Laibacher Anonyme Mittbeilungen werden nicht beritSffchtigt; Manuskripte nicht zurUckgesendet. Freitag, 28. September 1877. — Morgen: Michael E. Abonnements - Einladung. Mt 1. Oktober 1877 beginnt ein neue« Abonnement auf das „Laibacher Tagblatt." Bis Ende Oktober 1877: Kür Laibach...........................— fl. 70 kr. Sitt drr Post.........................1 fl. — Ir. Bis Ende Dezember 1 877: 98t Laibach...........................2 fl. 10 kr. Mit der Post..........................3 fl. — kr. Für Zustellung ins Haus monatlich 9 kr. Mr Auf da« „Laib. Tagblatt" kann täglich abonniert werden, doch muß das Abonnement immer «tt Schloß eines Monates ablaufeu. 3» den Zovvertrags-Berhandlungen mit Deutschland. Die Anhänger einer vertrag-freundlich kn Politik im österreichischen Abgeordnetenhaus-hielten am 25. b. eine Versammlung ab, um gegen, über den Schutzzöllnern, die möglicherweise eine Presfion auf die Regierung zugunsten des Schutz, zolle» ausüben könnten, Stellung zu nehmen. Wie dir .Neue fr. Presse" berichtet, wurde rin eigentlicher Beschluß nicht gefaßt, dessenungeachtet hat die Versammlung einen wohlthitigen Eindruck hervor-gebracht. Erstens hat sie durch den Takt, mit welchem sie vorging, unseren Schutzzöllnern, welche durch ihr aufdringliches Treiben die Interessen Oester. reichs bei den zollpolitischen Verhandlungen geradezu gefährden, gezeigt, wie Leute vorgehen müssen, welchen nicht da« eigene Wohl, sondern das Gesammtwohl am Herzen liegt. Endlich hat der Antrag deS Abgeordneten Walter-kirchen gewissermaßen die prin. zipielle Richtung bezeichnet, in welcher fich die Aktion der Vertrag-freunde bewegen muß. DaS genannte Blalt sagt: „Die Zollpositionen find nicht ein Gegenstand, für welchen Ungarn Gegenconcesfionen von Oesterreich fordern darf. Darin liegt deS Pudel-Sern. Die Abgeordneten dieser Richtung werden e» niemals zugeben, daß man für Zollirhöhungen die wichtigsten Interessen de« Lande- preiSgibt und Concesfionen von Ungarn in einte Richtung fordert, welche einigen wenigen nützen, drr Gesammtheit aber nur schaden können. Der Tausch auf diesem Gebiete ist ausgeschlossen. Wir acceptieren da- Geschenk nicht und brauchen daher ein Gegengeschenk nicht zu bieten. Da» ist der einzig richtige Standpunkt, und wir bedauern nur, daß die Regierung fich nicht auf demselben befanb, als fle Compensation-objekte von Un-garn eintauschte, für welche die Majorität der Be-völkerung ihr gewiß nicht Dank wissen wird, und ihrerseits Opfer brachte, deren Zugeständnis ohne Selbstverleugnung nicht ratificiert werden kann. In dieser Beziehung war, wie der Abgeordnete Teuschl richtig bemerkte, die Versammlung selbst eine De monstration, welche gewiß eine nachhaltige Wirkung auSflben wird." Die ZollvertragS-Verhandlünaen zwischen Oester, reich und Deutschland verlaufen allzuträge im bureau> kratischen Fahrwasser, die Verteidiger deS Schutzzolles üben in neuester Zeit auf die österreichische Regierung eindringlichen Einfluß, dahin abzielend, daß sie die extremsten Schutzzollforderungen gegenüber den delegierten Paciscentrn aus Deutschland aufrechterhaltin und vor allem anderen auf der Beseitigung des Appreturverfahrens bestehen möge. Die „Neue freie Presse" tritt der Ictisn der Schutzzöllner an leitender Stelle in einem mit scharfer Feder geführten Artikel entgegen; sie hofft, daß die österreichische Regierung den Resolutionen und Petition«» drr Schutzzöllner eine besondere Bedeutung nicht beimessen werde; andererseits findet das genannte Blatt es ganz begreiflich, daß fich jeder Jnteressrnkrri» um seine Angelegenheiten kümmert, und rS sei auch dem österreichischen Fabrikanten nicht zu verargen, wenn er einen hohen Zoll anstrebt. Nach den Au-führungen der „N. fr. Presse" streben die österreichischen Fabrikanten die Aushebung de- ÄppreturverfahrenS an. Wie da- genannte Blatt erführt, wird da» Appreturverfahren nicht aufgehoben werden, dafür bürge die zwingende Macht der Verhältnisse; Oesterreich brauche den Vertrag mit Deutschland, und diese» werde selbstverständlich in den Abschluß eine» Vertrages nicht eingehrn, auf Grundlage dessen e» das Appreturverfahren opfern soll. Nach Ansicht der „N. fr. Presse" gibt r« in diesem Punkte keine Concesfionen zu gewähren, und zwar deswegen, weil da» Appreturverfahren für Oesterreich nicht minder wichtig ist al» für Deutsch-land, die Grenzindustrie ist auf dasselbe angewiesen; Jeuilleton. Die Herrin von Kirby. Roman von Ed. Wagner. (Fortsetzung.) 11. Kapitel. Neue Enthüllungen. Langsam verstrichen die Tage für Olla und Hrlrne; aber ungeachtet ihrer trüben Lage hatte die Ersterr doch manche frohe und angenehme Stunde, denn ihr Verlobter, Lord Dalton. besuchte fie jetzt täglich, und diese Besuche entschädigten fie reichlich für alle Sorgen, welche die bevorstehende Abtretung ihrer Besitzung ihr bereitete; zuweilen sah fie diesen Verlust sogar als ein Glück an, da ihr dafür ein biel größeres Glück zutheil geworden, al» Reichthum iu gewähren im stande ist. , Außer Lord Dalton war ein fast täglicher Be-N>fr im Schloß Kirby Lady Helenen» Gatte — Anthony Buouarotti, der freilich nicht so gern ge-Ithen wurde wie drr rrstere. Lady Helene igno-"irtr ihn fast gänzlich, und er vermied r«, mit Äderen zusammenzutreffen. . Am zweiten Tage nach der Verabredung mit >«ner Gattin rrschirn in drr „Brlfaster Zeitung" die Heiratsanzeige, und einige Tage später enthielt dieselbe Zeitung