Nr. 3. SllmMg den Ä. Mrz 1665. 9. Jalirgang. Matter aus Arain. < (Vcilagc zur „?aibacher Zeitung.") ^ Dic „Blätter aus Krain" erscheinen jcdm Samstag, niid ist der Prännmcrationsprciö ganzjährig 2 fl. östcrr. Währ. Veilchen und Moschus. Kitzelt Moschus mir die Nase? Sind es Veilchen, die mich necken? Seltsam in einander fließen Vcilchcnhauch und MoschuM'iftc. Ei sich da, in blanker Tchachtcl Zcudct eine holde Dame Mir ein Nachtuiolcnstränßchen, Und dazu ein Moschuöbrieflcin. Veilchen sind gemischt mit Moschus Und Natur- mit Knustgerüchcn Immerdar in jcdem Topfe, Ter da kommt ans Nciberkiichcu. Der Drückenbrand. Eiüc Faschingsgcschichte aus dem 17. Jahrhundert. Vril Ludwig Ißleib. (Fortsetzung.) Der Wirth Plaul; war eine interessante Persönlichkeit. Er galt als einer dcr körperlich stärksten Männer der Stadt, und ein Blick auf seine gedrungene Gestalt, auf die musculösen Anne, auf die breite Brust mußte Jedermann belehren, daß dieser sein Nuf nicht ungegründct sei. Das Merkwürdigste an ihm war offenbar sein Gesicht. Die Stirne war breit nnd halb-bedeckt von den herabhängenden strasscn Haaren; unter den dichten buschigen Brauen leuchteten ein Paar graue, kluge Augen hervor; die Nase hatte die Gestalt einer Gurke, der Mund war nicht groß, die Lippen waren gekniffen und von einem überaus verbindlichen Lächeln umspielt. TaZ Kinn war breit und rund. Eine gewisse Schalkhaftigkeit und schlaue Freundlichkeit , verbunden mit riner Art von Sanftmuth lag über dieß Gesicht gebreitet, vergleichbar dem fahlen Lichte dcr Sonne an cincm Regentage; denn wer ihn und sein Vorleben genauer kannte, wußte, daß diese Sanftmuth eine angenommene, später lttreotyp, geworden war. Wer ihn jemals gesehen, wie er „Ordnung" schaffte in seiner Zcchstube, wie er ein halbes Dutzend Gäste kaltblütig auf die Straße warf, dcr mußte sich sagen , daß es mit dcr Eanftmuth und Friedfertigkeit des Wirthes nicht weit her sei. In der That war Plautz in seinen jungen Jahren ein arger Raufbold gewesen, der cbcn dieser Eigenschaft wegen in das Gefängniß des landesfürstlichen Schlosses auf dem, die Stadt überragenden Verge gebracht werden mußte. Denn es verging !cin Tag, an welchem cr nicht Schlägereien anzettelte, ^ aus denen nur seine Gegner mit zerbrochenen Gliedern und Löchern im Kopfe hervorgingen. Aus diesem tiefen Kerker wußte er aber auf eine unerklärliche Art zu entweichen, und gerade diese Flucht war es, welche ihn zum berühmten Manne machte. Als Plauh nämlich um die Art und Weise feiner Flucht befragt wurde, hüllte er sie in ein abenteuerliches Geheimniß und redete den Leuten vor, er habe vom Teufel Besuche empfangen und mit dcmfclbcn einen Palt geschlossen, worauf ihn dieser aller Ketten und Banden im Kerker entledigt, ihm alle Thore geöffnet, und ihn am hellen lichten Tage mitten durch die Wachen geführt habe. Das bei seinem damaligen Bildungsgrade leicht zu bethörende Volk glaubte das Märchen und felbst die Richter waa.tcn dem gefährlichen Menschen nicht mehr an den Leib zu gehen. Allein die gut erfundene Geschichte hatte üble Folgen für Plaul; -er wurde nämlich von Jedermann gemieden, als ein dem TeufclW Verfallener. Das war für eine Natur, wie Plautz, unerträglich , und cr fah sich genöthigt, ein zweites