^ 246. Donnklssaq am 27. Mtolier 1864. Die „kaibllcher Zeitung" erscheint, mit Ansnahme b« Sonn- und Feiertage, tUglich, und lostet sammt den Veilagen im Comptoir ganzjährig 11 si., halb-tiihrlg 0 fl. 50 lr., mit Kreuzband im Comptoir ganzj. 12 si., halbj. 6 fi. Mr die Zustellung w's Hau« sind halbj. 00 lr. mehr zn entrichten. Mit der Post portofrei ganz)., unter Kreuzband und gedruckter Adresse lb fl., haloj. 7 si. l>0 lr. llnftltionsgcllllhr fill eine Garmond, Vpaltmzeile oder dln Raum derselben, isi filr lmalige Einschal» tnng tt lr., filr 2mnligt8lr,, ftlr 3malige 10lr. n. s. w. Zn diesen Gebühren ist uoch der Insertions»Stempel per 30 lr. fllr eine jedlsmalige Einschaltung hinzn zu rechnen. Inserate bi« 10 Zeilen losten 1 si. 90 lr. lllr 3 Mal, 1 fi. 40 lr. ftlr 2 Mal und 90 lr. für 1 Mal lmit Inbegriff de« Insertionsftrmpels). ^aibacher Zeitung. ^ Amtlicher Theil. ^e. l. l. Apostolische Majestät haben mit Aller-höchster Entschließung vom 2:i. Ottobcr d. I. den Dbcrgcspan des Araber Komitatcs Theodor Szcrb, und den Obergcspaus.Administralor dcS Zalacr Ko» milateö Franz v. Nov^t zn Beisitzern dcr Scptcm. viraltafcl allcrgnädigst zn ernennen gcrnht. Nichtamtlicher Theil. Laibach, 20. Ollober. Die Einbcrnfung des „weiteren" NcichSrath hat in der Tagesprcssc zn lebhaften Debatten geführt. Seltsam ist, das; die heftigste Opposition gegen die ncnc Form der Rcichsrathbcrufung anS den Ncihcn der VerfassnugSfrcuudc kommt. Die Meinungen ha< Iicn sich vollständia getheilt. Die Einen behaupten, nach dem Grundgesetze vom 20. Fcbrnar stehe der Regiernug nnr das Recht zn, den Rcichsrath im Allacmcincn einznbcrufcn, der dann beliebig bald als weiterer bald als engerer tagen könne, jc nachdem Vorlagen da seien. Die Anderen sagen, das Nccht, den Rcichsralh als weiteren oder als engeren zn be« rufen, steht der Krone zn nnd bezeichnen cS als will-luhrliche Interpretation, zn sagen, die Vcrfassnng "'me m,r einen Ncichsrath. Dieser Ansicht cnt. «Mm Andere wieder, daß nnr ein Ncichsrath gc> "uiltt sei» li)l„^ .^ ^rauS hervor, daß cS nnr "n P'äsidium gebe. Wir glauben, man streitet sich da um Etwas, Was vollkommen llar ist. Eine prinzipielle Trcnnnng ocs gcsaininlcn Ncichsrathcs in dcr Form der Eiubc-benlflmg entspricht ganz dem Geiste dcr Vcrfassnng. W,r verweisen nur ans den Artilcl dcr „Wicncr Ztg." vom 27. Fcbrnar I8M ; in demselben heißt cS wört. uch: „Der engere Ncichsralh verwandelt sich in den lMammlcu Rcichsralh durch Einbernfnng dcr Mit« gUcdcr für die Bänder dcr ungarischen Krone." Ein. "mifcn lann aber die Abgeordneten dieser oder jener Zander anschließend nnd allein die Krone; es ist o°l)cr in diesen wenigen Worten llar gesagt, daß ls ""Ms der ssonstilnirung des gcsammtcn Rcichsralhcs N," ^^nderen Einberufung bedürfe, daß daher die A" ung ^^ ^^^^^ Rcichsrathes nicht znglcich die um?,'^ dcs gcsammten nnd naturgemäß auch nicht ^" '" sich involvircn lönnc. .Nael m'" l^'ljt cS in dem erwähnten Nrl.lel: ei cn ., ""ilznng der gemeinschaftlichen Angelegen-
'!" ^ " des Grundgesetzes bezeichneten Gc-
'^llc erledigt sind. - Diese Worte sprechen llar,
„,. ." Gesetzgeber die gemeinsamen Angelegenheiten
' unterbrochen behandelt n»d beendet wissen wollte,
uor der Ncichsralh znr Ausübung seiner Fnnltioncn
y < "lgcrcr übergehen sollte. — Da mm die Abge«
, " '"en sich wohl selbst wechselseitig die Thüre nicht
/'Ml werden wollen, so ist es naturgemäß, daß es
'".cS durch die Ncgierung vermittelten Schlusses des
^'crcn nnd einer speziellen Äcrnfung des engeren
^'chsrathcs bcdlirfc
Oesterreich.
