Illylisch es Blatt z u m Nutzen und Vergnügen. Nro. 33. Freitag den ,3. August 1619. I u b e l l i e d *) bey allerhöchster Anwesenheit Sr. K a i s e r l i ch e n Hoheit Fer.dinand Erbprinzenvon Oestreich. 1. 21 uf! ihr Krainer, auf! zur Freude, Stimmet an den Lobgesang, Fröhlich schall er durch die Heide Eurer Lieder Feyerklang: Unter euch im frohen Kreise, Ist des besten Kaisers Sohn,' Singet Jubel Ihm zum Preise, Ihm den Erben deutscher Krön» II. Heil, Dir Ferdinand! und Segen, Durch die ganze Lebensbahn, AllDein Streben allerwegen Wachs' zur reifen Frucht heran; Und im hellsten, schönsten Glänze Bliche Freud und Glück für Dich. Und zum Lorber in dem Kranze Reihen Palmenzweige sich. III. Lange noch auf Deutschlands Thron« Herrsche unser Vater Franz, ^, Und wie nun, so glänz die Krone ^ Einst in Deiner Thaten Glanz; t Dann, erhabner Pr^nHerschallen ^» Froh Dir uns^Lieder z^ ^ ^ .. . Und aus treuer Brust vor^Mn Wünschen wir Dir Heuund Ruh! « ') Nach der Melyd!«: Gott erhalte Franz den Kaiser lc. - i5<3 IV. Ja! bis Zeder Laut verklungen, Vis kcin Krainer ^Herz mehr schlagt, Sey Dir Preis, o Fürst! gesungen. Sey Dein L?b im Lied gew^kt; Und nach Millionen Jahren, Sollen uns're Enkel noch. Deiner Thaten 3Nlhm erfahren, ^Uuten: Habsburg,lebe hoch ! l Heinrich Cost«, »^ Die b ra ndig e Holz sau re oder der W Holzessig. Mit diesem vortrefflichen, in öffentlichen Blättern gerühmten, Mittcl gegen die Faulniß animalischer' Körper, hat auch dcr hiesse/ Äpathekcr Herr Wag- . ner, Versuche angestellt, welche dcr Erwartung dergestalt entsprachen, daß es zweckdienlich seyn dürfte, dieselben iu der Provinz bc-lanuter zu mach'> wie die übrigen Stücke, cm Bindfaden in frcyerLüft aufgehängt. ' -' ° ° Vom einem in vi er Theile zerschnittenen Huh: uc gab Herr Wagner drey Theile nach obiger Art nut Holzessig bestricken, an den heißesten Tagen, (den 7., tt., 9. uüd ic>. vorigen Monats Iuly) dc^Sonm-n-hihe prciß. Neben an hing das vierte Stück oWe Saure. Nach drey Stunden ging dieses schon, .m Faulniß über und verbreitete einen widirNchcn A? ruch, währ>.ud die übrigen, mitHolzcssig biMiHffne,»: Flcischartcn noch his zur Stunde, alsq ,üb,cr MW Monat wohlcrhaltcn siui). ?lehnlichc Versuche wurden m:t Ochsen'Zungen, Hasenflcisch, Vögeln u, a m. «ngcstcllt uno mit Llcichem Erfolge. Merkwürdiger rwch sind die Versuche mit Fischen, deren Fleisch bekanntlich vi>cl leichter in Faulniß über-, geht. Aber Forellen ausgeweitet und mit Holzsäure bcstrichcn, verdarben dennoch in dcr heißesten Son-.'uej,nicht. An allen diesen mit Holzsaure überzogenen Kör-pern wurde bemcrtt, daß sie leicht trockneten, sich cin wcn!Z zusammenzogen, jedoch weich und elastisch blie^ den. Dcr brandige Geruch der Holzsaurc verlor sich nach einigen Tagen ganz, und es traten das Ansehen, die Farbe, dcr Geruch und Geschmack des besten gekochten Rnuchcrsicisches an die Stelle. Nebstdem verdient noch angeführt zu werben^ daß Fliegen, Mücken und andere Inseckten keinen mit Holz-saurc gestrichenen Gegenstand berühren, ja, als