Wahlspruch: Was mir begehren von der Zukunft Fernen: Das; Brot und Arbeit uns gerüstet stehen, Das; unsere Kinder in der Schule lernen, Und unsere Greise nicht mehr betteln gehen. Herwegh. m TelMon Nr. 2323. Der EcheükonLo 38.415. Nsenbahner ZenLralorgan des Oesterreichischen Eisenbahn-Personales. Nedattion: Men V/i, ZenLagaffe Nr. 5. Vedaktlonsschlutz: Zwei Tage vor dem Erscheinen de» Vlattes. Sprechstunden sind jeden Tag mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage von 10 Uhr vormittags bis V,4 Uhr nachmittags. Insertionspreis: Die zweimal gespaltene Nonpareillezeile oder deren Raum 40 Heller. Bei Iahresauftrag Rabatt. Abonnements-Bedingungen: Halbjährlich...............................Kr. 2-88 Ganzjährlich................................. 576 Für das Deutsche SReid) ganzjährlich Ml>. 6-—. Für da» übrige Ausland ganzjährlich 9 Franken. Erscheint jeden 1., 10. und 20. im Monat. HHKSWSS« Nr. 14. Wien, dev 10. Mi 19. Saltg. Wichtig HH für die Wahlagitation! In einigen Tagen gelangt durch die Wiener Volksbnchhandlnna Ignaz Brand u. KomP., Wien, VI., G «ttt p e u-dorfer strafe 18, zur Ausgabe: 44 t9 Die Feinde der MsevsMer. GesaMmelte Dokumente und Beweisstücke. Von Franz Lill. Die Broschüre, die ein für die Eisenbahner bestimmtes Heft der sozialdemokratischen Werbeschriften zum Wahlkampf bildet, enthält in schlagender Kürze alle Taten der bürgerlichen Parteien, die auf die Eisenbahner und dereu Bewegung Bezug haben. Die kleine Schrift, deren billiger Preis — 6 Heller per Einzelexemplar — eine Masseuverbrei-tuug ermöglicht, ist ein Orientieruugs-büchlein für die Wahlen und ein wertvoller Agitationsbehelf im Kampfe mit unseren Gegnern. MnSchner, Genossen! Macht enre Be-stMnngen sofort! SetreiteioB «el S«de«preise. Von Friedrich L i ft, einem Manne, der weit davon entfernt ist, ans den Schutzzoll völlig zu verzichten, stammt das Wort, daß cs ein törichtes Beginnen sei, die Land,virtschast durch Schutzzölle heben zu wollen. Bei der hohen Bedeutung, die heute bei uns die Getreidezölle schon mit Rücksicht auf die fortschreitende Verteuerung aller Lebensmittel entnehmen, ist es vielleicht nicht ganz ohne Interesse, gerade jetzt an die Worte des berühmten deutschen Nationalökonomen zu erinnern. Denn daß die Preise des Brotgetreides sehr wesentlich davon abhüngen, unter welchen Bedingungen °ie Zufuhr des Getreides aus dem Ausland erfolgt, eine so offenkundige Tatsache, die heute nur schwer Q113ufechten ist. Hat uns aber schon der Ausweis über Unsere Handelsbilanz im verflossenen Jahre mit aller Schärfe gezeigt, wie uns die gesteigerte Einfuhr an ^rotgetreide an das Ausland verpflichtet, so zeigen die bisherigen MonatSauZweise über unsere Handelsbeziehungen neuerdings, daß sich auch im neuen Jahr unsere Handelsbilanz eher schlechter als besser gestaltet. ist also kein Zweifel, daß die neuen Zölle, die uns °tc agrarische Mehrheit des alten Knricuparlamersts Äschert hat, die Bevölkerung auch weiterhin zwingen, ”tc Wucherpreise zu bezahlen, bei denen wir in der ätzten Heit angelanat sind. Die Tatsache, oaß das Anziehen der Preissckiraube Unter der heuchlerischen Devise „Schutz der Landwirtschaft" erfolgte, ist aber verlockend, die Frage zu prüfen, ?? in der Tat der Zoll auf Getreide, wenigstens in ?^.ser Richtung, der Landwirtschaft nützt. Tatsache ist, 2,ap heute infolge des Umstandes, daß uns der moderne ^erkehr bis dahin ungekannte Gegenden und Länder mr den Getreidebau erschlossen hat, die Produktion an Getreide .ganz gewaltig gestiegen ist. Nach den Ziffern, n-LUn8 uuser k. k. Ackerbauministerium an die Hand flwt entwickelte sich die Getreideproduktion der Welt « dem Zeitraum 1878/82 bis zum Jahre 1899 im Aerhältnis 100:130, während die Bevölkerung nur £ Verhältnis 100 : 124 zunahm. Die Folge davon ac ein Fallen der Weltmarktpreise, sodaß man in steigendem Maße die Forderung nach Schutzzöllen erhob. Seit dieser Heit sind die Agrarzölle in Deutschland und Oesterreich unausgesetzt hinaufgesetzt worden und noch immer kommt diese Bewegung nicht zur Ruhe. Wie kommt es also, daß unsere Laudwirtschaft noch immer nicht so billig wie die der auswärtigen Getreideländer produziert? An dein mangelnden Schutz liegt es doch gewiß nicht. Lujo Brentano, der berühmte Nationalökonom, geheimer Hofrat und ordentlicher Professor an der Universität in München, findet die Antwort auf diese Frage in der Verschiedenheit des Bodenwertes. Der Bodenwert ist in den Getreide exportierenden Ländern weit niedriger als etwa in Deutschland und folglich auch in Oesterreich. So beträgt der Durchschnittspreis per Desjäüne Land in den russischen Gouvernements, die am meisten an dem Getreideexport beteiligt sind, in Ufa 14-26 Rubel, in Orenburg 15'08 Rubel, im Zantgebiet 26*03 Rubel und steigt in den übrigen Gouvernements bis auf 107'23 Rubel in Bessarabien und 121*70 Rubel in KurSk» In Amerika betrug nach der amtlicken Statistik von 1891 der Durchschnittspreis des Acre Land in den Staaten, welche Ueber-fchüfse über den eigenen Getreidebedarf produzieren, in den Achtzigerjahren zwischen 5*89 Dollars in Dakota und 31*87 Dollars in Illinois. Es kostet also in Rußland heute der Hektar zwischen 28 und 240 Mark, es kostetete in Nordamerika in den Achtzigerjahren der Hektar zwischen 72 in Dakota und 384 Mk. in Illinois. In Argentinien kostet der Hektar guten Landes, bequem an einer Eisenbahnstation oder innerhalb dreißig Wegstunden im Umkreis einer Hafenstadt gelegen, 60 Mt. Für Deutschland führt nun Brentano als Gegensatz dazu an, daß bis Ende 1899 der Hektar Land im Durchschnitt 662 Mk. kostete. Im Jahre 1908 stieg der Bodenpreis fogar per Hektar auf 900 bis 1660 Mk. Dieser Bodenpreis, der also bei uns ähnlich wie in Deutschland vorhanden ist, ist nach Brentano die Ursache, weshalb unsere Landwirtschaft mit der von Rußland oder Amerika nicht konkurrieren kann. Nach Brentano ist es also die Wirkung des Getreidezolles, daß er die Ursache steigert, in welcher der Mangel an Konkurrenzfähigkeit wurzelt und diesen, statt zu seiner Beseitigung zu führen, auf die Dauer erhöht. Und so fagt Brentano mit Recht: „Da der Getreidezoll das Verhältnis des Bodenertrages zum Lodenwert nicht verändert, bleibt der Getreidebau nach wie vor unrentabel". Danach steht also die Sache so, daß der kleine Landwirt, der mit Mühe und Plage sein Stück Land bebaut, vom Getreidezoll gar keinen Nutzen besitzt. Dafür freilich aber wird durch den Zollschutz der Bodenpreis erhöht, was allerdings Vorteile für den großen Grundmagnaten bietet. Wie sehr auch diese Ausfaßung die hier ein bürgerlicher Nationalökonom und Geheimer preußischer Hofrat vertritt, mit der Wirklichkeit übereinstimmt, zeigt übrigens am besten die Tatsache, daß, wie vor einiger Zeit in den preußischen Jahrbüchern festgestellt worden war, der Verkaufspreis mehrerer preußischer Rittergüter ganz bedeutend gestiegen war, was mit den letzten agrarischen Zoll-erhöhtmgen zusammenhängt. So erweist sich also der Agrarzoll für den Zweck, dem er angeblich dienen soll, nicht nur als nutzlos, er schadet auch für die breiten Massen der Konsumenten in zweifelhafter Art; einmal indem er die Preise der Lebensmittel verteuert, anderseits aber auch, indem er dem Bodenwucher Vorschub leistet. So wird also der Getreidezoll, indem er gleichsam eine Prämie auf den Bodenwucher darstellt, zu gleicher Zeit zu einer Ursache der Wohnungspreissteigerung, die naturgemäß mit der steigenden Bodenrente zusammenhängt. Der Getreidezoll ist also ein furchtbares Uebel, das auf den breiten Volksmassen lastet und ein Staat betreibt den Ruin seiner eigenen Volkswirtschaft, der sich davon nicht energisch zu befreien wagt! Daß der Zoll um dieselbe Quote der Preissteigerung, die bei dem zollgeschützten Artikel Eintritt, zugleich die Wirkung h«ben muß, bei einem anderen Konsumgegenstand einen Rückgang im Verbrauch zu verursachen, hat uils Brentano ebenfalls in den genannten Darlegungen gezeigt*). Sobald nämlich der Konsument für Brot eine höhere Summe als sonst verausgabt, fehlt ihm diese eben für die Verwendung' auf anderweitige Mittel der Bedürfnisbefriedigung,, so daß wir es bei den Folgen nicht nur mit einer direkten Unterbindung des Außenhandels zu tun haben, sondern auch mit dem mangelnden Absatz im Inland selbst. So läßt sich also für den Getreidezoll wohl schwer ein Argument finden, das feine Notwendigkeit: dartut. Volkswirtschaftlich genommen, führt er ungeheure Nachteile für die Gesamtheit im Gefolge, während er dein Getreidebau dort, wo derselbe wirklich die Konkurrenz nicht verträgt, nicht nur nicht hilft;! sondern neuerlich nur die Ursachen der Unrentabilität1 steigert. DaS sind also gewichtige Gründe, die Be-> achtnng heischen und die mit zwingender Logik für die' Beseitigung einer Einrichtung sprechen, die, eines der wichtigsten Grnndübel des modernen Kapitalismus^ den steigenden Bodenwucher, zusehends vergrößern. In dem gegenwärtigen Wahlkampf wird matt auch diese' Tatsachen nicht' vergessen dürfen. In den HattdclS-' Verträgen, die das neue Parlament zu beraten haben wird, muß die Frage entschieden werden, ob wir dje bisherigen hohen Agrarzölle, die den kleines Landwirt ebenso wie die breite Mafs> d e r Konsumenten belaste n, auch noch weiterhin ertragen sollen. Jede Stimme für die Sozialdemokratie wird einen Protest bedeuten gegen die von den Deutfchnationalen nnd Christlich-fozialen so warm verteidigten aqrari-^ scheu Wucherzölle! Fr. L. ' W» sind die Stmagesee? Bürgerliche Blätter sowohl als auch bürgerliche Abgeordnete pflegen die Vorschläge der sozialdemokratischen Partei gegen die Teuerung als „demagogische" Anträge zu bezeichnen, um so ihr Verhalten diesen. Anträgen gegenüber, ihren V e r r a t a n d e n V o l k s-int er essen zu bemänteln und zu beschönigen. De-l magogifch ist ein Antrag dann, wenn er zwar vorschützt, bestehende Uebelstände zu bekämpfen, aber zu! diesem Zweck entweder gar keine Mittel anzugeben sich bemüht oder Mittel in Vorschlag bringt, die nicht ernst genommen werden können; demagogisch war zum Beispiel der Dringlichkeitsantrag des Deutschradikalen Kraus, welcher am 17. Oktober 1907 verlangte, die Regierung solle unverzüglich mit den Kohlenbergwerks-besitzern Böhmens Verhandlungen wegen Erwerbung der Bergwerke durch den Staat einleiten und „über daS Ergebnis der Verhandlungen innerhalb acht Tagen dem Abgeordnetenhause Bericht erstatten". (Stenographisches Protokoll, Seite 1893.) Denn innerhalb acht Tagen können derlei Verhandlungen unmöglich zu irgend einem Abschlüsse führen; demagogisch war drr Dringlichkeitsantrag des Tschechisch-radikalen K l o f a c, welcher wünschte, daß die Regierung die Ursachen der Teuerung untersuche und zur Beseitigung dieses Hebels entsprechende Gesetzvorlagen einbringe; denn die Ursachen der Teuerung sind beiannt und der Ruf nach Gesetzesvorlcigen hat nur dann einen Sinn, wenn gleichzeitig der Regierung feste Direktiven gegeben werden, in welcher Richtung sich die einzubringenden Vorlagen bewegen sollen. N i ch t demagogisch aber waren die Anträge, welche von sozialdemokratischer Seite gegen die Teuerung! eingebracht worden waren, denn sie schlugen Mittel vor, welche nicht nur als wirksam, sondern auch als durchführbar bezeichnet werden müssen. Greisen wir zunächst ans der Gesamtheit der! Vorschläge jene Anträge heraus, welche von unseren Parteigenossen Schrammel, Dr. Renner, H a-nus ch, David, Seitz und R eum ann gestellt *) Lujo Brentano: .FrerhandelSarguniente". Vortrag im Münchner „Verein sozialistischer ©tubenten'. Der „Eisenbahner" erscheint in einer Auflage von 4S.0V0 Exemplaren. nsr. worden sind, um der Fleischnot zu steuern, die sich in den letzten Tagen fast überall geradezu unerträglich verschärft hat. In diese» Anträgen wurde verlangt: Quantitativ und zeitlich unbeschränkte Einfuhr von übcrseeischein Fleisch; zeitweilige Aufhebung des Fletschzolles, welcher per Kilogramm 30 H. beträgt; Oeffnung der Grenzen für Fletsch ans Russland und den Balkanstaatcn; solange dies nicht ohne Gefährdung der heimischen Viehbestände geschehen könne: Errichtung unter strenger tierärztlicher Ileberwachung stehender staatlicher Schlachthäuser an !der Grenze; Ausschaltung des Zwischenhandels dadurch, (daß das eingeführte Fleisch an städtische oder unter idcr Kontrolle der Gemeinden stehende Großschlächtercien innd an Konsumvereine abgegeben werde: Festsetzung (von Maximaltarisen für Lebensmittel durch die politischen Lgndesbchörden auf Grund des § 51 Gewerbe-sordnung. Kann angesichts dieser Anträge wirklich behauptet werden, daß sie „demagogisch" seien? Hm, könnte vielleicht eingeweudet werden, man hat ja eurem Drängen schließlich nachgegeben, man hat manches, das man zuerst als Demagogie bezcichnctc, loewilligt, wenn auch nach jahrelangem Ringen. Es wurden die Handelsverträge mit Serbien, mit Rumänien -abgeschlossen, es wurden Grcnzschlachthäuscr errichtet, es wurde argentinisches Fleisch eiugeführt. Es wurde also manches von dem zugestanden, was ihr verlangt habt. Wurde aber das Fleisch billiger? Stieg nicht im I(Segenteil erst vor etlichen Tagen der Preis des Fleisches 'ungeachtet aller über euren Wunsch unternommenen Schritte? Also müssen eure Anträge im Grunde doch demagogischer Art gewesen sein, weil sie in der Praxis sich als wirkungslos erwiesen haben. Fehlgeschossen I Die gewünschte Wirkung ist aus-lgeblieben, n i ch t ,v e i l u n s e r e A n t r ä g e s ch l e ch t wäre n, nein, weil man sie n u r i tr m a ß l o s v cr si ü nt in c 11 cr Form indie Tat u nt fetzt e. Die Bevölkerung Oesterreichs ist hinsichtlich des Fleischgcnusses unendlich bescheiden. Sogar der christlich-soziale Ackcrbauministcr E b e n h o ch konstatierte, daß, während in England per Kopf jährlich 53 Kilo- gramm, Frankreich 36 .Kilogramm verzehrt werden, wir uns in O e st e r r e i ch mit 22 5 Kilogramm Fleisch per Kopf und Jahr begnügen. ^Stenographisches Protokoll des Abgeordnetenhauses (1907, Seite 2591.) Diese unendlich geringe Ziffer, welche Zeugnis legt von der gr a tt f a tit ft c u Unterernährung der großen Volksmassen dieses Staates, bringt es mit sich, daß in Oester-rcich-llngarn in den Jahren 1901 bis 1905 jährlich nur durchschnittlich 2,185.787 Rinder und 4,226.537 Schweine in öffentlichen Schlachthäusern geschlachtet wurden. Eine beschämend kleine Zahl gegenüber dem (Verbrauche anderer Staaten; und dennoch eine Riesen-Zahl gegenüber den winzigen Viehmengen, welche die Agrarische "Mehrheit des Abgeordnetenhauses und ihre bürgerlichen städtischen Bundesgenossen aus Serbien und Rumänien herüberzttlassen für gut befunden haben. Was bedeuten 25.000 rumänische und serbische Rinder, die wir im ersten Jahre kaufen dürfen, gegenüber den 2,185.787 Rindern, die in unseren Schlachthäusern geschlachtet werden, was sind 100.000 serbische und rumänische Schweine, die man uns gütigst erwerben läßt, gegenüben den 4,226.537 Schweinen, die wir jährlich brauchen! Die zugelassene Zufuhr ist so klein, daß sie unmöglich auf die Fleischpreise einwirken kann. Aber auch diese überaus bescheidenen Handelsverträge konnten nur im heftigen Kampfe mit den Agrariern und zum Teil auch mit den freiheitlichen Städtevertretern errungen werden. Am 31. März 1909 lief der Handelsvertrag mit Serbien ab. Die Regierungsvorlage enthielt keine Ermächtigung, den Vertrag 'zu erneuern. Es sollte daher mit 31. März 1909 ein vertragsloser Zustand zwischen Oesterreich und Serbien eintreten, zum großen Schaden nicht nur der Konsumenten, sondern auch der Industrie. Ein Abgeordneter unserer Partei, Seitz, griff im Volkswirtschaftlichen Ausschüsse entschieden ein und verlangte, daß die Regierung bevollmächtigt werde, den Handelsvertrag mit Serbien zu erneuern oder eilten besseren Vertrag ab-zuschlicßen. Der christlichfftziale Handclsminister Weiskirchner erklärte sich damit einverstanden und der Ausschuß nahm den Antrag Seitz an. Im Plenum aber stellte der christlichsoziale Abgeordnete Dr. Mayr den Antrag, es solle die Regierung nicht zum Abschluß eines Handelsvertrages, sondern bloß zum Abschluß eines „Meistbegünstigungsvertragcs" mit Serbien bevollmächtigt werden, und nicht bloß der christlichsoziale Handelsminister, sondern auch der deutschsreiheit-liche Referent des Ausschusses, Dr. Licht, knickten vordem Kommando der Agrier ein. Der Antrag Doktor Mayrs wurde trotz der Bemühungen der Abgeordneten unserer Partei angenommen, mit den Agrariern' stimmten — es war am 26. März 1909 — auch d i e bürgerlichen St ä d t e v e r t r e t e r, von den Christlichsoziale» bis zu d en Deutschradikalen, und gaben so die Interessen der Konsumenten und der Industrie den Teuerungspatrioten preis. Erst im Jänner 1911 trat ein neuer Handelsvertrag mit Serbien in Kraft, ein Vertrags der viel schlechter war als der vom Jahre 1908: im Jahre 1908 waren noch 35.000 Rinder und 70.000 Schweine aus Serbien zugelaffeu, im Jahre 1911 nur mehr 15.000 Rinder und 50.000 Schweine. Ja, wir haben Handelsverträge; und unsere bürgerlichen Städtevertreter haben schließlich auch n o t-gedrungen mit unserer Partei stimmen müssen, da sie sonst hiniveggefegtword en w ä ren von ilprem Wählern. Sie sind aber mitschuldig daran, daß etwas geschaffen wurde, was von Anfang an das Kainszeichen der Unfruchtbarkeit an der Stirne trug, was nur als B l e n d w e r k gegenüber dep Konsumenten dienen sollte. Ist es ni Öffentlichkeit, um gegen die Gefahr der sozialpolitischen Forderungen und der Nachgiebigkeit des Parlaments feierlich Protest zu erheben. Das alles gibt den Wahlen einen noch schärfer aus-, geprägten Klassencharakter. Einerseits die Klali-tion »der wneigstens das Zusammenarbeiten der bürgerlichen Parteien, anderseits dasVorgehen derJndustriellen-organisationen und der Industriellen; mit größeren Klarheit können die politischen Tatsachen nicht mehr zur Arbeiterschaft sprechen. Es wäre zu wünschen, daß. die Arboiterschaft, besonders die gewerkschaftlich organisierte, die Sprache gut verstünde. Sie hat ja gesehen, sie hat es ja verfolgt,, toaS sich vorbereitet, was sich vollzogen hat. Der erbitterte, Kampf zwischen Abgeordnetenhaus und ^ Herrenhaus^ selbst um den untergeordnetsten Fortschritt, die verbissene Gegnerschaft der Unternehmersöldner im früheren; Parlament gegen noch so geringe Maßnahmen zum Wohle der Arbeiterklasse. Das waren, wie sich jetzt zeigt,, nur die ■ Voranzeigen späterer, kommender Kämpfe außerhalb des Parlaments. Der Kontraktbruchpara^ graph, das Arbeitsbuch, die Verschiebung des gesetzlichem Verbotes der industriellen Nachtarbeit der Frauen, ders Arbeitszeitantrag der sozialdemokratischen Abgeord-; neten und das Auftreten der bürgerlichen Abgeordnetem dagegen: das alles darf und kann nicht vergessen werden« jetzt, da die Unternehmer direkt in den Wahlkampf ein* treten. . , Und nun halte man zu diesen Erfahrungen aus dem ersten Volksparlament, in dem die „Industrie keine Vertreter hatte," _ die Tatsache, daß die Itnter* nehmerorganisationen mit aller Kraft rüsten und ihre ganze ungeheure wirtschaftliche Macht in den Dienst dey Wahlagitation stellen. Daraus, müssen die Arbeiter überall die Lehre ziehen, daß die größte A n s P a n-> nung aller Kräfte ein Gebot der Selbste ach t u n g und der SeIb sterh a l tu n g ist. Das Vorgehen der Unternehmerschaft ist aber auch' unrichtig. Die Hauptübel, warum die Industrie Schwierigkeiten auf ihrem Wege findet, liegt in den? hohen Steuern, die eilte Folge der wahnsinnigen Riii stungen sind, und in der verkehrten Wirtschaftspolitik, Wir dürfen uns natürlich nicht der Illusion hingeben, daß die Unternehmer, deren Brüder aus den Rüstungen Reichtümer schöpfen, gegen die Rüstungen protestieren werden. Aber gegen den agrarischen Uebermut sollte man von diefer Seite denn doch einen Kampf erwarten dürfen. Aber statt dessen erklärt man die Arbeiterschaft für den Feind, der bekämpft werden mutz. Die letzte-Volkszählung hat ergeben, daß nunmehr in Oesterreich nicht mehr ganz die Hälfte der Bevölkerung in Ge* meinden mit weniger als 2000 Einwohnern wohnt. Man; kann füglich annehmen, daß dies auch beiläufig das Per-, hältnis zwischen agrarischer und industrieller Bevölke-j rung ist. Der Anteil der größeren Gemeinden ist im steten Wachsen; bei den letzten vier Zählungen war der) Prozentsatz folgender: 61-6 Prozent, 58 Prozent, im Jahre 1900 nur mehr 53-6 Prozent und jetzt 49-9 Prozent der ganzen Bevölkerung. Das zeigt die Entwicklung Oesterreichs deutlich an. Die Industriellen sollten eigent«; lieh diese Entwicklung ganz anders unterstützen, als! indem sie den sozialen Aufstieg der Arbeiterklasse hindern.. So aber wird die Arbeiterklasse auch mit ihnen den) politischen Kampf ruhig, ja freudig ausnehmen und ihm siegreich zu Ende führen. Der 13. Juni wird ein neuer! Ehren- und Freudentag für die Arbeiterschaft werden.'! IienftmsöhigM, Iienftmtmglich-teit md EMerbrimWigM. Im Leben eines Eisenbahners begegnen wir deN öfteren diesen drei Begriffen, und so mancher Bedienstete, der noch in jungen Jahren, sei es durch .Krankheit, Unfall oder dergleichen in den Ruhestand versetzt wird, begreift cs kaum, daß man ihn, der noch irgendwelchen Dienst — und sei es auch ein leichterer — leisten könnte/ m.fü-an W I i J ' ■■ vorzeitig tn die Pension schickt. Diese drei Begriffe sind in jbert Statuten des Provisionsfonds der k. k. Staats-Dahnen, der Krankenkasse, dein UnfallvcrsichcrungZgesetz »und der Dienstordnung präzisiert. ( ^ Nach § 12 des Provisionsfonds der k. k. Oester* rreichischen Staatsbahnen beginnt der Anspruch auf Provision schon nach fünf Jahren, wenn das Mitglied Infolge einer Krankheit oder infolge einer von ihm nicht jabsichtlich herbeigeführten körperlichen Beschädigung Dien st Unfähig geworden ist. Noch § 14 der Statuten beginnt der Anspruch auf Provision, wenn das Mitglied, welches infolge eines in Ausübung des Dienstes erlitte-'Uen Unfalles dien st u n tauglich geworden ist auch »dann, wenn das Mitglied noch nicht fiittf Tcilnahms-äahrc am Provisionsinstitut zurückgelegt hat. Der § 6 des Unfallversicherungsgesetzes vom 28. Dezember 1887, N.-G.-Bl. Nr. 1 und § 36 der Statuten der berufsgenossenschaftlichen Unfallversicherungs-onstalt der österreichischen Eisenbahnen setzt bei einge-■tretener Erwerbsunfähigkeit den Anspruch auf eine Unfallsrente fest. Nach § 130 der Dienstordnung der k. k. StaatS-Sahnen kann der Bedienstete in Ruhestand treten, wenn er durch ein körperliches oder geistiges Gebrechen zur Ausübung seiner Dienstespflichten unfähig wird. ^ Es entsteht nun die Frage, ob es sich hier um übereinstimmende oder um verschiedene Begriffe handelt und im letzteren Falle, wo die Grenzen der Bedeutung dieser Begriffe zu suchen sind. Zu diesem Zwecke wollen wir den Begriff: Invalidität im Sinne der Provisionsstatuten als eine kompliziertere Erscheinung untersuchen und dabei auf die Unterschiede gegenüber den in den beiden anderen Gebieten der sozialen Versicherung vorkommenden Beigriffe Hinweisen. Nach den bei den f. k. österreichischen Staatsbahnen giltigen Normen unterscheidet man erstens die faktische und zweitens die p r ä s u m t i v e I n v a l i d i t ä t. Die !f a k t i sch e Invalidität ist mit der sogenannten Dienstuntauglichkeit gleich, die aber nicht mit der Erwerbsunfähigkeit ini Sinne des Arbeiter-Hnfallversicheruugs-gesetzes identifiziert werden darf. Als invalid im Sinne der sozialen Wissenschaft gilt derjenige, bei dem .vorausgesetzt werden kann, daß er infolge AlterS, Krankheit oder anderer Gebrechen zur Ausübung der seiner Kraft und seinen Fähigkeiten entsprechenden ErwerbSar-teit untauglich ist. Je nachdem, ob die Hoffnung besteht, Laß sein Zustand sich bessert oder nicht, uutrscheiden wir auf eine vorübergehende oder dauernde Invalidität. Eine Unterscheidung einer teilweiseit oder dauernden 'gänzlichen Invalidität hat insoserne keinen Sinn, als es sich um Diensttauglichkeit zu jenem Eisenbahndienste handelt, welche der Bedienstete bis jetzt ausgeübt hat. Wollte man aber die Dieustuntauglichkeit zu irgendeinem Zweige des Eisenbahndienstes beurteilen, könnte man diese Untauglichkeit zu dem bisher geleisteten Dienste, bei gleichzeitiger Tauglichkeit zu einem anderen Zweige des Eisenbahndienstes als eine teilweise Invalidität bezeichnen. Besteht aber eine, solche Invalidität nicht, sondern befindet sich der Eisenbahnbedien-ftetc in einem so hohen Alter, daß bei normalem Lebenslaufe seine volle Leistungsfähigkeit nicht vorausgesetzt werden kann, so muß die präsumtive Invalidität üugenommcn werden. Diese Präsumtion ist, wie bekannt, die Ursache, warum bei den k. k. österreichischen Staatsbahnen mit der Vollendung des 65. Lebensjahres die Möglichkeit vorhanden ist, den Bediensteten in Ruhestand zn versetzen. Ein solcher Bediensteter wird als präsumtiv invalid bezeichnet. Wenn in einem solchen Falle der Anspruch auf die Zahlung einer Pension oder Provision erhoben werden kann, so ist der Ausdruck über die Altersversicherung, respektive Versorgung, ein unrichtiger.