Hcbactiou und Exped iti on: Bahnhojgasie Nr. lb. Nr. 44. ESriSSl Dienstaa, 24. Februar 1880.—Morgen: Matthaus Ap. it 13. Jahrg Mit bet Post: S-n,j, 6 gtiltn 20 It.__" Insertion« Prrtse: Lia- Die innere Lage. Durch die Completierung bež Cabinets ist tine Frage wenigstens vorlaufig bcseitigt, beren mogliche Losung nod) vor kurzem die Politiker beider Parteien in einer nicht geringcn Ausregnng erhielt. Seinem bisherigen Vorgange getreu hat Graf Taaffe burch die Berufung ber neueit Minister weber ber Verfassungspartei noch ber Rechten eine Freube bereitet unb uberlcifst es nun ber einen wie ber anbern, sich iiber bie Gefahrcn ober bie getanschten Hoffnungen klar zu toerben, welche eben bie Amalgamierung beS Coalitions-ministeriums mit bnreankratischen Elementen mit sich brachte. Was bie Regiernng selbst anbelangt, so scheint biefe nicht bas Beburfnis zu fiihlen, dem Drange ber Beviilkerung nach Klarung ber Situation irgeubwelchen Vorschub zu leisten. Jrn Gegentheil gewinnt es ben Anschein, als ob eiti Hanptbehelf ber Regiernngskunst Taaffes barin beftiinbe, bie politischen Parteien in einer steten Spaimung ber Ungewissheit zu erhalten, welche auf bie Dauer zu ber Ueberzeugung fuhren muss, bass es bem gegenwartigen Regimente keineswegs um bie Durchfiihrung ernes beftimmten politischen Programmes, sonbern einfach nur barum zu thuu sei, bei ber Verfassungspartei wie bet ber Rechten das Bewusstsein zu ertuedeit, bass von bem gegenwartigen Regimente eben nichts anberes zu er-toaiten sei, als eine Fortfiihrung ber Regieruugs-geschdfte, unb bass es baher vergebliche Miihe sei, ben Ministerprasibenten fur bie Losung anberwci-tiger politischer Staatsausgabeu zu interessieren. Urn ein solches Ziel zu erreidjen, ernpsiehlt es sich, bie purlamentavisdjen Parteien burch ein anbanern-bes, consequentes Hiuhalten mit nnklaren Ber-sprechungen unb unklaren Drohuugen zn ermiiben unb von ber Vergeblichkeit a tier ihrer Anstren-gungen zu iiberzeugen. Durd) eine solche Methobe kann nun aller-bings erreicht werbeu, bass bie Erorterung prin-cipieller Fragen moglichst vermieben wirb. Eine anbere Frage ist es aber, ob unter bemrtigen Verhaltnissen bie Jnstanbhaltung bes kostspieligen parlarnentarischen Apparats nothwenbig ist. Wir tierfentien burchaus nicht, bass irn osterreichischen Reichsrathe ben materietien Jnteressen bes Staates nub ber Beviilkerung nicht immer bie nothige Beachtnng geschenkt wurbe unb bass man haufig iiber theoretische Haarspaltereien unb kleinliche Parteibifferenzen auf bie wichtigsten olonomischen Angelegenheiten vergatz. Aber es hiehe einen Fehler nach ber entgegengesetzten Richtung be-gehen, wenn man bas Parlament nur zu einem Anhangsel bes Verwaltungsorganismus herab-briideu wollte. Ebensowenig, als bie grotze Masse ber Beviilkerung fur bie breitspurige Entwidlung politischer Theoreme Jntereffe hat, weun bariiber bie Fragen bes aUgemeiiten Wohlbcsinbens tier-nachlassigt toerben, ebenso wenig wirb fie sich fur einen Reichsrath interessieren, besfen ganze prak-tische Thdtigkeit burd) seine Slbstimmung iiber bie lausenben Angelegenheiten bes Staatshanshaltes erschLpft wirb. In bem einen wie im anberen Falle wirb jene politifdje Gleichgiltigkeit grohge-zogen, weld)e man nicht mit llurecht als einen ber gefahrlichsten Krebsschaben bes offentlichen Lebens bezeichnen kann. Allerbings hat Graf Taaffe bei Beginn seiner Amtsthatigkeit ben Vorsatz zu erfeuneit gegeben, bass es sein Bestreben sein roerbe, ben Gang ber Staatsmaschine oon bem Haber ber Parteien un-abhangig zu macheii. Wenn aber bieses Ziel burch bas Opfer jeglidjeit politischen Bewnsslseins ber Beviilkerung erreicht toerben soli, bamt ware ber Preis viel zu hoch, ben wir bafiir zu bezahlen hdtteu. Ceiber finb aber bie hicraus zu befiirch-tenben Gefahren um so grower, als schon im Verlaufe ber letzten Jahre sid) ein bebeutenber Riidgang betrcffS ber Theilnahme ber Bevolkerung am politischen Leben funbgab. Den erfreulicheti Anlaufen, welche bas Vereinsleben nahm, ist sehr balb eine gewisfe Ermubung gefolgt, wcihrenb bie gleichzeitige Ausbeutung bes Rationalitdt§gebanfen8 in seiner engherzigsten Fassung ben Blid selbst ber iutetligenteren BevSlkerung fur bie hiiheren Jnteressen bes Fortschritts unb ber Freiheit auf religidfem unb politischem Gebiete triibte. Nur so war es mbglich, bass bie Lanbsleute eines Jan Huh zu Bunbesgenossen Greuters wurben unb bass bie Reaction sich mit erneuter Krast zum Kampse gegen bie Errungenfchaften bes Libe* ralismus riisten kann. Wir halten Taaffe felbst fur keinen Reactionar. Dafs aber bie Methobe feines Regierens iiber ben Parteien fchliehlich jebe politische Energie in ber Beviilkerung erstideti unb baburch ber Reaction Thiir unb Thor oftnen muss, ist eine naheliegenbe Befiirchtnng, welche bie liberalen Elemente