Anzeige» (jnjemte) werden nach Tarif berechnet und von der Verwaltung des Blattes übernommen. Die „Wandermappe" ist nur als Beilage des Gott-fcheer Boten erhältlich. Postsparkassen-Konto Nr. 842.285. Verschleißstelle: Schul-gasse Nr. 75. Bezugspreise Für (Österreich-Ungarn ganzjährig K 4 — halbjährig K 2- — Für Amerika: ganzjährig D. 1"25 Für das übrige Ausland ganzjährig K 5'20 Briefe ohne Unterschrift werden nicht berücksichtigt, Manuskripte nicht zurückgesendet. Gsttsiheer Me Erscheint mit einer illustrierten Beilage „Wandermappe" am 4. nnd 19. eines jeden Monates. Bestellungen übernimmt die Werwaltung des Hottscheer Boten in Gottschee, Hauptplatz Nr. 87. Berichte sind zu senden an die Schristkeitung des Hottscheer Boten in Gottschee. Mr. 13. Kottschee, am 4. Juki 1906. Eitler Wissensstotz. i. Der vernunftbegabte Mensch ist beseelt vom Streben nach Erkenntnis, vom Drange nach Wissen. Zu keiner Zeit ist das Wissen, insbesondere die Naturerkenntnis so sehr bereichert, erweitert und vertieft worden als in unseren Tagen. Aber sonderbar! Trotz des profunden Wissens, trotz der wahrhaft staunenswerten Verwertung der Erkenntnis der Naturkräfte, trotz der unser Kulturleben völlig umgestaltenden neuen Entdeckungen und Erfindungen, die gewiß einen berechtigten Ruhmestitel unserer Zeit bilden, kann die nervöse Menschheit nicht recht froh werden. Des bloßen Wissens, der Induktion und gelehrten Bildung ist man gewissermaßen schon übersättigt und verlangt nach Höherem. Sichtlich beschleicht unsere un-philosophische, irreligiöse Gegenwart ab und zu schon der nagende Zweifel, der beängstigende Gedanke, ob man denn doch wohl auf dem rechten Weg wandte. Der Philosoph Leibniz hat es für den Endzweck aller Wissenschaft erklärt, „die Frömmigkeit zu ehren und uns zu Gott zu erheben". Aber wie kurzsichtig, um nicht zu sagen blind, ist nicht gerade unser christusscheues, von wissenschaftlichem Hochmut aufgeblähtes Zeitalter geworben! Es rühmt und pflegt eine Wissenschaft, die nicht zu Gott führt, sondern sich selbst vergöttert und anbetet; eine Art wissenschaftlicher Fetischismus ist es, an der die Jetztzeit krankt. Und ist denn wirklich ein ausreichender Grund gegeben zu solchem Stolz und Hochmute? Sind wir Iriedrich stein. Auf des Berges steilem Rücken, Schimmernd in der Sonne Schein, Fast entrückt der Menschen Blicken, Thront die Feste Friedrichstein. Träumerisch vom Wald umrauschet, Weilet hier ein glücklich Paar, Von den Elfen still belauschet, Wo sonst haust der milde Aar. Sich're Zuflucht, sel'ge Stunden In der Einsamkeit allda, Hat ein Rittersmann gesunden, Friedrich mit Veronika. Horchend auf des Herzens Stimme Waren sie hierher geeilt, Flüchtig vor des Vaters Grimme Liebend, bangend hier verweilt. Doch des alten Grafen Rache Hat sie bald auch hier erreicht; Unheil droht er wie ein Drache, Dessen Herz kein Leid erweicht. Jahrgang III. wirklich schon moderne „Götter" geworden. O, du armseliges Protzentum des menschlichen Wissens! Ist die exakte Forschung imstande, ein geschlossenes Weltbild zu bieten? Sind ihr nicht selbst schon in der bloßen Naturerkeuutuis unübersteigbare Grenzen gezogen? „Die exakte Forschung kann komplizierte Probleme auf einfachere zurückführen, rein methodologisch, experimentell oder mit Hilfe von Hypothesen, die erkenntnistheoretisch nichts aus dem Rahmen Fallendes sind; aber um so furchtbarer wirken dann in ihrer nackten, gigantischen Unnahbarkeit die Urprobleme: die Schwerkraft, der Äther, die Wellenbewegung, das Leben, die Evolution. Die Wissenschaft gleicht einem unermeßlichen Urwald. Jahrtausende hindurch, im letzten Jahrhundert in rasendem Tempo, hat man das Dunkel der Einzelprobleme gelichtet. Noch sind zahlreiche Winkel dunkel, aber sie zu durchleuchten ist begründete Hoffnung. Aber wenn überall Sicht in den Teilen ist, dann sehen wir mit um so unerbittlicherer Klarheit, daß wir aus diesem Walde nicht heraus können, es ist eine Insel im unendlichen Ozean, unsere Welt, die wir wahrnehmen, empfinden, beurteilen. Wir können nicht aus ihrem Bannkreis heraus, ob monistisch odernicht." (Mertens.) Mit unseren Mitteln können wir überhaupt die Natur nur erkennen, wie sie sicb in uns wiederspiegelt. Die „Welt an sich", das „Ding an sich" bleibt uns unerbittlich verschlossen. Wir kennen ferner allerdings Tatsachen, wir kennen auch eine Reihe von Gliedern der Kausalkette, aber wir kennen nicht den Urgrund. Tatsachen sind subaltern, sagt der Rembrandt-Deutsche, und eine bloße Wissenschaft der Tatsachen ist deshalb in gewissem Sinne eben auch nur subaltern. Friedrich muß in Banden schmachten Ferne von lieb Friedrichstein. All sein Sinnen, all sein Trachten Ist bei der Erwählten sein. Diese irrt durch Wald und Wildnis Tiefgebeugt, zu Tod gekränkt, Bittern Jammers treues Bildnis, Bis man sie im Bad ertränkt. Und die Burg ist auch vernichtet! Ach, ihr Glanz so bald dahin! Liebe hat sie stolz errichtet, Rachesucht war ihr Ruin. Nahe bei der Stadt Gottschee auf einer stolz emporragenden Felsenkuppe des die. Stadt und das Tal von Gvttschee beherrschenden Gebirgszuges, mitten im dichtesten Walde, stand in den zwanziger Jahren des fünfzehnten Jahrhunderts die Burg Frie- drichstein. Ihr Erbauer, von dem sie auch ihren Namen erhielt, war Graf Friedrich von Cilli. Sie sollte ihm als sichere Zufluchtsstätte dienen gegen die Nachstellungen des alten Grafen Hermann, seines Vaters, der die geplante oder bereits vollzogene Eheschließung seines Sohnes mit dem einfachen Ritterfräulein Veronika von Dessenitz als eine Schmach für seine gräfliche Fa- Wenn wir nun schon auf dem Boden der naturwissenschaftlichen Kenntnisse vielfach resigniert ein melancholisches „ignoramus et ignorabimus“ einbekennen müssen, trotz der unleugbar ganz gewaltigen, staunenerregenden Leistungen der menschlichen Forschung; wenn wir eingestehen müssen, daß unser Wissen nur ein phänomenales, an den Erscheinungen haftendes ist und an den inneren Kern, an das Wesen der Dinge nicht hineinreicht — ins Innere der Natur dringt, wie Goethe sagt, kein geschaffener Geist —; wenn wir ferner schon keine Antwort auf die Fragen wissen: Was ist Kraft? Wie entsteht das Leben? usw.; so muß unser Wissenshochmut um so beschämter schweigen vor den höheren Problemen; Wozu sind wir auf der Welt? Was ist unser Ziel? Was ist's mit der Seele? — Still und stumm bleibt da die sonst so-stolze Wissenschaft auf diese Fragen, die uns schließlich doch am allermeisten interessieren und unser Innerstes bewegen. So vielen Grund die menschliche Wissenschaft auch tatsächlich haben mag, auf ihre großartigen Leistungen stolz zu sein, solchen Fragen gegenüber