UDK 82.0 (497.12) "1881/1941" Gerhard Giesemann Univerza v Gießnu GRUNDPROBLEME SLOVENISCHER LITERATURWISSENSCHAFT UND LITERATURKRITIK AM BEISPIEL DES LJUBLJANSKI ZVON Študija se ukvarja z razvojem literarne vede v Sloveniji v letih 1881-1941 in analizira probleme kritike, prevajanja in literarne teorije. The study draws attention to the development of the science of literature in Slovenia between 1881 and 1941 (Ljubljanski zvon) and analyses the problems of literary criticism, translation and literary theory. 1 Die Sprachformation, der Traditionsaufbau, die rezeptioneile Bereicherung eines Kulturkreises werden in erster Linie von der Entwicklung der schönen Literatur bestimmt und gekennzeichnet: vom 19. zum 20. Jahrhundert eine Bewegung aus dem geschlossenen Umfeld provinzieller oder nationalistischer Perspektiven in die Vergleichbarkeit, Allgemeinheit, Austauschbarkeit einer offenen europäischen Gesellschaft. Dies vollzieht sich, wie wir empirisch bestätigen können, in unterschiedlichen Räumen variabel in Zeit und Konzentration. In einem jeweils besonderen Verhältnis zu diesen Bewegungslinien steht auch - anregend oder reagierend - ihre kritische, historische und theorethische literaturwissenschaftliche Begleitung. Daß diese sich für den slovenischen Bereich in einem von anderen Entwicklungen - etwa der deutschen - abgesonderten Prozeß vollzieht, hängt mit den spezifischen Problemen dieser Kultur zusammen. Kennzeichnende Bedingungen sind a) die Nähe zur übermächtigen europäischen Kulturtradition, b) die daraus folgende negative Bilaz in der gegenseitigen Rezeption und c) eine auf das gesamte kuturelle Umfeld gerichtete Synthese, die spezielle methodische Festlegungen vermeidet. Solche faktenbezogenen Vorbedingungen lösen für die literaturwissenschaftliche Bewältigung des Kulturprozesses disparate Strategien aus, die deutlich auf eine Betroffenheit, ein Engagement hinweisen; Nachforschungen zu den Grundproblemen slovenischer Literatruwissenschaft provozieren im Ergebnis ein Psychogramm intellektuellen Bewußtseins.' Einige Stichworte in diesem Zusammenhang, die die emotionale Doppelstrategie von Reaktion und Provokation verdeutlichen: Die Erkenntnis des Nachholbedarfs löst einerseits Unterlegenheitsverhalten aus (etwa die ' Deutlich wird etwa in einem grundsätzlichen Rezensentenkommentar zu G. Kreks Veröffentlichung Anton Aškerc. Studie mit Uebersetzungsproben: »V dvojnem ožini se zdi meni dobro, če se naši pisatelji in pesniki prelagajo na tuje jezike. Prvič seznanimo na ta način z našim slovstvom tujce, ki so dostikrat preoholi, da bi se priučili slovenskemu jeziku in ki le preradi sodijo prezirljivo o nas, drugič pa začnemo mi sami dostikrat naše pesnike in pisatelje šele potem prav ceniti, če čitamo njih proizvode v tujem jeziku, ker se nam nudi tako prilika, primerjati jih z izvirnimi proizvodi dotičnega naroda. Kolikokrat nam je kak nemški pesnik nad vse mere imponoval - v prvi vrsti pač zato, ker smo ga toliko hvalili čuli - dočim smo bili do naših domačih pesnikov a priori nekako nezaupljivi! Ko pa smo čitali kako pesem tega ali onega naših pesnikov dobro preloženo na nemški jezik, smo zastrmeli, in zdaj šele smo se zavedeli, da gre našemu pesniku prednost pred marsikaterim nemškim!« (LZ 1900, 123). Klage der Nichtbeachtung, der Verunglimpfung, aber auch die stolze Freude über Beachtung durch andere, »größere« Kulturen), kommt andererseits zur Forderung nach mutiger Propagierung der slovenischen Literatur im Ausland, verbunden mit regelrechten literaturpolitischen Programmdiskussionen. Warnungen vor Selbstüberschätzung und innerkultureller Genügsamkeit stehen selbstbewußten Forderungen nach Pflege eigenständiger Werte gegenüber, Äußerengen von Minderwertigkeitsgefühlen provozieren gleischberechtigte Anerkennung. Die kurz angerissene Problematik soll systematisch am Beispiel der literaturpolitischen Programmatik des Ljubljanski zvon aufgezeigt werden. Die Zeitschrift ist als Diskussionsforum einmal wegen ihrer relativ offenen weltanschaulichen Einstellung repräsentativ - was sie von stärkerer weltanschaulichmethodischer Bindung in Dom in svet oder Svoboda abhebt2 - zum anderen auch im Hinblick auf ihre Kontinuität. Ljubljanski zvon eröffnet die Möglichkeit, die Entwicklung literaturwissenschaftlicher Kategorien über einen längeren Zeitraum und durch mehrere Epochen kulturellen Profilierung zu verfolgen. Die Zeitschrift ist zudem ein Organ, das sich vorwiegend Problemen des Literatur, Kultur und Kritik verschrieben hat, wie schon der Untertitel bezeugt. 