Wien, 2l. Oltobcr. In Ncgiernngskrciscn "nr man von dcr Aufnahme überrascht, welche die "ubernfnng dcS Ncichsrathcs in dcr öffentlichen Mci' !'"l'a gefunden. Um cil,cr Mißdcnlnng zn steuern, '"^l- so hören wir, in dcr Thronrede Sr. Majestät ausdrilcklich hcroorgchobcn werden, daß sofort nach u"''dia.,cr Thäligtcit des gcsammtcn dcr engere Ncichs-'"''1 sciue Arbeiten beginnen werde. Man nennt anch
schon die Ncgicrnngsvorlaacn fiir denselben, und dar-nutcr in erster Reihe ein Gesetz znr Regelung dcr Verhältnisse dcr Protestanten in Oesterreich, ^n Zn. tunft soll die Thäligscit dcr ucrfassnngsmäßigcn itor« perschaftcn derart geregelt werden, daß zum Schlüsse eines jeden Jahres dcr weitere, unmittelbar nach ihm dcr engere Neichsrath lmt> kurz darauf die ^audcs-vcrlrctuugcu tagen. Dem am 12. November zusam« mcnttclcndcn weiteren iltcichsralhc wcrdcu dem Bcr-nehmen nach in erster Ncihc vorgelegt werden: daS Bndgct M» 18<^5, die Konzessionen znr sicbcubür-gischcu und zur kroatischen Eisenbahn, die Steuer, reform. AnS dcr Mille dcS Abgeordnetenhauses dürfte gleich in dcr ersten oder zweiten Sitzung eine Interpellation wcgcn eines Ministcrvcrantwoitlichleits« gesctzcs eingebracht werden. Man erinnert sich, daß dcr Herr ^taatsminislcr aus eine ähnliche Interpellation erwiederte, ein derartiges GM werde dem Gc-sammlrcichsrathc vorgelegt werden. Weilers wird die Affaire Rogawöti cincu Gegenstand dcr Diskussion bilden. Herr v. Nogawöli wurde bekanntlich vom Zivilgericht in Untersuchung gezogen; als dcr Vela« gcrungszusland in Galizicu prollnmilt und die Mill, tärgcrichle eingesetzt wurden, kam auch dcr Prozeß dcö Herrn v. Nogawsü in die Hände ciucS solchen, nnd von demselben wurde dcr Angcllagtc wegen Un> znlänglichlcit der Beweismittel freigesprochen. Nach dcm Wahlgesetze hat v. Nogawsti in Folge dessen sein Mandat verloren; cS culsteht die Frage, ob das Militärgericht zur Fällung eiucS Urtheils- in dicscu» Falle kompetent war, und das soll Gcgcuslauo dcr Erorlcluiiacn im Hansc dcr Abgeordneten werden.
