Präullw.craüons-Prcisc: Für Laibach: «a-zj-hrig . . . 8 fl. 40 kr. h-lbj-ihrig . . . 4 . so . «irrteMhrig. . . z . io . Rouatlich ... — 70 Mit der Post: S^iL-rig . . . „ fl. - kr. H°lbi-briz . . . 5.5». Vierteljährig. Laibacher Sä- Sustilluug ins HruS viertel, w^ig ,5 monatlich g Ir. kü>c!r>r Äirmüiern K Ir. Anon'.me Mittheilunyen werden nicht berücksichtigt: Manuskripte nicht zuriickgesendet. L c d «>i l i o r > ^rb»d»«j:,!sr Rr. i,. ÄrvedUrov und Znkmtrv' Ünreim: Ssngreßvlatz Nr. 81 (BuchbandU'.rz < cn I. v.jriciuruayrL F. Bamberg). Änscrlilinsprcisc: die einspastigk' ^etit-eile ?. k bei zweimal'^ :r Erlischalrung L 'i dre^rnai ä 7 kr. Inserrion?ücnrr..l jedesmal 50 !r. ö^i strvürren ^useralen und öfterer EinsLalrung enr,>rLwLnder Rabatt. M. 95. Fmtttg, 26. Ahnl 1872. — Morgen: Peregrinus. 5. Jahrgang. Ein Apostel des Panslavismus. I Die Wellenkreise der slavischen Bewegung, die Oesterreich-Ungarn noch heute nicht zur Ruhe kommen lassen, haben vor nunmehr 36 Jahren gleich-A Böhmen und Kroatien aus ihren ersten ^stoß bekommen. Diese Erinnerung ruft in uns der dieser Tage erfolgte Tod des Dr. Ljudevit Gaj w Agram wach. Ju ihm ist einer der Vorkämpfer »es slavischen Gedankens in Oesterreich und der panslavistischei, Traumgebilde überhaupt ins Grab ^nabgestiegen. Wie die Überschätzung der eigenen Lar des äußern Scheines von jeher einen es M Zug des Slaventums bildet, den aemein'?^ französischen Weltanschauung bar di? hier. Weil die Slaven schein- Kern Oesterreich bilden, war der- ber an« slavischen Gedankens von allem Anfänge den' i„ « , ^erreich einen slavischen Staat zu bil- Dentsche und Magyarlk?^ Südslaven, die beide umk, und Würd,-^"'"ammern, Mallen mutzte. so könnte es Oesterreich aufgerichtet sein, . Handumdrehen die verwandten den-nk; " illyrischcn Halbinsel und die Brn-Rußland, Preußen, Sachsen an sich und niemand vermöchte dem großen slavischen Eniheitsstactte die erste Rolle in Europa streitig zu wache». Mr diesx Anschauungen, die uuter den Nordslaven der Slovake Joh. Kollar in der Schrift Kleber die literarische Wechselseitigkeit zwischen den und Mundarten der slavischen Nation" lpest 1831) zuerst auf literarischem und sprach-9»^"- ^^iete vertrat, machtt unter deu Südslaven ^'9 Gaj Propaganda. Geboren 1810 im kroa- tischen Krapiua, hatte er sich, durch den Besuch ausländischer Universitäten einige Bildung erworben und begann unter dem Schutze Metternichs, dem schon damals die erwachende Opposition der Kroaten gegen die Magyaren willkommen mar, in Agram eine kroatische Zeitung herauszugebeu. Darin wirkte er zunächst ebenfalls auf sprachlichem Gebiete für ein einiges Königreich Jllyrien, wozu außer Kroatien, Slavonien und Dalmatien auch Steiermark, Kärnten und Kram und die slavischen Länder der Balkanhalbinsel: Bosnien, Serbien nnd Bulgarien, herangezogen werden sollten. Nach dem Muster der „Natiea einer literarischen Gesellschaft in Prag, gründete er in Agram die „Nation ilirslcki,," die sich zunächst mit sprachlichen Studien, mit Festsetzung der illyrischen Terminologie, einem Wörterbuche und mit ändern harmlosen Dinzen befaßte, die in den vormärzlichen wiener Hof- nnd Staatskanzleien nicht den geringsten Anstoß erregten. Aber es währte nicht lange, so traten die politischen Bestrebungen unverhüllt zutage. Man war von der Annahme ansgegangen, daß alle Slaven, sogar die finnisch-tatarischen Moskowiter, die nur die russiuische Mundart angenommen, in Sitte und Charakter aber Mongolen geblieben, eine große Familie bilden, deren Angehörige sich als Freunde und Brüder betrachten und gegenseitig geistig fördern und unterstützen müßten. Vor allem müsse der literarischen Zersplitterung eiu Ende gemacht, das Stammesbewußtsein, das Gefühl verwandtschaftlicher Zusammengehörigkeit belebt werden. Läßt sich auch nicht verkennen, daß dnrch Kollar nnd Gaj und ihre Schüler und Jünger dies gemeinsame Bewußtsein der Slaven mächtig gefördert worden, so scheiterten doch alle Anläufe zn einer panslavistischen Verstän- digung in der Literatur, ganz abgesehen von der angestrebten politischen Vereinigung. Ihre staatliche Trennung, ihre religiöse Scheidung in Grie-chisch-Orthodoxe und Unirte, in Protestanten, Katholiken nnd Mohamedaner, ihre geographische Zersplit -terung, welche durch einen breiten Gürtel von Deutschen, Magyaren und Rumänen die Nord- und Süd-slaveu trennt, der nicht geringe Kuttnrabstand zwischen den vorgeschrittenen Westslaven und den zurückgebliebenen Ost- und Südslaven ließen alsbald den politischen Panslavismus als Chimäre erscheinen. Zudem hat die Eifersucht unter den verschiedenen slavischen Stämmen, anch ein wesentliches Hindernis der Einigung, seitdem eher zn- als abgenommen, und namentlich ist es der zahlreiche Stamm der Polen, welcher als Todfeind des an der Spitze der Slaven stehenden Rußland allen panslavistischen Bestrebungen widersteht und seine eigenenMege wandelt. Die Einheitsbestrebnngen der Deutschen im Jahre 1848 und die Aufforderung au die Böhmen, gleich den übrigen deutschen Bundesländern die Wahl von Abgeordneten in das deutsche Parlament zu Frankfurt vorzunehmen, legten den verschiedenen Slaveuklubs in Oesterreich den Gedanken nahe, im Mai desselben Jahres einen Kongreß aller Slaven nach Prag einzuberufen, der ans die künftige Gestaltung der Monarchie einwirken sollte. Der Slaven-kougreß, unter dessen Hauptveranstalteru Ludwig Gaj gewesen, auf dem sich die verschiedenen Stämme einander so wenig verständlich zu machen wnßtcn, daß mau zum Deutschen seine Zuflucht nehmen mußte, konnte seine Berathnngen nicht beenden, indem am 12. Juli eiu slavisch demokratischer Aufstand in Prag ansbrach, den Fürst Windischgrätz an der Spitze der Truppen blntig niederwarf. Spätererfloß Feuilleton. Der Papst zu Hause. seinei^R^.'