Nr. 1 a. Einzelnummer 2 K. Poštnina pavšalirana. Kočevje, den 3. November 1921. Jahrg. I. Einzelnummer 2 K. Redaktion: Kočevje štev. 58, Administration: Kočevje štev. 18. Wirtschaftliches, kulturelles u. politisches Organ. Erscheint jeden zweiten Samstag. Abonnement: ganzjährig 15 Din., sonst entsprechend. Inserate: ganze Seite 400 Din., sonst nach Vereinbar. Einladung zur Mitarbeit und Abonnierung. Unsere Bewegung an der Rinse und Kulpa zwecks Zusammenfafsen« aller arbeite.-,den und erwerbenden Klassen ohne Unterschied der Nationalität in der stärksten Gtaat«partei Jugoslawien«, um so endgiltig die neuen Verhältnisse zu ordnen und Vorbedingungen für da« wirtschaftliche Auf. blühen zu schaffen, hat in kürzester Zeit einen solchen Umfang angenommen, dah wir über da« einstimmige Verlangen unserer Gesinnungsgenossen beschlossen haben, ein eigenes Blatt auch in beut« scher Sprache herau«zugeben. Da« Blatt wird trachten, die Volk«- mit den Staatsinteressen in Einklang zu bringen. Sein Grundsatz wird: Gerechtigkeit und Objektivität, sein Ziel: Verbreitung und Vertiefung der Volk«aufklärung, Humanität und der Zivilisation sein. Es wird Artikel und Übersichten über unsere innere sowie über die Weltpvlitik, ebenso über unsere und die Weltwirtschaft ein-schließlich leicht verständliche wissenschaftliche und Fachartikel bringen. E« wird speziell auf die Veröffentlichung von solchen Artikeln Wert gelegt, aus welchen unser Bauer, Gewerbetreibende und Arbeiter eine richtige Übersicht bekommt. Auch soll ihm durch diese Artikel die Möglichkeit ge-boten werden, über alle jene Fragen, die die ganze zivilisierte Welt bewegen und die in den heutigen demokratischen Zeiten ein jeder kennen muß, sich ein richtiges Urteil bilden zu können, wobei gleichzeitig auch der Intelligent auf seine Rechnung kommen soll. Wir werden StaatSfak-toren auf die Mängel und Unzulänglichkeiten in unserem öffentlichen und wirtschaftlichen Leben aufmerksam machen, dieselben in ihren Aufgaben unterstützen und, wenn es notwendig sein wird, auch kritisieren. Gegen alle jene Elemente aber, welche gegen unseren Staat unter dieser oder jener Maske wühlen, werden wir energisch Auftreten nnd dieselben, wenn notwendig, auch unschädlich machen lassen. Wer also mit diesen Grundsätzen übereinstimmt und unseren Kreis durch Idee oder Arbeit be- reichern will, ist uns willkommen ohne Rücksicht auf die politische Gruppe, der er zugehört oder zugehört hat. Wem aber die Verhältnisse die kl-istige Mitarbeit nicht zulassen, der soll da« Blatt bestellen und nti« weitere Besteller erwerben. Und wir werden trachten, daß aus dem Blatte ein Organ der wirklichen öffentlichen Meinung werden wird, wo ein jeder zum berechtigten Wort kommen kann. Da wir auch in der Journalistik die Gerechtigkeit für den ersten Grundsatz halten, soll ein Feindschaft und Liebe. Psychs-Analyse von ffeinrich von Turzanski. Die Feindschaft und die Liebe 5ind jene zwei der Triebe, Die jeglicher Zeiten Um Vorrechte streiten. (Es gebärt diese beiden Des Menschen Gemüt, IDo in Freuden und Leiden Dies Unpaar erblüht. (Erstere dominierend Schafft Krieg und Schlächterei, Letztere kultivierend Bringt Glück und macht uns frei! Hier ist der beste Kat drum der: „Man korrigiere die Natur." Das heißt, ein jeder gehe Her Und tilge aller Feindschaft Spur! An unsere freunde und Leser! Wir treten hiemit vor die Öffentlichkeit mit dem Gedanken der Einigkeit der Slowenen und Deutschen in den wirtschaftlichen und politischen Fragen des täglichen Lebens und der öffentlichen Bedürfnisse auf Grundlage des Programm es der Radikalen Partei, bn« in den entscheidenden Punkten unten angegeben ist. Wir haben uns zu dem Zwecke geeinigt, weil wir Deutsche uns bewußt sind, daß wir in einem slawischen Nationalstaat leben und nur einen verschwindenden Teil der Bevölkerung ausmachen, welcher dazu im ganzen Staate zerstreut ist und politisch im Staate mit Bezug auf die Macht nicht ernst in Betracht kommen kann, wenn er sich auf vollständig eigene Beine stellt, ohne daß wir dadurch unsere nationale Eigenart preisgeben, sondern nur, um das tatsächlich Bestehende anzuerkennen und für unsere Eigenart daraus die notwendigen praktischen politischen Folgen zu ziehen, wir Slowenen aber, weil wir unter den Deutschen viele höchst loyale Staatsbürger kennen und kein Hindernis obwaltet, dieselben aus Grundlage eines bestimmten politischen Parteiprogrammes als unsere gleichberechtigten Mitkämpfer für Recht und Ordnung, Fortschritt und Zivilisation anzuerkenneu. Und wenn wir beide Nationen auf dieser Grundlage und auf Grundlage des Programme« einer in Slowenien nicht bestehenden Partei uns geeinigt haben, so haben wir diesen Schritt nur aus der Erkenntnis getan, daß die bestehenden slowenischen Parteien, deren Programm und Arbeit wir übrigens hvchschätzen, mit Rücksicht auf unsere Verhältnisse in Slowenien nicht imstande sind, uns zu einigen, sondern daß dieses Werk von größter Bedeutung für uns nur eine in Slowenien bisher noch nicht engagierte Partei vollbringen kann. Und wenn trotz vieler Umwerbungen unsere Wahl gerade auf die Staatspartei kat exochen, auf die staatserhaltende Partei ersten Ranges, die unseren Staat eigentlich geschaffen hat, gefallen ist. so ist unsere Wahl auf dieselbe nicht soviel al« auf die staatserhaltcnde Partei gefallen, sondern als auf die Partei, deren Program m wir mit beiden Händen nur unterfertigen können und deren Wirken und Arbeit in vierzigjähriger ruhmvoller Vergangenheit so erprobt ist, daß wir unter diesen Umständen unser Schicksal voll Vertrauen in ihre Hände legten. Wir stellen keine speziellen Ansprüche, sondern wollen nur die Gerechtigkeit; wer mit uns übereinstimmt, ist uns willkommen. Fer Bezirksausschuß der Radikalen Wartet in Kočevje im Oktober 1921. . . Den Bezirksausschuß der Partei bilden alle Obmänner und Obmannstellvertreter aller Gemeindeorganisationen im Bezirke..." „. . . Den Kreiöausschuß bilden alle Obmänner und Obmannstellvertreter der Bezirksausschüsse im Kreise . . „. . . Den Hauptausschuß in Beograd bilden . . . die Obmänner der Kreisausschüsse. . ." Die Organisation der Radikalen Partei ist also vollständig demokratisch durchgesührt; der Träger der ganzen Organisation und der Ehrenämter in der Partei oder in ihrem Austrage außerhalb der Partei (Abgeordnete, Minister usiv.) ist das einfache Mitglied; sobald jemand das Vertrauen eingebüßt hat, muß er zurückireten. Und dieses ständige Abhängigsein von dem Vertrauen des Volkes ist dasjenige, waS die Partei enipor-gebracht und dieselbe schon durch 40 Jahre von Erfolg zu Erfolg getragen hat, denn jeder Würdenträger bis zu dem Ministerpräsidenten' wird vom einfachen Mann auf Grund dieser Organisation leicht kontrolliert und kann jeden Augenblick abberufen werden. Natürlich setzt eine solche demokratische Organisation ein politisch reifes und überlegtes Volk voraus. ist, kann morgen erneuert werden, und wen» eS für Sie ungünstig ausfallen wird, bedanken Sie sich bei Ihren Ratgebern! Der Ihnen »oin Herrn Ganslmayer eilige-gebene Gevnnke ist aber trotz seiner schönen Theorie am Papier bei der praktischen Durchführung — entschuldigen Sie, wenn ich offenherzig spreche — auch kindisch. Bei den Wahlen verspricht jede Partei den Himmel ans Erden, wenn men ihr die Stimmen gibt, nach den Wahlen schert sie sich aber gewöhnlich sehr wenig um die gegebenen Versprechungen. Denn der Mohr hat seine Schuldigkeit getan und nun kann er gehen I Gesetzt den Fall, daß aber die von der Bauernpartei und den Schwaben beehrte Partei aus anderem Holze wäre und die gegebenen Versprechungen voll und ganz zu erfüllen bereit wäre. Aber wer garantiert Ihnen, daß dieselbe das Versprochene wird auch erfüllen können, daß dieselbe die Macht haben wird, Ihre Wünsche einfach zum Gesetz zu machen? Wer garantiert Ihnen, daß dieselbe überhaupt in die Regierung gelaugt und daß sie nicht gezwungen wird, das bittere Brot der Opposition auszukosten, in welchem Falle es natürlich nicht ausgeschlossen ist, daß Sie zum herrlichen Schmaus entsprechend eingeladen werben 1 —' Und schließlich noch eins. Ihr seid samt Weib und Kind kaum 15.000 — für einen Abgeordneten werden aber nach dem neuen Wahlgesetz 40.000 Einwohner erforderlich sein. So viele Deutsche sind in ganz Slowenien nicht, abgesehen davon, daß dasselbe in drei Wahlkreise zerfällt, somit ebenso die