Redaction und Expedition: Bahnhosgasse Nr. 15. Nr. 172. Dienstag, 30. Juli 1878. - M-rgm: Ignaz v. L. WDUW 11. Jahrg. Ein Brief ohne Siegel nnd Unterschrift. Tempora mutrmtur et uos mutamur in illis, — Die Zeiten ändern sich und wir in ihnen! Wenn in früherer Zeit die Armee die Marken der Monarchie überschritt und ein fremdes Land betrat, so richtete der Kaiser ein Manifest «An Meine Völker," worin denselben der Zweck des Einschreitens mitgetheilt und einem Appell an den Patriotismus, an die Loyalität und an die Opferwilligkeit der Völker Ausdruck gegeben wurde. Heute ist es anders! Oesterreich-Ungarns tapfere Söhne verlassen, dem Ruse des allerhöchsten Krieg-Herrn gehorsame und treue Folge leistend, ihr Heimatland und ziehen in fremde Länder, um dort Ruhe und Ordnung zu schaffen, den Besitzstand Oesterreich-Ungarns zu schützen, und um dort die Morgenröthe der wirthschastlichen und geistigen Kultur wachzurufen. Wir vermissen diesmal das Erscheinen eiues kaiserlichen Manifestes an die Völker Oesterreich-Ungarns, an dessen Stelle ist eine „Proclamation" an die Bewohner in Bosnien und in der Herzegowina getreten, und in dieser Proclamation vermissen wir die übliche Form, sie trägt weder Siegel noch Unterschrift, ja man ist sogar darüber im Unklaren, von wem diese Proclamation herrührt. Nun, Oesterreich-Ungarns Völker sind an Absonderlichkeiten bereits gewöhnt, dem gewöhnlichen Unterthansverstande ist gar vieles unklar, die Politik des Trägers des auswärtigen Portefeuilles blieb gar vielen der Unterthanen Oester-reich-Ungarns ein Räthsel, und die Regierung scheint dem alten Sprichworte zu huldigen: „Viel Wissen macht Kopsweh." Der Augenblicks in welchem Oesterreich-Ungarns Truppen die Grenzen des Kaiserstaates überschreiten, ist ein sehr wichtiger. Welch' Sterblichem ist mit Sicherheit bekannt, wie der im reinsten, goldenen Sonnenglanze erwachte Tag abends sich zur Ruhe legt, und ob es ihm gegönnt ist, sich zur Ruhe zu legen? Der Berliner Kongreß hat Oesterreich-Ungarn eine Mission aus-erlegt, deren Vollzug mit ungeheueren Opfern an Gut und Blut verbunden ist, deren Lösung heute in dunkler Frage steht, eine Mission, deren Punkte und Endziele heute für Oesterreich-Ungarns Völker in dichten Nebel gehüllt sind. Die Diplomaten in Berlin trugen den Völkern Oesterreichs den Vollzug einer Kulturmission (?) auf, ohne auf den Grundsatz — et audiatur altera pars — Rücksicht genommen zu haben, ob auch die Völker Oesterreich-Ungarns das zur Lösung dieser schwierigen Mission erforderliche Materiale — Geld und Mann, Gut und Blut — opfer- und freiwillig beistellen wollen. Die Würfel sind gefallen, Oesterreich-Ungarn ist nun einmal engagiert, es muß auf dem betretenen Wege weiter schreiten. Entreißen wir Bosnien und die Herzegowina den Klauen des nordischen Bären, hindern wir durch die Occupation dieser Länder die Vereinigung der südslavischen Provinzen und Völkerstämme zu einem großen, selbständigen, souveräne» Ganzen, so mag um die Opfer zur Erreichung dieses Zweckes eine Klage nicht erhoben werden. Oesterreich-Ungarn wird — si tabula vera — vorläufig die Rolle eines Protectors über Bosnien und die Herzegowina übernehmen. Ob Oesterreich-Ungarn im letzten Acte des bosnisch-herzegowinischen Schauspieles nicht ein anderes Kostüm anlegen, nicht eine andere Rolle übernehmen wird, als das eines Protectors, hierüber könnte wol Graf Andrassy Auskunft geben; jedoch Oesterreich-Ungarns Völker, das misera plebs contribuens, kann — warten. Alles, nur keinen Trialismus! Oesterreich blutet aus allen seinen Körpertheilen seit der Geburt und Wiedergeburt des Dualismus. Möge der Occupationszug unserer Truppen ein Kulturzug sein und sich ja zu keinem Kreuzzug gestalten; zu letzterem opfert Oesterreich-Ungarn weder Gut noch Blut. Der Einmarsch der k. k. Truppen hat gestern begonnen. Schon heute gibt man in politischen Kreisen der Ansicht Ausdruck, daß es sich nicht um eine Occupation dieser zwei Länder auf kurze oder lange Zeit, sondern um eine bleibende Besitzergreifung handelt, das Gut und Blut Oesterreich-Ungarns müsse bessere und reichere Früchte eintragen, als den Ruhm einer vorübergehenden Occupation. Oesterreich-Ungarns Steuerträger werden es ablehnen, aus kurze Zeit Gendarmendienst in Bosnien und in der Herzegowina zu verrichten. Eine derartige Mission würde von Oesterreich-Ungarn platterdings abgelehnt werden. Armeebefehl. Der Armeecnrpskommando-Befehl des FZM. Freih. v. Philippovich lautet wörtlich, wie folgt: Soldaten! Der Bürgerkrieg in seiner abschreckenden Form, ein an unseren Grenzen sanatisch geführter Religions- und Rassenkampf zwang Hunderttausende Flüchtlinge, vor grausamer Verfolgung Schutz auf österreichisch-ungarischem Boden zu suchen. Se. Majestät der Kaiser, unser oberster Kriegsherr, nicht gewillt, das eigene Gebiet fremden anarchischen Bestrebungen als Tummelplatz preiszugeben und die endlich auch unsere Ruhe und Sicherheit ernstlich bedrohenden Wirren in den Feuilleton. Neueste Funde aus der Broncezeit in Kram. Nachdem die auf dem Laibacher Moore aufgedeckten Pfahlbauten ein früher gar nicht geahntes Materiale aus der Steinzeit zutage