Märchen zu er-^ finden, sogar eine Comüdie zu spielen. Er stellte sich nämlich für fromm und erzählte dann, er habe sich durch sein gottgefälliges Wesen aus dem Tcufelsbanne befreit. Auch dieß glaubte das Volk, und als Plautz sein Wirthshaus eröffnete und durch fein gemäßigtes Betragen alle Vorurthcile der Leute zu ver-M fcheuchcn verstand, wendete sich ihm die Achtung dcr Stadtbc-" wohncr im hchen Grade zu. Er verdiente dieselbe auch, denn cr war wirklich ein fleißiger und rubiger Bürger geworden-nur wenn cr einmal „Ordnung" in seiner Zechstnbe fchasfcn mußte, da erwachte die alte Rauflust in ihm, und es war dann nicht gut, ihm nahe zu kommen. Plaul; empfing die beiden vornehmen Gäste mit feiner freundlichsten Miene schon vor der Thüre des Tanzlocales, in welchem, als sie eintraten, eine Stille bemerkbar wurde, die offenbar eine Folge des den beiden Herren erwiesenen Respects war. Der Graf und Widerkhern fchritten bedeckten Hauptes durch die Gäste: es war das damalige Sitte, daß die edlen Herren in bürgerlichen Kreisen den Hut nicht abzunehmen brauchten. Widerthern musterte mit Kennerblick die anwesenden Frauen und Mädchen, seinem Begleiter zuflüsternd, daß fein Urtheil ein überaus günstiges fei. „So vicl hübsche Gesichter habc ich lange nicht beisammen gcfchen," bemerkte cr, hinzusetzend, „aber kcins ist darunter, das Eurer Veschreibuug entspricht." „Dora ist nicht hier," sagte dcr Graf, „ich glaube sie in der Nebcnstube bemerkt zu haben." So sprechend, ging cr in das andere Zimmer, während Nidcrkhern mit den Mädchen schäckertc. Nack einer Weile kehrte der Graf zurück und sagte zn dem Rittmeister ziemlich ärgerlich: „Dora ist zwar da, allein sie ! sitzt da drinnen neben einem Burschen, der offenbar mehr Glück bat, als ich, denn sie fchaut ihn mit so zärtlichen Blicken an — " „Dacht' ich mir'Z doch, daß sie einen Schal; hat: wie ' hätte sie sonst Euch widerstehen können? Ich muß mich indeß ^ selbst überzeugen," sagte Widcrkhcru und ging in das zweite Zimmer. , Nach geraumer Zeit trat er wieder zu dem Grafen und rannte ihm zu: „Ihr habt Recht: der Bursche hat'Z mir selbst ^ gesagt, daß Dorn seine Geliebte sei. Na ist nichts zu ändern: ! Ihr müßt abstehen, oder wollt Ihr etwa Nebenbuhler eines Messerschmiedes werden?" ^ „Nein," antwortete Alagay fest und bestimmt. „Dazu ^ werde ich niich nie hergeben , denn das wäre unter meiner Würde: ich wußte ja nicht, daß die Sachen so stehen. Wollte ick aber mein Ziel weiter verfolgen. so müßte der Bursche fort, und dadurch würde ich mir eher Tora's Haß, als ihre Liebe erwerben. Ich sage Euch, es thnt mir sehr leid, aber —" ^ „Ich begreife Euren Verdruß," sagte der Rittmeister, , „denn ich mnß bekennen, das Mädchen ist ein Engel. Sie ! ist weit reizender, als Ihr mir sie geschildert habt." ! „Nenn Sie nur leine Schustcrstochter wäre!" seufzte Blagay, „gehörte sie nur einer angesehenen Vürgcrsfamilie an, fo könnte ich in anderer Weise versuchen, ibr Herz zu gc- , winncn." i „Schlagt Euä) die Sache aus dem Sinne, Graf," trö- > stete Widerthcrn den Freund, „beschäftigt Euch vielmehr mit diefen Bürgerstöäitern, sie sind allerliebst: vielleicht verscheuchen sie die trüben Gedanken. Seht nnr dort, das kleine Schwarz-topfchen!" „Mir ist der Spaß