lnr Aunst, Literatur, Theater n. geselliges Leben. Itedigirt von Leopold Kordesch. ^ ^5. Freitag am Jänner W< ^ Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchenlüch zwei Äluinmern, jede» Mal ein halber Noaen. Der Preis des Vlatles ist in ?nibach a»n,iiidr,c> 0, «N^>^ ba!l>i»or,a 5 6. Durch d,e t. f. Poü unlcr Oouverl m,I r°riosrc,er Zusendung c,a,!Uädr,n u, balbiödria 4 ft, C,M., „nd w,rd bail'Ii'lirm voraus­bezahlt. Alle t. f. Poüinnicr „ehincn Gröuuiiieraiion a,i. In ?a,bach.pränumeriri man bei!» Vericaer a», staan, Nr. <üll, »n ersien Sloctc. Percenllius. Vaterländische Erzählung aus de,» izte» Jahre nach Christi Geburt. Von Joseph Buchen ha in. Nei;t niich nicht! der Hyäne Wu!h ist iNir ein Schoßhund gegen mich. Victor Hugo. „Du bist der Elend?, der hinter meinem Rücken meiner Tochter den Weg des Lasters kennen lehrt!" rief, zornent­brannt aus seinem Zelte tretend, der romische Legat I . Blössus einem seiner Sclauen zu, welcher in Begleitung seiner Mitunglücklichen von der Feldarbeit heimgekehrt war, und wies demselben ein mit seltenen Charakteren beschrie­benes Blatt. Alles erzitterte vor dem Donnerworte des Herrschers, der, wie man wußte, im ersten Aufwallen seines Blutes kein Mitleiden kannte. „Du bist der Verwegene," wiederholte er nochmals, und masi ihn vom Fuß bis zum Kopfe mit fiammensprü­hcnden Augen. ,/„Scheltet mich nicht einen verächtlichen Sclaven, mich achtzigjährigen Mann!"" begann ruhig der Bedrohte, „„frei war ich geboren, frei bewegte ich mich, so wie die Luft auf den sieben Hügeln euerer Heimat, bis es den Göttern gefallen, mich in euere Fesseln zu werfen. Ein Loos, an das ich niemals glaubte, so lange ich stolz mit den Schädeln der eigenhändig erschlagenen Feinde ge­schmückt, meinem Heere vorstand. Am wandelbarsten ist das Geschick."" „Schweig! an wen war dieses Blatt gerichtet, das durch euern Aufseher in meine Hände gerieth? Rede, oder bei den stygischen Fluceu, dir röthet sich nimmer Lucifers Licht!" „„Ueber mein Leben könnt ihr als der Gewaltigere gebiethen, mein geistiges Wollen spottet euerer Macht."" „Du wagst mich zu höhnen? Sclaven, ergreift den Starrkopf! Reißt ihm die Augen aus ihren Höhlen, damit er lebendig im Grabe seinen Frevel büssc" schnaubte der Herrscher dreier Legionen seinen Dienern zu. Ein leises Gemurmel entstand, doch Niemand wagte es, diesen grausamen Befehl zu vollziehen. „Ih r zaudert noch?" rief schäumend vor Wuth der rö­mische Legat und sprang auf den Verurtheilten, ergriff ihn mit krampfhafter Hand bei seinem Silberhaar, zerrte ihn im Kreise hin und her, warf ihn zu wiederholten Ma­len zu Boden, und trat ihm endlich mit dem Rande sei­ner Sandalen seine beiden Augen aus dem Kopfe. Ein dumpfes Schweigen herrschte nach dieser That in dem tief erschütterten Kreise. Muleid und schreckenuotte Angst war über alle Gesichter verbreitet, und nicht ein Seufzer wagte sich hervor aus der gepreßten Brust. „So geschehe Jedem, der sich mir zu widersetzen wagt" donnerte der Fürchterliche tief aufathmend, indem er mit einem verächtlichen Blicke das Schreiben dem am Boden Liegenden zuwarf. „„Arno , Arno!" " stammelte der gräßlich Verstüm­melte, und hob seine beiden Hände geballt zum Himmel empor. „Wer ruft mich?" scholl es plötzlich. Die Reihen der Umstehenden wichen gewaltsam gedrängt auseinander. Ein Jüngling stürzte in den Kreis. Es war Arno , des schmerz­lich Rufenden einziger Sohn. Als aber dieser des Unglücklichen ansichtig wurde, warf er sich an seiner Seite nieder, ergriff im namenlosen Schmerze die emporgehobenen Arme und preßte sie stumm an seine