?o8tnins plsLsns v gotovini. Kinzekue Kummer 2 50 Din Nr. 24. Lrlcheint jeden 1., 10. und 20. 12. (27.) Jahrgang. Organ der Gottscheer Deutschen. Bezugspreise: Jugoslawien: ganzjährig 30 Din, halbjährig IS'—Din. D -Oefterreick: ganzjährig 6 Schill., halbjährig 3 Schill. Amerika: 2 Dollar. — Deutsches Reich 4 Mark. KoLevje, Mittwoch, den 20. August 1930. Briefe ohne Unterschrift werden nicht berücksichtigt. — Zuschriften werden nicht zurückgestellt. — Bericht- sind an die Schriftlertung zu senden. — Anzeigsn-Aufnahme und -Berechnung bei Herrn Carl Erker in Kočevje ver siaiiMttag tke Oomcdeer " öoo-Mrkeier. -- Goldiger Frühsonnenschein lächelte über das Gottscheer Ländchen zu seinem Geburtstage, ein- geleitet durch den Weckruf der Musikkapelle der Draudivifion. Die Scharen der Landbevölkerung sah man von allen Seiten der Stadt zuströmen. Um 9 Uhr vormittags wurde in der Stadipfarr- kirche die Festmesse von Hw. Ehrendomherrn und Dechanten Ferdinand Erker unter Beistand der gesamten Gottscheer Geistlichkeit zelebriert. Die geräumige Kirche war gedrängt voll, auf dem Platze vor ihr und weit den Hauptplatz hinunter standen aber noch über 2000 Kirchengäste. Ein Lautsprecher übermittelte den Draußenstehenden den Gesang — gesungen wurde vom Gottscheer deutschen Kirchenchor unter Leitung der Frau Maria Röthel die „Deutsche Messe" von Schu- bert, die Orgel spielte meisterhaft Prof. Karl Lafite — und die Festpredigt, die der Nessel¬ taler Pfarrer, hochw. Herr August Schauer, hielt. Sind wir schon gewohnt, vom Herrn Pfarrer Schauer schöne und zu Herzen gehende Predigten zu hören, so überbot der Festprediger alles bisher Dagewesene. Der erste Teil der Predigt in der Schriftsprache, der zweite in der Gottscheer Mund- art erfaßte die Zuhörer aufs tiefste und man sah manch feuchtes Auge. Die Aestpredigt. Andächtige in Christus dem Herrn I Das Gottscheer Ländchen feiert in diesen Tagen das 600-jährige Jubiläum seiner Besied- lung. Von nah und fern sind liebe Gäste herbei¬ geeilt, um unser Jubiläum zu verschönern und die allgemeine Festesfreude mit uns zu teilen. Es sei mir daher gestattet, euch im Namen der hier versammelten Gottscheer Priester und im Namen aller Kirchenvorstehungen unseres Länd¬ chens herzlichst willkommen zu heißen und freund- lichst zu begrüßen. Vor allem sei ein inniger Willkommengruß entboten dem Vertreter unseres hohen Schutzherrn, des Prinzen Andreas, ein achtungsvolles Willkommen den Vertretern un¬ serer königl. Regierung und den diplomatischen Vertretern fremder Staaten, herzlichen Gruß den anderssprachigen Mitbürgern und den deutschen Volksgenossen unseres schönen Königreiches, freund- lichen Gruß den Vertretern der sprachlichen Min¬ derheiten, ein freudiges Willkommen Seiner Durch¬ laucht dem Fürsten Karl Auersperg, ein herzliches Grüß Gott den Stammesbrüdern aus Deutsch, land und Österreich, aus welcher Gegend sie immer kommen und welcher Religion sie auch angehören. Herzinniger Händedruck und aufrich- tiger Bruderblick aber den lieben Landsleuten allen, die in und außer der Heimat leben und in diesen Tagen die 600-Jahrfeier mit uns be¬ gehen. Auch alle begrüße ich mit den Worten unserer Gottscheer Mundart: „Grisß ai Gott oll, mitanond'r! Ihr Gottscheaba» in Amerika, Kanada, Deutschlont, Östereich unt ib'roll af dar gonzsn barlt, gonz aig'ns psgrisß i ai Gott- scheaba» von Ob'rlont unt Unt'rlont, von Hint'r- lont unt Baudn, Gottscheaba» von d'r Moschn, Aub'n, Rodins unt Maisrle, ai Gottscheaba» von d'r Shusch'n unt von Grusshs." Jubelfeiern sind Tage der Rückschau und Ausschau, Tage ernster Besinnung. Da entsteht nun die wichtige Frage: Wie, mit welchen Ge¬ sinnungen sollen wir unser Jubiläum seiern, damit es fürs Ländchen gesegnet sei und uns zum wahren Heile gereiche für Zeit und Ewigkeit? Eure Ju¬ belfeier soll immer auch im Himmel Widerklang finden. Deswegen gehört zu unserer gottgefälligen Jubelfeier eine fest gläubige Gesinnung. Ein Bild eifriger Glaubensbetätigung und Glau¬ bensfreude entrollt sich in diesen Tagen unseren rückschauenden Blicken. Den Glauben ihrer Väter — das war der katholische Glaube — trugen die ersten Gottscheer Kolonisten aus ihrer deut¬ schen Urheimat in das neue Heimatländchen. Ihr Glaube zeigte sich vornehmlich durch den Bau vieler Kirchen und Seelsorgestationen und durch ein wahrhaft christlich-frommes Leben. Siebzehn Pfarrkirchen und über hundert Tochter¬ kirchen haben unsere Altvordern im Laufe der Zeit errichtet, schöne, anmutige Gotteshäuser auf Bergeshöhen und in Tälern, die sich ihnen er- wiesen haben als Bollwerke, als gewaltige Fe- stungen des Glaubens. „JchundmeinHaus, wir wollen dem Herrn dienen", das war der Wahlspruch unserer Gottscheer Hausväter und Hausmütter. In Ausübung dieses Wahl¬ spruches versammelte der Hausvater die Seinigen im Herrgottswinkel zum täglichen Gebete und wies gewöhnlich auf die Notwendigkeit des Hausgottesdienstes hin mit folgenden Wor¬ ten: „Biar et schprichst, sholl a net ass'nl" Und weil der Gottscheer Hausvater so innig Überzeugt war, daß nichts den Menschen s o bessern und wahrhaft glücklich machen kann als le- bendiger Glaube und echte Gottesfurcht, so drang er bei seiner Familie mit seiner ganzen Autorität darauf, daß sie alle Tage ihres Lebens Gott vor Augen halte und seine Gebote freudig erfülle; ja er forderte sie auf zum öf- teren Empfang der heil. Sakramente und ihr vorleuchtend im schönen Beispiele tat er dasselbe mit seinem Weibe. Seiner Sonntags¬ pflicht kam er mit seiner Familie stets getreulich und gewissenhaft nach. Ob die Sonne lachte im Mai oder der Schneesturm wütete im Dezember, gelassenen Schrittes ging der Vater mit seinen Söhnen und Töchtern zum Pfarrgottes- dienste. — Für die Erhaltung und Kraft eines Volkes ist die Heiligung der Sonn- und Feiertage von allergrößter Bedeutung. In Häusern, in denen der Sonntag recht geheiligt wird, treffen wir ein glückliches Familienleben, festgegründete Familien, die in Liebe und Treue fest zusammenhalten. Wo jedoch die Sonntags¬ entheiligung einreißt, da machen wir eine un¬ heimliche, aber sichere Wahrnehmung: Die Fa¬ milien werden zerrüttet und lösen sich allmählich auf. Wo die Familien in ihrer Mehrzahl zugrunde gehen, muß auch das Volk als Ganzes zusammenbrechen. Wo man den Sonntag nicht mehr heilig hält, da geht's ab¬ wärts mit den einzelnen Menschen, mit den Fa¬ milien, mit ganzen Völkern. So lange wir im Ländchen noch den Sonntag heiligen, und zwar den ganzen Sonntag, ist das Gottscheer Ländchen nicht verloren. Meine Heimgegangene Großmutter, Gott hab' sie selig, pflegte mir öfters zu sagen: „Benn d'r Gottschsabar shain Glab'n et mear b'rt ocht'n, et mear b'ct schprach'n, in Shunntog et mear b'rt hailig'n, denn ar b'ct usrbait'n unt usrbait'n lusß'n, ott'r b'rl's mit'n Goltscheabac- lonts polds auß shein I" Landsleute in und außer der HeimatI Nehmet es ernst mit dem Väterglauben l Ec sei euch das Erste und Letzte, das eine Not- wendige. Er ist das Heilige, Ewige und Gött¬ liche im sterblichen Menschenleben. Er adelt die Pflicht. Darum sei euch die religiöse Pflicht der Pflichten oberste. Wer sein Leben auf dem Glauben aufbaut, der erhält eine gewisse Beständigkeit in seinem Handeln, einen starken Charakter. Wenn ihr stammechte Sprossen eurer Väter sein wollet, dann haltet hoch und heilig dieses kostbare Gut, das ihr von ihnen übernommen habet und euren Nachkommen vererben sollet. Bleibet treu eurem Väterglauben, treu bis in den Tod! Zu unserer gottgefälligen Jubelfeier gehört aber auch eine liebevolle Gesinnung zu der Heimat. Heimat I Wie klingt der Name so lieblich und ruft die freudigsten Gefühle im Herzen wach! Was ist dir die Heimat? Heimat ist jenes Fleck¬ chen Erde, wo du das Licht der Welt erblicktest, wo liebevoll und sorgend das Multerauge über deiner Wiege wachte, wo du deine ersten Worte lallen lerntest, wo du deine Kindheit und Jugend im trauten Kreise der Eltern und Geschwister verlebtest. Heimat ist dir die Stätte, wo du in deiner Pfarrkirche durch das Sakrament der heil. Taufe ein Kind Gottes geworden bist, ist der Ort, wo deine gute Mutter dir die Hände fal¬ tete zum Gebete und dir schöne Lehren gab vom Bravsein und Gottvertrauen. Und dieses Fleck¬ chen Erde ist für dich geheiligt durch den Namen Heimat, ist für dich das schönste Land auf dem weiten Erdenrund. Was fragt das Kind, ob die Mutter schön