Arheološki vestnik (Arh. vest.) 45, 1994, str. 145-163 145 Das Kastell Caelius Mons (Kellmiinz an der Iller) - eine tetrarchische Festungsbaumafinahme in der Provinz Raetien* Michael MACKENSEN Izvleček Povezava med napisom iz leta 281 n. š. iz Augsburga, v katerem je omenjen eesar Prob kot [restitutor pr]ovinciarum et operum [publicorum], ter izgradnjo novih vojaških utrdb v Reciji vzdolž reke Iller in na zgornji Donavi je do nedavnega izgledala verjetna. Izkopavanja med leti 1986 in 1991 na kastelu Caelius Mons (Kellmtinz na lllerju) so odkrila trdnjavo veliko 0.86 ha, v kateri je bil, po viru Notitia Dignitatum occ. XXXV.30, sedež kohorte III Herculea Pannoniorum. Raziskana so bila vrata v trdnjavo, vogalni in vmesni stolpi ter rekonstruiran tloris. Dva neobrabljena novca, kratek čas v obtoku, sta bila najdena pod tlakom iz malte, kar kaže, da najstarejše lesene stavbe (ki so starejše kot kamnita utrdba) ne morejo biti datirane prej kol v leto 297 (faza 1). Nedolgo za tem je bila zgrajena trdnjava s kamnitim obzidjem in dvojnim obrambnim jarkom na vzhodni strani (laza 2). Kmalu, okoli 300/303, so lesene stavbe v notranjosti pogorele. Castellum Caelius Mons in trdnjave v Gundremmingenu (Biirgle). Burghofu in Einingu v provinci Reciji so utrdbe iz časa tetrarhije, zgrajene v zadnjih let i h 3. st. Der sog. obergermanisch-raetische Limes' war ein groBtenteils iiber Land verlaufendes, differenziertes System von aufeinander abgestimmten militarischen Einrichtungen /ur Sicherung der eigentlichen linearen Reichsgrenze und /.ur Kontrolle der grenziiberschrei-tenden Verkehrswege. Unterschiedliche Ursachen und Ereignisse fiihrten nach den seit Jahrzehnten vvieder-kehrenden germanischen Einfallen in die Provinzen Raetia und Germania Superior um 259/260 n. Chr. oder in den friihen 60er Jahren des 3. Jahrhunderts zum Ende dieser mittelkaiserzeitlichen Wehranlagen.2 Vor allem die Situation entlang der ca. 180 km langen raetischen Grenze von Schirenhof bis Lining i st hier von Interesse (Abb. I). H. Schonberger rechnete -ebenso wie schon 1934 P. Reinecke - damit, dali die im Grenzgebiet unerlaBlichen militarischen Einrichtungen noch bis 259/260 bestanden.3 * Hrweiierte Fassung eines Vortrags, der im Rahmen des vom Archaologischen Institut der Slowenischcn Akademie der Wis-senschaften (Ljubljana) organisierten Kolloquiums zu spiitan-tiken Festungcn am 19.-20. 10. 1993 in Regensburg gehalten vvurde. Abstract Until recently a connection was regarded as probable between the inscription of A.D. 281 found at Augsburg, commemorating the emperor Probus as [restitulor prjovinciarum et operum [publicorum] and the construction of new military fortifications in Raetia along the river Iller and the upper Danube. From 1986 to 1991 excavations were carried out in the castellum Caelius Mons (Kellmtinz upon Iller), a fort of 0,86 ha in size, where according to the Notitia Dignitatum occ. XXXV.30 the cohors III Herculea Pannoniorum was garrisoned. The fort gateway as well as the projecting corner- and interval-towers were investigated and a ground-plan including the topographically adjusted north- and south-west corners reconstructed. The evidence of two unworn and little-circulated coins found under a mortar floor shows that the earliest wooden buildings (which are shown to be earlier than the stone fort) cannot be dated earlier than A.D. 297 (period 1). Not much later the fort with its stone wall and a double ditch in front of the east wall was constructed (period 2); fairly soon the interior wooden buildings burnt down around A.D. 300/303. Within the province of Raetia the castellum Caelius Mons and the forts at Gundremmingen (Burgle). Burghofe and Eining are Tetrarchic fortifications built during the last years of the 3rd century. Von groBer Bedeutung fur die wechselhafte Pro-vinzgeschichte um 260 n. Chr. ist das 1992 entdeckte, von L. Bakker jiingst vorgestellte Siegesdenkmal aus der Provinzhauptstadt Augusta Vindelicum/Augs-burg.4 Uberliefert wird darin erstmals eine Schlacht, in der vorwiegend Soldaten der Provinz Raetia (a mili-tibus prov(inciae) Raetiae), aber auch solche aus der Germania Superior (gcrmaniciani), unter dem Statt-halter M. Simplicinius Genialis am 24./25. April 260 einen Sieg iiber die Juthungen errangen; dabei befrei-ten sie auch mehrere tausend verschleppte Italiker.5 Schlaglichtartig beleuchtet werden die GroBenord-nung und vor allem die schwerwiegenden Folgen der bis weil nach Oberitalien hinein vorgetragenen germanischen Einfalle und Pliinderungsziige. Nachdriick-lich vor Augen fiihren lassen sicli dadurch aber ebenso deren katastrophale Auswirkungen auf das unmittel-bare Grenzgebiet und die gesanite Provinz. Im Friih-jahr 260 waren jedenfalls die milites provinciae Raetiae - also Auxiliareinheiten und wohl zumindest Teile der Regensburger legio III Italica - noch genii-gend schlagkraftig, um dem teils sicher berittenen juthungischen Verband eine schwere Niederlage bei-zubringen. Das faktische Ende des sog. raetischen Limes laBt sich auch trotz der neuen Augsburger Inschrift nicht genauer bestimmen. Als friihester Zeitpunkt fiir die von Schonberger favorisierte planmaBige Raumung der Kastelle6 - und der damals im norddanubischen Grenzgebiet uberhaupt noch funktionierenden, zivilen staatlichen Einrichtungen7 - kommt m. E. erst die Zeit nach dem Sieg iiber die Juthungen in Frage. Fiir den Abzug des Militars aus dem norddanubischen Grenzgebiet moglicherweise noch im Verlauf des Jahres 260 (oder vielleicht erst wenig spater) spricht vor allem das Abbrechen der Miinzreihen und das nahezu vollstandi-ge Fehlen von nach 260 bis Ende des 3. Jahrhunderts gepriigten Miinzen in den meisten Kastellorten - von wenigen Ausnahmen, insbesondere in WeiBenburg, abgesehen.8 Die Begleitumstande, die mit der Aufgabe des maximal 50 km tiefen, nordlich der Donau gelegenen Grenzgebiets (ca. 650 km2) verbunden waren (Abb. 1), sind unbekannt. Die Griinde dafiir durften aber wohl auf rdmischer Seite zu suchen sein: Moglicherweise waren nach den wiederholten Kampfen mit alaman-nisch-juthungischen Verbanden eine effektive Uber-wachung und Sicherung der bisherigen raetischen Grenze nicht mehr zu gewahrleisten. Zudem waren wohl umfangreichere InstandsetzungsmaBnahmen der militarischen Einrichtungen und der Infrastruktur erforderlich gewesen. Ebenso ist mit einer einschnei-denden Reduzierung der romischen Bevolkerung durch Flucht, Tod oder Verschleppung zu rechnen, die bisher im Grenzgebiet in Kastellvici, landlichen Siedlungen und Gutshofen gelebt hatte.9 Die Folge davon diirfte eine nicht mehr ausreichende Be-wirtschaftung der ackerbaulich und viehwirtschaftlich ausgerichteten Gehofte gewesen sein. Damit hingen die aus der Region nicht mehr sicherzustellende Versorgung der Truppe mit Grundnahrungsmitteln,10 ein allgemeiner wirtschaftlicher Niedergang und daraus resultierend ein stark gesunkenes Steuerauf-kommen zusammen. Der Steuerertrag ware wohl in keinern Verhiiltnis zu den fiir den militarischen Schutz des Grenzgebiets notwendigen Kosten gestanden. Bemerkenswert erscheint, daB der jenseits der oberen Donau gelegene Teil Raetiens "bis etwa 300 eine Art Niemandsland blieb"11 und die Region vorerst nicht durch germanische Ansiedlung genutzt wurde. Viel zitiert wild eine als rhetorische Ubertreibung zu wertende Textstelle aus einer Lobrede auf den Caesar Constantius Chlorus vom 1. Miirz 297: "sub principe Gallieno...amissa Raetia, Noricum Panno-niaeque vastatae",12 Ob sich dies nun auf den m. E. im spiiten 3. Jahrhundert akzeptierten Verlust des norddanubischen Raetiens {Abb. I) unter Kaiser Gallienus oder aber vielleicht auf den temporaren Verlust Nordraetiens (bis zu den Alpenpassen) an den galli-schen Gegenkaiser Postumus - der laut der Augsburger Inschrift zumindest im Jahr 260 die zeitweilige Kontrolle iiber Raetien ausiibte13 - bezieht, muB vorerst dahingestellt bleiben. Uber die militarische Disposition entlang der oberen Donau sowie iiber GroBe, Aufgaben und Stationierungsorte der raetischen Auxiliareinheiten wahrend der 60er und 70er Jahre des 3. Jahrhunderts geben die literarischen Quellen keine Auskunft. Die archaologischen Quellen lassen beim derzeitigen Publikationsstand auch fiir Platze wie Burghofe und Eining {Abb. 1) noch keine verlaBlichen Aussagen zu. Hingegen wird die Auswertung der raetischen Miinzreihen des 3. und 4. Jahrhunderts durch P. Kos (Ljubljana) Hinweise zur Siedlungstatigkeit an der oberen Donau wahrend der zweiten Halfte des 3. Jahrhunderts (i. e. nach 260/270 und vor 290 n. Chr.) erbringen.14 Ein von dem griechischen Historiker P. Herennius Dexippos erwahntes Vertragsverhiiltnis mit den Juthungen, das die Zahlung von Jahrgeldern bzw. die Stellung von Truppen beinhaltete,15 sorgte wohl zumindest bis in die spiiten 60er Jahre des 3. Jahrhunderts (ca. 267/268) fur relative Ruhe an der neuen Nordgrenze Raetiens. Fiir die Jahre 267/271 sind wiederholte Alamannen- und Juthungeneinfalle bis weit nach Ober- und Mittelitalien hinein iiber-liefert.16Doch konnte erst Kaiser Aurelian den Juthungen, die nach Dexippos Raetien im Friihjahr 270 verwiistet und dann nach Oberitalien eingefallen waren, auf ihrem Ruckweg noch auf dem rechten (raetischen) Donauufer eine empfindliche Niederlage beibringen.17 Einen weiteren germanischen Einfall nach Raetien erwiihnt die Historia Augusta (vita Aur. 35,4) fiir das Jahr 275, derzufolge Aurelian die Vindeliker mit Erfolg von der obsidio barbarica befreite.18 Wohl 278/279 brachte Kaiser Probus den Burgundern und Vandalen eine schwere Niederlage bei (Zosimus 1,67 f.), doch ist die Lokalisierung dieser Schlacht am Lech nicht gesichert.19 Die Historia Augusta (vita Probi 16,1) berichtet allgemein von BefriedungsmaBnahmen des Kaisers in Raetien. Wohl aufgrund dieser wenigen Nennungen Raetiens in den schriftlichen Quellen und mangels verliiB- Abb. I: Nordwestraetien mit dem nach 260 n. Chr. aufgegebenen norddanubischen Grenzgebiet (schraffiert). >—~—JSchirenhof Burghofe Fa i m in gen Burgle [Gunzburg Neu-,Ulm , Augsburg |Kellmunz rGoldberg '•Memmingen ^ Kempten-Burghalde /' Lorenzberg „ ®^Kempten-Lindenberg /Bettmauer beMsny J jBregenz lich datierbarer archaologischer Befunde nahm bereits F. Wagner 1924 an, daB unter den Kaisern Claudius II. Gothicus, Aurelian und Probus eine "neue Kastellket-te" angelegt worden ware.20 Reinecke rechnete 1929 "mit der Einrichtung neuer Grenzkastelle und der Ummauerung von Binnenlandsorten" unter Aurelian und Probus und sah in ihnen "die Erneuerer des Donaulimes"; nur fiir die "alteren Donaugarnisonen (...von Eining ffluB-abwiirts)" konnte der Umbau s. E. erst unter Diokletian erfolgt sein.21 Prazisierbar schie-nen die SicherungsmaBnahmen und die Reorganisation der raetischen Grenze aufgrund einer 1947 in Augsburg entdeckten, allerdings nur in ihrem Mit-telteil erhaltenen Inschrift:22 In der 281 n. Chr. vom ritterlichen Statthalter [,..]inus, einem v(ir) p(erfectis-simus) a(gens) v(ices) p(raesidis) prov(inciae) Raet(iae), fiir den Kaiser gesetzten monumentalen Ehreninschrift wird Probus als [restitutor prjovincia-rum et operum [publicorum] bezeichnet. Wagner lei-tete daraus wohl zu Recht ab, daB sich Probus auch um Raetien - selbst ohne dessen ausdruckliche Nennung -"irgendwelche Verdienste" erworben haben miiBte; andererseits ging er aber davon aus, daB die Neuor-ganisation der Rhein- und Donaugrenze Ende des 3. Jahrhunderts in Angriff genommen wurde und mehr als ein Jahrzehnt dauerte.-3 In einer grundlegenden Studie erachtete es dann H.-J. Kellner 1957 unter Berucksichtigung der unter-schiedlichen Quellengattungen als wahrscheinlich, "die Planung und Anlage des Iller-Donau-Limes als Werk des Probus" anzusehen; doch fiigte er mit Blick auf die inschriftlich datierten tetrarchischen Befe- stigungen am Schweizer Hochrhein hinzu, daB "die Vollendung des Ausbaues der militarischen Grenz-verteidigung nordlich der Alpen" unter Diokletian erfolgt sei.24 Die in der Augsburger Probus-Inschrift genannten opera [...] wurden - entgegen der auch spaterhin m. W. unwidersprochenen Erganzung zu opera [publico] durch H. Nesselhauf25 - als "Befe-stigungswerke" iibersetzt. Wie schon Wagner setzte sie auch Kellner in einen Zusammenhang mit Hist. Aug. vita Probi 20,2 (multa opera militari mam per-fecit).2(> Diese allgemein gehaltene Textstelle, ohne Nennung einer groBeren Region oder Provinz, laBt sich m. E. aber nicht zwingend auf die Errichtung neuer Kastelle in Raetien beziehen. Zwar wurden der Historia Augusta zufolge auf Weisung des Probus offenbar viele Bauwerke durch das Militar fertig-gestellt, doch geht daraus keineswegs hervor, daB es sich um militarische Grenzbefestigungen handelte. Eher scheint das Gegenteil der Fall gewesen zu sein: Dann lieBe sich der in der Historia Augusta als erwah-nenswert erachtete Einsatz des Militars bei zahlrei-chen Bauten besser verstehen;27 hinzu kommt, daB Grenzkastelle normalerweise im 3. Jahrhundert von Bauvexillationen, die zu diesem Zwecke von ihren Stammeinheiten abgestellt waren, errichtet wurden. Somit ware eine Betonung durch manu militari auch uberfliissig gewesen. Kellner stiitzte seine Annahme weiterhin auf eine kleine Miinzreihe aus dem spatromischen Kastell Caelius Mons/Kellmiinz an der Iller, wo s. E. einige Antoniniane der Priigeperiode 259/276 dem vortetrar-chischen Geldumlauf (vor 294) angehorten.28 Die von Abb. 2: Kellmiinz. Plateau mit Pfarrkirche St. Martin und Steilabfall nach Siiden und Siidwesten um 1910 (nach J. Linder, Die Resle des romischen Kellmiinz [1914] Taf. 1). Kellner aber ausdriicklich nur als wahrscheinlich angesehene Errichtung der neuen Grenzbefestigungen an Iller und oberer Donau unter Probus,29 wurde bis vor kurzem in der archaologischen Forschung weitge-hend akzeptiert.30 Zudem schien die von J. Garbsch 1966/70 durchge-fiihrte archaologische Untersuchung des Kastells Vemania/Auf der Bettmauer bei Isny, das ca. 2 km nordlich der romischen StraBe Bregenz - Kempten liegt, diese Annahme zu bestatigen.31 Das fiinfeckige, ca. 0,27 ha groBe Steinkastell mit einem Tor im Westen und rechteckigen bis quadratischen Ecktiir-men wurde auf einem spornartigen Moranenhiigel uber der Talaue der unteren Argen erbaut. Im Bereich der ostlichen Mannschaftsunterkunft, deren Kopfbau sich durch groBflachig erhaltene Mortelestriche aus-zeichnete, fand sich in einer durch den Estrich gehack-ten Grube ein Schatzfund von 387 meist pragefrischen Antoninianen des Probus;32 durch die jiingsten, in die erste Hiilfte des Jahres 280 datierbaren Antoniniane aus der Miinzstatte Ticinum/ Pavia33 ist fur die Erbau-ung des Steinkastells mit Innenbebauung ein terminus antequem von 280 gesichert. K. Stribrny schlug jiingst fur Isny auch eine Datierung in die zweite Hiilfte der 70er lahre des 3. Jahrhunderts vor.34 Dennoch scheint mir gerade die Nennung des Probus in der Augsburger Inschrift als [restitulor prjovinciarum et operum [publicorum] einen Hinweis auf die Instandsetzung offent-licher Bauten, vorwiegend wohl ziviler Nutzung, in Raetien zu geben.35 Ob sich vielleicht eine Instandsetzung oder Erhohung bzw. sogar die Verstarkung der mittelkaiserzeitlichen Stadtmauer der Provinz-hauptstadt Augusta Vindelicum/Augsburg mit nach-traglich auBen angebauten Tiirmen in diesem Zusam-menhang sehen laBt, bedarf einer gesicherten archaologischen Datierung des Befundes.36 Kliirung wird hier hochstwahrscheinlich die Bearbeitung der Befunde und Funde der neueren Stadtmauergrabungen in Augsburg durch S. Ortisi (Miinchen) bringen. Ferner ist im Alpenvorland noch auf die Errichtung der Befestigungsmauer einer zivilen Siedlung auf dem Lorenzberg bei Epfach, dem ortsverlagerten mittelkaiserzeitlichen Abodiacum, hinzuweisen. Dort fand sich in Schichten aus der Erbauungszeit der Mauer u. a. ein pragefrischer Antoninian (279 n. Chr.) des Probus, der jedoch nur einen terminus post quem angibt.37 Ob hier moglicherweise Bemiihungen des Probus hinsichtlich einer Konsolidierung der Verhalt-nisse im raetischen Binnenland zu erkennen sind, muB dahingestellt bleiben. Uber den bisherigen Forschungsstand hinaus-fiihrende Erkenntnisse zur Reorganisation der neuen Abb. 3: Kellmiinz. Topographischer Ubersichtsplan mit spatromischem Kastell Caelius Mons mit Abschnittsgraben. 1 Fundort des Miinzschatzes U.p.c/. 308). Hennental Johannes- ^Wk Kastell Kellmunz /"" t. Caelius Mons j Heilige Garten / / Grenze Raetiens im spaten 3. Jahrhundert sind allein von stratigraphischen Ausgrabungen in neu errichteten militarischen Befestigungen an der Iller und der oberen Donau zu erwarten. Nicht geeignet erscheinen dagegen weiterbestehende mittelkaiserzeitliche Zivil-siedlungen an wichtigen FernstraBen bzw. FluBiiber-gangen wie z. B. Cambodunum/Kempten (jedoch ortsverlagert am FuB der sog. Burghalde) und Gun-tia/Giinzburg, wo im 4. Jahrhundert gleichfalls Trup-pen stationiert waren [Abb. 1). Aus diesem Grund habe ich von 1986 bis 1991 fur die Kommission zur archaologischen Erforschung des spatromischen Raetien der Bayer. Akademie der Wissenschaften im Kastell Caelius Mons/Kellmiinz unter Mitarbeit von A. Marx (1986/88) und A. Faber (1989/91) systema-tische Ausgrabungen durchgefiihrt. Kellmiinz liegt etwa auf halber Strecke des ca. 70 km langen Illerabschnitts zwischen Kempten und Neu-Ulm (Abb. I). Das Kastell wurde auf einem 35 m hoch iiber der Iller auf einem durch die natiirlichen Gegebenheiten geschutzten Plateau (572 ii. NN.) angelegt, das nach Westen und Siidwesten steil zum FluBtal hin abfallt (Abb. 2). Durch zwei tiefe, jedoch modern verfiillte Erosionsrinnen war es im Norden vom Johannesberg sowie dem sog. Hennental und im Siiden von den sog. Heiligen Garten abgeschnitten. Die Siidwestseite des aus tertiaren Sanden bestehen-den Plateaus, dessen FuB der Iller als Prallhang diente, war starker Erosion ausgesetzt (Abb. 3). Die Anbindung von Caelius Mons/Kellmiinz um 300 n. Chr. an das regionale romische StraBennetz und die Streckenfiihrung der im Itinerarium Antonini iiber-lieferten Nord-Siid-StraBe von Camboduno/Kempten via Celio Monte/Kellmiinz nach Guntia/Giinzburg sind im Geliinde noch weitgehend unbekannt.38 Anzu-nehmen ist ein Verlauf im nicht hochwassergefahrde-ten Bereich, streckenweise wohl auf dem ostlichen Illerhochufer oder gar im hiigeligen Hinterland - wie z. B. am Abschnitt Kempten - Memmingen - bzw. viel-leicht im Rothtal. Abb 4- Kellmiinz. Spatromisches Kastell (nach J. Linder, Rom.-Germ. Korrbl. 