H» lnr Annsti Literatur, Theater n. geselliges Lebelt. Zledigirt von Leopold Kordesch. ^ SH. Freitag am I.O. Jänner 484O. Der einzige Trost. N^enn oon des Lebens Täuschungen verwundet, Dein Äug' sich klagend zu den Wolke» hebt; Wenn dir dein Herz, das — trostlos — schwer gesundet, Vetlommen — schmerzlich in dem Innern bebt; Wenn schwarze Bosheit und Ncrläumdung eifern Und deiner Brust mit ihren Dolche» nah'»; Wenn Neid und Feindschaft schadenlustig geifern Und grinsend fleischen ihren gift'gen Bahn; Wenn—uon dem süßeste» Gefühl betrogen — Vor deinem Blick die Fecnhülle sinkt. Und in die Brust die Seligkeit gelogen, Die düst're Flamme der Verzweiflung dringt; Verzage nicht! — noch bist du nicht verloren. Noch winket dir ein freundlich milder Stern, Und wenn slch Alles auch ge'n dich verschwöre!!, Er bleibt dein treuer Hort, so nah' wie fern. U»d mag der Sturm in deine Fahrt erloben, U„d Klippen dräuen deinem Lebeusschiff; Zu ihm den Blick! — er leuchtet dir von oben Und kühn vorbei fahrst du an, Felsenriff. Kannst du noch lange grübeln, kannst du fragen, Was wohl durch dieses Glcichniß scy gemeint? — Dein eigen Herz soll dir es ja schon sagen: Der Stern scy einzig nur — ei» wahrer Freund. — Leop. Kordesch. Der Traun» des Glücks (Märchen und Wahrheit.) Von Adolph Ritter V. T sch a b » sch» ig g. (Fortsetzung.) „Mein Haushofmeister? gut, mein lieber Bonton, «ber da helfen sie mir gleich meinen Flaus umnehmen, um zu meiner Lila zu eilen." „»Ich werde die Ehre haben, Euer hochfreiherrlichen Gnaden! obwohl es zu rühmen wäre, so dieselben noch ein Paar Stündchen Morgenruhe pflegten, es ist kaum eilf Uhr. Jean, Charles! herbei, ihr Bursche! Hilf dei­nem Herrn aus dem Pfühle. Jean , hast du aber auch das Chemisse auf die Glühpfanne gehalten, Charles! man hält den Fuß locker, so hier am Knie, Jean ! halt' den weichen Schämet unter, Charles ! Ih r scyd inerce Jungen, zu wenig Moderation und Anstand, ihr übereilt die wichtigsten Geschäfte, ^o» clieu! Jean , wie kann man den Morgenrock vor den Pantoffeln reichen. Hurtig an­gesteckt, Charles , und nun den rechten Arm zuerst ein­gefahren. Wo wollen Sie hin, gnädigster Herr? Sic wer­den sich vor Madame doch nicht mit fingerlangem Barte sehen lassen? Schütte ««» 6e« ^""^ auf, Jean! die Palmseife angerieben, Charles! so mein Gnädigster! Sie sehen, man beeilt sich, ihren Wünschen zuvorzukommen, in kurzer Zeit werden Sie in der reizendsten Morgentoilette Madame die Hände küssen; ziehe das Messer noch einige Male am Riemen; — herrliche Erfindung, Herr! man konnte nun einen Seidenhasen damit rasiren, folge dem Striche Jean! halte die Nase in die Hohe, Charles; ist der Friseur hier? Treten sie ein, ln-l«tei-! mein Herr! Madam« wird Sie heute ihren i>et>t.joll rufen; Ma«ter Etienne versteht seine Kunst aus dem Grunde, Sie können sich glück, lich schätzen, so bedient zu seyn, und was uns Etienn e von der italienischen Tänzerin erzählt, ist in der That allerliebst. Sie müssen Demoiselle in ihren Salon bitten >—charmante Locke, das; auch Donna Elvira wäre zu la­den, ihre letzten Rouladen machten sie apvartementfähig, — herrlicher Schwung, Etienne, Sie sind in ihrer Kunst unsterblich; — Monsieur ist Ihnen unendlich verpflichtet, nehmen Sie diese Kleinigkeit als ein