Laiblichkr Tagblatt. Redaction und Expedition: Bahnhosgasse Rr. 15. Nr. 18. ESEHEB Mittwoch, 15. Zänner 1879. — Morgen: Marcellus. WWlWD IL.Jahrg _____________Mit der Post: Ganziahr. fl. 12. _________________________________________________ O ic|fle„ t,jfl 5 Zkil-n 20 kr. ^ 3 Vom Tage. ^ ?'E ..Montagsrevue" versichert, daß der Tag ''ach der Abstimmung über den Berliner Vertrag das Ministerium Auersperg in seiner der-Mtigen Zusammensetzung nicht mehr finden wird. !«• f'alet „Tagespost" wird aus.Wien mit-■Reirl' ,^cr künftige Präsident des österreichischen Kabinets bereits designiert sei und dessen Name politischen Kreisen große Ueberraschung bieten werde. 1 ; 9 Die Grazer „Tagespost" erfährt, die Wiener Regierung hätte auf den wiederholten Hinweis aus Berlin, daß gemeinsame Maßregeln aller -negterungen ge gen den Socialismus und me Anarchie wünschenswerth erscheinen, geantwor- N? inanfich in Wien nicht anmaße, ein Ur-£ o Deutschlands Verhältnisse zu fällen; aber in Ocherreich sei man sicher, mit den bestehenden Gesetzen vollkommen auszureichen, mithin sei kein Anlaß zu irgend welchen Ausnahms-Maßregeln. Wie das genannte Blatt vernimmt, sind die Führer der Czechen in vertraulicher, aber bestimmtester Weise verständigt worden, daß die Regierung den von gewisser Seite mit ihnen ein-geleiteten Verhandlungen vollständig ferne stehe. Es wurde ihnen zugleich mitgetheilt, daß die Regierung, wenn sie auch den Eintritt der Czechen w den Reichsrath auf's freudigste begrüßen würde, doch an ihrem Standpunkte festhalte. Der Ein-ilnilw j*'?en habe bedingungslos und ohne folgen dafür zu leistende Coneession zu er- Nach Bericht der „Budap. Korr." sollen bei den gegenwärtig in Wien stattfindenden Verhandlungen bezüglich Bosniens eingehende Berechnungen namentlich darüber stattenden, ob die ^ d m i n i st r a t i o n s k o st e n der occupierten Län- der aus de« eigenen Einnahmen derselben bedeckt werden können. Die Kritik ausländischer Blätter über das „ M a u l k o r b" - G e s e tz dauert in offener Sprach-form fort, die Ablehnung der Bismarck'schen Vorlage wird als sicher angenommen. Eine ausländische Journalstimme äußert sich, wie folgt: „Der Reichstag wird zur Bierstube erniedrigt, wo die Polizei über das freie Wort zu Gericht sitzt und den Sprecher nach Gutdünken verurtheilt." Der Petersburger „Reichsanzeiger" veröffentlicht einen Befehl des Kaisers, durch welchen infolge einer Vorlage des Finanzmini st« rs unter dem 29. Dezember alten Stils angeordnet wird, Mittel ausfindig zu machen, um die Reichs-Ausgaben zu verringern. Zu diesem Be-huse wird eine besondere hohe Kommission unter dem Vorsitze des wirklichen Geheimrathes Abaza eingesetzt. Der afghanische Krieg ist seinem Ende nahe. Kandahar wurde von den 'englischen Truppen ohne Widerstand besetzt. Die volkswirthschaftliche Lage ~ ist in ganz Europa eine gedrückte. Oesterreich-Ungarn, England, Fränkreich, Deutschland, Belgien, sämmtliche Industriestaaten haben einen be-klagenswerthen Nothstand zu verbuchen. Diese unleidliche, durch die politischen Wirren gesteigerte Nothlage wird bei Beginn des Jahres 1879 in nahezu sämmtlichen Blättern des In- und Auslandes constatiert. Im „Journal des Debats" entwirft P. Leroy-Beaulieu nachstehendes Bild von der in Handelskreisen herrschenden Nothlage: „Seit