PoJtrcir.a plagana t gotovtal Deutsche Zeitung — Organ für die deutsche Minderheit im Dravabanat C^rifiUitung ,»d BctiMltaat: Pr«j«rnova Mlfe« &, Telephan Str. 21 (lnttrvrfean) 1 StjugtpttU« fit da, Inland: vierteljährig «0 Din, halbjährig 80 Sin, gan,-■tt'nnbigamgf« werfcta i» »er verwalt»,, P> dUligsten »«biihrei, entgegengenommen f jährig l«0 Dln. Mr da, «»»land entsprechende Erhöhung. Einzelnummer lin 150 Erscheint wöchentlich zweimal: Donnerstag früh nnd Samstag früh mit dem Datum vom Sonntag Nummer 84 Celje, Sonntag» den 2l). Oktober 1935 J 60. Jahrgang Einberufung der Skupötina Die Shipstirrn ist für Samstag, den 19. L M., 10 Uhr vormittags einberufen worden. Tagesordnung: Festsetzung der Tagesordnung. In parlamentarischen Kreisen sieht man mit größter Spannung der Neuwahl des Senats- und des Skupstinapräfidiums entgegen. Die Regierung rechnet damit, daß sie in der Skupstina die Mehr-heil haben werde. Der Regierungsklub wird den gegenwärtigen Minister für körperliche Erziehung und Vertreter des Sozialministers Mirko Komnenovic zum Skupstinapräsidenten vorschlagen. während die Opposition den bisherigen Präsidenten Ciric kandidiert. Wieder slowenische, kroatische und serbische Fahnenerlaubnis Das Regierungsorgan „Slovenec" berichtet aus Beograd: Minister ohne Portefeuille Dr. Krek äu^rte sich bezüglich des projektierten Flaggengesetzes unserem Berichterstatter wie folgt: „Mit dem ge» nehmigten Gesetzesprojekt wird allen Privatpersonen bei allen Anlägen bewilligt, neben der Staatsflagge auch die übrigen Flaggen zu hissen, sei es nun die slowenische, kroatisch« oder serbische, dasselbe gilt auch für ttirchenfahnen. Bereinsfahnen und Stadtfnhnen, doch muh in diesen Fällen der Staatsflagge der Borrang gegeben werden. Man kann aber die jlo> wenische. kroatische oder serbische Flagge auch allein hissen." Auf Grund des neuen Gesetzesprojektes »ird der Staatsflagge der Borrang und der erste Platz unter den Fahnen eingeräumt. Auf staatlichen und öffentlichen Gebäuden wird ausschließlich die Staatsflagge gehißt, auf Prioathäusern und bei allen Gelegenheiten können aber auch slowenische, kroatische und serbische Nationalflaggen gehißt werden. Dasselbe gilt für Stadtfarben und Vereinsflaggen. Der Prozeh gegen die Marseiller Komplizen beginnt am 18. November Amtlich wurde bestimmt, dah der Prozeh gegen die Angeklagten im Marseiller Attentat am 18. No- vember d. I. stattfinden wird. Bis jetzt haben sich rund hundert Pressevertreter angemeldet. Italien und der Bolschewismus Es ist auffallend, wie sich die Marxisten aller Länder für die Sanktionspolitik des Völkerbundes attssprechen. Selbst die Schweizer Sozialdemokraten fordern von der Regierung strickte Vertragstreue gegenüber dem Völkerbund. Durch Sanktionen des Völkerbundes soll Italien dem Bolschewismus in die Arme getrieben werden. Wenn der russische Außenminister auch noch so sehr von Frieden spricht und für Sanktionen oegen Italien als Friedens-brecher eintritt, geschieht dies nur, um im Wege über einen europäischen Krieg, der zum eventuellen Gefolge der Sanktionen gehört, die Bolschewistische Weltrevolution durchführen zu können. Zapan der Erbe? Während die japanische Bevölkerung mit ihren Sympathien in dem soeben ausgebrochenen Kampfe offizielle Persönlichkeit beteiligt! Nichtsdestoweniger hofft man in Japan auf Riesengewinne aus der kriegerischen Entwicklung, insbesondere will man die Einfuhr nach Afrika an sich reihen, die bisher Italien gehabt hat. Umbildung der österreichischen Regierung Fast überraschend kam Donnerstag nachmittags die Meldung von der Umbildung der österreichischen Regierung. Bundeskanzler Dr. von Schufchnigg kündigte dem Bundespräsidenten Mitlas den Rück-tritt seines Kabinettes an, wurde jedoch von diesem sogleich mit der Bildung eines neuen Kabinettes betraut, dessen Liste er schon am gleichen Abend dem Bundespräsidenten vorlegen konnte. Dr. Schuschnigg behielt sich neben dem Bundes» kanzleramt noch dle Ministerien fiir Landes-Verteidigung und Unterricht vor. Vizekanzler bleibt Fürst R. von Starhem-berg, wobei er die Führung der Wehrfront über-nimmt, die von nun an als Vereinheitlichung der Wehrverbände den Namen „Freiwillige Miliz österreichischer Heimatschutz" führen wird. Gleichzeitig kündigte Starhemberg die Durchführung der Ver-einheitlichung der Jugend als Staatsjugend an. Neu ernannt wurde der bisherige Landes-hauptmann von Niederösterreich von Baar-Baaren-fels WM Innenminister. Ausgeschieden ist Minister Feg, der das Ministerium für Sicherheit inne hatte. Jugoslawien und die Sanktionen Im Zusammenhang mit der Anwendung wirt-schaftlicher Sanktionen gegen Italien laut der fast einmütigen Entschließung in Genf hatten die Ver-treter Jugoslawiens, Rumäniens, der Türkei und Griechenlands bekanntlich erklärt, daß ihre Länder als bedeutende Ausfuhrstaaten nach Italien nicht in der Lag« wären, eine kollektive Anwendung des Art. 16 des Paktes ohne entsprechende Entschädigung, die im gleichen Artikel vorgesehen Dieser Standpunkt der Mitglieder des Bolkanein- sei, zu ertragen. vernehmen« trat nun in Genf in die Phase der Prüfung Deshalb wurde am 15. d. im Minilterprä-fidium eine engere Konferenz des Ministerpräsidenten Dr. Stojadtnovtt abgchalkn. Dieser Konferenz wohnten der Gouverneur der Nationalbank Rado-savljevii, der Gehilfe des Außenminister» Martinac, Generaldirektor der Nationalbank Dr. Protii und der Inspektor des Handels- und Industrieunter-tiehmens Vbradovtt bet. Der Ministerpräsident be- tonte die Notwendigkeit der Wahrnehmung unserer Interessen in Genf. Bei dieser Gelegenheit wurden zu Experten, die sich der jugoslawischen Delegation in Genf anzuschließen haben, der Generaldirektor der Nationalbank Dr. Protic, der Generalkonsul in Mailand Predic und der Inspektor des Ministeriums für Handel und Industrie Obradovic bestimmt. Die Eiperten reisten bereit» am 16. d. nach Genf ab. Lavals Versöhnungsvorschläge erfolglos? England und Italien blriben unnachgiebig. Frankreichs Außenminister Laval erklärte, dah Frank-reich wohl die aus dem Artikel 16 sich ergebenden Verpflichtungen bis zum Letzten erfüllen werde, daß es aber die englische Flotte nicht unterstützen werde, wenn diese gegenwärtig im Mittelmeer angegriffen werden würde; denn dort sei ihre Anwesenheit zur Durch-führung der Sanktionen nicht not-wendig. Als Antwort schickt nun England weitere Kampfeinheiten ins Mittelmeer. Auch Italien schickt immer größer« Transporte von Truppen und Mu-nition nach Ostafrika, aber auch nach Libyen. Der Negus von Abessinien leugnet alle Gegenoffensive-absiriitm und wartet lieber, bis die Italiener tiefer in fein Land kommen. Um den Frieden Europas Selten ist ein Schlagwort so rasch und gründ-lich Lügen gestraft worden wie die These des Herrn Litwinow von der „Unteilbarkeit des Friedens". Denn während Deutschland abseits von Genf als unbedingt neutrale Macht ruhig verharrt, hat die wildbewegte vergangene Woche gezeigt, dah im Namen des Friedens die gefährlichsten Front-bilvungen innerhald des Völkerbundes entstehen können. Wir denken dabei nicht nur an den tiefen Gegensatz zwischen England und Italien, der dem Problem des kolonialen Status quo draußen in der Welt, bezw. dem mehr oder minder stürmischen Trmpo seiner Veränderung gilt. Während in Genf das Unbehagen über den eigenen Mut sich in der Lückenhaftigkeit der ersten, wirtschaftlich-finanziellen Sanktionsfront deutlich offenbart, verrät die Beschwichtigung der französischen Press« durch Herrn Laval, wie heftig die starr auf den Status quo in Europa eingestellte Pariser Diplomat!