Brust, wo der tiefe Born seiner Wehmuth lag. „Arno!" scholl es noch ein Mal, und nach langen Absetzen wurden die immer schwächern Worte vernehmbar: „Mein —Arno —räche —mich!" und geschlossen war der Mund des Sprechers auf immerdar. Regungslos kniete der Jüngling, den starren Blick auf den Verschiedenen geheftet, drückte dann einen Kuß auf die erbleichten, blutenden Lippen, und stellte sich, dem Anscheine nach, ganz ruhig vor den Legaten hin. „Vergönnt mir, ruhmvoller Herr" begann er, „daß ich des Sohnes letzte Pflicht am Vater übe, ich will dann noch doppelt emsiger jedes euerer Gebote erfüllen." 3«HI Und besänftiget wink« ihm der Legat mit der Hand die Gewährung seiner Bitte und trat dann schweigend in das Innere seines Oezeltes. Hier vernahmen seine Gemahlin und seine Tochter Livia das ganze Ereignis;. „Vater," sprach Livia , nachdem derselbe die Erzählung geendet, „Vacer, diese That ist dem Feldherrn in der Ferne mehr geeignet, das Vertrauen und die Liebe seiner Soldaten zu rauben als zu erwerben, und du weißt doch, wie wir dieser im Angesicht unserer Feinde und in der Mitte der so sehr mißvergnügten Legionen bedürfen." Der Legat schritt schweigend auf und ab. „Die Götter sahen diese That und o! wenn sie die­selbe nur gesehen hätten!" bemerkte sorgsam Livia weiter. „„Wir cheilen die Strafe. Trägst doch du die Schuld, du, die du hinrer meinem Rücken durch Vermittelung eines wohlchätigen Sclaven geheimen Liebschaften fröhnst; doch damit hat es sein Ende."" „Ich bin eine freie Römerin, die mit kaltem Blute das Leben hinwirft, gilt es ihrer Ehre, daher will ich ei­nes Mordes nicht theilhaftig seyn" antwortete Livia be­herzt. Die Anführer mehrerer Cohorten tmten ein. Ihre Gegenwart nöthigte die Weiber abzutreten. Einer aus den Häuptlingen nahm das Wort: „Seit Augusius das Geschick Panoniens vertrauungsvoll in deine Hand gelegt hatte, ist durch deine Raschheit das Feuer des Unwillens aufgeweckt worden. Wir machen dich auf deine Handlun­gen aufmerksam, weil uns schon die Reihen nur mit Wider­willen gehorchen. Reize sie nicht mehr, sie sind schon ge­nug gereizt, da sie durch längere Zeit einen Abbruch ihres Soldes leiden unH ein undankbares Feld bebauen müssen, Hessen Früchte nicht sie ernten dürfen." Unmuthig warf sich der bestürzte Legat in seinen Feld­stuhl. „„Man zerstreue sie durch Waffenübungen, durch Spiel und dergleichen"" sagte er endlich ziemlich verlegen; „man gebe ihnen, was ihnen gebührt," entgegneten die Führer, „sonst stehen wir nicht gut für die Folgen." — D^r Eingang des Zeltes öffnete sich, un-d eine Gestalt mit hohlen Augen, bleichen Angesichts, von dessen Kinn ein langer Silberbart hinunter wallte, in einem mit Purpur gestreiften faltenvollen Kleide'^), und mit dem krummgebo­genen Stabe'^) in der Hand, trat ernsten Schrittes her­ein, zog den Vorhang eines Fensters auf und wies schwei­gend auf das in Süden aufsteigende Gewitter, deutete noch ein Mal bedeutungsvoll auf dasselbe, und schritt dann majestätisch und langsam hinaus. (Fvlsetzung 5>iZt.) Die Flucht vor de« Wölfen. *) „Es war in Polen" begann ein junger, deutscher Rei­sender seine Erzählung. „Kaum war die Hälfte der Zeit verstrichen, welche unsere Eltern uns zu einem Besuche auf dem Schloße der Frau von V""'bewilligt hatten, als wir °)Aus dem sehr geschützten, um T. Ebersbeig religirten: »Oester­>,' eich» sch e n Zuschoue i-« die traurige Nachricht erhielten, daß unser Vater plötzlich sehr krank geworden sey. Die Klagen dieser Dame, uns so bald zu verlieren, und die Betrübnis, meiner Schwester Anna, welche von jener schon als die