Prön»«eratt«uS - Preis«: Für Laibach: Nanzjährig . . 6 fl. 40 kr. Halbjährig . . 4 . 20 „ Birrteljährig . 2 „ 10 „ Monatlich . . — „ 7Ü „ MitderPost: Ganzjährig..........12 fl. Halbjährig............. «i . Vierteljährig....... 3 „ Laibacher Für Zustellung inS Haus Viertels. 25 kr., monatl. S kr. Einzelne Nummern L kr. Tagblall Anonyme Mittheilungen werdcn nicht berücksichtigt; Manuskripte nicht zurückgesendet. Nedacti«» Bahnhosgaffe Nr. 1S2. Expeditiouö-L Jnserate«-Bureau: Longreßplatz Nr. 81 lBuch-handlung von Jg.». Kleinmayr L Fed. Bamberg.) J«sertio«Spreise: Für die einspaltige PetitMt * ^ L 4 kr, bei wiederholter Än»- > schaltung L 3 kr. Anzeigen bis 5 Zeiley 20-kr. —— «ei größeren Inseraten Änd öfterer Einschaltung entspr». chmder Rabatt. Für complicierten Satz beson> dere Vergütung. Nr. 49. Mittwoch, 1. März 1876. — Morgen: Simplicius. 9 Jahrgang. Ultramontanes Pech. Es sieht ganz darnach aus, als ob die Ereignisse auf dem europäischen Festlande allmälig einen derartigen Verlauf nehmen, daß jene Herrschsüchtigrn und Ehrgeizigen, die Gottes Wort fälschen, seine Lehre aus dem Herzen der Völker verdrängen und ihn selbst zum Sklaven ihrer Anschläge machen wol-len, mit sammt den von ihnen gepredigten Afterleh-ren zu Schanden werden. Seitdem es den Jesuiten auf der letzten vaticanischen Kirchenversammlung gelungen, dem von ihnen beherrschten Papste die Un-fehlbarkeit und einen gewissen gottähnlichen Nimbus um« sterbliche Haupt zu decrelier-n, kannte ihr Uebcrmuth keine Grenzen mehr. Sofort begannen sie einen allgemeinen Krieg gegen menschliche Ver nunft und Wissenschaft wie gegen die Freiheit der Völker und Staaten, die Rom nicht KnechteSdienste leisten wollten. Dieses Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit entfesselte alsbald einen erbitterten Kampf, der von den Jesuiten und ihrem Anhänge allerorten mit den verwerflichsten Waffen geführt wurde. In ihrer thö richten Verblendung übersahen sie es ganz, daß ihr neugebackener Glaubenssatz der Freiheit und der Oberhoheit der Kirche selbst schnurstracks zuwiderlaufe, die ja von jeher als einziges Kriterium für die Echtheit ihrer Lehren die allgemeine Zustimmung, nicht aber den Willen und das willkürliche Urtheil eine» Menschen anerkannt hat, der» wie groß auch sein Ansehen seiy möge, durch sein Verhängnis der allem menschlichen Wesen inwohnenden Gebrechlichkeit und Fehlbarkeit unterworfen bleibt. Dieses Dogma ward aber auch die Ursache eines Zwiespaltes in der Kirche, denn es lehnt sich gegen die rechtmäßige Gewalt der Obrigkeiten auf, die wir ehren und welchen wir nach Gottes Befehl gehorchen sollen, als denen, die er nach des Apostels Wort der Regierung der Völker vorgesetzt hat. Schon der päpstliche SyllabuS war ein srevlcS Attentat gegen das Recht der Völker, eine Verleugnung der ihre vollen Rechte ausübenden staatsbürgerlichen Gesellschaft, eine Fackel der Zwietracht in den Händen der Diener des Friedens m,d der Milde, eine Kundgebung des Zornes, der Selbstsucht und der Ränkeschmiederei gegen den Fortschritt des menschlichen Geistes und die unwiderruflichen Rechte des Menschen, der frei und nicht der Knecht eines an» dern Menschen ist; denn er kann kein Knecht sein, den Christus einen Bruder nennt. Um nun die jesuitische Herrschaft über die Gewissen der katholischen Welt, wie sie der SyllabuS angebahnt wissen will, zu begründe» und zu befesti-gen, war es nur consequent, wenn alsbald die gröbsten Betrügereien, wie die Wunder von Lourdes und La Salette, die zahllosen Madonnenerscheinungen, die blutschwitzenden Jungfrauen und dgl. an die Tagesordnung kamen; wenn die wesentlichsten Grundlagen des Ehristenthums gefälscht und abergläubische, von der ursprünglichen Kirche verdammte Lehren eingeschmuggelt wurden; wenn alsbald auf der Kanzel, in der ullramontanen Presse und in katholisch-politi-schen Eonventikeln die Religion der Liebe in eine Waffe um gewandelt wurde, die den Gegner aufs tödlichste zu treffen bestimmt war. Der fort und fort an geweihter Stelle wie aus weltlicher Tribüne von ultramontanen Priestern und Laien aus» gehauchte Zorn und Groll gegen die freiheitliche und menschenwürdige Entwicklung des Staatslebens ist der größte Schimpf, der überhaupt dem Ehristenthume und seinem Gebote angethan werden konnte, dessen Urwesen Liebe und Versöhnung ist, ganz abgesehen von der schweren Versündigung, deren sich die Apostel der Zwietracht schuldig machten, indem sie in den ohnehin zur Auflehnung und Widerfpänstigkeit ge-neigten Gemüthern neuen Haß und neuen Groll anfachten. Wer in unserer von Nationalitätenhader erfüllten Zeit mit Berufung auf die Religion Christi die Regierung und die LandeSgesetze ein Werk der Hölle nennt und so ihr Ansehen schmälert, begeht ein strafwürdige« Verbrechen, denn Christus selbst hat befohlen, Gott zu geben, was Gottes ist und dem Kaiser, was des Kaisers ist. Noch ein größeres Verbrechen gegen die Gesellschaft ist es, gegen die Landesgesetze Verschwörungen anzuzetteln, offenen Aus-ruhr zu predigen und die niedrigen blutgierigen In« Jeuilleton. Eine Wechjelschuld. Novelle von F. Brunol d. (Fortsetzung.) Die Stimme schwieg. Der erste Lichtstrahl des dämmernden Morgens drang durch das kleine, vergitterte Fenster. Ein Schläfer nach dem ändern erwachte und der Werkführer, mehr und mehr seine Umgebung erkennend, sehnte sich nach Freiheit. End-lich erschien der Schließer; nach zwei lang durch-harrten Stunden ward er vor den Polizeirath geführt und nach vernommener