M^- A« ^NNL8ttks' O^IK 1. FäwM«!'. A G48» Mm Silvester-Mbend. -^ ie Sonne sinkt, vom Nosenschein umfangen / Des hehren Laufes Tagwerk zu beschließen — / In ihres Glanzes feierlichem Prangen Seh'n wir des Jahres letzten Tag zerfließen — O säumet nicht, eh' sie noch »ntrrgangen, Noch ein Mal ihren Segensstrahl zu küssen — Wer weiß, ob uns aus ihren Morgenblicken Entquillt des Neujahrs seliges Entzücken? — Sie schien heut über Gräbern von Millionen, Die noch des Jahres Niegenkuß empfunden. Und Tausenden auf dieser Erde Zonen, Die heut. mit frischem Lcbenskranz umwunden. Sich freudig noch in ihrem Purpur sonnen. Strahlt sie zum letzten Mal in diesen Stunden, — So sinken in der Zeiten raschem Fluge Die Menschen hin auf ihrem Wanderzuge. So taucht auch dieses Jahr in's Meer der Zeiten! — Wohl dem, der es zum ew'gen Heil gewonnen; Denn, was es bot an Lust und Seligkeiten, Eö ist gleich einem kurzen Traum zerronnen — Die Werke nur, die unser Thun begleiten. Dort aufgezeichnet vor des Ew'gcn Thronen, Erfüllen uns auf unsern Pilgerungen Mit Freude oder Schmerzerinnerungcn. D'rum Bruder! eh' von diesem Jahr wir scheiden, Laßt unser üeben prüfend überblicken: — Viel kann ein guter Vorjatz du entscheiden Für ew'gcs Heil in solchen Augenblicken; Was da geschch'n. wir können's nimmer meiden, Wir werde» einst dafür die Früchte pflücken — Wie viel des Guten Jeder nachzuholen, Sagt ihm sein eig'ner Richter unverhohlen. Doch, wer des Jahres Vürd? schwer getragen, Weß' Innerstes des Kummers Leid durchdrungen, Wesj' Seele oft in schwerbedrängten Tagen I» Einsamkeit »ach Menfcbentrost gerungen; Der blick' zum Vater auf heut ohne Zagen, Der seine Schöpfung liebreich halt umschlungen: Er weiß, was dienlich seinen schwachen Kindern, Und will, wenn's gut, auch ihre Thränen lindern. Ja, ew'ger Hort! vom hehren Licht umfloffen, Auf dessen Huld wir kindlich alle bauen; Nas deine Allmacht auch mit uns beschlossen, Wir wollen deiner Vorsicht uns vertrauen. 2aß' durch der Zukunft Schleier, dir erschlossen, Uns glaubig stets empor zum Himmel schauen: Mag auch der Sturm der Zeiten uns umdrauen, Wir steh'» in deinem Schutz', dem ewig treuen! Ioh. Iursche. Neujahrs - RoliS» L». Variationen über ein altes Thema, i. ^es Jahres Symphonie ist nun zu Ende, Weithin verklingt wehmüthig der Accoid; Da onpa! rufe» Millionen Hände, Na c-ü^o tönt es laut von Ort zu Ort. Der weise Meister, der die weite Erde Als großer 1iiima schleicht aus diesem Kreise, p«l-<,lc!!>llu 8i manch' Pärchen still davon, Beginnt ein Uuu <'un nmul'c: leise, Und wächst in Jahresfrist zum 'IV,u schon; Hl>!,'Zl'u innltu, Nüiü,!»« klingen Die Saiten jetzt in reiner Terz im Haus, . Den Lcitton thut zwar das Weibchen cfl singen, Der Grun 0 ton geht jedoch vom Manne aus. IV. u<:l>tu auch im Chor. Es steig! die kleine Terz » ^u«<» .1 ^o^c> Zur Qliart und Quint ost auch zur IcN empor; Und mögen sich auch Dissonanzen finden, O. löf't sie liebend aufzurConsonanz! — Der Lieb' und Treue Ligaturen binden Fermat und Uc Hergang zum schönsten Kranz. V. ^Ullnntll inuclel'lNu könnt ihr steigen, HlllncnnäL seyd bei Pflicht und Treue nie, Dimiriuenclu sollt' ihr nie euch zeigen, älNülil!