muß sie sich ihres Unvermögens bewußt werden. Die stolze Königin wird da zur dürftigen Bettlerin. Unsere modernen Agnostiker und Monisten erklären zwar stolz und selbstzufrieden, daß ihnen der bloße reale Boden unserer wissenschaftlichen Welt genüge. „Sie fühlen sich," wie einer ihrer Vertreter sagt, „innerhalb der von Kant gesteckten Schranken ganz wohl; sie nehmen die von der exakten Forschung gefundenen Gesetze als ,Weltgesetze' an und arbeiten in diesem Rahmen seelenruhig weiter an der Erforschung der Wahrheit, wenn sie auch wissen — oder nicht wissen —, daß es eben nur unsere spezielle, individuelle' Wahrheit, im besten Sinne Menschenwahrheit ist." So sprechen also Leute, denen die Wissenschaft die verlorene Religion ersetzen soll. Wir nehmen uns die Freiheit, recht sehr zu bezweifeln, ob eine Wissenschaft, die zwar über Naturvorgänge aufklärt, aber über die wichtigsten Fragen des Lebens nichts zu sagen weiß, im Ernste voll befriedigen kann. Es dürfte wohl nichts anderes als Selbsttäuschung sein, wenn man sich einredet, daß man unter solchen Umständen wirklich „seelenruhig" sein und bleiben kann. Die innere Stimme des Menschen redet eine andere Sprache. Die Auswanderung in Gottschee. (Schluß.) Wir eilen nun zum Schluß. Erwähnung verdient nur noch der St. Raphaelverein, welcher bereits 36 Jahre zum Schutze katholischer Auswanderer tätig ist. Peter Cahensly, gegenwärtig Mitglied des deutschen Reichstages, machte Ende der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts eine Reise nach Havre, von wo aus schon dazumal viele nach Ainerika sich einschifften. Cahensly fand auch hier die Behauptung bestätigt, daß die Auswanderer vielfach gewissenlosen Wirten und Agenten in die Hände gegeben waren und von diesen materiell auögebentet und sittlich verpestet wurden. Noch schlimmere Zustände herrschten auf den Auswandererschiffen. Wie Kraut und Rüben lebten und lagen da die Zwischendecksreisenden untereinander; für die Trennung der Geschlechter wurde nicht im geringsten Sorge getragen. Diese Zustände bewogen Cahensly, auf den reichsdeutschen Katholikentagen die Gründung eines Vereines zum Schutze der Auswanderer anzuregen. Der St. Raphaelsverein kam zustande. Durch die Jahresbeiträge seiner Mitglieder (eine Krone in Österreich) und durch freiwillige Spenden wurde und wird der Verein instand gesetzt, für alle größeren Hafenvrte Vertrauensmänner zu bestellen, Kapellen zu errichten, das Leohaus in New Iork zu bauen. Die Vertrauensmänner haben die Pflicht, völlig unentgeltlich den Auswanderern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, ihnen kostenlos das Auswechseln des Geldes zu besorgen, sie an gute Quartiere zu weisen, ihnen für die Überfahrt gute Bücher anzubieten und vor der Fahrt jene an den Empfang -der -heil. Sakramente zu erinnern, -welche es daheim unterlassen hatten. Viele Hunderttausende haben bis heute die Wohltaten des Vereines genossen und kamen diese, obwohl der Verein reichs-deutsche Gründung war, auch den Österreichern von Anfang an zugute. Das österreichische Ministerium des Innern hat auch, weil wir eben bis zur Stunde noch kein Auswandererfürsorgegesetz besitzen, unterm 9. August 1904 in aller Form die Leitung des dem Raphaelvereine gehörigen Leohauses ersucht, der österreichischen Auswanderer sich anzunehmen. Der Verein will keineswegs die Auswanderung fördern; er will bloß jenen ratend und schützend zur Seite stehen, die auf jeden Fall hinüber oder herüber wollen. In Gottschee war bis in die letzte Zeit der Verein weniger bekannt, doch wenden sich jetzt auch unsere Landsleute immer mehr an ihn. Wer bei der Hinoder Rückreise die Hilfe des Vereines in Anspruch nehmen will, braucht bei der Ankunft am Landungs- oder Einschiffnngsorte nur die Empfehlungskarte, wie sie bei jedem Pfarramte erhältlich ist, sichtbar zu tragen. In Amerika wendet man sich an das Leohaus in New York (State Strut 6), wo jegliche Auskunft umsonst erteilt und Heim- und Hinreisenden gegen mäßige Vergütung Wohnung und Verpflegung gewährt wird. Da der Raphaelverein eine ganz katholische Gründung ist, dürfen sich unsere Landsleute mit vollem ■\> mitte ansah und daher die befleckte Ehre seines Hauses rächen zu müssen glaubte. Doch auch hier, in dieser Waldeinsamkeit, war Graf Friedrich mit seiner Erwählten^ nicht sicher. Auf Austiften seines erzürnten Vaters, von seinem Schwager, dem Kaiser Sigismund, der mit der erwähnten Heirat gleichfalls nicht einverstanden war, zum Besuche nach Ungarn eingeladen, wurde er dort festgenommen und zu seinem ergrimmten Vater, dem Grafen Hermann, nach Cilli gebracht. Dieser ließ ihn in Fesseln legen und auf Schloß Osterwitz in der Grafschaft Cilli ins Gefängnis werfen. Später kam er auf die Burg Cilli unter die Bewachung des Ritters Jobst von Helfenberg, wo er gezwungen wurde, die ihm früher geschenkten Herrschaften und Schlösser seinem Vater wieder abzutreten, darunter das neu erbaute und nach ihm benannte Schloß Friedrichstein bei Gottschee. Vergebens harrte unterdessen Veronika auf Friedrichstein der Rückkehr ihres Gatten. Da brachten Eilboten ihrer Verwandten die Schreckenskunde von dem Geschehenen; sie erfährt zugleich, daß ihr unversöhnlicher Schwiegervater ihr und der von ihr bewohnten Feste den Untergang geschworen hat. Rasch machte sie sich auf, irrte in den Gottscheer Wäldern herum und kam bis in den Hornwald. Im Walddörfchen Kuntschen zeigt man heute noch die Überbleibsel eines Steinhauses, wo sie sich, der Sage gemäß, eine Zeitlang verborgen gehalten haben soll. Von diesem Verstecke aus mußte sie auch mitansehen, wie die stolze und feste Burg Friedrichstein bis auf den Grund zerstört wurde. Als sie sich auch hier nicht mehr sicher fühlte, kam sie in die Gegend von Pettau, wo sie in einem Turme verborgen gehalten wurde. Bald wurde sie ausgeforscht, gefangen genommen und nach Osterwitz ins Gefängnis gebracht. Unter der Anklage, durch Zauberkünste des Sohnes Neigung gewonnen, dem Vater aber nach dem Leben gestrebt zu haben, wurde sie vor Gericht gestellt, aber freigesprochen. Der rachsüchtige Schwiegervater, Graf Hermann, suchte sie nun durch langsames Aushungern aus der Welt zu schaffen; da ihm dies aber zu lange dauerte, beorderte er zwei Ritter, welche die schöne Veronika unterhalb des Schlosses Osterwitz tu einer Badewanne ersäufen ließen. Nach Veronikas Tode söhnte sich Friedrich mit seinem Vater wieder aus und ließ sogar die Burg, in welcher er einst mit seiner Veronika so schöne Stunden verlebt hatte und die ihm deshalb besonders teuer geworden sein mag, von neuem aufbauen. Im Laufe der nächsten zwei Jahrhunderte diente dieselbe den