ge-fördert und diese Periode, von welcher bis dabin an Fundstücken aus Krain fast gar keine Andeu-tung vorlag, auch für unser Land constatiert hatten, lag die Vermuthung nahe, daß auch die Broncezeit Hierlands reichlicher vertreten sein müsse, als man gemeiniglich annahm. Alsbald erwies es eine vom Musealcustos Herrn Karl Deschmann vorgenommene Revision der im Landesmuseum vorhandenen Broncen, über deren Provenienz nur spärliche Aufzeichnungen Vorlagen, daß die meisten davon, obwol sie von den Einsendern als aus der Römerzeit stammend bezeichnet worden waren, in eine viel frühere Periode zu versetzen seien; die Mehrzahl davon rübrt von Fundlokalitäten her, die Hierlands als (Arabische bezeichnet werden, daher man auch annehmen könne, daß die im Lande so häufigen Gradische, d-1. befestigte Stätten alter Ansiedlungen, auf die vorrömische Zeit zurückzuführen seien. Zur weiteren Bestätigung dieser gewonnenen Ansicht kamen dem Museum im Zeiträume von nicht ganz einer Jahresfrist zwei wichtige Andeutungen von Broncefundstätten zu, bei deren näherer Durchforschung jede Annahme, daß dort römische Ansiedlungen bestanden haben, ausgeschlossen blieb. Das Landesmuseum verdankt nämlich der Güte des Herrn Adolf Obresa in Zirkniz eine Collection von Broncegegenständen, vom Hügel Truste am Rande des Zirknizer Sees herstammend. An dieser interessanten Lokalität mit deutlich erkennbarem ausgedehnten Ringwall aus aufgeworfener Erde wurden vom Museumsdiener Ferdinand Schulz weitere Nachgrabungen vorgenommen, deren Förderung sich die Herren Obresa und Krasovic, Bürgermeister von Zirkniz, wesentlich angelegen sein ließen. Es kam eine schöne Collection von Broncen und Urnen aus jener alten Grabstätte zusammen, und findet sich dieselbe bereits im Museum ausgestellt. Von noch reichlicheren Erfolgen sollte ein Fund gekrönt werden, den vor nicht ganz einem Jahre der Schullehrer in Watsch. Herr Preuzzi, an einem Hohlwege hinter der Ortschaft Klenik am Bergabhange von Slemsko gemacht hatte. Er hatte dort ein weibliches Skelett, an dessen Armen sich noch Bronceringe befanden, nebst Bruchstücken einer schön patinierten Fibula ausgegraben. Herr Dr. Julius R. v. Vesteneck, Bezirkshauptmann von Littai, die Wichtigkeit dieses Fundes für die Urgeschichte Krams erkennend, schenkte die ihm zugekommenen Gegenstände dem Museum und nahm an den im heurigen Frühjahre vom Musealcustos veranlaßten Ausgrabungen an Ort und Stelle den förderndsten Antheil. Einige zutage geförderte große Graburnen nebst Broncen und Leichenbrand weisen darauf hin, daß man es hier mit einer ausgedehnten Begräbnisstätte aus der Broncezeit zu thun habe. Auf der Anhöhe des BergeS Slemsko hinter Watsch deuten die noch sichtbaren Ackerfurchen im Walde auf die einstige Ansiedlung hin, sowie auch die natürliche Lage dieses sowol gegen das Kandersch- als gegen das Savethal steil abfallenden Bergrückens der einstigen Wohnstätte eine große Sicherheit und gesicherte Befestigung gewährte. Zu diesen vom Landesmuseum eingeleiteteu Forschungen kamen in jüngster Zeit die von Herrn Professor Hofrath Dr. Hochstetter aus Wien an Ort und Stelle ausgeführten weiteren Nachgrabungen. Der genannte, als Geograph und Naturforscher berühmte Gelehrte faßte, durch die bisherigen prähistorischen Funde in Kram angeregt, den Entschluß, für die in dem k. k. naturhlstonschen Hofmuseum, das seiner Leitung untersteht, auszustellende prähistorische Sammlung auch ein ent- Nachbarländern noch länger zu dulden, haben im Einklänge mit sämmtlichen Großmächten Europa's und mit Zustimmung der Pforte beschlossen, diesem unheilvollen Zustanoe durch die Besetzung Bosniens und der Herzegowina in entschiedener Weise ein Ende zu machen. Treu den Grundsätzen der Loyalität, die von jeher das Gepräge unserer Politik gebildet, ist es auch diesmal nicht Eroberungslust, sondern die unabweisliche Sorge für die eigene Wohlfahrt, welche uns die Grenzen des Reiches zu überschreiten gebietet. Soldaten! Euere Aufgabe ist klar vorgezeichnet! In einer euch gleichzeitig bekanntgegebenen Proclamation wird den Bewohnern Bosniens und der Herzegowina in feierlicher Weise das Wort verpfändet, sie unter der Bedingung williger Fügsamkeit in die von mir zu treffenden Maßregeln als aufrichtige Freunde behandeln, die Rechte jeder Nationalität und Religion, sowie bestehende Sitten und Gebräuche achten, Eigenthum und Hausrecht schützen zu wollen. Euer stets freudiger Gehorsam für die Befehle unseres obersten Kriegsherrn, eure musterhafte Disciplin bieten mir sichere Gewähr für die Einhaltung dieses in eurem Namen abgegebenen Versprechens. In Ausführung der uns übertragenen Mission werde ich keine Einsprache dulden, jedem, von welch' immer Seite kommenden Widerstand zu begegnen wissen. Soldaten! Eure Aufgabe, edel und erhaben in ihren Zielen, ist eine schwere! Bedingt durch die Verhältnisse der Länder, die ihr betretet, stehen euch mühevolle Märsche, mangelhafte Unterkünfte, Entbehrungen und Strapazen aller Art bevor. Doch mit voller Zuversicht vertraue ich eurer Willenskraft und Ausdauer; für euch ist kein Hindernis groß genug, das ihr nicht mit Leichtigkeit zu