Präusmkkalions - Preise: Für Laibach: Ganzjährig . . . 8 fl. 40 tr. Halbjährig . . . 4 „ 20 „ Vierteljährig. . . 2 „ 10 „ Monatlich . . . — „ ;o „ Mit rer Post: Ganzjährig . . . 11 fl. - kr. Halbjährig . . . 5 „ 50 „ Bierteljährig. . . 2 „ 75 „ Für 3'iflcßuiig ins HauS viertel- jährig 25 kr., monatlich D tr. Einzelne Nummern 6 tr. Laib ach er Tagvlatt. Anonime Mittheilungen werden nicht berücksichtigt; Manuskripte nicht zurückgesendet. S da k I io n iPahnhofflnffe Nr. 13t. (BiprMlion und Änscratcu-üurean: Longreßplatz Nr. 81 (Buchhandlung ccn 3. e.Jilciiinrnhtjfc5$. Bamberg), Äiiscrlionspreise: Für die einspaltige Petitzeile 3 fr bei zweimaliger Einschaltung & 5 fr dreimal & 7 fr. InsertionSilempcl jedeSuial 30 fr. Bei größeren Inseraten uud öfterer Pinschaltung entsprechender Rabatt. Nr. 199. Donnerstag, 31. August 1871. — Morgen: Aegydius. 4. Jahrgang. Die Internationale und der Jesuitismus. | ii. Die wahre Gefahr steckt übrigens nicht in der größer» oder kleinern Anzahl der Mitglieder der Gesellschaft, wohl aber in ihren Grundsätzen und Lehren und in der außerordentlichen Rührigkeit der Genossenschaft. Die Ultramontanen zählen aus die Unwissenheit und den Aberglauben der Massen, ans ihre Höllen- und Todesfurcht; die Häupter der Internationale gründen ihre Gebäude auf deu wü-thenden Haß der Besitzlosen gegen die Besitzenden. Von beiden Parteien werden die schlimmsten Leidenschaften der unwissenden Masse gehätschelt, entflammt und entfesselt. Hier verspricht man daö Paradies auf Erden, dort das himmlische Jerusalem. Die stumpfe uud denkunfähige Menge geht hier wie dort in die ihr gestellte Falle. Mit dem sauer ersparten Groschen liefern die Arbeiter der Internationale die Mittel, in London auf hohem Fuße zu leben, gerade wie zur Zeit des letzten Pariser Sturmes die armen Teufel der Kommune sich mit den Versailler Truppen um den Sold von 50 Sous täglich schlugen, während die Häupter der Kommunisten in Sans und Braus auf dem Stadthause und in den Tuile-rien schwelgten. Die Internationale zieht das Volk aus zum VortHeile irgend eines Ehrgeizigen, die Ultramontanen thun dasselbe zu Gunsten des Klerus. Das Kapital, schreit Karl Marx, nützt die Kraft und daö Leben des Arbeiters aus; aber dieser neue Messias der Arbeiter thut keinen Schritt vorwärts, um das Los des Arbeiters zu verbessern ; er nimmt dem Arbeiter vielmehr das Geld ab, welches ihm das Kapital als Entgelt für feine Arbeitsleistung gezahlt hat, und händigt ihm großmüthig einen Wechsel ein auf den Staat, der da kommen soll in 1000 Jahren. Dasselbe Manöver beobachten die Jesuiten. Für die Unsummen, die sie dem Volke Jahr aus Jahr ein abfchwindeln, geben sie ihm einen Wechsel zahlbar im Jenseits. Welche erbauliche Geschichten bekommen wir nicht Tag für Tag zu hören von den Wühlern und Hetzern der eineu und der ändern Partei, von schändlichem Mißbrauch, den sic mit dem anvertrauteu Gelde treiben! Unter dieser gleißenden Oberfläche gährt ein entsetzlicher Schlammvulkan, und wenn er einmal loöbricht, kann nur wieder die Scheußlichkeit einer Pariser Kommune entstehen. Bei unterschiedlichen Gelegenheiten hat die Welt die Internationale schon am Werke gesehen; sie bietet in ihren Versammlungen das Schauspiel eines Toll-hauses; in den Arbeitseinstellungen, die sie gebietet, zeigt sie ihren tyrannischen Charakter, indem sie mit brutaler Gewalt dem Arbeiter, der arbeiten will, daö Recht auf Atibeit benimmt; Endlich im Besitze der Macht hat sie in der Pariser Äommnne in einer langen Reihe entsetzlicher Verbrechen bis ans den Grund ihrer Bestrebungen einen Einblick gestattet. Wie die Gesellschaft Jesu stellt sie als oberste» Grundsatz auf: der Zweck heiligt daö Mittel. Wenn daö Volk es nicht merkt, daß es als Werkzeug benutzt wird zur Erreichung.Dieser Zwecke, so liegt der Grund darin, weil einerseits der Haß gegen die Besitzenden, andererseits der Mangel an Bildung es blind macht. Daö Volk in Frankreich büßt jetzt den angerichteten Schaden der Kommune, sowie es früher die Greuel und Verheerungen der Bauernaufstände (Jacquerie) und der Revolution aus seinem Säckel bezahlt hat. Spartacus Sklavenaufstand unter de» Römern schlug fehl wie der des Thomas Münzerund des Johann von Leiden; die Herrschaft der Tugend uud dcö Schreckens unter Robespierre stürzte 1794 zusammen wie ei» Kartenhaus, als daö Pariser Bürgerthum die Entdeckung machte, daß es selbst die Mehrheit bilde und nicht die Jakobiner. Ein besseres Schicksal erwartet die Internationale schwerlich. Eine Räuberbande kann eine Stadt überrumpeln, welche argloö und ohne Verteidigung ist uud selbe plündern, aber eine» neuen Staat, eine neue gesellschaftliche Ordnung zu gründen vermag sie nicht. In ihren Versammlungen wie i» ihren publizistische» Organen erkläre» die Anhänger der Internationale, daß sie sich i» Kriegszustand betrachten wider die gegenwärtige Einrichtung der Gesellschaft. Die Pflicht der Selbsterhaltung zwingt die Gesellschaft, zwingt daö Kapital, diese Meinungen, diese tollkühne» Strebungen zu bekämpfen. Weder Bildung noch Knust, weder Eigenthum noch Talent, wenn sie sich über das gewöhnliche Maß erheben, finden Gnade vor der Internationale. Sie wollen damit „reinen Tisch" machen; kann man also für uuö Gnade und Großmnth erwarten? Krieg führt man aber bekanntlich nicht mit Hilfe der Massen uud der rohen Kraft allein, sondern mittelst der Wissenschaft und deö Geldes. So kann der Kampf unmöglich lang dauern. Die Gesellschaft läßt jedermann seine Träume uud seine Thorheiten, aber sie ist stark genug, deren Verwirklichung zu hindern. Darum gehört es auch in daö Machtbefugnis) des