deutschen Stimmen. Einen Abgeordneten können Sie unmöglich aufbringen. Ihre eigene nativnalpolitische Partei hat keinen praktischen Wert, da sie nicht zur Staatsmacht führt. Eine solche Partei könnte aber eine andere Bedeutung gewinnen. Seien wir anfrich-tig: in jeder Partei und in jeder Nation gibt's Krakeeler, somit auch unter Euch. Denn die Süd-mark und der Schulverein sind noch lange nicht vergessen. Die Vergangenheit und die Krakeeler sind aber zwei Objekte, die man nach Belieben drehen und ausbeuten kann. Gestern sind die Kommunisten als eine staatsgesährliche Partei erkannt und zu Boden geworfen worden. Dabei hat es sich gezeigt, daß seit dem April v. I. die Staatsgewalt sv erstarkt ist, daß sich keine Maus zu rühren wagte, als 56 ihre Abgeordnete der Mandate für verlustig erklärt und aus dem Parlamente hinausgejagt wurden und manche von ihnen in eeti Kerker wandern mußten. Und was werden Sie machen, wenn es morgen mit Ihnen resp. mit Ihrer dentschnationalen Organisation im Staate SH3 dasselbe geschieht? Ich sage deshalb: Vorsicht ist die Mutter der Weisheit! Die Gelegenheit, die sich Ihnen auf Grund des Programmes der Radikalen Partei bietet, nicht leichtfertig Vorbeigehen lassen! Ich lasse das Programm in den Hauptzügen hier und ziehe für heute ab, damit Sie Gelegenheit haben, sich auszusprechen und zu überlegen. Die E:u-scheidung ist in Ihre Hände gelegt; wie Sie entscheiden werden, so wird es geschehen." jeder, dem wir vielleicht ein Unrecht znsügen sollten, sich vertrauensvoll an uns wenden, um das Unrecht nach Möglichkeit gutzumachen. Das Blatt wird jeden zweiten SamStag erscheinen und kostet jährlich K 60. Durch persönliche Opferwilligkeit unserer Parteigenossen, speziell jener vom Land, ist die Existenz des Blattes gesichert. Der Einfachheit der Buchhaltung halber sowie Ersparung der Arbeit soll bas Abonnement nach Möglichkeit ganzjährig entrichtet werden, zu welchem Zwecke wir den Posterlagschein beilegen. Werwaltnngs-uud Medaktionsausschuß. Gin Geleitwort. Eine der Hauptbedingungen des menschlichen Lebens ist zweifellos die Zufriedenheit. Zufrieden sein heißt daher glücklich sein. Was Wunder, wenn die persönlichen Bestrebungen des Einzelnen sowohl als die gemeinsamen der Völker htzten EndeS dort anlangen wollen? Man will sich glücklich fühlen und strebt diesem Ziele unwiderstehlich zu. Dieses Bestreben nennen wir Kulturarbeit. Kultur ist also etwas, das uns Bedürfnis ist. Bedürfnisse aber müssen unbedingt befriedigt «erden. Bekannter Weise können wir sie nur kraft wirklicher Zufriedenheit befriedigen. Unzufriedenheit bringt Zwietracht und Krieg, Zufriedenheit dagegen schafft Eintracht und Frieden. Wer will oder wer kann das in Abrede stellen? „Leben und leben lassen" sei daher der Leitspruch aller Kulturarbeit. Auch uns, die wir uns die Aufgabe gestellt haben, ein kulturelle Belange förderndes Wochen-blatt zu begründen, dient dieser Leitspruch als Richtschnur. Und so ist, faktischem Bedürfnisse zufolge, dieser Gedanke heute zur Tat geworden. Die erste Folge dieses Blattes liegt daher allen Freunden des angeführten Strebens vor und wird ihnen fortab Berater und Wegweiser sein. Und wie der Bauer den Weizen von Unkraut säubert, so wollen auch wir eS tun. Weil es zu den vornehmsten Aufgaben eines Kulturvrganes gehört, nach jeder Richtung hin aufklärend zu wirken, sv wird es unser Bestreben sein, Strömungen, die Einseitigkeiten oder Sonder-interessen verfolgen, ent,prechend zu begegnen, um derart Klarheit zu schaffen. Und all dies auf der Grundlage wohlverstandener Interessengemeinschaft und wohlgesitteter Formen. T—kt. Auszug aus dem Programm und den Statuten der Radikalen Partei. (Konserenzbefchluß vom 25./ü8. Sept. 1920 in Beograd.) I. „In die Radikale Partei kann ein jeder loyaler Staatsbürger ohne Unterschied der Nationalität und Sprache oder Religion ein treten, wenn er nur ein ehrlicher Mann ist und die Prinzipien und Ideen des Parteiprogramme# aüerkennt..." II. Punkt 8: Alle Staatsbürger im ganzen Staatsgebiete sind vor dem Staate und dem Gesetze gleich. Artikel 4 der Verfassung: „. . . Alle Staatsbürger sind vor dem Gesetze gleich." Aitikel 16 der Verfassung: „. . . Den Minderheiten anderer Nationalität uno Sprache wird der Volksschulunterricht in ihrer Muttersprache unter den duich ein Svudergesttz festgelegten Bedingungen erteilt." Artikel 19: „Staatsämter sind unter gleichen gesetzlichen Bedingungen allen gebürtigen Staatsbürgern gleich zugänglich..." Auszug aus den Statuten. . . Sobalo 10 Mitglieder der Partei in einer Gemeinde vorhanden sind, kan» der Ausschuß der Partei für diese Gemeinde gewählt werdet! ..." Sollen sich die Deutschen von den übrigen Parteien im Staate separat politisch organisieren? (Aus der Debatte in der öffentlichen Volksversammlung in KneLjalipa am 25. September 1. I.; eine Erwiderung des Dr. Sajovic an Ort und Stelle.) „Mein Vorredner, Herr Robert Ganslmayer, der sich euch als euer politischer und Wirtschaft-liehet Führer unter tiefem Schweigen eurerseits vorgestellt hat, ist also der Meinung, daß ihr als Deutsche in die Radikale Partei nicht eintreten könnt, ihr dürft euch nicht zersplittern, sondern ihr müßt euch alle in seiner Bauernpartei bis zum letzten Mann bereit hallen, um zusammen mit den Banaler Schwaben und den übrigen Deutschen in Jugoslawien eine einheitliche politische deutsche Front zu bilden, mit dann bei den Wahlen im Einverständnisse mit den Schwaben mit jener Partei zu marschieren, die den Deutschen mehr bieten wird. Meine Herren, das ist ein für euch und uns gefährlicher Gedanke! Denn ihr müßt euch bewußt sein, daß, sobald ihr euch im Bezirke auf nationaler Grundlage politisch organisiert, eure nationalpolitische Organisation aus slowenischer Seite eine politischnationale Gegenorganisation hervorrufen und starke nationale Kämpfe entfachen wird. Nicht nur die projektierte Bahn, von welcher das Lebensinteresse des Bezirkes abhängig ist, sondern jede projektierte Straße, jede Schule, ja jede Gasthauskonzession oder Gewerbe-schein wird ein Politikum werden, wie cs schon seinerzeit war, um welches beide Parteien je nach der Parteizugehörigkeit der Betreffenden für oder dagegen kämpfen werden, nur mit dem Unterschied, daß heute die gebende uüd nehmende also die entscheidende Staatsmacht in den Händen der Slowenen liegt, während früher die Deutschen die Herren waren. Wer den Kürzeren ziehen wird, liegt an der Hand, wobei natürlich die Gesetze benso eingehalten werden sollen, wie dieselben seiner-it eingehalten worden sind! Wenn Sie, meine Herren, diese Zustände in unserem Bezirke wünschen, so wollen Sie sich nur auf deutschna-lionaler Grundlage organisieren und dein Herrn GanSlmayer folgen! Als Besitzer in der Stadt und auf dem Lande, dessen Interessen somit mit den curigen im Bezi» ke dieselben sind, muß ich Sie noch auf einen Umstand aufmerksam machen. Beim Umstürze im Jahre 1918 wollte man mit der Gvttscheer Frage kurzen Prozeß machen, die Bezirkshauptmannschast nach lllibnica versetzen, das Gericht und überhaupt alle Behörden aus Gvttschee abschaffen, das Gotiicheer Landl aber unter die benachbarten Bezirke politisch und gerichtlich aufteilen und zwecke ft ebner Durchführung eventuell ein neues Bezirksgericht in Brvd an der Kulpa errichten. Der an,veje:,de Herr Ganslmayer kann Ihnen be» ftäugen, wieviel Mühe und Wege mich damals als Obmann des Bezirks-Nationalrates zugleich in» meinen Freunden gekostet hat, um die maßgebenden Stellen von diesem Gedanken abzubringen I U»d glauben Sie, daß wir heute ohne Chauvinisten sind? Wal gestern verhindert worden Übersicht über die politische Lage. Unter dieser Aufschrift werden wir kurze Übersichten über die sämtlichen Staaten, welche in der zivilisierten Welt bedeutendere Rollen spielen, bringe». Dabei müssen mir vor allem bemerken, daß den eigentlichen Wert eines Staates neben der Größe und Einwohnerzahl vor allein die Art seiner Organisierung, der Charakter und die Bildung der Bevölkerung ausmacht, wobei es bei dein jetzt herrschenden Parlamentarismus ziemlich ohne Belang ist, ob an dessen Spitze ein, von Zeit zu Zeit gewählter Präsident oder ein, einer bestimmten Familie nach festgesetzter Ordnung entstammender Sprößling steht. Unzweifelhaft sind ans dem Weltkriege die gereinigten Staaten non Wordamerilra als die stärksten hervorgegangen. Dieselben haben den