*) Die Altersversicherung in diesem Sinne war ursprünglich bei den Eisenbahnen nicht bekannt. Der Anspruch auf Pensionsgenuß war au die Voraussetzung der physischen ober geistigen Untauglichkeit zur Dienstcs-ausübung gebunden. In Konsequenz dieser Tatsache wurde tu der ersten Zeit nicht einmal die Altersgrenze festgesetzt, mit deren Erreichung die präsumtive Invalidität verbunden werden könnte. Im Gegenteil mußte die Dienstuntanglichkeit immer nachgewiesen werden, und zwar vornehmlich durch zwei Sachverständige. (§ 5, Pensionsuonnale K. F. N. B. vom Jahre 1844 — „Kunstverständige" — § 4, Pensionsbestimmungen der k. k. privilegierten Wien-Gloggnitzer Bahn vom Jahre 1846.) Das, waS durch das PeusionSnormalc der K. F. N. B. vom Jahre 1816 im § 6 festgesetzt wurde, daß dem nach LSjähriger „treuer und ersprießlicher" Dienstleistung in den Ruhestand abgehenden Beamten und Diener eine Pension gewährt wird, konnte nicht als eine Entschädigung für die physische Untauglichkeit angesehen werden, weil diese Bestimmung nicht den Stempel einer präsumtiven Invalidität an sich trug, sondern vielmehr als eine Belohnung für treue Dienste angesehen werden mußte. Nicht das Alter s e lb st, sondern eventuell nur d i e Folgen des Alters waren immer die Ursache der Versetzung in den Ruhestand. An diesem Prinzip hat sich auch nichts.geändert, vls im Jahre 1851**) bei der K. F. N. B. nach einem Vom selben Standpunkt, daß nämlich der Ruhegeuuß durch die Invalidität ohne Rücksicht ans das Dienstalter und das Lebensalter der Bediensteten legitimiert wird, standen auch die Pen-siousregulative der Staatsbahn vom 15. Februar 1856, Kaiserin Elisabeth-West bahn vom 25. Mai 1857, der Theißbahn vom Jahre 1857, Karl Lndwigsbahn vom Jahre 1859, die Pensionsstatuten der St. E. G. 40jährigen Dienste***) der Anspruch auf 100 Prozent des aktiven Gehalles erreicht wurde. *) Im wahren Sinne bcB Wortes könnte von einer Altersversorgung gesprochen werden, wenn der Anspruch auch bei aktivem Dienst beginnt, wie es in dem österreichischen Gesetz über Versicherung der Privatangestellten der Fall ist. **) Dritte Ausgabe der Statuten vom 19. Mai und %. Juni 1851. ***) Cs ist interessant, zu wissen, datz in den früheren Zeiten nicht die M i t g l i e d s j a h r e, sondern die Die n st* jahre entscheidend waren, .« vom 19. Oktober 1859, vom 3. November 1800 und 13. März 1863. Erst in den Statuten der U n g a r i s ch e :i W e st b a h it und Kaschau-Oderberger Bahn auS dem Jahre 1867 finden sich die ersten Spuren einer Abstraktion von der Invalidität als Bedingung deL Anspruches auf den Ruhegenuß. Im § 7 dieses Statuts wird den Bediensteten das Recht eingeräumt, nach voll-lendetem 60. Lebensjahre und nach einer 85jährigen Mitgliedschaft um eine Versetzung in den Ruhestand anzusuchen. Die fünfte Auflage der Statuten der S t a a t s-e i s e n b a h >i g e s e l l s ch a f t vom 2. April 1872 nahm ein analoges Prinzip auf, daß das Fondsmitglied nach 40jähriger Mitgliedschaft um seine Pensionierung an-suchcu kann. Von einer Altersgrenze wurde nicht mehr gesprochen. Noch im Artikel 8 der vierten Auslage war das Maximum der Pension mit 75 Prozent des durchschnittlichen Jahresgehaltes der letzten drei Jahre festgesetzt, wogegen in der fünften Auflage schon das jetzt allgemein anerkannte Prinzip ausgenommen wurde, daß nach zehn Jahren die Pension mit 40 Prozent gewährt wird und daß für jedes anrechenbare Jahr zu dem grundsätzlichen Ansprüche 2 Prozent zngerechnet wird. Dieses letztgenannte Prinzip wurde zwar von der K a i s e r F e r d i n a n d s ° N o r d b a h >l in den Statuten vom Jahre 1873 ebenfalls akzeptiert, ließ jedoch die ursprüngliche Bestimmung, daß der Anspruch auf Pensionsgenuß nur bei einer Dieustuntauglichkeit erwächst in Geltung und behielt dieses Prinzip auch dann bei, als im Jahre 1892 der Pensionsfonds annähernd auf versiehe-rungstechnischen Prinzipien aufgebaut wurde. Die Pen-sionSstatuten der k. k. priv. Kaiser Franz Josefs-83 ah n vom 25. Juni 1868 stellten den Anspruch aus volle Pension nach 35 Jahren fest, trotzdem die Versetzung in Ruhestand nur auf Grund deS Nachweises der Dienstuntauglichkeit durch gleichlautende Gutachten von zwei vom VerwaltungSrate nominierten Aerzten möglich war. Die Pensionsstatuten der O e ft.c r r e i ch i s ch e n N o r d-Westbah n vom Jahre 1867 die nach Beschluß des Ver-waltnngsrateS vom 29. April 1870, ab 1. Juni 1870 auch für die S ü d n o r d d eu t s ch e Verbind u n g s-b a h it in Kraft getreten sind, behielten das Prinzip der Pensionsbezahlung nur im Falle der konstatierten Invalidität. (§ 4 der Statuten.) Nach den Bestimmungen dieses Paragraphen mußte das körperliche odcr_ geistige Gebrechen durch gleichlautende Gutachten zweier von der Generaldirektion nominierten Aerzte konstatiert werden, trotzdem der § 7 der Anspruch aus volle Pension sogar nach 35jähriger Mitgliedschaft dadurch festgesetzt hat, daß nach zehnjähriger Mitgliedschaft die, Pensions-Quote um 2-4 Prozent per Jahr erhöht wurde. In den Pensionsstatuten der k. k. priv. m ä h r i s ch - s ch l e s i-schen Zentralbahn vom 16. Jänner 1873 wurde wörtlich dasselbe bestimmt, wie in den Statuten der De. N. W. B. Auch die gleichlautenden Vorschriften der Statuten des Pensionsfonds für Beamte und Diener der k. k. priv. P i l s e n - P r i e s n e r (K o m o t a u c r) Bahn forderten, daß die Dienstuntaglichkeit nicht nur durch zwei Aerzte, sondern auch durch den Verwaltungsrat anerkannt wird. Die Pensionsstatuten für Beamte und Diener der D u x - B o d e n b a ch e r Bahn (1. Ausgabe vom 31. Mai 1872, II, Ausgabe vom 21. Juli 1875, III. Ausgabe vom 18. Mai 1879, IV. Ausgabe vom 3. April 1883, welche durch das Zirkular der k. k. Geueraldirektiou der k. k. österreichischen Staatsbahnen vom 8. Jänner 1887, Nr. 38 ergänzt wurde) enthielten die Bestimmung, daß die Versetzung in den Ruhestand bei vollendetem 35. Lebensjahr zu erfolgen hat. f§ 5 der Ausgabe vom Jahre 1891.) Der § 13 der Pensionsstatuten für Beamte und Diener der P r a g-Duxer Bahn (II. Ausgabe vom 20. Mürz 1879, modifiziert durch das Zirkular der Generaldirektion der k. k. österreichischen Staatsbahnen vom 8. Jänner 1887, Nr. 38 V.-Anz. Bl. Nr. 10 ox 1887) besagt, daß ein jedes Mitglied des Pensionssonds das Recht hat, nach 35 Mitgliedsjahreu aus dem aktiven Dienst zu scheiden, ohne seine Dienstnntauglichkeit nachzuweisen, und daß er auf die normale Pension Anspruch erheben kann. Vor dem vollendeten 35. Jahre der Mitgliedschaft nur daun, wenn er seine Dienstuntauglichkeit durch zwei vom Verwaltuugsrat (später von der Generaldirektion) bestimmte ärztliche Sachverständige erwiesen oder ohne eine vorhergegangene Disziplinaruntersuchung aus dem Dienst gekündigt wurde. Nach zehn Jahren betrug die Grnndquote 40 Prozent des letztbezogenen Gehaltes, nach einem jeden weiteren Jahr erhöhte sich die Quote um 2-1 Prozent. Erlitt das Mitglied im Dienst einen Unfall, wurden ihm fünf Jahre zugerechnet, doch dürfte die Pension nicht niedriger sein, als die ihm nach 10 und nicht höher als die für 35 Mitgliedsjahren gebührende. Die Pensionsstatuten für Beamte und Diener der k. k. priv. Böhmischen W e st b a h n wurden in der 3£I. ordentlichen Generalversammlung vom 17. Mat 1872 beschlossen und in der XV. ordentlichen Generalversammlung vom 12. Mai 1876, sowie in der XX. vom 30. April 1881 und XXXIII. vom 29. April 1893 modifiziert. §§ 6 und 7 der Statuten enthielten die Bestimmung, daß der Anspruch auf Pension im selben Maße erwächst, wie oben in den Statuten der Prag-DuxerBahn erwähnt wurde. Die Pensionsstatuten für die Bediensteten der L e m b e r g - C z e r n o w i tz - I a s s Y - E i s e n-6a Hit Gesellschaft vom 1. Juli 1867 enthielten die Bestimmung, daß der Anspruch erst dann beginnt, wenn zwei gleichlautende Gutachten zweier graduierter Aerzte die Invalidität erweisen; der eine Arzt wurde vom Pensionsausschuß, der andere von jenem Bediensteten bestimmt, welcher die Pensionierung anstrebt. Sind die beiden Gutachten nicht gleichlautend, entscheiden die beiden Votanten, beziehungsweise ein durchs Los gewählter Vorsitzender. Erst in der zweiten Auflage der Statuten vom 14. Dezember 1880, welche mit 1. Jänner 1881 in Kraft getreten sind (unter dem Titel: Pensionsstatuten für Beamte und Diener der . . . .) wird die Versetzung in den Ruhestand nach bollendetem 60. Lebensjahr oder nach 36 Mttgliedsjahrcn zugelassen. Die Definition der Dienstuntauglichkett, tote sie die Statuten der Oesterreichischen Nordwestbahn und der Mährisch-schlesischen Zentralbahn beinhalten, ist deswegen bemerkenswert, weil sie mit dem Begriff der sogenannten Arbeitsinvalidität mit dem Gesetz betreffs der Jnva-liditätsversicherung*) und konträr mit dem der Erwerbs- unfähigkeit im Sinne des Unfallversicherungsgesetzes und mit dem der Berufsinvalidität im Sinne des Kran-kenverficherungSgesetzes völlig übereinstimmt. *) Vergleiche § 106 bc5 Gesetzentwurfes betreffs der Sozialversicherung. Die Arbeitsinvalidität oder die Invalidität im engeren Sinne des Wortes beginnt dann, wenn der Bedienstete zu einem Dienste untauglich wird, welcher ihm bei einer vernünftigen Respektierung seiner Vorbildung und seiner derzeitigen Verwendung anserlegt werden kann. Ein Bediensteter, welcher seiner Vorbildung und seiner bisherigen Verwendung nach einen anderen entsprechenden Dienst verrichten kann (ein Kondukteur zum Beispiel den Dienst eines WagenschreiberS), ist im Sinne der Arbeitsinvalidität nicht invalid. Als untauglich zur Ausübung seines Berufes im Sinne der Krankenversicherung ist jener, der den Dienst, welcher ihm zugewiesen wurde, nicht ansiiben kann. Zum Beispiel ein Zugsbegleiter, der den Dienst eines Kondukteurs, Manipulanten oder Zugsführers nicht auKiiben kann. Eines steht fest, daß zwischen diesen durch das Gesetz geschaffenen Begriffen keine strenge Abstufung existiert. Im Gegenteil kann ein Bediensteter erwerbsuntauglich sein, obzwar er fähig ist, seinen Berus aus-zuüben (zum Beispiel ein an Tabes Leidender ist zu einem Kanzleidienst fähig). Es muß eben in einzelnen Fällen unterschieden werden. Aus diesen Gründen hat man in den meisten Pensionsstatuten die strikte Begrenzung des Begriffes der dienstlichen Untauglichkeit unterlassen. Das gilt hauptsächlich von den Statuten der k. k.. Staatsbahnen, die abwechselnd den Begriff „d i e n st« unfähig" (§ 12, Z. 2 der Provisionsstatuten, § 13, Z. 2 der Pensionsstatuten) oder ,.d i en st u n t au g l i ch" (§ 14 der Provisionsstatuten, § 15 der Pensionsstatuten)^ ohne den Begriff der Dienstmtsähgkeit näher zu präzisieren. Aber auch in der Dienstordnung der k. k. Staats, bahnen, der doch die Ausgabe zufällt, die Bedingungen' der Versetzung in den Ruhestand sestznstellen, wird der Begriff der „Dienstunfähigkeit" nicht präzis um-; schrieben. Es wird nur gesagt, daß jener Bedienstete, der-zur Ausübung des Dienstes untauglich ist, in den Ruhestand versetzt werden kann. Die Dienstordnung vom Jahre 1884 verlangt int erstereit Falle, wenn der Bedienstete die Versetzung in den Ruhestand an strebt, daß er durch ärztliche Gutachten den Beweis erbringt, daß er durch ein körperliches oder geistiges Gebrechen an der Ausübung seiner dienstlichen Obliegenheiten gehindert wird. Vom Älter, welches ohne die Invalidität erst zu erweisen, die Versetzung in den Ruhestand begründen würde, wird in den früheren Dienstordnungen gor nicht gesprochen. Ebenfalls wird die Tragweite des Begriffes „Dienstobliegenheiten" nicht näher bezeichnet: freilich war dies in früheren Zeiten nicht notwendig. Es war fast undenkbar, datz der Bedienstete vor Ablauf der Mitgliedsjahre, die schon damals mit 35 Jahren festgesetzt waren, seine Versetzung in den Ruhestand angestrebt hätte, aber auch nach Ablauf dieser Zeit hat man gegen eine eventuelle Simulation der Invalidität schon dadurch eine hinreichende Garantie erblickt, daß die Versetzung in den Ruhestand mit großen materiellen Schaden verbunden war. Anderseits hat die Äahnverwaltnng keine Ursache gehabt, den Beweis über die Invalidität des Bediensteten zu führen, weil es thr möglich war, den Bediensteten, den sie in ihren Diensten nicht behalten wollte, jederzeit und ohne Angabe von1 Gründen kündigen zu können. (Fortsetzung folgt.) LmdeÄmseremderLokamoMührer der Moloitto. Die überaus tristen und unhaltbaren Verhältnisse des Lokomotivpersonals in der Bukowina veranlagten die Vertrauensmänner des Lokomotivpersonals, eine Konferenz einzuberufeu, mit nach Mitteln und Wegen zu suchen, um die in der Bukowina noch vorherrschenden asiatischen Zustände etwas nach westeuropäischem Muster umzugestalten. Diese Landeskonferenz tagte am 24. Aprtl 1911 in Czernowitz im Ortsgruppenlokal, Bahnhof-straße 68. Fast vollzählig waren die dienstfreien Lokomotivführer des Heizhauses Czernowitz erschienen. Delegierte entsendeten die Provinzheizhäuser von Jtzkany, Alt-Kimpolung, Hadiksalva, Berhometh und Ezudin. Als Gäste waren vom Heizhause Kolomea die Kollegen Schreiber und Müller anwesend. Die Landes-gewerkschastskoininission war durch den Genossen Nomulus Dau vertreten. Der Allgemeine Rechtsschutz- und Ge-werkschcistsverein und der Unterstützung?- und RechtS-schutzverein österreichisch-ungarischer Lokomotivführer hatten als ihren Vertreter und Reserenten den Genossen Joh. S m e y k a l, Lokomotivführer (Wien), entsendet. In das Präsidium wurden die von der Konferenz vorgeschla-gelten Kollegen einstimmig gewählt, und zwar: Kollege Joses Kwasziitski als Vorsitzender und Kollege Karl Charkiewitz als Schriftführer. Nach den üblichen Begrüßunasansprachen gibt der Vorsitzende die Tagesordnung bekannt, welche sich aus nachstehenden Punkten zusammensetzt: , 1. Die allgemeine Organisation und der Lokomö-tivsührerstand der Bukowina. 2. Der Untersttitzungs- und Rechtsschutzveretn österreichisch-ungarischer Lokomotivführer in der Koalition, mit dem Allgemeinen Rechtsschutz- und Gewerkschafts-Verein für Oesterreich. . 3. Wahl des Sektionskomitees der Lokomotivführer in Czernowitz an Stelle des am 15. Jänner 1911 aufgelösten Lokomotivführerklubs. 4. Wahl der Provinzvertrauensmänner der Loko«' motivführer. 6. Turnusfragen. 6. Prämienfragen. 7. Strassystem. 8. Personalkommtssion. . , 9. Vorschläge zur Wahl eines Lokalbevollmächtigtev und Ersatzmannes des Lokomotivsührervercines. 10. Organisation. 11. Eventuelles. , Nachdem die vorgeschlagenc Tagesordnung einstimmig zur Kenntnis genommen luiiröe, richtete der Vorsitzende an die Konferenzteilnehmer die Bitte, durch reges Interesse und sachliche Mitarbeit an den einzelnen Fragen es zu ermöglichen, die umfangreiche Tagesordnung zu erledigen. Nunmehr erteilt der Vorsitzende dem aus Wien erschienenen Referenten Genossen Smeykal das Wort, welcher, den ersten und zweiten Punkt der Tagesordnung zusammenfassend, folgendes ausführt: „Die wirtschaftliche Macht und Stellung eines Standes oder einer einzelnen Berufsgruppc ist abhängig und steht int geraden Verhältnis zu ihrer mehr oder minder entwickelten Form der Organisation. Legen wir nun diesen Matzstab an den Lokomotivführerstaud an, so sind wir gezwungen zuzugeben, datz die unbefriedigenden und desolaten Zustände und Verhältnisse de? Lokomotivpersonals ihre Ursache in der noch mangelhaften Organisation dieses Standes haben. Ungefähr die Hälfte aller Lokomotivführer Oesterreichs ist im Lokomo-tidführerverein, ein kleiner Teil der zweiten Hälfte im Allgemeinen Gewcrkschaftsverein organisiert. Doch der größere Teil der zweiten Halste ist vollständig indifferent. Nun ist der Lokomotivführerverein als humanitärer Verein für die Lokomotivführer von segensreicher Wirkung, seine Bedeutung auf dem Gebiete des Rechtsschutzes und des Unterstützungswesens drücken ja am besten die Zifsernkolonnen seiner Jahresbilanzen aus. Nachdem sich aber die Lokomotivführer wohl gegenseitig in der drückendsten Not helfen können, aber die Lage und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Gefamtstandes durch diese Selbsthilfe nicht gehoben wird, so kommt dieser humanitäre UntcrstützungSzweck m seiner praktischen Wirkung zu gleichen Teilen den Lokomotivführern wie auch den Unternehmern zugute. Gewiß eine unbeabsichtigte Wirkung, welche aber ihre Erklärung in der kapitalistischen Entwicklung findet. Nun hatten die Lokomotivführer schon lange erkannt, daß der Lokomotivführerverein allein zu einer nachdrücklicheren Vertretung der wirtschaftlichen Forderungen der Lokomotivführer nicht die geeignetste Organisationsform sei, weil nämlich das Statut das Wirkungsfeld des Vereines auf das humanitäre Gebiet verweist und begrenzt, dagegen ein gesetzlicher Zwang für die Unternehmer, sich in Humanität zu üben, nicht besteht. Von dieser Erkenntnis geleitet, suchten die Lokomotivführer schon Anfang der Neunzigerjahre diesem Mangel abzuhelfen, indem sie eine Organisation auf rein wirtschaftlicher Basis anstrebten, den bekannten Reichsverein. Dach wurde die Gründung dieses RcichSvereines nicht genehmigt, und in letzter Berufungsinstanz durch das Reichsgericht als staatsgesährlich abgewiesen. Zum erstenmal erfuhren die Lokomotivführer, daß ihr vereintes Bestreben zur Hebung ihrer wirtschaftlichen und kulturellen Lage, behördlich als staatsgesährlich angesehen und beurteilt wurde. Hätten die Lokomotivführer die geschichtliche Entwicklung der Völker und Staaten studiert, wäre ihnen diese Entscheidung nicht so überraschend gekommen, denn zu allen Zeiten in allen Staaten betrachtete mau hungrige Leute als staatsgesährlich. Nachdem nun aus der Gründung eines Reichs-Vereines der Lokomotivführer nichts wurde, wurde bereits am Eisenbahnerkongreß im Jahre 1902 die Notwendigkeit des Anschlusses der Lokomotivführer an die Gewerkschaft betont und auf der Brünner Konferenz der Lokomotivführer im Jahre 1006 mit Majorität zum Beschluß erhoben. Aenßerlich vollzog sich dieser Zusammenschluß dadurch, daß sich der Lokoinotiv-sührerverein Mit der Gewerkschaft koalierte, um unter Anlehnung an diese Organisation den wirtschaftlichen Forderungen der Lokomotivführer zum Durchbruch zu verhelfen, innerlich, daß die Lokomotivführer durch den Beschluß der Jrünncr Konferenz verpflichtet wurden, der Gewerkschaft beizutreten. Und wenn die Lokomotivführer der Bukowina nach nahezu zehn Jahren sich neuerlich mit der Frage der Organisation zu befassen gezwungen sind, so beweist cs eben mir, das; auch hier, wie in vielen Heizhäusern der einzelnen Bahnen, der Beschluß der Brünner Konferenz nicht sinngemäß und restlos durchgeführt wurde. Wie bitter sich die teilweise Ignorierung des Brünner Konferenzbeschlusses gerächt, zeigt uns ganz deutlich das Beispiel der Südbahner, welche dem Beschluß am meisten Rechnung getragen und an wirtschaftlichen Erfolgen die anderen Bahnen überflügelten. Es ist also kein bloßer Zufall, daß die best entwickelte Organisationsform den Lokomotivführern die größten Vorteile bringt. Daß die Organisation auf gewerkschaftlicher Basis die zeitgemäßere uud vorteilhafteste Organisationsform darstellt, beweist auch das nachahmende Beispiel der gelben Scheinorganisationen, obzwar NC durch ihren nationalen oder konfessionellen Anstrich die Eisenbahner auf Abwege zu bringen suchen. Wenn nun die Lokomotivführer der Bukowina, durch die Erfahrungen belehrt, in der letzten Zeit darangegangen sind, mit der primitivsten und kümmerlichsten Organisationsform, das sind die Klubs, zu brechen, so beweist das nur, daß sich diese lächerlichen Gebilde und Tummelplätze persönlicher Eitelkeit bereits überall SU überleben beginnen. In demselben Maße als sich die gewerkschaftliche Organisation bei den Lokomotivführern der Bukowina durchsetzen wird, wird sich ihr sozialer und wirtschaftlicher Aufstieg vollziehe» und werden die heutigen unleidlichen Verhältnisse verschwinden." (Zustimmung uud reicher Beifall.) Nachdem noch mehrere Redner in zustimmendem Sinne die Ausführungen des Referenten ergänzten, er-Alt der Vorsitzende dem Lokomotivführer Genossen D P p i tz aus Czernowitz das Wort, welcher zum dritten Punkt der Tagesordnung folgendes ausführt: „Wie Sie wissen, Kollegen, haben wir am 15. Jänner Unseren Klub zu Grabe getragen. Wir können frohbewegten HcrzenS uud tränenlosen Auges ausrufcn: Er ruhe in Frieden! Die bösen Erfahrungen, welche wir mit diesem von niemand ernst genommenen Konventikel gemacht haben, lassen nns hoffen, daß in der Bukowina dieser Klub endgültig abgetan M. Genosse Sinchkal hat cs verschmäht, in seinem äußerst sachlichen Referat viel Worte über die Bedeutung oder, wie er nch richtiger ausdrückte, Bedeutungslosigkeit der Klubs Privatbetrieb 147, Millionen) Kronen. Gegenüber dem vorhergehenden Jahre stiegen die Betriebseinnahmen um 4-10 Prozent (Staatsbetrieb + 33-54 Prozent, Privatbetrieb — 41-09 Prozent) und die Betriebsausgaben um 11-08 Prozent (Staatsbetrieb! 40-93 Prozent, Privatbetrieb — 40-40 Prozents Als Betriebs Nettoertrag ergab sich der Betrag von 171 (Staatsbetrieb 113, Privatbetrieb 58) Millionen Kronen, das ist per Kilometer Vctriebslänge (7632 Kr. (Staatsbetrieb 6056 Kr., Privatbetrieb 15.579 -Kronen) gegen 209 Millionen Kronen (Staatsbetrieb 908, Privatbetrieb 101 Millionen), beziehungsweise $489 Kr. (Staatsbetrieb 6979, Privatbetrieb 15.422 Kr.) iim Jahre 1908. Die Gesamtzahl der vorgekonnnenen Unfälle Lclief sich auf 3117 (+ 79 gegenüber dem Vorjahre). Bei Liesen Unfällen verunglückten 513 Reisende, von welchen 34 getötet wurde». Auf je eine Million Reisende entfielen 2-12 (Staatsbetrieb 2-29, Privatbetrieb 1-64) verunglückte Personen. Was die Zahlungen auf Grund des Eisenbahn-Laftpflichtgesetzes betrifft, so wurden im Jahre 1909 an 9849 Personen 2-90 Millionen Kronen geleistet. (Fortlaufende Zahlungen an 994 Personen 0-50 Millionen Kronen und einmalige Abfertigungen an 855 Personen 2-40 Millionen Kronen). - Die Anzahl der Bediensteten (Beamte, sUnterbeamte, weibliche Bedienstete mW Diener) betrug ti30.832 (gegen 1908 + 7-90 Prozent); Arbeiter im Taglohn waren im Jahresdurchschnitt 148.202 beschäftigt. Die Ausgaben für Besoldungen, Löhne und sonstige Bezüge beliefen sich im ganzen ans 386-15 Millionen Kronen, wovon 266-18 Millionen Kronen (gegen 9908 + 11-74 Prozent) auf die Angestellten entfielen. An Wohlfahrtseinrichtungen für das 19 Kranken- und 30 Vermögen sich mit Personal bestanden 25 Pension-sonstige Huinanitätskassen, deren Schluß des Jahres 1909 auf 174-62 Millionen Kronen ?(gegen 1908 + 5-47 Prozent) belief. Achsbrüche u n d Ä ch Sa »Brüche bei Lokomotiven und Tendern waren zusammen 196 (auf 1 Million Nutzkilometer 1-02), bei Eisenbahnwagen aller Art 503 (auf 1 Million Achskilometer 0-08) zu verzeichnen. Die Anzahl der Schäden an Radreifen und Vollrädern bei Lokomotiven und Tendern betrug 68 (auf 1 Million Nutzkilometer 0-36) und bei Eisenbahnwagen aller Art 783 (auf 1 Million Achskilometer 0-12). 2. Kleinbahnen und diesen g l e i ch z u h a I-t e n d e B a h ne n sowie S ch l e p p b a h n e n. Die Gesamtlänge der Kleinbahnen und der diesen g l e i ch z u h a l t e n d e n Bahnen betrug mit Schluß des Jahres 1909 rund 682 Kilometer (gegen 9908 -s- 33 Kilometer — 5-15 Prozent), hiervon sind 671 Kilometer als Kleinbahnen konzessioniert bezichungs-tveise anerkannt. Die gegenständlichen Bahnen sind sämtlich Privat-bahnen und stehen, abgesehen von der für Rechnung der Eigentümer im Staatsbetrieb befindlichen rund, 25 Kilo-meter langen Lupkow-Cisnaer Kleinbahn, sämtlich im Privatbetrieb. Wird zu der früher angegebenen Gesamtlänge die in Ungarn gelegene Teilstrecke der eben genannten Kleinbahn per 1-137 Kilometer hinzugercchnct, so ergibt sich eine Gesamtlänge von 683 Kilometern. Nach der Art des Betriebes verteilt sich diese Länge auf den elektrischen Betrieb mit 569 Kilometer (ein-schließlich der 2-3 Kilometer langen Drahtseilbahnstrecke der Mcndelbahn), auf den Dampfbetrieb mit 105 Kilometer, auf reine Drahtseilbahnen mit rund 2 Kilometer und auf Pferdebahnen mit 7 Kilometer. Zahnradbahnen Maren von den Bahnen mit elektrischem Betriebe 0-8 und von jenen mit Dampfbetrieb 14-2 Kilometer. Im Vergleich zum Jahre 1908 erhöhte sich die Länge der Bahnen mit elektrischen! Betrieb um 36-1 .Kilometer, jene der Bahnen mit Dampfbetrieb verminderte sich mit 2-6 Kilometer. Die Länge der Drahtseilbahnen und jene der Bahnen mit Pferdebetrieb blieb unverändert. Im ganzen waren von der Gesamtlänge der Bahnen 286-9 .Kilometer — 41-98 Prozent zweigeleisig: 410-6 Kilometer — 60 08 Prozent besaßen normale und 272-8 Kilometer — 39-92 Prozent schmale Spurweite. Das ausgebrachte Anlagekapital der Kleinbahnen und der diesen gleichznhaltenden Bahnen betrug mit Ende 1909 276-4 Millionen Kronen (gegen 1908 ;■+ 4-86 Prozent), und zwar 59-2 Millionen in Stamm» und Prioritätsaktien, 3-0 Millionen Prioritätsobligationen, 199-7 Millionen an sonstigen Anleihen und 14-5 Millionen an anderweitigen Kapitalsznflüssen. Das verwendete Anlagekapital belief sich Ende 1909 auf 268-71 Millionen Kronen (+ 6-34 Prozent) und da§ amortisierte auf 6-19 Millionen Kronen (-f-16-74Prozent). An Fahrbetriebsmitteln waren im ganzen vorhanden: 64 (hierunter 8 elektrische) Lokomotiven (gegen 1908 + 5), 2059 Motorwagen (-fl 132) und 212 Lastwagen (+1). Anlangend den Verkehr wurden im Jahre 1909 '406-01 Millionen (elektrischer Betrieb 396-63, Dampfbetrieb 7-66, Drahtseilbahnen 1-23, Pferdebetrieb 0-49 Millionen) Personen befördert. Gegenüber dem Vorjahre entspricht dies einer Verkehrssteigernng von 35-72 Millionen Personen — 964 Prozent. An Gütern (einschließlich Gepäck) gelangten rund 485.000 Tonnen zur Beförderung (gegen 1908 + 5-68 Prozent). Die Betriebseinnahmen bezifferten sich auf 57-24 Millionen Kronen (hierunter beim elektrischen Betrieb 54-72 Millionen). Auf das Kilometer Betriebs-länge entfielen 89.003 Kr., das ist gegenüber dem Jahre 1908 mehr um 9 65 Prozent und per Kilometer Betriebslänge mehr »in 4-82 Prozent. Von den Transporteinnahinen entfallen 98-02 Prozent auf den Personenverkehr. Die Betriebsausgaben beliefen sich auf 39-64 Millionen Kronen (hierunter beim elektrischen Vertrieb 37-38 Millionen), das ist per Kilometer Betriebslänge 61.631 Kr. ; Gegenüber dem Vorjahre sind die eigentlichen Betriebsausgaben im ganzen um 11-47 Prozent und per Kilometer Betriebslänge um 6-61 Prozent gestiegen. Der Betriebsnettoertrag des Jahres 1909 bezifferte sich auf 20-30 Millionen Kronen (hierunter 20-04 Millionen beim elektrischen Betrieb). Per Kilometer Betriebslänge ergibt sich ein Nettoerträgnis von 31.559 Kronen, Im vorhergehenden Jahre betrug der Netto-. ertrag 19-45 Millionen Kronen (per Kilometer Bctriebs-länge 32-268 Kr.). Die Anzahl der Angestellten belief sich mit Ende 1909 auf 10.532 (gegen 1908 -f- 762); außerdem waren im Jahresdurchschnitt 4554 (-f- 908) Arbeiter im Taglohn beschäftigt. Für Besoldungen, Löhne und sonstige Bezüge der Angestellten sowie der Arbeiter im Taglohne wurden 21-58 Millionen Kronen (+. 