Staates, diesen Überschreitungen der gesellschaftlichen Schranken, die sich Internationale und Jesuitismus nennen, ein Ziel zu setze». Der Ultramoutauisrnus, dem die Unterstützung des Staates fehlt, hat die Hälfte feines Einflusses cingebüßt; dasselbe wird mit der Internationale der Fall fein, wenn ihr die Macht benommen ist, die Arbeiter zu verführen und ihnen das Recht und die Freiheit, zu arbeite», zu rauben. Jeuiü'eton. Aus der Kinderstube. Es ist allemal ein großes Ercigniß im Leben, wenn der Mensch sich auf eigene Füße stellt, und der erste Versuch dazu pflegt meistens nicht der am wenigsten anerkannte zu sein. Welch eine Freude, wenn daß Kindchen sich entschließt, die ersten Schritte zu machen. Vater und Mutter sitzen ans der Erde, v°" Ei"em zum Ändern, sehr schwankend, |Ci)i unsicher, zwischen den schützenden Armen die sich von beiden Seiten nach ihm ausbreiten, und es wird für feine Heldeuthat mit Küssen und den süßesten Schmcichelnamen überschüttet. Dan» nimmt die Mutter es auf de» Schoß, der Vater setzt sich neben Beide, und die Eltern find ganz feierlich zu Sin» in beut erhebenden Bewußtsein, daß sie jetzt einen Sohn haben, der schon gehen kann. Aber jedes irdische Glück hat seine Kehrseite, und so stellt es sich auch für sie im Laufe der Zeit heraus, daß es gerade nicht zu den 'größten Bequemlichkeiten gehört, wen» das eigene Fleisch und Blut auf zwei aparten Beincheu feine Entdeckungsreisen durch die Zimmer anstellt. Man kann das Kind nicht aus den Augen lassen. Zunächst entwickelt es starke Neigung und bedeutendes Talent, überall hinzugeratheu, wohin es durchaus nicht gehört, um sich allerlei Dinge auf den Halö zu reiße», die weder seinem Schmuck »och seiner Bekleidung »othwendig sind, als zum Beispiel Tischdecken, Glasschalen, Vasen und Porzellan-figuren. Dann kommt das Klettern an die Reihe und erhält die Mutter in einer beständigen Aufregung. Bald steigt es auf die Sofalchiie, bald fällt es von der Fußbank, bald fleht cö auf dem Stuhl am offenen Fenster, bald gcröth es in des Papa'ö Sludirstube und bedroht dessen Papiere mit dem Dintenfaß. Es entfaltet einen im gemeinen Thätig-keitsbetrieb und es ist iit jedem Augenblick unberechenbar. Nur sehr selten entschließt es sich zum Still-sitzen neben der Mutter, verlangt aber auch in diesen seltenen Fällen zur sofortigen Belohnung seiner Tugend nach fünf Minuten schon wieder „nppa" genommen zu werden. Noch schwieriger wird die Sache, wenn auch der Wissensdurst in dem jungen Gemüth erwacht, der sich zuerst in dem Wunsch nach Erlangung von allerlei mechanischen Fertigkeiten äußert, welche der Junge an den Erwachsenen beobachtet. Zunächst erregt es zwar große Heiterkeit, wie eS sich eines TageS dem Vater gegenüber auf einen Stuhl fetzt, ei« Zeitungsblatt verkehrt in der Hand, und gerade solch ernstes aufmerksames Gesicht macht, wie fein Vorbild. Als er aber sehr bald darauf in Nachahmung von der Mutter Thätigkeit sich über deren Strickzeug her macht und, da ihm der richtige Gebrauch' desselben doch nicht recht klar ist, fiinrmtlichc Nadeln herauszieht und das Strickgarn zu einem unentwirrbaren Netz um die Tischsüße schlingt, findet mau das viel weniger scherzhaft. Fräuzchen verfährt nämlich ganz nach Peftalozzi's Grundsätzen. Er bekehrt sich durch Anschauung und geht dann frisch an das Werk. „Was machst Du da?" fragt er eines Tages die Taute Pathe, ater sieht, daß sie mit einer Scheere allerlei Löcher in. ein Stück weißes Zeug schneidet. „Ich sticke, mein Fräuzchen. Sieh, aus jedem Loch wird ein hübsches Blättchen." Fräuzchen kann nun zwar die Blättchen nicht entdecken, die seiner Meinung nach grün sein müssen, aber die Beschäftigung sagt seinem Geschmack zu, und als die Tante unvorsichtiger Weise ihre Stickerei liegen läßt und in das Nebenzimmer geht, nimmt er die Scheere und benutzt sie, wenn auch nicht ganz so geschickt, wie sie, so doch mit vielem Fleiß, zu der Zurückkehrenden nicht geringem Entsetzen. Politische Rundschau. Laibach, 31. August. Inland. Nur ein paar Tage trennen uns noch vom Beginne des Entscheidungskampfes. Ein Urtheil über den Erfolg der Wahlkämpfe wäre heute noch voreilig. Doch zweierlei steht bereits unumstößlich fest: dem Grafen Hohenwart wird eS nicht gelingen, was immer für Künste er aufbieten mag, eine Zweidrittel-Majorität im Abgeordnetenhause zusammen zu bringen, mit der sich die Verfassung auf verfassungsmäßigem Wege abihuit läßt; dann hat die Wahlbewegung unter den Deutschen klar gezeigt, daß die Offiziösen schändlich gelogen, wenn sie behaupteten, nicht die deutsche Gesammtbevölke-rung stehe für die Verfassung ein, sondern nur ein kleiner Bruchtheil. Es war eine arge Täuschung, wenn die Regierung glaubte, die Deutsch-Oesterreicher steckten bereits sammt und sonders in den katholisch-politischen Kasinos. Die „Wiener Abdpst." hat in ihrer letzten Nummer ihren Polterton wieder aufgegeben und verspricht, in Hinkunft „mit Ruhe und Mäßigung, sachlich und objektiv die Lage, wie sie erscheint, zu besprechen, falsche Annahmen oder absichtliche Entstellungen aufklärend zu berichtigen, den VersöH-nungsgedanken zu vertrete» und kann von der Hoffnung nicht lassen, daß wieder eine Zeit kommen werde, wo die gesummte österreichische Presse sich nur einer solchen Redeweise bedienen wird, wie sie der Publizistik eines Kulturstaates entspricht." Wenn weiters das Blatt behauptet, seine Empfindsamkeit sei dadurch rege geworden, daß ein so gereiftes politisches Element, wie das deutsch- österreichische, neuerdings in eine unfruchtbare Negation gedrängt wurde, so haben wir darauf nur die Erwiderung, daß die Negation und die Ablehnung