Weltkrieg benützt, um sich militärisch auszn-schulen, zu organisieren, auszuprobieren und für die ihnen bevorstehende Abrechnung ' mit Japan vorzubereitcn. Der Dollar ist heute neben dem schweizerischen Frank das beste Geld der Welt. Man hört viel von der Arbeitslosigkeit; dieselbe betrifft nicht die Amerikaner als solche, nur die dort den Erwerb suchenden europäischen Arbeiter, bereit Zahl an Arbeitslosen mit zirka vier Mil-lionen angegeben wird. Da Dollar da« teuerste Zahlungsmittel ist, kann Amerika nicht viel ex-portieren, sondern produziert größtenteils für sich selbst und erfreut sich dabei des größten Wohl. standeS, mit Ausnahme natürlich der armen Ein-wanderer, welche, um sich fortzubringen, froh sind, wenn sie wenigstens einige Tage in der Woche irgendwo beschäftigt werden. Der Staat zählt im ganzen 110 Millionen Einwohner, welche bekanntlich wegen ihrer Arbeit--, Ordnung-- und Unternehmungslust weltberühmt sind. Der zweite Staat, der sich am Ende des Krieges hochvergnügt die Hände gerieben hat, ist Kngland mit seinen Kolonien und Dominionen, welche bekanntlich ein Biertel der Erdoberfläche entnehme« und durch den deutschen und türkischen Kolonial-besitz um einige Millionen Quadratkilometer noch vermehrt worden sind. Die englische Herrschaft reicht heute ununterbrochen von Hinter- über Vorderindien, Mesopotamien, Arabien samt Palästina über den Suezkanal und Kairo, über ganz Ost-Afrika der Länge nach bi- auf die Kapstadt als die südlichste Spitze von Afrika. Die gute psychologisch und sachlich minutiös durchdachte und überall den Empfindlingen und Anschauungen des betreffenden Volkes angepaßte Verwaltung neben der Gerechtigkeit und Sicherheit ist neben der guten Polizei und der erfolgreichen Handelspolitik die beste Stütze der englischen Herrschaft in der Welt, welche umso sicheret ist, weil die Engländer es verstehen, die Intelligenz eines jeden von ihnen beherrschten Volkes bald in ihren Interessenten« und Kulturkreis hineinzuziehen und so für sich zu gewinnen. Den Konflikt mit den Irländern darf man nicht zu tragisch nehmen; das ist Englands innere Frage, wie sie beinahe ein jeder Staat besitzt. Der Dritte, der den Löwenanteil, obwohl mehr in moralischer Hinsicht, aus dem Weltkriege gezogen hat, ist Arankreich. E- wurde durch die schönsten deutschen Kolonien in Afrika bereichert, in Europa bekam es aber bekanntlich Elsaß-Lothringen im Ausmaße von zirka 14.000 Quadratkilometer, welche zwei Länder bekanntlich die Grundpfeiler waren, auf welchen sich die deutsche Industrie- und Militärmacht emporhvb. Die beiden Länder sind nämlich an Naturschätzen aller Art geradezu eine Schatz-kammer. Das europäische Frankreich hat sich von 536.000 Quadratkilometer aus 550.000 Quadratkilometer in Europa vergrößert und zählt heute neununddreißigeinhalb Millionen Einwohner gegen sünfundvierzigeinhalb Millionen von England. Der Kolonialbesitz Frankreichs ist beinahe achtmal so groß, während die Einwohnerzahl nicht über fünfzig Millionen beträgt. Das Ansehen Frank-reichS in der zivilisierten Welt steht heute aus dem Höhepunkt; sein Wort gilt bei seinen Bimdesge-noffen England, Amerika und Italien beinahe ebensoviel wie ihr eigenes. Durch den Weltkrieg und Friedensverträge sowie durch Separatabmachungen hat Frankreich es verstanden, beinahe alle Staaten der zivilisierten Welt au sich zu feffeln. Am schlechtesten von den Siegerstaaten hat Italien abgeschtutten. Dasselbe hat sich von ‘287.000 aus 312.000 Quadratkilometer vergrößert und seine Einwohnerzahl von 35 aus 36 Millionen vermehrt. Doch bleibt die Frage offen, ob z diese Vermehrung ihres Besitzer und ihrer Einwohnerzahl nicht eine Belastung für Italien bedeutet; denn die Deutschen und die Jugoslawen, die in ihrem Rücken Nationalstaaten besitzen und nur künstlich durch die Staatsgrenze von ihren Stamme«» genossen getrennt sind, werden für Italien kaum ein Element der Ruhe und der Ordnung bedeuten. Dazu kommt noch die Unzufriedenheit des italienischen Volkes mit den bestehenden Verhält-ntffen, die schlechten Verdienstverhältnisse, die große Teuerung im Lande, das strenge Polizeiregime und die großen Steuern, die aus dem Volke lasten, neben der Schlamperei in der Verwaltung, so daß, wenn man dies alles in Betracht zieht, sagen kann, daß Italiens Zukunft nicht geradezu auf Rosen gebettet ist. Jh„ Bundesgenossen vom Weltkriege her, die Engländer und Franzosen, behandeln Italien kaum als einen ihnen Gleichgestellten; sie benützen dasselbe nur zum eigenen Sprungbrett, speziell zum Gendarmen von Mittel-Europa und Balkan und lassen es so langsam, aber sicher unter diesen Völkern verhaßt machen. Somit kommen wir zu Jugoslawien, welches bekanntlich au- dem früheren Königreiche Serbien mit 87.000 Quadratkilometer und fünf Millionen Einwohnern hervorgegaugen ist. Dasselbe mißt heute nach Angliederung von Montenegro zirka 250.000 Quadratkilometer und zählt 13 Millionen Einwohner, somit trotz Fruchtbarkeit des Landes nur 53 Einwohner aus einem Quadratkilometer, während im teilweise stark unfruchtbaren Italien 115 aus ein Quadratkilometer kommen. Das Land hat also genug Raum und Brot für eigene Söhne und es ist nur an diesen Söhnen selbst gelegen, daß sie das Brot finden. Der Staat ist slawischer Nationalstaat, in welchem andere Nationen wie Deutsche, Magyaren, Rumänen und Albaner nur mit geringen Bruchteilen vertreten sind. Am 28. November 1920 fanden allgemeine Wahlen vom 21 Jahre an in die gesetzgebende Körperschaft oder Parlament nach Belgrad statt. Dasselbe gab dem Staate die Grundgesetze, in der sogenannten Verfassung ober Vidovdan-ka Ustava, nach welcher alle Provinzen, wie Slowenien, Kroatien, Bosnien, Serbien, Montenegro usw. abgeschafft werden, der ganze Staat in Kreise eingeteilt wird, welche bei der Errichtung nicht über 800.000 Einwohner haben dürfen. Die Kreise sind Selbstverwaltungskörper wie die Gemeinden und es werden zu dessen Vertretung Kreisabgeordnete gewählt, welche die Verwaltung mit einem vom König ernannten Statthalter an der Spitze für den Kreis zu führen haben. Die Kreise (okružja) zerfallen aus Bezirke (okrai), welche wiederum die Verwaltung durch die von den Vertretungen der Gemeinden zu entsendenden Abgeordnete zu führen haben und die Bezirke zerfallen aus die Gemeinden (občine), welche die kleinsten öffentlichen territorialen Selbstver-waltungskörper sind, deren Wirkungskreis aber voraussichtlich durch die geplanten Gesetze bedeutend vergrößert wird. Man plant deshalb kleinere Gemeinden zusammenzulegen und größere zu errichten. Zur Bewältigung der Ausgaben sollen geschulte Gemeindesekretäre ständig angestellt werden. Die Fragen, welche jetzt im Staate stark diskutiert werden, sind die, ob er bei dieser Verfassung bleiben solle oder ob man die Verfassung in der Weise abändern solle, daß der Staat aus den einzelnen Staaten nach Stämmen zusammengesetzt wäre und zwar aus Slowenien, Kroatien und Groß-Serbien. Diese Frage ventiliert die sogenannte Opposition, daß sind die slowenischen Klerikalen und verschiedene kroatische Parteien mit dem bekannten B.mernsührer Radič an der Spitze. Unter den Serben wären einige Mitglieder der radikalen Partei mit dem Dr. Protič, dem gewesenen Ministerpräsidenten, dafür zu haben. Doch können sich diese Parteien nicht einigen, während die Mehrheit#«, resp. die regierenden Parteien, das sind die Radikale Partei, die Demokraten, die selbständigen Bauern und die Sozialdemokraten, welche die Mehrheit im Parlament haben, bezüglich der Ordnung des Staates ein festes Programm besitzen, auf welches sie sich geeinigt haben und dasselbe offenbar durchführen werden. Solche Meinungsverschiedenheiten und mehr oder weniger starke Kämpfe beobachtet man beim Entstehen eines jeden Staates, deshalb sind solche Erscheinungen nicht allzu tragisch z« nehmen; die Mehrheitsparteien, die nach den Regeln des unter den zivilisierten Völkern üblichen Parlamentari-mns den Willen des Volkes darstellen und sich zu einem im Parlament präzis arbeitenden Apparate zusammengetan haben, werden voraussichtlich das festgesetzte Arbeitsprogramm durchführen und die einheitliche Rechtsordnung im Staate und in der Verwaltung schaffen. Darüber das nächstemal mehr. Bemerken müssen wir hiebei, daß das Rückgrat in unserem Staate die Radikale Partei bildet, welche die stärkste Partei im Staate ist und deren Wähler der Bauer und der