August. Zwölfter Jahrgang. 1915. Folge 140. (Seite 3357 bl* 3384.) Blätter für den Abteilungsunterridit. tTlonatschrift zur Förderung des österr. Schulwesens. (Schriftleiter: Dr. Rudolf Peerz.) Inhalt: Seite 1. Lehrer Franz Göhler............................. 3357 2. Die Sorge um das kommende Geschlecht . . 3358 3. Ein Kriegsfreiwilliger.......................... 3360 4. Einige Reformvorschläge zur Jugendfürsorge . 3361 5. Prophetisches aus unseren „Blättern“ .... 3365 6. „Er wollte zu seiner versprengten Kompagnie eilen!“.................................................... 3368 7. Erste österreichische Gemeinde für pädagogische Forschung und Schulreform............................ 3369 8. Gegensätze.......................................... 3370 9. Die Jugendfürsorge in Böhmen........................ 3370 10. Kriegsbilder aus Sarajewo.......................... 3372 11. Kriegsrechenaufgaben............................... 3374 12. Briefkasten........................................ 3375 13. Kleine Mitteilungen................................ 3377 14. O, Heimatort, du süßes Wort........................ 3378 15. Blätter für Prüfungskandidaten: a) für Bürgerschulen................................. 3379 b) für Volksschulen.................................. 3382 16. Dritter Ausweis über die 2. Kriegskrone der Bl. 3384 Verleg der Blatter für den Abteilungeunterricht in Laibach. — Druck von J. Pavlicek in Gottschee. Jährlicher Bezugspreis 6 K (6 Mk, 7 Frk.). Für Lehrbefähigungsprüfungen empfohlen: Lehrbuch der Psychologie von k. k. Professor F. Schindler. (Verlag O. Gollmann, Troppau.) 207 Seiten, 42 Textfiguren, 1913; eleg. Leinenband K 4. Urteile. Blätter f. d. Abt.-U.: Eine ganz ausgezeichnete Erklärung für den psychophysischen Verlauf der Geistesphänomene. — Angenehme instruktive Art. — Wissenschaftliche Fundierung der Beispiele. Päd. Jahresbericht (Dr. E. Meumann): Unter den elementaren Lehrbüchern der Psychologie gebührt dem Lehrbuche von Sch. eine besondere Stelle. — Sucht zu gunsten der Wissenschaft freizuhalten von autoritativen Traditionen. Schles. Schulbl.: Gliederung und Sprache lassen an Vollkommenheit und edlem Schwünge nichts missen. — Wärme des Tones vereint mit Durchsichtigkeit der Darstellung. Kärntner Schulbl. 1913: Nicht bloß L.-B.-A. und Prüfungskandidaten, sondern allen Kollegen empfohlen. — Vorzügliches Mittel zur mühelosen, angenehmen Auffrischung. Schaffende Arbeit und Kunst 1914: Das Lehrbuch ist sehr zu begrüßen. Es berücksichtigt die Errungenschaften der modernen Psychologie. — Wird vortreffliche Dienste leisten. österr. Schul-Ztg. 1914: Der Stoff ist übersichtlich und in den schwierigsten Teilen leicbtfaßlich dargestellt, der Weg von der Erfahrung zur Erkenntnis psychologischer Gesetze streng eingehalten. — Wärmstens empfohlen. Reichsverein österr. Lehrerbildner: In meisterhafter Weise die verschiedenen psychologischen Richtungen berücksichtigt. — Plastische Sprache, gekennzeichnet durch Schönheit, Klarheit und Leichtfaßlichkeit. Hoher Extra-Vorzugsrabatt für Lehrer! PisilOfi Trautwein, wien, vii. Mariahilferstraße Nr. 58 B. Pianinos und Klaviere von hervorragender Klangfülle und Tonschönheit, gediegendster kreuzsaitiger Eisenpanzer - Konstruktion mit leichter, elastischer Spielart und verstellbarer Harfenton-Vorrichtung. 10 jährige, schriftliche, gesetzlich bindende Garantie! — 4 wöchentliche, frachtfreie Probelieferung nach jeder österreichischen Bahnstation 1 Ratenzahlungen ohne Preiserhöhung gestattet 1 -MW Jeder Lehrer verlange umgehend kostenlos Zusendung der illustrierten Preisliste nebst Lehrer-Vorzugs • Rabatt-Tabelle! Drei starke Hefte mit mehreren tausend Referenzen von Lehrern etc« gratis zur Verfügung (1915 August). \ ä t t (* (12. Jahr.) A-kge 140. für den flbt(ilung$unt(rriebt Monatschrift jur Förderung -er oft er r. Schnlwtfnts. bnuglgehatt 6K (e Wad, Schriftleiter: »eschlistilch«» au»lq»e»»q 7 Fr«.) jährlich, «inzelnum. an die „Verwaltung der mer 60 h (60 9ßf, 70 ct). 71r tttihnlf tlfrn «lütter filt den »Heilung«. Postspar«. Mt. 68.218. JWl. nuuui) unterrlchl ln Laibach". Handschriften und Bücher an die Sdjrtftleltung der Bltltter sür den SlbtellungeuntmW ln MieS (Bödmen). WW p#* starb am 30. Dezember 1914 in der Garnisonsstadt Komotan an den Folgen eines im Kampfe gegen die Serben am 12. September 1914 bei Popince an der rechten Schläfe erhaltenen Streifschusses. Am 3. Jänner 1915 wurde der teure Tote auf dem Ortsfriedhofe seines Dienstortes „Reischdorf" zur ewigen Ruhe bestattet. Aus dem Leben des Gefallenen: Geboren am 24. Februar 1884 zu Ziebisch bei Klöstcrle. Trat 1898/99 in die k. k. Lehrerbildungsanstalt in Komotan ein, woselbst er sich am 30. Juni 1902 das Zeugnis der Reife und am 19. November 1904 das Lehrbcfähigungszeugnis erwarb. 1908 die Befähigung für kaufmännische Fächer an gewerblichen Fortbildungsschulen. Er wirkte an den Schulen Weipert-Grund, Dörnsdorf, Preßnitz und seit 1. März 1905 als definitiver Lehrer, zuletzt 1. Klasse, in Ober-Reischdorf. Würdigung: Lehrer Franz Göhler war ein Edelmensch, ein leuchtendes Vorbild seinen Schülern, eine ideale Lehrergestalt, ein treuer Berater seines Volkes und Vorkämpfer für deutsches Recht. Seine Familie verlor in ihm einen treusorgenden Vater, der Lehrerverein Preßnitz einen nimmermüden Förderer und wackeren Streiter. Lehrervercin preßnitz ln Mhmen. Lehrer Franz Göhler Die Sorge um das kommende Geschlecht. Der Deutsche Landeslehrerverein für Böhmen hat in der Sitzung am 5. Juli d. I. festgestellt, daß aus den von ihm aufgebrachten und laufenden Spenden nicht allein dem Boten Kreuze und ändern patriotischen Unternehmungen namhafte Beträge zugeführt, sondern alle Waisen nach gefalle neu Kollegen st andesgemäßerzogenundgegebenen-falls auch dem Lehrberufe z u g e f ü h r t werden können. Das ist ein Beschluß von großer Tragweite. 3ch habe ihn in einer Versammlung von Exzellenzen mitgeteilt und dabei wahrgenommen, welch großen Eindruck die Kunde auf jene machte, die vielleicht bisnun die Lehrerschaft in ihrer inneren Kraft noch nicht ausreichend kannten. Der Ängstliche freilich wird in dieser Manifestation eine Gefahr wittern, indem er also erwägt: „Wenn die Mächtigen sehen, was wir an Geld zu leisten vermögen, werden sie unsere Wünsche nach Erhöhung der Bezüge umso weniger hören." Der Schluß ist falsch. Durch Bitten werden wir niemals etwas erreichen; nur die Forderung, die gerechte, vornehm gehaltene, fachlich begründete, strenge, unablässige Forderung, hinter der sich unsere Macht zeigt, mit der ein Stück Autorität schreitet, kann uns helfen. Die Morte des Parias vernimmt man; allein man geht an ihm vorüber und läßt ihn flehen oder auch — poltern. Anders ist es, wenn der Vollbürger, der Unentbehrliche, der Geachtete, der Weachtete spricht. Zu dieser l}öhe müssen wir emporsteigen, soll die Zukunft uns das bescheren, wornach wir nun seit Jahrzehnten ringen. Und sie kann es bringen, wenn wir den Augenblick nützen und dabei die rechte Taktik wählen. Mit dem pinweise auf den Eindruck, den die Tat der deutschböhmischen Lehrerschaft auf die Vertreter der obersten Kreise gemacht hat, ist bereits ein Fingerzeig gegeben, wie und wo unsere Aktion einzusetzen hätte. Mir müssen jetzt, da man nach werktätigen Arbeitern im Dienste des blutenden Vaterlandes Umschau hält, uns willig zur Verfügung stellen, damit man uns in der Kleinarbeit, auf die es zurzeit hinter der Front am meisten ankommt, als Machtfaktor erkenne und werte. Wehe, wenn wir den Augenblick verstreichen lassen oder für unfern Patriotismus allsogleich den Sold bedingen; man würde an uns vorübergehen und uns ein böses Mal aufbrennen. Der Lohn kommt von selbst; wir greifen kraftvoll in die Wohltätigkeitsmaschine ein, drücken den Zeiger mit einemmale um ein großes Stück hinaus und steigen mit ihm in der Beachtung. Denn, soviel darf ich mitteilen, man ist ob der unzureichenden Wirkung zentraler pilfsorganisationen in die äußersten Enden hinaus in nicht geringer Sorge; hier ist der Punkt, an dem die Lehrerschaft einzusetzen hätte. Sie ist es, die den großen Gedanken in das einsame Dorf trägt, in die Seele des Volkes versenkt, um aus ihr den Entschluß zur Hilfeleistung, zur patriotischen Tat zu heben. Was nützt es, wenn aus Millionen heraus punderte von Kronen in die des Vaters beraubten Familien wandern, sofern nicht jemand da ist, der die Nutzung überwacht, der die Verlassenen betreut, der als Autorität den Vater ersetzt, der die Erziehung leitet, der die Kinder des Pelden zu einem ehrlichen Berufe führt! Dieser Anwalt soll der Lehrer fein! Für ihn ist nicht allein der Gedanke an edles Menschentum, an die Zukunft des Vaterlandes der treibende Grund, sondern auch das selbsteigene Interesse, der Verwahrlosung, die ihm das gesamte Wirken in der Schule zersetzte, vorzubeugen. Wer das Unkraut nicht erst keimen läßt, braucht cs später nicht zu jäten. Dieses innere Motiv ist das Beale an der Sache, der Blick auf peldenwaisentum und auf die Blüte des Staates das Ideale. Beide vereint, müssen selbst den Bequemsten rütteln und zur großen Maschine drängen. Es wäre ein uneinbringlicher Verlust, wenn das Aufgebot, von dem man die fruchtbare Anlage gefamntelter Gelder erwartet, nicht ohne Zögern und nicht ausreichend 3359 sich zur Verfügung stellte. Unersetzlich ist niemand; es fragt sich nur, wie der Ersatz ausfällt und was die Folge von Lauheit wäre. Übrigens stünde im Falle der Zurückhaltung ein Druck von oben in Aussicht. Soll man es dazu kommen lassen, daß es hieße, die Lehrerschaft mußte zur Betätigung auf dem Gebiete der Kriegswaisenfürsorge gezwungen werden?! Diesen Makel wollen wir nicht erst auf uns laden. Mir bieten gerne die Hand zu dem gewaltigen Merke der Menschlichkeit und Vaterlandsliebe; nur stelle man uns einen Apparat vor Augen, der erfolgreiche Arbeit verbürgt. Daran fehlt es zurzeit; allein es schließen sich mählich die Nieten und die Räder und alsbald wird ein vollkommenes Merk in Gang gebracht werden. Zur Genugtuung unserer Leser und wohl der gesamten Lehrerschaft teile ich mit, daß ich auf den keitbericht in Folge s37 („Unsere nächsten Arbeiten für das Vaterland") hin von den Zentralstellen der Kriegswaisenfürsorge behufs Rücksprache eingeladen wurde und bei den Beratungen wahrnehmen konnte, wie hoch man die Tätigkeit der Lehrerschaft anschlägt und wieviel man darum an Effekt von ihr erwartet, wenn einmal die sorgsam gefügte Maschine mit ihren äußersten Hebeln bis in den innersten Talgrund greift. Es werden zweifellos Aufrufe den Augenblick der vollen Tätigkeit ankünden; man wird sich in starker Zuversicht bittlich an die Lehrerschaft wenden (dafür ist gesorgt) und von ihr Großes erhoffen. Mas schon jetzt ihren Namen mit gutem Klang in die höchsten Kreise gebracht hat, das ist der eingangs erwähnte Beschluß des Deutschen Landeslehrervereines für Böhmen. Damit ist das erste Beispiel für die Wernfswaisensürsorge gegeben. Menu alle Stände so zusammengriffen und aus dem eigenen Schachte für die Hinterbliebenen ihrer im Kampfe gefallenen Kollegen sorgten, ha, wie verringerte sich da mit einemmale die Sorge um das kommende Geschlecht! Ich werde, u. zw. nicht allein aus dem Grunde, weil ich die große Tat der Lehrerschaft als Beispiel hinstellen und ihren Ruhm verbreiten will, sondern vor allem auch im Einblick auf die Minderung der allgemeinen Kriegswaisenfürsorge in Tageszeitungen das Mort ergreifen und die Säumigen mahnen. Damit nun die Morte wirken, möge die Lehrerschaft von Kronland zu Kronland das Muster bieten und alsbald durchs ganze große Reich den Ruf erschallen lassen: „Mir sorgen aus eigenen Mitteln für unsere Maisen!" — Mie müßten dann Stände, denen die Güter reichlich in den Schoß fallen, sich schämen, so ihre Waisen der allumfassenden Reichsorganisation ausgeliefert werden würdenI Der Beschluß vom 3. Juli birgt indes noch ein weiteres bedeutungsvolles Moment: Hs können die fälligen Leßrerwaisen auch dem Aierufe des Waters zugefnsirt werden. Damit wird der Lebensnerv unseres Standes getroffen. Die Taktik der letzten Jahre hat den Lehrerbildungsanstalten viele Talente entfremdet; wenige und nicht gerade die Besten wurden als Nachwuchs ins Berufsleben abgegeben. Nun kam der Krieg. Er lichtete die lichten Reihen der Vollgebildeten. Mas muß also in Zukunft eintreten? Ein minderwertiger Nachschub mit weiblicher Färbung. Kann durch ihn ein st a r k e s Geschlecht erzogen, eine neue, kraftvolle Kulturepoche geschaffen werden? Auf der einen Seite die Entvölkerung, die Verwahrlosung, so wir uns nicht mit allem Nachdruck der Kriegswaiseufürsorge widmen, auf der ändern ein mangelhaft gerüstetes oder allzuweiches Lehrermaterial: Wie soll da die Zukunft des Staates gesichert erscheinen?! So ist es denn eine Bestimmung von ungeheurer Tragweite, daß aus begabten kehrerwaisen Lehrer gebildet werden sollen. In diesen zukünftigen Kollegen steckt schon der rechte Lehrergeist, steckt ein Stück Lehrtalent und vor allem sonnenklarer Idealismus; also haben wir einen Nachwuchs zu erwarten, der das Fehlende bald ersetzt und uns eine starke Zukunft bringt. — Die Ursachen, die zu dieser Maßregel des Deutschen Landeslehrervereines für Böhmen gedrängt haben, bestehen allerorts; daher sollte der gebotene Fall richtunggebend wirken, u. zw. nicht allein in den Kreisen der Lehrerschaft, sondern auch in ändern Bernfskategorien; denn das ist ausgemacht: Wer der allgemeinen Fürsorge ausgeliefert ist, kann nicht Anspruch darauf erheben, daß er standesgemäß herangebildet werde; im ganzen Großen ist jeder Teil gleichwertig und das Kind des gefallenen Arbeiters erhält denselben Sold wie das des höheren Staatsbeamten. Diese Nivellierung, der sich höchstens das hervorragende Talent gewaltsam entwindet, hat ihr Gutes, birgt aber mit Bezug auf die augenblickliche Lage des Staates auch ein Bedenken: Es ist in diesem Großen Kriege soviel Intelligenz vernichtet worden, daß wir vorläufig hauptsächlich nach dieser Richtung hin an einen Nachwuchs werden denken müssen. Unsere Reserveoffiziere waren allzu schneidig; darum der ungeheure Verlust an Bildung. Sie zu ersetzen, ist einer Organisation, die das ganze Reich umfaßt, uud auch dem Staate bei dem beschränkten Ausmaße an Mitteln nicht möglich; da muß die durch den obgenannten Lehrerverein vorbildlich gebotene Berufswaisenfürsorge eintreten. — Wir stehen nach allem großen Problemen gegenüber. Die deutsche Lehrerschaft hat bereits gezeigt, daß sie ihnen gewachsen ist. Möge sie nun bis zum Ende ihre Macht und ihr Mittun bekunden, auf daß man mitten im gigantischen Ringen und nach dem Kriege sage: „Da ist uns ein Aaktor erwachsen, auf den man in Zukunft wird achten wüsten." peerz. Ein Kriegsfreiwilliger. (Erstdruck.) Mein Junge, noch rief dich der Kaiser nicht, Noch scheint ihm dein Leben zu zart; Kein Flaum deckt die Lippe — ein Knabengesicht, Die Jugend der Unschuld gepaart. Wohl reckst du dich männlich mit fröhlichem Mut, Gewachsen an Kühnheit und Kraft; Das Auge geweitert, voll lodernder Glut, Die Nerven, die Muskel gestrafft. So trittst du voll heiliger Freiheit Begier, Voll zehrender Sehnsucht heran: „O Vater, o Mutter, wehrt fürder nicht mir, Zu zieh'n die verlockende Bahn. Zerschneidet die Fessel, die zwingend mich band, Nicht länger ertrag ich die Schmach, Hier tatenlos steh’n, wenn das Vaterland Sich blutige Lorbeeren brach. Was gilt meine Jugend, was gilt meine Kraft, Muß seitwärts der Brüder ich geh’n? Ich muß es beklagen und fühl’ mich bestraft, Als wär’ mir ein Unrecht gescheh’n. Mich drängt’s zu den Fahnen und ging’s auch zum Tod, Ich hab ihn mir freudig gewählt — Und leuchtet das siegreiche Morgenrot, So hab ich im Kampf nicht gefehlt“ Mein Junge, noch rief dich der Kaiser nicht, Dich ruft deine flammende Brust — Gott schuf für Begeisterung kein Gegengewicht, Zieh hin, Herzensjunge, — du mußt. Marie Rudofsky. 