sie zu dem Aeskulap, „ist ein alter, guter Bekannter von mir, und da wir einst mit einander Komödie gespielt haben, hat er es versuchen wollen, ob es seiner ehemaligen Routine noch gelingen werde, mir auf echt theatralische Weise seinen Glückswunsch zu meiner demnächsten Vermäh­lung mit Ihnen darzubringen." Der Mensch lächelte zweifelhaft, und es lag etwas Feindliches in den Blicken, mit welchen er mich maß, ich aber, der arme Getäuschte, stand da mit einem Gesichte, auf welchem ohne Zweifel alle Sünden meiner Jugend klag­lich aufgezeichnet waren, und überdies; geschrieben stand: „ 0 culi'!» men, c» I»el» Mllximn, on!i>ll — daß ich getraut habe in der Unschuld meines Herzens einem Weibe!" Und da ich hinkam zur Gesellschaft, und meine be­staubten Knie Zeugenschaft gaben wider mich, und das schadenfrohe Kichern der Mädchen und das halbunterdrückce Lächeln der Männer mir's nur allzu deutlich verkündete, wie mein Unglück in seiner ganzen Umgränzung bekannt sei, wer hätte es mir verargen können, wenn ich gerade­ zu den lieblosen Kreis verlassen hätte, und zurückgekehrt wäre schon heute wieder nach meinem heimathlichen Prag, wenig mich um ihre Medisance und darum bekümmernd, ob ich einen Abend hindurch der Gegenstand der Unter­ haltung dieser Menschen bleibe, oder ob sie mir die Gnade erweisen wollen, mich und meine Situation schon in der nächsten Stunde vergessen zu haben. Allein nicht mehr verhängt des Himmels Güte über den Menschen, als dieser zu ertragen vermag, und in der Krisis seiner Nöthe steht der Schuhgeist des Geängstigten an seiner Seite, der Rettung Mittel ihm in die Seele flüsternd. Also begab es sich auch jetzt; ich zog einen klei­nen, zarten Reifring, blos mit einem einfachen Steine geziert, von meinem Finger, trat vor Louisen hin und sprach: „Wir sind vorhin unterbrochen worden, Madame. Kennen Sie den Namen, den Ihnen die Fassung dieses Steines zeigt? Es ist dies der Ring, welchen an Crea­tiens Pestcordone Ihr Bruder einige Minuten vor seinem Tode, den er in meinen Armen starb, an meinen Finger steckte. Der Ring trägt des Entschlafenen Namen. Ich glaubte, Ihnen kein theurercs Brautgeschenk anbieten zu tonnen — doch — wie gesagt, wir sind unterbrochen wor­den. Empfangen Sie ihn jetzt, an Ihre Hand allein nur darf er von der meinigen übergehen. Empfangen Sie ihn mit meinem wärmsten Glückswunsche." Die Erinnerung an den früh verlorneu Freund hatte meine Stimme weich gemacht, sie verdrängte in diesem Augenblicke jede andere Empfindung, und es wurde tlai/ daß ich jetzt an Nichts als an den Verstorbenen dachte. Und die höhnenden Antlitze umher verloren ihren pei­nigenden Ausdruck, Louise aber weinte das Friedensfest der Versöhnung an meinem Halse. Ich hatte ihr vergeben. x. Als wir in's Dorf zurück gingen, und bei der Schmiede vorüber kamen, stand Sancho bei seinem gebrochenen Schützling. Er trat auf unZ zu, und meldete, es habe sich im Wagen eine rothseidene Börse gefunden, dem An­scheine nach — überzeugt habe er sich nicht genauer — mit Füchsen und Schimmeln gar artig ausgestattet. Und damit reichte er uns die Beschriebene auch wirklich entge­gen. Bollhei m hatte nun seinen Verlust zurück, und wir Beide waren der Verlegenheit entrißen, das Stuben­mädchen Louisens um Vergebung bitten zu müssen, daß sie von uns ohne Belohnung gelassen werde. Auch der Wagenausbesserer konnte bezahlt werden, und somit hat­ten alle unsere Nöche für heute ein Ende. Unser Wirth von Mittag wurde sogleich durch