jetzt verdorben," bemerkte Vlagay mißmuthig, „die Luft hier ist von dem Athem dieser gemeinen ^ Lentc erfüllt, und das ist mir unangenehm. Laßt uns wieder gehen !" „Wie Ihr wollt," antwortete Widcrthcrn , innerlich ärgerlich über diese plötzliche Sinnesänderung seines Begleiters: denn, weniger scrupulös als der Graf, hatte er in den Reihen der Mädchen eins bemerkt, das ihm recht gefiel, nnd mit dem er gerne eine kleine Bekanntschaft angeknüpft hätte. Er folgte dem Grafen, der das Zimmer verließ und die Stiege hinabschritt. Als sie die Hausflur passirtcn, vernahmen sie in dem unteren Gastzimmer einen wahren Höllenlärm. Die von Wein ^ erhitzten Gäste waren hart an einander gerathen, und nachdem ^ etliche Faustschlägc auf den Tisch die Heftigkeit des Streites angedeutet hatten, wurde znr Demonstration lul Iioininkm geschritten. Man hörte nämlich ganz deutlich den Schall, welchen die Berührung einer änderen Wangcnflächc mit einer innern ^ Handfläche verursachte, worauf sich ein Gcpolter erhob, al? wollte das Haus zusammenstürzen. Die Thüre wurde aufge-risseu und es zeigte sich ein Menschentnäuel, der immer versuchte, sick) aus der Thüre zu wälzen, was aber am Widerstände eines Theiles desselben scheiterte. Auf das furchtbare Getöse erschienen die Gäste aus den oberen Localitätcn anf der Stiege. Widerkhern wollte inter-veniren und ins Zimmer dringen , um die Raufenden zu trennen, alleiu Graf Blagay hiclt ihn zurück. „Wollt Ihr Euren Kopf zu einem Paar Löchern verhelfen?" rief er. „Ihr kennt diese Leute noch nicht: sie sind im Stande, unter sich augenblicklich Frieden zu schließen und die Bearbeitung Eurer Rückseite zu beginnen, wenn sie es nicht gar vorziehen, Euch den Schädel einzuschlagen. Laßt uns eilen, von hier wegzukommen." „Wäre nur mein Arm nicht noch schwack», ich wollte diescu Gesellen schon zeigen, was eine Soldatcnfaust vermag," antwortete Widerkher,n. „Ist gar nicht nöthig," cntgegnete der Graf, „da kommt schon Jemand, der die Verbissenen auseinander bringt." Richtig kam der Wirth die Stiege herab, war mit cinei:: Sprunge mitten unter den Raufern, wo er den wüthendsten beim Kragen packte und mit einer solchen Gewalt zur Thüre hinaus warf, daß cr wie ein Sack dem Grafen zu Füßün stürzte. Dem ersten folgten der zweite und dritte, und ehe ci:: Paar Minuten vergingen, war die „Ordnung" wieder hergestellt. Mittlerweile hatte Graf Vlagay seinen Begleiter zum Hausthore hinausgezogen und schritt mit ihm durch das Dunkel der Nacht davon. Nachdem Plautz den rauflustigen Gästen Mores gelehrt und die Macht seines Armes hatte fühlen lassen, begab er sich wieder in die oberen Localitäten, wo er alle Gäste bereits im Aufbruche fand. Obgleich er die beruhigendsten Versicherungen gab, wollten die erschreckten Frauen und Mädchen doch nicht länger verweilen, und nur den inständigen Bitten der jungen Männer, die den Tanz gerne fortsetzen wollten, wurde endlich nachgegeben: aber die heitere Stimmung war dahin. (Fortsetzung folgt,') Lebendige Insecten als prachtvoller Schmck der Damen in Mcnco. Sehr mannigfaltig sind die Dinge, welche je nach dcv (iultur des Menschen oder der regierenden Mode zum Schmucke seiucs Körpers angewendet werden. Selbst todte Thiere oder ihre Theile werden dazu