ist? Es ist die Mutter und darum die allerschönste, allerliebste. So ist auch die Heimat für jeden fühlenden Menschen die aller¬ liebste, allerbeste und allerschönste, mag sie in Wirklichkeit auch wie unsere Gottscheer Heimat ein rauhes Klima und einen harten, steinigen Boden haben, dem man nur mit vieler und an¬ gestrengter Arbeit den Lebensunterhalt abzuringen imstande ist. „Wie war die Heimat doch so schön trotz aller Mühe und Arbeit!" schrieb mir vor fünf Jahren ein lieber Landsmann, der seine Heimalpfarre Nesseltal im Jahre 1885 verließ und nach Kalifornien auswanderte. „Ich bin nun schon vierzig Jahre hier in diesem Lande und habe Geld und Gut erworben, daß ich ein sor- gensreies Leben führen kann, aber heimisch fühle ich mich noch immer nicht. Eine wehmütige Sehn¬ sucht nach meiner geliebten Heimat erfüllt meine Leite 2. Seele. Nur einmal noch möchte ich in meinem hohen Alter mein trautes Heimatdörfchen sehen! Doch es ist das ein verwegener und nutzloser Wunscb, denn ich werde in Kürze das 75. Le¬ bensjahr vollendet haben." Einfach und schlicht klingen diese Worte, aber sie verraten die innige Heimatliebe des Gottscheers. Es .st in unserer Zeit — Gott sei's geklagt! — ein anderer Geist, ein heimatfremder Geist lebendig geworden, der sich auf unser Volksleben legt wie der Reif auf die jungen Pflanzen. „Nichts ist's mit der Heimat, nichts, schönes Gerede nur. Wo es mir gut geht, da ist meine Heimat." Das ist der Geist, der alles begeifert, was Menschen von jeher hoch und heilig gehalten haben, und. der uns auch unsere Heimat vereiteln will. Für solche Allerwelts¬ menschen können wir nur ein schmerzliches Mit¬ leid empfinden. Der echte Gottscheer betrachtet die Heimatliebe als eine heil. Christenpflicht, denn im vierten Gebote Gottes heißt es ausdrücklich, daß man seine Eltern lieben und ehren soll. Zu den Eltern im weiteren Sinne gehört das Hei¬ matland; wer die rechte, tatkräftige Heimatliebe hat, tut alles, was er tun kann, um seine Heimat zu erhalten, zu verbessern und zu verschönern. Schöne Vorbilder sind uns in dieser Hinsicht unsere Gottscheer-Amerikaner, auf die wir in der Heimat wahrhaftig stolz sein können. Ihre Hei¬ matliebe Hal schon viel Großes geschaffen, an¬ sonsten wäre es vielen einzelnen Personen und ganzen Gemeinden im Ländchen schlecht ergangen. Wohlverdiente Anerkennung und inniger Dank fei ihnen auch von dieser heiligen Stätte aus gezollt. Doch, viel höher müssen wir die Heimat¬ liebe jener Gottscheer einschätzen und bewerten, die auf der Heimatscholle leben und diese in harter, angestrengter Arbeit und unter vielen Sorgen und Kümmernissen bearbeiten und be¬ wirtschaften zu Nutz und Frommen ihrer Kinder und des ganzen Ländchens. Diese Liebe, die sich jahraus jahrein, Woche für Woche, Tag für Tag, ja Stunde für Stunde auf dem heimatlichen Boden betätigt, ist edler, reiner, anhänglicher und opferwilliger. Hut ab vor diesen Gottscheer Bauern, die so ihre Heimalliebe bekunden und sich als würdige Nachkommen ihrer Heimattreuen Ahnen erweisen. Wacker, arbeitsamer Gottscheer, wahre dir immerzu dein Bestes, Schönstes und Wertvollstes, dein biederes, schlichtes Bauerntum I — „Was, Bauernarbeii?" Ja, sie ist hart, aber sie hält den Körper gesund. Gesundheit gehört wohl zu den größten Gütern des irdischen Lebens, ist mehr wert als alle Reichtümer und Goldlager der Erde. Wenn in meiner Pfarre ein Sechziger hinausgetragen wird auf den Friedhof, klagen die Leute: „Er ist früh gestorben!" Das Durch- schnittsalter der Arbeiterbevölkerung in Amerika ist vierzig, höchstens sünfundvierzig Jahre. Ein Mann, der über 45 Jahre alt ist, findet keinen Arbeitsplatz mehr. Wo er anklopft, heißt es: „Sie sind zu alt!" Denkt euch, zu alt, im besten Mannesalter zum alten Eisen geworfen! Wie ganz anders in unserer Dorfheimat. Der fort¬ währende Aufenthalt in reiner Luft, .die gute und genügende Pslanzennahrung erhält unser Landvolk Zwei Freunde. Skizze von Hanslustig. Peter und Franz waren zwei dicke Freunde, d. h. sie selbst waren schlank, aber ihre Freund¬ schaft war dick. Diese stammte her aus ihrer Schulzeit, da sie den Vi Stunden weiten Schul¬ weg von P. nach R. immer gemeinsam machten. Sie hatten einen Unternehmungsgeist, der sie allen Gefahren trotzen ließ, seien es Gefahren von Regen, Schnee und Eis, seien es — und das waren die häufigsten — Gefahren von anderen Schulbuben, deren Dorf W. sie täglich zweimal passieren mußten. Sie hielten zusammen, ob's im Winter Schneeballschlachten oder im Sommer blaue Flecken und zerrissene Kleider gab; sie hielten auch zusammen, als sie einmal bei solcher Gelegen¬ heit in W. ein unfreiwilliges Bad nehmen mußten. Man hätte damals, wie der Dichter von den Fröschen, auch von ihnen sagen können: „Wenn sie auch unter Wasser sind, versuchen sie unterm Wasser noch zu schimpfen." Die Riffe in der Kleidung wußten sie vor den Augen der Eltern einige Tage zu verbergen, wenn sie dann doch entdeckt wurden, beteuerten beide gemeinsam: „Das ist schon gewesen". Alljährlich um Ostern kamen die Väter vom Hausierhandel aus Wien. Da wurden ihnen die Augen weit, wenn sie erzählen hörten von der Zeiluna — Nr 24. gesund, heiter und zufrieden und sichert ihm ein langes Leben. „A gsshum'r pausr ischt taushsnt bags peffar d'rusn bis a kront'r kuaish'r, hont insh'c dz oll'n Gotischeabars oft gzshuait." Die Heimat macht den Menschen auch innerlich stark und charakterfest. Willst du einmal verärgert und so recht unzufrieden werden, weil nicht alles nach deinem Willen geht, da ist's, als ob ihre Stim¬ men riefen: „Kopf hoch und nicht verzagt! Wir mußten Schwereres mitmachen und haben die Heimatscholle erhalten! Wer auf Gott vertraut, hat fest gebaut." Da fassen sich die Seelenkräfte zusammen und mit doppelter Arbeitsfreudigkeit wird wieder für die Heimatscholle geschafft. Die Leiden, die Heimsuchungen und Stürme, die unser Völklein in den vergangenen 600 Jahren hat aushalten müssen, hat es ausgehalten, weil es mit allen Fasern seiner Seele an seinem Heimat- boden sich festgesetzt hatte. Die Alten, die vor uns lebten und die Heimat schufen, müssen unsere Vorbilder bleiben, aufmunternde Vorbilder, die uns immer und immer wieder die schönen Dichter¬ worte ins Gedächtnis rufen: Du teure Heimatscholle, Wir hängen für und für, Mag kommen, was da wolle, In deutscher Treu' an dir! Wer seine Heimat liebt und in Treue an ihr hängt, der liebt sie in allem, in ihrem Väter¬ glauben, in ihrer Sprache und Mundart, in ihren Sitten und Gebräuchen. Das meinte der Dichter¬ fürst Schiller, wenn er im „Wilhelm Tell" den alten Attinghausen mahnen läßt: Ans Vaterland, ans teure schließ dich an, Das halte fest mit deinem ganzen Herzen. Hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft. Dort in der fremden Welt stehst du allein, Ein schwankend Rohr', das jeder Sturm zerknickt. Der Heimgegangene Tiroler Dichter Karl Do- manig hat einmal folgende beherzigende Worte gesprochen: „Die Heimatliebe ist die Wurzel jedes wahren und echten Patriotismus. Wo keine rechte Liebe zur Heimat, dort auch keine rechte Liebe zu Herrscher und Reich." Darum gehört zu unserer gottgefälligen Jubelfeier auch eine gut vaterlän¬ dische Gesinnung. Vaterland ist nicht nur das Land meiner Wiege und Kindheit, das Land meiner Sprache, Sitten und Gebräuche, es ist auch noch das Land meines weltlichen Hnrschers, dem gute Untertanen den schönen Namen eines Landesvaters gegeben haben. Vaterland ist mehr als bloß Heimat, es ist die erweiterte Heimat. Daher sagen wir: Wir haben unsere gottscheeische Heimat und unser jugoslawisches Vaterland. Wie wir nun unsere Heimat lieben, so müssen wir auch unser Vaterland lieben. Unsere Gottscheer haben niemals geprunkt mit ihrem Patriotismus. Aber, wo es galt, in schweren Zeiten Opfer zu bringen, Gut und Blut einzufitzen fürs Vaterland, da Haben sie stets ihren Mann gestellt. Was seinerzeit unser Völklein getan und geleistet hat im Dienste des Vaterlandes, das will es auch in seinem neuen Vaterlande tun und leisten. Wir wollen treue und zuverlässige Staatsbürger sein, nicht aus Furcht oder Zwang, nicht aus kluger Berechnung oder politischer Einsicht, nicht als großen Stadt, von den vielen schönen Häusern, vom großen Verkehr, den vielen Leuten usw. Den einen Sonntag bat Peter seinen Vater, von der Stadt zu erzählen, den anderen waren sie bei Franzens Vater mit derselben