Vrikmmeratto«»- Preise: Für Laibach: Ganzjiihrig . . 8 fl. 40 kr. HalbjShrig . . 4 „ 20 „ Vterteljihrig . 2 „ 10 „ Monatlich. . . — * 70 „ Mit der Post Ganzjährig ..... IS fl. Halbjährig............... 6 . «irrteljlthrig . . , . . 3 „ Laibacher Für Anstellung in« Han« dterkelj. 26 k., «onatl. 9 kr. Einzelne Nummern 6 kr. TJ Lßgbldtt Anonyme Mittheilungen werden nicht berücksichtigt; Manuskripte nicht zurückgesendet. Redaktion: vahnhofgaffe Nr. 15. Expedition«- & Inserate»-Bureau: Kongreßplatz Nr. 2 (Buchhandlung von Jg. v. «lein-wahr & geb. Bamberg.) JusertimlSvreife: Für die einspaltige Prtttzrile i, 4 !r, bei wiederholter Einschaltung ä 3 kr. Anzeigen bis 5 geilen 20 kr. Bei größeren Inseraten m öfterer Einschaltung enlspi chender Rabatt. Für complieierten Satz best dere Bergütung. Nr. 186. Dienstag, 14. August 1877. Morgen: Maria Himmelfahrt. Donnerstag: RochuS B. 10. Jahrgang. Die nächste Nummer erscheint des h. Feiertages wegen am Donnerstag den 16. August. Friedensruft. In tintm unserer letzten Artikel sprachen wir offen und rückhaltslos aus, daß brr Deutsche, während der Slave für Rußland und der Magyar für die Türkei schwärmt, den Hasen des Frieden« zu erreichen wünscht. Cs ist ein Armuthzeugnis für die Zeitgenossen des neunzehnten Jahrhunderts, daß «HumanitätS"-Angelegenheiten, wie solche Rußlands Staatsmänner zu benennen belieben, mit Pulver und Blei, mit Kanonen, Bomben und anderen Mordinstrumenten neuester Erfindung ausgetragen a'?. v ist ein Schandfleck der neuen seit, daß man Todtschlag, Mord und Brand, Länder-raub und Nationalitätenhaß aus die Tagesordnung des neunzehnten Jahrhundert- setzt. Die echte, wahre Humanität, die echte, wahre Freiheit soll nicht mit mörderischen, sondern mit geistigen Waffen erkämpft werden. Sin Kampf für Humanität und Freiheit, den die Waffen Rußland« und der Türkei führen, wird weder den Prinzipien der Humanität «och jenen der Freiheit Nutzen und Vortheil bringen. Der D e u t s ch e kann den Gedanken gar nicht fassen, daß ein Kampf für Humanität und Freiheit zwischen Mächten und Völkern auSgetragen werden soll, die den Göttern der Roheit, Wildnis, Barbarei, Unkultur, Sklaverei und Leibeigenschaft dienen, die noch ">cht die Reife besitzen, ihr Auge zur Göttin« der Humanität und Freiheit zu erheben. Weder der Eisbär noch der Halbmond sind die geeigneten Ge- stirne am politischen Horizonte, die un« einen glücklichen, befriedigenden AuSgang dt« russisch-türkischen Krieges zu signalisieren vermögen. Den Sieg der Humanität und Freiheit erwarten wir aus anderen Regionen als aus jenen, wo die Knute blüht oder die seidene Schnur gedeiht. Ganz Europa sehnt sich nach dem Frieden, in erster Reihe Oesterreich-Ungarn. Der mörderische Krieg stört Oesterreich-Ungarn- Production und Export, stört Oesterreich-Ungarn- Handel, Industrie und Gewerbe, schwächt Oesterreich-Ungarns Finanz-und Sleuerkraft. Leider hatte das letzte Konzert der diplomatischen Künstler Europa'- höchst ungünstigen Erfolg, die vielen Köche versalzten die Suppe, anstatt Harmonie gab sich Disharmonie kund, die Diplomaten mußten vom Kampfplätze unverrichteter Sache abtreten, und doch wäre die Zustandebringung des Friedens so nothwendig gewesen, in erster Linie für Oesterreich-Ungarn, dessen Handel augenscheinlich und fühlbar zurückgeht. In der letzten Zeit treten neuerlich Friedensgerüchte in den Vordergrund und sogar die bisher siegreiche Türkei soll einem Friedens» abschlusse nicht abgeneigt sein. Ganz Europa bedarf de- Friedens. Orsterreich-Ungarn und mit ihm die übrigen beim Kriege nicht unmittelbar betheiligten Mächte werden sich im Interesse des Handels, der Industrie und Gewerbe, im Interesse de- Schutze-ihrer Reiche und Länder aufraffen müssen, den streitenden Theilen ei« „Halt" zuzurufen, werden gegen die Fortdauer diese- unmenschlichen, mBrde* rischen Kriege- Einsprache zu erheben und allen Ernste- Frieden zu gebieten haben. Die Menschen-schlächterei, das immerwährende Morden und Bren- nen, die unverantwortliche Vertilgung tausend» und abermals taufender von Menschen und Hütten, die Devastationen auf dem Gebiete der Population und ihres Besitzstandes müssen ein Ende nehmen. Oesterreich-Ungarn dürfte berufen werden, die Rolle des Friedensvermittlers zu übernehmen, es ist mit Rücksicht auf seine geographische, volkSwirthschaft» liche und finanzielle Lage berechtigt, das Wort für den Frieden zu ergreifen. Oesterreich-Ungarn hat bii Abschluß des Friedens eine wichtige, entscheidende Stimme abzugeben, denn kein anderer Staat in Europa ist von der orientalischen Frage näher berührt, als Oesterreich»Ungarn. Die Völker Oesterreichs, einige wenige exaltierte nationale Hitzköpfe und Demonstranten ausgenommen, ja die Völker von ganz Europa würden den glücklich operierenden Friedensvermittler und seine günstigen Resultate mit Jubel begrüßen; unter den Fittigen de» Frieden-würden der tief gesunkene Handel, die kranke In» dustrie und das lahme Gewerbe wieder zur alten gefunden Höhe auferstehen. Slaven und Magyaren dürften bis heute bereit» die Erfahrung geschöpft haben, daß die Hinausweisung des Divans aus Europa nicht gar so leichte Sache fei. Ist e» Rußland mit der ausgegebenen Parole „Humanität" Ernst, so wird es Frieden machen und sich damit begnügen müssen, daß in den Staaten des Sultan« und in allen Ländern, die seiner Oberherrlichkeit unterstehen, zugunsten der Christen zeitgemäße Reformen durchgeführt werden. ES ist genug unschuldig Blut verspritzt und unschuldig Gut verbrannt worden. Die europäischen, beim Kriege nicht unmittelbar betheiligten Mächte müssen sich bequemen, noch» IeuMon. Die Herrin von Kirby. Roman von 6b. Wagner. 