33G1 Einige Reformvorschiäge zur Jugendfürsorge. (Vom Oberlehrer Alois Wolf in Sittna, Böhmen.) AorvemerKung. Die Jugendfürsorge verfolgt zwei Wege; der eine führt zum Asyl, der andere zur Familie. Die Vertreter der gemeinsamen Erziehung machen geltend, daß in Familien, die sich erbötig machen, ein fremdes Kind gegen Bezahlung zu übernehmen, selten jene Zucht und Ordnung herrsche, wie sie in Anstalten besteht. Auch ist dem Pfleglinge unzureichend Gelegenheit geboten, seiner Eigenart gemäß ausgebildet zu werden. Es mangelt an Pädagogik und entsprechenden Einrichtungen. Demgegenüber verweisen die Anhänger der zweiten Richtung auf den natürlichen Boden der Familienerziehung. Hier sei das Kind in Verhältnisse gestellt, wie sie all den Glücklichen beschicken sind, die Vater und Mutter zur Seite haben. Der Streit ist noch nicht ausgctragen und wir sind sehr im Zweifel, welcher Art der Vorzug gebührt. Wenn nun jemand kommt, der zwischendurch einen neuen Weg aushebt und seine Ansicht mit einer langjährigen Erfahrung mitten aus dem Schaffen für die verlassenen Geschöpfe stützt, so werde» die Ausführungen nicht allein bei dem Fachmanne, sondern bei jedem, der für elternlose Kinder ein Herz hat, lebhaftes Interesse erwecken. Mir persönlich will es scheinen, als steckte in den Vorschlägen des Verfassers der nachfolgenden Zeilen ein überaus wichtiges Problem, u. zw. eines, das vielleicht die Sehnsucht aller befriedigt, die angesichts der oben gekennzeichneten Gegensätze nach einer Lösung dieser fundamentalen Staats frage fahnden. Vorläufig, für die nächste Zeit, da die Kriegsnot schleunige Maßregeln heischt, wird der Antrag des Herrn Oberlehrers Wolf nicht zu verwirklichen sein — da werden unsere Richtlinien in Folge 137 wegweisend wirken; aber wenn einmal das grause Ringen vorüber ist und wieder geordnete Zustände einkehren, wird man die nachfolgenden Ausführungen ernstlich in Erwägung ziehen müssen. Peerz. Wer bisnun ein aufmerksamer Beobachter seiner Mitwelt war und es noch ist, wer insbesondere einen Einblick gewann in die heute noch übliche Form der Versorgung gemeindearmer Kinder, dem konnte wohl manchmal das Herz brechen bei dem traurigen Anblick armer verlassener Wesen von Gemeindeangehörigen. Als gewesener Gemeindeschriftführer zweier Orte mit etwa 1500 Einwohnern lernte ich das Elend dieser Armen genügend kennen. Wie oft suchte ich nach Hilfe, um es zu mildern I Die meisten Gemeindeoberhäupter sind eben bestrebt, auf die einfachste und billigste Weise sich ihrer Verpflichtung als Beschützer solcher Kinder (— die zumeist als Last empfunden werden — D. Sch.) zu entziehen. Die skrupellose Aufteilung elternloser Kinder an die Ortsbewohner kam mir immer vor wie ein Sklavenhandel. Dem mit dem wenigsten Entgeld Zufriedenen wurde der kleine Unglücksmensch zugesprochen ohne Rücksicht darauf, ob er dort gut aufgehoben sei oder nicht. Dieses Feilschen um Menschen ist der denkbar unwürdigste Zustand eines Kulturstaates. Der amerikanische Pflanzer zahlt für einen kräftigen Negersklaven, — diese christlichen Mitbürger dagegen nehmen die kräftig gebauten Kinder gegen einen Erziehungslohn auf. (Letzienendcs wurde und wird das kräftige Kind als Ausbeutungs-vbjekt billiger untergcbracht als das schwächliche oder es wird letzteres bei geringer Dotation bis zur Erschöpfung ausgenützt. Was sagt hiezu der „Kinderschutz" ? D. Sch.) Wie wird sich nach allem die Erziehung eines derart eingehandelten Wesens gestalten? Am schlimmsten erging es den Gemeindevorständen beider Unterbringung u ne hei ich er Kinder. Es ist eine bekannte Tatsache, daß diese Erbsünde ein Gewand erhält, das sich nicht reinwaschen läßt und an dem sich die meisten Menschen stoßen, trotzdem . . . Der Verwandte zieht sich aus Scham vor der „Ehrvergessenen“ zurück und fremde Leute wollen die „Wechselbälge“ auch nicht großziehen. O, ihr bemitleidenswerten Geschöpfe! An euch haftet der Fluch der Sünde, wofür ihr doch nichts könnt, vom ersten Zeitpunkte eures Daseins bis zum Alter; ihr seid die Verstoßenen.1 Das Los dieser Ärmsten aller Armen gab zuerst den Anstoß zu ihrer Erziehung, und es waren dies zunächst die Gerichtswaisenvorstände, welche sich ihrer annahmen 1 Ein Gedanke, den Minister Dr. Baernreither in der Prager Tagung (Folge 133 der Bl.) scharf gekennzeichnet hat. Wir werden das köstliche Staatsgut, das gar oft in unehelichen Kindern schlummert, gegen Unglimpf und unsinnige Vergeudung schützen müssen. Man strafe die Eltern, nicht aber die Kinder! In einem Kronlande unseres Vaterlandes geht die Verfolgung der bedauernswerten Geschöpfe so weit, daß man sogar dann, wenn cs sich darum handelt, einen Lehrer zu bestellen, erstlich darnach fragt, ob er ehelich oder unehelich geboren sei. Wie mag es da erst den Armen ergehen, so sie der Gnade solcher Machthaber, die zumeist mit der Moral auf Kriegsfuß stehen, überantwortet sind! D. Sch. und in Versammlungen Fürsorgepläne zergliederten. Man hatte damit dem Gedanken Raum gegeben, diesen „Würmlein“ eine Erziehung zu bieten in aller Lust und Freud’, wie sie den anderen Kindern im Elternhause zuteil wird. (Inwieweit man damit in der Praxis gekommen ist, will ich später besprechen.) Leider war auch da, wie so oft, die Geldnot der Hemmschuh der allerbesten menschlichen Gefühle. Erst das beglückende Wort unseres fürsorglichen Landesvaters „Alles fürs Kind!“ hat den Waisenkindern die Liebe der Menschen erschlossen und verschafft ihnen hie und da ein leidliches Dasein. Jetzt erst kamen humane Körperschaften und edle Menschenfreunde auf ein Stück vergessenes Menschenleid, das schon lange wie ein drückender Alp auf mancher Brust lag. Das beglückende Wort war aber auch zugleich ein zurechtstehender Vorwurf für alle jene, deren Amtsbereich hier einzugreifen gehabt hätte. Hilfreiche Hände wurden geboten, um das verabsäumte ehestens nachzuholen. Die Schutzvereine waren die ersten, die sich ihrer verlassenen Stammesangehörigen annahmen, wo es die zuständige Gemeinde selbst zu tun unterließ. Ihr Beispiel hat rasch Nachahmer gefunden. Bald entstanden Landes- und Bezirkskommissionen für „Jugendschutz und Waisenpflege“, welche sich in dankenswerter Weise die hehre Aufgabe stellten, Mittel ausfindig zu machen, um bedürftigen Kindern einen Elternersatz zu schaffen und sie „Jugendlust und Kinderseligkeit“ erleben zu lassen. Die schönen Erfolge dieser humanitären Vereinigungen haben schon manchem bisnun fernstehenden Wohlhabenden die Augen geöffnet und ihn für dieses edle Werk echter christlicher Nächstenliebe empfänglich gemacht. Viele der Begüterten stehen aber noch abseits von dieser Art „Guteszutun“ und es wäre hoch an der Zeit, wenn auch diesen die Augen geöffnet werden würden. Wie oft können wir nicht in den Tagesblättern lesen, daß Familienunglücksfälle die besten Hämmer für steinerne Herzen sind! Daß sich in der heutigen Zeit die Zahl der in Rede stehenden Waisenkinder, zu denen eigentlich auch alle Kinder von noch lebenden Eltern gerechnet werden müssen, die infolge ihres „geistigen Todes“ sich um die Erziehung ihrer Kinder nicht kümmern oder nicht kümmern können, nach Abschluß des „großen Krieges“ bedeutend vergrößern wird, ist selbstredend. Trotz aller Sammlungen, Baiträge oder Überbleibsel aus der Kriegsfürsorge u. dergl. werden noch lange nicht die Mittel aufgetrieben werden können, deren man bedürftig sein wird, um all das Elend zu mildern. Trotzdem man glaubt, gegenwärtig den sparsamsten und richtigsten Weg bei der Unterbringung verlassener Kinder eingeschlagen zu haben, um doch an das Ziel, aus ihnen brauchbare Glieder der menschlichen Gesellschaft zu bilden, zu gelangen, so zeigt es sich doch, daß alle Mühe und Zahlungen nicht immer den gewünschten Erfolg zeitigen. Worin dies seinen Grund hat, sollen meine weiteren Zeilen, die aus einer langjährigen Praxis und durch den Umgang mit Waisenkindern entnommen sind, aufzeigen. Schon vor mehreren Jahren hatte ich in Schlesien eine Waisenkolonie zu betreuen, die zumeist aus Wiener Kindern bestand; ich habe bei diesem Geschäfte oft recht schlimme Erfahrungen gemacht. In einer ändern Gegend sah ich eine Waisenkolonie, die im Aufträge eines Vereines von Wirtschaftsbesitzern gegen Zahlung monatlicher 16 K Kostgeld in Pflege und Wartung genommen wurde. Es waren dies Kinder im schulpflichtigen Alter, — teils wirkliche Waisenkinder, teils solche Kinder, deren Elternteile Kerkerstrafen verbüßen oder infolge schlechten Beispieles ihrer Elternrechte enteignet wurden. Bei allen 10 Kindern fand ich, daß sie geistig oder körperlich krank waren, umsomehr also einer geordneten Pflege und Behandlung bedurften. Wie sie zu den Übeln gekommen sind, entgeht meiner Beurteilung; doch hat es mich schon oft zum Nachgrübeln und Nachlesen ähnlicher Fälle veranlaßt. (Mag die Aufklärung hierüber den Medizinern überlassen sein!) Schon aus den angeführten Gründen, sollte man meinen, müßten sich Christenmenschen finden, die sich der unglücklichen Kinder aus purer Nächstenliebe annehmen würden. Leider habe ich in den meisten Fällen die Erfahrung machen müssen, daß nur der Eigennutz die Triebfeder zu dem oft recht fromm aussehenden Erbarmen ist. Wie ist es nun mit der Pflege und Wartung bestellt und in welcher Weise äußert sich die Ziehelternliebe? Als Schlafstätte dient den armen Kindern irgend eine Kammer, der Dachboden oder auch der Stall. Das fremde Kind fürchtet sich, allein in dem Gemache zu schlafen; in der Angst, sich von der Lagerstätte zu erheben, verunreinigt es dieselbe. Darum erhält es ein ärmliches Strohlager, an dem 3363 nicht viel zu verderben ist. Welche Qualen, welche Angst muß solcherart ein 6—10-jähriges Kind z. B im Stalle ausstehen, wenn es durch das Gepolter der Pferde oder der Rinder aufgeschreckt wird! Sein Angstgeschrei hört zumeist niemand oder es wird nicht beachtet, wenn nicht gar bestraft.1 Mit der Zuweisung von körperlichen Arbeiten nehmen es viele Zieheltern auch nicht genau. Es handelt sich ja um ein fremdes Kind, zur Arbeit geboren, und es ist der Arbeit, nicht der Erziehung wegen aufgenommen worden. Damit will ich durchaus nicht gesagt haben, daß elternlose Kinder nicht arbeiten sollen, im Gegenteile: sie sollen sich beständig nützlich erweisen; doch sollen sie nicht zu solchen Arbeiten herangezogen werden, die die Gesundheit des Kindes schädigen. Wenn Kinder von 9—11 Jahren als Kindermädchen verwendet werden und Tag um Tag kleine Kinder im Arme herumtragen müssen, so ist dies eine Arbeit, die der Gesundheit der ohnehin schwächlichen und kranken Kinder sicher nicht förderlich ist. Ich beobachte Waisenkinder, die infolge ihrer körperlichen Ausnützung bei den verschiedensten Haus-, Feld- und Waldarbeiten nicht bloß ihre Kost, sondern noch einen Wochenlohn verdienten, dieweil die Pflegeeltern eine Aufzahlung des Kostgeldes beanspruchten und bei Nichtgewährung eines solchen dem Unglückskinde deshalb rohe Vorwürfe machten. Anderseits gibt es wieder Pflegeeltern, die sich mit der Erziehung des Kindes überhaupt nicht befassen, sondern, um mit ihm zu bestehen, es ein „freies Leben“ führen lassen. Jedes Kind bedarf der Aufsicht, um nicht auf Irrwege zu geraten. Die zügellose Freiheit wirft es aus einer Tollheit in die andere und es wird zur Geißel für Schule und Haus. (Das wird man bei der Kriegswaisettsürsorge vor allem beachten müssen 1 D. Sch.) Und wie handhaben diese Eltern ihre Pflicht betreffs Schonung der Kleider, deren Auslagen, insbesondere bei den gegenwärtigen Preisen, ganz gewaltig sind ? Die wenigsten von ihnen verhalten ihre Pfleglinge zur Schonung derselben; sie sind mehr oder weniger gleichgültig, weil sie dabei nichts bezahlen. In tollem Übermute oder aus Unbesonnenheit gehen die teueren Kleidungsstücke zugrunde und die Erhalter müssen die zerrissenen einfach mit neuen ersetzen. Wieviel Kronen, so schwer sie zusammen zu bringen sind, werden nutzlos ausgegeben! Es fehlt eben bei allem die Aufsicht. (Siel D. Sch.) Wie sieht nach allem der Enderfolg einer solchen, mit ganz bedeutenden Kosten verbundenen Erziehung aus? Bei einem der älteren Knaben habe ich im Vorjahre wieder meine alte Erfahrung bestätigt gefunden: Ein halbes Jahr Lehrzeit und die ungewohnte Zucht trieb ihn zur Flucht. Seit dieser Zeit zieht er, ein unstetes Leben führend, in den umliegenden Dörfern umher. Solche Erziehungserfolge bildeten schon des öfteren Erörterungen mit den verschiedensten Personen, denen das Los verkommener Kinder nicht gleichgültig erscheint. „Wie aber wäre nun bei gleichen Auslagen die Erziehung solcher Waisenkinder besser und nutzbringender zu gestalten ?