3/6, 1910, 82, Abb. 20). Bereits in den Jahren 1901 bis 1913 wurden groBere Teile der Wehrmauer des Kastells, vor allem an der Ost- und der Nordwestseite, von dem ortsansassigen Kaufmann und Autodidakten Roman Linder und seinen drei Sohnen im Bereich des Marktes Kellmiinz freigelegt; hervorzuheben ist der alteste Sohn, der Rechtsanwalt Johann Linder, der auch mehrere Auf-satze zum spatromischen Kellmiinz verfaBte.39 Rekonstruiert wurde ein insbesondere auf der Siidwestseite unregelmaBig vieleckiger GrundriB mit ca. 0,9 ha Innenfliiche (Abb. 4) 40 Die Ostmauer war mangels natiirlichen Schutzes besonders stark befe-stigt worden. Weder der GrundriB des Kastells mit einem einzigen Rechteckturm (Turm V) an der Siidwestseite neben den sonst einheitlich halbrund vorspringenden Tiirmen noch derjenige der singularen Toranlage mit halbrund bzw. beinahe U-formig vorspringenden Tortiirmen und einer schikanenartig ver-winkelten, durch einen inneren Torhof gefiihrten Durchfahrt in der Ostmauer (Abb. 5)41 erregten spater Widerspruch.42 Die Innenbebauung blieb im wesent-lichen ebenso wie ein auf der Ostseite zu vermutender Graben unbekannt.43 Aufsehenerregend war damals die Bergung meh-rerer qualitativ ausgezeichneter Marmorstatuen und -biisten wohl aus der Mitte und der zweiten Hiilfte des 2. Jahrhunderts, die als Baumaterial im GuBmauer-fundament verschiedener Tiirme der Ostmauer wiederverwendet wurden. Dies gilt ebenso fiir mittelkaiserzeitliche Architektur- und Bauteile wie Saulenschiifte und -basen sowie Siiulen- und Pila-sterkapitelle aus Marmor, Tuff (Molassesediment) und Jurakalkstein 44 Eine Provenienz aus Kempten schloB bereits Linder m. E. zu Recht aus,45 zumal auch der in Kempten hiiufig verwendete graue Sandstein in Kellmiinz nicht nachgewiesen ist. Die zu monumenta-len Grabdenkmiilem gehorenden Statuen, darunter ein Togatus mit Schriftrollenbundel am linken FuB und eine im Korbstuhl sitzende Frau mit SchoBhundchen, mochte man am ehesten mit der Nekropole46 eines Latifundiums in Kellmiinz oder in dessen naherer Umgebung in Verbindung bringen.47 Von E. Anthes wurde Kellmiinz 1917 - wohl auf-grund des unregelmiiBigen Grundrisses und der an der-selben Stelle angenommenen mittelkaiserzeitlichen Siedlung - zu den befestigten Stiidten gerechnet.48 Ahn-lich sah auch Kellner 1957 "die Befestigung... nicht als reines Kastell" an, sondern ging neben einer militarischen Besatzung auch von Zivilbevolkerung innerhalb der Umwehrung aus.49 Doch laBt sich dies in Un-kenntnis der postulierten Vorgangersiedlung und groBerer Ausschnitte der Innenbebauung des spatromischen Kastells sowie der liindlichen Besiedlung im Grenz-gebiet, d. h. im Hinterland von Kellmiinz, nicht beur-teilen. Die Wehrmauer, die einen Innenraum von 98,5 x 101,5 m umschloB, war nur nach Osten zu nicht durch natiirliche Gegebenheiten geschiitzt. Die seit 1986 vorwiegend im aufgelassenen Friedhof der Kirche St. Martin durchgefiihrten Ausgrabungen (Abb. 6) erbrachten ein weiteres Stuck der im Fundament 3,60 m breiten Kastellostmauer mit dem Ansatz des KaaUU KaDmiinl. M~«h» f. f v t f f ry^Mm siidlichen Zwischenturms T 3 {Abb. 7). Uber der Fundamentstiickung waren der GuBmauerkern bis zur 2. bzw. 3. (Quader-) Lage des Aufgehenden erhalten. In der auBeren Schale des ca. 1,80 m hohen Fundaments waren iiber der Stiickung aus Sandsteinbruch-steinen mehrere Saulenschafte aus Jurakalkstein und dariiber groBe Bodenplatten sowie Quader aus Molas-sesedimentgestein (Tuff) verbaut worden. Festzulegen - und gegeniiber dem Linderschen Plan von 1914 (Abb. 4) korrigierbar - ist nun die Flucht der Ostmauer in Richtung Kastelltor (Abb. 5; 7). Vom Kastelltor (Abb. 5) konnte bereits N. Walke 1959 den nordlichen Turm vor seiner endgiiltigen Zerstorung durch den StraBenbau nochmals unter-suchen. Beim Abbruch des Turmes wurde ein weiterer Marmortorso einer weiblichen Gewandstatue gebor-gen.50 1987 wurde der siidliche Torturm, der durch einen alten Hohlweg und mittelalterlichen Steinraub fast vollstandig zerstort worden war, im Bereich der Friedhofsboschung nachuntersucht und teilweise freigelegt. Erhalten hatte sich nur die Fundamentstiickung mit den seitlichen Turmrundungen und ansatzweise die Fundamentaussparung im Turmin-neren (Abb. 8). Diese ist mit Hilfe des nordlichen Torturms als Rechteck mit einem Kreis an der auBeren oberen Ecke zu ergiinzen. Die Toranlage laBt sich mit zwei halbrunden, 8,0 m vor die Kurtine vorspringen-den Tiirmen rekonstruieren (Abb. 7: A, B). Die beiden Tortiime wurden sowohl durch die Kastellmauer als auch eine 2,5 m davor, parallel verlaufende Mauer ver-bunden. Diese beiden Mauern waren zusiitzlich durch zwei Querbinder miteinander verbunden, die gleich-zeitig als Fundament fiir die aufgehenden inneren Wangen der Tortiirme dienten. So ergibt sich eine einzige gerade, 3,60 m breite und insgesamt 8,0 m tiefe, sicher nur teilweise iiberdachte Tordurchfahrt mit einer Art kleinem Torhof, der mit einem vorderen und einem hinteren Tor verschlossen war. Zu rechnen ist vor dem vorderen zweifliigeligen Tor zusiitzlich mil einem Fallgitter (cataracta) wie es beispielsweise bei dem 312/315 erbauten Briickenkopfkastell Koln-Deutz angenommen wird.51 Entsprechende Fallgitter sind auch auf den seltenen, 294 in Siscia gepragten Argentei vom Typ Virtus Militum mit der Darstellung der vier opfernden Tetrarchen vor einer Befestigung zu erkennen (Abb. 9).52 Gekliirt sind nun auch die Grundrisse des Nordost-(T 1) und Siidosteckturms (T 4) als dreiviertelkreisfor-mig, jedoch nur mit einer halbrunden Fundamentaussparung (Abb. 6; 7; 10). Die Fundamentstarke der Siidmauer, mit einer schon von Linder festgestellten Pforte, betragt ebenso wie im Norden ca. 1,85 m. An der Nordwestseite ist das Mauerfundament nur 1.5 m breit. Der Abstand zwischen den beiden erhaltenen Tiirmen T 9 und T 10 (auBerer Durchmesser 7,3 bzw. 7,8 m) ist mit 20,5 m wesentlich groBer als es die Turmabstande an der Ostmauer sind. Von Bedeutung fiir die Rekonstruktion des Grund-risses ist der Nachweis einer wohl (friih-)neuzeit-lichen, ca. 1,6 m breiten Ausbruchgrube der Kastell-westmauer (1990) an der durch neuzeitliche Geliinde-eingriffe stark gestorten Plateauwestseite. In einer weiteren Ausbruchgrube (1991) sind die humos verfiillten Locher der ausgebrochenen Fundamentstiickung mit der inneren Rundung und dem Scheitel eines halbrunden Turms T 8 zu erkennen (Abb. 7). So ergibt sich ein zumindest partiell symmetrisch aus-gelegter GrundriB fiir das Kastell Caelius Mons. Eine als Arbeitshypothese an der Siidwestseite angenommene symmetrische Ergiinzung des Grund-risses mit einem weiteren halbrunden Turm an der stumpfwinklig vorgeschobenen Mauer lieB sich siid-lich von Turm T 8 nicht nachweisen. Weder konnten Mauerfundamente noch eine entsprechende Ausbruchgrube 1991 in mehreren Schnitten und im September 1993 in einem weiteren Schnitt parallel zum rechtecki-gen Linder-Turm V (Abb. 4; 7: T 7) festgestelll wer-den. Hingegen zeigte der 4,20 x 5,25 m groBe Turm V dieselbe Mauertechnik im Fundament und Aufgehenden wie die halbrunden Tiirme T 9 und T 10, die 1991 Abb. 5: Kellmiinz. Toranlage des spatromischen Kastells (nach J. Linder, Rom.-Germ. Korrbl. 6/6, 1913, 83 Abb. 32). Rčmisdios Mauerwerk. AufQeh«ndes Wauorwork. Funa»m«nt-Mnuerw«rk. Mauerwirk sus^ebrodwn. Padllag« dos Fundninontes Gvsturzta MmtorWocko nachuntersucht wurden (Abb. 11). Zudem lieB sich 1993 zwischen T 7 und T 8 nochmals die 1,6 m breite Ausbruchgrube der Kastellwestmauer nachweisen, die mit Turm V (= T 7) fluchtet. So ungewohnlich der Befund des "strebepfeilerarti-gen" rechteckigen Turmes V (T 7) anmutet,53 so be-steht jetzt tatsachlich kein AnlaB mehr, an seiner Gleich-zeitigkeit mit der Kastellmauer zu zweifeln. Aufgrund der substanziellen Gefiihrdung der Siidwestseite des Plateaus durch fortschreitende Erosion des Steilhangs gab man offensichtlich einer deutlich von der Gelan-dekante zuriickgenommenen, schriig vom halbrunden Turm T 8 iiber T 7 zur Siidmauer verlaufenden Kurtine den Vorzug. Moglicherweise ist an der Stelle, wo die Fluchten der Siidwestmauer mit der Siidmauer zusam-mentreffen und eine stumpfwinklige Ecke bilden, ein halbrunder Turm T 6 zu erganzen; dieser ware aber -oder zumindest die Mauerecke - der Hangerosion zum Opfer gefallen. Erstmals mit den fortifikatorisch erforderlichen, halbrund vorspringenden Tiirmen wurden die Nord-und Siidmauer versehen: Die durch Mauerreste vorge-gebenen Fluchten sowie die GroBe der halbrunden Tiirme T 9 und T 10 bildeten die Ausgangsbasis fiir den vorliegenden Rekonstruktionsversuch (Abb. 7). Die halbrunden Tiirme T 5 und T 6 an der Siidmauer bzw. der Siidwestecke entsprechen, an der Ostwest-Kastellhauptachse gespiegelt, den hypothetisch er-ganzten Tiirmen T 11 und T 12. Die extreme Befestigung der landseitigen, auBen ca. 112 m langen Kastellostmauer mit Tor-, Zwischen-und Ecktiirmen, die man in ungewohnlich geringen Abstiinden von nur ca 8-10 m voneinander errichtet hatte, wurde zusatzlich durch einen doppelten Abschnittsgraben verstarkt. Gesichert ist im Abstand von ca. 20 m ein ca. 4,5 bis maximal 6,0 m breiter und 2,5 m tiefer Spitzgraben und im Abstand von ca. 28 m ein wohl auch ca. 6,0 m breiter Sohlgraben. Von diesen war der innere Graben vor dem Tor durchgezo-gen, aber durch eine Einschniirung verschmalert. Abb. 6: Kellmiinz. Topographische Aufnahme (H. Kerscher. LID 1983), archaologischer Befund des spatromischen Kastells (nach J. Linder 1910/1914) und Grabungsflachen 1959 und 1986-1993. TTTr-r prrr v lit 4.4 /4/)/). 7: Grabungsgrenzen Mauerfundament oder Aufgehendes Fundamentstuckung ausgebrochen Mauer rekonstruiert Graben Graben rekonstruiert cn m i—i StraGe, Gasse oder AuBenbereich mit Mortelestrich StraBe bzw. Gasse rekonstruiert Mortelestrich, darauf Brandhorizont Hypothetisches GebSude Raumfluchten rekonstruiert Kellmiinz. Spatromisches Kastell mit nachgewiesener Welirmauer und rekonstruienem Mauerverlauf; doppeller Abschnittsgraben vor der Ostmauer. AI teste Innenbebauung des Steinkastells (Periode 2; vgl .Abb. /6) als Mannschalisunierkunl't mit sog. Koptbau ergiinzt. Entsprechend diirfte ebenso der Verlauf des auBeren Grabens eingeschniirt gewesen sein (Abb. 7). Der mit Ausnahme der Siidwestseite symmetrische GrundriB, der die gegen 300 n. Chr. fiir fortifika-torische MaBnahmen giinstigen Gelandegegeben-heiten eines Plateaus hoch iiber der Iller ausniitzte, entspricht mit seinen InnenmaBen von 98,5 x 101,5 m (332' x 343') nahezu einem Quadrat - allerdings mit topographisch bedingt zuruckgenommener Nordwest-und Siidwestecke. An diesen beiden Ecken ist die Kastellmauer jeweils abgeschriigt und im Norden nochmals stumpfwinklig nach auBen vorgeschoben. Die Gesamtflache betragt 0,86 ha. Aufgrund mittelalterlicher Zerstorungen und der Planierung neuer Baufliichen sowie der neuzeitlichen Bebauung sind die fiir Schichtbefunde im Kastell-inneren ergiebigen Fliichen auf den aufgelassenen Friedhof um St. Martin beschrankt (Abb. 6).54 Nur die iiltesten, um 300 n. Chr. datierbaren Schichten hatten sich innerhalb der Friedhofsmauern teilweise erhalten. Abb. 8: Kellmiinz. Spatromisches Kastell. Fundamenistiickung des stldlichen