2-14 Millionen Kronen = 11-03 Prozent) verausgabt. Schleppbahnen waren mit Jahresende 1909 2270 vorhanden. Ihre Gesamtlänge betrug 1353 Kilometer. Unter den Schleppkähnen befanden sich 351 Vergwerks-nnd Hüttenbahnen (Montanbahnen), 1358 Industriebahnen (Fabriksbahnen), 204 land- und forstwirtschafliche Bahnen und 357 sonstige Bahnen für Privatzwecke. Von der Länge der Schleppkähnen per 1353 Kilometer wurden 1176 Kilometer mit Dampf, 166 Kilometer mit animalischer und 11 Kilometer mit elektrischer Kraft betrieben. in die Personalkommissionen der St. C. G. und der Oe. N. W. B. und die Zlrbeiteraus-schüssc der Oe. N. W. B. Als das Resultat der Wahlen in die Personal-kommissionen und Arbeiterausschüsse der Oe. N. W. B. bekannt wurde ließen die Nationalen ein Freudengeschrei in der deutschbürgerlichen Presse anstimmen, weil von den Mandaten, die bisher in der Unterbcamten-, Diener- und Arbeitersektion der Pcrsonalkommission der Oe. R. W. B. fast durchwegs mit Anhängern unserer Organisation besetzt waren, eine Anzahl von den vereinigten tschechisch-nationalen und deutschnationalcn Organisationen erobert wurde. Der »Deutsche Eisenbahner" frohlockte bereits über den für seine Anhänger minder günstigen Ausgang der Pcrsonalkommissionswahlen auf der St. E. G. und erwirb nunmehr nach dem Vekanntiverden des Wahlausganges auf der Oe. R. W. B. des Guten nicht genug tun können. Es ist angezeigt, den so gefeierten tschechisch-deutsch-nationalen Wahlsieg auf seine richtige Größe zu überprüfen und die Umstände zu untersuchen, die zu diesen Wahlergebnissen führten. Die Vertretung der Arbeiter der Oe. N. W. B. geschah bisher durch acht Mitglieder in der Sektion »Arbeiter" der Pcrsonalkommission. Diese acht Mitglieder waren Anhänger unserer Organisation gewesen. Durch die Umwandlung dieser Sektion der Personalkommission in vier Arbeiterausschüsse mit zusammen 48 gewählten Mitgliedern fand eine Unterteilung statt, die die Stimmen der Minorität zum Teil zur Geltung kommen ließ. In der Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen erzielte die Kandidatenliste unserer Organisation und Koalition trotz des Wahlbündnisses der Deutsch- und Tschechischnationalen eine beträchtliche Majorität. Aber in einzelnen der drei Wahlgruppcn der vier Arbciterausschüsse bildeten die Stimmen der Minorität die Majorität. In den Arbeiter1-ausfchuß für die Strecke Wien-Znaim und in den für das Betriebsinspektorat Reichenberg wurden je zwölf, also alle Kandidaten unserer Organisation gewühlt. In den Arveiter-ausschuß für das Betriebsinspektorat Nimburg errang unsere Organisation vier, die vereinigten Gegner acht und in jenem für das Betriebsinspektorat Prag unsere Organisation fünf und die gegnerischen sieben Mandate. Dabei würden drei Mandate, die für die Gruppe Zugsförderung und Werkstüttendienst im Betriebsinspektorat Prag, nur mit der geringen Majorität von drei Stimmen von unserem verbündeten Gegner, den Tschechisch, und Deutschnationalcn zusammen erobert. Trotz des Wahlbündnisses und trotz der für die Nationalen günstigen Anordnung der Arbeiterausschüsse errangen diese zusammen also nur 15, unsere Organisation 33 Mandate in die Arbeitsausschüsse der Oe. N. W. B. Die Nationalen haben hier keinerlei Ursache, von eigenen Erfolgen und einer Niederlage unserer Organisation zu reden. Es ist eine natürliche Sache, daß Minoritäten zur Geltung kommen, wenn ein bestandenes Wahlterrito-rinm in vier selbständige Teile geteilt wird. Die fürsorgliche Bahnvcrwaltuug scheint mit Vorbedacht diese Neuanordnung zur Förderung ihrer Schutzbefohlenen getroffen zu haben. Von den zur Vertretung der Diener bestimmten Mandaten für die Personalkommission der St. E. G. vermochten die verbündeten Nationalen nur eines zu erobern, das für den Zugbegleitungsdienst, und dies nur durch den Umstand begünstigt, als ein Klub von Kondukteuren eigene Kandidaten aufstellle. Was hier also die Nationalen eroberten, verdanken sie dieser indirekten Wnhlhilfe des Kondukteurklubs. Sic verloren dagegen das Mandat für den Zentraldienst. Bei den letzten Wahlen für die D i c n e r s c k t i o n der Personalkommission der Oe. N. W. B. stand der sozialdemokratischen Kandidatenliste keine Gegenliste gegenüber, so daß sämtliche Mandate mit Kandidaten unserer Organisation besetzt wurden. Diesmal gewannen die vereinigten Tfchechisch-deutschnationalen 5 Mandate, die für den Stationsdienst (2 Mandate), den Zugbegleitungs-, Lokomotivheiz- und Werkstüttendienst. 4 Mandate wurden von unseren Kandidaten behauptet, und zwar 2 Mandate für die Bahnerhaltung und je eines für den Zentral- und den Heizhausdienst. Die Stimmenzahl ergab keine großen Differenzen. Etwas weniger Zuversicht auf unserer Seite und eine etwas andauerndere Agitation, und der Besitzstand von Mandaten wäre zu behaupten gewesen. In der Sektion Unter beamte der Personalkommission der St. E. G. eroberten die vereinigten Tschcchjsch-deutschnationalen die Mandate für der Zeutraldienst und den Stationsdienst. Sie verloren aber das Mandat für den Werkstätten-und Materialdepotdienst. Das Mandat für den Heizhausdienst gewannen sie nur mit einer Mehrheit von 3 Stimmen. Das Mandat für den Zuabegleitungsdienst gewann der Kandidat des Kondukteurkmbs. Für die Sektion Unterbeamte der Personalkommission der Oesterreichischen Nordwestbahn waren bei der letzten Wahl nur in zwei Gruppen den Kandidaten unserer Organisation vom Unterbeamtenvcrein Gegenkandidaten gegen-übergestellt worden. Diese Kandidaten des Unterbeamtenvereines waren auch gewählt worden. Diesmal eroberten die verbündeten Tschechisch-Deutschnationalen fünf Mandate und unsere Organisation und Koalition das für den Bahn-erhaltunasdienst und jenes für den Lokomotivfahrdienst. Die Mandate für die BeamtFnsektionen der Personalkommissionen dieser Bahnen waren nie von Kandidaten der sozialdemokratischen Organisation besetzt. Nichtsdestoweniger wird auch bezüglich dieser Mandatsbesetzungen in bürgerlichen Blättern eine sozialdemokratische Wahlniederlage und ein Mandatsverlust behauptet. Der nach dem Austritt des Eisenbahnbeamtenvereines aus der Koalition und nach dessen Spaltung in einen Deutsch österreichischen und in Zentralverein der Eisenbahnbeamten neu erstandene Zentralverein, der mit unserer Organisation koaliert ist, errang einen achtunggebietenden Erfolg in der Gruppe Zentraldienst (240 Stimmen gegen 487 Stimmen der verbündeten Nationalen). Dabei war dem Zentralverein in der Zeit vor dieser Wahl Reserve in der Gegenagitation gegen den Deutschösterreichischen Eisenbahnbeamtenverein wegen der Aktion zur Erringung der Automatik für dte Beamten auferlegt, ohne welche gewiß das Wahlergebnis wesentlich anders ausgefallen wäre. Das Stimmenverhältnis in den Diener- und Unterbeamtensektionen gegenüber jenem bei der vorigen Wahl ist nachstehendes: Stiiatseisenbahngesellschaft. Dienersektion: Wahlgruppe Zeniräldicnst . . . Bahnerhaltung . . Stationsdienst. . . Zugbegleitungsdienst Heizhausdicnst . . . Lokomotivfahrdienst Werkstättendienst. . 1908 1011 a§ § l SS r s 'S ä£ B.§ SS •c s '§£ tu* * e «•£ g 1 £$ S o sg wz f$ 51 1 82 77 711 . 2 549 359 1013 2 1222 880 567 1 242*) 413 104 94 1 89 39 276 31 1 208 83 41 1 49 c a mtcn sektio » laos 1911 S x <3 e 8 § *5| ö® SS ■p 5 x B §> Z 5 •81 ES e® #S S ~ E ’s a .äjt SS I® | '§S I® & Wz tzi ÜJ- 1 6 30 i 175 4 1 175 102 l 138 87 1 163 345 i 42 24 1*) 33*) 85 i 19 1 1 19 22 i 322 89 1 229 93 l 61 1 73 13 *) Der Kandidat des Kondukteurocreines erhielt 340Stimmen» !ahlgruppe Zentraldienst .... Bahnerhaltnng . . , StationSdienst. . . Zugbegleitungsdienst > Hcizhausdienst.... Lokomotivfahrdienst Werkstättendienst. . *) Der Kandidat des Kondukteurocreines erhielt 115 Stimme« und ist sonach gewühlt. Oestcrreichische Nordwcstbah». Dienersektion. lahlgrupps Zentraldicnst . . . Bahnerhaltung . . Stationsdicnst . . . Zugbegleitungsdienst Heizhausdienst . . . Lokomotivfahrdienst Werkstättcndicnst . . *) tiiuc selbständige Liste vereinigte 42 Stimmen auf sich U n t e r b c a m t e n s e k t i o n. W a l> 1 fl t u t> t> c Zentraldienst . Bahnerhaltnng . . Stationsdienst . . . Zugbegleitungsdienst Heizhausdicnst. . . Loko motivsahrdlcnst Werkstüttendienst. . 1008 1900 5 St- ti Z || E.1 ö® SS 'Z r. L £ §| öS SS § es fl ees I® 65 .3 .. Is w~ |S , I 122 14 2 529 2 328 325 , 2 1274 2 913 927 1 451 1 449 489 1 33 1 83*) 48 . 1 147 1 107 ' 114 M 8 1 14 26 | 1003 £ 5 g E ZL T- E f 190D S 5 sig ög •cs •^io % E öS rj •s I* | ,5 t. ss s® s Sie y l Wz 19 40 1 158 l 134 19 1 27 i 131 487 1 97 i. 81 159 1 i 7*) 16 1 205 i 149 105 1 42 59 *) Zwei selbständige Listen vereinigten auf sich 14, beziehungsweise 11 Stimmen. Das Ergebnis der Wahl in den Arbeitcransschuß der Oesterreichischen Nordwcstbah» ist nachstehendes: 8itbcitcvau$tou6 Gruppe IBahnerhaltnng . . 8lÄÄi? StationSdienst . . lBahncrhaltung . . Betriebsinspektorat iZugssördcrung und Nimburg I Werkstüttendienst 'Stationsdienst . . IBahnerhaltung . . ZugSsördcrung und Werkstüttendienst Stationsdicnst . . lBahnerhaltung . . Betriebsinspektorat I Zugsförderung und Reichenberg | Werkstättendicnst iStationsdienst . . *) Ein gegnerischer smnbtbat erhielt nur 109 Stimmen und unterlag so. Das ganze unnatürliche Bündnis vom Dcutschöfter-rcichffchcn Eiscnbahndeamtenvercin zum Spolek öeskycü ürodnikti 2elezni5nicli und vom Reichsbund deutscher Eisenbahner zur Zomskä jednota zHzencü drall v krälovstve fiesköm, mit der diesen von allen der sozialdemokratische" Organisation feindlichen Elementen gebotenen SBohihuf6 und der Förderung von oben vermochte an der einen« St ä5 1911 i» s ag -s io « 6 „, ® Stimmen 1911 . 4 200 85 . 4 296 64 . 4 176 134 . 4 308 671 . 4 455 354 . 4 51 216 . 4 790 479 . 1 u. 3 112 115*) . 4 266 286 . 4 485 253 . 4 291 135 . 4 249 163 in der Gcsamtstimmenanzahl zum Ausdruck kommenden Tatsache nichts zu ändern, das; der Anhang der sozialdemokratischen Organisation unter den Eisenbahiibcdicnstetcu stärker ist, als jener aller ihrer Gegner zusammengenommen. Unsere Gegner vermögen wohl vereint in einzelnen Wahl-gruppen Wahlsiege zu erreichen, die Grüße des Einflusses unserer Organisation vermögen sic nicht zu verringern. Eine Durchsicht obiger Ziffern lehrt uns, daß bei einiger Energie alle innegehabten Mandate unserer Organisation hatten erhalten werden und daß ihr noch neue hatten gewonnen werden können. Die Position unserer Organisation in diesen Personalkommissioncn ist, namentlich in den Sektionen für Unterbeamte, allerdings eine geschwächte geworden, und wenngleich die Institution der Personalkommission nicht überschätzt werden darf, darf es uns doch nicht im Interesse der Bediensteten gleichgültig lassen, wer in der Personalkommission die Forderungen der Bediensteten vertritt und wer den spärlichen Einfluß, der dieser zusteht, ausnützt. Aber die durch den Ausgang der Wahlen geschaffene Situation hat gewiß auch ihre guten Seiten. Die TschcchischlDeutschnationalen sind nun in die Lage versetzt, ihre Kunst zu zeigen und die Leistungen zu vollbringen, die sie von den sozialdemokratischen Per-sonalkonunissionSmitglicdcrn verlangten. Durch ihr Wahlbündnis ist ihre ganze Prinzipien- und Charakterlosigkeit bloßgelegt und jede ihrer nationalen Phrasen ist dadurch widerlegt, daß sie Hand in Hand ausgezogen, um sich brüderlich vereint Mandate zu holen. Konnten sich bisher die tschechisch-dcutschnationalen Eisenbhner noch in der Illusion lullen, für natitonale Ideale zu wirken, ist ihnen jetzt jede Selbsttäuschung benommen. Es ist nur Komödie, wenn man, tute dies im „Deutschen Eisenbahner" und in der „Deutschösterreichischen Eisenbahnbeamtenzeitung" geschehen ist, noch zu derselben Zeit Jammerartikel über die Berischechisierung der Bahnen erscheinen läßt, als schon am Kopse des Blattes die von den tschechisch- und dcutschnationalcn Eisenbahn-bedicnstctenvercincn gemeinsam gezeichneten Kandidatenlisten prangten. So cm ehrlicher Nationaler aus Versehen in dieser Gesellschaft verblieben ist, muß er sich seiner Leute bis in die Knochen hinein schämen. In Anbetracht des in diesem Wahlbündnis angehäuften Uebermaßes an Charakterlosigkeit, der alles feit ist, selbst die der nationalen Eiseiibahncrbewegung seit Jahren gleichsam als Panier vorangetragencu nationalen Ideale, erscheint selbst K r o i), der raffinierte Streber, als harmloser Waisenknabe. Damit die Gesellschaft vollständig sei, leisteten uneigennützig die Christlichsozialen den 'Nationalen bei dieser Wahl Unterstützung, aus purer Freude an dem mit so reinen Mitteln geführten Kampfe gegen die sozialdemokratische Organisation. Wo alles liebt,' konnte die Staatsbahnverwaltung nicht hassen. Sie war die hohe Protektorat dieser sauberen Gesellschaft. Die Ergebnisse der Wahlen auf der St. E. G. und Oe. N. W. B. werden nicht ohne Wirkung sein. Die Nationalen werden ihre errungenen Positionen demagogisch aus-zunützen wissen und esuvird eine emsige Aufklärungsarbeit notwendig werden. Den Pessimisten in den Reihen der Eisenbahnbediensteten wird es zum Bewußtsein kommen, daß es mit der Gleichgültigkeit gegenüber einer durch den Widerstand der Staatsbahnverwaltung an ihrer Tätigkeit behinderten Institution zur Vertretung der Bediensteten-Interessen nicht gedient ist und daß eine derartige Gleichgültigkeit geeignet ist, böses Unheil anzurichten. Die Institutionen, die bestimmt sind, den Interessen aller Bediensteten dienen zu dürfen, auch wenn sie ihre Zivecke nicht erfüllen, nicht Leuten ausgeliefert werden, denen diese Institutionen Mittel für andere Zwecke sind. Das Wahlergebnis wird uns eine eindringliche Mahnung fein, alle an der Organisation ausübbaren Unterlassungssünden zu meiden. Der deutschnationalen Eisenbahnerbcivegung bleibt diese Wahl mit ihrem Wahlbündnis ein dauerndes Schandmal. Der deutschnationale Wahlsieg bestand vornehmlich darin, den Tschechischnationalen Mandate verschafft zu haben. Das werden die Deutschnationalen wohlweislich verschweigen, wenn sie sich bemühen werben, das Wahl-Resultat für sich als Agitationsmittel auszunützen. Sie werden auch nicht gestehen, daß sie die eigenen 'eroberten Mandate tschechischnationaler Wahlhilfe verdanken und werden alle Umstände unerwähnt lassen, die bei der Beurteilung des Wahlausfalles in Betracht gezogen werden müssen, daß das Territorium der ehemaligen Arbeitersektion der Personalkommission auf der Oe. N. W. B. geteilt wurde, daß der Klub der Kondukteure aus der St. E. G. diesmal eigenmächtig vorging, daß bei der letzten Wahl auf der Oe. N. W. B. unserer Kandidatenliste nahezu keine Gegenkandidaten gegenüberstanden und daß sich die Organisations-verbältnisse der Beamten und damit auch das Koalitionsverhältnis zu unserer Organisation geändert haben. Die Nationalen werden sich auch der genossenen amtlichen Begünstigung bei dieser Wahl nicht rühmen, die bei den geringen stimmenuntcrschieden in den meisten Fällen aus-Ichlaggebcnd für den Sieg der Nationalen mar. Sie werden das Erringen dieser Mandate als Erfolg ihrer Agitationsarbeit hinstellen und doch sind diese Mandate von ihnen nur um den Preis der Hingabe aller Prinzipien erkauft. Was die Nationalen bei diesen Wahlen an Mandaten gewonnen, haben sie durch die Einbuße an Ansehen reichlich eingebüßt und so ihren Sieg teuer bezahlt. Sie „Giftige" Set Kategsrien-enenifotiettea. Von einem Stationsmeister wird uns geschrieben: ist äußerst interessant, die Jahresberichte der verschiedenen Eisenbahnerorganisationen und -Vereine zu studieren. Jeder dieser Vereine, und sei er noch so klein Mid unbedeutend, setzt da des Langen und Breiten auseinander, was er im Laufe des Jahres für seine Mit» wieder alles geleistet habe, was er für einschneidende Erlöge errungen habe und ivas noch alles gemacht hätte Merdcn können, wenn die Gewerkschaft nicht wäre. _ Alles was für die Bediensteten der verschiedenen Kategorien geschehen ist, das hätten nur sie gemacht und Allem was nicht geschehen ist, sei nur die Gewerkschaft schuld. ~ Wie cs aber in Wirklichkeit mit diesen angeblichen Erfolgen ausschaut und was ihre Mitglieder dazu sagen, irlchcn wir beispielsweise an dem „Verein österreichischer «ugsexpedienten". Bei der Hauptversammlung, die dieser Verein im Februar d. I. abhielt, erstattete dessen Obmann H a r t i n g e r seinen Rechenschaftsbericht, in welchem er in behaglicher Breite schilderte, waZ er für die Zugsexpedienten alles geleistet habe und was noch alles für sie geschehen wird und daß ihnen nur durch die Standesorganisation geholfen werden kann. Der Sonnenschein einer erfolgreichen Vereinstätigkeit, den die Worte des Herrn Hartinger heroorzu-zaubern suchten, wurde jedoch durch eine dunkle Wolke verscheucht, indem die Südbahnmitglieder der Vereins-leitung den Vorwurf der laxen Interessenvertretung machten. Die Südbahner seien mit den angeblichen Erfolgen nicht zufrieden, da seit Jahr und Tag die Forderung betreffs Entschädigung der Altgedienten sowie die Erhöhung der Stationsleiterzulage noch offen und auch die Bewilligung der II. Wagenklasse noch ausständig sei. Auch die Gebarung mit dem Vereinsvermügeu wurde einer abfälligen Kritik unterzogen. Ebenso wurde die Beteiligung an der letzten passiven Resistenz verurteilt, wo die Veremsleitung ihre Mitglieder aus der Südbahn erst im letzten Moment hiezu aufforderte, ohne sie vorher über die Sache unterrichtet oder gefragt zu haben. Was ihre Kassengebarung betrifft, daß ihnen die Deputationskostcn zu hoch sind, daß sie die Visitkarten des Obmannes nicht bezahlen wollen u. s. w. kann uns ja ganz gleich sein, denn die Herren können ja mit ihrem Gelbe machen was sie wollen. Tatsache i st, d a ß n a ch dem Rechenschaftsbericht pro 1910 die Kosten der Vereinsver waltug über 50 Prozent der gesamten Ausgaben betragen haben, ivas wohl ein deutlicher Beweis für bie unökonomische Geldverwen-dung solch kleiner Vereine ist. Uns interessiert lediglich nur, daß die vielgepriesene Standesorganisation die Interessen ihrer Mitglieder nicht in der erwarteten und versprochenen Weise zu vertreten imstande ist und daß die Unzufriedenheit ihrer Mitglieder schon nach so kurzer Zeit zum Ausdruck kommt. Und daß diese Unzufriedenheit eine tiefgehende ist, beweist der Umstand, daß die Zugsexpedienten der Südbahn kurze Zeit darauf in Marburg eine Versammlung abhielten, wo über die Errichtung einer Subleitung für das österreichische Süb-bahiinetz. um auf eigene Faust, unabhängig von der Veremsleitung, vorgehen zu rönnen — also eine förmliche Trennung — beschlossen werden sollte. Dieser Beschluß ist allerdings durch das unverhoffte Erscheinen des Obmannes vom „Zugsexpedientenverein" unterblieben. Dafür wurde jedoch die Absicht ausgesprochen, in den Verein der Kanzleiexpedienten überzutreten. Der ganze Vorgang beweist wieder aufs neue, daß eine sogenannte Standes- oder Kategorienorganisation wie der „Zügserpedientenverein" nicht imstande ist, aus eigener Kraft die Forderungen ihrer Mitglieder, und wenn dieselben noch so berechtigt und dringend sind, durchzusetzen. Ihre ganze Tätigkeit beschränkt sich nur darauf, die von der Gewerkschaft errungenen Forderungen auf ihre eigene Fahne zu schreiben und bei den einzelnen Direktionen herumzubetteln. So behauptet der „Zugsexpedient", Nr. 1, 1911, in seiner sattsam bekannten Anmaßung, daß die Auslassung des Dienerranges bei den Stationsmeistern und die Schaffung einer reiner Unterbeamtenkategorie sowie die Kürzungen der VorrückungSfristen, Schaffung der Kassen-und Kalkulationszulage. Regelung der Urlaube u. s. w. ein ausschließliches Produkt der Tätigkeit des „Zugsexpe-dientenvereines" sei. (Sehr bescheiden, nicht wahr?) Und da getrauen sich diese eingebildeten „Intelligenzler" noch von einer urteilslosen Masse zu schreiben, als welche sie die Mitglieder der Gewerkschaft zu bezeichnen belieben, wo doch die Mitglieder ihres Vereinchens, welche solch freche Behauptungen für bare Münze hinnehmen, gerade am itzenigsten Anspruch auf Urteilsfähigkeit erheben können! Mit den Erfolgen der weiteren Tätigkeit, welche der genannte Verein noch entfaltet, schaut es wohl sehr mager aus, denn ivo die Visitkarten ihres ObmanneS Hartinger nichts helfen, wo sie aus den Unwillen der Bahnverwaltung stoßen, da versagt dann dieser Verein gänzlich, weil ihm infolge seines kleinen Körpers keine weiteren Machtmittel zu Gebote stehen und es sich auch die mit ihm koalierten nationalen Vereine nach den Erfahrungen, die sie im Jahre 1910 gemacht haben, gewiß überlegen werden, passive Resistenz zu betreiben. Auf welche Art und Weise diese passive Resistenz inszeniert wurde, geht ganz deutlich aus dem Vorivurf der Zugsexpedienten der Südbahn, den sie ihrer Vereinsleitung wegen der Beteiligung an dieser passiven Resistenz machten, hervor. Diese wurde von ein paar Machern der dabei beteiligten Vereine aus eigener Machtvollkommenheit über die Köpfe ihrer Mitglieder hinweg beschlossen und dieselben dann einfach hierzu kommandiert. Als eine bodenlose Frechheit muß es daher bezeichnet werden, wenn solche Leute die Gewerkschaft des Verrates an den Südbahnern bezichtigen, weit sich diese nicht auch zur passiven Resistenz kommandieren ließ, wo die eigenen Mitglieder der an der passiven Resistenz beteiligten Vereine nicht einmal damit einverstanden waren. Die Mitglieder der Gewerkschaft sind zu solch zweifelhaften Experimenten nicht zu haben und treten nur dann in einen solchen Kampf ein, wenn die nötigen Vorbedingungen vorhanden und die notwendigen Vorbereitungen hierzu getroffen sind. Und wenn Forderungen auf dem friedlichen Wege der Verhandlungen durchzusetzen sind, so ist dies einer passiven Resistenz, welche in ihren Wirkungen einem Streik ähnlich kommt, sicherlich vorzuziehen. Diese Herren von der neuen Koalition haben um so weniger Ursache, der Gewerkschaft Verrat vorzuwerfen, als sie' es nur dieser zu verdanken haben, das; sie mit ihrer passiven Resistenz nicht elendig Schiffbruch erlitten haben. Die Südbahnverwaltmig hat die Zugeständnisse doch nur deshalb gemacht, weil sie sich vor der Gewerkschaft gefürchtet hat. In der Erwägung, die Gewerkschaft könne sich der Bewegung entschließen und ihr dadurch die nötige Geltung verschaffen, hat sie die immerhin bedeutenden Zusagen gemacht. Wie wenig dem „Zugsexpedientenverein" die Verhältnisse der Südbahnstationsineister, zu deren Interessenvertretung er angeblich nur allem berechtigt ist, bekannt sind und in welch lügenhafter Weise er es versucht, sich bei seinen Mitgliedern in Positur zu bringen, dafür liefert uns die im Februar d. I. stattgefundene Hauptversammlung dieses Vereines den besten Beweis. Denn nach dem „Zugsexpedient" Nr. 2, Seite 5, stellte in dieser Versammlung . der Obmann Hartinger bie kühne Behauptung auf, daß die Vorstands- und Naehtdienstzulage „Errungenschaften" der passiven Resistenz 1910 waren, währenddem diese Zu-lagen bei der Südbahn schon im Jahre 1908 mittels Zirkular 539/A beziehungsweise 537/A eingeführt wurden. Und solche Leute wollen dann noch die Uebergescheite« spielen und werfen, um ihre „hohe Gelahrtheit" zu zeigen, in den Versammlungen mit lateinischen Brocken nur so herum! Bezeichnend ist es auch, daß diese von Hartinger frei erfundene Behauptung von den anwesenden Südbahnkollegen nicht richtiggestellt wurde, was wohl zur Genüge beweist, welches Interesse diese Leute ihren wirtschaftlichen Forderungen entgegenbringen. Diese Sorte von Kollegen hat eben nur Interesse für schöne Uniformen, Fahrt II. Klasse und für einen Degen, um damit den Hunger abstechen zu können; alles andere ist ihnen Nebensache, was sich leider nur zu oft schon gezeigt hat. Interessant ist auch der Ausweis über die Mit- gliederbewegung vom „Zugsexpedientenverein" im Jahre 1910. Denn wenn man die Summe der Mitgliedsbeiträge per 11.835 Kr. durch 12 (Anzahl der Monate) dividiert, so gibt dies bi Zahl 986. Nachdem aber die Zahl der Mitglieder mit 1913 angegeben ist, so folgt daraus, das; entweder die Mitgliederzahl viel zu hoch angegeben ist oder das; ein sehr großer Teil der nur am Papier befindlichen Mitglieder in richtiger Wertschätzung einer separatistischen Organisation die'Beiträge einfach schuldig bleibt. Und mit solch einem „Potemkinschen Dorfe" möchte der „Zugsexpedientenverein" noch Staffage machen! Konsequenz ist auch eine schwache Seite dieses Vereines, denn einerseits wird in allen Tonarten über die verhaßte Gewerkschaft losgezogen und derselben das Mißtrauen ausgedrückt, wie dies letztes Jahr in Laibach und Bozen geschehen ist, anderseits aber schwingen die Vertrauensmänner dieses Vereines wieder den Bettelsack und kommen zu den gewerkschaftlich organisierten Kollegen um Beiträge zu einem Geschenk für ihren Obmann Hartinger sowie für den Preßfonds schnorren. Aber/ Geld stinkt eben nicht! Als ein besonderes Renommee betrachtet der „Zugs-expedientenverein" gleich allen anderen separatistischen Organisatiönchen den Ausschluß der Politik und gibt vor, auch ohne dieselbe die Erfüllung wirtschaftlicher Forderungen betreiben zu können. Hieraus ist zu ersehen, daß diese Leute ihre eigene Lage und das Wesen einer Organisation noch nicht ersaßt herben. Wo doch das ganze Wohl und Wehe und speziell die Lage der Eisenbahner von den zu schaffenden Gesetzen abhängt, so ist es doch ganz natürlich, daß wir der Politik unser größtes Interesse entgegenbringen. Die Besoldung, die' Steuern, die Zölle, unser ganzes