Bezugspreise Für (Österreich-Ungarn ganzjährig K 4' — halbjährig K 2- Hür Amerika: ganzjährig D. 1 *25 -für das übrige Ausland ganzjährig K 5-20 Briefe ohne Unterschrift werden nicht 6 erücksichtig t, Manuskripte nicht zurück-gesendet. Erscheint Uli! einer illustrierten Beilage „Wandermappe" am 4. und 19. eines jeden Monates. Bestellungen übernimmt die Jerwaktung des Hottschecr Boten in Gottschee, Hauptplatz 91r. 87. Berichte sind zu senden an die Schriftteituug des Hottschecr Boten in Gottschee. Anzeigen (Injerate) werden nach Tarif berechnet und von der Verwaltung des Blattes übernommen. Die „Wandermappe" ist nur als Beilage des Gott« sehe er Boten erhältlich. Postsparkasscn-Konto 91t. 842.285. Verschleißstelle: Schul-gaffe Nr. 75. Ar. 8. Kottschee, am 19. April 1910. Jahrgang VII. Vieh-und SchweineMchtgenossenschaften im Gottscheer Gebiete. Das Gebiet von Gottschee mit seinem unergiebigen, larftigen Boden gehört bekanntlich zn den ärmsten Gegenden in Krain. Die Scholle ist in manchen Lagen derart, daß sie nicht einmal mit dem Pfluge, sondern nur mit der Haue bearbeitet werden kann. Ihr Erträgnis reicht bei weitem nicht hin, um den Bebauer ausreichend ernähren zu können. 80 bis 90 Prozent seines Bedarfes an Mehl muß der Gottscheer Bauer in der Stadt kaufen. Hiezu kommt noch der Mangel an Wasser. Bei länger anhaltender Dürre muß der erforderliche Trank für Menschen und Haustiere mitunter stundenweit zugeführt werden. Wegen ihrer Erwerbsarmut und weil der Boden des Land» chens allein die Bewohner zu ernähren nicht imstande ist, genießen die Gottscheer durch die Huld der österreichischen Regenten schon seit mehr als 400 Jahren ihre allbekannten Hausierprivilegien. Da aber der Hausierhandel in den letzten Jahrzehntelt immer mehr zurückgegangen ist, sahen sich die Gottscheer in ihrer schweren wirtschaftlichen Rotlage gezwungen, massenhaft nach Amerika anszuwandern und in den Bereinigten Staaten Verdienst und Erwerb zu suchen. Bon den ungefähr 20.000 Gottscheern befinden sich gegenwärtig gegen 6000, also nahezu ein Drittel der Bevölkerung, jenseits des großen Wassers. In der Heimat veröden vielfach die Gehvstc, Greise, Weiber und Kinder müssen da und dort notdürftig die heimatlichen Huben bewirtschaften, während der Vater und die erwachsenen Söhne und Töchter jenseits des Ozeans dem Broterwerbe nachaehett. Es ist demnach nicht nur eine unabweisliche Forderung der Gesundung unserer schwerkranken Volkswirtschaft, sondern geradezu ein Gebot der Menschlichkeit, daß für den bisher gänzlich vernachlässigten Bauernstand tu Gottschee endlich bessere Lebensbedingungen geschaffen werden. Nur wenn die Landwirtschaft und insbesondere die-Viehzucht entsprechend gehoben wird, wird es möglich sein, die so schrecklich überhand nehmende Landflucht zu vermindern, die Leute wieder an die Heimat zu fesseln und der Auswanderung zu steuern. — Die Haupterwerbsquelle der hiesigen ländlichen Bevölkerung bildet, wie allbekannt, die Viehhaltung und Viehzucht sowie die Schweinemastung, für welche Erwerbszweige in Gottschee auch ein geeigneter Boden vorhanden ist. Da aber infolge des durch Jahrhunderte von den Männern betriebenen Hausierhandels der Wirtschaftsbetrieb in der Heimat vielfach vorwiegend den weiblichen Arbeitskräften des Hauses überlassen blieb, ist die Viehzucht rückständig geblieben, rückständiger vielleicht als in manchen anderen Gegenden Krams. Eine gewisse Besserung gegenüber den ganz trostlosen Verhältnissen, wie sie auf dem Gebiete der Viehzucht noch vor zwei bis drei Jahrzehnten bei uns herrschten, ist erfreulicherweise allerdings zu verzeichnen und in manchen Gegenden wendet man diesem Zweige der Landwirtschaft bereits eine erhöhte und mitunter auch von recht schönen Erfolgen begleitete Aufmerksamkeit zu; allein im großen und ganzen muß noch viel, sehr viel geschehen, um den Stand der Viehzucht auf die wünschenswerte, erreichbare