eine Notiz, in welcher die unerwartete Heirat der Lady Helene Cheoerton mit Anthony Buonarotti näher besprochen und in dem Sinne erklärt wurde, wie r« Buonarotli mit seiner Ge-malin verabredet hatte. Dieser Notiz war die Bemerkung angeknüpft, daß der Bräutigam einige Jahre in Indien zugrbracht und fich dort ein an-sehnliches Vermögen erworben habe. An demselben Tage, an welchem die Zeitung diese Notiz enthielt, sprengte ein Reiter in den Schloßhof von Kirby, hielt vor dem Portal des Hause» an, sprang vom Pferde und warf die Zügel dem herbeieilenden Stallknecht zu, woraus er mit fieberhafter Hast die breiten Stuftn hinauf eilte und in der Halle nach Lady Helene srdgte. Er wurde von dem Diener in ein Zimmer gijptesen, worauf dieser ging, um den Besuch der Wy Helene an» zumrldrn. ' ' Der Angekommene war Lord Berry, welcher in den wenigen Tagen fich bemerkbar verändert hatte. Sein Gesicht war bleich und kummervoll, seine tief liegenden Augen blickten wild umher und zeugten von ruhelosen, durchwachten Nächten. Aufgeregt schritt er im Zimmer auf und ab, bl» endlich die Thür geöffnet wurde und Helene hereintrat. Sie sah nicht weniger leidend au» al» er; nur waren ihre Bewegungen, im Gegensatz zu den feinigen, ruhig und schwer, al» ob fie am ganzen Körper gelähmt sei. Einen Augenblick standen fie sprachlos einander gegenüber; dann streckte Lord Berry die Arme nach ihr aus und rief: „Helene!" Diese machte eine rasche Bewegung, al« ob fie feinem Rufe folgen und fich in seine Arme werfen wollte; doch sogleich fich bedenkend, fuhr fie zurück und sah ihn traurig an, indem fie leise sagte: „Ich darf nicht, Robert! ES ist alles vorbei zwischen uns — alles — für immer!' Lord Brrry'S Gesicht verdunkelte fich. Er zog eine Zeitung au» drr Tasche, hielt fie Helene hin Und sagte, mit dem Finger aus jene Notiz deutend: „DaS ist also wahr? Jener nicht-würdige Mensch ist Ihr alter Geliebter und Sie haben ihn al» Ihren Gatten anerkannt? Thor, bet ich war, daß ich an die Liebe und Ehre einer Frau glauben konnte!" Lady Helene taumelte einige Schritte zurück, al» ob fie eine tödtliche Wunde erhalten hätte. Lord Berry wollte in größter Aufregung da« Zimmer verlassen, doch trat Hrlrne, fich rasch ermannend, ihm in den Weg. Nedaett««: «ahnhosgaffe Rr. 16. Er»rditi««s- k Jnserate»-Burean: Kongreßplatz Nr. 2 (Buchhandlung von Jg. v. Klein-mayr & Fed. Bamberg.) z«sertto»»vr«tse: Kür dir einspaltige Petitzeile i 4 ft, bei wiederholter Einschaltung k 3 kr. Anzeigen bis S Zeilen 20 ft. Bei größeren Inseraten und öfter« Einschaltung entsp— chender Rabatt. Kür complinerten Satz Kfm* ' dere Vergütung. ^; 10. Jahrgangs Nr. 223 Wimmfettm * Uretfe r Für Laibachr •anijtottg . . 8 fl. 40 ft. -«lblSdrig . . 4 „ 80 W «ierteljibrig . 1 „ 10 „ Monatlich ... — „ 70 „ M»t der Poft •«Wtog . . ... 1* ff. ♦"»Übrig............. 6 „ •teWtttrie 8 , Mir Anstellung in« Han« *ttelj. 85 ft., «onatl. 9 tt. •NH* Nuraai « ft. nicht minder find eS andere wichtige und große Industriezweige. Es sei nicht zulässig, Industrien, die ohne Zollbegünstigung und kraft des mangeln, den Schutze« gedeihen, zugunsten jener Industrien zu schädigen, ja, zu vernichten, die des künstlichen Schutzes nicht entbehren können. Die „N. fr. Pr." richtet an die Regierung die dringende Aufforderung, sich durch die Action und Agitation der Schutzzöllner in ihrem redlichen Eifer und Streben nach Abschluß eines für Oesterreich günstigen Handelsvertrages nicht irre machen zu lasten. Die Industrie in Oesterreich hat im Verlaufe des abgewichenen Trienniums schwere Schäden erleiden müssen; die Kapitalien, aus früherer gün. stiger Zeit herrShrrnd, find vom Strome des Kraches und infolge der unsicheren politischen Zustände in Oesterreich größtenteils auf geehrt worden, teilweise figurieren die Finanzkrästr der österreichischen Industrie in den Realitäten- und Maschinenwerthen, auch in den immensen, nicht konsumierten Waren-vorräthen. Die österreichische Industrie bedarf eines fest unter die Arme greifenden Schutzes, soll sie des neuerlich mißglückien Versuches SuleimanS, den Schipka-Paß za forcieren, sein. Ein Telegramm Ismail Pascha'S vom 19. d. berichtet über mehrere Gefechte, die in der Umgegend des eine Stunde vom russischen Lager bei Jgdir entfernten Dorfes Hallalt geliefert und in welchem die Russen jedesmal geschlagen wurden. Ein Telegramm aus Rustschuk berichtet über ein jenseits Kadikiöi geliefertes Gefecht mit für die Türken günstigem Ausgange. Am 26. d. wurde in Frateschti der Bau eine« Hospitals für 1000 Kranke begonnen. Das Bau« material hiezu ist theilweise vom Wiener Welt-auSstellungspalast bezogen worden. Wie verlautet, soll Oberst WelleSley im Aufträge des Zaren mit OSman Pascha bezüglich der Uebergabe Plewn a's an die Russen in Unterhandlung getreten sein. OSman Pascha hätte nach vorhergegangenem Scheinangriffe auf die die Ostfront bildenden Befestigungen von Plewna mit seiner gesummten Garnison gegen Wittbin abzugehen und ben Russen bie Besetzung von Plewna zu ge- Da« Eomit6 der socialistischen Republikaner von Pari« veröffentlicht ein Wahl-manifest mit einem Programme, welche« die Re-yierungepolitik unb die Politik der gemäßigten Republikaner angreift. Das Programm enthält unter ändern folgende Punkte: Amnestie; Abschaffung deS CultusbudgetS; Ausweisung der Jesuiten; ausschließlicher Laienunterricht; sofortige permanente Bewaffnung der Nation und Abschaffung