^schildert im „Daily Telegraph" m ^ A un Vatikan auf folgende Weise: lalt s'öns? ".Oehe" und den Papst nichtsehen," Sereintl, gleichbedeutend mit der größten Un-Jch bai,' ^ küi alltägliches Ereignis, englisch^, ^ ^'u eifrigen nnd geachteten Rector des Weg ". liege" hier zu daukeu, daß mir der wurde und" ^ Gegenwart des Papstes gebahnt ich mich bei,.!" Begleitung deö Genannten begab Von de ^ Mittags in den Vatikan, auf dem ""ler der Eolonnade innern bis zu dem „Cortile" (dem Pagne-N"i^ . E Schweizer in einer Art Cam- fortwährend^in, ^ der Vatikan sich ..Cortile" wa, Belagerungszustand befinde. Der Uniformen und w »nd die Zahl der war so arysi . yume, welche da zu sehen waren, Souverän, i>, ^ den Tagen, als der Papst noch Hier sr, .'".war. päpstlichen ^ wolbekauntcn Uniformen der wahrend ^ °"e., Palastwache, Mitglieder der Guardia Nobile, deren Uni- formen anch mit dem Käppi anstatt des Helmes noch sehr pittoresk ist, sich unter den Colonuadeu zeigten. Als wir von dem inneren Hofe nach dein Theile weiter schritten, wo sich die päpstlichen Gemächer befinden, fanden wir die SchweizerMachen su §r-Tncl6 tönuo; eine Anzahl von ihnen war in einer großen Hatte versammelt, deren Wände mit Fresken geschmückt sind, und hier befindet sich eine kleine Thür, die man passiren muß, um in die Privatgemächer des Papstes zu gelangen. Besonders wol sahen die hier befindlichen Lakaien, italienisch MakröEri genannt, ans, welche den Papst bei den große» Zeremonien in St. Peter zu trage» pflegen. Geheime Kümmerer mit Mänteln von violetter Seide gingen geräuschlos umher, und eine Gruppe von Damen, in schwarz gekleidet, mit schwarzen Schleiern, harrte, um nach einein der Eorridors geführt zu werden, welche der Papst passiren sollte — es ist nämlich den Frauen nicht gestattet, in die päpstlichen Privatgemächer einzutreten, — und vermehrte das seltsame der ganzen Szene. Von dieser schönen Halle, deren mit historischen Gemälden geschmückte Wände von der Glorie vergangener Zeiten beredt sprechen, wurde» wir iu ciueu audereu kleiuere» Sal geführt, bewacht von einem Schweizer, der unaufhörlich beschäftigt war, feine Hellebarde vor Kardinälen, Bischöfe» »nd päpstlichen Beamten, welche hier pasfirten, zn präsentiren. Dies war der erste oder äußerste von einer langen Reihe von Empfangssälen, von denen einer an den anderen stößt und der letzte endlich zn den Appartements des Papstes führt. Durch die Freundlichkeit von Monsignor Ricci, des Aaostro äi cnmöra, wurden wir durch eine Glasgalerie nach dem prächtigen Audieuzsaale geführt, der sich an den letzten Empfangssal anschließt. Da ich wußte, daß der Papst, obgleich gerne bereit iu den Zimmern, die er durchschreitet, eine größere Menschenzahl zu sehen, doch zu Privataudienzen, anßer mit den Großen der Erde, nicht geneigt ist, wagte ich kaum zu hoffen, daß ich mich einer solchen Gunst erfreuen würde. Monsignor Ricci sagte mir indeß, daß er den Papst auf mich aufmerksam machen würde, und bat mich, inzwischen in dem eben erwähnten schönen Audienzsal zu warten. Meine Gesellschaft waren nur zwei Mann von der Nobelgarde, welche, ihre Schwerter auf den Armen, in der Erfüllung ihrer Pflicht anf- und abschritten. Durch eine offene Seiteuthür konnte ich anf die lange Reihe von Empfangssälen zurückblicken. Jeder von diesen ist für eiue andere Klasse von Andienzsuchen-den bestimmt. Obgleich der päpstliche Hof nnn ans den Vatikan beschränkt ist, werden doch alle Details in slavischen Zeitschriften eine Kundmachung des Slavenkongreßes an alle Völker Europa's, in welcher ausgesprochen ward, das streben der Slaven gehe dahin, daß ,der österreichische Staat, in dein die Mehrzahl Slaven, zu einem Bunde gleichberechtigter Nationen mngestallet werd?, so daß dem einzelnen Bedürfnisse wie der Einheit der Monarchie genüge geschehe. Dann saß Gaj im kroatischen Landtage und suchte dort für Verwirklichung seines politischen Glaubensbekenntnisses zu wirken. Der Hereinbruch der Reaktion, der besonders das Deutjchtum und Magyarentum ein Dorn im Auge war, die Niederwerfung Ungarns mit Hilfe des slavischen Elementes, das eintreten Rußlands zur Niederhaltung des Aufstandes in Ungarn, alles schien den Bestrebungen der Slaven, der allzeit getreuen Knechte der polnischen und klerikalen Reaktion, günstig. Als sie aber zum Lohne dafür die Födcrativgcftallung des Reiches so» derten und die erste Rolle zu spielen sich anschicklen, machte der Absolutismus mit der „slavischen Idee" ebenso wenig Umstände als mit der freiheitlichen „Kremsierverfafsung" der Deutschen oder der acht-undvierziger Verfassung der Ungarn, Gaj selbst wurde 1853 als Wühler eingesteckt, und als sich seine ökonomischen Verhältnisse verschlimmert hatten, auch feine nationale Druckerei in Agram unter Sequester gerathen war, hatte er seine politische Rolle ausgespielt, und er erlag endlich vor wenig Tagen einem langwierigen Lungenleiden. Ludwig Gaj hat alle Mängel und Charaktereigenschaften flavischer Agitatoren in reichlichem Maße besessen. Oberflächlich!» seiner Bildung, voll Ueberhebnug und Verblendung, übersah er ganz und gar den tausendjährigen Geistesschlaf seines Stammes. Eine neidens-uerte geographische Lage, welche die südslavischeu Stämmetheils zu Nachbarn, theils zu Staatsgenossen