Höhe zu bringen. Es muß alles daran gesetzt werden, um unsere Landwirte aus ihrer vielfach noch vorhandenen Passivität und mutlosen Gleichgültigkeit zu erwecken. Um das Interesse unserer Bauern für die Viehzucht zu steigern und um diesen so wichtigen und ausschlaggebenden Zweig des landwirtschaftlichen Betriebes zu neuem Leben und größerem Aufschwung zu bringen, sind vor kurzem im Gebiete von Gottschee mehrere Vieh- und Schweiuezuchtgenossenschaften gegründet worden, für die sich in der Bevölkerung erfreulicherweise ein reges Interesse zeigt. Bei der Armut der Bevölkerung können diese Genossenschaften allerdings nur dann gedeihen und ihr gestecktes Ziel wirklich erreichen, wenn sie vom Staate und vom Lande ausgiebig unterstützt werden. Hand in Hand mit der Hebung des heimischen Viehschlages und Viehbestandes muß auch die Me Iterierung der vorhandenen ausgedehnten Hutweiden einhergehen, deren Verbesserung für das Gedeihen und Emporblühen der Viehzucht von großer Bedeutung ist und auch den satzungsgemäßen Zielen der Viehzucht« genvssenschaften entspricht. Auch die Einbürgerung der Schweinezucht statt der bisherigen bloßen Mästung der Schweine bedarf eifriger und tatkräftiger Förderung, zumal die Preise der Ferkel ohnehin schon ganz exorbitant geworden sind. L-o ukl auv.5.*)ft im allgemeinen. Über die Mittel, die die Vieh- und Schroeinezuchtgenoffeniajiifiw ytr Erreichung ihres Zweckes und Zieles werden anwenden müssen, sowie über vm ^ie hiebei den einzelnen Ämterführern dieser Genossenschaften zufallen, werden wir demnächst sprechen. Aus Stabt und £anb. Hottschee. (Spar- und Darlehenskasse.) Dem in der ordentlichen Hauptversammlung des Spar- und Darlehenskassenvereines für die Pfarre Gottschee am 14. April in Schackendorf erstatteten Berichte entnehmen wir folgendes: Obwohl die äußeren Verhältnisse im Jahre 1909, dem zweiten Jahre des Bestandes der Raiffeisenkasse, wegen der Krise in Amerika, durch die der Geldzufluß nach Gottschee verringert wurde, nicht sehr günstige waren, hat sich das Institut doch in sehr erfreulicher Weise fortschreitend weiterentwickelt. Daß sich die Raiffeisenkasse in Gottschee des größten Vertrauens der Bevölkerung erfreut, beweist insbesondere der Umstand, daß zur Zeit des Kriegsrummels im vorigen Jahre, wo bei vielen anderen Spar« Instituten in Österreich aus Angst massenhafte Behebungen von Spareinlagen vorkamen, die Raiffeisenkasse tu Gottschee von solchen Massenbehebungen gänzlich verschont blieb. Den buchmäßigen Einnahmen im Betrage von K 104.000"78 standen im Jahre 1909 Ausgaben im Betrage von K 102.32047 gegenüber, somit Geldumsatz : K 206.322‘25. Der Stand der Spareinlagen belief sich Ende 1908 auf K 86.090. Im Jahre 1909 wurden neu eingelegt K 53.782 99, behoben K 34.028‘57, so daß am 31. Dezember 1909 der Stand der Spareinlagen samt den kapitalisierten Zinsen K 105.845'09 betrug, also um K 19.765 09 mehr als im Vorjahre. Der Stand der ansgezahlten Darlehen war Ende 1908 K 10.820; im Jahre 1909 wurden neue Darlehen gegeben im Gesamtbeträge von K 33.140, rückgezahlt wurden K 4255; Stand der Darlehen Ende 1909: K 39.705, also um 28.885 mehr als am Schlüsse des Vorjahres. In laufender Rechnung mit dem Genossenschafts-u erb an de beliefen sich die Einlagen Ende 1908 auf K 72.910; im Jahre 1909 wurden neu zugelegt K 30.575'16, behoben K 39.055'16, so daß der Einlageustand beim Verbände am 31. Dezember 1909 K 64.430 ausmachte. Der im Jahre 1909 erzielte Reingewinn beziffert sich auf K 637'89. Hiedurch hat sich der Reservefonds von K 179 70 auf K 817'59 erhöht. Wir beglückwünschen die Spar- und Darlehenskasse zu ihrer so erfreulich fortschreitenden glücklichen Entwicklung. Möge es der Raiffeisenkasse in Gottschee, deren Genossenschaftsgebiet sich aus sämtliche Ortschaften der Pfarre Gottschee (Ortsgemeinden Gottschee, Seele, Lienfeld, Schwarzenbach und Gemeiudefraktion Hornberg) erstreckt, beschieden