bes osterreichischen Abgeord-netenhauses in ihrer bisherigen Opposition nur zu erhalten unb zu festigen geeignet ist. Die Strafprocess-Ordnung fiir Bosnien. Die „Boh." theilt ben Entwurf einer neuen Strasprocess^Orbnung fur Bosnien mit. Bisher war in ben occupierten Provinzen bas ottomanifche Gerichtsverfahren in Aiiwendnng. TieBerhanblung ttmrbe ohne Antlager unb Vertheibiger gefiihrt, bas Richtercollegium bestanb aus einem Richter unb oicr rechtsunlunbigen Beisitzern, eine Berufung gab es nicht. Die neue Strafprocess-Ordnung ist auf Anregung ber bosnischen Lanbesiegierung entworsen unb vom Reichs-Kriegsministerium, ben Jnstizministerien von Wien unb Pest, soroie von bem Dbergericht in Serajewo begutachtet worbeit unb wirb von nun an in ben beiben occupierten Provinzen gehanbhabt werden. Als Grunblage wurde das inquisitorische Berfahren genommen; Imilleton. Gepriift und bewahrt. Roman von Ottsried M y l i u s. (Fortsctzung.) „Jch Habe dir Gruhe aus Wiesbaden zu befallen, liebe Melanie, — rathe mol, von wem?" sagte fie mit lauerndem Lacheln. »Wie kann ich dies errathen, Mama, ich kenne keine Seele in Wiesbaden." „Je nun, es war auch kein Wiesbadener, fon-dern . . . aber ich setje schon, ich muss dir auf den Sprung helfen, liebes Kind; Edwin Forberg lasst dich freundlich gruhen. Wir haben ihn in Wiesbaden getroffen, wo er ztoei Coneerte mit grohem Erfolg gab und von der vornehmen Welt sehr ge-feiert wurde. Wir haben uns ihm vorgestellt, und er war sehr freundlich gegen uns und schickte uns jedesmal drei Sperrsitzbillette zu seinen Soireen. Er erkundigte sich sehr angelegentlich nach dir und bedauerte, dasS ihm seine vielfachen Geschafte nicht rrlaubten, dir zu fchreiben; aber er gedenkt im Spatherbst, falls er Zeit hat, auf einige Tage hier- j her zu kommen, und wird mir dann die Ehre er- | roeisen, bei uns zu wohnen." Melanie erblasste zwar, crwiderte aber kein Wort, denn fie fiihlte instinctmahig den fchaden-frohen Triumph, welcheu die Majorin feierte, in-dem fie Melanie den himmelwciten Unterschied zwi-schen dem gefeierten Pianisten und Onkel Rudolfs Hausgenossin vor Augen fuhrte. Einige Wochen spater erhielt Melanie ein Packchen und einen Brief von Edwin aus Rotterdam, woselbst er Coneerte gab. Er berichtete ihr zunachst seine seitherigen Erfolge und Erlebnisse, seine Triumphe als VirluoS und Componist in Paris, Baden, Wiesbaden, Hamburg, Frankfurt und den grvheren rheinifchen Stadten, dann seine Anssichten fiir die Zukunft. „Jch werde mit meinem Oheim, der mir sehr zugethan ist und an meiner kiinstleri-schen Entwicklung den innigsten Antheil nimmt, den Winter in Jtalien zubringen und eine Oper voll-enden, deren Satz ich begonnen Habe und die nach den Fasten in Paris ausgefuhrt werden soll. Du siehst, Geliebte, dafs ich aus alien Kraften daran arbeite, uns eine Zukunft zu fchaffen, die deiner wiirdig ist. Ich Habe das Leben nun von einer andern Seite kennen gelernt uud mache hfihere Anspriiche an daS-selbe als ehedem; darum miissen wir die Erfiillung nnserer sutzesten Wiinsche noch auf einige Zeit tier-fchieben, bis mein Ruf feststeht und ich irgend eine Stelle als Kapellmeister erlangt Habe. Dann eile ich zu dir, Geliebte, und fordere den Lohn meiner Bemiihungen. Deine liebe Mama wird dir gefagt haben, wie anfrichtig noch meine Empfindungen fllr dich find. Beifolgend fchicke ich dir einige Photo-graphien von mir, in verfchiedenen Stiidten auf-genommen, too die Damen sich darum reitzen, soroie einen einfachen Ring, den du tragen follst zur stiind-lichen Erinnerung an deinen dich innrg liebenden, dich anbetenden Edwin." Der Ring war elegant und kostbar, von fchwarzem Email mit schSnen Perlen. „Petlen be* deuten Thranen!" flitsterte Melanie, und ihre Thranen thauten auf die Bilder nieder, welche den jungen Pianisten im nwdernsten Anzng, jedoch mit einer gewiffen Genialities Affection im Schnitt deS-felben, in deni LSwenmcihnen cihnlichen Haar, in bem zuversichtlichen, tiihnen, ja herausforbemden AuS» druck des Gesichts, darstellten. Hieraus wickelte fie -as Institut bež Anklagers und Vertheidigers roirb bei ben Verhanblungen auch fernerhin nicht bcstchen, hingegen ist zur Milberung ber princi« piellen Harte bes inquisitorischen Verfahrens bas System ber Berufung auf breitester Basis burch-gefuhrt unb bem Angeklagten gcstattet, im Falle ber Berufung sich eines rechtskunbigen Vertreters ober eines unbescholtenen Mannes als Verthei-digers zu bebienen. Das Nichtercollegium besteht aus brci rechtskunbigen Richtern utib brei Schoffen. Das Untersuchungsverfahren Hat auch auf bie Religionssatzuugen unb Gebrauche ber Muha-mebaner Rucksicht zu nchmen, unb geschieht bies in ben einschlagigen Bestimmungen ber Straf-process-Orbmmg besonbers rucksichtlich ber Leichen-Lffuung, ber Schlcicrliiftung lebiger unb