— 1 — Altkirchenslawische Terminologie des Weinbaus und der Weinproduktion: Herkunft und Entwicklung Jana Villnow Komárkov á Etymological Department, Czech Academy of Sciences, Czech Language Institute, Veveří 97, CZ – 602 00 Brno, jana.villnow@ujc.cas.cz DOI: https://doi.org/10.18690/scn.16.2.1-16.2023 1.01 Izvirni znanstveni članek – 1.01 Original Scientific Article Prispevek se ukvarja s starocerkvenoslovanskimi izrazi s področja vinograd - ništva in vinarstva, ki so predstavljeni na osnovi starocerkvenoslovanskih spomenikov in so naknadno etimologizirani. Besede, zapisane v stari cer- kveni slovanščini, nam omogočajo, da dobimo predstavo o tem, kako so naši slovanski predniki gojili trto, kako so iz grozdja pridobivali vino in kakšno vino so uživali oz. poznali. Posamezni starocerkvenoslovanski izrazi po eni strani izkazujejo arhaičnost slovanskega vinarstva, po drugi strani pa pona - zarjajo načine oblikovanja in nadaljnjega razvoja terminoloških sistemov. The topic of the paper is Old Church Slavonic terms from the semantic fields winegrowing and winemaking. Examples of the mentioned terms are taken from Old Church Slavonic literary monuments and are further in the study etymologized. The words documented in Old Church Slavonic texts allow for an accurate picture of how the ancestors of contemporary Slavs cultivated grapes, how they produced wine, and which types of wine they knew and consumed. On the one hand, the origin of the discussed terms attests to the antiqueness of Slavic viniculture, while on the other hand, it provides insight into how terminological systems are formed and developed. Ključne besede: etimologija, stara cerkvena slovanščina, praslovanščina, vinogradniška terminologija, vinska terminologija Key words: etymology, Old Church Slavonic, Proto-Slavic, vinicultural ter- minology, viticultural terminology 1. Einführung 1 Eines der Instrumente, mit welchen Geschichte diverser Bereiche mensch- licher Tätigkeit rekonstruiert werden kann, ist neben der archäologischen, 1 The preparation of this article was financed within the statutory activity of the Czech Language Institute of the Czech Academy of Sciences (RVO No. 6837809). — 2 — Slavia Centralis 2/2023 Jana Villnow Komárková historischen und ethnologischen Zugangsweise die diachrone Sprachanalyse des betreffenden Wortschatzes. Hierbei spielt Etymologie, die zur Enthüllung der ursprünglichen Form und Bedeutung der Wörter führt, eine grundlegende Rolle. Das Thema dieses Beitrages ist die etymologische Untersuchung der mit dem Weinbau und der Weinproduktion verbundenen Fachausdrücke, die in der ältesten slawischen Schriftsprache – dem Altkirchenslawischen – belegt sind. Der Weinbau und die Weinproduktion waren bereits im Nahen Osten und Südkaukasus der neolithischen Zeit bekannt (gelegentlich wird sogar an das Pa - läolithikum gedacht). Der älteste archäologische Fund, der die Weinproduktion beweist, wird in den Zeitraum 5400–5000 v.u.Z. datiert. Konkret handelt es sich um einen auf dem Gebiet des heutigen nördlichen Irans (Fundstelle Hadschi Firuz) entdeckten Krug, in welchem Bodensatz mit Weinsäure gefunden wurde (McGovern 2003: 14). Vom Nahen Osten hat sich die Weinproduktion nach Ägypten und Mesopotamien ausgebreitet, um nachfolgend nach Griechenland und Altitalien zu gelangen und dank der Römer weiter nach Europa. Slawische Stämme, die während der großen Migrationswellen im 5.–7. Jahrhundert u.Z. ausgedehnte Gebiete in Europa besiedelten, übernahmen die Fertigkeit, Wein - reben anzupflanzen und Wein zu produzieren, von den Einwohnern römischer Provinzen, zuerst wohl im Alpenraum, im heutigen Ungarn 2 sowie auf der Balkanhalbinsel 3 (Niederle 1921: 128). 2. Sprachmaterial Die ältesten schriftlichen Beweise für den slawischen Weinbau und die Wein - produktion liefert das Altkirchenslawische. Die altkirchenslawischen Sprach- denkmäler stellen einerseits einen durch ihren Umfang, als auch ihre Genreori- entierung beschränkten Textkorpus dar (es handelt sich um biblische, liturgische Texte, Predigte, theologische Traktate, Legenden und Kirchenrechts-Samm- lungen), andererseits ist durch sie jedoch die schriftlich nicht belegte, späte Phase des Urslawischen erfasst, worin auch ihre Bedeutung für die Etymologie besteht. Als Materialquelle für diesen Beitrag wurde das fünfbändige Wörter- buch der altkirchenslawischen Sprache (SJS – s. Literaturliste) verwendet, das weltweit umfangreichste Wörterbuch des Altkirchenslawischen. 4 Zeitlich ist vom Sprachgut kanonischer Sprachdenkmäler des 10. und 11. Jahrhunderts, jün - geren Abschriften kyrillo-methodianischer Texte sowie von kirchenslawischen Denkmälern tschechischer Provenienz die Rede (die vorwiegend in russischen 2 Archäologen und Historiker schließen nicht aus, dass auf dem Gebiet heutigen Ungarns, Österreichs und vielleicht auch der südlichen Slowakei Wein vor der Ankunft der Römer angepflanzt wurde, und zwar von dortigen keltischen Stämmen (Beranová 2015: 178). 