sein, auch weiterhin segenbringend für die Bevölkerung zu wirken, die von Jahr zu Jahr immer mehr sich von dem großen Nutzen solcher auf dem Grundsätze edler Gemeinnützigkeit beruhenden Sparinstitute zu überzeugen Gelegenheit hat. — (Wie man durch die „Nachrichten" berühmt wird.) Die „Nachrichten" vom 10. April sind ganz „schwarz" geraten. Zuerst wird nämlich allerlei Schauriges vom „schwarzen" Mitterdorf erzählt, welches Schwarz sich aber glücklicherweise noch zur rechten Zeit in ein feuriges oder blutiges (siehe Stöcklerl) Rot umgewandelt habe. Daun kommt der schwarze Erdteil an die Reihe und werden Kaiser Menelik, Ras Tasama, der neue Regent von Abessinien, der Thronfolger Meneliks und bergt, in effigie den P. T. Lesern und Leserinnen vorgestellt. Doch auch das „schwarze" Mitterdorf kommt in der Bebilderung nicht zu kurz. Allen Potentaten des schwarzen Erdteiles voran prangt nämlich auf der ersten Seite des Blattes großartig und protzig das Bildnis des — Herrn Matth. Sie g mun d ! Es hat doch sein Gutes, wenn man Obmann der liberalen „Deutschen Bauernpartei" ist und mit den „Nachrichten" aus gutem Fuße steht. Da kann man über Nacht eine „Berühmtheit" werden und sein Konterfei in einer Reihe mit afrikanischen Majestäten schwarz auf weiß abgebildet sehen I Mit blassem Neide freilich werden jene das Bild betrachten, die sich «>“ Jayre 1907 so wacker hervorgetan und mutigen Ruhmes erworben haben! Ein Mid muß auch einen schönen Rahmen haben. Und auch an diesem fehlt es selbstverständlich nicht. Eine überreiche Menge von Druckzeilen umgibt das Bildnis, das den Mittelpunkt des Ganzen darstellt. Freilich, ein großer Unterschied ist zwischen Bild und Umschrift. Das Bild ist nämlich etwas Neues im Blatte, der gedruckte Rahmen um dasselbe ist aber ganz alte, abgelegene Ware, die von gewissen Leuten, welche nur auf einer einzigen Walze zu spielen verstehen, immer wieder aus dem Winkel der Vergessenheit hervorgeholt wird. Nach einem Vierteljahr haben ja die P. T. Leser schon längst wieder das vergessen, was man ihnen damals vorgeleiert hat, da kann man sich denn solche niedliche Wiederholungen schon ungestraft leisten. Nach den üblichen hämischen Ausfällen auf die Priesterschaft (Herrn Pfarrer Eppich hat der „Nachrichten"-Schreiber besonders warm in sein glühendrotes Herz eingeschlossen) und auf die Bürger der Stadt wird der alte, schon oft und oft aufgewärmte politische Kohl aus dem Jahre 1907, ja sogar von 1905, zum xten Male den geduldigen Lesern zu schmackhaftem (I) Genüsse vorgesetzt. Prost Mahlzeit! Dann wird um das wohlgetroffene Antlitz des Herrn Matthias Siegmund ein dicker, dicker Lorbeerkranz gewunden, der ihn schier erdrücken will. Damit aber Herr Siegmund durch dieses öffentliche Lobesattentat nicht etwa gar zu stolz gemacht werde, gießt man in den gereichten brausenden Nektar vorsichtiger- oder boshafterweise einige Tropfen bittern Wermuts, indem an der rednerischen Begabung des Gefeierten eine sehr wesentliche Einschränkung gemacht und ganz ungeniert bemerkt wird, daß der Mangel an Verständnis („Interesse" heißt dort mitleidigerweise) für Politik bei dieser „festesten Säule" des Gottscheertums durch andere Vorzüge ausgeglichen werde. Ja, ja, des Lebens ungemischte Freude wird keinem Sterblichen zuteil I Zuletzt weiß man als so Gefeierter nicht einmal, ob's wirklich ein Lob ist oder bloß eine Frozzelei. Die Wirkung, die der bebilderte Zeitungsaufsatz überall gemacht hat, war denn auch darnach. Man wußte nicht, ob man dem Gefeierten gegenüber Grund hätte zu gratulieren oder zu kondolieren. —- (Politische Gaukler und wahre Volkssreunde.) Sie schliefen und schliefen lange den Schlaf des Gerechten, die „Nachrichten" sowohl als auch die Deutsche Bauernpartei. Die öffentliche Meinung hatte beide beinahe schon zu den Toten gelegt. Hie und da erwachte einer der politischen Musikanten, rieb sich die Augen, sah die