der Griechen machte, häufige Kriegs-und Handelsbeziehungen, ja sogar die Übermittlung des Chriften-thums von Constantinopel aus, haben gar keine Keime selbständiger Kultur unter ihnen zu wecken vermocht. Während die Araber, Germanen nnd Romanen über religiöse und territoriale Scheidewände hinweg sich für Wissenschaft, Kunst und Gewerbe mächtige Anregungen von Byzanz geholt, haben die füdslavifchen Stämme einfach Jahrhunderte hindurch geschlummert. Und heule wollen einige von der Kultur etwas beleckte Schreier das Maul voll nehmen und die Welt glauben machen, der schöpferische, Kultur gründende Geist sei plötzlich über sie gekommen, sie seien berufen, Europa Gesetze vorzuschreiben und auf den Trümmern der altersschwach gewordenen Kultur und Zivilisation der Germanen und Romanen eine neue Aera slavischer Weltkullur aufznrichten, wolgemcrkt noch bevor sie Schulmeister des imposante» Zeremoniells aufrecht erhalten. Die Guardia Nobile (Nobelgarde) wird noch immer unter den Edlen Roms rekrntirt, welche sich von dem Dienste in der italienischen Armee loskaufen. Sie bildet die Leibwache des Papstes. Am Eingänge der großen Halle kamen und gingen fortwährend Kardinale, die sich in einem kleinen Zimmer zunächst den Appartements des Papstes veriammeln nnd warte», bis der letztere erscheint, worauf sie ihm folge», wenn er den Zcremoniengang durch die Säle des Palastes thut. Der Papst ist über Mittelgröße und in feinem benehmen zeigt sich eine merkwürdige Vereinigung von Würde und edler Bonhomie. Seine streng mar-kirten eckigen Gesichtszüge find aller Welt bekannt; aber kein Porträt von ihm, das ich je sah, ließ dem Ausdruck von Güte Gerechtigkeit widerfahren, der aus seinen klaren, Hellen Auge» strahlt. Er sieht jedermann voll ins Gesicht, und man kann sich, wenn man diesen Augen begegnet, nicht vorstelle», daß sie irgend etwas zu verbergen habe». Seüie Gesichtsfarbe ist auffallend weiß und so farblos fast, wie sein Kleid, das von dein Käppchen bis zu den Schuhe» neugefallenem Schnee glich. Der einzige Schmnck, den er trug, bestand in einem goldenen Kruzifix, das zum Theil in dem weiße» Gürtel stak, und besitze», noch bevor sie ihre Volksgenossen lesen und schreiben gelehrt haben. ____________________________ Politische Rundschau. Laibach, 26. April. Inland. Die Eröffnung des böhmischen Landtages machte diesmal einen außerordentlich feierlichen Eindruck. Karl Auersperg sprach mit hinreißender Glut. Die Worte des neuen Oberstlaudmarschalls, daß der Landtag das Banner der Gesetzlichkeit wieder aufpflanzen und Frieden mit dem Reiche machen müsse und dem Reiche geben was des Reiches ist, weckten stürmische Zustimmungsrufe. Das erscheinen der Ezechen und der von ihnen beabsichtigte Protest unterblieb, nachdem bekannt geworden, daß Karl Auersperg zum Oberstlandmarschall ernanut sei, von dessen Energie sie sürchtecen, er werde dem geplanten Krakehl die Spitze abbrechen. Nicht einmal die beabsichtigte Erklärung wurde überreicht, sondern das feudale Blatt sagt au auffallender Stelle: Der Klub der böhmischen Abgeordneten faßte den Beschluß, im Hinblick auf die Art des zustande kommens der gegenwärtigen Landlagswahlen und die öffentlichen Maßregelungen, sich jeder parlamentarische» Action zu enthalten." Angesichts dieses Beschlusses fühlen wir uns der Pflicht enthoben, der „löblichen Versammlung auf der Kleinseile" mit unserer Aufmerksamkeit zur Last zu fallen. Der böhmische Landtag umfaßt Diesmal 147 lauter verfassungstreue Mitglieder: 76 aus der Kurie der Stadt- und Landgemeinden, 70 aus den Gruppen des Großgrundbesitzes uud eineu Vertreter der ö Virilstimmen des Hauses, den Rector tieus der Prager Universität. Als ein Zeichen des gesunden Sinnes in einer von StaatSrechtler» sonst misleiteteu slavischen Bevölkerung ist es aufzufassen, daß das polnische Landvolk Schlesiens sich regt, dem deutschen Hans Kudlich eine Ovation bei seiner Rückkehr in die schlesische Heimat zu bereiten; ein diessatliger Aufruf liegt von dem schlesischen Landtags-Abgeordneten Eiencala vor. Wir sind überzeugt, daß auch der slovenische Bauer eher tausendmal sich für Kudlich erhebt, durch dessen Verdienst er von den Fesseln der Frohnde befreit wurde, als einmal für die klerikale Sippschaft. Das verständigste französische Blatt, das „Journal des Debats," spricht sich auf das günstigste über die innere Situation Oesterreichs aus. Die ewigen Experimentirnngen hätten schon an einer Konstitui-rung dieses Staates verzweifeln lassen; allein seit der Berufung Audrassy'S und des Ministeriums Auersperg sei Grund zu neuen Hoffnungen gegeben. Dieses Ministerium habe sich nicht bloS gegen jeden in einem großen Ringe an dem Zeigefinger der rechten Hand. Er begann sofort mit großer Lebhaftigkeit zu sprechen, theils in seiner Muttersprache, theils französisch, das er nicht nur sehr flüssig, sonder» auch mit einem besseren Accent spricht, als ich je von einem Italiener gehört; nnd er ging mit außer-ordentlicher Schnelligkeit von einem Gegenstand auf deu audern über, so daß ich nicht im stande wäre, das ganze Gespräch anch nur mit einiger Treue wieder zu geben. Er sprach von der Erziehung in England von dem Einflüsse der Publizistik in der Gegenwart, und bemerkte, es freue ihn, wenn er den letzteren in rechter und wirklich liberaler Richtung sehe. Als ich meine Freude ausdrückte, ihn in guter Gesundheit und in Rom zu sehen, erwie derte er mit großer Freimütigkeit, daß er nicht die Absicht habe, die ewige Stadl zn verlassen, wenn er nicht von