3 Ost- und Balkanslawen wurden vermutlich auch von Griechen beeinflusst. 4 Das Wörterbuch umfasst den aus beinahe 100 Denkmäler exzerpierten Wortschatz und beinhaltet etwa 18 000 Stichwörter. — 3 — Altkirchenslawische Terminologie des Weinbaus und der Weinproduktion und südslawischen Abschriften belegt sind). Das Wörterbuch ist auch online auf dem Digitalportal Gorazd verfügbar ( Digitální portál staroslověnštiny, s. Literaturliste), was die Recherche und Arbeit mit dem Sprachmaterial wesent - lich erleichtert. 3. Sprachanalyse Die im Altkirchenslawischen belegten Wörter ermöglichen es uns, sich ein genaueres Bild verschaffen zu können, wie die Vorfahren heutiger Slawen 1) Weinreben angepflanzt haben, 2) Weintrauben zu Wein verarbeitet haben und, schlussendlich, 3) was für Wein sie konsumiert bzw. gekannt haben. Ad 1. Eine mit Weinreben bepflanzte Fläche wird im Altkirchenslawischen mit dem Terminus vinogradъ benannt, einem polysemischen Wort, das weiters die Bedeutungen ‘Weinrebeʼ und ‘Weinstockʼ hat. Vgl. mit der Bedeutung ‘Weinbergʼ z.B.: smokovьnicǫ iměaše eterъ v vinogradě svoemь vъsaždenǫ (Zogr Mar Ostr) „Es hatte einer einen Feigenbaum, der war gepflanzt in sei- nem Weinberg “ (Lk 13, 6), oder sъvěštavъ že sъ dělately po pěnęzu na denь, posъla ję ve vinogradъ svoi (Mar) „Er einigte sich mit ihnen auf den üblichen Tageslohn und schickte sie in seinen Weinberg “ (Mt 20, 2). Zweimal ist auch das Adjektiv vinogradьnъ ‘Weinbergs-ʼ belegt, und zwar in einer Verbindung mit dem Substantiv plodъ ‘Fruchtʼ: i vъ vrěmę posъla k dělatel´emъ rabъ, da od ploda vinogradnaago dadętъ jemu (Zogr) „Und zu seiner Zeit sandte er einen Knecht zu den Weingärtnern, dass sie ihm gäben von der Frucht des Weinberges “ (Lk 20, 10). Außerdem ist im Altkirchenslawischen auch die Kons- truktion vinogradъ (na)saditi ‘Weinberg anpflanzen, anlegenʼ zu finden, vgl. nasadi vinogradъ i oplotomъ i ogradi (Mar Zogr b As Sav Ostr) „er legte einen Weinberg an und führte einen Zaun darum“ (Mt 21,33). Lediglich in einem Sprachdenkmal, in dem Pogodin-Psalter, ist als Bezeichnung des Weinbergs ein mittels des Suffixes -ije < *-ьје (vom vinogradъ ‘Weinrebeʼ) gebildetes Kollektivum vinogradije belegt, vgl.: izbi vinogradije ichь i smokovinije ichь „Er schlug ihre Weinberge und Feigenbäume“ (Ps 105, 33). Das aksl. Wort vinogradъ kontinuiert (wie auch seine Entsprechungen in anderen slawischen Sprachen 5 ) die urslawische Ausgangsform *vino- 5 Vgl. bulg. ält. vinográd, mk. dial. vinograd, serb. und kroat. vìnogrād, sln. vinógrad, tsch. und slk. vinohrad, alles ‘Weinberg’, sln., serb., kroat. ält. und slk. ält. auch ‘Wein - rebe’. Wruss. vinahrád, ukr. vynohrád, russ. vinográd ‘Weinrebe’, ‘Weintraubenʼ (aruss. vinogradъ auchʻWeinbergʼ und russ. dial. vinográd auch ʻWeinʼ) sind Lehnwörter aus dem Kirchenslawischen (Vasmer 1953–1958, 1: 202, ESBr 2: 14 u.a.). Pol. arch. und dial. winograd, winohrad ‘Weinberg’, ‘Weinrebe’, ‘Weintrauben’, ‘Wein’, mit Belegen aus dem 16. Jh., sind wohl Lehnwörter aus dem Tschechischen (aus der mährisch-slo - wakischen Gegend), event. aus dem Russischen (Basaj–Siatkowski 2006: 437). — 4 — Slavia Centralis 2/2023 Jana Villnow Komárková gordъ, 6 die mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Entlehnung aus dem Germani - schen ist. Konkret wird das gotische 7 weinagards ‘Weinbergʼ als Quellenwort angenommen, mit welchem der urslawische Ausdruck semantisch sowie formal korrespondiert (vgl. auch dt. Weingarten, dial. Wingert ‘Weinberg’, ndl. wijn- gaard ʻWeinbergʼ, wingerd ʻWeinrebeʼ, aengl. wīngeard ʻWeinbergʼ, ʻWeinʼ). 8 Das gotische Wort weinagards (sowie seine Parallelen in anderen germanischen Sprachen) stellt eine Fortsetzung des Kompositums mit den Basen *wīnan- ʻWeinʼ (< lat. vīnum) und *gardōn- ʻGarten, Grundstückʼ dar (Pronk-Tiethoff 2013: 128). Die ursprüngliche Bedeutung des germanischen Wortes war dadurch ʻumzäunte, mit Weinrebe bepflanzte Flächeʼ (Alanne 1950: 71). Bei anderen belegten Bedeutungen der germanischen Wörter, d.h. ʻWeinrebeʼ und ʻWeinʼ, ist davon auszugehen, dass sie durch metonymische Bedeutungsübertragung in der Richtung ʻWeinbergʼ → ʻWeinrebeʼ → ʻWeinʼ entstanden sind. 9 Im Euchologium Sinaiticum (einem glagolitischen Text mazedonischer Provenienz aus dem 11. Jh.) sowie in Psalter-Texten (Sin Pog Bon Lob Par) tritt als Bezeichnung des Weinbergs der Plural des Substantivs vino, d.h. vina, auf, vgl.: o vsemь gadě zъlě gubęštiim vina i nivy i vrъty (Euch 59a 6) „über alle Kriechtiere, die Weinberge, Felder und Gärten verheeren“. 