benutzt. Wir erinnern an die Knochen, Zähne, Fischgräten, Muscheln, Schnecken , Federn, sogar Köpfe von Raubthieren u. s. w., welche das Haupt, die Ohren, die Nase, den Hals, die Arme und Gürtel vieler Menschenstawme verzieren, aber auch selbst die Frauen der gebildeten Welt schmücken sich bei uns mit ganzen Paradiesvögeln, Kolibris, i Federn der Marabous, Strauße, Pfauen und mannigfacher i anderer schönen Vögeln, den Flügeldecken des funkelnden Brillant- ! käfers u. s. w. Wenig bekannt möchte cs aber sein, daß bei ^ den schönen Mexikanerinnen der höheren Stände sogar lebendige Thiere als prachtvoller Schmuck und selbst die köstlichsten ! Edelsteine vertretend und diese in der Schönheit überbietend bei ^ dem elegantesten Anzüge auf Bällen und Asscmbleen benutzt werden. Freilich sind dieses nur kleine, zierliche Thierchen, die ! für diesen Zweck von den Frauen selbst auf das Allersorgfäl- ! tigste gepflegt werden — Käfer nämlich von eigenthümlicher ! ! Art. Es mag wohl die seltsame Verwendung dieser Insectcn ! ! in einigen Ncisebeschreibungcn erwähnt scin, aber am uollstän- ^ cigsten und besonders ansprechend wurde sie von dem Varon ! I. W. von Müller in einem Vortrage geschildert, den derselbe ^ bei der Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte in ^ Karlsruhe im Jahre 180,2 gehalten hat. Er sagte: ! „In der Umgegend von Veracruz findet sich ziemlich häufig ein der Classe der Elateridcn ungehöriger Käfer, Cucujo von ^ ^en Spaniern genannt (Andere schreiben <^U0U)'o), sonst?)'w- ^ ' I^Wi'U8 ollii'aZ, der im Dunkeln ein starkes rothglühendcs Licht j ^erbrcitcf. Die Damen von Veracruz behandeln diesen Käfer ^ lvie ein lebendiges Juwel. Er wird von Indianern gefangen, ^ indem sie Abends eine glühende, an cincm Stocke befestigte z Kohle in der Luft hin- und hcrschwingcn. Der Cucujo hält ! diese für einen Nebenbuhler und stürzt im Zorne cmf diesen , Rechen Eindringling ein, um in der Hand des Indianers das Grab seiner Freiheit zu finden: dcnn dieser bringt ihn mit anderen Geäfften zu Markte, wo er das Dutzend zu zwei Realen ^ verkauft. Im Besitze der Dame oder deren Zofe werden dic Käfer in eigene, für sie bestimmte niedliche Käfige gesperrt, ^ "M Schcibchen von Zuckerrohr gefüttert und zwei Mal täglich Lebadtt. Am Abende aber sind sie bestimmt, die Dame zu ^Mücken, deren Händen sie ihre Pflege verdanken. Zu diesem Zwecke werden sie in kleine Säckchcn von feinstem Tüll gesteckt ^ u>'d diese in Form von Rosen längs des Kleides befestigt. Kein ^ schmuck von Edelsteinen übertrifft an Schönheit das lothglühende -"-tcht dieser Käfer, die jedenfalls dic glänzendste Eroberung der ! ^amen auf dem Gebiete der Zoologie bilden." Uebrigens gibt ! ks mehrere Arten von ?)'i'0Moi'U8, welche aber alle die Eigen- ! schaft besitzen, im Dunkeln zu leuchten. ! Merkwürdig ist, daß diese Küfer im Nasser gebadet werden, gebadet sein wollen. Neuerlichst sind Ercmplare dieses ,pvi'0pkorn3 lebendig in Paris angekommen, jedoch hatte man dieses leuchtende Insect schon einmal im vorigen Jahrhundert ^ 'lebendig in Paris gesehen, wo es sich zwischen altem, wahrscheinlich aus Mexico gekommenen Holze fand, und die ganze Vorstadt St. Antoine in Bestürzung setzte. Nach einem Vortrage , den Herr Pasteur