« durch den Abessmen-KonM und sein« Weiterungen be-reits mitg«nomm«n erscheint. In dem Strikt d«r Meinungen zwischen London und Paris sind Zwei Fragen von besonderem Interesse, gerade weil sie heute von französischer Seit« kritisch gestellt wrrden, nämlich di« Auslegung des Genfer Paktes und das Hereinspielen inn«rpolitisch.weltanschaulicher Gegen-sätze in die große Politik. Es ist kein Geheimnis, dah Herrn Lavak Be-mühungen in Genf auf eine restriktive Auslegung der Angriffs- und Sanktionsparagraphen des Völker-bundes eingestellt waren und dah bis auf weiteres des aber MWWWWWWPWWWW die Er-kenntni» wächst, dah «ine wörtliche Anwendung der Genf«r Sanktionen T«us«l mit Beelzebub ouslreibeq heißt, dann scheint man gan, zu vergessen, daß ja die Pariser Diplomatie selbst seit Jahr und Tag in der leichiseriigsten Weise darauf ausgeht. im aus- S«dehnten Feld ihrer «cht«n oder vermeintlichen mtinentalen Interessen die Sanktionsmaschine aus ein militärisches Bündnissystem uinzu schallen und dadurch «rst recht zu automatisieren. Noch di« letzte, bisher unbeantwortete^Note des Quai d^Orsay an «r an England zeigte das Bestreben, unter Ausnutzung der im Abessinien-Konflikt gegebenen Umstände den Ring der französischen Bündnisse und Militär-abreden rings um Deuljchland zu schließen durch einseitige Festlegung des britischen Locarno-Garanten. Man muß, um die ganze Verlegenheit eines an sich auf Frieden und Ausgleich der Interessen ein-gestellten Mannes wie Laval zu ermessen, sich immer wieder daran erinnern, daß er zwangsläufig in den Bahnen seines ermordeten Vorgängers Barthou weitergegangen ist, der erstens ein geschworener Deutschenfeind war, zweitens an eine Erneuerung der englisch-französischen Entente nicht mehr glaubte und damit drittens die Genfer Methoden für über-holt und ungenügend ansah. Das System Barihvu war einfach die Rückkehr zur Allianzpolitik der Bor-kriegszeit, und zwar mit dem kühnen Versuch «in«r Bindung der Gegensätze, um ;u einem Kriegsdreieck Sowjetrußland-Frankreich Italien zu kommen. Nun muß Herr Laval, der in Rom Italien freie Hand gab und in Paris das Bündnis mit den Sowjet» einging, die Früchte einer unmöglichen Zweideutigkeit ernten und zusehen, wie England sich des Völkerbundes für seine imperialen Abwehrinteressen be» möchtigt. Wie aber steht es mit der Verfälschung des Friedens durch innerpolitisch« Vorurtelle? Auch hier wird man der französischen Press« soweit recht geben dürfen, daß die Konservativen in der englischen Seite 2 Deutsche Zeitung Nummer 84 Regierung stark« Eile hoben, sich in Neuwahlen ihrem Land als demokratische Beschützer von Frieden und Völkerbund wärmsten? zu empfehlen. Allein wenn heute die französischen Nationalisten demon-strieren gegen ein antifaschistisches Komplott, so muh leider daran erinnert werden, dah das offizielle Frankreich sich derselben antifaschistischen Einstellung der Linkigruppen gegen das nationalsozialistische Deutschland bedenkenlos bedient hat. bis zu der von Herriot begonnenen, von Laval praktisch vollzogenen Verbrüderung mit der Sowjetunion als dem be« rufenen „Garanten des Friedens". Vor kurzem ist in Paris der Senator uud ehemalige Botschafter Henry de Jouvenel plötzlich verstorben, dessen Name mit dem Viermächtepakt Mussolinis von 1933 eng verbunden ist. Wenn die Entwicklung inzwischen von ienem Stadium auch weit genug abgekommen ist, so erscheint es um so interessanter, sich heute daran zu erinnern, dah Iouvenel damals ein von Mussolini angebotenes ftonzösisch-italienisches Zusammengehen Sudetendeutsche Elendsbilder Eine Fahrt durch die einstmals blühenden sudeten-deutschen Industriegebiete zeigt überall da» gleiche tröst» lose Bild. E» gibt keinen Ort im sudetendeutschen Land, der nicht heimgesucht wäre von der furchtbaren Not, die heute überall in diesem Gebiete anklagend aus den Augen der hohlwangigen und verhärmten Menschen blickt, die verzweifelt um die rostenden Maschinen irren, ohne Hoffnung, in ihrer Heimat jemals wieder Arbest und Brot zu finden. Da» Erzgebirge Wie selbst tschechische Blätter allmählich bekennen müssen, ist das Erzgebirge im Laufe der Jahre zu einem Elendsgebiet geworden, wie es „mtt den gleichen furchtbaren Zuständen in Europa nirgend» mehr an-zutreffen ist". Hier hat die Verelendung der sudeten-deutschen Bewohner ein Stadium erreicht, das mit Worten einfach nicht mehr zu schildern ist. Die Kinder brechen vor Hunger zusammen, die Männer verfallen dem Wahnsinn, die Frauen treibt der Hunger und da» Wimmern der Kinder zum Selbstmord I Am härtesten ist da» Gebiet von Neudeck von diesem allgemeinen Verfall betroffen. Der Ort liegt etwa 700 m hoch, der Ertrag der Landwirtschaft ist bedeutungslos, denn es können fast nur Kartoffeln gebaut werden. So wie viele andere sudetendcuischen Orte, ist auch Neudeck ein Opfer der tschechischen Wirt-sch^ftspolitik geworden, deren Tendenz e» ist, den „Vorsprung der deutschen Wirtschaft auszugleichen". Da» Eisenwerk von Rolhau-Neudeck, durch Qualitäts-wäre weit und breit bekannt, wurde im Verfolg dieser Zielsetzung nach Mähren verlegt und gegen 1500 deutsche Arbeiter verloren über Nacht Arbeit und Brot. Im Bezirk Neudeck gab es 1929 796 Erwerbs-lose, bi» Ende 1934 war diese Zahl auf 5956 gestie-gen! Die Auswirkungen einer derartigen Entwicklung, die zwangsläufig immer furchtbarere Formen annimmt, Rnd mit Worten nicht wiederzugeben. Die Armen-Häuser der Gemeinden de» Erzgebirges find überfüllt. Drei Familien wohnen oft in einem Raum! Und das Alessio. Das Meer, das Meer! Bon Gerhard ©«(«mann In seinem Roman „Die Flucht" erzählt Gerhard Gefemann von dem abenieuerli chen Rück«ig de« serbischen Heeres, eine der wich-tigsten Episoden, die sich wahrend deS Welltrieaes im sernen südolten» ereignet hat. Aus diesem höchst reizvollen Buche, da« uns zugleich in vor-trefflicher Weise mit den Schicksalen jener fremd«, Länder und Völker vertraut macht, entnehmen wir mit Erlaubnis det Albert Langen/Georg Müller Verlage« in München, den folgenden Abichnitt. 24. Dezember Als wir aufbrachen, war es noch Nacht. Aber die Sterne verblahten schon ein wenig. Von den Mina-retten der islamischen Stadt sangen die Muezzin ihr nasal-gutturales Lied. Eine helle Jünglingsstimme war dabei, die übertönte alle anderen. Sie klang noch in meinem Ohr, ein spöttischer Triumph, als wir unter der Burg an der Bojana hinabzogen. Jetzi sitze ich in Alessio, dem arnautischen Ljesch, in einer Wachstube, wo mir Ejsad Paschas Gendarmen Wasser zu trinken geben. Sie sitzen, bis an die Zähne bewaffnet, am offenen Kaminfeuer und lachen über meine schmutzdurchnähte Kleidung. Den ganzen Tag sind wir durch Wasser und Schlamm gewatet, meilen-weit steht der Sumpf auf den Feldern und Sttahen. nicht etwa ohne England und gegen Deutschland, j sondern geradezu als da» ideale Mittel wollte, um dem ängstlichen Frankreich die dringend notwendige Verständigung mit einem aufftrebenden Deutschland möglich zu machen. Dadurch, dah später Herr Barthou Deulschland leidenschaftlich aus der Kom-bination ausfchloh und Herr Mussolini ein Mandat Über Oesterreich erhielt, über dessen Folgen heute gerade die Franzosen ebensowenig glücklich sind wie die Engländer, ist eine grohe Chance zur Vermeidung gegensätzlicher „Friedensfronten" in Europa versäumt worden. Deutschland steht nach wie vor auf dem Standpunkt, dah die Verständigung mtt allen seinen Nachbarn, angefangen von Frankreich, möglich und höchst wünschenswert ist. Herr Laval ist aber belastet durch eine Diplomatte. die au» Vor-eingenommenhett in die Ertreme verfallen muhte und heute zwischen England, Italien und Sowjet-ruhland unsicher schwankt. Der Friede Europa» wird so jedenfalls nicht garantiert. Schlimmste ist, dah keiner dieser verzweifeUen Menschen mehr ein wenig Hoffnung haben kann, dah es jemal» wieder besser wird! Der Böhmerwald Das Los der Böhmerwäldler war nicht leicht, aber die Menschen des Böhmerwaldes sind an-spruchslos und waren froh, wenn sie sich in harter Arbeit wenigstens da» Notwendigste zum Leben verdienen konnten. Brot und Kartoffeln, ein wenig Milch, das war genug. Heute ist auch das nicht mehr zu beschaffen. Auch hier werden die Menschen vom Hunger gequält. Die Kinder kommen ohne Essen in die Schule, mit grauen Wangen, krank und unterernährt. Niemand hat mehr Arbeit. Selbst die Heimarbeit, die durch viele Jahrzehnte lausenden Familien einen kargen Verdien» gab. liegt heute brach. Mtt erschreckender Deutlichkeit kommt das in der Zahl der Erwerbslosen zum Ausdruck Im Be-zirk Winlerberg zählte man rm Jahre 1929 6l Ar-beitslose, im Jahre 1934 waren es bereits 8311! Nur wer das Elend mtt eigenen Augen gesehen hat, vermag zu ermessen, welcher Jammer hinter diesen Zahlen steht! Es ist erschütternd, einen alten BöhmerwSlder mit Tränen in den Augen sagen zu hören: „Wir spüren den Hunger nicht mehr, wir müssen betteln gehen, dah unsere Kinder nicht hun-gern....." Nordböhmen Friedhofsruhe liegt über den nordböhmischen Industriegebieten, kaum findet man hier noch einen Schlot, der raucht, kein Laut dringt au» den Hallen der grvhen Fabriken, und man muh immer wieder daran denken, dah diese Industriegebiete '/« der gesamten Industrie der österreichisch-ungarislhen Monarchie ausmachten, das verschiedene Industriezweige, die heute völlig brach liegen, einmal westbekannt waren und dah es für sie im Rahmen des tsche-chischen Staate» nie mehr möglich sein wird, die einstige Geltung zu erlangen. So wie in den genannten Gebieten bietet sich Die Gefährten find in da» serbische Ortskommando ge-gangen, um fich nach den Verhältnissen im nahen Hafen San Giovanni di Medua zu erkundigen. Ich bin so wund an den Fühen und auf dem Rücken, den der Rucksack scheuert, dah ich vom ersten