schlafende Gesellschaft und schlich sich sachte davon. Da ertönt am 10. April in den „Nachrichten" auf einmal ein schriller Trompetenstoß: Auf, auf, ihr langweiligen Schläfer! — Sie horchen und horchen! Aber es ist eine langweilige, abgedroschene Weise, die ihnen vorgespielt wird: Altgebackene Melodien noch von anno 1905 und 19071! Es klingt wie das Kreischen eines zu Schanden gespielten Wirtshausgrammophons. Und dann kommen . I die Gaukeleien mit der großartigen Organisation der Deutschen Bauernpartei, die Großsprecherei von ihren berühmten Arbeitsausschüssen mit je acht Mitgliedern, die bekanntlich alle mitsammen nichts arbeiten, weiters vom Vollzugsausschüsse, der nichts zu vollziehen hat, usw. Schade, daß nicht auch die Rieseneinnahmen aus den Mitgliedsbeiträgen der Deutschen Bauernpartei rühmend angeführt wurden. Sie sollen vor wenigen Wochen noch die Riesensumme von nicht ganz 20 K betragen haben! Kein Wunder denn auch, wenn der „Nachrichten"-Schreiber selber zur papierenen Organisation seiner Parteigenossen kein rechtes Vertrauen zu haben scheint und offen die Befürchtung ausspricht, daß die „freiheitliche" Mehrheit einem unabwendbaren Abbröckelungsprozesse entgegengehe. Man möchte nun glauben, daß nach einem so unerwarteten, plötzlichen Erwachen aus langem Winterschlafe der Blick sich zunächst auf jene Fragen lenken würde, die für Gottschee gegenwärtig von aktuellstem Interesse sind! Keine Spur davon! Daß die Hausierer von Gottschee gegenwärtig Gefahr laufen, ihren Erwerb zu verlieren und brotlos zu werden, läßt die „Nachrichten" und die liberale Bauernpartei ganz kalt.1 Sie rühren keinen Finger für ihre Landsleute. Solche Sachen überlassen sie einfach den Christlichsozialen und dem Ver-ständigungsausschusse, ja die „Nachrichten" gehen sogar soweit, daß sie gerade jene Männer in Gottschee, die sich uneigennützig und selbstlos um das Schicksal der heimischen Hausierer annehmen, zum Danke dafür behöhnen! Wie lange wird es bei uns noch dauern, bis man in gewissen Kreisen endlich die politischen Gaukler und Phrasenhelden als solche erkennen und das Wirken wahrer und aufrichtiger Freunde des Volkes nach Gebühr schätzen wird! — (Das Stammschloß Anastasius Grüns verkauft.) Wie aus Gurkfeld gemeldet wird, ist das berühmte Schloß Thurn am Hart, der Stammsitz des Dichters Anastasius Grün, um den Betrag von 850.000 K in den Besitz der kroatisch-slawonischen Hypothekenbank in Agram übergegangen. — (Staatsgymnasium.) Am hiesigen Staatsgymnasium kommt mit Beginn des Schuljahres 1910/11 eine wirkliche Lehrstelle für Geographie und Geschichte als Hauptfächer mit deutscher Unterrichtssprache zur Besetzung. — (Konkursausschreibung.) An der dreiklassigen Volksschule in Altlag ist eine Lehrstelle mit den systemisierten Bezügen, mit der Beschränkung auf männliche Bewerber, zur definitiven Besetzung ausgeschrieben. Gesuche sind bis 10. Mat 1910 im vor- 1 Und so ein Blatt wird von vielen Hausierern noch gehalten. Macht doch die Augen auf, Hausierer, und schaut, wo eure wirklichen Freunde sind! (Anm. d. Schriftl.) geschriebenen Dienstwege beim k. k. Bezirksschulräte in Gottschee einzubringen. — (Die „Nachrichten") sind nun wieder ganz in ihre alten rohen Manieren zurückverfallen. Unsere ehrenwerte Geistlichkeit wird als ein Stand hingestellt, der selbst vor gemeinen Verbrechen nicht zurückscheue (II), über Heilsanstalten der Kirche (Bußsakrament) wird in ordinärer Weise gewitzelt usw. Es sind das Preßunsitten so niederer Art, daß sie die öffentliche Verachtung herausfordern. Durch solche überaus rüde Manieren richtet sich das Blatt selber und seine Abnehmer und Freunde mit ihm. — (Pregeleien.) In den „Nachrichten" vom 17. d.M. macht Pregl den völlig mißlungenen Versuch, sich reinzuwaschen. Da er die Anwürfe gegen sein illoyales Vorgehen nicht widerlegen kann, schimpft er. Eine recht bequeme Art das, sich aus einer unangenehmen Affäre zu