^39. Kamstag den 25. KeVtember 1830. Vorgefühle. erregt durch die bevorstehende Krönung Seiner k. k. Hoheit vcs vurchlauchtigsten Erzherzogs Ferdinand Könige von An gärn. ( F« n ta sma g ° r i e von Hugo vom Schwarzthale.) <^es Abends purpurn dämmerndes Gefieder Bedeckt des,Tages abgestorbnen Schein; Verstummend ruht der Wirbclklang der Liede?, Nur schaurig Flüstern regt den Eichenhain, Und Schwermuth thaut >nl° dunklem Laube nieder, Der Seele dringt sie in ihr tiefstes Sein» Und fcrnc bleibt der Schlaf dem Augenlicde, Det öden Brust der Jugend goldncr Friede. ^Und darf ich nie den Mißmuth mehr vertauschen >. ,Mit leichtem Frohsinn, der zu früh entfioh'n? .'* Horch! in der Wipfel abendlichem Rauschen Vernehm' ich manchen unbekannten Ton. <3s lliugt den Ohren, die voll Spannung lauschen, Wie heilig Klingen von Iehovas Thron, Nie Harfenwirbel, Odem süßer Flöten, V3>, Glockenspiel in schönern Morgenröthen. O lispelt fort. ihr Paradiese«»Klang«! Es wird bei euch so freudig mir «m'i H«?«; Ei träumt zurück aus feindlichem Vtdräng» Hn Zeiten sich r>on Lieb« und ron Scheej; Erhebt sich sclbst mit niedlichem Gepränge Voll edlerer Vegcist'rung himmelwärts, Sieht in des Weltalls nicgefchaute Weiten, Und ahnet fast das Schicksal ew'ger Zeiten. So musi mir denn die Dunkelheit zerrinnt«, Verklärend spannt sich Rcscnglanz um mich; Ein Echauspiel seh' ich voraus schon beginnen. ^ Ein Schauspiel» ernst doch mild und wonniglich. Vor meinem Blick erbauen Preßburgs Zinnen, Von Donaufluthen leicht bewässert, sich; Entzücken her' ich schmettern in den Liiftcn, Und Andacht athm' ich ein aus Weihrauch - Diiften. Ein langer Zug in feierlichem Wallen Zieht durch die volkbelebtcn Strafjen 5in; Vereint mit Tönen, d»e vom Thurme fallen, Erklingt Musik, die edle Schmeichlerinn, Und leitet in des Domes weite Hallen Der frommen Menge demuthövollen Sinn, Mo mit des Konigssohnes würd'gcm Prangen ^ Ein heiliges Geheimnisi wird begangen. ,0 layet mich auch in den Münster treten! Den mit des Liedes stillem Epheulran.z Die gottentsprosmen Töchter sanft umwch'tcn, Nie soll er fehlen bei des Festes Glanz. Ich will mit euch vereint zum Himmel beten — Es gilt dem Sohne unsers Königs Feanz -^ Und will mit Deutungen das Schweigen brechen, Die nur der Sänger wage auszusprecht». Sei mir gegrüßt, erhabne Gottesstättc! Des Himmels Friede haucht i« dir mich an. Wohl mancher, der schon schläft im lallen Vett«, Hat hier des Herrschers hohe Macht empfah'n; 15^ Doch jedem, der inbrünstig aufwärts ssel/te, Flosl Gottes Schutz und Trost auf seine/Bahn, Drum nochmal grüß' ich dich, ehrwürd'ge Halle! Behausung dessen, der beherrscht uns alle'. Auch grüß' ich euch, dcs Landes edle Schnei Euch, wohlgcschassnes, kräftiges Geschlecht! Das, Gute liebet ihr, erzieh't tzas Schöne, Und achtet streng auf Ehre, Pflicht und Recht; Bast Jeder schnöde Sklaverei verhöhne, Beweist so manches blutige Gefecht. , Wie euer Land gesegnit ist auf Erden, So möget willig ihr und blühend werden! Dich seh' ich auch, am höchsten Thron entsprossen, Von Kaisern Sohn und Enkel, Ferdinand! Dir beu'n die größten deiner Herrschgenossen, Die schon verschieden, bald die starke Hand; Drum, schon vom Glanz des Königthums umflossen, Bist Du zuerst von mir gegrüßt genannt; Wem» auch aus Ungarblute nicht entsprungen, Soch bring' ich dar D i r meine Huldigungen. Die höchste Stufe nimmst Du ein auf Erden, Ihr schöner Glanz ist trügend oft. Doch sieh, Wic am Altar die Lichter blasser werden! Gebilde zarter Farbenharmonie Entweh'» der Nacht. 