^^5«. »«4^3. Vaterländisches. Die Wallfahrt der Taubstummen auf den heil. Berg bei Görz am 24. Juni 1844. (Fortsetzung.) ^T-un war es an der Zeit, des Unterrichtes wegen den Heimweg anzutreten. Um sich nicht den unvermeidlich", unsanften Niedersißungen auszusetzen beschloß man, auf dem wetteren abhangigen Nucken des Berges gegen Nordwest hin heimzukehren. Der Steig z,eht sich am dicht bewachsenen Rande eines durch immerwährendes Steinbrecheu verursachten Erogerölles (M6lj) hinab. Vor wenigen Jahren war ich mit einigen Taubstummen am steilsten Orte aus dem tief unten fließenden Bache Broina heraufgeklettert, wobei ich zwei Fatalitäten harte, indem ich, da die hastig voran kletternden Knaben, die unser Rufen nicht hörte», eine Menge locker gewordene Steine und Erd-klöne uns zuschickten, die Kleinen mit meinem Körper decken mußte; und daß mein Stock gerade vor dem Ende unseres Zieles in die weite Tiefe hinab abglitscht >var. Die Knaben erinnerten sich dessen, imd qlaubten, wir sollten den langen Umweg ersparen und gerade hinab zu gehen versuchen. Wir schick-!en dleßfalls Ausspäher aus, und rasch liefen die Muthigsten hinab; bald waren sie unsern Blicken entschwunden, und eine bedeutende, mitunter sorgenvolle Weile sahen und hörten wir nichrs von ihnen, — als auf einmal das allgemeine Geschrei der hinabstarrenden Taubstummen mir dem Deuten entstand, daß 2 Knaben schon unten über den Bach setzten. Nun wollte alles ihnen nach, was wir mir gehöriger Vorsicht bewilligten und den Kleinern hilfreiche Hand boten. Bald stießen wü- auf einen der vorausgeschickten Späher, welcher vielleicht «us Schüchternheit oder als Piquet zurückgeblieben war. Er zeigte uns, wo die Uebrigen hinab gegangen waren, und nicht lange dauerte es, daß die männliche und weibliche Jugend mit uns am Gestade der Broina ohneVerleßung stand. — Noch ein Gen.uß erwartete die taubstumme Caravane: wir hatten noch Schießpatronen, und begaben uns unter die nahe hohe Wölbung der Brücke mit dem Bedeuten, daß hier der Schuß ganz sonderbare und starke Wirkung mache. Beim ersten Schusse fuhren die meisten Taubstummen mir einem Schrei zusammen, denn er wiederholte sich mit gewaltigen rollenden Vibrationen. Jedes Mitglied der Ercursion hatte die Freude, unter Aufsicht einen Schuß zu thun, und jeder derselben übertraf die Erwartung, ungeachtet jede Patrone wenig über '^ O.uintel Pulver enthielt. Dieses kommt daher, daß die Ladung mit gewaltigen Stößen durch eigens gemachte eiserne l?adstöcke geschieht. — Freudetrunken kehrte nun die stumme Schaar wieder nach Hause und gerne lernete sie wieder, da der 24. Juni nicht mehr weit entfernt war. In einem der früher gedruckten Aufsäße wurde gesagt, daß man einen Tag bestimmen werde, an welchem die Taubstummen insbesondere Gott für die empfangene Wohlthat des Unterrichtes danken und für das Wohl der lebenden oder schon verstorbenen Wohlthäter und Unterstützer ihr kindliches Lallen dem Vater der Waisen darbringen sollten. Sie wissen zwa^ schon ihre Pfiicht, täglich bei der hl, Messe ihre^ Wolhthäter eingedenk zu seyn: aber hinsichtlich der erwähnten Jahresfeier war indessen noch nichts geschehen. Das Instituts - Personale bestimmte daher das Fest des heil. Johannes des Täufers. Er predigte Buße und Erkennung der Lehre des kommenden, Erlösers. — Der Hauptzweck des Instituts ist, die, Zöglinge zur Erkenntniß Gottes, seiner heil. Religion-und zum christlichen Lebenswandel a'i;uleitei!litn in mora! ich erkletterte den Gang und bald waren die Taubstummen gewcckt. — Die Knaben polrercen Stiegen auf und Stiegen ab; nach und nach kamen auch die Mädchen von der Toilette. Lichter kreuzten durch Zim< mer und Thüren. Man beeilte sich, dieProoiant - Vorräthe an die Träger zu vertheilen. Bald nach 2 Uhr brachen wir auf, und zwar die Knaben voran. Die aus Freude zu schnell voraus eilenden Knaben mußten auf schon bekannte Weise durch Pistolenschüsse zum langsamen Gehen errinnert werden. — Hier