den Ereignissen dazu gezwungen würde. „Die Wasser," sagte er, die rechte Hand an das Kinn legend, „gehen bis jetzt nur hierher, und ich kaim noch athmen ; aber wenn sie sich noch Hölzer erheben, so muß ich gehen oder ertrinken." Dann fuhr er fort: „Viele Menschen, Katholiken sowol als Protestanten, scheinen über meine Lage hier eine falsche Ansicht zu haben. Man sagt, daß ich nicht Angriff behauptet, sondern auch die wertvollsten Eigenschaften dokumentirt: Entschiedenheit, Initiative, festen Willen und einen praktischen Sinn; das Ministerium weiß, was es will, und verfolgt die Ausführung seiner Pläne mit besonderer Konsequenz und Geschicklichkeit. Die ungarischen Blätter „Reform" und „Naplo" nehmen mit größter Befriedigung Akt vom Siege der Verfassungspartei in Böhmen. „Naplo" schließt seinen Artikel über den Wahlsieg folgendermaßen: „Die deutsche Verfassungspartei kann ihre Macht nicht zweckmäßiger benützen, als indem sie die Verfassung verwirklicht; sie muß sich mit den Polen ansgleichen, den Reichsral von den Landtagen einan-cipiren, das Nationalitäten-Bündnis sprengen und der Kircheufrage die Spitze abbrechen. Dadurch kann sie vielleicht die Festung aushungern, in welche sich die erbitterten Ezechen vor dem deutschen Siege zurückziehen." In der desperaten Lage, in welcher, sich angesichts der Wahlen die ungarische Linke befindet, wird sic stark in Versuchung geführt, das ihr von den Nationalitäten angelragene Bündnis anzunehmen, um mit Hilfe derselben den ephemeren Sieg ihres staatsrechtlichen Programmes und den darauf folgenden Umsturz herbeizuführen. So weit bis jetzt die Nachrichten von den Beschlüssen der in Groß-Becskerek tagenden Serben-Eonserenz reichen, hat sich dieselbe für ein Programm entschieden, welches den Nalio-naliläten-Abgeordneten in allen staatsrechtlichen Fragen den Anschluß an die Linke oder au die Partei der Achtundvierziger empfiehlt, wenn diese in dem nächsten Reichstage auf den oppositionellen Bänken die erste Violine spielen sollten. Die Parlei, welche am rapidesten Ungarns gegenwärtige Staatsordnung stürzen kann, ist natürlich für die Nationalitäteu-Fraction der am meisten begehrenswerte Bundes-genosse. Ausland. Die Verträge vom 23. Nov. 1867, welche dkn Postverkehr zwischen dem nordd. Oesterreich-Ungarn, Bayer», Württemberg, BavLN und Luxemburg regelten, entsprechen den heutigen Verhältnissen nicht mehr. Es wird daher gegenwärtig cm Postvertrag zwischen dem deutschen Reiche und der österreichisch-ungarischen Monarchie verhandelt, welcher jene Verträge, mit Ausnahme des Verhältnisses zu Luxemburg, ersetzen wird. An den am 19. d. in Berlin eröffneten Konferenzen nehmen als Bevollmächtigte der österreichisch - ungarischen Monarchie Theil: der Ministerralh Pilhal, der Mini» sterialrath von Ary und der Sectionsrath Hein. Der deutsche Reichstag hatte am 22. d. die erste I e sui t e u s ch l a ch t zu verzeichne». Das katholische Ceiilrum nahm die Vorlage einer Denkwirklich ein Gefangener sei. Es ist wahr, cs sind keine Gendarmen da, um mich festzuhalten" (er machte hier eine entsprechende Bewegung), „aber ich bin doch genötigt, im Vatikan zn bleiben. Wie könnte ich in die Straßen Roms gehen, wo meine Augen allen Arten von Jmmoralität begegnen würden, wo alle die Taugenichtse, alle die Sansculotten von Italien — ach, und von der Welt — sich versammelt haben?" Dies schien Sc. Heiligkeit au den Skandal der Amerikaner z» erinnern, den ich bereits erwähnte, und fragte mich, ob ich davon gehört habe, nnd fetzte hinzu, cs zeige, was für eine Sorte vo" Menschen heutzutage nach Rom käme. „Was immer ihre Meinungen sein mögen," bemerkte er, „sind sie doch nicht berechtigt, ihre schlechten Sitte" zn mir zn bringen." Ich konnte natürlich nichts Moralität Roms diskntiren, noch ob es für ihn tätlich fei, öffentlich zu erscheinen — besonders da ^ die Ansichten der klerikalen Partei über diesen genstand kannte. Man glaubt, daß er vom 2)0 mit enormem Enthusiasnins begrüßt, aber cbc»I sicher von einzelnen insnltirt würde, uud cS dai zu Blutvergießen kommen könnte. (Schluß folgt.) schrift der Regierung über die Verwaltung in Elsaß- -Lothringen zum Anlasse, den Streit vom Zaune zu brechen. Die katholische Presse, klagten sic, würde unterdrückt, der Klerus verfolgt, die Schulen ver-Mi^e mau deu Schulbrüderu. Die diessälligen Ausführungen der Gebrüder Reichensperger uud des ^geordneten Windthorst (Meppen) erfuhren ihre Zurückweisung außer durch den Präsidenten des ^ichskanzleranites durch die Abgeordneten Dr. Bam- j ^ger, Gras Luxburg und Wiudthorsl (Berlin). > "Or. Bamberger erinnerte an die offenen Erklärun- ^ gen der Franzosen Keller uud Renan, nach denen !>'« Kation sich „um der Förderung der Revanche mllcn" den Ultramoutauen in die Arme werfe, was, se?° ^ deutsche Regierung ein dringender Anlaß scdnv?, m ^e ultramonkaneu Bestrebungen ein durbn - ^ haben. Derselbe Redner uud Graf ^ wie di^ P "us eigener Erfahrung mit, > Men ^"gierung nach größtem entgegenkom- ^ gen katholische Geistlichkeit nur gezwun- areis»,?" sei, eine größere Strenge platz- lassen. eine London erscheinende „Eastern-Budget", rei^i I Sprache erscheinende offiziöse öfter, dr^s' ^brrespoudenz, vernimiut, daß Graf Anlass Versailles die Mittheilung habe ergehen u>>en, Oesterreich-Ungarn werde in keinem stalle zu "'er Aeuderuug des mit Frankreich abgeschlossenen Handelsvertrages Znstiinmung geben. reickBeziehungen zwischeu Italien und Frank-sischen Entsendung eines frauzö- gebessedcn italienischen Hof erheblich hat ' Der französische Gesauste, Graf Fouruier, befrie^?