Gottscheern als Zufluchtsort bei den Einfällen der Türken. Im siebzehnten Jahrhunderte wurde sie vernachlässigt und verfiel immer mehr, bis sie endlich gegen das Ende des achtzehnten Jahrhunderts fast ganz zerfiel, insbesondere seitdem die Fürsten Auersperg sich das neue Schloß an den Ufern der Rinse erbaut hatten. Die wenigen, ganz unansehnlichen Mauerreste, die heute dort zu sehen sind, rühren vom zweiten Friedrichsteiner Schlosse her. Vet den sich hilf wec dick in- Glt Sä Fre Am Ml De und Ml in bal dan gro erhi Lar ben nacl der relii wir! und gest wer licht kam bebe sie Sta Rai Wa Ein! Arb verr gefd So: Ger fchet siget Tite dem Dar Den der des eines und runc der zum Flot sich. rtig ihre aus ntb rach iren len. fett. Vertrauen an ihn wenden. Cahensly erteilt in einem Büchlein über den Verein manche beachtenswerte Winke für die Auswanderer. Wir führen einige derselben an. Auf der Reise sei auf der Hut, vor gewissen Leuten, die behilflich sein wollen, Einkäufe zu machen, Billette zu kaufen, Geldwechsel zu besorgen. Sehr oft sind solche Leute Schwindler. Nimm dich ganz besonders inacht vor Landsleuten, die angeblich Amerika in- und auswendig kennen und vor den sogenannten Bauernfängern. Gleiche Vorsicht beobachte man bezüglich seines Verkehres auf dem Schiffe. In Amerika angekommen, möge sich jeder, der nicht von Freunden abgeholt wird, an das Leohaus wenden. Halte auch in Amerika fest an deiner katholischen Religion, fest an deiner deutschen Muttersprache; eheliche Verbindungen gehe nur mit katholischen Deutschen ein; meide die Unsitte, deinen Namen zu anglikanisieren, und halte die Kinder an, wenigstens im Hause mit Vater und Mutter deutsch zu sprechen. Laß dir von deinen eigenen Kindern in deinem Hause kein Kostgeld zahlen, sonst machen sich die Kinder bald unabhängig und wollen den Herrn im Hause spielen. Vergiß dann nicht, — so möchten wir noch hinzusügen, daß jenseits des großen Meeres deiner Eltern Heimat ist, welche den Gottscheern zu erhalten auch du beitragen sollst. ........................................... Keines der Ereignisse, welche sich in unserem Läudchen im Laufe der Jahrhunderte zugetragen haben, war von so überall bemerkbaren Folgen begleitet, als die gegenwärtige Auswanderung nach Amerika. Wer unparteiisch urteilt, muß bekennen, daß die Folgen der Auswanderung auf wirtschaftlichem, nationalem und sittlichreligiösem Gebiete bisher keine besonders erfreulichen sind. Abhilfe wird nicht leicht, wenn einerseits nicht der übermäßige Aufwand und die Ansprüche des einzelnen auf ein vernünftiges Maß zurückgeführt, wenn anderseits vom Staate jene Bedingungen nicht erfüllt werden, unter denen der Österreicher in ehrlicher Arbeit daheim ehrliches Auskommen finden und ohne Besorgnis in die Zukunft blicken kann. Die Bevölkerung des von der Natur mehr stiefmütterlich bedachten Ländchens Gottschee verdient es gewiß auch, daß man sie der heimatlichen Scholle erhält. Wenn die beabsichtigte Einführung der Spitzenklöppelei beim Staate werktätige Unterstützung findet und die Gründung von Raiffeisenkassen trotz einiger Bedenken auch bei uns einmal zur Wahrheit wird, wird dies gewiß der erste Schritt zur wirklichen Eindämmung der Auswanderung sein. Hat anderwärts zielbewußte Arbeit und ausgiebige staatliche Hilfe die Auswanderung eiuzuschränken vermocht, wird wohl auch bei uns durch gleiche Mittel gleicher Wandel geschaffen und des Dichters Wunsch erfüllt werden können: „Gottes Sonne strahl hernieder auf ein glücklich Österreich!" Aus Stabt und Land. Gottschee. (Vom Justizdienste.) Der Justizminister hat den Gerichtsadjunkten Herrn Ferdinand Meditz in Möttling nach Gottschee versetzt. — (Beförderung.) Den Herren Werkmeistern an der hiesigen Fachschule Ferdinand Pschick und Josef Eimer wurde der Titel „Fachlehrer" verliehen. — (G em ein deangelegenh eiten.) Am 30. Juni fand unter dem Vorsitze des Bürgermeister-Stellvertreters Herrn Gemeinderates Daniel Ranzinger eine Sitzung der Stadtgemeindevertretung statt. Den ersten Punkt der Tagesordnung bildete der Bericht und Antrag der zweiten im Vereine mit der dritten Sektion über das Anerbieten des Herrn Kaufmannes Peter Petsche, betreffend die Ablösung eines Terrainstückes in der Schloßgasse von der Bauparzelle Nr. 93 und der Grundbuchsparzelle Nr. 1044 zum Zwecke der Verbreiterung der Schloßgasse und die Überlassung eines Terrainstückes von der der Gemeinde gehörigen Parzelle Nr. 3040 am Kirchenplatze zum Zwecke der Aufführung seines Neubaues. Herr Gemeinderat Florian Tomitsch führt namens der Finanzsektion aus, es habe sich Herr Petsche bereit erklärt, in der Schloßgasse 31'62 m2 neben seinem bestehenden alten Hause zum Zwecke der Verbreiterung dieser engen Gasse gegen den der Gemeinde abzutreten, daß ihm hiefür einerseits 17'18 rn2 Grund auf dem Kirchenplatz' vor seinem Hause von der Gemeinde ins Eigentum überlassen und für die Differenz von 14'46 m2, welche sich zu seinen Üngunsten hiebei ergäben, 840 K 37 h (56 '12 K für Im2) bezahlt würden. Referent stellt namens der Sektion folgenden Antrag: Bei dem Umstande, als die unbedingte Notwendigkeit einer Verbreiterung der Schloßgasse nicht vorliegt, und bei dem weiteren Umstande, als das dem Herrn Petsche auf dem Kircheuplatze abzutretende Terrainstück wegen seiner viel besseren Lage die Differenz im geometrischen Ausmaße reichlich aufwiegt, glaubt die Finanzsektion, es sei für die sich ergebende Differenz von 14'46 m2 seitens der Gemeinde keine Vergütung zu leisten. Herr Rudolf Schadinger betont, daß die Verbreiterung der ungemein schmalen Schloßgasse im Interesse des öffentlichen Verkehres notwendig sei, da sich in dieser engen Gasse nicht einmal zwei Wagen auSweichen könnten und bei Wagenverkehr die Fußgänger gefährdet seien. Die von Herrn Petsche verlangte Entschädigung von 840 K sei jedoch entschieden übertrieben. Andererseits sei es recht und billig, eine angemessene Entschädigung zu leisten, wie dies auch im Gesetze vorgesehen sei. Auch wäre es zu bedauern, wenn der im Interesse der Stadtverschönerung wünschenswerte Neubau eines modernen zweistöckigen Hauses infolge einer gänzlich ablehnenden Haltung der Gemeinde in der Entschädigungsfrage unterbliebe. Redner beantragt, es seien Herrn Petsche 550 K als Entschädigung anzubieten. Da Herr Alois Loy, der an der Verbreiterung der Schloßgasse ein Interesse habe, für diesen Zweck 200 K beisteuern wolle, so würde die Gemeinde nur mit 350 K belastet werden. Redner stellt sohin einen Antrag in diesem Sinne und beantragt ferner, daß, falls Herr Petsche auf dieses Anerbieten nicht eingehe, eventuell um die Einleitung des Enteignungsverfahrens