überwinden vermöchtet. Nochmals, Soldaten! wiederhole ich cs, nicht zu einem Siegeszuge, zu harter Arbeit führe ich euch, verrichtet im Dienste der Humanität und Civilisation! Diese Worte, in ihrer Anwendung so oft mißbraucht, sie sollen unter den Fittigen des Doppel-Aars durch euch zu erhöhtem Ansehen, zu neuem Glanze, zu wahrer Geltung gelangen! prechendes Materiale aus Krain zu gewinnen, leber Prof. Hochstetters Anregung constituierte ich in der k. k. Akademie der Wissenschaften eine eigene Section für prähistorische Forschung, und wurde derselben eine entsprechende Dotation zur Verfügung gestellt. Herr Hofrath Hochstetter weilt nun schon sett 14 Tagen in Krain, und wie wir erfahren, ist derselbe mit dem bisherigen Erfolge seiner Nachgrabungen äußerst zufrieden. In Zirkniz wurde ihm die zuvorkommendste Unterstützung seitens des Herrn Adolf Ob resa zutheil. Die Grabstätte am Hügel TrMke zeigte sich diesmal minder lohnend, und dürfte wol noch ein größeres Urnenfeld an dieser Lokalität aufzufinden sein, zu welcher Annahme die nicht unbedeutende Ausdehnung der bestandenen Ansiedlung berechtigt. Ungemein reich war Pros. Hochstetters Ausbeute an Paläontologifchem Materiale in der Kreuzberghöhle bei Laas. Ganze Wagenladungen von gut erhaltenen Höhlenbärenknochen, allen Altersstufen dieses einstigen Höhlenbewohners angehörig, wurden daselbst ausgegraben und mit Sorgfalt sortiert. Für unsere Leser dürfte die von Hochsletter konstatierte Thatsache von Interesse sein, daß diese Knochen nicht von auswärts durch Gewässer in die Höhle zügeführt wurden, sondern Zu den Reichstagswahlen in Deutschland. Ganz Deutschland durchweht infolge der Kaiserattentate reaktionäre Luft, die früher als politische Freiheitskämpfer allbekannten liberalen Reichstagskandidaten schlagen diesmal den Krebsweg ein und nähern sich dem Programme der konservativen Partei. Erhaltung der deutschen Wehrkraft, Erhöhung der Tabaksteuer und der Tabak-monopols-Besteuerung, Schutz der Gewerbe, Maßregeln gegen die Socialdemokratie, Schließung von gegen die religiösen, sittlichen und gesellschaftlichen Grundlagen des Staates agitierenden Vereinen, Hebung des geistigen und materiellen Wohles des Volkes, — darin besteht das Programm der „Con-servativen." Die ultramontanen Parteien in ganz Deutschland, namentlich jene in Baiern, geben diesem Programme wesentliche Ausdehnung, und die Führer dieser Partei überschwemmen die Wahlbezirke mit Aufrufen, deren leeres Phrasengeklingel Vonseite des Volkes zurückgewiesen wird. Die Presse gibt den politischen Ansichten in verschiedenster Färbung Ausdruck. Die „Prov. Korr." schreibt: „Unser Volk weiß, daß Preußens Fürsten vou jeher die Sorge für das wahre Wohl des Volkes und namentlich auch für das wirtschaftliche Wohl als ihre erste Pflicht erachtet haben, und die Wühler dürfen auch jetzt das volle Vertrauen zur Regierung des Kaisers hegen, daß sie bei ihren Absichten zur Reform des Steuerwesens in Wahrheit die Erleichterung der Steuerzahler, besonders der ärmeren Volksklassen, zum Ziele hat. Das nächste aber, um was es sich bei den Wahlen handelt, ist die Unterstützung der Negierung zum sicheren und dauernden Schutze der höchsten Güter des Volkes, zur Wahrung von Eigenthum, Familie und Religion. Dies mögen die Wühler vor allem fest im Auge behalten und sich durch keine Vorspiegelungen anderer Art davon abbringen lassen, der Regierung die sicheren Stützen in der Reichsvertretung zu geben, deren sie bedarf, um das Wohl des Volkes nach allen Richtungen zu fördern." Die „Köln. Zig." bemerkt hiezu: „Wir halten es nicht für eine gesunde, nicht einmal für eine erlaubte Politik, Preußens Fürsten in den Wahlkampf zu ziehen, wie dies das ministerielle Organ hier thut. Niemand wird leugnen, daß den Fürsten Preußens das Wohl das Landes am Herzen -liege; ein anderes aber ist es, ob wechselnde Regierungen überall den richtigen Weg finden, um das Wohl des Landes zu fördern. Das Urtheil über diese Frage muß den Wählern I daß in der Grotte selbst viele Generationen dieser Thierart ihre Grabstätte fanden, denn man findet stets ziemlich nahe aneinander die zu einem Exemplare gehörigen Knochen. Es ist nur zu bedauern, daß der Vandalismus der Bauern der Umgebung von Podloz die dort einst zahlreichen Riesenschädel des Höhlenbären zertrümmerte, um deren Zähne zu sammeln und später wieder wegzuwerfen. Von Zirkniz aus begab sich Herr Hochstetter in Begleitung des Mnsealcnstos und des Bezirkshauptmanns von Adelsberg, Anton Globocnik, nach St. Michel am Fuße des Nanos im Adelsberger Bezirke. Etliche, im Besitze des letzteren befindlichen Broncegegenstände von dieser Lokalität konstatierten, daß man es mit einer Niederlassung aus der Broncezeit zu thnn habe. St. Michel ist höchst malerisch gelegen, schon von der Natur ein befestigter Punkt, hatten mittelst -aufgeworfener Erdwälle die einstigen Urbewohner noch weiters für die Sicherheit des Ortes vorgesorgt. In den letzten Tagen besuchte Hofrath Hochstetter in Begleitung des Cnstos Deschmann die eingangs erwähnte Fundstätte von Watsch. Die daselbst vorgenommenen Nachgrabungen waren von glänzenden Resultaten