drei Jahren schmachtet Europa in einem wirtschaftlichen Provisorium; es hat nicht mehr Handelsverträge mit langer Frist, welche dem Verkehr volle Beruhigung gaben, zur Richtschnur; es entbehrt sogar jedes leitenden Prinzips über- haupt. Sonst und noch vor kurzem galt die Handelsfreiheit für ein Ideal, dem sich alle Staaten gemessenen, aber beständigen Schrittes nähern sollten. Das soll jetzt alles anders werden. Die abgelaufenen Handelsverträge werden nicht mehr erneuert; man erstreckt sie höchstens auf sechs Monate, auf ein Jahr. Frankreich hat einen Enquöte-Ausschuß eingesetzt, der vorwiegend protektionistische Neigungen verräth. Herr von Bismarck hat soeben einen höchst eigenthüm-lichen Brief geschrieben (une lettre des plus originales), in welchem er, die altpreußischen Überlieferungen und das Beispiel seines berühmten Vorgängers im Stich lassend, alles und jedes an der Grenze besteuern zu wollen erklärt. Spanien war im Jahre 1877 mit einer Erhöhung seiner Tarife und mit der Einrichtung von Differentialzöllen vorangegangen. Italien war diesem Beispiel gefolgt, und nach der Verwerfung deS mittelmäßigen oder richtiger schlechten Entwurfs zu einem neuen franco-italienischen Handelsvertrag haben Frankreich und Italien, diese beiden Schwestervölker par excellence, sich gegenseitig unter die Herrschaft der Generaltarife gestellt und Zoll-repreffalien geübt, wie zu Ende des 17. Jahrhunderts oder unter Napoleon I. Am Ende hat, um die Reihe dieser Verirrungen zu schließen, sogar in England eine große Anzahl von Fabrikanten erklärt, daß, wenn die ganze Welt ihren Erzeugnissen den Markt verschließen will, sie dasselbe für die Erzeugnisse der Nachbarvölker thun werden. So befindet man sich in einem wahren wirtschaftlichen Chaos, welches gewiß nicht dar beste Mittel ist, sich von der Krisis zu befreien. Niemand scheint zu bedenken, daß man nichts dabei gewinnen wird, die Einfuhr fremder Erzeugnisse zu behindern, wenn man gleichzeitig die Ausfuhr der eigenen hemmt. Das richtige Heilmittel läge vielmehr darin, daß man dem Welthandel durch neue Verträge Jeuilleton. Der Eintag-Baron. Humoreske Von Otto Mose r. (Fortsetzung.) ■ Sch bin eigentlich ein rechter Esel, daß ich Obertribunalrath bleibe, fuhr Görgel fort. Habe da ein hübsches räumliches Rittergut, besitze das große Vermögen der seligen Tante Salome — Gott habe den alten Drachen selig — und könnte *>on früh bis abends essen, trinken, schlafen und dumm thun, ohne mich um einen Menschen zu mmmern; ja ich könnte sogar Selma, die Junge-unseres Nachbars, des Kommerzienraths ^iswmm, heiraten, für die ich einiges Wohlgefallen empfinde. Aber es ist, als wäre man verhext auf fein Amt. Es ist nur ein Glück, daß «egul.-Lose . Ung. Prämienanlehen Diener Unlehen . . . Adiufatcn betrügt, und viele andere Kunst- und Werthgegen effektiv in Gold. stände in Gold und Silber, zusammen 3000 Treffer ” 2* 60,000 fl. Dir Ziehung erfolgt unter Kontrolle des Magistrates am 25. Februar 1879. Bei auswärtigen Aufträgen wird frankierte Einsendung des Betrages und Beischluß von 30 kr. für Franeo-Zufendung der Lose nnd s. Z. der Ziehungsliste ersucht. (593) 12—6 feclsttk äer ÜHIOS-BASK, Wien, Grata I Druck von Jg. v. Kleinmayr & Fed. Bamber«. Verleger: Ottomar Bamberg. Für die Redaction verantwortlich: Franz Müller.