der stehenden Armee; Wahl aller Funktionäre; Aushebung aller Steuern und Ersetzung derselben durch eine einzige und progressive Steuer; Abschaffung deS SenatS und der Präsidentschaft; Einsetzung einet einzigen permanenten, alle zwei Jahre zu erneuern-den Kammer. In Russisch-Polen wurde zuverlässige« Berichten zufolge der früher bereits aufgenommene Privatbesitz an Silbergeräthen jetzt neuerlich behördlich notiert. Herr Kristik, der serbische Agent in Km» stantinopel, erhielt den Auftrag, beim Großvezier Edhem Pascha Audienz zu nehmen, um der nicht gänzlich verkümmern. Die österreichische Regierung hat durch ihre Organe, namentlich durch den Mund des Handelsministers, den an sie gerichteten Petitionen, Resolutionen und Promemoria'S den Vorbescheid gegeben, daß sie bei Abschluß des Zoll- und Handelsvertrages mit Deutschland die Jntereffen der österreichischen Industrie schützen werde. Die österreichische Regierung wird ihr Wort einlösen, um so mehr, als e» der österreichischen Regierung, die nebst dem Handelsportefeuille auch jenes der Finanzen zu tragen hat, daran gelegen fein muß, eine blühende und steuerfähige Industrie in Oesterreich zu besitzen. Die Weisheit der österreichischen Regierung und das gerechte Votum des österreichischen Parlamentes wird die österreichische Industrie vor dem drohenden Verfalle retten, besten können wir heute schon sicher sein! statten. AIS Preis für biefe mit Osman Pascha'S Zustimmung ersolgenbe Rehabilitierung bet russischen Waffenehre soll der Zar geneigt sein, zu beiderseits annehmbaren Friedensbedingungen feine Zustimmung zu geben. Pforte die Neutralitätserklärung Serbien« ausdrücklich zu erneuern und die serbischen Rüstungen dadurch zu rechtfertigen, daß Serbien zur Sicherung feiner Grenzen gegen eventuelle Verletzungen gewiffe militärische Vorkehrungen treffen müffe. Politische Rundschau. Laibach, 28. September. J«la«d. Auf Anregung der Regierung werden in den nächsten Tagen die Mitglieder der öfter-reichischen Regnicolardeputation zu einer Besprechung zusammentreten. In der am 26. d. stattgefunbenen kroatischen Lanbtagssitzung fand bie dritte Lesung des angenommenen ComitöberichteS inbetreff de« Jn-vestitionsfond« statt, woraus der Präsident den Landtag vertagte, indem er sich die Ermächtigung erbat, denselben seinerzeit wieder einzuberusen. AnSlaud. Die „Hamburger Nachrichten" melden aus Wien: Andrassy habe gesprächsweise in Salzburg folgende Punkte angeregt: bie Neutralisierung der Donau, Uebertragung der Suzeränetitt über Rumänien an Oesterreich, Errichtung eines österreichisch-rumänischen Zollvereins, eventuell österreichisches Besatzungsrecht in den rumänischen Festungen. Die „Provinzial-Komspondenz" schreibt bezüglich der Salzburger Zusammenkunft, daß durch bie Besprechungen bet beiben Staatsmänner beten volles und herzliches Einverständnis über die leitenden Gesichtspunkte einer gemeinsamen Politik bezüglich der wichtigsten schwebenden Fragen von neuem bestätigt und befestigt worden ist. Zur Tagesgeschichte. — Vom Advokatentage in Graz. 68 wurden weiter folgende Beschlüsse gefaßt: „1.) Das strafgericht-liche Verfahren in Gefällsübertretungen hat i« gerichtlichen Wege, und zwar von der Administration voll« ständig getrennt, zu erfolgen, mit Ausnahme von gering' fügigen Uebertretungen und wenn der Beschuldigte mit de« administrativen Verfahren einverstanden ist. Der österr. Advokatentag erklärt: Die Einführung eineS auf Oeffent« lichleit und Mündlichkeit beruhenden Verfahrens bei EefällS-übertretungen sei ein dringendes Bedürfnis. Ferner: 68 sei wünscheniwerth, daß der erste Theil de» Strafgesetzes über GefällSübertretungen einer Revision unterzogen und in Einklang mit den Grundsätzen des einzusührenden Strafgesetzes über Verbrechen, Vergehen und Uebertretungen gebracht werde. 2.) Zum Zwecke einer geeigneteren Durchführung und besserer Resultate au8 der 6 xecution von beweglichen Gegenständen seien in den größeren Städten sogenannte Pfandkarnmern, beziehungsweise Ver-taufshäufet, unter Haftung des Staates für die Geschäfts« gebarung zu errichten. 68 sei ein dringendes Bedürfnis, daß für alle Städte, wo mehrere Gerichte erster Instanz ihren Sitz haben, ein Bureau (Evidenzbureau) errichtet werde, welches die von diesen verschiedenen Gerichten gegen einen und denselben Executen oder auf dieselben Objekte geführten Mobiliarexecutionen in 6videnz hält, und es seien Bom Kriegsschauplätze. Der „Standard" meldet aus Sophia: Die Russen haben die ferneren Angriffe auf P l e w n a aufgegeben und bereiten ihren Rückzug auf Niko« polis vor. DerwischPascha berichtet aus Votum über ein Gefecht, welche« mit der Niederlage der Rüsten endete. Die Russen halten die Linie de« Baniza« Lom fest. Mehemed Ali hat sich auf die Lom-Linie zurückgezogen, und man erwartet jetzt einen Vorstoß der Türken in der Richtung gegen Tir-nowa. Der Rückzug Mehemed Ali'S soll eine Folge „Robert, kannst du in solchem Tone zu mir sprechen?" sprach sie vorwurfsvoll. „Kannst du mit solchen Worten und mit solchen Gedanken von mir scheiden?" Lord Berry sah ihr fest ins Auge, und wie damals, als sie ihm ihre Liebe gestand, glaubte er in die Tiefe ihres Herzens blicken zu können. Das war noch der herzliche, liebevolle Blick, nur noch inniger durch den Ausdruck des Kummers. Wie waren ihre Züge so leidend, so schmerzerfüllt, wie zuckten vor innerer Qual ihre bleichen Lippen I Aber konnte dies