begleitet. Etliche elf Gräber wurden geöffnet. Unter riesigen Felsplatten lagen meist noch ganz unberührt und wohlerhalten Urnen anheimgestellt bleiben, und man darf ihre Entscheidung nicht dadurch beeinflussen wollen, daß man sie auf die geheiligte Person des Monarchen verweist." Tagesneuigkeiten. — Zn den Landtagswahlen. Die Vertrauensmänner der Deutschen in Böhmen beschlossen in einer am 24. Juli abgehaltenen Sitzung, anläßlich der Landtagswahlen eine Aufforderung an die Bürgermeister und Bezirksobmänner der deutschen Städte und Bezirke wegen Coustituieruug von Bezirks-Wahl-eomites und Wahl von Delegierten in das Central-Wahlcomite in Prag zn richte», um durch eine auf natürlichen und unmittelbaren Grundlagen ruhende Wahlorganisation dem in erster Neihe stehenden Rechte nnd Interesse der Wählerschaft durchgreifenden Einfluß zu sichern und dem deutschen Volke in Böhmen die aus zahlreicher Wahlbetheiligung fließenden politischen Vortheile zu wahren. — Demonstrationen. In Görz wurde in der Nacht zum 2ü. Juli während eines Gewitters die italienische Trikolore auf dem Thurme der Kathedrale aufgepflanzt, die Thurmthür aber von innen verschlossen, so daß es erst am ändern Tage spät gelang, die Fahne zu entfernen. Eine ähnliche Demonstration wurde schou am 24. Juni durch das Aufpflanzen einer italienischen Fahne auf dem Berge Podgoro bei Görz ansgeführt. Reisende, welche aus dem Venetiauischen kommen, berichten, daß namentlich dort die Jtalianissimi sehr rührig seien. In Pieve di Cadore (nahe der österreichischen Grenze bei Bellnno) wurden an der Kirche und anderen Gebäude» Aufschriften gefunden, welche die Tiraden: „Viva ^rsuto 6 'Iriosts! Viva, 6aribalcli! 6uerrri all' Austria! ai t'ratölli <1i I°r6uto 6 Iriesto!" cuthielten. — Am 27. d. M., um 11 Uhr abends, versammelte sich auf der Piazza Madonna in Rom, angeblich nm zwei greisen Hochzeitsleuten eine Katzenmusik zu bringen, ein etwa zweihundert Köpfe starker Volkshanfe. Bald ertönten die Rufe: „Viva Iriests! Viva 'I>6Nto!" Die Sicherheits-behördeu forderten vergeblich znm Auseinandergehen ans; daher wurde zur Verhaftung der Hauptschreier geschritten und unter anderen Gibelli Alfonso, ein Mitarbeiter des päpstlichen Hauptorgans, des „Osser-vatore Romano", und Marzi Pietro, ein der 8o-eietk äsZIi interessi Oattoliei angehörender Student, arretiert und in gerichtliche Untersuchung gezogen. — Naturforscher- undAerztekongreß in Kassel. Sowol die in München gewählten aus Thon mit Leichenbrandkohlen und schönem broncenen Armschmuck. Das merkwürdigste Stück ist eine Riesenurne von 75 Lentimeter Höhe und 1 47 Meter im größten Umfange. Die Lokalität bei Watsch ist ein Seitenstück zu der berühmten Gräberstätte bei Hallstatt in Oberösterreich. An dem ganzen ausgedehnten Bergabhange von Slemsko wird noch eine sehr reiche Ausbeute von Urnen, Broncen und sonstigen Uten-Men aus der Broncezeit zu machen sein. Eine interessante Bestätigung, daß nicht nur Watsch, sondern auch dessen Umgebung zur Broncezeit besiedelt war, kam dem Museum erst in jüngster Zeit zu. Es hat nämlich Herr Gutsbesitzer Praschniker von Gallenegg zwei schöne bron-cene Armringe von einem Funde bei Dol nächst Gora in der Pfarre Watsch eingesendet; auch diese Stelle wurde von Hochstetter und Deschmann in Augenschein genommen und auch dort ein kleines Leichenfeld konstatiert. Die weiteren Besuche der genannten Herren galten zunächst den Heidenhügeln (Gomile) bei Vir nächst Sittich und mehreren Gradischalokali-täten in Unterkrain, wo unzweifelhaft der Broncezeit angehörige Funde in früheren Jahren gemacht worden waren. Geschäftsführer, als auch die durch letztere zusammenberufenen Comites haben es für ihre Pflicht gehalten, alles mögliche zu thun, um all den mannigfaltigen Bedürfnissen und allen laut gewordenen Wünschen gerecht zu werden und den Teilnehmern an der Versammlung den Aufenthalt in Kassel so nutzbringend und angenehm als möglich zu machen. Es wird jede Sectiou ihr eigenes, entsprechend eingerichtetes Sitzungszimmer für sich allein haben, so daß ganz nach Bedürfnis und Wnnsch der Sections-mitglieder Sitzungen gehalten werden können. Es sollen Inhalt der Sitzungen und Referate über die gehaltenen Vorträge alsbald zur Veröffentlichung gelangen, so daß sie noch späteren Besprechungen zu Grunde gelegt werden und Mitgliedern anderer Sektionen zur Kenntnis kommen können. Das Lokal für die allgemeinen Sitzungen zeichnet sich dnrch besonders schöne Lage aus; cs ist für dieselben die Halle der Actienbranerei gewählt, welche in nächster Nähe der Stadt und an der Trambahn in dem großen schattigen Garten (dem ehemals gräflich Hessenstein'schen Park) der letzteren gelegen, auf der Süd- und Westseite von Terrassen mit prachtvoller Aussicht in das Fuldathal und nach Wilhelmshöhe umgeben ist, so daß den Teilnehmern für die Zeit vor und nach den Sitzungen und während etwaiger Pausen der angenehmste Aufenthalt uud beste Gelegenheit znr Restauration geboten sein wird. Wenn anders das Wetter einigermaßen günstig ist, so dürfen die Theilnehmer an der diesjährigen Versammlung auch auf recht genußreiche Tage rechnen. Durch fröhliche Vereinigungen