auf Grund der diesbezüglichen gesetzlichen Bestimmungen bei den zuständigen Behörden einzuschreiten sei. Herr Josef Kreiner spricht sich gegen die Leistung einer Entschädigung aus, da das Terrain auf dem Kirchenplatze ohnehin viel mehr wert sei und diesbezüglich für andere mögliche Fälle kein Präjudiz geschaffen werden solle. Herr Dr. Karnitschnig hält eine Ermäßigung der Entschädigungssumme für angemessen. Herr Josef Knabl beantragt, es sei eine Entschädigung im Betrage von nur 300 K zu bewilligen. Bei der Abstimmung wird der Antrag des Herrn Rudolf Schadinger mit zwölf gegen neun Stimmen angenommen. Zu den „freien Anträgen" ergreift Herr Franz Engele das Wort und beschwert sich darüber, daß, während man andere Gassen verbreitere, mau ruhig zusehe, wie die allerengste Gasse, die „schmale Gasse", durch die neue Gartenanlage der Röthelschen Erben noch mehr verengt werde. Herr Röthel erwidert hierauf, daß die Röthelschen Erben sich hiebei nur auf den ihnen eigentümlich gehörenden Grund beschränkt hätten und durchaus nicht ins öffentliche Gassenterrain vorgerückt seien. Herr Kreiner stellt den Antrag, die Gemeinde möge an das hiesige k. k. Bezirksgericht das Ansuchen richten, daß, wie dies auch überall anderswo der Fall sei, die Arrestanten für landwirtschaftliche Arbeiten u. dgl. verwendet werden dürfen. Herr-Josef Verderber erwähnt, es sei dies vor ein paar Jahren tatsächlich schon geschehen, aber wegen Mißbrauches seitens der Arrestanten, die sich betranken usw., wieder dauernd eingestellt worden. Herr Rudolf Schadinger bemerkt, daß zwar selbst die Gerichtsinspektoren auf die Verwendung der Sträflinge für derlei Arbeiten dringen; trotzdem verspreche er sich kaum eine günstige Erledigung eines diesbezüglichen eventuellen Gesuches. Der Antrag des Herrn Kreiner wird angenommen und sohin die Sitzung geschlossen. — (Sparkasse der Stadt Gottschee.) Ausweis für den Monat Juni 1906. Einlagen: Eingelegt wurden im Monate Juni 1906 136.655 K 14 h und behoben 116.462 K 20 h, wonach sich der Einlagenstand um 20.192 K 94 h erhöhte. Der Einlagenstand beträgt somit mit Ende Juni 1906 5,432.790 K 02 h. Hypothekardarlehen: Im Monate Juni 1906 wurden verausgabt 57.200 K, rückgezahlt hingegen 6.667 K 14 h, somit ein Zuwachs von 50.532 K 86 h. Der Hypothekenstand betragt somit mit Ende Juni 1906 4,100.715 K 74 h. — (Sonnwendfeier.) Am 21. v. M. veranstaltete der hiesige Turnverein zusammen mit den Ortsgruppen der „Südmark" und des Deutschen Schulvereines sowie auch mit dem Gottscheer deutschen Gesangvereine abends im Gastgarten des Herrn Jaklitsch in Mooswald eine Sonnwendfeier. Nach 7 Uhr abends wurde unter den Klängen der Möseler Musik hinausmarschiert. Das Fest vereinigte eine sehr große Anzahl "von Teilnehmern. Den Feuerspruch hielt Herr Pros. Dr. Prodinger. Ein Feuerwerk wurde abgebrannt und zahlreiche Raketen schwirrten in die Luft. Der später eintretende Regen störte einigermaßen das Fest, da sich viele veranlaßt sahen, sich in die Räumlichkeiten des Hauses zuriickzuziehen. Im übrigen herrschte eine frohbelebte Stimmung, welche zahlreiche Teilnehmer bis in die späte Nachtstunde vereinte. — (Studentenheim.) Wie wir bereits mitgeteilt haben, beläuft sich der Kostenvoranschlag für den zunächst auszusühreudeu Trakt des Studeutenheiingebäudes auf mehr als 60.000 Kronen. Das ist etwas hoch und entspricht nicht den zur Verfügung stehenden Geldmitteln. Wie wir hören, wird demnach dieser Voranschlag überprüft werden, und man hofft, durch Vereinfachungen an der Fassade u. dgl. Ersparungen zu erzielen. Mit dem Bau des Studentenheims soll Heuer überhaupt nur in dem Falle -begonnen werden, wenn die Eröffnung der fünften Gymnasialklasse im Schuljahre 1907/1908 in bestimmter Aussicht steht. Die bisherigen Sammlungen für das Studentenheim haben den Betrag von 46.000 Kronen ergeben. — (Gymnasium.) Der Schluß des Schuljahres findet Samstag den 14. Juli statt. An demselben Tage wird von halb 9 Uhr vormittags an die Aufnahmsprüfung in die erste Klasse abgehalten. Am Gymnasium besteht bekanntlich auch eine Vorbereitungsklasse, in welche Volksschüler ausgenommen werden, die im Kalenderjahre mindestens das neunte Lebensjahr vollenden und eine Vorbildung besitzen, die dem Lehrziele der dritten Volksschulklasse entspricht. — (Das deutschkraiuische Reichsratsmandat.) In der Sitzung des Wahlreformausschusses vom 19. Juni fragte der Abgeordnete Wastian die Regierung, wie sie sich zu dem Anträge verhalte, auch für Krain einer solchen Ausnahme zuzustimmen, wie sie den Landbezirken Galiziens durch eine Art Proportionalwahlrecht gewährt werden soll. Laibach und Gottschee seien zu einem Bezirke zu vereinigen und die heute mit Gottschee vereinigten fast ganz flovenifcheu Gerichtsbezirke auf andere Wahlkreise zu verteilen. Dem Wahlkreise Laibach-Gottschee seien unter den Voraussetzungen wie bei den galizischen Landgemeinden drei Abgeordnete zuzuteilen. Diesem Wahlkreise könnten auch die deutschen Sprachinseln Aßling, Neumarktl und Weißenfels angeschlossen werden. Abgeordneter Hofrat Ploj legte gegen den Kompromißvorfchlag Pommers, wonach die Deutschen bereit seien, ein slovenisches Landgemeindenmandat in Untersteiermark zu konzedieren, wenn die Slovenen dein fünften Mandat für Graz und dem Gottscheer Mandat ihre Zustimmung geben, entschiedenste Verwahrung ein. Das Gottscheer Mandat dürfe mit flovenifchen Landgemeinden in Untersteiermark nicht verquickt werden. In der Sitzung des Wahlreformausschusses am 20.Juni polemisierte Abgeordneter Pommer gegen den Abgeordneten Ploj. Abgeordneter Dr. Šušteršič erklärte, einer Vermehrung der deutschen Mandate könne er unter keiner Bedingung zustimme», auch nicht um den Preis der gleichzeitigen Vermehrung der flovenifchen Mandate. Redner spricht sich gegen das deutsche Gottscheer Mandat aus und bittet, auf das nationale Empfinden der Slovenen Rücksicht zu nehmen und nicht etwas zu verlangen, worauf die Deutschen keinen Anspruch haben. (I) — Einer Abordnung von Abgeordneten versicherte der Ministerpräsident Freiherr v. Beck, daß, falls in Krain die Slovenen ein neues Mandat bekommen, auch die Deutschen in Krain ein Mandat bekommen werden. — Am 22. Juni setzte der Wahlreformausschuß die Verhandlung der Wahlkreiseinteilung für Steiermark fort. Abgeordneter Geßmann erklärte, daß er mit seinen Gesinnungsgenossen für die Vermehrung der Zahl der flovenifchen Mandate in Steiermark um eines unter der Voraussetzung stimmen werde, daß den Deutschen in Krain ein Mandat gesichert werde. Abgeordneter Dr. Adler gab eine gleiche Erklärung ab. Abgeordneter Kaiser betonte, daß an der Forderung des Krainer