nicht Verstellung sein? „Kannst du mir Aufklärung über diese Anzeige geben?" fragte er hastig. „Ich habe die Notiz gelesen," flüsterte Helene. „Die Zeitung wurde mir soeben gebracht. Meine Heirat wurde mit meiner Einwilligung veröffentlicht —» „Ist e« möglich?" rief Lord Berry verwundert, und Helene senkte ihre Augen vor seinen durchbohrenden Blicken. „Helene." fuhr er mit Bitterkeit in seiner Stimme fort, „bis zu diesem Augenblicke habe ich dir da« größte Vertrauen geschenkt; ich hätte für Jede« deiner Worte mein Leben zum Pfände eingesetzt. Ich glaubte, diese Anzeige sei da« Machwerk jene« Schurken allein. O, wie habe ich mich in dir getäuscht l Hier legst du vor aller Welt das Bekenntnis ab, daß du mit einem Abenteurer, von dem niemand weiß, wer er ist und woher et kommt, schon vor Jahren bekannt gewesen und ihn im Stillen geliebt hast, während du mir vor wenigen Tagen sagtest, du liebtest mich! Liebe! Ha, du weißt nicht, wa« Liebe ist — du kennst die heilige Bedeutung de« Worte« nicht! —" „Halt ein, Robert!" tief Helene, all' ihre Kräfte zufammennehmenb. Fest preßte sie bie Hände auf ihre wogenbe Brust, die ihr zu springen drohte, und blickte flehend zu dem Geliebten empor, der ihr so bittere unb unverdiente Vorwürfe machte. „Ich liebe den Mann nicht, der mein Gatte ist," fügte sie mühsam hinzu. „Du liebst ihn nicht, und hast doch deine Einwilligung zur Veröffentlichung dieser Notiz gegeben?" „Ich war dazu gezwungen, Robert. Ich wiederhole e«, daß ich diesen Menschen nicht liebe, sondern ihn haste unb — fürchte." „Unb btt liebst mich, Helene?" ,Ja, Robert, ich liebe bich!" Wie mit einem Zauberschlage schwanben bie Wolken von Lord Berry's Stirn und helle Freude überzog wie klarer Sonnenschein sein Gesicht. Rasch trat er zu ihr und erfaßte mit Heftigkeit ihre kalte, zitternde Hand. „Helene!* tief er freudig, „wenn du mit liebst, so ist noch nicht alles verloren. Ich habt in diesen Tagen mit sämmtlidjen Advokaten in Bel" fast gesprochen unb ihnen bie ganze Heiratsgeschichte erzählt. Einige hatten bie Trauung für giltig, a«' dere bagegen, unb zwar bie Mehrzahl, glauben, b»6 sie ohne Schwierigkeiten aufgehoben werben kan», besonders, da du ihn von vornherein nicht als deine» Gatten anerkannt hast —“ „Es ist zu spät," unterbrach ihn Helene-„Buonarotti hat die Heirat auf der ganzen Jor proklamiert, und der Kaplan mit seiner Frau wäre" hier, um mich zu beglückwünschen," ihre Stints versagte fast vor innerem Schmerz, und unter Weinen und Schluchzen fuhr sie fort: „Vorgestern abends haben die Farmet Freudenfeuer angezünd» unb zogen unter Glockengeläute mit Fackeln vor da» Schloß. So schwer eS mit auch würbe, blieb ****■ nichts anberes übrig, als mich mit Buonarotti au, bem Balkon zu zeigen, wo wir von der Menge Jubel begrüßt wurden. Buonarotti hielt eine kurz Ansprache, — o, es war schrecklich! Du stehst all , daß es zu spät ist.- (Fortsetzung folgt.) «u« den diesfalls zu führenden Registern (EviLenzregistern) jedermann, der die erfolgte gerichtliche Geltendmachung einer Forderung bescheinigt, die seinen Schuldner betreffenden Auskünfte zu ertheilen." — Begnadigung. Der „höchste Fructificierer" iu Oesterreich, der BörfengefchSst-inhaber P l a ch t in Wien, wurde begnadigt. Placht wurde am 10. Februar 1874 zu einer sechsjährigen Kerkerstrafe verurtheilt, er hat also erst btei Jahre sieben Monate und vierzehn Tage der über ihn »erhängten Haft verbüßt. — Für das Deak-Monument. DaS betreffende LandeScomitL beschloß eine Loncurrenz auSzuschreiben, nachdem 140,000 fl. durch Spenden für das Monument aufgebracht sind. 68 werden drei Preise (6000, 4000 und 3000 Francs) ausgeschrieben; außerdem sollen drei Künstler europäischen RuseS (ein Deutscher, ein Italiener und ein Franzose) separat zur Betheiligung am Concurse ausgefordert werden. Jedem von ihnen soll unter allen Umständen für ihre Arbeit eine Gratifikation von 4000 Francs zu» gesichert werden. Der Termin ist aus ein Jahr berechnet. Die Jury wird später zusammengestellt. — Wunderschwindel. Der „Saar- und Mosel-Zeitung" wird auL Marpingen folgendes neue Wunder-geschichtchen erzählt: „Es war am 1. September, als der Zuzug der Wallfahrer, welche die in voraus angekündigten letzten Wnndervorstellungen der „Madonna" genießen wollten, auf der Saarbrückener Bahn ganz besonders stark war, so daß ein Zug, als er auf dem Trier Bahnhöfe hielt, sich bereits verspätet hatte. Unter den frommen Pilgern, die f«ch auch aus unserer Umgegend auf dem Bahnhofe zur Fahrt nach Marpingen eingesunden hatten, bemerkte man eine „atme Gelähmte", die auf ein paar funkelnagelneuen Stücken sich mühsam daherschleppte, um in Marpingen ..Heilung zu suchen." Obgleich die neuen Krücken an und für sich hätten Bedenken erregen können, so fiel dies doch niemandem auf. Wie ward dem erstaunten Zuschauer aber bei dem, was sich zutrug, als die Bahnglocke zur Abfahrt ertönte und der Schaffner, ob der Zugverspätung ungedul-big, das Publikum eiligst zum Einsteigen drängte. Ein förmliches Wunder begab sich — die „arme Gelähmte", die fürchten mochte, daß der Zug ohne sie abfahren könnte, nahm die funkelnagelneuen Krücken mit einem plötzlichen Ruck unter den Arm. rote «inen Regenschirm, rannte den ganzen Perron entlang und sprang mit einem geschickten Satze In das nä»ste Loupt, worauf der Zug abdampfte. Der Schaff, ner hatte also mit feinem Rufen und Drängen der privi-legierten Madonna