10 Die Herkunft 6 Der synonyme Ausdruck vinice, wie in einigen slawischen Sprachen verwendet wird (kroat. ält. vinica ʻWeinbergʼ, ʻ(Wein)Kellerʼ, tsch. vinice, slk. vinica ʻWeinbergʼ, pol. winnica ʻWeinbergʼ, ält. auch ʻWeinkellerʼ und ʻWeinrebeʼ, sorb. winica ʻWeinbergʼ, russ. ält. vínnica ‘Weinkeller’, ʻWeinrebeʼ, ʻWeinbergʼ, dial. auch ʻSchnapsbrennereiʼ, ukr. veralt. výnnycja ‘Weinstube, Alkohollager’, ʻSchnapsbrennereiʼ, dial. ʻWeinbergʼ, wruss. ält. und dial. vínnica ‘Weinrebeʼ, ʻWeinbergʼ, ʻSchnapsbrennereiʼ), ist im Aksl. nicht belegt. Dennoch kann angesichts des slawischen Materials von dem usl. *vinьnica ausgegangen werden, einem Derivat mit dem Suffix -ica vom Adjektiv *vinьnъ ʻWeins-ʼ, das wiederum vom Substantiv vino ʻWeinrebeʼ abgeleitet wurde. 7 Zu ersten Kontakten zwischen den Slawen und Goten kam es wahrscheinlich während der gotischen Migration, falls sie über die slawische Urheimat geführt hat, oder kurz nach der Ankunft der Goten in der Pontos-Region Mitte des 3. Jh. Als Zeitpunkt der Beendigung der gegenseitigen Kontakte hält Pronk-Tiethoff das 5. Jh., als die Goten ihre Position am Schwarzen Meer verloren haben. Es ist laut ihr eher unwahrscheinlich, dass Slawen nach dem 5. Jh. Wörter aus dem Gotischen entlehnt haben (Pronk-Tiethoff 2013: 73). 8 Feist 1923: 426; Kiparsky 1934: 224ff; Vasmer 1953–1958, 1: 202; Shevelov 1964: 415, Lehmann 1986: 400; Gołąb 1992: 378; Pronk-Tiethoff 2013: 127 u.a. Zu anderen Etymo - logien des urslawischen Wortes s. ESJS 18: 1063f. 9 Nicht ausgeschlossen ist allerdings auch eine slawische Herkunft des Wortes bzw. seines zweiten Teiles gordъ, dessen Annahme in der letzten Zeit beispielsweise vom slowenischen Etymologen Marko Snoj (vgl. Snoj, Marko: Slovenski etimološki slovar 3 , www.fran.si, zitiert am 31.8.2023) propagiert wurde (unter Hinweis auf akzentologische Unterschiede zwischen dem slawischen und dem germanischen Wort). 10 Es handelt sich um ein Gebet zum Hl. Tryphon – in Bulgarien, Nordmazedonien und Serbien Schutzpatron der Weinbauer. — 5 — Altkirchenslawische Terminologie des Weinbaus und der Weinproduktion des gemeinslawischen 11 und urslawischen Wortes vino geht auf das lateinische vīnum ‘Weinʼ zurück, aus welchem es entweder direkt 12 oder durch germanische Vermittlung 13 entlehnt wurde (vgl. got. wein, ahdt. wīn). Die Etymologie des lat. Wortes vīnum, dessen Gegenstücke auch in einer Reihe anderer indoeuro - päischer Sprachen zu finden sind, 14 ist zwar nicht eindeutig, die areale Verbrei- tung der Ausdrücke für Wein (vgl. z.B. hebr. jaīn, arab. wain) weist allerdings auf eine Entstehung im Mittelmeerraum hin. 15 Im Altkirchenslawischen hat vino primär die Bedeutung ‘Weinʼ, weiters werden damit metonymisch auch ‘Weintraubenʼ bezeichnet, vgl. z.B. ožidachъ sъtvoriti vino, sъtvori že trьnije (Supr) „ich erwartete, dass er Trauben brächte, aber er brachte Herlinge“ (Jes 5, 2). Beim oben genannten Beleg, bei dem die Pluralform vina ‘Weinbergeʼ bezeichnet, handelt es sich um eine Bedeutungsübertragung in der Richtung ʻWeinʼ → ʻWeintraubenʼ → ʻWeinbergʼ; vgl. dazu ähnliche semantische Ent - wicklung des gr. οἶνος ‘Weinʼ, mit übertragener Bedeutung ‘Weinbergʼ (Apk 6, 6, Bauer 1958: 1113), des lat. vīnum ‘Weinʼ, metonymisch auch ‘Weintraubeʼ, ‘Weinstöckeʼ, ‘Weintrinkenʼ (Georges 2: 3501), oder mhdt. wīn ‘Weinʼ und auch ‘Weinrebeʼ und ‘Weintraubeʼ (Alanne 1950: 151). Eine ‘Weinrebeʼ wird in altkirchenslawischen Sprachdenkmälern meist mit - tels zweier Formen benannt: des bereits erwähnten metonymischen vinogradъ und darüber hinaus des Femininums loza. 16 Als ältere aksl. Bezeichnung der Weinrebe wird das Wort loza betrachtet, das in den ältesten glagolitischen Sprachdenkmälern vertreten ist. 17 Es handelt sich um eine Fortsetzung der urslawischen Form *loza mit primärer Bedeutung ‘Schlingschösslingʼ. 18 Diese Bedeutung wurde laut Olga Mladenova auf der Bal- kanhalbinsel, wo die klimatischen sowie historischen (Weinbautradition) Um - stände gegeben waren, auf ‘Weinrebeʼ, bzw. ‘Schlingschösslinge der Weinrebeʼ 11 Vgl. bulg. víno, mk. vino, serb., kroat., sln., slk. tsch. víno, sorb. wino, pol. wino, wruss. vinó, ukr. vynó, russ. vinó, alles ‘Wein’, alttsch., tsch., apol., wruss. ält. und altruss. ‘Weintrauben’, wruss., altruss. und russ. dial. auch ‘Wodka’ (ESBr 2: 150, ArchOblSl 4: 102, StrS 2: 183). 12 Vgl. MEW: 392, Brückner 1927: 622, Holub–Kopečný 1952: 417, Skok 1971–1974, 3: 594f., Boryś 2005: 701, Snoj in: Bezlaj 4: 319n, Matasović 2007: 109 u.a. 13 Preobraženskij 1: 84n, Feist 1923: 425n, Stender-Petersen 1927: 365, Walde–Pokorny 1930–1932, 1: 226, Shevelov 1964: 73, Lehmann 1986: 399, Pronk-Tiethoff 2013: 125f. 14 Neben dem gr. οἶνος, dial. (aiol.) ϝοι ̃νος, vgl. auch alb. verë, dial. venë, arm. gini, het. u ̯ ii ̯ an(a)- und luw. wii ̯ an(i)- ‘Wein’. 15 Laut einer Annahme geht es um Kontinuanten der ie. Wurzel * u ̯ eiH 1 - ‘sich schlingen, ranken’; laut einer anderen handelt es sich um ein altes Lehnwort aus sem. Sprachen. Mehr dazu s. ESJS 18: 1063. 16 In beiden Fällen übersetzen sie das gr. ἄμπελος. 