Von verschiedenen Seilen nnd namentlich dnrch die czcchischcn Älällcr wurde die Nachricht ucrblcilcl, die polnischen Abgeordneten ans Galizicu würden, falls dcr Äclagcrnngsznstano dort nicht vor Eross. nnng dcS Ncichsrathcs aufgehoben wird, ihre Plätze im Abgeordnetenhaus«: nicht einnehmen. Wir glauben, dicscu Nachrichten cntgcgentlctcn zn können. Polnische Abgeordnete, welche mit dcm Unlcrhanse nahcstchcu. dcu Personen in Verbindung sind, haben wiederholt nach dcm Tage dcr Erösfnnng dcr Ncichsralhsscssion gefragt, m,o ihre Briefe zc>gcn dasselbe erustc Inter, cssc an dcr lonslilutioncllcu Entwickelung dcü Reiches, welches die übrigen Abgcordnclcn daran nehmen. Iu lcinciu dicscr Bricfc ist auch nur dic leiseste Audeu» lung davon cnlhallcn, daß die Polcn dcm Abgcord-nctcnhausc fcrnc blcibcu wollen, im Gegentheile drücken einige Abgeordnete ihre Freude über die nunmehr sehr nahc gerückte parlamentarische Thätigkeit aus. Das Ganze war ein mißrathcncr Eonp dcr föderalistischen Olgaue; es schciut, als ob dcu czcchischcn Scccssio. nisten daheim allciu ..bnngc" wärc.
Das Abgcordnctcuhaus wild gegen die vorige Session tanul ein verändertes Bild gclicn, obgleich 27 ucnc Abgcordnte in dasselbe eintreten, und zwar: Graf Bclcrcdi, Kopctz, Baron iicllcrspcrg, Aclhmann, Lill, Grüner, ^icrad, Sadil, Pantratz, Nolh, No< scnaucr, Hanisch, ilrwaucl (aus Böhmen, die nenn Ezcchcu, wclchc allcr Wahrschcinlichlcit uach wieder nnsblcibcn, sind nicht aufgezählt), Streit (Mühren), Brcslcl, Schneider (Nicdcröstcrrcich), Pillcrsdorf sSchlcsicn), Simouovicz (Bukowina), Tolh, Teutsch, Filtsch, Ätan, Butcann, Obcrt, Transchcnfcls, Po-passn, Moga (Siebenbürgen). Numerisch hat daS Abgeordnetenhaus dadurch tcincrlci Zuwachs erhalten, da es lauter Ersatzwahlen für ausgctrctcuc oder verstorbene Mitglieder waren. Durch den Tod hat das. selbe seit dcr letzten Session dcn Dr. Bctlowsli, dnrch cmdcrc Umstände drci Mitglieder verloren: Brosche, Rosthorn, Riccabona. Anch dcr Führer dcr Nnthcncn, Erzbischof ^ilwmowicz, tritt auö dcm Ab. gcordnctcnhausc, um dcu ihm gcbührcndcn Sitz im ^crrcnhausc cinzilnchmcn. Wie dic 'Ncuciugelrclcncn stch zu dcn Fratlioncn des Hauses verhalten werden, ist noch uubclaunt. Das HauS selbst hat unr wenige
Veränderungc» erfahren: neuen Anstrich, ucue Teppiche, neue Ministe» sitze; auch auf daS Buffet hat sich die verbessernde Hand erstreckt. Der Sitzung«, saal dcö Herrenhauses ist gleichfalls in der Restau« ration begriffen, die erst iu zchn biö zwölf Tagen vollendet sein dürfte.
An sämmtliche Abgeordnete ist bereits ein Cir« kular dcö Präsidiums ergangen, in welchem sie von dcm ersten Sitznngst»gc, 12. November 11 Uhr, verständigt werden. Der Präsident dcS Abgeordnetenhauses Dr. v. HaSncr halte gestern Audienz bei Sr. Majestät dcm Kaiser uud dem Herrn Erzherzog Rainer und trat hicranf sogleich sein Amt au. Von viclcu Abgeordneten sind bereits Schreiben eingelangt, worin dicsclbcu ihre Absicht ausdrücken, IahrcSwoh-uungcn zn nehmen und mit ihren Familien hierher zu übersiedeln. Wenn nach dem weiteren sofort dcr cugcre Rcichsrath lagt, dürfte die Session freilich ciue lange werden. (O.-D. P.)