Torturms mit nordlichem Rundungsansatz und vorderer Quermauer von oben (1987). Abb. 9: Argenteus des Maximianus Herculius, 294 in Siscia gepriigt (RIC 32a). Reverstyp Virtus Mililum mit vier opfemden Tetrarchen vor Befestigung mit Tor mit Fallgitter (Numismat. Kabineti, Narodni muzej Ljubljana, Inv. Nr. 6980). M. = 2:1. Vereinzelte Streufunde der Mitte und der zweiten Hiilfte des 4. oder des friihen 5. Jahrhunderts reprasen-tieren die jiingeren Siedlungsschichten des Kastells, die aber durch die Eintiefung von mittelalterlichen und (friih-)neuzeitlichen Grabgruben vollstandig zerstort wurden. Im folgenden sollen nur die altesten datierten Baubefunde (Periode 1 und 2) aus dem Bereich des ehemaligen Friedhofs St. Martin kurz vorgestellt wer-den. Diese wurden bereits durch die Mauern eines monumentalen spatromischen Steinbaus mit Apsis (Periode 3) gestort. In Periode 1 waren bis 6 cm dicke Mortelestriche fiir mehrere Raume eines groBeren, aber nur noch ausschnittsweise erfaBbaren und funktional nicht niiher bestimmbaren Gebaudes unmittelbar auf eine graue, sandige Planierschicht iiber dem anstehenden tertiaren Sand aufgebracht worden. Die Ausrichtung dieses in Holzbauweise errichteten Gebaudes wird durch ein 7,5 m langes Schwellbalkengrabchen in Siidwest/Nordost-Richtung festgelegt, bei dem es sich wohl um eine AuBenwand gehandelt haben diirfte (Abb. 12). Nachgewiesen sind Fachwerkwande, die aus mit Kalkmortel verputzten Schilfrohrgefachen bestanden. Hervorzuheben ist die Ausstattung des Gebaudes mit einer Y-formigen Kanalheizung, deren zwei Kanalenden die Flucht einer Raumwand markieren (Abb. 13; 14).53 Westlich neben dem innen ca. 3,0 x 4,8 m groBen Raum ist ein schmaler, lang-rechteckiger Raum zu ergiinzen; ostlich davon wurde in einem iiberdachten, aber wohl nach Osten zu offe-nen Bedienungsraum die zur Kanalheizung gehorige und von auBen beheizbare Feuerungsgrube56 angelegt. Demnach miiBte sich die Breite des Gebaudes aus der Liinge des Balkengrabens mit ca. 7,5 m ergeben. Bei dem sich neben dem Praefurnium nach Osten anschlieBenden, ca. 6 m breiten Mortelestrich (Abb. 12; 13) konnte es sich um eine nicht iiberdachte AuBenflache gehandelt haben. Dies gilt ebenso fiir die unmittelbar nordwestlich des Schwellbalkengriibchens festgestellten Estrichflachen. Westlich davon wurden noch zwei Feuerstellen beobachtet, die nach derselben Nordwest/Siidost-Flucht wie das Gebaude mit Kanalheizung ausgerich-tet waren und moglicherweise zu einer Mannschafts-unterkunft gehorten (nicht auf dem Planausschnitt Abb. 12) Stratigraphisch gesichert sind nun zwei 296/297 und 297 gepriigte sog. schwere (Folles/) Nummi der Kaiser Diocletianus (RIC 31a/Miinzstatte Ticinum) und Maximianus Herculius (RIC 21 b/Miinzstiitte Karthago). Die beiden nicht abgenutzten, priige-frischen Bronzemiinzen (Abb. 15) lagen zusammen auf der antiken Oberfliiche unmittelbar unter dent hier vollstandig erhaltenen Mortelestrich der Periode 1. Die Priigezeit der jiingsten Miinze ergibt somit den frtthestmoglichen terminus post quern fiir die Errichtung der (Holzbau-) Periode 1. Die Datierung friihestens ins Jahr 297 n. Chr. oder wenig spiiter ist durch den archSologischen Befund eindeutig abge-sicherl. Bemerkenswert ist, daB das 0,30 - 0,45 m breite Balkengrabchen um 13" vom rechtwinkligen Bebau- ungsraster des Steinkastells abweicht. Demzufolge gehorten das Gebiiude mit Kanalheizung und die po-stulierte Mannschaftsunterkunft der Periode 1 zu einer iilteren. also vorsteinkastellzeitlichen, aber friihestens 297 oder wenig spater erfolgten militarischen Nutzung des Plateaus (Abb. 12). Hierzu ist hochstwahrschein-lich ebenso ein iilterer, leicht schriig zur Kastell-ostmauer verlaufender Spitzgraben zu rechnen, der vom inneren Spitzgraben des Steinkastells geschnitten wurde. Bei Gleichzeitigkeit von Befestigungsmauer und Innenbebauung der Periode 1 wurde man um 300 n. Chr. eine Parallelitiit der Fluchten voraussetzen. Die von Osten durch das Haupttor in das Kastell hinein-fiihrende StraBe hiitte dann als Hauptachse eines rechtwinkligen Vermessungsrasters gedient, wie dies dann auch in der jiingeren Periode 2 der Fall ist. Anzunehmen ist aber, daB Periode I (sog. schriige Fluchten) mit einem zwischen zwei natiirlichen Gelandeeinschnitten angelegten Abschnittsgraben und einem wohl etwas westlich davon aufgeworfenen (Holz-?) Erdewall sowie mit verschiedenen in Holzbauweise errichteten Gebauden nach 297 nur rela-tiv kurzen Bestand hatte. Die Gebiiude wurden abge-brochen, der Graben verfiillt und die Bautliiche fUrdas Steinkastell (Periode 2) planiert. Bei dem groBtenteils symmetrisch ausgelegten GrundriB des Kastells Caelius Mons ist mit einer mit-tig durch die lange Torgasse der miichligen Toranlage in der Kastellostmauer in Ost-West-Richtung gelegten Hauptvermessungsachse zu rechnen (Abb. 7). Dieser entsprach auch die ca. 3,6 m breite HauptstraBe, von der im rechten Winkel nach Siiden eine ca. 1,8 m breite Gasse zu der schon von R. Linder in der Kastell-siidmauer nachgewiesenen Pforte57 fiihrte. Die schma- le Gasse mit einem Mortelestrich als Oberfliiche respektierte aber nicht mehr den Westteil des Gebiiudes mit Kanalheizung (vgl. Abb. 12; 16), son-dern fiihrte iiber das bereits abgebrochene Gebiiude hinweg - ein weiteres Argument fiir die Ungleich-zeitigkeit der Holzbebauung mit den schriigen Fluchten (Periode 1) und der Kastellmauer (Periode 2). So ergibt sich in der Siidostecke des durch ein rechtwinkliges StraBenraster strukturierten Kastells (Periode 2) eine rechteckige Bebauungsflache von 17,5 x 47,5 m (60' x 160' = 1/3 iugerum). In dem zuganglichen Teil dieser rechteckigen Innenflache mit erhaltenen Schichtbefunden konnte ein Gebiiude untersucht werden, das parallel zur Kastellostmauer und zu der zur Pforte in der Siidmauer verlaufenden Gasse angelegt worden war. Der in Holzbauweise errichtete und eindeutig Nord-Siid aus-gerichtete Bau war ca. 6,8 m breit. Nach Westen zur Gasse hin verbreiterte er sich auf ca. 9.0 m, reichte jedoch nicht bis unmittelbar an die Gasse heran (Abb. 16). Eine Herdstelle mit Ziegelplatten, eine langrecht-eckige Vorratsgrube und eine weitere Grube in einem abgetrennten Bereich, wohl eine Latrine, kennzeich-nen den Gebaudeausschnitt als Wohnbereich.58 Dafiir sprechen auch die Speisereste und das Keramik-spektrum, darunter Fragmente von Sigillataschiisseln mit Barbotinedekor (Niederbieber 19) und Sigillata-reibschiisseln mit Barbotinedekor auf dem Kragen (Niederbieber 21), die in die diinnen Laulliorizonte auf dem Mortelestrich dieses wenigstens 55 m groBen, wohl aus mehreren Raumen bestehenden Gebiiude-traktes eingetreten waren. Hypothetisch bleibt die An-sprache als sog. Kopfbau fiir einen Offizier und die Ergiinzung dieses Holzgebiiudes zu einer ca. 26 m lan-gen und 6.8 m breiten Mannschaftsunterkunft mit fiinf Abb. 10: Kellmiinz. Spiitromisches Kastell. GuBmauerfundament des Nordosteckturms (vgl. Abb. 7: T I) mit halbrunder Fundamentals sparung von oben (1989). oder sechs Contubernien (Abb. 7).59 Wenngleich die nahere Zweckbestimmung dieses nur ausschnittsweise erfaBten, ziegelgedeckten Holzgebaudes nicht eindeutig zu kliiren ist,60 liegt fiir die Datierung der Periode 2 ein nicht abgenutzter, 295/296 in Ticinum gepragter (Follis/) Nummus des Maximianus Herculius (RIC 29b) in stratigraphischem Fundkontext vor: Die Bronzemiinze fand sich an der Unterkante des Mortelestrichs der Periode 2, der auf einer Seite noch fest anhaftete. Die Erbauung des Holzgebaudes mit Estrichen in Periode 2 ist so - zusiitzlich zum terminus post quern der Periode 1 (297 n. Chr.) - um 300 n. Chr. zu datieren. Das Ende der Periode 2 folgte aber schon wenig spiiter. Verursacht wurde es von einem Schadenfeuer, das sich in dem nach innen zusammengestiirzten Holzgebiiude in einer machtigen Brandschicht mit Dachziegelbruch niederschlug. Vom Brand schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde auch ein zungenartig an die Kastellmauer angesetzter Pfeiler. Dessen aufgeh-endes Mauerwerk aus Tuffkleinquadern war durch die Hitze dunkelblaugrau verfiirbt. Diesem Pfeiler diente das Fundament der Kastellmauer als Auflager; zudem zog die Brandschicht auf die Putzkante der Kastellmauer auf. An deren Gleichzeitigkeit mit dem Holzgebaude (Periode 2) besteht auch stratigraphisch kein Zweifel. Dieser Brandhorizont enthielt neben den iilteren Antoninianen der Priigeperiode 260/275 einige nicht abgenutzte (Folles/) Nummi der Kaiser Diocletianus und Maximianus Herculius. Die jiingsten Miinzen wurden in den Jahren 300/303 gepriigt und geben somit den friihestmoglichen Zeitpunkt des Brandes an. Hervorzuheben ist, daB aufgrund dieses nicht gestorten Schichtbefundes der Periode 2 in dieser Region die Abb. II: Kellmiinz. Spatromisches Kastell. Nordwestseite mit halbrunden Tiirmen (vgl. Abb. 1: T 9,10) von SUdwesten (1991). Antoniniane der Priigeperiode 260/275 noch dem Geldumlauf des friihen 4. Jahrhunderts als Teilstiicke der (Folles/) Nummi zuzurechnen sind.61 Dieses Schadenfeuer, das die Periode 2-Holzbauten westlich des Zwischenturms T 3 vemichtete (Abb. 7; 76), erfaBte und zerstorte anscheinend einen GroBteil, wenn nicht sogar die gesamte, in Holzbauweise er-richtete Innenbebauung des Kastells. Dafiir spricht auch die 1991 an der Nordwestseite bei Turm T 9 (Abb. 7) festgestellte, aber bereits sekundar verlagerte Brandschuttschicht. Brandschutt mit Miinzen der ersten Tetrarchie beobachtete schon J. Linder 1912, 1914 und 1930.62 Ein Zusammenhang zwischen dieser Brandkatastrophe und dem erst 308 n. Chr. ca. 200 m nordwestlich des Kastells verborgenen Miinzschatz (Abb. 3) mit mehr als 1300 (Folles/) Nummi, mehreren Argentei und einem Aureus, den Kellner mit einer kurzfristigen Ausweitung des Machtbereichs des Maxentius nach Nordraetien in Verbindung brachte,63 liiBt sich m. E. nicht herstellen.64 Zweifelsfrei ist