könn-ten sie weder den ^Geruch dieser Saure ertragen, von dcr lctztcn jederzeit ziemlich sern bleiben. Laibach dcn 12. August 1819. Von den -V oru r t hs il e n. Das Vornrthcil ist ein Widerspruch des richtigen Ver-nunftfchlusscS^ denn es Lrcifet der Vernunft vor. Dio Por.cil.igkö«iM Denken und Sprechen ziehen häufig nachthcilige Folgen nach. sich ; daher prüfet der Denker, ehe er spricht.Er hat erforscht, daß dic Natur il,rc Mas^ -^e> die Wissenschaft manche Tiefen, die Welt ihre Gau>' k^Lyen, ),üid die 'Verdienste ost Feinde habcH» Er l^bt die Niyde auf, entblößt die Gegenstände, und"5' dringt in ihr Eingeweide, cm, .A,ljo nur der freye 'fl'ch den aufgedrungenen Vontrthcilcn entgegenzusetzen, und sie zu verbannen. Wi:d nehmlich del, vonl ?»umeldcr Sinnc gereinigte Gcist, gleichsam nackt, in dic freye Thätigkeit ge-seht, so verbreiteter das Licht und hebt au5 dem Dunkel, die Wahrheit, die sich so schön, so treffend darstellt, daß man sich schämen müßte sie nicht erkennen zu wollen. Bey der Erkenntniß der Wahrheit fühlet man den reinen Selbstgenuß, und die Erhabenheit der eigenen, und allgemeinen ^xl5».«u?,. Man ftndcrt vom Irrthume die Wahrheit, glcich wie der C1e über die Politik, Finanzen, Staatövcr-fassung und Strategie mit vieler Beredsamkeit räson-nircn; ein Schuster war es, der zum Dichter cittz ickt wurde und auf sein Aushängschild die dichterische Phrase schrieb: Ich heiße Hanns Göre, und bin Cchuh- Macher nnd Poet dazu. Ha! kann sich dic Schttciderzunft solcher Mä.? — ;Z2 — rühmen?Ma« sage mir nicht, eigenes Lob stinke, ich phantasirc ohne Fieberhitze und rede überlegte Wahrheit. - Als man noch an keinen Schneider dachte, als, noch die ganze Garderobe des Menschen in einer Thie'rhaut oder in einer Schürze um die Lenden bestand, gab es schon Schuster. Der Schuster warder erste Mann, des-, fen Beystand die Menschen bedurften, die Natur selbst rief den Menschen zu: Leute! laßt euch Schuhe machenden« seht dia spitzigen Dornen, Splitter und Glas» f,.rben(?), die eueren Fußsohlen gefährliche Verwundungen drohen ; Leute! zieht Stiefel an, sonst werden K liken,Kartharre undVanchgrimmen unter euch grassi-ren,und ihr werdet in dasGras beißen müssen. So sprach die Natur, und die Menschen liefen zum Schuster und ließen sich ihre Füße bekleiden. Des Schusters hochverdiente Werke Beschützen gegen Unglück ohne Zahl, Sie trotzen Dornen nno der Stärke Des Frostes. Gepriesen sey des Schusters Ahl! Allein das wohlthätige Genie des Schusters versteht nicht nur, die Füße gegen den schädlichen Einfluß frostiger Feuchtigkeit zu verwahren und gegen Verletzungen der Glasscherben zu schützen, er erseht auch manche Mängel,die den Fuß verächtlich machen. Aus man: chem ausgedörrten Schicndeinchen eines Adonis könnte man oftfüglich die schönsten Mcisenpfeifchen schneiden; allein der Schuster macht seinem Stiefel eine Wade, welche ihm nicht nur Respect verschafft, sondern auch Blicke der Bewunderung auf sich lockt. Der Schuster lichtet nicht nurdie Schuhe nach den Füßen, sondern die