Versicherungswesen, alle den Eisenbahndienst betreffenden, kurz und gut alle öffentlichen Angelegenheiten werben durch Gesetze geregelt. Was hilft es uns nun, wenn wir auch im wirtschaftlichen Kampf den Bahnverwaltungen, soweit es möglich ist, eine Erhöhung unserer Bezüge abringen, wenn uns anderseits durch die Steuer- und Zollgesetze die» Lebensmittel, die Wohnungen und alles, was wir zum Leben brauchen, derart verteuert wirb, das; unsere hart erkämpften Mehrbezüge auf das Doppelte belastet werben und wenn man uns, wie es jetzt von der Regierung ge-* plant ist, unsere so mühevoll errungenen Bersicherungs-gesetze verschlechtern will. Das alles können wir aber nur verhindern, indem wir uns politisch organisieren, um auf die Gesetzgebung einen Einfluß zu gewinnen, und je größer dieser Einfluß auf die Gesetzgebung ist, desto besser werden wir uns in wirtschaftlicher Beziehung stehen. Sollen unsere wirtschaftlichen Errungenschaften von dauerndem Wert sein, so muß die politische Organisation mit der wirtschaftlichen gleichen Schritt halten. Das haben auch alle größeren Organisationen in allen Ländern eingesehen und betätigen sich deshalb am politischen Kampfplatz. Nur die Trabes Union, eine große englische Gewerkschaft, welche sich nur auf rein wirtschaftlicher Grundlage aufbaute und sich politisch gar nicht betätigte, hat das zu spät erkannt. Das Unternehmertum hat seinen Einfluß auf das englische Parlament geltend gemacht und Gesetze durch-geführt, wodurch die Trabes Union zur Schadenersatzleistung an die Unternehmer für verursachte Streiks heran-gezogen werden kann. Erst jetzt, nachdem die Gewerkschaft Schäden gelitten, betätigt sie sich auch auf politischem Gebiet, um das Versäumte nachzuholen. Wie aus alldem hervorgeht, kann eine Kategorienorganisation, wie der Zugsexpedientenverein als K a in p f o r g a n i s a t i o n, wie sie für die Eisenbahner und somit auch für die Stationsmeister notwendig ist, nicht in Betracht kommen. Es wäre interessant, zu erfahren, wie sich der „Zugs-expedientenverein" eine Erhöhung der Bezüge des Staatsbahnpersonals, woran auch die Südbahuer auf Grund des Zirkulars 385JA ox 1907 interessiert sind, vorstellt. Oder was dieser Verein im Falle der Verstaatlichung der Südbahn unternehmen würde, wenn seine Mitglieder dadurch in irgend einer Weise geschädigt würden. Kann das alles ohne die Gesetzgebung, außerhalb des politischen Getriebes des Parlaments, geschehen? Vielleicht glaubt derselbe, daß sich das alles mit ein paar Memoranden machen lasse, womit er, obwohl er die Politik verleugnet, zu den Abgeordneten aller möglichen Parteien um deren Hilfe hausieren geht. Wo es doch schon längst bewiesen ist, daß wir Eisenbahner von den Abgeordneten der bürgerlichen Parteien nichts zu erwarten haben. Die bürgerlichen Abgeordneten, die außerhalb des Parlaments vor Eisenbahnerfreundlichkeit triefen, um unsere Stimmen zu ergattern, haben dann, als wirklich etwas für die Eisenbahner geschehen sollte, den 20 Millionen-Antrag des Sozialdemokratischen Verbandes abgelehnt und nachher viel größere Summen für Kriegsschiffe und andere militärische Zwecke bewilligt. Eisenbahner, oltlegen! Mit solch einer Interessenvertretung kann uns iin Ernstfälle nicht gedient sein. Wir brauchen eine zielbewußte Organisation, die uns sowohl in wirtschaftlicher als auch in politischer Beziehung die Gewähr bietet, daß unsere Interessen gewahrt werden. Als solche kann für uns nur der 'Allgemeine Rechtsschutz-j unb G e w e r k s ch a f t S v e r e i n in Betracht: kommen. Alles, was wir Eisenbahner bisher erreicht haben, haben wir nur dieser Organisation zu verdanken./ Und wenn nicht alles erreicht wurde, was wir erstrebt' haben, so ist daran das Personal vielfach selbst schuld, weil) es sich in Verkennung der Tatsachen an allen möglichen separatistischen Sonoerbestrebungen Beteiligt, anstatt geschlossen für ihre Forderungen einzutreten. Darum, ßo lieg eit S t a t i o n s m e i st e r, ro eg mit allem falschen E i gend ü n kel und Hinein in die Gewerkschaft! Inland. Die Maifeier. Die Maifeier in Wien hatte ihr durch Tradition sestgelegtcs Gepräge. Am Vormittag gegen 60 politische und Brcmchenversaminlungen, am Nachmittag der Marsch in den Prater. So war es auch heuer, nur daß diesmal infolge des Wahlkampfes die Versammlungen noch weit massenhafter besucht waren als sonst und der Marsch in den Prater trotz des ziemlich ungünstigen Wetters fast doppelt fo stark war wie im Vorjahre. Die Genossen kamen aus den einzelnen Bezirken um Uhr, aus deu entlegenen um 2 Uhr zusammen und zogen dann mit ihren roten Fahnen und Standarten durch die Praterstraße auf den Festplatz. Die Spitze dc5 Zuges kam diesmal etwas früher im Prater au, eS waren die Organisationen des XVIII. Bezirkes, an deren Spitze ein Mann mit einer Standarte ging, in welcher in scherzhafter Weise die Rede deZ Prinzen Liechtenstein persifliert war. „Der Liechteirfteinsche Stiefel!" lautet die Aufschrift. Die Tafel war zerrissen und wieder zusammengeklebt. Die Polizei hatte nämlich die Beleidigung Seiner Durchlaucht als Verbrechen wider den Staat angesehen und eine Attacke unternommen, um Stiefel und Standarte zu konfiszieren. Bei dem Handgemenge war die Standarte zerrissen worden, doch gelang cs, die Standarte zu retten. Ein ähnliches Schicksal hatte auch ein großes Leinenband gehabt, welches die Genossen des XX. Bezirkes trugen und das auf rotem Grunde die weiße Inschrift trug: „Weg mit den Gott-Nimm-Anbetern!" Auch hier wollte die Polizei die Beleidigung der christlichsozialen Partei nicht dulden, aber nach einem kurzen, ziemlich aufregenden Handgemenge zog sich die übereifrige Polizei zurück. Die Brigittenauer Polizei hatte »och ein übriges getan, um die Christlichsozialen zu schützen. Der ganze Brigitten-auerplatz, auf dem sich daS HauS deS christlichsozialen Kandidaten Müller befindet, war von der Polizei ab» gesperrt und der Umzug der Brigittenauer durfte nicht über den Platz. Den Genossen von Mariahilf wollte die Polizei eine Standarte konfiszieren, welche einige statistische Daten über die Kosten der Dreadnoughts enthielt. Da aber die Standarte ans Holz und überdies sehr groß war, überlegte c$ sicli die Polizei, die aufreizenden Ziffern selbst über die Straßen zu tragen und ließ von der Konfiskation ab. Von diesen kleinen Zwischensällen abgesehen, ging die Maifeier ohne weitere polizeilichen Blamagen vor sich. Die vielen Standarten, die im Zuge getragen wurden, sind nicht abznschätzen. Die Südbahner und die Staatsbahner marschierten in Uniform mit. Ein Unzahl Standarten forderte zum nahen Wahlkampf anf. In gleicher erhebender Weife verlief die Maifeier in den Provinzen. Ehristlichfozialc lmtcmiiinibcr. Der Herausgeber deS christlichsozialen „Deutschen VolkSblatteS", Vergani, den die christlichsoziale „Reichspost" beschuldigt bat, daß er sich Volt dem verstorbenen jungtschechischen Abgeordneten Dyk 1500 Gulden dafür ausbezahlen ließ, daß sein Organ eine diesem Abgeordneten genehme bosnische Politik mache, hat seine Klage bedingungslos zurückgezogen, nachdem — wie schon gemeldet — bei der vor einigen Tagen stattgefnndcncn Verhandlung tatsächlich eine von Vergani unterschriebene Quittung auf deu Betrag von ,1500 Gulden produziert worden ist. Vergani zeigt dies in der Korrespondenz der Redaktion mit folgender Bemerkung an: „Sie fragen, was wir zu den Bockfprüngen des Geßmann-BlatteS sagen? Ein Zitat aus,Götz von Berlichingen', und mit dieser Begründung lassen wir die Klage fallen, werden aber dafür sorgen, daß notorische Gauner keine Mandate erhalten. Trotz aller Verleuindnngen und Drohungen wird den Protektoren des Klingelbeutelblattes kein Pardon gegeben." Die „Reichspost" sagt, daß Vergani durch die Zurückziehung der Klage die Richtigkeit aller gegen ihn erhobenen Beschuldigungen Angegeben habe. Sie schweigt aber zu den „notorischen Gaunern", die nach Verganis Drohung kein Mandat bekommen sollen. Welche von den äiristlichsozialen Kandidaten sind die „notorischen Gauner"? Geständnisse „deutscher Arbeitcrpartciler". In Steiermark haben die Deutschbürgerlichen ihren getreuen Knechten, der „deutschen Arbeiterpartei", mich nickt die kleinste Kandidatur überlassen. Darüber sind diese sehr verschnupft und haben in einer Versammlung der deutschfreiheitlichen Vertrauensmänner am 24. April eine Erklärung abgegeben, in der sie in ihrer Erbitterung manche Wahrheit sagen. Es heißt darin: Die deutsche Arbeiterpartei für die Alpenländer stellt fest, das; sie durcki die ganze Zeit ihres Bestehen? im Interesse der nationalen Sache mit allen dcutschfreihcitlichen Parteien bei politischen Kämpfen stets Hand in Hand gegangen ist. Sie erinnert daran, das; in allen K o m nt c r § reden deutschbürgerlicher Festredner die Notwendigkeit betont wurde, die deutschen Arbeiter den Fangarmcn der roten Internationale zu entreißen und deren Herz für des deutschen Volles Größe zu begeistern. Dieser gewiß schwierigen Aufgabe hat sich die deutsche Arbeiterpartei mit aller ihr zu Gebote stehenden Kraft und wahrhaftem Idealismus unterzogen. Dann aber, wo es galt, das; die D e u t s ch b ü r-g e r l i ch e n diese Arbeiter durch Verwirklichung ihrer Schlagworte von der Freundschaft für die deutschen Arbeiter unterstützen, hat es sich bisher gezeigt, daß s i e die A r-beiter lediglich a l s nationale Mitläufer w ü n s ch c n, ihnen aber die Betätigung als gleichberechtigte Volksgenossen in den VertretungSkorpern unterbinden. ^ . . In erster Linie ist zweifellos die Wirtschaftspolitik der Deutschbürgerlichen dafür maßgebend, da diese eine auSge-sprochen klassenmäßige Mittelstandspolitik betreiben, während die Deutsche Arbeiterpartei eine das Wirt. schaftsleben des gesamten deutschen Volkes fördernde Po-Mit verfolgt. Daß in manchen Kreisen des beut» ,,fchcn Bürgertums geradezu ein Haß gegen den deutschen Arbeiter herrscht, beweisen zur Ge. nüge die Worte eines Teilnehmers der Vertrauensmänner-Versammlung von St. Michael am 23. April, welcher er-klärte: «Wenn ein Kandidat der Deutschen Arbeiterpartei ausgestellt wird, werden viele Bürgerliche christlichsozial wählen." Wenn man ihnen ein Mandat gibt, werden sie es natürlich wieder abstreiten- daß die Deutschbürgerlichen eine ausgesprochen klassenmäßige Mittelstandspolitik betreiben, daß sie den deutschen Arbeiter hassen und ihn höchstens als nationalen Mitläufer wünschen. Herr E r 11 zum Beispiel, ist, seitdem er kandidieren darf, recht zahm geworden. Genosse Adolf Albrecht gestorben. Am 30. April starb in Reichenberg Genosse Adolf Albrecht gestorben. Der fast 70jährige war nun bereits seit vielen Monaten schwer leidend. Er hinterläßt eine Witwe und einen bereits verheirateten Sohn. Seit 1870 war Genosse Albrecht an vorderster Stelle im Parteileben tätig, was ihm mehrfache Strafen cintrug. Er hat sich auch um die Einigung am Hainfelder Parteitag verdient gemacht, wie er denn stets, auch als er mit schweren Existenzsorgen zu kämpfen hatte, ein opferfreudiger eifriger Kämpfer für die Rechte des Proletariats war. Im Jahre 1897 trat dann Genosse Adolf Albrecht in die Redaktion des „Freigeist" in Reichenberg ein, von 1900 bis 1909 war er Parteisekretär in Reichenberg. — Die Beerdigung fand unter ungewöhnlich zahlreicher Beteiligung in Reichen» berg statt. Alle, die ihn kannten, werden dem wackeren Genossen ein herendes Andenken bewahren. Ausland. Zum Konflikt der französischen Negierung mit den Elscnbahuverwaltungcn. Die Weigerung der französischen Privatbahngescllschaftcn, die wegen des Streiks im Vorjahre entlassenen Eisenbahnbediensteten wieder* cinzustellen, veranlagte am 14. April in der Deputierten-kammer einen sozialistischen Abgeordneten, den Minister der öffentlichen Arbeiten über das Verhalten der Gesellschaften zu interpellieren, was den Ministerpräsidenten bewog zu erklären, daß er die Verhandlungen mit den Eisenbahngesellschaftcn nochmals aufnehmen werde. Wenn sic aber, wie eS nach dem bisherigen Verhalten der Gesellschaften zu befürchten sei, zu keinem Ergebnis führten, so werde er sich an die Kammer wenden, um gesetzliche Mittel zu bekommen, mit denen er die Gesellschaften zur Nachgiebigkeit zwingen könne. Diese Erklärung wurde, von der Kammer mit großer Mehrheit gebilligt. Der Minister der öffentlichen Arbeiten richtete darauf an jeden einzelnen VerwaltungSratSvorsitzenden der Eisenbahngesellschaften die Aufforderung, sich innerhalb einem Monat zu entscheiden, ob sie die aus rein disziplinarischen Gründen entlassenen Eisenbahner wieder einstellen oder ob sie mit der Regierung und mit dem Parlament in einen Konflikt treten wollen, der schließlich, wenn nicht mit der Verstaatlichung aller Eisenbahnen, so doch mit einer teilweisen Niederlage der Eisenbahngesellschaften endigen muß. Trotzdem wollen die Eisenbahngesellfchaften nicht nachgeben. Anf die weitere Entwicklung der Dinge kann man fehr gespannt sein. Ein Polizciattcntat gegen die amerikanische Gewerkschaftsbewegung. Im Oktober vorigen JahreS fand ein mysteriöses Dynainitatteutat gegen das Redaktions-gebäude eines Scharfmacherblattes, der „Times" von Lo§ Angeles in Kalifornien statt. Im Anschluß daran begann eine Hetze gegen die Gewerkschaftsführer, die beschuldigt wurden, das Attentat, bei dem zwanzig Menschen umS Leben kamen, veranlaßt zu haben. So blödsinnig diese Beschuldigung war, die korrupte Beamtenschaft war den Scharfmachern zu willen und leitete die Unter-fuchung ein. Vor kurzem wurden die Führer des Eisenbahnarbeiterverbandes Mc. M o n a r o uud Otto SOft. M o tt i g e l als Anstifter verhaftet. Die Polizei-strolchc verbreiteten daS Märchen, daß sie einer weitverbreiteten Verschwörung auf die Spur gekommen feien, deren Leiter, zu denen auch die Verhafteten gehören sollen, die Absicht hätten, die Unternehmer mit allen Mitteln der Gewalt den Forderungen der Gewerkschaften gefügig zu machen. Gegenüber diesen hirnrissigen Anschuldigungen erklärt G o m p e r s, der Präsident der Federation of Labor, daß die kalifornischen Polizisten ein Komplott gegen die Arbeiterführer angezettelt haben. Die Art der Verhaftung der Arbeiterführer sei eilt Skandal. Mc. Moitigal sei in Detroit, wo der Detektiv ThomaS Reed ihn arretierte, zehn Tage lang in dessen Wohnung eingesperrt gehalten worden und dort der Jnquisitiousmethode unterworfen worden, die unter der harmlofen Bezeichnung „der dritte Grad" bekannt sei, in Wahrheit aber auf die Tortur hinauslaufe. DaS Gericht selbst hat nun diese Beschwerden anerkennen müssen und das Vorgehen gegen die Arbeiterführer für ungesetzlich erklärt. Demgemäß verfügte das Gericht die Verhaftung des Hilfsstaatsanivalts Drew in Los Angeles, des Anwalts der Baunieistcrverciitiguitg und dcS Chauffeurs Fox wegen Entführung Mac M a-m a r a S. Die Arbeiterunion erwirkte einen Gerichtsbefehl gegen die Einsichtnahme in die beschlagnahmten Bücher. Der Staatsanwalt hielt gleichwohl seine Anklage aufrecht. In der amerikanischen Arbeiterschaft ijabctt diese Vorgänge, die ihnen so recht die freche Klassenherrschaft deS Kapitals von Augen führen, ungeheure Erregung hervorgerufen. Ein Generalstreik der französischen Eisenbahner? Der Generalsekretär des Syndikats der Eisenbahner und Führer der Maschinisten und Heizer Toffin droht mit einem 24stündigen Eiseubahuerstreik, wenn die Eisenbahngesellschaften in ihrem Widerstand gegen daS Parlamentsvotum über die Wiedereinsetzung der entlassenen Eisenbahner verharren. Der Streik wird sich nur auf die Linien der Privatbahnen beziehen und sich nicht auch auf die staatlichen Westbahnstrecken ausdehnen, da von dieser Bahn fast alle entlassenen Eisenbahner wieder angestellt wurden. Sollte der 24stündige Streik nichts nützen, so wird man feine Dauer ausdehnen. Der Tag dieses 24stündigen Generalstreiks wird noch geheimgehalten. t ,x Eisenbahnerkongresr in Italien. DaS Syndikat der italienischen Eisenbahner, die stärkste Organisation des Eisenbahnpersonals, hat am 28. v. M. in Mailand seinen Kongreß beendet. Soweit sich die Verhandlungen um die Stellungnahme gegenüber der Regierung drehten, wurde Ausschluß der Presse beschlossen. Es heißt, daß die Eisenbahner weitere Forderungen an die Regierung stellen und nach einem Monat, int Falle der Nichtberück-sichtignitg, zu passiver Resistenz schreiten würden. Es sei ausdrücklich hervrgehobeu, daß wir hier uur ein Gerücht wiedergeben. — Der Kongreß beschloß weiter, der Konföderation der Arbeit bcizutreten. Auch wurde die Notwendigkeit betont, ein Organ zur Vertretung der Interessen der Eisenbahner zu haben, da die eine Zeitlang in Mailand erschienene Tageszeitung des Syndikats „La Conqniata" mit einem Defizit von 23.500 Lire ihre Veröffentlichungen einstellen mußte. Der Kongreß sprach in einer Tagesordnung der republikanischen „Ragione" für ihr Verhalten während der Eisenbahneragitation feinen Dank aus. Aus dem GerichLssaal. Ein bemerkenswertes Urteil. Bezugnehmend auf die in unserem Blatte Nr. 12 vom 1. Mai unter der Rubrik: „Aus dem G e r i ch t S s a a 1" veröffentlichten Notiz: „B e i m V e r-leumden eingegangen" bringen wir der Vollständigkeit halber den Wortlaut des Urteils sowie dessen Begründung: Im Namen Seiner Majestät des Kaisers! Das k. k. Bezirksgericht Bozen. Abteilung IV, hat über die Anklage des Josef T o m s ch i k, ReichSratSabgeordneter, als Privatankläger, gegen Josef Amort, am 8. August 1871 in Merzocorona geboren, zuständig nach Altrei, katholisch, verheiratet, Assistent der Südbahn, Sohn dcS Balthasar und der verstorbenen Anna geborenen T e s s a d r i, unbescholten, wegen Ucbertretnng gegen die Sicherheit der Ehre, gemäß 8 488, St.-G. in Anwesenheit des Vertreters Dr. Anton v. Wa 1 the r, Advokat in B o z e n, den auf freiem Fuß befindlichen Angeklagten Josef A in o r t, des Verteidigers Dr. Schubert, nach der heute durchgeführten Hauptverhandlung auf Grund des vom Privat-ankläger gestellten Antrages aus Bestrafung des Angeklagten nach § 488 St.-G. und des Antrages deS Verteidigers auf Freispruch, eventuell milde Bestrafung zu Recht erkannt: Der Angeklagte Josef Amort ist schuldig, am 30. Oktober 1910 in Bozen im Gasthaus „zum goldenen Rötzl" den Reichsratsabgeordneten Joses Tom sch ik namentlich durch die Mitteilung von erdichteten Tatsachen fälschlich einer un--ehrenhasten Handlung beschuldigt zu haben, die geeignet war, den Herrn To m I ch i k in der ö ff en t lichen Mein ung h er a b z us e tz e u, indem er behauptete, Tomfchik habe daS Personal der Südbahn verraten und verkauft und er habe sich vonderSüdbahndirektion mit einigen Tausenden bestechen lassen; er hat hierdurch die Uebertretung gegen die Sicherheit der Ehre nach § 488 St.-G. begangen und wird hierfür nach § 493 St.-G. unter Anwendung des § 266 und § 261 St.-G. zu einer Geldstrafe von 100 (hundert) Kronen, eventuell 10 (zehn) Tagen Arrest und gemäß § 889 St.-P.-O. zum Ersatz der Kosten des Straf» Verfahrens und eventuellen Strafvollzuges verurteilt. Gründe. Der Schuldspruch gründet sich auf folgende Erwägungen: Durch die Aussagen der Zeugen Oberbacher und Wind-holz ist erwiesen, daß der Angeklagte damals, am 30. Oktober 1910 im Gastlokal des „Rößl" die Aeußerung getan hat: „Tonisch i £ habe sich von der Südbahndirektion mit einigen Taufenden bestechen lasse it." Diese Aeuße-rung wird auch teilweise bestätigt durch die Angaben der Zeugin Therese Kerschbaumer, die ebenfalls von „Tausenden" sprechen hörte. Der Angeklagte gibt selb st zu, gesagt zu haben, „Tomschik habe das Personal verraten und verkauf t". Ob nun diese Aeußerung in biesemoder jenem Wortlaut gehalten i st, bleibt sich im oll« gemeinen gleich, denn unter „verkaufen" kann auch nichts anderes verstanden werden, als die Zuwendung inateriellerVorteile, die sich Tomschik durch fein Verhalten in der Eisenbahne r--bewegung verschaff* haben soll. Tomschik müßte als sozialdemokratischer Abgeordneter die Interessen der niederen Klassen der Südbahnangesiellten wahren; wenn er nun dieselben verraten und verkauft hätte, so mutz ihn eilt solcher Vorwurf um so schwerer treffen. Ihm wird dadurch ein unehrenhaftes Verhalten vorjteworfcn, da? sicherlich geeignet erscheint, ihn in der öffentlichen Meinung herabzusetzen und ihn insbesondere bei seinen Gesinnungsgenossen verächtlich zu machen. Die Acußerung geschah in einem öffentlichen Gastlokal, in daS jedermann Zutritt hat und erscheint deshalb die bezügliche Aeußeruug als eine öffentliche. Es wäre also Ausgabe des Angeklagten gewesen, die Wahrheit seiner Behauptung darzu-tu«; ein bloßer Wahrschcinlichkeitsbewcis konnte ihn nicht straffrei macheit. — Diesen Beweis der Wahrheit hat jedoch der Angeklagte «ich: vermocht zu erbringen, er hat sich bloß auf Zeitungsartikel berufen, aus Grund deren er diese Aeußerung machte, aber die Richtigkeit und Wahrheit derselben konnte er ebenfalls nicht baitun. Er hatübrigenSnichteinmal Beweise dafür angeboten, daß jener Vorwurs der Bestechlichkeit Toinschiks auf Wahrheit beruhe. Er hätte Nachweisen müssen, daß d e m A b g e o r d n e t e u T o m s ch i k seitens der S ü d b a h n d i r e k t i o n materielle Vorteile irgendwelcher Art u n d H ö h e z u g e w e n d e t worden feien und daß die Gegenleistung To m-fchiks darin be ft an den habe, daß er die nieberen Klassen bei- Südbahnange st eilten v o n der vassiven Resistenz der Südbahn beamten abgehalten habe. Falls auch dem Angeklagten der Nachweis dasür gelungen wäre, daß cs den Bemühungen Toinschiks zuzuschreiben sei, daß die niederen lassen der Südbahnangestellten bei der pas-> si v e n Resistenz nicht in i t g eta n hatten, daß Tomschik e6 gewesen wäre, der die Anteilnahme verhindert und Hintertrieben habe, so kann ja Tomschik dicö nur getan haben, um die Interessen der von ihm vertretenen Arbeiter und Angestellten zn wahren, indem er glaubte, daß auch ohne passive Resistenz sich die Lohnverhältnisse der Arbeiter verbessern lassen, daß dnrch die passive Resistenz die Arbeiter bloß in Elend und Not gestürzt würden. Ein Nachweis dafür, daß der Beweggrund ür das Verhalten des Abgeordneten Tomschik n der Zuwendung inateriellerVorteile seitens der Südbahndirektion bestanden habe, ist nicht angeboten worden und erst «och weniger erbracht worden. In dem Vorwurf aber, daß sein Verhalten in dem ßoljtv kämpfe der Südbahnangesiellten auf einer gewinnsüchtigen Absicht beruhe, ist der Tatbestand des § 488 St.