Aussage und erfolgter Einsicht seiner Papiere auch sofort entlassen. Weshalb war er verhaftet worden, weshalb wurde er so schnell freigegeben? Es blieb zweifelhaft, dies mit Sicherheit bestimmen zu können. Genug, er war frei. Friedrich eilte nicht nach der Werkstatt seines Herrn, wie er dies eigentlich sollte, sondern nach der Wohnung seines alten Meisters. Nun das Gemüth ruhiger geworden, nun drängte es ihn, sich mitzutheilen, er wollte einen Rath, eine Meinung hören, um nach Anhörung derselben seinen Entschluß zu befestigen. Der alte Wildhahn vernahm die Worte seines jungen Freundes, er hörte dieselben mit der alten Leuten eigenen Ruhe an; endlich sagte er nach eini- ger Ueberlegung: „Hättest sollen gestern Abend zu mir gekommen sein, hättest dir eine schlechte Nacht erspart, eine Nacht, die du auf bessere Weife hättest verschlafen können. Doch heftiges Blut thut nimmer gut. Waidmoser kenne ich, er hat bei mir gearbeitet; er ist geschickt, aber leichtsinnig und heftig, du wirst also durch Gewalt bei ihm nichts auSrichten. Suche durch Güte dein Geld von ihm zu erhalten, denn wolltest du klagen, würde sich die Sache in die Länge ziehen. Deines Mädels Sache werde ich mit Einem vom Gericht besprechen. Stelle dich zu Mittag bei mir ein, wenn ich nicht selbst zu dir kommen solle. Jetzt komm, wir haben einen Weg." Mit diesen Worten griff der Alte nach seinem Hut, gab der Frau die Hand zum Abschiede und schritt zur Thür hinaus. Friedrich war gezwungen zu folgen. Nach kurzem Gange trennte er sich von seinem alten Meister und trat den sauren Weg zur Wohnung des Fabriksherrn an. Herr Waidmoser war nicht zu sprechen, er war ausgegangen und wurde erst nach zwei Stunden zurückerwartet. Als diese endlich vergangen, stand der Werkführer vor seinem Herrn. Waidmoser blickte flüchtig von seinem Schreibpulte auf, den Eingetretenen jedoch erkennend, setzte er noch einige Zeit seine angefangene Arbeit fort, dann wandte er sich unmuthig um und sprach: „Seid heute morgens verteufelt spät zur Fabrik gekommen. Hatte wol seine besonderen Ursachen?" Der Werkführer lächelte spöttisch, indem er sagte: „Ja, Herr, ganz besondere Ursachen." Waidmoser tobte auf. „Glaub's. Hier den Ehrbaren spielen und des Nachts sich von der Wache aufgreifen lassen — hab'S schon oft gehört, 'ne saubere Geschichte." Die Röthe de- Zorns stieg in dem Gesicht des Werkführers aus, doch sich bezwingend, trat er ruhig dem Herrn näher und sprach gelaffen: „Ich komme des Geldes wegen, wäre mir dasselbe gestern auS-gezahlt worden — die Verzweiflung hätte mich nicht die Nacht umhergetrieben. Ein Unglück hat stets mehrere im Gefolge; doch denke ich, soll mein Verdruß, mein unfreiwilliger Aufenthalt Euch, Herr, zugute kommen." „Macht mich nicht lachen!" rief der Fabriksherr. „Meine Rede ist die: laßt in Zukunft die nächtliche Wanderung, sonst müßten —" „Wir uns trennen, Herr?" fiel Friedrich ein. „Jst'S Euch genehm, so kann dies heute geschehen." Der Fabriksherr vermochte nicht zu antworten; die Thür ging auf und der alte Wildhahn trat ein. Sein Klopfen war bei dem heftigen Gespräch wol überhört worden. Mit der ungezwungenen Derbheit eines ehrlichen, schlichten Bürgers trat der alte Wildhahn dem Fabriksherrn näher und stellte den Rohrstock in die Ecke. (Forts, folgt.) stincte und Leidenschaften aufzustacheln, um den SyllabuS, da« ungeheuerliche Erzeugnis maßlosen Wahnwitzes, an die Stelle der Volksrechle und verbrieften Verfassungen zu setzen. Leider kann man sich nicht verhehlen, daß Priester und katholische Genossenschaften selbst vielfach den wahren Geist der christlichen Lchre mit Füßen getreten uud der öffentlichen Ordnung entgegen gearbeitet haben; aber eben dadurch setzten sic die Barke Petri Stürmen aus, die ganz andere Lootsen und Steuermänner verlangen, als die heutigen Lenker des Schiffleins, denen nicht nur der wahrhaft evangelische Sinn, sondern ein gut Theil weltkluger Voraussicht abhanden gekommen scheint. Jedem, der nur Augen hat zu sehen und Ohren zu hören, muß es auffallen, daß nachgerade alle die weitaussehenden Pläne und Anschläge der Ultramontanen gescheitert, daß ihre Bestrebungen in aller Herren Länder fortwährend entsetzliches FiaSco machen. Was wurde nicht seit einer Reihe von Jahren in der ganzen katholischen Welt für den „Gefangenen im Batican" in öffentlichen Betstunden zusammengebetet! Und doch hat alles so gar nichts genützt; die weltliche Macht des Papstes ist und bleibt seit dem Momente seiner Unfehlbarkeitserklärung verloren, keine Hand rührt sich mehr, dieselbe aufrichlen zu helfen, was ganz in der Ordnung ist, denn da« Reich desjenigen, dessen Stellvertreter der Papst ',u sein vorgibt, ist ja nicht von dieser Welt. Mit allem erdenklichen Aufwand von Wühle-reien, Zettelungen und — Gebet wird seit Jahren gearbeitet, Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, auf daß die ketzerische deutsche Vormacht gedemüthigt und die Aufrichtung eines protestantischen Kaiser-thums, das der römischen Curie nicht mehr den Büttel abgeben mag, verhindert und gestört werde. Nichts hat es genützt, die erste Kriegsmacht Europa'-, die Scharen Napoleons und der frommen Kaiserin Eugenie gegen dasselbe aufzubieten, der äußere wie der innere Feind wurde in nie dagewesener Weise besiegt und gedemüthigt. WaS bei den ungeschlachten und widerharigen Germanen nicht gelingen wollte, das versuchte man anscheinend mit größerem Glück bei den Romanen. Spanien und Frankreich sollten aufs neue der Hort und der