Mandates unbedingt festgehalten werden müsse. Es bestand ursprünglich die Absicht, ein Junktim zwischen dem deutsch-krainischen Mandate und der steirischen Wahlkreisverteilung herzu-stellen, doch in letzter Stunde wurde diese Frage ausgeschaltet. — (Unterkrainer Bahnen.) Die zwölfte ordentliche Generalversammlung der Aktionäre der Unterkrainer Bahnen vom 23. Jnni 1906 hat beschlossen, für das Jahr 1905 eine Dividende von 3 K per Stammaktie anszuzahlen. Vom 1. Juli 1906 an wird sohin bei der k. k. Hauptkasse der österreichischen Staatsbahnen (Wien I, Elisabethstraße Nr. 9) wie auch bei der Krainischen Sparkasse in Laibach der Coupon 13 der Stammaktien der Unterkrainer Bahnen mit 3 K per Stück eingelöst. Aktiencoupons der Unterkrainer Bahnen aus früheren Fälligkeitsterminen werden vorkommendensalls als wertlos ohne Honoriernng eingezogen und unbrauchbar gemacht. Die bis 1. Juli 1909 nickt behobenen Aktiendividenden für das Jahr 1905 verfallen in Gemäßheit des § 49 der Statuten zugunsten des Spezialreferoefonds der Unterkrainer Bahnen. — Nach zwölf dividendlosen Jahren werden also pro 1905 Dividenden für die Stammaktien der Unterkrainer Bahnen ausgezahlt. Wir machen die Besitzer von Stammaktien in -Stadt und Land Gottschee daraus aufmerksam, daß die Einlösung der Stammaktien-Dividenden gewiß auch in den größeren Handelsgeschäften in Gottschee, eventuell auch in der Gottscheer Sparkasse ans Gefälligkeit gerne besorgt wird. — (Maler Ruppe.) Über unfern Landsmann, den Herrn Maler Ruppe, schrieb die „Laibacher Zeitung" vom 19. Juni l. I.: Der heimische Maler Herr Michael Ruppe, der während der Wintermonate seiner Kunst in Klausen in Tirol oblag, hat sich nunmehr auch als Illustrator hervorgetan. Er zeichnete eine Reihe geschmackvoller, fein abgestimmter Landschaftsbilder von Bad Topolschitz und Umgebung, welche die eben bei Kleinmayr und Bamberg in Laibach herausgekommene Broschüre über die genannte Therme zieren und vielleicht manchen veranlassen, dort Aufenthalt zu nehmen. Herr Ruppe hält sich von jeder sezessionistischen Ausschreitung ferne, seine Bildchen zeigen ein derart liebevolles Eingehen in die Natur-Schönheiten der Gegend, daß man das auch sonst typographisch vorzüglich ausgestattete Heftchen mit feinen reizenden Farbendrucken und Skizzen mit Vergnügen durchblättert. — (Promotion sub auspiciis imperatoris.) Wie wir bereits in der vorigen Nummer kurz mitteilten, fand am 16. Jnni in Graz die Promotion sub auspiciis nuferes Landsmannes Dr. Josef Stalzer statt; außerdem wurde auch Herr Viktor Heß zum Doktor der Philosophie sub auspiciis imperatoris promoviert. Im folgenden bringen wir über diese Promotion, die wegen ihres feierlichen Charakters und ihrer Seltenheit zu den bedeutsamsten Festlichkeiten des akademischen Lebens gehört, einen etwas ausführlicheren Bericht. Um 11 Uhr vormittags erschien Seine Exzellenz der Statthalter Gras Clary und Aldrin gen mit dem Statthaltereirate Dr. Graf Stürgkh auf der Universität und wurde von Sr. Magnifizenz dem Rektor Prof. Dr. Holl begrüßt und in den festlich geschmückten Senatssaal geleitet, von wo aus dauu der feierliche Einzug desselben mit dem Rektor und den Dekanen aller vier Fakultäten unter Voranschreituug sämtlicher Pedellen erfolgte. Dem Festakte wohnte u. a. auch Herrenhausrnitglied Dr. Ignaz Graf Attems, Landesausschußmitglied Franz Graf Attems, eine größere Anzahl von Professoren der Universität, ferner der Groß-kapitnlar Karl Freiherr von Wucherer, Konsul Alex. Hartwich (Wien) samt Frau, Administrationsrat Dr. Ernst Großbauer von Waldstätt, Graf Bardeau und viele Damen bei. Der Rektor richtete an den Statthalter einige Worte der Begrüßung, worauf cand. phil. Herr Heß das Katheder bestieg und seinen Vortrag hielt über „Maxwells elektro-magnetische Lichttheorie". Nach der sehr beifällig aufgenommenen Rebe nahm der Promotor Hofrat Prof. Dr. von Graff die Promotion der beiden Kandidaten vor. Nach- dem den beiden neuen Doktoren die Diplome überreicht worden waren, ergriff Se. Exzellenz der Statthalter Graf Clary das Wort und hob hervor, Seine Majestät der Kaiser habe die Gnade gehabt, diese feierliche Promotion zu gestatten. Er selbst nehme dieselbe mit um so größerer Freude vor mit Rücksicht auf die vortrefflichen Leistungen der beiden Doktoren auf wissenschaftlichem Gebiete. Sodann beglückwünschte der Statthalter jeden einzelnen der beiden Doktoren und übergab ihnen die vom Kaiser gespendeten Ringe. Der Ring sei ein Sinnbild der Treue, die sie dein Vaterland, der Dynastie, insbesondere dem Monarchen immerdar bewahren mögen. Nach der feierlichen Ringüberreichung dankte Herr Dr. I. Stalzer dem Statthalter für dessen überaus ehrende, herzliche Worte in schöner Rede und knüpfte daran die Bitte, seinen und seines Kollegen Dank für diese Auszeichnung an die Stufen des Thrones gelangen zu lassen. Ferner dankte er auch dem Universitätsrektor und den anwesenden Professoren für ihr großes Wohlwollen und schloß mit den Worten: „In dem Augenblick, wo wir aus der Reihe der Söhne der alma mater Graecensis scheiden, bitte ich, den Gefühlen Ausdruck geben zu dürfen, die uns beide in diesem denkwürdigen Abschnitte unseres Lebens bewegen. Unsere Universität war uns im wahrsten Sinne des Wortes eine alma mater, eine segenspendende Mutter, die uns ihr Bestes, die Möglichkeit, den Lehren der Weisheit ihrer Lehrer zu horchen, gegeben hat. Sie hat uns Freiheit des akademischen Lebens, die Freiheit der wissenschaftlichen Arbeit und schließlich die höchste akademische Würde, die Würde eines Doktors, verliehen. Mit dem Gefühle stolzer Zuversicht und froher Hoffnung treten wir hinaus ins Leben, um im Vereine mit unseren Mitbürgern nach unseren Kräften mitzuarbeiten an der Erreichung der Ziele der Menschheit, in dem Bewußtsein, daß uns unsere Universität ausgestattet hat mit den nötigen Mitteln und Kenntnissen, um gedeihlich wirken zu können zum Heile unseres Vaterlandes Österreich, zum Heile unseres großen deutschen Volkes!" Mit Dankesworten des Rektors an den Herrn Statthalter für die Auszeichnung, welche der Universität Graz zu teil wurde, hatte die seltene, erhebende Feier ihr Ende. — (Schwaxz-rot-gold.) In gewissen Kreisen von Srnin ist es gang und gäbe, die schwarz-rot-goldenen Fahnen als unpatriotisch, antidynastisch und revolutionär anzuschwärzen. Daß man selbst in den höchsten Kreisen unseres Vaterlandes hierüber ganz anders denkt, darüber belehrt uns ein Vorfall anläßlich der Kaiserreise in Böhmen. Der Bezirkshauptmann und der Bürgermeister von Gablonz unternahmen am 23. Juni nachmittags teils persönlich, teils durch ihre Organe den Versuch, die