ber-heirateter Frauenspersoneii, ber Hausburchsuchung unb ber koiperlichen Besichtiguug. Da ber Koran bie Leichensection uutersagt (ber Verstorbene kanu im Falle ber Obbuction ber Himmelsfreubeu nicht theilhastig roerben), so musstc bei Muhamcbanern bon ber Leichenofsimng Um-gang genommen roerben unb ist nur cine genaue Besichtiguug znlassig. In Sachen ber so heiklen Entschleieruugsfrage roirb bestimmt, bass Franens-personen muhamebanischer Confession fiir geroohn-lich nicht zn verhalten seien, ihren Schlcicr roah-renb ber Vcrnchmung abzunehiiien. Wo sich jeboch toegen ber Jbcntitat ober aus anberen Grundcn die Nothrocnbigkeit ber Entschlcicrung ergibt, kanu dieselbe burch ben Untersuchungsrichter, aber nur in Gcgcmvart bon zroei Gerichtszcugen, geschehen. Eingehenbe Bestimmungen beziehcn sich auf bie Unterfuchung ber Harems, bie nur auf Grunb eines befonbern unb befcheinigten richterlichcn Bc-fehles znlassig ist. Die korperliche Untersuchung von Muhamebanerinnen bars nur burch bertrauens-toiirbige Pcrfoncn roeiblicheit Gcfchlechtcs bor« genonimen roerben. Einc eigenartige Bestimmung ist auch bie Hulassung bon Pcrfoncn, bie bas zroSlfte Lcbcnsiahr zuriickgelcgt haben, zur Eibes-leislung, roofiir bie rafchere Entroicklung bet Sub-lanber mahgebenb roar. Gesterreich - Wttgant. Un t e t r i ch t s - minister BaronConrabhat seine Abfchiebs-rebe an ben nieberofterreichischen Lanbcsschulrath zu einer formlichen Manifestation fiir bie bcstchcn-ben Schulgcsctze beniitzt. Wic reimt sich aber bie bei bieser Gelegenheit gehaltene Sobrebe auf nn-fere ©chulgefejjgebung mit ber oom Grafcn Taaffc behanpteten Ausbcssernngsbcburftigkeit ber letzteren zusammcn? Soll bie Ansprache Conrabs att ben nieberosterreichischen Landesschnlrath ben iiblen Ring unb Bilder toieber ein, tegte sie in die Heine elegante Schachtel, worin sie gekommeu waren, ver-schloss biese mit eiuein wehmiithigen bitteren Lacheln in ihre Commode und gienj herunter zu dem kranken Oheim, iibev den sie sich hercinbeugte, um eineu langen Kuss auf die heihe Štirn des Schlummern-den zu drucken. Hierauf fniete sie neben dem Bette ilieber, kiisstc seine welke, magere Hand und fliistertc: ,Der Himmel ntiSge mir verzeihen! Jch Habe diesem trcucn Herzen grohes Unrecht abzubitten, das ich ihm in meinem Jnnern gethan. Sein ahnungsvoller Blick sah weiter, als mein bethortes Sluge!" Unb von bieser Stunde an verdoppelte sie too mvglich noch ihre Liebe unb Sorgfalt gegen ben kranken Oheim, beffen Kraste rafch sanken. An einem schLnen, klaren Wintertage, too bie Sonne auf die toeite Schneedecke bes Gelaudes fiet unb Myriaden Eiskrystalle glitzern machte, safe Melanie neben Onkel Rndolss Bett in tiefer Nieder-geschlageuheit. Jhr blassrs Profil zeichnetc sich Ooitt hellen Fenster ab, unb sie toahnte den Kranken an ihtet Seite schlnmmcrnb. Dicser aber toachte schon Ifingft und betrachtete sic stnmm unb wehmiithig, his sein Husten Melanies Aufmerksamkeit auf ihn lenkte. Einbrui berroischen, ben bie Beantroortung ber Interpellation roegen bes Mcmoranbums ber boh-mifchcii Bischofe berursachte, ober fiihlte ber uette Unterrichtsrninister bas Bebiirsnis in sich, bie Bebenken zu beseitigen, roelche sein erstes Atts-treteit im Bubgctausschnssc bei ber Verfasstmgs-partci ljerborgerufen hatte? — Sei bem roie im-mer. Wir haben keinen Grunb, an feinen letzten Kunbgebnngen zu ncrgeln und zu ntafeln, unb sreuen uns berselbeit umsomehr, als Baron Con-rab schon fruher bie Gelegenheit roahrnahm, im Bndgetansschusse bie Ehrlichkeit seiner politischen Haltnng zn betoneu. Wie bie »Deutsche Zeitung" mclbet, soden bie Difserciizcu zroischeu ben Czecheu aus Mahren unb ber Majoritat bes Czecheuclubs bcrcits be-hobcu sein. An cine Daucr bes ucu geschlossenen Bunbnisses zu glauben oerbietet uns ber in un-serer letzten Rummer gekomzeichnete principielle Gegcnsatz zivischen beit mahrischen Nationalen uttb ben Anhangeru Ricgcis. Der Czcchcnclub Hat in einer- seiner letzten Sitzungcn bas Ackerbauministcrium als cine ber-sassungsroibrigc Institution crklart, ba bie An-elegenheiten ber Lanbcscultur iit bie Compctcnz er Laubtage fallen. Von besouberer Tragrocitc ist bie Aufchauung ber Hcrrcn Graf Elam unb Zcithammcr in bieser Fragc nicht, ba bie Polen in bieser Fragc eutgegcngcsetztcr Meiuung sinb unb bie Czecheu also faunt imstanbe sein biirften, ben Grafeit Falkenhayn ubetfliiffig zu inachen. Italien. Wahrcnb bie italienischc Rcgicrung sich alle Muhe gibt, ihr Vcrhaltuis zu O e st e r r e i ch im besten Lichtc erscheinen zu lassen, lassen bie Hcihspornc ber Annexionspartci fcine Gelegenheit boriibergehen, um Oesterrcichs Miss-trauen gegen seinen sublichen Grcnznachbar bor aUer Welt zu rcchtscrtigeii. Erst neuerbings Hat cin Herr Alcxanbro Scrasini eine Broschurc ber-osfentlicht, in roetcher bie