1!MM> ,April). ^ \CI _ Jotflc 28. für Hbteilllllgzuntemcht Herausgeber: Prof. Rudolf €. P«rz, F. f. Bezirksfchulinfpektor tu Laibach. Die „Blätter für Abteilungsunterricht" erscheinen als Beilage zur „Laibacher Schulzeitung" monatlich. Bezugsgebiihr 2 K jährlich. Einzelnummer 30 h. Inhalt: 1.) Unser Wolb. — 2.) Die 4. Frage. 3.) Die neue (8.) Frage. 4.) Ein Arbeitstag in der Etnkiassigen. >.) Aus dein Lchreralbum. — (>.) Die Wechselrede. - 7.) Briefkasten. — 8.) Von Schule zu Schule. Arbeit ist des Mannes Würde. Arndt. II»Irr Gold. Sss gräbt im tiefen, finstern Schacht der Bergmann Tag »IN Tag nach Gold — mit .«.«r i ... gngcii. Grabe Stücke kallern daher, Erdklninpe» imb Felstrüininer. Was fall der lvirreHanfen vvr deinen Füßen, du stiller Bergmann? — Dn fragst? Siehst du nicht dieKörnlein blitze», die Adern glimmen? Hinauf ans Licht! In der graben Hülle ist ein Schatz verbargen, reines, blinkendes Gvld. — Die Flamme zischt ni» die Klumpen und ans der Esse fließt das glänzende Metall. Da liegt es nun, was alle Menschen beglückt. Es wandert hinauf zu den Könige-thronen und wandert hinein in die Hütte des fleißigen Mannes. Wieviel Freude klebt an dem klingenden Stück, das des Kaisers Bildnis trügt. Wer hat es zutage gefördert? Der Bergmann, der unverdrafsen emsige Bergmann, — — der Lehrer in der Landschule das lebendige Gvld derBcrge und Täler. Seht ihr's strahlen ans den Äuglein der Jungen, die heute mit den „Blättern" aus dem vber steirischen Waldlnnde in alle Gaue des Reiches hinansfliegen? Der kleine Schelm, wie er sich duckt! Unter feinem Hute ruht gewiß ein großer Schatz. Darum zwinkert er verstohlen; er will feilt Metall nicht verraten. Ganz anders gibt sich der Grvße: Sein Erz birgt vielleicht weniger glänzende Körnlein; aber offen fällt cs dein Gräber unter den Spate». Dieses Gvld unter der Zipfelmütze wird wvhl in der Hütte bleiben, jenes, das der kecke Hut deckt, wird vielleicht bis zu Königsthronen wandern. Wv ist der Bergmann? Du bist cs, lieber Leser, lieber Anitsbrndcr in der Landschule! Du gräbst Tag um Tag unverdrossen und lockerst Jahr um Jahr die grobe Hülle, bis du den gelben Schimmer der Umklammerung entziehst. Das Gvld der Landschule, aus deinen Händen fließt es in das Reich hinaus, beglückend, stärkend, dich ehrend. Das ist echtes Gvld, das ans den Bergen kommt. Das Sieb, das die Grvßstadt in die Strömung schiebt, um das schwere Sandkorn abzusangen und es auszubeuten, bringt wenig edles Metall ans Licht; nur der feste Stein beut ein gutes Stück. — Vergessen sei darum all die Mühe, all das Zagen in der finstern Stube, vergessen der Mangel an Gvld, an dem die Welt so gerne hängt! Es führt den Lehrer der Landschule sein Amt in einen Schacht, wo cs erglänzt, wv cs erstrahlt, wv ein güldener Schimmer ans goldenen Herzen und treuen Augen blinkt. — Mnser Gold, es ist wertvoller als all das Geschmeide der Großen!------------- Die 4. Frage. Ilittmterlirochener Wormittitgsimterricht oder Hanztagsimterricht mit Mittagspause! — sicht vor bcrn Torschluß; wer noch herein will, muß sich spulen. Die neue (8.) Frage. Soll die Einklassige eine Ächtülassige im kleinen sein oder eine Schulgattnng tiesonderer Art k Die Einklassige als Achtklassige im kleinen behält alle Gegenstände der vornehmen Genossin bei »nd schnürt sie nur nach den Verhältnissen ein; man könnte sie mit dem konzentrischen Kreise vergleichen, der zwar alle Kreisausschnitte umfaßt (die einzelnen Gegenstände) wie die Achtklassige, nur mit einem kürzeren Halbmesser für jedes Fach. Darnach hat die Einklassige dieser Art Erdkunde, Geschichte, Naturgeschichte, Natnrlehre, Zeichnen, Sprache, Rechnen usw., doch durchwegs um dasselbe Stück verkürzt, weil sie mit den drei Abteilungen unmöglich die der vollständigen, ungeteilten Schule gezogene Grenze erreichen kann. — Die Einklassige nach der zweiten Auffassung dringt in den Hauptgegenständen, wie: Sprache, Rechnen und etwa Erdkunde, so weit vor wie die Achtklassige, bleibt aber in ändern Fächern, die für das praktische Leben nicht eine allzngroße Bedeutung haben, wesentlich zurück, so daß beispielsweise Zeichnen fast nur nngedeutet erscheint und die Naturkunde bloß das Aller-notwendigste bietet. Dafür sitzt das Trivium: Lesen — Schreiben — Rechnen fest. Die Realien verkriechen sich hiebei großenteils in die Lesestücke; dagegen tritt die Anwendung im Rechnen und in der Sprache stark hervor. Was soll gewählt werden? Ein Arbeitstag in der Einklassigen. Hans Malloth, Goggau (Kärnten). Schon geraume Zeit, bevor der Unterricht beginnt, sitzt der Einklassige am Pulte vor aufgeschlagenen Büchern. Eine Menge von schriftlichen Aufgaben werden an die Tafel geschrieben. Es ist seine Vorbereitung. Und diese muß sein, sonst gleicht der Lehrer dem steuerlosen Schiffer auf dem weiten Ozean: nie werden beide ihr Ziel erreichen. Einzelne Kinder kommen schon. Die Schultasche wird in die Bank getan und flugs geht’s wieder zur Schulttir hinaus. Haben recht! Nur dem Lehrer will die Störung nicht gefallen. Es klopft. Eine Bewohnerin meldet, ihr Biiblcin sei heut' in der Nacht so schreckbar krank gewesen und könne deshalb nicht in die Schule kommen. „Wenn’s wahr ist!