-G. enthalten und ötufjtc, da dieser Vorwurf fälschlich und grundlos erhoben wurde, der Angeklagte schuldig gesprochen werden. . itici Bemessung der Strafe wurde angenommen als Mildernd: das teilweise Geständnis, Unbescholtenheit, Aufregung: erschwerend: der Umstand, das; es sich uni eine schwerwiegende Beleidigung handelt, erhoben gegen eine Person deren Pflicht und Aufgabe eS ist, die Interessen der unteren Klassen der Südbahnangestellten zu wahren. K. k. Bezirksgericht Bozen, Abteilung IV, am 1. März 1911, Dr. Nenbacher m. p. Dr. B r a i t e n b e r g w. p. Für die richtige Abschrift: GerichtSkanzlei k. k. Bezirksgericht Bozen, Abteilung IV, am 18. April 1911. Dieses Urteil ist umso bemerkenswerter, als der Richter durch seine Begründung die infame Art unserer Gegner charakterisierte, die, an die Gedankenlosigkeit der Masse appellierend, die gemeinsten Verleumdungen gegen die an der Spitze stehenden verantwortlichen Personen vom Stapel lassen. Schade ist nur, daß die wirklichen Urheber, die ihren gedankenlosen Nachläufern planmäßig solche .Kampfcsmethvdcn' beibringen, zumeist nicht gefaßt werden können. Das Eisenbahnunglück in Villach am Weihnachtsabend. Bor dem Landeügericht Klagensurt fand am L. Mai 1. I. em schwerer Eisenbahnunfall, der sich am 24. Dezember 1910 auf dem tzauptbahnhof in Villach ereignet hatte, sein gerichtliches "Nachspiel. Am genannten Tage gegen VS7 Uhr morgen« fließ der vom Hnuptbahnhof in Villach gegen Marburg abgelaffene Personenzug Nr. 430 kurz nach Paffierung der östlichen Platzinspektion mit dem Güterzug Nr. 465 zusammen. Die Folgen des Zusammenstoßes waren sehr schwere, da eine Person getötet wurde, während zahlreiche andere Personen teils schwere, teils leichte Verletzungen erlitten. Wegen dieses Unfalles erhob die Staatsanwaltschaft die Anklage gegen den Assistente» der Südbahn Heinrich L a n g, welcher am Unfallslage den Dienst am Hauptbahnbof in Villach versah, weiters gegen den Lokomotivführer des PerfonenzugeS Nr. 430 Franz N u z i c £ a. Dein Assistenten Laug wurde zur Last gelegt, daß er den Personenzug Nr. 430 abgelassen hatte, ohne sich vorher durch die vorgeschriebene Anfrage bei dem in der östlichen Platzinfpek-tion diensthabenden Beamten Pozega vergewissert zu'haben, ob der erwartete Güterzug Nr. 455 bereits in der Station ein-getrosfen sei. Dem Lokomotivführer 8t u 5 i 6 t a wurde zur Last gelegt, daß er seine Fahrt sorgesetzt habe, obgleich das Aussahrtsjema-phvr auf „Haiti" gestellt war und die unmittelbar hinter der östlichen Platzinspektion gelegenen Wechsel nicht für seine Ausfahrt standen, sondern für die Einfahrt deS ZugeS Rr. 455 gestellt waren. Bei der unter Vorsitz deS Landesgerichtsrates M o r i t f ch stattgefundenen Verhandlung verantwortete sich der von Doktor itochert verteidigte Assistent Heinrich Lang gegenüber der Anklage dahin, daß er vorschriftsmäßig vor Abfahrt des Personen-zuges Nr. 430 sowohl bei der östlichen Platzinspektion als auch bei dem zwischen dieser und dem Hauptbahnhos stationierten Wächter angefragt habe, ob die Ausfahrt für Zug Nr. 430 bereits frei |ci. Beide hätten ihm bejahend geantwortet und er hätte fpntit keinen Grund gehabt, die Ausfahrt deS ZugeS Nr. 430 nicht anzuordnen. Lokomotivführer 9t it z i 61 n, welchen Dr. HarPner aus Wien verteidigte, gab an, er fei mit dem von ihm geführten Zuge am UnsallLtage ganz normal vom Hauptbahnhose abge-scrtlgt worden; er sei nicht davon verständigt worden, daß die Kreuzung mit Zug Nr. 4öo verlegt worden sei, habe somit mit voller (Sicherheit a,»nehmen müssen, daß Zug Nr. 455 bereits in der Station eingelangt sei. Er sei auch nicht davon verständigt r ’“!c er später erfahren habe, infolge Störung in Den Apparaten die Verständigung mittels GlockensignaleS dem Zuge nicht vorangegangen sei. Bei Passiermig des Wächter-pojtenS zwischen beut Hauptbahnhofe und der östlichen Platz-Inspektion habe er keinerlei Haltsignal bemerkt, ebenso auch nicht .das rote Licht des AuSsahrtSsemaphorS: der am Unfallstage herrschende dichte Nebel habe nur die Aussicht auf wenige Schritte gestattet. Bei der Annäherung an die Stelle, wo der AuSfabrtS-icmaphor sich befindet, habe er einen matten gelblichen Schein, une ihn ein auf „frei“ stehendes Signal im Nebel zeige, bemerkt und sei daher der festen Meinung gewesen, ?daß der AuSsahrts-teinaphor auf „frei* stehe. Möglicherweise sei ihm tu dem dichten yccuel eine Verwechslung mit einer in der Nähe deS AusfahrtS-lemaphors postierten, zu BelcuchluugSzwecken dienenden Sekular-lampe passiert, woran er aber unschuldig sei. weil eben dichter Nebel geherrscht habe, und er bei der ganzen Situation keine Ahnung haben fonntc, daß der AussahrtSsemaphor aus »halt" gestellt fein werde. Unmittelbar vor Annäherung an die hinter vcr Platzinspektion gelegenen Wechsel habe er bemerkt, daß diese Unrichtig gestellt seien; es sei jedoch bereits diel zu spät gewesen, Zug noch vor den Wechseln zum Anhalten zu bringen. Gleich darauf habe er bereits im dichten Nebel einen Lichtschimmer bemerkt, der ihm ausgefallen sei, er habe sodann sofort alle Anstalten getroffen, um den Zug zum Halten zu bringen, doch war "^r Zusammenstoß mit dem ihm entgegenkommenden Güterzuge Mcht mehr aufzuhalten, da auch dieser infolge deS herrschenden Nebels erst spät den entgegenkommenden Zug mahrqmommen habe. Von den cinuernomntencn Zeugen wurde durchgehend-bestätigt, daß am llnsallstage dichtic Nebel geherrscht habe. Der «msfahrtssemaphor sei aus „halt" gestanden, ebenso seien die Wechsel für die Einsahrt deS ZugeS Nr. 455 gestellt gewesen, zwischen der östlichen Platzinspektion und dem Hauptbahn-Hofe stationierte Wächter gab an. Lang habe bei ihm an gefragt, ob Zug Nr. 430 auc'fahrcn könne, was er bejaht habe, da bei Mi alles in Ordnung gewesen sei; daß Zug Nr. 455, der nicht oct iljnt passiere, in der Station noch nicht emgetroffen fei, habe bei dem herrschenden Nebel und infolge der Verstellung der Geleise mit anderen Waggons nicht mahrgenommen. Der Beamte der östlichen Platzinjpektion, P o i e g a, gab dezidiert an, ®et Angeklagte Lang hätte lediglich wegen der Einfahrt des tjuges Nr. 455 disponiert, habe aber nicht später gefragt, ob der Muß bereits da fei, beziehungsweise ob Zug Nr. 430 auSsahren Jünne. Er berief sich in dieser Richtung auch aus einige zur Zeit oes Unfalles in der östlichen Platzinspektion anwesend gewesene ‘öeoienstcte, welche jedoch präzise Angaben in dieser Richtung ">cht machen konnten. Nach Erstattung eines Gutachtens seitens der Sachver-irandigen Revidenten Bl am er und Ingenieur Karl Waitz ocantragte der Staatsanwalt die Verurteilung beider Angeklagten. Verteidiger' Lang'S, Dr. Köchert, verlangte die Freisprechung, kcjügltch der Frage, ob der Assistent Lang vor Ausfahrt Zuges Nt. 480 bei der Platzinspektion angesragt habe, ob Ausfahrt für diesen Zug frei fet, sich die SluSsagcn deS An-seiiagten und des Zeugen Pozega gegenüberständen, ohne daß oettete Beweise vorticgen. Bei dieser Sachlage könne man von bnr des Lang unmöglich die Ueberzeugung gewinnen, da Pviega nicht zu erwarten sei, daß er sich selbst belaste, wenn iwa er irrtümlicherweise die Anfrage deS Beamten Lang 6c» wjcitd beantwortet hätte. . Der Verteidiger RuriLka'S, Dr. Harpner, verwies darauf, atz den Lokomotivführer nicht nur letn Verschulden treffe, daß oielmehr offenbar mit der größten Aufmerksamkeit gefahren Obgleich der Lokomotivführer durch die ordnungsmäßige ^.ttrtigung des ZugeS in Sicherheit gewiegt war, habe er doch l größten Aufmerksamkeit auf die Strecke geblickt, was am Umstand beweise, daß er trotz des dichten Nebels die "richtige Stellung der Wechsel bemerkt habe. Für die Ver- wechslung eines anderen Lichtes mit dem Ausfahrtssemaphor und für die Nichtbeachtung des letzteren könne man bei dein von allen Zeugen bekundeten dichten Nebel unmöglich den Lokomotivführer verantwortlich machen. Dieser habe auch nach dem An-stchtigwerden der unrichtigen Wechsel in der korrektesten Weise alles getan, um den Zug rechtzeitig zum Halten zu bringen, was leider nicht mehr möglich sei. Während also sicherlich durch ein schweres Verschulden irgend eines Organes der >jug abgelassen worden sei, ehe er freie Ausfahrt hatte, habe der ßofomolioführer unter den gegebenen Umständen alle pflichtmäßige Aufmerksamkeit betätigt. . ar Der Gerichtshof sprach beide Angeklagte frei. Bezüglich des Angeklagten Lang fei allerdings erwiesen, daß durch eine schw^e Nachlässigkeit der Personenzug abgelassen worden sei, ehe der Guterzug eingetroffen war. Allein da bezüglich der maßgebenden Frage, ob Lang vor Abfertigung des Zuges bei der Platzinspektion wegen der freien Ausfahrt angesragt habe, die Aussagen der beiden unmittelbar beteiligten Beamten Lang und Pozega ohne einen anderen Beweis sich gegenüberständen, sei cs für den Gerichtshof nicht möglich gewesen, die volle Ueberzeugung zu gewinnen, daß gerade Lang und nicht etwa Po-Scaa der Schuldtragende fei. Bezüglich deS Lokomotivführer dagegen habe das Beweiö-verfahren ergeben, daß dieser vollkommen pflichtgemäß gehandelt hat, daß bei dem herrschenden Nebel die Nichtbeachtung deS Semaphors, beziehungsweise die Verwechslung desselben ohne» weiters begreiflich sei, und daß auch später 'JtuüCta alles getan habe, um den Unfall zu verhüten. Eine bemerkenswerte Entscheidung dc3 Schiedsgerichtes. Am 28 .April erlitt der MagazinSarbeiler Michael Eder in der Station Klein-Schwechat als er in einem Lastwagen beim Frachtenmagazin Fässer einlageit: und übereinanderschlichtete, dadurch einen Unfall, daß infolge plötzlichen Anschiebens einer ZugS-ßornilur an seinem Waggon ein Faß ins Rollen geriet und ihm einen komplizierten Splitterbruch des linken Daumens zufugte. Er mutzte, als zum weiteren Eisenbahndienst untauglich, mit einer kleinen Pension in den Ruhestand treten und bezog durch nahezu zwei Jahre eine doprozentige Heilverfahrens-rente. Ab 28. Februar d. I. wurde ihm von der berufsgenossenschaftlichen Unfallversicherungsanstalt der österreichischen Eisenbahnen eine Mprozenttge Sauerrente von seinem Jahre-Arbeitsverdienst bemessen, welche der Annahme einer 40pro° zentigen ErlucrbSeinbutze entspricht. Eder klagte durch Dr. Harpner beim Schiedsgericht auf Erhöhung der Rente. Bei der Verhandlung am 21. April l. I. erklärten die Sachverständigen, Dr. Ferdinand v. Kliegl und Dozent Dr. Karl Ritter b. StehSkal, die Einschätzung der Anstalt als vollkommen ausreichend und meinte insbesondere der letztere, das; ins Gewicht fallende nervöse Störungen als Unfallsfolge hicht vorhanden feiert. Der klägerifche Vertreter führte aus, daß die Sachverständigen nur die rein medizinische, nicht aber die darüber hinausgehende, durch die BerufSuntauglichkett EderS hervor-gerufene Erwerbseinbutze in Rücksicht zögen. Der klägerifche Vertreter hielt dem Schiedsgericht die im Jännerheft 1911 des „Oeftcrreichifchcn Zentralblattes für juristische Praxis" publizierte Entscheidung des Obersten Gerichtshofes vom 17. November 1910, Rv. I 94(5/10, betreffend den Unfallversicherungs-Prozeß eines StratzenbaHnkondukteurS, welchem, obgleich er von den Gerichtsärzten als zu 50 Prozent erwerbsunfähig begutachtet worden war, der Oberste Gerichtshof unter Aufhebung der untergerichtlichen Urteile die Entschädigung für volle Invalidität gufprach, von der Anschauung ausgehend, daß dem von der Straßenbahn wegen des Unfalles pensionierten Kondukteurs doch nicht zugemutet werden könne, den Rest feiner Arbeitsfähigkeit auf eine gekünstelte Wdifc für einen anderen Beruf zu verwenden, für den er nicht aus ge-bildet f ei. Das Schiedsgericht unter dem Vorsitz des Oberlandes-gerichtrates Dr. Cap verurteilte auch tatsächlich die Anstalt zu einer Rentennachzahlung für die Zeit vom 1. März bis 80. April 1911, ferner, beginnend vom 1. Mai 1911, zur Zahlung einer 45prozentigen Rente vom Jahresarbeitsverdienst. In der Begründung hob der Vorsitzende hervor, das; dem Standpunkt des klägerischen Vertreters insofern beigepflichtet werden müsse, als die Berufsfähigkeit der vornehmste Teil der Arbeitsfähigkeit sei. Da nun das Sachverständigengutachten die Untauglichkeit des Klägers zum Eisenbahndienst nicht berücksichtigt habe, habe das Schiedsgericht die Rente unter Zugrundelegung einer SOprozeittigen Erwerbseinbutze nach freiem Ermessen erhöht. Streiflichter. Statt Eifenbahnerpersonnlhäuser — Pfarrhofbau. AuS Selzthal wird im5 berichtet: Seit vielen Jahren schon kämpft die hiesige Arbeiterschaft gegen die immer ärger werdende Wohnungsnot an, und ganz besonders die Eisenbahner haben wiederholt die Forderung nach Erbauung von Personalhäusern für Sclzthal erhoben, weil sie wissen, daß damit nicht nur die Wohnungsnot der Eisenbahner, sondern auch die der übrigen Arbeiterschaft behoben würde. Auch der christlichsoziale Abgeordnete ReichSrittcr v. Pantz arbeitete auf dem Gebiet der Wohnungsfürsorge. Wie das pfäffifche „EnnStalerblatt" berichtet, hat das k. k. Eisenbahnministerium aus Betreiben des Herrn Pantz 20.000 Kr. für den hiesigen Pfarrhofbau bewilligt. Herr Pantz, der bei jeder Gelegenheit von feiner „Fürsorge für die Arbeiterschaft" faselt und der wiederholt erklärte, dah er „sehr viel für die Eisenbahner Selzthals gewirkt" habe, hat es also für notwendig befunden, einen Kredit für den Pfarrhofbau zu erhalten, statt an der Durchsetzung der Forderung nach Errichtung von Personalhäusern mitzuarbeiten. Die Wohnungsnot von Selzthal wird von Tag zu Tag unerträglicher, die Linzer Kaserne mutzte, weil sie für baufällig befunden wurde, geräumt werden, die andere Kaserne wurde überfüllt und für mehrere Eisenbahner mußten sogar in Gasthäusern Wohnungen gemietet werden. Eine Erhöhung des Quartiergeldes wurde abgeschlagen mit der Begründung, das; eine solche Erhöhung nur den Hausherren zugute kommen würde, und so wurde nichts gemacht, um die Wohnungsnot zu lindern. In echt jesuitischer Weise erheben zur Zeit der Wahlen auch die Christlichsozialen die Forderung nach Erbauung von Personalhäusern. Sie vergessen ganz dabei, das; ihr Abgeordneter eS unterlassen hat, dieser längst bekannten Forderung den nötigen Nachdruck zu verleihen. Hätte Herr b. Pantz für die Erbauung von Personalhäusern so wacker gearbeitet tote für die Erbauung des Pfarrhofes, dann hätte die Selzthaler Arbeiterschaft schon längst ihre Personalhäuser und das Ge-toinfel der Christlichsozialen wäre überflüssig. Herr v. Pantz macht Propaganda für seine angebliche Tätigkeit für die Cifen--bahner. Wie bei dieser Sache, so ist es auch bei anderen Dingen. Wenn er irgendetwas gemacht hat, so geschah es nur zugunsten seiner paar christlichsozialen Freunderln und gege» das Interesse der Allgemeinheit. Jetzt erst durch den Beschluß der letzten Sitzung der Personalkommission, in der die Sozialdemokraten die Mehr-heit bilden, ist die Errichtung der Personalhäuser in Selzthal für die nächste Zeit zu erwarten. Herr v. Pantz hat also zur Verwirklichung dieser Forderung nichts beigetragen. Das mujj festgehalten werden, wenn er wieder auf Gimpelfang unter den Arbeitern ausgeht. Hoffentlich werden die EnnSlalcr Arbeiter Sorge tragen, daß im 14. Wahlkreis unser verdienter Kandidat Genosse Hammersiorser gewählt wird und daß cs mit der demagogischen Ortspolitik des Herrn ReichSritters ein Ende hat! Die ArbcitcrzcutvolnuSichufiinitglicbcr beim Eifenbahn-minister. Zufolge des in der großen Staatsbahnarbeiterversammlung in Rudolfsheim am 22. März l. I. gefaßten Beschlusses sprachen am 8. April l. I. abermals die Arbeiter-zentralauSschuhmitgliedcr Tantsin, Schneider und Kubitschek beim Eisenbahnminister vor, um ihm in der Frage der Identitätskarten die in einem Memorandum zusammengesetzten Wünsche der Arbeiterschaft der Staatsbahnen zu überbringen. Denn mit der Einführung der bloßen Identitätskarten habe man weder der Arbeiterschaft noch der Staats» bahnverwaltung dasjenige getan, was man von dieser ganzen Sache eigentlich gehofft habe, nämlich: eine Erleichterung für beide Teile. Im Gegenteil, alles bleibt bei dem alten komplizierten, kostspieligen Verhältnis, nur die Arbeiter selbst haben die Auslagen zur Beschaffung der Identitätskarten noch separat aus ihrem spärlichen Einkommen zu tragen. Wenn nun schon die Einführung der Identitätskarten notwendig ist, so geht doch die Bitte der Arbeiter dahin, diese Identitätskarten gleich zu einer vollständigen Legitimation zur Lösung von Pcrfonalfahckarten für die eigenen Linien auSzugeftaLhen. Der Eifenbahnministcr erwiderte, daß nach dem Gutachten aus dem Departement XX eine solche Bewilligung vollständig ausgeschlossen erscheine, weil der Arbeiter erst nach lOjöhrigcr Dienstzeit ständig sei und nur ein solcher darauf Anspruch habe. Dagegen schilderte die Deputation, das; auf der Südbahn die Legitimationen für die Arbeiter bereits bestehen, und zwar ganz so, wie diese die Arbeiter der Staatsbahnen wünschen. Dadurch werden viele Drucksorten, viel Zeit und Arbeit erspart. Der Eisenbahnminister verfolgte mit Aufmerksamkeit die ausführliche Darlegung der Deputation und erklärte schließlich, daß er, wenn sich die Angelegenheit wirklich so verhalte, sein letztes Wort in dieser Beziehung noch nicht gesprochen habe, so das; noch die Möglichkeit bleibt, diese Angelegenheit vielleicht im Sinne der Arbeiter berücksichtigen zu können. Die Einhaltung der Verpflichtung zur Einräumung einer Erinüßigimg tut die (Hfcntitchitbcbtcnsteten in den Btihn-hofrestnurntionen. Die k. k. Betriebsleitung Czernowitz hat nach« stehenoen Dienstbefehl ausgegeben: K. k. Betriebsleitung Czernowitz ZI. 8/1, 12. am 15. März 1911, Betreff: Verpflichtung der Pächter der Bahnhofrestauration und Bahnhofbüfetts zur Einräumung einer Ermäßigung an die Bediensteten der l k. Staats» eisenbahnverwaltuug. Dienstbefehl an alle Sie it ft st eilen! Im Hinblick auf einen in der Sitzung der Personal» kommiffion vom 17. Februar I. I. gestellten Antrag werden die Dienststellen zwecks Verständigung des unterstehenden Personals in Kenntnis gesetzt, das; die Pächter der Bahnhof-restaurationen und Bahnhofbüfetts des hiesigen Amtsbereiches vertragsmäßig verpflichtet sind, allen Bediensteten der k. k. Staatseisenoahnverwaltung und deren Angehörigen ohne Verminderung der Qualität und Quantität eine 25prozentige Ermäßigung von dem genehmigten Tarif für Speisen ein» zuräumen. Um ferner die zur Information des Publikums bestimmten Speisen- und Getranketarife zweckentsprechend zu gestalten, sind die Pächter anzuweisen, große, unter Rahmen und GlaS gelegte und von der Ortsbehördc vidierte Speisen« und Getränketarife zur Ijierärntlichen Genehmigung vorzu-legen, worauf dieselben in den Restaurationsräumlichkeiten an Stelle der bisherigen Tischständcr zur Affichierung zu gelangen haben werden. Der k. k. Betriebsleiter: Dr. Tschiggsrey. Da das Personal der Betriebsleitung Czernowitz von obigem Dienstbefehl nicht in entsprechender Weise in Kenntnis gesetzt wurde, veröffentlichen wir denselben, um so den in Betracht kommenden Bediensteten die Gelegenheit zu geben, sich gegen Uebervorteilungen in Bahnhofrestaurationen zu schützen. Von der Bregenzerwaldbahn. Ueber die Zustände bei der Bregenzerwaldbahn ließen sich Bände schreiben, wir wollen uns aber vorderhand mit einigen Zeilen begnügen. Der Taglohn eines QüerbanarbeiterS auf der Strecke beträgt Kr. 2‘70, also weniger wie die ortsüblichen Löhne der Gemeinde- und Fabriksarbeiter. Bedenkt man die teueren Lebensverhälttnsse, so ist das eine Verurteilung zum langsamen Hungertod. Die Stationsarbeiier der Station Vorkloster haben einen Taglohn von Kr. 2'90 bis L 10. Die Gemeindetaglöhner haben durchschnittlich Kr. 3'50 und erreichen in zwei bis drei Jahren 4 Kr. Taglohn. Den StationSarbeitern wurden über An-suchen von der Direktion drei freie Tage im Jahre gewährt. Herr Inspektor Metzmer gestattete den Arbeitern die Erreichung von freien Tagen auf die Art, daß je ein Mann für zwei Dienst macht, also doppelte Arbeit. Ein Schlosser oder sonstiger Professiomst erhält einen Anfangslohn von drei Kronen. Also ein Mann, wlecher drei Jahre gelernt hat und in den meisten Fällen eine mehrjährige prakti,che Aus. Bildung in der Fremde genossen hat, erhält weniger wie ein städtischer Stratzenkehrer. Ja, ein Waschweib bekommt hier bei jeder Partei 2 Kr. und die Kost. Dies ist der Dank für fleißige Arbeit und treue Dienste. Aber unsere Herren grübeln nicht über solche Dinge. Ihr Gott heißt Profit. Halt er'S aus, ist's gut für ihn. halt cr's nöt aus, wird er hin. Dann braucht man ihm auch keine Provision zu zahlen. Nach Vorschrift sollen die Lohne der Bahnarbeiter nach den ortsüblichen geregelt fein.: Diese schlechten Lohne ziehen auch Arbeitermangel nach sich/ infolgedessen können auch die Reparaturen nicht richtig aus« geführt werden, war sicher nicht im Interesse der Sicherheit des Verkehrs, noch weniger des reifenden Publikums gelegen ist. Datz unter solch miserablen Verhältnissen das Spitzel» und, Denunziantentum blüht und gedeiht, ist selbstverständlich. So ist es überall, Je mehr Elend, desto weniger Moral.Die Vorgesetzten tun auch in puncto Antreibern das Möglichste. Kurz und gut, die Arbeiter der k. k. Bregenzerwaldbahn verlangen eine bessere Entlohnung und anständigere Diensteinteilung unb,, Seite 10 sind auch entschlossen, ihre Forderung mit Nachdruck zu vertreten. Mit dem Hinweis auf den Provisionsfonds ist nicht viel getröstet, denn dieser sieht in seiner jetzigen Verfassung allem anderen früher als einer Altersversorgung ähnlich. Ein Nachtrag zum Bericht über die NcichSkonferenz der Merlstättenarbciter. Im Bericht des Genossen Stütz bei der Reichskonferenz der Werkstättenarbeitcr über die B u s ch t i e-h r a d e r Bahn ist richtigzustcllen, dost Genosse Stütz nicht berichtete, der 1. Mai sei von den Arbeitern dieser Bahn bereits gefeiert worden. Genosse Stütz hat auf die Notwendigkeit verwiesen, alles daranzufctzcn, daß der 1. Mai gefeiert werden könne. Betreffs der Lohnerhöhungen berichtete Genosse Stütz, das; diese wohl nicht im Verdienst, aber bei der Provision zum Ausdruck kommen. Er kritisierte ferner in ziemlich scharfer Weise das Akkordshstem, die Ueberzeit-arbcit und die Fahrbegünstigungen für Provisionistcn und begründete die bei der Konferenz cingebrachtcn Anträge betreffs der Stabilisierung, der Fahrbegünstigungcn und der Einführung der 52 Ls {fündigen wöchentlichen Arbeitszeit für das HcizhauI- und Werkstättenpersonal. Dev 1. Mai und die Forderungen der Bahn-crhaltnngsarbciter. Falls die k. k. Staatsbahnverwaltung die Stimme der gewählten Vertreter der Arbeiter in den Sitzungen und die der Arbeiter in den vielen Versammlungen um endliche Erfüllung der Zugeständnisse vom Jahre 1908, als da sind: Urlaube, Automatik und Arbeitsordnung, nicht richtig verstanden haben sollte, so hat sie hoffentlich der Verlauf deS 1. Mai eines Besseren belehrt. Zumindest waren die Herren von der Entschlossenheit der Arbeiter für die Maifeier so überrascht, das; sie im ersten Augenblick von Revolution sprachen und versuchten, die Bewegung oder den „Aufruhr" wie sie meinten, mit Drohungen niederzudrücken. Doch mußten sie bald die Erfahrung machen, baß damit nichts auszurichten sei; so entschlossen sie sich in ihrer Verzweiflung, geschehen zu lassen, was sie nicht hindern konnten. Dte Wiener Oberbauarbeiter haben also am 1. Mai durch den Anschluß an die große Demonstvation für die Befreiung der Arbeiter von aller Ausbeutung der StaatSbahn-verwallung klar vor Augen geführt, daß ihre Geduld endlich zu Ende ist. Ihre Forderungen sind nicht nur berechtigt, sondern überreif und unschwer durchzusühren. Wenn sich die Herren von ihrer Ueberraschung erholt haben, so sollen sie darüber nach, denken, ob eS möglich ist, daß eine Familie mit einem Taglohn von Kr. 2'60 leben kann. DaS macht in der Woche etwa 15 Kr. und im Jahre die Summe von 750 Kr Davon ist für die Wohnung mindestens ein Betrag von 288 Kr. zu bezahlen; wenn man bei einer fünfköpfigen Familie für Wäsche, Kleider und Schuhe nur 150 Kr. per Jahr rechnet, so bleiben noch 312 Kr. oder 17 H. per Kovs und Tag. Wenn sie sich weiter den Kopf zerbrechen wollen, was von diesen 17 H. außer dem Quantum zum Ausfüllcn der Magcnwünde noch aller bezahlt werden muß, so werden sie den Betrag noch einmal mit 2 dividieren müssen, um zu wissen, wovon ein Arbeiter mit seiner Familie zu leben gezwungen ist; vielleicht begreifen dann die Herren, warum niemand Lust hat, am Oberbau Arbeit zu nehmen und warum sich niemand fürchtet, wenn mit Entlassung gedroht wird. Der 1. Mai hat hoffentlich den Herren gezeigt, was notwendig ist. Die Oberbauarbeiler ivcrdcn ihre Reihen in den nächsten Wochen möglichst vollständig schließen, um, wenn notwendig, der Staatsbahnverwaltung ihre Forderungen in nicht mißzuverstehender Weise in Erinnerung zu rufen: 3 Kr. Minimallohn, Automatik, Arbeitsordnung und Urlaube. Arbeiter! Rüstet euch! Für Brot und Recht gilt der Kämpf. Eisenbnhnkatastrophcn. Am 4. Mai um y26 Uhr abends entgleiste der in der Richtung gegen Prag verkehrende Güterzug Nr. 279 infolge einer durch einen heftigen Wolkenbruch unmittelbar vorher eingctretenen Vermuhrung des rechtsseitigen Geleises zwischen den Stationen Wildenschwert und Brandeis an der Adler, nachdem kurze Zeit vorher der nach Prag verkehrende Personenzug Nr. 341 die Unfallstelle anstandslos passiert hatte. Da die Unfallstelle in einem rechtsseitigen Bogen und im Anschnitt einer bewaldeten Lehne liegt und durch den wolkenbruchartigen Regen der Fernblick behindert war, konnte der Lokomotivführer den in voller Strcckengeschwindigkeit im Gefälle fahrenden Zug trotz der getroffenen Maßnahmen nicht mehr rechtzeitig vor der Vermuhrungsstelle zum Stillstand bringen. Die Lokomotive des Zuges wurde durch die 15 Meter lange und 30 Zentimeter über Schienenkopfhöhe lagernde Geröllschicht zur Entgleisung gebracht und bohrte sich mit dem Vorderteil in die rechtsseitige Berglehne ein. Der Tender wurde auf das linksseitige Geleise herausgeschleudert und erheblich beschädigt. Der nächstfolgende Dienstwagen sowie die unmittelbar hinter demselben rollenden Güterwagen wurden zertrümmert. Der Lokomotivführer Johann Langer dcS entgleisten ZugeS wurde schwer, der Heizer Eduard Hampl leicht verletzt. Von den im zertrümmerten Dienstwagen befindlichen Personen wurden die Oberbauarbeiter Johann Sirovy au» Sl'nlift, Wenzel Wanousch, Josef Harapat und Josef Hrdina, diese sämtlich aus Ludislav, getötet, die Obcrbauarbeiter Joses Bene sch und Franz Harapat aus Ludislav schwer verletzt. Bei Medhka stieß am selben Tage der aus Lemberg einfahrende Güterzug Nr. 170 mit dem Gegcnzug Nr. 71, der nach Lemberg abgelassen wurde, zusammen. Vom Zugbe» gleitungspersonal wurde ein Bahnbediensteter getötet; vier Personen erlitten Verletzungen. Eine Lokomotive und mehrere Waggons wurden beschädigt. Lokalbahn Wien-Baden. Das Personal der Wiener Lokalbahn wurde kürzlich um Gewährung einiger minimaler Verbesserungen bittlich. Nach langem Bitten gewährte die Direktion einige kleine Verbesserungen, wobei freilich die Beamtenschaft den Löwenanteil davontrug. Begreiflicherweise verlangte das Personal, mit Rücksicht.auf die herrschende Teuerung, daß noch einige 'geringe Verbesserungen gewährt werden, weil das Personal nicht mehr in der Lage sei, ihre dringendsten Bedürfnisse zu befriedigen. Diesbezüglich sprach am 3. Mai d. I. neuerlich eine Deputation bei der Direktion der Wiener Lokalbahnen vor, welcher der Herr Direktor Baier erklärte, daß die Verwaltung nicht in der Lage sei, weitere Zugeständnisse zu machen und daß er bereit sei, mit dem Personal den Kampf aufzunehmen. Bezeichnend ist, daß die Direktion sofort die Polizei in Wien verständigte, daß da? Personal zu kämpfen beabsichtige. Das Personal nahm bereits am 6. Mai d. I. in einer Versammlung zu der Frage Stellung. Am 16. Mai d. I. wird über die ganze Angelegenheit in einer eigens dazu einbcrufenen Versammlung weiter Stellung genommen werden, und werden die Bediensteten und Arbeiter ersucht, zu dieser Versammlung recht zahlreich zu erscheinen. Die Drohung des Herrn Direktors wird das Personal nicht abhalten können, die Wege zu gehen, die eben dermalen zu gehen notwendig find. Scharfmachen verfängt nicht mehr. Bon der Wiener Stadtbahn. Wer Sonntag mit der Stadtbahn fährt, sieht oft am Perron Leute stehen, die mit einer Eisenbahnerkappe auf dem Kopf und um den Arm eine Binde tragend Dienst machen. Diese halbuniformierten Eisenbahner sind Bahnerhaltungsarbeiter, die während der Woche um einen Taglohn von Kr. 2'60 schwer arbeiten müssen. Diese Leute werden Sonntags zum Perrondienst herangezogcn und „Der Eiser»l»alMrr.