Wandertage nur ein schönes Bild behalten habe. Kurz vor Sonnenuntergang öffnete sich an einer Wegbiegung ein Ausblick über einen ruhigen, weiden-umsäumten Fluh. Dahinter erhob sich, noch wett ent-fernt, die Stadt. Ihre weihen Häuser und Minarette leuchteten am Fuh eines Berges, der Berg aber trug die schönste Burg, die ich aus dem Balkan gesehen habe. Ich habe die Leute gefragt, ob und warum diese Burg so schön sei, die da im trüben Gelb des versin-kenden Tages auf jenem Berge leuchtete wie eine Ver-heihunz, aber fie sagten, es sei gar nichts Besonder« an ihr, weder an Mächtigkeit noch an Schönheit. So ist mir da» schon öfter ergangen: Den ganzen Tag gehen, springen, waten, klettern, schleppen, von fünf Uhr morgen» bis sechs Uhr abends, im weichen Lehm, im Schlamm bis an» Knie, im Sumpf bis übers Knie, selten ein trockener Platz, wo man sich au»-ruhen kann, vorwärts gepettscht von dem einen Gedanken : Schiffe und Hafen von Medua. Dann plötzlich, nachdem man den ganzen Tag kein Auge hatte für diese beschwingte Atmosphäre, die nach dem Abklingen des Dauerregens an unsern Aprtthimmel erinnert, plötzlich, als der Fuh schon zum hundertsten Male heute im sudetendeutschen Land überall da» gleiche grauenvolle Bild. Das Furchtbarste aber ist, dah dieser Entwicklung täglich auch Menschenleben zum Opfer fallen. 3n den sudetendeutschen Elendsgebieten sterben täglich zahlreich« Menschen an den Fol-gen mangelnder Ernährung und verschiedener Krank-hetten, denen der Körper nicht mehr genügend Wi-verstand entgegenzusetzen vermag. Immer häufiger werden die Fälle, dah Erwerbslose vor Hunger wahnsinnig werden oder aber zum letzten — zum Selbstmord greifen. Im Jahre 1934 endeten in der Tschechoslowakei nicht weniger als 4544 Men-schen durch Selbstmord! Die Tschechoslowakei nimmt somit in der Selbstmordslatistik der West die erste Stelle ein! Dah der gröhte Teil dieser traurigen Zahl auf da» Sudetendeutschtum entfällt, wird nie-mand bezweifeln. Bangend sehen die dreieinhalb Millionen Deutschen in der Tschechostowakei, die schutzlos dem wirtschaftlichen Niedergang preisgege-den find, dem kommenden Winter entgegen. Ange-sichts der Tatsache, dah nunmehr auch die tschechi-schen Zettungen über die katastrophalen Zustände in den sudetendeutschen Gebieten berichten, die all-mählich zu einem europäischen Skandal auswachjen, hofft das Sudetendeutschtum. dah die Prager Re-gierung im kommenden Winter schon im Interesse des „Ansehens des Staates", wie tschechische Blät-ter schrieben, versucht, wenigsten» die ärgste Not einigermahen zu lindern. Deutschlands erster Eintopfsonntag Als Auftakt de» durch Adolf Hitler am 9. Oktober eröffneten Winterhilfswerks 1935/36 fand am 13. Oktober in Deutschlaud der erste monatlich« Eintopfsonntag statt! Unermüdlich sah man 75.000 freiwillige Helfer und Helferinnen in der Reichshauptstadt, die in manchen Bezirken schon am Freitag ihre Sammeltätigkett begonnen hatten, von Haus zu Haus wandern, um die Ersparnisse gegenüber der sonst teueren Sonntagsmahlzett ein-zusammeln. Auch an diesem ersten Eintopfionntag des Jahres hat sich wieder die nationale Solidarität bewährt, der Appell des Führers und Reichskanzler» an die Hilfsbereitschaft de» Volke» ist nicht umsonst gewesen. Das vorläufige Ergebnis der Haussamm-hingen in Berlin weist bereit» 40.000 Mark mehr auf al» der erste Berliner Eintopfsonntag im vorigen Jahre. Es sind insgesamt RM 375.000. Hiezu kommt noch, was in den am gestrigen Tage voll-besetzten Berliner Gaststätten al» Winterhilfswerk-bettrag erziett wurde. Im Gegensatz zum Vorjahre werden künftig an jedem Eintopfsonntag nur drei vorgeschriebene Gerichte in sämtlichen Gaststätten gereicht, um dadurch eine Umgehung des Eintopf-gedankens zu vermeiden. Das besondere Ereigni» diese» ersten Eintopssonntags waren zweifellos jene riesigen Gulaschkanonen, die auf 12 Berliner Plätzen im Freien Gemeinschaftsspeisungen ausgaben. Unter dem Klang von SA-Kapellen fanden sich hier viele Hunderte aller Volksschichten zusammen, um mtt fröhlichem Gesicht eine kräftige Mahlzeit einzunehmen. knickt und knackt und man todmüde und ichmerzaepei-nigt stillsteht und mit verglasten Augen in die Land-schaft starrt: steht mit einem Male diese Burg da unter einem dunkelgelben, von schwarzen Wolkenfetzen ge-sprenketten Abendhimmel, hebt einem gewaltsam die Augen in die Höhe, erhellt den blinden Blick, gibt dir zum ersten Male an einem solchen Wandertage einen Gedanken, einen reinen Gedanken und macht dich zum Menschen aus einem geschundenen Tiere. Ist e» ein Wunder, wenn man die Gralsburg zu sehen meint? Und ist doch nur das alte Ljesch, Skendebergs elend verkommene Residenz. Dasselbe muh in einem blonden schumadinischen Soldaten vorgegangen sein, der, zehn Schritte hinter mir, gleichfalls stehenblieb und laut in die Einsamkett der Strahe hineinrief — die Gefährten waren ein paar hundert Schritt voraus —: „Du lieber Gott, ach du mein lieber Gott, das ist ja Ledjengrad!" Ich rührte mich nicht, ich sah weiter auf die Burg, über den Fluh, in den schwarzgelbcn Abend, er aber kam näher, trat neben mich und sagte: „Schau, das ist Ledjengrad!", und ich sagte: „Ja, das ist Ledjengrad." Jetzt, vom Wasser erftischt, vom Kaminfeuer wenigstens an den Fühen getrocknet, das Tagebuch auf den Knien und unter der Petroleumfunzel einer arnautischen Wachtstube, jetzt muh ich freilich lachen: Ledjengrad! er wei» gar nicht, was Ledjengrad iß. Keiner weih, was Ledjengrad ist. Er weih nicht, wo Nummer 84 Deutsche Zeitung Seite A An den Rand vermerkt Celje, Mitte Oktober. Der Niggerjazz ist aus dem deutschen Rundfunk verbannt! Das bebeutet, dah der Nationalsozialismus in seinem Kultur-Ausbauprogramm grundsotztreu und beharrlich vorwärtsschreitet: das bedeutet ober auch, dah die weitschauende musikalische Anregungsarbeit de» retchsdcutschen Funk in Zukunft es noch leichter haben wird, wie in die Breite und Weite, so auch in die Tiefe zu wirken. Wenn sich der deutsche Rundfunk also gegen den Jazz wendet, so wendet er sich nicht gegen „ein reines, ursprüngliche» Naturprodukt", wie es die jüdische Presse uns glauben machen will, sondern gegen ein „Sammelsurium internationaler Kultur-abfalle", da» nun gegen den deutschen Tanz ein-getauscht werden soll. Und da» ist gut so, denn: da» Gebiet der Tanzmusik ist und bleibt der Ur-quell und ewige Erneuerung-quell der Musikliebe, des Musikoerstehens im Volke. „So viel man auch im Memelgebikl machen kann, ohn» die MemellSnder zu fragen und ohne daß sie etwas dabei zu sagen haben —, an diesen! Tage hat man fie gefragt und sie haben eine Anlwori gegeben, die in der ganzen Weil vernommen worden ist. Was nun auch tommen mag, eins ist sicher: diese Ant-woN wird nicht verhallen ..." tauern, Ausbürgerungen von Deutschen — nicht Hah. der dem Bewuhtjein kultureller Minder-werligkeit entspringt. Memel ist trotzdem deutsch geblieben, trotz allem wurden die bisherigen 24 Sitze gehalten. Ji. selbst die litauischen Volkszugehörigen haben ihre Regierung verurteilt, indem sie für Deutschland stimmten. Ja, groh-litauische Bauern haben gemeutert, weil sie unter Kownos antideutscher Selbstmord- und Schikane-Politik derart leiden, dah sie an den Bettelstab gc> bracht wurden. So trifft die Memelwahl vom 29. September — deren zahlenmähiges Ergebnis in unserer letzten Ausgabe bekannt gegeben wurde — einen grundsätzlichen Entscheid: sie reiht sich ein in jene Kette deutscher Grenzlandabstimmungen von Oderschlesien über Kärnten bis an die Saar, die eindeutig das Bekenntnis ausbrückten: D e u t sch l a n d! ♦ Nach elfjährigem Bestand hat das republikanische Regime in Griechenland sein Ende gefunden, die monarchische Verfassung vom Jahre 1911 ist wiederhergestellt und General Kondylis zum fönig-lichtn Statthalter ernannt. Damit ähnelt Griechen-land augenblicklich staatsrechtlich dem Zustande, in dem sich Ungarn seit 10 Jahren befindet. E» ist vorläufig ein Königreich ohne König. Zugegeben, dah diese von fortgesetzten Wirren» Regierungsstürzen. Putschen und Revolutionen aus-gefüllte Zeit naturgesetzlich einem Regime der Be-harrung zustreben muhte, sollte das Land nicht im Chaos versinken. Zugegeben, dah dieser Zustand der Beharrung nur in dem geschichtlichen Königtum des Ledjengrad ist. Keiner weih, wo Ledjengrad ist. In den Volksepen ist es eine geheimnisvolle, weitentfernte Burg, dahin schwer zu kommen und von wo noch schwerer zu entkommen ist, woher sich stolze und eitle ürsten chre Bräute holen unter Einsatz ihres eigenen eben? und dessen ihrer Mannen. Aber ich sehe seit-wärt« auf den Bauern, der fast schon kein Soldat mehr ist: seine Augen sehen still und glänzend