1. Kapitel. Unverhoffte Srbansprüche. An der Nordküste von Irland, auf einer weit ”!» Meer sich erstreckenden Landzunge, lag das schloß Airby. Bon einer kleinen Anhöhe ragte das m8*tige ehrwürdige Gebäude über die es theiltotise ““'gebenden Bäume und schaute mit seinen stumpfen Thürmen stolz ins Land und übet da« Meer hin« ®.ue- Zur Zeit der Feudalherrschaft war dieser Platz iS* fQft unüberwindliche Veste gewesen, und noch jeW* beim Beginn unserer Erzählung, waren noch zahlreiche Spuren seine« früheren Verteidigung«-»“stunde« vorhanden. Breite, tiefe Wassergräben, Wje Wälle, »ach außen massive Mauern bildend durch welche lange Thorwege führten, umschlan« L? in großen Windungen da« Schloß mit seinen '•orten und Park«. .. Die Landzunge selbst — ober wir können wol sagen, dir Insel, da fie von dem Festlande durch einen zwar schmalen, aber tiefen Strom getrennt war — war nach der Landseite von hohen Erdwällen umgeben, während auf der Seefeite ein hohe« steiniges Ufer mit hervorspringenden kolossalen Felsblöcken einen natürlichen Schutz bildete gegen die anstürmenden Wogen sowol wie gegen etwaige feindselige Angriffe. Ueber den Strom führte eine starke Zugbrücke, welche noch immer, nach altherkömmlichem Brauch, von einem Wärter bewacht und bedient wurde, allerdings nur der Form wegen; obwol der alte Mann seinen Dienst mit einem Eifer versah, als lebte er in den Zeiten de- Mittelalters und als ob er in jedem Ankommenden einen Feind zu erblicken berechtigt wäre. Niemand konnte die Brücke passieren, ohne daß der alte Dollas sein hübsche- Häu-chen verlassen und dem Ankommenden seine Honneur« gemacht hätte. Diese- Häuschen ^lag anmuthig am Saume eine- wohlbestandenen Waldes, welcher sich von der einen Seite der Hauptstraße, die nach dem Schlöffe führte, bis zu dem entgegengesetzten User hin auS-dehnte, während auf der ändern Seite sich die fruchtbarsten Felder und Wirsen erstreckten, durch welche ein im besten Zustande befindlicher Fahrweg zu den zahlreichen Farmhäufern in einigen Biegungen sich hinzog. Die Insel wurde nach dem Schlosse benannt, deren jetzige Besitzerin die Lady Olla Kirby war, als letzter Sprosse einer alten, hochangesehenen Gra« sensomilie. Ihr Vater, welcher einige Monate vor dem Beginn unserer Erzählung gestorben war, hatte ausdrücklich den Wunsch ausgesprochen, daß seine Tochtrr nach feinem Tode auf ihrer Besitzung, die einem kleinen Fürstenthume gleichkam, verbleiben solle. Ihrem Vormunde, einem nachlässigen alten Manne, welcher auf feinen Gütern in England leb«, war dieses gerade recht, weil er dadurch mancher Mühe und Sorge enthoben wurde und feinet Pflicht vollkommen zu genügen glaubte durch zeitweilige kurze Besuche auf Schloß Kirby. An tintm schöntn Septembertage, kurz vor Sonnenuntergang, näherte sich der Insel ein junget Mann zu Pstrdt. Er war fein, untadelhaft, nach der neuesten Mode gekleidet. Sein Haar war schwarz, ebenso wie sein wohlgepflegter parfümierter Bart; sein Gesicht konnte man hübsch nennen, aber in feinen dunklen Augen lag etwas, wa» bei genauer mal« die FriedenSflölen anzusetzm. Der „kranke Mann" widerstand bisher zum Erstaunen von ganz Europa der Macht der mörderischen feindlichen Waffe«. Vielleicht gelingt es, durch Friedensklänge das Ge-mülh deS Nachfolgers de« großen Profeten für den Frieden empfänglicher zu stimmen, als durch fortgesetzten Donner der Kanonen und durch todtbringen. des Waffengeklirre. Um jeden Preis mögen die europäischen Mächte verhüten, daß der heillose Krieg Heuer nur deshalb abgebrochen werde, um im nächsten Frühjahre nur noch leidenschaftlicher fortgesetzt zu werden. Vom Kriegsschauplätze. Die während der letzten drei Tage in Jassy durchpassierten 15,000 Russen sind bestimmt, dalinke Ufer der Donau von Olteniza bis Braila zu occupieren, und zwar als Ersatz der nach Bulgarien dirigierten Truppen, welche jene Gegend bisher besetzt hielten. Die „Post" meldet: Am 16. d. gehen die russischen Gardehußaren auf den Kriegsschauplatz, am 23. die Garde-Infanterie. DaS ganze Gardecorps könnte aber erst Ende September an der Donau vereinigt sein. Aus 9t u ft schul sind viele Flüchtlinge in Konstantinopel eingetroffen, welche durch das Bombardement großen Schaden erlitten haben. Es find österreichische Unterthanen darunter, und diese beschuldigen den österreichisch-ungarischen Konsul dortselbst des nicht hinreichenden Schutzes. Die Flüchtlinge bitten um Entschädigung. In den Approvisionskanzleien der russischen Unternehmer herrscht großer Geldmangel, da die contract« mäßigen Zahlungen der kaiserlichen Intendanz total ins Stocken geriethen. Die Lieferanten find dadurch außerstande gesetzt, ihren Verpflichtungen nachzukommen; ihre Rathlostgkeit grenzt an Verzweiflung, da sie, sollten die Dinge keine rasche Wendung zum Bessern nehmen, sich als ruinierte Leute betrachten. Da« der Colonne des Generals Tergu-kassoff gegenüberstehende türkische Corps ccn. centrierte sich und ergriff am 5. August die Offensive auf der ganzen Linie vom Tfchingil bis zum Karawanfarai-Uebergang. Scharen Bafchi-Bozuks und Kurden, von sechs Bataillonen unterstützt, die aus den Dörfern Jvra und Kundfchacha kamen, verdrängten die russischen Pikets, welche sich den ganzen Tag vertheidigten. Die Türken besetzten Ali-katschak und versuchten