Gewerbetreibende sind. Sie arbeitet deshalb hauptsächlich im Interesse de- kleinen Mannes. Nie Lage in Mitteleuropa hat sich i„ den letzten drei Jahren mehr gefestigt als man geglaubt hat. Das zeigte sich speziell bei der zweiten Avanture Karl von Habsbnrgs, der am 22. d. M., geführt von seiner Frau, wieder nach Magtjariett per Aeroplan gekommen ist, um die Herrschaft in Budapest zu übernehmen, dabei aber samt seiner gnädigen Frau einfach arretiert wurde, während sein Heer unter dem Drucke der sich heranwälzenden Truppeninasien aus Tscheche» und Jugoslawien einfach zerstob. Jugoslawien und Tschechoslawien haben nämlich zwecks eigener Sicherheit untereinander ein Bündnis aus Leben und Tod abgeschlossen; zu demselben trat auch Rumänien bei und es steht ihm auch Deutsch-Österreich nicht ferne. Karl von Habsburg, der den inneren politischen Parteihader offenbar schlecht und falsch einschätzte, glaubte, es werden diese Staaten bei seinem Erscheinen von selbst ans-einandersallen, uerrechnete sich aber stark, denn bei seinem Erscheinen verschwand sofort der ganze Parteihader und er fand gegen sich eine von Bajonetten strotzende einheitliche Front, deren er samt seinen magyarischen Freunden unmöglich gewachsen sein konnte. Und so kam es, wie es kommen mußte. In Neutschland verschwindet nach und nach der Sozialismus und an seine Stelle treten wieder die bürgerlichen Parteien. Die Hochburg des Sozialismus, Groß-Berlin, ist bei den letzten Gemeindewahlen für die Sozialisten verloren gegangen und es hyben die bürgerlichen Parteien die Oberhand gewonnen. Denselben Vorgang beobachtet man auch in der Provinz. Nur ist Deutschland aus dem Kriege stark geschwächt, aber wirtschaftlich nicht gebrochen hervorgegangen. Neben Elsaß-Lothringen, welche Länder der hauptsächliche Quell seines Reichtums und seiner Macht waren, hat es nun auch die reichsten Teile des Industriegebietes von Oberschlesien an Polen verloren, welches Gebiet bekanntlich zu den reichsten der Welt gehört. Bekanntlich hat Deutschland auch alle seine Kolonien, die ganze Kriegsflotte und einen großen Teil der Handelsflotte verloren. Sein Gebiet hat sich von 540.000 auf 480.000 Quadratkilometer verringert und hat dabei feine reichsten Provinzen verloren. Demgemäß hat sich auch seine Bevölkerung von 68 aus 60 Millionen verringert. Aus Deutschland ist aus der ersten Militär- und der zweiten Industriemacht der Welt eine europäische Landmacht geworden, die sich aber voraussichtlich in einigen Jahrzehnten durch kluge Wirtschaftspolitik und geschmeidige Diplomatie wieder unter die ersten emporheben dürfte. Kagesneuigkeiten. Karl von Kavsbnrg verdient die höchste Auszeichnung, über welche unser Staat verfügt, denn er hat uns die Gelegenheit gegeben, auszu-prvbieren, wie weit schon die Kraft unseres Staates gewachsen ist und sich konsoldiert hat. Mancher tvar da erstaunt über die Tatkraft und männliche Entschlossenheit des Jugoslawen, seine Freiheit mit der Waffe in der Hand zu verteidigen, denn man hielt ihn schon für einen Schwächling. . . Durch das Erscheinen des Herrn Karl in Ungarn verstummte auf einmal jeder Parteihader in Jugoslawien, ein jeder wir entschlossen, die kaum gewonnene Freiheit entweder zu behaupten oder rühmlich zu fallen, in keinem Falle aber das Genick zu beugen; und mir haben die Genugtuung, Karl aber die Enttäuschung erlebt, daß diejenigen, auf die er als Habsburger am meisten gebaut hatte, an der Spitze jener marschierten, die auch vor dem sofortigen Äußersten nicht zurückjchreckten. . . Man sieht: auch unsere Klerikalen sind nicht so schlimm und schwarz, wie man schreibt und flüstert; im Augenblicke der nahenden Gefahr haben sie sich als Männer und gute Patrioten erwiesen. Noch ein paar Karls und wir werden sogar mit dem Radič die besten Freunde werden. — Wirklich, Karl verdient eine Auszeichnung! Knde des Wassermangels. Der in der Nacht vom 23. auf den 24. d. M. gefallene Schnee hat der Wassernot endlich das so heiß herbeigesehnte Ende gebracht. Ist doch nie etwas so schlecht, daß es nicht auch Gutes an sich hätte und auch in diesem Falle wird es den hiebei Betroffenen zur Lehre dienen, wie dringend'notwendig eine Zentral-Bezirkswasserleitung sei, sv daß ein diesbezügliches Problem diesmal einen erprobten Boden finden wird, vorausgesetzt natürlich, daß die Geldmittel auszutreiben sein werden. Die letzte so. große Dürre war im Jahre 1834. Marktbericht. Unser am 17. Oktober statt-gefundene Herbstmarkt war diesmal ungewöhnlich stark besucht. AuS allen Teilen Sloweniens waren Marktfahrer zugeströmt und brachten Waren aller Branchen zum Änbot, welche reißenden Absatz fanden, ungeachtet dessen, daß sämtliche Artikel viel teurer, manche um fast ein Viertel des Ladenpreises, bezahlt wurden. Slowenien zählt 1,056.464 Einwohner, von welchen etwas weniger als 40.000 Deutsche find; ganz Jugoslawien 13 Millionen Einwohner, unter diesen gegen xh Milliyn Deutsche, die im ganzen Reiche zerstreut sind. Wach dem neuen Wahlgesetz fürs Parlament wird auf je 40.000 Einwohner ein Abgeordneter kommen. Gewählt wird nicht die Person, sondern die Partei im Kreise. Slowenien wird in zwei Kreise zerfallen: den von Ljubljana mit Brežice und den von Maribor mit Prekmurje. Gewählt wird aber in drei Kreisen, da Ljubljana als dritte Staatsresidenz einen eigenen Wahlkreis bilden wird. Kleine Parteien von lokaler Bedeutung werden sonach nicht zur Geltung kommen können (z. B. die Bauernpartei!), welcher Umstand zur Ordnung des Staates und Konsolidierung Der Verhältnisse, speziell aber der Wirtschaft, ungemein viel beilragen wird. Das ist auch richtig; denn man beobachtet die merkwürdige Parallele: je weniger Parteien in einem Staate, desto geordnetere und festere Staats- und Gesellschaftsverhältnisse, desto höher die Zivilisation und die Kultur und natürlich auch umgekehrt. Bei uns kann man die Buntscheckigkeit der Parteien noch entschuldigen; denn erstens sind wir noch eine junge, erst werdende Staatsnation und zweiten« haben der Krieg und die unmittelbar darauf folgende vollständige Freiheit eine Menge von Parteien geboren, die zwar sehr schön unsere Lebens-kraft, nicht aber unsere politische Reife dokumentieren. Nach drei Jahren des politischen Spielens ist es schon die höchste Zeit, daß man mit diesem politischen Kauderwelsch aufräumt; die ersten politischen Konturen der herannahenden Zeit der ernsten politischen Arbeit sind schon da: auf einer Seite die SR a b i ( n I e Partei, auf der anderen die Demokratische. Die Stärke der beiden Parteien wurzelt im serbischen als dem stärksten Stamm der Nation, aber auch Kroaten und Slowenen sind in beiden vertreten. Die Slowenen haben z. B. den Demokraten drei Abgeordnete geliefert. Im demokratischen Lager steht die Mehrzahl der slowenischen Intelligenz; sie ist bei uns eine ausgesprochene Partei des Städters. Für diese Herren ist die Radikale Partei zu bäuerlich; denn sie will auch bei uns das einfache Volk vertreten, politisch organisieren und durch den Staat führen. Von den Begründern dieser Partei sind der jetzige Ministerpräsident Paštć, der zugleich der Chef der Partei ist, und der gewesene Ministerpräsident Protič noch am Leben und bei voller Lebenskraft. Der Generalsekretär ist der Abgeordnete kaum 30 jährige Dr. Vojislav Janjiš ein hochtalentierter Politiker, der vor Kurzem auch in unserer Stadt weilte und seine Freunde hier besuchte. Zwischen der Radikalen und der Demokratischen Partei liegen mehrere Prvvinzialparteien, z. B. unsere Klerikalen, die Radicparlei in Kroatien, die mohammedanische in Bosnien usw., welche ihre Stellungen stelb-ständig schwer behaupten werden. Im ganzen Staate als einheitliche Partei sind nur noch die Sozialdemokraten organisiert; ihre Reihen hat der Kommunismus stark gelichtet, doch ist zu erwarten, daß sich diese Partei als solide Vertreterin des Arbeiters bald erholt, speziell jetzt, da der Kommunismus als staatsgefährlich überwiesen und einfach niedergeworfen worden ist. Es sind sonach politische Korrekturen von drei Parteien sichtbar : Die Radikalen als Vertreterin des Bauern- und Gewerbestandes, die Demokraten als Vertreter der Städte und die Sozialdemokraten als Vertreter der Arbeiterschaft. Was dazwischen liegt, kann, sobald die obigen drei Parteien nicht einig sind, auch von Fall zu Fall zur Geltung kommen, vorausgesetzt natürlich, daß die Wähler in