Zeichen unserer ewigen Anerkennung. Mein Herr! Sie reichten Etienne zu we­nig, derlei ist nicht zu bezahlen, kein Kopf in der Stadt ist fashionable, den nicht Etiennes Meisterhand zu recht setzte. So mein Allergnädigster, jetzt schicken wir Jea n zu Madame, ob sie unseren Besuch zu genehmigen beliebt."" I n kaum verhaltener Wuth hatte Albert o bereits eine Stunde unter den Händen seiner Bediener geseufzt, aber Bonton's Antlitz trug so viel ernste Würde an sich, seine Haltung verkündete so viel Sicherheit und Charak­ter, daß er nicht über sich gewinnen konnte, eine Einwen­dung zu machen. Jean kehrce zurück,— die Baronin war auf einen Morgenbesuch ausgefahren. Alberto warf sich 2VH verdrießlich in's Sofa; die kostbaren Polster wiegten ihn lieblich auf englischen Federn, und seine gute Laune kehrte bald zurück, als ihm derKredcnztisch mit duftender Speise und funkelndem Weine nun wieder in das Auge siel. „So bring' mir den Imbiß, Johann, und spühle den Becher aus, Carl!" Die Bedienten flogen, aber Bon ton trat wieder her­ vor: „Ich kann nicht umhin, mein Gebieter, Sie auf die gestrige Indigestion aufmerksam zu machen, und bezweifle, ob dieser Ananas, diese Pastete aus Gänseleber, Fasanen und Trüffeln sich für Ihren Zustand alkomodire; doch wir wollen gehen, gnädiger Herr, um unfern Hausarzt zu Rache zu ziehen.— Ah! wie gerufen Doktor Tödchen!" „„Professor! muß ich bitten, ich kann mir diesen Ti> tul um so weniger nehmen lassen, als ich wirklich ein Mal eine Vorlesung hätte halten sollen, und nur—"" „Monsieur le Baron verspürten einige entfernte Pas­ sion auf diese Collation, aber Monsieur le Baron fühlten sich gestern so alterirt, so von Vapeurs und Migräne be­ fallen, daß—" „„Verstehe mein Würdiger! richtig, alterirter Puls, überspannte Augen, heiße Haut! — Wie sehr sind Sie Monsieur Bonto n verpflichtet; weg mit diesen elenden Gerichten; Jean , setze ti-itnliuin reliriin und Graswurz über, zwei tüchtige Seidel können nicht schaden, bis Mit­ tag, denke ich, wird die Beschwerde vorüber seyn; — und diese Pastete wollten Sie essen Baron? ich bitte, Bonton, verkosten Sie selbst, wie grob, wie wenig gediegen, wie un­ zart, wahrlich ich mochte keine zweite mehr essen, auch die­ ser Ananas ist von der Sonne nicht völlig durchkocht, er weckt zu wenig Pikantes am Gaumen, und dieser Wein betäubt und erzeugt Kopfschmerzen — nicht wahr, Bon­ ron?" „Sie haben vollkommen Recht, Herr Professor, wenn noch etwas übrig wäre, man müßte es den Bedienten preisgeben. Doktor Tödchen emvfahl Diät, und sodann sich; Al­berto fühlte aber wirklich Vapeurs und Schwindel, und trank gläubig das Dekokt. Er verlangte seine Kinder zu sehen. Bald erschien Fritzchen und Ber t ha in den zier­lichsten Fantasiekleidern. Alberto fühlte endlich wieder reine Freude, und breitete feurig die Arme nach ihnen. Berth a entwich der ungestümen Zärtlichkeit und machte Papa auf die künstliche Koeffure, auf die zierliche Spitzen­krause aufmerksam, bald begaben sich beide Kinder zur Lec­tion im Englischen. „Sie haben Engel statt Kinder," bemerkte Bonton, und sind der glücklichste Vater im Reiche." Alberto ent­schlüpfte ein leiser Seufzer, und unklare, fremde Erinne­rungen zogen krampfhaft an seinem Herzen vorüber. Ihm mochte ein vernehmbares