Stützpunkt der ultramontanen Verschwörung gegen die Völkerfreiheit Europa's werden. In erste rem Lande hatte sich nach der Thronentsagung des Königs Amadeus von Savoyen eine „Republik" organisiert, die sich aber nur zu bald als leben« unfähig erwies und in den Stürmen der Commune und der carlistischen Räuber- und Mordbrennerbanden unterging. Die schmachvolle Kutlenwirth schast, unter welcher seit Jahrhunderten Land und Volk geschmachtet, hatte dem unglücklichen Spanien die Fähigkeit geraubt, ein volksthümlicheS Gemeinwesen aufzurichten und sich selbst zu regieren. - (Schluß solgt.) Politische Rundschau. Laibach, I. März Inland. Aus Rußland müssen wir uns dies-mal die Belehrung holen, daß vor ein paar Wochen in Oesterreich eine M i n i st e r k r i s e wirklich bestanden. ES ist das Organ des Fürsten Gortschakoff, das „Journal de St. Petersburg," welche« die« meldet. Die Krise habe ungeachtet aller officiösen Ableugnungen anläßlich der Verhandlungen mit Ungarn in dem Momente bestanden, als der Kaiser seinen Jugendfreund, den Grafen Taaffe und Len Statthalter von Böhmen, Baron Weber von Eben. Hof, nach Wien berief. Graf Taaffe sei formell zum Ministerpräsidenten bestimmt- gewesen, habe aber seinem Souverän dazu gerathen, „für jetzt" jede Veränderung aufzuschieben, „da, wenn der Wagen au« der Richtung gebracht sei, e« nicht immer im Belieben stehe, ihn anzuhalten, wann und wo man wolle." Fast bemerlenswerther noch ist die That sache, daß ein andere« Reichskanzlerblatt, die „Nord deutsche Allgemeine Zeitung" nemlich, diese Mit theilungen seines russischen AmtSbruders sehr beachtenswert" findet und ohne Rückhalt wiedergibt. Das Abgeordnetenhaus beendigte Montag die Generaldebatte über den Handelsvertrag mit Rumänien. Bei namentlicher Abstimmung wurde mit 83 gegen 167 Stimmen der Antrag der Minorität des Ausschusses auf Vertagung abgelehnt, worauf mit 145 gegen 73 Stimmen das Majoritätsvolum auf Annahme der Convention angenommen wurde. Die Schneemassen des Winters und das rasch eintretende Thauwetler haben fast überall jene ungeheuere Wassermenge erzeugt, welche die Bäche, Flüsse und Ströme aus ihren Bellen drängte. Die Donau behauptet ihren Rang als mächtigster Strom des Continents. Von den Alpen und Kar-pathen gespei-t, entfesselte sie ihre ganzc Urgewalt, wie in den alten, der Eiszeit näher liegenden Epochen. Durch eine Verkettung von günstigen Umständen blieb Wien von größeren Verheerungen verschont. Dagegen ist Pest der Mittelpunkt einer Ueberfluthung geworden, wie sie seil einer langen Reihe von Jahren nicht erlebt wurde. Nach den jüngsten Meldungen ist das Wasser constant abnehmend und tritt aus den überschwemmten Sladtlheilen zurück. Neustifl, Altofen und Neupest haben fürchterlich gelitten. In Neustift und Altofen drohen ganze Häuserreihen ein-zustürzen. Daselbst wurden 12,000 Menschen delogiert. Wie „Ellenör" vernimmt, hat die Schluß-rechnungecommission des ungarischen Ab. geordnetenhauses bei Prüfung der 1872er Gebarung des Finanzministeriums bezüglich der ungvarer Domäne verblüffende Dinge entdeckt; welcher Nakur dieselben sind, wird nicht gesagt. „Egyetertes" veröffentlicht einen fünf Spalten langen Brief, welchen Kofsuth anläßlich des Todes Deals an den Abgeordneten Helfy geschrieben. In der Einleitung erzählt Kossuth, daß Deak ihm und seiner Familie, obwol er der Pathe des einen der Söhne Kossuths gewesen, seit dem Jahre 1849 keinerlei Zeichen seiner Sympathie gegeben, wobei er andeutet, daß Deak großer persönlicher Zuneigung nicht fähig gewesen sei. Den Ausgleich nennt er eine Rechlspreisgedung. welche einen Abgrund eröffnet?, in dem Ungarn zugrunde gehen werde. Ueber Deals hohen Geist und Charakter reinheit spricht er sich jedoch in sehr warmen Worten aus. Kossuth schließt mit der Bitte, Helfy möge ein dem Briefe beigeschlossenes Cypressenzweiglein in aller Stille auf der schwelle vor Deals Grabcapelle niederlegen. Ausland. Kühler, als zu erwarlen stand, j nimmt man in Berlin die Erklärung auf, welche der baierische Ministerpräsident über das Project der Eisenbahncentralisierung abgegeben hat. Den ersten Theil dieser Erklärung, welcher bekanntlich den Standpunkt der Reservatrechte einhält, findet man überhaupt nicht auffällig; nur die osficielle Ankündigung, daß Baiern auch bei den anderen Bundes staaten gegen das Project Stimmung zu machen gedenke, wird etwas unangenehm empfunden, zumal in Dresden, Stuttgart und Karlsruhe die Stim mung ohnehki, dem preußischen Vorschläge keineswegs günstig ist. Inzwischen hat die berliner Regierung endgiltig beschlossen, sich von dem Landtage zu Unter Handlungen wegen de« Ueberganges der preußischen Bahnen an das Reich ermächtigen zu lassen. Unter dem italienischen Klerus entwickelt sich eine ansehnliche Partei, welche dem päpstlichen Verbot zum Trotz sich an den Parlamentswahlen bethei ligen möchte. Der Bischof von Pavia setzt in seinem Blatte „Scuola Cattolica" die besonderen Vortheile auseinander, welche die französischen Klerikalen aus ihrer Vertretung in der Kammer zu ziehen wissen Er schreibt: „Es ist durchaus nicht absolut unmöglich, daß die italienischen Katholiken auch Abgeordnete und Senatoren werden können, da der Papst doch früher oder später veranlaßt werden möchte, zu sagen: „Geht mit meinem Segen in« Parlament und kämpft für die Rechte der katholischen Kirche." Der zweiteWahlgang, welcher in Frankreich Sonntag den 5. März behufs Ernennung von l08 Deputierten stattfinden wird, nimmt nicht