— 25). Ottobcr. Die eben im Zuge sich befindliche Staudcshcrabsctzung dcr l. l. Armee ist nnr dcr Vorläufer cincr bevorstehenden noch größeren Redu« zirung, da bereits die allerhöchste Entschließung her-abgelängt ist, daß unter Voraussetzung ruhiger Vcr« lMnissc limstighin alle Kompagnien der drei ersten Bataillone sämmtlicher Limcumsmücrie'Rcgimcutcr im Fricdcusstand nur 5)4 Gemciuc, die Kompagnien der vierten Bataillone nur 20 Gemeine, und die Kom-pagnicn allcr Iäger-Bataillone bloß 70 Gemeine im präscnlcu Stande zu führen haben werden.
AuS Trieft, 22. Oltobcr, schscilil man der „O.-D. P.": Wie ich vernehme, hat Herr Tonello dennoch die halbe Million aufgebracht, deren er bedarf, um seine für Oesterreichs Handel uud Schiff-fahrt ersprießlichen Untcrnchiuungcn auszudehnen. Die Kreditanstalt hat sich veranlaßt gefunden, ihm 2(X).(XX) Gulden vorzuschießen, die anderen 3O0.(XX) fl. hat ihm ein hiesiger Kapitalist (Kallislcr?) zur Verfügung gestellt. Dicscr letztere ist ciue der intclcssantesten Persönlichkeiten von Trieft. Er ist dcr Sohn tines ^andmauncs ans Prcstraucl, einem Dorfe an der Eisenbahn in dcr Nähe von Adclsverg, und lam als Steinllopfer nach Trieft, diente auch einige Zeit als Postillon. Ohne dcS Lesens und Schreibens luudig zu sciu, fing cr dann an, Gcschäslc im Kleinen zu trcibcn, dehnte seine Unternehmungen immer mehr ans uud ist heute ein Mann, dcn man auf 5 bis 6 Millionen fchätzt, der aber seine ursprüngliche Lebensweise nicht im Geringsten verändert hat. Ohne irgend welche Studien gemacht zu haben, bewältigt die-scs Natur-Genie alle Schwicrigleitcu dcr großartigsten Uutcrnchmungcu, thut uud bcrcchuct Alles selbst in scincm Kopse, erträgt alle eventuellen Verluste mit dcr nrößtcn Kaltblütigkeit uud hat immer ein schlaues Austuuflsmitlcl bci dcr Hand, um sie zu lompcusircn. Welch' cin prächtiger Finattzminister hällc diescr Mann wcrdcn löuncn! Daß cr tüchtigen Untcruchmungs-ncist auch in Anderen zu würdigen weiß, bcwics cr cbcn jctzt gcgcnübcr Hcrn Toncllo, dcm cr vertrauensvoll ^0.000 NapolconSo'or in blankem Golde vorstreckte.