2 Folgende Schwerpunkte werden im Sinne der Themenstellung herausgearbeitete:1 1. Übersetzungsproblematik; 2. Methodische Überlegungen in theoretischer Darlegung und praktischer Anwnen-dung (Literaturgeschichtschreibung); 3. Literaturkritik (Rezensionen, Diskussionen, Provokationen). Der gemeinsame Nenner dieser Bereiche ist die slovenische Literatur in Interaktion zur europäischen Kultur. Diese Beziehung ist eine stets spürbare Begleiterscheinung der Argumentation, allgemein kennzeichnend für die Diskussionslage sogenannter kleiner Literaturen. Jede Kategorie stellt jeweils typische Verhaltens- und Argumentationsmuster auf, die sich überschneiden, ergänzen oder ersetzen können. Praxisbezogen ist zunächst die Übersetzungskritik, die sich, hier vorwiegend berücksichtigt, mit Übertragung und Verbreitung slovenischer Literatur im deutschsprachigen Ausland befaßt; sie ersetzt in den ersten Jahrzehn-ten die Literaturkritik und zeigt Ansätze zu literaturtheoretischen Überlegungen. Sie hat somit Stell Vertreterfunktion. Generell kennzeichnend für Versuche zur Literatursystematisierung im Ljubljanski zvon ist das Bestreben der Literaturwissenschaftler, das bereits stark spezialisierte methodische Angebot Eruropas in vorsichtiger Auswahl bzw. Kontraktion für eine allgemeine kulturelle Basisdarstellung fruchtbar zu machen. Die sogenannten kleinen Literaturen sind in ihrem Aufbaustadium auf eine breite Berücksichtigung des kul- : Vgl. dazu die Einschätzung J. Vidmars in dem Artikel Die slovenische Literatur im Jahre 1929, Slavische Rundschau 2, 1930, 260-265. Interessant in diesem Zusammenhang sind auch A. Ocvirks Ausführungen zur Aufgabe slovenischer Zeitschriften: Ideološki temelji sodobne slovenske literarne revije, LZ 1930, 1-4. 3Materialgrundlage sind ca 80 einschlägige Artikel aus dem Zeitraum 1881 -1941. turellen Umfeldes und damit mehr historisch ausgerichtete Methoden angewiesen. Die Literaturkritik schließlich trägt die strategischen Widersprüche zu Markte; in scharfen, z. T. persönlich-polemischen Auseinandersetzungen wird um methodische und literaturpolitische Probleme Sloveniens gestritten in Fragen der Eigenständigkeit und Selbstüberschätzung, im Streit um innerkulturelle Genügsamkeit und kompara-tistische Erweiterung, im Vorwurf der Nestbeschmutzung wie der Verantwortungslosigkeit. Wissenschaftlicher Dilettanstismus, Plagiat, Unkenntnis, Denunziation sind dabei Vokabeln, die die schmerzliche Öffnung nach außen begleiten. Fassen wir zunächst zusammen: Eine virulente Diskussionssituattion in statu nas-cendi literaturwissenschaftlicher Grundlagensuche, geprägt und verstärkt durch kontrastive Impulse aus umgebenden Kulturkreisen, die als Anreiz aber auch Reizung auf das Programm slovenischer Selbstbehauptung wirken. 2.1 Die literaturtheoretischen Ansätze entwickeln sich über die Übersetzungskri-tik. Sie übernimmt in zunehmendem Maße literaturpolitische Funktionen, die sich in der Regulierung des literarischen Verhältnisses zum Ausland, einer darauf abgestimmten Programmdiskussion und der Besinnung auf den Eigenwert und die geschichtliche Mission der slovenischen Kultur ausdrücken. In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts fehlt jedoch noch jede literaturheoretische Systematik. In fallofientierten Mitteilungen zur Situation des Slovenischen im deutschsprachigen Raum4 ist der Tenor der Anzeigen noch naiv-gafühlsbetont und zeigt die Widersprüchlichkeit der Situation: Von Zufriedenheit über den deutschen Widerhall ist da die Rede;5 von Empörung über den deutschen Fanatismus, der die slovenische Kultur im Stile von Kolonialherren begreife.'' Ekenntnisse über die Schwierigkeiten kleiner Kulturen werden erörtert, nämlich als exotisches Angängsel an die europäische Literatur behandelt zu werden.7 Dem wird als politische Handlungsempfehlung die Vermehrung von Übersetzungen ins Deutsche entgegengesetzt, um von der Qualität der slovenischen Literatur zu überzeugen. Wie groß die Gereiztheit ist, läßt sich einem provokativen Vorhalt gegen die uneinsichtigen Kri- 4Es handelt sich um Hinweise und meist kürzere Besprechungen von Veröffentlichungen Prešerens, Tavčars, Kersniks u.a. in deutscher Sprache, sowie Wertungen der allgemeinen Berücksichtigung Sloveniens in deutschsprachigen Übersichten. 