von Marpingen eine Wunderheilung erspart. Nichtsdestoweniger ist anzunehmen, daß die „arme Gelähmte" ihrer Simulantenrolle in Marpingen auch ser-ner treu blieb und die Heilungskomödie am Bnadenorte (wo am 2. und 3. September nach der „Germania" und anderen Wunderorganen, wie bereits bemerkt, viele Heilungen verkamen) mit Erfolg zu Ende spielte." Lokal- und Provinzial-Angelegenheiten. — (Jesuiten und Diebstähle.) Daß die Missionen der Jesuiten und deren Lonsorten gar keinen Arktischen oder moralischen Erfolg erzielen, wolle auS nachstehender Korrespondenz, die die Grazer „Tagespost" aus Laibach empfing, entnommen werden: „Obwol unter dem ju früh dahingeschiedenen Grafen Alexander Auersperg die 3ef uiten aus Krain auSgewiesen und ihre Niederlassung zu Repne aufgehoben wurde, kommt doch alljährlich wieder der eine oder andere Loyolit ins Land, um da Missionen abzuhalten und unserem Kletus, der dadurch seine Schwäche zur Schau trägt, unter die Arme zu greifen. Gegenwärtig verrichtet ein solcher Pater in und um Bischoslack seine »Mission." Zu wundern ist nur, wie bei all' dem noch Dinge Vorkommen können, die, wie die jüngste Betau« bung d«S PfatthofeS zu Egg, von ganz sonderbarer Religiosität zeugen. ES besteht nämlich unter der Landbevölkerung der Glaube, daß das gesummte Hab und Gut eines Geistlichen nach dessen Tode den Pfarrkindern gehöre. So kam es, daß nach dem unlängst erfolgten Ableben des Pfarrers von Egg alleS nach dem Pfarrhvfe rannte and von da fortschleppte, waS sortzuschleppen war. Der eine nahm daS Pferdegeschirr, ein zweiter schüttelte daS Obst von den Bäumen, ein dritter grub Erdäpfel aus, eine Psarrmetmse machte sich über das Silberzeug und eine ihrer •tsährtinnen wieder über die Ohrringe des todten Pfarrer- her. Nun wird erst das Bezirksgericht die sauberen Psart-kinder über Mein und Dein belehren, nachdem die Jesuiten solches zu thun unterlassen." — (Die neue Volks, und Bürgerschule in Gurkseld), eine patriotische Widmung des kraini-schen ReichsrathS- und Landtagsabgeordneten Herrn M. Ho-tschewat, wird am 16. Oktober l. I. feierlich eröffnet und ihrem Zwecke übergeben werden. Herr H o tschew a t, ein edler Patriot im wahren Sinne, hat sich durch diesen aus eigenen Mitteln mit einem bedeutenden Kostenanfwande aufgefübrten Bau ein bleibendes Denkmal in der Gemeinde und im Lande errichtet. Jllustre Gäste haben ihre Gegen-wart bei dieser Scbuleröfsnung zugefagt, namentlich der Herr Unterrichtsminister Dr. v. Strem atzt; auch die philharmonische Gesellschaft in Laibach wird an der Festseier theilnchmen. — (Das JdrianerQueckfilbet)hatim Mo-nate August abermals eine bedeutende Preisermäßigung erfahren. Während dasselbe nämlich vor dieser Zeit per 100 Kilo am Wiener Platze noch 24 Pfd. St. 5 Sh. 6 Pence kostete und bald hierauf auf 22 Pfd. St. 3 Sh. fiel, stellt sich der Preis, wie wir einer Notierung der „Presse" entnehmen, heute aus 21 3 Pfund Sterling. In österreichischem Gelde entspricht die» einem Preise von 249 fl. 36 kr. loco Wien. Die Flasche stellt sich auf 86 fl. 7 kr. (gleich 7'6 Pfund Sterling). Der k. k. BergwerkS-Produktenverfchleiß hält an vier Plätzen (Wien, Triest, Prag uud I d r i a) Borräthe, und zeigt c» sich auch Heuer, daß da» Hauptquautum von Triest au» in den Berkehr gelangt. Speziell von Wien bezieht namentlich Baiern größere Quecksilber-Quantitäten. — (AuS den Nachbarprovinzen.) DaS Handelsministerium hat die Rechnung der Kärntner Handels. und Gewerbekammer pro 1876 im Empfange von 7590 fl. 48 kr. und in den Ausgaben mit 6265 fl. 99 kr. genehmigt. — Die Heidenernte in Kärnten wird, wie die „Blätter für die Alpenländer" berichten, nur einen sehr kleinen Ertrag liefern. — In Klagenfurt klagt die Bevölkerung Über das ungerechtfertigte Steigen der Brod -preise; es wird beabsichtigt, einen Btoderzeugungsverein zu gründen. — Der Stadtgemeindevorstehung Billa* wurde die Bewilligung ertheilt, zur Deckung des Abganges im Gemeindehanshalte pro 1878 eine Umlage von 30 Perzent auf die Berzehrungssteuer von Wein und Fleisch, von 40 Perzent auf die Berzehrungssteuer von vier und von 60 Perzent auf die Berzehrungssteuer von Branntwein und anderen gebrannten geistigen Flüssigkeiten im I. 1878 ein» zuheben. — In den LandeSwohlthätigkeirsanstalten Kärntens befanden sich im August l. I. 617, u. z. im Kranken-hause 422, Jrrenhanse 105, Gebärhause 48, im Siechen* Hause 41 und im Armenhanse 1 Personen. — Der Bieh-abtrieb von den Alpenweiden Kärntens ist bereits beendet, sämmtliche Höhenlagen sind mit Schnee bedeckt. — (Der Agiozuschlag) wird vom 1. Oktober (. I. an zu den hievon betroffenen Gebüren jener Bahn-anftalten, welche zur Einhebung eines Agiozuschlages berechtigt sind und von diesem Rechte Gebrauch machen, mit 5 Perzent berechnet. Hiedurch wird die bestehende theilweise Einhebung eines ISperzentigen Agiozuschlages im Personen-, Gepäck- und Eilgutverkehre der k. k. priv. Südbahngesell-schast nicht berührt. Die zugunsten des Publikums bestehenden Ausnahmen von der Einhebung eines Agiozuschlages überhaupt, sowie jene bereits publicierten Ausnahmen, welche durch die Fixierung eines Maximal-AgiozuschlageS für gewisse Artikel auf einigen Bahnen zur Einführung gelangten, bleiben unverändert. — (Landschaftliches Theater.) Laibach den 27. September. Die Bühnenwerke der älteren Zeit werden in det Erwägung, als deren Inhalt gehaltvollere und interessantere Borlagen behandelt, elS