einen Boten befriedigt, und die Erzählung unserer Fata gewährte der Gesellschaft vielen Spaß. Ueberhaupt ging der Tag so wie der Abend so ziemlich fröhlich vorüber, aber da ich am folgenden Vormittage mich wieder zwischen meinen vier Wänden und an meinem Pulte befand, auf welchem die in der Brieftasche vermutheten Ueberreste meiner Gage lagen, schwor ich mir, den Genuß der Staubferien nie 3OO mehr über die Gränzen meines Prag auszudehnen, und ohne Noch nie länger, als höchstens einige wenige Stunden der Erholung und der Nuhe, meinen Schreibtisch zu ver­nachlässigen, an welchem ähnliche Erlebnisse, wie die ge­strigen, nicht wohl möglich sind. Vol l heim reiste einige Wochen nachher zu seinem Regiment« zurück, und ich habe ihn seither nicht wieder gesehen; ich aber bin ein einsamer Mensch geblieben, ein einsamer sofern, als das bunte Treiben des Lebens an mir unbemerkt vorübergeht, ein einsamer nicht, sofern die Vorräche meines Bücherschrankes mich mit den Heroen der Vorwelt und mit den edlern, bessern Geistern meiner Zeitgenossenschaft befreunden. Neues. (Zwei Erfindungen) sind, nach den »Sonntags­blättern-, neuerlich in W,en gemacht worden, deren eine von besonderer Wichtigkeit ist. Der Zahnarzt der k. k. Leibgarden und der Hofburgwache, Herr Zeijel , hat nämlich einen Apparat ersonnen, um das Hinausspringen der Waggons aus den Schienen der Eisenbahnen im Falle eines vorkommenden Hindern,sseö oder Zusammenstoßes zu verhindern. Die Vorrichtu„g wird als sehr einfach in ih­rer Construeuon und als eben so mannigfach in ihrer An­wendung bezeichnet, wie sie denn z. B. auch als Reini­gungma'sckine zur Winterszeit wirkt, wenn die Gelege von Schnee oder Eis bedeckt sein sollten. — Herr Zint , (Leo­poldstadt, Sperlgasse Nr. 24») hat die Buchbinderkunst mit einem neuenVerfahren bereichert, das durch die dem med. österr. Gewerbevere,ne vorgelegten Probebände ftme Approbacion erhielt. Dieses Verfahren bietet den bioher vermißten Vortheil der Bequemlichkeit, daß Bücher in je­dem Formate, in jeder Stärke und Größe, auch die größ­ten Druck, und Einschreibebucher, beim Oeffnen nicht die geringste Vertiefung an der Nückenscheide zeigen, sie mö­gen wo immer aufgeschlagen werden. Das Deckelpaar fallt, gleichsam als feste Unterlage, auseinander, während der innere Rücken sich uncer dem spitzigsten Winkel, oder vielmehr in zwei parallel sich aneinander legenden Theilen emporstützi, so daß die Folien ohne allen Einbug auf­fallen. — (Ein Uhrlasten als Sarg.) Ein Bauer in dem französischen Dörfchen Bugey machte vor zwei Jahren ge­meinschaftlich mit seinem Bruder eine Erbschaft. Alles wurde zur Hälfte geiheilt, endlich blieb noch eine Häng­uhr übrig, welche uncheilbar schien. Allein unser Mann wußte Rath: er überließ seinem Bruder das Werk, und nahm den Kasten für sich. Auf die Frage eines Nachbars, was er damit anfangen wolle, erwiederte er: «Ich lege meine Frau hinein nach ihrem Tode; sie ist krank, kann es nicht lange mehr machen, und da ist es denn doch eine Oekonomie.« Die arme Frau hörte diese rohe Aeußerung, umsonst beschwor sie ihren Peiniger: der Uhrkasten wurde neben ihrem Bette aufgerichtet, um sie jeden Augenblick an ihren nahen Tod zu mahnen. Zwei Jahre währte diese Folter, kürzlich endlich starb sie. Der Mann legte sie in den Kasten und verschloß ihn. Die ganze Bevölkerung des Dorfes versuchte, ihn von seinem Vorsatze abzubringen, al­lein vergebens. »Es gibt kein Gesetz«, sagte er, ^das mir verbietet, meine Frau in einen Uhrkasten z« legen; sie ist darin und bleibt es.