Bitte. Dann gingen sie hinaus auf den Hügel über der Ortschaft und schauten über die Landschaft hinaus. Vor ihrer kindlichen Phantasie wuchs eine Wunderstadt aus dem Erdboden mit Häusern und Palästen, deren Front von P. bis R. reichte, von deren Dach aus man die Sonne betasten konnte, in deren Fenster auch die Pfarrkirche reichlich Platz gehabt hätte; in den Gassen stiegen die Leute einander auf den Köpfen einher, wie die Ameisen, wenn man ihren Haufen zerstört usw. Als die beiden 15 Jahre alt waren, sagte an einem Herbstabend Peters Vater, Peter soll Heuer auch mit nach Wien, er müsse auch was verdienen. Als Peter dies hörte, wurde ihm schwindlig vor Freude; einen Moment weiß er sich nicht zu fassen, dann stürmt er wortlos zur Tür hinaus und beim Franz in die Stube, daß alle erschrocken auffahren. Atemlos stoßt er heraus: „Franz — nach.Wien!" Franz begreift nicht, was das heißen soll, schaut ihn groß an und fragt: „Was willst du?" Peter begreift heute seinen Freund nicht, nimmt ihn bei der Hand und will ihn fortziehen. „Komm, wir gehen nach Wien!" „Aber doch nicht heute Abend", sagt Jayrs,c.ng -4.. Kriecher- und Knechtesseelen, sondern als freie, charakterfeste und überzeugungsvolle Menschen, die ihren Patriotismus als Gewiffenssache auf- fasscn und nur den einen Grundsatz kennen: Tue recht und scheue niemand! Als katholische Christen verstehen wir gar wohl die Worte der heil. Schrift zu deuten: „Jedermann unterwerfe sich der obrig¬ keitlichen Gewalt, denn es gibt keine Gewalt außer von Gttt und die, welche besteht, ist von Gott augeordnet. Wer demnach sich der obrig¬ keitlichen Gewalt widersetzt, der widersetzt sich der Anordnung Gottes." (Röm. 13, 1.) Wir beher- zigen die Worte, die der Apostelsürst St. Penus gesprochen hat: „Fürchtet Gott, ehret den König und seid eurer Obrigkeit untertan, nicht aus Furcht, sondern des Gewissens halber." (I. Petr. 2, 17.) Eingedenk dessen verehren wir Seine Majestät unseren König nicht bloß wegen seiner persön¬ lichen edlen Eigenschaften, sondern noch viel mehr wegen seiner königlichen Würde. Darum erneuern wir heute unser staatsbürgerliches Glaubensbekennt¬ nis und Gelöbnis: Unserem Könige Alexander I. und seiner Dynastie bleiben wir in Liebe und Treue ergeben. Alles, was wir an Liebe und Verehrung für unseren Landesvater und sein Haus auf dem Herzen haben, fassen wir zu¬ sammen in das kurze Gebet: „Gott segne, Gott schütze, Golt erhalte unseren König und sein Haus! Gottes Schutz und Segen komme über den Schutzherrn der Gottscheer 600 Jahrfeier, Seine königliche Hoheit den Prinzen Andreas!" Ich kann meine Ausführungen nicht schließen, ohne dem allmächtigen Gott im Namen des ganzen Ländchens und seiner Bewohner den innigsten und tiefgefühltesten Dank auszusprechen für die zahllosen Gnaden und Wohltaten, die er uns in den vergangenen 600 Jahren gnädig und huld¬ voll gespendet hat. Die göttliche Vorsehung sei innig gepriesen, daß Heimat und Volk, Väter¬ glaube, Muttersprache, Sitten und Gebräuche uns erhalten blieben bis aus den heutigen Tag. Und wenn wir nach der heil. Messe mit dankerfüllten Herzen singen werden: „Großer Gott, wir loben Dich, He>r, wir preisen Deine Stärke!" so sei damit auch die ergebene Bitte verbunden: „Gott vuZtr in himml, gib insch glickz, gnusdz, shegn unt schütz a noch baitarhin unt luoß insch inshr larttle in vridn bzschtean!" Ich zweifle nicht, ihr werdet heute auch in Liebe und Dankbarkeit eurer Heimgegangenen Vor¬ fahren gedenken, die euch die Heimat gebaut und sich für euer zeitliches und ewiges Wohl abge¬ müht haben. Sie leben in einer besseren Welt und sind uns nahe als gute Schutzgeister, Hüter, Mahner und Warner. „Bewahret das kostbare Erbe", rufen sie uns aus dem Jenseits zu, „das wir euch hinterlassen haben, und vergesset bei euren vielen Mühen, Sorgen und Kümmernissen für die irdische Heimat eurer himmlischen Heimat nicht. Lebet in der frohen Hoffnung, daß ihr einst ein Fest feiern werdet, das das heutige an Schön¬ heit, Glanz und Innigkeit unendlich übertreffen wird, — das Fest eures Einzuges in die himm¬ lische Heimat. Weich' unbeschreibliche Seligkeit und Süßigkeit wird eure Seelen erfüllen, wenn Franzens Vater, der nun begreift, um was es sich handelt. Das wirkt wie ein kalter Guß auf Peter. Er hatte wirklich nicht daran gedacht, daß es doch nicht so schnell gehr. Nun erzählt er, daß er mit nach Wien dürfe, natürlich muß Franz auch mit. Aber der Vater war anderer Meinung. Da drangen beide in ihn, baten in allen Tonarten, doch alles schien umsonst. Peter sagt, ohne den Franz gehe er auch nicht fort, und beginnt zu weinen, ebenso Franz. Dies geht der Mutter zu Herzen, sie stellt sich auf die Seite der Buben. Den gemeinsamen Bemühungen der drei gelang es, dem Vater das Ja-Wort abzu¬ ringen. Von da ab waren die beiden jungen Händler daheim nicht mehr zu brauchen. Sie machten alles verdreht, ihre Gedanken waren in Wien, sie hausierten jetzt schon, brüteten Kastanien, be¬ wunderten die Herrlichkeiten der Stadt, bauten Luftschlösser usw. Daher wurden die Pässe be¬ sorgt und zum Aufbruch gerüstet. An einem Montag Mitte Oktober war die Abreise. Als die zwei Helden beim Abschied die Mütter weinen sahen, wurde ihnen so sonderbar ums Herz und sie weinten bitterlich. Aber kaum tausend Schritte von der Ortschaft jauchzten sie schon wieder und stürmten voraus, daß die Väter bald nichts mehr von ihnen sahen. (Schluß folgt.) Jahrgang Xll. ihr in der ewigen Heimat finden werdet alle euren Vorfahren und lieben Angehörigen, wenn ihr schauen werdet die Engel und Heiligen Gottes, Maria, die Mutter Gottes und unsere Mutter, und von Angesicht zu Angesicht das Geheimnis der hochheiligen Dreifaltigkeit, der da sei Anbe¬ tung, Lob, Preis, Ehre und Dank in alle Ewig¬ keit. Amen. Um 11 Uhr vormittags fanden sodann in der Festhalle und im Gastgarten „Harde" Früh¬ schoppenkonzerte statt. Das Aesteffen. Um 12 Uhr mittags versammlten sich die Ehrengäste im schön geschmückten Saale des Hotels „Triest" zum Festessen. Der Vorsitzende des Festausschusses, Dr. Hans Arko, konnte in seiner Eröffnungs- und Begrüßungsansprache nach¬ stehende Persönlichkeiten willkommen heißen: Den Vertreter S. M. des Königs und des Protektors Sr. königl. Hohheit des Prinzen An¬ dreas Oberst und Kommandant des 16. Artillerie- regimentes Radivoj Jovanovic, den^ Vertreter der königl. Regierung Minister o. P. svegelj, den Vertreter des Kriegs- und Marineministers Oberst Adolf Kilar, den Vertreter der Banal¬ verwaltung und des Banus Hofrat Mencinger, den Gesandten des Deutschen Reiches Ulrich von Hass eil, den Gesandten der Republik Österreich Ploennies, Ihre Durchlauchten Fürsten Kari Adolf und Prinzen Karl Auersperg, den öster¬ reichischen Finanzminister a. D. und Bürgermeister der Stadt Baden Nationalrat Koll mann, den österr. Generalkonsul in Ljubljana Pleinert, den deutschen Konsul in Zagreb Freundt, den Attache an der deutschen Gesandtschaft v. Nostitz, den Generalsekretär der Minderheitenkongresse und Vertreter der deutschen Minderheit in Estland Dr. Amm ende, den Vertreter des Fürstbischofs Ehrendomherrn Ferdinand Erker, den Vertreter der Stadtgemeinde Ljubljana Magistratsdirektor Dr. Zarnik, Banalrat Dr. Sajovic, die Bc- zirkshauptleule Albert Platzer und Dr. Cus, den Bürgermeister der Stadt Kočevje Max Ko¬ stanjevec, den Vertreter der Kärntner Slowenen Abgeordneten Pfarrer Starc, den Vertreter der Deutschen in der Wojwodina und Präsidenten der deutschen Völkerbundliga in Jugoslawien Dr. Stephan Kraft, den Generalsekretär der deutschen Völkerbundliga in Jugoslawien Sektions¬ chef Dr. Georg Graß!, den Präsidenten der jugo¬ slawischen Völkerbundliga Universitätspcofessor Dr. Djorovic, den Obmann der Liga für Ausland- künde Privatdozenten Dr. phil, et jur. Grothe aus Leipzig, den Obmann des Schwäbisch-deutschen Kulturbundes Johann Keks, Gerichtsvorsteher Dr. Matthias Lavrenčič, Gymnasialdirektor Anton Burgar, den Gendarmerie-Unterleutnant Djordjevic, Forstmeister Franz Štiglic, den Hauptschristleiter des „Deutschen Volksblattes" Verlagsdirektor Dr. Franz Perz, Schriftsteller Dr. Ernest Faber, Schriftleiter der „Deutschen Zeitung" Franz Schauer, den Obmann der Völkerbundliga in Ljubljana Dr. Pretnar, den Werksdirektor Jng. Biskupski, Polizeioberkom¬ missär Dr. Anton J a k litsch, Prof. Dr. Othmar Herbst, Sektionschef Richard Wenedikter, Hofrat