Braut ihres Sohnes, mei­nes besten Freundes, betrachtet wurde, konnten uns nicht zurückhallen, vielmehr entschlossen wir uns, auf der Stelle abzureisen und auch die ganze Nacht hindurch zu fahren, da es aufgehört hatte zu schneien und der Mond schien; auch hatten wir in 'dem alten Jäger meines Vaters einen zuverlässigen Kutscher. I n unsere Pelze gehüllt und mit Mundvorrath ver­sehen, stiegen wir in unseren Schlitten, worin Leo, (so hieß der Sohn der Frau von V"" ) so gern einen Platz mit eingenommen hätte, wenn er nicht von der mütterli­chen Liebe zurückgehalten worden wäre. Vor Einbruch der Nacht erreichten wir einen großen Wald, welcher uns von dem väterlichen Hause trennte, und der sich nach Litthauen hin erstreckt, wo er sich mit den ungeheueren Wäldern dieses Landes vereinigt. Der Weg, den wir verfolgten, war so breit, daß das Mond­licht durch die Bäume dringen konnte und unsere Bahn erhellte; aber die Menge Schnee- und Eishügel machten die Fahrt so beschwerlich, daß unsere Pferde sehr ermüdet wur­den und wir nicht so schnell vorwärt? konnten, als wir gewünscht hätten. Es herrschte ein tiefes Stillschweigen um uns her, das nur durch den Trab der Pferde und durch das Schnarchen der Kammerjungfer unterbochen wurde. Meine Gedanken waren bei meinem kranken Va­ter, denn ich konnte mir nicht verhehlen, daß er bei sei­nem hohem Alter in großer Gefahr seyn könne, ja, daß sie wirklich vorhanden seyn müsse, weil er uns sonst vor der zur Rückkehr bestimmten Zeit nicht würde haben abholen lassen. Anna fühlte sich ihrerseits nicht aufgelegt, das Stillschweigen zu brechen. Ih r Inneres war zwischen zwei Empfindungen getheilt, denn wir näherten uns immer mehr dem Gegenstande ihrer kindlichen Liebe, während wir uns mehr und mehr von dem trennten, zu welchem sie ein zärtlicheres Gefühl hinzog. Es war bereits Mitternacht herbeigekommen, und nichts Ungewöhnliches hatte unsere Reise unterbrochen, als plötz­ lich unsere Pferde eine ungewohnte Unruhe zeigten; sie holten tief Athem und singen an, viel rascher zu laufen, ohne auf das Zureden und die Peitsche des Kutschers zu hören. Es waren Pferde, die wir schon seit mehreren Jahren besaßen, und die nur durch etwas Außergewöhnli­ ches aus ihrem gewohnten Gleise gebracht werden konnten; sie schienen ängstlich, dreheten den Kopf oft um, und es war, als ob sie durch eine unsichtbare Macht zur Verdoppe­ lung ihrer Schnelligkeit angetrieben würden. Bald wur­ den ihre Schritte noch schneller, und Rosko, so hieß un­ ser Kutscher, sah sich genöthigt, ihnen einige Lehren zu geben, worauf sie zwar gehorchten, aber mit dem größten Widerwillen. Anna war zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als daß sie den Pferden nur die geringste Aufmerksamkeit schenkte, aber ich, der ihre Gewohnheiten kannte, ich fühlte mich 3V3 sonderbar aufgeregt und dachte, es müsse sich etwas ganz Besonderes zutragen. Da schien der alte Rosko plötzlich auf einen eigenen Gedanken zu kommen; er sah sich oft' fast bei jedem Schritte, um, spannte mit der größten Auf­merksamkeit das Ohr und ließ mit einem Male die Zügel »ach, so daß die Pferde nun ihrem Instinkt folgten und sich sogleich in Galop setzten. Da ich auf dem Rücksitz saß, drehete ich mich um, und mein Mund war dicht an dem Ohr des Kutschers. „Was hast du, Rosko?" fragte ich diesen so leise, daß Anna es nicht hören konnte, »du scheinst ängstlich und theilst die Unruhe der Pferde — eine Unruhe, die mir ganz unerklärlich ist." Der Alte besann sich einen Augenblick, dann antwortete er mir eben so leise: „Ich fürchte, die Wölfe sind uns