nur, daB die Innenbebauung des Kastells Caelius Mons, kaum fertiggestellt, bereits in den ersten Jahren des 4. Jahrhunderts wieder abbrannte - ob durch Unacht-samkeit, Naturgewalt oder Feindeinwirkung muB vor-erst offenbleiben. Mit Ausnahme des nur ansatzweise bekannten rechtwinkligen Vermessungsrasters mit der HauptstraBe und der ersten Gasse nach Slid sowie des Holzgebaudes im ersten Bebauungsstreifen siidlich der HauptstraBe ist von der altesten Innenbebauung des Steinkastells (Periode 2) nichts festgestellt worden (Abb. 7).65 Neben mehreren Mannschaftsunterkiinften in Holzbauweise - ahnlich dem hypothetisch ergiinzten Gebiiude - ist um 300 n. Chr. ein wahrscheinlich in Stein errichtetes Stabsgebiiude (principia), moglicherweise mit den Unterkunftsraumen des Tribunen (prae-torium) kombiniert, zu postulieren.66 Dieses diirfte rela-tiv zentral am Ende der HauptstraBe hinter einer T-for-migen Kreuzung errichtet worden sein 67 Ob die in der Notitia Dignitatum occ. XXXV, 30 fiir Caelio bezeugte cohors tertia Herculea Panno-niorum unter dem Befehl eines tribunus auch schon um 300 n. Chr. in Kellmiinz stationiert war, laBt sich nicht beweisen. Denn die raetische Truppenliste gibt nur einen ziemlich spiiten, allerdings auch aktua-lisierten Zustand wieder, der wahrend der zweiten Hiilfte des 4. Jahrhunderts in den Provinzen Raetia I et II erfolgte Dislokationen limitaner Truppen beriick-sichtigt.68 Aufgrund der verfiigbaren Innenfliiche von 0,86 ha lieBe sich bei Mannschaftsunterkiinften (nur mit ErdgeschoB, ohne erstes Stockwerk) eine auxiliare Einheit von ca. 300 Mann unterbringen 69 Doch ist nachdriicklich darauf hinzuweisen, daB Kalkulationen zur Truppenstiirke in Unkenntnis zumindest groB-flachiger Ausschnitte der Innenbebauung hochst spe-kulativ bleiben miissen.70 Nach einer vorliiufigen Auswertung der Befunde in Kellmiinz sind insbesondere die ausgezeichneten Datierungsmoglichkeiten durch prSgefrische Bron-zemiinzen der ersten Tetrarchie in stratigraphisch gesicherter Position unter den Mortelestrichen der Periode I (Abb. 15) und 2 sowie der die Periode 2 abschlieBende Brandhorizont hervorzuheben. Die Konsequenzen gegeniiber den bisher von Kellner als wahrscheinlich angesehenen Vorstellungen liegen auf der Hand: Nicht schon unter Probus (276/282) ist in Caelius Mons/Kellmiinz eine erste militarische Anlage nachzuweisen, sondern erst ungefiihr zwei Jahrzehnte spater - namlich friihestens im Jahr 297. Der Bau des Steinkastells erfolgte um 300 n. Chr., nachdem die fiir das aufwendige Bauvorhaben notwendigen Materi-alien herbeigeschafft worden waren. Die absolutchronologisch datierbaren archaologischen Befunde der Periode 2 in Kellmiinz sprechen entschieden gegen eine generell mit Probus in Zusammenhang gebrachte militarische Reorganisation und Sicherung der Reichsgrenze an Iller und oberer Donau. Letztlich ist entlang der raetischen Grenze bisher nur das ca. 23 km westlich von Kempten an der unteren Argen gelegene Kastell Vemania bei Isny als BaumaBnahme wahrscheinlich wiihrend der zweiten Hiilfte der 70er Jahre des 3. Jahrhunderts (Phase 2 mit t.a.q. 280) im unmittelbaren, militiirisch kontrollierten Grenzgebiet nordlich der romischen StraBe Kempten -Bregenz nachgewiesen.71 Die Zivilstadt Cambodu-num/Kempten wurde vom Lindenberg auf das west-liche Illerufer verlegt (Abb. /). Doch liiBt sich dieser Vorgang innerhalb des letzten Drittels des 3. Jahrhunderts aufgrund der, wenig umfangreichen Miinzreihe nicht genauer datieren.7- Am FuB des ca. 25 m hoch aufragenden, inselartigen Gelanderiickens, der sog. Burghalde, war die Siedlung durch vorge-lagerte Sumpfgebiete und einen weiteren Illerarm geschiitzt. Fiir die Gelandestufe am WestfuB der Burghalde konnte man eine vortetrarchische Befesti-gung zum Schutz der Zivilbevolkerung in der zweiten Hiilfte der 70er Jahre des 3. Jahrhunderts in Erwagung Ziehen. Dafiir liegen aber ebensowenig wie fiir die neu errichtete Befestigung der Zivilsiedlung Guntia/Giinz-burg an der Donau73 aussagefahige, genauer datier-bare archiiologische Befunde vor. Aufgrund der datierbaren Stratigraphie in Kellmiinz ist nun auch nicht mehr damit zu rechnen, daB nach dem siegreichen Feldzug des Diokletian gegen die Alamannen wohl im Herbst 28874 der (angeblich von Probus begonnene) Ausbau des sog. Rhein-Iller-Donau-Limes sofort wieder in Angriff genommen wurde.75 Ebensowenig steht aber fest, daB auf der Mailiinder Kaiserkonferenz wohl im Winter zu Beginn des Jahres 291 oder im Marz 29176 die entscheidende Vereinbarung zwischen Diocletianus und Maximianus Grabungsgrenzen ---Raum- u. Mauerfluchten Balkengrabchen • Pfosten Gruben Herdstelle MOrtelestrich, AuBenbereich Mortelestrich, darauf Brandhorizont Abb. 12: Kellmiinz. Spiitromische vorsteinkastellzeitliche Holzbebauung (Periode 1, t.p.q. 297) und siidlicher Zwischenturm der Kastellostmauer. iiber die Sicherung der Reichsgrenze durch den Neubau von Befestigungen an Rhein und Donau getroffen worden ware.77 Dies wurde von W. EnBlin und F. Staehelin lediglich in Erwagung gezogen,78 doch fehlt dafiir die entsprechende literarische Besta-tigung.79 Neuerdings datierte K. Stribrny aufgrund einer ver-gleichenden Analyse spatromischer Munzreihen die von P. Zenetti und G. Bersu untersuchte kleine Befestigung auf dem Burgle bei Gundremmingen an der oberen Donau in "diokletianisch-friihtetrarchi-sche" Zeit.80 Eine Griindung des 0,16 ha groBen, auf einem langlich-ovalen Gelanderiicken errichteten Kastells auf dem Biirgle,81 "zur Mitte der 90er Jahre des 3. Jahrhunderts" hielt Stribrny nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen schweren (Folles/) Nummi der ersten Tetrarchie fiir wahrscheinlich (Abb. /7).82 Dies gilt s. E. aufgrund der ebenfalls sehr umfang-reichen Miinzreihe in gleicher Weise fiir das spatromische Kastell Submuntorio/Burghofe bei Mer-tingen.83 Hinsichtlich der Identifizierung von Burghofe, das hoch iiber der Donau und dem Schmutter-sowie dem Lechtal auf dem Hochterrassenrand liegt, mit dem in der Notitia Dignitatum occ. XXXV, 5. 16. 18 bezeugten Kastell besteht Ubereinstimmung.84 Trotz zahlreicher zur spatromischen Amts- und Militiirtracht gehoriger, noch unveroffentlichter Kleinfunde des 4. Jahrhunderts ist aber die eigentliche Befestigung, die jiingst wieder auf dem ca. 25 x 120 m groBen Geliindesporn angenommen wurde,85 bislang im Gelande nicht lokalisierbar. Weder fiir den Verlauf der wohl im Hochmittelalter vollstandig abgebrochenen Wehrmauern liegen Hinweise vor, noch ist ein nicht datierter, nur sehr schmaler Abschnittsgraben mit der tetrarchischen Befestigung in Verbindung zu brin-gen.86 Dennoch mochte man in Burghofe - auch ohne archiiologischen Befund - aufgrund der Miinzreihe von der Errichtung eines spatromischen Kastells (mit steinerner Wehrmauer) gegen 300 n. Chr. ausgehen (Abb. 17). Hinzuweisen ist ferner noch auf das ca. 0,15 ha groBe Kastell Abusina/Eining, das in die Siidwestecke des mittelkaiserzeitlichen Auxiliarkastells eingebaut und von Reinecke urspriinglich auch diokletianisch datiert wurde.87 Wichtig fiir die Chronologie dieses an anderer Stelle ausfiihrlich diskutierten Kastells88 ist die kleine Miinzreihe aus dem gesamten Kastellbereich, die auch einige schwere (Folles/) Nummi der ersten Tetrarchie enthalt;89 eine Datierung um 300 n. Chr. ist durchaus wahrscheinlich. Fiir die ubrigen, neu errichteten spatromischen Befestigungen an der oberen Donau liegen entweder keine archaologischen Befunde oder infolge der zu kleinen Miinzreihen keine hinreichend verlaBlichen Datierungen vor. Doch ist in Straubing-St. Peter aufgrund der charakteristischen Miinzreihe eine zumindest tetrarchische Befestigung anzunehmen.90 Ebenso darf auf dem Stadtberg von Neuburg aufgrund einiger noch nicht veroffentlichter tetrarchischer (Folles/) Nummi eine Errichtung der nur ausschnittsweise freigelegten Kastellmauer bereits um 300 n. Chr. ver-mutet werden.91 In Regensburg sind aufgrund des Abb. 13: Kellmiinz. Spatromische vorsteinkastellzeitliche Bebauung mil Y-formiger Kanalheizung und Mortelestrichen (Periode 1) von oben (1988): Storung durch Mauern (Fundamentstiickung und Ausbruchgrube) eines Steingebiiudes mit Apsis (Periode 3). Abb. 14: Kellmiinz. Spatromische vorsleinkastellzeilliche Bebauung mil Y-formiger Kanalheizung und Feuerungsgrube (Periode 1) von Westen (1988); Storung durch Mauern (Fundamentstiickung und Ausbruchgrube) eines Steingebiiudes mit Apsis (Periode 3). Abb. 15: Kellmiinz. Pragel'rische (Folles/) Nummi unter Mortelestrich der vorsteinkastellzeitlichen Bebauung (Periode 1). 1 Diocletianus, 296/297 in Ticinum gepriigt (R1C 31a); 2 Maximianus Herculius. 