das Dorf Khalfalue zu nehmen, wurden aber durch Dragoner zurückgewiesen. Der russische Verlust beträgt 4 Offiziere tobt und 2 Offiziere und 13 Soldaten verwundet. Die Türken hinterließen 20 Leichen. Das türkische Corps con-centiiert sich gegen Anikotfchaff. Die Truppen Tergu- Betrachtung fast abstoßend wirkte, und um feine Lippen schwebte ein hämisches Lächeln. Auf einer Anhöhe angekommen, von welcher aus ihm das niedrige Gebüsch des Waldes einen Blick auf die Insel mit dem majestätischen Schloß und den anmuthigen Farmhäusern gestattete, hielt tr sein Pferd plötzlich an. „Steh, da bin ich bald am Ziele," murmelte er. „Einen herrlichen Anblick bietet dieses ehrwürdige, prachtvolle Gebäude!" und seine Augen leuchteten voll Lust und Begierde. „Ah! der Eigen» thümer dieser reichen Besitzung hat keine Ursache, einen König zu beneiden! Ein solcher Preis ist schon einige Anstrengungen werth, und dieses Preises wegen erkläre ich dir, meine liebe, unbekannte Lady Olla, den Krieg. Das wird ein Kampf werden auf Leben und Tod — ein Kampf, aus dem ich als Sieger hervorgehen muß, koste es, was es wolle!" Seine Augen leuchteten, sein Gesicht glühte, sein Oberkörper war nach vorne gebeugt, wie im Begriff, sich auf einen Gegner zu stürzen, der ihn an der Erreichung seine» vorgestreckten Zieles hindern wollte. fafsoffü, welchen eine Colonne von den Hauptkräflen zugesendet wurde, concentrieren sich gegen Jgdyr. Den neuesten Nachrichten zufolge verließ Derwisch Pascha mit vier Bataillonen Zichidsue und ging auf Schiffen gegen Norden ab. Ismail Pascha steht auf russischem Gebiete bei Zayagla, sechs Meilen von der Grenze. General Ter gukas so ff zog sich nach Rutzuk-Agdir zurück, wobei er zwei Dörfer in Brand fteckie. Bei dem letzten Scharmützel bei Dj-Ukedik erbeuteten türkische Irreguläre 2000 Schafe und 140 Pferde nebst einer Anzahl von Lagergeräihschasten.______________ Politische Rundschau. Laibach, 14. August. Inland. Der „P. Lloyd" kann nicht umhin, die Rüstungen Serbien» und die in Aussicht stehende Cooperation Serbiens mit Rußland zu glossieren. DaS genannte Pester Journal sagt: „Ein Reich, das die Friedensstärke seines HeereS auf 760,000 Mann beziffert und sich rühmte, mehr als anderthalb Millionen Mann ins Feld stellen zu können, sollte seine „geschichtliche Mission" im Orient auch ohne die freiwilligen oder bezahlten Condoltieri-Dienste der armseligen Vasallenstaaten der Türkei zu erfüllen vermögen." Im ersten Semester des Jahres 1877 sind an direkten Steuern 40.730,000 fl. eingegangen. In der gleichen Periode des Jahres 1876 betrugen diese Einnahmen 40.170,000 fl. Der Erfolg im Jahre 1877 ist daher um 560,000 fl. günstiger als jener im Jahre 1876. Die indirekten Abgaben lieferten in der bezeichneten Periode des laufenden Jahres ein Reinerträgnis von 75.590,000 fl. In dem gleichen Zeiträume des Jahres 1876 waren bei diesen Ein* nahmSzweigen eingegangen 76.573,000 fl. Es ist daher hier der Erfolg im Jahre 1877 um 983,000 fl. ungünstiger als jener im Jahre 1876. Bei beiden Steuergattungen zusammengenommen sind im Jahre 1877 um 423,000 fl. weniger eingegangen als im Jahre 1876. Ja Galizien tagt thatsächlich ein polnischer Landtag, in der Landeshauptstadt gibt sich eine auffallende politische Gährung kund, es werden noch immer Verhaftungen vorgenommen. Das General-Kommando hat den Militärkapellen den Vortrag polnischer Nationallieder an öffentlichen Belustigungsorten verboten. In Agram fand gestern eine Versammlung der Vertreter zahlreicher Grenzgemeinden statt, um in Angelegenheit der Grenzbahnen Beschlüsse zu fassen. Ausland. Fürst Bismarck beabsichtigt, noch diesen Sommer ein englische» Seebad zu besuchen. Gewiß ist nur, daß er nach der Rückkehr au» Kis-singen mit politischen Persönlichkeiten davon sprach. Er war gerade im Begriff, feinen Weg fort« zusetzen, als er hinter sich lautes Hundegebell vernahm, welches plötzlich die feierliche Abendstille unter-brach. Mit jedem Augenblicke kam das Gebell näher, und alsbald mischte sich in dasselbe auch der Klang von Pferdetritten. Der junge Mann wandte sich um, doch sah er nichts, da eine Biegung der Waldstraße die Dahersprengenden seinen Blicken noch entzog. Thalaus Vorsicht, theil» ans Neugierde lenkte der Reiter fein Pferd in das Gebüsch und wartete. Kaum war er in Sicherheit, als er eine Dame, gefolgt von einer Anzahl Hunde, sonst aber ohne Begleitung, im vollen Galopp um die Biegung dahersprengen sah. Hastig bog er einige Zweige zurück und lehnte sich weit über den Sattel vorwärts, um die kühne Reiterin näher zu beobachten. Der schnelle Ritt jedoch gestattete die« nur in geringem Maße. Die Dame flog an ihm vorüber, und er halte nur so viel gesehen, daß sie ein hübsche« Gesicht hatte, strahlend voll Jugend und Lebenslust, voll Geist und Unerschrockenheit. (Fortsetzung folgt.) Nach einer Pariser Depesche de« «Berliner tagsblatt" verzichtete Rußland definitiv auf jede Cooperation Serbien«. Die Gutsbesitzer in Russisch - Polen wurden strenge beauftragt, von ihrem Getreidevorrathe mindestens den vierten Theil zu Kriegszwecken zurück-zubrhalten und denselben aus behördliche» Verlangen gegen Bons abzuliefrrn. Zu diesem Zwecke werde» jetzt die Vorräthe behördlich ausgenommen. In fämmtlichen westlichen Gouvernements von Anatolien findet eine neue TruppenauS-hebung statt, und erwartet man von derselben ein Ergebnis von 60,000 Mann, die dann ein Lager beziehen werden. Die Regierung hofft, diese neuen Truppen schon