“ betont der Lehrer (hat allen Grund dazu); er dankt für die Meldung. Vom Kirchturm schlägt’s neun. Prüfend überblickt der Einklaßler die an achtzig zählende Kinderschar. Dort sind leere Sitze. „Der Peter,“ heißt cs, „muß Holz führen!“ Der Vater, obwohl einer der besten Besitzer, hält ihn aus Eigennutz daheim. Kürzlich hat diesem der Lehrer belehrend auf den Zahn gefühlt, hat der gemeint: „Meine Hube hab’ ich mit Arbeit zusammengebracht, nicht mit Lesen und Schreiben; mein Bub' muß arbeiten lernen . . .“ „Wo ist Alois?“ „Nach N. gegangen!“ heißt es. Unnötige Frage! Der Lehrer hat ihn selbst in der Früh beim Scluilhaus vorübergehen gesehen; die Branntweinflasche hat neugierig aus der Rocktasche hervorgeschaut. Der Vater gehört eben nicht zu den Antialkoholikern . . .- Da fehlen noch drei Geschwister. Das Nachbarskind meldet, deren Eltern wären beim Wirt gewesen und seien erst heute" in der Früh heimgekommen; es war nämlich eine Tanzunterhaltung. Schon möchte dem Lehrer ein Wort des Unmutes entschlüpfen, da kommen die drei ängstlich zur Tür herein. Das Älteste meint: „Die Mutter hat heut' zu spät gekocht.“ „Glaub’s gern!“ sonst kein Wort. Was können die armen Kinder für den Leichtsinn ihrer Eltern ? Nach diesem für den Lehrer keineswegs stimmungsvollen Präludium beginnt der Unterricht. Die schriftlichen Arbeiten für die erste Abteilung b), d. i. zweites und drittes Schuljahr, zweite Abteilung (viertes und fünftes Schuljahr) und dritte Abteilung (sechstes, siebentes und achtes Schuljahr) nach diesen Altersstufen sind in der einklassig-ungeteilten Schule die Kinder am zweckmäßigsten gruppiert - sind in Kürze abgewickelt, da hiefiir der Lehrer seine Vorbereitung getroffen hat. Mit den Anfängern, d. i. mit dem ersten Schuljahr, wird mit dem Rechnen begonnen. Gerade vermittelt der Lehrer die Zahloperation 3 + 2 anschaulich, da bemerkt er, daß die Ursula keinen Griffel hat. Als er für diese einen solchen sucht, melden einige: „Der Franzi hat keine Tafel!“ Am Kirchriegel drüben hat er sie vor dem Unterrichte hingelegt und wie er den ersten Schlag der Glocke vernahm, machte er sich eilig in die Schule und die Tafel blieb liegen. Geschwind werden die beiden Übelstände behoben und dann geht es wieder an die Arbeit: 3 + 2. Nach einigen Minuten hört der Lehrer ein Geräusch, aber fürs Ohr durchaus kein angenehmes: Griffelspitzen! Es ist zwar während des Unterrichtes streng verboten, doch die Wahl tut weh: mit dem stumpfen Griffel schlecht schreiben verspricht Einsperren und Griffelspitzen und Ertapptwerden ebensoviel. Endlich hätte das erste Schuljahr die Zahloperation 3 + 2 erfaßt; so jetzt im Anschlüsse noch einige angewandte Aufgaben, die Zeit drängt. Da fallen Tafelscherben auf den Boden. Der Peter hat gestern beim Heimgehen seine Tafel zerbrochen und nun geht alles in Brüche. Wiederum Unruhe . . . Mit den angewandten Aufgaben der ersten Abteilung ist jetzt nichts mehr. Darum rasch dieser eine schriftliche Beschäftigung und zur ersten Abteilung b), d. i. zu dem zweiten und dritten Schuljahre. Das Rechnen geht hier flott von statten, da die Schüler ziemlich zahlsicher sind. Der Lehrer ist bei dieser Abteilung so in die rechte Unterrichtswärme geraten. Leider wird die muntere Arbeit bald gestört. Bei der zweiten und dritten Abteilung sind die Schlendriane mit ihren Aufgaben fertig geworden und das sind auch die Unruhigsten. Entweder eine neue Aufgabe geben oder die alte nochmals schreiben lassen, muß das Werk von Sekunden sein; denn Müßiggang . . . Mittlerweile ist die erste Unterrichtsstunde verronnen. Die erste Abteilung b) erhält eine Stillbeschäftigung und nun zur zweiten Abteilung! Auch hier geht anfänglich die Arbeit recht munter von statten; allein bald treten jene aufreibenden und den Unterrichtserfolg niederhaltendcn Störungen auf, die das Wesen der Einklassigen kennzeichnen. Einige Anfänger wollen in den Abort. Die Mehrzahl der Kleinen ist mit der Rechenaufgabe fertig geworden und es beginnt recht unruhig zu werden. Eine neue Aufgabe verfängt nicht, denn sie sind der Stillbeschäftigung durch nahezu einer Stunde satt. Der direkte Unterrichtserfolg ist daher bei der zweiten Abteilung infolge dieser Störungen