auf die Burg. Er hat Ledjengrad gefunden, das ihm in den Träu-men seiner Jugend nur in den Liedern seiner Ahnen leuchtete. Hier hat er es gefunden an den Wassern der Bojana. nach einem Marsche von ein paar tausend Meilen und unter Gefahren, die denen der Epen nicht viel nachstehen. Natürlich ist es Ledjengrad! „Komm", sagt er, „ich werde dir denRucksackbi» in die Stadt tragen, und du gibst mir ein Stück Brot, wenn du ein» hast. Hast du keins, so mag uns Gott helfen: gib den Ruckjack her." Die Gefährten melden, dah heute abend von Medua ein amerikanisches Schiff nach Italien abgehen werde. Wir raffen unsere Kräfte zusammen, um auch noch die letzten zehn Kilometer zu bewältigen, die uns vom Meere trennen. Der Abendgesang der Muezzin begleitet uns wieder in die Nacht hinein. Sterne gehen auf: Zum eisten Male auf dieser Wanderung seh« ich Sterne. Vielleicht haben sie geschienen, aber ich sah sie wohl nicht. Und so groh! Wie werden fie sich spiegeln in der Meeresflut! hellenischen Staates und wohl am besten durch [ Rückkehr der alten Dynastie gefunden werden konnte. Unverständlich aber ist es, warum die Führer des griechischen Volkes die Republik stückweise abgebaut und die Monarchie sozusagen ratenweise eingeführt haben (der legitime König Georg II. wird wohl am I. November die Einladung erhalten, den Thron seiner Väter wieder zu besteigen). Die griechischen Blätter berichteten schon vor vielen Wochen, die militärischen Kommanden und Anstalten, ebenso die Verwaltungsbehörden hätten das Wort „Republik" aus den Amsstampiglien entfernen lassen. Warum ist man nicht gleich radikal vorgegangen und auf einmal zur königlichen Staatsform zurückgekehrt? Diese Umänderung in Raten erinnert stark an den gewissen Hundezüchter, der seinem Hunde den Schwanz dreimal stutzte, damit es dem Hund nicht so weh tue! — h. p. — Dramatische Wendung der Devisenprozesse Die Devisenprozesse gegen katholische Geistliche und Ordensangehörige rollen vor den Schranken des Berliner Kriminalgerichtes ab wie am laufen-den Band. Bis jetzt sind schon mehr als 15 Ver-fahren, meist mit hohen Zuchthausstrafen, strafrecht-lich zum Abschluh georacht und, wie man hört, sind annähernd noch ebenso viele in der Schwebe, die im Laufe der nächsten Wochen erledigt werden sollen. Für die katholische Kirche Deutschlands ein in der Tat peinliches Bild, wenn auch immer wieder von den Justizbehörden mit Nachdruck daraus hin-gewiesen wird, dah es sich um höchst bedauerliche Einzelsülle handele, die der Kirche als solcher aus keinen Fall zur Last gelegt werden. Immerhin ist ihre durch dies« Vorgänge geschaffene Situation nicht beneidenswert zu nennen, da fchliehlich die Verurteilten Angehörige weltbekannter katholischer Ordensgesellschasten sind. Niemand wird aber auch die Tragik übersehen wollen, auf den Anklagebänken zu sehen: Franziskaner. Jesuiten, Vinzentinerinnen, Dominikanerinnen und andere mehr, die sich in schwerer Weise gegen die wirtschaftlichen Lebens-gejetze ihre» Volke» vergangen haben, zum Teil ge-wih in dem unglückseligen Glaube,i, durch ihre Taten die Existenz ihrer Ordensvereinigungen vor finanziellen Schwierigkeiten bewahren zu sollen. Fast alle standen in geschäftlicher Beziehung mit dem in Holland flüchtigen Bankier Dr. Hofius, der sie in der zerrissensten Weise „beraten" hat. Er ist wahr-hastig der „böse Geist" jener zum Teil in Geld-fachen nur wenig bewanderten Ordensleute gewesen, nur dah er sich selbst in Sicherheit zu bringen wuhte, nachdem er seine Gewinne eingesteckt hatte. Eine geradezu dramatische Steigerung ist neuer-dings mit der Verhaftung des Bischofs von Meihen eingetreten. Sie erregt natürlich im ganzen deutschen Volk da» gröhte Aufsehen. Einen katholischen Ober-Hirten unter die Anklage gestellt zu sehen, er habe sich gegen die Devisenschutzgesetze des Staates ver-gangen, das ist allerdings kem alltägliches Bild. Die Verhaftung des Bischof» Peter Legge, der in Bautzen residiert, erfolgte auf Antrag des General- Die Strahe ist gut. Viel Volk muh zur Seite des Weges lagern, denn überall glühen Lagerfeuer. Wenn einmal eine Flamme hoch aufschlägt, sehen wir Wagen und Pferde, über denen sich das Dunkel wie ein« Rembrandtsche Höhle wölbt. Oder sind dort Höhlen in den Hügeln? Wir sind erregt, wir hasten vorwärts, nach zweistündigem Gewaltmarsch wird die Aussicht plötzlich frei, der Sternenhimmel verdoppelt sich, Salz-gerüch schlägt uns mit frischem Wind entgegen, eine schwarze, weite, zitternde, ein wenig nach oben gewölbte Fläche hebt sich von einem helleren Himmel ab: da» Meer! Wir laufen. laufen.....Da beginnen grüne Lichter sich zu drehen, rote erscheinen und schweben aufs offene Meer hinaus: das Schiff geht ab..... Am Strande von San Giovanni di Medua lie-gen Tausende von Menschen, brennen viel hundert Feuer. Wüster Lärm am Hafen, Stampfen. Schlagen, Schimpfen.....Wachen hallen uns auf, stohen uns zurück, wir stohen wieder, drängen uns durch, kommen zu der Masse, die da auf den Brücken mit sich selber ringt. Warum? Was geschieht hier in diesem verteufel-ten Dunkel? Goggol beschreibt solche Szenen, wo sich plötzlich das ganze tollgewordene Volk prügelt, und feiner weih warum, indes der Böse, der e» angezettelt, sich in» Fäustchen lacht. Da» Schiff ist ja fort! Keiner nimmt den anderen einen Platz weg! Wir ziehen un» zurück Da stehen ihrer viele etwa» absest»: sie waren die ersten, die hier waren, oder sie staatsanwalts beim Berliner Landgericht, das den Haftbefehl „wegen dringenden Tatverdachts" er-lassen hat. 2n der deutschen Presse wird durch Ver-öffenllichung des amtlichen Berichts von diesem Vorgang kommentarlos Kenntnis gegeben. Jede polemische Anmerkung soll offenbar unterbleiben, da dieser Fall allerdings schon an sich tragisch genug ist und durch ihn eine vermeidbare Belastung des aus anderen Gründen schon schwierigen Verhält-nisses von Staat und katholischer Kirche nicht er-folgen soll. Ist dieser Vorfall, die Inhaftnahme eine» Bischofs. für die Kirche ein schweres Ereignis, so dürfte es gewih sei", dah er dem Staat im Grunde ge-nommen kaum weniger unangenehm sein wird. Seine Justiz würde sich aber selbst ausgeben, wenn sie nicht „ohne Ansehen von Stand und Person" die Geltung der staatlichen Gesetze unterschiedslos gegen jedermann wahren würde. Es ist jedenfalls anzunehmen, dah der Entschluh, gegen den Bischof von Meihen Anklage zu erheben, erst nach scrg< fälligster und gewissenhaftester Prüfung aller Unter-lagen gefaht worden ist. Der Durchführung de» Prozesses sieht man ln Deutschland in allen Kreisen der Bevölkerung mit der gespanntesten Erwartung entgegen. _ Der „Dia de la Raza" in Berlin Der 12. Oktober als Festtag aller ibero-ameri-kanischen Nationen, die sich dadurch zu ihrer Sprach-und Traditionsverbundenheit mit Spanien und Portugal bekennen, ist in Deutschland zugleich als ein Feiertag der herzlichen Beziehungen zu den Ländern spanischer und portugiesischer Zunge be-gangen worden. Da» Ibero-amerikanische Institut, das Hand in Hand mit anderen kulturellen und wirtschaftlichen Vereinen die Betreuung dieses grohen Völkerkreises von deutscher Seite pflegt, hatte seine schönen Räume im Berliner Marstallgebaube für eine Weiheftunde zur Verfügung gestellt. Nicht nur die Vertreter der deutschen Staats- und Parteibe-hörden und, unter Vorantritt des spanischen Bot-schastcrs Dr. Agramonte y Eortijo, die Diplomaten aller beteiligten Länder waren erschienen, sondern darüber hinaus bewies ein zahlreiches und festlich gestimmtes Publikum, einen wie starken Widerhall die Vertiefung der deutschen Auslandskunde gerade nach der spanisch süd amerikanischen Seit« hin heute findet. Da» kam auch darin spontan zum Ausdruck, dah ein Sprecher der vielen iberischen Studenten in Berlin den Gruh seiner Kameraden überbrachte, die „im Blut ihr Vaterland, im Herzen die Freund-schaft zu Deutschland" trügen. Nach der Begrühung durch den Leiter des Institut», General Faupel, hielt Botschafter von Ribbentrop di« deutsche Fest-ansprache. Er betonte die starken historischen Verbin-düngen des deutschen Volke» zu der iberoameri-kanischen Schicksalsgemeinschaft, die sich im Dia de la Raza offenbare. Hätten doch am Aufbauwerk der latein-amerikanischen Staaten fast allenthalben deutsche Menschen nach besten Kräften mitgewirkt. Der Botschafter gedachte auch der vielen Beweise waren die Bevorzugten, sie hatten zuerst auf das Schiff gelassen werden sollen, aber mutigeres Volk war vor ihnen ins Wasser gesprungen, zum Schiff geschwom-men, hatte dort ein paar Kähne losgebunden und seine Kameraden nachgeholt, denn die Nacht war dunkel, »er amerikanisch« Kapitän aber kümmert sich nicht um erbische