mit Beginn des neuen Iahtet im Felde verwenden zu können. In diplomatischen Kreisen London» hofft man, der russisch -1ürkische Krieg ein lokalisierter bleiben werde. Die englischen Parlamentsreden zeigen deutlich, daß das Kabinett von St. James entschlossen sei, den Verlauf der Dinge ruhig abzuwarten und nur dann einzugreifen, wenn ein englisches Jntereffe wirklich bedroht fein sollte; da e» aber nicht wahrscheinlich sei, daß Rußland selbst im Falle eine» ausgiebigen Waffenerfolges etwas unternehmen könnte, was ihm neue Feindseligkeiten auf den Hals zöge, o könne man immerhin dem Glauben Raum geben, daß der Krieg ohne weitere ernste Zwischenfälle, mindestens ohne Beteiligung irgend einer neutralen Macht vor sich gegen werde. Die Regierung von Indien hat beschlossen, die gesummte indische Küste durch Torpedo» zu chützen. Die Regierung habe sich an da« Krieg»-ministerium gewendet, um Offiziere und Leute zu ienern Zwecke zu erlangen. ES sei der Geniehanpt-mann G. Collings bereits nach Indien abgesendet worden. In Athen herrscht ungeheure Aufregung. Die Mobilisierung ist bevorstehend, und man hofft bis Ende September eine Truppenmacht von 25,000 Mann kriegsbereit zu machen. Griechische Offiziere haben in Steyr in Oesterreich Snydergewehre eingekauft, das Stück zu 30 Gulden. 16,000 Stück sind bereits auf dem Wege. Auch in Frankreich werden Gewehre eingekauft. Das englische Transportschiff „EuphrateS" und der „Crocodile" sind in Malta angtkomme». Beide zusammen hatten 3029 Mann Infanterie an Bord. Ferner sind in Portsmouth zur Einschiffung bereit: mehrere Regimenter Infanterie, ein Hußaren-regiment, ein Uhtanenreglment und eine Brigade Artillerie, sodann Genie- und Marinetruppen, in allem 21,000 Mann. Schon seit vielen Monaten sind in Indien 40,000 Mann englischer eingebomer Truppen zur Einschiffung bereit. Die» bestätige» auch die „Time« of Indio" in einem Berichte au« Simla vom 22. Juni. Die drei großen Transportschiffe „Serapi»", „Malabar" und „Jumna" gingen am 5., 8. und 11. d. M. von PortSmoulh mit Truppen ab. Zur Tagesgeschichte. — Konferenz. Im Verlaufe dieser Woche findet in Wien eine Konferenz der österreichischen Eisenbahn-Verwaltungen statt. Außer einigen internen BabN' angelegenheiten werden noch folgende Gegenstände zur Verhandlung gelangen: a) Erlaß deS Handelsministeriums, betreffend Tarisbegünstigungen für von dem Eomite zur Unterstützung verwundeter und kranker russischer Krieger in Darmstadt ausgehende Transporte nach dem KriegSfch»U' platze; b) Erlaß des Handelsministeriums, betreffend Fahr' Preisermäßigung für arme Irrsinnige bei deren Ueberfüh' rung aus den öffentlichen Spitälern anderer Provinzen unv Länder in das heimatliche »ranken- oder Jrrenh»»-, c) Beantwortung deS HandelSministerial-Erlasses, betreffe" das Verbleiben der wehrpflichtigen Eisenbahnbediensteten Heeresverbande nach erfüllter Wehrpflicht. — Tonserven-Fabrik. Im gemeinsamen Krieg j Ministerium beabsichtigt man in Pest eine Lonferven-Fabr für HeereSverpflegSzwecke zu errichten. Die KriegSverw» lung ist diesbezüglich bereits mit Pester «roßindnstrie»en in Unterhandlung getreten. Es handelt sich hauptsächlich noch um Die Wahl einer zweckentsprechenden, für die militärischen Verhältniffe nach jeder Richtung am besten sich bewährenden GottseiDen-ffiattimg. ES werden daher auch in dieser Beziehung seit längerer Zeit schon beim technischen und administrativen Militärcomiti eingehende versuche und Proben gemacht. — Expedition nach Lentralafrika. Herr Paulitschky, Oberlieutenant a. D., welcher die in nächster Zeit von England abgehende internationale Expedition nach Lentralaseika mitmacht, hat, wie die „Bohemia" erzählt, die Verpflichtung übernommen, an einem geeigneten Punkte im Innern deS Lontinenls eine Verkehrs- und Mijsionsstation iU errichten und zehn Jahre daselbst zu verweilen. Die Station wird sich etwa 400 Meilen von der Westküste, von dem Gebiete des unabhängigen Häuptlings Smith an ge-rechnet, befinden, und wird daS Terrain im Namen Seiner Majestät in Besitz genommen und die österreichische Fahne daselbst aufgehißt werden. Ein in Wiener Sportkreisen sehr bekannter Kavalier hat sich bereit erklärt, diese österreichische Station durch namhafte Geldspenden und Zusendung von ^uten zu unterstützen. '—Aus dem D a t i c a n. Am 17. d. M. werden die Kardinäle im Batican versammeln, um dem Papste %e Antworten auf die ihrer Erwägung unterbreiteten Fragen bezüglich der Haltung des päpstlichen Stuhles der ita» ^knischen Regierung gegenüber zu geben. Der Inhalt dieser Tragen ist folgender: Ist daS so weit adoptierte Verfahren dasjenige gewesen, welches am besten den Interessen der Kirche und des heiligen Stuhles entspricht, und wenn nicht, welche Neuerungen würden weise sein? Man erwartet, daß dieser Gegenstand Anlaß zu einer ernstlichen Erörterung geben wird, da es heißt, einige Kardinäle seien der Meinung, daß ein besseret Plan hätte befolgt werden können. — Coloradokäfer. Das Pariser „Journal Osficiel" veröffentlicht ein Dekret, durch welches infolge des constatie» ten Auftretens dcs Coloradokäfers in Deutschland die Ein* und iiutdifuht von Kartoffeln aus Deutschland verboten Säcke ** °u» auf Erdäpfelblätter, von flw « Cre ®e9enf>änbe, welche zur Verpackung von Kartoffeln verwendet wurden. Mal- und Provinzial-Angelegenheiten. — (Eine vereitelte <£ 11 a l n i c a f e i e r.) In dem bekannten Wiischerinnendorse Bisavik nächst Laibach, fltgtniibtr von Kaltenbrunn, wurde vor etlichen Jahren durch einen gewesenen Meßner eine titalnica gegründet, die sich iet besondern Protection der nationalen Führer erfreut. Wan sollte zwar meinen, e§ wäre besser gewesen, in einem , otfe, wo fast niemand des Lesens und Schreibens kundig 'ft< titte Schule statt einer Citalmca zu errichten. Jedoch "ach nationaler Ansicht ersetzen die in der Eitalnica zur ?