Bevölkerung von Gablonz zum Zurückziehen der schwarz-rot-goldenen Dekorationen zu bewegen, indem sie behaupteten, daß die Farben schwarz-rot-gold den Herrscher verletzten. Der deutsche politische Verein für Gablonz wandte sich telegrafisch an den Minister Prade in Reichenberg mit der Bitte um Aufklärung über die Farbenfrage. Minister Prade antwortete unverzüglich telegraphisch folgendes: „Deutscher politischer Verein Gablonz! Sie werden Sr. Majestät eine Freude bereiten, wenn Sie in den Farben des kaiserlichen Hauses Ihre Häuser schmücken. Wenn Sie neben den schwarz-gelben auch schwarz-rot-goldene Fahnen ansstecken, so ist darin gewiß keine Verletzung der Ehrfurcht vor Sr. Majestät zu sehen, denn die Treue zu Kaiser und Reich ist unauflöslich verbunden mit der Treue zu unserem Volksstamm. Prade." Man behauptet, daß Minister Prade mit Zustimmung des Kaisers dieses Telegramm abgesendet habe. — (Heranziehung der Rekruten zur aktiven Dienstleistung.) Bei den Truppen und Anstalten, die ihre regelmäßige Ergänzung ganz oder teilweise aus den im Reichsrate vertretenen Königreichen und Ländern erhalten, dann bei den bosnisch-herzego-vinischen Truppen erfolgt die Heranziehung der Rekruten zum Präsenzdienst mit 8. Oktober. Die Einjährig-Freiwilligen sowie die Rekruten der Kriegsmarine werden für den 1. Oktober, die Ersatzreservisten zur achtwöchentlichen militärischen Ausbildung für den 3. Oktober einberufen. Die Militärterritorialkommanden wurden ermächtigt, den Infanterie- (Tiroler Kaiserjäger- und bosnisch-herzegovinischen Jnfanterie-)Regimentern sowie den Truppenkörpern der Feld- und Festungsartillerie über diesfälliges Einschreiten den Rückbehalt der nach der Reihe des Dienstalters zu beurlaubenden Unteroffiziere und Gefreiten für die achtwöchentliche Ausbildung der Ersatzreservisten (Rekruten) im Präsenzstand, in einem genau zu begrenzenden Umfange zu bewilligen. Diesen Unteroffizieren und Gefreiten ist diese Dienstleistung als erste und dritte Waffenübung anzurechnen und als solche im Militärpasse vorzumerken. Bei den Jnfanterie-(Tiroler Kaiserjäger-)Regimentern, dann bei der Festungsartillerie wird, wenn es die Unterkunfts- und Äusbildungsverhältniffe erheischen, ein Teil der Ersatzreservisten erst im Frühjahre 1907 zur militärischen Ausbildung herangezogen. Bei den Truppen und Anstalten, die ihre regelmäßige Ergänzung aus den Ländern der ungarischen Krone erhalten, werden die Rekruten des Assentjahrganges 1905 — einschließlich jene der Kriegsmarine — für den 1. August 1906, die Einjährig-Freiwilligen für den 1. Oktober 1906 (Mediziner für den 1. April 1907), dann Ersatzreservisten des Assentjahrganges 1905 im allgemeinen für den 3. Oktober 1906 zur Dienstleistung herangezogen. — (Märkte in Krain vom 6. bis 20. Juli.) Am 7. Juli in Unterdeutschau; am 9. in Tirna; am 12. in Treffen, Senosetsch, Planina bei Rakek, Obertuchein und Kropp; am 13. in Altlag bei Gottschee und Oberplanina; am 14. in Seisenberg; am 16. in St. Kaution in Unterkrain; am 17. in Zdenskavas bei Gutenfeld und Möttling; am 20. in Nesseltal. Witterdorf. (Prüfung.) Die Lehramtskandidaten Josef Erker und Josef Siegmund aus Mitterdorf haben die Reifeprüfung an der Lehrerbildungsanstalt in Bozen mit gutem Erfolge bestanden. — (Trauungen.) Am 30. Juni haben Jakob Michitsch aus Kerndorf Nr. 9 und Maria Poje aus Obren: Nr. 15 die Ehe geschlossen und zwei Tage darauf auch Johann Händler aus Kostern Nr. 8 und Theresia Sturm aus Oberloschin Nr. 8 den gleichen Schritt getan. Mög's ihnen an Glück nie gebrechen! — (Schnelles Ende.) Nach nur viertägigem Krankenlager starb am 18. Juni Jakob Michitsch von Ort. Er war durch fast 40 Jahre in Mitterdorf Besitzer. — (Markt.) Der letzte Viehmarkt in Malgern ging inehr flau. Mäßiger Auftrieb, wenig Käufer, matter Handel. Das Unwetter bald nach Mittag wirkte gleichfalls ungünstig aus den Handel ein und verdarb den Wirten das Geschäft. Wooswakd. (Ertrunken.) Die beiden Bergleute Paul Gafperitsch aus Hmterberg Nr. 51, 16 Jahre alt, und Peter Zimpritsch aus Pröse Nr. 16, 19 Jahre alt, badeten am 29. Juni, ihrem Namenstage, oberhalb der Brücke in Mooswald in der Rinse und gerieten auf eine tiefe Stelle, wo sie beide ertranken. Niemand befand sich in der Nähe, der sie hätte retten können, auch hatte man keinen Hilferuf vernommen. Erst nach 8 Uhr abends wurden die Leichen der beiden Verunglückten, welche etwa zehn Meter voneinander entfernt im Wasser lagen, geborgen. Die im Tode vereinten waren beide Arbeiter beim hiesigen Kohlenwerke und ledig. WorobiH. (Kirchenverschönerung.) Unsere sonst schon sehr schöne Kirche ist in jüngster Zeit durch Einsetzung von sechs Kunstglasmalereifenster verschönert worden. Die beiden Presbyterienfenster (Herz Jesu und Herz Maria) sind einzig in ihrer Art. Weit und breit wird man solche Kunstwerke suchen können. Der Entwurf der Bilder stammt vom berühmten Malermeister Van Zupfen in Amsterdam, die Ausführung in Glas besorgte das Kunstatelier Ed. Kratz mann in Wien, und zwar um den Betrag von 1600 K. Wie der Aufwand bestritten wird, lehrt uns eine Inschrift im Schaufenster: „Piis collectis Jos. Perz, Parochus 1906.“ Kiefenbach. (Ehrenbürger.) Wegen der Verdienste, die sich Herr Viktor Loser in Triest um die Gemeinde Tiefenbach erworben — schenkte er ihr ja erst vor kurzem ein schönes Bauernhaus samt Garten —, wurde er' einstimmig zum Ehrenbürger der Gemeinde ernannt. Das Diplom wurde ihm bereits übermittelt. Makgern. (Straße nach Ebental.) Am 26. Juni traf hier eine Kommission, bestehend aus den Herren Landesbaurat Klinar, Straßenausschußobmann A. Loy und den Mitgliedern des Straßenausschusses D. Ranzinger und I. Röthel, ein, um bezüglich der nach Ebental zu bauenden Bezirksstraße an Ort und Stelle Erhebungen zu pflegen. Es wird beabsichtigt, diese Straße von Malgern aus zunächst in der Richtung nach Tiefental zu führen und etwa in der Hälfte des dorthin bereits bestehenden Weges nach Ebental, bezw. Setsch abzweigen zu lassen. An der Verhandlung nahmen auch die Vertreter der Gemeinden und der Ortschaften teil. Das Projekt wird zunächst vom Laudesbauamte ausgearbeitet und dann der weiteren amtlichen Behandlung zugeführt werden. Möge es endlich gelingen, ein Werk zustande zu bringen, dessen Ausführung schon seit Jahrzehnten der sehnlichste Wunsch der Bevölkerung ist. Wösek. (Wechsel im Gendarmeriepostenkommando.) Der hiesige Postenführer August Aber wurde auf eigenes Ansuchen nach Petrina übersetzt und kam am 30. Juni von diesem Posten der Titular-Wachtmeister Valentin Mokorel anher. — (Eigentümer der Gendarmeriekaserne) ist jetzt der Fleischhauer Joses