ziehen I Dabei scheut er in seiner dreisten Art vor unwahren Erfindungen nicht zurück. Die Christlichsozialen, so behauptet er, hätten ihren Statutenentwurf von der Murbodner (Jndenburger) Zuchtgenossenjchaft abgeschrieben, unter Beifügung Heiner Nachsätze, die ein Produkt seines (Pregls) Kollegen L. in L. seien. Letztere Behauptung ist völlig aus der Lust gegriffen. Wir kennen den Herrn L. in L. gar nicht und wissen nicht, welche Person damit gemeint ist. Daß uns ein Herr L. aus L. bei der Abfassung der Statuten geholfen hätte, ist einfach das Phantasie-produkt eines Mannes, der es mit der Wahrheit nicht genau nimmt. Als Grundlage für die Statuten diente den Christlichsozialen nicht das Judenburger, sondern das Musterstatut des genossenschaftlichen Verbandes in Graz. Die Zusätze bezüglich der Schweinezucht wurden von einem genossenschaftlichen Komitee in Gottschee, und zwar g anz selbständig gemacht und der Entwurf wurde sodann vom Genossenschaftsverbande in Laibach genehmigt. Das ist die Wahrheit, jede andere Behauptung ist entweder bewußte Lüge oder kecke Erfindung I Bezüglich der „klerikalen" Biehzuchtgenossenschaft — so nennt sie nämlich der politisch unparteiisch sein sollende Herr Pregl — in Alllag überlassen wir den Altlagern das Wort; sie mögen nämlich erzählen, welch „rühmliche" Rolle Pregl bei der dortigen Versammlung gespielt hat und wieviele Mitglieder ihre Genossenschaft zählt. Da wird ja dann die Erfindungsgabe des Herrn Sekretärs der Filiale der k. k. Landwirtschaftsgesellschaft noch in umso hellerem Lichte erstrahlen! —- (Hausierhandelsgesetz.) In den ersten Tagen des April traf der Vizepräsident des Abgeordnetenhauses Reichsratsabgeordneter Herr Pogačnik in Gottschee ein und besuchte auch seinen ehemaligen Studienkollegen Hochw. Herrn Dechant Erker. Vom Herrn Dechanten und dem ebenfalls anwesenden Herrn Schulrat Obergföll auf die den Südfrüchtenhausierern aus Krain durch das Abend- und Nachthausterverbvt drohende wirtschaftliche, ihren Erwerb untergrabende Gefahr aufmerksam gemacht, versprach der Herr Vizepräsident in entgegenkommendster _ Weise, sich auch seinerseits der Sache anzunehmen und seinen Einfluß dahin geltend zu machen, daß in das neue, im Gewerbeausschusse des Abgeordnetenhauses soeben in Beratung stehende Hausiergesetz diesbezüglich eine Ausnahmsbestimmung für die Südfrüchtenhausierer aus Krain ausgenommen werde, da dieselben sonst brotlos gemacht würden. — Die christlichsoziale Parteileitung in Goltschee hat sich in dieser Angelegenheit auch an den Referenten des Gewerbeausschusses, den christlichsozialen Reichsratsabgeordneten Herrn Regierungsrat Professor Sturm, gewendet. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß die Bemühung der christlichsozialen Parteileitung keine vergebliche sein werde. — (Stiftplätze für blinde Kinder.) Bei der Karl Freiherr von Flödniggschen und bei der illyrischen Blindenstiftung sind mit- Beginn des Schuljahres 1910/11 drei bis vier Plätze zu vergeben, die im Blindeninstitute in Linz genossen werden, woselbst mit dem Unterricht am 16. September l. I. begonnen wird. Anspruch haben arme, blinde Kinder aus Krain, insbesondere Waisen, welche gesund, bildungsfähig und wenigstens 7, jedoch nicht mehr als 14 Jahre alt sind. Gesuche darum sind im Wege der Bezirkshauptmannschaft bis 20. Mai l. I. an die k. k. Landesregierung zu überreichen. Beizulegen sind der Tauf- und Heimatschein und das amtsärztliche Zeugnis über die Gesundheit und Bildungsfähigkeit des Aufnahmswerbers. — (Krainische Sparkasse.) Dem Berichte der Direktion über das 89. Verwaltungsjahr 1909 entnehmen wir, daß die Krainische Sparkasse den Zinsfuß für Spareinlagen von 4 auf 474% erhöht hat. Der Einlagenstand war Ende 1909 48,089.411 K 25 h; Gesamtsumme der Darlehen 22,924.975 K 41 h; Besitz an Wertpapieren 25,030.417 K 85 h. Das gesamte Berwaltungsvermögen betrug 62,102.780 K 23 h; das