“ fragte mich neulich ein angesehener Herr, dem ich meine soeben dargelegten Erfahrungen mitteilte. Ich stand ihm zur Rede und legte ihm meine Ansicht in folgender Weise dar: So oft ich mein Lehrziminer betrete und die Waisenkinder betrachte, denke ich an Pestalozzi und an seinen Neuhof, wo Lehrer und Schüler gemeinschaftlich im Bauernhause lebten und die Kinder erzogen wurden, wie sie ihrem Erzieher und sich selbst das Brot zu erwerben hätten. Da fiel mir der gleiche Gedanke bei und ich begann zu rechnen, wobei mir meine Kenntnisse im Betriebe eines landwirtschaftlichen Besitzes wesentlich halfen. Für ein Kind werden monatlich 16 K gezahlt; das macht für zehn Kinder im Jahre 1920 K. An Kleidungspauschale für jedes Kind sind jährlich 25 K bestimmt, also zusammen 250 K, außerdem für Kleider anläßlich der Weihnachtsbescherung und sonstigen Notfällen 400 K. Daher im ganzen eine Auslage von jährlich 2570 K; das sind die 4% Interessen von einem Kapitale von 64.250 K. — Wie, wenn man für dieses Geld eine Landwirtschaft kaufte, die von einem fachkundigen Erzieher2 geleitet werden würde; könnten in diesem landwirtschaftlichen „Waisenheime“ nicht zehn, vielleicht noch mehr Pfleglinge von 6—14 Jahren in der besten Weise unentgeltlich untergebracht werden? Wie gut stünde 1 Ein Stück „Nachtasyl" aus Sibirien in — Österreich! D. Sch. 2 Wieder ein Posten für invalide Lehrer, die zwar kräftig stnd, aber aus irgendeinem Grunde nicht dem Massenunterrichte obliegen können! (Vergl. hiezu den Leitaufsatz in Folge 119 der Bl.!) D. Sch. es da mit allen erzieherischen Maßnahmen I Wollte man das Heim für etwa 30 Zöglinge einrichten, so würde sich der Ankauf eines geeigneten Besitzes nicht verdreifachen, sondern kaum verdoppeln. Für diesen Betrag erhält man in vielen Gegenden der Sudeten- und der Alpenländer einen Besitz, der zu einem musterhaften „Heime“ eingerichtet, d. h. zur Unterbringung von Waisenkindern geeignet wäre, samt fundus instructus mit Feld, Wald und Wiesen. Eine weitere Betrachtung: In vielen Bauernfamilien sind zehn und noch mehr Kinder; der Grund war seinerzeit verschuldet, zur Bearbeitung waren stets Dienstleute notwendig und doch wurde der Bauer im Laufe der Jahre wohlhabend und konnte für die Aussteuer seiner Kinder sorgen. Die 20 Arme haben ihm geholfen und sind dabei was geworden. So sollten es die in Rede stehenden Pfleglinge machen. Wie gut wären sie untergebracht! Sie bildeten eine Arbeitsfamilie. Alle Vorkehrungen und Maßnahmen hätten zum obersten Grundsatz den Erziehungszweck. Diesmal will ich nur einige Andeutungen über die Form des häuslichen Lebens in einem solchen Bauernheime anführen; genaue Ausführungen müßten einem späteren Zeitpunkte Vorbehalten sein. Also: Eine gemeinsame, nach Geschlechtern geteilte Schlafstelle; dazu sind nicht große Gebäulichkeiten notwendig. Die Unterbringung geschieht genau so wie in einer mit Kindern gesegneten Bauernfamilie. Beständige Beschäftigung außer der Schulzeit für jede Altersstufe von Schulkindern gibt es im Bauernhause genug. Den Kleinen obliegt die Beaufsichtigung des Geflügelhofes; den Größeren werden allerlei Handgriffe in Küche, im Hofe und im Gemüsefelde zugeteilt, während die Großen bei der Fütterung der Haustiere, bei Feld-, Wald- und Wiesenarbeiten beschäftigt sind. Ausreichende Kost wird im Wirtschaftsbetriebe selbst gewonnen. Die Beschaffung der Kleider geschieht einhellig; dadurch verringert sich der Preis. Luxus braucht und darf nicht betrieben werden. Auf diese Art würden die Kinder nicht bloß zu fleißigen, arbeitswilligen und sparsamen Menschen erzogen werden, sondern lernten durch eigenes Erkennen und Anschauen Handgriffe und Arbeiten, wie sie das Leben fordert, würden aber auch, da sie beständig unter scharfer Aufsicht stünden, gut gesittet sein. Sie würden freundschaftlich miteinander verkehren, da sie auf ihre gegenseitige Unterstützung angewiesen wären. — Winter und Sommer gibt es im Bauernhause Beschäftigung. Freilich wäre der Winter zumeist dem Unterrichte, der Sommer aber den landwirtschaftlichen Arbeiten gewidmet; der Unterricht müßte in dieser Zeit auf die Morgenstunden verlegt werden. — Besonders für die größeren Mädchen hätte die Erziehung in einem solchen Heime einen praktischen Wert. Ihnen würde unter Anleitung der für Handarbeitsunterricht geprüften Leiterin besonders in der Winterzeit die Herstellung der Wäsche für sämtliche Pfleglinge zufallen.1 Ebenso müßten sie, gleich der Bäuerin, in müßigen Zeiten die schadhaft gewordenen Kleidungsstücke wieder in Ordnung bringen usf. Daß natürlich auch dem kindlichen Sinn und Spiel sowie den sonstigen Kinderfreuden Rechnung getragen werden müßte, ist selbstverständlich. Auch das religiöse Moment müßte so wie in einem gut christlichen Hause gepflegt werden. Wie köstlich unterhielten sich nicht Kinder in der großen Bauernstube bei allerhand Rätseln und Schnurren, bei Liedersang und Geigenklang I Ich stelle mir das ganze Leben und Getriebe in diesem Kinderheime so vor, wie es eben im Bauernhause mit großer Kinderschar erscheint. Die Kinder sollen zu braven, fleißigen Menschen erzogen werden, u.zw. durch Selbsthilfe im eigenen Heime unter Leitung eines Lehrer-Bauers.“ Als ich so geendet hatte, streckte mir der Herr mit der goldumrahmten Brille seine Rechte hin, indem er sprach: „Ihr Vorschlag ist wirklich erwägenswert. Sie sollten ihn weitergebenI“ Und so ist er nun in unsere „Blätter“ gekommen. Möge er zur weiteren Erwägung anregen! 1 Ich habe bieS als Bezirksschulinspektor in der Weise praktiziert, daß ich auftrug, in der Handarbeitsstunde die Röcke der Knaben zurechtzurichten. Es ging (wenn auch mit vielem Verdruß) und bracht« Nutzen. P. Prophetisches aus unseren „Mittlern". (Beitrag zur Jährung des Weltkrieges.) Man tut sich zurzeit in Vorhersagnngen, die aufs J-pünktchen eingetroffen sein sollen, viel zugute, ohne daß der Beleg immer genau geprüft wird. Hiezu soll durch die nachstehende Rückschau keine Bereicherung geboten werden. Was wir aus unseren „Bl." wiederholen, um es nunmehr, da die Tat es bestätigt, aufzusührcn, soll lediglich zeigen, daß auch die einfachste Konklusion die Dinge schon seit langem kommen sah, und darum zu reiferer Erfassung anregen, bezw. den geschärften Blick in die Zukunft lenken. — 1.) Aus Aolge 101 (Mai 1912): „Muß denn der Kampf immer den Untergang des Hemmnisses bezwecken? Ist es nicht geradezu Feigheit, wenn ich den, der mir im Wege steht, der mich überbietet, der mich nicht schnurstracks zum Ziele kommen läßt, kurzweg den Garaus mache? Ich soll, wenn ich Kraft besitze, ihn ja bloß überbieten, ihn im ehrlichen Streite verdrängen, nicht aber mit allen Mitteln seine Existenz vernichten. Liegt er, „glücklich" gefällt, zu meinen Füßen, so kann ich nicht jauchzen, denn nun hemmt mich nichts mehr, nun spannt mich nichts mehr, ich gerate in den gemächlichen Trott. Hätte ich ihn, der mich aufhielt, durch die Kraft des Wissens und des Könnens besiegt und so die freie Bahn gewonnen, wie anders gestaltete sich mein Wirken! Die Erwägung führt zu jenen traurigen Erscheinungen unserer Tage, wornach im politischen, beruflichen und wirtschaftlichen Leben der Wettstreit zum Wettmorde ausartet. Man tötet Personen, um die Sache zu schützen, und bedenkt dabei nicht, daß blutbefleckte Hände niemals Gutes schaffen können. Ein durch die Vernichtung des Gegners errungener Friede kann nicht jene Segnungen bringen, die man sich vom Frieden im hehren Sinne erhoffen darf. Die Erynnien folgen dem Siege und zertreten die Saat." Ist das nicht der Kampf Albivns? Den Wettstreit konnte es nicht wagen, so griff es denn zum Wettmord. — Der Schluß des Aufsatzes („Blut und Eisen und Pädagogik") läßt die Ahnung des Weltkrieges durchschimmern. Es heißt dort: „Mögen die Schwerter glänzen und die Pferde traben und die Kanonen durch die Straßen poltern — eine Augenweide: aber laßt das nicht zum Ernste sich entfalten, was das Auge des Backfisches entzückt und leider noch immer zum Aufputz der menschlichen Gesellschaft gehört! Es zeigt unser Miezchen ja auch zuweilen seine blendenden Zähne und die scharfen Krallen, ohne deswegen zu beißen und zu kratzen." 2.) Aus Iokge 110 (Keller 1913): „Das Zucken, das seit Monden unsere Nerven reizt, nennt sich zwar nicht Krieg, sondern bloß Kriegsgefahr; allein es gleicht der grausamen Wirklichkeit aufs Haar. Ob nun die Kanonen schußbereit aufgefahrcn sind oder frischweg donnern, so ist das ziemlich dasselbe. Wir spüren den Krieg in allem und jedem. Und was lehrt dieser Zustand? Gar manches, was sich die Theorie anders konstruiert hat. Es ist ähnlich wie bei der Pädagogik. Jnsolange sie bloß spekuliert, gerät sie mit der Praxis gar oft in argen Zwiespalt; erst das Experiment sichert ihr einen feststehenden Kalkül. Dem Staate ist es bei der Erforschung des aufrichtigen, tiefgehenden patriotischen Füh-lens eben nicht anders ergangen. Viele seiner Bürger, denen er Heil und Segen in den Schoß legt, die er als seine Getreuesten gewertet hat, sind in den Tagen der Gefahr ins Wanken geraten und mit ihrem Schwerpunkte geradezu in das Lager der Feinde gekommen. Ihr Patriotismus stand aus der Schneide und kippte um oder drohte wenigstens zu gelegener Zeit abzugleiten. Das war eine bittere Enttäuschung wie jene, die der Lehrer erführt, sofern er der haltlosen Theorie blindlings folgt und zum Schluffe ein Fiasko erlebt. Man kann es offen sagen: Die Methode zur Pflege des Patriotismus hat ihre Probe nicht durchwegs bestanden; es muß ein anderes Verfahren angewendet werden, das Vaterland zum Gefühlsangelpunkte des gesamten Volkes zu machen." Wir könnten nunmehr mit bestimmten Daten und Namen dienen; aber möglicherweise verschwänden sie in eine blendende Leere des Blattes. Darum mag der Leser nach ihnen forschen I — Gegen die Sucht nach Schaffung von Kronlandslesebüchern, wobei ein paar bezahlte Skribenten — wenn auch auf Kosten der patriotischen Idee — ein gutes Geschäft machen wollten, wurden damals die Worte geschlendert: 3366 „Mit den paar in gehaltlose Phrasen gekleideten Lesestücken über unser liebes Österreich ist es nicht getan; durch das ganze Buch muß der eine große Gedanke schreiten: der Reichsgedanke. Für das Kronland genügt ein Beiheft, für die Heimat eine Heimatkunde. „Ein Kaiser, ein Saterland, ein Lesebuch!" So lautet die Devise des weitblickenden Patrioten. Wenn sie dann wieder an den Toren des Reiches rütteln, so kann nur ein Rus durchs Land gellen, nur ein Gedanke alle beherrschen." Wird man nach den gemachten Erfahrungen auch noch niederösterreichische, oberösterreichische, kärntische und tirolische Lesebücher fabrizieren und, um der weiteren „Judividualisieru.g" (lies: Zersplitterung) des Reiches zu frönen, etwa Bezirks- und Ortslesebücher schaffen lassen?! 3.) Aus Aokge 116 „Die Wett in Waffen" (August 1913): „Wer noch vor wenig Monden mit geringschätzigem Lächeln dem grausen Schauspiele zusah, wie die Balkanheere in dem Kadaver der Türkei wühlten, und sich vor den „Zwergvölkern" sicher fühlte, wird heute, da die Sieger die Waffen gegeneinander kehrten und der Welt Wunder von Heroismus zeigten, von einem gelinden Schauer durchrieselt worden sein und die Diplomaten preisen, denen es gelang, den Weltbrand zu ersticken. Wenn wir das, was Serbien und Bulgarien im Verlaufe eines Jahres an Kricgsleistung aufbrachten, summieren und mit unserem militärischen Vermögen in Rechnung stellen, so muß uns schier bange werden. Nur der skrupellose Heuchler oder der kurzsichtige Kirchturmpolitiker kann sich da der Erkenntnis verschließen, daß wir vor einer unberechenbaren Gefahr standen und im Falle eines Krieges, den ja jeder wünschte mit dem Wohle des Vaterlandes ein gewagtes Spiel getrieben hätten. Man erwäge einerseits unsere innere Zerfahrenheit, unsere nationale Divergenz, unsere Umklammerung von Osten her und blicke anderseits in das Lager der Feinde, wo ein lodernder Fanatismus die Geister entflammt, wo die Massen, von einem Schlagworte beseelt, blind vor die Feuerschlünde rücken, wo antikes Heldentum in unsere Zeit hincinleuchtet!" Seinerzeit, als ich es wagte, die Besorgnis vor dem Heldenmut und der Kriegstttchtigkeit der Serben auszusprechen, ergoß sich über mich eine Flut von Schmähungen. Heute, nach zwei Jahren, wird man über die Vorhersagung anders denken. Hätte man sie damals beherzigt, cs wäre so manches teure Leben erhalten und uns viel Ungemach und — anderes erspart geblieben. — Auf Seite 2610 (Jahrg. 