weniger als die letzte Hauptwahl das öffentliche Interesse in Anspruch. Die monarchischen Parteien und insbesondere die Bonapartisten geben sich alle erdenkliche Mühe, bei dieser Gelegenheit die Zahl ihrer Vertreter in der neuen Kammer zu vermehren. Im Interesse der Wahl ihrer Candidaten suchen die monarchischen Organe dem Resuliate der Hauptwahl einen radicalen Charakter zu geben und dadurch den furchtsamen und zweifelnden Theil der Bevölkerung zugunsten der conservativen Candidaien zu gewinnen. Gleichzeitig haben die bonapariistischen Blätter eine Aufforderung an die anderen conservativen Parteien behufs einer gemeinsamen Wahlcampagne gerichtet, welche jedoch von den meisten orleanistischen und legitimistischen Organen zurückgewiesen wurde. Die Republikaner, und insbesondere Gambetta in seinem Organ, der „Röpublique Franyaise," bieten alles auf, um einerseits den Marschall mit der Roth-Wendigkeit, eine entschieden liberale Politik wagen zu müssen, auszusöhnen und andererseits die Ge-müther zu beruhigen. „Die republikanische Partei," chreibt das genannte Blatt, „wird gleich im Anfang danach zu trachten haben, durch Mäßigung und Billigkeit das gegen sie angehäufte MiStrauen zu zerstreuen und durch äußerste Vorsicht die Interessen u beschwichtigen. Sie muß vor allem beweisen, daß re eine regierungsfähige Partei in der edlen Bedeutung des Wortes, d. i. den Leidenschaften fremd, rei von Groll und fähig ist. den Fortschritt mit der Erhaltung, die Ordnung mit der Freiheit zu vereinigen." Bataillonsweise unterwarsen sich während der letzten Tage die Car listen den Heerführern des Königs Alsonso. Es wird berichtet, daß D on Carlos den Rest seiner Truppen ermächtigte, ebenfalls die Waffen zu strecken. Er selber ist entkommen und hat die Grenze Frankreichs überschritten, doch nicht ohne ein Manifest zu erlaffen, in welchem er die Stirn hat, sich in Großmutt, zu hüllen, indem er daraus „verzichtet, die Spanier glücklich zu machen." Mil einem solchen schlechten Witze auf den Lippen leigt der schuldige Mann aus dem Blutbade, da« er angerichtet! Unter denen, welche Amnestie nachgesucht haben, befinden sich hundert Priester! Von dem au«-einanderlaufenden Heere, in welchem alle Disciplin aus den Fugen gegangen, bleiben mnthmaßlich nur noch einige auf das Brigantenthum geschulte Banden von GuerilleroS übrig. Im großen und ganzen hat das grause Würfelspiel um eine Krone, wobei jahrelang Gut und Leben von Unzähligen den Einsatz bildete, sein erbärmliches Ende gefunden. Wäre nur die Kehrseite besser! Die „Times" siehl sehr düster hinsichtlich der Rückkehr Jsabellens nach Spanien. Sie sieht ein umfassende« Gaukelspiel klericaler und absolutistischer Zelolen voraus, welches in der Exkönigin seinen Mittelpunkt haben würde. In einem ragusaner Telegramm der „Times" wird konstatiert, daß Typhus, Blattern und Diphtheritis unter den Flüchtlingen grassieren. Bon Mostar vernimmt derselbe Correspondent, daß infolge der Defraudierung von Geldern, welche zum Wiederaufbau von zerstörten Dörfern bestimmt waren, dort Zerwürfnisse unter den türkischen Beamten vorgefallen sind. Die Stimmung unter den Muselmanen gegenüber der Einführung der Reformen wird als eine sehr gereizte bezeichnet. Wenn der Berichterstatter weilgreifende ernste Collifionen voraussieht, so unterschätzt er wol dir bedeutende Truppenmacht, welche die türkische Regierung dort zur Verfügung hat. Aus dem ruhelosen Mexico kommen wieder Nachrichten über eine neue Verschwörung, an deren Spitze sich der bekannte Porfirio Diaz und General Quena gestellt haben. E« handelt sich um den Sturz der jetzigen Präsidenten Lerdo de Tejada, um Diaz an dessen Stelle zu bringen. Der elftere war der Minister de« Aeußern unter Juarez und Diaz der Vorsitzende des Kriegsgerichtes, welches die blu-tige Tragödie von Querelaro veranstaltete. Zur Tagesgeschichte. — Ein Br-ief an den Kaiser. Der Herausgeber des „Daily Telegraph" erhält eine Zuschrift, worin folgender Brief eines eilsjährigen Knaben ans Greiffendorf in Böhmen -in den Kaiser von Oesterreich mitgetheilt wird: „Herr Kaiser in Wien! Ich möchte Priester oder Lehrer werden. Mein Vater ist ein Weber und hat kein Geld. Bitte, lieber Herr Kaiser, schicken Sie mir Geld, damit ich lernen kann, um Priester oder Lehrer zu werden. Ich grüße die Frau Kaiserin und die Kinder. (Gez.) Joses Bennesch." Dieser Brief gelangte an den Privatsecretär und durch diesen an den Kaiser. Der naive Styl gefiel dem Kaiser so sehr, daß er sich beim Bürgermeister jenes böhmischen Dorfes nach den Verhältnissen des Joses Bennesch erkundigte. Als dessen Bericht günstig ausfiel, wurde der Knabe aus kaiferliche kosten beim Schnlinfpector in Zwittau (der nächsten Stadt) untergebracht und diesem die sorgfältige Erziehung des Knaben besonders ans Herz gelegt. — Das Verbot der „Gartenlaube" in Oesterreich. Der „Allg. Ztg." schreibt man aus Wien vom 25. d.: „Wie Ihnen bereits bekannt, ist der „Leipziger Gartenlaube" der Postdebit in Oesterreich entzogen worden. Wie ich Ihnen aus zuverlässiger Quelle mittheilen kann, ist dieses Verbot ans eine von ungarischer Seite gegebene Anregung erfolgt, und zwar wegen einer Reihe aus der Feder des Feuilletonisten Michael Klapp geflossener Aussätze über Gödöllö und die Kaiserin, sowie über die Kai-serin Maria Theresia. Der Verbreitung der „Gartenlaube" wird übrigen« durch diese Maßregel wenig Eintrag geschehen, da das Blatt nur in Ausnahmssällen durch die Post, meist aber im Bnä'HSndlerwege