Reinerträgnis des abgelaufenen Geschäftsjahres 274.604 K 52 h; die Gesamtreserven belaufen sich auf 9,523.984 K 93 h. An Spenden wurden bewilligt: 1.) Für Armen- und Krankenpflege 19.500 K; 2.) zur Unterstützung dürftiger Schüler und Schülerinnen 3300 K; 3.) für Unterrichts- und Erziehungszwecke 59.820 K, darunter dem Kindergartenvereine in Gottschee 200 K, der Waisenanstalt in Gottschee 200 K; 4.) für wissenschaftliche Forschungen und Veröffentlichungen 3000 K; 5.) zur Förderung der Kunst und des Kunstgewerbes 73.300 K, darunter dem Pfarrkirchenausstattungsvereine in Gottschee 2500 K; 6.) für Landeskultur- und Verkehrszwecke 4700 K; 7.) für andere gemeinnützige Zwecke 1450 K, darunter den freiwilligen Feuerwehren in Hinterberg und Weißenfels je 100 K; 8.) als Beitrag zur Alterssparkasse 9700 K, im ganzen somit 174.770 K. Der aus dem Gewinne des abgelaufenen Geschäftsjahres noch zur Verfügung stehende Rest von 14.359 K 34 h wurde für besondere Fälle rückgestellt und die Direktion ermächtigt, daraus Spenden nach eigenem Ermessen im Laufe des Jahres zu bewilligen. — (Von der Musikschule in Gottschee.) Der Leiter der städtischen Musikschule, Herr Wilhelm Wlassak, veranstaltete am 3. d. M. im Saale des Gasthofes „Zur Stadt Triest" ein Zöglingskonzert unter Zuziehung heimischer Dilettanten. Sämtliche Stücke des überreichen Programmes erfuhren eine treffliche Wiedergabe und zeugten von der pädagogischen wie musikalischen Tüchtigkeit des Herrn Wlassak, der sich auch als Komponist eines originellen türkischen Marsches und einer Lustspielonvertüre durch melodische Erfindung wie geschickte Instrumentierung bewährte. Es gelang ihm in der verhältnismäßig kurzen Zeit seiner Tätigkeit stücke, die immerhin bedeutende Anforderungen an die Ausübenden stellen, wie z. B. Rossinis glänzende Semiramis-Ouvertüre, tadellos zu Gehör zu bringen. Das zahlreiche Publikum erwies sich für das Gebotene sehr dankbar und spendete begeisterten Beifall, der verschwenderisch durch Zugaben quittiert wurde. Die jungen Leute hatten sich ins Zeug gelegt und spielten unermüdlich„ drauf los. Herr Wlassak hatte aber auch in aller Stille eine Überraschung vorbereitet, die mächtig einschlug: Fräulein Buchta entpuppte sich als Sängerin mit sehr schönen, vielversprechenden Mitteln. Ihre Stimme ist ein hoher Sopran, der nicht nur über reine Intonation, deutliche Aussprache, Kehlengeläufigkeit, sondern auch über dramatischen Ausdruck verfügt, so daß der Besuch eines Konservatoriums wohl zu empfehlen wäre, um die entschieden vorhandenen Fähigkeiten weiter auszubilden. Herr Wlassak hat sich um das erfolgreiche Zustandekommen des Konzertes die vollste Anerkennung erworben. Die Lust, mit der Schüler und Schülerinnen an seinem Unterrichte teilnehmen, ist nicht gering anzuschlagen und verbürgt den dauernden Bestand der Musikschule. Der Besuch ist so stark, daß wohl oder übel an die Vergrößerung des Lokales und an die Anstellung einer Hilfskraft wird gedacht werden müssen. — (Herr Pregl.) In der vorigen Nummer unseres Blattes war von der unglücklichen Hand des Herrn Wanderlehrers Pregl die Rede. Diese hatte er eigentlich seit jeher, nicht erst bei der Gründung der Viehzuchtgenossenschaft in Mitterborf. Einflußreiche Kreise wollten durch die Filiale Gottschee bekanntlich eine Stelle schaffen, durch die eine Annäherung der beiden Parteien in wirtschaftlichen Dingen erstrebt werden solle. Für diesen Zweck ging nun allerdings dem Herrn Wanderlehrer so ziemlich jedes Verständnis ab. Während der Verständigungsausschuß sich redliche Mühe gab, für die Bevölkerung Gottschees ein gemeinsames frucht- bares Arbeitsfeld auf wirtschaftlichem Gebiete zu schaffen, fehlte es bei Versammlungen der landwirtschaftlichen Filialen trotzdem nicht an ganz ungehörigen Ausfälle» auf die Christlichsozialen, die umso ungeschickter und unangebrachter waren, als ja die k. k. Landwirtschaftsgesellschaft ein