Jonke, welcher sie vor Kurzem käuflich erwarb. WKandl. (Einen neuen Taufstein) hat vor kurzem unsere Pfarrkirche erhalten. Er ist ein Werk des Herrn Bildhauers Franz Ciber aus Kandia bei Rudolfswert. Die Farbenverteilung und technische Ausführung sind geradezu künstlerisch, so daß man sagen kann, das Werk lobt den Meister. Bildhauer Herr Franz Ciber sei hiemit den geistlichen Mitbrüdern wärmstens empfohlen. — (Unglücksfälle.) Am 25. v. M. wurde der 13jährige Volksschüler August Schlaun aus Pöllaudl von einem Wagen überfahren. Ein Rad ging ihm gerade über die Brust; der herbei-gerufene Arzt stellte so schwere innere Verletzungen fest, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Er ist der einzige Sohn seiner Eltern. — Am selben Tage stürzte ein Radfahrer aus Rudolsswertx beim „Felsenteller" so unglücklich vom Rade, daß er sich ein Unterschenkelbein brach. Wrauen. (Straße nach Morobitz.) Am 27. Juni fand die kommissionelle Begehung der nach Morobitz zu bauenden Bezirksstraße statt. An derselben nahmen teil die Herren Landesbanrat Klinar, Straßencmsschußobmann Alois Loy und die Mitglieder des Straßenausschusses Forstmeister Rudolf Schadinger, Daniel Ranzinger und Joses Röthel. In Betracht kommen zwei Projekte, nämlich die Linie Mrauen-Pröse-Morobitz mit einer Abzweigung nach Tiefenbach und die Linie Rieg-Morobitz. Die Strecke Mranen-Pröse-Morobitz hat den Vorzug, daß erstlich die Terrain- und Steigungsverhältnisse bedeutend günstiger sind, ferner überall ein sehr gutes Schottermaterial vorhanden ist und daß durch sie eine größere Anzahl von Ortschaften und Interessenten der Wohltat einer Bezirksstraße teilhaftig würde, da auch die beiden ansehnlichen Dorfschaften Ober- und Niedertiesenbach und das Dorf Präsidien zu dieser L-traße gravitieren. Für die Strecke Rieg-Morobitz setzen sich besonders die Insassen von Rieg ein und auch manche ans anderen Dörfern, die infolge persönlicher Beziehungen, geschäftlicher Verhältnisse oder sonstiger Abhängigkeit sich auf die Seite der Rieger stellen zu müssen glauben. Auch wir sind durchaus nicht etwa grundsätzliche Gegner der Straße Rieg-Morobitz. Wenn es irgendwie möglich ist, so soll man auch diese bauen und statt von einem Straßenzuge Mrcmen-Pröse-Morobitz lieber von einer Bezirksstraße Mranen - Prüfe - Morobitz - Rieg sprechen. Die Schwierigkeiten des Straßenzuges Rieg-Morobitz sind nun andererseits freilich nicht zu verkennen. Abgesehen von der minder günstigen Bodengestaltung und dem ebenfalls nicht so günstigen Straßenmaterial ist es insbesondere der tiefe Einschnitt unten am Rieger Bache, der die Ausführung dieser Straßenstrecke sehr erschwert und ganz bedeutend verteuert. Eine ordentliche, auch den ÜberschwemrnnngsvLrhältnissen Rechnung tragende Brücke dortselbst würde kaum weniger kosten als die ganze, Straße von Mranen nach Morobitz. Es müßte ja eine Art von Kunstbau geschaffen werden, der sich für die immerhin doch ziemlich bescheidenen Verkehrsverhältnisse wohl kaum verlohnen und viel zu viel kosten würde. Und dann noch die Anhöhe von der Brücke nach Rieg hinauf, welche ungefähr 82 Meter hoch ist und selbst bei ziemlich starken Steigungsverhältnissen die Straße dort noch um etwa zwei Kilometer verlängern würde. Wir verargen es, wie gesagt, den Insassen von Rieg durchaus nicht, wenn sie sich für diese Strecke mit allen Mitteln der Agitation entsetzen, nur sollte man hiebei nicht übers Ziel hinausschießen und selbst weit entfernte Ortschaften, wie z. B. Masern u. bergt., die an dem Streite ja gar kein wirkliches Interesse haben können, ins Treffen schicken. So etwas hat fast einen komischen Beigeschmack. Überspannt und weit hergeholt erscheint es uns auch, wenn man für die Strecke Rieg-Morobitz sogar Gründe nationaler Natur geltend macht. Bei einem Verkehrsprojekte sollen doch in erster Linie nur die technischen und kommerziellen Gründe sprechen und überdies durchzieht ja auch die Linie Mrauen-Pröse-Morobitz nur deutsches Gottscheer Gebiet. Also nur nicht über die Schnur hauen! Es werden übrigens nunmehr ohnehin beide Straßenprojekte vom Landesbauamte ausgearbeitet und dann erst wird die schließliche Entscheidung getroffen werden. Am besten wäre es, wenn die Rieger, Hinterberger (da sind denn doch überhaupt nur ein paar Personen interessiert) k. ihre Opposition gegen die Linie Mraueu-Morobitz aufgäben -— sie wird ohnehin wohl fruchtlos fein —, aber andererseits nach Vollendung der Strecke Mraueu-Morobitz auf die Weiterführung dieser zu bauenden Bezirksstraße von Morobitz nach Rieg drängen. So würde dann allen recht geschehen. Aktkag. (Eigentümlicher Tod.) Am 4. April wurde Franz Kikel von einem tollen Hunde gebissen, wie wir seinerzeit schon berichtet. Der Mann bezog das Pasteursche Institut in Wien, doch scheint dies nicht erfolgreich gewirkt zu haben; denn er starb am 18. Juni auf eigentümliche Weife nach dreitägiger Krankheit. Der Mann klagte seit dem erfolgten Bisse immer über Schwäche und Mattigkeit. Am 15. Juni kehrte er von der Hutweide — der Mann war Dorfhalter —• nach Hause mit der Äußerung, er hätte eine Geschwulst im Halse. Kurz vor seinem Tode sagte er zu feiner Frau: „Ich spüre gar keine Schmerzen, wenn ich nur einmal den Schlamm aus dem Halse aitsbringeit möchte, so gehe ich morgen wieder weiden." Auf einmal fing der Arme an zu heulen: „Ich gehe sterben, ich bin hin!" Am ganzen Körper zitterte er so, als wenn, wie Augenzeugen erzählten, Mäuse unter der Haut herumlausen würden. Er sprang aufs Brett, stampfte mit solcher Gewalt in dasselbe, daß der Boden in Fransen ging, lief in die Küche, rannte mit dem Kopfe an die Mauer, schlug mit ihm auf den Boden. Auf einmal war der Mann starr. Der Leichnam war sehr angeschwollen. Wenn man diese Erscheinungen betrachtet, so muß man unwillkürlich sagen, daß dies vom Bisse herrühre. Schließlich wird erst das Pasteursche Institut uns belehren, was denn dahinter steckt; der Leichnam wurde von Herrn Dr. Böhm seziert und ein Teil der Zunge nach Wien zur Untersuchung geschickt. — (Ausflüge.) Unsere Gegend ist doch nicht ohne; werden wir ja immer mit hohen Gästen beehrt und sind die Ausflüge der Städter — Gymnasiasten, Fachschüler mit den verehrten Lehrkörpern — in unsere Gegend gerichtet. Kein Wunder! Wer kennt nicht die Naturschönheiten hierzulande: Das Kuutschner Eisloch und den Petersberg mit seiner prachtvollen Aussicht; dazu noch den edlen Tropfen „Dreimännerwein" mit seiner angenehmen Säure im Hochsommer und dann erst das Gasthaus des biederen Herrn Eisenzopf mit feiner berühmten, geschmackvollen Küche und seinem großartigen Bier. Ist das alles nicht ein mächtiger Magnet für