bezogen wird. Letzterer Bezug wird aber — was ausdrücklich hier erwähnt fein mag — von dem Verbote nicht getroffen." — Das wiener osficielle Telegraphen-Correspondenz-Bureau telegraphierte an die auswärtigen Blätter folgendes: „Wie von verschiedenen Seiten verläßlich berichtet wird, waren Artikel, welche Verletzungen der Ehrerbietung für lebende Mitglieder und Ahnen des Kaiferhanses enthielten, die Veranlassung, daß der „Gartenlaube" der Postdebit in Oesterreich entzogen wurde. Die Ausdehnung dieser Verfügung aus die Länder der ungarischen Krone ist bevorstehend." Man steht, daß man bei uns in Oesterreich immer mit dem Beispiel vorausgeht, wenn es sich um eine illiberale Maßregel handell. — Das neueste Postpaket mit der genannten Zeitschrift, welches am 28. v. M. in Wien eintreffen sollte, wurde den Buchhandlungen nicht zugestellt, sondern wieder nach Leipzig zurückbesördert, zum nicht geringen Schaden für Buchhändler und Abonnenten. — Vom Grafen CH am bord. Wie dem „Fansulla" aus Görz geschrieben wird, will Graf Ehambord, der bekanntlich in dieser Stadt seinen Winteraufenthalt ge-nomme» hat, die Villa Boekmaun, die er dort bewohnt, gar nicht mehr verlassen. Täglich hört der Graf feine zwei Messen an. Die görzer Mönche, besonders die Franziskaner in dem Kloster Eastagnavizza, wo die sterbliche Hülle Karls X. ruht, sollen wenig Ursache haben, sich über die Freigebigkeit oder die Frömmigkeit des letzten Bourbonen zu beklagen. Dann und wann erhält derselbe auch den Besuch des görzer Erzbischofs Monsignore Gollmayer, oder er geht aus die Taubeujagd, die er sehr liebt und so ausgezeichnet versteht, Laß ihm selten ein Schuß fehl geht. Lokal- und Provmzial-Augelegellheüeu. — (Fleischtaris sür den Monat März. Das Kilogramm bester Qualität von Mastochsen kostet 46 kr., mittlere Qualität 38 kr., geringste Qualität 30 kr.; von Kühen und Zugochsen kosten die drei Sorten Fleisch 40, 32 und 24 kr. — (Die gestrige Corsosahrt) war von der heitersten, angenehmsten Witterung von oben begünstigt. Mindestens 4000 Menschen hatten sich in der Sternallee, auf den Trottoirs des Congreßplatzes, aus dem Balkon des Lafinovereinshauses und an den offenen Fenstern der nahe-gelegenen HSufereingefunden, um sich die Rundfahrt anzusehen, an der über dreißig Equipagen der angesehensten Häuser der Stadt theilnahmen. Es herrschte in den Nachmittagsstunden von 2 bis 4 Uhr das regste Leben; es mögen wol einige Zentner Consetti und Loriandoli ansgeworfen worden sein. Dem Charakter des Faschings entsprechend besetzt war die Equipage Doberlets; eines seiner lieben Kinder stellte den Engländer und das andere , den Jockej desselben aus der Operette „Flotte Bursche" dar. Zur Erheiterung des Ganzen trugen die Musikkapellen des Jnsanterie-Reg. Nr. 46 und des städtischen Mnstkvereines bei; 15 Equipage» bethei-ligien sich an der Fahrt nach Lauerca. — (Maskenball.) Der gestrigen, in den Theaterräumen abgehaltenen Redonte kann der Charakter eines Maskenballes nicht abgesprochen werden. Nahezu hundert Masken fanden sich ein. Engländer, Türken, Perser, Spanier, Tiroler bewegten sich in heiterster Stimmung bis 3 Uhr früh nach den Motiven des Walzerkönigs Strauß. In den Logen glänzten reizende Damentoiletten. Mindestens siebenhundert Personen ergötzten sich an den Freuden, die Prinz Larneval in den letzten Stunden seiner Regentschaft gewährte. In den Reihen der Masken war auch die Damenwelt unserer deutschen Bühne zahlreich vertreten. Auch aus den Citalnica-fälen, wo ein prächtiger Maskenball stattfand, besuchten einige recht nette Maske», namentlich ein schmucker edler Ritter, ein Mephisto, ein Page n. a. das Parquett der Theaterräume. Der Fasching wurde mit einem recht heiteren Balle geschlossen — (Tanzkränzchen.) Am 28. v. M. sand sich ein Kreis von Freunden im Speisesalon des Hotels „zur Stadt Wien" ein und gab sich bis in die späte Stunde dem Tanzvergnügen hin. Der Restaurateur Herr Sch unko und seine Stammgäste haben die Ueberzeuguug gewonnen, daß sich der neue elegante Speisesalon zu geselligen Tanz-unterhaltuugeu recht gut verwenden lasse. — (Er ne Gemeinderathsfitzung) findet morgen Donnerstag Len 2. März nachmittags um 5 Uhr im hiesigen Magistratsfaale statt. Aus der Tagesordnung der öffentlichen Sitzung stehen: I. Bericht de« eingesetzten Lomjl6s Uber die dem Grasen Anton Alexander Auersperg zu seinem 70. Geburtstage von der Sladt-gemeinde darznbringende Huldigung. II. Berichte beS Magistrate«: 1> über die Reclamationen wider die Wählerliste sür die ErgänzungSwahleu in den städtischen Ge-meiuderath; 2) über die zu treffende Bestimmung der Ergänzungswahllage; 3) über die Wahl je eine« Mitgliedes de« Gemeinderathe« als Leiter der Wahlcommisston in jedem der drei Wahlkörper. — Hieraus geheime Sitzung. — (Aus dem SanitätSberichte) des hiesigen Stadtphysikates für den Monat Jänner 1876 entnehmen wir, daß entzündliche katarrhalische Krankheiten vorherrschend waren. Es starben 76 Personen, darunter 39 männlichen und 37 weiblichen Geschlechtes, 44 Erwachsene und 32 Kinder, an Tubermlofe 12, Diphtheritis 7, MaraSmus und Lungenentzündung je 5, Typhus, Scharlach und Darmkatarrh je 2. Im Civilspitale starben 27, im Elisabeth-Kin-derspltale 2, im städtischen Armenhause 2, in der Männer-strasanstalt l, in der Stadt und den Vorstädten 44 Personen. Im Civilspitale befanden sich 675 Kranke; hievon wurden entlassen 241 uud starben 27. Im hiesige» Garui-sousspitale befanden sich 198 Kranke, hievon genasen 