2M himmlischen Geberden,, Und mit der Sprache süsier Melodie Beginnt der erste. Lausche seinen» Worte'. Es weist am Lebelismeer zu sicherm.Porte. G e i s a d e r E r st c. Streifend zogen meine Horden Nach des Friedens Landen aus; Raubend und mit blut'gem Morden Tobten sie in Feld und Haus. Endlich lernt'ich den erkennen. Den die Jungfrau uns yebar; Rein'rs Oftfcr lies; ich brennen Am geheiligten Altar. Friedlich im Magiarenlande Kehrte Nachsienliebe ein; Mit dem Himmel im Verbände Muß der Mensch ia glücklich sein St efan der Heilige. Nur nach eignem Willen, lebte Das unbändig« Geschlecht; Ohne Schutz dcr Arme bebte. Und der Stärkste hatte Recht. Ich verkündigte Gesetze, Meiner und du«l5unsfS'Erde, Drum, was-willig'selbst sic"trug, Nahm man ohne viel Beschwerde; Ab'cr das war nicht, gciiug. Vor die Pflugscharr ließ ich treten 'Das gezähmte Ochsenpaar; Ioht aus einst verlaß'Nen Statt«« , Grast die wollenrciche'Schaar; Glühenö am vertrauten Herde , Schäumt im weiten Kelch der Wcin. Giitig ist dic Mutter Erde, Doch geschmeichelt will sie scin, Ludwig der Große. Siegreich in dcr Polen Auen Ließ ich meine Banner lvch'n, , Selbst an mcerbespühltcn Gauen War ich ruhmbckrönt zu seh'k. , Aber die mir unterlagen Wußt' ich, einen« Vater gleich, In der Hcrrschcrbrust zu tragen, Wie mein angeerbtcs Reich. So ist gros, mein Ruf geblieben, Qb das Leben auch entschwan!?. Wer besiegen kann und lieben, Wird nicht unrecht grosi genannt Mathias H u >, i a d i° Vom Tumulte dcr Barbaren War das edle Land bedrängt, Mordend zogen ihre Schaaren, Hof und Hütte ward gesengt. Da versammelt' ich die Guten, Tich dem Vaterland zu wcih'u. Wie des Oceanes Fluthcn Drangen auf den Feind wir ein; Und gckrönt ward unser Streben Durch's erprobte Siegerschwcrr Ohne Werth sei selbst das Lcdc». Wenn's das Vaterland bezchet. M a r i a T h c r c s « a. Im Gedränge hartee Zeiten Sah ich Hülssos Neid und Kricg Wider mich auf allen Seiten, . Als ich kaum den Thron bestieg. Das sich nahende Verderben That ich meinen Ungarn lun?. »yür den König laß't uns stsl'bsn!° Scholl es wie aus «I n e m Mund. Weinend war ich zwar zu schauen, Als ich bat um ihre Hand; 155 Wechselseitiges Vertrauen IsiderTreu « schönstes Pia n d. Dic scclenvollcn Schcingestaltcn schwinden — Nun ihrer, dic schon lang bedeckt das Grad , Im Leben einen Würdigen zu finden, Der auch mit Weisheit führt den Herrschersiab , Zerreiß des erst getauschten Auges Vindcn! Erkennst Du ih», der Dir das Leben gab? Der vielmal rang mit ehernem Geschicke, Doch stets des Siegers Adel tragt im Blicke? Verhalle nie sein Wort dir in den Ohren: »Mein Wunsch begehrt für Ungarn, ewig Wohi, „Obgleich ich selbst mir sterblich bin geboren; «Und daß, wenn einst mein Aug' erlöschen soll. »Kein Necht dem biedern Lande sei verloren^ ..Verlangt mein Herz, von Serrschergnadc voll, «Den lieben Sohn als König noch zu schauen, .^Mir Lust dadurch, euch eine»» Hort zu bauen," — So tritt den hin, nimm aus geweihten Händen Die Krone Sicfans auf dein herrlich Haupt! Ihr hoher Schimmer wird dein Herz nicht blenden < Dir war's, ihn nahe anzusch'n, erlaubt; Das» siets dies; Volk wird Unheil von ihm wenden, Hat irrig nie ein König noch geglaubt; Und was die Blatter der Geschichte lehren, Wird auch im Lauf der Zeiten sich bewahren. Eehabncr Fürst, der an des Thrones Stufen Aus edier Vrust den Keim des Guten sog, Dem jederzeit so hohe Mustor rufen, Mit Freundlichkeit, die nie dem Horcher lc^; Was sic vereinigt Alle Gutes schufen, Selbst Das, um was das Schicksal sie bcncg^ O möge allesi alles Dir gelingen, Ein Paradies in's treue Land zu bringen'. Und sicher wird's; ich kann cs voraussehe, Es muß doch besser werden siets die Wcli; So laßt es Franzens Szepter schon geschehe!,. — Darum hat mir das Dunkel flch erhellt; Darum entzückt cs mich mit hcil'gem Wehen, Obgleich mein Herz Magiarenblut nicht schwollt > Weil i>, des Glückes, in des Unheils Stunden Der Ungar mid der Teutsche sind verbunden. «3l ^ervugo. 