Von der Theiß, 20. Oltobcr, schreibt man dcr , A. Ztg.": Die Konferenzen, welche die Mo-difilationcn des Unterrichts in Ungarn zum Gegen, stand hatten, sind geschlossen; vou dcu Details, welche als Resultat dcrsclbcu mitgclhcllt wcrdcn, sind fol-gcndc zu erwähnen: in den Gymnasien werden die Realien an Ausdehnung und Stundenzahl entschieden gewinnen, weßhalb auch die Zahl der wöchcnllichcn Stunden vermehrt wurde Die förmliche Einführung dcr Realgymnasien wurde fallen yclasscn; ungarische Sprache und Literatur werden in allen Gymnasien des Landes, seien dicse in welcher Gcgcno immer, obligater Untcrrichtsgcgcnstand, und >n dcn hohcrn Klassen soll die ungarische Sprache Unterrichtssprache s"". Anch die Errichtnng cmcs
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jüdisch »thcologischcu Seminars ist um einige Grade dcr Ausführung näher gerückt, indem der Obcrrab-bincr des Esongrader KomitatS, welchem Professor Franz Haimcrl im Auftrag des t. k. Untcrrichtsrathcs das bezügliche Opcrat mit „thunlichstcr Veschlcnni-guug" zur Begutachtuug übersandte, daS voluminöse Aktenstück nebst zahllosen Beilagen (Proteste querköpfiger Finsterlinge) einer eingehenden Krilit unterzog, und nebst den nothwendigen Emcndationcn ausgearbeitet hat. — Der Negierungslommissär FNtL. Phi« lippovitS begab sich gestern nach Wien, um seinen Bericht über die Karlowitzcr Synode an dcr Zentralstelle zu übergeben; dic uon der Regierung ernannten rumänischen Dcputirten und Vertrauensmänner haben ihre Ansichten in einem schriftlichen Memoire zu Pro« tololl gegeben.
Nriinn, 24. Oktober. Die Interniruugsortc Tcltsch und Iglau wurden als solche gänzlich aufge-lassen, und befinden sich nunmehr sämmtliche polnische Intcrnirte in Olmütz, aus welchem Anlasse auch die cxponirt gewesenen Polizcibcamten von dort einberu-fcu wurden.
Auslaut».
Turin, 21. Oktober. Wenn Villor Emanuel wirklich früher in Turin sehr populär war, so hat diese Popularität des Königs in letzter Zeit in das strikte Gegentheil umgeschlagen, denn beinahe täglich erhält derselbe Beweise dcr Erbitterung der Turiner gegen ihn. Ein Drohbrief, welcher dem Könige auf sehr gchcimuißuollc Art und Weise zngctommcn, hat hier ungeheuere Sensation erregt. Vor einigen Tagen faud dcr König uämlich in dcr Schublade seines Schreibtisches, zu welchem er den Schlüssel stets bei sich tiug, einen schwarzgcsicgcllcn Brief, ungefähr fol-gcndcn Inhalts: „Trcnloscr und vcrräthcrischer Kü« nig, dcr Du das Land Deiner Wiege schmählich vcr» schachert, der Du Dciue Turincr, welche Dir mit fo großer Liebe anhingen, verrathen, der Du ncnc schmähliche Versuche, Stücke italienischer Erde dem Erbfeinde, Deinem trenen und großherzigen Alliirtcn in den Rachen zu werfen, eingeleitet, Alles dieses, nur um Deinem schmählichen Ehrgeize zu fröhucn, wisse, daß Italien noch Männer besitzt, welche ihr Vaterland hiuläuglich lieben, um sich für dasselbe zu opfern und die schmählichen Attentate auf sein (He-dcihcn zu verhindern. Gehe in Dich, sage Dich von dem böscn Vundc los, welcher sich gegen Turin, ge-gen Italien verschworen, wo nicht, so wird der Tag Dciucs Einzuges in Florenz auch Dein Todestag sein. Der Wcg, auf welchem Dir dieses Schreiben zugeht, wird Dich überzeugen, daß dcr rächende Stahl Dich überall, selbst in dcr Mitte Deiner Armee, erreichen wird. Gchc in Dich." Mann kann sich vorstellen, daß dieser dem Könige auf so gehcimnißvolle Art und Weise zugegangene Brief das ohnedies sehr angegriffene Gemüth des Königs tödtlich erschüttert hat. Alle Versuche, das räthselhaftc Gelangen des Briefes in das blos seinem vertrauten Kammerdiener zugängliche Schrcibkabiuct des Königs und sogar in dic vom Könige selbst stets verschlossen gehaltene Schnliladc, aufzuklären, blieben ohne daS geringste Resultat, und es muß eine sehr starke und geheim, nißvollc Macht sein, welche dem Könige sehr scharf zu Leibe geht. Viktor Emanucl ist daher auch sehr
gedrückter Stimmung, nichtsdestoweniger aber fest entschlossen, den eingeschlagenen Weg rücksichtslos fortzuschreiten. Wenn dcr König je, woran wir sehr zwci-felu, Abdankungs-Idecu gehabt hat, so treten diese nun in den Hintergrund, und wenn der Schreiber jenes Briefes auf eine Einschüchterung des Königs rechnet, so kennt er eben den Eharattcr Viktor Ema-nucls nicht. Dcr König ist, wie gesagt, sehr auge-griffcn, entmuthigt oder cingcschüchtelt gewiß nicht. Gerade in letzter Zeit, wo die Gerüchte über beabsichtigte Attentatvcrsuchc sich vermchrcn, geht dcr König häufiger denn je ganz allein aus uud sucht die entlegensten Straßen auf, um scincn Feinden zu zeigen, daß er sich nicht fürchtet. Ob diese Kühnheit ihm nicht einmal Verderben bringt, wird die Zutuuft zeigen.