17 Vgl. Jagić 1913: 359, 448 und 454. 18 Vgl. auch bulg. lozá, mk. loza, serb., kroat. lòza ‘Weinrebe’, sln. ält. lóza ‘Wald’, ‘Weinrebe’, slk. loza ‘Weinrebe’, alttsch. loza, pol. łoza ‘Weide, Weidenrutenʼ, russ. und ukr. lozá, wruss. lazá ‘Weide, Rute’; in ostslawischen Sprachen mit dem Adjektiv vinográdnaja ‘Weinrebe’. — 6 — Slavia Centralis 2/2023 Jana Villnow Komárková spezifiziert: „In such a conditions *loza begins to denotate not any plant with flexible twigs, but Vitis vinifera, the climber par excellence“ (Mladenova 1998: 29). Zur Etymologie des usl. Wortes * loza gibt es mehrere Ansichten. Übli- cherweise wird an seinen Zusammenhang mit dem Verb lězti ‘kriechen, sich kriechend bewegenʼ gedacht und an die ie. Ausgangswurzel * (H)loǵh- mit der Bedeutung ‘Schössling (der Weinrebe)ʼ < * (H)lē ̆ ǵh- ‘kriechenʼ (ESJS 5: 260 und ESJS 7: 438), event. wird * loza mit dem litauischen laz(d)à und lettischen la(g) zda ‘ Hasel ʼ v erbunden (Kritiker w eisen allerdings auf phonetische Prob leme hin, vgl. z.B. Derksen 2008: 287). Im Aksl. sind auch Ableitungen von loza be- legt: das Adjektiv lozьnъ, lozěnъ (Lobk) ‘Reben-ʼ in der Verbindung mit plodъ ‘Fruchtʼ 19 (Zogr Mar As Sav Ostr: ne imamь piti otъ ploda sego lozъnago „Ich werde nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstocks trinken“, Mt 26, 29) und das Kollektivum lozije ‘Weinreben, Weinranken“ (außerdem auch ‘Reisigʼ). Vgl. in Psalter-Texten z.B.: pokry gory sěnь jego i lozije jego kedry božьję (Sin Pog Bon Lob Par) „Berge sind mit seinem Schatten bedeckt und mit seinen Reben die Zedern Gottes“ (Ps 80, 11). In bloß einem aksl. Beleg wird Weinrebe noch mit einem Ausdruck bezeichnet. Hierbei handelt es sich um das Wort vinika (ein Derivat mit dem Suffix -ika abgeleitet von vino ‘Weinʼ), belegt in Evan- gelienhomilien Gregors des Großen (Bes): čto ino tokmo viniku, sъ groznъmi podъderžitъ „was anderes nur Weinrebe mit Trauben unterstützt“. 20 Obgleich die Evangelienhomilien ein Denkmal tschechischer Provenienz sind, geht es in diesem Fall um einen Kroatismus (Reinhart 2000: 248), vgl. kroat. vinika (und auch sln. dial. vinika) ‘Vogeltraubeʼ, ‘Wildrebeʼ. Im Altkirchenslawischen sind weiters Bezeichnungen der ‘Weintraubeʼ be - legt. Dies sind die Formen greznъ, groznъ 21 und grozdъ. Vgl. z.B.: i požidachъ da stvoritь grьznъ (Zach, rksl. Schreibweise, wohl hyperkorrekt anstatt greznъ) „und wartete, dass er Trauben brächte“ (Jes 5, 2), oder ne otъ trьnьje bo češǫtъ smokъvi, ni otъ kǫpiny grozda obemljǫtъ (Zogr Mar) „Denn man liest nicht Feigen von den Dornen, auch liest man nicht Trauben von den Hecken“ (Lk 6, 44). Die Herkunft dieser Wörter ist in der ie. Wurzel * g h reh 1 -‘wachsen, grünenʼ zu suchen (von der u.a. auch die dt. Gras, grün stammen 22 ). Vgl. auch das Kol- lektivum groznovije, grozdovije, grozdije ‘Weintraubenʼ (Grig). Vgl.: poždachъ 19 S.o. vinogradьnъ – laut Jagić 1913: 359 verwendet dort, wo ‘Weinrebe’ als vinogradъ bezeichnet wird, sonst lozьnъ. 20 Aksl. viniku sъ groznъmi steht hier für das lat. vitem cum botris. 21 Vgl. slk. hrozno, tsch. hrozen, dial. auch hrozna, hrozno, apol. grozno, wruss. dial. hrózny (Plural), ukr. dial. hrózno, hrózlo, russ. dial. gruznó, gruzló, alles außer wruss. ‘Weintraube’, slk., tsch. ukr. dial. und russ. dial. auch ‘Traube (bei Früchten oder Blü - ten)’, wruss. botan. ‘Vitis vinifera’ (ESJS 4: 201). 22 Schwachstelle dieser Etymologie stellt laut Kritikern der kleine semantische Zusammen- hang zwischen den slawischen und deutschen Wörter dar (vgl. z.B. ERHJ 1: 305–306, wo die slaw. Urform *grozdъ mit ie. Bezeichnungen für ‘Gerste’ verglichen wird – z.B. lat. hordeum, ahdt. gersta). — 7 — Altkirchenslawische Terminologie des Weinbaus und der Weinproduktion da stvoritъ grozdije, on že stvori trъnije „ich erwartete, dass er Trauben bringt, aber er brachte Dornen“ (Jes 5, 4). Das Altkirchenslawische kennt darüber hinaus auch eine Bezeichnung für ‘unreife Weintraubeʼ, genauer gesagt ‘Weintraube, die zur Zeit der Weinlese noch nicht reif ist und für die spätere Lese gelassen istʼ, und zwar otročьnikъ, belegt einmal im Codex Suprasliensis: otročniky zakona sъbiraješi, a istovoje groznovьje bъrati popuštaješi „Die Herlinge des Gesetzes liest du und die wahren Trauben erlaubst du zu lesen“. Hierbei handelt es sich sehr wohl um Nachlesetrauben, Herlinge bzw. Geiztrauben. Laut ESJS hängt das Wort etymo - logisch mit dem Verb otъročiti, otъrešti ‘ abweisen, absagen ʼ zusammen – es soll sein Derivat mit der Benennungsmotivation ‘abgewiesene Traube, Traube, für welche kein Interesse bestehtʼ sein (ESJS 10: 605). Eine andere Etymo - logie geht vom usl. *rokъ ‘Fristʼ und der Motivation ‘in der Frist noch nicht reife Traubenʼ aus. Wahrscheinlicher scheint jedoch die von V. S. Jefimova vorgeschlagene Etymologie (s. Jefimova 2011), die das Wort als Ableitung mit dem Suffix -ьnikъ von der Basisform otrokъ ‘Kindʼ charakterisiert und metaphorische Bedeutungsübertragung ‘kleiner, unreifer Menschʼ → ‘unreife Weintraubeʼ vorschlägt. Dies wäre dann eine übliche Vorgangsweise in der mundartlichen botanischen Terminologie. 