entsprechender Zahl hinter ihnen stehen, sonst ist es aber zum langsamen Absterben und Verschwinden verurteilt. Die Sitzung des Bezirksausschusses der Wadi-Katen Wartei findet am 13. Wovemver nm 10 Wfir vormittags in den bisherigen Lokalitäten statt. An erscheinen haben alle Hvmänner und deren Stellvertreter sowie die Herenten. Berichte. Kočevje. Am 28. August d. I. fand hier eine Versammlung der Radikalen Partei statt, auf welcher über die politische Lage in und außer des Staates, über unsere jugoslawischen Parteien, deren Programm und Arbeit der Vorsitzende des Bezirksausschusses Herr Dr. Sajovic referierte. An der Versammlung nahmen viele Teilnehmer aus der Umgebung als Vertreter der einzelnen Gemeinden in sehr schöner Zahl teil. Der Referent beleuchtete, nach einem kurzen Rückblick in die Vergangenheit des Slawentums, die Entstehung, Entwicklung und das Ende aller ehemaligen slawischen Staaten, besonders aber den Grund des Unterganges — den Zunft der eigenen Brüder und den Schlußeffekt: die Herrschaft und Gewalt des Fremdlings über alle. Erst der Wellkrieg hat nahezu alle slawischen Stämme, bezm. deren Ueberreste befreit und ihnen eigene Staaten gegeben; von uns allein ist es aber heute abhängig, ,b wir unsere eigene Freiheit oder das Machtrecht des Fremdlings haben wollen. Das Schimpfen über den Staat wegen des Übels, welches der Krieg geboren, unter dessen Folgen die ganze Menschheit leidet, ist ein Untergraben der Fundamente des eigenen Staates, der eigenen Freiheit, ist der Weg unter das Joch de» Fremdlings! Deshalb müssen wir guten Willen, Mut und Arbeitsfreudigkeit zeigen, wollen wir nicht unseren Nacken unter dem Joche Fremder beugen; arbeiten wir doch damit für uns selbst und schaffen gleichzeitig unvergängliche Wohltaten für unsere Nachkommen. Der Träger unserer Freiheit und weiter unseres Staates ist die „Radikale Partei". Diese Partei hat das kleine Serbien zum Weltrufe gebracht, sie hat, zugleich mit der heroischen Tapferkeit des serbischen Soldaten und der Gewandtheit ihrer Diplomatie, es zu erreichen gewußt, daß alle Jugoslawen vom Timok bis zur Adria, von den Toren Graz bis zu den Toren Soluus in einem eigenen, freien Staate vereint sind, in welchem Staate wir selbst herrschen und den wir selbst nach unserem freien Willen in Form des unter zivilisierten Völkern üblichen Parlamentarismus entrichten werden. Der Redner besprach hierauf die Entstehung, Vergangenheit, das Programm und die Organisation dieser Partei und legte den Versammelten nahe, zu überlegen und Beschluß zu fassen, ob diese Partei bei uns einzuführen wäre oder nicht, ob eine Lokalorganisation geschaffen werden soll oder nicht. Daraufhin entwickelte sich eine lebhafte Debatte, an welcher sich chesonders die Herren: Dr. Flego, Advokat in Kočenje, Inspektor Bitold Biskupski), Bürgermeister Benčina aus Čniipotof, Lehrer Kleindienst aus Skrilj, Kaufmann König au» Novilazi, Gereut Vardjan ans Mozelj und auch der Referent selbst beteiligten; daraufhin beschlossen alle Anwesenden einstimmig, auch in Slowenien die Radikale Partei einzuführen, traten sofort bei, worauf der bevollmächtigte Vorsitzende des Bezirksausschusses Dr. Sajovic dieselben für ausgenommen erklärte. Gleichzeitig wurde beschlossen, diesem Schritte auch nach außen hin ein sichtbares Zeichen durch die Gründung einer Lokalorganisation der radikalen Partei zu geben, zu welchem Zwecke der Sekretär des Bezirksausschusses Herr Franc Kratnar auf Grund der Parteistatuten vom 28. November 1911 und auf Grund der Beitrittsliste feststellte, daß nur in der Stadt Kočevje nahezu dreimal soviel Mitglieder, nur unter den Slowenen ihren Beitritt angemeldet hatten und auch ausgenommen wurden, als nach den Statuten für die Gründung einer Organisation notwendig sind. (Applaus.) Auf allgemeines Verlangen eröffnte hierauf der Vorsitzende des Bezirksausschusses die gründende Vollversammlung der Lokalorganisation der Radikalen Partei für Kočevje, woraus die Mitglieder aus ihrer Mitte nach den gebräuchlichen Formalitäten folgenden Ausschuß für diese Organisation wählten: Obmann Dr. Sajovic, Besitzer in Kočevje; Vizepräsident Ing. Vitold Biskupski), Inspektor und Direktor des Kohlenbergwerkes in Kočevje; Kassier Martin Čabeš, Steuerexekutvr in Kočevje; als Ausschußmitglieder die Herren Anton Butina, Kaufmann; Gabriel Reoen, Besitzer und Steueroberverwalter; Drago Vidic, Bergwerksbeamter; Karl Urbančič, Bäckergehilfe, und Drago Lesjak, Bezirkssörster; als Rechnungsprüfer die Herren Ing. Franc Jenčič, Forstoberkommissär, und Rafael Burnik, Bezirkssörster, alle in Kočevje. Sv war der entscheidende Schritt getan und die Betsaminlungsmitglieder gingen mit dem festen Vorsatze auseinander, die radikale Idee im eminenten Staatsinteresse bis in die letzte Berghütte zu setzen. Wovikazi. Für den 4. September l. I. veranstaltete der Bezirksausschuß der Radikalen Partei für unsere Gemeinde eine Volksversammlung, an der nahezu alle Besitzer teilnahiuen. Herr Dr. Sajovic aus Kočevje erklärte, lebhaft begrüßt, die Entwicklung des öffentlichen Lebens in Jugoslawien vom Zusammenbruche Oesterreich Ungarns angefangen, skizzierte die politische Lage in und außer dem Staate, beschrieb das Gebilde eines modernen Staates und seiner Grundgesetze, der sogenannten Verfassung, und beleuchtete die Verhältnisse Jugoslawiens aus Grund der am 28. Juni l. I. von den Volksvertretern in Beograd angenommenen Verfassung, besonders die Rechte des Volkes und die des Staates. Er erklärte die Programme und die Arbeit aller Parteien Jugoslawiens als Träger des Volkswillens und bemerkte, daß auch unser Bezirk sich aktiv an der Politik beteiligen muß, will er vom Staate etwas für sich gewinnen. Zur Erreichung dieses Zweckes sprach er sich für ein gemeinsames, friedliches Zusammenleben und Ar-beiten beider Nationen im Bezirke zum Nutzen und Fortschritte aller aus und bezeichnte die Radikale Partei als jene, unter deren Flagge dieses geschehen könnte. Er beschrieb ihre Entstehung und ihr Programm, ihre Vergangenheit, ihre Arbeit usw. und forderte alle Anwesenden auf, sich über diese Idee zu äußern. Bei der sich daraufhin entwickelnden Debatte, an der sich besonders Herr Alt-Bürgermeister Johann Springer, Josef Mihič, Johann König, Georg Skiber aus Stalcerje u. a. beteiligten, hießen alle Redner, meistens deutscher Nationalität, die Idee des gemeinsamen, friedlichen Zusammenlebens und der öffentlichen Mitarbeit beider Nationen in einer gemeinsamen staatsbildenden Partei gut, genehmigten unter Beifallskundgebungen das Programm der Radikalen Partei und meldeten ihren Beitritt schriftlich an. Nach kurzer Beratung des anwesenden Bezirksausschusses der Partei aus Kočevje erklärte Herr Dr. Sajovic,- daß die Angemeldeten in die Partei ausgenommen sind, und gratulierte ihnen herzlichst zu diesem energischen und patriotischen Schritt. Im Namen aller bedankte sich Herr Alt-Bürgermeister Johann Springer, worauf folgender Ausschuß der Radikalen Partei für die Gemeinde Novilazi gewählt würde: Vorsitzender Johann König, Besitzer und Kaufmann ; Stellvertreter Josef Mihič, Besitzer; Schriftführer Johann Springer, Besitzer; Kassier Johann Springer, Besitzer und Kaufmann; Ausschußmitglieder Matthias Rački, Kaufmann in Rogatihrib; Georg Skiber, Besitzer und Kaufmann in Stalcerje; Rechnungsprüfer Matthias Črnkovič und Peter Novak, Besitzer in Novilazi. parteibewegung. Der eigentliche Warne der Radikalen Partei heißt im Serbischen Velika Narodna Radikalna Stranka, was auf Slowenisch Velika Ljudska (narod im Serbischen — ljudstvo, Volk) Radikalna Stranka oder auf Deutsch „Große Völkische Radikale Partei" heißt. „Radikal" ist schwer zu verdeutschen; es kommt vom Lateinischen „radex“ und bedeutet soviel wie „Wurzel", radikal bis zur Wurzel, also gründlich. Die Partei soll im Deutschen also die Große Gründlich-Völkische Partei heißen. Die Radikale Partei, wie man sie nun kurz bezeichnet, bedeutet soviel wie'die Gründliche oder Gründlich-völkische Partei. Ihre ruhmvolle, mehr als vierzigjährige politische Vergangenheit, während welcher Zeit sie ausschließlich im Dienste de» Volkes, des kleinen Mannes stand, unvergängliche Kulturgüter schuf und unermeßliche zivilisatorische Arbeit leistete, rechtfertigt in vollem Ausmaße diese Bezeichnung und macht sie zum Ehrennamen der Partei, der auch zur Ehre eines jeden Parteigenossen gereicht. Sie