der Hohenwart'schen feudal - klerikalen Ausgleichspolitik den Deutschen gerade durch ihr gereifte« politisches Urtheil diktirt wird. Was aber die „Redeweise eines Kulturstaateö" anbelangt, deren Wiederkehr die „Wiener Abendpost" so melancholisch herbeisehnt, so möchten wir fragen, wer denn zuerst in Oesterreich die Redeweise der „rohesten Unkultur" gepflegt, wer denn die „Schmeißfliegen" die „abgewirthschafte Klique," die „Preußenfeuchler," die „Hochverrälher" und hundert andere niedliche Artigkeiten gegen die Deutschen erfunden hat, als gerade die Regierungspresse. Warum richtet die Ministerielle ihre Mahnungen nicht an die knüttel- und steinbewehrten Helden von Jantschberg und Karlhaus, an die Hostowitzer Nagelschmiede, an die Lemberger und Krakauer Juden-plünderer, an ihre guten Freunde und Verbündeten? Die Thatsache übrigens, daß den Deutschen die Steuerlast zugedacht ist, welche den Ezechen, Slo- „Onkel Doktor, warum sieht Dein Pudel heute ganz anders ans?" fragt er ein ander mal den Hausarzt. „Er ist geschoren, mein Kind." „Was ist das, geschoren?" „Man nimmt eine Scheere und schneidet ihm die Haare ab." Unstern Fränzchen ist dies zu erfahre» sehr interessant. Er hat auch einen Pudel, aus Pappe mit Wolle beklebt. Im nächsten unbewachten Augenblick ergreift er der Mutter Scheere und sucht die Belehrung praktisch anzuwenden. E« geht vortrefflich, aber der Pudel wird gar zu bald kahl, und der Eifer des strebsamen Jungen noch lange nicht abgekühlt. Er versucht es also, sich selbst zu scheeren, und da er sich sehr bald überzeugt, daß dies Vergnügen wegen der damit verknüpften Unbequemlichkeit sehr mäßig ist, besinnt er sich auf den Plüschteppich in der Putzstube. Er hat gerade so lange Haare, wie sein Pudel sie hatte, die Jdeenverbin-dung ist also klar. Dabei entdeckt ihn die Mutter, und es erfolgte eine Erziehungsszene, in der man ihm auf sehr eindringliche Weise nach alt bewährter Methode dauernden Abscheu vor schneidenden In- Venen und anderen Nationalen abgenommen wird, s die Vermehrung der Verwaltungskosten durch die k Ausheilung Oesterreichs in 17 Staaten bestreitet o die „Abendpost" mit keiner Sylbe. Der „Pokrok" v agt eö ohne alle Umschweife offen heraus, daß alle t Befürchtungen der nichtböhmischen ReichStheile voll- r 'tändig begründet sind. Die Ezechen, weit entfernt, für andere Länder beizusteuern, sollen nicht einmal t die Kosten der für sie nach dem Ausgleiche zu schaf- r fenden neuen Aemter zu tragen haben; den kü»f- l tigen obersten Gerichtshof der Ezechen, die künftige l czcchische Universität rc. zu erhalten, da sollen die * deutschen Länder herhalten. $ Der Herr Statthalter von Oberösterreich, Bar. | Konrad v. Eibiöseld, eröffnete am 29. d. den c von 1500 Mitgliedern besuchten österreichischen Lehrer- t tag in Linz und begrüßte die Lehrer sodann im s Rauten der Regierung und sagte: „Ich kann Sie t versichern, meine Herren, Se. Majestät wünscht den t Fortschritt der Schule lebhaft. Ihm liegt es fern, s daß von dem bereits Geschaffenen etwas verloren § gehe oder verkümmert werde. Der Kaiser wird nie t zugeben, daß ein Rückschritt auf diesem Felde ge- c schieht, im Gegentheil läßt Se. Majestät dem Fort- , schritt der Schule nie ein Hitiderniß in den Weg i legen. Auch die Regierung wird es sich zur Auf- s gäbe stellen, die freiheitliche Entwicklung in Oester- j reich zu fördern und unbekümmert vorwärts schreiten." \ (Bravo.) Mit einem Hoch auf die Lehrer Oester- i reich« schließt der Statthalter seine durch Beifall z oft unterbrochene Rede. i Offiziösen Mitteilungen in deutschen Blättern < verdanken wir es, daß wir über die Ergebnisse der : Gasteiner Konferenz allmälig aufgeklärt werden. Aus den bisherigen Andeutungen ging klar j hervor, daß die Verhandlungen in Gastein wohl i nicht zum Abschlüsse bündiger Verträge geführt i haben, dafür aber das werthvolle Resultat hatten, j den leitenden Staatsmännern Deutschlands und Oesterreichs die Erkenntniß zu verschaffen, daß auf dem ganzen Gebiete der europäischen Politik auch nicht eine Frage besteht, in welcher die Interessen und die Auffassung der beiden Staaten nicht vollkommen zusammensaUen. Nun erfahren wir aus einem telegrafisch signalisirten Artikel der preußischen „Kreuzzeitung," daß nicht bloS zwischen Oesterreich und Deutschland eine solche Übereinstimmung bestehe ; auch das Königreich Italien habe erklärt, daß es in diese Gemeinsamkeit der Ansichten und Interessen eintrete, und seine Politik auf dieselbe Basis mit der Politik Deutschlands und Oesterreichs stellen wolle. Dieselbe Mitteilung finden wir in einer Wiener Korrespondenz der „Kölnischen Zeitung," und sie erscheint gewiß sehr glaubwürdig, wenn man bedenkt, welch ausnehmend wohlwollende Haltung die gesammte italienische Presse den Ga« strumenten betzubringen versucht und dann auch noch die Poesie zu Hülse ruft, indem man in sein durch Thränen erweichtes Gemüth bas alte schöne Versieht einprägt: Das Messer schneidet, die Gabel sticht, Mit Scheeren spiel' bei Leibe nicht! Eine Weile hilft das; aber da die freie Tätigkeit der Hände beschränkt ist, so verirrt Fränzchen sich auf geistiges Gebiet, er fängt an, über Grund und Wesen der Dinge nachzudenken, und sucht sie zu erforschen. Die in der Küche beschäftigte Mutter hört laute«, Unheil verkündendes Geschrei, und als sie schnell hinläuft, findet sie ihr Fränzchen mit dem Kopfe zwischen Spiegel und Wand geklemmt. Er hat ergründen wollen, ob hinter dem Spiegel nicht am Ende ein wirkliches Zimmer mit einem kleinen Jungen darin steckt, und ist so in diese traurige Lage gekommen. Er kriecht unter den Flügel und bearbeitet