ein recht zweifelhafter; insbesondere fehlt es infolge des Zeitmangels an einer gründlichen Befestigung. So jetzt die Korrektur der schriftlichen Arbeiten der dritten Abteilung und der ersten Abteilung b) und dann für dieselben wieder frische Aufgaben! Die Störungen wie das überanstrengende Hinarbeiten auf einen Unterrichtserfolg haben die Arbeitskraft des Lehrers rapid herabgedrückt; der Unterrichtston beim direkten Unterrichte wird in der letzten Zeithälfte der zweiten Unterrichtsstunde matter. Der Lehrer sehnt sich nach der Pause. In der dritten Stunde — der Lehrer hat nunmehr die zweite und dritte Abteilung vor sich, die erste Abteilung wurde entlassen — gestaltet sich die Unterrichtsweise normal; endlich ist dem Lehrer Gelegenheit geboten, etwas gründlicher zu werden. Und dennoch sagen Kollegen mehrklassigcr Schulen, wenn nur der Abteilungsunterricht nicht wäre! Was soll dazu der arme Einklaßler mit seinen vier Abteilungen sagen? — Mittagspause! Der arme Arbeiter, der sich den ganzen Vormittag abgemüht hat, bewahrt sich doch einen gesunden Appetit und es winkt ihm eine Stunde Ruhe. Ob dem Einklaßler sein frugales Mahl auch so mundet, ob auch er eine Ruhestunde hat? — Zwei Schüler haben vormittags ihre Aufgaben unvollständig gemacht, einer hat sie schlecht geschrieben; das muß nun in der Mittagspause besser geschehen. Der Anton war unruhig, die Anna konnte nicht lesen; alle diese müssen überwacht werden. Auf dem Spielplatze haben sich die Kinder zusammengerottet; zwei sonst gutmütige Biirsch-lein sind sich in die Haare geraten und die Zuschauenden nehmen mit lautem Hailoh für jeden der Ringenden Anteil. Der Lehrer muß Frieden machen. Nach einstiindiger Pause ist der Einklaßler körperlich und geistig etwas aufge-frischt. Gerade will er den nachmittägigen Unterricht beginnen, da klopft es. Die N. steht draußen und entschuldigt sich, daß sie den Buben für Nachmittag nicht in die Schule schicken könne, sie brauche denselben so notwendig, um die Kuh auf die Weide zu führen; und wahr ist’s, die Scheckige läßt sich vorm Sclmltor hören. Ländlich-sittlich! — Die erste Stunde verläuft leidlich; hingegen in der letzten macht sich die furchtbare Anstrengung des Einklaßlers fühlbar: die Erschöpfung zeigt sich im klanglosen Ton der Stimme, der beherrschende Blick verliert die Ruhe; nervös hastet der Lehrer hin und her und zieht des öfteren die Uhr. Endlich ist der Unterricht beendet. Erleichtert atmet derVielgeplagte auf, denn die harte Tagesarbeit ist überstanden. Überstanden? Was soll mit dem halben Hundert Theken dort auf dem Pulte geschehen? Seufzend nimmt er die in rote Tinte getauchte Feder und beginnt die geist- und nerventötende Arbeit des Korrigierens, damit er sich dann in Gottes freier Natur laben und erholen kann. Der Postbote kommt. Einige amtliche Umschläge zieht er aus der breiten Tasche. Des Lehrers Antlitz legt sich in Falten. Vielleicht enthält doch einer dieser Briefe das Anstellungsdekret um die vor kurzem angestrebte Oberlehrerstelle oder ein Belobungsschreiben: „In Würdigung der günstigen Erfolge bei den dortig schwierigen Unterrichtsverhältnissen, spricht der k. k..........dem “ Der Einklaßler hat derlei Träu- mereien schon längst aufgegeben In einem Berichte heißt es „postwendend“. Pflichtgemäß macht sich der Ermüdete an die neue Arbeit. Eben ist der Bericht ausgearbeitet und die Uhr zeigt auf 6. Da kommt der Schulobmann. „„Herr Lehrer, die Kinder des Adambauers können wir diesen Monat nicht ausweisen; er hat am Sonntag im Wirtshaus über die Schul’ so schrecklich g’schimpft. „Die Kinder in die Schul’ schicken, fremde Leut’ dafür halten, hohe Umlagen zahlen und dann noch die hohen Schulstrafen, das bringt den Bauernstand auf den Bettelstab,“ so hat er g’sagt und alles hat ihm Recht gegeben.““ — „Wieviel zahlt der Adambauer für seine vier schulbesuchenden Kinder Schuluinlagen?“ fragt der Lehrer. „Bei acht Kronen“ heißt es. „Und wieviel würde der Adambauer für ein Kalb Haltzins auf der Alpe zahlen?“ fragt der Lehrer weiter. „Bei sechs Kronen“, meint der Obmann. „Nun dann zahlt ja der Adambauer für die kurze Zeit um vier Kronen für ein Kalb mehr, als für sein Kind im ganzen Jahre; sagen Sie das ein andermaldem Adambauer, beim Ausweise bleibt’s!“ Adambauer und Obmann sind nicht nur leibliche, sondern auch geistig Verwandte. — Des Tages schwere Arbeit wäre beendet, es ist nahezu 7 Uhr abends geworden. Körperlich und geistig müde sinkt der Einklaßler auf das Lager. Wieder ein Tag um — wieviele werden es noch werden? -------------- Und ins Traumreich hinüber zieht ihn der Schlummergott er träumt, ein Volksbeglücker in seiner kleinen Gemeinde zu sein, von allen geschätzt, von seiner Behörde, ob der schweren Pflichten geachtet und bald hiefür entlohnt zu werden. Geplagter Einklaßler, es bleibt beim Traum! Aachwort der Schriftl'eitung: Ein naturgetreues Bild — allerdings in Sezessionsmanier, gemalt mit frischen Farben! Stellen mir's neben die dritte Frage: Wie nimmt sie sich aus? Bus dem Cebreralbum. 