Johann Kresse, Ministerialrat Ingenieur Locker, Ministerialrat Dr. Wolfgang Wols- egger, Realschuldirektor Georg Widmer, Pro¬ fessor Carl La fite, Oberlehrer Wilhelm Tschin- ke l, Direktor Dr. Oskar Plautz, Geistl. Rat Pfarrer Josef Eppich, Geistl. Rat Pfarrer Josef Erker, Pfarrer August Schauer, OLGR Gott- fried Jaklitsch, OLGR F. M e ditz, Dr. Lothar Mühleisen, Dr. Georg Röthel, Großkauf¬ mann Alois Kraker, Kaufmann Alois Kresse, die Vertreter dec Gottscheer Lehrerschaft Ober¬ lehrer Hans Loser, Oberlehrer Fritz Högl er und Lehrer Josef Kleiner, den Vertreter des Handelsgremiums Matthias Rom, den Vertreter der Handwerkergenossenschaft Georg Mille, Pro- fessor Peter Jonke, Opernsänger Hans Schu¬ ster, Kaufmann Hans Kresse, akad. Maler Mi- chaei Ruppe, den Vertreter des Verbandes der Gottscheer Feuerwehren Wilhelm Für er, die Bürgermeister der Gottscheer Landgemeinden Josef Eisenzopf, Franz Gliebe, Josef Plut, Johann Part he, Peter Rauch, Johann Ce- tinski, Johann Zdravic, Franz Zdravic, Friedrich Pov^e, I. Krische, Joh. Putre, Josef Roschitsch, Ernst Gasperitsch, Josef Jaklitsch, Matthias Gladitsch, Joses Po- spischii, Johann Sami da, Andreas Loske, Josef Jaklitsch, den Vertreter der Agentur Gottscheer Zeitung — Nr. 24 Avala Dr. Birsa sowie die Pressevertreter des In- und Auslandes. Nach dem Willkommengruße ergriff der Präses des Festausschusses Geistlicher Rat Pfarrer Josef Eppich das Wort zur Jesirede und führte folgendes aus: Hochverehrte Festgäste! Die Festlichkeiten, die in diesen Tagen im ganzen Gottscheer Ländchen vor sich gehen, die Feiertagsstimmung von jung und alt, die außer¬ gewöhnlich große Zahl von auswärtigen Teil- nehmern und lieben Gästen, die hohe Auszeich¬ nung, welche den Gottscheern durch die Übernahme des Ehrenschutzes seitens eines Mitgliedes des königlichen Hauses zuteil geworden ist, das alles deutet an, daß die Gottscheer heute etwas be¬ sonderes feiern. Und in der Tat, die 600-Jahrfeier, die Er¬ innerung an die vor 600 Jahren von ihren Vor¬ fahren durchgeführte Besiedlung und Urbarma- chung der Sprachinsel, ist ein wichtiger Markstein in der Geschichte und Entwicklung des Ländchens der Gottscheer, der sie sozusagen nötigt, über die abgelaufenen Jahrhunderte Rückschau zu halten und darnach geeignete Schlüsse zu fassen. Aber auch Ihnen, hochverehrte Festgäste, die Sie nicht Gottscheer sind, dürfte es genehm sein, wenn ich Ihnen bei diesem Jubiläum der Gott- scheer in knapper Kürze von unserer Vergangenheit und Gegenwart erzähle. Woher die Gottscheer kamen? Ihre Sprache, ihre Familien-, Orts- und Flurnamen waren und sind deutsch, ebenso Sitten und Gebräuche. Aus deutschen Landen kamen sie also, aus österreichi¬ schen und reichsdeutschen Gebieten. Damit stimmen auch die vorhandenen schriftlichen Urkunden über¬ ein, aus denen hervorgeht, daß einige Gegenden der Sprachinsel bereits im 13. Jahrhunderte be¬ siedelt waren, in die übrigen aber von den Or¬ tenburger Grafen zu Anfang des 14. Jahrhun- dertes deutsche Kolonisten angesiedelt wurden. Aus der Urheimat brachten sie Sprache und Re- ligion, Sitte und Art mit und pflegten es als heiliges Vermächtnis zu allen Zeiten. Das Ge- fühl der Zugehörigkeit zum deutschen Volke war stets lebendig unter uns und herzlich, zumal die Ursprungsheimal bis heute einem beträchtlichen Teile der Gottscheer alljährlich während der Win¬ termonate einen notwendigen Nebenerwerb bietet. Ich spreche im Namen des ganzen Volkes, wenn ich den anwesenden liebwerten Vertretern Öster¬ reichs und Deutschlands für das bewiesene Wohl¬ wollen herzlich danke und sie bitte, den Volks¬ genossen in ihrem Reiche den Brudergruß der Gottscheer ausrichten zu wollen. Wohin wurden die deutschen Kolonisten an¬ gesiedelt? In den südlichen Winkel Krams, in ein Gebiet, das noch Wildnis war und erst urbar gemacht werden mußte. Es kostete vielen Schweiß, ein Geschlecht nach dem andern ging dahin, bevor der Boden zu dem wurde, was er heute ist. Wohl die allerschwerste Prüfung für die Ansiedler waren in der Folgezeit die vielfachen Türkeneinfälle, die die Entvölkerung der am weitesten nach Süden vorgeschobenen Siedlungen und Verarmung all- enthalben zur Folge hatten. Aber immer wieder bauten die Überlebenden das Zerstörte auf und suchten im Handel mit selbsterzeugter Lein¬ wand und Holzwaren das hereinzubekommen, was der karge Boden nicht gab. Liebe zur Scholle, Fleiß und Ausdauer war ihnen eigen. Und hierin, liebe Landsleute, müssen wir ihnen nachfolgen. Von allen größeren deutschen Sprachinseln in Kram ist Gottschee allein erhalten geblieben, weil seine Bewohner den Boden liebten, den die Eltern in harter Arbeit wohnlich eingerichtet haben, und weil man seither weder Mühe noch Opfer scheute, um das Ererbte zu erhalten. So gesinnt können auch wir trotz der geänderten Verhältnisse ruhig in die Zukunft schauen. Wenn wir von der Besiedlung des Ländchens sprechen, dürfen auch die Grundherren nicht un¬ erwähnt bleiben, denen die neubesiedelten Gebiete gehörten. Die ersten Grundherren waren die Pa¬ triarchen von Aquileja. Diesen Kirchenfürsten ge¬ bührt das Verdienst, eine geordnete Seelsorge unter den deutschen Kolonisten eingerichtet zu haben. Die kirchlichen Oberhirten ermöglichten manchem Gottscheer das Studium in Aquileja, Udine, Görz, Graz, Wien und später in Laibach, was bei der Armut der Leute sonst nicht möglich gewesen wäre. Es war stets Bestreben der Kirche, den Gott- scheern Priester ihres eigenen Stammes zu geben, Seite 3. und der gleiche Wunsch beseelt auch heute noch unseren gegenwärtigen Hochw. Oberhirten. Von der Reihe der übrigen weltlichen Herrschaftsin¬ haber m Gottschee hat das Haus Auersperg am nachhaltigsten und längsten unsere Geschicke be¬ einflußt und Wohl und Wehe mit uns geteilt. Beinahe 300 Jahre. Das ehemalige Abhängig, keitsverhältnis der Gottscheer von genannter Herr- schäft hat mit dem Jahre 1848 zwar vollständig aufgehört, aber die Gewogenheit des fürstlichen Hauses fürs Ländchen besteht ungeschmälert heute noch und Stadt und Land erkennt dies an. Wir zählen die Familie zu den ältesten unserer Heimat und ihr Chef waltet nach wie vor als Patron der ältesten Pfarreien hierzulande. Es erfüllt uns deshalb mit besonderer Genugtuung, daß die fürst- liche Familie durch ihre Teilnahme an der 600- Jahrfeier auch an diesem Tage sich eins mit uns fühlt. In der Schilderung der Vergangenheit unseres Volkes ergibt es sich als selbstverständlich, daß auch von seinen Nachbarn und den Verhältnissen zu ihnen gesprochen wird. Dieselben Nachbarn, welche die Gottscheer bei ihrer Einwanderung fanden, haben sie heute noch. Slowenen waren es damals, Slowenen sind es heute noch. Und das gegenseitige Verhältnis war, das darf frei behauptet werden, stets ein gut nachbarliches, was ja auch nicht anders sein kann, da Nachbarn immer mehr oder weniger auf einander ange¬ wiesen sind. Gleiches Schicksal war uns beschicken. Gemeinsam meisterten wir oft das Schicksal, ge¬ meinsam blieben wir ab und zu die Geschlagenen. Die bei der letzten staatlichen Neuordnung ein¬ getretene zeitweilige Trübung des freundschaftlichen Verhältnisses ist wieder gewichen. Gute Nachbar- schäft wollen wir auch weiter halten. Diese Ver¬ sicherung, sehr verehrte Herren, kann ich Ihnen namens der Gottscheer geben. Und nun zur jüngsten Vergangenheit. Diese ist für unser Ländchen gekennzeichnet durch starke Auswanderung nach Amerika. Es ist reine Wahr¬ heit und keine Übertreibung, daß dermalen zwei Drittel der Gottscheer in den Vereinigten Staaten weilen und dort zumeist auch schon das Staats- biUgerrecht erworben haben. Beweis hiefür ist die stattliche Zahl von Landsleuten, die jetzt zum Jubiläum herübergekommen sind. Wir heißen sie herzlich willkommen und wollen es ihnen nicht vergessen, in welch einziger Weise sie, zumal in der Not der ersten Nachkriegsjahre, der Heimat hilfreiche Hand geboten haben. Es ehrt sie und uns, daß selbst die offiziellen dortigen Stellen für das Jubiläum der Gottscheer Interesse zeigen. Aus diesen Ausführungen werden Sie, hoch¬ verehrte Festgäste, einigermaßen ein Bild bekom¬ men haben, wie Gottschee in längst vergangenen Tagen und in der Mitvergangenheit ausgeschaut hat. Ich bin Ihnen jetzt noch die Schilderung der Gegenwart schuldig. Und das Hauptmerkmal der Gegenwart ist die Eingliederung des Gottscheer Gebietes in den jugoslawischen