1913) steht zu lesen: „Es will scheinen, als sollte es über kurz oder lang zu einem Völkerringen kommen.1 Jenseits des Zbruc; hat man schon um unser Vaterland gewürfelt und die Königreiche und Länder ausgeteilt. Dürfen wir angesichts der Gewitterschwüle den Kops unter die Decke verbergen oder uns mit Phrasen, mit Äußerlichkeiten znfriedengeben? Genügt es, in so ernster Zeit darauf zu verweisen, der Patriotismus sei gesichert, weil in jeder Schule ein Kaiserbild hängt und bei jedem Anlasse die Volkshymne gesungen wird? Gewiß ist bas löblich und wirksam und niemand, der aufrichtig für Kaiser und Reich fühlt, wird daran etwas ändern wollen; allein es reicht nicht in den Tagen, da der Kriegsschauer durch Europa weht, da nicht abzusehen ist. wie sich die Dinge im Süden und Osten entwickeln." Und nun weiter: „Man muß in den Gebieten der Adria gewandert sein, um die Gefahr zu erkennen; der Haß gegen unser Vaterland ist in den Herzen jener, deren Porsahren österreichische Kraft fühlten, noch nicht erloschen2 und wird in jenen, die aus dem Schlummer erwachen und nun plötzlich was Großes bedeuten möchten, mit allen Mitteln genährt." Wer sind die, deren Borfahren österreichische Kraft fühlten? Doch niemand anders als unsere treulosen Buudesfreunde I Ich, der ich durch Italien gewandert bin und giftigen Haß gegen unser Vaterland sprießen sah, konnte niemals an die Echtheit dieses Dreibundes glauben. Nun ist die schändliche Tat vollbracht; ich jubele nicht darob, weil ich Recht behielt, aber es erfüllt mich mit Genugtuung, daß uns der Wortbrüchige nicht unvorbereitet traf. — In dem Leitaufsatze der Folge 116 (August 1913!) heißt es weiter: „In den Balkan fließen die Bächlein von verschiedenen Seiten, um das Gefilde zu befruchten, aus dem die Giftsaal sprießt. Durch die Jahrhunderte hindurch wirkt der geheime Groll 1 Das stand wohlgemerkt ein volles Jahr vor dem Kriegsausbrüche in den Bl. D. Sch. 2 Vor zwei Jahren geschrieben! D. Sch. 3367 des Franzmanns und trachten welsche Künste, das Gefüge unseres Staatswesens zu lockern. Wir können uns in Zeiten der Not nur auf einen Freund und auf unsere Kraft ver-lassen. Darum ist es Pflicht, beides zu erhalten. Den Freund hat unser gütiger Kaiser in Hut, die Kraft müssen wir fördern und bewahren. Die Jungmannschaft soll der tapfere Sinn unserer Armee durchströmen vom kleinsten Knirps bis zum reifen Jünglinge hinauf. Jugendwehren müssen erstehen, Soldatenkurse wie sie Kollege Smonik in St. Anna am Aigen in Steiermark (Vgl. F. 97 der Bl.!) schuf, Schützenkorps u.a. Das Volk soll im gegebenen Zeitpunkte jetzt wie vor hundert Jahren gerüstet dastehen und den Feind des Vaterlandes mit einem Schlage zuboden werfen. (Tirol! D. Sch.) Nicht den Eroberungssinn wollen wir entfachen, sondern den Kriegsgeist wecken und die Faust ballen, das Schwert zücken, die Büchse spannen lehren, auf daß der Mut erstarke und das Geschick von Kindheit aus dem Wehrmann eigen sei. Ha, wenn sie dann sehen, wie ein Geist die Massen beseelt und aus einen Ruf die Waffen klirren, so werden sie sich mit saurer Miene von unseren Toren wenden! Heute stehen die Dinge derart, daß nur der zu den wahren Freunden des Vaterlandes gezählt werden kann, der dafür Sorge trägt, daß das Volk an unsere Macht glaubt und das Kraflbewußtsein in jedem Augenblicke zum Ausdruck zu bringen imstande ist. Das, was wir in diesen ernsten Tagen brauchen, ist — der Patriotismus der Hat." Herrlich glänzt er heute im Lager der Getreuen; der alte Aar breitet seine Flügel und schlägt das falsche Gelichter zubvden. — 4.) Aus Iokge 118 (Hktoöer 1913): „Zwar beugt kein Eroberer uns den Nacken; aber dräuend reckt sich die Gefahr von allen Seiten. Die zwei Kulturstaaten, denen das anbrechende Jahrhundert die Führer-rolle zugeteilt hat, sind zwar geachtet, aber auch gefürchtet und darum gehaßt. Ob nun der böse Dämon sich als solcher offen zeigt oder mit heuchlerischer Miene den Groll verbirgt, — er ist da und lauert auf de» Augenblick, da er sein Werk beginnen und den Nachbar zum mindesten schwächen könnte." „Der böse Dämon I“ Wer eine gute Brille besaß, mußte ihn schon seit langem an seiner Arbeit sehen. Weiter aus S. 2689 (Jahrg. 1913); „Und nun soll dieses Österreich, das Land der Helden, schweigen, da ringsum die Freude jauchzt und die Fackel loht? Und jetzt, gerade jetzt, wo wir Patriotismus brauchen wie vor 100 Jahren, weil jeder Hag das Hör des Krieges aufreißen llannZI1 Das wäre nicht nur Undankbarkeit gegen jene, die vor hundert Jahren für das Vaterland geblutet haben, sondern auch höchst unklug, — unpädagogisch." Ja, man wird nach dem Großen Kriege hoffentlich Pädagogik und Geschichte nicht mehr aus schmalen Büchlein memorieren lassen, sondern mit dem Blick ins Leben und in die Zukunft des Vaterlandes betreiben. Der Artikel klingt in die Worte aus: „Wenn der Begeisterungsstrom sich aus dem Herzen des Lehrers ergießt, dann springt aus dem jungen Busen ein Strahl, um sich mit der rauschenden Welle des Meisters zu vereinen. Aber denkt man daran, den Born zu öffnen; bestrebt man sich, daß der Lehrende sein Herz erschließe und seinen Gefühlen freien Lauf lasse? Nichts von alledem! Man dämmt die Wasser, die Wäfferlein, man hemmt die Lust am Schaffen, man sperrt die Wehren, aus denen sonst die Begeisterung stürzt. Und dabei ist es klar, sonnenklar, daß die Mission der Vaterlandsliebe, der Opfersreudigkeit für Kaiser und Reich, des stählernen Willens, für die Hei-matscholle alles einzusetzen, nunmehr der Schule zugefallen ist. Die Sänger der Freiheitskriege steigen nicht aus ihren Gräbern, wenn die Kriegsfanfare dröhnt, aber die Lehrer rühren an der Saite, die in den Tiefen klingt. „1870/71 hat der Schulmeister gestcgt"; er wird eud) in den kommenden Hagen stegen. Das lassen sich jene gesagt sein, die ihn zur Seite schieben, die in ihm die Berufssreudigkeit und Idealismus ertöten." Was hier angedeutet wurde, hat sich glänzend erfüllt. Die Lehrerschaft ist in und hinter der Front die Seele der großen Tat. 1 Geschrieben im September 1913! 5.) Am 26. Juli 1914, da der Krieg aufflammte, rief ich in einem Flugblatte aus dem Deutschen Reiche herüber den Lesern der BI. zu: „Es wird int Verlaufe wahrscheinlich zu einem gewaltigen Ringen kommen, zu einem Ringen, wie es die Weltgeschichte noch nicht sah. Aber ein großer Moment zeugt ein großes Geschlecht. Dazu wollen wir, die Träger der Volksbildung, in erster Linie gerechnet werden. Aas atte Österreich erwacht, der Zorn des Prinzen Eugenius rüttelt an den Toren von Belgrad; wohlan denn, Kameraden im ganzen Reiche, wir wollen jeder in seinem Kreise österreichisches Heldentum stützen! Das Kleinste, auf den Altar des Vaterlandes gelegt, ist in diesen Tagen wertvoll. Da wir in eine neue Zeit einlreten, die einst der Historiker mit dem Schlagworte „Der Weltkrieg" beginnen wird, müssen wir uns stolz erheben und uns als Kinder des gewaltigen Geistes, der sein Haupt schüttelt, würdig zeigen!" Die deutsche Lehrerschaft hat ihre Sendung getreulich erfüllt. Noch tost der Waffeulärm und alles, was vor einem Jahre und vor drei und vier Jahren bloß Ahnung war, ist grausige Wirklichkeit geworden. Sie hat ein großes Geschlecht gefunden; darum wird sie uns zum Segen sein. — P. „Er wollte zu seiner versprengten Kompagnie eilen!“ Von Georg Stichler in Leipzig. Da traf ihn die feindliche Kugel! Er starb den Heldentod, getrieben von der Pflicht — Josef Pindur! Und wir? Lallt uns eilen zu den Kompagnien, die uns anvertraut sind in friedlicher Arbeit, laßt uns nicht ermatten im Pflichteifer, damit wir Zurückgebliebenen mit freudigem Bewußtsein an das Heldengrab treten und den im Felde stehenden Tapferen aufrechten Ganges ins helle Auge schauen können! Im Schritt und Tritt und Tritt und Schritt marschieren wir mit unseren Seminaristen hinaus in die kampfgewohnte Leipziger Ebene im Zeichen des Völkerschlachtdenkmals; eben kehrten wir zurück vom fünfstündigen Frühmarsch nach Breitenfeld. Gustav Adolfs Denkmal ließ die Helden von einst lebendig werden. Wir standen vor dem einfachen wuchtigen Stein und schauten sinnend nach Osten. Leise bewegten sich die Lippen, Hindenburg stieg auf im Geiste. Nicht aufdringlich, aber eindringlich lassen wir die Helden lebendig werden von einst und freuen uns der Gegenwartheroen. Es ist nicht die einzelne Tat, die besondere Losung der uns zu einem Heroenkultus treibt; sondern es ist das Bleibende, Große, das zwischen den Helden und dem Volk ein Band lebendigen Gemeinschaftsgefühles knotet. Unsere Jünglinge, sie merken etwas von der Größe des Augenblicks auf diesen zähen Märschen; sie sehen die künftige Aufgabe der militärischen Bereitschaft leibhaftig vor sich, wenn sie mit den Soldaten auf der Heeresstraße, bepackt mit Rucksack, ausgestattet mit Gewehren, in gleicher Linie marschieren, wenn sie auf beschneitem Felde bei starkem Frost die Felddienstübungen der neuen kriegsbereiten Truppen schauen und nachüben. Ordnung, Zucht, Aufgabenlösen, Helläugigkeit und Schlagfertigkeit, das alles sind wertvolle militärische, körperliche, nationale Werte, die diese Jungwehrgänge schallen und dem Jüngling das Bewußtsein kommender Pflichten als eine Selbstverständlichkeit erscheinen lassen. Das waren so die Gedanken, die die Karte des Schriftleiters bei mir auslöste, doch auch einen „einzigen Satzu als Gruß der tapferen Lehrerschaft zu senden. Und was erhoffen wir nicht alles von der neuen Schule als Frucht des Weltkrieges? Wir erhoffen eine starke nationale Schule, die nicht im Fremdtum, sondern im Heimaflum ihre Stärke hat, die mithelfen soll, die alten Gegensätze in Politik, Klassen und Standesgemeinschaften zu überbrilcken, die den klaltendon Riß auch zwischen Gebildeten und Ungebildeten beseitigen soll. Wir hoffen auf eine Wertung der Persönlichkeit und auf die Setzung einer starken Innerlichkeit im Gegensatz zu allen Äußerlichkeiten und Flachheiten. Wir hoffen auf eine Schule gesunder Frömmigkeit und starker, selbsttätiger Arbeitsamkeit, auf eine Schule, die nicht das Älte, Verstaubte, sondern das Gegenwartsfrische schätzt, auf eine geistig liebliche Harmonie von gesunder ethischer Überzeugung gezügelt. Dann wird ein frohes, freies, sinnenstarkes, gemütvolles und klardenkendes Geschlecht emporwachsen. Mit diesen zukunftsfrohen Gedanken mögen einst die Lehrerkrieger zurückkehren von ernster Kampfarbeit zu froh-ernster Friedensarbeit! 3369 Erste österr. Gemeinde für pädagogische Forschung und Schulreform. Wersuche üver das Störungsprovkem. 1. ISeitrag. Aorkemerkung: Die Ferien bieten die beste Gelegenheit, sich mit der Einzelsorschung zu beschäftigen. Darum sei als Muster eine eingeschickte Arbeit mitgeteilt; sie zeigt die Durchführung in der Praxis. Das, was wir in F. 137, S. 3282 boten, bildet hiezu die theoretische Umrahmung. Wer also Lust hat, die Freizeit mit einer Forfchung auszufüllen, um zu dem großen Werke sein Teilchen beizutragen, lese beide Aussätze und schreite sodann ungesäumt an die Arbeit. In 14 Tagen läßt sich schon ein 'gutes Stück experimentell-statistischer Pädagogik heben. Nur der Bildungsphilister tritt scheu zurück und überläßt die Reform ändern. , D. Sch. 1. Tafel. Störung: Lautes Reines Rechnen. Datum 25- Anz. der Fälle Davon falsch Pause 25- Anz. der Fälle Davon falsch 1. Tag 8. VI. Rechnen ohne Störung Vp.=Schülerin d.2.Schulj. 77 — 5' Rechnen, gestört durch lautes Reines R. 1. Schulj. 61 1 2. Tag 9. VI. Rechnen, gestört durch lautes Reines R. 1. Schulj. 59 — 5‘ Rechnen ohne Störung 64 1 Ausgleich. a) Das ungestörte Rechnen lieferte am 1. und 2. Tage im Durchschnitt 70 Va Fälle, davon Va Fall falsch. b) Das gestörte Rechnen (St. = R.) lieferte am 1. und 2. Tage im Durchschnitt 60 Fälle, davon */s Fall unrichtig. a) llngestöites Rechnen 71 Vs Fälle, davon unrichtig Vs Fall. b) Gest.Rechn.(St.=R) 60 „________„ Vs „ Störungseinfluß 11 Vs Fälle weniger (—). 2. Tafel. Störung: Mechanisches Lesen. Datum 25' Anz. der Fälle Davon falsch Pause 25- Anz. der Fälle Davon falsch 1. Tag 10. VI. Rechnen ohne Störung Vp. = Schülerin d.2. Schulj. 62 — 5' Rechnen, gestört durch Lesen. 1. Schulj. 65 2 2. Tag 11. VI. Rechnen, gestört durch Lesen. 1. Schulj. 76 3 5‘ Rechnen ohne Störung 97 4 Ausgleich. a) Das ungestörte Rechnen lieferte am 3. u. 4. Tage im Durchschnitt 79 Vs Fälle, davon durchschnittlich 2 falsch. b) Das gestörte Rechnen (Störung Lesen) lieferte am 3. u. 4. Tage im Durchschnitt 70 Vs Fälle, davon durchschnittlich 2 Vs falsch. a) Ungestörtes Rechnen 79 Vs Fälle, davon unrichtig 2 Fälle. b) Gest. Rechnen iLes.) 70 Vs „ „ 2 Vs „ Störungseinfluß 9 Fälle weniger (—) Vs Fehler mehr (—). Ergebnis: 1. Lautes Reines Rechnen störte mit 11 Vs Einh. 2. Lautes Lesen (mech.) störte mit 9 Vs Einh. Anmerkungen: Bei den vorgenommenen Versuchen wurden von der Unterzeichneten folgende Beobachtungen gemacht: Die Schülerin, welche als Versuchsperson verwendet wurde, ist nicht aus der Klasse der Unterzeichneten. Die Mädchenschule in Pottendorf ist sechsklassig mit einer aufsteigenden Parallelklasse, jede Klasse entspricht einem Schuljahre. Die Vp. ist also an den Abteilungsunterricht nicht gewöhnt. — Die Versuche wurden an aufeinanderfolgenden Tagen immer 10 Minuten nach 3 Uhr begonnen. Die Vp. wurde so gesetzt, daß die Füße den Boden nicht berührten. An allen vier Tagen, kurz nach Beginn des Rechnens, rückte sie auf dem Stuhle so weit vor, daß sie mit den Fußspitzen den Boden erreichte, setzte sich jedoch an allen vier Tagen nach 8—10 Minuten wieder vollständig nieder und verblieb dann in der Stellung. Als an den ersten beiden Tagen die Störung durch lautes Rechnen erfolgte, war deutlich zu bemerken, daß Zerstreutheit eintrat. Die Schülerin lächelte, als Fehler gemacht wurden, und sah, als ein Fehler -von der Vln. absichtlich nicht verbessert wurde, von ihrer Arbeit auf. — Als am 3. und 4. Tage die Störung durch mechan. Lesen erfolgte, begann die Vp. flüsternd zu rechnen, was sie bei der Störung durch Rechnen nicht getan hatte. Was gelesen wurde, schien ihre Aufmerksamkeit nicht zu erregen. Die Störung durch Lesen erschien ihr unangenehmer zu sein; doch gelang es ihr nach dem Ergebnis, sich von dieser Störung durch halblautes Rechnen zu befreien. Die Fehler wurden jedesmal gegen Ende der Halbstunden gemacht. Wilhelmine Melzex, Lehrerin in Rottendorf bei Wien. Gegensätze. Seit Kriegsdrometen dräuend schmettern, Liegt rings verödet Wald und Feld. Europen’s Himmel zuckt in Wettern, Von Greueln wiederhallt’s in Blättern. Von Thusnelda von Eisenen. (Nachdruck verboten.) Tief neigen sich die vollen Ähren Und winken Kind und Greis herzu. Schnell füllen sich die Scheuern, leeren, Des Volkes Wohlstand zu vermehren. Und Sonne strahlt vom Himmelszelt. Die Wälder atmen tiefe Ruhl Dumpf dröhnt’s von schweren Mannschaftszügen Durch laue, sommerwürz’ge Nacht, Daß sie für Feindes Neid und Lügen Tod und Verderben mit sich trügen. Friedvoll der Mond durch Wolken lacht. Es nähn und stricken jung und alte Der Frauen emsig für den Mann Und beten: Daß Gott gnädig walte, Das Vaterland uns stark erhalte! Viel Blumen wehn sie grüßend