— Wir finden im „Dirilto" vom 22. Oktober den Wortlaut dcr telegraphisch signalisirten Erklärung Garibaldi's bezüglich des Vertrages vom 15. Sept. Das Blatt gibt dieselbe mit großen Buchstaben gc-druckt und leitet sie mit folgenden Worten cm: Die vertragsfrcundlichcn Blätter behaupteten, General Garibaldi sei günstig gestimmt für den Vertrag. Wir erhalten das folgende Dokument:
„Eaprera, 10. Oktober.
Daß Schuldige gern Mitschuldige finden wollen, daS ist eine ganz natürliche Sache; aber daß man versucht, mich in den Koth hineinzuziehen, iu welchem sich die Männer befinde», die Italien mit dem Vertrage vom 15. September besudelt haben, dessen war ich nicht gewärtig. Mit Bonaparte ist der einzige Vertrag dieser: imser Land von seiner Gegenwart zu reinigen, nicht innerhalb zweier Jahre, sondern umer» halb zweier Stuudeu. G. Garibaldi."
Wie fcruer gemeldet wird, ist dcr „Diritto" und die anderen Glätter, welche diese Erklärung enthielten, in Turin mit Beschlag belegt worden.
— 24. Oktober. Ü»tcr den der Kammer mitgetheilten Attcustückcu befindet sich ciuc Note Nigra's, welche einen historischen Abriß über die stattgcfuudcucn Unterredungen liefert; dicsesbe konstatirt, daß dic
ranzösische Regierung, außer dem Versprechen das päpstliche Gebiet nicht anzugreifen, einige Garantien gefordert habe, welche geeignet sind. der Meinung !der katholischen Welt Vertrauen einzuflößen.
Die italienischen Unterhändler hatten die formellen Instruktionen, alle Bcdingnngen, welche dem Recht dcr Nation entgegen sind, zu verwerfen. Nigra konstatirt, daß man sich wohl darüber verständigt habe, daß die Konvention einzig das bedeuten wcrde, was sic sagt, nkmlich, daß sich Italien verpflichtet, auf alle Gewaltmittel (m»)^n« vis>I«nw) zu verzichten.