10. „Kurt, du mußt das Buch lesen; cs ist so herrlich, so ermutigend, so stärkend für uns in der Zeit harter Arbeit!" „„Laß mich mit dem dummen Zeug! Tut mir leid, daß ich in der Anstalt auch nur ein Dutzend Tage dem elenden Berufe gewidmet habe."" „Damit wirst dn's aber nicht besser machen; deine Unzufriedenheit ivird wachsen, je tiefer du geistig sinkst." „„Na, warte, wenn die Gehaltsregnlierung kommt, da will ich mir eine ganze Bibliothek anschaffen und Zeitungen und Methodiken soviel du willst."" Die Gehaltsaufbesserung kam, doch Bücher, Blätter und Anleitungen kamen nicht; das Mehr erhielt der Wirt — und wer hinter dem Glase Tag um Tag gemurrt, — das war — Kurt. Die Wechselnde. Zur 5. Krage. (Soll das 3. Schuljahr zur Mittel- oder Unterstufe gerechnet werden?) 20. Urteil. Oberlehrer Joh. Bitterlich, Schönau (Böhmen). Das dritte Schuljahr soll unbedingt zur Mittelstufe gehören; zwei Schuljahre genügen als Vorbereitung vollkommen. Wollte man an der einklassigen Volksschule für jeden Schüler die Schuljahre abgrenzen, so wäre das gefehlt. Denn sehr oft muß nach der Individualität des Einzelnen vorgegangen werden. Wenn auch eine gewisse Norm bei der Aufteilung der Schuljahre nicht zu umgehen ist, so sollte doch dem Lehrer in einzelnen Fällen etwas Freiheit gelassen werden. Schon mit Rücksicht darauf, daß auch Kinder minder organisierter Schulen schon mit zehn Jahren in eine Mittelschule übertreten, soll das dritte Schuljahr zur Mittelstufe gehören. Zählen wir das dritte Schuljahr noch zur Unterstufe, so hören die Kinder denselben Stoff dreimal; das muß für normal entwickelte Kinder fade sein, das öftere Wiederholen einer Abteilung muß abstumpfen. 21. Urteil. Schulleiter Josef Rafelt in Kunersdorf (Böhmen). In der geteilten einklassigen Volksschule muß das dritte Schuljahr unbedingt zur Unterstufe gehören. (Gründe? Die Schrift!.) 22. Urteil Schulleiter Josef Pietschinann in Röhrsdorf (Böhmen). Das dritte Schuljahr wird in der Regel zur Mittelstufe zu zählen sein, da eben nur schwache Schüler den Unterrichtsstoff dieser Stufe nicht bewältigen. Solange das fünfte Schuljahr nicht zur Mittelstufe gezählt werden darf, wird es nicht angehen, das dritte Schuljahr zur Unterstufe zu rechnen. 23. Urteil. Schulleiter Hugo Thomas in Ncu-Grafenwalde (Nordböhmen). Nach meiner Ansicht und Erfahrung würde ich die Verteilung der Schüler bestimmen, wie folgt: Erstes und zweites Schuljahr erste Abteilung, Fibelklasse, Zuzählklasse, Sprach- und Schreibklasse. — Drittes, viertes und fünftes Schuljahr zweite Abteilung, Wegzählen, Emmaleinsklasse, Lesefertigkeit, sicheres Rechtschreiben. — Sechstes, siebentes und achtes Schuljahr dritte Abteilung, Stilklasse. 24. Urteil. Schulleiter Anton Eiselt in Waldecke. Die Lehrpläne für das Königreich Böhmen vom 23. Februar 1898, Z. 40.220, ordnen für die einklassig ungeteilte Volksschule folgende Einteilung an: Erste Gruppe: Erstes Schuljahr. Zweite Gruppe: Zweites, drittes und viertes Schuljahr. Dritte Gruppe: Fünftes, sechstes, siebentes und achtes Schuljahr. Für die einklassig geteilte Volksschule: Erste Gruppe: Erste Abteilung erstes Schuljahr; zweite Abteilung zweites und drittes Schuljahr. Zweite Gruppe: Erste Abteilung viertes und fünftes Schuljahr; zweite Abteilung sechstes, siebentes und achtes Schuljahr. Aus dieser Einteilung ist zu ersehen, daß das dritte Schuljahr zur Mittelstufe zu gehören hat. Kinder, welche geistig zurückgeblieben sind, werden selbstverständlich die sogenannte Fibelklasse zwei Jahre durchmachen. Ein längeres Sitzcnlassen in dieser Abteilung hat seine bedenklichen Seiten, da das mehr herangewachsene Kind unter den kleinen Abc-Scluitz.cn oft nur Unfug treibt und den Unterricht stört; doch ist es wohl selbstverständlich, wo es nur angeht, derartige schwache Schüler beim Elementarunterrichte direkt zu beschäftigen, sie jedoch auch vom direkten Unterrichte der zweiten Gruppe nicht ganz, auszuschließen. Wenn man nun geistig wenig begabte Schüler nur zwei Jahre in der Fibelabteilung sitzen lassen soll, wird man selbstverständlich das dritte Schuljahr zur Mittelstufe zu rechnen haben. Oft jedoch kann man beim direkten Unterrichte die Unter- und Mittelstufe vereinigen; z. B. im Anschauungsunterrichte, wo es besonders in den ersten Wochen des Schuljahres oft sehr schwer fällt, den Neuling zum Sprechen zu bewegen. Der