den Resonanzboden mit Händen und Füßen, um sich über die Klangwirkung zu belehren. Kahl geschoren hat er seinen Pudel schon; nun wandelt ihn die Lust an zu sehen, woran es liegt, daß ey bellt, wenn man unten an den beiden Holzbrettchen steiner Verhandlungen gegenüber beobachtet hat. So kann man sich wohl der Hoffnung hingeben, daß aus den Konferenzen in Gastein der Keim zu einer mächtigen Tripelallianz hervorgehen wird, welche nur dazu bestimmt werden kann, eine Garantie für die Erhaltung des Friedens abzugeben. Ausland. Die deutsche offiziöse Presse wendet den parlamentarischen Vorgängen in Frankreich sichtlich eilte erhöhte Aufmerksamkeit zu. Insbesondere ist sie auf das Schicksal des Rivet'schen Vorschlages sehr gespannt, da von demsellen die Frage abhängt, ob sich die Verwaltung des Herrn Thiers, unter dessen Auspizien bekanntlich der Frankfurter Frieden abgeschlossen ist, befestigen oder ob die monarchische Rechte endlich den Muth und die Kraft zum Sturze des greisen Staatsmannes finden wird. Die deutsche Regierung wünscht offenbar die Befestigung der Stellung des Herrn Thiers, da sein Rücktritt die Verhältnisse in Frankreich fast sicher unentwirrbaren Konflikten zutreiben und die Ausführung des Frankfurter Friedensvertrages weit hinausschieben wird. Aus diesen Gründen ist man auch für die Erhaltung der Republik, da die Errichtung der Monarchie den Bürgerkrieg in Frankreich unzweifelhaft entfesseln würde. So viel scheint fest zu stehen, daß man deutscherseits nicht geneigt ist, der französischen Republik in Bezug auf die Ausführung des Fricdensvertragcs, namentlich was die Räumungsfrage anbelangt, irgend welche Konzession zu machen, so lange nicht dem Parteitreuen in Versailles ein Ende gemacht ist, jedenfalls nicht eher, als bis die Frage wegen Verlängerung der Thiers'schen Vollmachten enlschicden ist. Der „Köln. Ztg." wird aus Paris, 26. Aug, über die Demissionskomödie des kleinen ThierS geschrieben: „Ein großer Theil der Majorität ist natürlich noch wüthend über Thiers, aber die Majorität kann nichts thun, weil sich für ihn kein Ersatzmannfindet. Die 150, die in der Nationalgarde-Frage gegen Thiers stimmten, hielten vorgestern und gestern Versammlungen ab, um über den Nachfolger des Herrn Thiers zu beschließen; aber sie konnten sich darüber nicht einigen. Man schlug Mac Maho», Ehangarnier, Chanzy und sogar den Herzog von Aumale vor. Keinen fand man genügend ; gegen den Herzog von Aumale erhoben sich besonders die Lcgitimisteit. Daß Thiers, als er seine Entlassung mtkündigte, keine Komödie spielte, ist vollständig sich.r. Sofort nach seiner Rede begab er sich in den Saal, wo sich die Redaktions-Sekretäre befanden. Er hatte schon seine Demission geschrie-bin und die ersten Buchstaben seines Namens darunter» gesetzt, als mehrere Depntirte tu den Saal traten. Sonbeyran und Pagds-Dnport bemächtigten sich der Schrift, zerrissen sie und bestimmten Thiers, in den Sitzungssaal zurückzukommen." drückt. Daß bet der Untersuchung der Pudel entzwei geht, ist nun doch wahrlich nicht die Schuld des Jungen. Womit sein Schaukelpferd ausgestopft fein könnte, ist bas nächste Problem, das ihn beschäftigt, und als er ihm deshalb mit einiger Mühe ein Loch iu den Hals gebohrt und sich von den darunter befindlichen Haaren eine klare Anschauung verschafft hat, ist es nur natürlich, daß er vergleichende Studien an der Schwester Puppe anstelle» will. Unglücklicher Weise hat diese aber statt der Haare nur Kleie im Leibe, die sofort durch die etwas groß ge-rathene Oeffnung entweicht, was die Puppe in einen ungemein schwindsüchtigen Zustand versetzt und ihrer Besitzerin vielen Kummer verursacht. Es erfolgt abermals eine Erziehungsszene, und der Vater läßt zum ersten mal das bedeutsame Wort fallen: ES ist nicht mehr auszuhalten mit dem Jungen, er muß nächstens in die Schule. Je mehr sich Fränzchen's Begriffe erweitern, desto großartiger werden natürlich seine Versuche. Er baut Eisenbahnen, indem er alle Stühle in dem Zimmer aneinander schiebt, und es wird täuschend ähnlich, besonders wenn er mit der Tischglocke das Zeichen gibt. Er errichtet Gebäude von Tischen und Stühlen, welche die Sicher- Die große Verfassungsfrage ist in Versailles in Fluß gerathen. Der Antrag über die Machtverlängerung Thiers' gelangte in der Kammer zur ersten Lesung. Er bestimmt, daß Thiers zum Präsidenten der Republik ernannt werde, aber unter Kontrole der Nationalversammlung, der er auch verantwortlich ist. Dies ist eine bedeutsame Konzession an die Rechte, ebenso wie der Wortlaut des Antrages, welcher der Kammer eine „konstitnirende Gewalt" beilegt. Wiewohl nun der Te^t sehr viele — sogar zu viele Konzessionen an die Royalisten enthält, sind diese keineswegs gesonnen, die Vorlage anzunehmen. Uebrigens hat Thiers einen Fühler ausstreckeu lassen, der ihn sofort über die Stimmung der Kammer unterrichten wird. Dufaure be- antragte ein Vertrauensvotum für den Chef der Exekutive. Nimmt die Asseinblee dasselbe an, so wird sie auch den Gesetzentwurf über die Prärogative der Regierungsgewalt adoptiren müssen. In Folge dessen verursachte auch der Vorschlag des Ministers Dufaure die größte Aufregung in den Reihen der Monarchisten, denn eine Ablehnung käme einfach einem Sturze der bestehenden Regierung gleich So steht Frankreich vor einer Krise, welche jener vom 4. September gleichkommt. Handelte es sich damals um den Sturz des Empire, so handelt es sich nunmehr um die Niederwerfung der Royalisten. Freilich ist die letztere Aufgabe viel schwieriger. Es heißt, daß nächstens die Debatten in der Assembler bereits beginnen werden. Ganz Europa hat das