politisch unparteiischer Verein sein soll. Und wer war denn der Hauptagitator, als durch den Konsumverein ein neuer trennender Keil in die Bevölkerung getrieben wurde? Wiederum war es Herr Pregl, der sich trotz ausgesprochener Mißbilligungen bei seinem Treiben ganz sicher zu fühlen scheint. — (St. Josefbücherbruderschaft.) Wer Mitglied dieses so bekannten Büchervereines werden will, möge bis Ende des Monates den Jahresbeitrag bei den Pfarrämtern einzahlen. — (Entschädigung für in behördlichem Aufträge getötete Schweine.) Für Nutzschweine, die auf Grund des § 52 des Gesetzes vom 6. August 1909 getötet werden mußten oder infolge einer behördlich angeordneten Impfung verendet sind, wird per Kilogramm Lebendgewicht im zweiten Vierteljahr 1910 als Entschädigung gezahlt. Nutzschweine des Landschlages: 1.) Ferkel bis zu drei Monaten K 1'75, 2.) Schweine bis zu einem Jahr K 1'50, 3.) Schweine über ein Jahr K 1*25. Nntzsch weine aus Kreuzungen mit englischer Rasse: 1.) Ferkel bis zu drei Monaten K 1 84, 2.) Schweine bis zu einem Jahr K 1*66, 3.) Schweine über ein Jahr X 1 39. Nutzschweine, reinrassige (englische), importierte oder heimische Zucht: 1.) Ferkel bis zu drei Monaten K 2"12, 2.) Schweine bis zu einem Jahr K 1'78, 3.) Schweine über ein Jahr K l-38. — Bei Zuchtschweinen wird der Entschädigungsbetrag unter Hinzurechnung eines Zuschlages von 25% zum obigen Werttarif bemessen. Witterdorf. (Hauptversammlung.) Unsere Kasse hatte am 4. April ihre diesjährige Hauptversammlung, welche sehr gut besucht war; auch Baueruparteiler waren anwesend. Der Aufschwung, den die Kasse in zwei Jahren genommen hat, ist wohl der beste Beweis, daß die Bewölkerung in die Leitung der Raiffeifenkasfe volles Vertrauen setzt. — (Markt.) Mit dem am 5. April hier abgehaltenen Markte waren Verkäufer und Käufer zufrieden. Es wurde recht schönes Vieh aufgetrieben und leicht verkauft. Der Besitzer Matthias Bauer aus Altbacher erhielt für ein Paar Ochsen 1384 Kronen. — (Von der Gemeinde.) Bei der Ausschußsitzung am 9. April wurde den Besitzern Johann Köstner aus Kerndorf 14, Johann Petfchauer aus Rain 11 und Johann Wiederwohl aus Mitterdorf 20 das Heimatrecht zuerkannt und beschlossen, das Gesuch des Besitzers Josef Perz in Ort 8 um das Gasthausgewerbe befürwortend, ein gleiches Gesuch des Besitzers Johann Köstner aus Kerudorf aber mit dem Beisatze einzubegleiten, daß der Lokalbedarf ohnehin schon gedeckt sei. Die Ursula Tramposch aus Kerndorf wird mit dem Gesuche um Unterstützung abgewiesen. An den Landesausschuß wird eiu Gesuch um Beisteuer zur notwendigen Entwässerung der Gegend zwischen Mitterdorf und Windisch-dorf eingereicht und ähnliche Beisteuer auch für Kerndorf erbeten; die Notwendigkeit einer Brücke in Rain wurde gleichfalls anerkannt. — (Trauung.) Der ans Koflern Nr. 6 gebürtige Johann Iaklitfch wurde am 10. April in Rottenmann mit Johanna Schmidpeter getraut. — (Kurioser Kauz.) Dem in Berlin ansässigen, ans Ober-loschin Nr. 18 stammenden Johann Verderber hat die Landesregierung die Änderung des Namens in „Verder" bewilligt. Nachdem er so den Namen verdorben hat, verdient er eigentlich erst recht den Namen Verderber. — (Tauglich.) Bei der Henrigen Stellung wurden aus der Pfarre Mitterdorf von 13 Abgestellten 12 für „tauglich ohne Gebrechen" befunden. — (Sterbefälle.) Am 7. April ist nach mehrjähriger Krankheit die Besitzersfrau Theresia Morscher aus Obrem Nr. 5 im Alter von 31 Jahren verschieden, am 14. April aber die neunjährige Josesg Oswald aus Mitterdorf Nr. 16 einer nur acht Tage dauernder Gehirnhautentzündung erlegen. Das Mädchen war eine der fleißigsten und bravsten Schülerinnen. Es war ergreifend, wie das von Schmerzen gequälte Kind in etnemfort die Mutter rief und darauf immer wieder „Gegrüßet feist du Maria" und „Ehre sei dem Vater" betete. Am Leichenbegängnisse beteiligten sich alle Schulkinder. ■— (Ins Kloster eingetreten.) Marie