6p>s'di «us dem spanischen Kriege 1803. (Vsschl^si. ) . Cü"a sank neben ihm auf die Kniee und sagte hei' ", mdew sie den Arm um. seinen Hals schlang und ihn auf's Allge küßte: »Lieber Iuanito, wcnn du wußtest, wie sanft mir der Tod von deiner Hand seyn wird! Ich brauche dann die abscheuliche Berührung der Hand des Scharfrichters nicht zu dulden. Du wirst mich von allen den Leiden befreien, die meiner warten, und.... lieber Iuanito, du wolltest mich ja lieber todt als jemand angehörig sehen ; also!« Ihre umschatteten Augen schössen, hier einen Flammenblick auf Victor, als wollte sie in des VrudersHer-zen den Abscheu gegen die Franzosen wieder erwecken. «Fasse Muth!« — sagte sein Bruder Philipp — »sonst erlischt unsere Familie!« M. Auf einmal stand Clara auf, die Gruppe, die sich um Duanito gebildet hatte, trennte sich, und er sah seinen alten Vater vor sich stehen, der ihm mit feierlichem Tone zurief: »Iuanito! ich befehle es dir!« Als der junge Graf noch unbeweglich stand, siel sein Vater vor ihm auf die Knie.' Unwillkührlich thaten es ihm Clara, Nyphael und Philipp nach.. Alle streckten die Hände natlj dem aus/ der die Familie vor der Vergessenheit retten sollte und schienen die väterlichen Worte zu wiederholen. «Sollte -es dir, mein Sohn, cm spanischer Kraft und wahrem Gefühle mangeln? — Soll ich nachhange zu deinen Füssen knieen, und du dein Leiden in Betracht ziehen? — Ist das mein Sohn, Sennora?« setzte er hinzu, indem er sich zu seiner Gemahlinn wendete. , . > «Er willigt ein!« rief die Mutter voll Verzweiflung, d.enn sie sah Iuanito eine Bewegung mit den Augenbrauen machen, deren Bedeutung sie allein kannte. Mariquita, die zweite Tochter, knieete auch und umfaßte die Mutter mit ihren schwachen Armen. Da sie Ströme von Thränen vergoß, so schalt sie ihr kleiner Bruder Raphael. In diesem Augenblicke trat der Geistliche des Schlosses ein. Die ganze Familie umgab ihn alsobald, Man führte ihn zu Iuanito. Victor konnte diesen Auftritt nicht länger ertragen; er gab Clara ein Zeichen und eilte ab, um noch einen letzten Versuch bei'm General zu wagen. Er fand ihn mitten bei'm Feste in froher Laune, mit seinen Officieren, welche heitere Scherzredcn Zuführen ansingen, köstlich«« Wein trinkend. Eine Stunde daraufkamen hundert der angesehensten Einwohner von Menda auf die Terrasse, um den Befehlen des Generals gemäß Zeugen der Hinrichtung der Familie Legancs zu sllpn. Ein Detaschement Soldaten ward aufgestellt, um die Spanier in Ordnung 'zu halten, "die man unter die Galgen stellte, an denen die Dienerschaft d^sSchlosses aufgehangen worden war, 156 und ihre Köpfe berührten fast die Füsse jener Entseelten. Dreißig Schrille von ihnen erhob sich ein Block, aufdem ein Schwert glänzte. Dort stand der Henker, im Falle der Weigerung Iuanito's. Bald horten die Spanier mitten durch das tiefste Schweigen die Schritte mehrerer Personen, den ge< messenen Klang des Marsches, eines Pickels Soldaten und das leise Geklirr ihrer Flinten. Dieses Geräusch mischte sich in die heitern Töne des Festes derOfficierc, wie nicht lange vorher die Tänze eines Balles die Vorrichtungen zu blutigem Verrathe verborgen hatten. Alle Blicke wendeten, sich nach dem Schlöffe, und man sah dessen edle Bewohner mit unglaublich fester Haltung näher schreiten. Alle Stirnen waren ruhig und heiter. Ein einziger