« Wirklich wurde die Verstorbene in ihrem seltsamen Sarge zur Erde bestattet. — ­ (Verein für wissenschaftliche Vorträge.) Unter dem Schutze des Prinzen von Preußen haben meh­re Männer von verschiedenen Fächern, darunter Ehren­berg, Ranke, F. v. Raum er, Raup ach, Ritter , Steffens, Twessen, Zumpl, einen Verein für wis­senschaftliche Vorträge gebildet. Es sollen für Damen und Herren zwölf Vorlesungen von zwölf verschiedenen Personen über mannigfaltige anziehende Gegenstände ge­halten werden. Die Vortragenden erhalten kein Honorar, um jedoch unvermeidliche Kosten bestreiten zu können, ist der Preis einer Einlaßkarle für alle zwölf Vorlesungen auf zwei Thaler festgesetzt. — (Große Hitze.) Die »moskauer Zeitung" meldet, ,,n Gouvernement Kostroma habe im letzten Sommer eine so außerordentliche Hitze geherrscht, daß dadurch mehre bedeutende Waldbrände entstanden seien, die noch bis ge­gen Ende September gedauert, und erst aufgehört hät­ten, nachdem der erste Schnee gefallen. — Mannigfaltiges. Elisabeth und Shatspeare. Eines Abends wurde in Beisein der Königin Elisabet h U°n Eng­land Shokspeare's „König Johann« aufgeführt. Die Königin »ahm sich vor, de» große» Dichler, der ihr bekanntlich sehr iieb war, ei,»»al «us der Fassung zu bringen. Vermöge der damaligen Nühncncinrichtung befanden sich die vornebmsten Zuschauer »uf der Bühne zu beiden Leiten, wo nun unsere Coulissen stehen. Die Königin stand öfters auf, und ging von einer Leite zur andern, hart an Shatspear e vorüber, welcher de» Kömg Johann spielte, oh»e daß er sich in seiner Rolle stören ließ. E»d­I,ch ließ ste vor ihn, im Vorbeigehen ihren Handschuh falle», in der sicheren Voraussetzung, er werde ihn sogleich aufheben. Er aber sprach eben eine pathetische Rede, und schloß e»dl>ch mit folge»den improvisirte» Verse»' »Nachdem wir Staaisgeschäfte abgethcui. Und über Krieg u»d Frieden sprachen, Geruh'n wir unsrer königlichen Muhme Den Handschuh aufzuheben." Damit überreichte er den Handschuh der lächelnden Königin. Historisches Tagebuch. Zusammengestellt von ci»cm Landpriester. 15. Jänner I7?l wurde in Wien Franz Grillporzer , der berühmte Vaterland,! sche Dichter, geboren. 1824 verließ Augussin Grubei , ein gcborner Wiener, Dr. der Theologie, f. t. Hofrath, seit !8lü bis «24 llllgcmei» beliebter Bischof in Lai­bach, diese Ttadt, und kam in großer und Vornehmer Begleitung zu Mittag »och Kroinburg, wo er bei demDechanteAugussi» Slug» mit mehr als vierzig andern «äste» speiste. I n Neumarktl übernach­tete er; am darauffolgenden Tage sprach er an der Glänze von, hohen Loibel herab den Segen über die von ihm Verlassene laibacher Diözes, und setzte über Klagenfurt sei»e Reise noch seinem neuen Nelii»„»ung°rtc, Salzburg, fort. Dort, als Erzbischof und Lezi,. tri« U3tu5, wirkte er für seine neue Heerde bis zu seinem am 28. Juni 1855 erfolgte» Tode eben so segensvoll, als früher in Krain, wo er sich, obwohl ei» Deutscher, die Landessprache so eigen machte, daß er in ihr Vorträge an das Landvolk halten konnte. lü. Jänner i?i5 wurde Johann Kaspar Graf Cobenzl als Landeshauptmann in Laibach feierlich angestellt. 1?. Jänner l8»4 trennten sich in Anco»« die neapolitanischen Truppen vo» den fran­ zösischen unter General Narbou , und am 22. Jänner setzte sich ein Corps von üllno Neapolitanern mit dem österr. General Graf Nugeu t zu Ferrara in Verbindung. Laibach. Druck und Verlag des Joseph Vlasnik.