in der circa 4000 Personen fassenden Halle der Actienbranerei, durch einfache gemüthliche Festlichkeiten in dem weiten herrlichen Anepark und auf der vielberühmten Wilhelmshöhe, deren Reiz man durch Beleuchtung der Wasserkünste noch zn erhöhen gedenkt, wird auch für Erholung nach ernster Arbeit gesorgt sein. Sehr willkommen werden jedenfalls auch die für den Sonntag in Aussicht genommenen weiteren Ausflüge sein, welche unter spezieller Leitung und Organisation nach Marburg, Göttingen, Müudeu, Wildungen, Nauheim, Wilhelmsthal und dem Habichtswald unternommen werden sollen. Für Mineralogen und Geologen sind auch für diesen Tag und für einige Nachmittage wissenschaftliche Excursiouen vorbereitet worden. Lokal- und provinMl-Ailgeleyenheiten. — (Spende.) Der Herr Landespräsident R. v. Kallina hat gelegenhcitlich seines Aufenthaltes in Rudolfswerth dem dortigen Bürgercorps einen Betrag von 25 fl. gespendet. — (Veränderungen in Militärkreisen.) Der Oberstlieutenant Herr Johann Barranlt des 53. Infanterieregiments wurde an Stelle des in den Ruhestand übertreteuen Obersten Adam Paich zum Kommandanten des Peterwardeiner Infanterieregimentes Freiherr v. Philippovich Nr. 70 ernannt. (Auslosung von Gefchwornen.) Für die am 1l>. k. M. beginnende heurige dritte Schwur-gerichtssessiou in Laibach wurden ausgelost als Ge-schworne: Albin Achtschin, Schlossermeister; Alois Cantom Hausbesitzer; Andreas Debevc, Hausbesitzer; De"er Handelsmann; Clemens Eckert, k. k. pensionierter Ma;or; Johann Fabian, Hausbesitzer; vraiiz Fortuna, Hausbesitzer; Hermann Halbensteiner. Hausbesitzer; Anton Klein. Buchdrucker; Anton Kotuig. Hausbesitzer; Josef Loreuzi, Haus-vefttzer; Franz Luckmann, Hausbesitzer; Johann .viurnik, Hnndelskammerfekretär; Heinrich Nicman, Hausbesitzer; Michael Pakic, Hausbesitzer; Franz Peterza, Hausbesitzer; Franz Pirker, Hausbesitzer; Albert Plautz, Handelsmann; Joses Puckelsteiu, Hausbesitzer; Frauz Regorschek, Handelsmann; Ferd. Souvan, Handelsmann; Raimund Schischkar, Spar-^ssebeamter; Johann Tanko, Gastwirth; Josef Terdina, Handelsmann; Wilhelm Treo, Maurermeister, sämmtliche in Laibach, und Josef Domladiß, Müller in Jll.-Feistriz; Otto Dettela, Gutsbesitzer in Neumarktl; Stefan Furlan, Wirth in Mirke; Josef Koschier. Färber in Stein; Stefan Lapajne, Handelsmann in Jdria; Joh. Majhen, Müller in Podrece; Anton Novak, Grundbesitzer in Stefansdorf; Ferd. Sajovic, Handelsmann in Krainburg; Josef Stupica, Besitzer in Vir; Ludwig Schiffermüller, Werksdirektor in Kauker, und Johann Wucherer, Wirth in Lees; ferner als Ersatz-gefchworne: Johann Babnik, Hausbesitzer; Franz Bezlaj, Hausbesitzer; Joh. Boltauzer, Barbier; Franz Gollob, Metzger; Franz Kacar, Hausbesitzer; Franz Kadilnig, Kassier; Johann Kovac, Buchdrucker; Valentin Plehan, Hausbesitzer, und Barthelmä Schem-rou, Schmied. — (Ueber denSturz in die Schliza-sch lucht) bringt die „Klagens. Ztg." nachstehenden Bericht: Ani 26. d. M. stürzte aus dem Paketwagen des von Tarvis um 12 Uhr mittags abgehenden Zuges der Kronprinz Rudolfsbahn, während derselbe in größter Schnelligkeit die 63 Meter hohe Schlizabrücke passierte, der Postconducteur Anton Patz aus Laibach in den schauerlichen Abgrund und blieb nächst dem Monumente auf dem „Graf Karlsteig" todt liegen. Es ist noch zweifelhaft. ob es sich hier, wie bisher mehrseitig angenommen Wird, um einen Selbstmord handelt, da keinerlei Anhaltspunkte zu einem so traurigen Entschlüsse vorliegen. Ein Herr und eine Dame — Touristen, welche mit Zeichnungsaufnahmen am Karlsteig beschäftigt waren, sahen zuerst den Absturz dieses Unglücklichen und erstatteten sogleich die Anzeige. Der im Paketwagen des Zuges noch befindliche Beamte soll den Abgang des Conductcurs erst in Kronau — zwei Stationen von Tarvis — bemerkt und die Thüre des Waggons geschlossen gefunden haben. — (Der Deutsche Ritterorden), auch im Laude Krain begütert, hat sich infolge der theil-weifen Mobilisierung der Armee beeilt, seiner freiwillig übernommenen Verpflichtung gemäß die den mobilisierten Truppendivisionen entsprechenden Feld-Sanitätscolonnen sofort auf den Kriegsfuß zu stellen und in Thätigkeit zu setzen. Es wurden demnach die 20. Feld-Sanitätscolonne in Budapest und die 6. in Graz mobilisiert. Zu Kommandanten dieser mobilisierten Sanitätscolonnen, welchen als solchen die Repräsentation des Deutschen Ritterordens in dieser ihrer Stellung bei den betreffenden Truppenkommandanten sowie die Verantwortliche Oberleitung genannter Ordens-Sanitätsanstalten zusteht, hat der Herr Hoch- und Deutschmeister Erzherzog Wilhelm ernannt : für die 20. Feld-Sanitätscolonne den Herrn Komthur des Deutschen Ritterordens zu Lengmoos, k. k. Kämmerer und Major im Ruhestande Rudolf Freiherrn von Dorth, und für die 6. Feld-Sanitäts-colonne den Marianer des Deutschen Ritterordens Herrn k. k. Kämmerer, Major und Vizewachtmeister der königlich ungarischen Leibgarde Prinzen Victor Odescalchi, welch' letzterer mit anerkennenswerther Bereitwilligkeit seine Dienste als Colonnenkomman-dant dem Orden zur Verfügung stellte. — (Verpflegung der Occupations-truppen.) Wir vermeinen uns einer Jndiscretion nicht