“ff%ung kommenden Spektakel, welche darauf berechnet *?6' dar bithörte Landvolk in einen Größenwahn zu wiegen, schlich allen Schulunterricht. Bei solchen Anlässen pflegt %»r der Vater der Nation nach Visavik zu pilgern, um *n in der Cüalnica versammelten Wäschern und Wäscher-. .etl in einer salbungsvollen Predigt die Ueberzeugnng '^bringen, daß sie die eigentlichen Träger der slavischen Krain sind, und daß die ganze Welt mit Span > 8 aus das, was in Visavik vorgehe, blicke. Bei diesen a[tl>cafefien dürfen auch die slovenischen Rothhemdler, die ** Rolle in Laibach ausgespielt haben, nicht fehlen, die . "'Listen gefallen sich in den Bauerndörfern, die sie durch-«tn mit dem bestellten Gejohle etlicher Bauernjungen psangen zu werden, nach beendeter Beseda wird von ihnen w jungen Wäscherinnenvolke der Hof gemacht, schließlich bi* .®ctanit und gezecht, ja die böse Fama behauptet, daß f Endlichen Heben von Bisavik, wo er noch kein mit on'» ausgestattetes WirthShaus gibt, ob Mangels iol* * 9e,*irt tca ®ein in Töpfen kredenzen, lieber jede ^Ualnicafeier bekommt das gläubige slovenische Publi-in den national-klerikalen Blättern spaltenlange, Der» •ntnelnbe Berichte zu lesen, man muß schier zur Ueber» “gütig gelangen, daß das arme Dorf Bisavik die Landes-«udT^at>t n'*1 6loS von dem Schmutze der Wäsche, sondern e * 6on dem viel ärgeren Makel der deutschthümelnden Ge* o ®Un8 Ichon längst rein gewaschen haben müßte. Am Der-eine e" ®onnta8 i°nte obermale in der dortigen iitalnica nationale Feier veranstaltet werden. Wahrscheinlich dachten die Arrangeure derselben, eS der Stadt Laas nachzumachen, wo aus Anlaß der 400jährigen Jubelseier d'e Herren Vosnjak und Zarnik nebenbei einen Tabor improDi-sieren und eine Resolution wegen Verjagnng der Türken aus Europa proDvcieren wollten. Auch Bisavik beabsichtigte unter Jntervenierung einiger Laibacher Führer beim Weine den Türken den GaranS zu matten. Nachmittags wurde mittelst Pöllerschüssen der ganzen Umgebung das große Ereignis verkündet, daß die Titalnica in Bisavik an der Spitze der Nation marschieren werde. Die übermüthigen ländlichen Kanoniere hatten ihre Pöller vor einer mit Stroh bedeckten Behausung ausgestellt, kaum waren die ersten Signale gegeben worden, so stand schon das ganze Strohdach in Hellen Flammen, und die ganze Ortschaft nebst der Litalnica war ln Gefahr, eingeäschert zu werden. Bestürzt rannte die Bevölkerung hin und her, die Feuerglocke ertönte, glücklicherweise wurde man ohne weiteren Unfall Meister des Feuers. Selbstverständlich unterblieb die Beseda in der Siialnico, der von Laibach bestellte Festredner, dessen feuersprühende Rede den Türken den Todesstoß versetzt hätte, sand es für angezeigt, das Weichbild von Bisavik gar nicht zu betreten, mit trübsinniger Miene und mit verhaltener SiegeSrede soll er sich wieder nach Laibach zurllckgeschlichen haben. Wir glauben, die Methode der Signalisierung von Titalnica-festen mit Pöllerschüssen als einen neuen Fortschritt in dem nationalen Eultus bezeichnen zu sollen Bor Jahren pflegte Ehreu-„Narod" Über diese bei Kirchweihfesten landesübliche Gepflogenheit der Geistlichkeit Strafpredigten zu halten, seitdem die Jungslovenen mit Sack und Pack in daS klerikale Lager gewandert sind, fühlen auch sie sich ganz glücklich, wenn bei irgend einem Humbug, den sie auf dem Lande veranstalten, die Pöller krachen, mag auch Hab und Gut ganzer Ortschaften dadurch bedroht werden. — (Für daS Festessen) in der hiesigen Volksküche wurden bis heute bereits 500 Marken auSgetheilt. — (Der hiesige Militärveteranen-Ver-c i n) wird das GeburtSfest des Kaisers und den Fahnen-weihe-Gedenktag am 19. d. in der Schreiner'schen Bierhalle feiern. Die städtische Musik besorgt die SoirSemusik. — (Aus den slovenischenBlättern.) „@to* venec" bespricht die Meetings und bemerkt, daß in erster Reihe die Magyaren den Anlaß zur Abhaltung von Tabors gegeben haben, namentlich Klapka, „Slovenec" sagt: „Diese State wollen uni Ins Unglück stürzen; fit mögen siq nach Asien znrückzithen, von woher sie kamen, dann wird sich Ungarn mit Slaven aus den türkischen Provinzen bevölkern. Der Gedanke zur Abhaltung von Tabors ist ein patriotischer (?), ein österreichischer (?); diese Idee zielt nicht nur auf die Verbesserung der Lage unserer Mitbrüder in der Türkei, sondern auch aus die Beseitigung jeder Gefahr für Oesterreich ab." (?) Auch „Slovenec" ist über die Siege der türkischen Massen ganz verblüfft, auch er entschuldigt die bisherigen Niederlagen der Russen mit der Uebermacht des türkischen Heere» und sagt im Einklänge mit Bruder „Na rot," daß die Türkei nur aus englische Rechnung und mit in türkische Uniformen gekleideten englischen Kommandanten kämpfe. — „Slovenec" bemerkt es übel, daß sich die liberalen Abgeordneten aus Krain „Stainer" nennen und erhebt folgenden Anwuts: „Wenn ihr Stainer seid, warum er. scheint dann euer „Tagblatt" nicht in krainischer Sprache? Warum werden eure Kinder in deutsche Schulen geschickt? Wenn ihr Ktainer seid, warum haltet ihr es mit den Türken? Eure Sache kann nicht siegen, da sie durch und durch