an. Kaum faßt dein Herz die Gegensätze: Der Menschheit Irrtum — die Natur. Es blutet bei der Feinde Hetze, Frohlockt der inn’ren deutschen Schätze, Und fühlt im All des Schöpfers Spur. Die Jugendfürsorge in Böhmen. In diesen grotzen Tagen, da an den Kämpfer draußen im gewaltigen Ringen Forderungen herantreten, deren Erfüllung vorher niemand für möglich gehalten hätte, ergibt sich auch für die Daheimgebliebenen manche ernste Aufgabe, deren Lösung Übermenschliches heischt, aber trotzdem bewältigt werden muß. Angesichts der Größe des Problems knickt der eine zu-sammen, weil er sich zur Ausführung nicht stark genug fühlt; ein zweiter nimmt die Sache von der theoretischen Seite und vermeint, mit Entschließungen und Kvmiteegründungen die Dinge zu wenden; ein dritter greift frischweg hinein und schafft Tatsächliches. Zu ietzterer Gruppe wollen wir gehören. Nicht zaghaft sein, aber auch nicht leichtfertig, sondern mit Ernst die Sache erfassen und führen: das ziemt dem Manne in den Tagen der Not. — Will man nun werktätiges Mittun bekunden, so ist vor allem ein Exempel nötig; Theorien können niemals das Wirkliche, das Erprobte ersetzen. So langen wir denn mit beiden Händen nach dem Muster. Mit Bezug auf die Kriegswaisenfürsorge, die uns Lehrern zunächst am Herzen liegen soll, bietet es die Deutsche Landeskommission für Jugendfürsorge in Böhmen. Eben weil das, was sie als wohlgegliederten Organismus aufzeigt, für Kronländer, in denen die Einrichtung entweder noch gar nicht besteht oder doch erst im Werden ist, vorbildlich sein soll und sein kann, fühle ich mich verpflichtet, in dem Zeitpunkte, da die Sorge um die Hinterbliebenen nach gefallenen Kriegern alle Gesellschaftsschichten erfaßt hat, das Programm der erwähnten Landeskommission aufzudecken, u. zw. im Anschlüsse an die letzte Hauptversammlung (4. Juli). So möge man die nachfolgenden Mitteilungen nicht als bloßen Bericht nehmen, sondern sich aus ihnen Anregungen holen, auf daß sich der schöne, der große Gedanke alsbald überall in der imponierenden Gestaltung erhebe, wie uns diese in Böhmen zurzeit entgegentritt I 3371 Die von dem Weihbischose Dr. Frind, einem edeln deutschen Priester, der sich — ein zweiter Kindermann — trotz der Siebzig den aufreibenden Geschäften der Jugendfürsorge mit Eifer widmet, geleitete Beratung erhielt schon dadurch eine besondere Weihe, daß sie als Teil-nehmet Mitglieder aller Gesellschaftskreise, auch der höchsten, aufwies. (Es war u. a. die Gemahlin des k. k. Statthalters, Ihre Exz. Gräfin Coudenhove, anwesend.) Die Versammlung stand dadurch so ganz im Zeichen der Zeit, da sie sich vornehmlich der Kriegswaisenfürsorge zuwandte. — Was an Vorkehrungen zur moralischen und physischen Rettung verlassener und verwahrloster Kinder durch die Organisation der Deutschen Landeskommission in Böhmen bisnun geleistet wurde, wird, wenn wir es auch bloß mit einigen Federstrichen kennzeichnen, gewiß allgemeines Erstaunen auslösen. Im ganzen werden dermalen 1754 Kinder betreut, ein Teil davon in Familien, 273 in den neun Anstalten der L.-K., 96 in fremden Anstalten, 133 in Pflege-kolonien. Die Übernahme eines einzigen Kindes bindet den Betrag von 400—500 K; für 502 Kinder allein wurden im abgelaufenen Jahre 205.941 K 51 h verausgabt. Wieviel Worte waren nötig, um diesen Betrag aus den Taschen der Wohlhabenden zu ziehen! Die L.-K. betrachtet die Jugendfürsorge als eine völkische Angelegenheit, wird doch die Volkskraft geschützt und gefördert; so öffnen sich denn ergiebige Quellen. Die deutschen Bezirksvertretungen lieferten allein 70.000 K (ein Merks für andere Kronländer 1). Ansehnliche Summen brachten die Kinderschutztage; zumeist wird hiezu der 2. Dezember gewählt. Die Schulkinder bringen je nach Vermögen Gaben für ihre notleidenden Kameraden — ein Gedanke, der gerade in der Kriegszeit allerorts durchgesührt werden könnte. Der 5. Kinderschutztag in den deutschen Bezirken Böhmens, der als Hriegsrvaisentag galt, ergab 100.000 K. Wie wäre es, wenn man den 18. August oder den 4. Oktober im ganzen Reiche als Kriegswaisentag gelten ließe? — Als Gesamtvermögen weist der mit großer Wärme und strenger Sachlichkeit verfaßte Jahresbericht, den die „Deutsche Landeskommission für Kinderschutz und Jugendfürsorge in Böhmen, Prag 111, Sei» vedergasse 4", unter Berufung auf die „Bl." sicherlich kostenlos abgibt, den ansehnlichen Betrag von 1,331.805 K 93 h auf — eine Zahl, die im Hinblicke auf einen erst sechsjährigen Bestand der Organisation geradezu verblüffen muß. — Wenn wir den weiteren Ausführungen des Vorsitzenden folgen, so überrascht uns vor allem eine Einrichtung, die mit Rücksicht darauf, daß in Österreich Reformen immer mit ängstlicher Vorsicht ausgenommen werden, noch in weiter Ferne zu liegen schien: die Differenzierung der Individualitäten nicht allein nach etwaigen physischen oder psychischen Gebrechen (Krüppel und Idioten), sondern auch hinsichtlich der Begabung für Berufe. Man muß sich an den Kopf greifen, wenn man da ausführen hört: „Wir werden das Kind dort unterbringen, wo es keine Pariasrolle spielt, wo es nicht hemmt, wo es seiner Veranlagung gemäß gebildet wird." Solche Worte in einem Staate, der sonst alles nivelliert oder doch nicht sonderlich besorgt ist, das Menschenmaterial ökonomisch auszuwerten I Aber es ist recht so, daß eine private Organisation das Beispiel bietet; man wird sodann nicht mehr säumen können, es zur allgemeinen Maßregel zu stempeln. Die Landeskommission aber, die nunmehr den ersten Schritt gewagt hat, tue den zweiten, d. H., sie begründe nach Art der amerikanischen Test-Anstalten ein Experi m en tell-pädagvgisches Laboratorium, in dem die ihr übergebenen Pfleglinge auf ihre Sondereignung nach wissenschaftlichen Methoden geprüft und hernach zu jenen Berufen geführt werden, die der Eigenart am besten entsprechen und darum gedeihliche und einträgliche Arbeit verbürgen. Die damit begründete Anstalt würde alsbald auch von außenstehenden Kreisen in Anspruch genommen werden und solcherart zu einer Einrichtung führen, die der Staat, will er sein Menschenkapital nicht vergeuden, früher oder später wird diktieren müssen. — Von großem Interesse war für uns Lehrer die Mitteilung des Verhandlungsleiters, daß in einem der L.-K. geschenkten Hause zu Prag ein Teil für ein Lehrerwaisenheim bestimmt ist; ein anderer Trakt wird den Namen Lehrlingsheim tragen — eine Schöpfung, die das deutsche Handwerk im Interesse seiner Kräftigung auch anderwärts veranlassen sollte. — Mit starker Akzentuierung verwies Weihbischos Dr. Frind darauf, daß der große Organisationsgedanke, der bisher so machtvoll gewirkt hat, die Unterordnung der Uezirkskom-missionen auch in Sachen der Geldzufuhr erheische. Ein Teil der Einnahmen verbleibt der Orts Organisation, damit sie in der Lage sei, in dringenden Fällen sogleich einzugreifen; der andere Teil müsse jedoch der Zentrale zufließen. Nur so sei es möglich, die Idee großzügig auszugestalten. Es geht ja nicht um die Versorgung der Waisen nach Örtlichkeiten, sondern um den gesamten Schutz des völkischen Besitzstandes an Menschen. — Eine Störung der zielbewußten Tätigkeit der L. K. hat sich einerseits durch die gesetzlich geregelte Aufstellung von Waisenräten (Berufsvormundschast), anderseits durch die Gründung 3372 des „Witwen- und Waisenfond es der gesamten bewaffneten Macht" — vorläufig gottlob bloß theoretisch — ergeben. In beiden Fällen handelt es sich um Parallelaktionen, die gewiß nicht zum Gedeihen der Sache führen. Da indes die Einführung von Waisenräten auf sich wird warten lassen und auch dann, wenn sie einmal bewerkstelligt werden sollte, zweifellos an dem Geschaffenen nicht achtlos vorübergehen wird, sondern es in den Bereich der eigenen Tätigkeit ziehen muß und auch eine Verständigung mit dem Witwen- und Waisenfonde bereits in die besten Wege geleitet wurde, so ist die Gefahr einer Zersplitterung bis auf weiteres beseitigt. So eröffnet sich denn für die L.-K. auch in der schweren Zeit des Krieges die Zukunft aussichtsreich und dies umsomehr, als die Frauenwelt mit allem Eifer mitwirkt und einige Geldinstitute im Wohltun edeln Wetteifer bekunden. Beispielgebend geht hiebei die Böhmische Sparkasse voran; sie hat als Begrüßung zur Tagung den Beschluß mitgeteilt, daß der L.-K. als Kriegsspende der Betrag von 50.000 Kzugesprvchen wurde. Wer solche Gönner im Lande hat, mag sich glücklich preisen! Aber man erwäge auch dies: 39» redliche Arbeit geleistet wird, da wächst das Wertrauen und aus ihm sodann die reiche Gabe. Z>ccrz. Kriegsbilder aus Sarajewo. (Erinnerungen an den Kriegsausbruch von St. H.) 1. Viribus unitis. Die letzten Julitage krochen gewitterschwül heran. Das Ultimatum an Serbien war überreicht; die Antwortverzögerung um 24 Stunden verweigert. Krieg oder nicht? Das war die brennende Frage und der Leitgedanke, der die Frage ausspann: Sühne für die Schmach und Sühne für die Zumutung, daß Österreich weiter Zusehen soll, welche Ungehörigkeiten mit seiner Langmut und Nachsicht getrieben wurden. Die Untersuchung im Mordprozesse hatte das traurige Ergebnis gezeitigt, daß die Fäden des Planes bis in hohe und höchste Kreise des uns feindlichen Staates reichten. Abend war es. Im Kurhotel von llidze wogte es erwartungsvoll unter den Gästen. Die entscheidende Antwort blieb nicht lange aus: Antwort ablehnend, Giesl abgereist, Beziehungen abgebrochen. — — — Krieg! Einstimmige Begeisterung. Kein Zagen, kein Zweifel am Sieg. Kriegslieder machten den Gefühlen Luft. Nicht endenwollender Trommelwirbel und Paukenschlag begleiteten immer wieder den Prinz-Eugen-Marsch. Die Zeit verrann und man war in Gedanken der wirklichen Zeit vorangeeilt; man meinte schon am Ende zu sein, bis die Wirklichkeit rasches Handeln forderte. Wer je in des Kaisers Rock gesteckt hat, greift zu den Waffen. Er läßt Familie, Heim, alles Liebe zurück, zieht froh und zuversichtlich zu seiner Fahne. Überhastetes Lebewohl, von vielen zum letztenmale getauscht. Kopf hoch, es muß sein wir sind einig und auch wir „kennen keine Parteien mehr“: Viribus unitis. — 2. Präludien zum Kriege. Standrecht seit Wochen; Gewitterschwüle, Windstille vor dem Sturm. Wie die heißen Tage des Julimonds, so sind die Gemüter der Bürger; sie ahnen die kommende schwere Zeit. Mit tränenfeuchten Augen packt die Frau hastig den Koffer; mit entschlossener Miene, spannende Erwartung in den Zügen, trifft der Mann seine letzte Anordnung. Sein sonstiger Beruf wird ausgeschaltet, er ist nurmehr Krieger. Die Laden mit Militärartikeln werden geplündert, die Monturen in Eile vervollständigt. Lange Reihen einrückender Krieger verursachen die endlose Staubwolke zum Bahnhofe. Hastende Wagen mit singenden, johlenden Soldaten nehmen den gleichen Weg mit Offizieren und ihren Familien, die sie zur Bahn geleiten; auswandernde Familien pilgern bahnwärts. So sah ich einen Vater mit acht Kindern; verschreckt, paarweise standen sie am Bahnsteig, die Händchen verschlungen; später saßen sie gepfercht zwischen Fahrgästen, die alle ihr Mobilisierungs-Mitgepäck bei sich führten; und das will was heißen in den schmalen bosnischen „Schmalspur-Wagen“. Das Reisegepäck war auf ein Minimum beschränkt worden. Eine kurze Spanne Zeit von drei Tagen, vom Tage der Kriegserklärung an gerechnet, war dem Publikum gegeben worden, die bosnischen Bahnstrecken noch zu benützen. Nach dieser Frist waren sie für das Zivilpublikum sowie für Post- und Frachtgüter auf Wochen hinaus gesperrt. Nur Militärtransporte füllten hernach die Züge. Trotz großer Überftlllung der Zilge in der gltihheißen Julisonne sind sie der Schauplatz einer Menschenart, die mit ihrer Begeisterung alles Leid der Zurückbleiben den niederhält. Kein anderer Gedanke kommt auf, als: Es muß so und nicht anders sein, propatria! Wir sind uns das schuldig. Allmählich setzt sich der Zug in Bewegung; Blumen, wehende Tücher, winkende Hände, ein letzter Liebesblick. Aus der Ferne klingt das Lied: „O du mein Österreich !u — 3. Abschied des Hausregimentes. Nach Norden, gegen Rußland! ist die Parole. Wohin, wann — alles unbekannt. Die Hauptstadt — fern vom Kriegsgetümmel gelegen — hat ihr festliches Gewand an Flaggen und Blumenschmuck angelegt. Die lieben Heimatsöhne ziehen fort, sie, die schon oft mit Stolz als Verteidiger der Heimatberge genannt wurden. Auch diesmal schwellt die Brust frohes Kampfgefühl, die Überzeugung: Wir müssen siegen! Und was der Wille zum Siege vermag, das zeigten Österreichs und Deutschlands Heerscharen in der langen und harten Zeit des Ringens. Das Abfahrtssträußel an der Mütze, den Talisman in der Brusttasche, Zuversicht — vielleicht auch ein wenig Abschiedsschmerz tiefinnerst im Herzen, unbemerkbar in den Mienen. Der Marsch durch die Hauptstraßen der Stadt zur Bahn ist ein wahrer Siegeszug! Die Gärtner der Stadt überraschten die Krieger mit Spenden von Sträußchen in solcher Anzahl, daß sämtliche Soldaten — über 4000 Mann — einen duftigen Treugruß mit ins Feld nehmen konnten. Unter klingendem Spiel, unter dem Jubel der Bevölkerung war der Bahnhof erreicht. In mehreren Zeitabschnitten erfolgte die Abfahrt der endlosen Züge. Labungen verschiedenster Art sollten den Abschied erleichtern, Blumenspenden das Scheiden vergessen machen. Der Hauptmann überprüft seine einwaggonierte Kompanie. Ein Heil- und Hochrufen empfängt ihn; auch die jüngeren Offiziere, welche die Ordnung aufrecht erhalten, werden mit frenetischen Freudenrufen überschüttet; in überquellendem Gefühl strecken drei biedere Landeskinder ihrem verehrten Leutnant das eigene Sträußlein als Zeichen der Ergebenheit hin. Jeder Offizier scheint den Leuten ein Hort der Zuversicht zu sein, welchen Platz er durch das kurze, aber «lern Ernst der Lage entsprechend innige Zusammenwirken mit der Mannschaft errungen hat. Wohlwollen dankt ihnen im Blick, Aufmunterung im Wort. Ein Bild der Freude, Zuversicht und Begeisterung ist der vollgestopfte Zug. Freudiger Taumel ergreift auch die Zurückbleibenden, bis das Stahlungetiira die vielen Lieben, Guten entführt hat. Wie lautete doch sein letztes Wort? „Auf Wiedersehen!