schuldig zu machen, wenn wir den Familien unserer auf dem Occupations-Schauplatze befindlichen Truppen den nachstehenden Bericht des offiziösen „P. Lloyd." mittheilen: „JederUnteroffizier und Soldat hat nämlich die zweitägige laufende Verpflegung, außerdem eine eintägige Fleischration in ausgeschrotetem Zustande, ferner jedes Mannschafts-Reitpferd eine zweitägige, jedes Tragthier eine viertägige Fourage selbst zu tragen. Demnach trägt jeder Unteroffizier und Soldat an Victualieu allein 1440 Gramm (Fleifchcouferven, Fett, Salz, Zwieback, Graupen, Reis, Pfeffer, Paprica u. dgl.) im Brodfacke und Tornister mit sich, Natürlich sind außerdem noch ein zweites Paar Schuhe oder Stiefel, die ganze Leibwäsche, das Putzzeug für die Waffen, Kamm und Bürste, 107 Gramm Tabak (als dreitägige Ration), der schwere dicke Conunißmantel sommt der Kapuze im Bandelier, der Jnfanteriespaten (von jedem Manne des zweiten Gliedes zu tragen), Krampen, Schaufeln, Floß- und Handhacke, Hanb-und Kettensägen, das schwere Werndlgewehr mit sammt dem Säbelbajonett und zwei Patrontaschen mit 100 Patronen auf dem Rücken, den Schultern und den Lenden fortzubringen. Außer diesen Lebensmitteln, Waffen, Kleidern und Rüstungssorten hat jeder Soldat auch noch den sogenannten „eisernen Vorrath" mit sich zu führen, nämlich eine halbe Portion Zwieback (250 Gramm), eine Portion Fleischconserve und zwei Portionen Salz (40 Gramm.) Dieser, vom Infanteristen im Tornister, vom Kavalleristen im Packtornister und vom Artilleristen im Brodsacke zu versorgende eiserne Vorrath darf von dem Manne unter gar keiner Bedingung, und der Soldat mag noch so hungrig sein, bei Verwirkung der schärfsten Strafe auch nur berührt werden, denn derselbe ist aufzusparen sür den Fall einer ganz ausnahmsweisen Noth und Verlegenheit, wenn etwa eine Truppe gänzlich isoliert oder abgeschnitten wird. Summiert man nun die erwähnten einzelnen Artikel und deren Gewicht, so wird man zugeben, daß der Soldat sich ziemlich schwer nach Bosnien Hineinschleppen wird. Uebrigens ist unser Soldat ohne Frage leichter bepackt, als der russische oder deutsche Krieger. Bei all' dem ist aber das Corpskommando aus Rücksicht auf die zu bewältigenden ungeheuren Bodenschwierigkeiten, auf die große Hitze und die unglaublich schlechten, steilen Gebirgswege von den bestehenden Normen insofern abgewichen, als es mehrere andere Victnalien. die der Mann vorschriftsmäßig auch noch zu tragen hätte und von den Soldaten anderer Armeen, wie z. B. von den Franzosen in Algerien, auch thatsächlich mitgeschleppt werden, der Truppe auf Tragthieren nachführen läßt. Hieher gehören Wein, Kaffee, Zucker und die Lagerdecken. Hinter der Truppe folgt in der beiläufigen Entfernung einer halben Meile die aus den Tragthieren zusammengesetzte „Proviantcolonne" mit Naturalien und Fourage auf zwei Tage, mit dem Schlachtvieh auf drei Tage. Je zwei Tragthiere, die eines hinter dem anderen gekoppelt sind, werden einem Tragthierführer (Trainsoldaten) zugewiesen. Wenn ich Ihnen nun sage, daß bei dem Occupationscorps gegen 6000 Tragthiere mit 3000 Trainsoldaten vorhanden sind, so werden sie sich eine annähernde Vorstellung von der Ausdehnung der einzelnen Marschcolonnen und der Schwerfälligkeit ihrer Bewegungen auf den ungebahnten Gebirgspfaden machen können, wo Mann hinter Mann, Thier hinter Thier sich langsam, vorsichtig und nur schrittweise fortbewegen kann. Denken Sie sich zu all' dem auch noch die Batterien, Rohre und Laffetten zerlegt und nebst den Munitionskasten auf den Rücken der Pferde oder Maulesel balancierend — und diese meilenlange Marschcolonne eingehüllt in mächtig aufgewirbelten Staub, überstrahlt von der Hochsommersonne I" — (Aus den Nachbarprovinzen.) Samstag den 27. d. kam der Herr Handelsminister R. v. Chlumecky in Klagensurt an und nahm im Hotel „zum Kaiser von Oesterreich" das Absteigquartier; Sonntag früh fuhr der Herr Minister nach Victring, wo derselbe die Tuchfabrik der Herren Ritter v. Moro besichtigte, besuchte nach der Rückkunft in Klagensurt die mechanische Lehrwerkstätte und die Gewerbehalle, wo aus Anlaß der Anwesenheit Sr. Excellenz eine kleine Ausstellung improvisiert wurde. Nach einem Besuche in Ebenthal bei Herrn Grafen Gotzß und in St. Georgen am Sandhof empfing der Herr Minister die Beamten der k. k. Landesregierung und machte nach dem Diner, zu welchem mehrere hervorragende Persönlichkeiten geladen waren, eine Fahrt nach Krumpendorf und Pörtschach, zum Zwecke eines Besuches bei Herrn Rauscher und Baron Spinette. Montag früh fuhr der Minister in größerer Begleitung mittelst Separatzuges der Rudolfsbahn nach Mösel, Lölling rc., um einige Werke der Hüttenberger Union zu besichtigen. — Ueber die Gemeinde Mitterbach in Steiermark ging am 24. d. M. ein derartiger Wolkenbruch und Hagel nieder, daß Aecker, Wiesengründe. Wasser- wehre, Gemeindewege und Brücken theilweise ganz zerstört wurden. Auch hat der Blitz 12 Rinder erschlagen. Der Schaden beläuft sich vorläufiger Berechnung nach auf 35- bis 40,000 fl. — (Aus der Touristenwclt.) Am 22. d. vormittags brachen der Curat von Lappach, Johann Obkircher, der Cooperator und