größte Interesse an einem für Thiers günstigen Verlaufe derselben. In der französischen Presse stehen die stürmischen Szenen, die sich vorigen Donnerstag in der Nationalversammlung abgespielt haben, noch immer im Vordergründe. Der „Steele" sieht als Folge dieser Szenen einen vollständigen Bruch zwischen Thiers und der Kammermajorität voraus. Dreses Blatt sagt: Die Vorwürfe des Chefs der Exekutive gegen eine gewisse Partei haben das magische Band des Vertrauens zwischen Thiers und diesem Theile der Assembler gelöst. Die Rechte hatte in seiner Person ein Werkzeug zur Verwirklichung ihrer Pläne zu finden geglaubt. Thiers hat widerstanden, und jetzt ist er für dieselbe Partei nur mehr ein ehrgeiziger Greis. Wir aber schließen, fügt der „Siecle" hinzu, aus der Unverträg- lichkeit, die zwischen der Rechten und dem Chef der Exekutive zu Tage getreten ist, auf die Nothweiu digkeit einer Berufung an das Land, um der Regierung, welche sie auch sein möge, einen regelmäßigen Gang und eine ordnungsgemäße Verwaltung ZU sichern. Auch das „Avenir National" und die „Verite" nehmen den Standpunkt des „Siecle" ein und plaidiren für die baldige Auflösung der Kam- mer. Der liberal-katholische „Franxais" predigt die Eintracht — ein frommer Wunsch. „France" und „Presse" finden in den letzten Vorgängen ein weiteres Argument für die Annahme des Rivet'fchen Antrages durch die Majorität. Die echten Monarchisten beginnen sich zu regen, um offen und ungeschält dem Umstürze der gegenwärtigen Ordnung der Dinge das Wort zu reden. Für die „Union" ist der Chef der Exekutive ein vollständig abgenützter Mann, der zwar immer noch viel Unheil stiften, aber nichts ersprießliches mehr leisten könne. Fast alle italienischen Blätter verdammen auf's entschiedenste die jüngsten Ereignisse in Rom. „Man muß, schreibt man dem „Rinnovamento" aus Rom, ehrlich sein. Wenn die Schwarzröcke Unrecht daran lhun, ihre Abneigung gegen die nationale Einheit öffentlich zur Schau zu tragen, hat niemand das Recht, so lange sie sich in den Grenzen der Gesetzlichkeit halten, es deswegen zu belästigen. Das Volk hat daher diesmal Unrecht, und zwar umsomehr, als sie sogar gegen die Organe der italienischen Regierung ausgetreten ist, die es freiwillig über sich anerkannt hat, und deren Gesetze es einzig und allein vordem Ueebr-muthe der Klerikalen schützen können. Die italienischen Gesetze müssen daher in der Bestrafung der Schuldigen ihre ganze Strenge entfalten. Wehe, wenn sich die Regierung die Hand binden läßt, wir würden dann den Bürgerkrieg sehr bald hier in demselben Rom haben, welches allen anderen Nntio* neit in Bildung und Toleranz vorangehen sollte." Zur Tagesgeschichte. — Den Reifebriefen aus Siebenbürgen, welche die „Köln. Zig." veröffentlicht, entnehmen wir folgendes: Wie das ganze Land, so war auch Hermannstadt tief von der einstigen Stufe herabgesunken, als mit dem Uebergange Siebenbürgens an Oesterreich Ruhe ins Land kam. Wiewohl das Sachsenvolk im Innern sein Recht behielt, die Rations-Universität in Hermannstadt zu tagen fortsuhr und der Nationsgraf von hier aus in deren. Auftrag regierte, so ward eS doch Beamtenstadt und Soldatenstadt, und dies ist bi« heute für den oberflächlichen Blick fein hervorstechender Charakter geblieben. Es hat sich seitdem, seit dem Ende des siebzehnten Jahrhunderts, nicht anders als sehr langsam entwickelt, hat sogar Zeiten entschiedenen Stillstandes gehabt und wird auch kaum in Macht und Reichthum jemals wieder auf die Höhe gelangen, die seiner Vergangenheit entsprechen würde. Aber in anderem Sinne, in dem bei den gegenwärtigen Zuständen allein denkbaren, bleibt Hermannstadt die Hauptstadt des Sachsenlandes, in Wahrheit auch die Seele des Sachsenvolkes. Die allen Rechte sind Stück für Stück zerschlagen und zerbröckelt und was bestehen blieb, ist uuterwühlt bis in den tiefsten Grund. heit sämmtlicher zerbrechlichen Gegenstände im Zimmer gefährden. Er kehrt des Vaters Armstuhl um und versucht, wie es sich darauf reiten läßt. Er fällt in die große Kohlentonne und gießt das schmutzige Seifenwasser aus dem Waschfaß über die reine Wäsche auf der Bleiche. Er macht Schiffchen aus der neuesten Zeitung und läßt sie auf dem Rinnstein schwimmen; kurz, er verfällt unaufhörlich auf neue Experimente, und es kommt allmälig soweit, daß aller gefitzt wird il" §aufC 0°schi-ht, auf feine Rechnung „Warte nur, wenn Du erst in die Schule kommst, da werden sie Dir schon Artigkeit beibrin-geit" — ist seit einiger Zeit der Refrain sämmtlicher Klagelieder, die Geschwister und Dienstboten über ihn singen, und in Fränzchen's Gemüth beginnt eilte sehr schwarze Vorstellung von dieser nützlichen Anstalt zur Bildung der Jugend sich festzusetzen. Er ist jetzt bald sechs Jahre, Zeit wäre es also; aber die Fürbitten der Mutter halten ihn "och im Hause. Er soll erst anfangen, wenn das halbe Dutzend voll ist, so hat sie in weichem Sinn beschlossen, ohne Rücksicht aus die eigene Bequemlichkeit. Dann kommt eines Tages der Onkel Major von nebenan zu dem Papa auf Besuch, der Fränz- chen's Aufmerksamkeit durch einen glänzend schwarzen, steif aufgedrehten Bart erregt. Der Papa hat zwar auch einen Bart, aber an den Backen; der Onkel dagegen hat einen unter der Nase, desgleichen der Junge noch nie gesehen und den er gar nicht vergessen kann, wodurch er sehr natürlich auf den Gedanken kommt, zu versuchen, wie ihm selbst ein solcher Bart stehen würde. Die Wirkung von der schwarzen Flüssigkeit in des Vaters Dintensaß auf seiner Haut kennt er schon lange aus praktischer Erfahrung, daher macht er zuerst den Versuch, den Gegenstand seiner Bewunderung mit Dinte