Passagicrlisten, er überzählt die Fahrgäste und ährt ab, sobald es fünfhundert sind. Da schwimmt er! Wir suchen hinter einem Felsen eine windstille Stelle und zünden ein Feuer an. Ein paar Soldaten haben sich uns angeschlossen, ein Serbe und ein Oester-reicher — wer macht noch Unterschiede zwischen Gelb-grau und Blaugrau? Sie tragen uns Holz zusammen, sie warten geduldig und mit einer schönen Selbstoer-ständlichkeit auf ihre Tasse Tee. Ich habe von den Oelbäumen — die ersten Oelbäume meine» Lebens — grüne Zweige abgeschnitten. Den gröhten pflanze ich neben dem Feuer aus: ein Weihnachtsbaum am heiligen Abend. Von den anderen lege ich von Zeit zu Zeit einen ins Feuer, dah er duftend verbrennt. Ich wickle mich in meine Decke, seh« übers Meer, sehe, wie der Mond langsam über die Hügel kommt und rings-um ein weites Lager von Flüchtlingen beleuchtet, die jchon zwanzig Tage hier am Strande schmachten, ohne Verpflegung, in Wind und Wetter. Etwas würgt in meiner Kehle. Gute Nacht! Seite 4 Deutsche Zeitung Nummer 84 freundlicher Gesinnung aus Spanien und Süd-amerika in der Kriegs- und Nachkriegszeit und wiederholte im Nomen des Führers und Reichs-kanzlers, daß Deutschland, stolz auf seine Geschichte und eigene Kultur, stets dem nationalen Eigenleben und Freiheitsideal anderer Völker die höchste Achtung entgegenbringe. Reden des spanischen Botschafters und der Vertreter von Cuba und Venezuela sowie eines Beamten aus dem Reichserziehungsministerium, der unter lebhaftem Beifall eine vermehrte Berücksichtigung der spanischen Sprache im deutschen Schul-plan ankündigte, schlössen die von Musik umrahmte Festveranstaltung ab. Am Vorabend des „Dia de la Raza" hatte in dem von der Stadt Berlin neueingerichteten ..Hau» der Länder" und unter dem persönlichen Protektorat des Staatskommissars für die Reichs-Hauptstadt, Lippert, bereits eine Ehrung des großen spanischen Dichters Lope de Vega stattgefunden, an-läßlich der 300. Wiederkehr feines Todesjahres. Im Mittelpunkt stand ein fein empfundener Vortrog des Botschafters Dr. Agramonte y Cortijo, der sich in Deutschland als Verfasser eines historischen Werkes über Friedrich den Großen eisten literarischen Namen gemacht hat. Er feierte Lope de Vega als Inbegriff der größten spanischen Tugenden und zog einen aufschlußreichen Vergleich zwischen ihm und Cervantes. Anschließend sprach der Gesandte von Kolumbien, der in einer politischen Randbemerkung Deutschland auf Grund seiner soeben gesammelten persönlichen Eindrücke in Genf als den unbestrittenen Friedensgaranten Enropas bezeichnete. Der Madlider Schrift-steller Gim^nez Caballero bekannte sich temperamentvoll zu Lope de Vegas Staats- und Führendes, dessen volles Verständnis erst im Licht der neuen autoritären Regierungsformen der Gegenwart wieder möglich fei. Französischer Film gegen Entvölkerung Der französische „Nationalverband gegen die Entvölkerung" hat wieder einen neuen Film zur Bekämpfung der Geburtenabnahme herausgebracht. Da» Pariser Blatt „Familles de France" (September 1935) bemerkt dazu: „Wären wir im Deut-schen Reiche oder auch in Italien, so würde dieser Film zweifellos auf Befehl durch alle Schulen und Säle gehen . . . Wenn ich die Regierung wäre, so würde ich . . . durch Notverordnung alle Lichtspielhäuser zwingen, diesen Film . . . aufzunehmen, ob-wohl das Parlament nur Vollmacht zur Rettung de» Franken gegeben hat: denn wenn es wichtig ist, den „Franken zu retten", so ist es noch viel wichtiger, „Frankreich zu retten" . . . Am Hopfenmarlt im Sanntal herrscht lebhafte Nachftage nach allen Qualitäten, besonders nach dritter Sorte, wobei roter Hopfen Preise bis zu 17 Dinar pro Kilo erzielt. Für eine größere Partie erstklassiger Ware wurden 30 Dinar pro Kilo angeboten, doch kam das Geschäft nicht zu-stände Vorzügliche Aepfelernte in Zagorien und in der Murinsel. Die diesjährige Aepfel-ausfuhr aus Zagorien und aus der Murinsel hat alle Erwartungen übertreffen. Man kann ruhig behaupien, daß der diesjährige Ertrag ausgezeichnete Resultate brachte. Neben der vorzüglichen Qualität war auch die Quantität sehr zufriedenstellend. Aus Kroatisch-Zagorien wurden noch der Tschechoslowakei und Deutschland über 000 Waggons verschiedenen Obste» ausgeführt, insbesondere Aepfel. die man in Zagorien sehr viel kultiviert. Der Preis für Aepfel stellt sich auf 150 bis 2.50 Dinar je Kilo-gramm. Pflaumen kosten 1 bis 1.50 Dinar. Die Zagorianer erzielten Heuer bei der Aepfelausfuhr rund 1.5 Millionen Dinar und ebensoviel nehmen die heimischen Märkte auf. speziell Zagreb, Varazdin, Krapina und Zlatar. Unterbrochene Verhandlungen für die Ausfuhr von Pflaumen nach Deutschland. In Beograd wurden in den letzten Togen mit dem Vertreter der deutschen Organisation der Importeure trockener Pflaumen Verhandlungen geführt. Der Zweck dieser Unterhandlungen war eine stärkere Ausfuhr jugostawischer DSrrpflaumen nach Deutschland. Die Verhandlungen wurden unterbrochen, da die Deutschen auf die Preise und andere Modalitäten des Erporte« nicht eingehen wollten. Getreide und Mehl wird teurer. An den Börsen wird das Anziehen der Getreide- und Mehlpreise beobachtet. Weizen erzielte bereit» einen Preis von 180 bis 185 Dinar pro Meterzentner, wird jedoch jedenfall» noch steigen. Auch Mai» ist fest und notiert gegenwärtig 95 bis 110 und Weizenmehl 285 bi» 295 Dinar pro Meterzentner. Aus Stadt Ein Mann der Wirtschaft [ Gedenldlait zum 25. Tod«5lag <14. Cfiobct) des jieirischen (Bewerten Daniel Edler von Lapp ^ Wer in diesen Tagen an der Buchhandlung Moser zu Gra;, der fteirischen Landeshauptstadt, vorübergeht, erblickt in einem ihrer Schaufenster ein Bild des bedeutenden Großindustriellen Herrn von Lapp aus jener Zeit, da dieser Feldherr der Industrie aufder Höhe seines Schaffens stand. Energie, Tatkraft, Mut und Entschlossenheit sprechen aus dem Bilde. Wer war dieser geniale Mann gewesen, dessen vor allem die steirische Tagespresse dieser Tage in tiefer Ehrfurcht gedachte? Daniel Lapp stammte aus der Rheinpfalz, wirkte zuerst in Deutschland, erwarb 1880 die österreichische Staatsbürgerschaft und wählte die Steiermark, die ihm längst zur zweiten Heimat wurde, zu dauerndem Aufenthalt. Bahnbau, In-dustrieunternehmen und Landwirtschaft sind es, denen der rastlos Tätige seine Krasl leiht. 1879 gründete er die Schlosserwarenfabrik Brüder Lapp in Graz, die heute als LappFinze A G. bekannt ist und eine bedeutende Stellung in der österreichischen In-dustrie einnimmt. Eine Schwesterfabrik dieses Unter-nehmens steht in Bistrica bei Maribor. Wir haben leider nicht den Raum, auf alle Werke dieses genial veranlagten und unermüdlich tätigen Mannes einzugehen und sie zu besprechen. Unsere Pflicht aber ist es, auf jene Werke dieses Weitblickenden hinzuweisen, die unserer engeren Heimat, dem heutigen Slowenien, zum Segen gereichten, von Bestand sind und beispielgebend fortleben. Zu jenen Werken gehört die Erschließung und Gründung des Kohlenbergwerke» Velenje im Schalltal bei Celje, das noch heute besteht und das jetzt beträchtliche Teile unserer Banschast mit Elektrizität versorgt. Dies war das Lebenswerk des steirischen (Bewerten. „Mühselig und von mehrjähriger Dauer", so erzählt Leo Stelzl in den beiden führenden Grazer Tagesblättern, „waren die Vorarbeiten und Prü-fungsbohrungen nach der Ertragsmöglichkeit, wobei ein Braunkohlen Flöz von 130 Meter Mächtigkeit, also immerhin eine aussichtsreiche Ausbeutung fest-gestellt wurde. Um dies Flöz von bedeutender Stärke abbauen zu können, stellte Daniel von Lapp an das Land Steiermark den Antrag zum Bau einer Bahnlinie von Celje nach Velenje, um den Abtransport der geförderten Kohle zu ermöglichen. Auf diesen An-trag ging das Land erst ein, als Gewerke Lapp eine Bürgschaft für die Verzinsung der Anlagekosten und eine solche für jährliche Betriebsabgänge übernahm. Unter Einsatz aller Energie und Tatkraft des damals schon fünfzigjährigen Großindustriellen wurde die Anlage nach den modernsten montanistischen Errungenschaften durchgeführt und für eine tägliche Förderung von 100 Waggon bestimmt. Viele Hun derte von Arbeitern fanden in diesem Bergwerke Verdienst, so daß sich der wirtschaftliche Aufschwung des ehemals brachliegenden Gebietes zusehends steigerte. Noch in den letzten Jahren vor seinem Tode studierte Gewerke Lapp das Projekt eines kalorischen Werke»; mit der billig abzubauenden Kohle wollte er dem umliegenden Gebiet elektrische Energi« zuführen. Diese Idee wurde erst nach dem Tode des Großindustriellen durch den jugoslawischen Staat verwirklicht. Auch am Ausbauet»» Strecke Velenje—Dravo-grad war er persönlich beteiligt, indem er die Vor-arbeiten leitete und zur Geldbeschaffung des Projektes beitrug. Mit dem Bau dieser Strecke und Uebernahme der Linie Celje—Velenje durch den Staat erloschen die Hastungsverpflichlungcn gegen-über dem Lande Steiermark." Mit diesem bahnbrechenden, vorwärtsstrebenden Manne verlor die Steiermark einen ihrer vorbildlichsten Großindustriellen, der auch seiner sozialen Pflichten voll und ganz bewußt war. Nicht allein die Pflicht, der heimischen Volkswirtschaft nach Kräften zu dienen, ketteten ihn an seine große Arbeit, sondern auch die rein menschliche Bindung an seine Arbeiter und Mitarbeiter. So stellte Daniel Edler von Lapp seine ganze Arbeitskraft in den Dienst seiner großen Werke und damit in den Dienst der wirtschaftlichen und kulturellen Förderung der grünen Mark — seiner zweiten Heimat — und des steirischen Südlande», das heute in Treuen und dank« barer Liebe seiner gedenkt. —tz. und Land Celje Kundmachung zur Luftschutzübung Sonntag, den 20. d. M. findet zwischen 14 und 15 Uhr eine Luftschutzübung über Groß-Celje statt. Es kommt eine Fliegerstaffel, die an Stelle von Brand-, Zerstörung?