durchgenommene Übungsstoff im Anschauungsunterrichte läßt sich in der Mittelstufe stilistisch fruchtbar verwerten, indem z. B. das zweite Schuljahr die Namen der behandelten Gegenstände niederschreibt, das dritte und vierte Schuljahr von diesen Gegenständen etwas aussagt, also kurze Sätze bildet, während das erste Schuljahr diese Gegenstände mit wenig Strichen aufzeichnet. Durch diesen Vorgang erhält der Lehrer Zeit, sich mit der Oberabteilung direkt zu beschäftigen. Im Rechnen werden die Schüler des zweiten und die schwächeren Schüler des dritten Schuljahres mit der Elementarklasse stets direkt beschäftigt, damit das im ersten Schuljahre Gelernte neu befestigt wird und etwa vorhandene Lücken verschwinden. Es ist wohl selbstverständlich, daß das zweite und dritte Schuljahr, während die Elementarklasse still beschäftigt wird, auch im Rechnen direkten Unterricht genießen muß. Wollte man unter allen Umständen das dritte Schuljahr zur Unterstufe zählen, so müßte die Disziplin darunter leiden und die Kinder würden oft von Langeweile geplagt werden. In Gesang und Turnen ist ja der Abteilungs-Unterricht, wenn nur irgend möglich, ganz zu vermeiden. Zur (!. 3-rnflf. (Welche Slossmasse» jKapitelj sollen ans dem jetzt bestehenden Lehrpläne aitsgeschjede» oder in demselben zugeschnitten werden?) tu. Urteil. Oberlehrer Em. Ad. Horejschi in Doglasgriin. Man kann nicht sagen, daß im Unterrichte eine Übung oder Aufgabe, wenn sie richtig angepackt und zielbewußt durchgeführt wird, wertlos wäre. Doch gibt es manchen Stoff, dessen Bewältigung viel Zeit braucht und der einem besseren, dankbareren Platz machen sollte. Das Beste voran! In diesem Sinne ersuche ich die folgenden Ausführungen aufzunehmen. Wer kommt einmal in die Lage, rechnen zu müssen: 12 Jahre, 8 Monate, 24 Tage, 6 Stunden -|- !> Jahre, 5 Monate, 13 Tage, Hl Stunden? — Solche Übungen werden lächerlich, wenngleich das Addieren und Subtrahieren mit mehrnamigen Zahlen ganz nützliche Arbeiten sind. Das Multiplizieren und Dividieren mit mehrnamigen Zahlen würde ich jedoch abschaffen, denn mir ist immer leid um die Zeit, die dabei aufgeht. Ich bin kein Feind des Rechnens mit gemeinen Brüchen — cs ist ja innerhalb vernünftiger Grenzen gar nicht schwer und gewiß ver-slandesstärkend — aber Beispiele wie “l'rai j- K,i/s« und ähnliche verbittern dem Lehrer und Schüler die Arbeit. Hier heißt es zustutzen und nicht über das Maß der ministeriellen Lehrpläne hinausschießen, welche ausdrücklich nur „Rechnen mit häufiger vorkommenden gemeinen Brüchen“ verlangen. Wenn ich ein maßgebender Berater wäre, so würde ich sagen: Entlastet die Kleinen des zweiten Schuljahres vom Messen und Teilen, wobei Reste bleiben, lasset sie im Zu-, Wegzählen und Vervielfachen gründlich ciniihen! Das andere besorgt das dritte Schuljahr dann leicht. Von großer Wichtigkeit ist die Pflege der Muttersprache. Die Steinchen, aus denen sie aufgebaut ist, sollen erkannt, ihre Schönheiten wollen gewürdigt sein. Doch wie oft trifft man 18- und 20jährige Burschen, die eine Postanweisung nicht auszufüllen oder eine Korrespondenzkarte nicht schreiben können! Da stockt es! Worin steckt es? Man treibt eben zu viel Formlehre und wenig Sprachlehre. Man plagt sich und die Kinder wochenlang mit der Biegung des Hauptwortes, des Eigenschaftswortes und stellt Regeln auf, die eigentlich keine Regeln sind. Weg damit! Man verbraucht Stunden und wieder Stunden auf die Erlernung von Verhältnisergänzungen, so und so gearteten Beifügungen, Erkenntnis- und Beweggründen u. dgl. Weg mit solcher Haarkräuslerei! Der flügge gewordene Schüler, der frohen Herzens der Schule entflieht, wirft alles als unnützen Ballast über Bord, weil er es nicht anwenden kann, aber Briefe, Gesuche, die tun ihm not. Es sollte also heißen, da fleißig üben und formen! Der Lehrplan stelle dieses in den Vordergrund, lasse das Zeitwort, welches eigentlich das „Hauptwort“ ist, weil cs den Satz führt und beherrscht, tiefer behandeln als das Hauptwort, versetze jedoch die Vorvergangenheit und Vorzukunft aus dem vierten und fünften Schuljahre in die Oberabteilung, weil diese Zeitformen ohne Mithilfe anderer, also nur in zusammengesetzten Sätzen begriffen werden können. — Einer Verkürzung des Realienstoffes, wie es ein Leitartikel dieser Blätter wenigstens angedeutet hat, würde ich und gewiß der größere Teil der Lehrerschaft nicht zustimmen. Es kann ohnehin nicht viel geboten werden. Verbesserungswürdig ist da manches; doch darüber zu schreiben, muß ich mich gedulden, bis die Frage aufgerollt wird, was in den Lehrplan neu aufzunehmen wäre. 14. Urteil. Schulleiter Hans Pietschnigg in Kamp (Kärnten). Meine Meinung betreffs des unnotwendigen