100, Reconvalescenten 3, mit bleibenden Defecten entlassen 4, gestorben 1. — (Eis e n ba h n p o li ti s ch es.) DaS „N. W. T." ist in der Lage, eine Thatsache nach verläßlichster Information mitzntheilen, welche nicht verfehlen dürfte, in den Eisenbahn-und Finanzkreisen des In- und Auslandes einiges Aussehen zu machen. Die Thatsache fei im folgenden kurz und bündig verzeichnet. Der Herr Handelsminister hat alsbald nach Votierung der zur directen Verbindung unseres Reiches mit Italien bestimmten Bahnlinie Tarvis-Pontasel (Pon-teba Bahn) durch das Abgeordnetenhaus die bestimmte Aufforderung an die Kronprinz Rudolfsbahn gerichtet, ihre Vorbereitungen zur Uebernahme des Betriebes, eventuell des Baues der Pontebabahn zu treffen und zu dem Zwecke die Trace der neuen Linie studieren zu lassen. In Ergänzung dieser Nachricht theilen wir die aus Italien kommende mit, wonach dort die Arbeiten auf der Pontebabahn, obwol in jener Gegend der Jahreszeit halber eine rauhe Witterung herrscht, rasch vorwärts schreiten. So wird man bald zum Bau der Viaductbrücke bei Siivoli, die sünfnnd-fünfzig Bogen haben wird, schreiten, während man mit den Arbeiten bei den Galerien von Pietra, Scritto, von Maggio, Simonetti und Linque Rivi, die alle aus der Strecke zwischen Ospedaletto und ReSciutta liegen, schon beschäftigt ist. So bald als möglich wird auch die letzte Strecke der Pontebabahn von Resciutta nach Ponteba verpachtet werden. — (Von der Südbahn.) Die Verhandlungen über die Trennung der Südbahn find nach Meldung der „Montags-Revue" in allen Punkten beendet. Die ungarische Regierung ging in voller Uebereinstimmung mit der öfter-reichischen vor. Es wurde ein gemeinsames Uebereinkommen zwischen beiden Landesministerien und der Südbahn unterfertigt. Die Unterschrift des Vertrages zwischen Oesterreich-Ungarn und Italien erfolgt nach geschehener Annahme de» baseler Vertrages durch die Generalversammlung, die heute in Paris zufammentritt. — (Agiozuschlag.) Vom 1. März an wird auf den österr.-ungarischen Bahnen ein 5perzentiger Zuschlag zu den allgemeinen Tarifen eingehoben. — (Plötzliche Heilnng.) Aus Stein schreibt dem „Wiener Weltblatt" unterm 16. Februar d. I. ein geachteter Arzt folgende interessante Begebenheit: Katharina Jereb, vulgo Gerdavova von Smarca Nr. 6, politischer Bezirk Stein, Meilen von Stein entfernt, von gesunden Eltern abstammend, gegenwärtig 12 Jahre alt, ist von chwächlichem Körperbau, blasser Gesichtsfarbe, abgemagert, eit der frühesten Kindheit stets krank und bettlägerig. Die-elbe litt an fkrophulöfer Augenentzündung und war dem Erblinden an beiden Augen nahe. Rechterfeits am Halse ind von vorausgegangenen skrophulösen Geschwüren Narben ichtbar. Diese, mit häßlichen Wülsten umgeben, find ungleichmäßig, braunroth gefärbt und die oberste Hautschichte ehr dünn, der Unterleib des Mädchens aufgetrieben, unnatürlich vergrößert, ferners war rhachitifche Knochenerweichung an beiden Füßen eingetreten. — Dieser letztere Krank-beitsznstand verschlimmerte sich allmälig derart, daß die Kraule durch bereits volle 2 Jahre an beiden Füssen gelähmt und verkrüppelt war und sich nur mühsam, mit beiden Händen nachhelsend, am Boden fortschleppen konnte. Zu diesen Leiden waren in letzterer Zeit noch heftige Fraifen-anfälle hinzugetreten, welche sich 3 bis 4mal des Tages wiederholten. Obwol die Eltern, die vermögend sind, alles ür ihr krankes Kind thaten, ärztliche Hilfe weit und breit und bei verschiedenen Aerzten suchten, — trotzdem alle möglichen Heilmethoden angewandt, auch das kranke Sind zur Behandlung in das allgemeine Krankenhaus nach Laibach gebracht wurde, widerstand doch das Uebel jedweder Kunst und konnte keine Milderung, geschweige Heilung erzielt werden Aus diesem Grunde verlobten die Eltern daS kranke Kind nach Bresje in Oberkrain, Psarre Möschnach, politischer Bezirk Radmannsdorf, zur Mutter GotteS „M aria Hilf" und traten mit mehreren Ortsbewohnern die Wallfahrt am l5. August v. I, an dem Maria-Himmel-fahrtsfeste, an, an welchem Tage die frommen Pilger gegen 6 Uhr abends in Brefje ankamen. Das gelähmte Kind wurde fofort in die Kirche getragen, wohin es die OrtS-nachbarn begleiteten. Hier beteten alle, und gegen 10 Uhr nachts wollte die Tante das kranke Kind um den Altar, aus welchem sich das Bildnis Mariä befindet, herumtragen. Die Gelähmte weigerte sich dessen und wollte selbst auf ihre Weise um den Altar Herumrutschen. Bereits war das Mädchen einmal um den Altar gerutscht; beim zweitenmale bemerkte sie hinter dem Altäre unter mehreren dort aufgehängten Bildern auch ein Bildnis der Mutter GotteS „Maria Hilf" in einem Rahmen hängend, und zwar so niedrig, daß sie das Bildnis küssen konnte. Sie griff mit einer Hand nach dem Rahmen des BildeS, aber kaum hatte sie das Bildnis berührt, so fühlte sie sich wie von einem elektrischen Schlage znrückgeworsen, verspürte gleichzeitig ein Krachen im Rücken, und zwar zwischen dem dritten und vierten Lendenwirbel-Gelenke, und fiel auf die rückwärts knieende Tante, die sie einige Zeit in den Armen hielt, weil ein Fraisenanfall mit Frösteln begleitet erfolgte, der aber nicht lange andauerte. Die Kranke konnte nach diesem Borsalle schon aus den Knieen um den Altar rutschen, gerade stehen konnte sie jedoch noch nicht; wie sie aber da« drittemal nm den Altar rutschte, erhob sie sich aus einmal vor dem Altäre aus beiden Füßen, und daS erste, was die -Kranke bemerkte, war, daß sie heftigen Durst habe. Sie wurde von der Tante und einigen