republikanischen Vcrbin-bungen Jtaliens aufgeforbert roerben, roiber Ocstcr-reich ohncroeiters zu putschen. „Vielleicht Habe« wir babei — so schlieht bie Branbschrist — ein zrocitcs Aspromontc, bielleicht ein zrocitcs Mcn-tana; schabt nicht«: bie Geschichte roirb nur eine Schaubc utehr fiir bie Monarchic berzeichnen unb eine neue Ruhmcsthat mehr zu ben sv bielen an-beren ber republikanischen Partei Jtaliens. Abct erinnern roir uns auch, bass Aspromontc unb Mentairn ben Tag borbereiteten, an bent man bas italienischc Banner auf bem Capitol aufpflanzen fonnte." Broschuren, roie bie eben erroahnte, sinb jeneit sranzosischen Journalcn zur Lecture anzuem-psehlen, roelche, roie bie „Rcpnblique srangoise", sich bas Misstrauen ber ostetreichischen Presse gegen „Mein liebes armes Kind," hub er an, als der Hu^enansall boriiber war, ujib hielt ihre toarnte Hand in seinen eisigen, fenchteu, hageren Fingern; „Du siehst recht bleich unb abgeharmt aus, bu hast dich meinethalbeu beinahe aufgeopfert. Aber Habe Geduld, es toird bald itberstanden sein!" „11 in5 Himmelstoillen, lieber Oheim, reden Sie nicht so! Sie fiihlen sich ja Hetite besser als je!" rief die Nichte etschrocken. „Das bedentet mein nahes Ende, das mir ge-segnet unb toillkommen sei!" sprach er mit schtvacher Stimme unb rtthigent Lacheln. „Armes Madchen! Jch mag dir oft recht hart unb eigenfinnig erschie-nen sein, alleiu bie Zeit toirb noch kommen, too bu toirst eittfehen leruett, bass bein alter Oheim eS aufrichtig gut mit bit titeinte. Dein Leben toar eine fortgefetzte Pritsung feit dem Tode beines arnten Vatcrs, feit der Stunde, too ich bich aus ber ungcfuuben Treibhans-Atmosphate bes Hauses beiner Stiefmntter in mein arntlicheS aber geftin-bereS Heimivesen itahm, um bich bor SSerbitterung unb Demoralisation zu retten. Du hast bich trader gehalten, mein Sinb, hast Entsagung unb Demuth musterhaft geiibt unb biel Nntzliches gelernt in ber harten Schule bes LebenS. bie italicnischeu Bestrebungen noch immer nicht erklaren kbnnen. Nach einem romischen Tclcgramme ber „Kol-nischen Zeitung" sinb bie Verhanblungen zroischeu Deutschland unb betn P a p st e ohne bireetes Ergebnis, aber nicht ohtte eittett geroissen Abschluss zum Stillstaube gelangt. Nach-betn sich ndtnlich heransgestellt hatte, bass eine bireete Vcrcinbaruug ltnerreichbar, haben in Wien noch sortgesctzt Besprechnngen zroischeu betn papst-tichen Nuntius unb bem beutscheu Botschafter stattgesunben. Doch rourbe nach Klarlegung ber Ansichten beiber Theile ber Weg biplomatischer Berhattblung borlausig ganz berlassen. Preuhen gcbenke jetzt a tis Grunb ber gewonneney Kcnnt-nis bie Orbnuug seiner kirchlichen Angelegenhciten setbstanbig bitrchzufithreu, roahreitb 'ber Vatican glaubt, bass bas Berliner Mittisterium ben Kam-ntern in ber Sommersitzung beziigliche Vorlagen ntachen tuerbe. Er hatte zwar bie biplomatische Durchfuhrung ber Verhattblurtgett lieber gejehen, gtaube aber auch so ber Beenbigung bes Conflicts naher zu rucken. Im Zusammenhange mit ben Wiinschen dcS Papstes auf Beilegung ber kirchenpolitischen Streit-fragcit steht auch eine zweite Mcldung, nach toclcher ber Pa p st im nachsten Consistorium eine geheitne Allocution iiber bas kunstige Verhalten bes Cletus angesichts ber Staatsgesetze berfchiebener Laitbcr hal ten roirb. Darin roerbe er namentlich tnilbe gegen Italien sein, mit toelchem ber Vatican gegenroartig einen bauernben modus vivendi an-ftrebt. So befahl ber Papst, bass a tie beitn nachsten Consistorium zu erttemtenben Bischofe bei ber Ernemtungsanzeige fofort bas fottigltche Exequatur nachznsuchen haben. Deutschland. Aus Berlin roirb bem „91. Wr. Tagbl." bom 23. b. telegraphiert: „Der Kaiser sprach beim Empsangc bes Reichstagsprasi-biums bie Hoffnnng atts, bass bie Reichstags-session gut berlaufen unb bas tteite Militargcsetz zur Starkung ber Wehrkraft Deutschlanbs merbe angenomtneit roerben. Der Kaiser anherte seine grotze Betriibms iiber bie Katastrophe in St. Petersburg unb siigte hinzu, roie bebauerlich es sei, bass in ber letzten Zeit so biete Attentate borgefommen seien. Zur Aufrechterhaltuug ber Drbttung in Deutschland sei bie Verlangeruiig bes Socialisteiigcsetzes nothroenbig. Der Kaiser sprach auch sein Bebanern baruber aus, bass Prasibent Graf Arnim burch Kranfheit in seiner Familie behinbert geroefen sei, bei bet Aubienz z>t er-schcinen." „Dein gebulbigcr Fleih, beitt bertrauensboCler Gehorsam unb beiite traulichc Hetzlichkeit haben tneinen Lebensabenb betschoitt, ttteine schlichte Woh-nnng zu einem Tempel bes Friebens gemacht, du hast bie Ptophejeiiiugeii beiner Mutter Sitgen ge-strast. Jch tousst' es voit ber ersten Stunbe an, too ich bich sah. dass du aus cinent andereu, tuch-tigeren Stofse toarst, als ihre eigetten thbuchten, selbststichtigen Tvchter, sonst