und zeitraubenden Lehrstoffes ist kurz: 1.) Rechenbuch: Weglassung aller Übungen wie 2—1 X • , 5 - - 2 + ., 9 — . = 5 usw. bis zur Zahl 10. Begründung: Anfänger haben schon mit dem Zu- und Wegzählen zu kämpfen und es hat sich der Lehrer sehr zu bemühen, den Kindern den Unterschied des Zu- und Wegzühlens beizubringen. Obige Rechnungsarten sind den Kindern in jeder Methodenart schwer beizubringen und gehören daher in das zweite Schuljahr. Sprachlehre: 1.) Die Arten des Hauptwortes; 2.) Biegung der Haupt-, Zeit-, Eigenschaftswörter und Eigennamen; 3.) tätige und leidende Form; 4.) persönliche und unpersönliche Zeitwörter; 5.) Person des Zeitwortes; 6.) Beschreibung der Schiefertafel, des Lesebuches, eines Tisches usw. Ebenso die Beschreibung gewisser Tiere. Lesen: Ausscheidung der Lesestücke „Schneewittchen“ aus der Fibel und „Dornröschen“ aus dem dritten Lesebuche. Zur 7. Zrrnge. (Inwieweit kann das Helfcrwesen int Abtcilungsuntcrrichte Geltung haben?) Eingesendet zur 7. Frage, Urteil 4.* — Ein Kollege führt hier einen Ausspmch des verstorbenen Schulinspektors A. Kolp an, den dieser einmal über die „Einklassige“ gemacht haben soll, nämlich: „Die einklassige Volksschule sei ein trauriger Notbehelf. . Dieser Ausdruck aus dem Munde eines Kolp kommt mir so befremdend vor, daß ich ihn stark bezweifeln muß. Zehn Jahre stand ich unter dem Regime des genannten Schulmannes und ich habe ihn nur immer mit größter Hochachtung von der „Einklassigen“ sprechen gehört. Inspektor Kolp hat die „Einklassige“ verstanden und hat gewußt, was sie zu leisten imstande ist. Indes, ich will nicht den besonderen Fall, sondern lediglich das allgemeine Urteil in Frage stellen. ' Brugger. 5. Urteil. Oberlehrer Em. Ad. Horejschi in Doglasgriin. Als ich an der einklassigen Schule zu Konstadt (Erzgebirge) wirkte, hatte ich in einem Raume, der für 40 Kinder gerade noch genügt hätte, 65 untergebracht. Da war ich oft froh, wenn fünf oder sechs fehlten; trotzdem gab es keinen Platz: Gedränge, Geschiebe, Murren und Klagen überall. Da führte ich das Helferwesen ein, das sich bei entsprechender Abwechslung auch ganz gut bewährte. Bei denjenigen Schillern, welche öfter herangezogen worden waren, machte ich die Bemerkung, daß sie im Rechnen, Rechtschreiben und Aufsatz bessere Fortschritte zeigten, wahrscheinlich, weil man die Fehler in fremden Arbeiten besser und leichter bemerkt als an eigenen. Für Schulen mit geordneten Verhältnissen würde ich jedoch das Helferwesen nicht empfehlen, außer im Zeichnen, wo der talentiertere Schiller, der stets schneller fertig wird, ausgezeichnete Dienste leisten kann und selber angenehme Beschäftigung findet. Briefkasten. Mitteilungen; 1.) Am 11. April 1806 wurde in Laibach der vaterländische Dichter Anastasius Grün geboren; am 11. April 1006 hat die Lehrerschaft des Südens in derselben Stadt den „Deutschen Lehrer verband für Krain nn d Küstenland" gegründet. Amt hat das Lehrerheim im Süden seine Hüter und Walter, sobald es einmal ersteht. — 2.) Der „Deutsche Lehrerverband für Kraut und Küstenland" hat an läßlich seiner Gründung A. Grün -Karten herausgegebcn, das Stück zu 10 Hellern; Bezug durch Lehrer Bersin in Laibach. — ,'!.) Unser heutiges Titelbild bringt Ansichtskarten ans den Markt, die bei den Abnehmern der „Blätter" in Umlauf kommen sollten, — ist doch unser Gold auch unsere Verbindungskette, die goldene Kette. Zehn Stück samt Zusendung l Krone. Das gesamte Erträgnis fließt dem „Lehrerheim im Süden" zu. Bezug durch die Verwaltung der „Blatter". — 4.) Jahrgang 1004 ist in einem „Auszüge" erschienen, der den ganzen Stoff in übersichtlicher, zusammenhängender Art bringt; für die Freunde, die später zu uns stießen, unerläßlich. (Preis 1 Krone.) Die Zusendung an die Gläubiger erfolgt, wenn „Talaufwärts von Schule zu Schule" fertig ist. — Ehrung eines ZwelKkahkers; An der Außenseite des Schulgebäudes in Schleh, Bezirk Mistelbach, Niederösterreich, wird dem verstorbenen Oberlehrer W. Skarytka in Anerkennung und Wertschätzung seiner rastlosen Tätigkeit eine würdige Gedenktafel angebracht, die am 8. Juli l. I. feierlich enthüllt werden soll. Das Denkmal, welches vom Wiener Bildhauer Seyfried ausgeführt wird, besteht ans einer großen Syenitplatte, dem Porträtrelief des Verstorbenen aus Bronze, beiderseits geschmückt mit bronzenen Lorberzweigen. Überdies erhält das Denkmal eine ornamentale Umrahmung aus Stuck. Die Inschrift wird lauten: „Dem Oberlehrer, Jmkermeister und bienenwirtschaftlichen Schriftsteller W. Skarytka zum getreuen Angedenken! — Dein Vorbild war der Biene Fleiß mit dem Tu rastlos wirktest; immer für andere, nie für Dich selbst! Segen sei deinem Namen!" — Ein- und