Amerikanische Blätter bringen folgende Nachrichten auS Mexiko: Die Reise dcS Kaisers wurde durch ein Halsleiden Sr. Majestät unterbrochen, das aber keine Folgen hatte. Er setzte seine Ncisc nach Leon fort, wo Uraga ihm große Festlichkeiten bereitet. Mau glaubt, Se. Majestät werde die Reise bis nach San Louis ausdehnen, cine Stadt, welche huudcrt» fimfundzwauzig Meilen uon Mexiko entfernt ist. Dcr Kaiser befand sich, wie mau weiß, am Tage dcr Unabhängigleitöfeicr in Dolores, wo einst dcr Pfarrer Hidalgo den ersten Ruf znm Kriege crhob, welcher die mexikanische Nationalität von dem spanischen Joche befreite. Se. Majestät sprach bei diesem Anlasse fol« gcndc Worte:
„Mexikaner! Mehr als ein halbes Jahrhundert ist unter politischen Stürmen vergangen seit dem Tage, wo aus diesem Hanse und aus dem Herzen eines bescheidenen Greises der Ruf nach Unabhängigkeit erhoben wurde, welcher mit Blitzcsschncllig-lcit von einem Ozean zum andern in dcr ganzen Ausdehnung von Anahuac ausbrach und die Slla« verci nnd den Despotismus mehrerer Iahrhuuderte veruichtcu sollte. Dieser Ruf, welcher in dcr Nacht gleich einem Blitze anöbrach, zog eine ganze Nation aus dem Schlafe, in welchen sie versunken war, und rief sie zur Freiheit und Emanzipation. Allein Alles, was groß ist, Allcs, was Daucr haben soll, wird schwer vollendet; daS ist das Werk dcr Zeit. Jahre voll Leidenschaften, KämpfenS und Ringens sind aufeinander gefolgt. Die Idee dcr Unabhängigkeit war geboren, aber die Motive sah sie noch nicht. Brüder warcn gcgcu Brüder gc-waffnct, Parteihaß drohte Alles zn untergraben, was die Helden unseres schönen Vaterlandes gc» schaffen hatten. Die dreifarbige Fahne, dieses herrliche Symbol unserer Siege, ließ sich von cincr einzigen Farbe, die des Blutes, verdrängen. Endlich kam von, Ozcan herüber eine großherzige Hilfe mit dem Symbole einer glorreichen drcifar« bigcil Fahne, ein Adler kam, um dem andern den Wcg dcr Mäßigung und dcr Gesetzlichkeit zu zeige». Nunmehr soll sich dcr vom Hidalgo an diesem Orte gelegte Keim siegreich entfalten. Lasset unS die Unabhängigkeit nnd die Einigkeit unversehrt wahren und die Zukunft ist unser. Ein Volk, daS mit dem Schntzc und dem Segen Gottes seine Unabhängigkeit auf Freiheit nnd Gesetz gründet und nnr einen uud denselben Willen hat, ist nn« besiegbar uud kann stolz das Haupt erheben. Uuscr Adler wankte bei seinem crslcn Aüfschwunnr, j>.'tzt abcr, wo cr in dic Bahu gelangt uud ülicr den Abgrund weggesetzt ist, schwingt cr sich mit mächtigem Fluge cmpor uud erdrückt cr in seinen ehernen Klanen die Schlange dcr Zwietracht. In dem Augenblicke abcr, wo unser Vaterland aus den Ruinen emporsteigt, um stolz und mächtig den ihm in dcr Wclt gebührenden Rang einzunehmen, dür-fcu wir dcr deulwürdigeu Epoche unserer Unabhängigkeit und der Männer, welchen wir die 6r< ringung derselben verdanken, nicht vergessen. -^ Mexikaner, cS lebe die Unabhängigkeit! es lebe das Andenken ihrer Helden!"
Diese Worte fanden liustimmia/u Widerhall in dcr Menge, welche dic historische Ächausuna umstand, die ,cr Musilfrcnndcu uicht weniger als vier und dreißig große Eoncerte biete». Hcrz was begehrst Du uichr. Welch' cinc Lust, ciu Musitrcfcrcut zu sein! Mau ficht aus dieser uur in wenigen Worten umrisscücu Perspektive unserer bevorstehenden mnsitalischcn Etagionc, dasi dic Be» richtcl'stattcr unscrcr Journale glc,ch dem Mohren dcS „Ficsco" sagcu touncu: unsere Ohren haben nllc Hände voll zu thun.