23 Vgl. auch das kroat. (Šulek 1859: 155 und 360) und ält. sln. otročnik ‘Pflanze orchis pyramidalis, Hundswurzʼ (Cigale, Wolf 1860, 2: 1223). Diese Interpretation kann sich darüber hinaus auf semantische Parallelen aus der deutschen Winzersprache stützen, vgl. dial. Kindlein ‘Geiztriebʼ (Vojvodina), auskindeln ‘Geiztriebe entfernenʼ, oder Enkel, Enkelweinbeere ‘Geiztraubeʼ (Transylvanien, WDW). Der Weingärtner wird im Aksl. vinar´ь benannt, vgl. z.B.: i pridǫtъ inople- menici pasǫšte ovьce tvoję… i vinari vaši (Grig Lobk) „Fremde werden eure Herde weiden… und eure Weingärtner.“ (Jes 61, 5). Dies ist ein Derivat des Substantivs *vino mit dem Suffix -ar’ь, einem geläufigen Mittel zur Bildung von Nomina actoris. Gleichbedeutend mit vinar´ь ist di e W o rtv erb in dun g dělatelь vinograda: sego vinograda prьvyj dělatelь Petrъ apostolъ bystъ (Bes) „Der erste Weingärtner war Apostel Peter“, wobei das Wort dělatelь sonst eine allgemeine Bedeutung ‘Bauerʼ hat und mittels des Suffixes -tel’ь vom Verb dělati ‘machen, arbeitenʼ, spez. auch ‘anbauen, züchtenʼ, abgeleitet ist. Im Zacharias-Parimejnik und im Lobkov-Parimejnik ist eine Bezeichnung für die Weinberghütte belegt: ostavlena budětь dъšti Sionova…jako jagodach- ranilište (Jes 1, 8) „Und die Tochter Zion ist übrig geblieben wie eine Hütte im Weinberge “. Das Wort (j)agodachranilište ist eine Lehnüberzetzung des gr. ỏπωροφυλάκιον (ὀπώρᾱ ‘Fruchtʼ und φυλάκιον ‘Wacheʼ), gebildet aus den Komponenten agoda ‘Frucht, Beereʼ (usl. * (j)agoda) und chranilište ‘Hütte für Bewacher des Obstesʼ, welches ein Derivat des Verbs chraniti ‘schützenʼ (usl. *chorniti) darstellt. Die erste Komponente*(j)agoda ‘Frucht, Beereʼ hat 23 Vgl. z.B. tsch. dial. mládenec ‘Cirsium arvenseʼ, chlapice ‘A r u nc u sʼ, stařeček ‘Senecioʼ, staříček ‘Taraxacum officinaleʼ (Hladká 2000: 143, 207 und 170). — 8 — Slavia Centralis 2/2023 Jana Villnow Komárková neben dem Altkirchenslawischen Fortsetzungen auch in anderen slawischen Sprachen, 24 wobei das altsch. und ält. tsch. jahoda (oft mit dem Attribut vinná ‘Wein-ʼ) sowie serb. und kroat. j a ̎ goda darüber hinaus die spezielle Bedeutung ‘Weintraubeʼ haben (vgl. auch. sln. grozdne jagode ‘Weintraubenʼ). Das usl. * (j) agoda stammt von der Basisform *aga her, mit Entsprechungen im litauischen úoga und lettischen uôga ‘Erdbeere, Kirscheʼ, und ist unklarer Herkunft (Ma - chek 1968: 215, ESJS 1: 46f., Králik 2015: 239, Snoj 2016: 260–261). Ad 2. Weiters verfügt Altkirchenslawisch über Begriffe aus dem Bereich der Bearbeitung von Weintrauben und der Weinproduktion. Die Kelter wird mit vier Formen ausgedrückt: točilo, točilьnikъ, potočilьnikъ und těskъ. Die ersten drei Wörter gehen auf das Verb točiti ‘vergießenʼ zurück, ein Faktitiv des Verbs *tekti ‘fließenʼ, mit einer klaren Benennungsmotivation ‘ein Instru - ment, durch welches Traubensaft durchfließtʼ. Während točilo (vgl. vinogradъ člověkъ nasadi i ogradi i oplotomь i iskopa točilo (Zogr Mar) „er pflanzte einen Weinberg und führte einen Zaun darum und grub eine Kelter“, Mk 12, 1) als Nomen instrumenti mit dem Suffix -dlo im Aksl. frequentiert vorkommt, 25 treten die Formen točilьnikъ (Lobk) und potočilьnikъ (Grig) jeweils nur in einem Sprachdenkmal auf (in Zach ist darüber hinaus die Form podъtočilina belegt). Der andere erwähnte Ausdruck těskъ (vgl. auch kroat. tı ̎ jesak, serb. tȇsak, sln. dial. tȇ ̣sk ‘Kelterʼ), der mit vier Belegen bewiesen ist (in Bes und Tun, vgl. z.B. i preljějut sę těsci vinom (Joel 2, 24) „die Keltern Überfluß von Wein haben sollen“), stellt vermutlich eine Ableitung der o-Stufe der Wurzel, die dem Verb tiskati ‘ pressen ʼ an g ehört, dar , mi t der Benenn un gsmo ti v ati on ‘ein pressendes Instrumentʼ (ESJS 16: 959f.). Die gleiche Motivation befindet sich u.a. auch bei dem dt. Wort (Wein-)Presse (ahdt. p(f)ressa < mlat. pressa), welches in viele slawische Sprachen übernommen wurde. 26 24 Vgl. bulg. und mk. jagoda, serb. und kroat. ja ̎ goda ‘Erdbeere’, sln. jágoda ‘Beere’, tsch. und slk. jahoda ‘Erdbeere’, os. jahoda, ns., pom. und. pol. jagoda ‘Beere’, polab. joďădåi (Pl.) ‘Beeren’ (Polański–Sehnert 1967: 75), russ. jágoda, ukr. jáhoda, wruss. jáhada ‘Beere’. 25 Aus dem Kirchenslawischen stammt vermutlich das serb. ält. tòčilo ‘ Kelter ’ (Rj . 1 8 : 421, zitiert Sv. Sava) und das sln. ält. točílo ‘Kelter’ (Pleteršnik 1894–1895, 2: 666). 