Dienstag den 20. April. 179^. ^^ Inländische Nachrichte«. v)icn, den 7. April. Die Huldigung des Erchmo^nms Oesterreich unter der Enns, ist b,icr gestern den 5. d. M. mlt allen dabey von jeher gewöhnlichen Feyemchkel-ten voll^oaen worden. Nachdem Sk. Königl. aposi. Majestät den Tag dieser feierlichen.Handlung festgesetzt , und dem Landmarschalle Gr. V. Pergen bekannt gemacht hatten, wurden dnrcy diesen die sämmtlichen Prälaten, die Mitglieder des Herrenstandes, der Nmerstand, und der Vürgerstand der Stadt Wien, und der wdesfllrstlichcn Städte und Markte eingeladen, sich den 5. April in dem Land-Hause empfinden. Zugleich erlleß der Landmarschall ein Patent, wodurch die Unterthanen des Erzherzogtums zur schuldigen Pflicht qegcn den Landcsfnrsten angewlt-sen wcrdcn, und von den Bürgern der Stadt Wien wurde den z.d. M. Vor-^ mittags auf dem Rathhause der Eid der Treue vorläufig abgenommen. Am 6. früh um 3 Uhr versammelten sich die Korps der bürgl. Scharfschützen Artillerie, und 1500 andere Bürger in größter Ordnung am Hof bey dem bür» gerlichtn Zeughause, und besetzten nachher die Plätze"von der Burg bis zur St. St?-phanslirche. Um 9 Uhr bcgann der feyer-liche Zug in tiefer Trauer. 1) Die Land-schastsportiere. 2) Livreedienerschaft der Stände. 3) Hausoffiziere. 4) Landschafts-bothen, und Schardimer der Stadt Wien. 3) Königl. Hoflivree. 6) Landschaftliche Trompeter und Pauker. 7) Ständische und Städtische Beamte. 8) Die Abgeordneten der landesfürstlichenStädte, und Märkte. 9) Die Abgeordneten von Wien. ic>) Zwey Ständische Sekretaire. 1 l) Königl. Räthe, und Staatsbeamte. 12) Der oberste Erb« Landes - Panier, mit bedecktem Haupte, und wehender Landesfahne. 13) Dic Landmitglieder'mit entblößtem Haupte. Unter diesen waren auch diejenigen obersten Erb-lolldesbcamten,- wilHe bey dem Zuge keine Verrichtungen haben ohne Rangordnung'' eingetheilt, nämlich: Der oberste Erb -Land- ^ Silberkämmerer, der o. E. L. Ku-^ chelmeister, der o. E. L. Kaplan, der o.! E. L. Thürhütter, der o. E. L. Manzmei« sier, und der o. E. L. Postmeister. 14) Der LWdmarschall allein, is) Die Königl. Edelknaben. 16) Die Königl. Truchsesse, Käm« merer, geheimen Räthe und Minister. 17) Der 0. E. L. Stäbelmeister mit einem schwarzen mit Silber beschlagenen Stäbe. i8) Der 0. E. L. Falkenmeister, mit einem Hirschenfanger, und einer Iägertasche an der Seite, einer Falkenkappe auf dem Huth, eineim Falken auf der Hand, und der königl. Falknerey im Gefolge. 19) Der 0. E. L. Jägermeister im Iagdkleide und mit dem Iagdhorne behängen, führte mit einem königl. Forstmeister an der linken Seite an einer seidenen Schnur ein grossen Leithund, und hinter ihm folgte! das königl. Iagdpersonale. 20) Der 0.^ E. L. Hofmeister mit dem mit Silber be-! schlagsnen Qberhofmeisker Stäbe. 21) Der^ Qesi. Herold in Heroldskleidung. 22) Der 0. E. L. Kammerer, derselbe trug auf! einen mit Goldstoff überzogenen, und nm! einem goldenen Bande übec Achsel festgemachten Küssen den Zepter. 2^) Der 0.! E. L. Truchses mit dem auf einem Küssen < von Goldstoff liegenden Reichsapfel. 24) ° Der 0. E. L. Mundschenk, welcher auf: gleiche Art den Er.her oghut trug. 25) Der 0. E. L. Marschall zu Pferde mit, entblößtem Haupte, und dem Schwerdte! in der Hand. Hierauf folgten 26) Se. i Maj. der König, in einem mit 6 Pfer-1 den bespannten Tranerwagcn. An der Seite! des Wagens giengen neben dem Schlage 2 Leiblakeyen, etwas rückwärts auf einer' Seite der 0. E. L. Schildträger, Kampf', richter, und Vorschneider nnt dem Oest.