war diejenige, welche mit den jugoslawischen Emigranten die sogenannten Korfudeklaration im Jahre 1916 auf der Insel Korfu schuf, aus^ welcher der Ausgangspunkt des jugoslawischen Staates abzuleiten ist. Zwischen dieser Partei und der jugoslawischen aus Österreich-littgatu geflüchteten Intelligenz wurden damals nämlich feste Vereinbarungen getroffen, welche die Vereinigung aller Serben, Kroaten und Slowenen in einem einheitlichen parlamentarischen Staat unter dem Szepter des Karagjorgevič fest-legten, was nm 1. Dezember 1918 in Beograd im feierlichen Staatsakt unter stillschweigender Garantie der Ententemächte und über Beteiligung der bevollmächtigten Abgesandten der Slowenen, Kroaten, der österreichisch-ungarischen Serben und Montenegriner, sowie der gesamten serbischen Re-gierung mit dem Regenten Alexander an der Spitze auch realisiert wurde. Der 1. Dezember 1918 ist also als der offizielle Geburtstag des jugoslawischen Staates anzusehen und ist als solcher zum StaatSfeiertagc erklärt, da erst damals Serbien mit Montenegro, Dalmatien, Bosnien und Her-zegowina. Kroatien, Südungarn (Vojvodina = Banat, Bačka, Baranja), sowie Slowenien zu einem Staat-ganzen, zu einem neuen Staate, dem heutigen Jugoslawien oder Staate SHS verschmolz. Den geänderten Verhältnissen Folge tragend, berief die Radikale Partei im September 1920 eine Konferenz von allen Vertrauensmännern zusammen und diese beschlossen, die Partei im vergrößerten Staate den Verhältnissen und den neuen «Staatsbürgern als gleichberechtigte Genossen an-zupassen und dieselbe die Radikale Partei deö Königreiches SHS zu benennen. In dem Sinne werden nun das Programm und die Statuten revidiert werden müssen. Die Konferenz vom September stellte sofort entsprechende Regierungsanträge und für den 27. November d. I. sind die Vertrauensmänner sowie Vertreter aus dem ganzen Staate nach Beograd zusammenberufen, mn Anträge im Bezug auf das Programm und Staaten zu stellen, dieselbe anzunehmen oder ab-zuändern sowie um sich über die ganze bisherige Tätigkeit der Partei im Staate zu äußern und vielleicht wertvollen Ansporn in dieser oder jener Richtung zu geben. Auch unser Bezirk wird sich daran beteiligen, u. zw. durch eigene Abgesandte. Die Hauptarbeit der Partei seit dem Umstürze wurde nicht der Partei sondern dem Staate ge-widmet und hauptsächlich bestrebt, aus den unzähligen Parteien und dem politischen Chaos im neuen Staate zuerst den wichtigsten Apparat in einem parlamentarischen Staate,' seine Lunge und Herz, das arbeitsfähige Parlament zu schaffen. Sie versuchte zuerst mit allen Parteien (Kabinett Prutić Nr. 1), um niemanden zu beleidigen und das Terrain zu sondieren; als es klar wurde, daß die Parteien aus Österreich. Ungarn auch dem neuen, eigenen Staate vor allein als Ausbeutungsobjekt für ihre Parteigänger betrachten, schiffte sie einige Parteien aus und versuchte nur mit dem Nest, u. zw. mit den klerikalen Slowenen, den konservativen Kroaten und Serben (Kabinett Protić Nr. 2) zu regieren. Es wurde nicht viel besser; infolgedessen schuf der aus Paris zurückgekehrte Chef der Radikalen Partei, der weltberühmte Nikola Paštč aus den früher ausgcschifften Parteien und Radikalen eine neue Negierung, welche auch die Wahlen in die Konstituante durchführte. Aus denselben ging die Radikale Partei als die stärkste hervor; sie bekam von 419 Abgeordneten beinahe 100 Sitze und gleich ihr nach kam die liberale demokratische Partei („JDS"), welche unter diesem Sammelnamen zirka zehn Parteien und Gruppen vereinigt. Die Regierung wurde nun unter Paštč mit den Radikalen Demokraten und slow, selbständigen Bauern gebildet, welche alle auch von den Sozialdemokraten unterstützt werden. Das gemeinsame Programm lautet: Zentralistischer und parlamentarischer Staat mit großen Selbstverwaltungs-b e s u g n i s s e n des Volkes in Gemeinde, Bezi' k, Kreis und Berusstörperschaften. Dieses Programm wird aller Voraussicht nach auch verwirklicht werden; das erste Werk ist die Verfassung vom 28. Juni l. I.; der aus allen Parteien zusammengesetzte gesetzevorschlagende Ausschuß arbeitet mit größtem Dampf, um einen einheitlichen modernen Rechts- und Lerwaltungsstaat z„ schaffen. Die nicht in der Regierung vertretenen Parteien, die sogen. Opposition, schmollen natürlich und suchen nach verschiedenen Mitteln, um die in der Re-gierung tnsindlichen Parteien aus dem Sattel zu werfen. An der Spitze marschiert der frühere Ministerpräsident Prutić und unsere Klerikale mit dein Radić, dem kroatischen Bauernstthrer. Da» erregt aber nicht zuviel Aussehen; denn in einem jeden Staat gibt es schon seit jeher Opposition, die es schon 'wegen der Kontrolle der Re-gierenden auch geben muß und jede Opposition schimpft über die im Sattel befindlichen und ver-" sucht es, selbst h,„auf zu klettern . . . Man »er-sieht ja das und mau nimmt eö nicht zu böse, aber auch nicht zu ernst. Der Mensch bleibt ja auch in der Politik sich selbst treu. J>ie Lnndesvertretung der Radikalen Partei für Slowenien befindet sich in Ljubljana, Cankarjevo nabrežje l/II. Der Vertreter ist Herr Dr. Niko Zupanič. Sobald die Organisation in Slowenien in ihren Hau'ptzügen beendet sein wird, übernimmt die Führung der aus der Mitte der Parteimitglieder gewählte Ausschuß im Sinne der Parteistatuten. Die Mewegnng der Madikaleu Partei im Hottscheer Mezirk hat heuer im Frühling eingesetzt. Vor allem ist unser Bezirk, ohne Unterschied ob deutsch oder slowenisch, eigentlich durch niemanden parlamentarisch vertreten. Wer kümmert sich um uns und unsere Interessen? Die Selbständigen, auf welche wir soviel Hoffnungen gesetzt haben? Die Klerikalen? Oder gar die Kommunisten? Niemand in der Welt 1 Und im Parlament, wo nicht nur darüber, was zu geben, sondern auch was zu empfangen ist, entschieden wird, muß ein wirtschaftlich so hoch entwickelter und bedeutender Bezirk doch ein bißchen berücksichtigt werden. Wir wissen, daß wir nur im Anschluß an eine große, für uns und unsere Verhältnisse annehmbare Partei entsprechend zur Geltung kommen können; denn der Versuch, in einem Staate von 13 Millionen Staatsbürger eine Partei aus 13.000 Einwohner bilden zu wollen, mag dieselbe dann heißen wie sie will, muß man doch ein bißchen kindisch nennen. Und weil die in Slowenien bisher wirkenden Parteien mit Rücksicht auf ihre Vergangenheit ihre und unsere Verhältnisse nicht ernst in Betracht nehmen können, haben wir uns um das Programm. Organisation und Vergangenheit der Radikalen Partei, Deutsche und Slowenen zugleich, interessiert und das, was wir gesucht, auch gesunden. Die Radikale Partei ist die Partei des kleinen, fleißigen und sparenden Mannes; sie ist, wie die Vergangenheit zeigt, solid, konsequent und vor allem eine Wirtschaft--Partei, nüchtern, einfach und verläßlich. Man sieht aus den ersten Blick, daß dieselbe der nüchterne, praktisch und klar denkende Bauer geschaffen hat, um durch Hilfe der Partei die Regierung über sich selbst zu bilden und dieselbe auf diese Weise fest in der Hand zu halten. Nach ihrer Auffassung ist der Staat nichts anderes als eine Organisation deö Volkes und die Partei auch; der erste repräsentiert das Volk nach außen in offizieller Form und verwirklicht seine Aufgaben im Innern mit eiserner Hand im Interesse der Allgemeinheit. Die Partei repräsentiert aber das Volk nur dem eigenen Staate gegenüber und ihre Mittel sind Volksaufklärung, Organisierung und Vertrauen, wobei sie ihre Kraft hauptsächlich aus den moralischen Quellen schöpft und ihre Ziele vor allem mit moralischen Mitteln zu verwirklichen sucht. Ihr Ziel ist das allgemeine Wohl des Volkes, zugleich ihr höchstes Gesetz. Mit diesen Anschauungen beseelt sind wir ans Werk gegangen, als wir am 4. August I. I. Vertrauensmänner aus dem ganzen Gvttscheer Bezirk zusammen riesen, um über die politische und wirtschaftliche Lage im allgemeinen und im Gvttscheer Bezirk im besonderen zu beraten. Nach reiflicher Besprechung und gründlicher Überlegung sind da alle einstimmig zur Ansicht gekommen, daß im Gvttscheer Bezirk nur Zusammenarbeit der Deutschen und Slowenen in politischer und wirtschaftlicher Rücksicht von Segelt sein kann und haben sich zu dem Zwecke einstimmig für das Programm der Radikalen Partei entschlossen, das die Grundlage bildet, aus welcher man arbeiten und zum Wohle beider Nationen sowie zur Wohl-fahrt des Bezirkes wirken kann. Es