26 Vgl. atsch. und tsch. dial. pres, slk. ält. und dial. preš (wohl aus dem bair. presch, Machek 1968: 483, Newerkla 2011: 204f. oder direkt aus dem mlat. pressa (Králik 2015: 470)), pres, apol. prasa, presa, pol. prasa, os. und ns. prasa, serb. und kroat. pre ̎ sa, pre ̎ ša, sln. préša; russ. press, ukr. und wruss. pres wurden aus dem fr. presse übernommen; bulg. présa durch russische V ermittlung (V asmer 2: 430, BER 5 : 667); aus dem Deutschen stammt auch das ung. prés (EWUng 3: 1202f.). Im heutigen Tschechischen wird das Wort lis verwendet, bei dem von der ursprüng - lichen Bedeutung des Wortes ʻFuchsʼ auszugehen ist, usl. * lisъ, *lisa (tsch. liška), mit der Benennungsmotivation „ein Instrument, welches einen Gegenstand bearbeitet, wie der Fuchs seine Beute klemmt“ (Machek 1968: 335, Rejzek 2015: 381, Králik 2015: 329). Das Wort ist bereits atsch. (auch lisicě) und ist nur tsch., aus dem Tschechischen entlehnt ins Slowakische. (18. Jh.). — 9 — Altkirchenslawische Terminologie des Weinbaus und der Weinproduktion Dank der aksl. Sprachdenkmäler haben sich auch Bezeichnungen für einige Teile der Kelter erhalten. Die aksl. Wörter podъtočilije (Parim), podъtočilьno (Zach), die ebenfalls der Wortfamilie des Verbs točiti ‘vergießenʼ angehören (s.o.), haben die Bedeutung ‘Bottich unterhalb der Kelter, in welchen der Traubensaft fließt, Kufeʼ. Vgl.: prělivajǫtъ sę podъtočilija (Zach) „die Kufen laufen über“ (Joel 4, 13). Aus der tschechischen Sprachumgebung 27 stammt der Fachbegriff gǫsь ‘Bestandteil der Kelterʼ (Bes), vgl. auch tsch. dial. hus, húser ‘Querbälkchen bei alten Holzkeltern, welches den Druck des Balkens oder der Spindel auf die Trauben überträgtʼ (Frolec 1974: 69). Es handelt sich hierbei um eine metaphorische Verwendung der ursprünglichen Bedeutung des Wortes ‘Gansʼ, vgl. auch das slk. dial. húska ‘halbrundliches Brett zum Bedecken der Trauben in der Kelterʼ (SSN 28 ) oder das dt. dial. Gans mit ähnlichen Bedeu- tungen (z.B. ‘hölzerne Auflage, die in der Presse unmittelbar auf dem Lesegut liegtʼ aus Niederösterreich, s. WDW). Nicht nur im gleichen Sprachdenkmal, sondern sogar im gleichen Satz kommt der Ausdruck kominy (Pl.) mit der Be- deutung ‘Pressrückstände, Tresterʼ vor. Vgl.: jakože maslina gusьmi izgnetena otъ kominъ svoichъ otъlučitь sę „Wie die Olive in der Kelter von Trestern ab- getrennt wird“. Auch wenn sich der Beleg auf das Keltern der Oliven bezieht, hat der Übersetzer offensichtlich Ausdrücke verwendet, die ihm aus dem Bereich des Weinkelterns aus seiner Umgebung bekannt waren, vgl. auch Belege aus den südslawischen Sprachen, die auf die Bedeutung ‘Weintrester“ deuten: bulg. dial. kómína, mk. komina, kominje, serb. und kroat. ko ̎ mina, vgl. auch bulg. dial. vino iz komíny, kominják, serb. kominjar usw. ‘Tresterweinʼ (Mladenova 1998: 505n, 517, 566). Das Wort komina ist eine Ableitung des Substantivs komъ ‘Klumpen, Büschelʼ, welches der ie. Wortfamilie * kem-/*kom- ‘drücken, pressenʼ angehört (ESJS 6: 332). Ausgepresster Traubensaft wird im Altkirchenslawischen mit dem Wort ispьranije ausgedrückt, vgl.: isplъnъ ispranija, točilo isprachъ edinъ (1x Parim) „ich trat die Kelter allein…“ (Jes 63, 3), das vom Verb ispьrati ‘auspressenʼ abgeleitet wurde, einem Derivat der Basisform pьrati ‘treten, pressenʼ: perěte zane isplъni točila (Lobk) „Tretet die Kelter, sie ist übervoll“ (Joel 4, 13). Etymologisch gesehen steht das Verb mit dem usl. *perti ‘sich gegen etwas stemmenʼ in Verbindung, welches die ie. Wurzel *(s)perH- kontinuiert (ESJS 10: 590 und ESJS 12: 739, Derksen 2008: 396). Ad 3. Die letzte thematische Untergruppe wird von Bezeichnungen für Wein repräsentiert. Ein alkoholisches Getränk, das aus Weintrauben hergestellt wird, heißt im Altkirchenslawischen sowie in allen slawischen Sprachen vino. Über die Herkunft des Wortes war bereits die Rede, hier kann noch ergänzt werden, dass das Altkirchenslawische auch über spezifizierende Adjektive verfügt. Vgl. die Verbindung novo(je) vino ‘Jungwein, Heurigerʼ: nikъtože ni vъlivaetъ 27 Die tschechische Herkunft hat S. Herodes bewiesen. S. Herodes 1978: 265–266. 28 Slovník slovenských nárečí. Verfügbar online: https://slovnik.juls.savba.sk/ — 10 — Slavia Centralis 2/2023 Jana Villnow Komárková vina nova vъ měchy vьtьchy (Zogr Mar Nik) „Und niemand füllt jungen Wein in alte Weinschläuche“ (Lk 5, 37), 1x ist mit der gleichen Bedeutung die Ver - wendung kysělo vino (E uc h ) be l e gt. Der mi t M yrrh e v ermisc h te W e in trägt (in As) den Namen ozmьreno vino, vgl.: daějachǫ jemu piti ozmьreno vino (in Nik osmrьneno) „Sie gaben ihm Myrrhe im Wein zu trinken“ (Mk 15, 23), synonymisch kommt auch ocьtьno, ocьtěno vino (Zogr Mar Ostr Sav) vor. Älter von diesen beiden Verbindungen ist das Syntagma ozmьreno vino, in welchem das Adjektiv ozmьreno vom Substantiv zmürьna, zmrъna ‘Myrrheʼ abgeleitet wurde, einem Lehnwort des gr. σμύρνη, σμύρνα, das in aksl. Evangelien-Texten häufig belegt ist (Hauptová 1968: 229). Saurer Wein wird im Aksl. als ocьtъ (auch ‘Essigʼ) bezeichnet, motiviert davon, dass im Altertum zur Produktion des Essigs saurer, minderwertiger Wein verwendet wurde. Es