Unterlehrer von Mühlwald und der Lehrer von Lappach zu einer Gebirgstour auf, stiegen durch das Zesenthal zum Rieglcr Joche, welches nach Pfunders führt, und wollten auf der Pfnnderer Seite des Berges zum Passenjoch, um über dieses wieder nach Lappach zurückzukehren. Nach kurzem Wege auf der Pfun-derer Seite stieg die Gesellschaft zum Grat hinan und auf diesem dem Passenjoche zu. Es stellten sich einige kleine Hindernisse entgegen, doch gelang es, bis auf ungefähr 800 Schritte zu dem Passenjoche zu kommen. Der Cooperator von Mühlwald war voraus und recognoscierte den Weg, indeß die anderen theils sitzend, theils stehend auf das Resultat der Reeognoscierung warteten. Es war 4 Uhr nachmittags. Während der Curat von Lappach ihm Vorsicht empfahl und dann zu den beiden Lehrern sich umwandte, glitt der Curat selbst auf dem fast ebenen, grasbewachsenen, vom Regen durchnäßten Berggrate aus, fiel auf den Rücken, verlor das Gleichgewicht und stürzte über eine steile Rinne gegen Pfunders hinab. Die Begleiter eilten, seitwärts sich haltend, hinunter, sahen, wie er, anfangs noch bemüht, sich anzuhalten, auf die Vorderseite zu liegen kain und ziemlich tief unten in steiler Neigung liegen blieb. Eine nnwillkürliche Bewegung brachte ihn wieder zum Rutschen, und erst in einer Tiefe von 900 Fuß senkrechter Höhe unter dem Grate blieb er wieder liegen. Zwei Gemsjäger, denen die ändern zugerufen hatten, kamen sofort zuhilfe und eilten zu dem Bewußtlosen, dessen Haut zer-schunden und dessen Kleider vollständig zerrissen Waren. Einer lief nach dem Passenjoche, um bei den Sennern auf der Passenalpe Hilfeleistung zu suchen, ein anderer nach Pfunders, damit dem Sterbenden die letzte Oelung gereicht werde. Mitten in schwerem Gewitter kamen die Leute und trugen den Schwerverletzten über das Joch zu den Passer-Alpenhütten, wo man um halb 11 Uhr nachts ankam. Der Curat lebte noch die ganze Nacht, starb jedoch am folgenden Tage um 7 Uhr morgens. Ein Bruch der Schädelknochen und eine Gehirnerschütterung hatten den Tod herbeigeführt. Auch dieser Unglücksfall ist, wie die meisten, die sich im Sommer ereignen, dem Leichtsinn znzuschreiben. Ohne Steigeisen, ohne Bergstöcke, ohne gut genagelte Schuhe war man zu der Partie ausgezogen in eine Gegend, wo die Bauern nur mit Fußeisen gehen. Eingesendet. Nicht etwa Furcht vor der Feder des Herrn Korrespondenten aus Gottschee („Laibacher Tagblatt" Nr. 164), sondern einzig und allein der Grundsatz: „unicui^us suuw", habt mich bewogen, zu erklären, daß ich dem „Lrvnevls" weder rohes noch verarbeitetes Materiale je geliefert habe. Ich verweise den mir unbekannten Herrn Korrespondenten an die Firma: „Johann Komljanec, k. k. Gymnasialkatcchct in Gottfchee", wo zwei edle, gleichgesinnte Seelen sich umarmen können! Was ich schreibe, unterschreibe ich auch immer, und wenn cs eine Elegie nach egyptischen Fleischtöpfen wäre, nach welchen ich mich aber ebenso wenig sehne, wie nach der persönlichen Bekanntschaft des Herrn Korrespondenten aus Gottschee. Gottschee, 27. Juli 1878. Josef Novak, Stadtpsarrer und Dechant. Angekommene Fremde am 29. Juli. Hotel Stadt Wien. Kappstein, Kfm., Siofok. - Hradizky, Meisl, Reis, Just, Kfltc , und Dr. Procksch, Wien. Hotel Elefant. Lengyel, Kaufm, Kanifcha. — Simon, Hopfcnhandler, Saaz. — Hoppers, Monteur, Wien. — Schilizzi, Agent; Rcya Luzia, Private, und Birti Adele, Private, Trieft. — Graf und Gräfin Schaffgotsch, Fiume. Hotel Europa. Pontzer, Private, Wien. Mohre». Bebuz, Loitsch. — Sabacher, Bozen. — Fisch-Hof, Beamter, und Dr. Umlauft, Wien. — Sabukovetz, Gurkfeld. — KoMe, Planina. — Rojankii Jakob und Rozanw Matthäus, Görz. — Hofmann Rosalia, Mähren. Witterung. Laibach, 30. Juli. Morgen theilweise bewölkt, Regen mit Sonnenschein abwechselnd, nachmittags Regen, schwacher SO. Wärme: morgens 7 Uhr -j- 19 0°, nachmittags 2 Uhr -i- 20 6" 0. (1877 4 24 3° ; 1876 -i- 24 5° 6.) Barometer 733 95 mm. Das gestrige Tagesmittel der Wärme 18 9°, um 0 7° unter dem Normale. Marktbericht von.L. Jaeobius L Söhne, Berlin-Hamburg. Hamburg, 26. Juli 1878. Weizen: Still, schlesischer Mrk. 205 bis 230, österreichischer, russischer und rumänischer Mrk. 195 bis 225, polnischer Dirk. 225 bis 230, Mecklenburger Mrk. 215 bis 230, Nikolajeff Mrk. 190. Roggen: Fest, russischer Mrk. 125 bis 136, preußischer Mrk. 130 bis 146, Mecklenburger Mrk. 135 bis 156. Gerste: Still, rumänische und galizische Mrk. 138 bis 140, schlesische, ungarische, böhmische und mährische Mrk. 160 bis 190, russische Mrk. 128. Hafer: Still, russischer Mrk. 130 bis 145, schlesischer und böhmischer Mrk. 150 bis 190, Mecklenburger Mrk. 150 bis 160. Bohnen: Still, mittel nach Qualität Mrk. 160 bis 168. Erbsen: Still, Futtererbsen Mrk. 150 bis 160, Koch-erbsen Mrk. 210 bis 230. Wicken: Ruhig, kleine und mittel Mrk. 125 bis 170, große Mrk. 160 bis 190. Mais: Fester, rumänischer Mrk. 125 bis 130 per 1000 Kilo Netto. Kleesaat: Ruhig, roth Mrk. 40 bis 52, weiß Mrk. 50 bis 75 per 50 Kilo Brutto incl. Sack. Timothee: Ruhig, Birk. 20 bis 26 per 50 Kilo Brutto incl. Sack. , Mutterkorn: Mrk. 60 bis 68 per 50 Kilo. Kümmel: Mrk. 20 bis 28 per 50 Kilo nach