^"^' Depesche nach Berfailles sich in Be'i>-i, "ber die gegenwärtig guten ge,v,->^!"^" Mischen Italien und Frankreich ans-deutiii,/,?den Abschluß eiueö italieuisch-2^'k für jetzt iu Abrede, meint Möglich wäre ^ doch re-chs ci„e„ ^ die Haltung Frank. nehmen sollte bedrohlichen Eharakter an- abik! den Ereignissen, die im Auslande sich sta »iinuit in diesem Augenblicke der Auf-bi "d der Car listen den ersten Rang ein. Mit ^chst sonderbaren Proklamation entfaltet der rukr«^ B^adrid nuu offen die Fahne des Auf-Hin « ^"rloö stellt sich als Streiter Gottes Eutholisl"^ leinen Anhang die „Borhut des großen je,," A?,' Heeres" und hofft auf einen „nur kur-^tirle,, 8'vlge dieser vom lö. d. vin;x„ . ^'vklamation haben sich in mehreren Pro-Prix.-^ Ordens, namentlich in Navarra, die von besehlj^^u anfgestachelteu uud auch vou ihnen ^>t, wie- ,! ""dbewohner erhoben. Ihr Feldgeschrei 'an aus Madrid telegraphirt: „Es lebe soll berUt^ ' den Liberalen!" Don Earlos ^'uder, »ach Spanien sein; sein Zu begebe,, j>> Alphons, der sich ebenfalls dahin ^rseiux von' war, wurde unterwegs in »Nd an ^ <>'> . französischen Behörden abgefaßt Präfekten ^ verreise gehindert, hierauf vo» dem "— "atry „ach der Schweiz abgefchobeu. Zur TmMjeschichlc. der Ker/'i?.-" ^ u Heiliger wird, das hat Psarrer des univeil der Residenzstadt ^EUsiedt '"ederösterreichischen OrteS Markgras- ^bschich^ ^chaflein in folgender wundervollen Ml,e. er von der Kanzel herab er- ^ hatte" ^ behanpiet der Herr Pfarrer chem dx °">mal ein Stück Papier gesunden, auf wel-^"gehöri.,.^ ^ geschrieben stand. Die ^ebe, ^ bei» Kinde dieses ^hr,e sj^ "">! ""b anfbewahren; das Kind aber "°"^'uck,e endlich deu englischen nnwide.»,kii^ ^ ^ Stunde an und js. ° ^ f ^ Sehusuchi. Pr.es,er z., werden hat n . l »r°s^r He.tiger geworden und das l""en. Segen der verschluckte engl.sche Gruß gethan — An der Eisenbahnstation zu T. erscheint ein Bauer mit einer Anzahl Schafe und junger Lämmer, durch deren Expedition er nicht nur ein kleines Pro-fitchen zu machen, sondern auch zur Deckung der Bedürfnisse der Landeshauptstadt nach feinen Kräften bei-zulragen wünscht. Nach Erfüllung der Aufgabs-Formalitäten will unser Bauer die Frachtgebühren bezahlen, findet aber — und in einem Tone, als hätte er das in voraus gewußt — die geforderte Summe zu hoch; der Bahnbeamte erläutert, daß soviel sür die Schafe und soviel für die Lämmer zu entrichten wäre. „Was, für die Lämmer? Kinder unter zwei Jahren sind ja frei?" Das schallende Gelächter, welches dieser Antwort folgte, läßt sich nicht beschreiben. — Der Pariser Korrespondent des „Fanfulla" hat die originelle Entdeckung gemacht, daß Thiers die Nationalversammlung in einer wichtigen Angelegenheit yinters Licht geführt hat. Daß Thiers ui Paris sprelsen, empfangen und Konzerte geben, aber in Versailles schlafen soll, sagt der Berichterstatter, ist nichts als eine offizielle Redewendung. Seine Familie fürchiete die Folge einer übermäßigen Anstrengung und verfiel auf eine List. Als der Empfang zu Ende war, zog Thiers sich einen Äugenblick zurück. Bald darauf Ichlüpst eiu kleiner, dicker Pseudo-Thiers im gewohnten großen Paletot aus dem Etystze heraus, setzt sich in den Wagen und fährt zum Bahnhofe, während der wirkliche Thiers in seinem Schlummer liegt, um am anderen Morgen „durch eine geheime Thür" neu gestärkt in Ber,allles wieder auszmaucheu. — Es ist in China bei den Gerichtsverhandlungen Sitte, daß der Angeklagte auf dem Bauche liege und, die Na>e andächtig gegen den Fußboden drückend, das Plaidoyer anhöre. Die chinesischen Richter plagen sich nicht mit feinen Untersuchungen ab, ob in einem gegebenen Falle Gefängnis oder Geldstrafe zu verhängen sei. Ist der Ängeklagte seines Vergehens schuldig erklärt, so ergreift der Vorsitzende unverzüglich einen vor ihm stehenden Becher voller Schicksalsstäbchen, wirft durch eine rasche Schwenkung eine gewisse Anzahl zu Boden, läßt sie zählen und dem Vernnheilien die enlsprechende Suiume von Hieben mit einem Bambusrohr verabreichen. Die Prügelstrafe ist in China nicht mil entehrenden Borsiellungen verbunden. Selbst höhere Beanne werden bei geringeren Verschuldungen nicht gleich vor einen Disziplinargerichlshof gestellt, dessen Ausspruch vielleicht ihre ganze künftige Carriere zu Grün e richten würde; der Departemeuischef läßt den straffälligen StaaiSdiener aus den Fußboden ausstrecken und seinen unteren Rücken iu ausreichender Weise mit Bambus bearbeilen. Da jede derartige Tracht Prügel die bei uuS landesübliche „Nase" vertritt, wird jedenfalls alljährlich eine Menge unnötiger Schreibereien erspart. Der Abgestrafte hat übrigens zum Schluß der Feierlichkeit für den richtigen Empsang der Prügel seinen Dank auSrusprechen. — Ein Mann kann jeyl mehr Baumwollengarn in einer gewissen Zeit verspinnen, als vierhundert im Jahre 1769 , wo Ärkwright das erst? Patent aus Baumwollenspinnerei nahm. Ein Mann fertigt jetzt mehr Mehl, als hunderlsünszig Mann vor hundert Jahren. Ein Frauenzimmer kann jetzt in einem Tage mehr Spitzen anserugen als hindert vor hundert Jahren. Um Zucker zu rasfiuiren, braucht man jetzt nur so viel Tage, a-s vor dreißig Jahren Monate. Früher brauchte man, um Quecksilber auf GlaS zu fixireu, fechS Monate, M nur vierzig Minuten. Die Maschine einer eisengepanzerien KllegSfrcgatte ersten Ranges leistet jetzt ebenso viel Kraft, als 42.000 Pferde. Mal- mW Provinzial-Angelegeicheiten. 