- und Gasbomben rote, weiße und grüne Raketten abwerfen wird. Bei der Abwehr werden aktiv Militärabteilungen mitwirken, ebenso sanitäre und andere Hilfskräfte. Alarmzei-chert werden folgende gegeben: 1. Gefahrdrohnng durch Böllerschuß vom Josefiberg. darauf 5 Minuten Läuten aller Kir-chenglocken und Sirenengeheul. 2. Ende der Gefahr: abermaliges Glocken» läuten und Sirenengeheul durch 5 Minuten mit kurzen Unterbrechungen. Die Hauptübungen finden vor dem Bahnhof und vor dem Magistratsgebäude statt. Verhaltungsmahregeln vor der Uebung 1. Alle Uebungsteilnehmer müssen schon um 14 Uhr auf ihren Plätzen sein. 2. Die übrige Bevölkerung kann den Uebun-gen im inneren Teil der Stadt nur an folgenden Plätzen zwischen der Cankarjeva und Vodnikova ul. und der Sann zusehen: a) In der Allee links vom Bahnhof, b) am Frachtenbahnhof recht vom Bahn-Hofsgebäude, c) auf den Gehsteigen der Dr. Gregor Herjao Gaffe, d) auf den Gesteigen der Presern-gaffe von der Hausnummer 19 in der Richtung zur Krekova cesta. 3. Die Bevölkerung soll sich daselbst bi» spä> testens 14.15 Uhr einfinden, weil nach dem Ge» fahrenzeichen der gesamte Verkehr eingestellt wird. Die Fahrstraßen müssen während der Uebung für die aktiven Uebung-teilnehmer und au» Sicherheit»-gründen vor Räkelten u. dgl. freibleiben. Verhaltungsmahregeln für die Uebungszeit 1. Auf das erste Signal hin hat der gesamte Verkehr stillzustehen. 2. Alle Fahrzeuge müssen sofort in die nächst-gelegenen Höfe gebracht werden, ohne die Torein-gänge zu versperren, oder sich in Nebengassen verbergen. 3. Die Autotaien vor dem Celjski dorn haben sich sogleich in den Hof der Städtischen Sparkasse zu begeben und dort bi» zum Uebungsende zu warten. 4. Alle Fenster muffen geschlossen werden, ebenso auch alle Türen — aber unversperrt. 5. Auf den für die Bevölkerung gesperrten Plätzen darf sich niemand vor den Häusern und Haustoren aushalten, oder sich bei offenen Fenstern zeigen. Personen, die während der Uebungsdauer mit den Zügen ankommen, warten das Ende am Bahnhof ab. Alle jene aber, bie zum Schnellzug wollen, müssen sich schon um 14.15 Uhr am Bahnhof einfinden. Nach dem Gefahrenendezeichen ist der Verkehr wieder frei. Es ist jedoch darauf zu achten, daß der Fliegerüberfall wiederholt werden könnte. In diesem Fall werden die Alarmzeichen wiederholt und dann treten auch die obigen VerHaltung»-maßregeln wieder in Kraft. Bei schlechtem Wetter wird die Uebung ver-legt. Die Bevölkerung hat sich den Anordnungen der Organe unbedingt zu fügen. Zuwiderhandelnde werden zu Geldstrafen bis zu 1000 Dinar oder bis zu 20 Tage Freiheitsstrafe verurteilt. Gehaltskürzung bei den städtischen Angestellten. Am 1. Oktober sollten laut Mi-nisterialerlasse» auch die Gehälter der autonomen städtischen Angestellten gekürzt werden. Da aber da» Zahlungssystem bei den städtischen Angestellten Celje» von dem der Staatsbeamten ganz verschie-den ist, konnte die Gehaltskürzung noch nicht durch-geführt werden, und so muß auf die angekündigte Neuordnung der Gehaltskürzungen für Stadtide-amte, der sicherlich auch eine solche für autonome Beamte folgen wird, gewartet werden. Nummer 84 Deutsch« Zeitung Seite 3 2. Stadtratsitzung. Am Freitag um 6 Uhr abends trat der neuernannte Stadtrat zu seiner zweiten ordentlichen Sitzung zusammen. Vor Eröffnung der Sitzung begrüßte d« Stadtpräsidcnt Herr MiheMi den neuernannten Bezirkshauptmann Dr.Zobec, der al» Vertreter des Banus der Sitzung beiwohnte. Da« rauf folgten die Berichte der einzelnen Ausschüsse, wo-bei eine Reihe von laufenden Gemeindeangelegenhei-ten der Vollversammlung zur Stellungnahme vorge-legt wurden, die aber alle im schönsten Einvernehmen gutgeheißen wurden. Die einzelnen Beschlüsse können wir erst in unserer nächsten Nummer bringen. Volle zwei Stunden dauerte die Sitzung, an deren Schluß der Bezirkshauptmann Herr Dr. Zobec das Wort er« griffen hatt?, um für die herzliche Begrüßung durch den Stadtpräsidenten zu danken und versprach als Vertre-ter des Banus alle seine Kräfte zum Wohle der Stadt Celje einzusetzen. Evangelische Gemeinde. Sonntag, den 20. Oktober findet um 9 Uhr Kindergnttesdienst, um 10 Uhr Gemeindegottesdienst statt. Die Gottes-dienste hält Herr Pfarrer Man. Todesnachricht. In Graz starb am 14. d. M. Frau Emma Kienzl, geb. Kamenitzky, k. k. Bezirk-kommissärswitwe, im Alter von 76 Jahren. Diese Nachricht wird in vielen allen Eilliern ein treues Gedenke»» an die edle Dame wachrufen. War fie doch mit ihrem Sohn viele Jahre hier ansässig, wo sie so manche gute Bekanntschaft und treue Freundschaft geschlossen hatte, die sich auch über die Grenzen fortspann, so daß nun die Kunde von ihrem Hinscheiden in allen ein herzliches Miiemp-finden und neuerliche Erinnerung wachgerufen hatte. Seltenheit. In unsere Schriftleitung wurde uns vom Herrn Vevöec aus Podcetrtek eine Traube geschickt, deren Seltenheit vermerkt zu wer-den verdient, denn an ein und derselben Traube befinden sich unter roten auch weiße Beeren. Da» Amtsblatt für das Draubanat veröffentlicht in seiner Nummer 83 u. a. da» Reglement zur Verordnung über die Beschäftigung von Ausländern und Bestimmungen über das Verhalten der Bevölkerung bei Luftschutzübungen. Neue Brücke. An Stelle der alten Holz-brücke wird beim Samec über die Loznica eine neue Eisenbetonbrücke gebaut. Während der Bauzeit wird al» Ersatz eine Notbrücke errichtet. Die große Teppichausstellung befindet sich in der Ljudska posojilnica und nicht, wie ursprünglich gemeldet wurde, in der Städtischen Sparkasse. Geöffnet nur noch bi» Sonntag abends. Auf zum zweiten, noch heitereren Skiklub. Bachernausflug. Noch ehe das trübe, regenschwere Wetter eintritt, wollen wir allen Mitgliedern und Freunden des Skiklub Gelegenheit geben den Bachern im Farbenschmuck des Herbstes zu sehen. Wer einmal die berauschende Farbenstimmung des Bachern im Herbst gesehen hat, den lockt es immer wieder in diesem Farben-reichtum zu schwelgen und die herrliche Bachernluft zu genießen. Wieder geht e» auf die Rogla. Der Aufstieg ist nicht schwer — gute Geher machen den Weg in 1A Stunden; bei mäßigen, Gang kommt man in 2'/, Stunden gemütlich hinauf. Also für niemanden «in Hinderniß den Ausflug mitzumachen. Mel-den Sie ihre Teilnahme zur Bergfahrt im Friseur-geschäft Paidasch und erlegen Sie Din 25.