Füßo müssen sich in die Form der Schuhe fügen; dafür macht aber die Künstlerhand des Schusters aus dem plumpsten Elephantenfuße das niedlichste Füßchen ^, einer Grazie; der Schuster kann also auch metamor« ^»hosiren. I Aus plumpen, ungeformten Füßen M, Macht Meisters Pechwald Schöpferhand M Ein allerliebstes Paar zum Küssen, l Welch ein Genie! welch ein Verstand! t Doch alle» bis jeht Gesagte genügt mir selbst noch Wicht, um den Werth eines Schusters nach Würde de» wicsen zu haben; ich muß in die Wichtigkeit der verehrten Kmericmschaft tiefer dringen. Der erste Blick, deu wir auf einenEinlvetenden werfen, ist immer auf seine FüA gerichtet; smd seine Schuhe oder Stiefel nicht tlegch^l« ftndeNr ein? kalte, of< gar verächtlich« Auf: nähme; wer sich dai^in Her Wett empfehlen will, muß sick nothwendig aus der Werkstätte des Schusters eine Recommandation verschaffen. Das prächtigste Kleid macht keinen Eindcnck, der vornehmste Anzug bleibt ohne Wirkung, wenn ihm nicht ein schön bekleideter Fuß zu Hülfe kömmt; das Genie des Schusters erhöht erst die Werke des Schneiders. Ja, um einen Schuster ist es eine sehr wichtige Sache; ein schöner Fuß hat schon Manchen um den Kopf gebracht, und mit den Füßen haben schon viele mehr verdient, als andere mit ihren Köpfen. Maqisch wirken Schusterkünste Auf des Menschen Herz und Kopf, Mehr als alle Hirngespiunste Vom gelehrten, armen Tropf. Ehrt daher des Schusters Werke, Sei!i Genie und die Vernunft, Ruft aus ganzer Lcibessiärke Vivat dieser edlen Zunft! Das unbedeutendste Werk eines Schusters, der Pantofel, spielt m der Wclt eine größere Rolle, als das prächtigste Kleid des Schneiders.Welch ein despotischer,eisernerZepter ist nicht derPantoffel in derHand der weiblichcnRcgcntschaft ! man'frage diejenigen Männer, ! welche am acht und zwanzigsten Qctobcr ihr Nahmens-fest feyern, die werden am besten reseriren können, wie sclavisch man unter dem Pantoffel seufze. Wcg:n eines Pantoffels ist schon Menscheublut geflossen, und wegen eines Pantoffels verlor schon Mancher die Nu» dera seines Hirns. — Wenn also schon der bloße Pantoffel eine Epoche macht, was ließe sich nicht erst von dem ungeheuern Kurierstiefel sagen? Auch ein Schuster ist die c2N8» cuusati, auch er seht tausend Hände in Bewegung; Lederer, Garber, Fellfärber und Felllackierer wären entbehrlich , wenn es keine Schuster gäbe; die Schuster sind die Urheber so mancherMillionärs ; dessenohngeachtet geht es ihnen wie den Dichtern, von deren Producten sich die Buchhändler bereichern und die Schauspieler den Braten essen, indeß sie von dem mageren Honorar an den Knochen ! nage». 1 O: ..wie wackelt mir das Herz im Leibe, es zittert freuM'in meincmBusen, wenn mir so manche holde Schöne ihr zartes Füßchen herreicht, u»n es mit meiner Kunsszu zieren. Wie wird so wohlig mir zu Muth, VDe siedet meiner Adern Blut, ^ytenn ich an einem schönen Fuß »Ditz, Maß zu Schuhen nehmen muß! ^ Ich versichere Sie, lieber Herr Meiste« W^h, e< ' ist die höchste Ieit, daß ich zu phantstsiren aufhö/e. Pajisa.