Zweiklnßler, merkt ihr etwas? Nur nicht verzagt! Auch dieser Mann hat die Leiden der Ein und Zweiklassigen durchgekostet wie vielleicht wenige. An der Spitze des Komitees steht ein Kollege, der jahrelang unter seiner Leitung gedient hat. Ja, „nichts ehrt den Lehrer mehr, als die Ehrung durch die eigenen Berufsgenoffeu". (Mitgeteilt vom k. u. k. Mnrinelehrer Karl Wiesinger in Pola. Ob das nicht der treue Amtsbruder ist, der den Meißel zur Ehre des Landlehrers bohren ließ? Die Schriftl.) — Schlkt. M. in ZI.: Sie schreiben: „Ist es wirklich ein Zufall, der mir die „Blätter zur Förderung des Abteilnngsunterrichtes" in die Hände spielt? Sei dem, wie ihm wolle. Ich erhielt vor einigen Tage» dieselben (ein Exemplar zur Ansicht), und ich las es und las es zum zweitenmale, und heute habe ich den Entschluß gefaßt, dieselben zu abonnieren. Ich fand darin soviel Schönes, Be achtenswertes, wie kaum in einer pädagogischen Zeitschrift, die ich bisher zu lesen bekam." — Das macht die Begeisterung jener, die man bisher vergaß. Es fließt aus den Bergen soviel Edelmetall, und das muß doch gefallen. — Ins Ländle sind die „Blätter" bereits einmal gewandert u. zw. durch den L. Sch. R. in * Berichtigungen wird selbstverständlich Raum gegeben. Aber nicht zuviel verpuffen, meine Herren! Der Raum ist kostbar; wir müssen sachlich bleiben. P. jede Schule. Einer Ihrer Amtsgenossen hinter dem Arlberg beklagt cs, daß nicht alle Kollegen nach der Gabe griffen, und bittet mit neuerliche Sendboten. Nun gut, sie sollen kommen — gleich nach den Feier-tagen u. zw. im Geleite der beiden Kameraden auS der Landschule. — SifiuITcUcr A. chrasmair in St. W-liofrti bei chröbming: Mit dem Bildchen der frischen Jungen haben Sie mir eine große Freude gemacht; ich danke herzlich im Namen aller, die sich an der Folge 28 erquicken werden. Hab' ich in den Schelmen äugen recht gelesen? — Lehrervereia H'aternion: „Der Inspektor und 24 Lehrer, wie es heißt Verehrer, darunter auch vom weiblichen Geschlecht." — Freund, der Spaß war' gar nicht schlecht; doch auch Pädagogen haben schon gelogen. — O. in W.r Er ist Pessimist, weil man bös ihm ist! — Arölskiche Ostern nach asten Seiten! Der Frühling zieht ins Land; bitte um frische Blüten, ich sende dann frische Blätter hinaus. — Rreiy und quev von Schule nt Schule. 4. Unter den Zinnen des mangarts. „Nicht berühren I TodesgefahrI!" Mir lief es kalt über den Rücken; mein Begleiter war schier zur Eissäule geworden, denn wie leicht konnte er mit seinem weitläufigen corpus den Todesfnnken auf sich ziehen. Wir waren im Elektrizitätswerke, das zu all den Maschinen, die dem Bergkvlvsse an den Leib gesetzt wurde», die Kraft lieferte. Aus dem „Saperrrinent" meines Freundes waren zwei „r" gefallen, denn der Schauer hatte ihm die Stimme erstickt. Eigentlich ist es doch interessant z» beobachten, wie ivir Menschen noch unsere Herkunft von den Urvätern in Augenblicken verraten, da es uns an den Kragen geht. Wenn vormals die wilde Bestie hinter dem Gehölz brüllte, da zogen die Jäger, so sie nicht gerüstet waren, den Kampf zu wagen, lispelnd von dannen; heute, da der Tod uns aus den Eisenwalzen und dem Drahtgeflecht entgegengrinst, sinkt auch der Ton auf das Pianissimv, als ob die Gefahr dann geringer wäre. Jahrtausende liegen hinter uns, aber Menschen sind wir wie jene, die der Ur einst schreckte. Ja, Rousseau hatte recht, wenn er den Großteil unseres Handelns auf den Selbsterhaltungstrieb zurücksührte und uns wieder jenem Punkte nähern wollte, der für die sterblichen Menschenkinder in Wirklichkeit immer der Angelpunkt bleiben wird. Ach, wenn man die verschiedenen Taten so recht analysierte und bis zum Grnndmvtiv zurückverfolgte: Wie wenig bliebe von all dem übrig, was die Welt selbstloses, ideales Handeln nennt! Doch genug davon, sonst verfallen wir am Ende auch dein Gericht. — Also, mein lieber Reisegenvsse: Seine langen Beine hatten ihn bald aus dein Tvdeshause getragen, indes ich hinterdrein zappelte mit meinen Gedanken und Betrachtungen. Ei» graues Rohr, weit, daß wir darin gemächlich hätten Platz finden können, kroch wie eine Schlange den Berg hinan zur Öffnung, durch die der Schienenweg ins Kärntnerland führen sollte. Der Ingenieur erklärte, daß das Rohr den Arbeitern im Innern des Berges Luft zuführe. Arme Leute, die in hinanfgepreßten Dämpfen leben müssen, indes »ns der reine Hauch des Waldes niniveht! Bruder, da ist mir die Luft in der Schnlstnbe wohl lieber, als der Dunst im Berge, und der Staub der Bänke Labsal gegen die Splitter der Felsen. Wir traten unter das Tor der Öffnung und wollten in den Stollen wandern. Doch vergeblich! Der Boden war aufgeweicht, durch die Wände sickerte Tropfen um Tropfen