* erhalten für die Stunden von 12 Uhr mittags bis 12 Uhr nachts zwölf einfache Stunden verrechnet, ohne Entschädigung des Sperrgeldes. In der Station Meidling-Hauptstraße werden solche Leute in der Zeit von 7 bis 10 Uhr abends verwendet. Dafür werden ebenfalls nur drei Stunden verrechnet, so daß der Mann für seinen dreistündigen verantwortungsvollen Dienst nur 58 H. erhält. Daß diese Sonntagsarbeit so miserabel entlohnt wird, zeigt, wie notwendig eine Einigung des gesamten Eisenbahnpersonals ist, um auch den im Bahndienst beschäftigten Arbeitern eine anständige Bezahlung zu erringen. Vremscrdcputntion der Staatscisenbahngescllschaft. Am 29. April I. I. sprach eine Deputation der provisorischen Bremser der St. E. G., bestehend aus den Genossen Franz D o m i s ch k a (Brünn) , Franz Berger (Kunowitz) und Richard Farda (Wesely) beim RegierungSrat Paul vor, um die derzeit sich immer mehr verschlechternde Lage der Bremser darzulegen und um Abhilfe zu bitten. Die Deputation führte aus, daß die Lage und die Bezüge der Bremser früher bedeutend Bessere waren, da sie doch, wenn sie die Prüfung mit gutem Erfolg abgelegt haben, sofort 10 H. Zulage erhielen, welche Zulage jetzt unterbleibt. Insbesondere aber ersuchten die Deputationsmitglieder um die rasche Vornahme der Stabilisierung, welche so lange hinausgeschoben wird, so daß die Lage nicht nur drückend, sondern zur Notlage geworden ist. RegierungSrat Paul erwiderte, daß sich seit der Verstaatlichung die Direktion streng nach den Vorschriften der Slaatsbahnen halten muß, welche eine Zulage nach den abgelegten Prüfungen nicht vorsehen. Hingegen wird er die Stabilisierungsfrage stets im Auge behalten und sich bemühen, die Angelegenheit einer Erledigung zuzuführen. Der Dienst der Wagenmeistcr und Wagenaufseher der Südbahn. Es ist hoch an der Zeit, daß die Wagenmeister und Wagenaufseher der Südbahn die Oeffentlichkeit mit ihren unleidlichen Dienst- und Arbeitsverhältnissen bekannt machen. Wir müssen die Herrschaften, die über unser Wohl und Wehe zu entscheiden haben, endlich unseren miserablen Dienst genauer präzisieren, denn nach den Ergebnissen unserer unzähligen Deputationsvorsprachen. welche bisher stattfanden, müssen wir annehmen, daß man an maßgebender Stelle keine blasse Ahnung hat, wie der Dienst der Wagenmeister und -Aufseher in Wien-Südbahnhof beschaffen ist. Um den Kollegen der auswärtigen Stationen einer eventuellen Sehnsucht nach Wien-Südbahnhof zu benehmen, wollen wir unseren sogenannten Dienst genauer anführen. Dieser dauert am ersten Tag von 6 Uhr früh bis 10 Uhr vormittags und von halb 12 Uhr vormittag? bis 6 Uhr abends, am zweiten Tag von 7 Uhr früh bis halb 12 Uhr vormittags und von 1 Uhr nachmittags bis 6 Uhr abends, am dritten Tag von 5 Uhr früh bis halb 12 Uhr vormittags und von 1 Uhr nachmittags bis 6 Uhr abends, am vierten Tag von 6 Uhr früh bis 10 Uhr vormittags und von halb 12 Uhr vormittags bis halb 10 Uhr abends, am fünf-, ten Tag von 7 Uhr früh bis 12 Uhr mittags und von 2 Uhr nachmittags bis 12 Uhr nachts, der sechste Tag ist Ruhetag, wenn nicht gerade Prüfung abgehalten luirb, am siebenten Tag ist Dienst von 5 Uhr früh bis 12 Uhr mittags und von 2 Uhr nachmittags bis halb 10 Uhr abends, und am achten Tag von 2 Uhr nachmittags bis am neunten Tag um 6 Uhr früh, dann folgt eine 24stündige Ruhezeit. Wie man am ersten Blick ersieht, ist die Arbeitszeit eine überaus lange. Gelegentlich einer Vorsprache bei der Direktion wegen Kürzung der Dienstzeit sagte den Vorsprechendcn ein Herr, er wüßte nicht, was die Wagenmeister und Wagenaufscher mit soviel freier Zeit anfangen würden. Darüber möge der Herr nur beruhigt sein. Das Wagenrevisionspersonal der k. k. Staatsbahnen, welches den 12/Ü4stiindigen Dienst schon lange hat, geht besser ausgeruht, freudiger in den Dienst als das Wagenuntersuchungspersonal der Südbahn. Es muh auch in Betracht gezogen werden, welche Arbeit in dieser Dienstzeit bewältigt werden muß, und dabei sind diese Bediensteten fortwährend auf den Füßen. Man kann ruhig sagen, daß sie bei diesem Dienst einen Weg zurücklegen, welcher in gerader Richtung zirka 25 Kilometer lang wäre. Damit dieses Personal nicht Langeweile empfindet, mutz es obendrauf alle vorkommenden kleineren Reparaturen besorgen. Selbstverständlich sehen das die Herren vom grünen Tisch nicht, denn die Arbeitstelle dieser Bediensteten ist dort, wo sie ein Gebrechen finden, und da? ist in den meisten Fällen unter dem Wagen, im größten Schmutz, dort, Ivo die Fäkalien von den Aborten und der Inhalt der Spucknäpfe herumschwimmt. Da muß die Arbeit an Ort und Stelle verrichtet werden und gleich darauf muß sich der Wagenmeister bei den abgehenden Personenzügen durch die Passagiere am Perron durchwinden, damit er niemand beschmutzt. Uebersieht 'einmal ein Wagenaufsichtsorgan ein unbedeutendes Gebrechen, -fei es im Innern des Wagens oder außen, so ivird er, ohne daß er sich irgendwie hätte rechtfertigen können, ohne Gnade mit einer Geldstrafe belegt, welche ihm von dem ohnehin kargen Gehalt abgezogen wird. In solchen Fällen werden derartige Rapporte über übersehene Gebrechen von einem Betriebs-Inspektor zum anderen geleitet und um einige Kronen Tinte und Papier verschmiert, um nur ja einen Schuldtragenden zu finden. Aber daß man die überlange und strenge Dienstzeit in Betracht ziehen würde, das fällt diesen Herren nicht ein. Sie halten sich nach dem nicht einwandfreien Grundsatz: Von den Leuten Unmögliches verlangen, damit das Mögliche erreicht wird." Wenn sich bisher keine Anstände von größerer Tragweite im Verkehr ergeben haben, so ist es nur ein Verdienst der Wagenaufseher und Wagenmeistcr, die immer bestrebt sind, ihren Dienst nach Tunlichkeit zu erfüllen und die täglich ihre geraden Glieder und ihr Leben riskieren, wenn sie Wagenreparaturen ausführen müssen uns nicht einmal Zeit haben, sich der Deckungssignale zu bedienen. Es kommt häufig vor, daß sie bei einem abgchenden Zug knapp vor der Abfahrt unter die Wagen schlüpfen müssen, damit in der Abwicklung des Verkehrs keine Verspätung eintritt. Solche Fälle wollen unsere Vürgesetzten nicht sehen, aber wenn ein Wagenaufseher oder Wagenmeister irgendwo einen Moment stehen bleibt und sich ein wenig ausschnauft, da sicht man ihn gleich und sagt, die Leute haben ohnedies nicht viel Arbeit. Es wird uns bei Vorsprachen um Diensterleichterung immer gesagt, daß das Wagenmaterial derart beschaffen ist, daß Gebrechen fast ausgeschlossen sind. Da können wir nur erwidern, daß dies nicht immer zutrifft, denn was auf der einen Seite verbessert wird, wird auf der anderen verschlechtert, und zwar sind die Wagen jetzt sehr kompliziert und haben Bestandteile, welche «man fast nicht sehen kann. Ferner besteht dieses unglückselige gemischte Bremssystcm. Da werden die Wagen von den Schnellzügen zu den Personenzügen eingeteilt oder umgekehrt, dadurch kann es Vorkommen, daß man einen automatisch gebremsten Wagen bei einem einfach gebremsten Zug übersieht und bestraft wird. Solange dieses Durcheinanderwürfeln der Wagen nicht aufhört und die Dienstzeit nicht verkürzt wird, werden solche Anstände trotz aller Strafen nicht aus der Welt geschafft werden, denn das Personal ist zu ermüdet. Wenn ein Schlosser oder Sattler, respektive ein Tischler zur Südbahn ausgenommen lvird und beim Revisionsdienst verwendet wird, so verlangt die Direktion den vom Eisenbahnministerium vorgeschriebenen Befähigungsnachweis, daß der betreffende Profcssionist seine Lehrzeit durchgemacht hat, und er muh dies mit einem LchrzeugniS bescheinigen können. Wir sind keine Gegner dieser Vorschrift und finden es auch begreiflich, daß man zu einer qualifizierten Arbeit nur qualifizierte Leute verwenden kann. Wie zum yit, 14 Hohn werden aber die Wagenaufseher und Wagenmeister zu Arbeiten verwendet, welche alles andere als einen Befähigungsnachweis bedürfen. Die Station Wien braucht zur Schmierung der Wagen alle Monat 18 bis 20 Fässer Ocl und für die Glaser zehn bis zwölf Kisten mit Glastafeln. Diese Kisten sind durchschnittlich 150 Kilogramm schwer. Wer da glaubt, diese Sachen werden von Hilfsarbeitern aus den Waggons ge, laden und in die Depots geschafft, der irrt sich gewaltig. Diese Arbeit müssen die Unterbeamten (Wagenmeister) und Diener (Wagenaufseher) machen. Es ist köstlich zu schauen, wenn im Winter ein Waggon Kohle zum ausladcn ist, und die Leute in der Unterbeamten- und Dieneruniform auf dem Köhlenhaufen stehen und mit der Schaufel hantieren. Es ist beschämend für das Personal_ und für die Südbahn noch mehr. Wir glauben, wenn das Heizhaus Wien keine Hilfsarbeiter hat, so soll man Leute aufnehmen. Cs gibt genug Arbeitslose, wir sehen nicht ein, warum wir diesen das Brot wegnehmen sollen. Die Zeit, welche wir zu dieser Arbeit brauchen, geht jedem einzelnen ab, denn er hat ja seine Züge zu untersuchen und instand zu setzen, Man kann doch bekanntlich nicht zwei Arbeiten zu gleicher Zeit besorgen, da liegt es doch nahe, daß der Wagenmcister oder Wagenaufseher die Züge, welche er zu untersuchen hat, nicht gesehen hat und somit seine Arbeit vernachlässigen mußte, was die Sicherheit für das reisende Publikum gefährdet. Wir muffen vorkommendenfalls jede Verantwortung ablehnen. Aus den Amtsblättern. Anderthalbfache Berechnung der Dienstzeit der im Loko» nrvtivhcizerdienst ständig verwendeten HilfSbedienstcten. Mit Ministerialerlass vom 29. Februar 1911, Zähl 6841/5, wurde folgendes kundgemacht: An alle k. k. Heizhaus- und Betriebsleitungen. Mit dem laut Erlaß des k. k. Eisenbahnministeriums vom 24. Oktober 1906, Zahl 8733, bekanntgegebenen Zirkular Nr. 217 ex 1906 wurde die Verfügung getroffen, daß auf die Begünstigung der anderthalbfachen Berechnung der auf der Lokomotive Angebrachten Dienstzeit im Sinne des § 18, Zahl 3, des Provisionsstatutes für Diener und Hilfsbedienstete der k. k. österreichischen Staatsbahnen auch die zur Kategorie der Hilfsbediensteten gehörigen Heizer Anspruch haben, wenn sie die Lokomotivheizerprüfung Orv. Nr. 15 der (alten) Prüfungs-Vorschrift für den niederen Staatseisenbahndienst mit Erfolg abgelegt haben und ständig zum Heizerdienst auf der Lokomotive verwendet werden. Im Hinblick auf die seit dem 1. Juni 1909 in Kraft, stehende neue Prüfungsvorschrift für den niederen Staatseisen, bahndienst, welche die Zulassung zur Lokomotivheizerprüfung Ord. Nr. 38 von einer mindestens dreijährigen Ausbildungszeit und zweijährigen Verwendung im Lokomotivheizerdienste abhängig macht, hat das k. k. Eisenbahnministerium mit Erlaß vom 24. Februar d. I., Z. 6841/5 ex 1910, unter gleichzeitiger Aufhebung des eingangs zitierten Erlasses mit Rückwirkung auf den 1. Juni 1909 verfügt, daß die in der Verwendung als Lokomotivheizer vollstreckte Dienstzeit allen jenen dem Provi, sionSinstitute ungehörigen Hilfsbediensteten anderthalbfach anzurechnen ist, welche die bezügliche formlose Verwendungsprüfung (§ 1 der neuen Prüfungsvorschrift) mit Erfolg abgelegt haben und ständig zum Fahrdienst auf der Maschine verwendet werden. Da die für die Zeit vom 1. Juni 1909 bis zum Beginn der Einhebung der erhöhten Fondsbeiträge sich ergebende Differenz zwischen den vierprozentigen und sechsprozentigen Beitrügen von den Bezügen der in Betracht kommenden Hilfsbediensteten in einer angemessenen Zahl von Raten nachträglich hereinzubringen ist, wird hiermit angeordnct, daß diese Nachzahlung in höchstens zwölf Monatsraten zu leisten ist. Es bleibt jedoch unbenommen, den entfallenden Betrag auf ein, mal einzuzahlen. Eine entsprechende Erklärung der in Betracht kommen-den Bediensteten über die Art der Nachzahlung ist gegebenenfalls anher (Abteilung VIII) einzusenden. Nichtberücksichtigung anonymer Anzeigen. Da? Amtsblatt der Innsbrucker k. k. Staatsbahndirektion publiziert folgenden bemerkenswerten Erlaß: Z. 302-1/1. Nichtberücksichtig um g anonymer Anzeigen, Es mehren sich die Fälle, daß gegen Bedienstete, insbesondere gegen Dienstvorstände, anonyme Anzeigen an die k. I, Staatsbahndirektion erstattet werden. Sollten solche Anzeigen von Bediensteten herrühren, so muß ein derartiger Vorgang als eines Bediensteten der k. k. Staatsbahncn völlig unwürdig und als unzulässig bezeichnet werden. Die k. k. Staatsbahndirektion muß von jedem Bediensteten volles Vertrauen und männliche Offenheit fordern. Offene und nicht unter dem Schutz der Anonymität eingebrachte Wünsche und Beschwerden werden jederzeit eine gerechte und wohlwollende Prüfung finden. Gegen Bedienstete, welche sich in Hinkunft trotz alledem dazu herabwürdigen, anonyme Anzeigen zu erstatten, müßte die k. k. Staatsbahndirektion im nachweisbaren Falle wegen Uebertrctung der Bestimmungen des § 21 der Dienstordnung sogar strafweise Vorgehen. Jedenfalls aber wird künftighin eine Behandlung anonymer Anzeigen unterbleiben. Das gesamte Personal ist von dieser Verfügung nachweisbar in Kenntnis zu setzen. Innsbruck, am 15. Februar 1911. Der k. k. Staatsbahndirektor: Wagner m. p. Dieser Erlaß muß als ein Dokument dafür bezeichnet werden, zu welchem Grad unter dem Einfluß christlichsozialer und nationaler Arbeit die Zustände gediehen sind. Es entspricht ganz dem Wesen der Tätigkeit der Christlichsozialen und Nationalen, nach oben hin die Frommen zu spielen, anstatt mit öffentlichen Beschwerden und Anklagen mit anonymen Denunziationen zu operieren und bei der Bekämpfung Bediensteter anderer Gesinnung kein Mittel zu schlecht zu finden. Alle Bedienstete, die auf das Ansehen ihres Standes etwas halten, sollten zusammcnwirken, die Denunzianten in ihren Reihen unschädlich zu machen. Korrespondenzen. Nürschmi. Wir haben hier einen Bahnarzt Dr. H l a-v n c, der sich weniger um die erkrankten Eisenbahner, als um die Ueberwachung der geschlossenen Bahnschranken kümmert. Im Verein mit dem Bürgermeister steht er beim geschlossenen Bahnschranken und kontrolliert die Wcichenwächter und da? Berschubpcrsonal, ob der Schranken ja nicht einen Augenblick länger geschlossen bleibt, als dies die Verschubmanipulation erfordert. Nachdem das Eiscnbahnpersonal für das Ocffnen und Schließen der Bahnschranken eigene Vorschriften und Instruktionen hat, die. genauesten? eingehalten werden müssen, ja selbst alle mündlichen Befehle sich mit den Vorschriften decken müssen, so ist diese Schikanierung des diensthabenden Personals von seiten des Herrn BahnarztcS vollständig überflüssig. Denn weder der Bahnarzt H l a v a ö noch der Bürgermeister H o l z n e r wird zur Verantwortung hcrangezogen werden, wenn durch eine Außerachtlassung irgendeiner Vor« schrift ein Unglück bei der Ucbersctzung Vorkommen sollte. Da?v Personal hat den strikten Befehl, den Dienst in der Vorgeschrie-denen Weise auszuführen und dabei stets auf die Sicherheit der eigenen als auch fremder Personen bedacht zu sein. Das sollte, wenn schon nicht der Bürgermeister, so doch der Bahnarzt als besoldetes Organ der Bahnverwaltung wissen. Szczakowa (Galizien). In der kommerziellen Expositur Granica wirtschaftet der Adjunkt StreLnak so brutal, daß selbst die dort befindlichen russischen Bahnbeamten behaupten, Herr StreZnak würde besser nach Sibirien als nach Gra-JUca passen. Titeln wie: „G e s i n d e l, B a g n g c, f a u t e B a n d e, Lausbub" sind an der Tagesordnung und seine Lieblinge stnd nur die Kriecher und Zuträger, auch hat er die Suppendiener sehr gern. Sonst macht er aber keine Ausnahme, ob er einen Beamten, Unterbeamten oder einen Diener vor sich hat. Im brutalen Benehmen ist er parteilos. Alle machen ihm zu wenig Dienst, aber dafür versteht er seine eigene Diensteinteilung tadellos durchzuführen. Um 9 bis ^10 Uhr vormittags betritt er die Kanzleiräume, gut aufpasscnd, ob ihn auch alle grüßen und vertieft sich dann sofort in die schon auf den Tisch liegenden „Närodni Listy" denen er seine Dienstzeit bis 12 Uhr mittags widmet. Dann öffnet er die um 12 Uhr mittags eintreffende Diensikorrespondenz, weist die einzelnen Akten den ihm unterstellten Personal so zu, daß für ihn ja kein einziger Akt zur Erledigung bleibt und geht dann sein Mittagessen und sein Nachmittagsschläfchen halten, was bis gegen 5 Uhr nachmittags dauert. Diese Stunde fürchten seine Untergebenen, denn zwischen 5 und 6 Uhr bekommen diese die Brutalität voll zu spüren und wie weit diese reichen kann, beweist der Fall des Offizianten W e r z, der durch die Sekkaturen des Herren Vorstandes ins Irrenhaus kam und noch in seiner Todesstunde mit dem Vorstand raufte. Das schönste ist aber, wenn er den Kondukteuren der Station Szczakowa sagt, sie sollen auf die den russischen Beamten erteilten Freikarten aufpassen, damit dieselben nicht schwindeln, dann aber selber einige Beamte Szczakowa ohne Fahrkarten mitnimmt und auf das Verlangen des Kondukteurs um Fahrkarten sagt: „Ich habe für diese Herren die Karten." Wie möchte er ausschauen, wenn der Kondukteur auf dem Vorwciscn der Fahrkarten bestehen würde? Für heute, Herr Vorstand, genug, wir Hofen auf Besserung, wenn nicht, so haben wir Material genug, um Ihnen mehrere Artikel unter die Nase zu reiben. Ihre Qualifikation ist nicht so glänzend, daß Sie eine öftere Beschreibung verklagen würde. Krems. Auf der Strecke Absdorf-HipperSdorf-Hadersdorf am Kamp führt ein Wächter namens Anton Fitzal ein eigentümliches Betragen zur Schau. Er ist auf der ganzen Linie als Alkoholiker bekannt und meint, in seinem obligaten Rausche könne er alles mögliche zum Schaden seiner Kollegen tun, ohne dafür eine Strafe erleiden zu brauchen. Voriges Jahr hat er im Rausche seinem Ablösewächter die Fenster angeschlagen, was ihm gerichtlich nachgewiesen wurde. Als nach diesem Vorfälle der Gendarmeriewachtmeister mit ihm das Einvernahmeprotokoll ausgenommen hatte, sagte Fitzal: „M i r kann nichts geschehen, ich bin ein Alkoholiker, was kann man von mir besseres verlangen? ^ Sein Ablöser wurde zu wiederholten Malen von der tfrau und den Kindern Fitzals nach dieser Verhandlung mit allerhand Schimpfwortcn bedacht. Ja, Frau F itzal sagte sogar zu einigen Privatpersonen, sie werden Staufer einmal in der Stacht abpassen und ihn anständig verprügeln. . Im Interesse Fitz als selbst muß bekanntgcgeben werden, daß er entweder an Herzkrämpfen leidet, oder hat er epileptische Anfälle, weil er schon einigemal auf der Strecke im Dienst zusammengestürzt ist und ihn seine Frau durch Ab-rewen feines Oberkörpers mit kaltem Wasser wieder zum Bewußtsein bringen mußte. Daß er das von der Bahnverwaltung abgefaßte Brennöl verschachert, ist allbekannt und kann ihm jederzeit bewiesen werden; aber daß er die Einfriedungen ausgräbt, den Eisendraht herunter nimmt, verkauft (was ihm ebenfalls nackige* Unesen werden kann) und jetzt auf indirekte Weise seinen Ab-losewachter (Genossen Staufer) beschuldigt, den Draht ge-Wen zu haben, ist neu, aber auch ein bisserl stark. Vorigen Herbst erwischte der Besitzer eines Weingartens die Kinder k^im Weintrauben stehlen und er mußte dafür ®*rafc öahlen. Auch diesen Diebstahl wollte er seinem Abloser aufpölzen. Man braucht sich deshalb gar nicht zu verwundern, wenn _ Nichteisenbahner den Bediensteten der k. k. Staatsbahn mit einem gewissen Mißtrauen entgegen» kommen. Ein solcher Kollege bringt unseren ganzen Stand in Mißkredit. In seinem Rausche betreibt er auch das Geschäft der Grenzsteinvergrabungen selbstverständlich nicht zu seinem, wohl aber zum Nachteil der Anrainer. Wir bringen dies alles erst jetzt und deshalb, weil er früher die Mitbediensteten in Ruhe gelassen hat; sobald aber die Ehre nud das Leben unserer Kollegen durch einen solchen Menschen in Frage kommt, ist es nur unsere Pflicht, die Kollegen vor solchen intrigierenden Subjekten in Schutz zu nehmen Und die Missetaten solcher Elemente an den Pranger zu stellen. Hoffentlich nimmt die k. Bahnerhaltungsscktion in Mrems a. d. Donau und die k. k. Staatsbahndircktion in Wien von dieser Notiz die nötige Kenntnis und befreit die Strecke von diesem Ehrenmann. Graz Südbahn. (Unfähig oder faul.) Nach den bestehenden Dienstvorschriften hat der diensthabende Beamte die einfahrendcn Züge in den Bahnhöfen zu erwarten und sich vorher von der richtigen Stellung der Weichen zu überzeugen. Sbenso hat er allen Zügen ohne Unterschied beim Dienstwagen des zur Abfahrt bereitstehenden Zuges die Order zur Abfahrt zu geben, beziehungsweise dieselben abzufertigen. Versäumt der Beamte das eine oder das andere, dann ist er wie jeder andere Sterbliche strafbar. Eine Ausnahme hiervon scheinen jene Beamten, zu genießen, die gute Unternehmeragitatoren sind. Ilm dies wit konkreten Fälle zu bekräftigen, sei hiermit folgendes gesagt: 4fu 6. April d. I., als der Personenzug Nr. 709 am Gxaz-Wosiachcr Bahnhof einfuhr, wurde telephonisch nach dem Verbleib des diensthabenden Beamten Umfrage gehalten, und erst als der Zug schon in der Station stand, kam der Beamte in der Richtung von der dortigen Rohrwerkstätte gelaufen. Ein ^erkehrskontrollor war in der Station anwesend, der hiervon Kenntnis erlangt haben mußte. Ob und in welcher Art das -LienstpersäumniS des diensthabenden Beamten gerügt wurde, wissen wir natürlich nicht, hoffen aber, daß ihm nicht viel geliehen sein wird, weil er doch ein tüchtiger Agitator für die Verwaltung ist, und wenn nicht alles trügt, war das der 83c-uuitc M o z u 11. Wir wollen dieses Versäumnis den Herrn Mocnik auch gar nicht so scharf bemessen. Versäumt ist bald etwas und das kann jedem Sterblichen passieren, aber daß er bei den zeitlich früh abgehenden Zügen sich damit begnügt, den - die neuen Instruktionen, den neuen Kanzleidienst einzuführen, dieselben über ihre jetzigen Obliegenheiten zu belehren. Ja, aber wie? Kenntnisse keine, zum Lernen zu alt und zu stolz. Was ist da zu tun? srug sich Herr Bendik. Am besten durch brutalen Verkehr mit seinen Untergebenen, die eigene Unkenntnis des Dienstes decken und — brutal mit seinen Leuten, dies wurde nun die Devise des Herrn Inspektors seit der vollzogenen Verstaatlichung. , Wahrlich, eine Wonne ist es, zum Herrn Inspektor mit’; einer Bitte oder einer Meldung zu kommen, sei es auf der Strecke, sei es in seinem Tusculum in Mistelbach. Kommt man noch so devot und ergebenst dem Herrn Bendik entgegen, gibt's da nur zweierlei Entgegenkommen seitens dieses famosen Vorgesetzten: Entweder hat man seine Bitte oder seine Meldung der Reversseite des Herrn Inspektors (und diese ist wahr-lieh nicht besonders schön) vorzutragen oder aber heißt cd: „Aber lassen S' mi aus, reden S' nit. lassen S' mt ausreden. was alleweil wollen, das geht ja nicht" und derartiges Geistreiches mehr. Noch schöner ist es. wenn man das Unglück hat, vom Herrn Inspektor eine dienstliche belehrende Auskunft verlangen zu müssen. Da kommt man schon an: Sofort wittert dieser Herr eine Aushölung über seine praktischen Kenntnisse und Bloßstellung, weshalb auch dementsprechend die gegebene Auskunft ausfüllt: „A, das ist schön, was sind S' denn dann für ein Vorarbeiter, Bahnmeister, Beamter 2C„ wenn ©’ das nicht wissen? 21, das geht ja nicht, das müssen S' ja kennen" — und das abermalige Zitkehren der perehrlichen inspektorlichen Re-veröseite ist die eigentliche Auskunft. Unglaublich, aber wahr, sind die Zustände, tvclche am Sitze dieses grandiosen Chefs in Mistelbach herrschen. In einer Zeit, wo überall eine Vereinfachung de? Geschäftsganges angestrebt wird, wird dort nach einem Schimmel gearbeitet, über den sich selbst unsere Vorfahren aus uralten Zeiten lustig machen würden. Abgesehen davon, daß dort eine Kopierpresse ein gänzlich unbekanntes Ding ist und daher von sämtlichen Erlässen, Zuschriften k. Abschriften gemacht werden müssen, genügt in den meisten Fällen eine Abschrift gar nicht, sondern müssen oft von einer Eingabe zwei Konzepte und ebcn-sovielc Abschriften hcrgestel'* werden. . Doch das sind bloß Kleinigkeiten; einzig und allem in feiner Art dürfte der Herr Vorstand selbst sein. Am Tische des Gestrengen liegt nichts als Instruktion — und wieder Instruktion; ob aber der Inhalt derselben vom Inhaber des Schreibtisches beherrscht wird — das wissen die Götter, wir glauben, daß das Aeußere der Bücher, der grüne Einband, Herrn Bendik interessiert — weiter nichts. Auch der Unterschied zwischen Beamten- und Unter-bcamtenuniforni scheint dem Herrn Vorstand fernzustehen, sonst konnte es nicht Vorkommen, das; der Herr Chef gelegentlich des-Erlasses über die Neuqualifizierung der Beamten, den ihm unterstellten Offizianten fragt, ob er und der m Unterbeamten. Uniform im Bureau sitzende Kanzlist ltitterbcamte sind; Beamten- ober Unterbeamtenuniform soll denn doch ein Chef voneinander unterscheiden können. Der Herr Vorstand hat halt cm kurzes Gedächtnis — was übrigens auch der Umstand beweist, daß die zu seiner Strcdcnlcitung versetzten Bediensteten lange Zeit hindurch statt mit ihrem Namen, mit dem ominösen Wörtchen Herr „Dingsda" angesprochen wurden. Vielleicht ist dieses Uebel an der mangelhaften Kenntnis seines Dienstes schuld-tragend, dann sollte eben der Herr Vorstand seine Dienst»! untauglichkeit cinsehen und seine Untergebenen nicht darunter leiben lassen. Was Herrn Bendik in dieser Hinsicht fehlt, ersetzt er mit Flegeleien vis-a-vis seinem Personal, welches es nicht wagen darf, sein Recht zu Verteidigen, wenn ihm von seiten dieses famosen Herrn Chefs Unrecht getan wird, da derselbe eine Rechtfertigung sofort als Widerrede auffaßt und eine solche absolut nicht duldet. Einen Bahnmeister, der nur einzig und allein im Interesse des Dienstes ein Preisverzeichnis über Profefsimiistenar&ciien von einem Arbeiter abschreiben läßt, bestraft der Herr Vorstand mit einer mündlichen Rüge; wenn er selbst aber den ihm als Kanzleigehilfen zugeteilten Wächter zum Putzen feiner Pfeife und Kleben der zerrissenen Noten verwendet, das bleibt ungesühnt. Wie human und gerecht dieser Herr Streckenvorstand ist, mag sich die Öffentlichkeit aus folgendem Vorfall ableiten: „Als gelegentlich AttSfolguitg der Remuneration von 200 Kr. für 25jährige Dienstzeit an acht bis zehn alte, ausgediente, brave Männer (Profeffioniften, Vorarbeiter und Arbeiter), diese im Bureau des Allgewaltigen der Strecke Mistelbach standen, um den kleinen Verdienst in Empfang zu nehmen, schämte sich Herr Bendik nicht, zu denselben zu sagen: „No, nicht gleich im Wirtshaus alles versaufen, hebt's eitchs auf!!" Wahrlich großartig. Ein Mensch, der den größten Teil seiner Streckenchefdicnstzcit in den Gasthäusern Mistelbachs, Hautzcndorfs, Neubaus und Ladendorfs verbringt, erkühnt sich zu derartigen Worten. Oder glauben Sie, Herr Bendik, wir wissen nicht, was Ihre sogenannten „Streckenrevisionen" in der Strecke Neubau-Hautzcndorf-Siebenhirten sowie Ladendorf, die Sie einigemal in der Woche absolvieren, zu bedeuten haben? Warum beehren Sie gerade fort und fort jene Bediensteten mit Ihrer fraglichen Gegenwart, welche in diesen Streckenteilen Dienst Versehen1? Warum steigen Sie nicht in Niederkreuzstetten auf der richtigen Zugsseite, respektive vom Perron aus, ein, wenn Sic nach zwei- bis dreistündigem Aufenthalt im Orte Niederkreuzstetten vom Baucritfejnij au$ dm Zug zur. Heimfahrt..