toare ich itach jettera ersten Abend uiemals toieder iiber Sophiens Schtoelle getreteu, noch hatte ich sie als Vcrtoanbte auerkanut. Jhr Benehnieu gegen bich, meitt Kind, ihr Vet-fahrett gegen ntich an jciiein Abend haben mich bie Seere unb Falschheit ihrer Seele erfennen gelehrt und meitt Wesen rnisstrauisch und bitter gemacht, unb barmtter hast auch bu ntannigfach gelitten, mein Sinb. ..Allein nichts im Leben ist blinder Zufall, liebe Melauie, unb jede Erscheinnng, jede Erfah-tung Hat ihren tieferen sittlichen ©rund. So bin ich denn burch bich belehrt toorben, dass man bie Mcnschcn nicht alle in eine Kategorie stellen kann, uttb mein Jrrthum hatte toenigstenS ben Vottheil, bich zn einem unobhangigen, niitzlichen toeiblichen Wesen heranznziehen, bas auf eigenen Fuhen stehen, Verrnischtes. — Zwei Kinder erftidt. In einer Heine« Wohnung in Ottakring bei Wien wurden die beiden Kinder des Kutschers Donner, Josefa, funf Jahre, und Johann, dm Jahre alt, erstickt unter dem Bette gefunden. Es wurde constatiert, dass die bedauernswerte Mutter der Kinder sich nach Dorn-bach begeben hatte, um daselbst eine von der Gc-meinde bewilligte Unterstiitznng von 1 fl. einznholen und gleichzeitig Einkanfe zn besorgen. Die unbewacht znrttckgebliebenen Kinder spielten mit Ziindholzchen unter dem Bette, und infolge dessen cntziindetc sich dasselbe, wobei die Kleinen durch Erstickung ihren Tod fandeii. — Gro he Kaltc. In Czernowitz scheint •man von Friihlingsahnungen, wie wir fie hier bere its ernpfnnden, nvch nicht angehancht word«, zu jein, denn nrn 19 Februar herrschte dort cine Salte oen — 23° R. Alle Strahen und Plcihe der Stadt, schreibt die „Czetuow. Ztg", find Vervdet, der Be-such der Vvlksschulen eingestellt, und wer nicht muss, verlasst sein Hails nicht. — Eine Hochzeit mit Hiudernissen. Jm ifroelitifcheii Tempel in der Tabakgasse zu Pest faitb vor rocnigen Tagen eine Trciunng ftati. Der Rabbincr wollte foebcu ben Segen iiber das Braut-paar sprecheu, als sich cin junges Madchen durch die ©tiste Bahn brach, sich vor den Brautigam hi»-stcllte und demselbcu seinen Eidbrnch vorwarf, wie nicht minder, dass er seine zwei Kinder hilslos verlasse. Selbstverstcindlich erregte die Scene pein-liches Ansschcn. Die Cercmonie wurde snspendiert, und zogen sich die Betheiligten in ein anstohendes Geimich zuriicf. Znm Gliick war bald ein „Aus-gleich" geschlossen. Der an der Schwelle seines Gliickcs stehende Brautigam zog nach kurzeu Unter-handiuugen seine Briestasche und uberreichte der trenlos Verlasscnen und Mutter seiner Kinder ‘250 Gulden als „Abfindung". Das Brautpaar begab sich sodami in den Tempel zuruck und die Tran-ung nahm nun ihren ungestvrten Fortgang. — E i n s ch a u e r l i ch e s F a m i l i e n d r a m a, welches sich am 21. d. M, in Pilsen zittrug, wird uns, wie solgt, telegaaphisch gemeldet: Die Gattin des Oekonomen Simon Rak, der in geordnetsten Verhaltnissen und in sriedlichsten Beziehungen zu seiner Frau lebte, hat in Abwesenheit ihres Mattncs ihre jungsten zwei Kinder, den vierjtihrigen Wenzel und zweieinhalbjahrigen Anton, ermordet, indent fie denselben mit eineni Rasiermesser die Halsc von einem Ohr znm andern bis aus die Wirbclsaule durchschnitt. Beide Kinder wnrden vollsttindig an-gekleidct, mit dem Gesichte nach abwarts, in einer grohen Blutlache am Fuhboden des Wohnzimmers vorgesunden; neben ihnen lag das Mordwerkzeug, die Eiitttinschungeii und Prufungen des Lebens ge-duldig ertragen, sich mit Wenigem begnugen und auch den einsachsten und beschraiiktesten Verhtilt-nissen noch cine freunbtichc, trostreiche ©cite ab-gewinnen fann. Dn hast dcine Pslicht trenlich und gcwisseichaft gcthan, als dir das Her; vor Weh zu bersten drohte und kein cinziger Hoffnmigsstrahl in dein duukles Dasein hereinfiel. Das alles hottest du bei deiner Stiefmutter nicht gelernt, mein Kind! — Allein nun ist beine Prufung vornber und du hast sic gltinzend bestanden, wenn auch das Schmerz-liche derselben noch lange nachwirken wird. Dn hast den Kamps gegen deinen eigcnen Widen siegrcich durchgektirnpst und bist nicht irre geworden on dem alten vtiterlichen Freund, wclchcr dir zn beinem Heil diese strenge Probe ouserlcgtc. Du hast mich in meincn Schmerzen und meiner Hilslosigkeit ge« pslegt, wie cine treue Tochter, selbst als dein Herz an mir noch zweisclte. Jch gehe nun rnhig aus der Welt, denn ich sehe dich gewappnet gegen alle jene Gesahren, welche eine alleinstehende Frau so leicht heimsuchen. (Fortsedmrg s»lgt.) das Rasiermesser. Die Aerzte eonstatierten, dass der Halsschnitt mit grShter Encrgie gefnhrt Worden sein musste. Der eiligst herbcigerusene Gatte fiel aus dem Thatorte, vom Schreck gelahmt, ohnmachtig nieber. Bei crlangter Wieberbefinnung war Raks erfter Gcbankc, bass bic That nut von seincrn SBeibe vollbracht wurbe. Die