« sey stets die Melodie; Gefühl und Geist soll euch die Tonart geben. Und Nächstenliebe gebe euch den Tact, Wcnn dann die letzten Töne einst ver schweben, Der I^ii euch sein Lr»vo sagt. H. C. 2 Die Bader der Slaven. ^3^inem ein Bad bereiten, heißt so viel, als: Einem Böses bereiten. Dieses auch in der Schweiz gebräuchliche Sprichwort, wo es von der bekannten Erzählung: wie der Vogt von Wolfenschirß von der Gattin Konrad Bo nutz orte's verlangte, sie möchte mit ihn, ins Bad sitzen, seinen Ursprung herleitet, hat im Polnischen einen ganz eigenen, 'in der Sitte der slavischen Völker fußenden EntstehungSgrund. Die Sitte, Schwitzbader zu gebrauchen, ist eine allen Slaven eigenthümlich gewesene. Nestor (geb. l056, gest. lll6) der älteste Geschichtschreiber der Russen, schreibt in seiner Legende des heiligen Andreas: „Als er (der heil. Andreas) den Dnieper aufwärts ging, kam er in das Land der Slaven, wo Nowogrod liegt. Dort lernte er ihre Sitten kennen und sah, wie sie sich in Bädern wüsche», mit Nuchen peitschten, und war darüber verwundert; ersah Badestuben aus Holz gezimmert und darin Oefen aus Slein, welche stark geheizt wurden. Dorc zogen sich die Leuce ganz nackt aus, begossen sich mit warmen Wasser und peitschten sich mit Ruthen dermaßen, daß man fürchcen mußte, ob sie mit dem Leben davonkommen. Wenn sie heraustraten, begossen sie sich Mit kaltem Wasser, welches sie vom Neuen belebte, und so wachten sie eS täglich." Martin Gallus schreibt von Bo-leslaus dem Tapfern (Chrobry, regierte 992—1025), daß er oft Bäder gebrauchte, und wenn er einen edlen Jüngling bessern ui:d dabei für seine begangenen Fehler züchtigen wollte, nahm er ihn mit sich in'SBad, wo er ihn eigenhan-dig mit der Ruthe schlug, ihm Lehren gab, und mit einem neuen Kleide angethan, nach Hause schickte. Von daher stammt der Spruch: »Jemand ein Bad bereite»," das manchmal jetzt auch in einer schärferen Bedeutung genommen wird; Jemand nach dem Bade das Badetuch geben, d. i. Jemand, wahrend man ihn züchtiget, schön thun. Man erzählt auch Nachstehendes von diesem großen Könige: Seine Gemahlin war eine gottesfürchtige und edle Frau. Mehrere, die zum Tode verurtheilt waren, rettete sie aus den Händen des Henkers und erhielt sie am Leben. Einst, während einer Unterredung, fiel das Gespräch auf diese Unglücklichen. Bo leslaus, der nur durch die gebieterischen Umstände genöthigt lvar, das Todesurtheil aufzusprechen, bedauerte eS, daß sie ein solches Loos getroffen habe. Die Königin, voll Sanftmuth und sich betrübt stellend über das Unglück der Verurcheilcen, sagte, indem sie dem Könige die Wange streichelte: »Und wäre es Dir angenehm, wenn sie irgend ein Heiliger zum Leben erweckte?" — »Es gibt nichts so Kostbares," erwiederte der König, »das ich nicht demjenigen reichen wollte, der sie alle in's Leben zurückbrachte und die Angehörigen von dieser entehrenden Schmach befreien würde." Kaum halte dieß die edle Fürstin vernommen, als sie zu den Füßen des KönigS fiel und die in ihrem frommen Sinne begangene List eingestehend, ihn um Verzeihung hat. Der König, gerührt durch den hohen Ginn seiner Gemahlin, schloß sie in seine Arme und hob sie auf. Sogleich schickte er um die Geretteten. Diese wurden zuerst vor die Königin geführt, die