im September vorigen Jahres in der Academic der Wissenschaften hielt, hat derselbe gefunden, daß d>c Thiere, um kräftig leuchten zu können, täglich im Wasser gebadet werden müssen. Ta5 Licht, welches sie dann verleiten, ist stark genug, um dabei im Dunkeln in der Nähe ^>kn zu können. Die eigenthümliche Pflege d?s Cucuj? der mericanischcn Damen findet daher in der Beobachtung des Hrn. Pasteur ihre Erklärung, sie beruhet auf wohlbegründetcr Erfahrung. Der Präsident der Leopoldinischcu Earolinischcn deutschen Academie der Naturforscher, Carus in Dresden, hatte schon im Sommer 1828 zu Florenz Beobachtungen über ein anderes leuchtendes Insect — I^NMN3 itlüica — gemacht und veröffentlicht, auf welche er auf Anlaß der Pasteur'schen Mittheilung zurückgekommen ist. Es hatte sicb dabei das analoge Ergebniß gezeigt, daß, wenn er dic Leuchtmasse der hinteren Leibesringe heraus präparirt hatte, diese Substanz ebenfalls des Wassers bedürfte, um zu leuchten, und wenn er cinen Strich mit dieser zähen weißen Masse ans eine Glastafel gemacht hatte, das Leuchten derselben aufhörte, sobald sie eintrocknete , daß sie aber von Neuem zu leuchten begann, sobald man die Glastafcl etwas in Wasser getaucht hatte. „Schon damals frappirte mich diese Eigenschaft sehr," so fährt Carus fort, „dcnn sie erklärte es einigermaßen, wie das eigene blitzende Leuchten der I.nmp^i'i8 itiüica zu Stande kommt. Die Penodicität dieses stärkeren Leuchtens corrcspondirt nämlich genau mit den Pulsationen des Rückenmarks des Thieres und weil die Lcucktmasse bei jeder vermehrten Befeuchtung stärker leuchtet, so versteht mau, warum jede Welle des farblosen Blutes dieser Insecten dieselbe Wirkung machen muß. Bei unserer I^MM'i'8 nootilucu, (vu^o Iohanniswurm) ist der Hcr;-schlag wahrscheinlich nicht energisch genug, odcr die Lencbtnawr des Lichtstrahls unserer im kältern Clima lebenden Leuchtkäfer ist nicht start entwickelt, denn bei ihnen ist das Leuchten mehr gleichförmig und wechselt nur etwas, je nachdem das Thierchen die Leuchtmasse mit einem weniger durchscheinenden LcibcsrinFe bedeckt." Herr Pasteur hat das Licht der Cucujos mittelst des Spec-troskops untersucht, es zeigte ein schönes Farbenspcctrum, aber die Abwesenheit aller Frauenhofer'schen Linien. Unorganische Substanzen sind also in dcr lichtgebcndcn Materie nicht enthalten. Nir kennen den Stoff noch nicht, und richtig bemerkt Carus, ! daß cs lein Phosphor sein könne, dcnn Phosphor verliert im Wasser sein Leuchten. Die Naturforscher haben also hierüber noch Aufklärung zn geben, wozu der Umstand , daß sie Cucujo? lebendig nach Europa bringen lasten, wohl bald Veranlassung darbieten wird. Jedenfalls wird das Leuchten durch die Feuchtigkeit erhöht, welches auf eine regere Lebensthätigkeit hinzu-^ deuten scheint. Leuchtet doch auch im Dunkeln die unterirdisch in Bergwerken und vorzüglich in solchen von erhöhter Tcmpc-! ratur vegetirendc wurzelähnliche Pflanze 'likixomolpko 8nd-l ton'lmc-a, und zwar besonders die jungen Triebe und wenn sie ^ Feuchtigkeit haben. Vor längeren Jahren hatte ich mich mit ! meinen Freunden Nees von Esenbeck und G. Bischof viel mit ! den Leuchtphänomenen der Rhizomorpha beschäftigt, und haben ! wir feiner Zeit darüber eine Abhandlung