nachzubilden. Aber es gelingt ihm nicht recht. Da sieht er des Vaters Pelz auf der Sofalehne liegen, schneidet sofort mit der Papierscheere einen schönen Bart aus den Aermelattffchlägen, hält ihn unter die Nase und geht stolz damit fort. Armes Fränzchen, die That mußt Du bald theuer bezahlen, da sie der Natur der Sache gemäß nicht lange verborgen bleiben kann. „So, mein Sohn," sagte der Vater und läßt das weinende Söhnleitt laufen, nachdem die Strafe vollzogen ist, „und wenn der Pelz wieder vom Schneider kommt, soll mein erster Gang mit Dir zum Direktor sein — Du kommst jetzt in die Schule." Nichts als Kirche und Schule steht fest, in ihnen liegt die letzte Quelle, die das Deutfchthum hier am Leben erhält. Zersplittert würden auch sie den feindlichen Kräften zum Opfer fallen, aber zum Glück sind sie fest zusammengehalten. Im Konsistorium zu Hermannstadt laufen die Fäden zusammen, welche sie verbinden, hier ruht der letzte einheitliche Gedanke de» Sachsenvolkes, und wenn es dem Rechte nach geht, auch der unerschütterlichste. Er hält die schon halb verlorenen Gemeinden auf ungarischem KomitalSboden noch fest und zieht neuentstehende in seinen KreiS. Die beiden größten Schritte, welche die Sachsen in diesem Jahrhundert auf dem einzig natürlichen Wege ihres Fortschrittes, dem der Erhaltung und Fortentwicklung der deutschen Nationalität, gemacht haben, sind von hier aus geschehen. Es ist dies die Widmung des einstigen sächsischen National-Vermögens für Schul-zwecke und die Schaffung einer freisinnigen Kirchenverfassung. So lange von Hermannstadt aus in einem Geiste die deutsch siebenbürgische Schule und Kirche geleitet wird, haben wir keine Ursache, für die Erhaltung de« hiesigen DeutschthumS zu fürchten. Je gewal-thätiger mit allen anderen Rechten verfahren wird, desto mehr wird das auf Lehre und Predigt in der Muttersprache gekräsiigt. Und diese« gerade hat einen besonders starken Rückhalt: da« Bedürfniß, mit dem reichsten und tiefsten Geistesleben in lebendiger Verbindung zu bleiben. Es hat uns im Elsaß, in Schleswig-Holstein uud in den Ostsee-Provinzen a 'gerissene theile unseres Volkes erhalten, eS wird auch hier seine Kraft bewähren. Sei daher Hermannsstabt noch so still, so altersgrau und halbzerfallen — in diesem Sinne bleibt es doch, was es war: der Mittelpunkt deutschen LebenS in Siebenbürgen. — In Brüssel besteht seit Jahren ein Gast» hos für Frauen. Wie aus London berichtet wird, be. absichtigt man daselbst ebenfalls ein Hau» für solche Damen zu eröffnen, welche sich längere oder kürzere Zeit in London aufhalien. Da alle Bedienung in dem Hause nur von Frauen besorgt werden soll, wird e» zugleich eine Vorbildungsschule für Köchinnen, Hausmädchen, Äammerjungfern u. f. w. werden. Ebenso solle» Vorträge über Nahrung. Kochkunst, Haushaltung, Gesundheitspflege gehalten werden, während praktische Unterweisungen im Kochen ic. auch an solche Damen erlheilt werden sollen, welche nicht im Hause wohnen. — Geradezu Entsetzen erregend für unsere zahlreichen Anbeter Rußlands und Deutschenfresser ist ein UkaS, welchen der Czar gleich nach seiner Rückkehr aus Deutschland erlassen. Darin erhält das Unterrichtsministerium die Weisung, dafür Sorge zu tragen, daß in sämmtlichen Schulen und Erziehungsanstalten unter den modernen Sprachen die deutsche überall der französischen vorstehe und im Stundenplan für den deutschen Unterricht stets eine größere Anzahl Lektionen auszuwerfen sind als für den französischen. Die Inspektoren und die Schulbehörden haben dar» über zu wachen, daß diese Anordnungen überall streng durchgesührt werden, und werden in ihren Berichten sich darüber äußern. Diese Maßregel findet in de» Kreisen der Altrussen vollkommene Anerkennung, wa» um so mehr hervorzuheben ist, als diese Partei sich sonst gegen den deutschen Unterricht in den Schulen geradezu auflehnte. — Der russische Unterrichtsminister, welcher sich seit einiger Zeit in Berlin befindet, wohnte mit einem seiner SektionschesS oftmals den Lehrstunden in den höheren Bürgerschulen bei, um dort nützliche Wahrnehmungen zu machen, die er später in fetnem Ressort praktisch zu verwerthen gedenkt. ES ist dies geradezu ein bisher unerhörtes Faktum, daß der Fachmimster eines mächtigen auswärtigen Staates in eigener Person als Hospitant in einer Schulstube mit der Absicht erscheint, sich daselbst didaktischen Studien zu widmen. Der hohe Grad von Ausbildung, welchen nicht bloS das preußische, sondern wohl daS ganze deutsche Unlerrichtsivese», namentlich in den Elementar, und Mittelschule», im Vergleiche zu dem der meisten anderen Nationen erreichte, ist schon lange kein Ge-hcimnlß mehr; aber eS bedurfte jenes zweimaligen gewaltigen Schlachtengelümmels in den Jahren 1866 unb 1870, um die unleugbaren Vorzüge der pädagogischen Methode für die ganze an der Kulturarbeit theilnehmende Welt erst recht in Evidenz zu setzen. Sogar der Mikado von Japan hat sich dieserUeber-zeugung nicht verschlossen, und die japanesischen Jünglinge, welche aus diesem entlegensten Erdwinkel nach Berlin gesendet wurden, sollen, nach allem, was Uber sie verlautet, trefflich gedeihen. Man hat sie von einander abgesondert, bei Privatfamilien untergebracht, und mehrere dieser hinterasiatischen Eleven sind nach kurzer Frist in der Kenntniß der deutschen Sprache schon so weit vorgerückt, daß sie mit vollem Verständniß dem öffentlichen Unterrichte folgen können. >— Der „Weser-Zeitung" wird aus I e d o vom 2. Juni über den steigende» Einfluß des deutschen Elements in Japan dem französischen gegenüber folgendes geschrieben: „Die Periode des überwiegenden französischen Einflusses