handelt sich um ein urslawisches Lehnwort romanischer Herkunft, dessen Quelle das lat. acētum ‘Essigʼ ist. Vgl.: dašę jemu piti ocьtь sъ zlьčijǫ razměšьnъ (Zogr) „gaben sie ihm Wein mit Galle vermischt zu trinken“ (Mt 27, 34). Die Vermittlungssprache für das Urslawische konnte laut Etymologen entweder ein romanischer Dialekt, oder, ähnlich wie beim Wort vino, das Gotische (got. akeit, akit) darstellen (ESJS 10: 571, Boček 2010: 33n, Pronk-Tiethoff 182f., ERHJ 2: 43). Mittels eines Latinismus wird auch der ‘Most, junger Weinʼ bezeichnet, vgl. aksl. und usl. mъstъ: groznьvъ mьstъ mladъ (Supr) ‘junger Traubenmostʼ. Das Quellenwort des slawischen Wortes war lat. mustum, welches mit dem Adj. mustus ‘jung, frischʼ etymologisch zusammenhängt (vgl. vīnum mustum ‘ J un gw e in ʼ ) . Di e Herkunft ist unklar (vielleicht wurde es aus den semitischen Sprachen entlehnt, vgl. z.B. altägyptisch mrśw ‘Jungweinʼ, s. ESJS 9: 514). Der aksl. Ausdruck droždiję hat die Bedeutung ‘Weinhefeʼ, vgl. auch vino droždino, droždijano ‘hefiger, trüber Weinʼ (s. auch bulg. dial. dróžde ‘Maische, Treberʼ , serb. und kroat. drožđe, sln. drožja, tsch. droždí ‘Weintrubʼ, Mladenova 1998: 502). Dies ist ein Kontinuant der usl. Form *drozgja, *drozga ‘Weintrub, Weinhefeʼ vgl. auch sln. dial. drozgati grozdje ‘Trauben quetschenʼ , SK 4: 260f., SM 5: 128), die auf die Wurzel * drozg-/*drosk- zurückgeht, zu der u.a. auch das dt. Trester, altpreuß. dragios ‘Hefeʼ oder gr. trygía ‘ ni c h t g e gärter W e in, S a tz ʼ g e h ö ren (ESJS 3: 149n, Derksen 2008: 121, Snoj 2016: 156). Weitere Etymologie ist wenig klar, wahrscheinlich handelt es sich um Fortsetzungen eines sehr alten Weinterminus. Als Bezeichnung der Rosinen kommt im Altkirchenslawischen die Verbindung uždeno vino vor, wo vino die übertragene Bedeutung ‘Traubenʼ (s.o.) hat. Uždeno ist ein Adjektiv mit der Bedeutung ‘gedörrtʼ. Vgl.: medvaniki sa uždenomь vinomь (1x Gl) „Honigkuchen mit Rosinen“ (Hos 3, 1). Das Wort uždenъ wurde vom usl. dial. Verb *vǫditi ‘ rä uc h ern ʼ ab g e l e i tet, w e l c h es mi t dem Verb *vędnǫti ‘welken, dorrenʼ verwandt ist (ESJS 17: 1032). Die Wortver - bindung tvorjenoje vino bezeichnet ein berauschendes alkoholisches Getränk (an anderen Stellen in aksl. Texten (Mar As Ostr) entspricht ihr das Gräzismus sikʼera, sikʼerъ < gr. σίκερα semitischer Herkunft, ESJS 14: 816, vgl. auch das heutige Cider). Vgl.: gore nasilьstvujęščimъ vasъ, pijęštimъ vino silnych, črěplęštimъ tvorenoje vino (belegt in Grig und Zach, Lobk hat tvorjeno pivo, — 11 — Altkirchenslawische Terminologie des Weinbaus und der Weinproduktion in Zogr (Lk 1, 15) kommt tvorenъ kvasъ vor, in Nom olъ 29 ) „Weh denen, die Helden im Weintrinken sind und tapfer im Mischen von starkem Getränk “ (Jes 5, 22). Ursprünglich handelte es sich um ein sich vom Wein unterscheidendes gegärtes Getränk, das aus Getreide, Obst oder Honig hergestellt wurde. Die im Altkirchenslawischen verwendete Form tvorjenoje ist passives Partizip des Verbs tvoriti ‘tun, machenʼ, mit übertragener Bedeutung ‘durch Mischen herrichtenʼ (mehr. dazu s. Janyšková 2001: 362). Zum Schluss werden Ausdrücke angeführt, die einen Zusammenhang mit der Weinkonsumation haben. So bezeichnet vinopitije ( gr . ο ἰν οποσία ) ‘ das Weintrinkenʼ (Euch, griechischer Text unbekannt), vinodatije (gr. οἰνοδοσία) ist das ‘Weinverschenkenʼ (Supr) und vinopivьca (Zogr), vinopiica (Mar Parim) haben die Bedeutung ‘Weintrinkerʼ (gr. οἰνοπότης), in allen Fällen handelt es sich um Lehnübersetzungen griechischer Vorlagen (Schumann 1958: 60). 30 4. Zusammenfassung Altkirchenslawisch ist aus genetischer Sicht eine südslawische Sprache, auf - gebaut auf der Basis der bulgarisch-mazedonischen urslawischen Dialekte, die in der weit gefassten Umgebung von Thessaloniki von der dortigen slawischen Bevölkerung gesprochen wurde. Nach der Einführung in die liturgische Praxis in Großmähren und später auch in anderen slawischen Gebieten, absorbierte das Altkirchenslawische darüber hinaus einige Sprachzüge anderer slawischer Sprachen. Dies kam auf allen Sprachebenen zum Ausdruck, somit auch im Lexikon. Der überwiegende Teil der Fachausdrücke aus dem Bereich Weinbau und Weinproduktion, deren Analyse Thema dieses Beitrages war, kontinuiert urslawische Wörter, entweder slawischer Herkunft ( greznъ/groznъ/grozdъ, točilo, těskъ, droždiję usw.) oder urslawische Lehnwörter aus anderen Sprachen (vino, vinogradъ, mъstъ, ocьtъ) und ihre Derivate. Ein kleinerer Teil der Aus- drücke stellt Fortsetzungen urslawischer Dialektismen dar – hierher gehört loza mit der speziellen Bedeutung ‘Weinrebeʼ, kominy mit der Bedeutung ‘Tresterʼ, vermutlich ebenso das Wort otročьnikъ ‘Nachlesetraube’ und der Kroatismus vinika ‘Weinrebe’. Tschechischer bzw. mährischer Herkunft ist der Terminus gǫsь ‘Teil der Weinkelter’. Die urslawische Basis wird von vier aksl. Neologis - men ergänzt, die in der Übersetzungspraxis als Lehnübersetzungen aus dem 29 Usl. olъ „älteste Bierart, Bier ohne Hop fen, Malz vermischt mit heißem W asser , ab - geschmeckt mit bitteren Kräutern und vergart zu Alkohol“ (Niederle 1911, 1: 211), wahrsch. Fortsetzung des ie. *alu- ‘bitter’ (ESJS 10: 584n). 