Staat. In die dadurch geschaffenen neuen Verhältnisse hat sich auch Gottschee hinein- gefunden und loyal alle Pflichten dem neuen Staate gegenüber erfüllt, und so soll es immer gehalten werden. Ja, wir möchten noch ein wei¬ teres betonen. Wir sind gewohnt, im Lenker des Staates nicht nur den Herrscher zu sehen, sondern den Landesvater zu verehren, der alle Staats¬ bürger in gleicher Liebe umfaßt, dem auch die Herzen aller in gleicher Weise entgegenschlagen. Die hohe Auszeichnung, welche den Gvtt- scheern dadurch zuteil geworden ist, daß ihr Ju¬ biläum unter den Ehrenschutz des königlichen Prinzen Andreas gestellt wurde, empfinden wir als solchen Beweis väterlichen Wohlwollens und das um so mehr, als es sich das erstemal ereignet, daß einer Veranstaltung der Deutschen eine solche Ehre zuteil wird. Dafür dankt das Gottscheer Volk, danken mit ihm alle übrigen Volksgenossen im Reiche. Be¬ tonung von unentwegter Slaatstreue bildet stets einen Punkt der Tagesordnung aller größeren Veranstaltungen der inländischen Deutschen. Ebenso selbstverständlich ist dieses Gelöbnis auch heute und namens der ganzen hierländischen Bevölke- rung ersuche ich den sehr verehrten Vertreter des hohen Protektors, Seiner Majestät dieses Ge¬ löbnis, verbunden mit dem Danke für die Über¬ nahme des Protektorates, zur geneigten Kenntnis zu bringen. Unsere Bevölkerung hegt die feste Überzeugung, daß ver hohe Protektor, wenn er einmal erfährt, es seien ihm, da er noch in der Wiege lag, die deutschen Gottscheer anempfohlen Seite 4. Gottscheer Zeitung — Nr. 24. Jahrgang XII. worden, er beim königlichen Vater gewiß auch später unser Anwalt sein wird. Und so lade ich zum Schlüsse alle hochge- schätzten Festgäste ein, sich zu erheben und ein- zustimmen 'n den Ruf: Der hohe Protektor Prinz Andreas, das erlauchte Elternpaar König Ale- xander und Königin Maria, alle. Mitglieder des königlichen Hauses: Sie leben hoch, hoch, hoch! Begeistert stimmten alle Anwesenden in die Hochrufe ein. Vorweg sei betont, daß nach jeder Ansprache von der Musik die Staatshymne intoniert wurde, die von den anwesenden Banketteilnehmern stehend angehört wurde. Minister Svegelj, als Vertreter der Zen¬ tralregierung, führte in serbischer und dann in deutscher Sprache folgendes aus: 600 Jahre sind vergangen, seit Sie sich innerhalb der na¬ tionalen Grenzen niederließen und Ihre Ansied¬ lung zu begründen begannen, welche den Namen Gottschee erhielt. Später hat die mächtige Dy¬ nastie der Grafen von Cilli hier geherrscht. In den Türkenkriegen wickelten sich hier Kämpfe ab, in welchen die slowenischen und deutschen Bauern unter den Grafen gemeinsam die Zivilisation ver¬ teidigt haben. Schließlich zwang der arme Boden die Gott¬ scheer, sich außerhalb des Landes Erwerb zu suchen und als Zivilisationsträger den Namen ihres Landes über die Lande zu tragen. Viele fanden jenseits des großen Wassers eine neue Heimat. Wilson, der unsterbliche Sohn ihrer neuen Heimat, hat das Selbstbestimmnngsrecht der Nationen proklamiert. Ich kann nicht umhin, bei dieser Gelegenheit mit persönlichem Gefühle mich des Tages zu erinnern, als ich vor vierzig Jahren als Knabe hier verweilte. Es war zu einer Zeit, als hervorragende Vertreter des slo¬ wenischen Volkes die Grundlagen für die Unter- krainer Bahnen legten, und hoffentlich wird die Gottscheer Linie eine Fortsetzung finden in der nach dem Süden hin auszubauenden Bahnlinie, was der Anlaß zu neuem Fortschritt und Wohl¬ stand für Gottschee sein wird. Vorsitzender Dr. Arko verlas hierauf den Wortlaut der Begrüßungsdepeschen an S. M. den König, den Prinzen Andreas und den Minister¬ präsidenten General Zivkovic. Das Huldigungs- telegramm an S. M. den König lautete: ,,Die Bewohner der Stadt Kočevje und des Gottscheer Ländchens danken anläßlich der 600- Jahrfeier ihrer Ansiedlung in tiefster Dankbarkeit ihrem Herrscher für das hohe Protektorat über die Feier durch Sr. königl. Hoheit den Prinzen Andreas. Auch diese Feier ist ein Ausdruck der Treue zu Eurer Majestät und zum ganzen könig¬ lichen Haus. S. M. der König und sein erlauchtes Haus leben hoch!" An Se. königl. Hoheit den Prinzen Andreas wurde nachfolgende Depesche geschickt: „In tiefer Dankbarkeit und Ergebenheit weilen heute die Gedanken der Gottscheer Bevölkerung bei dem hohen Protektor ihrer 600-Jahrfeier. Wir versprechen auch heute unserem Protektor und dem ganzen königlichen Hause Treue. Es lebe Se. königl. Hoheit Prinz Andreasi" Dem Ministerpräsidenten und Innenminister General Peter Zivkovic wurde nachstehende De¬ pesche geschickt: „Die Bewohnerschaft des Gottscheer Länd¬ chens ist für die Bewilligung der 600-Jahrfeier und für das Wohlwollen, das Sie, Herr Prä¬ sident, dieser Bevölkerung erwiesen haben, dank¬ bar. Mit aufrichtigen Gefühlen rufen alle: Der Regierungspräsident und die gesamte königliche Regierung leben hoch!" Namens der Banalverwaltung und des Ba- nus sprach Banalrat Mencinger, und namens der österreichischen Regierung der österreichische Gesandte am königl. jugoslawischen Hose von Ploenies. Österreich, so führte der Gesandte aus, begrüßt oie Gottscheer nicht nur als lieb¬ werte Volksgenossen, sondern auch als Freunde, mit denen man durch Jahrhunderie in gleicher staatlicher Gemeinschaft gelebt hat. Daran schloß sich die Rede des deutschen Gesandten von Hasse ll an, der folgendes ausführte: „Ich will dem Vertreter des österreichischen Mutterlandes folgen und im Namen des Deut¬ schen Reiches den Gottscheern die herzlichsten Glückwünsche aussprechen. Ich bin beauftragt, im Namen des deutschen Vaterlandes, welches die größere Hälfte umfaßt, den Stammesbrüdern die herzlichsten Glückwünsche zu übermitteln. Wenn ich nach einem Ausdrucke suche, durch welchen dieses Fest gekennzeichnet werden soll, so möchte ich vor allem anderen auf das Wappen der Stadt Gottschee verweisen. In diesem bemerkt man einen Zaun, welcher ein uraltes germanisches Symbol ist, welches „Stadt" heißt. Der Zaun, welcher um die Stadt herum gezogen ist, verweist auf das Mein und Dein. Dieser Zaun ist zum Symbol dafür aeworden, daß das, was mein ist, auch mein bleiben soll. So also kämpfen Sie hier für Ihre Eigenart und wollen sie behalten. Der Zaun weist auch ferner auf die feste Mauer hin, welche dieser Staat errichtet hat. Diesen Schutz genießen sie durch den König. Die Gottscheer sind die loyalsten Anhänger des Königs. Der heil. Bar¬ tholomäus hält eine Sichel in der Hand, was darauf hinweist, daß das Unkraut zu jäten ist. Er verweist ferner auf die äußerste Hingabe für den Staat. Das Tuch weist hin auf den Cha¬ rakter der Vertiefung. Dieses Wappen umfaßt drei Begriffe u. zwar: Des Lernens, des Lehrens und des sich Wehrens. Möge es eine Stätte des Lehrens und Lernens und die Fortpflanzung der von den Altvordern übernommenen Saat sein. Auf die Pflichterfüllung gegenüber dem Staate und dem Lande erhebe ich das Glas. Sie ge¬ statten, daß ich meinen eigenen Wunsch, von dem ich erwarte, daß er in Erfüllung gehen werde, beifüge. Da ich sehe, daß Gottschee unter der weisen Führung des Königs einer neuen Blüte entgegengehen wird, so mögen die Beziehungen, die auf Tradition beruhenden Beziehungen zwischen uns und Ihnen noch enger werden. Als ich ein Kind war, erschien mir der Gottscheer als Weih¬ nachtsmann, später, als wir in die Schule gingen, lernten wir erst kennen, welch tüchtiges Volk aus den Gottscheern hervorgegangen ist." Als Vertreter der Stadtgemeinde Ljubljana sprach Magistratsdirektor Dr. Zarnik folgendes: „Als Laibacher mußte ich 47 Jahre meines Lebens warten, bis ich gestern das erstemal in meinem Leben Gottschee erblickte, zu meiner großen Freude und angenehmen Überraschung, weil es eine so schöne Stadt ist. Ich muß be¬ tonen, daß sich die Gottscheer immer abseits hielten, doch erfloß diese Separierung aus tiefstem Ge¬ fühle für die Heimat und für ihr ureigenes Blut. Die Gottscheer haben ihr Nationalgut vor uns Brüdern einer anderen Sprache in eifersüchtigster Weise gehütet und haben sich vor uns stets zu¬ rückgehalten, wiewohl wir mit ihnen in gemein¬ samer Arbeit leben wollten. Dieses ungemein fleißige Volk, welches diesen Karftboden bebauen mußte und Brot suchte in allen Gegenden der Welt, mußte zusammenhalten. Man ersieht daraus, daß die Väter fortziehen mußten, um Brot zu erwerben. Infolgedessen waren sie uns wenig bekannt. Ich hoffe und wünsche, daß