5»Vese!i nas, da izvrstni naš pripovedovalec in pisatelj nahaja toliko zasluženega priznavanja tudi zunaj Slovenske. (LZ 1884, 121); V Gottschallovem časopisu Unsere Zeit. Deutsche Revue der Gegenwart /.../ je Hrvat Samuel Singer o Slovencih, njih literaturi in političnem položaji napisal prav lepo« {LZ 1884, 122). 6So empört sich Fran Leveč in dem Artikel Slovenski pisatelji Liška, Linšker in Cingermajer, LZ 1887, 188-191, über verläumderische Herabwürdigungen der slovenischen Kultur im Ausland. 'Diese Einschätzung trifft nicht nur auf das ausgehende 19. Jahrhundert zu. Die slovenische Literatur wird auch im 20. Jahrhundert mit solchen herablassenden Bemerkungen konfrontiert. Ein mitleidiger Fürsorgeeffekt gegenüber Minderheiten klingt in Sätzen wie diesem an: »Die slovenische Literatur war bis in die jüngste Zeit ohne eigentlichen Schund: Von einem kleinen Garten kann Unkraut und Ungeziefer eben leicht fernegehalten werden.« (Slavische Rundschau 1929, 340). tiker Tavčars entnehmen. Der Rezensent würdigt eine Tavčar-Obersetzung ins Deutsche als unumstößlichen Beweis seiner Qualität: »Priporočamo g. Krekov prevod tem resnicoljubnim gospodom, naj ga razborito bero in, če imajo moškega poštenja, sramujejo se svojega obrekovanja« (LZ 1889, 253). Verunsicherung, die aus dem emotionalen und provozierenden Verhalten, ebenso dem Anerkennungswunsch spricht, ist das Kennzeichen einer aufbrechenden Suche nach eigenem, selbstbewußtem Literaturverständnis. Bis zur Jahrhundrtwende verändert sich das Bild. Die Übersetzungskritik ist nun bemüht, sich stärker theoretisch zu engagieren. Sie übt sich zusehends in der Rolle einer allgemeinen Literaturkritik. Die Artikel und Anzeigen gehen von der Fallstudie zur systematischen Problemdarstellung über. Die rezensierte Übersetzungsvorlage ist nur mehr Anlaß, um zur Standortbestimmung in der Konfrontation mit der deutschen Kultur und zur Planung einer Ausgleichsstrategie zu kommen. Erkennbar werden zunächst divergierende Strukturen: einmal Idealvorstellungen vor Übersetzungsangebot des Geberlandes Slovenien, zum anderen aber auch das Wissen darum, daß reale Möglichkeiten der Rezeption im deutschen Kulturkreis äußerst beschränkt sind. Erfahrungen der Benachteiligung werden durch den Glauben an die Überzeugungskraft von Aufklärungsarbeit kompensiert: »Uverjeni smo, da se Kersnikove povesti omilijo tudi nemškemu čitateljstvu, kateremu je možno le tem potom usiliti umotvore našega slovstva ter tako uničiti predsodke o našem barbarstvu.«8 In einer weiteren Rezension zu Kersnik-Übersetzungen wird die innerslovenische Literatursicht mit den »strengen« Kategorien der Weltliteratur konfrontiert und die subjektivistische Eigenwilligkeit slovenischer Kulturpolitik angeprangert. Gemeint ist damit die Nichtiden-tität von heimischer (idealistischer) Literaturpflege und moderner realistischer Strömungen der europäischen Literaturen.4 Die Forderung nach Angleichung an das Weltniveau, mit der das Stigma des Provinziellen abgelegt werden soll, und gleichzeitig die Überzeugung sind dabei richtungsweisend, daß die slovenische Literatur Gleichwertiges zu bieten hat; Prešerens positiver Widerhall in Deutschland wird geradezu euphorisch gedeutet: »Prešeren [...] svetovne cene pesnik in svetovni klasik [...] in ga stalno vrste v svetovno literaturo kot prvega slovenskega zastopnika.« (LZ 1897, 580). Im Gesamturteil ist mithin festzustellen: Immer noch ist das Schwanken zwischen Selbstüberschätzung und Selbstbewußtsein, jeoch auch der Richtungsimpuls auf Vergleichung, Prüfung, Angliederung spürbar. Eine typische Spiegelung dieser Situation finder sich noch im Bericht der Matica slovenska für das Jahr 1910: »Kjer ni nič, tudi Matica ne more nič narediti«.10 Und in Anspielung auf gewisse Tendenzen innerhalb der slovenischen Intelligenz wird warnend auf Isolierungsgefahren hingewiesen: »Kjer so bili narodi kulturno čisto ekskluzivni, tam ni nastalo nič velikega«." In den folgenden Jahrzehnten, etwa von der Jahrhundertwende an, spitzt sich der 11 Aus einer Übersetzungsanzeige, LZ 1897,447. 4LZ 1897, 1 16. Hier liegt ein typisches Beispeiel für die o. a. systematische Problemerörterung vor, der Schritt von der Übersetzungskritik zur Literaturkritik. 