2okal-Chronil. — (Generalversammlung der Laibacher freiwilligen Feuerwehr.) Wir werden ersuchi, nochmals miizntheilen, daß nächsten Sonntag vormittags 9 Uhr im städtischen Natsfale die Generalversammlung der Feuerwehr abgehalten wird. In derselben kommt außer den sonstigen geschäftlichen Gegenständen der Amrag des Ausschusses auf eine durchgreifende Abänderung der Statuten und der Dienst- ordnung zur Verhandlung, und ist endlich die Neuwahl des Ausschusses für die Dauer von zwei Jahren vorzunehmen. Die Mitglieder, deren vollständiges erscheinen wol mit Sicherheit zu erwarten steht, kommen zu dieser Versammlung in Dienstkappe und Bluse. — (Unglücksfall.) Der ehemalige Briefträger Tomaschitz, der sich als Zetteliräger und Theaterdiener verwenden ließ, ist gestern beim wasser-schöpfen hinter dem Theatergebäude ankgerutfcht, in die Laibach gefallen und ertrunken; er konnte ungeachtet der herbeigeeilten Hilfe nicht gerettet werden. — (Unterrichts wesen.) Da nach Z 53 der politischen Schulverfaffuug nur an Hanptschnlen Direktoren aus dem Lehrstande bestellt waren, so kann nach einem Erlaß Sr. Exz. des Herrn Ministers für Kultus und Unterricht auch nur jenen Lehrern ein gesetzlicher Anspruch auf die Leitung einer mehrklaffigen Volksschul», beziehungsweise auf die Oberlehrerstelle an derselben, im Sinne des § 12 des Reichsvolksschul« gesetzes zuerkannt werden, die für dieselbe ehemals den Charakter einer Hanplschule tragende Volksschule bereits vo"schriftsmäßig zu Direktoren ernannt waren. Für alle übrigen mehrklaffigen allgemeinen Volksschulen, die keinen durch die erwähnte Anstellungsart berufenen Leiter bereits besitzen und für welche noch kein Oberlehrer im Sinne der neuen Schulgesetze bestimmt wurde, hat durch die Bezirksschulbehörde zeitweilig eine provisorische und durch deu k. k. Landesschulrat die definitive Bestellung von Oberlehrern mittelst besonderer Dekrete zu erfolgen. — Der Umstand, daß ein Lehrer blos thatfächlich mit der Leitung einer mehr-klafsigen Volksschule schon betraut war, begründet für denselben keinen gesetzlichen Anspruch auf die Bestellung zum Oberlehrer und Leiter der Schule. — Eben so wenig kann dagegen ein durch Dekret des k. k. Landesschulrates bereits definitiv bestellter Oberlehrer einer mehrklaffigen Volksschule dieser Stellung und der damit verbundenen Genüsse dadurch, daß eine solche Schule nachträglich noch durch eine oder mehrere Klaffen erweitert wird, verlustig werden, da die Entziehung der Function eines Direktors oder Oberlehrers nur als Disziplinarstrafe nach dem Gesetze zulässig ist. Was die Lehrer einklassiger Volksschulen anbelangt, so liegt diesen die verantwortliche Schulleitung nach dem Gesetze und nicht kraft besonderen schulbehördlicheu Auftrages ob, weshalb bei Erweiterungen solcher Schulen allemal die Notwendigkeit der schulbehördlichen Bestellung eines Oberlehrers eintritt. Bei der definitiven Bestimmung der Oberlehrer für mehrklaffige Volksschulen ist nach den für die Besetzung der Lehrerstellen gellenden Vorschriften, sonach mil Beachtung der bestehenden Vorschlags- und Präsentationsrechte vorzugehen; da jedoch der Oberlehrer aus den für die Schule gesetzlich bestellten Lehrern zu bestimmen ist, erscheint eine besondere Konknrsansschreibuug für eine Oberlehrerstelle nur in Fällen zulässig, wo dieses Amt zugleich mit einer notwendigen Lehrerstelle erledigt ist. — (Rudolfsbahn.) Dem Ausweise über die Betriebseinahmen der Kronprinz Rudolfsbahn im Monate März 1872 entnehmen wir folgendes: Auf der 60 5 Meilen langen Strecke wurden in dem genannten Monate beordert 84.847 Personen (19.151 Personen mehr als im März deS Vorjahres), 959.338 Centuer Frachten (64,507 Centner mehr als im März des Vorjahres), die Einnahmen beliefen sich auf -161.851 fl. (um 26.308 fl. hoher als im März 1871). — (LandeS-Pferdezucht.) Bei der gestrigen Sitzung der Landes Kommission sür Pferdezucht in Krain wurde die endgillige Fassung des Kontraktes sür Uebernahme der ärarischen Hengste Pinzgauer Raße durchberaten und zum Ankäufe folcher Hengste beim Grazer Pserdemarkte am 4. Mai das Kommissions-Mitglied Joses Friedrich Sennig delegirt. Bei der am 29. April in Wien zusammentretenden Pferdezucht« Enqnsie ist der Präsident dieser Landes-Kommission, Baron Michael Angelo Zois, Vertreter. — (Nachtschnellzug.) Aus Wien wird der „Tr Ztg." vom 24. d. telegraphirt: Der Han« i delsmünster hat heute eine eindringliche Zuschrift an die Südbahn wegen des Nachifchnellzuges erlassen. — (DieLinie St. Peter-Fiume.) Hierüber schreibt die „Tr. Ztg.": Wenn auch offiziel be. kanntgegeben wird, daß die Bau»Arbeiten auf der Fiumaner Strecke trotz der ungünstigen Witterungs« Verhältnisse mit großem Erfolge vorwärtsschreiten, kann man dennoch die Wahrnehmung machen, daß die Arbeiten mit einer auffallenden Langsamkeit von statten gehen. Die Linie St. Peter-Fiume weist vom Ende des vorigen Jahres bis März d. I. an Unterbau-Arbeiten ein Plus von 15 Perz., der Hochbau nur 3 Perz. auf. Vom Oberbau ist anfangs Marz noch gar nichts in Angriff genommen gewesen. Zu bemerken ist, daß an der Verschleppung des Bahnbaues hauptsächlich die ungarische Regierung und nicht die SUdbahn schuld trägt, indem erstere es verabsäumt hat, die Dämme rechtzeitig herzustellen. Schon seit Monaten harren die Unternehmer, unter welchen sich auch das Consortium Pongrac, befindet, der Entscheidung dieser Frage, welche allein den Bahnhofbau bedingt. Von der In angriffnahme dieses Baues kann derzeit keine Rede sein, weil der betreffende Platz noch unter Wasser