veröffentlicht. Hier ! scheint das Leuchten durch einen Oxydationsproceß hervorgerufen ! zu werden. EZ wäre aber auch möglich, daß bei jenem Insect ! ein besonderer leuchtender Stoff eben so wenig sich fände, als j chemische lichtverbreilendc Processe. Gibt cs ja manche Um-! stünde, unter welchen bei verschiedenen Körpern ein sogenanntes °3« PhosphoreZciren hervorgerufen wird, ohne daß noch zur Zeit eine derartige Deutung des Phänomens gefunden wurde. Vielleicht lassen sich die leuchtenden Käfer sogar in der warm gehaltenen Stube acclimatisiren. Immer ist die Hoffnung vorhanden, das; die Pariser hochgestellten Damm bald mit brillantlcuchtenden Eucujo-Rosen ihre Roben besetzen lassen und so in den abendlichen Salons erscheinen können. Tie rege Industrie der Putzmacherinnen wird nicht unterlassen, die Einführung dieser Thierchen aus Mexico zu bewirken, wozn in Frankreich sich jetzt viel bessere Gelegenheit darbietet, als früher vorhanden war. Lebendige Inwelen! — wie würden diese die Aufmerksamkeit anregen, ihre Neuhcut zur Bewunderung hinreißen. Handel und Gewerbe in Kram vor 1tt0 Jahren. Ein Decrct der tais. Regierung vom 7. Inni 1763 an die königl. Repräsentation und Kammer in Krain besagte: Da die Fabrikation der Bcrchtcsgadner (Vcrtholdsgadner) Holzwaaren ihren ganz besonderen Absatz gegen die Leuante, Indien ! und Amerika habe, und daher viel Personen ernähre, so sei man entschlossen, dieselbe auch in den holzrcichen Gegenden ^ Krains und Istricns einzuführen; es seien daher drei oder vier I 12 —16jährige Knaben znr Erlernung der Schnitzerei nach Wien abzusenden, die Reisekosten sollen aus der Eommerciencasse, ! sowie weitcre allfällig nöthige Geldunterstützungen bestritten wer- ^ den. Tie Knaben seien an den Commcrcicn-Hofrath Etegncr ! zu avisircn. Der Commercienconscß schlug zu dieser Fabrika- ^ lion die Waldungen von Schneeberg, Lueg, Lohitsch, Guten- ! egg und den Virnbaumerwald vor, jedoch sollten die Eigen- ! thümer derselben vorher einvernommen werden. Es wurden ^ auch wirklich Kaspar Kunz und Matth. Ierina aus der Herr- ! schaft Lohitsch nach Wien zur Erlernung der Schnitzerei abgc- ^ schickt, aber die Holzschnitzerei vermochte trotz dieser Unterstützung von Seite der wohlwollenden Regierung Maria The- ! rcsia'ä leinen Eingang in Krain zu finden. — Im Jahre 1763 bestand, eine Stunde von Laibach entfernt, die Tuchfabrik Nuard-Dcchselbrunner, welche 90 Arbeiter (Reiser, Kampier, Pcttinatori und Wollschlägcr), 18 Stühle, 4 Meister, 28 Wirker und Gesellen und 409 Spinnerinnen beschäftigte. Vom ! 18. Juni 1702 biöhin 1763 erzeugte man aus 87.008 Pf. i Wolle 15 Stück Moldon, 80 Ellen ^ 80 Pf. (1200 Pfund); 8 St. Nasch, Ell. 100 St. 5 80 Pf. (040 Pf.); 31 St. Futtcrflanell Eli. 00 u 50 Pf. (1730 Pf.): 82 St. ord. Flanell Eli. 05, das St. u 50 Pf. (4592 Pf.)'. 508 Et. Gräniz, ord. Tuch, Ell. 32 St. ü. 75 Pf. (42.000 Pf.): 492 Stück teutsch ord. Tuch, haltend 40 Ell. ü. 75 Pfund (30.900 Pfund.) — Eine „Commercialtabelle" des HerzogthumZ ^ Krain vom Jahre 1703 gibt uns einige interessante Taten über den Stand der Gewerbe in nnserem Vatcrlande. Wir heben bier diejenigen Gewerbe heraus, welche am meisten Anlaß zur Vergleichung mit der Neuzeit geben. Bierbrauer gab es 7 mit 5 Gesellen, welche ! 