wurde sofort ein vorläufiger Ausschuß mit Dr. Sajovic, Besitzer in Kočevje, an der Spitze eingesetzt und mit der Ausgabe betraut, die Organisation der Pa'tei im Bezii ke durch, zusühren und dann einen d> finitiven Bezirksausschuß aus der Mitte der Mitglieder und Organisationen im Bezii ke auswählen zu lassen. In diesen Ausschuß traten unter anderen die Gemeindevorsteher von Čitiipotof, Mvzelj, Novasela usw. ein. Man ging an die Arbeit und am 28. August wurde die erste Organisation der Partei in Slowenien gegründet, die Stadtorga-nisation in Kočevje mit Dr. Sajovic als Obmann und dem Ing. Vitvlv Biskupsky. Direktor am Kvhlenwerke in Kočevje, als Odmannstell-Vertreter an der Spitze. Daraufhin ging man aufs Land; denn die Partei ist überall in Serbien, Südungarn, Bosnien, Dalmatien, Kroatien-Slawonien eine Banernpariki und muß es sonach auch in Slowenien sein. Demzufolge wurde am 5. September l. I. eine öffentliche Versammlung in Novilazi abgel,alten, die Gemeinde gewonnen und die zweite Organisation gegründet; am 11. September wiederholte sich dasselbe in Kočevsk« reka, am 18. und 25. September in Mozelj und Knerjalipa, am 2. Oktober in Briga und am 6. Oktober in Čmipotof, so daß wir heute schon sechs definitive Gemeindeorganisationen im Bezirke zählen, dazu mehrere provisorische und daß es heute schon nicht mehr Gemeinden in unserem Bezirke gibt, in der wir nicht unsere Vertrauensmänner hätten. Unsere Vertrauensmänner im Bezirke verlangten die Herausgabe eines politischen Blattes, daß man ordentlich aufgeklärt wird; der Ausvpferungswilligkeit derselben ist es zu verdauten, daß dasselbe somit auch das Licht der Welt erblickt. Es erscheint jeden Samstag abwechselnd i» deutscher und slowenischer Sprache; von der Zahl der Abnehmer und Mitarbeiter hängt sein Leben ab. Es ist aber unsere ureigene Pflanze, die wir aus eigener Kraft hervorgebracht haben. Die zwei Liter Wein, die jede Ausgabe jährlich kostet, kann man schon zahlen. Um zugleich einen Mittelpunkt in der Stadt zu haben, ivv man sich treffen und besprechen kann, haben wir beschlossen, ein Marleisekretariat ins Leben zu rufen. In demselben ist auch die Redaktion des Blattes untergebrncht. Es befindet sich in Kočevje Mr. 58, bei der Buchdruckerei Pavlicek, Gasthaus Marie Erker. Aeden Dienstag und Donnerstag von 11 Bis 12 Mhr sind Amtsstunden, wo ein jeder, der eine Auskunft will und Mitglied oder ein Freund, unserer Bewegung ist, erscheinen kann und die erwünschte Auskunft auch in Privatsachen erhält. Unsere Bewegung hat unterdessen das ganze Land ergriffen und was sehr bezeichnend ist, nicht die Städte, sondern das Land. Ans allen Bezirken laufen täglich an uns Anfragen ein und Bauern aus entfernten Bezirken bestellen unser Blatt „Radikal". Die Partei wird offenbar auch in Slowenien bald die richtige Volkspartei werden. Henchtssaas. Novomesto, mn 19. Oktober 1921. Vor dem Rudolfswertcr Kreisgerichte hat heute eine Affäre ihr Ende gefunden, welche die Stadt Kočevje durch längere Zeit interessierte und speziell in den Jägerkreisen viel besprochen wurde. Am 16. Juli l. I. erschien nämlich vor dem Straf-gerichie Kočevje der bekannte Geschäftsführer des Konsumvereines in Kočevje Herr Robert Gansl-mayer und erstattete gegen Johann Putre, eine« angesehenen Besitzer und Handelsmann aus Turkova Draga Nr. 4, die Anzeige, er habe denselben am vergangenen Abend am öffentlichen Weg, der von Rogati Hrib nach Turkova Draga führt, mit einem geladenen Gewehr getroffen, mit seinem Begleiter gestellt und ihm schließlich die Waffe nbgenommen. Er habe dabei den Eindruck gehabt, daß der Putre aus der Pürsche sei. Der Einfachheit halber ließ sich Herr GanSlinayer als Zeuge einvernehmen und bestätigte die Anzeige in vollem Umfange, worauf der staatsanwaltliche Funktionär gegen Putre die Anklage des versuchten Diebstahls erhob. Gleichzeitig erschien aber bei dem Gvttscheer Advokaten Dr. Flegv Herr Putre selbst und erstattete gegen Herrn Gansl-mayer und dessen Begleiter die Anzeige wegen Verbrechens der Einschränkung der persönlichen Freihei» da er auf öffentlichem Wege,, der für jeden frei ist, mit Gewalt aufgehalten, somit in seiner Freiheit gewalttätig gehindert worden ist, sowie wegen Ehrenbeleidignng, da ihn bei der Waffenabnahme GanSlinayer beschimpft und deS Diebstahls beschuldigt habe. Am 25. Juli fand die Strafverhandlung gegen Putre statt. Er gab an, er habe sich am kritischen Tage nach Rogati Hrib um Tabak für seine Albeiier begeben und habe das Gewehr wie üblich mitgenommen, weil in der Nacht unter dem Singerbüchel zu gehen schon wegen der Wölfe gefähilich sei. Herr GanSlinayer und dessen Begleiter bestätigte» nun unter Eid, Herr Patre sei zwar am öffentlichen Weg gegangen, aber in der Weise sich dabei benommen habe, wie man auf der Piiisch zu g'hen pflegt. Dort seien speziell viele N che mtzuttiffen und man hörte dort schon vsi Schüsse fallen, ohne daß man den Täter, in welchen oer Zeuge Heren Putre vermutete, fest» stellen konnte. Um diese Vermutung zu bekräftigen, führte Herr GanSlinayer als Zeuge alle möglichen Umstände an, die der Herr Strafrichter fleißig zu Pivivkoll brachte. Herr Landesgerichts-rat Hinter, der bekanntlich ein passionierter Jäger ist, verurteilt« hierauf Herrn Putre zu sieben Tagen Arrest wegen versuchten Diebstahls, wobei der Richter annahm, daß Herr Putte Rehe schießen wollte. Dieses Urteil erregte in den nicht durch Jägereifer verblendeten Kreisen ein starkes Kopf, schütteln, speziell bei denjenigen, welche Herrn Putre als höchst rechtschaffenen Mann kennen. Niemand hat ein Reh gesehen, sogar der Gan-l-mayer nicht; wie kann man dar stehlen, was nicht da ist? Und dann die wichtige Frage: Darf man den lieben Herren Jägern zu Liebe sogar auf öffentlichem Weg zur eigenen Sicherheit die Waffe nicht tragen? Alle diese und noch viele andere Umstände benützte Herr Dr. Flego als Verteidiger des Herrn Putre und legte gegen das Urteil die Berufung an das Kreisgericht in Novomestv ein. Bei der ersten Berufungsverhandlung erreichte sein Stellvertreter Dr. Sajovic, daß das Beru-sungsgericht beschloß, den Kronzeugen Ganslmayer noch einmal in Novomestv einzuvernehmen. Bei dieser Einvernahme, wo Herr G. an seinen An« gaben beharrte, legte Puttes Verteidiger an den Gerichtshof einen Brief des Herrn Ganslmayer vor, worin derselbe seinen Jäger Dvhnal t.uf» fordert, sich ins Revier Bayer zu begeben und obwohl Schonzeit ist, dort Hirsche zu erlegen, und wenn da» ans Tageslicht kommen sollte, sich auf den Wildschützen auszureden. Der Verteidiger beantragte, den Zeugen zu fragen, ob er diesen Brief geschrieben habe. Der Zeuge mußte es na. tätlich bejahen. Der Verteidiger Dr. Sajovic brachte weiter vor, daß der Zeuge Ganslmayer den Herrn Putre des DiebstahleS an Wild beschuldigt habe, wegen Ehrenbeleidigung geklagt, trat er aber keinen Wahrheitsbeweis an und wurde sohin am 2. August l. I. zu 400 K Geldstrafe oder zwei Tagen Arrest verurteilt wurde, welches Urteil rechtskräftig geworden ist, und ließ den Zeugen befragen, ob das wahr sei, was der Zeuge bestätigte. Der Verteidiger wies darauf au; den Eifer hin, mit welchem der Kronzeuge jede Kleinigkeit gegen Herrn Putre sammelte und al» Zeuge zu verwerten wußte, speziell in der ersten Instanz, und folgerte daraus, daß ein solcher Zeuge kein so objektiver und verläßlicher genannt werden könne, um aus Grund seiner Zeugenaussage einen uttbe» scholtenen Mann für schuldig sprechen zu können, da der Zeuge an der Verurteilung des Herrn Putte offenbar stark interessiert sei. Da der Putre angab, er habe den Herrn Ganslmayer und seinen Begleiter am kritischen Tage schon ungefähr 400 Schritt vor sich erblickt, Herr Ganslmayer aber behauptete, daß er sie infolge des Gebüsches unmöglich bemerken konnte, beantragte Herr Staats-anwall die Besichtigung an Ott und Stelle, welchem Anträge Herc Putre beistimmte. Die Besichtigung wurde am 25. Sept. l. I. durch das Bezirksgericht Kočevje vorgenvmmen und ergab, daß Herr Putre die beiden Herren nicht nur aus der Strecke von 400 Schritt, sondern sogar von 000 Schritt ganz deutlich sehen konnte. . . Heute spielte sich nun in diesem Jägerdrama der letzte Akt ab, welcher mit vollständigem Frei-spruch des Herrn Putte endete; man beglückwünschte ihn herzlich, da es ihm ohne eigene Zeugen gegen zwei beeidete Zeugen gelungen ist, feine Unschuld darzutun. Der