Nachbarn zu ei«em in der Nähe der Kirche befindlichen Brunnen geführt, wo ihr Wasser gereicht wurde. Die Geheilte trank gierig und viel, ging dann mit den Nachbarn und mehreren ander« Leute» wieder in die Kirche zurück, wo dann von der versammelte« Menschenmenge — die Augenzeugen dieser wunder-» baren Heilung gewesen — rin lauteS Dankgebet verrichtet wurde. Linige darunter hörte man vor freudiger Rührung laut schluchzen und weinen. ESmmtliche Anwesenden nebst der plötzlich Geheilten und ihrer Tante verblieben die ganze Nacht in der Kirche und beteten. Tagsdaraus suhren die Wallfahrer auS Smarca mit der Geheilten und deren Tante nach Hause, begleitet von einer großen Menschenmenge. Die Sache erregte um so größeres Aufsehen, als die Geheilte aus dem Wege nach Hause zeitweise zu Fuß neben bem Wagen einherging. Alles war voll Erstaunen und Berwunderung, das Mädchen selbst war ganz überrascht und betrachtete von Zeit zu Zeit seine nun geheilten Beine, welche so lange den Dienst versagt hatten, und griff wol auch manchesmal unwillkürlich nach denselben. Go writ der Bericht, der noch mit der Eonstatierung des „offenbaren Wunders" und mit der Bemerkung schließt, daß das plötzliche Aushörm Ler Skrophnlose, der Rachitis und der FraisenanfSlle trotz der großen Fortschritte der Natur-und insbesondere der medicinischen Wissenschaft nicht erklärt werden könne, also geneigt erscheint, das Hereingreisen einer überürdischen Macht in diesem Falle gelten zu lasten. Nur gemach, Herr Bezirksamt, Sie sagen ja selbst in ihrem Berichte, daß dos Mädchen beim Emporstrecken der Hand ein Krachen im Rückgrat spürte. Liegt nicht schon für Le» Laien die Annahme nahe, daß die früher verkrümmten und verschobenen Lendenwirbel durch das gewaltsame Strecken wieder in die normale Lage kamen und dadurch den Gebrauch der früher gelähmten Gliedmaßen ermöglichten? Ferner ist gesagt, Laß das Kind anfangs nur Versuche machte, aus den Füßen zu stehen und zu gehen, ein Beweis, daß der volle, ungehemmte Gebrauch nicht so plötzlich gekommen, wie gefolgert wird. Seit dem Vorfälle in Bresje sind zudem sechs bis sieben Monate verflossen, fürwahr ein Zeitraum mehr als hinreichend, um den natürlichen Heilungsprozeß der erwähnten Krankheitssymptome herbeizusühren. Bevor man kurzweg ein Wunder annimmt und der Wissenschaft die Möglichkeit eiuer Erklärung abspricht, thut Behutsamkeit und gewisfenhaste fachmännische Untersuchung des Falles noth, wozu wir hiemit ärztliche Autoritäten ansgesordert haben möchten, sonst arbeitet man nur dem ohnehin die Leichtgläubigkeit des BolkeS srech ausbeutenden Schwindel in die Hände. — (Verhaftung.) Ein junges Bürschchen im Alter von beiläufig 15 Jahren, welches durch sein ganzes Gebaren Verdacht erregte, wurde heute Vormitag am hiesigen Bahnhose in dem Momente verhaftet, als es mit dem triester Schnellzuge weiteisahren wollte. Man fand bei der Untersuchung in seinem Besitze außer einem Dolche und Revolver noch eine bedeutende Summe Geldes. Es liegt die Ver-muthung nahe, daß der junge Abenteurer seinen Eltern durchgehen wollte. — (Vorsicht beim Briesansgeben.) Die Postdirection berichtet folgendes: EL ist in jüngster Zeit durch die Beobachtungen der Aufsichtsorgane der k. k. Postdirection für Wien und Umgebung in mindestens 30 Fällen sestgestellt worden, daß die Einlegung von Briesen oder an-deren Briespostsenduugen in die Bries-Sammlungskästen in einer so unvorsichtigen Weise geschieht, daß Theile der betreffenden Briefe oder dergleichen aus der Einwnrss-öfsnung der Briessammelkäsien herausragen. In dieser Weise wird muthwilligen oder böswilligen Personen die Gelegenheit geboten, die Entsremduug der betreffenden Briefpost, sendungen zu versuchen und häufig zu bewerkstelligen, ohne daß der Postanstalt Mittel geboten wären, solche Angriffe auf die ihr zugesührten Versendungsobjecte in allen Fällen abzuwenden. Beispielsweise ist letzthin der bedauerliche Fall vorgekommen, daß ein Schulmädchen im Alter von acht Jahren in kurzen Zwischenräumen Briese, welche in einem Briefsammelkasten in der gedachten mangelhaften Art hinterlegt worden waren, entwendet und sich sogar den in einem derselben enthaltenen Betrag von 4 fl. zugeeignet hat. Die k. k. Postdirection hält sich im Interesse des Publikums sür verpflichtet, die öffentliche Aufmerksamkeit auf derlei Vorfälle zu lenken und daran die dringende Einladung zu knüpsen, bei Einlegnng von Briesen in die Post-Sammel-kästen mit entsprechender Vorsicht vorzugehen und namentlich dafür Sorge zu tragen, Laß die Ecken, Ränder rc. der hinterlegten Briese nicht unter Len Klappen Ler Einwurss össnungen der Sammelkästen berauSragen. — (AuS dem Amtsblatt«.) Kundmachung über den Ausbruch der Rinderpest zu Bilibrig, Malivukarri und Lumbardnik in Kroatien. — Aufnahme von Diurnisten zu GrundbuchSarbeiten; Gesuche binnen 14 Tagen an das hie» sige LandeSgerichtSpräsibium. — Besetzung einer Kanzlei-osstciali.elle beim landschaftlichen Hilfsamte; Gesuche bis 31. März an den krainischen Landesausschuß. — Besetzung einer Gesangenaufsehersstelle beim Kreisgerichte in Rudolss-werth; Gesuche bis 27. März an das dortige Gerichts-Präsidium. — Unterlehrerinstelle zu Lutlenberg; Gesuche bis 1. April an den Bezirksschulrath in r.nttenberg. — Ge-meindearzt sür den Gerichtsbezirk Eanale; Gesuche bis SVsten April an die Bezirkshauptmannschast Görz. — Kundmachung über zu vertheilende Armenbücher; Gesuche bis 20. April an den krainischen Landesschulrath. — Stencreinnehmers-stelle