nun einige Worte über deu Gebrauch des Schießens bei den Taubstummen. Aus der Erfahrung glaubten wir entnehmen zu können, daß diese Unglücklichen den Schall der Trommel, der Schießgewehre, des Donners, und allenfalls des Basses der Orgel am leichtesten wahrnehmen' Derlei Schall mag nun durch seine besonderen Lufterschütterungen auf die verhärteten Gehörorgane, oder überhaupt auf die um so schärferen Empfindungsgefühle der Taubstummen wirken; so viel ist gewiß, daß weder das lauteste Rufen noch das grelleste Discantpfei-fen eine ähnliche Wirkung hervorbringt. Sohln werden die Schüsse mit Erfolg bei den unglücklichen Taub" stummen angewendet, um die sich Elitfernenden und Zerstreuren an sich zu rufen. (Fortsetzung folgt.) Der Qnkel aus Amerika. (Schluß.) 5. Die Fensteroorhänge waren zwar noch geschlossen, aber wie sich die Augen nach und nach an die Dunkel-heil gewöhnten, fing auch der junge Maler, der An» fangs in dem Fremden nur etwas Langes und Schmales erkannt, das viel Aehnlichkeit mir einem Niesen» llneal hatte, nach und nach die schlecht verhüllte Arm< seligkeit seiner Toilette auszunehmen, und dachte: Ge-wiß ein armer Teufel, dem d»e Ankunft meines Onkels nicht minder erwünscht seyn wird als mir; vielleicht ist seine Zärtlichkeit aufrichtiger als die meine; aber ich werde nicht undankbar seyn, und wer sollte auch einen Mann nicht lieben, der mein und meiner The-rese Glück begründet. — Und wann kommr mein guter Onkel? fügte er laut hinzu. Dein Onkel, rief der Fremde, steht vor Dir — ich kann meinem Herzen nicht länger Stillschweigen auferlegen; umarme mich! 2U7 Und mit diesen Worten drückte er seinen Neffen so energisch an sein Herz, daß dieser nm seinen Brustkorb besorgr wurde und sein Entzücken nur in abgebrochenen, kaum articulirten Lauten kund geben konnte. Das Aeußere des Onkels schien eben nicht auf Reichthum oder wenigstens auf Geiz zu deuten, welcher den sanguinischen Hoffnungen des Neffen eben auch nicht günstig seyn dürfte. Mein Neffe, versetze Onkel Jean, wir haben viel mit einander zu reden, lasse mir ein Frühstück geben. Sehr gerne, erwiederte Armand, ich will mich ankleiden. Du siehst, mein guter Freund, erzählte der Onkel, während der Neffe seine Toilette machte, daß mir das Glück auf der andern Hemisphäre eben so wenig gelächelt hat, als im Vaterlande, und ich komme als Bettler zurück, wie ich ausgegangen. Ach, dachte Armand, meine ganze schöne Zukunft ist dahin —und ich werde Theresen nicht heirathen. Armand ging hinab, ließ zwei Couverts auflegen und ordnete das Frühstück an. Mein Onkel, sprach er, ich behandle Sie ohne Ceremonie, und Sie werden schon das bescheidene Frühstück eines Kunstjüngers theilen. Der Gar^on erschien, und Armand bestellte zwei Beefsteaks, Käse von Blie und einen Salat, aus dem Wandschrank aber nahm er eine Flasche ro° then Wein, die schon cmgegänzt war. Onkel Jean schien roll Hunger, und ehe die Beefsteaks kamen, tauchte er Brot in geröthetes Wasser. Du mußt mir auf einige Tage ein Asyl bei Dlr gewähren, versetzte der Onkel, bis ich zu meiner guten Schwester, Deiner Mutter, gehen kann. Ich muß wohl gestern recht betrunken gewesen seyn, dachte Armand, daß ich eine Wohnung von 100 Franken monatlich für einen Onkel aufnahm, von dem ich noch nicht wußre, ob er Einen bezahlen kann. Zum Glück ist hier im Hause eine kleine Mansarde unbesetzt, die mir der Hauohcrr gern auf einig.