hat ihren Ausdruck darin gefunden, daß unter dem Taikunat französische Justruk-tionsoffiziere, Aerzte, Ingenieure u. a. ins Land berufen und wiederum viele junge Japanesen zu ihrer militärischen und technischen Erziehung nach Frankreich geschickt wurden, wohin sich auch Gesandtschaften und hohe Personen zu längerem Aufenthalt begaben; daß französische Waffen eingeführt und die Truppen deö Taikun und der mächtigeren Daimijos nach französischer Schablone organisirt und einexerzirt wurden ; daß der Bau des großartigen Arsenals in Jokooka unter französischen Auspizien erfolgte n. s. f. Ganz anders gestalten sich die Dinge in neuerer Zeit. Deutsches Heerwesen, deutsche Instruktion und deutsche Erziehung sind in dem Maße gesucht, als die herrlichen Wassen-thaten der Deutschen den kriegerischen Japanesen gewaltigen Respekt einflößten. Es ist bezeichnend, daß der Prinz Higaschi-Mita-no-Mya, Oheim des Mikado und früher Kriegsminister, der sich im vorigen Jahre nach London begab, um dort einen europäischen BildungSknrS durchzumachen, vor kurzem nach Berlin übersiedelte, wohin auch ein anderer Prinz, Fujimi-no-Mya, geschickt wurde. Außer diesen beiten studiren jetzt in Preußen noch 20 Japanesen, während Frank reich nur noch von Touristen besucht wird. Anderer feite wurde Herr v. Brandt von der Regierung und einigen Daimijos ersucht, deutsche Lehrer, Aerzte und JnstruktionSosfiziere für japanesische Verwendung anzuwerben. Kurz vor seiner Abreise hatte der deutsche Geschäftsträger die Genugtuung, im Daimyat von Kischin eine kleine, etwa 5000 Monn zählende Armee zu besichtigen, die bereits ganz nach preußischem Muster nnisormirt, einexerzirt und organisirt ist. Seit dem letzten Kriege finden hier nur preußische Waffen und AuSrüstungsgegenstände Anwerth, für Militärtuche in den Farben der deutschen Uniformen entstand eine solche Nachfrage, daß alle Vorräthe zu erhöhten Preisen förmlich vergriffen wurden. Hoffentlich wird die deutsche Industrie die Vortheile nicht zu beklagen haben, die ihr nun erblühen." Lokal- und Provinzial-Angelegenheiten. Lokal-Chronik. — („Pravnik") glaubt mittheilen zu können, daß die Errichtung eines ÖberlandesgerichteS in Laibach beabsichtiget werde. — (M ilitärverändernng.) Uebersetzt wurde der Lieutenant Eduard Stubel (Domizil Ratschach) au» dem Staude des kraiuischen Landwehr - Bataillons RudolsSwerlh Nr. 24 in jenen des steiermärkischen Landwehr - Bataillons Cilli Nr. 20. — (LandeSfchnlinfpektorDr. Wretschko), der Kandidat der liberalen Partei für die Landgemeinden Cilli's, hat an die Wähler dieses Wahlkreises einen Aufruf erlassen, in welchem es unter anderem heißt: „Ich stehe fest auf dem Boden der Verfas- sung und aus der Seite derjenigen, welche das Militärbudget rebuziren und die Steuern verringern wollen. Ich achte die neuen Schulgesetze als das größte Gut der Nation, weil sie die Grundlage für den künftigen Wohlstand derselben sind. Ich will nicht, daß die Schule wieder unter die Obhut des Klerus kommt, weil ich weiß, daß dies das Ende alles Fortschrittes wäre. Ich bin dagegen, daß die Slovenen und Deutschen in unserem Lande, wie leider schon mehrere Jahre, fortwährend im Streite leben, und wünsche vielmehr, daß Friede und Eintracht wieder im Lande herrschen. Ich bin mit ganzem Herzen dafür, daß die schone Steiermark ungeteilt bleibe." — (Feuersbrunst.) In der Nacht zum 25t August brach beim Grundbesitzer Peter Lackuer zu Piuka, Bezirk Krainburg, Feuer aus. Es verbrannte das Dachgerüste des Hauses, viel Getreide und Bieh-futter und das Wirthschaslsgeräthe, so daß sich der Gesainmtschaden auf zirka 1000 fl. beläuft. Der Beschädigte halte sein Haus mit 300 fl. versichert. Die Entstehungsursache des Feuers ist noch nicht ermittelt. — (Die Predilbahn in Frage gestellt.) Der Handelsminister Dr. Schaeffle erroie-derte auf eine erneuerte Eingabe der Trieftet Handelskammer betreffs der Predilbahn, es sei die feste Regierungsabsicht, die Verbindung der Rudolfsbahn mit dem Meer und besonders mit Triest in möglichst kürzester Frist sicherzustelle», wobei den Bedürfnissen Triests, insbesondere wegen wohlfeilster und kürzester direkter Verbindung mit der Ostschweiz und mit Süd; deutschland die wohlwollendste Aufmerksamkeit zuge wendet und dem ausgesprochenen Wunsche alle Rücksicht getragen werden wird. Der leitende Gesichtspunkt für die seinerzeitige Entscheidung werde für das Handelsministerium die Fortsetzung der Rudolfsbahn bis Triest bilden. — (Zollvorschriften für Sendungen nach und durch Italic it.) In Gemäßheit des zwischen Oesterreich und Italien unterm 23. April 1867 abgeschlossenen Handelsvertrages sind hinsichtlich der für Stationen der italienischen Eisenbahnen und sür Tirol bestimmten Sendungen betreffs der Ein- und resp. Durchfuhr der Güter nach und durch Italien de-fandere Zollvorschriften erlassen, bereit genaue Beobachtung den Eisenbahnen zur Psltdjt gemacht wurde Dieselben lauten: „Stationen, in denen sich k. k. Zollämter befinden, dürfen Güter nach Italien oder im italienische» Transit nach Tirol nur da»» aufnehmen, wenn die letzteren schon vor der Ausgabe der Zollamtshandlung unterzogen und mit den dieösälligen Zolldoku menten versehen worden sind. — In Stationen dagegen, wo sich ein k. f. Zollamt nicht befindet, können zwar Sendungen nach Italien und darüber hinaus nach Tirol, ohne vorher zvllämtlich behandelt zu fein, ausgenommen werden, es muß jedoch zu denselben die vollständig ausgesüllte Zollerklärung sür das italienische Zollamt in doppelter Ausfertigung, dann eine Zoll deklarativ» für die Ausfuhr aus dem österreichischen Gebiete oder an deren Stelle ein gestempeltes Duplikat des Frachtbriefes beigebracht werden. — Für die nach Tirol bestimmten Güter ist außer der Zollerklärung sür das italienische Zollamt auch noch eine gleichfalls in dnplo ausgefertigte Waarenerklärung für das öfter reichifche Zollamt, wozu die Blanquette bei jedem k. k Zollamt- für 2 Va kr. v. W. per Bogen zu haben sind, betzubringen. ______ Verstorbene. Den 30. A » g n st Dem Herrn Valentin Preschevn, k. !. Laiidesgericktsofsizicil, sein Kind Maria, alt 26 Tage, in der Stadt dir. 138 an Fraisen. — Dem Johann Jarz, Biertelhiwler, sein Kind Josef, alt 5 Monate, am Moor» flvmib Nr. 62 am Durchfall.