1(1 Letopis matice slovenske za leto 1910,4. "A. a. O., 5. Strit um die richtige slovenische Literaturauffassung in den Übersetzungsanzeigen zu. Der Appell an die Verantwortlichkeit des slovenischen Kritikers, das ausländische Zielpublikum nicht mit kleinlichen, innerslovenischen Auseinandersetzungen zu belästigen, korrespondiert mit der Forderung nach Orientierung an der fortgeschrittenen europäischen Literaturauffassung. Solche Überlegungen, die ein Großteil der Anzeigen bestimmen, sind Sturkturprobleme kleiner Kulturen. Slovenien als terra incognita hat die Pflicht, sich gegenüber seinen europäischen Nachbarn ins richtige literarische Licht zu setzen. Die überzeugende ästhetische Wirkung durch richtige Werkauswahl und gelungene Nachdichtung is vor allem der Verantwortung der Übersetzer übertragen. Für den Eintritt in die großen europäischen Literaturen fordern sich die Slovenen ein Selbstzeugnis der Gleichwertigkeit ab: »Francozi, Rusi in Angleži ne potrebujejo več sijajne obleke - Nemci jih že poznajo in jih radostno sprejemajo v svojih salonih. Mi ubogi kmetski Slovenci bi se pa vendar morali predstaviti vsaj - v salonski obleki, da vidijo tujci, da se znamo tudi gibati na gladkem parketu.«12 Das Konkurrenz- und Bilanzdenken, die Forderung einer offensiven Literaturpolitik11 runden die über Jahrzehnte diskutierten Argumente ab. Die Stichworte wiederholen sich und werden zu Beginn der 20er Jahre belanglos. Die Übersetzungskritik hat ihre Stellvertreterfunktion für literaturprogrammatische Vorstellungen erfüllt und verschwindet fast vollständig aus den Seiten des Ljubljanski zvon; die Übersetzung selbst als Werbung und Botschaft der kleinen Literatur spielt in der Internationalisierung der Kulturen keine entscheidende Rolle mehr. Die Aufgabe methodischer Präzisierung, die die Übersetzungskritik nur andeuten, nicht aber wirklich leisten konnte, wird nun an literaturheoretische Überlegungen delegiert, die sich gleichzeitig in zahlreichen Artikeln formieren und systematisieren. 3 Es wird [...] oft und mit Recht behauptet, daß gerade bei uns Slovenen die Sprach- und Literaturwissenschaft bei der Konstituierung der nationalen Individualität sowie der Festigung des kulturellen Bewußtseins eine besonders wichtige Rolle gespielt hat.14 Beteiligt an dieser Konstituierung, von der Jakopin spricht, sind unter den Vertretern der ersten Generation F. Kidrič und der Germanist J. Kelemina, unter denen der zweiten Generation vor allem A. Ocvirk. 1896 begegnet uns in dem Artikel O novih slovstvenih strujah v Slovencih (LZ 1896,600-604, 663-667) ein erster Versuch, literaturtheoretische Fragen zur slovenischen Kulturentwicklung in Beziehung zu setzen. Im Zusammenhang mit den üblichen, schon aus der Übersetzungskritik bekannten Forderungen nach Anschluß und Angliederung an die fortschrittichsten l2G. Kreks Rezension von Fr. Prešeren, Poesien. In deutscher Übertragung gesammelt und herausgegeben von Dr. Fr. Vidic, LZ 1901,572-575, hier: 575. l3Noch 1934 werden in einer bilanzierenden Betrachtung zur slovenischen Literatur im Ausland die vorgestellten Argumente zusammengefaßt und weiterhin als aktuell vertreten. (Vgl. Slovenska literatura in inozemstvo, LZ 1934,476-477). 14F. jakopin, Zum aktuellen Stand der Slovenistik, Sprachen und Literaluren Jugoslavi-ens: Beiträge vom ersten Deutsch-jugoslavieschen Seminar in Göttingen, Hrsg. R. Lauer (Wiesbaden, 1985), 71 -82, hier: 71. Kulturen werden strittige Probleme auf die Tagesordnung gestellt: Ob die in den großen Kulturkreisen erarbeiteten Erkenntnisse, die die Literaturauffassung bestimmen, in allen Phasen nachvollzogen werden müssen; ob eine einfache Übernahme zu Lasten einer gesunden und organischen Entwicklung der slovenischen Dichtung gehe. Der Verfasser des Artikels sieht diese Problematik in der Auseinandersetzung von Anhängern des Idealismus und des Realismus gegeben, als einem Richtungskampf zwischen behutsamem (slovenischem) Konservativismus und modernistischeuropäischen Strömungen, zu dem er das Psychogramm gleich mitliefert: »Najnovejši razpor zastran idealizma in realizma je nam prepirljivim Slovencem seveda -dobro došel.