— .aitfiut&enU - “y" Unseres - Wissens zieht sich der Schienenstrang nicht surch die Ortschaft Niederkrcuzstctten und Hautzendorf, sondern läßt erstere links, letztere rechts liegen, und doch scheint sich Ihre „Streckenrevision" auf dar weitere umliegende Ter» rain nächst dem Schienenweg zu erstrecken? ? Oder sollten Sie drei- bis viermal in der Woche die Grenzsteine nächst diesen Ortschaften revidieren?? Wohl möglich, obzwar cS unS wundern würde, da Sie ja doch in den 17 Jahren gewiß genug Zeit gehabt hätten, alle Grenzen Ihres Dienstbereiche? genau-estens kennen zu lernen. Je mehr sich Herr B e n d i k um gewisse Teile seiner Strecke kümmert (jedoch nach seiner Art), um so wenigor kümmert er sich um das Wohl und Wehe seiner Untergebenen, seien dies nun Beamte, Unterbeamte, Diener oder Arbeiter. Gesuche um Aufnahme in den Provisionsfonds bleiben acht bis zwölf Monate liegen, so das; die betreffenden Petenten, die mittlerweile außer Kur? gesetzten Stempeln des Gesuches frisch bezahlen müffen. Wächter, welche irgendein Anliegen dem Herrn Inspektor Vorfragen, werden nicht angehört, sondern angeschnauzt: „Sagen Sie das dem Bahnmeister, er soll schreiben!" Schreibt nun der Bahnmeister deshalb an die Streckenleitung, wird einfach der wunderbar verschlungene, stark an ä g y p-tische Urschrift mahnende Anfangsbuchstabe des infpektor» lichen Namens unter die Zuschrift des Bahnmeisters gemalt — und die Sache ist abgetan, sie schläft ein, der Wächter bekommt keine Erledigung. Daß ein Mensch, der gegrüßt wird, auch danken muß oder wenigstens danken soll, scheint Herr B c n d i k ebenfalls nicht zu wissen; denn unter den, auf seinem Schreibtisch liegenden Instruktionen, fehlt eben das Buch „Knigges Umgang mit Menschen", und darum wundert es uns schließlich nicht, wenn das Personal dem Herrn B e n d i k auswcicht. Herr Streckenvorstand Bendik! Wir bitten Sie, befreien Sie uns bald von Ihrer Gegenwart, ruhen Sie aus auf den Lorbeeren Ihres tatenreichen Lebens. Die Anpflanzungen und Bäume werden auch ohne Ihr „fachmännisches Wissen" gestützt oder kassiert werden. Genießen Sie den Lohn Ihrer strammen Disziplin — und verlangen Sie von einer hohen k. k. Direktion recht bald den blauen Bogen. Jügerndorf. (Der blamierte ReichSbu nd. obmann.) Trotz aller reaktionären Anschläge gpwisser Quertreiber ist cs den Vertrauensmännern unserer Organisation in der für das sämtliche Personal so wichtigen Frage, die Erbauung von Personalhäusern, gelungen, die Bahnverwaltung von der Notwendigkeit dieser sozialen Maßnahme zu überzeugen, weshalb in einer der letzten gemeinsamen Sitzungen der Personalkommission endgültig der Beschluß gefaßt wurde, daß Jägerndorf an erster Stelle komme, mit dem Bau von Pcrsoualwohnungen für Arbeiter, Diener und Unter-Beamte zu beginnen. Im letzten Augenblick dachte sich der „fette" ReichS-B U n d o b m a n n Herr W a l e n t a, jetzt sei der günstigste Moment, nicht etwa, wo der Frosch inS Wasser springt, o nein, sondern wo einige Kronen der Subvention für Bauvereine von der Negierung und dem Eisenbahnministcrium in seine Tasche springen. Bevor die gemeinsame Sitzung der Per-fonalkommission stattfindeu sollte, trat der geniale ReichS-bundobmann mit einigen Stadtgrößen und Mitgliedern des hiesigen Bauvereines in Verbindung, _ berief eine Besprechung in die Restauration II. Klaffe ein, um nicht etwa für den Bau von Personalhäuscrn, sondern vielmehr für die »bürgerliche" Baugenossenschaft Propaganda zu Machen, indem er versuchte, zwar in sehr ungeschickter Weise, den Vertretern der Organisation den Honiglössel um den Mund zu schmieren. Unsere Genossen blieben fest, indem sie erklärten, die seit Jahren cingcleitcte Aktion in der begonnenen Art weiterzulcitcn und hatten zu diesem Anlaß über 2 80 Unterschriften gesammelt. Jedoch der t e u t s ch e R e ck e ließ cs sich nicht nehmen, .um für die „bürgerliche" Baugenossenschaft eine fette Subvention herauözuschinden, und daß er sich dabei mit Hintergedanken trug, konnte man in feiner ganzen Begründung durchschauen. Wie man ihn kennt, macht der gute Mann nie etwas umsonst. Er stellte Berechnungen an. So zum Beispiel wird ein Arbeiter mit 000 Kr. angestellt, hat 240 Kr. Ouartiergeld, und wenn er selbes anstatt den Zins hinlcgt, so ist er in 16 Jahren Be-sttzer eines Hauses. „Bei den Untcrbeamten", meint er, „sei es noch viel leichter, weil sie doch einen viel höheren Gehalt und ein biel höheres Quartiergeld beziehen." lieber das Einkommen änderet Dienstgruppcn Berechnungen anzustellcn und als Glänzend zu schildern, dabei aber als Vertreter der Beamten über sein Einkommen zu schweigen, ist eine freche Anmaßung. Und wenn cS bei den Dienern und Unterbeamten so wäre, wie cr es darstellt, dann müßte er heute als Adjunkt und Material-dcpotverwaltcr, als langjährig gewesener „Nutznießer" cines gemeinnützigen Instituts, als Arrangeur des „Eise n-vahnerrummel 3" und deS „Rosegger-Feste S", und weil man weiß, bah unser ReichSbundobmann Ute etwas umsonst macht, so müßte er ja schon der reichste Villenbesitzer fein. Von alldem aber nichts. Seine Pläne haben unsere Genossen durchkreuzt, haben ihn wieder einmal Gründlich jn die Suppe gespukt und werden es auch weiterhin tun. Bei der Sitzung selbst kam er wieder mit seiner Zudringlichkeit, für die Baugenossenschaft die Subvention ein-Suheimsen. Da mußte er sich vom Vorsitzenden sagen lassen: »Wo haben Sie Ihre Unterschriften? Sie haben ja niemand Hutter Ihrem Antrag? Da haben die Diener ganz anders Gearbeitet! Die haben für ihren (der Diener) Antrag 2 80 Unterschriften gesammelt!" So hat sich der Führer der deutsch-nationalen Eisenbahner eine amtliche Blamage geholt. Dies war gesund, nicht wahr, Herr Walenta? Haben Sie auch nt Ihren Kreisen darüber berichtet? Jedenfalls nicht! Deshalb holen wir das Versäumte an dieser Stelle nach. Wenn auch nicht nach Ihrem Wunsche! Also, auf Wiedersehen! Komotau. (Von der Buschtiehraderbahn.) *a? Personal des Heizhauses Eger ist mit einem HeizhauS-^tter beglückt, welcher durch seine lächerlichen Bemerkungen oft den Anschein erweckt, daß es bei ihm zuzeiten im oberen Stübchen nicht geordnet zugchen muß. Herr L e x a, w heißt dieser Genius von einem Heizhausleiter, will hohen Orts den Anschein erwecken, daß er wie keiner seiner Vorgänger winen Dienst im Interesse der Verwaltung verrichte. Deshalb benützt er seine dienstfreien Sonntage und mitunter Nächte, Unt nach der Art beutegieriger Raubtiere hinter die Arbeiter hcrzuschleichen, um deren ohnedies beschwerliches Dasein noch ntchr zu verbittern. Schon seit geraumer Zeit hat die Direk» n°u< beziehungsweise die Abteilung für Zugförderung, wie uchährlich angeordnet, daß bet der Erstellung der Turnusse as betreffende Personal zwecks Aeuherung ihrer Wünsche zu-Gezogen werde. Herr L e x a umgeht diesen Aifftrag, schaltet das ^crsonal aus und unterhandelt mit dem Lokomotivführer VMaini Keil. Wir überlassen cS der gesamten Kollegenschaft, uver diese Handlung des Kollegen Keil zu urteilen und be-M rl” nur hiezu, daß diese Art Befähigungsnachweis zum “‘ajchineniitefftcr nicht gerade als anständig bezeichnet werden "tutz. Nachdem Herr Lexa bei seinen nächtlichen Exkursionen ur wenig Beute findet und zum denunzieren sich die Arbei-lirf, n'cht erniedrigen ,so versucht er durch allerhand unmänn- 1 T zu seinem Ziel zu gelangen. So erkundigte er sich z" ben Arbeitern, ob im nahen Ort Wies auch „Damenstifte", üb- r ^ Gasthäuser mit Mädchenbedienung, sind. Lacht einer J* so eine Bemerkung, dann wird er ernst und erklärt: "««ag lachen Sie, ich werde Sie anzeigen, Sie haben sich über 8 en Vorgesetzten belustigt." Einen ganz besonderen Akt von Roheit stellt folgende Acußerung dar. Ein Arbeiter wurde während seiner Berufstätigkeit zu seiner kranken Frau gerufen und ersuchte Herrn Lexa, nach Hause gehen zu dürfen. Da erwiderte dieser: „Das kann ich glauben und auch nicht. Sic können nur gerufen worden sein, um ihrer Frau die Wollust zu befriedigen." Hier ein weiteres Gespräch mit einem Arbeiter: „Was sind Sie für ein Bruder? Ein Schwarzer, ein Roter oder ein Blauer?" »Ich bin im Dienste immer schwarz," erwiderte dieser. „Dann jagen Sie einmal diese schwarzen Brüder an der Decke hinaus, entweder mutz ich, Sie oder diese draufgehen." Zu den Arbeitern in Tirschnitz: „Ihr müßt arbeiten, daß euch der Atem ausgeht." Schneuzt einer seine Nase, dann erwidert er: „Das können Sie machen, wenn Sie frei haben." Ein anderer Fall. Einem Wagcnauffeher wird ein Straferlaß borgelesen, wobei Herr Lexa bemerkt: „Sind Sie schon im roten Lager?" Antwort: „Nein!" Liest nun weiter. „Noch nicht? Noch immer nicht?" Liest nun das übliche Schlußtableau 2 Kr. zugunsten ,.. Antwort: _ „Jetzt bin ich drin, Herr Heizhausleiter. Ja wissen Sie, es wird das beste sein, wir gehen zusammen in* rote Lager." Zum Wagenrevisor, nachdem tagSzuvor sämtliche Wagenaufseher mit insgesamt 17 Kr. bestraft wurden, äußerte er sich: „Na, wie ist unten die Stimmung?" Antwort: „Silles ruhig." „Ja, ja, das ist die Ruhe vor dem Sturm." Zum Maschinenmeister Pauk: „Ich fürchte mich vor niemand, Herr Pauk, der kann sein, wer er will, ich brauche nichts als feste Beweise, ich zeige jeden der Direktion an, entweder muß er oder ich draufgehen." Wir erlauben uns zum Schluffe, aus der Fülle des Materials ein sehr geistreich gehaltenes Gespräch mit einem anderen Heizhausleiter in Gegenwart des Wagenrevisors bekanntzugeben. Lexa: „Warum hat der Soldat am Tschako einen Schirm?" homerisches Gelächter, in dem Bewußtsein, einen guten Witz gemacht zu haben. Herr Lexa verkündet: „Damit ihm der Adler nicht auf die Nase gackt." Die hierauf folgende noch rohere Ausdrucksweise des anderen verschweigen ivir, nachdem die in diesem Heizhause Bediensteten eines solchen Heiz. hauSleiterS würdig sind. Wir fragen nun die Verwaltung: Wie lange soll das gesamte Heizhauspersonal einem solchen Menschen untergeordnet fein? Sind solche brutale Ausdrücke, gepaart mit läppischen Manieren, wirklich geeignet, erzieherisch zu wirken oder muß ein jeder, von dem Ernst seiner sozialen Lage unterrichtete Arbeiter nicht vor so einen Vorgesetzten jedwede Achtung verlieren? Wir fragen noch, mit welchem Recht kann sich Herr Lexa erlauben, seit mehr als Jahresfrist, angeblich über Auftrag des Herrn Oberinspektors G ü n z l, Gesuche zurückzuweisen, so daß das Personal gezwungen ist, einen anderen Weg als den Dienstweg einzuschlagen? Unter solchen Umständen darf sich der Herr Zentralinspektor Tauber nicht wundern, wenn das geknechtete Personal an die Oeffentlichkeit appelliert. Wir wollen hoffen, daß diese Zeilen genügen, dem Herrn Lexa männlichere Umgangsformen beizubringen. Möge er getrost seine nächtlichen Exkursionen fortfetzen, nur raten Ivir ihm, daß einerseits derartige Erkundigungen nach Samen-stiften geeignet sind, bei dem ihm untergeordneten Personal eine ganz andere Meinung als jene der strengen Dienstlichkeit auszulösen. Sollte keine Besserung erzielt werden, so wären wir gezwungen, deutlicher zu werben. Es dürfte vielleicht das Thema: „Die schnelle Beseitigung des Klappern der kupfernen Kontrollhülfen bei den Sicherheitsventilen" unter Umgehung der diesbezüglichen gesetzlichen Bestimmungen und dergleichen eine sehr interessante Lektüre für die maßgebenden Organe bilden. Bozen I. Wir hatten in unserer Ortsgruppe einige Kollegen, die sich früher in anerkennenswerter Weise an den gemeinsamen Arbeiten beteiligten, denen jedoch ihre persönlichen Wünsche nach Unterbeamtenposten nicht schnell genug in Erfüllung gingen. Vier Portiere und einige Oberkondukteure traten aus unserer Organisation aus und versuchen einstweilen, ihr Glück beim Verkehrsbund, respektive bei den separatistischen Vereinchen. Einige Oberkonduktcure wollen nun zur Verbesserung ihrer eigenen Lage einen Verein gründen und sollen schon einige Versammlungen zu diesem Zwecke abgehaltcn haben. Doch sind den Herren Schweighofer und Koban keine weiteren Getreuen gefolgt. Die neue Organisation der Ober« kondukteure soll eS bereits auf vier Mann gebracht haben. Ob diesen Kollegen ihr schmähliche Handlungsweise bewußt ist? Wenn die Herren wirklich die ernste Slbsicht haben, für eine Besserstellung des gesamten Personals energisch einzutreten, dann bietet sich beim Allgemeinen Rechtsschutz- und Ge-toerkschaftSverein genug Gelegenheit, ehrlich und tapfer mit* zuarbeiten. Doch in kleinen separatistischen Vereinchen werden diese Herren die Befriedigung ihrer Wünsche niemals finden. Richtig ist, daß in einer großen Organisation, wie der Slllge-meine Rechtsschutz- und Gewerkschaftsvcrein für Oesterreich ist, für Leute, die nur persönliche Vorteile und egoistische Bestrebungen verfolgen, kein rechter Platz ist. Doch werden solche Leute meist in sehr kurzer Zeit zur Ucberzcugung gelangen, daß eine kleine Organisation mit vier Versammlungsteilnehmern weder in Bozen noch wo anders imponieren wird. Nur durch eine große einheitliche Organisation lassen sich Forderungen im zähen und ausdauernden Kampfe erringen. Weiskirchlit?. (Todesfall.) Am 25. März starb Genosse M o j z i s im Sllter von 80 Jahren. Genosse MojziS war einer der Gründer unserer ehemaligen Zahlstelle und blieb der Organisation treu bis zu seinem Tode. Für die aufopferungsvollen Dienste, die Genosse Mojziö seinerzeit der Organisation geliefert, wurde ihm von seiten der Ortsgruppe eine monatliche Zulage von 6 Kr. bis an sein Lebensende ausgefolgt. Das Leichenbegängnis fand am 27. März unter starker Beteiligung des Personals statt. Möge dem alten Kämpfer für unsere gerechte Sache die Erde leicht sein. Steyr. " SInt 2. April fand hier eine vom Obmann Strunz deS Vcrkehröbundes einberufene Wanderverfamm-lung statt, bei welcher nebst dem Einberufcr und Referenten Strunz noch der Herr Kaplan, der Stationsborstand, zwei Bahnmeister und noch ein Ausschußmitglied die ganze Versammlung bildeten. Trotzdem lesen wir in der „Oesterreichisch-unga-rischen Eisenbahner-Zeitung" vom 15. April einen imposanten Versammlungsbericht ans Großraming, so daß man staunen muh, daß diesen Leuten nicht selber graust, wenn sie solche Berichte fabrizieren. Oder soll es wahr sein, was Herr T s ch u l i ck in der Generalversammlung gesagt, „wenn nur genügend Kohl geliefert w ü r d e." Ja, ja, Herr Strunz, es geht eben nicht überall der Gimpelfang, Ihre Leimspindeln ziehen nicht mehr. Sie müssen sich nur trösten, daß Sie wiederum 6 Kr. Versammlungsgcbühren aitS Vereinsgeldern verdient haben. Herr Strunz, wie wäre es, einmal eine öffentliche Eisenbahncrversammlung einzuberufen, dann würden lvir schon für einen besseren Besuch garantieren. Bleiburg. Am 1. April d. I. vergaß der Strcckcnbegeher Josef M a k o t s ch n i g in der Station Bleiburg sein Avisobuch. DaS Buch wurde mit Zug Nr. 416 dem Genossen Makotschnig nachgesandt und folgendes anonymes Schreiben beigelegt: „An Herrn Vertrauungsmann der Ortsgruppe-Klagenfurt Josef Makotschnig, Streckenzier zwieschen Guten-stein-Bleiburg. Euer Wohlgeboren! Sehr berimt und beliebt in der Genosenschaft, aber m Geisteszustenden sehr nachlässig. Wegen Ihrer anstrengung bei der vertheilung der Eisenbahner. Selbstverständlich, daß _ ein Mann zwei Dienste nicht leisten kann, darum bedauere ich Ihnen für heute diese nachlaßigkeit und Hofe von Ihnen bald eine Besserung, sonst wäre ich gezwungen, mit Ihnen andere Wege einzuschreiten. Hochachtungswohl M. N. Sie werden schon wissen von wem." Genosse Mako t s ch n i g fordert den anonymen Schreiber auf. seinen vollen Namen und Adresse bekanntzugeben, widrigenfalls er annehmen muß, daß der Schreiber ein ganz gemeiner Schuft sei. Lundenburg. Von dort wird uns geschrieben: Am 9. März 1911 fuhr ich mit Zug 318 um 5 Uhr 39 Minuten früh dienstlich auf die Strecke hinaus. Bei der Ankunft in Auspitz mußte ich aus dem Zuge auswaggoniert werden, weil ich während der Fahrt einen Schlaganfall erlitt. Der sofort gerufene Bahnarzt in Auspitz Dr. Moriz P o d o l i e r kam nicht auf die Station, sondern erklärte dem Boten, er habe er st um 0 Uhr seine Ordinationsstunde, ebenso der Herr DistriktSarzt Dr. Petter verweigerte sein Kommen zu so früher Stunde. Ich wurde ohne jede erste ärztliche Hilfe mit dem nächsten Zuge in meine Domizilstation Lundenburg zurückbefördert. Den Rücktransport besorgte der Stationövor-stand Herr R. v. Pelikan mit zwei Mann und begleitete persönlich meinen Transport bis Lundenburg. Ich erlaube mir, dem Herrn Stationsvorstand von Attspitz für seine Menschenfreundlichkeit auf diesem Wege meinen und meiner Familie herzlichsten Dank auszusprechen. Mit tiefstem Bedauern fühle ich mich aber genötigt, die hohe k. k. Nordbahndirektion zu bitten, davon Kenntnis zu nehmen, wie die erste Hilfeleistung seitens unserer Bahnärzte beschaffen ist. Ich lag volle zwölf Stunden in bewußtlosem Zustand und rechneten meine Auge-hörigen bereits mit meinem Ableben. Dies hätte vielleicht die erste Hilfeleistung gleich nach dem Schlaganiall verhüten können. ®- W. HndcrSdorf. (L o k a l b a h n h o f der k. k. Staatsbahnen.) Wie notwendig die Aufstellung eines Rangier-signaleS (Richtung Krems) ist, geht daraus hervor, daß der Ausblick auf der Kremser Stationsseite durch den Bergrücken und Geleisereserven benommen ist, ferner, daß die Verschiebungen in dieser Station von zwei, eventuell nur einem Stationsarbeiter besorgt werden, oftmals ohne Slufjicht und größtenteils zur Nachtzeit. Der am äußersten Stationsende postierte Blockwächtcr kann die Verschiebungen durch benommenen Ausblick schwer überwachen, und Haltsignale vom Blockposten sind schwer oder oft nur auf ganz kurze Distanz sichtbar. Im Interesse der Verkehrssicherheit möge eine k. k. Staats-bahndirektion mit der Slufstellung eines Rangierstgnales nicht zögern. So manches Geheimnis birgt die bisher verrichtete Verschiebung, ein Glück kann man es nennen, daß eine Karam-bole bisher nicht zu verzeichnen ist. Et. Pölten. (Von der B a h n e r h a l t u n g.) Unter dem Regime des früheren Bahnerhaltungsvorstandes, des Herrn Inspektors Ehe in St. Pölten, ist dem Bahnmeister B ü ch l e r stark der Kamm geschwollen, weil ihn der alte Herr Inspektor schalten und walten ließ. B ü ch l e r bekam eine derart hohe Meinung von sich, daß er meinte, es müßte der Verkehr eingestellt werden, wenn er nicht wäre, und die Umgangsformen, deren er sich im Verkehr mit seinen Untergebenen bedient, sind derart rüde, daß bei diesen auch das Ansehen seines Standes leidet. Die Gegner der Bestrebungen der Bahnmeister weisen immer auf derartige Elemente unter den Bahnmeistern hin, wenn sie diesen' das Anrecht darauf streitig machen wollen, zu Beamten ernannt zu werden. Hier eine Probe von der Umgangsweise B ü ch l e r s, des deutsch-nationalen, des Durchfallskandidatcn des Reichsbundes, mit deutschen Slrbeitern. Zwei einheimische Arbeiter, die dann auch vom Herrn BahnerhaltungLvorstand Kaiser aufgenommen wurden, bewarben sich bei B ü ch l e r um Aufnahme als Oberbauarbeiter. B ü ch l e r fuhr sie au, er brauche niemand, sie mögen schauen weiterzukommen. SllS sie sich bescheiden die Anfrage erlaubten, warum deutsche, einheimische Arbeiter nicht Arbeit bekommen können, wenn Kroaten beschäftigt werden, geriet Stichler in die Hitze und er schrie, er sch.... auf die deutschen Arbeiter, die deutschen Arbeiter mögen ihm den St... er habe genug Kroaten, brauche niemand und damit puttktunt. Trotz der Kroatenliebe des Bahnmeisters Stichler wurden dann die beiden Arbeiter, wie erwähnt, doch ausgenommen. Sie ersuchten, in einen anderen Bahnmeisterrayon ciugeteilt zu werden, und hatten auch das Glück, nicht in das Eldorado zum Bahnmeister B ü ch l c r zu kommen. ES sind Zeichen dafür vorhanden, daß sich der Herr Bahnerhal-tungSvorstand Inspektor Kaiser mit der Vorgangsweise SiichlcrS nicht identifiziert und damit besteht die Hoffnung, daß Ordnung gemacht wird. Es ist schon dringend notwendig, daß geordnete Verhältnisse einkehren. Ibiaii kann sich nach dieser Probe des Wohlwollens des Bahnmeisters Stichler gegenüber den Slrbeitern leicht vorstellen, unter welchen Verhältnissen die Obcrbauarbeiter bc idiesem Bahnmeister arbeiten müssen. ES ist auch Sache der BahnerhaltungSarbeitcr selbst, durch die Organisation derartige Zustände zu bekämpfen. Wenn die Bahn» erhaltungSarbeiter Mann für Mann sich am Kampf der Organisation beteiligen werden, wird der Erfolg nicht auSbleiben. Brünn (P latzma.n g e l am Bahnhof.) Bekanntlich ist in Brünn am unteren Bahnhof stets Platzmangel, so daß die Vcrschubmanipulationen sehr schwer durchzuführen sind.. Die ankommenden Züge müssen oft stundenlang in den Sta», tionen warten oder gar aufgelöst werden, da sie Brünn nicht | aufnchmen kann. Wer die Stationsanlagen und die Platzver-hältnisse in Brünn genauer kennt, wird bald herausgefunden haben, daß man diesen Platzmangel auf leichte und zugleich vorteilhafte Weise, wenn auch nicht vollständig beheben, so doch lindern könnte. Jedem Beobachter Jvird eS aufgefallen sein, daß die Westseite der Plankengaffe und die Nordseite der Breitengasse wegen der dort befindlichen Bahnkörper nicht verbaut werden können, da sich dort eine 5 Meter breite Böschung hinzicht. Daß diese offene Böschung nicht zur Verschönerung einer Großstadt beiträgt, ist erklärlich. Doch hat diese riesige Fläche inmitten der Landeshauptstadt einen respektablen Wert, der bei zweckmäßiger Ausgestal-tung für die Bahnverwaltung von großem Vorteil wäre. Würde zum Beispiel die Bahnverwaltung au Stelle dieser Böschung einen Mauerbau aufführen, so könnten auf diesem festen Untergrund die Verschubgeleise gelegt werden, ohne die Ein» und Ausfahrten der Züge zu verhindern. Gleichzeitig wäre auch damit die Möglichkeit geboten, die heute als Ablagerung?» plätze verwendeten Grundkomplcxe für Verschubanlagen aus» zunützen. Dieser Mauerbau könnte biel zur Verschönerung des Stadtbildes beitragen, wenn man bei den einzelnen Bögen Räumlichkeiten für Geschäftslokale einbauen würde, wie derartige Bauten alle größere Städte aufweisen. Die Baukosten würden sich im Laufe der Jahre gewiß durch die Mietzinse hereinbringen lassen. Viele Gewerbetreibende würden ihre Werkstätten und GeschäftSlökale in diesem Maucrbau unterbringen. ES wäre nur zu wünschen, wenn der Gemeinderat der Stadt Brünn sich mit dieser Slngelegenheit beschäftigen und sich diesbezüglich an die Direktion der St. E. G. oder an das k. I. Eisenbahn» Ministerium tuenden würde. Krottendorf. (Ausnützung der Oberbauarbeiter.) Infolge Wohnungsmangels und der Wohnungs» teuerung in Voitsberg ist ein Teil der Oberbauarbeiter bemüßigt, in entlegenen Orten Wohnung zu nehmen. Ein Teil dieser Arbeiter mußte sogar in Krottendorf und Söding Wohnung nehmen, die täglich in der Früh mit dem ersten nachj Voitsberg verkehrenden Güterzug zu ihrem SlrbeitSplatz fahren-' Bei dieser Gelegenheit nimmt die Station Krottendorf Anlatz-die dort auf den Zug wartenden Arbeiter zum Durcheinanders schieben der dort befindlichen Schotterwagen auszunützen. Sa4 durch soll nämlich die Slusstellung eines Fahrpaffes für das Lokomotivpersonal erspart bleiben. Selbstverständlich ließen sich die Obcrbauarbeiter diese aufgetragene Arbeit nicht bieten» Seite 14 i— .......um »'• ■ ijrirn«Tr.-TTi.i.