blasser und entstellter Mann stützte sich auf den Priester, der die Tröstungen der Religion nur diesem, dem Einzigen, der am Leben bleiben sollte, weihte. Der Henker begriff gleich Allen, daß Iua-nito seine Stelle für heute angenommen habe. Clara, Mariquita und ihre beiden Brüder knieeten einige Schritte von der schauerlichen Stelle nieder. Iuanito führte der Priester dahin. Als er am Block war, zupfte ihn der Scharfrichter am A.ermel, nahm ihn bei Seite und gab ihm unstreitig einige Anweisung. Der Beichtvater stellte die Schlachtopfer so, daß sie die Hinrichtungen nicht sehen konnten, aber sie waren echte Spanier. Sie standen fest und ohne Schwäche. Clara eilte zuerst zu ihrem Bruder. »Iuanito!« — sagte sie zu ihm — «habe Mitleid mit meinem geringen Muthe. Fange mit mir an!" In diesem Augenblicke hörte man die eiligen Schritte eines Mannes. Victor trat auf den Schauplatz des Schreckens. Clara knieete schon und ihr blendend weißer Nacken bot sich schon dem Beile dar. Der Officier erblaßte, aber er faßte noch Muth, hinzueilen. »Der General schenkt dir das Leben — wenn du meine Gattinn wirst!« rief er aus. Die Spanierinn schoß einen Blick voll Verachtung und Stolz auf den Ossicier. »Weiter, Iuanito!« sagte sie mit tiefem Tone. Ihr Haupt rollte zu Victor's Füssen, und als die Marchese Leganes den zischenden Ton des Richtschwer-tes hörte, zuckte sie krampfhaft zusammen. Es war das einzige Zeichen ihres Schmerzes. «Bin ich so recht, lieber Iuanito?« fragte der kleine Naphael seinen Bruder. »Du weinst, Mariquita?« sprach Juanito zu ^ ner Schwester, „Ach ja!« — antwortete das junge Mädchen. -" ,)Ich denke an dich, mein armer Iuanito. Ach! w>e wirst du unglücklich seyn, ohne uns.« Bald darauf erschien die hohe Gestatt des Marche-se. Er betrachtete das Blut seiner Kinder, wandte sich dann zu'den stummen und unbeweglichen Zuschauern, streckte die Hände gegen Iuanitn aus und sagte mit sta^ ker Stimme: »Spanier! — ich gebe meinem Sohne den väterlichen Segen. — Möge er ihn immerdar begleiten. ^ Jetzt, Marchese, triff ohne Furcht, denn du bist ohne Tadel.« Als aber Iuanito seine Mutter nahen sah/ von bem Veichtuater unterstutzt, schrie er laut: »Sie h^ mich gesäugt!« und ein Schrei des Entsetzens tönte aus jedem Munde. Der Lärm des Festes und das frohe Gelächter der Officiere schwieg bei diesem furchtbaren Aufschrei. Als die Marchesmn sah, daß Iuanito's Muth e^ schöpft sei, schwang sie sich über die Brustwehr unb zerschmetterte ihr Haupt an den Felsen. Ein Schle' der Bewunderung ertönte. Iuanito war ohnmächtls hingesunken. — «Mein General!« — sagte ein halbtrunkener Offl-zier, — »Marchand hat mir eben Einiges von dieser Hinrichtung erzählt. — Ich wette darauf, daß ^'e das so nicht befohlen haben.« »Haben Sie vergessen, meine Herren!« — lief der General G... t... r — '«daß in Monatfrist fünf' hundert französische Familien um ihre Ermordeten trau-ern werden, und daß wir in Spanien leben? Wolle" wir hier Alle verderben?« Nach dieser Anrede fand sich niemand mehr, ^ es gewagt hätte, sein Glas zu leeren. — Ohnerachtet der Achtung, die ihm überall gezo^ wird, ohnerachtet des Titels al Vol-clugo *), mit w^ chem derKönig den Namen des Marchese de Leganes be^ reichert hat, verzehrte diesen der Kummer, er lebte ei«' sam und zeigte sich selten. Unter der Last seiner be^ wundernswerthen Unthat erliegend, scheinter mit U"" geduld zu erwarten, daß die Geburt eines Enkels je"^ Getödteten ihm das Recht verleihe, flch mit den Sch<^ ten zu vereinen, die ihn stets umgeben. ') Der Scharfrichter. Nevacteur: Fr. Vav. Aeinrich. Verleger: Hgnai Al. Edler v. Aleinmsel.