Wadlan aus Kerndorf Nr. 5 ist am 18. März ins Klarissinnenkloster in Hart well bei Cincinnati in Amerika als Postulantin eingetreten. — (Politische Pregeleien im „Landwirt".) Was Sekretär Pregl in der vorletzten und letzten Nummer des „Landwirtes" über unsere und andere von Christlichsozialen ins Leben gerufene Vieh- und Schweineznchtgenosfenschaften bemerkt, strotzt von Verdrehungen. Er möge es uns nicht verübeln, wenn wir ihn ein wenig ins rechte Licht setzen. Pregl behauptet, sich bemüht zu haben, beide Genossenschaften in Mitterdorf zu vereinen. Nun war aber bei der diesbezüglichen Besprechung nur von unserer Genossenschaft die Rede; von einer zweiten wußten damals weder Pregl etwas noch die Bauernpartei. Die zweite konnte auch erst gegründet werden, nachdem Herr Pregl ans unseren Statuten entnommen hatte, wie Vieh- und Schweinezucht unter ein genossenschaftliches Dach zu bringen sind. Nach Pregls Anmerkung sollen die Agrarier bei der Besprechung den Beitritt zu unserer Genossenschaft davon abhängig gemacht haben, daß nur der „Landwirt" Genossenschaftsorgan werden müsse, während die Christlichsozialen den „Boten" verlangten. Auch das stimmt nicht, denn man kam überein, daß zwar der „Bote" dabei fein müsse, aber ebenso der „Landwirt", die „Nachrichten", das „Grazer Tagblatt" usw. Verlautbarungen bringen sollen. Die Bemerkung Pregls, daß jede Genossenschaft, welche die politische Arbeit der wirtschaftlichen Tätigkeit vorzieht, schon den Todeskeim in sich trage, unterschreiben wir voll und ganz. Mit diesem Satze hat ja der Herr Sekretär sein eigenes Urteil geschrieben. Denn er hat bei seiner Gründung die Politik hervorgezerrt, nicht wir. Wir waren bereit zu gemeinsamer Arbeit, haben die Gegenpartei von der beabsichtigten Gründung in Kenntnis gesetzt, haben sie nicht vernadert, wie Pregl, der in Morobitz die Mitglieder unserer Genossenschaft geringschätzig Keuschler nannte. Daß unsere Genossenschaft mehrere angesehene Baueru-parteiler zu Mitgliedern zählt, während ein einziger Christlichsozialer für die Pregl’fche Genossenschaft gewonnen werden konnte, ist gewiß ein Beweis, daß wir in der Genossenschaft weniger Politik treiben als Pregl. Pregl verübelt es uns, daß wir Vieh- und Schweinehändler in die Genossenschaft ausgenommen haben. Solcher Leute persönliches Interesse sei es, den Landwirten recht billig das Vieh abzuschachern, meint der Wanderlehrer. Nun, wenn dem so wäre, warum hat sich die Pregl’fche Genossenschaft sosehr bemüht, einen Fleischhauer als Mitglied zu gewinnen? Die Pregl'sche Genossenschaft sei von berufener Hand ins Leben gerufen, unsere nicht. So steht's im „Landwirten". Der hiezu Berufene soll Pregl sein. Wir sind ermächtigt zu veröffentlichen, daß die Behauptung Pregls, er sei vom kraiuischen Landesansschusse aufgefordert worden, die Genossenschaften zu gründen, eine Mnwayrheit ist. Was schließlich den Vorwurf der Geheimtuerei anbelangt, weiß jeder, daß wir offen und ehrlich aufgetreten sind, unsere Offenheit aber schlecht vergolten wurde. Komische Patzigmacherei ist es endlich, wenn Pregl sich auf den Viehzüchter hinausspielt und den Gottscheer Pfarrern, die alle Landwirtschaft betrieben und Viehzüchter waren, noch ehe der Wanderlehrer Pregl davon einen Dunst hatte, das Recht, sich um die Genossenschaft zu kümmern, abspricht. Die christlichsozialen Gottscheer haben bisher bewiesen, daß sie, unbekümmert um das Gekläffe ihrer Gegner, furchtlos und unentwegt für das Volkswohl arbeiten; auch die neuesten politischen Pregeleien werden sie in der Arbeit nicht hindern. Schakkendorf. (Hauptversammlung der Spar- und Darlehenskasse.) Am 14. April fand hier im Gasthause des Herrn A. Kresse die diesjährige ordentliche Generalversammlung des Raiffeisenkaffenvereines statt. Nach Erstattung des Borstandsberichtes, dessen wesentlicher Inhalt an einer anderen Stelle dieses Blai wur 190' rntei aus, als i mitg .spryl