______________________________________ Gedenktafel über btt am 2. September 1871 stattsindenden Lizitationen. 1. Feilb., Liker'sche Real,, Oberotave, BG. — 1. Feilb., Fabcii'sche Real., Senosetsch, BG Senosetsch. — 2. Feilb., Svigl'sche Real., 9iirt>crtoif, BG. Planina. — 2. Feilb., Ottvnicar'sche Real., Niederdorf, BG Planina. — 1. Feilb., Mobnii'sche Real., Sinadolle, BG. Senosetsch. — l. Feilb., Mulc'sche Real., Oberseedorf, BG. Saas. — 3. Feilb, Sel-lan"sche Real., Lipoglau, BG. Laibach — 2. Feilb., Fink'sche Real., Großlnpp, BG. Laibach. — 3. Feil., Detmota’jdie Real., Dolje, BG. Lack. — 1. Feilb., Juvan'sche Real., Watsch, BG. Littai. Telegramme. (Orig. -Telegr. des „Laib. Tagblatt.") Versailles, 3 fl . Sitzung der 9intioiinli)erfniniiilnnfl. Gegenstand der Verbandlunq die Gewalt - Veriängeruns, Tdierö'. Der Berichterstatter Vitet und Minister Dufanre erkläre» ihre Zustimmung zum amendirteu Entwürfe. Der Pa-vngrnf, welcher die kvnstituirende Gewalt der National - Versammlung proklamirt, wird mit 433 gegen 227 Stimmen angenommen. In der Prival-Lehr- und ErMhungsünstiilt in Laibach des Gefertigten beginnt oi» 1. September l. I. der vormittägige Wicderholungsniitcrricht. (381- 3) Alois Waldlierr. Die Theater-Loge Itr. 62 ist für alle ftoucnifdjen Vorstellungen der nächsten Theatersaison zu vermiethen. Näheres im Hanse Nr. 2 der St. Petersvorstadt im ersten Stock. (379—2) Wiener Börse vom 30, August. Staatsfonds. | «eld Ware | Spctc.9iente, öst.Pav. , 59 90 6. bto. dto. öft.inSi!d. 70.-- 70.£0 i!cfe von 1854 . . .j SM.60 95.— Lose v"n 1860, ganze 10! 60j301 CO äo;e von 1860, Fünft. N9.— N6.K0 Prämirnsch. v. 1864 . uo 50 i40.5o Witterung. Laibach, 31. August. Sternhelle Nacht, Morgennebcl, herrlicher, wolkenloser Tag, schwacher Westwind. W a rm e: MorqenS 6 Uhr -+- 7.4Ü, 9tactimittag§ 2 Uhr + 213" C. (1870 + 19.0°; 1869 -J- 22.8"). Barometer 742.74 Millimeter. Das gestrige Tagesmittel der Wärme + 13.3“, um 4.1° unter dem Normale. Cri'nnäoiatl,-Obi. • ßtciermarZ ittirnten, Kram u. Küstenland 5 Ungarn . . zu 5 „ ttroat. n. Slav. 5 „ kiebenbürz. * 5 ,, Aotieüi. -rationalbank Union - Bank Tredilanstalt 93.- bO.~ 80 50 86 2S\ fc6 5 77.25 17.50 175 - 774 -,269.80,169.-592 90 293.- Angekommene Fremde. Am 30. Angnst. Elvl'ant. Böter, Agent, München. — Priester, Gra-diska. - Friedlander, Kfm, Wien. - v. Podhaisky, Triest. - Fajenc, Stein. - Gvllob. Besitzer, et Georgen. - Bauteil, Postmeister, Zirklach. - Cebin, SeHtcv, Krainburg. — Sentit), Triest. — Mawsig, Triest. -Koscher, k. k. Bez.-Richter. Shtncr, Kfm., Wien. -Mathaischeg, Private, Littai. StniU Wien. Hank, Kfm., Wien. — Zitnik, Beamte, Planina. — Psch'el, Gutsbesitzer, Gallcnfels. — Donati, Private, Ungarn. - Viritti, Pola. - Majer, Fabrikant, München. IMoliveii. Lieb, Prodnktenhandler, Köstach. — Schön, Großhändler, Wim. — Plumpen, Großhändler, Wien, il. ä. Becociytc-'Scf. >18 - ,94h 6uglo=öfterr. $an! .,iö6 90 >6» — Öest. Bobencr?d.-A. . —.— 889.' O«st. Hypoth.-Bauk. > 75.— 77. eteiet. Escompr.-Bl. 135 - —' tzr-ml» - Austria . .183. jissio Kail. gerd.-Slordb. . >14«', »i« Südbahn-Bes-lljch. . 180-90 IM.10 »ai(. Elisabelb-Badn. 184 60 184 75 K»rl-Llldwig-Bahn 865 30 165 5C Sirbenb. Eisenbahn. 174.76 175 Staatsbahn. . . . 334.60 385.60 Kais. Franz-JosefSb.. 207.25 207.60 Fünsk.-Barcser E.-B. 176.— I7fl.6ti «föld-Fium. Bahn . isi 251S1.76 Pfandbriefs. Hatten.8.SB.»ettoM.I fl.«; sie« Unn. Bod.-Creditanst. 8d.»6 8J.au Wa.öst.Bob.-Ci-bit. 1108.-llti8.J0 bto. in aau.ttirt*. . 8b. 26 88 76 Geld | Ware 'Def». iil)¥3th..»ant J 96.-! 96 £0 Prlorlt&ts-OMlg. ©übb.-G-I.zu600Fr. 109.— 109.60 bto. fflonä Spät. 23#.—:2iO.— N°rdö. (100 fl. EM.) 106.-:iC6 10 Si-b.-B.I200fl.ö.W.l 90.£01 90.75 Staatsbahn Pr. Stück 140..S0 141.50 SlaatSb. Pr. St. 1867 UO.f.OMl.— lHuboifä».(300R.b.8B.) #1.801 92.— flrvcin j=3of. (200 fl.©.) 99.10 99.60 Laos, | Ctcbit 100 fl. ä. A>. . 184.75 185 26 Dvn.-Dampfsld.-Grs. zu 100 fl. CM. . . 9J.-I100.— Trieftet 100 fl. CM. .! 1 SO 50! 121 60 bto. 60 fl. 6.28. . 69.— ! 60.— fenet . 40 fl. ü.W. 34.— 35.— Sa!m . „ 40 „ 43.- Palsi? . „ 40 „ j 81.- Zlarv . „ 40 „ S 38.60 ©t. ®enoi#„ 40 „ j so.— Wmdiftbgrätz 20 „ I M.— WalbfitiB . 80 „ i 21.— W-ldfl-ii Keglevich 10 15.- 5tabolf«flift. 10 ij.SIS.1 15.-WoohsalfSSlon.) ■ •14.- 31.50 89.— 81.— 86.— 22.— 17.— 15.60 IC 2 30 Mag«. 100(1. filbb.SB. 1(2 20 1 graMf.lOOfl. , „ 1102.35,102 45 üonbon 10 Pf. ©tevt. 120.30 120.40 Pari« 100 Franc« .! 47.—! 47 10 Münson. »aif.Münz-Du-at-n. 5.77 I 6.79 M-Francsstück... 9.63 I 9.0s5 Ber-i»Sthaier . . . 1.81 | 1.815 ©tibet . . . .!lls).75|lS0.— Telegrafischer Wechselkurs vom 31. August. 5perz. Rente österr. Papier 60.10. — 5perz. Stellte öflerr. Silber 70.20. — 1860er Staatsanlehen 102,30. — Bankaktien 775. - Kreditaktien 296.50. — London UO.oO. — Silber 119 85. -- K. k. Mllnz-Dukaten 5 83. — 91a- poleonsd'or 9.62'/,. __________ Druck von Jgn. v. Kleinmayr A Fed. Bamber, in Laibach. Verleger und für die Redaktion verantwortlich: Ottornar Bamberg.