Unsere Bühnen, nämlich die Hosbühncn, habcu dcu Hcrbstfcldzllg nicht allzuglncklich cröffnct. Zcdlitz's cinsl so gefeiertes „Waldfränlcin" hat in scincr ncucn Hictaiuorphose, als Tanzpoöm, schou am crslcu Abcudc ein frühes Grab gcfnndcn. Ein Unglück für daS arme „Waldfränlciu", daö uicht uur iu der Dichtung fürstlicher Abknnft war, mau nennt nämlich als Vcr-fasscrin dcs Tnuzpoi,'m dic gcist. uud pocsicvollc Für-stiu Aucrspcrg, cin Unglück für das arme „Wald. frälilciu" war es, daß scine Wiege allzu hart au dcr Schwelle dcr „Pariser Karueval'Abcutcner" uud der „Kaminfeger" stand. Der Gegensatz, welcher zwischen dcm gclanztcn Realismus dicscS GcurcS uud einem dlifligcu Mährchcn lag, war ein zn greller. DaS Pnblilnm vermochte dcr ncucn, wcnu auch cdlcrcu Galtnug uicht gcrccht zu werden. Eine Mit-gift vou mehr als zwölflauscud Gulden, welche die
sonst so mächtige Fcc Ausstattung, dem „Waldfräu. lein" mit anf den Weg gab, vermochte das arme Kind vor bcr schweigenden Ablehnung von Seite des Pllblitumö und dcr fast zu schreienden Zurückweisung vou Scitc dcr Kritik uicht zu retten, d'.e Mitgift war uud blieb — vcrschwcudct.
Dic crstcn Novitäten dcS HosburgthealcrS waren HicronymnS Lorm's „Forsthans" nnd Paul Hcysc'S „Hans Lange." Lorm uud Hcyse hallen sich im Stoffe vergriffen. Lorm brachte cincn Novcllcnstoff, Hcysc cincn Romanstoff iu Dramcnform. DaS Piiblilüin dcS crstcn AbcndeS verhielt sich grncn dnS „Forsthaus" suwic ycacil „HanS Lauge" schließlich ablehnend. Dcr Wicncr Witz faßte dic Kritik beider Stücke iu cin Bonmot: dcr „Haus Lauge" habe sich auS Anlaß dcr unfrcundllchcu Temperatur auf daS „ForslhauS" zilrückgrzogcn. Durch ciuc allzu wohl« wollende, dcm (^»rit du «oi-^ dcr hicsigcu litcra-rischcu Welt jcdoch alle Ehre machcudc Nrllame suchte man „ForsthauS" uud „Hans Lange" dcm Ncpcrtoir zu erhalten. Hcyse unterstützte diese wohlwollende Intention sogar durch ciue opfcrmuihiac Ampntatiou dcS fünften AltcS fcincS Drama'S Ein langcs Lcbcn ist jcdoch auch fo dicfcn aalvanisirten dramatischen Lcichcu uicht zu Proguostiürcu 5« l^< ln.u Mcycr „Hcrzog Albrecht", rette Aaue« !»,. naucr" folgcu. Wcilcu's „Edda" w l^. 3 ^ in Vrcslau einc,l Erfolg c rau7 '^ ^ "nslwe.en iu Aussicht stche.,. ° °"^ ^ mm ebenfalls
Verantwortlicher Redakteur: Ignaz v. Kleinmayr. Druck und Verlag von Ignaz v. Kleinmayr sk Fedor Vamberg in Laibach?^
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l3Ül'!^Il!ll'l'Il^^ Staatsfond« und die Übrigen verzinalichen Gattungen um eine Kleimgleit billiger, ebm so l.'esc Nllch Industriepapicrc lüld Eisenbahn«Nctien büßten zum Theil UM Wien ' '^' ^'^ ^ ^ ""' Dampsschiff-Actim aber hoben s,ch um 3 fl. und böhmische Westbahn-Alticn um 1 fl. Wechsel auf fremde Plätze und Comptanten zogen lnn '/,« bis
den ^5. ^ttobcr. ^,»'/. °n. G^d aboudant. Umsah ohne Belang.
H5esse»tliche Tckulv.
^. dt, Ktuatt» (für 1U0 st.)
l»eld Wc,a7,
^n oNerr, Wäkrunq . zu 5'/. «!;.75, 60 90
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Silber-Aülchcn von 18^1 . . 87.— 87lt<»
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