wir bei aller Hochachtung der ethischen Besonderheiten uns bald brüderlich die Hand drücken werden." Generalsekretär des Genfer Minderheitenkon¬ gresses Dr. Ammende überbrachte nachstehende Grüße: „Verehrte FestgenossenI Der Name Dr. Wil- fans bedeutet uns ein Symbol, ein Symbol des Strebens nach einem ehrlichen nationalen Aus¬ gleich in allen Staaten Europas, dieses Symbol bedeutet noch mehr. Der Name Dr. Wilfans be¬ deutet die friedliche und freundliche Zusammen¬ arbeit der verschiedenen Volksgenossen in allen Teilen Europas. Es ist mir eine Ehre, Ihnen heute hier die Grüße und Glückwünsche der Min¬ derheiten aus allen Teilen Europas überbringen zu können. Ich bin stolz darauf, daß gerade wir Deutsche an dieser Zusammenarbeit teilhaben und ich die Möglichkeit habe, dem Präsidenten Dr. Wilfan bei dieser Arbeit zur Seite zu stehen. Diese Zusammenarbeit hat zur Anerkennung der Rechte der Minderheiten geführt, welche eines der bedeutendsten Werke darstellt, welches heute bei uns in Europa verrichtet werden konnte. Es dürfte Sie besonders interessieren, daß gerade in meiner Heimat in Estland das ganze Augenmerk auf die Frage der Lösung des Minderheitenpco- blems gelenkt wurde, alles ist darauf konzentriert, diese Frage restlos zu lösen. Ich darf feststellen, daß nie eine so enge Zusammenarbeit bestanden hat wie nach der Regelung dieses Problems. Die Geschichte hat bewiesen, daß die Regelung dieses Problems zu finden ist. In meiner Eigenschaft als Balte komme ich als Vertreter eines Volkes, welches das größte Verständnis für Ihre Wünsche hat, um Ihnen auch zugleich die Glückwünsche der baltischen Deutschen aus Anlaß der 600- Jahrfeier zu überbringen. In meinem Heimat¬ lande in Estland arbeiten wir zusammen, um alle Schwierigkeiten zu überwinden und darum glaube ich auch berechtigt zu sein, die Grüße meiner Heimat zu überbringen. Ich glaube, daß das Beispiel Estlands als Beispiel zu dienen hätte, wie zwischen Jugoslawen und Deutschen und all den anderen vielen Minderheiten eine Brücke gefunden werden könnte, um alle Schwie¬ rigkeiten in freundschaftlicher Art zu überwinden. Gerade, weil die Minderheiten in diesem Staate die loyalsten Staatsbürger sind, glaube ich, daß hier in Jugoslawien das Problem der Minder- heilen am besten gelöst werden könnte. In einer ferneren Zusammenarbeit muß die endgültige Lösung des Problems gefunden werden. Meinen innigsten Dank meinen lieben Freunden aus Genf. In Genf sind die verschiedenen Minderheiten zu¬ sammengekommen, haben sich zusammengefunden und zusammengesetzt, um das wichtige Problem einer Lösung zuzuführen." Abgeordneter Pfarrer Starc, als Vertreter der slowenischen Minderheit in Kärnten führte aus: „Als Slowenen freuen wir uns, daß Sie mitten unter uns ein schönes Leben gefunden haben. Ein Kärntner Blatt nennt Gottschee „eine Insel des Friedens". Gegenseitige Hochachtung besteht zwischen den Gottscheern und ihren An¬ rainern, den Slowenen. Die Heimatliebe steht im innigsten Zusammenhang mir den Prinzipien der katholischen Kirche, weil die Heimatliebe nur ein Ausfluß des vierten Gebotes ist. Goltschee weist in sprachlicher und kultureller Entwicklung eine Eigenart auf. Als Vertreter der Minder¬ heiten in Kärnten danke ich im Namen der Kärnt¬ ner Slowenen vor allem dem Festausschüsse für die freundliche Einladung, welche er uns Kärntner Slowenen zu Ihrer schönen Festfeier ergehen hat lassen. Diese Einladung freut uns besonders, weil ich hier ein wirklich schönes und harmonisch verlaufendes Fest gesehen habe. Das Verständnis zwischen der Regierung und dem Gottscheer Fest¬ ausschüsse war ein außergewöhnliches." Präsident der südslawischen Völkerbundliga, Universitätsprofessor Djorovic in Belgrad: „Die Jugoslawen haben es immer verstanden die ehrliche deutsche Arbeitskraft zu schätzen. Im 13. und 14. Jahrhundert haben unsere Herrscher den Arbeitern besondere Bergrechte verliehen. Deutsche Gründlichkeit haben diese schon damals kennen gelernt. Hunderten von Generationen sind die Deutschen schon zugute gekommen. Unsere Teilnahme am Feste ist der beste Beweis für das Einvernehmen, welches zwischen uns und der sprachlichen Minderheit in Gottschee bestehen soll. Die Minderheiten sind die Brücken, welche die Mehrheiten verbinden. Die deutsche Minderheit in unserem Staate kann ver¬ sichert sein, daß unsere Vereinigung sich immer für ihre Rechte einsetzen wird. Unser aufrichtiges Bestreben ist es, allen Elementen freie Entwicklung und Betätigung zu sichern." Herr Eisenzopf, Gemeindevorsteher in Alt- lag, sprach im Namen der Landgemeinden: Es gereicht mir zur besonderen Ehre, im Namen der Vertreter der Gottscheer Landgemeinden zur Feier unserer sechshundertjährigen Ansiedlung das Wort zu ergreifen. Es ist ein langer Zeitraum seit der Zeit, da unsere Vorfahren das heutige Gebiet besiedelt, gerodet und bebaut haben. Schwer war der Anfang und schwer die Urbarmachung. Trotz der Unfruchtbarkeit des Bodens und der vielen Unglücksschläge haben sie sich fest an der Scholle gehalten. Auch wir haben den festen Willen, das von unserem Vater und Mutter Ererbte wieder nach Tradition unseren Nachkommen zu vererben. Zwei Tugenden sind es, welche die Gottscheer besonders schmücken, das sind die Heimattreue u?d das gegenseitige Zneinanderstehen. Mit dieser Heimatliebe ist bei den Gottscheern auch die Staatstreue eng verbunden, welche in jeder Weise die Pflichten gegen König und Staat erfüllen. Die Gottscheer haben auch das feste Bestreben, in jeder Lage, in Not und Gefahr sich gegen¬ seitig beizustehen. Ich schließe meine Rede mit dem Wunsche, daß die Gottscheer diese Tugenden auch weiterhin so bewahren wie bis jetzt und sich noch lange, lange an der Scholle halten. Das walte Gott! Der Präsident der deutschen Völkerbundliga in Jugoslawien, Herr Dr. Stephan Kr a f t, kam in seiner äußerst gehaltvollen Rede auf die Frage der nationalen Minderheiten zu sprechen, die eines Jahrgang XU. Gottscheer Zeilur.g — Nr. 24 Seae 5 der wichtigsten europäischen Probleme sei. Seit ungesähr sechs Jahren seien unter der Leitung des Jugoslawen Dr. Wilfan die in den europäi¬ schen Minderheitcnkongressen vereinigten Völker- gruppen an der Arbeit, um diese hochwichtige Frage einer günstigen Lösung zuzuführen. Die Arbeit ist ungemein schwer, aber sic gehe doch vorwärts. Wie seinerzeit die Religionskämpfe im Dreißigjährigen Kriege ihren Abschluß fanden und die Freiheit der Religionsbekenntnisse hergestellt wurde, so werde auch in der nächsten Zukunft das Problem der nationalen Mindeiheiten durch die Zuerkennung der sprachlichen und kulturellen Frei- heil für die Mitglieder der Minderheitsvölker gelöst werden müssen, zum Wohle der einzelnen Staaten und im Interesse des Friedens. Jugo¬ slawien, das keinen Anlaß hat, mit dem deutschen Volke in Unfrieden zu leben, sei berufen, auf diesem Gebiete beispielgebend voranzuschreiten. Der Redner dankte ferner dem Vertreter der süd¬ slawischen Völkerbundliga Prof. Dr. Djorovic für seine Zusicherung, den Deutschen in Südslawien bei ihrem Bemühen beizustehen, die volle Freiheit der kulturellen Entwicklung und des deutschen Schulwesens zu erreichen. Dr. Kraft wendete sich dann in serbischer Sprache an die Vertreter des kgl. Hauses und der Regierung mit der Bitte, von der Loyalität und Ergebenheit der deutschen Bürger, welche zu den besten Bürgern des ge¬ meinsamen Vaterlandes zählen, hohen Orts zu berichten. Hierauf wurde das Bankett beendet und die Festgäste beeilten sich, den Festzug anzusehen. Der Aestzug. Unter Vorantritt der Musikkapelle setzte sich der Festzug vom Brauhause aus in Bewegung. Zu beiden Seiten der Straße standen dicht ge¬ drängt die Zuschauer, die die einzelnen Gruppen des Festzuges stürmisch begrüßten und mit Blumen überschütteten. Den Zug eröffneten vier Herolde in mittelalterlicher Tracht und mit der Staats¬ sahne. Nun folgte eine große Gruppe in der altehrwürdigen Gottscheer Tracht, alte Gotlscheer Volkslieder singend. Allerliebst waren die Kin¬ derlein, gegen dreißig an der Zahl und ebenfalls alle in Gottscheer Tracht. Sehr interessant waren in dieser Gruppe die alten Holzwagen mit den altertümlichen landwirtschaftlichen Geräten, die einst von unseren Vorfahren zur Bearbeitung des kargen Karstbodens benützt wurden. Auch die Billichfänger mit ihren Bastmänteln, Bilchmützen und „Pilichmatzlein" und die Hirten