« (LZ 1896, 665). Diese Grundspannung beherrscht auch das erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts. VI. Levstiks Poizkus o lepem slovstvu v Slovencih (LZ 1909, 394^400, 464-469) erinnert in seinen Urteilen zum Literaturbegirff an das Argumentationsverhalten der Übersetzungskritik: Die Widersprüche werden aufgezeigt zwischen slovenischer Selbstgefälligkeit und notwendiger Angleichung an das Weltniveau, aber auch umgekehrt, zwischen europäischer Überfremdung und literarischer Heimatpflege durch den Künstler. Gleichzeitig wird aber auch der Schritt zu einer literaturtheoretischen Aussage vollzogen. Der Streit Idealismus contra Realismus unterligt nicht mehr spekulativen Erörterungen, wie noch 1896, sondern wird nach Gesichtspunkten der zeitgenössischen Ästhetik natürlich prorealistisch entschieden und damit wird eindeutig für das Niveau der großen europäischen Kulturen votiert. Die slovenischen Vertreter des Idealismus demostrieren für Levstik provinzielle Enge. 3.1 Mit Beginn der 20er Jahre ändert sich die Diskussionsgrundlage radikal. Bisher war - ähnlich wie in der Übersetzungskritik - die Berücksichtigung der Bedingungen kleiner Kulturen ausschlaggebendes Argument, d. h. theoretische Grundsatzfragen wurden am slovenischen Standard gemessen und entschieden. Nunmehr wird mit der auzsugsweisen Veröffentlichung von Keleminas Uvod v literarno vedo zum ersten Mal ein zeitgenössisches internatonales Theorierepertoire als Diskussionsanregung eingebracht. Keleminas Arbeit15 wird als erste systematisierende, nicht historische (will heißen: positivistische) Arbeit gefeiert. Das Interesse ist auf den Gegenstand selbst, die Theorie, verlagert; die Erkenntnisanwendung auf den Spezialfall slovenische Literatur ist zweitrangig geworden. Mit Keleminas Arbeit ist also im Grunde die Geburtsstunde der systematischen slovenischen Literaturwissenschaft anzusetzen. Die Artikel Pesnikova osebnost (Odlomek iz Uvoda v literarno vedo) (LZ 1923, 529-534, 593-599, 658-663) und Umetniški princip poezije. Iz Uvoda v literarno vedo (LZ 1924, 385-394, 513-519) weisen Kelemina als Anhänger der geisteswissenschaftlichen Methode aus. Diltheys Einführung eines Psychologismus in die Literaturwissenschaft ist für diese Methode von eminenter Bedeutung: Der Zusammenhang der Kultursysteme wird aus der seelischen Struktur abgeleitet; die Werkentschlüsselung ist auf eine Erforschung des Seelenlebens der künstlerischen l5j. kelemina, Literarna veda: Pregled njenih ciljev in metod (Ljubljana, 1927). Vgl. dazu auch die Rezension in: LZ 1930, 500-501. Persönlichkeit angewiesen. Kelemina kozentriert diese Prinzipien in seinen Ausführungen, wenn er die Analyse der schaffenden Persönlichkeit mit psychologischen Mitteln als die Aufgabe der Literaturwissenschaft erklärt und alle Wirkungsfaktoren des Kunstwerkes von der Disposition, der psychischen Struktur des Autors abhängig macht. Für Kelemina - und hier zeigt sich des weiteren eine Anlehnung an Diltheys Vorstellungen der ideengeschichtlichen Struktur - steht der ideelle Überbau, die »Erhellung des geistigen Prozesses« im Zentrum der Analyse des künstlerischen Prinzips.16 Ähnlich abstinent zu konkreten Problemen slovenischer Literaturwissenschaft verhält sich die Veröffentlichung von F. Čibej: »Funkcije pesništva« (LZ 1926, 587-599). Sie bringt gegenüber Kelemina im Grunde nichts neues: Seine Darlegungen spitzen sich auf die Stichworte der geisteswissenschaftlichen Methode zu (Dichter als Seher, Syntheseziel, Strukturerfassung). Čibej will sich mit seinem Diskussionsbeitrag aus dem Methodenstreit, den er mit den Namen Nadler, Freud, Adler, Gundolf, Wölfflin, Scherer verbindet, heraushalten. Er bestätigt damit indirekt den Widerhall der deutschen Auseinandersetzungen zwischen positivischen, historischen und geisteswissenschaftlichen Richtungen auf slovenischem Boden. Der Nachweis der theoretischen Niveauanhebung auf den europäischen Standard stellt jedoch noch keine Lösung der spezifischen slovenischen literaturwissenschaftlichen Problematik dar. Noch immer ist die Frage der Übertragung von Methoden, die sich an Entwicklungsetappen, gewachsenem Gattungs- und Dichterverständnis, Kulturniveau und Tradition der großen Literaturen orientieren, auf eine junge Kulturnation nicht geklärt, die in gesellschaftlichen, politischen, historischen, kulturellen, sprachlichen, ästhetischen Belangen noch vielfach ein unspezifiziertes, ungeschiedenes Bild vermittelt. 