Mbrberin sand man aus bem Dachbobcn erhenkt Wtihrenb btr vet-gcblich angcstclltcn Belcbungsvcrsnchc wollte sich Rak vom Dachbobcn kopsiiber in ben Hosraum hinabsturzen. Ein sechsjahrigcs Mobchen Raks er-zohltc, bic Mutter Habe ihr schon tagsvorher ben Hals burchschneiben wollcn und zcigte thatstichlich cine lcichte Halswnnbe. Das Kinb Habe gcschwicgen, Weil die Mutter ihtn mit Schltigen drohte. Man muss annehmen, dass die Mutter in eineni Wahn-sinnsansallc die schrcckliche That veriibt habc. — Eine schrcckliche Eiscnbahnkata-strophe sand, wie den „MoSkowskia Wicbcmosti" tclcgraphisch gemetbet wird, in der Nacht am 16ten d. unlveit der Station Porai der Wien-Warschancr Eisenbahn statt. Es stichcn zwei Ziige zusammen, infolge dessen mehrere Personen getbbtet und ver-wundet wnrden. Ein Dienstwoggon wurde gauzlich zcrtriimmcrt, beide Loeornotiveu und vicr andcre Waggons wnrden stark befchabigt. — Diphthcritis in Russianb. Scit Monatcn schon grassicrt bic Diphthcritis im Juncrn Russlanbs unb in ben wcstlichcn Grcnz-Gouvcr-nemcnts, ohne bass man von Seite der russischen Regierung der Sache irgend welche Ausmerksamkeit geschenkt hatte. Scit vicr Wochcn jedoch ist die Krankhcit in ben Gvuvcrncmcnts Charkow unb Pol-tawa in cpibcmischcr Wcisc mit solchcr Heftigkeit ausgctrcten, bass sich bie beiben Gouvcrncmcnts-Vcrwaltuiigcn genbthigt sahen, bie Regierung um Hilsc anzugehcn. Der strenge Winter, bie Miss-ernte unb bet Mangel an Aerzten sinb vereint die Ursachen der fnrchtbaren Jutensitat der Krankheit. In ben beiben Gonvcrncmcnts sinb scit November mehr als 40,000 Menschen ber Krankheit erlegen. Von Erwachscncn starben 40 Procent, von Kinbcrn iiber 70 Procent ber Erkranktcn. In ber Umgebung von Walki sollcn ganzc Dorset ausgestorbeu und vcrodct sein. Aus den Appell der Gouvernements-Verwaltungen antwortete fosort die Hauptverwal-tung der Gesellschast des Rotheu Krcuzcs mit der Absendung einer groheren Zahl weiblicher Kranken-pflegerinnen. Die Regierung hat eine Abtheilung Aerzte noch den meistbedrohten Bczitkcn abgcscndct und lasst iiber die Mbglichkeit grunblicher Abhilfe Stubien an Ort unb ©telle pflcgcn. Local- unb Provilyial-Angeiegenheiten. Kvarni sche Spcrvkafse. In ber gestrigen Gencralvcrsammlung des Sparkassevereins wurden solgeubc Beitrage fur ge= meinnutzige unb wohlthatige Zwcckc pro 1880 voticrt: fl- Fiit bos hicfige Armeninftitut .... 2500 Fiir bic Wcihnachtsfinberbetheilung on Kinder in ber (litalnica ..........................200 Fur bic Wcihnachtsfeicr in ber hiesigcn Klein- tinberbelvahranstalt ....... 200 Fur Unterstutzuug bebiirftiger Schiiler des Gymnasiums in Laibach ..........................200 Fiir Unterstiitzung bebiirftiger Schiiler bcs Gymnasiums in Gottschce........................ 100 Fiir Unterstiitznng bebiirftiger Schiiler des Gymnasiums in Rubolsswcrt .... 100 Fiir Unterstiitzung bebiirftiger Schuler an ber Realschnle in Laibach.......................... 200 Fiir Unterstiitznng bebiirftiger Schiiler an der Lehrerbildungsschule........................... 100 Fiir Unterstiitznng bebiirftiger Schuler an ber ersteu stabtischen Vvlksschule .... 150 Fiir Unterstiitzung bebiirftiger Schiiler an bee jweiten stabtischen Vvlksschule .... 250 ft . Fiir Auschaffung der Lehrrnittel an den Bolks-schulen Krains: a) der „Rdrobna solo"........................ 150 b) bern Schnlpsennig......................... 150 Fiir Betheilnng von Schnlrcquisiteu ait arme Mobchen ber hiesigen Ursulinnenschule . 200 Fiir Bclhcilung von Schulrcquisitcn an arme Madchen ber Ursulinnenschule in Bischoflack 100 Fiir bie cvangclischc Schule....................200 Fiir Unterstiitzung armer Schuljugcud an der Kiiabenvolksschule zu Rudolsswert . . 100 Fiir Unterstiitzung biirstiger Schiiler an der hiesigen Hufbefchlaglchranflalt .... 100 Fur Unterstiitzung armer ©chulerinnen ait ber hiesigen Mtibchenschule.......................100 Fiir Unterstiitzung ber bie Schule am Moor-grunbe besuchenben Schuler .... 50 Fiir Unterstiitznng biirstiger Candidatinnen unb ©chiilerinnen an bet Lehrerinnenbil- bungsanstalt............................. 100 Fiit Unterstiitznng ber ©chiilerinnen an ber Mobchcnschulc in Gottschee................ 50 Fiir Unterstiitzung ber bie oberen Klaffen der Biirgerschule in Gurkfelb befuchenben train. Schiiler................................. 100 Fiir Unterstiitzung der Musikschule der phil- harmonifchcn Gesellschast.................200 Fiir Unterstiitzung des Vereines »Glasbeno matica"................................... 50 Fiir die Erhaltung bet hiesigen Klcinkinber- bcwahranstalt............................ 200 Fur ben hiesigen Kranken- Untetstiitzuitgs- unb Vetsotguugsvetein.................... 100 Fiit bie hiefige Feuerwehrkasse .... 