viele geifl« und witzlose Produkte der Gegenwart, noch immer mit Borliebe an vielen Bühnen auf die Tagesordnung gesetzt. Heute gelangte auf unserer Bühne daS hier schon oft gesehene ländliche Charakterbild „Die Grille" von Lharlotte Birch.Pseiffer zur Aufführung. DaS HauS begrüßte die vorzügliche Darstellung der Titelrolle durch seinen Liebling Frl. N. Butze mit wohlverdientem Beifall. Frl. N. Butze schlug alS „Fanchon" natürliche, kindliche und sympathisch klingende Saiten an, weiblicher Stolz entfaltete sich in den Szenen mit „Batet Barbeaud" und das Erwachen bet ersten Liebe strahlte in den schönsten Farben; wir möchten uns die Bemerkung erlauben, daß im ersten Acte der wilde, unbändige Charakter der „Grille" markierteren, schärferen Ausdruck zur Schau und zu Gehör hätte bringen sollen. Herr Hellwig (Landry) verspricht gute Leistungen, der Ton seiner Stimme klingt — das schrille v ausgenommen — deutlich vernehmbar, der junge Schauspieler besitzt Leben und Wärme de« BefühlS; falls die nächsten Debüts rvllensicheret und klappender als das heutige abgespielt werden, so kann sich Bühne und Publikum zu dieser neuen Acquisition gratulieren. Gestern hatten wir Gelegenheit, eine eminente Bühnenkraft in Frau Dnprt-Hasselwandter wahrzunehmen, die Darstellung der Rolle der geldgierigen und herzlosen „Fadet" wurde bonfeite deS Publikums als eine vortreffliche anerkannt, insbesondere in der Szene mit „Beter Barbeaud", in der letzterem sein Sündenregister aus der Jugendzeit vorgelesen wurde. Der gekränkte weibliche Ehrgeiz wurde itt Wort und Mimik meisterhaft dargestellt. DaS HauS zeichnete Frau DuprL-Hasselwandter mit Hervorruf aus. Herr Sttöhl (Batet Barbeaud) und Frau Ströhl (Mutter Barbeaud) präsentierten sich wieder rollenfest und in natürlichen Formen. Herr K a u tz k y spielte den Naturburschen „Didier" recht gut und verspricht in diesem Fache Sitten kenmingswerthes zu leisten. Frl. Anselm trat als „Medelon" mit entsprechender Koketterie und Eleganz auf, nur liebt eS Frl. Anselm, mit zu tiefer Stimme anzuschlagen. Der erste Act ging etwa« matt, mehrere Szenen verliefen minder klappend, die ganze Vorstellung jedoch können wir immerhin zu den guten rechnen. Unterrichtswesen. (Fortsetzung., ES ist im Menschen ein natürlicher Drang vorhanden, daß die Kräfte alS solche in der Außenwelt auch Anerkennung finden; denn so wie das Fichtenstämmchen auch durch ungünstiges Gerölle dem Trieb seiner innersten Natur, wenn auch in verkümmerter Weise, gerecht wird, bei ergiebigem, ihn freundschaftlich Pflegendem Erdreich jedoch zum kräftigen Stamme heranreift, so zeigt sich dieselbe Erscheinung in der Pflege und Bildung geistiger Fähigkeiten. Wird der Lehrer nicht jede Gelegenheit suchen, dem Knaben eine berechtigte Anerkennung zu geben, bringt er nicht besonders dem strebsamen Theil der Klaffe den erfrischenden Thau freundschaftlichen Wohlwollens und Aufmunterung entgegen, fo wird bat Selbstvertrauen deS Knaben und damit auch dessen Leistungsfähigkeit nicht erstarken. DaS Vorhandensein einet Kraft äußert sich eben im Drange nach Betätigung. DaS unzeitige und die Anlagen mißkennende Urtheil wird manchesmal von dem tiefen innem Selbstbewußtsein, der unwiderstehlichen Kraft der innersten Triebe überwunden; die Rechthaberei des Kritikers wird sich in einem solchen Falle nur mit dem größten Widerwillen zum Geständnis eine? unrichtigen UrtheilS bequemen und bet Unfehlbarkeit des eigenen Scharfsinnes kein Armutszeugnis geben wollen. Wird aber dieses unzeitige und ungerechte Urtheil von der Kraft des innetn Triebe- nicht überwunden, findet sich in der That in der Außenwelt kein günstiger Anstoß, wodurch die schlummernde natürliche Anlage zum Dutchbtnche gelangt, dann wird dieses Urtheil mit der Zeit ein richtiges. Det Lehrer und mit ihm die Welt urtheilen zuerst nach dem Scheine, nach dem trügerischen, momentanen Eindruck, und gerade durch ein solches Urtheil wird der Schein zum Wesen gemacht. Dem Knaben wird die Meinung der Schule und somit auch die der Welt ausgedrungen. Dieser ungünstigen äußern Strömung nun weicht unsere Kraft, falls sie nicht durch Freundschaft und Wohlwollen zu einer kräftigen Reaktion befähigt wird; sie dringt mit allem Ungestüm, mit zermalmender Energie auf die Außenwelt und fugt. So wie im großen Kampfe des Lebens Freundschaft und Liebe das Brod geistigen WachSthums und moralischer Existentst, so bietet ein gleiches freundschaftliches Wohlwollen auch im Unterricht einen gedeihlichen Rückhalt wissenschaftlichen Strebens; diese Gtfühle sind dort, wo sie die mitstrebenden Schüler unter einander und mit dem Lehrer durch diese edelsten, unlösbaren Bande des Geistes ketten, das sicherste Kennzeichen einer gut und richtig angewendeten Pädagogik, einer Pädagogik, welche jede Kluft, jeden Widerstand zwischen dem Selbstbewußtsein und der Zumuthung, welche die Außenwelt an ihn stellt, zu verhüten weiß. „Man muthe dem Knaben Fähigkeiten zu, er wird sie haben; man muthe ihm Tugenden zu, er wird sie haben," bemerkt ganz trefflich det berühmte Bersasset der Diätetik det Seele. Lärmt also nicht allzuviel wegen Ueberbürdung der Schüler; mol kann eine allzugroße Belastung die L'istungS-fShigkeit, da« geistige Können eher schwächen als fördern; doch der Mangel an Neuheit deS Stoffes, das zu oftmalige Wiederkäuen derselben Sache bewirkt ebenso Erschlaffung und Bedankenlofigkeit; ein guter, von seinem