in Kram; Gesuche binnen 4 Wochen an die hiesige Finanzdirection. — (Landschaftliches Theater.) Unsere hoffnungsvolle Jugend unterhielt sich gestern bestens an den Schnacken .Eulenspiegels." Hr. Thall er lEulenspiegel), Fr. Paulmann (Dorothea) und Hr. Steinberger (Nazi) bildeten ein prächtiges Kleeblatt, welches durch seine Späffe unsere Kinderwelt durch anderthalb Stunden recht ergötzte. Die kleinen Hände klatschten ohne Unterlaß Beisall. Nach der Vorstellung begann die Lotterie. Es wurden neun Treffernummern gezogen und die Gewinnste sogleich aus-gesolgt. Leiber konnte sonach Göttin Fortuna nur neun von den erschienenen zweihundert Kindern sich günstig erweisen. Witterung. Laibach, 1. März. Morgens leicht bewöltt, Morgenroth, später theilweise heiter, Sonnenschein, schwacher SW. Temperatur: morgens 7 Uhr -s- 0-6°, nachmittags 2 Uhr -j- 10 4" 6. (1875 -1- 1 4«; 1874 -j- 2 3° 0.) Barometer im Fallen 734 97 mw. Das gestrige Tage«mitul der Temperatur -f- 2 5', um 1-1° über dem Normale. Angelommene Fremde am 1. März. Hotel Stadt Wie«. Musquitter und Freistadtl, Kaufleute, Wien. — Zebal, Lack. — Strauß, Frankfurt. — Gollob, itsm., Oberlaibach. — Vogl, Gottschee. Hotel Elefant- Tausche-, Tilli. — Scolaris, Laibach. — Skuhra jammt Frau, und Spitzkops, Ksm., Wien. — Schwarz, Eommenda. Hotel Europa. Pajk, Prosessor, Marburg. vaierischer Hos. «met, Verzehrnngssteuer-Rev., Krainbnrg. Moyre». Loker, Kraiuburg. — Bajus, Ungarn. — Ple-vanc, GeschiistSm., Unterkrain. — Bogadi, Reis., Agram. Verstorbene. Den 29. Februar. Heinrich Jusek, Schriftsetzer, 23 I. und 8 M., in der Stadl Nr. 197 und Anton La pajue, Schreiber, 28 I. Tioilspital, beide an Lungentuber' culose. Theater. Heute: Erstes Gastspiel der achtjährigen Dora Friese Morgen: Zweites Gastspiel der achtjährigen Dora Friese: BettiSchnippo, die kleine Kün st-ler in. Intermezzo mit Gesang von Carl Gärtner. J l Baccio. Lustspiel in 1 Äct von Rosen. Scheu vor dem Minister. Lustspiel in 1 Act von Solotka. Groß papa und Enkelin. Genrebild mit Gesang von Gärtner Antwort auf Devise von M. Goßner. Wenn du Jntriguen spinnst, so habe stets den Ausgang vor Augen, auf daß es dir nicht überall so ergehe, wie vor Jahren in der Neuhausaffaire, in der du zum mindesten eine sehr zweifelhafte Rolle gespielt. Aufklärung wäre nöthig, denn sonst weiß ich nicht, warum und wozu ich Vorsicht brauchte, es sei denn, daß du deiner Einbildungskraft sreien Laus gelaffen und mit voller Zuversicht an etwas glaubst, was nicht ist. (110) An dir p. t. Herren Riigkiecler der Mkarm. EeseMa/i. Zur statutenmäßigen Erledigung des in der Directions-sitznng vom 23. d. M. gestellten Antrages auf Ernennung >sr. Excellenz des Grasen ^Ltoa zum Ehren- mitgliede der philharmonischen Gesellschaft wird im Sinne der Z8 l9 Z. 2 und 20 der Statuten die Plenarversammlung auf Sonntag den 12. März 187« vormittags halb 11 Uhr im Glassalon der Casinorestauration einberufen. (102)3-2 Der Gesellschaftsdirector. 8 Damenpulver D »u, »«„«tabikisHta Substanzen zubereitet, gibt cker Laut Ekafticilüt und Frisckc, ^ I Paket lO kr.. 1 Schachtel 40 kr. ^ ^ Nur bei (81) 10—1 E Apotheker, Menerstraße, Laibach. Äk Die seit 70 Jahren in Wien bestehende Firma WAmZim beehrt sich den, p. t. Publikum Laibachs und Umgebung die ergebene Anzeige zu machen, Laß sie von Donnerstag den 2. März an im Hotel „Stadt Wien" ein reichhaltiges Musterlager aller Gattungen Müfcke, Kinäer - Eonfections-artikek, Trousfean« für Mrüute unä Annettes für neugeöorne Ainäer (>03> 2-2 zur geneigten Auswahl bereit hält. Recht zahlreichen Zuspruch erbittet sich hochachtungsvoll Wiener Börse vom 29. Februar. St»»t«k«»LÜ,. Held 5perc. Rente, öst.Pap. «8 05 dt», dto. oft. in Eitb. 12 ,u iosc von 1854 vose von IA,V, ganze!!» LS Sosevon 18«», Fünft. 120 — Prämiensch. v. IW, . - c>rru»üvQt.0dI. Siebenbürg. 77-—l Ungar» ,7-50 ^ «Uv». Ware 68-15 72-j,o I>7--1I1--0 ILI 77 50 78'- »nalo-Bank............89 Kreditanstalt.......ii75 D-Vofitenbant. . . . — EScomptc-Anstatt . .685 Franc--Bank . . . . 2!< Handelsbank..........k>2 »ationalballl . . . . 885 Oest. Bantgelells. . . I7s Union-Bank..........73 VerkehrSban!........7s. Ülsold-Bahn . . , .117 Karl Ludwiabahn . . IS4 Ikail. LIis.-Bahn . . >62' «ais. Fr. Josessb . .142 klaatSbahn.........rsr. Südbahn.............w» SO! 89-75 S0 175-50 es5' — 2!,'25 ro 5S- - - 50 I7»'5« SO 7.1-75 >— 78 50 -117 bv 2S ISt'50 50 I0Ü--50 14»— Ü0^28»'5V «5 >0« 5« I'kLQllkrtvk«. Allg. öst. Bod.-Credit. dto. in 38 I. . . Nation, ö. W. . . Ung. Bod.-^rcdikanft. Vrtorit»t«-VK1. ranz IosesS-Bahu . )est. Nordweftbahn . Siebenbürger . . . . Staatöbahn.......... Südb.-Ges.zu 50« Fr. dto. Bons Credit -- Lose . . . Rudolfs Lose. . (3Mon.) AngSb.iovfl. südd.W Franks. ivc Mark. amburg „ ondon 10 Pfd. Sterl. Paris 100 Franc» AilÜLrvL. Kais. Münz-^Ducaten 80-Francsstück . . . . Kassenscheine. ilber . . Geld' Mare 101 — 101'50 90—1 9"-25 96 85! 97.^ 85 75 86.— 9L--> 98 25 90 75 91— 67'75 68 - 106- 164 75 13 50 55 SO 55 90 55 r'O 114 45 ^5 50 106 50 165 14 56 10 56 15 66 ,0 114 70 45 55 539 9-17^ 56 45 10880 540 V-18»/, 56 50 103 — Telegraphischer Cursvericht am 1. März. Papier-Rente 68- Silber-Rente 72-75 — 18Mer Staats-Anlehen 111 SO. — Bankactien 884. — LreLit 176 — — London 114 50. — Silber 102-30 — K. k. Münz-ducaten 5-39-/,. - 20-Fraiics Stücke 917. — 100 Reichs-mark 56.45. Druck von Jg. v. «leinmavr ck Ked. Bamb.rg. Verleger Ottvmar Bamberg. Kür die Redaction verantwortlich: Franz Spitaler.