Wort von Blumen und Nachti­gallen entschlüpft seyn. „Da kann ich aufwarten," fiel der Haushofmeister dienstfertig ein, „bemerken Sie hier die melllleue«. lai-lein», das köstliche oieonemn, aldum, die zartgelbe znociia lütttali», das einzige bi-!»el>>?emlt „näuiiUum, die glühende ixi» 1,50. liiil»! —oder ziehenSie italienische Blumen vor, betrachten Sie, ob Sie je etwas Täuschenderes gesehen haben, als die Boquetce, die Signora Perinett i aus Florenz bringt, und ihr Papchen, gnädigster Herr, ist der zierlichste Ka­ kadu der Erde. Er tostet Sie volle Louisd'ors, und doch ein Spottgeld, wenn Sie seine ungemeine Liebewürdigkeit erwägen. Hören Sie sein zärtliches >,<», ^»«i-, i> ^«»r!« „„Aber der Morgengruß däuchte Albert o schal, und das Gekrächze des arabischen Raben, in das er nun aus­ brach, widerlich wie gemeine Krähenrufe. Was sollte diese dickblättrige, träge Pflanze mit duftlosem Kelche bedeuten? und ersetzte ihm das Seidengewinde des Italieners ein einziges Veilchen, eine Rose voll Morgenthau?"" „Sie scheinen lange Weile zu haben, mein gnädiger Herr! darf ich vielleicht Ih r Hündchen herbeilassen?" „„Ach meinen braven Treuwachr!"" „Mignonne, wenn ich bitten darf; komm' süße Mig­ nonne, komm!" und auf zarten Spinnfüssen trippelte ein rattenartiges Vieh misantropisch ins Zimmer, und als ihm Jea n in die Nähe trat, hinkte es heulend auf dreien. „Du ungeschliffener Kerl!" schalt der Haushofmeister „kannst du petite Mignonne so grausam mißhandeln, du Kaniballe, Unmensch! hast du so wenig Rücksicht für den Liebling deiner Herrschaft. Komm', süß Liebchen! bieten Sie ihm doch etwas Bisquit, Baron! ach ja, es wird keine Vanille dabei seyn, d'rum nimmt es Mignonne nicht." Da fuhr ein Wagen an, Bonton sprang an's Fen­ster, und rief bald darauf entzückt zu Alberto ; „Schätzen Sie sich glücklich, mein Herr, der liebenswürdige Prinz Thee beehrt Sie." Bald darauf rissen die Bedienten die Flügelthüren auf, der Prinz tänzelte parfümirt und ge­salbt herein, warf sich in den Fauteuille, streckte die be­spornten Füsse von sich, und lispelte: „Karten, Karten!« Ein Offizier mit dem Tapferkeitkreuze war mit ihm einge­treten, und grüßte anständig. Albert o empfing seine Gäste freundlich, und die Bedienten rückten den Spiel­tisch zurecht. „Sie haben uns heute für das Dinör ge­laden, Baron!" begann der Prinz hierauf, „wir kommen einige Stunden, um einen kleinen Eommerc zu versuchen. Ich habe den e>>evl»li«-r im Pharo Revange zu geben, ziehen sie gefälligst die Karten." Das Spiel kam bald in Lauf, der liebenswürdige Prinz Thee häufte Gold und Noten vor sich, Alberto verlor eine Rolle nach der andern, aber das Unglück des Kapitäns überschritt alle Gränzen, zögernd hatte er ein zwei­tes dickes Portefeuille geöffnet, mit sichtbarem Wider­willen eine neue Karte besetzt, rasch nach einander meh­rere Wetten verloren, und nach ein Paar Stunden die letzte Note verspielt. Leichenblaß sprang er auf; ach meine Mutter! rief er aus und stürzte davon. (Beschluß folgt.) Die Fischer. Vaterländische Novelle von Nr. Rud olph P « ff. (Fortsetzung.) Ulrich hörte ihn mit Kopfschütteln an. „Was deine Perlenfischerei betrifft" meinte er, hast du recht, Kostbar­ r 2Vä keiten aufzulesen, um die sich unsre Nachbarn nicht küm­mern, weil