steht. — Demnächst wird man für die in den Hafen mündende Linie, nachdem sie endlich mit vielen technischen Schwierigkeiten den Hafen erreicht haben wird, außer einem stark in Anspruch genommenen Fahrwege kaum einen Raum zur Legung der Schienen finden. Die Südbahn hat wol für den Bau der Linie gehörig Sorge getragen, sie ist auch bereit, den provisorischen Bahnhof sobald als möglich herzustellen, allein die ungarische Regierung hat, wie bereits erwähnt, bezüglich der Ausfüllung der Küstentiefen noch nichts gethan, obleich der niedere Wasserstand die Arbeit sehr begünstigt hätte. Es kann somit von der Eröffnung dieser Bahn am 2. Juli d. I., wie die Konzessions-Urkunde feststellt, keine Rede sein und dürfte auch geraume Zeit vergehen, bis der fiumaner Hafen mit dem österrei-chisch-ungarifchen Bahnnetze verbunden wird. — (Zur Gesundheitspflege der Arbeiter.) Die wiener Weltausstellung wird auch eine befonderre Abtheilung enthalten, welche die Gesundheitspflege der Arbeiter betrifft. Zu dieser Abiheilung gehören: Vorrichtungen, Werkzeuge und Versahrungs' weisen, welche eine Aenderung der Körperstellung bei jenen Arbeiten gestatten, die bisher ausschließlich in stehender, gebeugter, sitzender oder knieender Stellung ausgesührt werden mußten. So z. B. Stühle für Setzer und andere stehend beschäftigte; Vorrichtungen zum festhalten der Arbeit bei den Schustern, zum leichteren Betriebe der Nähmaschinen, Schutzpolster für die Ellbogen, für die Brust; Schutzmittel der Augen vor grellem Lichte und mechanischen Verletzungen, wie sie besonders häufig beim füllen der Sodawasser-Flaschen, bei Arbeiten in Maschinenfabriken, Steinklopsern Vorkommen, z. B. Glimmer-Brillen, Sieb-Brillen; Vor-kehruugeu zum Schutze gegen die zu manchen Fabri-kationS-Methoden erforderlichen hohen Temperaturen; Vorkehrungen zum Schutze des Arbeiters gegen den Staub in Baumwoll- und Flachsspinnereien, Papierfabriken, bei Steinbrechern und Schleifern; Schutz gegen chronische Vergiftungen in Folge des GewerbS-betriebes; Fabrikationsmethoden, Werkzeuge und Vorrichtungen, um ein bisher für die Gesundheit bedenkliches Produkt durch ein für die Industrie gleichwertiges, jedoch in gesundheitlicher Beziehung entsprechenderes zu ersetzen, wie z. B. Surrogate für Blei-und Arsenfarben, für die Hutmachcrbeize mit Quecksilber, die Bleiglasur der Töpfer, die Phosphor-Zündhölzchen; allgemeine Vorkehrungen für die Gesundheit des Ar-Keilers, Modelle und Pläne von Arbeiterhäusern, Kü-chen, Bäder», Arbeiterkleiduug u. s. w. — (Adresse an die S t a d t g e m eiude Pas sau.) Eine große Anzahl unlersteirischer Liberalen, sowol deutsche» als slovenischen Stammes, hat an die Stadlvertretung von Passau eine Adresse gerichtet, in welcher derselben der Dank für die Verleihung des Bürgerrechtes an Ludwig Richard Zim-mermann, des auf Grund einer Kempen'schen Polizei-Verordnung aus dem Jahre 1853 ausgewiesenen- Redakteur der „Freiheit," ausgesprochen wird. Der Wortlaut dieser Adresse, zu welcher ein ebenso wackerer als intelligenter Mann, Herr Johann Relschnik in Schleinitz, Obmann-Stellvertreter des dortigen Orts-Schnl-rales, die Anregung gegeben, und welche von sehr vielen Gesinnungsgenosse» in Schleinitz, Nußdorf, Skoggon, Kranichsfeld, PulSgau, Frauheini, Kötsch und Roßwein gezeichnet wurde, ist interessant genug, um hier einen Platz zu finden. Die Adresse lautet: „Geehrte Stadtvertrelung! Lauten Jubel hat auch im Süden der Steiermark die Kunde hervorgerufen, daß die geehrte Vertretung der Stadt Passau L. R. Zimmermann das Bürgerrecht verliehen. Herr Zimmermann hat in unserem Lande der Dunkelmännerschaft den Fehdehandschuh hingeworfen, hat unerschrocken und in volkstümlichster Sprache für die Befreiung des Geistes aus allen Fesseln gestritten — mit welchem Erfolge, beweist am überzeugendsten das zetern und wettern der Geschlagenen. Sie, verehrte Herren, waren so großherzig, dem verfolgten Manne eine Heimstätte zu verschaffen, dem Schriftstellereinen liebgewordenen Wirkungskreis zu sichern, und haben dadurch diegesannnte Freiheitspartei in Oesterreich und namentlich in der Steiermark zum ewigem Danke verpflichtet. Wir, schlichte Männer vom Lande, Genoffen deutschen und slovenischen Stammes, aber einig im Kampfe für Volksfreiheit und Menschenwürde, können diesem Danke nur schwachen Ausdruck verleihen; wir geloben jedoch, denselben zu be-thätigen durch treues und beharrliches wirken im Sinne Ihres neues Mitbürgers, unbeirrt von nationalen Streitigkeiten, unbeirrt vom Getfer ultramontaner Hetzer und Schürer, StaatSfeinde, Gesetzverächter und Volksverderber. Die Verleihung des Bürgerrechtes an Herrn Zimmermaun ist ein Band mehr, welches uns mit Deutschland geistig verbindet — der Inn, welcher niemals die freien Männer diesseits und jenseits getrennt, hat jetzt nur noch eine Brücke mehr sür den Verkehr derselben. Darum noch einmal unseren wärmsten Dank und die Versicherung unserer vollkommensten Hochachtung. Schleinitz bei Marburg in Steiermark, April 1872." (Folgen die Unterschriften.) — (Ist die Dummheit heilbar?) Der „Pädagogische Hausfreund" bringt eine sehr anziehende Abhandlung über diese Frage, worin dieselbe bejaht wird. Soweit die Naturanlagen nicht entgegenstehen, sei allerdings durch zweckmäßige Behandlung und entsprechenden Unterricht auch aus dem Dummen etwas zu machen, wie die« an einem Beispiele aus dem Leben näher entwickelt wird. Ganz besonders gilt dies von angebornen Talenten. Mancher hat Anlage zur Musik, zu künstlerischer Fertigkeit, während