“ Zum ahnungslosen Kinde, dessen Händchen freudig patschten: „Sei gut!“ Was blieb zurück? Hoffen und wieder Hoffen! — 4. Die ersten Verwundetenzüge. Banges Warten beherrscht die Menge. Gerüchte von schweren Gefechten an drei Orten. Der Blick gleitet in die Höhe zur Bahnstrecke, die aus Osten kommt. Sanität hält Bereitschaft, das Rote Kreuz ist bereit. Die jüngste Mittelschüler-Generation, am Arme die Rote-Kreuz-Binde, eilt mit leeren Tragbahren zur Interimsbahnstation. Richtig, da rollt der Zug von der Höhe des Berges ins Tal. Anderthalb Monate früher machte den gleichen Weg ein anderer Zug, schwarz verhangen ; dieser barg die allerersten Opfer feindlicher Mißgunst. Und diese Opfer stammten aus dem Herrscherhause. — Nach geraumer Zeit hält der Zug hier an der Straße. Die Verwundeten werden aus den Wagen gehoben und einige Hundert Schritte weit ins Militärspital gebracht. Die Leichtverletzten schleppen sich, unterstützt von Helfenden, heraus, andere liegen auf Tragbahren. Erste Hilfe erhielten sie bereits im Feldlazarett gleich hinter der Front. Nun sollen sie hier in Ruhe genesen und. ausgiebige Pflege erhalten. Bleiche Gesichter, dort ein verbundener Armstumpf — man erschauert; da wieder einer, an dem mehr Verband als heile Körperteile zu sehen sind. Ich menge mich unter die Labenden; jeder, der sich nur halbwegs rühren kann, bekommt nach Belieben Trunk und Speise. Ein Chaos von Liebesgaben! Jede Bahre, jeder Hinkende ist mit Blumen geschmückt, mit Zigaretten bedacht. Arme Leute, die selbst nichts zuviel haben, teilen Nickelmünzen aus. Ein armes Weib verteilt billige Zigarren; ein schwer verwundeter Ofiizier wird auch mit einem Stück bedacht. Wehmütig lächelt er ob dieser Herzens-Liebesgabe und nickt der Spenderin zu. Oft stockt der Zug; die des Tragens Unkundigen müssen rasten, denn die Augustsonne brennt auf das Karstgebiet hernieder. — Langsam neigt sich die Tageskönigin dem Westen zu. Nacht, die alles verhüllende, macht auch den Anblick dieser Leiden vergessen. Manches Auge, das Grausiges sah, schließt sich im Schlafe. Doch der Kampf 'tobt fort — — im Traume. 3374 Kriegsrechenaufgaben. Unsere Feinde wollen uns aushungern. Deshalb haben sie uns die Zufuhr von Getreide- und Mahlprodukten abgesperrt. Wir Österreicher müssen mit den vorhandenen Vorräten auskommen. Nach dem Ergebnisse der am 28. Februar vorgenommenen Zählung hatte die Gemeinde M. folgende a) Getreidevorräte: Weizen 4046 kg, Roggen 9860 kg, Gerste 8335 kg, Hafer 17.904 kg, Mais 2318 kg; b) MehlvorräteWeizenmehl 3726 kg, Roggen mehl 8290 kg, Gerstenmehl 900 kg, Hafermehl 227 kg, Maismehl 3140 kg, Weizengrieß 117 kg, Rollgerste 251kg. Die Gemeinde M. zählt 840 Einwohner. Von den Hafervorräten sind 36 Pferde zu füttern. Aufgaben: 1. Wie groß ist der gesamte Getreidevorrat? 2. Wie groß ist der gesamte Mehlvorrat? 3. Wenn von jeder Körnerfrucht 40% als Saatgut für die eigenen Felder in Abrechnung kommen, wieviel Kilogramm entfallen von jeder Getreideart a) als Saatgut, b) welche Menge von jeder Art steht dem Verbrauche zur Verfügung, c) wieviel im ganzen? 4. Für ein Pferd dürfen täglich 3 kg Hafer verfüttert werden. Wie lange reicht man mit dem Hafer vorrate? (Saatgut 1) 5. Für eine Person und einen Tag dürfen 300 g Getreide oder 240 g Mehl verbraucht werden. In welchem Verhältnisse steht das Getreide zum Mehle? Wieviel Kilogramm Mehl gibt der reine Getreidevorrat? Wieviel Kilogramm Mehl dürfen die 840 Personen bis zur nächsten Ernte verbrauchen. 6. Wieviel Gramm entfallen auf eine Person für einen Tag, wenn bis Ende Juli damit das Auslangen gefunden werden muß? 7. Wieviel Kilogramm Mehl entfallen auf eure Familie in einer Woche? Wieviel Kilogramm wurden durchschnittlich bis jetzt wöchentlich verbraucht? (Befrage die Mutter und berücksichtige auch das Mehl, welches fürs Brot verwendet wurde, z. B.: 1 kg Mehl gibt 1 35 kg Brot.) Müßt ihr euch einschränken oder nicht? Rob. Franz, Lehrer in Millstatt, Kärnten. * 8. Unser Müller mahlt für die Militärverwaltung in der Woche einen Waggon (10.000 kg), a) Wieviel verdient er an einem Tage, wenn er für einen Waggon Mehl 200 K bekommt? b) Wieviel Weizen muß ihm das Ärar stellen, wenn 100 kg Weizen 80 kg Mehl geben? c) Welchen Wert hat ein Waggon Mehl? (Jetzige Preise.) 9. Beim Bauer A sind 14 Personen zu verköstigen. Laut Verordnung darf pro Kopf täglich nur 220 g Mehl verbraucht werden. Wird er mit seinen 400 kg Korn bis zur nächsten Ernte (1. August) auskommen? 10. Ein Reitpferd bekommt täglich 3 8 kg Hafer; a) wieviel Kilogramm Hafer braucht ein Reiterregiment mit durchschnittlich 3000 Pferden? b) wie teuer ist diese Menge? (Jetziger Preis.) 11. Jedes von euch1 spendete seit Kriegsbeginn wöchentlich 2 h; welche Summe macht dies bereits ? 12. Weiteren Stoff geben die Berechnungen der Unterhaltsbeiträge. Zugrundelegung für das Land. Für eine erwachsene Person (Gattin, erwerbsunfähiger Vater oder dessen Gattin), sowie für jedes Kind über 8 Jahre 81 h pro Tag, für jedes unter 8 Jahren 40 h pro Tag. Z. B.: 1.) Wieviel erhält eine Familie, bestehend aus Mutter, zwei Kindern über 8 Jahre und einem Kinde unter 8 Jahren, täglich, wieviel für den Monat Feber (28, nicht 30 Tage!), für Jänner und Feber zusammen? Was hat sie seit Ausbruch des Krieges erhalten? 2.) Die Gemeinde Kapelln erhält für den Monat Jänner an Unterhaltsbeiträgen für 17 Familien K 818 28 angewiesen. Wieviel erhält jede Familie durchschnittlich? 13. Stoffe ergeben sich auch aus der Berechnung der Kriegskosten für einen Tag und längere Zeit, wenn man für einen Mann pro Tag 7 K rechnet. Die Berechnung der Kosten einer gewissen Anzahl Gewehr- oder Kanonenschüsse liefert weiteren Stoff. 14. Aus dem Kapitel „Fuhrwerksbeistellungen“ können wir reichlich schöpfen, z. B.: Die Gemeinde hatte zu den Schanzarbeiten nach Mannswörth (Geographie!) vom 10. September bis einschließlich Oktober 14 zweispännige Fuhrwerke beizustellen, wofür K 2553 60 ausbezahlt wurden. Wieviel entfällt auf jedes Fuhrwerk pro Tag? Oder: Der Vater und sein Nachbar Steigberger stellten ein Paar Pferde und einen Wagen vom 11. September bis 4. Oktober und erhielten hiefür, da für Wagenreparatur ein Abzug gemacht wurde, K 141 18. Wieviel erhielt jeder, wenn der Vater hiezu den Wagen und ein Pferd beigestellt hatte und für je ein Pferd, bezw. den Wagen ein Drittel berechnet wird? 15. Sehr interessante Berechnungen ergeben sich mit Zuhilfenahme der Karten von den Kriegsschauplätzen, die doch an keiner Schule fehlen werden. Z. B. von Lodz bis Warschau messen wir 1 Die Klasse hat 117 Kinder. 3375 bei einem Maßstab von 1:2,000.000. Wie groß ist die Entfernung in Wirklicheit. Bedenken wir, liebe Kinder, daß dies erst die Luftlinie ist, so bekommen wir halbwegs einen Begriff von der großartigen Leistung eines Millionenheeres, das diese Strecke bei schlechten Wegverhältnissen kämpfend in einigen Wochen zurücklegt! Natürlich berechnen wir auch mit Zuhilfenahme des Maßstabes nicht bloß Längen, sondern auch Flächen. Auch der Kubikinhalt der aus den Schanzgräben ausgeworfenen Erde kann berechnet werden. 16. Auch die Prozentrechnung wird herangezogen. Da ist von Warschau die Rede I Schnell ein Lexikon nachlesen 1 Nächsten Morgen wird an der Hand einer Skizze an der Schultafel das Wichtigste mitgeteilt (Verwertung in der nachmittägigen Schönschreibstunde 1) und sofort eine Rechnung angeschlossen. Z. B.: Warschau hat 760.000 Einwohner; hievon sind 56°/o Katholiken, 35%> Juden, der Rest Andersgläubige. Wieviel Katholiken usw. sind dies? 17. Auch die Kriegsfürsorge bietet mancherlei Anlaß zu Rechnungen, z. B.: Von dem Oelde, das ihr, liebe Kinder, gespendet, kauften wir um K 134 40 Kriegswolle und erhielten 16 kg. Wie hoch kommt das Kilogramm? Wieviel Geld brauchen wir für die Monate Jänner, Feber und März, -wenn die Mädchen jeden Monat 10 kg verstricken ? Oberlehrer Fritz Pötzleitner in Kapelln. Briefkasten. V Nun ist cs ein Jahr, daß um den Bestand unseres Vaterlandes, unseres Volkstums und um die germanische Kultur gerungen wird. Die beste Blüte ist gefallen oder vergilbt im Pulverdamps; so muß denn das reifende Geschlecht ins Feld und auch wir, die Alten, sollen uns rüsten. Da es um Sein oder Nichtsein geht, darf keiner, dem die Sehne zuckt, der Kraft im Arme fühlt, sich hinter den Schurz des Mütterchens verkriechen und mit Ausflüchten sein Fernsein bemänteln. Ja, es ist wahr, das Vaterland braucht nicht bloß Krieger, sondern auch Arbeiter; allein, was dermalen wichtiger ist, das ist der Schutz unserer Gemarkungen. Denn was nützte der Fleiß im Dienste des Eroberers! Wohl ist die schlimmste Zeit vorüber, die äußerste Gefahr ist dahin; allein nun kommt die Rache, die Sicherung eines dauernden Friedens. Er kann nur kommen, wenn der Feind zerschmettert ist. Bescheiden wir uns mit der Abwehr, so müssen wir jeden Tag des erneuten Überfalles gewärtig sein. Also durchkämpsen bis zum Ende, bis zur völligen Vernichtung des Gegners 1 — Da ich alles, was ich je als Ruf an die Leser hinausgab, immer als Tat zeigte, so will ich auch hierin dem Worte Gestalt verleihen. Zwar wird die Hand, die nun durch ein Vierteljahrhundert mit Fleiß die Feder führte, für das Schwert zu schwach sein; allein man wird den, der durch neun Jahre in den Gefilden weilte, durch die derzeit die Kriegsfurie braust, der die Sprache des Feindes kennt, der ihn ob des Treubruches haßt bis in die tiefste Seele hinein, schon irgendwie brauchen können. Also überschreite ich vielleicht in dem Zeitpunkte, da diese Folge in die Lande fliegt, aus freien Stücken die gesicherte Zone des Hinterlandes, um dem Kanonendonner »äherzukommen. Sollte mir im Wüten des Weltbrands was Menschliches zustoßen, so mag der Leser beruhigt sein; es ist für die Fortführung der „Blätter" gesorgt. Der Geist, der nunmehr durch 12 Jahre aus ihnen redet, wird wohl nicht mehr zu banne,, sein, wenn auch die Hülle, die ihn barg, zerfällt. — Kosrat K. H. in W.: Sie rufen aus «Hät^„ doch so manches, was die Bl. für einheitliche Staatserziehung im Verlause forderten, beachtet und erfüllt; es wäre »ns manche Enttäuschung erspart geblieben!" — Sicherlich! Indes, es ist nicht zu spät. Die starke Faust des Freundes hat uns trotz Verrat und Tücke vor dem größten Schaden bewahrt. Aber, wenn der Krieg vorüber ist, übe» Sie, verehrter Herr Hosrat, Einfluß, daß mit den Wankenden und auch mit jenen abgerechnet werde, die, unbekümmert um das Wohl des Vaterlandes, dem Partikularismus zutreiben, weil er persönlichen Gewinn in Aussicht stellt. In den Bl. wird in der Zeit, da der Friede eingeläutet werden soll, unnachsichtige Kritik geübt werden, weil nur dann eine Wiedergeburt des Vaterlandes zu erhoffen ist. — 3frf. 38. 35t. in HL: Das lob' ich mir: Kaum war der R»s auf Mitarbeit bei unserer „Arbeitsgemeinde für pädagog. Forschung und Schulreform" ausgeflogen, so stellten Sie sich auch schon mit einer sorgfältig geführten Untersuchung ein! Ja, hier wäre so recht ein Feld für die geduldigen, peinlichen Schwestern im Amte, sich in Sachen der experimentellen Pädagogik zu betätigen. Strahlen Sie doch Ihren Eifer aus, damit der böse Vorwurf verstumme, als sei das junge Geschlecht der Lehrerinnen auf nichts so emsig bedacht als auf Dinge, die dem berufslosen Mädchen naturgemäß zunächst liegen müssen. — Hin Aussatz über die Geldverhältnisse des Staates wird gewünscht. Wer will ihn liefern? — jcljrer HL in H>. Hl.: Ihr Gedankengang ist köstlich: „Nun sieht man ein, daß auch der Wildschütz' für den Staat notwendig ist." Da denken Sie wohl an Junges „Lebensgemeinschaft". 'Ganz richtig! Es muß ein Wesen da sein, das das böse Gewürm ersteht und tötet; so auch unser Raubschütze, der das Gezücht wohl zu treffen versteht. — jetzret L. St. in H8. Zmeildrucke von Gedichten jetzt, da der Tisch voll der herrlichsten Blüten ist? Nein! — Kauptkeyrer A. W. in A. (Aayern): Also der blühende Junge, der als Kriegsfreiwilliger hinauszog, gefallen! Ein tiefer 3376 Stoß in das Herz des Vaters, dafür aber eine Lichtgestalt in der Familie, deren Glanz ein Jahrhundert weit hinausleuchtet. — Kachkehrer K.in A.: Wie Sic bereits zur Kenntnis genommen haben werden, hat eine andere Zeitschrift den von uns gehobenen Gedanken, betreffend ein Lehrerheldenbuch, aufgegriffen. Es kann also Ihre diesbezügliche Arbeit entfallen. — Aus Aentfdifniid kommt uns die Nachricht zu, daß die Physiklehrbücher unseres g. Mitarbeiters Landesschulinspektor Dr. K. Rosenberg in 230 Anstalten des Deutschen Reiches eingeführt sind. Soviel Ehre ist noch keinem österr. Lehrbuchs zuteil geworden. — An meinen Schüler ZS. in Sz. (Zlngarn): Ha, schlagen Sie nur tapfer drein, wen» man Sie einmal in die Front ruft! Je tüchtiger Sie's machen, umso früher sehen wir uns wieder in den traulichen Schulräumen. Und wenn nicht, so wollen wir „droben" Pädagogik tradieren und auf die armen Menschlein hcrabsehen, die „tapfer" an trockenen Büchern knuspern, indes eine neue Ernte neue Früchte zeitigt. — Lehrer K. Sp. in K. (tglrof): Die Türkei wird nach dem Kriege deutsche Lehrer in Fülle brauchen. Wir haben bereits Fäden geknüpft. Vielleicht wandere ich selbst als Landschulenorganisalor gen's Goldene Horn. — Höcrl. .. . in . ..: Ihr Brief ist zu wahr, zu treffend; darum muß er herein. Sie schreiben: „In einer Konferenz stellte- ich den Antrag, es soll jeder Amtskollege außer dem Blatte der Organisation mindestens noch eine andere Schulzeitung halten und sie im Konferenzzimmer zur freien Ansicht und Benützung auslegen, so wie ich es mit den „Blättern für den Abteilungsunterricht" tue. Antwort: Zuerst sollen unsrre Gehaltsforderungen bewilligt werden. (Darin drückt sich so recht das Armselige, das Handwerksmäßige aus! D. Sch.) Ich will nicht denunzieren, aber der Ärger treibt mich zur Wahrheit: ein Kollege ist Gasthausbcsitzer, ein wohlbestallter Mann, der längst in die Pension gehen sollte. Der zweite besitzt ein Vermögen von über 30.000 K. Die