sie erst mit zarten Worten ermähnte, dann wurden sie in das königliche Bad beschieden, wo Bo leslaus zugleich mit ihnen, wie ein Vater mit seinen Söhnen sich badend, sie ermähnte und an ihre edle Abstammung erinnerte, indem er sprach: es zieme Mannern so edler Geburt nie, solche Verbrechen zu begehren. Die in den Jahren Vorgerückteren züchtigte er nur mit Worten, die Jüngeren außerdem mit der Ruthe. Zuletzt ließ er ihnen neue Kleider reichen, worauf sie frei nach Hause rückkehren konnten. Bo leslaus war überhaupt einer der größten Könige Polens. Der deutsche Kaiser Otto III. trug stets das Verlangen, diesen Fürsten, von dessen hochherzigen und Helden» müthigen Thaten er so Vieles schon vernommen hatte, per« sönlich kennen zu lernen. Stets erfüllte ihn der Wunsch, die» sen Helden zu seinem Bundesgenossen zu gewinnen. Da ereignete es sich, daß Bischof Adalbert, als er den heidnischen Preußen predigte und sie aufforderte, die Götzenbilder zu vernichten, von ihnen getödtec wurde, worauf sie seinen Leich» nam den Götzenbildern vorwarfen und argen.Spott damit trieben. Als der Papst Kunde davon erhalten, wurde Ad albert heilig gesprochen. Boleslaus kaufte dessen Leichnam von den Mördern ab und ließ ihn mit großer Trauerpracht in die bischöfliche Kirche zu Gnesen beisetzen (995). Dieß gab Kaiser Otto die erwünschte Gelegenheit, den König zu besuchen, ohne ihm und anderen Fürsten jeine Absicht verrathen zu müssen. Im Jahre 1000 ließ Otto allgemein bekannt machen, daß er das deutsche Reich verlasse, um eine fromme Wallfahrt zu den Reliquien des heiligen Adaloert vorzunehmen, und darauf zog er gegen Gnesen. Mit großer und herzlicher Freude empfing Boleslaus den erlauchten Gast und nahm ihn in seinem Schlosse auf. Als Otto die Pracht ringsum gewahrte, erfaßte ihn, der seinen Wirth, ehe er ihn gekannt, für wenig mehr als einen wilden Menschen gehallen hatte, großes Staunen. Innig drückte er die Hand des Königs und rief aus: »Es steht mir nicht zu, daß ich einen solchen Mann mir länger zu Anderem , als zum Freunde verpflichtet seyn lasse." Die Lehenspflichligk^it, in der die Polen früher standen, hob nun Oltoauf. Gleich seinem Vaier Mieczyslaus, hatte BoleSlaus im Jahr 990, eine Gesandtschaft ausgehen lassen, den Papst zu bewegen, daß er seine Lande zum Königreiche erhebe. Doch zum wiederholten Male schlug der heilige Vater diese Bitte ab. Als nun bei dieser Zusammenkunft die Fürsten O c t o und Boleslaus zugleich sich in der Kirche zu Gnesen befanden, und Boleslau s eben vor dem Hochallare kniete, griff Otto in die Falten seines weiten Mantels, zog daraus eine prachtvolle Krone und setzte sie Boleslaus auf das Haupt. Seit dieser Z/it galt Polen auch den übrigen Fürsten gegenüber für ein Königreich. Der Gebrauch der Bäder war nicht bloß beim Volke, sondern auch am königlichen Hofe bis auf Sigismund August üblich. Stephan Bälhory und der Schwede Sigmund III., nicht daran gewöhnt, wollten sie nicht gebrauchen, und so kam die Gewohnheit beim Hofe ab, erhielt sich aber noch immer umer dem Volke. Beinahe jede größere 3 Stadt besaß ein Schwitzbad — in seinen Einrichtungen ganz B denen der Gegenwart ähnlich — dessen Daseyn beinahe all- pe gemein als eine