500 Fiir bie Erhaltung des hiesigen Elisabeth- Kinderspitoles............................220 Fiir Unterstiitzung bebiirftiger, aus dem hie* figen Civilspitalc entlassener Reconvales- centen................................... 200 Fiir ben Grazer Freitisch mit HinweiS aus tirniere Universitatsstudierende aus Krain 100 Fiir die Arbeitcr-Kranken- und Jnvaliden- kassc.................................... 100 Fiir Unterstiitzung des hiesigen Theaters pro 1879/80 ....................................... 450 Fiit den Arbeitet-Bildungsvetein.... 50 Fiir Unterstiitzung bes hiesigen kotholischcn Gcscllcnvcreins........................... 50 Dem Vinccnzvctcin fiir Unterstiitzung bes ©iechenhaufes.............................200 Fiir Unterstiitzung bes hiesigen Knabenafyls 200 Fiir bie Viitcenzconferenz znm hl. Jokob . 100 Dent Verein ber Aerzte in Krain als Bei-trag zur LSschner'schen ©tiftung fiir Wit-wen unb Waifen von Aerzten . . . , 200 Fiir Fortsctznng ber Ausgrabungcn hcibnischcr Bcgrabnisstattcn in ben aufgefunbenen Grobselbern Krains.................................200 Fiir Unterstiitzung bcs hiesigen Mobchen- waiscnhanscs...................................... 100 Fiir bie Rothleibenben Inner- unb Unter- krains............................................1000 ©umme . . . ' 9620 — (D ie Beoutwortung bet Interpellation beS Fiirsten Winbifch-Gratz). beren Wortlaut bie „Wiener Zeitung" vervffentlicht, wiberlegt zunochst die Behauptung ber Interpellation, boss in Jbria ber friihere Taglohn der Berg-arbeitcr von 50 bis 70 kr. nunntehr anf 25 bi» 40 kr. herabgebriidt worben fei. Wie Minister Folkeiihayn ziffermatzig nochweist, betrogt in Jbria ber burchfchuittliche Jahresverbienst der nieberen Bebiensteten 384 fl. 55 kr. per Mann unb Joht, wtihrenb bic stabilen Betgotbeitet 212 fl. 10 it. pet Mann unb Jaht beziehen, was bei 300 Arbeitt-tagen im Jahre einer TageslShtmug von nahezu 71 kr. gleichtommt. Dabei find ouch die Krankenfchichten mit eiugerechnet, also die Entlohnung fiir eine Zeit, in welcher der Arbeiter keine Arbeit zu leisten im» stande ist. Autzerdem werden die Medicamente mid Curkosten vom Staate bestritten, was eincr Jahres-leistung von circa 8 fl. per Arbeiter gleichzustellen ist. Ebenso stellt sich nach den Ausfuhrungen des Ministers die acht Stunden umfassende Tagesschicht der blotz interimistisch beschaftigten Arbeiter auf 45-6 tr., also urn 5 6 kr. hvher, als in der Interpellation der HLchste Lohn der stabilen Arbeiter an-gegeben Wurde. Dabei diirfe nicht vergesjen werden, doss der Staat alljahrlich bedeutende Snmmen fur die dienstuntanglich gewordenen Arbeiter nnd fur deren Witwen und Waisen anfwendet, was bei ciiicr Privatunternehniung entweder gar nicht oder nut ausnahmsweise in weit geringerem Grade der Fall ist. Jm Gegensatze zu der Interpellation, welche der gegenwartigen Direction vorwirft, die Lbhne herabgesetzt zu haben, erbringt Gras Falken-hayn den Nachweis, dass gerade die gegenwartige Direction in lbblicher Fursorge um das Wohl der Arbeiter jene Borschlage erstattet Habe, auf welche hin im Lanfe dieses Jahres die Lohnverhaltnisse in Jdria endgiltig geregelt werden sollen. Um den Jnterpellanten von vorneherein die Gelegenheit zn i^ehmeu, ihre Interpellation mit dieser Lohnregu-lterung in Znsammcnhang zu bringen, erklarte der Minister ansdriicklich, dass diese Regelung auf Grund langjShriger Vorarbeiten der Bergwerks-direction und nicht infolge der Interpellation ein-tritt. Was den Vorwnrf anbelangt, dass man den Jdriauer Arbeitern das ihnen sriiher zugestandene freie Weiderecht entzogen Habe, so erklarte Graf Falkenhayn, dass ein solches Necht »iemals be-standen Habe, da der Eintricb von Vieh nur gegen Erlag einer Taxs zn Handen deS Forstarars ge-stattet war. Letzteres set auch jetzt noch der Fall, insoweit sich namlich der nachhaltige Betrieb der Forstcultur mit dem Eintrieb von Weidevich vertragt. Ebenso wird die Angabe der Interpellation betreffs der ungLnstigen sanitaren Berhaltnifse der Knappschaft als falsch uachgewiesen, da in Jdria trotz der sanitaren Nachtheile des Onecksilberbergbaues das Sterblich-keitsprocent nnr 1!-!4 Procent betragt, wahrend die Sterblichkeits-Durchschnittsziffer alter k. k. Montan-werke 145 Procent erreicht. Jm Anschlnsse an diese statistischen Daten nnd die varans sich stiitzendc Widerlcgung der Anklagen der Interpellation erklarte der Ackcrbauminister: „Eine der Schilderung dec Interpellation entsprechende traurige Sage der Arbeiter des f. k. Montanwerkes in Jdria besteht nicht, und ich mnss die hieriiber in der Interpellation gemnchten Angoben so wie jene, dass die Arbeiter in Jdria von der k. f. Bergdirection be-druckt und riicksichtslos ausgeniitzt werden, als dnrch die amtlich erhobenen, im Vorhergeheudeu ans-gefiihrteu thatsachlichen Berhaltnifse widerlegt, anf das bestimmteste zuriickiveifen. Es war