morsch und ungerecht ist?" — Wir möchten die Leiter deS neuen JrrenhauSbaues ersuchen, für „Slovenec" rechtzeitig eine abgesonderte Zelle bereit zn halten. — (Ein Schadenfeuer) fand am 8. d. mittag« in BHmarje statt; drei WirthfchastSbesitzer erlitten einen Gesammtschaden von 3000 fl. — (BolkSschulzeugnisse.) Infolge einer An frage wurde entschieden, daß den Entlassung», beziehungs weise Abgangszeugnissen, welche »ach dem dritten Absätze und den Zeugnissen, welche nach dem neunten Absätze der Schul- und Unterrichtsordnung für die allgemeinen Volksschulen vom 20. August 1870 ausgestellt werden, die Ge-bürensteiheit genießen. — (AuS der „Lq^ibacher Schulzeitnng".) (Schluß.) An dritter Stelle wird die Präsentierung der „Geographischen Bilder aus Krain", von Titzenthaler, fortgesetzt. — An vierter Stelle folgt die übliche Rund schau aus die Schulgebiete in Niederöfterreich, Sieben bürgen, Deutschland und Frankreich. — Dieser schließen sich die Lokalnachrichten an, von welchen wir folgende citieten: 1.) Hinsichtlich der P r ü f u n g s t a x e n der Kandidaten für das Lehramt an Volks- und Bürgerschulen treten mit Beginn deS VerwaltnngsjahreS 1878 nachstehende Anordnungen in Kraft: „Wer, ohne eine Lehrer- oder Leh» rerinnen-Bildungsanstalt oder einen BildungSkurS für Er« beitSlehrerinnen ober Kindergärtnerinnen absolviert zu haben, der Reiseprüfung für Volksschulen oder der Befähigung». Prüfung als Arbeitslehrerin oder Kindergärtnerin sich zu unterziehen beabsichtigt, hat bei der Meldung zur Prüfung eine Taxe von fünf Gulden zu entrichten. Für die Vornahme der LehrbefähigungSprüfung haben Volk-schulkandi-daten eine Taxe von acht Gulden, Bürgerschulkandidaten eine Taxe von zehn Gulden zu entrichten. Für die Ablegung der Befähigungsprüfung zum Unterrichte in der französischen, italienischen und englischen Sprache an Bürgerschulen, Leb» rer-Bildungsanstalte« und Privatanstalten im Gebiete der Volksschulen, sowie für die Ergänzungsprüfungen und die Uebtrptttfunütn ist in jedem Falle eine Taxe von fünf Gulden zu entrichten. Die Einhebung der Taxen erfolgt durch die Direktoren, beziehungsweise die Prüfungskommissionen. Die Prüfungstaxen sind vor Beginn der Prüfung zu entrichten und werden in keinem Falle zurückerstattet." 2.) Am 16. d. findet in Gottschee die BezirkS-Lehter-konferenz statt. — 3.) Am 11. v. M. sand in Littai unter Vorsitz des BeznkSschulinspektor«Freiherrn v. Taufferer die Bezirks-Lehrerkonferenz statt, bei welcher praktische Stoffe behandelt wurden: Religiös-sittliche Erziehung der Kinder, Vorschrift-Schreibhefte, Unterricht in der Geographie und Geschichte. Schließlich wurde vom Lehret Sketbinec der Antrag gestellt: „Die Lehrerschaft de« Bezirke- Littai wolle durch die Vorgesetzten Schulbehörden dem hohen krainischen Landtage die Petition überreichen, daß man das Institut der Ortsschulräthe entweder gänzlich aufhebe oder da» Recht, die Lehret zu ernennen, einer Behörde übertrage, die imstande ist, die Würdigkeit der Bewerber um Lehrpvsten genau zu prüfen und unter ihnen eine richtige Wahl zu treffen." — 4) Am 9. d. M. fand in Gurkfeld die Bezirks-Lehrer» konferenz statt. — Den Lokalnachrichten folgen: Bücherschau, Revue über erledigte Lehrstellen in Krain u. a. Mitteilungen aus dem Schulgebiete.. — (Wünsche und Beschwerden.) Im Schneider« gaffet, inmitte der Stadt, befindet sich eine förmliche Wagenburg , d. H. die Passage in diesem Gäßchen ist durch Aufstellung von Wagen verschiedener Größe und Möbelstücken verbarricadiert. Die Passanten ersuchen um — freie Bahn. Möchten die in der Petersstraße beschäftigten Gassenkehrer nicht früher aufspritzen lassen, bevor sie an ihre Arbeit gehen? Am vorigen Samstag wurde in später Abendstunde so kräftig gekehrt, daß sämmttiche dort befindliche Wohnungen und Gefchästslokale sich mit Staub füllten. — (Schulfest.) Die vierklassige Volksschule zu St. Martin bei Littai feiert Donnerstag den 16. August nachmittags um 3 Uhr zu Grünhof ein Schulfest unter Mitwirkung der Sagorer Gewerks-Musikkapelle. — (Aus den Nachbarprovinzen.) Statthalter Freiherr von Kübeck bereist die Bezirke Cilli, Tüffer, Franz in der Steiermark und nimmt, wie die „Cillier Zeitung" berichtet, die allfälligen Wünsche und Beschwerden entgegen. — Bad Tüffer ist, wie die dortige Kurlifte meldet, von vielen Kurgästen aus Krain, beziehungsweise Laibach, besucht. — Das Obcrgimnasiuin in Marburg zählte im abgelaufenen Schuljahre 17 Lehrkräfte und 242 Schüler. Aus dem Schwurgerichtssaale. Laibach, 13. August. I. Heute vormittag» steht Josef Matinfchek au» Oberlaibach, 27 Jahre alt, verehelicht, Batet eine» Kinde», Fuhr» wesenS-Reservernann, belastet mit der Anklage wegen Verbrechens des Todtschlages vor den Schranken de» Schwur-getichtshoses. Den Vorsitz führt LSR. v. Zhubtr, es fungieren als Votanten LGR. Freiherr v. Rechbach und LG S. P e s s i a I, als Schriftführer GetichtSauscultant Andol-f ch e (, als Staatsanwalt OLGR. Persche und al» Bet-theidiger des Angeklagten Advokat Dr. Mosche. Sachverhalt: Am 22. Jänner I. I. um 11 Uhr nacht» stellte sich Mattin Sichert vor dem Hause seine» Schwager» Joses Marinschek aus, fing über seinen dort woh- nettden Bater zu schimpfen und zu fluchen an und schrie in das HauS hinein: sie mögen herauskommen, sonst komme rr hinein. Josef Marinschek folgte dem Rufe, das Hau;, thor war von außen mittelst eineZ StrickeS gesperrt, Ma> rinschek nahm deshalb den Weg durch den Stall, bewaffnete stch jedoch früher