auf der Spur; die Kalte hat sie aus den Wäldern getrieben, der Hunger führt sie uns zu, und wir sind verloren, wenn die Schnelligkeit der Pferde uns nicht rettet." Ich bin ein Mann, der den Tod unter schrecklichen Gestalten gesehen hat, aber weder der Lärm der Schlach­ten, noch die mörderischen Batterien haben mir einen sol­chen Schrecken eingeflößt, als diese Worte. Mein erster Gedanke war — Anna ; ich sah schon ihre schönen, zarten Glieder von den wüihenden Thieren zerrissen. Man hat oft erzählt, mit welcher Schnelligkeit und Ausdauer die Wölfe ihre Beute verfolgen. Wenn unsere Pferde nicht unterlagen, so wurden wir gerettet; aber es war mir.im Geiste schon gewiß, daß ihre Kräfte durch die Beharrlich­ keit der Wölfe erschöpft, und wir ihre Opfer werden wür­ den. Ich hatte einen Hirschfänger, eine Flinte und zwei Pistolen bei mir, aber mein Vorrath an Pulver und Blei war sehr gering und reichte kaum aus, um einige unserer Verfolger zu erlegen, welche gewöhnlich in Haufen von Hunderten ihre nächtlichen Angriffe unternehmen. Während dem trieb der alte Rosko die Pferde un­ aufhörlich zur Eile; er hatte dieses indessen nicht einmal nöthig, denn der natürliche Instinkt dieser armen Thicre ließ sie die Gefahr besser erkennen, als wir dies vermocht ten. Ich war beständig beschäftigt, himer uns in die Ferne zu sehen, und suchte durch die Stille der Nacht das ge­ ringste Geräusch zu entdecken, welches uns die schreckliche Gewißheit unsers Schicksals geben mußte. Rosko hatte ein schärferes Gesicht und ein feineres Gehör als ich, und plötzlich rief er mir zu: „Sie kommen! sie kommen! Hören Sie nicht ihr Geheul und ihr Schnauben? Der schwarze Klump dort, der sich da unten fortbewegt, ist ein Haufe von wenigstens hundert." I n diesem Augenblicke erkannte ich, was das scharfe Gesicht Rosko's zuerst entdeckt hatte. Eine ungeheuere und dichte Masse bewegte sich auf eine schauerliche Weise fort und näherte sich immer mehr und mehr; sie schien über die Schneefläche hinzufliegen, man konnte ihrem Laufe mir den Augen kaum folgen, und indessen kam sie so nahe, daß sie drohete, unsere Pferde, deren Kräfte bedeutend nachließen, zu erreichen und zu überholen. Wilde, schreck­liche Töne durchdrangen die Luft; ausgestossen aus der Tiefe der Brust, glichen sie bald einem Grunzen, bald dem dumpfen, schmerzlichen Wehklagen eines in Gefahr schwe­benden Menschen, der die lauten Klagen mit Gewalt un­terdrücken will. Anna wußte bis jetzt noch nichts von Furcht; Alles, was sich seither zugetragen, war nicht im Stande, sie aus ihren Träumen von den nahen Ereignissen im väterlichen Hause, und von den fernen, in welchen vorzüglich das Bild ihres heißgeliebten Leo vor ihre Seele trat, zu we­cken. Länger konnte ich sie aber in dieser glücklichen Un­bekanntschaft mit der uns drohenden Gefahr nicht lassen; denn schon unterschied ich die einzelnen Gruppen dieser wüthenden Thiere, schon eilten mehrere der großen Masse voran, schon näherten sie sich auf Schußweite unserem Schlitten. Ich erhob meine Flinte und legte auf das erste der Ungeheuer an. „Bücke dich!" rief ich aus, und Anna erwachte wie aus einem liefen Schlafe. Sie blickte mich an, als wollce sie mich fragen, aber sie las auch sogleich in meinen Mie­nen, daß jetzt nicht der Augenblick zu Auseinandersetzungen sey, und bückce instinktmäßig den Kopf und die Brust. Der Schuß traf den ersten und größten der Wölfe in den Kopf, er stürzte zusammen. Von dem Lärm war die Kammcrjungfer aufgewacht., sie erhob ein gewaltiges Geschrei, weil sie glaubte, wir wä­ren von Räubern angefallen. „Es sind nur Wölfe", rief der alte Rosko mit einer fürchterlichen Kaltblütigkeit aus, „sie zerreißen, wen sie in ihre Klauen kriegen. — Von einem Feinde haben wir uns befreit, aber hundert andere bleiben uns zur Seite, bis sie uns . . . ." Hier hielt er inne, und wollte uns nicht wei­ter mit der schrecklichen Lage bekannt machen, worin wir uns befanden. (Fortsetzung folgt.) E h nr!