3.2 Dieser Problematik wendet sich der Praktiker F. Kidrič zu, und die Form des Interviews, in dem er 1927 diese Fragen erörtert,17 zeigt, welche Aktualität sie genießt. Kidrič weist mit Recht daraufhin, daß die wissenschaftstheoretischen Fortschritte noch ohne Auswirkung auf die slovenische Literaturgeschichtsschreibung sind; es fehlen anwendungsbezogene Arbeitshypothesen, die in der Lage sind, das gesamte, für kleine Kulturen wichtige soziale, politische, institutionelle Umfeld mit dem literarischen Zentrum zu einer Synthese zu vereinigen. Für spezifische Untersuchungen in Anwendung getrennter historischer, soziologischer oder ästhetischer Perspektiven ist nach Meinung von Kidrič die slovenische Literaturwissenschaft weder von ihrem Material noch von ihrer Ergahrung her geeignet. Slovenien muß selbst die Methoden entwickeln, die seiner spezifischen Literaturgeschichte zu einer modernen, d. h. systematischganzheitlichen Darstellung verhelfen. Die Angleichung an die großen Kulturen ist nach Kidrič solange nicht vollzogen, als die internationale l6Diltheys grundsätzliche Anschauung, daß das literarische Werk vom individuellen Erlebnis ausgeht, mit Hilfe der Phantasie aber eine zweite Werkwelt schafft, in der das Einzelerlebnis symbolhaft überhöht wird, reflektiert Kelemina in der Wesensbestimmung der Poesie als einer die Wirklichkeit übersteigenden Anschauungswelt. 17 Vgl. F. Kidrič, O literarni zgodovini, LZ 1927,449-458. wissenschaftliche Welt noch auf diese Pflichterfüllung wartet.18 3.3 Der notwendige Schritt wird in den 30er Jahren vorbereitet. Die Verflechtung zwischen dem vom Germanisten Kelemina vermittelten europäischen Theoriegebäude und der vom Slovenisten Kidrič angestrebten literaturgeschischtlichen Praxis leistet A. Ocvirk, der die Ergebnisse seiner anwendungsbezogenen Forschung in den 30er Jahren veröffentlicht. Ocvirk beruft sich ausdrücklich auf Kelemina und Kidrič,'4 versucht die Ergebnisse beider zu kombinieren. Vor ihm steht die Aufgabe, das moderne theoretische Wissen mit der Einsicht in die besonderen kulturgeschichtlichen Darstellungsbedürfnisse der slovenischen Literaturgeschichtsschreibung zu verbinden. Das Ergebnis ist das von Ocvirk energisch verteidigte historistische Prinzip, das in seiner spürbaren Anlehnung an positivistische Methoden keinen Rückschritt, sondern die in der gegebenen forschungsgeschichtlichen Situation erfolgversprechende Annäherung an die Gesetzmäßigkeiten kleiner Kulturen bedeutet. Drei Thesen, die die Problematik der slovenischen Literatur erfassen, werden von Ocvirk vorgetragen: 1. Der slovenische Schriftsteller ist ethisch in seinem Volk verwurzelt, dessen geistige Grundlagen sich in seinem Werk widerspiegeln. 2. Die notwendige Verbindung zum europäischen Kulturniveau darf die slovenische Tradition nicht überdecken. 3. Die slovenische Literatur erhält sich ihre geistige Eigenständigkeit durch Spiegelung des geistigen Europas in der eigenen Individualität. Diese Voraussetzungen bestimmen die Bedingungen, die Ocvirk in seinem Aufsatz Historizem v literarni zgodovini in njegovi nasprotniki (LZ 1938,9-18) für einen methodischen Zugang zur slovenischen Literatur als unerläßlich ansieht. Er ver-treidigt den historisch-kausalen Empirismus gegenüber den seiner Meinung nach zu spezialisierten ideellen, problemgeschichtlichen, ästhetischen oder formalen Perspektiven eines Walzel, Unger, Cysarz oder der russischen formalen Schule. Ocvirk sieht in der komplexen kollektiven Bewegung der Generationen20 die Grundlage für den einzelnen Kunstschaffenden. Das bedeutet für die Literaturwissenschaft eine Ursachenanalyse, die das breite geistige Umfeld einbezieht. Der Kollektivismus entspricht den Entwicklungsmerkmalen kleiner Kulturen; die soziologische Absicherung als Resultante der kollektiven Lebensbewegung ist somit die conditio sine qua non für die slovenische Literatur.21 Ocvirk nimmt dafür den Vorwurf der Atomisierung, Ästhetikferne, der Fixierung sekungärer Erscheinungen, der litera- 18 Vgl. a. a. O., bes. 449-453. l4In der positiven Rezension von kidrič, Zgodovina slovenskega slovstva od začetkov do Zoisove smrti {LZ 1939, 189-192), würdigt ocvirk die Synthese aller kulturellen Erscheinungen der slovenischen Entwicklung auf der Grundlage moderner historischer Prinzipien. ■"'Besonders in den 30er Jahren wird der Begriff Generation als epochales Merkmal verstanden. (Vgl. St. Leben: Generacije, LZ 1930, 236-242; M. Robič: Problematika generacije, LZ 1933, 366-369; I. BrnCiĆ: Generacija pred zaprtimi vrati, LZ 1937,506-512). 