stets das Bemiiheu ineiner Vorganger im Arnte, wie dies die Slcten nachweisen, nnd wird stets mein Streben sein, cine Verbeffernng des Loses der Arbeiter der t. k. Montanwerke herbeiznsiihren; dass es aber noth-wendig sei, denselben erst die Moglichkeit mensch-licher Existenz zn verschaffen, muss ich ebenso wie die in der ersten Stage enthnltenen Angoben, als durch die Thatsachen widerlegt — zuruckiveiseu." * * * Jdria, 22. Februar. Die national-clericale Agitation zu den kiirzlich vollzogenen Neuwahlen des hierortigen Gemeinde-Ausschuffes, welche mit der Wahlproclamatiou TrevenS und insbesondere mit der bekannten Windisch-Griitz'schen Interpellation ihten Gipselpnnkt erreichte, beginnt nun reife Friichte zu tragen. 6e«te vormittags rottete sich namlich eine grS-here Anzahl Arbeiter in der Bergverwaltungskanzlei zu einem Krawall znfammen, wobei die Bergbeam-ten fogar thfitlich angegriffen wnrden, so dass das Einschreiten des k. f. Bezirksgcrichtes angesucht werden musste, welches durch die Gendarmerie drei Radelsfuhrer vevhaften lieh. Ohne Zweifel werden letztere wegen Verbrechens der Bffentlichen Gewalt-thatigfcit in Uiileifuchung gezogen, jedeufalls aber aus dent ararifchen Dieiiste entlafsen werden. Ob sich wohl das Gewissen des frommen Man-nes, welcher nach eigeneni Gestandnifse (in seinem Wahlaufrufe) die Windisch-Gratz'sche Interpellation insceiiierte und dutch die unrichtigen und nnwahren Angaben in dcrjelben die Bergarbeiler irresuhrte nnd aushetzte, tiihrt, wenn er sieht, dass infolge seiner gehassigen und — wie es die Jnterpellations-Beantwortnng dnrch den Ackerbauminister Grasen Falkenhayn nachweist — unbcgriindeten Auswieglnng der Bergarbeiter, niaiiche derselben zeitlebens un-gliicklich und — brotlos werden?! Witterung. Laibach, 24. Februar. Schncefall, schwachcr NW. Wiirmc: morgens 7 Uhr + 2 4°, nnchmittags 2 Uhr + 1-2° C. (1879 + 7 8°, 1878 + 9 2° C.) Barometer im Sleigcn, 7303d 3JliUU meter. Das gestrige Tagesmittcl Bet Warme + 4 9°, um 5 0“ itber dem Normale; der gesttige Niedetschlag 18 20 Millimeter Regen. Angekommene Fremde am 23. Februar. Hotel Stadt Wien. Hartmanu, Blip und Einohrl, Kanf-leute, Wien. — Schlentcr, Reis., Salzburg. -- Mot-dax, Slgciit, Triest. Hotel Elephant. Scharpf, Bankbeamtet; Ktaket und Alt-schul, 'Jieifenbe; Sarto nnd Goldstein, Sinuflcute; Roseu-zweig, Fabrikant, Wien. — Bayer, k. f. Bberlieut, Ocbcttburg. — Bcndiener, Hanbelsni., Graz. — 9titter v. (iJuttenbevg, k. k. Forstrath, Triest. — Scheyer, Fotst-meister, Ratjchach. Hotel Enropa. Dr. Bizjak, Advocat, Triest. Kaiser von Oefterreich. Sessky, Marqueur, Klagensurt. Mohren. Sfožič, Ptivat.und Biawk, Realitatenbcs, sammt Sohn, Laudslratz. — Lcgamieki Katharina, Hotelbesitzetin, Samobor. — Svffner, Brauer, Triest. — Birkopf The-tefe, Private, Agram. — Schigou, Loitsch. — Lam, Bogclhanbler, St. Andteasbetg. — Wohlfon, Ziegel-macher, Jtalien. Verstorbene. Den 22. Februar. Johanna Meukek, Buchsen-macherswitwe, 56 I., Polanastrahe Nr. 18, Lungentiiber-culofe. Deu 23. Februar. Francisca Swoboba, Eiseu-bahti=(£onbucteuretuchtcr, 7 Mon, Petersstiahe Nr. 54, Ftaisen. — Maria Bejel, Beamtenswitwe, 83 I., Fluss-gasse Nr. 8, Wasseyucht. — Joscfa Baronin Grimschitz, Hoftathsivitme, 7v I., Hettengasse sJir. 14, Altersschwiiche. Gedenktafel liber die am 26. Febrnar 1880 ftattfinbenben Lici-tutioiteti. 3. Fctlb., Janezii'schc 'Jieal., Planina, BG. Loitsch. — 3. Feilb., Jermau'jchc Steal., Sccbors, BG. Loitsch. — 3. Feilb., Devjak'sche Real., iictocc, BG. Lvitsch. — tl. Feilb., Otonitat'sche Steal., Zitkiiiz, BG. Loitsch. — 3. Feilb., Pelritsch’jchc Real., Michelstctten, BG. Ktainbntg. — 1. nnd 2. Feilb., Kalinschek'sche Real., SDiichelftettcii, so®. Ktain-burg. — Relic. Ko^at'sche Real., Zagorica, BG. Grob-laschiz. — 2. Fcitb., Kasteliz'sche Real., St. Beit, BG. ©it« tich. — 3. Feilb. Trost'sche Real., Podraga, BG. Wippach. Eiiigesendct. Dunksugung. Nachdem mein seit sechs Jahren im F»s;e gehabtes hestiges gichliges Leiden bei vietmaligcr Aitwendnng des in der Laiidschafts-Apotheke in Graz zu habenden Rheu-matismus-Aethers ganzlich behoben ist, so fiihlc ich rnich angenehm vetpflichtet, dem Herrn Erzeugcr dieses vor-trefflichcit RheumatiSmus- Aethers offentlich nieinett Dank abznstattcn, und hoffe, bass mit bies von ©cite des Herrn Etzeugets nicht iibel ansgenommen, lueil dadurch gewiss einem gtofeen Theile der leidenden Menschheit Hilse gr» bracht wird. (40j 10—4 Graz am 2. Oktober 1878. Adolph Edict v. Kotmos. Depot slit Krain bei Julius v. Trnkiczy, Apothckcr „zum golbenett ©inhorn" in Laibach, Rathausplatz Nr 4. Theater. Hente (getadet Tag): Anhctotdeiitliche Gastvotstellung der Zulnkaffern auf ihrer Diirchreife nach Wien. Bother: Recept gegen ©chlvtegcrmiittcr. Zur gefalligen Notiz, dass die nachste Nnmmer der