Staatsanivalt stimmte mit dem Verteidiger darin überein, daß der Putte schon in der ersten Instanz freizusprechen war, da, auch wenn alles, was die Zeugen deponierten, als erwiesen angenommen wäre, höchstens als Vorbereitung zum Versuch, nicht aber als Versuch selbst zu qualifizieren ist, ivas die allzueifrigen Herren Jäger im Bezug auf öffentliche Wege es vielleicht gefälligst zur Kenntnis nehmen wollen. Über den eigentlichen Lebenszweck des Menschengeschlechtes. Psvcho-kulturelle Gegenwartsskizze von Heinrich von TurzanSki. Motto: „Besäßest du des Geldes noch so viel, (Sfial mit welchem Zweck und Ziel, Und Überfluß an Fraß und Trank, Die Geiz und Habsucht dir errang, Nie kannst noch wirst du glücklich sein, Stellt sich nicht Menschenliebe bei dir ein. " „Drum sei bedacht, daß dein Gemüt In solcher Liebe voll erblüht!" Man ahnt es nicht, wie ungemein nötig es der Mensch hat, sich im Laufe seines Ecoenwandels von Zeit zu Zeit einer psychischen Überprüfung zu unterziehen, bezw. „eine sogenannte Einkehr bei sich selbst" zu halten. Leider läßt da- Interesse der sich Menschen nennenden Erdbewohner an beruflichen Belangen ihnen nur selten Zeit dafür übrig. Ich sage „leider", weil sie wirklich nicht oft sind, jene Momente, welche dem Menschen von heute Gelegenheit bieten, seinem Außen-und Innen-leben gleichmäßig Genüge zu tun. Seit jeher hat sich das Menschengeschlecht, mehr oder minder bestimmt, in zwei Lager geteilt, u. zw. in das sogenannter Materialisten und das sogenannter Idealisten; heute jedoch repräsentieren elftere nahezu zwei Drittel der Erdbevölkerung? Das Zeitbild menschlicher Gegenwart ist daher folgende-: „Instinktivem Drange gehorchend mar und ist da» Menschengeschlecht stet» bemüht, alle seine Bedürfnisse möglichst voll zu befriedigen. Deren unterscheidet man zweierlei, die physischen und die psychischen. Nach den gegenwärtigen vorherrschenden Fakten beurteilt sind beide, erste« infolge Übersättigung, letztere Darben- wegen mannigfachen Entartungen verfallen. Fleischlich übersatt, wesentlich darbend hockt er nun da —• der Mensch von heute — uneins mit sich selbst und feindlich dem Nächsten. Derart ist ihm sein Leben „ein Kampf um» Dasein" geworden, den gegen seinesgleichen zu führen er sich unwiderstehlich bemüßigt fühlt. In der Gewandung dessen, da» er al» „sogenannte Kultur" zu bewerten berechtigt sich wähnt, erscheint er jeglicher Selbsterkenntnis verlustig. Im Ebenmaße eigener Jndividualitätsfremd-heit erliegt er ganz der Willensdiktatur seines Ab-sonderungstriebe». Im Verlause de» zermürbenden Einflüsse« dieser Psychose gingen dem Menschengeschlecht fast sämtliche seiner Seelengüter verloren, darunter bewährte Bräuche, hochgehaltene Sitten, beschworene Gerechtsame, anerzogene Tugenden, so die Monogamie der geschlechtlichen Liebe, Unverbrüchlichkeit der Treue, Selbstlosigkeit der Freundschaft, Wahrhaftigkeit der Nächstenliebe u. dgl. m., ferner sämtliche Grundsätze der Gerechtigkeit, die Wahrheitsliebe, ja selbst der subjektive GotteSglaube, ungeachtet dieser, all die Jahrtausende menschlichen Daseins, Darbenden erbauender. Leidenden tril-stender und Glücklichen beseeligender LebesiSbalsam gewesen war. Daß das Menschengeschlecht infolge dessen gleichzeitig auch zahlreicher Lebensbedingungen, vornehmlich seine» ArbeitrfleißeS, seiner Bescheiden-heit, seines Ehrgefühls und der erforderlichen Zufriedenheit bar geworden war, ist es sich — beklagenSwerterweise — noch immer nicht bewußt. Zeitgeist ist der Egoismus, b. h. die Eigenliebe in noch nie dagewesener Entartung, lebenszweck-begrifflicher Leithammel — Verzeihung: „das Lebensideal materialistischer LebenSzwcckauffaffung der Völkermasse»," das Geld in jeder Bedeutung. Ich glaube darum nicht fehlzugehen, wenn ich annehme, daß es uns Gegenwartsmenschen vielleicht gerade nur deshalb, weil wir die an diesen Vorgängen unmittelbar Beteiligten sind, am schwersten fällt, die Bilanz der Folgeerscheinungen erwähnter Evolution klar zu gewinnen. Wie wäre cs sonst möglich, daß: rachbegier'ge Tücke, Euch bient als Geisteskrücke, .... alles Schöne und Gute, erstickt in euerem Blute?" Indes wer opfert die Zeit, Gedanken darüber zu spinnen? Das Geld heischende menschliche „Ich" schafft euch weit Wichtigeres zu tun. Was Wunder, so der Kultus menschlicher Eigenliebe sich schließlich den Vorrang erkauft habend, seither die Wahrheit und das Menschenrecht prostituiert? Dem mit den Regungen der menschlichen Seele Vertrauten indes, deklariert sich dieser Götzenkult unumwunden, als das, was er erfahrungsgemäß tatsächlich ist, nämlich als ein förmlicher Wirbel-tanz, an dem eigentlichen Zwecke des menschlichen Lebens irre gewordener Menschenmassen, deren Lebenszweck im „MassenegoiSmus" seine Erfüllung zu finden hofft. Die in zwei einander bekämpfenden Lagern konzentrierten Menschenmassen bekennen sich einer- 1 Die Erdbevölkerung beträgt nach Lautensack-Hannover derzeit 1700 Millionen Seelen. Davon entfallen 8 aus Australien, 01 auf Südamerika, 140 auf Afrika, 145 auf Nordamerika, 455 auf Europa und 891 aus Asien. feit» al» die Klasse der Besitzenden oder sogenannten Kapitalisten, anderseits als jene der Besitzlosen oder sogenannten Proletarier. Während sich die Repräsentanten de» Kapitalismus zum Lebentunterhalte den Krieg erkoren und durch Sieg, Kraft, Brachialgewalt oder sogenanntem Militarismus, ihrem Lebenszwecke zu genügen bemüht sind, übt vice - versa das Proletariat, Kraft des Egalilö oder sogenannten Gleich* machertumS, das sind die Psychosen de« Sozialismus, Bolschewismus, SpartakiSmu», Kommunismus, DemokratismuS usw., Terror au«, der sich als sogenannter FceiheitSbegriff zur Geltung zu bringen versucht. In beiden Lagern herrschen die raffiniertesten Kriegslisten und vollkommene Rücksichtslosigkeit vor. Zur Anwendung gelangen neben verruchtesten Mordwerkzeugen, auch sogen, moralische Waffen uut. and. gegenseitige Übervorteilung, Verrat, Tücke, Ausspähung und materielle Aussperrung, bezw. Hungerblockade, ferner die sogenannte narkotische Versklavung durch Alkohol-, Morphium-, Opium-, Kokain- und Tabakgenußvermittlung; auch machen beide Lager nach Maßgabe ihrer Macht-und Erziehungsmittel von infolge der innerhalb errichteter Blut-, Zungen-, Riten- und Interessen-Peripherien üblichen Inzucht sowohl, al« von der, durch öffentliche und geheime Prostitution beider Geschlechter herbeigesührten, als GemütSverroh» ung, wo nicht als progressive, d. H. fortschreitende Bertierung wahrnehmbaren erotischen Degeneration ausgiebigen Gebrauch. Ein derzeit sehr zu beachtender Kampffaktor ist die Propaganda des bezahlten FaulenzertumS, das beide Lager mit Vorliebe züchten. Doch beide Lager befinden sich da auf Abwegen. Mithin: „Kehrt euch!" — Zurück zum eigentlichen Lebenszwecke, wie er uns diktiert wird von Natur. Und diese fordert von uns die Veredelung des Gemütes. Alle menschliche Erziehung, alles menschliche Wollen und Handeln, Wissen und Können muß demnach ehest auf diesen einen Zweck eingestellt werden, damit Kraft dessen Einflüsse» die menschliche Individualität von der tierischen wieder unterschiedlich werde, bezw. daß der Mensch sich nach wie vor al» sogenannter Kultur-, d. h. besserer Mensch behaupte. Und wie ist dies heute? Ein Mensch, der schöne Kleider trägt, sich frisieren kann, gepflegte Fingernägel hat und einen gehörigen Batzen Geldes im Sack trägt, hat derzeitiger Anschauung nach seine Lebensaufgabe erfüllt und gilt gewöhnlich als besserer Mensch. Dies umso gewisser derjenige, der nebstdem seinen Bildungsgrad durch sogenannte Prüfungen dokumentiert hat ober mit dem Aushängeschild irgend eines Titels zur Schau trägt. Niemand indessen ahnt es, wie blutwenig all dies auf den eigentlichen Lebenszweck des Menschengeschlechtes Bezug hat. Dies, weil sich's niemand eingesteht, Wie sehr's mit ihm »ach abwärts geht. Doch wollet ihr recht glücklich sein, So prägt euch folgend Sprüchlein ein: „Gibst du dem Körper seine Nahrung, Laß' nicht darben das Gemüt, Weil allen Lebens Offenbarung, Lediglich im Herzen blüht!" Zflftlutrtljauöel. Zagreb: Dollar K 306—308 50, Österreich. Krone 9, Frank 2240—2250, Napolen 1040 bis 1060, Mark 180—182, Lire 1230—1240. Zürich: Devisen: Berlin 3 00, New-Iork5 45, London 2144, Puy» 3985. Milano 2185, Prag 5" 10, Budapest 0 67, Zagreb 1'80, Bukarest 3'80, Warschau 013, Wien 0 25, gestempelt Wien 017. tleöttkti