297 in Karthago gepriigt (W/C 21b). M. = 1:1. Abb. 16: Kellmiinz. Spatromisches Kastell. Steinkastellzeitliche Holzbebauung (Periode 2) mit rekonstruiertem GrundriB (sog. Kopfbau) und siidlicher Zwischentunn der Kastellostmauer (vgl. Abb. 1: T 3). Grabungsgrenzen ----Raum- u. Mauerfluchten Balkengrabchen Pfosten Kanalheizung mit Feuerungsgrube Mortelestrich Forschungsstandes keine verbindlichen Aussagen zu baulichen Veranderungen innerhalb des mittelkaiser-zeitlichen Truppenlagers der legio III Italica, zur Truppenstiirke und zur Nutzung des Lagerareals von ca. 270/280 bis ins friihe 4. Jahrhundert (ca. 320/330) moglich 92 Zusammenfassend ist festzuhalten, daB entlang der Iller und der oberen Donau militarische Befestigungen unterschiedlicher GroBe mit machtigen Wehrmauern und nur einem Haupttor sowie mit verschiedenem, dem Gelande (und den Erfordernissen) angepaBten GrundriB auf topographisch besonders hervorgehobe-nen Plateaus, Gelanderiicken und -spornen nicht schon unter Probus (276/282), sondern offenbar erst unter der ersten Tetrarchie gegen 300 n. Chr. errichtet wurden (Abb. 17). Diese Datierung ist fiir die Kastelle in Kellmiinz (t.p.q. 297), auf dem Burgle und im anzunehmenden Burghofe gesichert sowie fiir Eining wahrscheinlich. Die Kastelle auf dem Burgle und in Eining weisen nur jeweils ca. 0,15 ha Innenfliiche auf, wahrend in Kellmiinz ca. 0,86 ha zur Verfugung ste-hen. Soweit die Innenbebauung bekannt ist bzw. aufgrund der verfiigbaren Innenfliiche liiBt sich die GroBe der hier stationierten Einheiten von ca. 120-160 Mann - was der Oberlieferung der Ist-Stiirke auxiliarer Einheiten in der oberiigyptischen Provinz Thebai's entspricht - bzw. bis ca. 300 Mann (s. o.) approximativ kalkulieren 93 Bemerkenswert erscheint, daB die Truppenkorper, die um 300 n. Chr. in der Provinz Raetien die neuen FluBgrenzen zu sichern und das Grenzgebiet (limes) zu kontrollieren hatten, im Vergleich zur Soll-Starke mit-telkaiserzeitlicher Auxiliareinheiten wesentlich klei-ner waren. Eine deutliche numerische Zunahme der Mannschaftsstiirke auxiliarer Einheiten ist am raetischen Grenzabschnitt nicht zu beobachten 94 Zudem waren die Entfernungen der einzelnen, in der Notitia Dignitatum occ. XXXV aufgefiihrten Kastelle voneinander - nicht zuletzt wohl aufgrund der besseren Kontrollierbarkeit der wenigen FluBiibergange -wesentlich groBer als diejenigen am sog. raetischen Limes wahrend der ersten Halfte des 3. Jahrhunderts. Im Zuge der vielgeriihmten und oft zitierten tetrar-chischen BefestigungsmaBnahmen,95 die in der Nach-barprovinz Sequania in Vitudurum/Oberwinterthur fiir das Jahr 294 n. Chr. und in Tasgaetium/Burg bei Stein am (Hoch-) Rhein (Abb. 17) zumindest tetrarchisch durch Bauinschriften mit iihnlichem Formular bezeugt sind,96 wurden in Raetien an den neuen linearen FluBgrenzen mehrere Zivilsiedlungen, sofern bis dahin noch ohne schiitzende Mauern, befestigt und dort auch militarische Einheiten stationiert. Vor allem wurden aber Kastelle mit machtigen Wehrmauern erbaut; die von Zosimus erwahnten Wachttiirme sind entlang der FluBgrenzen fiir diese Zeit nicht bekannt97 Ein sog. tiefengestaffeltes Verteidigungssystem ("defence in depth") mit groBeren, im Hinterland, d. h. im nordlichen Alpenvorland an strategisch wichtigen Pliitzen an den FernstraBen stationierten, zumindest teilberittenen Militiireinheiten liiBt sich um 300 n. Chr. nicht nachweisen 98 Abb. 17: Nordraetien zwischen Argen, Iller, oberer Donau und Inn mit Grenzkastellen und beiestigten Zivilsiedlungen um 300 n. Chr. ■ sicher □ wahrscheinlich • sicher O wahrscheinlich Eine erste Reltungsgrabung in Kellmiinz fiihrte 1959 N. Walke fur die Kommission zur archaologischen Erforschung des spatromischen Raetien der Bayer. Akademie der Wissenschaften (Vorsitzender Prof. Dr. J. Werner t) durch. Systematische Ausgrabungen wurden vom Verf. von 1986-1991 im Auftrag dieser Kommission geleitet. Wiihrend der Grabungskampagnen 1986/88 assistierte A. Marx (Berlin) und 1989/91 A. Faber (Miinchen). denen fiir ihre engagierte Mitarbeit und ungezahlte anregende und weiterfiihrende Diskussionen sehr herzlich gedankt sei, ebenso wie F.-G. Weinrich (BAdW), der die Vorlagen fiir,4M>. 1,3,6, 7,12, 16 und 17 anfertigte, und P. Kos (Ljubljana) fiir die Vorlage von Abb. 9. Fiir die groBziigige finanzielle Unterstiitzung aller sechs Grabungskampagnen durch den Landkreis Neu-Ulm sei vor allem Landrat F.-J. Schick und Kreisheimatpfleger R. Ambs vielmals gedankt. Zu danken ist ebenso der Stiftung zur Forderung der Wissenschaften in Bayern fiir einen namhaften ZuschuB zur Grabung 1989. Vgl. Bay. Vorgeschbl. Beih. 2, 1988, 138; ebd. 5, 1992, 116 f.; Arch. Ja'hr Bayern 1993, 1994, 111 ff. 1 Zum Begriff siehe A. Fabricius, RE XIII (1927) 573 f.; anders jedoch A. Oxe, Bonner Jahrb. 114, 1906, 128; B. Isaac, The meaning of the terms limes and limitanei. Jour. Rom. St. 78. 1988, 125 ff. 2 H. Schonberger. Die romischen Truppenlager der friihen und mittleren Kaiserzeit zwischen Nordsee und Inn. Ber. Rom. Germ. Komm. 66, 1985, 322 ff. bes. 418 ff. Beil. 8; L. Okamura, Alamannia devicta. Roman-German conflicts from Caracalla to the first tetrarchy (A. D. 213-305) (Michigan 1984) 243 ff. bes. 257 ff.; D. Planck (Hrsg.), Archaologie in Wiirttemberg (Stuttgart 1988) 251 ff. bes. 275 ff.; 278; H. U. Nuber. Das Ende des Obergermanisch-Raetischen Limes - eine Forschungsaufgabe, in: H. U. Nuber, K. Schmid. H. Steuer (Hrsg.), Archaologie und Geschichte des ersten Jahrtausends in Siidwestdeutschland (Sigmaringen 1990) 51 ff. bes. 54 ff.; unterschiedliche Vorstellungen bei H.-P. Kuhnen (Hrsg.), Gesturmt - geraumt -vergessen? Der Limesfall und das Ende der Romerherrschaft in Siidwestdeutschland. Wiirttemberg. Landesmus. Stuttgart. Arch. Slg. Ftihrer u. Bestandskat. II (Stuttgart 1992) 13 ff.. 31 ff. bes. 35 f. -1 P. Reinecke. Germania 18, 1934. 135; Schonberger (Anm. 2)423; anders jedoch H.-J. Kellner, Germania 51, 1953, 168 ff. bes. 177; ders., Bay. Vorgeschbl. 25, I960, 132 ff. bes. 143 f.; jiingst wieder C.-M. HUssen, Romische Okkupation und Besiedlung des mittelraetischen Limesgebietes. Ber. Riim. Germ. Komm. 71, 1990. 21 f„ der am mittelraetischen Grenzabschnitt von einer sukzessiven Aufgabe und Reduzierung der mil-itiirischen Priisenz ausging. 4 L. Bakker. Raetien unter Postumus - das Siegesdenkmal einer Juthungenschlacht im Jahre 260 n. Chr. aus Augsburg. Germania 71, 1993, 369 ff. 5 Ebd. 375; 377. 6 Schonberger (Anm. 2) 423. 7 Vgl. Cll. Ill 5933 (Hausen ob Lontal) mit nicht naher bekannter, von Gallienus 256/257 getragener (Bau-?) MaBnahme; dazu Schonberger (Anm. 2) 423; Planck (Anm. 2) 278; Nuber (Anm. 2) 57 f. mit Anm. 43; S. Sommer in: Planck (Anm. 2) 305 f. « FMRD I, 5040 (Pl'iinz) Nr. 197 (270/275); 5099 (WeiBenburg) Nr. 172-174 (268/275). 175. 176 (295/308); Schonberger (Anm. 2) 424: Nuber (Anm. 2) 63 f.; K. Stribrny, Romer rechts des Rheins nach 260 n. Chr. Kartierung, Strukturanalyse und Synopse spiitromischer MUnzreihen zwischen Koblenz und Regensburg. Ber. Rom. Germ. Komm. 70, 1989, 351 IT. bes. 401 f. Abb. 19. '' Allg. W. Czysz in: Die Romer in Schwaben. Arbeitsh. Bayer. Landesamt Denkmalpflege 27 (1985) 168 Abb. 124; 179 ff.; lliissen (Anm. 3) 15 ff. bes. 22 zu Wustungsprozessen im WeiBenburger Hinterland; Nuber (Anm. 2) 66 f. 10 Hiissen (Anm. 3) 17 Abb. 6; ferner C. S. Sommer in: Planck (Anm. 2) 281 ff. bes. 296 ff. mil Abb. I; 7; 301 f. 11 Schonberger (Anm. 2) 424. 12 Schonberger (Anm. 2) 423; Nuber (Anm. 2) 56 f. 13 Dazu Bakker (Anm. 4) 381 f. 14 P. Kos, Das spatromische Kastell Vemania bei Isny II. Die Fundmiinzen. Miinch. Beitr. Vor- u. Friihgesch. (in Vorberei-tung). 15 L. Schmidt, Geschichte der deutschen Stdmme bis zum Ausgang der Volkerwanderung. Die Westgermanen II, 1 (Miinchen 1940) 18. - Dieses Vertragsverhaltnis kann m. E. erst nach der in der Augsburger Inschrift fiir den 24./25. April 260 bezeugten Schlacht begriindet worden sein. 16 Schmidt (Anm. 15) 16 f.; Okamura (Anm. 2) 282 ff.; ebd. 319 allg. zur Strategie. 17 Schmidt (Anm. 15) 19: siehe auch Okamura (Anm. 2) 291 ff. 18 Schmidt (Anm. 15) 21; A. Lippold. Bay. Vorgeschbl. 49, 1984, 201 f.; ferner Hist. Aug. vita Aur. 41, 8. - Ferner H. Vetters, Jh. Osterr. Arch. Inst. 39, 1952, Beibl. 103 ff. 19 L. Schmidt, Geschichte der Wandaleir (Miinchen 1942) 9; B. Overbeck, ANRW II, 5. 2 (1976) 683; Lippold (Anm. 18) 202 Anm. 38; Okamura (Anm. 2) 316 f. 20 F. Wagner, Die Romer in Bayern (Miinchen 1924) 21; J(I928) 29; vgl. dazu auch J. Garbsch, Der spatromische Donau-Uler-Rhein-Limes. Kl. Schr. Kenntnis rom. Besetzungsge-schichte Siidwestdeutschland 6 (Stuttgart 1970) 11 f. 21 P. Reinecke, Bayer. Vorgeschiclitsfreund 8, 1929, 24. - Zu Eining siehe unten S. 162 mit Anm. 87-89. 22 Bay. Vorgeschbl. 18/19, 1951/52, 278 f.; F. Wagner. Ber. Rom. Germ. Komm. 37/38. 1956/57, 224 Nr. 30 Taf. 12. - G. Winkler, Bay. Vorgeschbl. 36, 1971, 87 Nr. 28; W. Kuhoff (Hrsg.), Quellen zur Geschichte der Alamannen. VI Inschriften undMiinzen (Sigmaringen 1984) 41 Nr. 5 Taf. 2, 2; L. Bakker in: Die Romer in Schwaben. Arbeitsh. Bayer. Landesamt Denkmalpflege 27 (1985) 261 f.; ders., Antike Welt 24/4, 1993, 276 Abb. 5. 21 F. Wagner, Das Ende der romischen Herrschaft in Ratien. Bay. Vorgeschbl. 18/19, 1951/52, 26 ff. bes. 35 f.; ebd. 35 wurden die opera /.../ als Festungswerke interpretiert. 24 H.-J. Kellner. Datierungsfragen zum spatromischen Iller-Donau-Limes. Limes-Studien, in: Vortrdge 3. Internat. Limes-Kongrefi Rlieinfelden/Basel 1957. Schr. Institut Ur- u. Friihgesch. Schweiz 14 (1959) 55 ff. bes. 57. 25 Ber. Rom. Germ. Komm. 37/38, 1956/57, 224. 26 Kellner (Anm. 24) 56; iihnlich schon Wagner (Anm. 23) 35; ders.. Ber. Rom. Germ. Komm. 37/38, 1956/57, 224. 27 Vgl. Redewendung manu militari auch bei der Bauinschril't CIL 111 8031. die sich auf die Errichtung der Stadtmauer fiir die Colonia Romula (Dakien) 248 n. Chr. bezog. Ferner CIL XIII 5203; zu dieser sekundiir in einer spatromischen Befestigung ver-bauten Bauinschril't des Jahres 260 aus Altenburg bei Brugg siehe F. Lieb, Jahresber. Ges. Pro Viiulonissa 1948-1949. 22 ff.; ursprunglich bezog sich die Inschrift wohl auf die im 2. und 3. Jh. eine Zivilsiedlung schutzende Umwehrung des ehemaligen Legionslagers von Vindonissa, die 260 n. Chr. instand gesetzt wurde (murum /...manu/ militari restituelruntj): Damil ist wohl der Wiederaufbau der Befestigungsmauer (einer Zivilsiedlung) unter Einsatz nicht naher bezeichneter Militiir(bau)einheiten gemeint. Anders aber R. Fellmann in: Stud. Militdrgrenzen Roms II Beih. Bonner Jahrb. 38 (Bonn 1977) 121 ff.; dagegen wiederum Ch. Meyer-Freuler, Das Praetorium und die Basilika von Vindonissa. VerOff. Ges. Pro Vindonissa IX (Baden 1989) 68 ff. bes. 74 ff. 28 Kellner (Anm. 24) 56; H.-J. Kellner. Das spatromische Kellmiinz. Das obere Schwaben 4, 1957 235 ff bes 245' 249' dazu FMRD I. 7156 Nr. 6-11. 2" Wle 28; H.-J. Kellner. Die Romer in Bayern (Miinchen 1971) 153; ders., ANRW II 5, 2 (1976) 706. 30 H. Schonberger, Jour. Rom. St. 59, 1969 179 II v Petri-kovits, Jour. Rom. St. 61. 