21 Ähnliche Argumente finden sich bei I. brnčič, Fragment o umetnosti (1935), wenn er den Mythos vom absoluten Schönheitsideal, d. h. eine Trennung der Ästhetik vom gesellschaftlichen Leben und die Leugnung der geschichtlichen Kontinuität der Kunst, als geschichtlichen Irrtum bezeichnet. turfremden Komplexität usw. - sämtlich Vorhaltungen der Geistesgeschichtler gegen die Positivisten - in Kauf. Ocvirks historische Methode setzt der so von ihm verstandenen spekulativen, metaphysischen, neoidealistischen Philosophie eine Literaturwissenschaft entgegen, die »ihre Ergebnisse auf gegenständliche Wahrheiten baut, die das Geschehen in Zeit und Raum entwickelt darstellt.«22 Ocvirk verbindet die biographisch-psychologischen und genetischen Analysen des Positivismus mit soziologischen und kulturgeschichtlichen Verfahren, modernisiert damit die Ansätze von Kidrič und regt gleichzeitig an, auf dieser breiten Grundlage die literaturästhetischen Probleme der Wortkunst aufzunehmen. 4 Die slovenische Literaturkritik (Lageberichte zur Wissenschaft, Rezensionen und Gegenrezensionen sowie Literaturberichte) spiegelt die für die Übersetzungskritik und Literaturtheorie festgestellte Phasenbildung wider. In einer ersten Etappe, etwa bis zum Ende des ersten Weltkrieges, stehen Selbstwertbesinnung und Abwehr negativer äußerer Einschätzungen im Mittelpunkt. In den 20er Jahren setzen sich die kritischen Beiträge insbesondere mit methodischen Fragen auseinander; die Kritiker der 30er Jahre schließlich widmen sich hauptsächlich Problemen der slovenischen Literaturgeschichtsschreibung. Die Kritik als Teilgebiet der Literaturwissenschaft stellt sich als die schwierigste Disziplin heraus, da von ihr nicht nur Verantwortung gegenüber der Sache, sondern auch der Person verlangt wird. J. Pahor beklagt noch 1939 in der essayistischen Abhandlung Marginalije o kritiki die Unterentwicklung der slovenischen Kritik, d. h. mangelnde Verantwortung im furchtbaren Umgang mit der eigenen Literatur: »Pri nas se predajajo kritična - dognanja javnosti, preden so dozorela, brez avtokritike in brez čuta odgovornosti, ki ga moramo zahtevati od vsakega znanstvenega delavca in od slovstvenega kritika« (LZ 1939, 178-183, hier 181). Es ist bezeichnend, daß die Schärfe der Auseinandersetzung mit den Jahren zunimmt und in persönlichen Angriffen gipfelt.2' Bis auf geringe Ausnahmen verbinden sich kritische Stellungnahmen bis zum Ende des zweten Jahrzehnts mit der Übersetzungsfrage. Die wenigen allgemeinen Lageberichte, etwa M. Murkos Einlassungen zur Slavistik und slavistischen Arbeiten (LZ 1911, 162-163; 1918,814-816) benutzen die Vokabeln der Übersetzungskritik, stehen also ganz im Zeichen der Forderung nach Eigenständigkeit, der Emanzipation von deutscher Kultur; die Warnung vor Überfremdung erhebt gleichzeitig auch die Forderung nach Lösung von einer innerslovenischen Genügsamkeit. Erst mit der Entpflichtung von solcher zwanghafter Profilierung, zu der die Umwälzungen am Ende des ersten Weltkriegegs entscheidend beigetragen haben, wendet sich die Literaturkritik einem ihr näher liegenden Aufgabengebiet zu. Die Rezen- 22J. Kos hebt diesen Satz in seiner Würdigung des Slovenen besonders hervor. (Vgl. J. Kos, Anton Ocvirk in slovenska literarna veda, SR 2/3 (1977), 123-140, hier: 127). 21 Auf polemische Absichten weisen bereits manche Artikelüberschriften hin: Literarni diletantizem (LZ 1934,359-360), Znanstveni diletantizem (LZ 1938, 191-196), O sodobni slovenski znanstveni kritiki (LZ 1935, 599-601) - Auseinandersetzungen zwischen Ocvirk, Petre, Kidrič, Slodnjak u. a. sionen kümmern sich - in Parallelität zu literaturtheoretischen Diskurssionen - in erster Linie um die methodische Anlage des besprochenen Werkes. Zwei Forderungen schälen sich heraus, die Rupel,24 schon im Gleichklang mit dem Historismus von Ocvirk, in Kidričs älterer Literaturgeschichte verwirklicht sieht: Die Disposition nach Generationen, nicht nach Einzelpersönlichkeiten, die Erweiterung der Ursachenforschung für literarische Aktivität auf das politische und soziale Umfeld. Dies erfordert die Berücksichtigung der kirchlichen, schulischen, mändlichen Traditionen und schließt eine Beschränkung allein auf die Ästhetik der künstlerischen Literatur aus. Besonders