— Fahrtongaben. Dann führt Sie ein bequemer Autobus — Samstag, den 19.d.M.um '/«6Uhr abends — vom Hotel „Post" (Rebeuschegg) au», fast bis zum Aufstieg. Für speise und Trank ist gesorgt wohl raten wir Ihnen. Taschenlampe und Wollweste mitzunehmen. Zögern Sie nicht — nützen Sie den schönen Herbst — bei Regen fahren wir näm-lich nicht — und freuen Sie sich mit an unserem Werk. Es zahlt sich aus! Stigymnastik. Auf vielseitigen Wunsch wer-den die Gymnastikstunden auf Mittwoch verlegt. Bitte weitersagen! Unser Skiklub bittet. Zur Belebung des inneren Vereinslebens bitten wir alle unsere Mit-glieder und Freunde un» ihre gelesenen Zeitungen, Zeitschriften, Broschüren, Fachzeitschriften usw. zu überlassen, damit wir sie unseren Mitgliedern im Klubstüberl, welches jetzt vollkommen ausgestattet und behaglich eingerichtet ist, an unseren Klubabenden zur Verfügung stellen können. Auch Schachspiele. Kartenspiele sind sehr erwünschte Geschenke. Sie sollen vor allem jenen Volksgenossen zu Gute kommen, welche nicht die Möglichkeit und auch nicht das Geld haben, ein Kaffeehaus zu besuchen. Es ist nur eine bescheidene Bitte und wir hoffen sie nicht umsonst getan zu haben. Wir bitten, die gespendeten Sachen im Geschäfte des Herrn Paidasch regelmäßig abzu-geben. Wenn dies nicht möglich sein sollte, kann auch abaeholt werden, nur bitten wir dann, uns die Anschrift bekanntzugeben. Oeffentliche Beleuchtung. Die Stadtge-meinde Celje beabsichtigt neue Straßenlampen aufzustellen. und zwar je zwei auf dem Josefiberg und in Nova va«, eine oder zwei Lampen im oberen Teil derJpavceva ulica bei den Fabriken, eine im neuen Teil der Aökerceva ulica und je ein« Lampe in der Deckova cesta und in Ostroznv. Zahlungstermin. Die Stadthauptmannschaft Celje gibt bekannt, daß die gesetzlich festgesetzte Frist zur Einzahlung des Zinshellers (für die Zeit vom 1. Okto-ber bis 21. Dezember 1935) sowie der Wasser- und Kanalgebühren (für die Zeit vom 1. Juli bi» 30. Sep-tember 1935) am 31. Oktober 1935 abläuft. Wer sich vor Schaden bewahren will, entrichte seine Zahlungen sofort bei der Stadtkasse, da bekanntlich die verspätete Einzahlung mit Geldstrafe bedroht ist. Kino Union. Samstag und Sonntag der Tonfilm „Fahrt ins Blaue"! als Beifilm „Miky Maus" und Wochenschau. Montag. Dienstag und Mittwoch der Tonfilm „Wenn ich König wäre", mit Camilla Horn und Viktor de Kowa. M a r i b o r Gehaltskürzung. Es wurde beschlossen, den Magistratsangestellten der Stadt Maribor die Ge° hälter um 570 zu kürzen. Am 1. November wer-den den Angestellten allerdings 10% vom Gehalt abgenommen, darin sind aber auch die 5% für den laufenden Monat Oktober enthalten. 818 Med. univ. Dr. Watter Thalmann Spezialist für Oto-Rhino-Laryngologie, Maribor. KopalBka ul. 4/1. Tel. 20 • 45 ist zurückgekehrt. Luftschutzübung. Am 14. d. M. wurde in Maribor die erste große Lustschutzübung veranstaltet. Für die Uebung herrschte außerordentlich großes Inte-risse. Bereits vor der festgesetzten Stunde versammelten sich Leute in Gruppen auf allen Plätzen, die für die Be-obachtung bestimmt waren In den Straßen patrouil-lierten mit Gasmasken ausgerüstete Polizisten undOrd-ner. Auf der Pyramide und dem Kaloarienberg waren Lustabwchrgeschütze aufgestellt, auf verschiedenen Plätzen Maschmengewehrabteilungen. Der Stab der Abwehrabteilungen befand sich aufdemTurm derDom-kirche. Der Angriff wurde von einem Geschwader (sechs Bombenflugzeuge) aus Zagreb durchgeführt. Da» Nah-en der Flugzeuge wurde von den Gendarmenepoften in Hoke und Pobrezje gemeldet. Gleich darauf stiegen drei rote Raketen vom Turm der Domkirche auf. Alle Sirenen der Stadt begannen zu heulen. Die Bomben-flugzeuge wurden mit Kanonenschüssen und Maschinen-gewehrfeuer empfangen. Die Flugzeuge überflogen den Hauptbahnhof und warfen mehrere „Gasbomben" ab (grüne Raketen). Dann kreisten sie über der Stadt, wo-bei sie ebenfalls mehrere Brand- und Gasbomben ab-warfen. Das Ge chwader flog dann gegen das Pohorje. Drei Flugzeuge flogen in der Richtung nach Slovenj-grabet weiter, d e drei übrigen strebten neuerlich der Stadt Maribor zu. Es wiederholte sich der Angriff. Die Bombenerplosionen wurden durch das Abfeuern von etarden bezeichnet. Auf dem Hauptvlatz und auf dem önig Petar Platz wurden Bretter, die mit Teer über-gössen waren, in Brand gestekt. Das Feuer löschten die Feuerwehren von Maribor und Pobrezje, sowie die Bahnhofsfeuerwehr. Eine Gruppe von Samaritern bezeichnete die mit Gas vergifteten Plätze, eine zweite stellte die Art der Giftgase fest, eine dritte Gruppe leistete den „Verwundeten" erste Hilfe und brachte die Gasver-gifteten mit Rettungswagen und städtischen Autobussen zu den Ambulanzen, die an mehreren Stellen der Stadt errichtet waren. Eine vierte Kruppe der Samariter ent-giftete die vergasten Stellen. DieSamariter waren ihren Aufgaben vollkommen geivachsen. Die Luftschutzübung dauerte 20 Minuten. Durch Raketen und Sirenen wur-de das Zeichen gegeben, daß die Gefahr vorüber sei. Mehrere Personen wurden während der Uebung ver-letzt. Luftschutzübungen wurden auch in Ptuj, Ljutomer, Slovenjgradec und Slvvenska Bistrica veranstaltet. Der Mariborer Bahnhof wird als Grenzbahnhof umgebaut. Im Sinne der vor einigen Jahren getroffenen Vereinbarungen wird in Maribor ein Grenzbahnhof eingerichtet, in d«»n die Rei-enden- und Frachtenkontrolle gleichzeittg von jugoslawi-chen und österreichischen Organen vorgenommen wird, lm für die österreichischen Polizei- und Zollorgane Amtsräume zu schaffen, wird der rückwärtige ebenerdige Trakt des Bahnhofgebäudes gegen Norden, gegen das neue Zollpostgebäude zu, verlängert. Die Kosten werden mehr al» 300.000 Dinar betragen. Durch die gleichzei-tige Güter- und Neisendenabfertigung werden die Auf-enthaltszeiten der Züge stark verkürzt werden. Offen ist noch die Frage der Unterbringung der österreichischen Organe. Sollten diese nicht in Maribor untergebracht werden, so werden fie weiterhin in Spielfeld und Leib-nitz wohnen und mit den Zügen zum Dienst nach Ma-ridor fahren. Die Arbeiten werden einige Wochen dau-ern.Wie verlautet, sollen gegen 100 österreichische Bahn-, Polizei- und Zollorgan« im Grenzbahnhof beschäftigt werden. Der Grenzbahnhof wird wahrscheinlich mit Einführung der neuen Fahrordnung im Mai 1936 in Betrieb genommen. Ljubljana Weil der Herbst so schön! Am Bahn- Hof in Ljubljana wurde ein Ämdstreicher namens Toncek au» Äodic bei Ljubljana festgenommen, al» er eben dabei war, aus einem Faß einige Liter Benzin zu entnehmen. Weil er schon einige Male vorbestraft ist, bekam er eine 4 Monate lange Ar-reststrafe. Als ihn der Richter darauf fragte, ob er damit zufrieden sei und ob er die Strafe annehme, antwortete Toncek freudig: „Ja, Herr. Nur eine kurze Zeit möcht ich noch draußen bleiben. E, ist so schönes Wetter". „Wie lange?" „Ein Monat. Herr." „Gut, Sie bekommen ein Monat Aufschub." Toncek: „Herr Richter, geben Sie mir lieber zwei Monate.'- „Nun gut, zwei Monat Strafauffchub." Sagt der Toncek: „Danke. Herr Richter. Wir find einig. Adieu!" und eilte freudig aus dem Ge-richtssaal. Wirtschaft U.Verkehr Jugoslawische Schweine nach Deutsch-land. In Deutschland trafen mehrere Waggons Schweine aus Jugoslawien ein. Die Schweine wurden durch Vermittlung der Wirtschaftvertretung bei der jugoslawischen Gesandtschaft in Berlin be-stellt. Zum ersten Male führt Deutschland Schweine in größerer Menge au» Jugoslawien ein. Die Deutschen sprechen sich lobend über die Qualität der Ware aus. Schwache Honigernte in Jugoslawien. Der heurige kühle Frühling sowie der trockene Sommer haben auf die Entwicklung der Bienen und auf die Bienenlveide ungünstig eingewirkt. Nach dem Regen im August verbesserte sich die Situation ein wenig, doch war es schon zu spät. Im Spät-sommer waren die Nächte kühl und die Produktion des Nektar ging zurück. Infolgedessen wird die heurige Homgernte um 80°/„ hinter den Er-Wartungen Zurückbleiben. Es gibt Gebiete, wo die Imker überhaupt keinen Honig ernteten. Die Nach-frage nach Honig ist sehr lebhaft und die Preise bewegen sich im Großhandel zwischen 11.50 bis 12 Dinar je Kilogramm. Jugoslawischer Fremdenverkehr. Die jugoslawischen Bäder und Kurorte wurden vom 1. Jänner bis zum 1. September l I. laut amtlichen Angaben von 707.041 Gästen besuch». Die Zahl der Uebernachtung betrug 3,780.763. (Im Elben Zeitraum des Vorjahres wurden 676.409 Be-cher und 3.587.103 Uebernachtungen gezählt), on den Besuchern waren 536.784 Inländer (im selben Zeitraum des Vorjahres 504.611). Unter den ausländischen Besuchern stehen an erster Stelle die Tschechoslowaken (52.110, 425.002 Ueber-nachtungen), e» folgen die Oesterreicher (39.954, 255.814 Uebernachtungen), die Reichsdeutschen (17.759, 89.0007 Uebernachtungen) usw. Mariborer Heumarkt vom 16. d. M. Zu-geführt wurden 4 Wagen Heu und 1 Wagen Grummet, das zu 55 bis 60 bezw. zu 50 Dinar pro Meterzentner gehandell wurde. Bohnen werden ziemlich stark gesucht. Auch da ist Italien als Aufnehmer ausgefallen. Der Preis für Bohnen ist im Inland 280 Dinar je 100 kg. Kürbiskerne werden gesucht. Es war eine Mißernte, und der Preis bewegt sich um 220 Dinar je 100 kg. Die Händler sind mit dem Verkauf sehr zurückhaltend, da sie im Frühjahr höhere Preis« «r-warten. Die ganze Kürbiskernernte wird von den slowenischen Oelsadriken aufgenommen, die daraus das feinste Speiseöl erzeugen. Kleesamen. Deutschland hat die Einfuhr von jugoslawischen Kleesamen verboten. Im Inland kostet Luzernerkleesamen 8 Dinar je Kilogramm, Rotkleesamen 10 Dinar j« Kilogramm. Hanf. Unser stärkster Konkurrent aus dem Welthanfmarkte war Italien, der nun nicht in Rechnung kommt. Nach Hanf herrscht ein« starke Nachfrage. Käufer au» England, den nordischen Staaten und vornehmlich au» Deutschland «scheinen auf dem Markte. Seite 6 Deutsche Zeitung Nummer 84 Deutschland und die jugoslawische Traubenauofuhr. Die deutsche Regierung hat eine Verordnung erlassen, dah für den Monat Oktober keine Einfuhrbewilligungen aus Trauben erteilt werden dürfen. Da» jugoslawische Handels-Ministerium hat Schritte gegen dies« Verordnung unternommen, da durch dieselbe der Ezport jugo-flämischer Trauben nach Deutschland schwer ge-schädigt würde. Flachs. Ueberaus starke Nachfragen nach Flachs. Käufer aus Italien, Deutschland, der 'Tschechoslowakei, England. Schweden, Ungarn er-scheinen auf dem Markte. Die Tschechoslowakei! zahlen 4 bi« 5 ctc je Kilogramm ab ihren Stationen. In Winterflachs gab es eine Rekordernte. 