1971, 181; Ph. Filtzinger, D. Planck, C. Cammerer (Hrsg.), Die Romer in Baden-Wurttemberg:'(Stuttgart 1976) 97 f.; '(1986) 98 f.; B. Overbeck, ANRW 115.2(1976) 683; St. Johnson, Late Roman Fortifications (London 1983) 190; G. Walser, Die romischen Strafien und Meilensteine in Raetien Kl. Schr Kenntnis rom. Besetzungsgeschichte Siidwestdeutschland 29 (1983) 18; Okamura (Anm. 2) 317; dazu aber ebd. 314; Kuholl (Anm. 22) 41 Nr. 53; 104: Bakker (Anm. 22) 261: II. Schonberger, Ber. Rom. Germ. Komm. 66, 1985, 423 f.; R. Degen, Jahrb. Ilist.-Antiq. Ges Graubiinden I 16, 1986, 28; W. Drack, R. Fellmann, Die Romer in der Scliwei: (Stuttgart 1988) 277; Stribrny (Anm. 8) 67; W. Czysz in; Hist. Atlas Bayerisch-Schwaben. 3. Lief. 2(Augsburg 1990) Karte III, 6 C. - Skeptisch jedoch schon G. Bersu, Die spatromische Befestigung "Burgle" bei Gundremmingen. Miinch. Beitr. Vor- u. Friihgesch. 10 (1964) 48 f. 31 J. Garbsch, Fundber. Schwaben NF 19,1971,207 ff.; ders., Allgauer Geschichtsfreund 73, 1973, 43 ff.; J. Garbsch, P. Kos, Das spatromische Kastell Vemania bei Isny I. Zwei Schatzfunde des fruhen 4. Jahrhunderts. Miinch. Beitr. Vor- u. Friihgesch. 44 (1988) 11 ff.; ferner Ph. Filtzinger in: Filtzinger u.a. (Anm. 30) 348 ff. 32 Garbsch in: Garbsch, Kos (Anm. 31) 13 ff. Abb. 3, bes. 20. 33 Fiir die freundl. Mitteilung sei B. Overbeck (Miinchen) vielmals gedankt.- Anders noch Garbsch in: Garbsch, Kos (Anm. 31)20 (282/283 n. Chr.). 34 Stribrny (Anm. 8) 418 Abb. 26. 35 Vgl. dazu auch K. Dietz in: K. Dietz, U. Osterhaus, S. Rieckhoff-Pauli, K. Spindler, Regensburg zur Romerzeit (Regensburg 1979) 123 mit Erwahnung nichtmilitarischer Aufgaben wie z. B. Entwasserungsarbeiten, FluBkorrekturen, Briicken- und Tempelbauten durch das Heer. Vgl. Hist. Aug. vita Probi XXI, 1-2. 36 Vorbericht: L. Bakker, Arch. Jahr. Bayern 1988, 1989, 120 ff. Abb. 88; allerdings wird ebd. 121 der Turm in der Langen Gasse 11 aufgrund konstantinischer Funde spatromisch datiert. 37 Kellner (Anm. 24) 57; J. Werner (Hrsg.), Der Lorenzberg bei Epfach. Die spatromischen und fruhmittelalterlichen Anlagen. Munch. Beitr. Vor- u. Friihgesch. 8 (1969) 58; 249. -Siehe auch den sog. inneren Spitzgraben, Teil einer Befestigungsanlage, auf dem Goldberg, in dem sich ein kleiner Schatzfund (SchluBmiinze 282/283) fand; doch sind dort keine zugehorigen Befunde etwa fiir eine Holz-Erde-Mauer und andere Holzbebauung bekannt: I. Moosdorf-Ottinger, Der Goldberg bei Turkheim. Munch. Beitr. Vor- u. Friihgesch. 24 (1981) 26; 128; 154. 38 Czysz (Anm. 30) Karte III, 6 C. 39 J. Linder, Kellmiinz. Ausgrabungen im romischen Kastell. Rom.-Germ. Korrbl. 3/6, 1910, 82 f.; ders., Kellmiinz. Romische Skulpturen. Rom.-Germ. Korrbl. 4/1, 1911, 1 ff.; ders.. Die Toranlage des spatromischen Kastells Kellmiinz. Rom.-Germ. Korrbl. 6/6, 1913, 81 ff.; ders., Die Reste des romischen Kellmiinz an Skulpturen und Mauern nach den Grabungen der Jahre 1901 bis 1913 (Trier 1914). 40 Linder 1910 (Anm. 39) 82 Abb. 20; ders. 1914 (Anm. 39) 10 Abb. 41 Linder 1913 (Anm. 39) 81 ff. Abb. 32; ders. 1914 (Anm. 39) 12 ff. Abb. 42 Vollig verzeichnet ist die Rekonstruktion des Torgrund-risses bei H. v. Petrikovits, Jour. Rom. St. 61. 1971, 200 Abb. 30, 7; ebenso Johnson (Anm. 30) 47 Abb. 20; Kellner 1957 (Anm. 28) 237 f. Abb. I. 43 Dies gilt auch fiir die von N. Walke 1959 durchgefiihrte Notgrabung westlich des Kastelltors im Bereich des Rechbergrings, wo die spatromischen Schichten groBtenleils beseitigt waren: N. Walke, Das Obere Schwaben 5, 1959/60, 344 ff.; ders.. Bay. Vorgeschbl. 25, I960, 261 ff. Abb. 28. 11 Linder 1911 (Anm. 39) I ff. Abb. 1-4; ders. 1914 (Anm. 39) 3 ff. Taf. 2-8; 14-16.1; F. Wagner. Skulpturen und Werkstiicke. In: Kellner 1957 (Anm. 28) 274 ff. Taf. 6-8; CSIR Deutschland I, 1 (Raetien u. Noricum) Nr. 181-195 Taf. 55-58. 45 Linder 1914 (Anm. 39) 9. 46 1831 wurde beim Bau des Hauses Nr. 39 (= Kirchstr. 3) eine Ume und in der Niihe eine Bronzemiinze des Nero (= FMRD I, 7156 Nr. 1) entdeckt: J. N. v. Raiser, Beitr. f. Kunst u. Alterthum im Oberdonau-Kreis 1833, 36; Kellner 1957 (Anm. 28) 243. - Aul'fallig ist auch, daB die mil Grabbauten in Verbindung zu bringenden Spolien allc in der Kastellostmauer entdeckt wurden; vgl. Linder 1913 (Anm. 39) 83 Abb. 32: ders. 1914 (Anm. 39) 13 Abb. 47 Kellner 1957 (Anm. 28) 242 f. rechnete allerdings mil einem inittclkaiserzeillichcn Vicus mil Illcrtibcrgang und einer (nichl nachgewiesenen) SlraBe gen Weslen nach Rottweil sowie einer Verbindung nach Augsburg. 4,1 E. Anlhes, Ber. Rom. Germ. Komm. 10, 1917, 144 f.; entsprechend P. Reinecke, Bayer. Vorgeschichtsfreund 81, 1929, 29. Anders aber Linder 1914 (Anm. 39) 15. 49 Kellner 1957 (Anm. 28) 242; ders. 1971 (Anm. 29) 154. 50 N. Walke, Ba\. Vorgeschbl. 25, 1960,262 Abb. 28 Taf. 25. 51 Linder 1913 (Anm. 39) 87; ders. 1914 (Anm. 39) 18; vgl. G. Precht, Kolner Jahrb. Vor- u. Friihgesch. 13, 1972/73, 123; vgl. neuerdings auch P. Grossmann u.a., Zur romischen Befestigung von Babylon - Alt-Kairo. Arch. Anz. 1994, 272 ff. bes. 291 f. mit Abb. 9. 52 Vgl. A. Jeločnik, The Sisak Hoard of Argentei of the Early Tetrarchy. Situla 3 (1961)44; 75 Taf. 1,1-2; C. H. V. Sutherland, The Roman Imperial Coinage VI (London 1967) 459 Nr. 32a.b; ferner ebd. 459 Nr. 33a.b (Typ Providentia Augg, 294/295). -Ebenso auf den GroBbronzen des Philippus 1 Arabs aus Bizya (Thrakien): R. Forrer, Germania 2, 1918. 73 Abb. 1; M. J. Price, Numismatic Chron. Ser. 7, 11, 1971, 122 f. Nr. 3 Taf. 24, 3; P. Bastien, Le medaillon de plomb de Lyon. Numismatique Romaine XVIII (1989) 30 f.; 45 Taf. 8, 36. 53 Zu Turm V siehe Linder 1914 (Anm. 39) 10 f. Abb. - DaB an der romischen Zeitstellung des Mauerwerks kaum zu zweifeln ist, betonte auch Kellner 1957 (Anm. 28) 239; ferner ebd. 280 Anm. 28, der bereits eine andere Bauphase in Erwagung zog. Eine mittelkaiserzeitliche Datierung ist aufgrund der Niveaus und der Mauertechnik auszuschlieBen. 54 Um 1900/1913 waren hier fur R. und J. Linder keine Untersuchungen moglich. 55 Vgl. mehrere Y-formige Kanalheizungen im Kastell Vemania bei Isny: Garbsch 1973 (Anm. 31) 47 Beil.; Garbsch, Kos (Anm. 31) 13 ff. - Allg. W. Drack, Die romischen Kanalheizungen der Schweiz. Jahrb. Schweiz. Ges. Urgesch. 11, 1988, 123 ff. bes. 135 ff.; 155 ff. 56 Vgl. L. Jacobi, Das Romerkastell Saalburg bei Homburg vor der Hiihe (Homburg 1897) 248 bes. 255 f.; D. Baatz, Saalb. Jb. 36, 1979, 31 ff. 57 Linder 1910 (Anm. 39) 82 Abb. 20, E; ders. 1914 (Anm. 39) 10 f. Abb. (1,40 m breite Pforte bei E). 58 Zu mittelkaiserzeitlichen Mannschaftsunterkiinften mit sog. Kopfbau siehe D. Baatz, Kastell Hesselbach und andere Forscliungen am Odenwaldlimes. Limesforsch. 12 (1973) 38 ff. 59 Zur Reduzierung auf 5 oder 6 contubernia pro Mannschaftsunterkunft siehe P. T. Bidwell, Later Roman Baracks in Britain, in: V. A. Maxfield, M. J. Dobson (Hrsg.), Roman Frontier Studies 1989 (Exeter 1991) 9 ff. 6(1 Mit in Holzbauweise errichteten Mannschaftsunterkiinften rechnete R. Linder ebenso wie Kellner 1957 (Anm. 28) 240 f. 61 So auch Stribrny (Anm. 8) 421 zur Umlaufsdauer der 259/275 gepriigten Miinzen bis in die ersten Jahre des 4. Jhs.; ferner W. Zanier, Ba\. Vorgeschbl. 56, 1991, 136 f. 62 Linder 1913 (Anm. 39) 84; ders. 1914 (Anm. 39) 14; H.-J. Kellner, Ein Fund spatromischer Miinzen von Kellmiinz. Ba\. Vorgeschbl. 20, 1954. 119 ff. bes. 127; Kellner 1957 (Anm. 28) 243; 245; 249 Nr. 15-17; 19a; FMRD I, 7156 Nr. 13-15.17. 63 Kellner 1954 (Anm. 62) 125 f.; ders. 1957 (Anm. 28) 245. 64 Anders Kellner 1954 (Anm. 62) 127, der "fur 308 eine Zerstorung und Brandkatasirophe des Kastells" annahm; ahn-lich J. Garbsch in: Die Romer in Schwaben. Arbeitsh. Bayer. Landesamt Denkmalpflege 27 (1985) 264. Die von Linder am Turm V beobachteten Bebauungsspuren mit Pfostenlochern und kleineren Esirichflachen sind nichl naher datierbar; dazu schon Kellner 1957 (Anm. 28) 241. 66 Kellner 1957 (Anm. 28) 240 rechnete nur mil einer kleinen, aus zwei bis drei Riiumen bestehenden Unterkunft. - Zu kleinen Dienst- und Unterkunftsriiumen fiir Truppenbefehlshaber spatromischer Kastelle in Raetien siehe M. Mackensen, Die Innenbebauung und der Nordvorbau des spatromischen Kastells Abusina Eining. Germania 72, 1994, 479 ff. bes. 498 ff. 67 Vgl. z. B. J. Biirgi, Schaffhauser Beitr. z. Geschichte 61, 1984, 304 f. Abb. 33 (Tasgaetium/Burg bei Stein am Rhein); Drack, Fellmann (Anm. 30) 518 Abb. 483; neuerdings M. Honeisen (Hrsg.), Friihgeschichte der Region Stein am Rhein. Archaologische Forscliungen am Ausfluss des Untersees. Antiqua 26 (1993) 74 ff. bes. 83; 110 Abb. 56,59. 68 H. Caslritius, Die Grenzverteidigung in Riitien und Noricum im 5. Jh. n. Chr. In: H. Wolfram, A. Schwarcz (Hrsg.), Die Bayern und Hue Nachbarn. Denksehr. Phil-Hist. Kl. Osterr. Akad. Wiss. 179 (1985) 17 ff. bes. 24. - Zu den Grunden fur das Fehlen der Befestigungen von Veldidena/Wilten. Rostrum Nemaviae/Goldberg bei Turkheim und Schaan in der raetischen Truppenliste der Not. Dig. occ. XXXV neuerdings Mackensen (Anm. 66). 505 ff. bes. 511. 69 Allg. R. P. Duncan-Jones, Pay and Numbers in Diocletian's Army. Cliiron 8. 1978, 541 ff.; J. Jahn. Zur Entwicklung romischer Soldzahlungen von Augustus his auf Diocletian. Stud. Fundmiinzen d. Antike 2 (Berlin 1984) 53 ff. 70 Dazu neuerdings Mackensen (Anm. 66) 492 ff. - Auf die von D. Hoffmann, Das spatromische Bewegungsheer und die Notitia Dignitatum. Epigraph. Stud. 7 (Diisseldorf 1969) 227 f. mit Beil. 2 fiir die Provinz Raetien - neben der legio III Italica -angenommene zweite limitane Legion, die legio 111 Herculea, die er hypothetisch in Kellmiinz stationierte, wird hier nicht naher eingegangen. Zweifellos kann eine ca. 1000 Mann starke Legion im ca. 0.86 ha groBen Kastell Caelius Mons selbst bei zweistocki-gen Mannschaftsunterkiinften nicht untergebracht werden. 71 Siehe oben S. 161 mit Anm. 31-34. 72 Vgl. A. Ullrich. Das Castrum Cambodunum. Allgauer Geschichtsfreund 7, 1894, 1 f. Beil.: P. Reinecke, Rom.