sie von ihren Vorhandenseyn nichts'wissen — deren Besitz ich dir, dein einziger Freund und Mitwisser, gewiß nicht schmälern werde. Was deine Freude über Alenka innige Liebe betrifft, so vergib mir, dasi ich selbe so nicht ganz vom Herzen theilen kann, weil mir immer vorkomme, sie würde aus Mitleid, um einen Narren vom sichern Tode abzuhalten, auch zu mir sagen, sie liebe mich, würde es vielleicht auch sonst sagen, wenn ich so fein ma­nierlich wäre, wie du; sie würde auch zum dicken Shig a so reden, wenn er nicht bucklicht wäre. Nun, nimm mir's nicht arg, wir gehen dir auch nicht in's Gehege, so sehr mir noch im Frühjahre Alenka in die Augen stach, ich sage dir's frei mit mir und der freundlichen Iägerstoch­ter Meta wird es Ernst werden und Shiga könnte dir wirklich wenig gefährlich seyn, er schmachtet in den Fesieln der reichen tauben Kesselflickers-Wittwe in Ottok. Marti n kümmerte sich nicht viel um die Reden seines Freundes, und so schwer es ihm fiel, daß erAlenkanur höchst selten sah, daß sie selbst dann so kalt, so fremd sich gegen ihn benahm, wie er es nach der Nacht von jüngst kaum erwarten konnte, so arbeitete und suchte er doch rastlos fort und strebte seinen Schatz zu vermeh­ren, dessen Vorhandenseyn er seiner Theueren aus dem Grunde verschwieg, um sie am Ende desto freudiger zu überraschen. Die hingeworfenen Worte von dem reichen Säumer Arnek der seit Kurzem, wie zu Haus that in der Wirtschaft des alten Andreas, waren nur leichte Nebelstecken, die bedeutungslos hinzuziehen scheinen am Horizont seiner Hoffnungen. Der frühe Sonntagsmorgen fand Marti n vollauf beschäftiget. Erst hatte er sein Festwams angezogen, sodann ein langes breites Schreiben in die zierlichsten Falten gelegt, denn es enthielt nichts Geringeres, als seine Anstellung in der Eigenschaft eines Oberfischmeisters für die dem Karthäuser-Kloster Freudenthal gehörige Herr­schaft Thurnlack; wichtiger, als alles aber war ein kleines Kästchen in welchem blanke Perlen im geringsten Werthe von fünfhundert Gulden aufgehäuft lagen, die sorgsame Lese von fünf Wochen voll Trübsinn und Entbehrung, während welchen er seine Alenka höchst selten gesehen, noch seltener aber gesprochen hatte. Heute mußte für ihn ein wichtiger Tag werden, denn meistens hatte ihm von seiner Mutter geträumt, an derer magische Künste er noch lang nach ihren Tode glaubte, zweitens hatte er in der Morgendämmerung eine Zigeunerin beschenkt, welche ihm gesagt, er würde seltenere Dinge heute am trockenen See gewahren als alle Nachbarn, und drittens hatte er sich ein Mal fest vergenommen, heute ein ernstes, männliches Wort mit Andreas zu reden, zu welchem ihn ein für alle Mal Alenkas Liebe zu berechtigen schien. Eben war er in bester Ordnung, als Ulrich ziemlich verstört m die Stube trat und ihn nach einem flüchtigen Gruße bat, er möchte ihn hinauf auf den Tabernik begleiten. »Nein Bruder heute nicht, gerade heute nicht, morgen, übermorgen, wann du willst nur Heu« nicht" erwicderte Martin. " „„Und gerade heute bitte, beschwöre ich dich darum"" .rief mit leidenschaftlicher Hast der ungestüme Freund und schien gar nicht übel Lust zu haben, seinen verdutzten Gespielen gewaltsam fortzuziehen. »Nun wenn es Noth thut, so verziehe wenigstens hier so lange, bis