Bl. scheinen seiner Meinung nach bloß für Einklassige bestimmt zu sein. (Da hat er eben noch nie Einblick in die Zeitschrift genommen. D. Sch.) Ter dritte braucht das Geld zum Kartenspiel, der vierte für noble Passionen, die Lehrerin auf schöne Kleider, damit sie einem Mann gefalle. Das sind Taglöhner, aber nicht Lehrer. Der Herr B. Sch. I. machte die Lehrer durch ein Rundschreiben aus die Bl. aufmerksam. Wer angebissen hat, weiß ich nicht; doch scheint die Wirkung nicht allzu groß gewesen sein. In den Versammlungen wird gestritten, einer flegelt den ändern an, beneidet jene, bezw. verspottet die, die man Lehrer nennen kann. — Der Probeauftritt mit den Zöglingen Ihrer Anstalt an einer einklassige» Schule hat mich besonders interessiert. Die jungen Leute wissen gar nicht, wie sehr sie dafür der Anstalt zum Danke verpflichtet sind. So z. B. sind jetzt die Lehrkräfte rar. Mancher junge Mann kommt als Aushilfe an eine ungeteilte einklassige Schule. Jeder Abteilung sind knapp 20 Minuten zugewiesen. Wie soll er jede beschädigen, um das Ziel zu erreichen? Hat er es erfaßt, dann wird er sich auch für den Unterricht vorbereiten, aber gleich nach dem Unterrichte und nicht erst 10 Minuten vor 8 Uhr; das heißt dann, im Finstern herumtappen." — Ein erschreckendes Bild! Es ist wohl nicht aus der Allgemeinheit genommen, aber es kennzeichnet eine Klasse von Standesgenoffen, die man nach dem Kriege wird ausschalten müssen. Unser blendender Standesidealismus darf nicht durch Flecken verunstaltet sein. — Käynrich Is. Anrf Im Ilelde sandte ein russisches Rechenbuch, aus dem zu ersehen ist, daß die Barbaren des Ostens gewissermaßen uns in gesunder Methodik voraus find. Das kommt von den Verkünstelungen, mit denen unsere Lehrbuchfabrikanten sich überbieten wollen. Bunte Bildchen, allerlei Schnickschnack, nur kein Denken — so lautet ihr Rezept. Hoffentlich werden wir bald auf-atmen und sagen können: „So war es vor dem Weltkriege!" — Krk. W. Sch. in H.: Sie haben recht: Die Sprache ist das notwendigste Instrument des Lehrers; ohne sie ist ein wirksamer Unterricht ausgeschlossen. Doch wenn ich daran denke, wie sie zurzeit gchandhabt wird, ersaßt mich der Ärger. Auch in diesem (Segen-stände wird die Zukunft läuternd wirken müssen. — Krl. K. H. in H.: So geschwind ist der Stoff für die Bürgerschullehrerprüfung nicht zu bewältigen. Wir müssen doch dem „Doktorate des Volksschullehrers" den Stempel der Wissenschaftlichkeit aufdrücken, sonst ist es eben kein Doktorat. Also lassen Sie sich Zeit! Unter drei Jahren kann Sie neben der Berufsarbeit nur ein Glücksfall zum Ziele bringen. — Hverk. A z£. in W.A.: Sie erquicken sich am Studium der latein. Sprache. Wie groß ist erst der Genuß, wenn man mühelos durch die Werke der alten Klassiker schreitet! Die „andere" Richtung, so sie dem Latein jedweden praktischen Wert abspricht, hat sicherlich auch recht; allein es gibt ja Dinge, die man nicht gerade zur Lebensnot braucht, die aber ebendeshalb entzücken. — Hinj.-Kreiw. A. A. im Kekde: Das Stenogramm ist undeutlich; schreiben Sie künftig in Kurrent! — Lehrer A. Z?. in W.: Bezüglich Ihrer Anfrage habe ich im k. u. k. Kriegsministerium Vorgesprächen. Es wurde mir folgendes mitgeteilt: Bis zum 31. Lebensjahre können Lehrer, die zuvor als Ersatzreservisten dienten, um Nachtragung des Einjährigenjahres bittlich werden; vom 33.—42. Lebensjahre entfällt die „Begünstigung"; vom 42.-50. Lebensjahre tritt sie wieder ein. Tiotz aller Vorstellungen konnte ich weder den Streifen noch den Knopf erwirken. — A. K. im Kekde: Die „Heldentat" des Italieners hat also in Euch neuen Zorn entflammt. Eigentlich ist es selbstverständlich, daß bei jedem Zirkus ein Klown sein muß. Bisher hat er in der Rennbahn der Kriegführenden gefehlt. — Hverk. A. ZP. in cf.: Sie sind grämlich darüber, daß man Sie als 50-jährigen zu den Waffen ries. Ei, solchen Kleinmut hätte ich Ihnen nicht angesehen! Jeder soll stolz darauf sein, wenn er nach fünf Jahrzehnten Erdenwallens noch zum Soldaten taugt. — Z?ros. A. Zt. in ZS.: Was ich im abgelaufenen Jahre geschaffen habe? Nur 3377 Kriegsbegeisterung — und das ist wohl mehr wert als ein Bändchen mehr auf dem Büchermärkte. — Anerkennungen für unsere Arbeit in den Bl. kamen in letzter Zeit u. a. a) aus dem Kriegspresseciuartier, b) aus dem Ministerium des Innern, c) aus Deutschland, wo unsere Notiz über Friedrich Polack (Folge 135, S. 3232) die Runde macht, d) In einem päd. Jahrbuche sind unsere Forderungen nach Bildung im nachschulpflichtigen Alter abgedruckt worden, e) Oberschulrat Tr. Prietzel in Dresden hat unsere Bl. seiner Lehrerschast empfohlen, k) Die Wiener Zeitung brachte am 9. Juli d. I. folgende Besprechung: „Blätter für den Abteilungsunlerricht." Monalschrist zur Förderung des österreichischen Schulwesens. Schriftleiter Dr. Rudolf Pcerz, Laibach.) Die bereits im 11. Jahrgang stehende gut geleitete Monalschrist ließ die 132. Folge (Dezember 1914) als zweite Kriegsnummer erscheinen, die, trefflich geleitet, auch hier ein Wort der anerkennenden Erwähnung verdient. In einer mit großer Wärme geschriebenen Zueignung wendet sich die Schriftleitung an die tapferen im Felde stehenden, zumeist aus der Landschule hervorgegangenen Helden, von denen viele zu den treuen Freunden der für sie geschaffenen Zeilschrist gehören. Für sie in erster Linie, aber auch für die anderen ist die Kriegsnummer bestimmt, für die der Schriftleitung eine große Anzahl kleinerer und größerer Originalbeiträge namhafter Schriftsteller zur Verfügung gestellt worden ist. „Kaiser Franz Joses" von Oswald Redlich eröffnet die Samnilung. Hervorgehoben seien aus der Fülle: „Ein Rückblick und ein Ausblick für unser Reich" von A. Freiherr» von Teuffenbach, k. u. k. General der Jnsanterie i. R. in Görz. „Unsere Frauen und der Krieg" von Hofrat K. F. von Kummer in Wien; eine Anzahl schöner Weihnachtsgrüße in Prosa und Poesie, ferner Beiträge aus dem Felde, ein guter Kriegskalender, ein Kriegs-brieskasten, dessen Inhalt rührende Zeugnisse des Opfermutes und des Heldenmutes enthält." — Lehrer K. Sch. in K.: Nach Ihrem Berichte hat also das Mädchen unter Ihrer Leitung Wunder des Wissens geoffenbart. Und nun mußten Sie es dem Orlspsarrer übergeben, weil Sie nicht Latein gelernt haben. Wen hält die Welt für den Gescheiteren? — Direktor Z. in W.: Bei aller Würdigung Ihrer Grui'dtendenz tun ich unter den obwaltenden Verhältnissen doch dafür, daß nichts Trennendes m der Lehrerschast bestehen soll. Im Wohltun und in der Ausrollung der Macbl fragt man nicht nach Programmen; wer was gibt und was bedeutet, muß heran I — Lehrerseminar in Memmingen (Mayer,>): Der eingesandte Jahresbericht hat mir überaus gefallen. Soweit sind wir in Ö. noch nicht, daß die Lehrerbildungsanstalten ihr Wirken durch ein Heftchen jesthielten. Und doch sollte dem ins Leben tretenden Lehrer ein Schrislchen, in dem die Anstaltsgeschichte und ein Schatz von Anregungen liegt, mitgcgeben werden. — Alke Zuschriften nach „Mies in Böhmen". Wenn die Antwort verspätet kommt, so möge man dies aus Rechnung der Zensur schreiben, die im Kriegsgebiete unbarmherzig wallet. Briefe sind offen zu verschicken I — Kleine Mitteilungen. 601.) Eine traurige Wachricht aus Hreffurt. Sie kautet:,,Keule wurde derKönigkicheAreisschulinspetitor a. D. und Schulrat Aricdrich Wolack im Alter von 8l)l/s Zahre» nach einem arbeitvollen und reichgesegneten Leven aus dieser Zeitlichkeit in die ewige Kcimat avgerusc». Treffurt, den 19. Ault 1915.“ — Mit Wolack iff ein treuer Kreund unserer „Ml." dayingegangen. Sie galten ihm als Kortsehnng seiner „Mid. Mrosamen"; darum fand er (ich wiederholt mit Aussätzen bei uns ein, darum ward uns seine ganze Ließe zuteil. Woch in seinen letzten Tagen gedachte er der „Mlältergcmeinde"; mit zitternder Sand entbot er ihr den Avschiedsgruß. — Was wir an Wolack verloren haben, was die gesamte Schulwelt mit seinem Keimgange zu beklagen hat, soll in der nächsten Kolge der Ml. dargelegt werden. Kür diesmal schwebe unser stilles Leid gen das thüringische Städtchen, in dem unser Westes, unser Liebstes in deutscher tzrde ruht. — 602.) Die Wädagogik im Aricgsjahrc. Noch vor dem Kriege waren die beiden großen Jahresübersichten der pädagogischen Literatur, der von dem Leipziger Lehrer Paul Schlager herausgegebene „Pädagogische Jahresbericht" und die von dem Kieler Seminardirektor Dr. C. Clausnitzer geleitete „Pädagogische Jahresschau" vereinigt worben und sollten im Frühjahr 1915 unter dem Titel „Pädag ogischer Jahresbericht" zum ersten Male in gemeinsamem Verlag von Friedrich Brandstetter und B. G. Teubner in Leipzig erschienen. Da sowohl der eine der beide» Herausgeber als auch eine größere Anzahl Mitarbeiter im Felde stehe» und da ferner in der Kriegszeit die Zahl der pädagogischen Neuerscheinungen stark zurückgegangen ist, wird der nächste Band erst Ostern 1916 eine Zusammenfassung der in den Jahren 1914/15 erschienenen pädagogischen Literatur bringen. — Wir dürfen wohl hoffen, daß zu dem großen Problem Krieg und Schule, zu dem der Pädagogische Jahresbericht Stellung nehmen wird, sich dann bereits das zweite gesellt hat: Frieden und Schule. 603.) Mit sollen wir effenk Nicht erst jetzt, sondern schon seit Jahren, weisen zahlreiche Ärzte und Gelehrte daraus hin, daß wir nicht richtig essen. Die Fehler, die wir machen, sind besonders: Wir essen viel zu viel und viel zu rasch. In Friedenszeiten wurden die Stimmen dieser Warner nicht gehört. Jetzt 337 8 aber, da uns die Engländer aushungern wollen, ist es notwendig, die zwei guten alten Sprüchlein zu beherzigen: 1. Gut gekaut ist halb verdaut. 2. Wer lange ißt, lebt lange. Wir sollen also langsam essen, jede Speise ordentlich kauen und einspeicheln, sogar die Getränke. Feste Speisen sollen so lange gekaut werden, bis sie keinen Geschmack mehr haben und von selbst die Mundhöhle verlassen. Welche Vorteile bietet diese Art des Essens? 1. Wir werden von viel weniger Nahrung satt. (Bei der jetzigen Art des Essens, dem Schlingen und Würgen, geht ein großer Teil der Nahrung, oft mehr als die Hälste, ungenützt wieder ab.) 2. Wir fühlen uns viel wohler und bleiben dabei gesund. 3. Die Leistungsfähigkeit nimmt nicht ab, sondern zu. 4. Die Haut, besonders des Gesichtes, wird rein, rosig und frisch. — Diese Art des Essens erfand ein Amerikaner, namens Fletcher, den Verdauungsleiden und Herzbeschwerden veranlassen, mit der früher üblichen Art des Essens zu brechen. Er aß nun kleinere Bissen als gewöhnlich, kaute diese so lange, bis sie keinen Geschmack mehr hatten und von selbst in den Schlund hinabrutschten. Für diese Mehrarbeit beim Essen wurde er in kurzer Zeit herrlich belohnt: Alle Verdaunngsbeschwerden verschwanden auf Nimmerwiederkehr, ganz mühelos auch der überflüssige Fettansatz; sein Herz wurde ebenfalls gesund, sein Körper blühend und von unglaublicher Ausdauer. Fletcher war damals schon 50 Jahre alt. Über Wunsch des „Erfinders" erprobte ein Arzt diese Art des Essens an sich und an 81 Personen mit dem gleichen Erfolge. Der Arzt wurde dabei besonders auch die Gicht vollständig los. Viele andere Ärzte setzten dann diese Versuche mit den allerbesten Erfolgen fort. Sehr gut bewährt sich das Weglassen der Zwischenmahlzeiten; meistens genügt eine Mahlzeit früh, mittags und abends. Das sollten besonders alle, die mit ihrem Magen nicht ganz in Ordnung sind, beherzigen! Für die Vielesser noch ein Verslein: Gäben wir die Hälfte dessen, Was wir, krank uns machend, essen, Jenen, die vom Hunger krank: Könnten wir und sie gesunden Und uns für die guten Stunden Gegenseitig sagen Dank! Esset besonders kein frisches Brot! Brot soll mindestens einen Tag alt sein. Der Kauf von vielem Brot durch eine Familie schädigt die anderen, ist Torheit und Sünde und wird bestraft werden. Da jede Gemeinde für sich sorgen muß, darf Brot und Mehl nicht in eine andere Gemeinde verkauft werden; jene, die das doch tun, haben eine Bestrafung zu erwarten. Kartoffeln sollen in kühlem Raume möglichst ausgebreitet liegen bleiben, damit sie nicht keimen. Kartoffelkeimc enthalten ein scharfes Gift; sie dürfen nicht mit wunden Händen ausgebrochen, auch nicht ans Vieh verfüttert werden. Verpflegsausschuß für die Gemeinde Rochlitz. 604.) Hperationskostenveiträge für Dleamte. Der Beamtenverein, der bekanntlich eine umfassende humanitäre Tätigkeit ausübt, in deren Verfolg bisher K 3,580.721 verwendet wurden, hat seinen Einrichtungen auf diesem Gebiete nunmehr einen neuen Zweig hinzugesügt. Von der Erwägung geleitet, daß die Wirtschaftslage der Beamten nicht selten durch die Notwendigkeit der Vornahme kostspieliger Operationen empfindlich in ihrem Gleichgewichte gestört wird, hat nämlich der Verwaltungsrat anläßlich seines 50jährigen Vereins-bestandes an die Generalversammlung des Jahres 1915 den Antrag gestellt, die Zinsen eines Betrages von mindestens K 200.000 alljährlich als Operationskostenbeiträge an Vereinsmitglieder zu verteilen, welcher Antrag einstimmig angenommen wurde. Die Beiträge sind für bedürftige und würdige Bewerber bestimmt, die bereits länger als drei Jahre Mitglieder des Vereines und bei ihm ebensolange versichert sind. Die Beiträge, die bis zum Höchstausmaße von K 600 gewährt werden, sind nur für solche Operationen bestimmt, die in Krankenanstalten (Sanatorien) vorgcnommen werden. Nähere Auskünfte erteilt die Zentralleitung des Ersten allgemeinen Beamtenvereines der österr.