-Germ. Korrbl. 5/2, 1912, 23; ders., Bayer. Vorgeschichtsfreund 8. 1929, 31 f.; L. Ohlenroth, 3. Grabungsbericht Uber Unter-suchungen im Bereich des spatromischen Cambodunum. Allgauer Geschichtsfreund NF 39, 1936, 105 ff.; ders., 4. Grabungsbericht iiber Untersuchungen im Bereich des spatromischen Cambodunum. Ebd. 47, 1941, 55 ff. Abb. 3-4; F. Zollhoefer, Feststellungen zur Baugeschichte der Burghalde in Kempten. Ebd. 54, 1953/54, 1 ff.; siehe die in FMRD 1, 7182 ab Nr. 1007 unter Burghalde aufgefiihrten Fundmunzen; zusam-menfassend W. Schleiemiacher, Cambodunum - Kempten (Bonn 1972) 133 ff. bes. 136 ff. Abb. 79 Beil. 1; G. Weber, Das spatromische Cambodunum. In: V. Dotterweich u.a. (Hrsg.), Geschichte der Stadt Kempten (Kempten 1989) 56 ff. Abb. 26. -Allg. zu Ortsummauerungen schon bald nach 260 n. Chr. siehe Wagner (Anm. 23) 35. 73 P. Reinecke, Kleine Scliriften zur vor- und friihge-schichtlichen Topographic Bayerns (Kallmiinz/Opf. 1962) 86 ff. bes. 92 ff.; W. Czysz in: Die Romer in Schwaben. Arbeitsh. Bayer. Landesamt Denkmalpflege 27 (1985) 153 f. Abb. 110. 74 Panegyrici Lat. X (II) 9.1; Schmidt (Anm. 15) 25. - Zur Datierung siehe G. Alfoldy, Eine Diokletiansinschrift aus Lauriacum. Jh. Osterr. Arch. Inst. 47. 1964/65, Beibl. 207 ff. bes. 216 Anm. 19. 75 B. Overbeck, Geschichte des Alpenrheintals in romischer Zeit auf Grand der archaologischen Zeugnisse 1. Topographic. Fundvorlage und historische Auswertung. Miinch. Beitr. Vor- u. Friihgesch! 20 (1982) 203 Anm. 276. - Dazu auch Alfoldy (Anm. 74) 216 f., der noch einen AbschluB der Bauarbeiten an der raetischen Grenze wohl im Jahr 290 in ErwSgung zog und einen Zusammenhang mit einer vom raetischen Provinzstatthalter Septimius Valentio fiir Diokletian in Augsburg gesetzten Inschrift (CII. Ill 5810) herstellte; dagegen sprechen aber ein-deutig die archaologischen und numismatischen Befunde (siehe unten). 76 Zur Datierung siehe W. EnBlin, RE XIV (1930) 2501; ders. REMII A 11,2(1948) 2433. 77 Darauf wies Stribrny (Anm. 8) 422 Anm. 176 hin. - Die Annahme, daB auf dieser Zusammenkunft die neue Grenz-verteidigung mit Befestigungsbauten entlang der Reichsgrenzen beschlossen worden ware, leitete Th. Burckhardt-Biedermann, Romische Kastelle am Oberrhein aus der Zeit Diokletians. Westdtsch. Zeitsclir. 25, 1906, 129 ff.; 147 ff. bes. 151 u. a. aus den BaumaBnahmen des Maximianus Herculius in der Nordostschweiz und wohl bes. aus der 294 n. Chr. datierten Bauinschrift aus Vitudurum/Oberwinterthur und der tetrarchis-chen, nicht genauer datierbaren Bauinschrift aus Tasgaetium/Burg bei Stein am Rhein ab; vgl. auch Schmidt (Anm. 14) 25 f. und unten Anm. 96. 78 EnBlin 1930 (Anm. 76) 2501; ders. 1948 (Anm. 76) 2430; 2433 f.; F. Staehelin, Die Schweiz in romischer Zeit* (Basel 1948) 267. 79 Als Faktum jedoch festgeschrieben bei Wagner (Anm. 23) 35 f.; Garbsch (Anm. 20) 7; Kellner 1971 (Anm. 29) 156 f.; E. Schallmayer, Arch. Korrbl. 17, 1987,489. 80 Stribrny (Anm. 8) 418 ff. Abb. 26-27, bes. 420 f.; gegeniiber der von Bersu (Anm. 30) 52 ff. verolfentlichten Miinzreihe (105 Miinzen). die 1964 zu einer Datierung von ca. 335/340 (ebd. 49) fiihrte, standen Stribrny allerdings 752 Miinzen zur Verfiigung; diese erlaubten jetzt die als wesentlich einzustufende Korrektur. 81 Vgl. neuerdings zum Burgle Mackensen (Anm. 66) 494 f. mit Anm. 53-55; 501 Anm. 79 auch zur Identifizierung des Burgle mit Pinianis resp. Febians/Phebianis. zum GrundriB und zur Truppenstarke. 82 Stribrny (Anm. 8) 421; eine diokletianische Datierung zog bereits Garbsch (Anm. 20) 12 fiir das Burgle in Erwiigung. -Hinzuweisen ist auf die in Vorbereitung befindliche Studie zum spatromischen Geldumlauf in Raetien durch P. Kos (Anm. 14), u. a. mit einer differenzierten Analyse der Miinzreihen des spa-ten 3./friihen 4. Jhs. 83 Stribrny (Anm. 8) 418 ff. Abb. 26, bes. 421; so schon Reinecke (Anm. 73) 104. 84 Reinecke (Anm. 73) 96 ff. bes. 103 f.; G. Ulbert. Die romischen Donau-Kastelle Aislingen und Burghofe. Limesforsch. 1 (Berlin 1959) 15 ff. Abb. 2-3 Karte 2; R. Christlein, O. Braasch, Das unterirdische Bayern (Stuttgart 1982) 182 Taf. 41. 85 Christlein. Braasch (Anm. 84) 182 Abb. - Anders Reinecke (Anm. 73) 104. 86 Ostlich des schmalen Abschnittsgrabens (Christlein, Braasch |Anm. 84] 182 Abb. [8] Taf. 41) miiBte man im Abstand von ca. 10-20 m entweder Austrocknungsmerkmale eines massiven GuBmauerfundments oder dessen Ausbruchgrube als dunkel verfarbten Graben erwarten. - Vgl. aber CSIR Deutschland 1.1 (Raetien und Noricum) Nr. 167 Taf. 51: Die am Nordosthang des Geliindesporns gefundene Merkurstatue war vielleicht als Spolie in einer Festungsmauer verbaut. 87 P. Reinecke, Neue Grabungen im Kastell Eining. Rom.-Germ. Korrbl. 7/2, 1914, 17 ff. bes. 19: anders ders.. Bayer. Vorgeschichtsfreund 8, 1929. 27 (letzte Jahrzehnte des 3. Jhs.). 88 Mackensen (Anm. 66) 479 ff. 89 FMRD 1, 2028 Nr. 39-41; ferner ebd. I, 2031 mit nicht mehr genauer lokalisierbaren Miinzen des spiiten 3./friihen 4. Jhs. aus den Grabungen vor 1911, darunter natiirlich auch Miinzen der ersten Tetrarchie (ebd. 2031 Nr. 201-208; 210-216: 222-224): dazu Mackensen (Anm. 66) 479 ff. mit Anm. 3. 90 Vgl. H.-J. Kellner. Jahresber. Ilist. Ver. Straubing 80, 1977/78 (1979) 73 ff. bes. 76, der in Straubing-St. Peter eine spatrOmische Befestigung schon im letzten Viertel des 3. Jhs. aufgrund eines Brandhorizonts als existent ansah. 91 Die Kenntnis der noch nicht verolfentlichten neuen Fund-miinzen der LfD-Ausgrabungen 1983 und 1991/92 verdanke ich K. H. Rieder (Ingolstadt). Vgl. bisher FMRD 1. 7282. - E. Keller, Das spatromische Grabcrfcld von Neuburg an der Donau. Materialh. bayer. Vorgesch. 40 (Kallmiinz/Opf. 1979) 13; 70 Anm. 365 nahm noch eine konstantinische Befestigung des Stadtberges an; ebenso K. II. Rieder, Sammelbl. Ilist. Ver. Ingolstadt 99, 1990, 18; neuerdings ders. in: K. 11. Rieder, A. Tillmann (Hrsg.), Neuburg an der Donau. ArchOologie rund um den Stadtberg (Buch a. Erlbach 1993) 101 ff. 92 Vgl. K. Schwarz, Jahresber. Haver. Bodendenkmalpflege 13/14. 1972/73, 20 ff. bes. 42 zum Zerstorungshorizont (im Bereich des NiedermUnsters) von bald nach 270: U. Osterhaus, Baubeobachtungen an der Via principalis im Legionslager von Regensburg. Bay. Vorgeschbl. 39, 1974. 160 ff. lies. 164 ff. - Zu einer angeblich nahezu vollstiindigen Unterbrechung der NiedermUnsier-MUnzreihe von ca. 280 bis in die 2<)er Jahre des 4. Jhs. siehe Schwarz a.a.0.42, doch liegen sowohl dort wie auch in der GesamtmUnzreihe des Legionslagers (FMRD I. 3064 Nr. 110 II.: ebenso I. 3062 Nr. 85 ff.; 1. 3063 Nr. 33 ff.) zwischen ca. 280 und 310 geprfigte Miinzen in I'iir Raetien normalen Haufigkeiten vor (freundl. Hinweis 1>. Kos |Ljubljana| ). Siehe ferner Th. Fischer, S. Rieckhoff-Pauli, Von den Roman zu den Bajuwaren. Stadtarchdologie in Regensburg (MUnchen 1982) 48, die auf den Zerstorungshorizont in der Grusgasse mil Munzen des Probus und einer anschlieBenden Ziisur der noch unverSffentlichten MUnzreihe hinwiesen. - Zur Regensburger GesamtmUnzreihe nach FMRD I. 3 siehe Stribrny (Anm. 8)414 II bes. 416 t„ jedoch isi der Zeitpunki der Aufteilung der legio 111 Italica in flint limitane Abteilungen und eine comitalensische Legion kaum schon in die 90er Jahre des 3. Jhs. zu datieren; dazu Dietz (Anm. 35) 135. 93 Zur Mannschaftsstarke siehe ausfuhrlicher Mackensen (Anm. 66) 495 ff. mit Anm. 55 u. 58; P. Reinecke, Bayer. Vor-geschichtsfreund 8, 1929, 26 f. rechnete fiir Isny, Burgle und Eining mit Truppen von je 100 Mann. 94 Bereits Reinecke a.a.O. 25 wies darauf hin, daB das spatromische Grenzheer in Raetien schwacher war als dasjenige der mittleren Kaiserzeit. Um ein Mehrfaches zu hoch ist die von K. Dietz in: Die Romer in Schwaben. Arbeitsh. Bayer. Landesamt Denkmalpflege 27 (1985) 275 angegebene Zahl von 11000 limitanei fiir die Raetia I et II. 95 Aber nur allgemeine Angaben bei Zosimus II 34, 1; Pan-egyrici Lat. IX (IV) 18,4 (298 n. Chr.). 96 CIL XIII 5249. 5256; F. Vollmer, Inscriptiones Baivariae Romanae sive Inscriptiones Prow Raetiae (Miinchen 1915) 57 Nr. 179; Burckhardt-Biedermann (Anm. 76) 137 f.; E. Howald, E. Meyer, Die romische Schweiz (Zurich 1940) 278 Nr. 264; 318 f. Nr. 370; Staehelin (Anm. 78) 274 mit Anm. 2-3; G. Winkler, Bay. Vorgeschbl. 36, 1971, 88 Nr. 30; Drack, Fellmann (Anm. 30) 516; 518; nicht gesichert sind die Gleichzeitigkeit und die Nennung des Provinzstatthalters [praeses] Aurelius Proculus aufgrund des schlechten Erhaltungszustandes der Inschrift aus Tasgaetium und somit die Datierung ins Jahr 294. Auf die kon-trovers diskutierte Provinzzuweisung und Reklamierung des Aurelius Proculus fiir die Provinz Raetia resp. Sequania (vgl. Abb. 17) wird in diesem Zusammenhang nicht eingegangen. 97 Vgl. aber den in Raetien bisher singularen, ca. 15 x 15 m groBen tetrarchischen Wachtturm auf dem Goldberg: Moosdorf-Ottinger (Anm. 37) 31 ff. - Um 300 n. Chr. ist hier jedoch keine limitane Militareinheit anzunehmen, sondern kann wohl mit einem Polizeiposten gerechnet werden. - Die von Stribrny (Anm. 8) 422 zwischen den Grenzkastellen angenommenen holzernen Wachttiirme sind in Raetien fiir die Zeit um 300 n. Chr. nicht be-kannt; vgl. aber auch Johnson (Anm. 30) 172, der an der StraBe Bregenz - Kempten gegen Ende des 3. Jhs. oder im friihen 4. Jh. Wachttiirme vermutete. 98 Dazu allg. J. C. Mann, Power, force and the frontiers of the Empire. Jour. Rom. St. 69, 1979, 175 ff. bes. 180 f. - Anders jedoch jiingst wieder Stribrny (Anm. 8) 422, der bereits fiir die Zeit um 300 n. Chr. "in die Tiefe gestaffelte, mobile Einheiten, etwa in...Chur oder Fiissen und Augsburg" annahm, jedoch ohne Uberpriifung der archaologischen Befunde und ihrer Zeit-stellung. Prol. Dr. Michael Mackensen Institut fiir Vor-u. Friihgeschichte und Provinzialromische Archaologie der Ludwig-Maximilians-Universitat Feldmochinger Str. 7 D-80992 Miinchen