ich von Andreas und St. Kanzian komme" sagte Mar­ti n mit anscheinend ruhiger Miene, aber im Innern selt­sam bewegt von dunklen Ahnungen, die des Freundes selt­sames Benehmen in ihm erregten. „Nein Bruder zu An­dreas gehe heute nicht, morgen, übermorgen, wann du willst aber heute nicht" fuhr Ulrich hastig auf „und müßte ich dich gewaltsam daran verhindern. Marti n wußte wohl, daß mit Ulrich, wenn er etwas fest wollte, selbst der innigste Freundsich keinen Scherz erlauben durfte: zu Fragen und Einwendungen schien der Ungestüme aber nicht aufgelegt zu seyn, und so nahm Marti n zur List seine Zuflucht und begann mit erkünstelte», Mitleid: »Ja ja, du bist freilich heute verstimmt, weil deine Met a es für gut fand, mit dem Säumer dem langen Georg und sei­nen Brüdern nach St . Laurentius zur Frühmesse zu pil­gern," „„Meta mit den Säumern?"" tobte Ulrich und seine Linke ballte sich krampfhaft, sein Auge blitzte wild, seine Wangen färbte ein dunkles Noth, während unwill. kührlich die Rechte mit dem blanken Messerspielte. „„S o waren wir beide Narren"" schrie er gräßlich lachend „„nur du der geduldige und ich der heftige,"" dann drückte er den Hut in die Stirne und eilte wie vom Fluche gejagt, aus dem Hause. (Beschluß folgt.) Gedanke und Wort. Der Mensch ging in Reinheit aus Gottes Hand. Seine einfachsten Bedürfnisse fand er von dem gütigen Vater rund um sich ausgelegt. Was er später noch Be­dürfnis; nannte; sollte er zwar sich selbst erfinden, aber auch die Folgen des Mißbrauchs tragen. Der fromme Wille war ohne unordentliche Begierden. Nein, wie er war, stand der Mensch in dem heiligen Verhältniße des unschuldigen Kindes zum Vater. Die ganze Natur diente ihm, und sollte ihm dienen, Er mußte seine Diener benennen. Alles sprach zu ihm; auch ohne Worte. Das Lamm blockte und s^miegte sich vertrauend an ihn. Das Roß wieherte ihm muthig ent­gegen. Der Löwe brüllte freudig durch den Wald, dessen Rauschen — Stimme war, wie das geheimnißvolle Wo­gen des Stromes, die sanfte Welle der Luft, oder das Zwitschern unzähliger, fröhlicher Sänger. Alles schien zu empfinden, und erregte Empfindung. Der liebende Vater lehrte ihn Sprache; denn in des Menschen Seele wohnte Empfindung und Urtheil; er bildete Gedanken, suchte sie auszudrücken und fand Worte. Der Mensch, das Ebenbild Gottes, strebte das Lob seines Schöpfers auszusprechen. Er versuchte es, was er dachte und empfand, mit Tönen zu bezeichnen. Später jedoch (lange darauf, nachdem das Wor t entstanden war, und es sonach für jeden Gedanken zwei Momente gab, seine Erzeugung im Geiste, und seine Ge­ - 296 burt durch das Wort,) wurde auch die Entheiligung des Innersten möglich, wenn Gedanke und Wort einander widersprachen. Der Mensch vermochte es, vor seinem Bru­der mit dem bloßen Schein der Wahrheit zu prunken, und die heiligsten Empfindungen durch unheilige Worte zu entweihen. I. I . Hannusch. Original-Jagd-Anekdote aus Kärnthen. I n einem Kreise fröhlicher Iagdfreunde begann der Hauptmann S** ^ wie folgt: „Eines Tages war ich nach langem Herumirren doch endlich so glücklich ein Entenpaar im Schüfe zu erschleichen. Ich mache den Schuß und eile hin, nm die Beute einzustecken. Doch, hören Sie, welch ein Wunder! Der erlegten Ente gegenüber finde ich einen