Auswärtige? Nachrichten aus Amerika. San Arancisco am 2. Juni 1906. (Originalbericht.) Ich teile Ihnen mit, daß ich den „Gottscheer Boten" richtig erhalten habe sowie auch den Brief, in welchem Sie mich fragen, ob ich vom Unglücke verschont geblieben sei. Ich danke Gott, daß ich Ihnen mitteilen kann, daß ich und mein Besitz keinen Schaden gelitten hat. Am 18. April, zehn Minuten nach 5 Uhr in der früh, wir waren noch im Bette, hörten wir auf einmal ein schreckliches Getöse, darauf kam ein Stoß und nun fing alles an zu beben und Zu wackeln. Wir sprangen aus dem Bette, konnten jedoch nicht stehen, das Haus, krachte, die Bilder an der Wand schlugen hin und her, viele Gegenstände im Hause fielen um und endlich kommen wir aus dem Hause auf die Straße. Der Platz war schon ungefüllt von halbnackten Menschen in Nachtkleidern. Das Beben hörte bald wieder auf, nachdem es kaum zwei Minuten gedauert hatte. Ich achtete weiter nicht darauf und wollte mich wie gewöhnlich zur Arbeit fertig machen, weine Frau wollte das Frühstück bereiten, da fand sich kein Wasser in der Wasserleitung. Wir gingen auf die Straße und schauten in die Stadt hinein. Da unser Haus auf einem Hügel liegt, können wir die ganze Stadt übersehen. Wir bemerkten, daß die schöne Stadthalle zusammengesunken war; auf drei oder vier Stellen sahen wir Feuersäulen aufsteigen. Das Feuer verbreitete sich schnell. Um 7 Uhr sah man schon tausende Familien mit Kindern und Gepäck auf die leeren Hügel außerhalb der Stadt ziehen. Am ersten Tage sah man sehr viel betrunkene Männer und Frauen, weil an den Brandstätten freies Getränk zu bekommen war; dies verursachte auch den Tod ' vieler Menschen. Am zweiten Tage war die ganze Stadt ein Feuermeer. Die Salons mußten geschloffen werden und das Militär mußte die dürftigen Personen von den geistigen Getränken ferne halten. Das Feuer konnte ob Wassermangels nicht gelöscht werden; deshalb wurden viele Gebäude mit Dynamit in die Luft gesprengt, um dem Feuer die Nahrung zu entziehen. Das Feuer hatte den größten und schönsten Geschäftsteil der Stadt eingeäschert. . Hungriges Volk räumte die Verkaufsläden aus, daher konnte man auch um gutes Geld nichts bekommen. Der Unterschied zwischen arm und reich hörte auf und manch zartes amerikanisches Fräulein mußte in den Zelten wohnen. Mancher mußte den Sack in die Hand nehmen und oft halbe Tage lang in Reih und Glied sich aufstellen, um Lebensmittel, die vom Staate ausgeteilt wurden, bekommen zu können. Die Fuhrleute haben sich Geld gemacht, weil jeder die Möbel bergen wollte. Man verlangte für das Überführen eines Wagens voll Möbel 30 bis 50 Dollars. Die Personen mußten für eine halbe Stunde Fahrt 25 Cent bezahlen. In den Häusern durfte man kein Feuer machen, alle mußten auf der Straße kochen. Heute haben wir die Erlaubnis bekommen, wieder im Hause kochen zu dürfen. Die Wasserleitung ist wieder hergestellt, doch die Stadt ist traurig und tot; wo früher das größte und lebhafteste Geschäfts-, leben war, ist nur ein Aschenhaufen. Man sieht ganze Reihen Häuser in Trümmern und Schutt liegen; die Straßen haben Ähnlichkeit mit Laufgräben, da sie zu 10 Fuß eingesunken sind. Die Häuser auf den Hügeln sind weniger beschädigt. Dadurch bin ich vom Unglücke verschont geblieben. Erst vor einem Jahre habe ich mein Haus gebaut; Gott sei dank, daß es nur wenig Schaden gelitten hat. Die vom Feuer Betroffenen waren größtenteils versichert und die Versicherungssumme wird allen ausbezahlt; dadurch kommen wieder viele zu ihrem neuen Heime. Arbeit gibt es nun wieder genug, aber harte Arbeit. Mehrere tausend Menschen find von der Stadt fortgezogen. I. V. Bei einmaliger Einschaltung kostet die viergespaltene Aleindruckzeile oder deren Raum 15 Heller, bei mehrmaliger Einschaltung \2 Heller. Bei Einschaltungen durch ein halbes Jahr wird eine zebnprozentige, bei solchen durch das ganze Jahr eine zwanzigprozentige Ermäßigung gewährt. Anzeigen. Die Anzeigengebühr ist bei einmaliger Einschaltung gleich bei Bestellung, bei mehrmaliger vor der zweiten Einschaltung zu erlegen. — Es wird höflichst ersucht, bei Bestellungen von den in unserem Blatte angezeigten Firmen sich stets auf den „Gottscheer Boten" zu beziehen. Umin der Deutschen a. ßomcbee -— in Wien. = Sitz: X Mords Nestauration „Zum roten Igel" I., AtörechtsplaH Dr. 2. Zusammenkunft: Jeden ersten Donnerstag im Monate. Geschäfts- Eröffnung. Ich erlaube mir, dem geehrten P. T. Publikum höflichst mitzuteilen, daß ich mit 15. Juli 1906 im Hause meines Vaters Hauptplatz Nr. 66 ein neu eingerfchtetes Spezerei- und Mehl-Geschäft eröffnen werde. Eine langjährige Tätigkeit auswärts sowie auch auf dem hiesigen Platze versetzt mich in die Lage, allen Wünschen der geehrten P. T. Kunden bestens zu entsprechen, und bitte um zahlreichen Zuspruch. Hochachtend Josef Hönigmann. An diesem Schild sind die Läden erkennbar, i in denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. Singer Co. Nähmaschinen Akt. G. GOTTSCHEE, Hauptplatz Nr. 79. 34 (24-4) f Das ein Stock hohe Haus in Gotische^ Kirchengaste Nr. 51 ist aus freier Hand preiswürdig zu verkaufen. — Näheres bei der Eigentümerin L. R., wohnhaft in Littai (Kraut) Nr. 53. 39 (2) Holzrouleaux und Jalousien bester Qualität in allen Preislagen und schönster Musterauswahl empfiehlt billigst die Holzrouleaux- u. Jalousienfabrik von Anton Tschauder, Braunau, Böhm. Agenten gesucht! 38 (10—3) franko. Anzeige . Der ergebenst Gefertigte gibt hiennt höflichst bekannt, daß er die Vertretung der renommierten Nähmaschinen-und Kahrrad-AabriKenIohannAar und Sohn in Laibach, sowie auch den Verkauf von landwirtschaftlichen Maschinen nur erstklassiger Firmen übernommen hat und im Hause des Herrn Johann König in Mooswald wohnt. Um Übermittlung gütiger Aufträge bittet 37 (3—3) Kn Markttagen Wuüert'ager! Hochachtungsvollst Kart Kurka. Architekt Terdinand Crumkr behörai. Ronzess. Stadtbaumeister Calbach « Domplatz tir. r übernimmt affe Arten «im Bauausführungen, Verfassung von Plänen und Kostenvoranschlägen, Vermessungen und Schätzungen. 12 (20—20) «« Spezialität in Hircftenbauten. Verfassung künstlich ausgeführter Entwürfe affet Arten von Gebäuden und Lersteffnng perspektivischer Darsteffnng derselben. JRusserst coulante Preise bei prompter Ausführung. * « Tm fiause des Perm Tranz Zonke in ßottsebee fiauptplatz Nr. $7 « « « 16 « « ts ts « | Amerikanische Zähne 16 14 (12—10) fi Zahnarzt aus Eaibach * Spitalgasse 7. Affe technischen Arbeiten werden im konzess. Atelier A. Scydl tt Hd % fS HL % M «S « Amerikanische Zähne * «: « ausgeführt. « Hrdiniert jeden Mittwoch und Donnerstag von 9—5 Ahr. « «"*5 <5« «fit!-«'* 15 **! ■«