- Tage überlassen wird. 6. Die Beefsteaks kamen, lind der Onkel aß deren anderthalb mit dem bcsteii Apvetit auf, welcher dem Neffen (mochte mm der Ucbcrfiusi des gestrigen Frühstücks, oder die getäuschrcu Hoffnungen daran Schuld seyn) heute ganz zu feh^i schien. Ich komme von Havre, versetzte der Onkel, und wagte «ucht gleich zu mcmer Schwester zu gehen, wo ich eine unfreundliche Aufnahme fürchtete; doch Du hast mich darüber beruhigt; Du wirst mir auch 10 Franken borgen, die ich dem Conducteur der Di-ligence noch auf meinen Platz schuldig bin, nnd wofür er mir den Koffer zurück behielt. Armand aß wenig und schien in traurige Betrachtungen vertieft, doch wie der Kellner mit dem Käse erschien, belebten sich plötzlich seine Züge, u»d er schlug mit der Faust auf den Tisch, wie einer der durch eine plötzliche Idee erleuchter wird. Garoon! rief er, noch zwei Rebhühner und Trüffeln, Brüßler-Kohl, einen Geflügel- Slatauno Champagner! Der Bursche gehorchte verwundert, und Onkel Jean drückte dankbar die Hand des Neffen, über dessen Wohlhabenheit er sich herzlich freute. Nach dem Frühstück führte Armand den Onkel in das elegante Logis, welches er für ihn gemiethet hatte, empfahl ihn der Sorge der Hauswirthinn, während er selbst den Koffer von der Diligence abholen ließ, und einen Kleiderhändler mitbrachte, welcher den Onkel Jean anständig ausstaffirte. O mem guter Onkel ! sprach Armand behaglich lächelnd zu sich selbst, als er Abends die zahllosen Stufen zu seiner Wohnung hinaufstieg, Du wolltest mich täuschen, und die Falle war sehr geschickt gestellt ; ja ich wäre ba>d mit gesenktem Haupte hinein gerannt, doch Dank sey der ungeheuren Busennadel, die Du so unvorsichtig erblicken ließest, als Du Deine polnische Pekescye aufknöpftest. Es ist natürlich, daß ein Millionär, der aus Amerika nach Hause kommt, seine Leute kennen zu lernen wünscht, ehe er das Füllhorn seiner Großmuth über sie ausschüttet. Du hast mich prüfen wollen, mein guter Onkel Jean, und bist selbst m die Grube gefallen, die du für mich gegraben. Jetzt, nachdem ich den Schlüssel zu den Geheimmssen gefunden, erinnere ich mich an eine Menge Dinge, die Dich verrathen haben — die freudige Bewegung, als ich Dich in Deine brillante Wohnung einführte, während ein rui-nirter Mann sich geweigert haben würde, selbe anzunehmen , — dann die theatralisch übertriebene Armseligkeit Deines Costumes, und vor Allem ein Umstand, der mir im ersten Augenblicke hätte einleuchten müssen, wenn mein Verstand nicht eben Stillstand gehabt hätte; man kommt aus dem heißen Clima nicht in einer polnischen Pekesche — oh mein guter Onkel Jean, die Erfindung der Pekesche macht Dir keme Ehre — die Pekesche — es ist zu stark — die Pekesche har Dich verrathen. AIs Armand am folgenden Morgen seinen Onkel besuchte, schien dieser etwas auf der Erde zu suchen. Lieber Hnkel! fragte der Neffe, haben Sie etwas verloren? Nichts, entgegnete Onkel Jean, nur eine Nadel , d«e ich gewöhnlich in mein Hemde stecke. Wie, nichts? Ihr großer Solitär? Mein großes Stück Glas, ein herrlicher Soli» tär, der mich 50 Centimen gekostet har. Unmöglich! 208 Willst Du ein Frühstück wetten, so liegt er alsbald in Asche. Ein Juwelier wurde gerufen, der Diamant war ein Krystall, die Fassung Kupfer. Armand zahlre das Frühstück, und 8 Tage später war der Onkel ^Millionärs Commis in einem Handlungshause; er bekam jährlich 1800 Franken, und pries sich den Glücklichsten der Sterblichen. 1844. Verzeichnest XIII. der vom historischen Provinzial-Verein in Krain erworbenen Gegenstände. (Fortsetzung.) 65. Vom Herrn Johann Bapt. Novak, Domherrn und Schulenoberaufseher: 9) Xol6I-2, potl'ßliNs) Pc>l1ll2ll6l,j6 82 KlN6t2. 8. V' ^'„lil^llill 183 l. Deutsch und kramisch. d) I'll6868 6X !,Nlv6l8a tlleolo^ig (jlI38 PI0 eon aeIäßinica pulilicß na-nm'liin. Unten: ^V. 5l8^. Vom Kaiser Gratianus, welcher zugleich mit seinem Onkel Valeus, dann mit seinem Bruder Valentinian II. regierte vom I. Chr. 375 — 383. Nach Versicherung des Herrn Gebers wurden diese Münzen in der Gradischa-Vorstadt Laibachs ausgegraben. 68. Vom Herrn Dr. Carl Ullepitsch: a) IVuava Vl8c»ecillm«nt<) l!i lettel'« imilili; tas ist: Slooemscher ^LO-Krieg. Vom Bibliothekar Zhop. 4. Laibach 1833. 69. Folgende Urkunden: a) Verordnung des Landesvicedoms in Krain von Scrassoldo, lldn. Laibach am 9. März «648, enthaltend d«e zu beachtende Ordnung beim Verkaufe von Victualien am Laibacher Markte. d) Urtheil in der Rechtssache des Johann Ludwig Schönleben wider das Laibacher Domcapitel, ll