Berus durchdrungener Lehrer, zu dem die Schüler Anhänglichkeit und Zutrauen haben, wird BieleS und Schweres durcharbeiten und dir Schüler stets bei gleicher Arbeitslust finden; ein schlechter Lehrer, der seinen Gegenstand geschäftsmäßig oder Mit philisterhafter Pedanterie betreibt, wirkt auch bei einer geringen Menge des Lehrstoffes ermüdend und geisttvdtend. Ebenso forschet nicht so sehr, wir die Lehrbücher zu «er» fassen seien, ob gedrängt, ob umsaffend, ob von mehreren oder einem Schulmanne, ob fie häufig oder selten gewechselt werden, — obwol wir die Wichtigkeit zweckmäßiger Lehrbücher nicht bestreiten, so hat diese Frage, welche den höheren Schulbehörden viel Kopfzerbrechen macht, doch nur eine secundäre Bedeutung; rin guter Lehrer wirkt auch bet einem schlechten Lehrbuch« segensreich, ein schlechter Lehrer wird auch bei einem guten Lehrbuche die gewünschten Erfolge nicht erzielen. — »DaS Lehrbuch ist nicht«, der Lehrer ist alleS", tiefe Worte deS Professors Zimmermann, einer wissenschaftlichen Zierde der Wiener Univerfität, find in der UeberbürdungSfrage ebenso lehrreich als beherzigenswert; denn gegenüber jener kleinlich bureaukratifchen Anschauung, welcher das Lehrbuch der „inspirierende" Direktor und „visitierende" Inspektor, alles ist, welcher bloS daS sklavische Fest-Halten am Lehrbuche, alS „Maßstab in der Be» urtheilung des LehrrrS" dient und mitunter zur Willkür und bureaukratifchen Omnipotenz führt, dieser Anschauung gegenüber muß eine liberale, echte Pädagogik daS Lehrbuch, wie dasselbe immer beschaffen sein mag, stets nur als einen Leitfaden betrachten; stets muß der Lehrer nicht bloS mit dem Lehrbuche, sondern auch mit der Natur des jugendlichen Geistes und dem Charakter deS Gegenstandes so rechnen, daß er diese beiden Factoren in einen harmonischen Einklang bringt. Der Lehrgegrnstaud, wie zum Beispiel die Beschichte, Geographie, die Lectürr alter und neuer Klassiker tc., ist ent> weder der poetischen, mehr in der sinnlichen Anschauung« welt lebenden Statur des jugendlichen Geistes mehr ver wandt, oder es kann der Lehrgegenstand seinem Wesen nach — wie z. B. das grammatische Studium, die Mathematik — mehr trocken sein und allzu einseitig blos den Verstand beschäftigen. Ist daS letztere der Fall, dann muß dieser Dir ciplin als versöhnendes Medium die der Sinnenwelt zu-gerichtete Kunst zuhilse kommen, muß derselben eine gewisse sinnlich-ästhetische Fassung verleihen, die Theorie im voraus ahnen, durch eine Fülle praktischer Beispiele derselben vor arbeiten lassen; da muß vor allem die Individualität des Lehrers, sofern sich dieselbe in der eigentümlichen Form des Bortrages, in dem belebenden mündliche» Wort kundgibt und fich nie zu einem willenlosen Organ deS Lehrbuch»« degradieren läßt, jene versöhnende Vermittlung bieten zwischen der Trockenheit deS Gegenstandes und der vorwiegend in der finnlichen Anfchauungswelt lebenden Jugend. So wie für die Leistungsfähigkeit einer kriegführenden Armer die Individualität deS Strategen stark in die Wag-schale fällt, so läßt sich im Schulunterrichte eine gleiche Analogie nicht verkennen. Ein Lehrer, dessen Fachwissenschaft nicht aus einem Jsolierschernel ruht, sondern sich stets bemüht, zwischen derselben und den übrigen Wissenschaften, der jkunst, Natur und Gesellschaft eine möglichst lebendige Reci-procität herzustellen, der fern von jeder Einseitigkeit, welche ihn zum Sonderling macht und die Welt mit Brettern verschlägt, ein offenes Auge und ein warmes Herz für die Bedürfniffe deS Lebens besitzt, — dem wird gewiß daS Gedeihen der Wissenschaft und der Jugend in gleichem Grade am Herzen liegen; er wird fein reines, edles Streben in eine ebenso reine und edle Form zu kleiden wissen und gleich einem glücklichen Strategen jene Methode finden, nm seine stet« arbeitssrohen Schüler auch über die schwierigsten Partien hinüberzusühreu; wer jedoch sein Amt nur im Geiste einer kleinlichen und engherzigen Bureaukratie, b. i. handwerksmäßig betreibt, der wird auch in der Behandlung eines die jugendliche Phantasie vorzüglich ansprechenden Lehrgegenstande« und bei den leichtesten Partien um so mehr Ermattung,. The>lnahm«lofigkeit und Ueberdruß erzeugen, je sklavischer er fich an den todten Buchstaben deS Lehrbuches bindet. (Fortsetzung folgt.) Witterung. Laibach, 28. September. Heute früh die Temperatur unter dem Eispunkte, anhaltend heiter, schwacher O. Wärme: morgens 7 Uhr — 0 3», nachmittags 2 Uhr -s- 12 1« C. (1876 -j- *03*; 1870 + 13 2» C.) Barometer 742*70 mm. DaS gestrige Tagte-mittel der Wärme + 5 3, um 8 5* unter dem Normale. Angekommene Fremde am 28. September. Hotel Stadt toten. Bergstein, Oplatek und Stein, Kaufleute, Wien. — Lociancig, k. k. Marine-Kommissariats-Adjuntt, Pela. — Fink, Hoflieferant, Braz. — Dr. Po-petak, Advokat, Jglau. — Sellen, Triest. — Urbaniii, ButSbes., Thurn. Hotel Elefant. Botschen, Böhmisch-Leipa. — Bransche, Südbahndirektor; Friedenhaim, Kfm., und Hobert, Ober* Inspektor der North-British, Wien. — Dr. Bustariii, Jurist, Fiume. — Graf Deym, l. t. Major, Preßburg. — Jelenz, Kropp. — Graf Lichtenberg, Unterkrain. -Molinari, Kfm., Triest. — May, Kadett-Feuerwerker. — Oblak, Postoffizial. Villach. Hotel Europa. Baumeister, Rann. — Dr. Hufinger, Arzt, Gleichenberg. — Franz Jakob, Fabriksbesitzer, Ro-veredo, »otfer von Oesterreich. Kaisel, «ra,. Bairischer Hof. Lippmann, Solingen. — Odenheim, Heidelsheim. — Vederer, Hdlsm., Breiten. Mohren. Kalin, Kärnten. Ajman, Pfarrer, Lengenfeld. — Jereb, Pfarrer, Zarz. — Deutsch, Kanischa. Verstorbene. Den 27. September. Margaretha Bermekar, In-Wählerin, 61 I., Zivilspital, Zehrfieber. — Anna Slos, TrödlerSwitwe, 67 I., Rosengasie Nr. 33, Lungenlähmung. — Johann Thoman, Agent, 31 3., Zivilspital, Magenkrebs AlS unterstützende Mitglieder der Laibacher sreiw. Feuerwehr leisteten den Jahresbeitrag pro 1877: Herr v. Gariboldi...............................mit 10 fl. Frau Kottnik Fanny...............................