Hirschen in seinen letzten Zuckungen, und als ich denselben zu heben versuche, gewahre ich noch einen Hasen, der un­ter ihm lag. Als ich nun dieses Ereigniß näher betrach­tete, so zeigte es sich bald, daß die Kugel meines Schu­ßes durch die Ente durchgedrungen, den Hirschen, welcher in dem Augenblicke in die Schußlinie gekommen, und tödt­lich getroffen, und dieser im Falle den Hasen, welcher wahrscheinlich mit ihm in gleichem Schritte lief, erdrückt habe. Hoch erstaunt über einen so gesegneten Schuß schlage ich darauf in meiner grenzenlosen Freude die Heiden Hände über meinem Kopfe zusammen, und sieh da! ich erdrücke einen eben mir zugeflogenen Schnepfen damit!" — Bravo, Herr Hauptmann! Joseph Buchen!» »in. Revue des Mannigfaltigen. Ein Berliner kehrte vor Kurzem mit einem russischen Bedienten aus Petersburg in sein Vaterland zurück. Auf der preußischen Gränze rief der Herr aus: „Gottlob, jetzt sind wir in Preußen!," worauf ihm der Bediente kopf­schüttelnd anzeigte, daß er dies nicht glaubte. -— „Wir sind wirklich und wahrhaftig in Preußen, Iwan!" versi­cherte der Herr abermals, doch der Diener entgegnete noch immer zweifelnd: „„das glaube ich nicht! Ich habe mir zu Hause die Landcarte zeigen lassen. Rußland ist grün , Preußen blau; hier wächst aber noch immer grünes Gras blaues habe ich nicht gesehen, folglich müssen wir noch in Rußland seyn. Zu Boos bei Rouen ereignete sich neulich, wie der „Humorist" berichtet, der seltene Fall, daß bei einem Prozeß beide Partheien zugleich durchfielen. Es wurde nämlich im Saale des Friedensgerichtes gerade eine Streit­sache zwischen dem Pfarrer und den barmherzigen Brüdern von Mesnil-Esmenard verhandelt, als plötzlich der Fußbo­den einbrach, und Richter, Partheien und Zuschauer bunt durcheinander kollerten. Zum Glück hatte der Vorfall keine andern Folgen, als daß ein unten arbeitender armer Scher­renschleifer, auf den die ganze Last des Prozesses fiel, ein Paar leichte Quetschungen erhielt. Interessant ist Segär s nacionelle Charakteristik der Frauen. Er meint nämlich, um mit dem schönen Geschlecht in einer möglichst angenehmen Verbindung zu stehen, müsse man, oder vielmehr, müsse der Mann eine Deutsche zur Mutter, eine Engländerin zur Frau, eine Französin zur Freundin und eine Pohlin zur Schönen haben. Korrespondenz. Grätz am i. Iäner «4«. Mi t dem Jahreswechsel treten immer Veränderungen, im socialen Leben überhaupt, am meisten aber in »er Journalistik ein; alte Titel und Rubriken werden mit andern vertauscht - neue Pränumeranten kommen mit neuen Mitarbeitern. So benutzte auch ich freundliche 6!,rn!nl!!> diese,, Zeitpunkt, mich unter die Schar deiner thätigen Verehrer zu mengen, um dir zeitweise einfache Schilderungen «°n dem leben und Treiben unserer schonen Mnrvorstadt zu entwerfen. — Vor Allen» meinen nachbarlichen Gruß! Daß Grätz an einer neuen Zierde durch Withülm s Collisem» rei­cher ist, wirst D u bereits wissen. Es ist in der That ein großartiges Ge­bäude. Wenn schon sein imposantes Äeußere Bewunderung erregt, so muß dessen Inneres bei glänzender Beleuchtung mit staunender Ueberraschung er­füllen. Unter den vier großen Sälen zeichnet sich der sogenannte »Niesen­saal« durch sei„e wirklich riesige Länge — ich glaube, sie beträgt 25 Klafter