mit einer Erdhaue. Bor dem Hause an« gelangt, wurde Marinschek vom Sicher! mit einem Stein-würfe empfangen; Sicherl ergriff die Flucht, wurde jedoch vom Marinschek verfolgt und ungefähr 300 Schritte von dem Hause des Perentschitsch eingeholt.' Zwischen Sicherl und Marinschek entstand nun ein Handgemenge, beide fielen zu Boden, jedoch kam Marinschek unter Sicherl zu liegen, Marinschek bewältigte den Sicherl. Marinschek raffte fich auf, versetzte, angeblich mit einem Stocke, dem Sicherl einen heftigen Schlag auf den Kops und begab sich sofort nach Hause. Sicherl schleppte sich in die vom Tummelplätze bei 185 Schritte entfernt gelegene Schupfe deS Petritsch, hielt sich dort 618 zum ändern Morgen 7 Uhr auf und kehrte sodann in seine Wohnung zurück, daS Gesicht mit Blut bedeckt, legte sich zu Bette und starb am 28. Jänner l. I. um 10 Uhr abend« infolge der an der linken Kopfseite erlittenen schweren körperlichen Verletzung. Marinschek verantwortet sich heute dahin, daß er dem Sicherl nur einen Schlag gegeben haben will; dem arretierenden Gendarmen jedoch gestand Marinschek. daß er zwei Schläge gesührt habe, und der in der Nähe deS That-orteS dem Exceffe zuhorchende Schubführer Leskowiz will sogar drei auf einen harten «vrper gefallene Schläge gehört haben. Die Zeugin (Bettraube Tegel gibt an, sie habe wol von bem Wortstreite zwischen Marinschek und Sicherl, aber von einer Schlägerei nichts gehört. Sicherl war als ein streitsüchtiges, dem Trunke und Kartenspiele ergebenes Individuum allgemein bekannt; er soll zu wiederholten malen zu dem Hause des Marinschek gekommen sein, und seinem dort wohnenden Bater Vorwürfe darüber gemacht haben, daß letzterer das HauS seiner Tochter, der Gattin des Marinschek, übergeben hat. 68 sollte sofort die ProtokollarauSsage der Ehegattin des Marinschek vorgelesen werden, der Vertheidiger jedoch erhob gegen die Verlesung Protest und stellte die Anfrage, warum die Ehegattin des Marinschek zur heutigen Verhandlung nicht vorgeladen wurde? Auf die Antwort des Staatsanwalts, daß ihm die Vorladung der Marinschek nicht nothwendig erschien und er die Verlesung der Zeugenaussage der Marinschek für genügend halte, entgegnet der Vertheidiger des Än-gellagten, daß dieser Vorgang der allgemeinen Praxis und auch der Strasprozeßordnung zuwiderlause, er deshalb die Vertagung der Verhandlung, beziehungsweise die Vorladung der Zeugin zur Schlußverhandlnng verlange. Der Gerichtshof zog sich hierüber zur verathung zurück, und nach Schluß derselben gab derselbe dem Verlangen des BertheidigerS keine Folge, nahm aber auch Umgang von der Verlesung der Zeugenaussage des Eheweibes deS Angeklagten, womit sich der Vertheidiger zufriedenstellte. Das Leumundszeugnis über den Angeklagten lautet günstig, Marinschek wird als ein ordentlicher, arbeitsamer, bisher unbescholtener und noch niemals bestrafter Mann geschildert. Die einvernommenen Sachverständigen Dr. R a S p e t und BezirkSwundarzt Mader erklärten die dem Sicherl beigebrachten Verletzungen «18 absolut tödtlich, nur in Bezug aus die Zahl der applicierten Kopsschläge gaben sich verschiedene Ansichten kund. Der Gerichtshof formuliert folgende Frage: Ist der Angeklagte schuldig, in feindlicher Absicht mit einem Stile dem Sicherl am Kopfe mehrere Schläge beigebracht zu haben, wodurch Sicherl Verletzungen erlitt, die deffen Tod — ohne diesen beabsichtigt zu haben — zur Folge hatten? Der Vertheidiger ergreift daS Wort zur Stellung einer Eventualfrage: ob Marinschek diese That aus Nothwehr vollbracht habe? Der StaatSanwalt tritt diesem Antrage des Ver-theidigers entgegen und der Gerichtshof lehnt die Stellung der erwähnten Sventualfrage ab. Die Beschwornen bejahten die Schuldfrage einstimmig. Der BerichtShos füllte folgendes Urtheil: Joses Marinschek ist deS VerbreLen« de» Todtschlages schuldig und wird dieser- wegen zur AuSstehung einer zweijährigen, mit Fasten ver-schärften schweren «erkerstrafe und zur Leistung einer Ent-schädigung im Betrage von 300 fl. zuhanden der Kinder deS Martin Sicherl verurteilt. II. NachmittagSsitzung. (Derselbe Gerichtshof.) Die Staatsanwaltschaft vertritt StaatSanwalt-Substitnt G e r d e s ch i z und den Angeklagten der Advokat Dr. M n n d a. AndreaS P o d j e b, vulgo Kowatsch, 64 Jahre alt, verheiratet, Bater von 9 Rindern, Taglöhner in Stilben, Bezirk Ärainburg, hat sich über die wegen Verbrechens des DiebstahIS erhobene Anklage zu verantworten. Am 7. Mai I. I. kam btt Prodnltenhändler Mathias Kautschitsch aus Laibach in bas im Achtschin'schen Hause in Krainburg befinbliche Magazin utib zog dort seinen Rock aus; in der Brusttasche desselben befand sich in einem Büchel eine Barschaft von tiOO st., u. z. 12 Stück Noien ä 50 fl. ö. W. Kautschitsch legte den Gehrock aus einen Stuhl unb begab sich aus ben Abort, ohne bie MagazinSthür verschlossen zu haben. Kautschitsch bemerkte vom Aborte aus, baß ein Mann in bas Magazin trat unb bieses nach kurzem Aufenthalte verließ. Kautschitsch, vom Aborte in bas Magazin zurückgekehrt, nahm sofort ben Verlust ber bezeichneten Bar-schuft wahr unb erstattete beim Ärainburger Bürgermeister die Anzeige. Andreas Podjeb, der, wie bekannt, kein Vermögen besitzt, sich und feine Familie nur kümmerlich durchbringt und noch kurz vor diesem Diebstahle von einem seiner Bekannten 20 Kreuzer ausborgte, machte stch von diesem Tage an durch großen Aufwand bemerkbar, ließ sich in größere Holz-geschäfte ein, und überall sprach man von dem wunderbar eingetretenen Reichthume des Podjeb. Die gesängliche Einziehung des letzteren folgte auf dem Fuße. Podjeb will am 7. Mat l. I. im Hofe des Gast-Hauses „zur alten Post" in Krainburg einen Geldbetrag von 600 fl., in 12 Noten ä, 50 fl. bestehend, gefunden haben und lehnt den ihm zugemutheten Diebstahl in so komi» scher Weise ab, daß sowol auf der Beschwomenbank als auch im Zuhörerraume sich laute Heiterkeit äußert. Der Gerichtshof stellte zwei Fragen: 1.) ob der Angeklagte schuldig erkannt werde, den Betrag per 600 fl. gestohlen? oder 2.) ob der Angeklagte schuldig erkannt werde, diesen Betrag gefunden und sich denselben unberechtigt ungeeignet zu haben? Die Beschwornen bejahten die erste Frage einstimmig. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten An-dreas Podjeb wegen Verbrechens des Diebstahls in Berück-sichtignng des Umstandes, daß der dem Kautschitsch zugesügte Schade bis auf 163 fl. 80 kr. gut gemacht wurde und der Angeklagte früher unbescholten dastand, zu einer ^monatlichen schweren, mit Fasten verschärften Kerkerstrase. Witterung. Laibach, 14. August. Morgennebel, vormittags heiter, nachmittags dünn bewölkt, Sonnenschein, längs der Alpen Hausenwolken, schwacher W. Wärme: morgens 7 Uhr + 15'4°, nachmittags 2 Uhr + 27 3° C. (1876 + 22 8°; 1875 + 20 4» C.) Baro-Meter im Fallen, 735 24 nun. DaS gestrige TageSmittel der Wärme + 20.8°, um 12° über dem Normale; der gestrige Niederschlag 0 40 mm. Regen. Angekommene Fremde am 14. August. Hotkl Stadt Wien. Belohlebek, Hauplm.; Lindner, Ober-rechnungSrath; Fies*, Kfm., Wien. — Pidermann, Kfm.; Dr. Grad; Micola, Triest. — F. und E. Grad, Pilsen. — Hirsch, Schweinsurt. -- Malli, Handelsm., Nenmarttl. — Abergsöll, Lehrer, Gottschee. — Buier, LommiS, Sichten* roald. Hotel Elefant. Heller, Gutsbesitzerin; Groß, Lehrer; Stock-ner, Fabrikant, Wien. — PoljSak, Oekonom, Zapuje. — Raunicher, Geschästsm., St. Martin. — Engsler, Agent, Buda. — Kecel, GutSbes.; PreleSnik, Kfm., Stein. — Jnliani, Beamter, Wippach. — G. unb A. Germ, Weinhof. Hotel Europa. Lavetto, Hauptm.; v. Beck, Oberlt., Graz. — Pfaffeneder, Seitenstätten. — Schiller sammt Familie, St. Peter. — Velnsig, Flitsch. — Hofbauer, Aschbach. — Jnhauser, Wien. — Springer, Prag. — Poznik, Enrkfelb. Kaiser von Oesterreich. Paulin, Birkendorf. — Aljaniii, Feipriz. — Luato, Venedig. Mohre«. Abram, Triest. — vriner, Hrastnig. — Dolen», Bischoflack. — B. und M. Mayr, Agram. Verstorbene. Den 13. August. Kolomann Boor, Büchsenmacher-Werkführer, 26 I, Schellenburggasse Nr. 4, Selbstmord durch Erschießen. — Gertraud Waland, KaischlerSgattin, 48 I, Zivilspital. Eiterungsfieber. — Frau Karoline Götzel, pensionierte Lehrerswitwe, 74 I., Stadt. Ehröngaffe Nr. 3. Ohr-speicheldrüsen-Entzündung. Franziska Selan, HaibhüblerS-Kind, 7 Tage, Moorgrund Nr. 23, Eonvnlsionen.____________ Gedenktafel über die am 18. August 1877 stattfindendrn Lici-tationen. 3. Feilt»., Fojker'sche Real., Lack, BG. Lack. — 3te Feilt , Erlach'sche Real., Jauerbnrg, B«. Kronau. — 2te Feilb., Mandlin'sche Real , Treffen, BG. Treffen. — 2te Feilb.. Premrov'fche Real., St. Michael, BW. Senosets». — Reaff. 3. Feilb., Vidic'sche Real., Brdb. DRO. Tommenba, BG. Laibach. — 1. Feilb., Tschnk'sche Real., Schwarzenberg, BG. Jbrio. Bei meiner Domieik-Verümlerung fühle ich mich verpflichtet, für das mir vom geehrten P. T. Publikum geschenkte Vertrauen bestens ,u banken, unb ersuche, mir selbes fernerhin angebeihen zu lassen. Empfehle mich hochachtungsvollst (406, Ludwig Wallenko. Eine hatbe Theatttloge, zur Bühne sehr vortheilhast situiert, ist entweder für die ganze Saison oder daS ganze Jahr zu vergeben. Auskunft ertheilt bie Bnchhanblung von Kleinmayr & Bamberg.__________________________(395) 3—3 Herren-Wäfche, eigenes Erzeugnis, solibeste Arbeit, bester Stoff und zu möglichst billigem Preise empfiehlt C. J. Hamann, Hauptplatz Nr. 17. Auch wirb Wäsche genau nach Maß unb Wunsch an« gefertigt und nur bestpaffende Hemden verabfolgt. (341) 18 Eine Thcaterlöge im zweiten Range ist für die kommende Tdeatersaison oder für das ganze Jahr r» vergeben. — Näheres in Kleinmayr & Bambergs Buchhandlung._______________________ (397) 3—3 Die Loge lt. 55 im zweiten Stock (404) 3-2 ist für die Saison 1877/78 zur Hälfte zu vergeben. Nähere Auskunft ertheilt auS Gefälligkeit Herr Karl Karinger. Wiener Börse vom 13. Auaust. Staatsfonds. 6petj. {Rente, öft.Pa». bto. bto. öS. in 6itb. 8o|e von 1864 . . . , «oje non 1860, ganie Lose Don 1860, Fünft. Prämiensch. v. 1864 . Qrandeni.-Obl. Biebenbätg. Uniet» Aotten. flngle»8ent .... Devofilenbank . . . S«comvte.»nstalt , Franco » Banl . . , Banbctebont . . . , Rettonalbanl . . . Deft. Santgeftni. , Unten»8enl . . . LertehrSbanl. . . , «lfölb-Bahn . . , Rat! gubmigbabn , »eis. Ctif.-oaon , Hais. gt. Oofcfeb , etaatebabn . . . Eübbahn .......... #cib I War-1 Pfandbriefe. 68*80 68-80 «mg. oft. ®ob..iirebtt. 67 — 67 10 bto. in 38 3......... 107— 107-60 Station. 6. w........ 111*75 112 25 Ung. Bob.-Lrebitanfl. 119'— 120*— .... 183-75 134 *5 Prioritats-Obl. San, 3ofef«»Sa6n . eft. Norbweftbahn . eitbenbätget . . . . 74-80 EtaalSbadn.......... 78-50 Sübbahn » 5 Perz. bto. Bon« 73 80 75-- 76 826— 80-50 178— 119-- 690*— 821-- Lose. Kredit. Soft . . IRubotf«. Los« . •75 55 — 60 85-50 '— 116-60 — ,46 50 60168 60 186— ■—1*54-60 — 68 60 Weohe. (3Mou.) «uglbntg 100 Marl (Jtaulf. 100 Marl. . pembutg» , Sonbon 10 igfb.eteti. Part« 100 Franc« . . Münzen. Äai(. Münj-Ducalrn 20°Franc«8ü