„ 2 „ „ Obres» Maria................................„ 5 „ Herr Dr. Eisl.......................................... 5 „ „ Mikusch ....................................„ 5 „ (Wird fortgesetzt.) Gedenktafel über die am 2. Oktober 1877 stattfindenden tilcttattonm. 3. Feilt., Renko'sche Real, ad Herrschaft Prem, BV. Feistriz. — 3. Feilb., jkovakii'sche Real., Smerje, «G. Feistriz. — 2. Feilb., Penko'sche Real., Parje, BG. Feistriz. — 2. Feilb., Hasner'sche Real., Liitterfeichting, BB. Krain-bürg. — 1. Feilb., Jagodmg'sche Real., Dornegg, BB. Feistriz. — 1. Feilb., Slol'fche Real., Topolz, BB. Feistriz, — 1. Feilb., Franl'fche Real., Prem, BB. Feistriz. - — 1. Feilb , Kastelc'fche Real, ad Thurngallenstein, BB. Littai. — 3. Feilb., Slejko'sche Real., Buluje, B«. Adels-berg. — 1. Feilb, Kozaroch'sche Real., Welleraune, BB. Ratschach. _____ Theater. Heute (gerader Tag): Erste» Auftreten der Frau Josephin« Fritzsche-Wagner. «iroslv-BiroflL. Komische Oper in 3 Acten von Lecccq. Sulinamündung bei Rußland reklamiert. Die Tür» ei machte Zugeständnisse, Rußland versprach Wiederinstandsetzung der Sulinamündung nach dem Kriege. Bei Ausbruch des Krieges versprach Rußland, Ser» liien nicht zum Operaiionsierrain zu machen; die Türkü mochte dieselbe Zusage. Im Falle der Theil-nähme Serbien» am Kriege wird die Türkei nicht behindert werden. Oesterreich-Ungarn wird bann einen Interessen gemäß handeln. Der Zweck de» Drei-Kaiser-BündnisseS war nicht eine Beipflichtung gegenüber concreten Fragen, ändern das Uebereinkommen, im Interesse des europäischen Friedens bei auftauchenden Fragen im Einvernehmen (nicht gemeinschaftlich) vorzugehen. Dil Tha'.sache, daß der Krieg kein europäischer geworden, ei lheiiweise auch dem Drei-Kaiser-Bündnisse zu- i(U|chteiben. Daraus, daß eine Regierung gegen bie Anficht zweier anderen in bei, Krieg ging, erwuchs ber öfter# reichisch.ungarischen Regierung gegenüber ber Orientrage keinerlei Verpflichtung. Die bisherige Regie» rungSpolitik bekundet, baß eine Zerstückelung ber Türkei niemals beabsichtigt war. Die Regierung 'reklamierte nicht wegen türkischer Grausamkeiten im allgemeinen, sondern wegen Parbonierung Gefangener. Die Türkei versprach künftige Beobachtung. Unser Verhältnis zu Deulschlanb ist schon ehr lange ein guieS gewesen und ist auch heute ehr gut. DaS Haus nahm alle Antworten zur Kenntnis. Budapest, 28.September.(Fruchtbörse.) Prima-Weizen, per Meterzentner 80 Kilo effektiv wiegend, kostet 12 fl. 40 kr., fest behauptet; Usance-Weizen 11 fl. 10 kr., mäßiger Verkehr. Konstantinopel, 26. September. Die „Korresp. HavaS" meldet: Zwischen einzelnen Botschaftern und der Pforte fand ein Ideenaustausch bezüglich der eventuellen Waffenstillstandsbedingungen statt; ein offizieller Schritt aber wurde nicht unternommen. Telegramme. Wien, 27. September. Im Abgeordneten hause erklärte Fürst Auersperg, die Orient-Interpellation beantwortend, die Regierung stehe auch heute noch auf dem Standpunkte der vollen Neutralität und Wahrung der Interessen Oesterreich Ungarns, in jedem Falle mit Ausschluß jeder Partei nahmt gegen einen oder den ändern der Kriegführenden. Heber die Haltung der Monarchie gegenüber einem eventuellen Eintritte Serbien- in die Action könne fich dir Regierung nicht im vorhinein aussprechen Bubapest, 27. September. Im Unterhause auf die verschiedenen Interpellationen antwortend, kennzeichnet- Ministerpräsident Tisza die nur au das Interesse der Monarchie bedachte neutrale öfter reichisch-ungarische Politik. Wegen Torpedolegung wurde bei der Türkei, sowie wegen Zerstörung der Herren-Wäsche, eigenes Erzeugnis, solideste Arbeit, bester Stoff und zu möglichst billigem Preise empfiehlt C. J. Hamann, Hauptplatz Nr. 17. Auch wird Wäsche genau nach Maß und Wunsch angefertigt und nur belassende Hemden verabfolgt. (341) 36 Wiener Börse vom 27. September. Staatsfonds. Seeri. Reut«, öst.Par. feto. dto. 88. in 6116. e oon 1854 « oon 1860, e eon 1860, Prämieusch. ». 1864 . Orondent.-ObL 6iebenbfttg. Ungate Achen. Lug!».Ball!.......... ftrcfcitasftatt...... DeeofUcnbant . . . . 66comt)te- Änftalt . . jftanco-Sant . . , . Benbtilbent.......... jtatienelbeut . . .. Oeft. Santgeftilf. . . Union -»ant.......... Ccrte^tlbant......... Hlfötb-tJa&n Hart Subtotgbabn . . «aff. Slff.-Sabn . . Jtaif. 9t. 3o(ef«b . . 6taat8ba$n .......... Sübbabn............ »e» | toatt Pfandbriefe. 64 *3 «4'45'lUIg. iff. »ob.-6ttbit. 66-»Cl 67-—! bto. in SS 3........ 107'— 107 5ü Natron. ö. W........ 111*86 m-76 Ung. Bod.-Lreditaust. 119 50 ISO'—1 H3--1SS-50 Prioritäts-Obl. S:an| 3o(ef«.8abn . tft. Norbweftbahn . 6iebcnb6tget 75 85 76-75 - - - - 7g.tn 77 — kübbah» 4 5 Prrz. dt«. Bon« Lose. Ätebil • Üoft . . . Äubolfe - Los« . . Weohs. (3Mon.) Hugebntg 100 Ziert jjtantf. 10» Wert . Hamburg* „ London 10 Pfd. fetetl. 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