30 Meterzentner Llachs je Joch und 6 Meterzentner Samen. Der Flachssamen wurde zu 2 bis 2'/, Dinar je Kilogramm verkaust. Der Flachspreis bewegt sich zwischen 7 und 9 Dinar je Kilogramm. Schrifttum Neue Karte von Abesfinien Eine llberflchllich gearbeitete Karte von Abesii nien, ausgeführt in 6 Farben, wurde soeben von der Kartographischen Anstalt Freytao & Berndt, Wien, VII, Schottenieldgasfe 62, zum äußerst niedrigen Preis von S 1.20 herausgegeben. Das Kartenblatt hat ein Format von 48X32 cm und zeigt klar die topographi-sche Gestaltung Äthiopiens außerdem noch Eritrea, Somaliland, die Gebiete des anglo ägyptischen Sudans bis zum Nil. Um die Ereignisse in Ostafrika zu verfol-gen, können wir die Anschaffung den Lesern unseres Blattes bestens empfehlen. In Buchhandlungen oder direkt vom Verlag. Prof. Dr. E. Schneeweis: Grundritz des Vottsglaubens u. Volksbrauchs der Serbokroaten Mohorjtva druZbo, Celje, >935. — Preis drosch. IOh Din, geb. 124 Din. 267 Seiten, 45 Bilder. Dr. Edmund Schneeweis ist in Kreisen, die sich mit Volkstumsfragen, Volkskunde, Volksfltten und VokksbrSuchen befassen, schon lange kein Nn-bekannter: er verdient es aber, durch sein neuestes, oben genanntes Werk in den weitesten Kreisen unseres Volkes bekannt zu werden. Durch die Heraus-gäbe dieses Buches hat er nicht nur der ver-gleichenden Volkskunde, sondern auch dem süd-slawischen Volke und nicht zuletzt deutschem Forschung»-drang große Bedeutung und Dienste erwtefen,- denn viele Anschauungen, die in West- und Mitteleuropa schon verblaßt sind und nicht mehr verstanden werden, lassen sich aus den verhältnismäßig frischen und unberührten Parallelen der ost- und südost-europäischen Völker leicht erklären. Mit dem Studium dieser Fragen begann Schneeweis schon im Jahre 1912, indem er selbst sagt: „Schon bei meinem ersten Aufenthalt in Belgrad <1912) packte mich al» Bauernsohn das frische und farbige Volksleben der Südslawen, eine halbjährige Reise, die mich durch Westbulgarien, Serbien. Bosnien-Herzegowina, Da!» «atien und Kroatien führte, hat dieses Interesse noch mehr mfieft" Räch dem Kriege setzte er seine Studien über da» serbokroatische Volksleben im Lande selbst fort, indem er sich al» Lektor für deutsche Sprache an der Universität in Belgrad niederließ und während seines sechsjährigen Aufenthaltes in Jugoslawien zahlreiche Erlursionen in alle Landesteile unternommen hatte. Auch als er auf Anraten G. Gesemanns im Jahre 1928 auf die Deutsche Universität nach Prag zog. hat er neben vielen andern, seine Forschungen über Volksglauben und Volksb rauch der Serbokroaten nicht vergessen, sondern konnte sie vielleicht gerade durch Heranziehung von Parallelen mit den Nordslawen (auch der Lausttzer Wenden) leichter erklären und anschaulicher machen. Das Ergebnis dieser Forschungen liegt nun in einer leicht verständlichen, fesselnden Sprache und in ebenso fesselndem Inhalt im oben angekündigten Werk vor und es wäre zu wünschen, daß es mög-lichst weiten Kreisen sowohl der südslawischen w» auch unserer deutschen Bevölkerung zu Händen kommen möchte. Denn Schneewei» ist nicht, wie leider so viele unserer Besten, als „Kulwrdünger" verloren gegangen, sondern hat durch dieses Werk beiden Nationen große Dienste geleistet. Mütterpflege im neuen Deutschland „Im Schoße der Mutter keimt das Leben und in ihrem Herzen ruht die Seele ihres Volkes." Aus dieser Erkenntnis heraus wurde in Deutsch-land das große Hilfswerk „Mutter und Kind" errichtet. In Müttererholungsheimen soll die Mut-ter ausruhen von allen Lasten und Nöten des All-taas. Sie, die sich immer in banger Sorge um Kinder und Mann verzehrte, soll endlich einmal an sich denken dürfen. In diesen Heimen der NS.» Vclkswohlsahrt kann sich jede Mutter heimisch fühlen. Besonderer Luius ist nicht vorhanden, um nicht den Unterschied mit dem manchmal so trauri-gen, kärglichen Zuhause besonders zu betonen. Aber alle sanitären und hygienischen Maßnahmen, neben aller Bequemlichkeit sind getroffen, damit die Echo-lung auch gewährleistet ist. Nach dem Grundsatz: „Beginne jeden Mor-gen mit einen, frohen Wort" wird morgens eine kleine Morgenfeier gehalten. Auch die Morgengym-nastik fehlt nicht. Diese an sich leichten gymnastischen kebungen sind ansang» für die Frauen — besonders ür die Landfrauen, etwas, was ihnen geradezu unfaß-ich erscheint. Aber schon nach einigen Tagen möchten sie >iese Uebungen nicht mehr missen und beteuern mmer wieder, daß sie zuhause mit ihren Kindern nun auch turnen wollten. Daß für das „Zuhause" inzwischen von der N. S. V. gesorgt wird, — da-rüber braucht sich die Hausfrau weiter keine Ge-danken zu machen. Sie weiß, daß durch eine Haushaltshilfe die notwendigen Arbeiten erledigt werden, daß ihre Kinder bei Verwandten oder Be-kannten untergebracht sind oder aber auch durch die Kinderlandverschickung bzw. im Kindergarten ver-sorgt werden. Es ist geradezu rührend zu sehen, wie wohl es der sonst geplagten Mutter tut, sich einmal an einen fertig gedeckten Tisch setzen zu dürfen. Sie können es oft gar nicht fassen, daß sie — die sie stets die Letzten waren — nun die Ersten sind, daß man sie betreut und pflegt. Sie mSffrn Rm — nach eigenen Aussagen der Mütter — tatsächlich erst daran gewöhnen, das Faulenzen überhaupt einmal zu lernen. Jede Mahlzeit ist Ihnen wie ein neues Geschenk, fie lernen neue Rezepte, lernen den Nährwert der einzelnen Gerichte kennen, und fie dürfen essen, soviel sie mögen. Neben schönen Spazlergängen gibt e» auch Gelegenheit zur Liegekur, zum Baden, Kahnfahren Usw. Ja den an der See gelegenen Heimen gibt e» Sport und Spiel am Strand«, alles Dinge, die die Mütter bisher nur vom Hörensagen kannten. Abends werden Heimabende veranstaltet, es wird gesungen oder gespielt. Zwischendurch werden Ge-danken ausgetauscht und die Probleme der Zeit werden besprochen. Auch zu Einzelbesprechungen ist die Heimleiterin jederzeit bereit. Denn es sollen nicht nur Wochen der körperlichen Erholung sein, sondern die Mutter soll an Leib und Seele gesunden, da-mit sie mit frischen Kräften shr ost so schweres Tagewerk wieder aufnehmen kann. Reben dem Erholungswerk „Mutter und Kind" hat das neue Deutschland am Muttertag vorigen Jahres den „Reichsmütterdienst" als Gemein-lchastzarbeit aller deutschen Frauen ins Leben ge-rufen. „Diese Mütterschulung ist getragen von dem Willen zur Volksgemeinschaft und von dem Be-wußtsein der Bedeutung der Mutter für Volk und Staat. Aufgabe der Mütterschulung ist die Heran-bildung von körperlich und seelisch tüchtigen Müt-tern, die überzeugt sind von den hohen Pflichten der Mutterschaft, die erfahren sind in der Pflege und Erziehung ihrer Kinder und die ihren haus» wirtschaftlichen Aufgaben gewachsen sind." Um diese Aufgaben durchzuführen, wurden in den Städten ständig« Mütterschulen geschaffen, in denen laufend Kurse abgehalten werden, während auf den Dörfern Wanderlehrkräfte eingesetzt wur-den. Für das ganze Reich ist ein einheitlicher Lehr-plan festgelegt, der Hauswirtschaft, Volkswirtschaft. Säuglings- und allgemeine Gesundheitspflege, Ero-und Rassenpflege. Erziehungslehre. Heim- und Volkstumspflege vorsieht. Die Bereitschaft der deut-schen Frauen für die Arbeit des Reichsmüllerdien-stes, an der jede Frau über 18 Jahre ohne An-sehen ihrer Konfession. Parteizugehörigkeit oder der-gleichen, teilnehmen kann, war von vornherein außerordentlich groß. Die Arbeiterfrau, die Bäue> rin. die Frau des höheren Beamten usw. sind dankbare Schülerinnen 'dieser Kurse, an denen schon in, -ersten Jahr de» Beftchens rund 880.000 Frauen teilgenommen haben. Rund 1000 fym#-amtliche und nebenamtliche, fachlich vorgebildete Frauen haben al» Lehrkräfte im Reichsmütterdienst eine beglückende Tätigkeit gefunden. Schöne Petroleum Hängelampe wird zu kaufen gesucht. Anträge sind zu richten an die Verwaltung de» Blattes unter «Lampe 315." Opfert für die Winterhilfe. Wir teilen allen unseren geschützten Kunden höflichst mit, daß wir mit dem heatigen Tag unsere Hauptverkaufsstelle in der Kralja Petra cesta 13 neu ei öffnet haben und dieselbe unter eigener Leitung führen werden. 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