deutlich wird die Wendung von intuitiv-emotionaler Argumentation zu methodischer Reflewion in Rezensionen komparatistischer Arbeiten. Die elten Kriterien der Übersetzungskritik, etwa die Bemängelung des fehlenden Selbstbewußtseins, der Nichtberücksichtigung eigenständiger slovenischer Entwicklungsansätze usw., erfahren ihre methodisch-kritische Begrändung: In der Dissertationsbe-spreuchung Dr. Franz Xaverius Prešeren und die deutsche Literatur. Eine Studie von Dr. Roman LeoTominec (LZ 1930, 308-310, 373-374) wird die veraltete Einflußtheorie unter Hinweis auf die moderne Konzeption der Diltheyschen ideengeschichtlichen Struktur zurückgewiesen. Die Literaturkritik der 20er Jahre vermittelt zwischen der Abstraktheit der Theroriediskussion und der Praxis und hat damit eine Vorläuferfunktion zur anwen-dungsbezogenen Literaturwissenschaft der 30er Jahre. Der Streit um das rechte Maß zwischen Eigendynamik und Kulturanpassung in der Darstellung der sloveniscen Literatur steigert sich auf der Ebene der Literaturkritik zu polemischer Schärfe. Die Zerstrittenheit in den eigenen Belangen läßt die Auseinandersetzung um Personen und Schulen dominieren, die Sache selbst aber in den Hintergrund treten. Der Vorwurf der Provinzialität, der Sprachinkompetenz, der Schädigung der Volkskultur, des internationalen Ansehens u.ä. gipfelt in persönlichen Anwürfen. Ocvirk etwa empört sich über F. Petres Besprechung seiner Teorija primerjalne literarne zgodovine:25 »V resnici pa niti ne ve, kako se glasi Baldensper-gerjevo krstno ime, niti kako Francozi citirajo.« »Tega seveda Petre ne ve, ker je odložil [...] francosko knjigo že kar na strani 122« »[On] je v primerjalni vedi pravi diletant.« (LZ 1938, 192, 193, 195). Eine große Empfindlichkeit in Kompetenzfragen ist spürbar, zusammenhängend mit der in den europäischen Kulturkreis integrierten Eigenständigkeit der slovenischen Literatur - ein Zeichen der allmählichen Konsolidierung und Normalisierung in Literaturtheorie und Literaturgeschichtsschreibung. 5 Der Überblick über 60 Jahre literaturpolitische Auseinandersetzung hat Grundprobleme der slovenischen, oder sagen wir besser, der sogenannten kleinen in Nachbarschaft zu großen Kulturen deutlich gemacht. Sie weisen auf keine Ausnahmesitu- 24 Vgl. seine Rezension zu F. Kidrič, Zgodovina slovenskega slovstva od začetkov do marčne revolucije (LZ 1929,435^138). 25 Die Entgegnung steht unter dem bezeichnenden Titel Znanstveni diletantizem (LZ 1938, 191-196). Ähnlich scharf geht Kidrič in der Zurückweisung von Slodnjaks Kritik an seiner Zgodovina vor (O sodobni slovenski znanstveni kritiki, LZ 1935, 599-601). ation hin, sondern unterstreichen zwangsläufige gesetzmäßige Entwicklungen, die sich im Psychogramm der Intelligenz, der Art und Thematik der Auseinandersetzung niederschlagen. Erste Emanzipationsbestrebungen in der Übersetzungskritik wurden durch eine methodentheoretische Aufhol- und Angleichungsphase in den 20er Jahren abgelöst. Sie ist Voraussetzung und Grundlage für eine modernisierte literaturwissenschaftliche Slovenistik in den 30er Jahren. Povzetek Raziskava se opira na gradivo slovenske literarne revije Ljubljanski zvon, ki od konca 19. stoletja do tridesetih let 20. stoletja raprezentativno in kontinuirano odseva problematiko literarne vede. Težišče so prevodna vprašanja, razprave o metodah in njihovi uporabi ter literarna kritika. Skupni imenovalec teh področij je slovenska literatura v interakciji z evropsko kulturo. Vsaka kategorija občasno razpostavlja tipične odzivne in argumentacijske vzorce, ki se križajo, dopolnjujejo ali nadomeščajo. Prevodna kritika, ki prevladuje pred- vsem od konca 19. stoletja, prevzema in hkrati nadomešča še ne sistematizirano literarno- teoretsko in literarnokritično funkcijo. Metodični preudarki, ki prevladujejo posebno po prvi svetovni vojni, so bili najprej načelni, potem so se vedno bolj konkretizirali in se polagoma prilagajali pogojem slovenskega literarnega razvoja. Posledica vzporednega iskanja kompromisa med samostojnostjo in integracijo je izzivalni stil v medsebojnem znanstvenem prerekanju. Cilj raziskave je ugotoviti zakonitosti v literarnoznanstvenem oblikovanju tako imenovanih majhnih kultur. Te določajo recepcijski pogoji (prevodna kritika), vprašanja prenosa metod (pisanje literarne zgodovine) in emocionalna razmerja (literarna kritika).