^ Wappenschilde am Arme, auf der ändernd Seite bee 0. E. L. Gtassn-isier mit einem Stocke in der Hand, auswärts adeliche deutsche, und Arcieren Leivga^en, und unmittelbar hinter den Wagen diesn bey» den Leibgarden Kapitaine, Fürst Joseph von Lobkowitz, und ^raf v. Nostitz. Den Beschlus machte Militairwache von der hiesigen Garnison , zu Fuß und zu Pferde. In der Metropolitankirche, welche zur Feyer dieses Tages schon vorher eingerichtet, mit kostbaren Tapeten behängen, und durch eine grosse Menge von Hangeleuch-tern beleuchtet war, hatten sich seit 8 Uhr Morgens die Ritter vom goldenem Vltesse, des Theresien, und St. Stcphansordens Großkreuze, Kommandeurs- und Ritter, mit dem Orbenszeichen behängen, und der Kardinal Erzbischof von Wien, sammt den Prälaten, und dem Domkapitel versammelt. Diese empfingen Se. Majestät an der Kirchthüre, und begleiteten Höchst-dieselben durch die zu beyden Seiten sie« henden Reihen der Pfarrgeistlichen, Kle-nseym, und der bürgerl. Unteroffiziere, bis ;um Hochaltar, an dessen lincker Seite für Se. Maj. ein Thron errichtet war. Rings um denselben stellten sich an die angewiesenen Platze die 0. E. L. Aemeer; an die beyden andern Seiten die Ordensritter, die Königl. geheimen Rathe, und Minister, und die Stände. In di?ser Ordnung wohnten sie dem Hochamte bey,< welches der Kardinal Erzblschof hielt, und d«e kö? nigl. Hossapelle mit Musick begleitete. Nach geendetem Hochamte begab sich der Zug ^in voriger Oronung nach der königl. Burg, >wo die feierliche Huldigung nach den vorgeschriebenen hergebrachten Zeremonien vollzogen wurde. Se. Maj hielten an die Versammlung eine Rede voll zärtlichster Vattrsliebe: "Ich überreiche Ihnen d»e Neftättiglmg Ihrer Recht« und Frei, heiten , welche zum allgemeinen Besten ab. zwecken. Sind diese gekrängt, so über» reichen sie mir ihre Beschwerden; nur gönnen sie mir die Zeit, um ihnen be, weisen zu können daß Ich mehr als va< tcr , als Rönig handeln werde." Bey die-ser Rede herrschte eine allgemeine Stille. Sie wirckte auf die Gemüther der Anwesenden gleich stark, und jedes Aug war mit Thränen erfüllt. Alle wie unwillkü» lich brachen in den lantcn Zuruf aus, Es lebe unser Rönig Leopold der II. und Sr. Maj. selbst rollten Frcudcnzahren über! die Wangen. Währendlr Huldigung wlll-> den alle Thurmglocken in und vor der Stadt gelautet, die auf der Vastey aufgeführten' Kanonen gelößt, und das auf dem Para-deplaz aufgezogene Militair gab die erste Salve. Nach Ablegung des Eides begaben sich Se Maj. ganz in der Ordnung , wie Sie nach St. Stephan gegangen waren , in die Hofpfarrkirche, wo von dem Bischof von St. Polten das, Hrrr Gott dich loden wir, angestimmet wurde. Wahrend desselben wurden wieder alle Glocken gelautet, und aus den Kanonen auf den Vasteyen,^ so wie aus dem kleinen Gewehre des ciuf dem Burgplaz stehenden Milita'lr ward M zweyte Salve Weben. Der König iveiste darauf unter dem öffentlichen Zeremoniel mit dem Ercherzog Franz. Nachbem begaben sich die Hrn. Stände und Erba'mter sammt dein Magistrate in den ihnen angewiesenen Zimmern zu Tische. Bcy den 14 Tafeln herrschte Freude, Pracht, und Ueberfluß. Die bürgerl. Offiziere wurden auf Kosten des Magistrats bey dem Traiteur Iahn bewirthet. Als Se. Maj. den ersten Trunck thaten , ward zum drittenmal Salve geschossen. Hiexauf überreizte der 0. E. L. Münz» Meister Gr. Maj. wie auch bem Erzherzog Franz auf einer goldenen Tasse die goldenen , und silbernen Schaumünzen. Wahrend der Tafel gieng der 0. E. L. Mlln;melster herum, und theilte an jeden der Gaste goldene und silberne auf dies« Feyerlichkeit geprägte Denkmünzen aus. Ein lgleiches that der königl. Münzmeister Hr. !v. Kronberg, an der Tafel des vierten Stan> des. Die auf diese Gelegenheit geprägten Schaumünzen von Gold , und Silber, und !von verschiedener Grösse, stellten auf einer Seite den Böhmischen Löwen vor, der iif , einer Pfote das ungarische Kreuz, in der »andern das öestcrrelchi.'che Wappen halt. Die Umschrift lautet: Ox« reznm cor-ck< 8udäiwrum. Auf heo, 1poI6 II. IIuiißariN, Loliemi« , OalliciL, K iil^ociomeriN Hc. Ivczi, ^.rckiäuci ^.uliri» 8roniazium xrielknlm Vie»nV. 6. ^Fril l Unter der Tafel ließ man von dem ^ Freudtngerüste am Graben unter Trompe. ijten und Paukenschall Wein rinnen. Et ^wurden Bratten, Schincken , und Brod un-^ tcr das Volk ausgeworfen. Bey dieser ! Feyerlichkeit betrug sich der Pöbel so , wie yller Orten bey öffentlichen Fesiins. . Sehe j viele vom Adel warfen Orangen, Aepfel, ^Semmeln, und Geld von den Fenstern, und vergHsserten dadurch die Zügellosig-! keit des freudetrunkenen Volkes. Ueberhaupt ist dies? Freude, die man dem Pöbel macht,. nicht mehr dem Geiste unsers Jahrhunderts, angemessen. Der König verbath sich die Beleuchtung der Stadt wegen der Trauer bis zur Ankunft seiner Gemahlin. Heute früh um lo. Uhr wurde der Erzherzoghut mit grossem Gepränge in das Stift Klosterneuburg über'oracht. Er wurde in einer Sanfte, die mit rothen Sammet b> ldeckt war, unter Begleitung sechsspännig Wageu getrageu , «eben der Ganfte ritten sechs voll der adelichen deutschen Garde, wobey die Infanterie, und Kavallerie paradierte. Briefe von 14. d. geben die frohe Nachricht , das Stellergebaude, an dem Kaschnitz , und Holzmeister mit gar Vieler Anstrengung arbeiteten , ist niederge-trümmert, und die Qesterreicher sehen die Trümmer frohsokend, fast wie die Franzosen die Trümmer ihrer Basiille. Zer weise großherzige Leopold, will allen Beschwerden abhelfen, so weit es Mensch?« Vermögen. Auch se'N politisches Snstem tritt immer mehr ins Licht. Er hält fest an Rußland; kennt die reichen Hilfsquellen , die er aus Italien, und Spanien zu erwarten hat, und sezt sich den Anniaffun-qen der Preussen, und ihrer Helfer standhaft entgegen. Seine Heere fahren wie Flammen Gottes rechts und links aus; man glaubt, in Gallizien werde der erstc Mordschlag aufdonnern. Loudon, Hohen-lohe, und Wurmser, der seines Armes gangen, das sich mit Preussen messen soll. So hatte also Leopold in dcr Schwere 177I. so nachdrücklich den Preussen zeigte, sind schon zum Heere abge-der schwersten, und kritischesten Weltlage, dm Oesterreichischen Thron bestiegen; allein er mag sich mir dein Gedanken star? cken, daß Gott nur grossen Wd staken Seelm schwere Arbeiten aufzulegen vftegt. — Loudon ist nun erster und ein;izer Kriegsminister, so wie er unumschrankttr, und oberster Feldherr ist. Eine Ehre, die noch keinem Qestreichischen Feldherrn, auch in den bedrangtesten Lagen dieses grossen Hauses , wiederfuhr. — Ich weis wirk-lich keinen glücklichern Menschen in der Welt, als Loudon; er genießt auf be? Spitze des menschlichen Alters der festesten Gesundheit; Fortuna, die nach Weiberart, gern junge Günstlinge wählt, liebkostden greisen Helden, wie ihren Bräutigam; sei-ine Donner und Hieb" krachen, hauen, treffen; er wird vom Heere und der Na-;wn angebetet/ von den Feinden wie ein Kriegsgott gefürchtet, von Europa bewundert, und drei grosse Qestcrreichische Herrscherseelen / Theresie, Joseph, Leopold, Ibildeten seines Hauptes so weitstrahlends Ehrenkrone. Auslandische Nachrichten. Rußland. Petersburg/ den 19. März. Unsere grosse Katharina wurde über die Nachricht vom Tode ihres grossen Vundsgenossen, und der so früh verblichenen Elisabeth so gerührt, daß sie sich drey Tage in ihre Zimmer verschloß. Der letzte Brief Josephs !des Unternehmenden, kam etwa zwey Ta-> ge vor der Todespost an. Sein rührender Innhalt vermehrte die Traurigkeit der Kaiserinn. — Das größte Neu?, was man hier erzahlt, ist, daß gegen uns und Oest- ^ reich der Sechsbund zwischen Preussen, Tüu-ken, Britten, Schweden, Pohlen, Hollandern geschlungen ist. AM' auch ihm steht ein Sechsbund entgegen, Msterreich , Rußland , Dänemark, Spanien , Portugal!, Neapel — Sachsen erklärt sich für Niemand. Die Arme einer Welt sind gehoben ; werden sie fallen, und zermalmen? Oder wird man einander drohend ins Angebt^ ckcn, und — auseinander gehen? ? Wnd alle Dienstage nachmittag um 2. Uhr auf dem Platze Nro. 135.M der von Kleilunayerschm Buchhandlung ausgegeben.