«ion" hat sich Mi ß Anna Willins , die Tochter eines englischen Banquiers und Er­bin mehrerer Millionen, am 12. December des verflossenen Jahres in den Krater des Vesuvs gestürzt. Der Grund ihres Unglücks soll die Liebe zu einem jungen, hübschen, neunzehnjährigen Lazzaroni gewesen seyn. Als am 23. Dezember v. I . der Eisenbahntrain von Birmingham in London ankam, fand man unten in der Oeffnung des Ofens der Dampfmaschine einen mit Haut 3N4 Schimpfworte vom Parterre aus gegen sie auszustossen. m,d Maaren gebratenen Hasen, der wahrscheinlich am Wege Das Publikum verwies ihn zur Ordnung und der Unglück, aufgescheucht? sich dieses gefährliche Asyl erwählt hatte. licl'e Ehemann erzählte nun öffentlich seine Leidensgeschichte. c?m Marseiller Theater erkannte vor einigen Tagen Endlich brachte man ihn doch dahin, dasi er sich dazu ver­ .m ckuscbauer in einer beliebten, jungen Schau,P,elenn, stand, den Gerichten seine Sache zu übergeben und die d!e eme Prinzessin gab, seine ihm emlaufene Frau, und Vorstellung weiter mitten in konnte sich nicht enc )alten, Neferat über Grätz.*) «Brief des «lätzer Rcdactcurs an eine Fr«» auf dem Land.) Anmerkung: Verfasser leat die kühne Bitte ein i Der «eser möge »ictii >o graiüam seyn. Und dics Gcdl>I>t so leichtwcg überspringen. Wie er es macht bei andern l,)r',chen fingen. Aiebe Freundin, weißt du was, Daß ich „ich! auf Dich vergaß, Daß ich Dir schon lang geschrieben, War' mir nur ein Augenblick I n der ganzen Zeit geblieben; — Doch Du kennst ja mein Geschick, Kennst die Sorgen, kennst die Plagen, Die an meinen, Leben nagen: Federn schneiden, Tinten rühren, Schreibe», dichten, rccensiren, Taglich zwanzig Vliese lesen, Wissen, was schon da gewesen, Und dann denken Tag und Nacht, Was den» wohl Vergnügen macht, Ob Gedichte, ob Novellen, Ob ich soll üharadcn wählen, Oder, ob's wohl Wahrheit ist, Daß man gern Miscellen liest? — Ja, — da smd gar viele Sachen, Die mir oftmals Acngsten machen; Und dann hat man keine Ruh, Seyt man sich zum Tisch hinzu, Will man sich die Pfeife stopfen. Und man glaubt für sich zu seyn, Hort man draußen wieder klopfen, Und es kommt ein Mann herein: »Zu Befehl?-— »»Mein Herr verzeihen, »»Ich bin der, aus da —und da, — »»Ein Gcdichtchen möcht' ich weihen »»Ihrem Blatte, — geht es? —ja?"< »Vitte nur, es mir zu geben," — Und kau,» Hab' ich dem gethan. Was ein Dichter hier im Leben Einem Freund versprechen kann. Sich, da klopft's schon wieder an: »Nur herein!" — »»Herr Redacteur, »«Ich bin Künstler, bitte sehr, »»Es ist wohl nicht schon gewesen, »„Was ich gestern mußte lesen, »»Wie Sie mich für mein Bemüh',! »'Grausam stets herunlerzieh'n; »»Wollen Sic nur allen Glauben »»An die schone Hoffnung rauben, »»Einstens in den ersten Reih'n »»Großer Künstler groß zu sc,),, ?