03^2 Ztr. inländischer Gerste, Malz und Hopfen bezogen: ^ ,! sie verarbeiteten davon 31',^ Ztr. zu 115.600 Maß Nie»',! ! welche in Loco abgesetzt wurden. Buchdrucker gab es Einen ! mit 2 Gesellen. Goldschmiede gab es 0 mit 1 Gesellen, ! welche 52 Tuc. Gold und Silber verarbeiteten. Glocke ml! ! gieß er 3, welche an Materialc 23 Ztr. Kupfer und Messing. ! im Inland, 41 von auswärts bezogen; sie verarbeiteten 2'/^ Ztr. zu Glocken. Geigenmach er gab es 3, welche 54 Violinen erzeugten und in Loco absetzten. H amme r schmied » ^ 40 mit 44 Gesellen, bezogen 20 Ztr. Roheisen im Inland, ! 59 von auswärts; verarbeiteten 17 Ztr. zu 900 St. Eisen-, ^ werk. Handelsleute gab es 09 mit 14 Gesellen. Lein-z weber 570 Meister mit 31 Gesellen, welche an Material ! 1139 2/, Ztr. Leingarn im Inland, 57 Ztr. von auswärts ' bezogen und 1135^ Ztr. zu 90.218 Stück Leinwand ver?, arbeiteten; sie verkauften im Land 5990 Ellen (8 Ztr.), nack auswärts 109 St., oder 3843 Ell. Lodenfabrikantcn gab es 98, welche 2278 Ztr. Schafwolle bezogen und davon Ä256^2t, Ztr. zn 09.718 Ell. verarbeiteten; sie verkauften nach auswärts 32.084 Ell. McZlan Weber 82 mit 42 Gesellen bezogen 50^ Ztr. rohe Garnwolle im Inland, 51 von answärts; verarbeiteten 101^ Ztr. zu 360 Et. Meslan, setzten im Lande ab 155, auswärts 158 St. Papiermach er mit 2 Gesellen bezogen Hadern, Lein:c. 15^ Ztr., verarbeiteten 15 ^<, Ztr. zu 302 Niß Papier, welches i:n Lande abgesetzt wnroe. P er rü cke nm ach er 7 mit 5 Ge- ! scllcn, bezogen Manns- und Vockhaar '/^ Ztr., verarbeitete" '/in Ztr. zn 10 St. Verrücken. Schnürmach er 9 mit 3 Gesellen bezogen Scidengaletta und Cameclhaar 09 Pf. im Inland, I V2 Pf. von auswärts, verarbeiteten 32 Pf. zu 300 Ell. Vauernschnürc. Tuchmacher 7, bezogen 11 Ztr. inländische Schafwolle, verarbeiteten 40 Ztr., erzeugten 28 Stück Tuch, welches im Lande abgesetzt wurde. Uhrmacher 3 mit 1 Gesellen, verarbeiteten "/^ Pfund Messing und ^ Stahl. ^ WjsenschMchc Erfmtmng. In wissenschaftlichen Kreisen von Mailand bespricht man eine Erfindung des Professors Gorini, welche geeignet ist, dem Studium der Anatomie wesentliche Dienste zu leisten. Es ist nämlich diesem Gelehrten gelungen, eine Methode zu erfinden, ! durch welche Eadavcr, ohne ihre Schmiegfamkeit und Frische ^ zu verlieren, auf lange Zeit conservirt werden können. Nach ! Verlauf einiger Monate gehen sie in den Zustand der Aus-i trocknung über, ohne der Fäulniß zu verfallen; aber auch dann ! genügt längeres Einlegen in gewöhnliches Wasser, um den ! Leichnamen ihre frühere Weichheit wieder zu geben. Die Ein« ^ gcwcide der Brust- und Bauchhöhle conuersiren sich auf eine! > wunderbare Weise; die Gefäße können leicht injicirt, Nerven und Muskeln bequem ifolirt und bis in ihre weitesten Verzwei-! gungcn verfolgt werden. Tie Academie der Wissenschaften zu ! Turin, welche Verfuche mit solchen Cadavern angestellt hat, ' spricht große Hoffnungln für die Interessen der vergleichenden Anatomen aus, da cs jetzt möglich ist, wohlerhaltcne Thier-! leichcn ans den fernsten Gegenden an die Mittelpunkte dcr ! wissenschaftlichen Forschungen zu, schaffen. Verantwortlicher Redacteur I. v. Hlleinmayr. — Druck und Vcrlag von Ign. v. Klcinmayr b» F. Bamberg in Laibach.