aus, die aber im sehr unpassenden Verhältnisse zu seiner Breite und Hohe steht. In , Erdgeschoße befinden sich zwei große Nierhallen, in welche aus den Sälen eine Treppe fuhrt, die zugleich in die innere, mit einer hohe» Kuppel überwölbte Ronde geht; hier verbreiten viel hundert Gewächse ihre» duftenden Wohlgeruch, und ein ungeheurer Lustre überstrahlt von der Kup­pel herab das Ganze mit seinem Kerzenschimmer. Withalm s Unterneh­mungsgeist wurde durch zahlreiche» Zuspruch belohnt, als Farbach mit seiner Kapelle einen C,)klus von llRcunionen eröffnete, welchen in 2u,n,„« über I4.0NU Menschen beiwohnte»; — für Grätz allerdings eine große Zahl! — Farback ist als Compositeur genügend bekannt; seine »Stranßfcdern-Walzer eulhussasmirten. Aucli als Improvisator fand er Bewunderung; nur wurde es von vielen getadelt, daß er fast gänzlich allein eigenc Com-Positionen vortrug und uns nebenbei de» Genuß andere r Meister entbeh­ren ließ — doch dieses sey fei» nochthciliges Urtheil über seine Coniposttionen! I n der letzten Reunio» bekamen wir VethoVen s »Schlacht von Nittorio« zu hören, die aber zu wenig zahlreich besetzt war, um einen Total-Effect her­vorzurufen. Für den beginnende» Carneval hat Withal m mehrere Bälle an­gekündigt; unter andern an jedem Donnerstage einen Ncgligi-Vnll ! — ein amüsanter Titel! — Unsere thütige Direktion hat uns durch das Gastspiel der Dem. Löfle r schon mehrere Vergnügte Abende bereitet. Wer von den tückischen Dämonen des Mißmuths geplagt wird, der gehe in eine Posse, worin Dlle. Löfler mitwirkt, und sie werde» Von ihrer natürlich schalkhaften Laune, ihrem treffenden Witze, ihre,» heiteren Spiele schwinden, gleich Nebeln vor den Strahlen des Morgens. Schon von jeher ein Liebling uuscrs Publi­kums, eutzückt sie jetzt um so mehr, da ihre Stimme viel reiner und kräf­tiger klingt und sie sich manche Fertigkeiten der Residenz angeeignet hat. — Schade, daß wir feine Hoffnung nähren können, sie für immer in unsem Mauern festzuhalten! —Sic trat zuerst in: »Nagerl und Handschuh« auf, uud begrüßte uns mit eine,» eigens dazu Verfaßten Liedc Von Proch. Ein Beifall, wie hier selten, ward ihr zu Theil. Ihre übrigen Debüts waren: »Sylphide», »24 Stunden jung und t>8 Jahre alt", »Vater der Localsänge­rin» (zu ihrer Nenefice) »der Fleischhauer von Oldenburg«, »Hutmacherund Strumpfwirker« und »der Bauer als Millionär« ebenfalls zu ihrem Nor­theile. Ucber ihr ferneres Gastspiel, so wie über manches Andere behalte ich mir nächstens einen ausführlichere» Bericht Vor. riantuk. Anagramin Zwei Silben nennen dir ei» Land, Das, sey es vo» Natur, sey's durch des Zufalls Hand Gleich einer Brücke über's Meer gebreitet. Zu ungleich größer« Ländern leilet. Lies rückwnrl« — und für jedes Silbcnpaar Stellt sich sofort nur eine Silbe dar. Sie nennt de» größte» der Regenie», Den einst der Norwelt Söhne sahn; Ihn, aller Fürsten Ober-Chan, Verehrte man mit stolzen Monumenten, Mi t Opferrauch und Saitenklaug Und stolzer Hymne» Iubelsong, Die Flamme seiucs Zorns Verzehrte Der Erde kühnste Nalio», Die ehemals »iit verweg',,em Hohn Eich wider den Gewaltige» empörte. L'r führte lang der Herrschaft gold'nen Stab Und nur ei» Wunderkind stürzt' ihn von. Thron herab. Z. Laibach. Druck nnd Verlag von Joseph Vlasnik.