30 Nicht berücksichtigt wurden in dieser Übersicht Ausdrücke, die im Aksl. eine breitere Bedeutung haben und sich nicht nur auf den Weinbau und die Weinproduktion beziehen, wie z.B. lětoraslь ‘Trieb“, rozga, věja ‘Zweig“, zrъno ‘Korn“, Namen für einige Gefäße (čьvanъ, krъčagъ ‘Krug“) oder Ausdrücke, die Betrunkenheit bezeichnen ( upoiti do rǫga ‘jmdn. unter den Tisch, zu Boden trinkenʼ, lichopitije ‘Betrunkenheitʼ, šumьnъ ‘angetrunkenʼ – s. dazu mehr Janyšková 2020: 55–56). — 12 — Slavia Centralis 2/2023 Jana Villnow Komárková Griechischen gebildet wurden: Hierbei handelt sich um die Wörter vinopitije, vinodatije, vinopivьca a jagodachranilište. Abkürzungen altkirchenslawischer Sprachdenkmäler As Codex Assemanianus, glagolitischer Codex, 10./11. Jh., Mazedonien (Aprakos-Evan - gelium) Bes Evangelienhomilien Gregors des Großen (Besědy na j evang e li j e pap y Gri g ori j a Velikago); Übersetzung aus dem Lat., ksl. Text tsch. Herkunft, belegt in russisch-ksl. Handschriften (die älteste stammt aus dem 13. Jh.) Bon Bologna-Psalter, kyrillische Handschrift aus dem 13. Jh., Bulgarien Euch Euchologium sinaiticum, 11. Jh., Mazedonien, Teil eines Euchologiums – Trebniks Gl Glagolitica; alttestamentarische Perikopen der kroatisch-glagolitischen Breviare, 14.–15. Jh. Grig Grigorovič-Parimejnik, mazedonische Handschrift, 12. –13. Jh. Lob Lobkowicz-Psalter; kroat.-glag. Text, 1359 Lobk Lobkov-Parimejnik, ksl. Kodex, 1294–1320, Mazedonien Mar Codex Marianus, glagolitischer Kodex, 11. Jh., Mazedonien (Tetraevangelium) Nik Nikolja-Evangelium; bosnische Handschrift, Anfang des 15. Jh. Nom Nomokanon; Übersetzung der griechischen Sammlung weltlicher Gesetze und kirchlicher Regeln, belegt in einer russ.-ksl. Handschrift aus dem 13. Jh. Ostr Ostromir-Evangelium, geschrieben 1056–1057 in Novgorod; russ.-ksl. Par Pariser Psalter; kroat.-glagol. Text, Ende des 14. Jh. Parim Gesamtbezeichnung für Parömienbücher (Grig Lobk Zach) Pog Pogodin-Psalter; bulg. Text, Ende des 12. Jh. Sav Savvina kniga, kyrillisch, 11. Jh., Nordostbulgarien (Aprakos-Evangelium) Sin Psalterium Sinaiticum; glagol. Kodex, 11. Jh., Mazedonien Supr Codex Suprasliensis, kyrillisch, 11. Jh., Ostbulgarien (Märzmenäen) Zach Zacharias-Parimejnik; russ.-ksl. Text, 1271 Zogr Codex Zographiensis, glagolitischer Codex, 10./11. Jh., Mazedonien (Tetraevan - gelium) Abkürzungen der Sprachen alb. albanisch arab. arabisch arm. armenisch aengl. altenglisch ahd. althochdeutsch aksl. altkirchenslawisch apol. altpolnisch aruss. altrussisch atsch. alttschechisch bair. bairisch bulg. bulgarisch dt. deutsch fr. französisch got. gotisch gr. griechisch hebr. — 13 — Altkirchenslawische Terminologie des Weinbaus und der Weinproduktion hebräisch het. hethitisch ie. indoeuropäisch kroat. kroatisch ksl. kirchenslawisch lat. la- teinisch luw. luwisch mhdt. mittelhochdeutsch mlat. mittellateinisch mk. makedonisch ndl. niederländisch ns. niedersorbisch os. obersorbisch polab. Polabisch pom. pomo- ranisch russ. russisch semit. semitisch serb. serbisch slk. slowakisch sln. slowenisch tsch. tschechisch ukr. Ukrainisch ung. ungarisch usl. urslawisch wruss. weißrussisch LITERATURLISTE Eero ALANNE, 1950: Die deutsche Weinbauterminologie in althochdeutscher und mittelhochdeutscher Zeit. Helsinki: Suomalainen Tiedea. 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Po uveljavitvi v bogoslužni praksi na Velikomoravskem in pozneje drugod v slovanskem svetu je starocerkvenoslovanski jezik sprejel nekatere značilnosti slovanskih jezikov, na ozemlju katerih se je uveljavil, kar se je odražalo na vseh njegovih jezikovnih ravninah, vključno z leksiko. Strokovni izrazi s področja vinogradništva in vinarstva, katerih analiza je bila narejena v okviru tega prispevka, večinoma ohranjajo praslovanske besede, ki so lahko domačega izvora (greznъ/groznъ/grozdъ, točilo, těskъ, droždiję itd.) ali praslovanske izposojenke iz drugih jezikov (npr. vino, vinogradъ, mъstъ, ocьtъ) ter njihove izpeljanke. Manjši del izrazov obravnavanega tematskega polja je nadaljevanje praslovanskih dialektizmov; mednje spadajo npr. južnoslovanski dialektizem loza s specializiranim pomenom ‘trta’, kominy s pomenom ‘grozdne tropine’, očitno tudi izraz otročьnikъ ‘nezrelo, kislo grozdje’ in hrvatizem vinika ‘vinska trta’. Češkega oz. moravskega izvora je izraz gǫsь ‘del vinske stiskalnice’. Praslovansko osnovo dopolnjujejo štirje starocerkvenoslovanski neologizmi, ki so se v prevodni praksi izoblikovali kot kalki iz grščine, in sicer izrazi vinopitije, vinodatije, vinopivьca ter jagodachranilište.