ihm sonst alles technische Geschick und geschäftlicher Sinn abgeht. Andere wieder sind bei sonst beschränktem Geiste gewandt in der Lösung mathematischer und technischer Aufgaben. Diese Eigenschaften zu erkennen und auszubilden, ist Sache einer richtigen Erziehung. Es ist bekannt, daß gerade bei ungewöhnlichen Menschen die Fähigkeiten ost lange unentwickelt oder verborgen bleiben und sich einseitig nach einer Richtung hin äußern. Walter Scott z. B. wurde von seinem Lehrer (einem in unserer Literatur nicht unvortheilhaft bekannten deutschen Dichter) sür einen Dnnimkopf erklärt, weil er lieber in der freien Natur umherlief, als in die Schule. Von dem richtigen erkennen der Fähigkeiten häugt also viel ab, und hierauf aufmerksam zu machen, hat sich der „Pädagogische Hausfreund" zur besonderen Aufgabe gestellt. Witterung. Laibach, 26. April. Vormittags meist bewölkt. Gegen Mittag Gewitterwolken in Nord, um 1'. Uhr fernes Gewitter in Nord voriiberziehend, Regen, später Sonnenschein. Wärme: Morgens 6 Uhr-l- I l.O", Nachmittags 2 Ubr-j- 10.^>' 0. (1^71 -t- 16.6°; 1870 -s-21.3".) Barometer im flei-qen 737.26 Millimeter. Das gestrige Tagesmittel der Wärme ^ 12.3", um 2.0" über dem Normale.. Der gestrige Nie-verschlag 2.90 Millimeter, _____________________ Gonobitz. — Ritter v. Schwarzenseld, Kanischa. — Ritter v. Fichtenau, Triest. — Kosmac, Pfarrer. Smetana, Wirtschaftsrat, Haasberg. — Platzer und Muza, Graz. — Boudracio, Billacb, — Bau-niann, Kanfm., Stuttgart. — Schubert, Kaufm., Dresden. - Miesto, Kanfm., und Hoffmann, k. k. Rittmeister, Wien. — Braune, Gottschee. — Prinz Georg v. Schönburg, Sckneeberg. Peschel, Burger, Lutteuberg. — Kahl, Ingenieur, und John, Geschäftsmann, Wien. — Adamo, k. k. Oberlandesgerichtsrath. Verstorbene. Den 25. April. Johann Ertac, Schuster, alt 28 Jahre, in der Polaiiauorsiadt Nr. I an der Liingenstlcht' — Johann Tomazic, Pens. k. k. Briefträger, att 63 Jahre, ist hinter dem Mall,'sch>'n Hanse Nr. 24 an der Steruallee ertrunken gesunden und von da nach St. Christof übertrage» worden. Gedenktafel über die am 29. April >872 stattfindenden Lizitationen. 1. Feilb., Gacnik'sche Real., Laibach, LG. Laibach. — 1. Feilb., Peterlin'sche Real., Soderschitz, BG. Reisniz. — 2. Feilb., Perteku'sche Real., Laibach, LG. Laibach. -------!.>.».... > ->»>> —«« Mühle zu verpachten. Unweit von Triest ist eine im gnten Bauznstande befindliche Bliilil« mit 5 Steinen, sammt Wohnung, sogleilt zu verpachten. Das nähere schriftlich oder mündlich bei in Triest. (208—14) Die von vielen Aerzten empfohlene und mit glänzenden Erfolgen iu Anwendung gebrachte Bruchsalbc gege" Unterleibs-Wrüche von Göttlich Lturzenegnor in Herisau, Schweiz, ist sowohl durch denselben selbst ,u beziebeu als durch nachfolgende Depots. Dieselbe enthält durchaus keine schädliche» Stoffe und heilt selbst ganz alte Brüche in den meiste» Fällen vollständig. Preis per Topf 3 st. 20 kr. ö. W. r in A g r a m : 8igm. IMtelbaon, Apotheker; iuWieu: los. >Vei88, Mohreu-Äpothekc. (122-4) Wiener Böcfe vom SS. 4lpril. Angekommene Fremde. Am 25. April. KI« ll»»t Singer, Ott und Schweiger. Kanslente, Erras mit Familie, Möller, Wellisch und Krauß, Wien. — Gerbie, Opernsänger, und Krvarii, Agram. — Ditrich und Paliasanti. Graz. — R,,ppe, Gottschee. — Mischag, ,'-erc.rttente, öst.Pap. -co. dto. öft.inSilo. oje von 1854 . . . ^je von 1860, .-jarire Zose von 1860, 8räuliensch. v. 1^64 H'.eiermark zu 5 pH t. räraten, Kraur a. Küstenland 5 „ Ungarn. . zu 5 „ ^rsat. u. Slav. 5 „ ^iadenbürg. ,5.1 Portos. LScvmpt.-B?. franko - Anslria . . Hais. Ferd.-Nordd. . Süddahn-Srsellsch. . ?ais. Elisabeth. B^Yu. ikarl-Ludwig-Bayn Siebend. Eisenbahn . ötaatsbahn. . . . Lais. Franz Iosef<>b.. Mnsk.-Barcser L.-B. Mld.Fium. Bahn . Nation. ö.A). verlo-b. äug. Bod.>Lredilanst. Ällg.öst.Bod.-lLredit. »t». ru »S 2. rttckz. . Geld ! Ware! 64.5<^ 64.60 70.50! 76.60 i3.75 94.-102.75 103.25 123.-§ 124.— 146.25 146.75 90.— 91.— 85.75 86.— 82.25 82.75 84.— 78.- 85.— 78.75 842.- 306.— 332.30 1000 313.75 276.— 98.- 262. 138.- 2340 200.- 247.50 252.51, 185.25 372 — 20i,.2°. 187.50 181.— 844.— 306.50 332.50 1004 314.— 278.— 102.-263. -138.25 2350 200.20 248.— 253 185.75 373.— 209.50 188.- 181.50 91.60 91.80 90.75 91.— 105.75! 106. -88.25 88.75 2üdb.-Ges. ,u500Fr. dto. BonS6pCt. (loo fl. CM.) Sied..B.kL0Ofl.ö.W.) Ltaalöbahn Pr. Stück StaatSb. pr. St. 1867 <-iudolsSb.(300st.ö.W.) Franz-Jos. (300 fl.S.) äcedit 100 sl. ö. W. . Doll.-Dampfsch.-GLs. M 100 fl. CM. . Triefter 100 fl. CM. . dto. 60 fl. ö.W. Ofener . 40 fl. ö.W. Salm . „ 40 „ Palsfy . „ 40 „ Elary . „ 40 „ St. okr,o1(3 Mon.) -lugSb. lOO fl.sükd.W. Franks. 100 st. „ „ London 10 Pf. Sterl. Paris 100 Franc» ttais. MüuH'Ducatcv 80-FrancS^üS. . . Bern aschals-r . . . Gilder. Geld 95.50 Ware 96.- 112.50 232.-7 103.25 112.— I 230.-102.75 1 93.- 94.--131.- i»i S0 1L8-- iüS ^ Ag.LS 18150 ISS.50 SS.iO IS1.S« SS-- iso'üo 40 ! 4i" LS.50 '-V ^ 30 —> ü».-! " 24..-! S5.^ LS so rs^ 14H »».so >,4 5.3! 8.^! 1.6 109. .90! 5.5^ s.s^ jii»^» Telegrafischer Kursbericht Filiale der Steiermark. Eskomptelranlr ia Laibach« von der k. k. öffentlichen Börse in Wien am 26. Apr' Schlüsse der Mittagsbörse. 5perz. Metalliqnes mit Mai- nnd November^Zl' ^ 64 50 — Sperz. National Anlehen 70.60. — 1860er o Anlehen 102.90. — Bankaktien «40. - Kredit London 112.30. — Silber 110.25. — K. k. Münz-D 5.3V. — 20-Frank-Stllcke 8.95. «ruck von Jg». v. «leio«ahr t ged. Bsmbrrg in^Laidach. Verleger und für die Redaktion verantwortlich: Ottomar vamberg