«« Und es köpft zum dritten Male, Und ein Brief wird mir gebracht, Voll von Rache, voll von Galle, Daß ich nicht daran gedacht, Wie es lange hängen bleibt, Was man flüchtig niederschreibt. der Scene derbe Und dann darf ich nicht vergessen, Schlafen mnß ich - trinken, esse», Ja —dies Alles denke Dir , Aber dann verzeihe mir. Vieles Hab' ich Di l zu sagen, Denn es hat unendlich viel Sich bei uns jetzt zugetragen, Was ich Dir berichten will. Daß die Grätzel lustig leben, Das war längst schon weltbekannt; Daß sie täglich hoher streben. Und ein schönes Beispiel geben. Wie die Denkkraft, der Verstand Aufwärts gch'n in jeden, Land, Wenn nicht Muth und Eifer fehlen, Das will ich Dir jetzt erzählen: Kunstler, die aus Grätz wir senden, Werden stets mit off'uen Händen, Ucbcrall, wohin sie kommen, Freuudlsch, glänzend aufgenommen; Und weil wir nicht prahlen wollen, Mag ich nicht mehr wiederholen, Welche Fahl ans unser'», Land Sich schon Lorbcrkräuze wand; 'Einen noch zu den Ncweisen, Daß dies alles Wahrheit ist. Gab erst jüngst auf seinen Reisen S ch m olzer, unser Flöten - Liszt. Dichter gibt's hier aller Orten, Jung und alt und groß und klein, Fräuleins auch mituntel d'ltin, Und es ist zun, Ton geworden, Hier ein Philosoph zu seyn. Dies beweisen die Debatten Ucbcl Künstler und die Kunst, Ucbcl Mädchen, Müttel, Gatten, Hochzeit, Bälle, Glück und Gunst. Dichter will ich auch ei» Paar Brave, voll Talent Dir nennen: Bus »er, Gloder, Nehovar — Nu», die wirst Du wohl schon kennen, Ja, — es gab' noch gute mehr. Doch sie schweigen zum »niilieur, Und die gar zn kleinen Sache» Können leinen Namen »lachen. Uns'lel Philosophen Schcicil, Die verschweig' ich ganz,und gar, Muß vor ihnen mich bewahren, Denn sie konnten es erfahren. Nim auch von den schönen Sachen, Die hier viel Vergnügen „lachen. Von den, Luxus, von der Tracht Sc» die Kunde Dir gebracht. Damen haben Hntt' mit Spitzen, Die tau», auf den Scheitel sitzen, Schwarz und rolh und violet. Manche wahrlich hübsch und nett. nicht zu stören. Abeudmäntcl mit Kaputzen, Guipurehänbche» — gl°ße Stutzen, Ccisamoicos, — «oßhaal« Röcke, Busennadeln wie die Pflöcke, Kleider mit Franc! mir« Fichn, Aermel eng e,r !>m»l.i,'5. Und es wird jetzt Mode werde» , Daß die Dame» nicht, wie ch' — Wem, sie vo» de» Bällen hörten. Sieh, um Männer zu entzücken. Mi t galante». Putze schmücken, Nein, man geht in Ncgligee! — Doch ich glaub' in unser» Mauern Wird dies wohl nicht lange dauern. Uns're noblen Männer tragen Röcke ohne Knopf und Kragen, Aber weißt Du auch den Grund? — R e,» ,» a r k hat ihn vorgetragen , Gab ihn ans der Bühne kund, Doch ibn frei so her zu sagen, Freundin, darf ich wohl »ich! wagen U»d ich halte reinen Mund. Withalm s großes Prachtgebäude Gab hier vielen Stoff zu». Streite, De» der Name angefacht, Collosscum?! — Coliseum?! -Doch sch°» Manchcr hat gedacht: Meinethalben Lncifeum, Wenn es nur Vergnügen macht, lind dies muß der Neid ihn, lassen, Mag man auch das Neue hassen, Dieser Tempel doch verdient. Daß ihn, bald,die Palme grünt; De»» die Klänge, die da schallen Durch die weiten lichten Hallen, Und der juuge» Mämier Tchnor, Um der Schönheit Weihaltar, Und die tausend Huldigungen Aus den Herzen auf die Zunge» , Einen, Fahrbac h dargebracht. Wie zn», Kranz der Lust verschlungen, Wenn er Walzer spielt und macht: Freundin ja, ich muß gestehen. Hättest Du dies angesehen, Jetzt noch schlüge Dir die Vrnst, Dieser Siuuden sich bewußt, Doppelt schnell aus Herzenslust. Doch nur Eins war übertrieben, Und auch dies sen Dir geschrieben. Sich! - das war die ür.incl. Hnnunc? Uebcr Withalm s Pracht,alons, Und die Feste, die brillanten. Und die achtzig Musikantc», Die mo» wirklich ohne Spaß Schon in, zweiten Sacke las. Wenn der Blick im a'roden Lauf Sah zun, eiser»' Thor hinauf. (Beschluß folgt.) ') Um der allfälligen Beschuldigung eines Plocu ­ate, zu begegnen, erkläre» wir, daß nns d,e,es Referat vom Hrn. F, Ostfeller eigens auc, Grätz eingcseudet wurde. D,e Red. Laiback. Druck «ud Verlag von Joseph Vlasuik.