Nothwendigkeit galt; doch wurden sie spater w vernachlässiget, und nur in Rußland hatten sie sich von ihrem br Anbeginn bis zur Gegenwart erhalten. Endlich zum Wohle st, der Menschheit verbleitet sich die nun vergessene Einrichtung b' wieder, und beinahe jede bedeutende Stadt Europa's befindet st sich in dem Besitze eines Schwitzbades. Ans dem Leben. Im Jahre »827, (erzählt der »Sluttg. Beobachter") 6 gründete ein armer Schuster sein Hauswesen und nahm ein cl Weib, denn auch ohne Vermögen verlies; er sich auf seinen Fleiß, alS der fast einzige tüchtige Meister in der Gemeinde. ^ Aber nach fünf Jahren waren es ihrer fünf, und nach zehn » Jahren ihrer zehn. Der Meister halle wenig mehr zu ver- r dienen, desto mehr zu ernähren, denn sein Weib halte ihn mit -Söhnen und Töchtern gesegnet. Die Kunden zahlten nicht, > manche betrogen ihn, w8/,8. In Verbindung mit einen, Geschichls-, Unter-haltungs-, Lehr«. Hilft-, Koch-, Wirthschafis « und Familienbuchs für Jedermann, hauptsächlich für Hausväter und angehendcHauswirtl'inc». Fünfter Jahrgang. Wien, in Commission bei Mayer ct Vomp., in dcr Singcrstrasse, und bei alle» Buchhändler» und Buchbindern in den k. k. österr, Staaten liin den äußerst billigen Preis von «H kr. C. M. zu hnbcn. 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Unter den geschichtlichen Erinnerungen und dem Unterhaltenden ist besonders die muthrolle Vertheidigung Szigeth's durch Grafen Zrinyi (dazu das Titelbild) und dic Ucbcrraschung am Weihnachtsabende, anziehc>,d; die Oriminaluntcrsilchung dcr Giftmische-ri» N u t h a r d ist ei» warnendes Beispiel, wohin verwahvlosctc Erziehung führc» kann. Der Rechtsfrcund und Eorrcspondcnt enthält Vorschriften und Verordnungen» Aufsahc uno Formulare für Fälle, die im Lebcn dcs Bürgers, Gewcrbs- und Landmanne? sehr hänsig vorkommen, und wird gewiss jedcin in solche» Eachcn wcnig Crfahre,n-n höchst willkommen seyn. Das Haus- und Familienbuch, der Untcrricht in hä'uülichcn Verrichtungen, in der Kunststrickerei, im Puhwaschen und Kochen sind für einen Volkskalendcr sehr geeignete, Beigaben. In Betracht des geringen Prci-scs hat der Herr Verfasser gewiß alles Mögliche geleistet, und sein Streben , einc» wahrhaft nützlichen und belehrenden Volkslalcndcr zusani' mcnzustellcn, verdient alle Anerkennung, so wie dessen humane Bestimmung des Reinertrages zu wohlthätige» Zwecken höchst ehrenvoll u»d lobenswerrh zu nenncn ist. Bereits hat Herr Anton Schweiger, nach dcn» bcigedrucktcn Iluswlise, von den vier ersten Jahrgängen eine Gesammlsumme von l3,o fl. E. M. an gemeinnützige Institute abgeliefert, wovon auf den von ihm gegründeten , und unter derProteclion des Herrn Dircctors dcr k. k. Hof' und ötaatsdruckcr.i, RcgieriingsrathcsA u c r, stehenden Verein für Witw«'» und Waise» von Mitglieder» der Vuchdruckcr-kunst und deren verwandte Fächer ,iZ^ fl. kommen. Auch der Ertrag des fünften Iahrgangcs ist demselben edle» Zwecke gewidmet, u»d cZ wäre nur zu wüuschc». dass die sämmtliche» Mitglieder der Buchdruckerkunst i» den östrrr. Staaten sich diese», für ihre hintcrlasscncn Witwen und Waise» so wohlthätige» Vereine nach Kräficn fördernd' anschlicsscu möchten. Verleger: Ignaz Alois Gdler v. Kleinmayr.