und so kehrten wir um, uns tröstend mit der Hoffnung, daß das Eifenrvß uns in nicht zu ferner Zeit hinüberführen werde ins Land der Seen und Matten, in das Alpenparadies. — Wir wandten uns vom finstern Schacht und wollte» zu Tal. Sieh, da lag ein Bild zn unfern Füßen voll Majestät und Anmut. Der trotzige Mangart starrte hinter den Waldgeländen hervor, der mächtige Triglav durchbrach den Forst, all die Zinnen der ehrwürdigen Julischen Alpen schossen keck empor, wie der feurige Jüngling, der ihnen den Namen gegeben. Und diese Berge sind unser, stehen im schönen Heimatland I Wie wird sie der Fremde bewundern, wenn das dampfende Gefährte a»s dem Schlunde rasseln und im Nu dies Bild entrollen ivird! Dann ivird man an der Spree und an der Themse lesen: Fern im schönen Österreich liegt hinter gewaltigen Mauern ein Land voll herrlicher Reize, ein Land, wo eine Schar von Giganten die spitzigen Laqzen zum Kampf gegen den brausenden Nordwind in die Lüfte streckt. Der Englishman wird noch starr am Fenster stehen, — da wird die Maschine über den schwindelnden Dann» hinüberjaae», die Berglehne ltmqimlmcii nnd jenseits des Hanges verschwinden. Bild mit Bild wird wechseln; reiche Fluren werden mit grünen Zungen den Saft aus der Felsenecke saugen, frische Haine werden würzigen Duft hinauf zur Eisenstrnße spenden, Seen werden im Sonnenglanz erstrahle», ein gewaltiger Schoß wird das schnaubende Eisenrvß nm-fangen, Hit, wird das ein Klappern und Poltern durch den letzte» Riefen der Julier, ein Zischen und Brausen talabwärts an den Strand des grünen Jsvnzv, hinein in das Land des ewigen Frühlings, über den üppigen Plan bis zu den rebenuinranktcn Gelände» der Adria! — — Die Reise ans Meer hatte uns nichts gekostet— und doch war sie so schön! Wie öde erschien uns jene, an die ein ferner Pfiff gemahnte. Wir mußten weiter! Ans der Talenge keuchte eine alte Mafchinc vor alten Karren; sie sollte uns unter die Zinnen des Mangnrts bringen. Dort, hieß es, svirke ein tapferer Schulmann, ein Imker von Gvttesgnaden. Eine halbe Stunde Rütteln, Schütteln zum Bergehen der Zug hielt an. Der Sri liegt fernab von der Bahnhaltestelle nnd wir mußten im Sonnenbrand des Hochtales auf offener Fläche wandern. „Schweiß habe ich heute feil in allen Sorten," murrte mein Genoß, „zuerst de» Schweiß des Todes, jetzt den Schweiß des Lebens!" „Nur gemach, mein Freund, dort winkt ein Haiti; der Weg wird ihm sicherlich zustrcben." — „Woraus schließen Sie das?" - „Nit, weil wir jedenfalls nicht die ersten sind, die hier anögestiegen und zur .Sommerfrische' wallen." Und fürwahr! Wir lenkten in die grüne Stadt ein. Unter einem Buchendach lagen zwei Wanderburschen im Grün und ließen mit den Geistern des Waldes all die Svrgen in die Ferne zich'n.... Achtung! Steht auf! Augen auf mich 1 — Kinder! Bevor wir den Unterricht beginnen, will ich euch die beiden soeben angekvmmencn Herren vorstellen. Weshalb sind sie wohl zu uns gekommen? Ja, sie wollen hören, was ihr könnt, damit sie dann von euch in ihrer Heimat erzählen. Ihr werdet euch wohl als Muster hinstellen lassen; darum gebt acht nnd zeigt, daß ihr verständige Schüler seid! - Setzt euch! Hände verschränken! Augen auf mich! Wir wolle» rechnen. N., schlägt dein Vater noch Holz im Walde? Wieviel verdient er da täglich? Wieviele seid ihr in der Familie? Welcher Betrag kommt ans jeden? Diese Rechnung svll jetzt die Oberabteilung im Kopse lösen. Unterabteilung, Achtung! N., wieviel verdient dein Vater täglich? Um wieviel ist dieser Verdienst größer als jener des Herrn N.? Während ich mit der Oberabteilung spreche, soll jeder für sich im Kopfe rechnen. — Oberabteilung: Was ist herausgekoiiunen? Sind alle einverstanden? Wie hast du geschlossen? Sag die volle Antwort! — P. teilte mit, daß sein Vater ,'i K 60 li an jedem Tage verdiene. Davon leben vier Menschen. Wieviel kommt auf jeden? Ich lasse zwei Minuten Zeit. — Unterabteilung: Wieviel beträgt der Unterschied? Ist das richtig? Rechne ausführlich! — Oberabteilung: Ergebnis? Richtig! Eine zweite Rechnung und zwar besonders für die Mädchen! Achtung! Wie hoch steht jetzt das Kalbfleisch? Wohnen bei euch Sommergäste? Wieviel Kilogramm Kalbfleisch braucht die Mutter täglich? Was kostet das? (Für die Oberabteilung!) — Unterabteilung: Wie hoch steht das Rindfleisch? Sieh auf der Tabelle nach! Wie groß ist der Unterschied? — Oberabteilung: Ergebnis? Wie hast du geschlossen? Unterabteilung: Ergebnis? Richtig; ihr habt euch brav gehalten. Dafür dürft ihr de» beiden Herren ein frisches Liebchen Vorsingen. Welches wählet ihr? — (Fortsctmiifi folgt.) Herausgeber und verannvortlicher Schriftleiter' Mubolf E Peerz. Druck von Josef Pavliöck in Gottschee.