Qualität. Kanthariden (spanische Fliegen): Mrk. 456 bis 465 pr. 50 Kilo. Spiritns: Rectis. Kartoffelspiritus Pr. 100 Liter Mrk. 46 bis 50; rcctif. Rübcnfpiritus L 100 Perz. Mrk. 44 bis 48. ____________________________________ Telegramme. Wien, 29. Juli. Einer Meldung der „Pol. Korr." aus Konstantinopel zufolge hätte der Sultan gestern den Berliner Beitrag ratificiert. — Aus Athen verlautet derselben Korrespondenz zufolge, daß die griechische Regierung nicht auf Janina verzichte. Brod, 29. Juli. Heute morgens hat die Avantgarde des 13. Armeecorps in Gegenwart des Feldzeugmeisters Philippovich und dessen ganzen Stabes bei Brod die Save übersetzt. Der Truppenübergang vollzog sich mit größter Präci-sion binnen drei Stunden unter dem lauten Jubel der Soldaten und der hiesigen Bevölkerung. Seit !0 Uhr weht auf dem bosnischen Ufer die österreichische Flagge. Belgrad, 29. Juli. Die Skupfchtina wurde geschlossen; sie nahm die Serbien betreffenden Berliner Vertragsartikel an: Gleichstellung der Juden, Bahnbau Salonichi und Konstantinopel, Handelsvertrag mit Oesterreich, Regelung des eisernen Thores. Wiener Börse vom 29. Juli. Allgemeine 8taatr-scüukä. Papierrente . . . Silberrente . . . Goldrente .... StaatSlose, 1839. „ 1854. „ 1860. „ 1860(5tel) „ 1864. . . Hrunllentkastungs- Obligationen. Galizien.............. Siebenbürgen . . . -Temeser Banat . . . Ungarn................ Anäere öffentki«üe Aakeken. Donau-Regul.-Lose Ung. Prämienanlehen Wiener Anlehen . . > Äctien v. Hanken. Kreditanstalt f.H.u.G. Escompte-Ges., n.ö. . Nationalbank......... Aetien o. Traarpoet Änteraekmungen. Alföld-Bahn......... Donau - Dampfschiff -Elisabeth-Westbahn . Ferdinands-Nordb. . Hranz-Sosepb-Bahn. Äaliz. Karl-Ludwigb. Lembera - Czernowitz -Lloyd-Gesellschaft . . Geld Ware 64 10 64 20 66 05 66 15 74 35 74 40 328— 330 — 109 — 109 50 113 50 113-75 122 — 122 50 142 75 143— 84-50 85— 76 25 77— 77 50 78 25 79 25 80— 104 50 104-75 84 — 8425 92 50 92 75 262 — 262 10 826— 828 - 127 50 128— 490 - 492-— 173 — 173 50 2050 2055 137-50 138 - 240 201240 40 136 — 136 50 549 — 550 — Nordwestbabn . . . . Rudolfs-Bahn . . . . Staatsbahn............ Südbahn............... Ung. Nordoftbahn . . Psanllbriese. Bodenkreditanstalt in Gold............. in öfterr. Währ. . . Nationalbank.......... Ungar. Bodenkredit- . Priorilatr-Obkig. Elisabethbahn, l.Em. "erd.-Nordb. i. Silber ranz-Ioseph-Bahn. ZaUz.K-Ludwigb.l.E. Ocst. Nordwest-Bahn Siebenbürger Bahn Staatsbahn, 1. Em. Südbahn k 3 Perz. L 5 „ . Privatkofe. Kreditlose.......... Rudolfsstiftung. . . Devisen. London Gekäsorten. Dukaten............ 20 Francs . . . . 10O d. Reichsmark Silber............ Geld 120 50 125 50 262 25 77 25 124 — 108-25 93 S9 SO 95 — 91 75 104 75 89 — 100 75 88 75 69 50 157 — 111— 95 162 25 14 50 115- 5 44 9 22 56 85 100 25 Ware 121— 126'-262-75 77 75 124 50 108-7» 93 25 99 30 95 25 92 — 105 — 89 25 101— 89 — 69 75 ,57-50 111 15 95 25 162 50 15 — ^15-10 5-46 9 23 56 95 100 40 Telegrafischer Ünrsbericht am 30. Juli. Papier-Rente 6410. — Silber-Rente 65 80. — Gold-Rente 74 30. — 1860er Staats-Anlehen 113 50. — Bank-actien 826. — Kredilactien 263 25. — London 114 70. — Silber 100 25. — K. k. Münzdukaten b 44 — 20-Franes-Stücke 9'20. —100 Reichsmark 56'65. Höchst empfehlenswerth: Bamnwoll Netzjacke» (Schweijzvertheiler), Originalfabrikat L fl. 2, fl. 2 20 bis fl. 2 40; Jmitation-Nctzjackeir L fl. 1-80; Herren-Fußsocken, weiß und Nanking, 1 Paar nur 15 kr., bei (265)9 Für den Vertrieb eines sehr gangbaren Artikels ohne jede Auslage werden Personen aller Stände in der Provinz gesucht. Schriftliche Anfragen unter „Nebeneinkommen" befördern Kotter L 6omp., Annoneen-Expedition, Wie», Riemer-gafle 13. (309) 20 -10 Gedenktafel über die am 2. August 1878 stattfindenden Li-citationen. 3. Feilb., Ljubii'sche Real., Werschliu, KG. Rudolfswerth. — 3. Feilb., Vidrih-sche Real., Dorn, BG. Adelsberg. — 3. Feilb., Penko'sche Real., Nadajneselo, BG-Adelsberg.— 3. Feilb., Saje-sche Real., Paltschie, BG. Adelsberg. 2. Feilb., Cu-kek'sche Real., Altdirnbach, BG. Adelsberg. — 2. Feilb-, Mersnik'sche Real., Smerje, BG. Feistriz. — 2. Feilb., Gkerlj'fche Real., Grafen-brunu, BG. Feistriz. — 2. Feilb., Rojc'sche Real., Ver-bica, BG. Feistriz 2. Feilb., Candek'sche Real., Prem, BG. Feistriz. — 2. Feilb., Mi-kultt'sche Real., Preska, BG. Littai. - 2. Feilb.. Seles-sche Real., Bitiujc, BG. Feistriz. - 2. Feilb., Fisti-sche Real., Hrastje, BG. Krainburg. Flaschenbier ^ (Märzen-E.rport) aus der ükr kckw in Leopoldsruh bei Laibach wird in Kisten von 25 Flaschen auswärts versendet. Bestellungen aus Biere in Gebinden und Flaschen werden direkt in der Brauerei oder in deren Depots mit Eiskellern: in Triest bei Herrn O. Lorlser, Monte Verde Corso Nr. 43—45; Agram bei Herrn Rutli. RituLl, Seidenspinnergasse Nr. 512; Cilli bei Herrn ^ntaii I'rixner, „Hotel Elefant", Ringstraße Nr. 32; Tarvis bei Herrn Lvondarät Hxrenbkvli; Krainburg bei Herrn volenr, Handelsmann, und bei Herrn keter iMSSulk, Handelsmann in Laibach, erbeten. (278) 7 Druck von Jg. v. Kleinm « yr L Fed. Bamberg. Verleger: Ottomar B « mbkrg. Für die Redaction verantwortlich: Franz Müller.