mit den „Tuthörnern" fielen sehr angenehm auf. Die Gruppe des Grafen Friedrich von Cilli mit seinen Mannen und der reizenden Veronika von Deßnitz wurde allgemein bewundert. Jäger in mittelalter¬ licher Tracht trugen das wohlgelungene Modell des Schlosses der Fürsten Auersperg, rund um¬ geben mit den Wappenbildern der mit dem Gott- scheer Lande so eng verknüpften fürstlichen Fa¬ milie. Es kamen die Wagen der einzelnen Ge¬ werbe. In einem Riesenschuh klopften die Schuster; in einer rauchenden Schmiedewerkstätte hämmerten die Schmiede; ein Wagen in Gestalt eines un¬ geheuren Bügeleisens trug die Schneider; ein großes Faß, vorstellend den heimischen Maierler Weinbau, besagte, daß der köstliche Tropfen von der Weingroßhandlung Tschinkel-Ganslmayer ge¬ liefert wird. König Gambrinus ritt sein Bierfaß durch die Menge und verteilte an durstige Kehlen sein edles Naß. Die Holzindustrie, ein sehr wichtiger Erwerbs¬ zweig in unserem Ländchen, war mit einem sehr stilvoll gehaltenen Wagen vertreten. Der Fest¬ wagen mit dem Genius, einen Goldstab mit Lorbeerkranz und der Zahl 600 haltend, und den allegorischen Figuren Handel, Gewerbe, Land¬ wirtschaft und Industrie darstellend, glich einem herrlichen Garten und fand allgemeinen Beifall und Bewunderung. Den Schluß des Zuges bildeten die freiwil- ligen Feuerwehren des Ländchens mit ihren Fah- nen. Der Festzug löste sich dann vor der Fest¬ halle auf. Diese war im Augenblick gedrängt voll. Hier wurde eine Gottscheer Hochzeit auf- geführt, die den begeisterten Beifall der Zuschauer fand. Diesen Teil des Festes beehrte auch der Banus Jng. Sern ec, der im Automobil von Ljubljana gekommen war, mit seiner Anwesenheit. Nach Einbruch der Dunkelheit wurde auf der Festwiese ein herrliches Feuerwerk abgebrannt und lauter Beifall der Zuschauer begrüßte das Gott¬ scheer Wappen mit der Zahl 600. seine 6jemcjcfien, jäclecüen, 6m-- 6en uncj^ücüer bedürfen cjer Zu¬ verlässig desinfizierenden?ersil- pflege, clie alles sriscfi uncl sauber macbt, vc-eicb uricl mollig erbält. V^ascben 5ie alles mit ?ersil! Ibr fivleincflen füblt sicb >vobl in persilgevmsobener Wäscbe. Das fröhliche Treiben eines Volksfestes, das der am Abend einsetzende Regen nicht sehr zu stören imstande war, bildete den Abschluß der denkwürdigen Gottscheer 600-Jahrfeier. Der nächste Tag diente bloß noch den Ausflügen auf das Land hinaus, wo die einzelnen Dörfer von den Festgästen besucht wurden. Zusammenkunft von Studienkollegen. Mit den zahlreichen auswärtigen Landsleuten haben auch gegen 80 ehemalige Schüler des ge¬ wesenen deutschen Gottscheer Obergymnasiums in der Heimat während der Jubiläumstage geweilt. Überaus herzlich waren da die gegenseitigen Be¬ grüßungen, hatten sich doch manche seit 20 bis 30 Jahren nicht mehr gesehen. Im schattigen Gastgarten des Herrn Eduard Tomitsch feierten sie am Sonntagnachmittag das Wiedersehen, ge¬ dachten vergangener Zeiten, der schon Heimgegan¬ genen Kollegen und in besonders dankbarer Ge¬ sinnung jener drei Männer (Knapp, Wolsegger und Obergföll), die sich um unser Gymnasium und die Heranbildung heimischer Intelligenz am meisten verdient gemacht haben. Nur zu rasch verlief sdie Zeit der Feier des Wiedersehens und der Freundschaftserneuerung. Des Aeftes Wachfeier. Der 4. August (Montag) war für Ausflüge in die Umgebung der Stadt bestimmt. Tatsächlich haben solche zur Burgruine Friedlichstem, ins Hinterland und in die Seeler Grotte stattge¬ funden und waren davon alle hochbefriedigt. Die Gottscheer wissen gar nicht, bemerkte ein Reichs¬ deutscher, welche Schönheiten ihr Ländchen auf¬ weist. Der lohnendste Ausflug am Montag war aber der nach Stara cerkev (Mitterdorf). Dort kamen nachmittags über 2000 Menschen zusammen. Auch die Ausflügler nach anderen Orten hatten es so einzurichten verstanden, daß sie noch rechtzeitig in Mitterdorf einlangten. Hier feierte Lehrerin Frl. Amalia Erker best¬ verdiente Triumphe. Doch lassen wir der „Deut¬ schen Zeitung" das Wort. Sie schreibt: Am Montag nachmittag wurde in Stara cerkev (Mitterdorf) unter den alten Dorflinden eine Aufführung in Gottscheer Mundart gegeben, zu der sich eine vieltausendköpfige Zuhörermenge eingefunden hatte. Nicht nur die Bewohner aller Dörfer der Gemeinde waren herbeigeeilt, sondern auch aus der Stadt und den näher gelegenen Ortschaften kamen sie in Fubrwerken und Kraft¬ wagen angefahren, um dieser glanzvollen Nach¬ feier beizuwohnen. Auch die Teilnehmer an den ganz und halbtägigen Ausflügen hatten ihr Reise¬ programm derart eingeteilt, daß sie zum Beginn der Aufführung um 8 Uhr nachmittags rechtzeitig in Stara cerkev (Mitterdorf) eintrafen. So fand das von der Lehrerin Frl. Amalie Erker verfaßte, einstudierte und geleitete Volksstück in drei Akten einen mächtigen Widerhall, der bei den vielen packenden Szenen in brausenden Beifallsstürmen zum Ausdruck kam. Der die ganze Aufführung durchwehende Geist der Liebe zur Scholle, zur angestammten Heimaterde entlockte alt und jung Tränen der Rührung. Besonders ergreifend war das Gelöbnis des Kinderchores, am alten Volks¬ tum festzuhallen, und die symbolische Darstellung der sechs Jahrhunderte seit der Besiedlung des Landes. Wir möchten fast bedauern, daß diese Aufführung nicht in das offizielle Programm der Festlichkeiten in der Stadt Kočevje ausgenommen wurde, weil dieses Volksstück sicherlich einen Glanz¬ punkt der Festlichkeit gebildet hätte, und dürfen uns wohl der Erwartung hingeben, daß von den in Betracht kommenden Stellen die Wiederholung der Ausführung in allen größeren Gottscheer Ge¬ meinden in die Wege geleitet werde. Nach Ein¬ tritt der Dämmerung erstrahlte das Dorf in einer gerade zauberhaft wirkenden Beleuchtung, die durch das feierliche Glockengeläute eine fast religiöse Weihe erhielt und eine geradezu andächtige Stim¬ mung auslöste. Jedes Haus des mit Kränzen und Blumen festlich geschmückten Dorfes war durch Kerzen- und Lampenschimmer in ein Lichtmeer ge¬ taucht, das sich von dem umgebenden Dunkel der Gärten magisch abhvb. Am wirksamsten bot sich der Dorfplatz dar, unter dessen ehrwürdigen Linden sich bei den Klängen einer unermüdlichen Zieh- Harmonika ein festlich bewegtes Treiben bis in die späten Abendstunden regte. Mit dem Erlö¬ schen der Lichter fand auch diese herrlich verlau¬ fene Nachfeier, die allen Teilnehmern unvergeßlich bleiben wird, ihren Abschluß. Eine weitere Jubiläums-Nachfeier hat Sonn¬ tag den 10. August in Gatschen und Öden Po- gorelz stattgefunden. Eine große Volksmenge aus Gottscheer Zeitung — Nr. 24. Seite 6. Jahrgang XIl. nah und fern hatte sich da eingefunden, um der Enthüllung der beiden Gedenksäulen beizuwohnen, die zur Erinnerung an die einst hier bestandenen ältesten, nunmehr verschwundenen Gottscheer Dörfer beizuwohnen. Die Enthüllung nahm der Herr Pfarrer Wittine aus Planina (Stockendorf) vor, der auch die Gedenkrede hielt. Auch aus der Stadt Kočevje waren zahlreiche Teilnehmer ge¬ kommen. Die Stimmung unter den Festteilneh¬ mern war eine allseits gehobene und festliche. Schlußßetrachtung. Was alle Mitglieder des Festausschusses in verhältnismäßig knapper Zeit geleistet haben, ver¬ dient ungeteiltes Lob. Vorüber sind nun die Festtage und der Alltag ist wieder eingekehrt. Soll es nun etwa heißen: Aus den Augen, aus dem Sinn? Keineswegs. Die 600 Jahre der Vergangenheit müssen sich vielmehr auswirken in der kommenden Zukunft. Das abgeschlossene Jubiläum soll dauernd unser aller Tun beeinflussen. Vor dem Feste und während desselben haben es unsere Führer ausgesprochen, daß mit ihm in erster Linie die Stärkung der Heimatliebe, die Wertschätzung des heimatlichen Bodens und das Festhalten an demselben beabsichtigt war. Auch alle unsere auswärtigen Freunde stimmen diesbezüglich mit uns überein. Alles wollen wir deshalb daran sitzen, daß unserer Väter deutsche Sprache und ihr Glaube uns erhalten bleibt, unablässig soll unser Mühen und Arbeiten zur Erhaltung des heimatlichen Bodens sein und in unwandelbarer Treue wollen wir jenen zur Seite stehen, die als Führer unseres Völkleins in den schlimmsten Tagen sich bewährt haben und ehrlich bestrebt sind, Mittel und Wege zu finden, unsere wirtschaftliche Lage zu heben. Beseelt uns alle diese Gesinnung und dieser Wille, dann werden auch in Zukunft alle ehrlich gesinnten Menschen uns achten und bereit ein¬ stimmen in den Wunsch: Hoch lebe das Gottscheer Land! Hoch