«,-i ■< weil ihnen die Arbeiten zugunsten des „Verkehrs" gar nichts Angehen. Dadurch, daß sich die Oberbauarbeiter nicht als Williges Werkzeug für die Station gebrauchen liehen, ist jetzt der Herr Vorstand nicht gut auf sie zu sprechen. Der Herr Vorstand dürfte mit der Arbeitsordnung der BahnerhaltungS-arbeiter ziemlich schlecht vertraut sein, wenn er nicht weiß, Mfe ihre Arbeitszeit im Winter erst um 7 Uhr und im Frühjahr und Sommer um 6 Uhr früh beginnt und das; jede früher begonnene Stunde als Ueberstunde bezahlt werden mutz. Hoffentlich belehrt ihn die Bahnerhaltungssektion eines besseren, ibamit er sich? ersparen kamt, den Arbeitern wegen ihrer Weigerung feindlich gegenüberzustehen. Pölfing-Brunn. Durch die Versetzung des Bahnmeisters Herrn Georg K o f le r von Wies nach Pettau verlieren die ihm unterstellt gewesenen Oberbauarbeiter und Streckenwächter einen braven Vorgesetzten. K o f l e r war ein strenger, aber rtcfch jeder Richtung hin gerechter Vorgesetzter und wahrer Vater seiner Untergebenen. Die Pettauer Kollegen sind daher zu ihrem neuen Vorgesetzten nur zu gratulieren. Die Kollegen der Strecke Schwanberg-W i e S. Versammlungsberichte. Lundenbnrg. Am 23. April fand in Angern eine gut-Sefuchtc Versammlung statt, wo Genosse Stemmer den Bericht über die am 11. April stattgesundcne Sitzung der Personalkommission erstattete. Heber gewerkschaftliche OrganisationSsragen referierte Genosse H u s ch aus Lundenburg. Oberhollabrunn. Die Zahlstelle hielt am 17. April ihre Generalversammlung ab, welche gut besucht war. Genosse Beck hielt einen Vortrag über „Teuerung und die Lohnverhültnisse des EisenbahnpersorralS", der sehr beifällig ausgenommen wurde. Landstrasie. Am 4. April fand in BayerS Gasthaus die diesjährige Generalversammlung der Ortsgruppe statt. Die Berichte der Funktionäre wurden mit Befriedigung zuc Kenntnis genommen und das Absblutorium einstimmig erteilt. Bei Neuwahl der Ortögrupvenleitung wurden Genosse Müller zum Obmann und Genosse C e S l o g h y zum Hauptkassier gewählt. Als Subkassiere fungieren weiter die Genossen Schwarzmüller, Iohanik uud Holzapfel. St. Valentin. Am 1. Mai um 8 Uhr abends versammelten sich die Eisenbahner, um das Fest des 1. Mai in würdiger Weise zu begehen. Die Genossen H lad ik und Wunsch referierten in ausgezeichneter Weise über die Bestrebungen des österreichischen Eisenbahnpersonals und ernteten für ihre gediegenen Ausführungen lebhaften Beifall. Verschiedene Unterhaltungen würzten die wenigen Stunden und in würdiget Weise fand die diesjährige Maifeier einen gemütlichen Abschluß. ^loridödorf. Am 28. April l. I. haben die Arbeiter der Bahnerhaltungsftktion Wien eine Versammlung im Arbeiterheim abgehalten; als Vertreter der Zentrale war Genosse Duschek erschienen. Genosse Reiskup erösfiiete um 7,8 Uhr .die Versammlung; zum Vorsitzenden wurde Genosse Kubik, zum Schriftführer Genosse flitdla» ernannt. Genosse 3t eis £ u p sprach über die schlechte Situaton, in der sich die Oberbanarbeiter * befinden und wegen Nichteinhaltung deö Versprechens seitens des Oberinspektors $t u 8 m i t s ch, das derselbe der Deputation gegeben, welche am 23. März f. I. bei ihm erschienen war. Ferner betonte er, das} e5 nicht sehr ratsam sei. das! die Oberbauarbeiter mit der übrigen Arbeiterschaft den 1. Mai feiern, da die Haltung dieser Arbeiter sehr wankelmütig sei. Genosse KudlLö spricht in demselben Sinne. Genosse Kubik weist aus verschiedene Individuen hin, welche cs sich zur Ausgabe machen, die Organisation zu zerstören und jene Arbeitsgenossen zu denunzieren, welche sich für Verbesserung der Arbeiterlage eingesetzt haben. Genosse Sasin fordert die Anwesenden aus, untereinander mehr Vertrauen zu pflegen. Genosse D u s ch e k hat bekanntgegeben, das; er schon 15 Jahre in der Bewegung der slawischen Arbeiter stehe uud deshalb die Ansicht. Schließlich wurde ein Antrag angenommen, daß in der zweiten Hälfte Mai jber ArbeiterauSschus; (Sektion Bahnerhaltung) der Nordbahn-strecke bei der Direktion die Antrüge, welche am 23. März l. I. gestellt wurden, zu urgicren habe. Der Vorsitzende richtete an die Llnwcseiiden nochmals den Appell, das Gesprochene zu beherzigen, und der Erfolg kann nicht auSbleibeu und schlicht um V„lU Uhr die Versammlung. * Böhmisch-Leipa. Am 28. April fand hier eine massenhaft besuchte SBeristättenarbeitcrüersamnilung der verstaatlichten B. N. B. statt, in welcher das Personalkommissionsmitglied Genosse G. Zinke über die am 26. April stattgesundcne Per-sonalkommissionssitzung Bericht erstattete. Von einigen kleineren Zugeständnissen oder vielmehr Versprechungen von seiten des Vorsitzenden, Direktorstellvertrcter Dr. Zadnik abgesehen, ist leider in der Hauptsache die Erledigung der in der FrühjahrS-fitzung 1010 gestellten Anträge noch immer unterblieben. Nach den Erklärungen des Herrn Vorsitzenden, soll wohl die geforderte Lohnregulieruug ehesten» von' Ministerium herabgelangen und soll Rückwirkung bis zum 1. Jänner 1911 haben. Wie dieselbe beschaffen sein wird, ist für die Werk-stättenarbeiter noch ein Rätsel, doch allem Anschein nach ist nichts Durchgreifendes zu erwarten. Das PersoiialkonnnissionSmitglied für die Gruppe Bahnerhaltung, I. B i e n e r 1, teilt der Versammlung mit, datz für die Arbeiter dieses Ressorts bereits mittels Direktionsschreibens jene Lohnzulage im Betrag von 20 H. für Pro-fessionisten, und 10 H. für Arbeiter angekündigt wurde, was die Versammelten in Anbetracht des geringen Betrages in nicht geringe Aufregung versetzte. Genosse Adolf 5k n ö ch c l ergriff sodann das Wort, und mahnte die Versammelten zum festen Zusammenhalten, wenn etwas ordentliches erreicht werden soll, es gehe nicht an, datz man die Profefsionisten und Hilfsarbeiter nach so langem Hinziehen und monatelangen Versprechungen ans ihr» gestellte Forderung: „Lohnregulierung analog den k. k. Staatsbahnen", mit so einem Bettet absveise. DieWerkstättenarbeiter müssen trachten, schlagfertig und gerüstet daznstehcn, um eine solche Zumutung ganz entschieden abzuwehren. Nach längerer erregter Debatte, in welcher die kolossale Entrüstung der Werkstättenarbeiter wiederholt zum , Durchbruch kam, wurde folgende Entschlietzung einstimmig angenommen: „Die heute, den 28. April 1910 int Gasthof „zur Stadt Karlsbad" in Böhmisch-Leipa tagende Werkstättenarvciterver-sammtung erklärt sich nach wie vor mit dem von ihren Per-fonalkominissionsmitgliedern eingebrachten Anträgen vollinhaltlich einverstanden und erwartet eine ehestbaldige Erledigung derselben. Insbesondere protestieren die Versammelten gegen die wiederholte Verschleppung der schon seit Monaten in Aussicht gestellten Lahnregulierung, wünschen gleichzeitig die endgültige Abschaffung der nach in den einzelnen Abteilungen bestehenden Akkordarbeit und erwarten, datz anfchlietzend hieran die Stabilisierung der Werkstättenarbeiter im Sinne des seiner-zeitigen Ministerialerlasses im Höchstausmatz von 80 Prozent zur Durchführung gelangt." Aus den Organisationen. WolkcrSdorf. In der am Sonntag den IS. März 1911 stattgefundenen Generalversammlung wurden folgende Genossen gewählt: Ignaz Koller, Obmann, Joses G a l l e r, Stellvertreter; Joses S ch o d I, Schriftführer, Joses Geier, Stellvertreter; Georg Gärtner, Kassier, Michael Frank, Stellvertreter; Anton Weber und Johann W e i n h o f e r, Kontrollore; Leopold Schiller, Peter Hansel, Leopold S a l l e n k a und Georg Beyer, Ausschussmitglieder. * •••»•“ „Irr Eisenbahner. Als Streckenvertrauensmänner und zugleich Subknssiere wurden folgende Genossen gewählt: Johann Windsberger, Stationsblockwächter in Neubau-5kreuzstetten, Johann Koller, Stationsblockwächter in Ladendors und Karl M a y e r, Oberbauvorarbeiter in Sieben Hirten. Nach Durchführung der Neuwahl hielt Genosse S p i e s von der Zentrale einen vortrefflichen Vortrag, wofür er reichen Beisall erntete. Alle Zuschriften sind zu richten an Genossen Ignaz Koller, Streckenwächter Nr. 12, Gerasdors. Triest-Freihafen. In der am 4. April 1911 abgehaltenen Generalversammlung der Ortsgruppe Trieft V wurden folgende Genossen in den Ausschuss gewühlt: Julius I u ch a r d t, Obmann, Johann Pryibrik und Johann Beer, Stellvertreter; Karl Suppa nz, Josef Nechel und Franz Zuu n n ö i e, Kassiere; Karl K r c m z a r und Rudolf Vlyfiak, Schriftführer; I. Schmalstieg, Johann B o i t l, Liborius Sch erzer und Josef Turna, Kontrollore; I. Blitzner, K. Hru»ka, Mbin Büche, Mast nag, Javornik, Kammer ft ätte r, S ul iö und K o v a r c k, Ausschußmitglieder. Zuschriften sind zu richten an Genossen Julias Juchardt, Triest, Via Girolamo Muzio 7. Tcschen. Bei der am 17. April 1911 abgehaltenen Generalversammlung wurden folgende Genossen gewählt: Karl W e n-glorz, Obmann, Wawrezka, Stellvertreter; Anton Zuk, Kassier; B r c s i n a, Subkassier; Czeitschner, Schriftführer; Mucha, Szotka, Franek und S y m o f e k, Ausschüsse; F i a l a und Wojnar, Revisoren; S ch l o tz e r, Bibliothekar. Als Subkassier für Trienitz PinkaS. Sämtliche Zuschriften sind an den Obmann Karl Wen-glorz, ZugLpacker in Teschen, Prutekgasse 25, zu richten. Steyr. In der am 5. März 1911 stattgcsnndenen Generalversammlung wurden folgende Genossen gewühlt: Karl Topf, Obmann, Karl S i l h a, Stellvertreter; Georg Kollegger, Schriftführer, Joses Brückl, Stellvertreter; Josef Hochreiner, Kassier; Ludwig Mittendorfer, Bibliothekar; Leopold Oberbramberger, Josef Eder und Joses Reitmeier, Ausschüsse; Richard Friedlberger und Joses Hameter, Revisoren. Nach der Wahl hielt Genosse Weiser einen mit Beisall aufgenommenen Vortrag. Königinhof. Am 27. April 1911 fand die ordentliche Generalversammlung der Ortsgruppe K ü n i g i n h o s statt. Nach der Erstattung der Berichte seitens der Funktionäre und nach Genehmigung des Kassenberichtes wurde die Wahl der Funktionäre vorgenommen und wurden folgende Genossen in den Ausschuß gewählt: Franz T u z a r, McigazinSarbeiter, Obmann, Richard Kudrnovsky,Verschieber,Kassier; Rudolf Falta, MagaziuS-arbeiter, Schriftführer. Alle Zuschriften sind an Genossen Franz Tuzar, solche in Geldangelegenheiten an Richard KudruovSky zu richten. Die Mitgliederversammlungen und AuSschußsitzungen werden jeden Monat abgehalten. Aupcrschin. Bei der am 9. April 1911 abgehaltenen Generalversammlung wurden folgende Gen»ssen gewählt: Joses Tenschel, Obmani» Karl Krob, Stellvertreter; Franz Rudolf, Schriftführer; Rudolf Mauermann, Kassier; JaroSlav S e m a n n, Kontrollor. Alle Zuschriften sind zu richten an Josef Tenschel, in Geldangelegenheiten an R. Mauermcrn n. Hohenstadt. Bei der am 30. April ftattgefundcnen Generalversammlung wurden folgende Genossen gewühlt: Franz Vaclave k, Obmann; Albert M a ch a 6 c k. Kassier für Hohenstadt ; Wilhelm !B a u r o n S, Staffier für Müglitz. Die Versammlungen finden jeden ersten Montag im Monat statt. Alle Zuschriften sind an den Obmann Franz Vaclave! in Klein-Rafel, Post Hohenstadt, zu senden. Bozen II, Bei der am 29. April abgehaltenen Generalversammlung wurden folgende Genossen gewählt: Christian Mandler, Obmann, Joses Kn auß, Stellvertreter; Josef H e ck e I m o s e r. Kassier; Franz Regenselder, Schriftführer, Karl Krenn, Stellvertreter; Leopold Brechtl, Baltesa-rini, MeHachcr, Fachini und Karl Messerik, Snb-kassiere; Mair und R c i t n e r, Kontrolle; Pelz und W oh l-w a « g, Beisitzer. Alle Zuschriften sind an Genossen Christian Mandler, Lokomotivführer, Bozen, Personalhäuser Nr. 1, II. Stock, Tür 9, zu richten. Bruck a. d. M. II. Am 24. April I. I. fand in Pod-lalja® Gasthaus die Generalversammlung der Ortsgruppe Bruck a. d. Mur II statt. Obmann Genosse Koller sowie die übrigen Ausschußmitglieder brachten ausführliche Berichte über die Tätigkeit des Ausschusses im verflossenen Vereinsjahre. Zum dritten Punkt der Tagesordnung ergriff Genosse Tuschet das Wort, um in klarer Weife den Zweck und den Nutzen der Eisenbahnerorganisation und die Ersolge, welche durch die Organisation errungen wurden, nuscinrmlcrzufctzen. Brausender Beisall lohnte die gediegenen Ausführungen deS Referenten. Die Wahl des Ausschusses hatte folgendes Ergebnis: Heinrich Zwe nk, Obmann, Johann Hudovernik, Stellvertreter; Franz Stil gl er, Schriftführer, Konrad Macher, Stellvertreter; Johann 99t o 11 o ch. Kassier, Josef Graf, Stellvertreter; Johann Grundnig, Bibliothekar,^ Ladislaus 8 o t o l a, Stellvertreter; August König, Josef Schindler uud Franz T s ch u s ch, Kontrollore; Franz Sattler, Franz Novotny, Rudolf Rain dl, Johann Platzer, Alois S ch u g e rl, Franz I a n i s ch und Leonhart T i e s e n t h a l cr, Ausschüsse. Proßnitz. Bei der am 22. April 1911 stattgesundenen Generalversammlung wurden folgende Genossen gewählt: Johann Spoii er, Obmann, Josef D ok läd al, Stellvertreter; Rudolf Ienisch, Kassier; JaroslawHermann, Schriftführer; Rudolf Ki) f cIa und Rudolf Oöka, Revisoren: Joses D ro b il, Franz Nezwal und Anton Schindler, Ausschüsse; Johann N a u t a t i I und Franz R ih a, Bibliothekare; Anton Lindner, Subkassier für Nordbahnhof; Alois Müller, Siibkafsier für Körnitz; Franz Mratzek, Subkassier für Triebitz. Verschiedenes. Die C.itcllc aller Werte, lieber die Wertsteigerung dcS Materials durch die Arbeit macht Gottstein in der „Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" folgende Angaben: Es ist der Wert von 1 Kubikmeter Holz Mark im Walde................................... 10'50 als Schnittmaterial..................... 26 — als Zellulose (200 Kilogramm) .... 35'— durch Verspinnen der Zellulose .... 75— bis 155 — durch Verwandlung in Biskose, die zur Erzeugung von Kunsirotzhaar dient . 2100'— als BiSkoseioe.......................... 3500'— agcttjÜcrt und in Azetfeide verwandelt . 5500 — 1 Zentner Eisen Mark im Erz.......................... 0 30 als Roheisen.................... 3 — „ Gußeisen.......... 9'— „ Schmiedeeisen .... 9'90 „ Blech ............... 11'— „ Draht............ 12 — , Gnßstahl......... 27'— „ MosserRingen .... 1500'— bis 2000'— „ feinste Uhrfedern . . . fiOOOOO — „ Stahlfchneidearbeit . . 4 Millionen. Holz gewinnt also durch die Arbeit den mehr als 500fachen, Eisen sogar den zivölsmillionensachen Wert. Zwei praktische Beispiele für die iiationalökonvmische Tatfache, daß die Arbeit die Quelle aller Werte ist. > Nr. '14 Körplirschöilheit und Industrie. Der italienische Soziologe Achille Loria weist in der „Nuoba AntolOgia" auf die großen Unterschiede hin, die zwischen der Kürpergestalt der Arbeiter von heute und der der Handwerker und Arbeiter von ehemals zu konstatieren sind; während der Handwerker von einst sich durch männliche Schönheit auSzcichrtete, ist der Arbeiter unsere Tage gewöhnlich ein häßlicher, verkümmerter oder jedenfalls nicht besonders schön gestalteter Mensch. Loria meint, datz die Schuld an dieser Degeneration des Körpers unsere fieberhaft arbeitende Industrie trage, die dem modernen Menschen, ganz gleich ob eS ein Kind oder ein Erwachsener;, sei, unablässig eine freudlose, einförmige, seelenlose Arbeit auferlege. Der Industriearbeiter zeige deshalb auch unebenmäßige Züge, die man zum Beispiel bei dem Sandmann nicht finde, weil dieser einer abweslungSreicheren und daher auch nicht so sehr entstellenden Arbeit ergeben sei. Ein für das Schöne begeisterter Weltreisender, der in den verschiedensten Ländern der Erde die wahre Frauenschönheit gesucht habe, erzählte Loria, datz er die vollkommene Schönheit nur in Scanno, einem fern von der, Eisenbahn und vom Weltverkehr gelegenen, primitiven, sozusagen noch jungfräulichen Abruzzenörtchen, gefunden habe; hier leuchteten den entzückten Augen des Schönheitssuchers auf Schritt und Tritt bezaubernde griechische Profile mit tiefschwarzen Augen entgegen. Aber wie lange noch, und die Schönheiten von Scanno werden sich auch in triviale Alltagsgesichter gewandelt haben! Man wird auch in dem weltverlorenen Abruzzenflecken die alles zernagende uud nivellierende Industrie kennen lernen, und dann wird es rasch vorbei sein mit den klassischen griechischen Profilen. Das ist durchaus kein Phan-tasiegebilde, sondern durch Tatsachen erhärtete Wahrheit! Die Frauen von Burano waren einst Wunder von Schönheit, verloren aber nach und nach alle Reize, als sie nach Einführung der Spitzenindustrie hart arbeiten mutzten. Und dann noch ein Beispiel: „In einer Stadt Piemonts", schreibt Loria, „und in einer anderen, zwischen Mailand und Turin gelegenen Stadt war die weibliche Jugend, bevor die industriellen Etablissements aus dem Boden wuchsen, außerordentlich schön und so kräftig und Üppig, datz die beiden Hauptstädte von dort viele ihrer Aminen bezogen; nach der Errichtung der Fabriken aber wurden die Frauen so auSgen^rgelt und kraftlos, das; man tiefstes Mitleid empfindet, wenn man sie zu sehen bekommt." Literatur. Von der „Neuen Zeit" (Stuttgart, Paul Singer) ist soeben -das 31. Heft des 29. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Der Kongreß in Saint Quentin. Von Ch. R a p p o p o r t (Paris). — Die Reichsver» sicherungsordnung in der Kommission des Reichstages. Von Gustav Hoch föattau a. M.). (Fortsetzung.) — DaS „Kultur« werk" der preußischen Polenpolitik. Von I. Kar Ski. —- Kongreß der Ungarländischen Sozialdemokratischen Partei. Von Eugen V a r g a. — Literarische Rundschau: Dr. M. Nachimson, Die elektrotechnische Umwälzung. Von R. Woldt. — Notizen: Die deutsche Burschenschaft und die Sozialdemokratie. Von mg. — Zeitschristenschau. Bon G. E. Die „Neue Zeit' erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buchhandlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von Mt. 3 25 per Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur per Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft kostet 25 Pf. e Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Kunst uud Proletariat. Von Klara Zetkin. Vortrag, gehalten am ersten Künstlerabend des Bildungsausschusses der Stuttgarter Arbeiterschaft. Diesen Titel trägt eine uns zu-gegnngene 16 Seiten starke und schön ausgestattete Broschüre, die durch I. H. W. Dietz Nachf. G. m. b. H. (Zeitschriftenkonto) in Stuttgart zum Preis von 15 Pf. bezogen werden kann. Bestellungen vermitteln alle Parteigeschüfte. Mitteilungen der Zentrale. HcntralmlSschnstsit;im>i am 28. April 1911. Bericht über die Durchführung der diesjährigen Maifeier in den Wiener Eisenbahnwerlstütten. — Fortsetzung der Beratung über die Tagesordnung für die Delegicrtenversammlung der Zentrale. —• Beschlußfassung über die Veranstaltung mehrerer großer Eisenbahnerdemonstrationsversammlungen in Wien. — Bericht über das Resultat der Wahlen in die Personalkonnnission und in die Arbeiterausschüsse auf der-k. k. Nordwestbahn. — Debatte über die separatistischen Eisenbahnervereine. Vct'tvattiingSkvmitcesitziliig am 4. Mai 1911. Erledigung des vorliegenden Einlaufes. — Gründung neuer Ortsgruppen und Errichtung neuer Zahlstellen. — Beschlußfassung über die Einberufung einer Konferenz der Oester-reichischen Nordwestbahn für den 21. Mai 1911 nach Deutsche Brod. — Entgegennahme verschiedener Berichte. | wird seiner un-i erreichten Vor« i ziitge wegen von ! EUtiEiionen täglich ; getrunken. Ein-i zig wirklicher ; Familienkaffee! : Billig u. gesund. ; mmmm'vm mmmrn»mmm Nr. 14 „Der Gtsenvittrner." Seite 15 v Sprechsaal. An alle Ortsgruppen, Zahlstellen und Kolporteure! Die Genossen» die cs bisher «nterlietze», die Faschinnszeitung n 5 3 u r e d) it e n, wurden drin-flenb ersucht, dies in den nächsten Taqen zu tun, damit die Rechnung über die Faschingszcituug abgeschlossen werde« kann. An die Kollegen Signalmeister der k. k. Direk-tionsbezirke Briest und Villach der k. k. Staatsbahnen sowie der k. k. Südüahu! Werte Freundei Einem uns gegebenen Versprechen nachkommend, richten wir an euch, als unsere Standeskollegen die Bitte, mitzuhelfen an dem Ausbau unserer Organisation. Keine Kategorien gruppe ist in diesem Punkte so weit zurückgeblieben, ivieoie Kategorie der Signalmeister und gerade wir Hütten alle Ursache, in dieser Beziehung unseren Mann voll und ganz zu stellen. Sticht zu leugnen Ift, daß wohl an verschiedenen Punkten lebensfähige Ansätze einer Organisation zu finden sind. Das Werk mich jedoch vertieft und verbreitert werden. In diesem Sinne bitten wir Sie als Kollegen und organisierte Signalmeister, sich zusamenzu-schließen und mitzuhelsen an dem schweren Werke. Tun Sie das im Süden unserer Monarchie, was Ihre Stollegeti in Prag, Wien, Olmütz u. s. w. in richtiger Erkenntnis der Sachlage getan haben, als einzigen richtigen Weg, der beschritten werden mutz, um gesunde Verhältnisse innerhalb unserer Kategorie zu schaffen. In kurzer Zeit wird Ihnen eine Einladung zum Besuch einer Konferenz der Signalmeister der südlichen Bahnen zugehen. Betrachten Sic den Besuch dieser Versammlnng, deren Ort und Beginn Ihnen rechtzeitig mittels Schreiben bekanntgegeben wird, als eine Ehrenpflicht gegenüber sich selbst und gegenüber Ihren Kollegen. J»i Namen der organisierten Signalmeister in Böhmen: Der Sektionsausschuß. Josef Vanek, Josef Skoutajan, Aug. Plafchinger, Josef Richter. Prag, im April 1011. Achtung, Mitglieder von Bodenbach und Umgebung. Die Vertrauensmänner beschlossen, daß die Monatsversammlungen für den Monat Mai und Juni zu unterbleiben haben, jedoch Branchenversammlungen und kurz vor dem Wahltag eine große öffentliche Eifenbahnerversammlung stattzufinden .hat. Die nächste Monatsversammlung findet am 2. Juli 1911 >Lur gewöhnlichen Stunde in der „Volkshalle" in Bodenbach statt. Offene Anfragen. Alt die löbliche Geueraliuspektion der österreichischen Eisenbahnen in Wien. Am 26. April hat der Vertrauensmann des Heizhauses Marburg bei der Maschinendireltion betreffs de§ TurmiS der Serie 60 vorgesprochen und auf die Nichteinhaltung der Normen bei Erstellung desselben hingewiesen. Speziell die Tour 822 Marburg-Mürzzuschlag. 853 Mürzzuschlag-Bruck a. d. Mur, 852 Bruck a. d. Mur-Mürzzuschlag beansprucht eine 17stündige anstrengende Dienstleistung mit zwei Unterbrechungen von kaum einer Stunde, welche oaS Lokomotivpersonal unmöglich als aus-Ntebtge Ruhepausen betrachten kann. Vom Herrn Maschinen« drrektor wurde die Zusage gemacht, daß die Tour 853-852 vom ^lUrzzuschlaaer Personal geführt wird, mit welcher sich bas betreffende Personal zufriedengab. Leider müssen wir ton-statieren, daß Anordnungen derMaschinendirektion vom Betriebs-«tfpektorat einfach ignoriert werden, denn eine Aenderung des Turnus ist bis heute nicht vorgenommen worben und wird das Personal gezwungen, den 1?stündigen Dienst in der Zeit von 10 Uhr abends bis 3 Uhr nachmittag? zu machen. Alle Führer, welche die Tour gefahren sind, erklärten, dieselbe ein zweitesmal nicht leisten zu können; wieder andere melden sich rrank oder nehmen sich für die Tour 822 Urlaub u. f. w., wodurch dann ein anderer gezwungen wird, diesen mörderischen Dienst leisten zu müssen. Indem dies ein sür die Dauer unhaltbarer Zustand ist, ersucht das Marburger Lokvmotivpersvnal, eine löbliche Maschinendirektion sowie die k. k. Generalinspektion möge hiervon Kenntnis nehmen, und erklärt hiermit, daß, inso-lange die Zusage deS Herrn Maschinendirektors nicht durchgeführt ist, jede Verantwortung für die Tour 853-852 ablehnen zu müssen. Offene Anfrage an das hohe k. k. Eisenbahn-miuisterium. Aur 25. Februar sprach im k. k. Eisenbahnministerium tttte Deputation des Zugbegleitungspersonals des Wiener Direktionsbezirkes wegen Gewährnng eines KürzungSjahreS beim nächsten Avancement für die Bediensteten, die am 1. Jänner 1809, beziehungsweise am 1. Juli 1899 mit 700 Kr. eingestellt wurden. Der Deputation wurde damals erklärt, daß das Elfen-bahnministeriunl die Schädigung anerkenne und daß daher die Kosten der Gewährung dieser Verbesserung studiert würden. Nachdem seither eine geraume Zeit verflossen ist, während der diese Berechnungen längst beendet sein müssen, erlauben sich hiermit die betroffenen Bediensteten die höfliche Anfrage an das hohe k. k. Eifenbahnministeriuni, ob und mann den betroffenen Bediensteten endlich ihr vorenthaltenes Recht zuteil wird. Hoffentlich wird das hohe k. k. Elsenbahwnimsterium, nachdem die Berechtigung der Forderung anerkannt wurde, beim Juli-avftncement das geschehene Unrecht gntinachen. Die Betroffenen. An die Direktion der ?, k. Staatseisenbahn-gesellfchaft in Wien! Nachdem die Bediensteten der k. k. Staatsbahn in Boden-pach bereits vor einem Monat die Dienslkleider erhalten haben, w bjtten die Bediensteten der k. k. St. E. G. um ehebaldige AuS-folgung dieser Kleider. An die f. k. Staatsbayndirektion in Olmütz! Ist einer f. k. StaaiSbahndirektion bekannt, daß der Bahn-Meister Robert Christ in Liährisch-Schönberg das ganze Jahr hindurch einen Oberbauarbeiter für seinen Ziegenstall verwendet? Ebenso beschäftigt Bahnmeister CHri st schon Jahre hindurch stets im Frühjahr zwei Bahnerhaltungsarbeiter zu Privatarbeiten •n seinem Garten. Da diese Arbeiter von der k. k. Bahnverwal-n-ng bezahlt werden und ein diesbezüglicher Erlas; die Verwendung von Bahnarbeitern zu Privatnrbeitcn ausdrücklich verbietet, so wird um gütige Abhilfe dieses UebelstandkS gebeten. An die k. k. Staatsbahndirektion in Wien! vorr oepomerl nuiroe, woourcy eine tseyogc uev 0ei den mit verstärkter Garnitur rollenden Personenzügen ent- steht, so auch, daß die Lagerung dieses Schotters vorschriftswidrig ist, da beim Verkehr der Züge durch Erschütterung daL Material direkt auf die Schienen rollt. $=Söt Abhilfe wird gebeten. St» die Direktion der k. k. Oesterreichischen Nordwestbahn! Die Oberbauarbeiter der Station Tetfchen haben am 20. Oktober 1910 ein Gesuch um Ausbesserung ihrer Löhne eingebracht. Da bis nun ein Bescheid nicht erfolgt ist, erlauben sich die Gesuchsteller aus diesem Wege um die baldige Erledigung ihres Ansuchens zu bitten. _________________ An die f. k. Staatsbahndirektion in Prag! Ist einer löblichen k. 1 Staatsbahndirektion in Prag bekannt, daß den Wächtern in der Station Teplitz-Wald-t h er bei Erholungsurlauben oder, wenn der Wächter nur zwei Tage im Monat krank ist, die Wechselzulage für diese Tage in Abzug gebracht. Laut Gebührenregulativ heißt es, daß der an-spruchsberechiigte Bedienstete den Anspruch auf die Wechselzulage erst dann verliert, .wenn er länger als 14 Tage dem Dienste entzogen war. Um eine genaue Untersuchung und Regelung dieser das Personal schädigenden Handhabung wird gebeten. Allgemeiner Rechtsschutz- und Gewerkschaftsverein für Oesterreich. Grtsgrrrpp» Hriinir-^leudorf. Am 14. Mai um 3 Uhr nachmittags finoet im Vereinslokal in Ncudors eine öffentliche VereinSvecsarnmlung statt, wo Genosse Kraus aus Falkenau über die bevorstehende Reichsratswahl und die Oberbauarbeiter sprechen wird. Um rechtzeitiges und zahlreiches Erscheinen wird dringend ersucht. Grisgruppo ^krotzmi». Die Mitglieder werden zu einer außerordentlichen Generalversammlung, welche am 12. Mai d. I. uni 7 Uhr abends im Lokal deS neuen ArbeiterheimS, Petersgasse, stattfindet, eingeladen. Tagesordnung: 1. Wahl eines Kassiers. 2. Freie Anträge. FaÜS diese Versammlung zur selben Zeit nicht beschlußfähig sein sollte, so sinoet dieselbe eine Stunde später bei leder Anzahl der Mitglieder statt. d nilswarls. Eigene Abteilung für Masibestcllnngen. — 5lnabe»klcider staunend billig. Gegeii Vorweisung der Legitimation gewähre ich dem P. T. Bahnpersonal und beschäftigten Personen der Werkstätten 5 Prozent Rabatt von den festgesetzten ersichtlichen Preisen.. $j6®r Illustrierte Kataloge und Muster gratis. 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