seinen deutschen Söhnen! Eine slowenische Stimme über die Gottscheer 600-Zahrfeier. Der Ljubljanaer „Slovenec" veröffentlichte vor kurzem an leitender Stelle einen an die Schrift¬ leitung gerichteten Brief, dem wir nachfolgendes entnehmen: Herr Schriftleiter ! Heute getraue ich mich Ihnen fast nicht zu schreiben, weil ich nicht weiß, ob Sie mit mir übereinstimmen werden — bezüglich der Gottscheer nämlich. Mir, aufrichtig gesagt, imponieren die Gottscheer. Kaum eine Hand¬ voll sind es ihrer, 12.000 Seelen inmitten des Millionenwirtsvolkes, und doch haben sie sechs¬ hundert Jahre ihre völkische Besonderheit und Ei¬ genart bewahrt, die sie auch in Zukunft nicht zu opfern gedenken — wenigstens freiwillig nicht und nicht ohne den ausdauerndsten Kampf gegen die Unerbittlichkeit des Schicksals. Sollen andere die Gottscheer deshalb nicht mögen, ich schätze und achte sie gerade deswegen von jeher hock und glaube, daß sie uns als Muster dienen können. Sechshundert Jahre von seiner Volksgemeinschaft abgetrennt zu sein und ohne jede wesentliche An¬ passung an das fremde Volk, in dessen Mitte sie ein kleines Inselchen bilden, seine Sprache, seine innere Gestalt und seine angeborene Kultur zu bewahren, dies ist der Beweis einer größter Be- wunderung werten Zähigkeit, Charakterfestigkeit und Widerstandsfähigkeit, auch wenn wir alle günstigen Momente in Betracht ziehen, die diesem Völkchen geholfen haben, sich selbst zu erhalten. Nichts würden nämlich diese äußeren günstigen Umstände ausgemacht haben, wenn nicht in diesen Leuten so viel eigene völkische Kraft, Liebe zu ihrem, wenn auch äußerst armen und bescheidenen Wesen und so viel Gefühl für nationale Gegensei¬ tigkeit aufgehäuft wären. Daß diese Kräfte aus dem Inneren quellen, aus den Wurzeln der Gei¬ stigkeit, daß sie nicht erst durch Propaganda künst- lich geschaffen wurden, dies zeigt jede Erscheinung und jeder Ausdruck des Gottscheer Lebens. Die Gottscheer können also mit Recht auf ihren 600- Jahrbestand auf unserem Boden stolz sein, wir aber müssen uns vor ihrem Volksbewußtsein nur verneigen. Sollen wir es vielleicht den Gottscheern verargen, weil sie ihrem deutschen Volke, der Muttersprache und der Sitte ihrer Vorfahren treu geblieben sind und sich nicht entnationalisteren ließen, wie sehr dies verständlich wäre? Wir dürfen ihnen das nicht Übelnehmen, sondern noch lernen müssen wir von ihnen! Die Gottscheer schreiben in ihrer „Gottscheer Zeitung" überaus schöne Artikel im obigen echt heimatlichen Sinne. Ich möchte ihnen auch gerne sagen, daß sie ausrichtig und tief dankbar unserem König und dem Staate sein mögen, in welchem sie den 600 jährigen völkischen Bestand gefeiert haben, der ihnen in unserem Staate vollkommen gesichert ist. Unser großer Herrscher und seine Regierung haben damit eine Tat vollbracht, aus der die ganze Welt mit Recht schließen darf, daß in Jugoslawien jeder einzelne und jede Gruppe, die im Einklang mit dem Ganzen lebt, frei ihr besonderes Wesen pflegen darf, insoweit sie wert¬ volle und dringend notwendige Elemente der Ge¬ meinsamkeit darbringt und sich damit noch mehr bereichert und festigt. Die äußere Welt aber wisse, daß wir das, was wir unseren nationalen Minder¬ heiten aus unserer tief moralischen Auffassung des startlichen Zusammenlebens verschiedenartiger Teile freiwillig lassen und geben, auch für die Mitglieder unseres Volkskörpers, die außerhalb des Natio¬ nalstaates leben, mit vollem Recht verlangen dürfen. Aus Stadt und Land. KoLevje. (L a n d s l e ute!) Die einzelnen Gen¬ darmerieposten haben von der Bezirkshauptmann¬ schaft in Kočevje den Auftrag erhalten, die der Be¬ hörde seinerzeit vorgelegten, von ihr damals nicht verbotenen und bis vor etlichen Tagen öffentlich getragenen Festabzeichen der Gottscheer 600 Jahr- feier zu verbieten. Wir teilen dies unseren Lands¬ leuten zur Kenntnisnahme mit. — (Gottscheer Volkslieder.) Vor mir liegt ein zierliches Bändchen „Gottscheer Volks¬ lieder mit Bildern und Weisen", das soeben im Verlage Walter de Gruyter u. Co. in Berlin und Leipzig erschienen^. Das Büchlein, das gerade zur 600-Jahrfeier auf den Altar der Heimat ge¬ legt wird, wird sicherlich in Stadt und Land Gottschee freudige Aufnahme finden. Die Aus¬ wahl von 36 Liedern, es sind durchwegs Perlen unseres heimischen Liederschatzes, stammt aus der Sammlung unseres unvergeßlichen Lands¬ mannes Direktor Dr. Hans Tschinkel in Prag. Die äußerst wertvollen Kunstbeiträge verdanken wir unserem heimischen Künstler, Maler Michael Ruppe in Salzburg. Es bedarf wohl keiner be¬ sonderen Aufmunterung, sich diese willkommene Jubiläumsgabe kommen zu lassen. Sie gehört in jedes Gottscheer Haus, auf daß die Sangeslust wieder erwache bei jung und alt. Trinken wir aus diesem Lrederborn, der so reichlich über die heimatlichen Gefilde dahinfloß, schöpfen wir neue Kraft aus dem Geiste, der unsere Ahnen beseelte! — Leider vermissen wir in dem Hefte eine An¬ zahl der bekanntesten Lieder, insbesondere das Lied „Du hoscht lai uain attain", deren Auf¬ nahme dem Herausgeber besonders ans Herz ge¬ legt wurde. W. T. Dolga vas (Grasenfeld). (Die Lehrlings¬ prüfung) haben in Ljubljana vor kurzem ab¬ gelegt Johann Wolf 30 und Heinrich Lamperter 77, wodurch ersterer Friseurgehilfe, letzterer Mau¬ rergehilfe geworden ist. KoLevska reka (Rieg). (Die 600-Jahr- feier) verlief in Rieg der allgemeinen Festord¬ nung entsprechend. Besonders reges Leben herrschte am Samstag abends. Bei Einbruch der Dunkel¬ heit sah man die Höhenfeuer ausflammen, eins nach dem andern, von der Göilenitzer Steinwaud, wo hoch oben ein mächtiges Feuer brannte, bis zum Verdrenger Berge und nach Oberskrill. Jede Ortschaft halte ihr eigenes Feuer. Gleichzeitig mit dem Ausflawmen der Höhenfeuer ertönte von der Pfarr- und allen Filialkirchen festliches Geläute, in weiches sich das Dröhnen der Böllerschüsse mischte. Im Kirchturme, dessen Fenster mit vielen Kerzenlichtern beleuchtet war, hatten sich Burschen und Mädchen eingesunken und sangen von hier aus alte Gottscheer Weisen und das neue Gott- scheerlied. Schön beleuchtet war das Dorfkreuz mit einem Kranz von Kerzenlichtern, der Fried¬ hof glich einem Flammenmeere. Am Sonntag strömte alles in die Stadt, niemand wollte da¬ heim bleiben. Montag wurde in der Pfarrkirche eine Seelenmesse für die verstorbenen Vorfahren aus der Rieger Pfarre gelesen. HrLarice (Masern). (Trauung.) Am 28. Juli wurde in der hiesigen Pfarrkirche Herr An¬ dreas Cetinski, Gastwirt und Kaufmann in Hinter¬ berg 16, mit Fcl. Christine Sbaschnik, Tochter des Besitzers und Schmiedemcisters, getraut. Dem jungen Paare viel Glück und Segen! — (Bautätigkeit.) Im Laufe des Mo¬ nates Juli wurde unsere Dorfquelle mit einer Be-- tonmauer umgeben. Ebenso wurde die Friedhofs¬ mauer samt Totenkammer einer gründlichen Ver¬ besserung unterzogen. Beide Neuerungen gereichen der Ortschaft zur Zierde und bekunden die eifrige Tätigkeit der jetzigen Octschaftsverwaltung. Wek. Kikinda. (Todesfall.) Am 4. Juni verschied nach längerem Leiden Herr Matthias Lkiber, Hausierer. Er hinterläßt eine Witwe mit drei Kindern. Die fremde Erde sei ihm leicht! Innsbruck. (Die Gottscheer Hausierer) werden aufmerksam gemacht, daß die Hausierbe- willigung nur vom 1. September bis 1. April eines jeden Jahres erteilt wird. Wer vor dem 1. September nach Innsbruck fährt, erhält auf keinen Fall die Hausierbewilligung und kann spazieren gehen. Herausgeber u. Eigentümer: Josef Eppich, Stara cerkev. Schriftleiter: Alois Krauland, Koäevje. Buchdruckerei Joses Pavliöek in Koäevje. Mel Motmaller 4 Takt, beste englische Marke Hpek und Kska Aahrräder Kfaff-Wähmaschinen Dreschmaschinen, Mhmühlen Grammophone, Kinderwagen alles erstklassige Erzeugnisse, empfiehlt srsnr Lttbinlrel, stocevje. Gin junger Stier dreizehn Monate alt, ist zu verkaufen. Anzufragen bei Ferdinand Kresse in Gornje LoLme 9. preiswert zu verkaufen ist wegen Todesfalles des Besitzers ein Paar Pferde samt Geschirr und Wagen. Anzufragen bei Skiber in Koblerje 13. Vie neue im eigenen, vormals Oswaia-Sattelmercben SesclMsvause am « fiauptplatre. * Heldverkehr im Jahre 1929 160,000.000 Ak« Kulante KoniolrorrenweSingungen Mr Kaufleute. Korienlore vurcstMstrung Ser Intavulatlon uns Stempel- treidelt für Sie ScstulSrcsteine. Spar- uncl varlekeMasse, Kinlagenstand am 31. 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