-ung. Monarchie in Wien, I, Wipplingerstraße 25. O Heimatort, du süßes Wort. 0 Heimatort, du süßes Wort, Wie übermächtig ziehst du fort! Fort aus der Fremde ödem Land Ziehst du mit linder, milder Hand Und leichtbeschwingtem Zug und Flug, Wer je nach dir Verlangen trug. Dein Hauch entzücket und beglückt Den Wandrer, der dir näher rückt Und der erst wunschlos selig ist, Wenn du ihn ganz und gar umschließt. O Heimatort, du sichrer Port, Des Friedens und des Glückes Hort, Du bist fürwahr das Paradies, Das Gott für uns erstehen ließ. Rudolf Knilling. Nr. 21. August 1915. Blätter für Prüfungskandidaten. xx. a) Für Bürgerschulen. Pädagogik. Auf dem Gebiete der Apperzeption und in der Gedächtnislehre ist in dem letzten Jahrzehnte ein völliger Umschwung eingetreten. Mit der naiven Einteilung des Gedächtnisses und dem übrigen Memorierstoffe, der in dieses Kapitel fiel, wird sich selbst der rückständigste Examinator nicht mehr beschäftigen können. Schindler behandelt beide Kapitel auf den S. 84—112 vortrefflich, so daß ich es unterlassen kann, Ergänzungen beizugeben. Wer tiefer dringen will, studiere die Werke Wundts und hinsichtlich der Gedächtnistheorien das ganz vorzügliche Buch Dr. Öffners „Das Gedächtnis“. (Verlag von Reuther und Reichard in Berlin, 5 K.) — Phantasie und Aufmerksamkeit sind in dem Buche Sch.s gleichgut behandelt. Ein tiefgeistiges Spezialwerk mit Bezug auf letzteren Stoff ist Dürrs „Die Lehre von der Aufmerksamkeit“. (Verlag Quelle und Meyer in Leipzig, 4 K.) Ich muß nicht erst betonen, daß man sich Spezialwerke nur dann anschafft, wenn man über den gewöhnlichen Prüfungsstoff hinausragen will; auch werden sie hier aufgeführt, um den beflissenen Leser, der nicht gerade zum Grünen Tische wallt, auf epochemachende neuere Schriften aufmerksam zu machen. Hiemit wäre die eigentliche Psychologie abgeschlossen; es mußte ihr ein breiter Raum gewidmet werden, weil sie für das Studium der Pädagogik grundlegend ist. Ohne sie ist ein Eindringen in das Wesen der Erziehungsprobleme völlig ausgeschlossen. Das, was gewöhnlich als Vorstufe betrieben wird, ist ja nicht wissenschaftliche Seelenlehre, sondern ein Konglomerat von Lehrsätzen ohne jedweden inneren Kern und Zusammenschluß. Will man von diesem armseligen Pädagogikstudium, das uns in den Augen jedes halbwegs einsichtsvollen Laien lächerlich macht, abkomnien, so ist vor allem ein Wandel in dem angegebenen Sinne nötig. Einige Fragen als Ferienkost für jene, die auch bereits in der Geschichte der Pädagogik wühlen, aus meinem diesjährigen Maturitätsrepertorium: 1.) Fröbel und die Arbeitsschule von heute. — 2.) Wie wird im Böhmerwalde „bodenständig“ erzogen? — 3.) Der Formalunterricht bei Aristoteles, bei Herbart und bei Ziller. — 4.) Pestalozzi als Sozialpädagog. — 5.) Unser Bilderkult und die Phantasie. — 6.) Was haben wir Ratke zu verdanken? — 7.) Wodurch wird die Entwicklung des Menschen bestimmt? — 8.) Welche Schulzeitschriften erscheinen in Österreich? — 9.) Das Spiel als „Probierstein der Seele“. — 10.) Die Induktion bei Sokrates und die bei Baco. — 11.) Diesterweg — ein Lehrerideal. — 12.) Welche Entwicklung hat die Lehrerbildung genommen? — 13.) Theorien für die Ideenassoziation. — 14.) Der psychologische und der formallogische Begriff. — 15.) Comenius als Eklektiker. — 16.) Die Analyse der Willenshandlung. — 17.) Was versteht man unter wissenschaftlicher Pädagogik? (Ihre Geschichte.) — 18.) Moderne Bildungswerte. — 19.) Was ist im § 1 des R.V.G. herbartisch, was pestalozzisch ? — 20.) Erziehung zur Pflicht.* — 21.) Idealismus und Utilitarismus in der Geschichte der Pädagogik. — 22.) Welche neuen Erziehungsziele steckt die neue Zeit? — 23.) Für welche modernen päd. Werte hat Pestalozzi den Grund gelegt? — 24.) Verlauf eines Kriegs-Elternabendes. — 25.) Die Arbeitsschule, nach der geistigen Seite hin durchgeführt.* — 26.) Der Beitrag Österreichs zur Weltpädagogik.* — 27.) Welche Erziehungsmängel hat der gegenwärtige Krieg bisnun aufgedeckt? — 28.) Welche päd. Ideen früherer Epochen sind, mit einer neuen Etikette versehen, dermalen in Umlauf? — 29.) Ausnahmszustände im Kriege. — 30.) Die Aufgaben des Lehrers im Dienste der Volkswohlfahrt. — (Die mit * versehenen Themen wurden schriftlich ausgearbeitet.) Peerz. Geschichte. In der letzten Lektion habe ich einen vernünftigen Betrieb des Geschichtsstudiums skizziert; es wird nun Sache des Prüfungskandidaten sein, in der angegebenen Art fortzuschreiten. Als Richtungslinien mögen einige Fragen mitgeteilt werden, wie ich dieselben anläßlich der letzten Reifeprüfung stellte. Entsprechend hinaufgeschraubt, können sie z. T. auch den Bürgerschul-kandidaten beschäftigen. — 1.) Vergleich des Spanischen Erbfolgekrieges mit dem jetzigen Kriege. — 2.) Welche politischen Folgen hatte der 30jähr. Krieg? Wie fühlen wir sie zum Teil noch heute? — 3.) Die Italienpolitik der deutschen Herrscher im Mittelalter. — 4.) österreichische Staatsdokumente. — 5.) Wie wurde Österreich eine Großmacht? — 6.) Die Politik der ersten Habsburger. — 7.) Hat Italien historischen Anspruch auf Tirol? — 8.) Die Geschichte Böhmens nach dem Aus- 8380 sterben der Pfemysliden. — 9.) Die Verfassungsformen in Frankreich seit dem Tode Ludwigs XVI. — 10.) Die Balkanpolitik Rußlands, von dem Sturze Napoleons angefangen bis heute. — 11.) Unsere Kriege mit Italien. — 12.) Die Entwicklung des Deutschen Reiches. — 13.) Die Entwicklung der Österr.-ung. Monarchie. — 14.) Zur Geschichte der österr. Verfassung. — 15.) Die verschiedenen Staatsformen in Europa. — 16.) Kommentierung eines vorgelegten Leitartikels aus einer Tageszeitung. Peerz. Physik. A. Kurzer Rückblick. Die „We 11 e n 1 e h r e“ beginnt zunächst mit einer Wiederholung der „schwingenden oder harmonischen Bewegung“ eines Massenpunktes (Art. 55 und 117). Indem nun der Begriff eines Mittels (Mediums) zur Fortpflanzung einer schwingenden Bewegung erläutert wird (Art. 119,1. Absatz), folgt die sehr wichtige graphische Entwicklung eines fortschreitenden transversalen Wellenzuges (Fig. 233). Man wird gut tun, die Konstruktion dieser Figur einigemale vorzunehmen; auch präge man sich die wichtigen Beziehungen zwischen Wellenlänge (Schwingungszahl), Fortpflanzungsgeschwindigkeit und Zeitdauer einer Schwingung (Formel 44 und 45) fest ein. Der Nachweis der gleichfalls sehr beachtenswerten Formel 46 kann nur mittels höherer Mathematik erbracht werden; in einem besonderen Falle bestätigen die Meldeschen Fadenversuche ihre Richtigkeit (Fig. 246). Die an und für sich schwieriger zu überblickende longitudinale Wellenbewegung wird durch die in Fig. 234 angegebene „Methode der Umklappung der Ausweichungen (Exkursionen)“ graphisch leicht verfolgt. Besonderer Aufmerksamkeit möge dabei Fig. 235 empfohlen sein; aus ihr ersieht man, daß im verdichteten Teile Schwingungs- u. Fortpflanzungsrichtung übereinstimmen, wogegen an den Verdünnungsstellen beide einander entgegengesetzt sind, was später bei der Reflexion der longitudinalen Wellen ( Art. 121) eine Tatsache von fundamentaler Wichtigkeit erklärt (vom dünneren Mittel wird eine Verdichtung als Verdünnung, vom dichteren Mittel dagegen umgeändert als Verdichtung zurückkehren). Die einfachen Fälle der Interferenz, die in den Fig. 236 u.237 dargestellt sind, werden bei Verwendung von Farbstiften zur Zeichnung der interferierenden Schwingungskurven keinerlei Schwierigkeiten bereiten; ihre Verwertung erfolgt schon bei der interessanten Interferenz des Schalles (Art. 136), ganz besonders aber später in der „physikalischen Optik“ (Art. 252 ff.), woselbst die Schwingungshypothese des Lichtes dadurch ihre entscheidendste Stütze erhält. Etwas schwieriger ist der Fall derEntstehungstehenderWellen durch Interferenz zweier einander entgegenlaufender Wellen- züge von gleicher Wellenlänge und gleicher Schwingungsrichtung (Fig. 238) zu verfolgen. Da er aber dem Lernenden unmöglich erspart bleiben kann, (bei allen musikalischen Tonerregern haben wir es ja mit solchen stehenden Wellen zu tunl), kann nur dringend empfohlen werden, die betreffende Figur mehrmals zu entwerfen. Dabei zeichne man zunächst für die betrachteten Phasenzeiten 0, T/4, 2T/4, 3T/4, T den von links nach rechts immer um eine Viertelwellenlänge vorwärtsschreitenden Wellenzug (in Fig. 238 ist er strichpunktiert gezeichnet), wobei man z. B. einen roten Farbstift verwendet. Mit einer anderen Farbe (z. B. blau) zeichnet man dann ebenso den entgegengesetzt fortschreitenden Wellenzug ein (in Fig. 238 erscheint er durch eine gestrichelte Kurve dargestellt). Jedes schwingende Teilchen hat nun beiden Wellenbewegungen Folge zu leisten; das Ergebnis wird durch eine einfache Zusammensetzung beider Bewegungen nach dem Unabhängigkeitsprinzipe der Mechanik (Art. 23 und 30) gefunden. Die so zustande kommende „Übereinanderlagerung“ (Superposition) der Wellen liefert die resultierende Lage der Punktreihe (in Fig. 238 stark und voll ausgezogen). Zur Übung wäre es sehr zu empfehlen, die Fig. 238 auch für andere Abstände der Erregungspunkte (etwa 4 oder 5 halbe Wellenlängen) zu entwerfen. Die Unterschiede zwischen fortschreitenden und stehenden Wellen (vorletzter Absatz des Art. 120) sind genau zu merken. Aufmerksames und wiederholtes Lesen verlangt auch der nachfolgende Artikel 121, dessen Schlußergebnisse für das Verständnis der musikalischen Tonerreger besonders wichtig sind. Ohne besondere Schwierigkeit werden die Art. 122 und 123 verstanden werden; Art. 124 wird besser erst später (gelegentlich des Studiums der Brechung des Lichtes) vorzunehmen sein. Das Kapitel der „Akustik“ wird von musikalisch gebildeten Lesern ziemlich mühelos zu bewältigen sein. Dagegen seien hier zu zwei etwas schwierigeren Aufgaben kurze Bemerkungen gestattet. Zu Nr. 9 wolle man bedenken, daß jeder Punkt eines Zinkenendes der Stimmgabel eine harmonische Bewegung von 0 2 cm Schwingungsweite (Abstand von der Ruhelage) macht und zu einem Hin- und Hergange V435 Sekunde Zeit braucht. Die Geschwindigkeit beim Durchgänge durch die Ruhelage wird somit (sieh Fig. 2231) ebensogroß sein wie jene eines Punktes, der einen Kreis von 0*2 cm Halbmesser in V«ss Sekunde gleichförmig s durchläuft. Nach der Formel c = -p ist somit c = 2 . 0"2 . tt : !/435 cm pro Sekunde, was rund 5 Vs m pro Sekunde (genauer 546 6 cm) ergibt. Zur Nr. 10 ist die Formel 47 anzuwenden, wobei unter Einführung der Einheiten von cm, g, Sekunde die Spannung P in Dynen erhalten wird, die sodann in kg zu verwandeln sind. Auch das Kapitel „Magnetismus“ bietet verhältnismäßig geringe Schwierigkeiten. Abgesehen von der Wiederholung der experimentellen Grundtatsachen (Lehrbuch für die Unterstufe, Art. 157 der Oberstufe) möge die im Art. 158 entwickelte genauere Definition für einen Magnetpol — als Mittelpunkt paralleler Kräfte im Sinne der Mechanik — sorgsam beachtet werden. Auf Grund des wichtigen Coulombschen Gesetzes (Art. 158) definieren wir die Einheit der Polstärke, die nunmehr als absolute Einheit (Art. 20) festgestellt erscheint. Die experimentelle Bestätigung des Coulombschen Gesetzes stößt auf Schwierigkeiten; den Gang der „Schwingungsversuche“ (die letzten drei Absätze des Art-158) sich gedächtnismäßig einzuprägen, erscheint wohl überflüssig.1 Einem recht sorgsamen Studium sei der Art. 159 „Das magnetische Feld, Feldstärke, Kraftlinien“ empfohlen. Vom elementaren Physikunterrichte her pflegt man als magnetische Kraftlinien häufig nur die dort (eigentlich vielleicht nur ais interessante Spielerei) vorgeführten „Feilspänekurven“ (Fig. 332 ff) in Erinnerung zu haben. Es ist aber von grundlegender Bedeutung, in jedem Linienelemente einer solchen Kurve die Richtung der dort wirksamen magnetischen Kraft zu erkennen. Dieser vorher zu gewinnenden Erkenntnis dienen die vorbereitenden Fig. 330 und 331 des Lehrbuches. Die letztere Figur erläutert uns den Gebrauch einer (kurzen) „Probiernadel“ zur Analyse des Kraftfeldes: Ihre Lage gibt uns das durch die betreffende Stelle verlaufende Kraftlinienelement an und die Richtung dieses Kraftlinienelementes verläuft vom Südpol der Probiernadel zum Nordpol. Wäre also die letztere als Pfeil gestaltet, wobei der Nordpol die Pfeilspitze bildet, so würde die Pfeilnadel immer in der Richtung der Kraftlinie fliegen. In demselben Bewegungssinne würde daher ein freibeweglicher nordmagnetischer Pol sich zu bewegen suchen. Den in Fig. 331 dargestellten Versuch kann man mit irgend einem geradlinigen Magnete (magnetisierte Stricknadel) und einem kleinen Taschenkompaß bequem zu Hause ausführen. Ist durch diese Überlegungen der Begriff der Kraftlinie klargestellt, so gewinnt man die Erkenntnis, wieso man durch die bekannte Methode des Bestreuens mit Eisenfeilspänen rasch ein übersichtliches und genaues Bild des gesamten Kraftlinienverlaufes in der betreffenden Schnittebene des Magnetfeldes gewinnen kann. 1 In der eben in Vorbereitung befindlichen 7. Auflage des Lehrbuches für die Oberklassen ist diese Bestätigung des Coulombschen Gesetzes durch die bequemer als Schulversuch durchführbare Methode der Polwage ersetzt. Die nun folgenden Artikel 160 und 161 werden sich mühelos bewältigen lassen. Für die Aufgaben 5, 7 bis 10 sei daran erinnert, daß für ein Pendel (als solches kann ja die schwingende Magnetnadel aufgefaßt werden) nach der Formel für die Schwingungszahl das Quadrat der Schwingungszahl (n2) proportional ist der Beschleunigung (g) somit auch der sie verursachenden Kraft (Art. 20). B. Neue Lektion. Abschnitt X: „Elektrizität“, u. zw. vorläufig bis einschließlich Art. 184. Das Studium dieses Abschnittes, dessen Inhalt ebenso fesselnd als für das Selbststudium schwierig ist, erfordert wohl besondere Sorgfalt. Auch hier möge zuerst das für die Unterstufe bestimmte Lehrbuch gründlich durchgearbeitet werden. Dadurch wird auch die Erinnerung an manchen in der Schule bereits gesehenen Versuch wieder rege werden. Die eigentlichen Schwierigkeiten beginnen wohl erst mit den Art. 166 bis 177 (einschließlich), in denen ein kurzer Einblick in die Lehre vom Potential gegeben werden soll. Diese wichtige, später vielfältigen Nutzen gewährende Hilfsvorstellung bildet auch die unumgänglich notwendige Grundlage zur Feststellung der elektrischen Maßeinheiten, deren Definitionen wohl unbedingt gedächtnismäßig bis zur vollen Sicherheit eingeprägt werden müssen. Wir würden empfehlen, beim Studium dieses Gegenstandes (Art. 166—177) recht langsam vorzugehen; stellt sich an einer Stelle Unklarheit ein, so beginne man unermüdlich wieder von vorne! Ein Mehraufwand an Geduld und Fleiß lohnt sich später reichlich. Es liegt in der Natur der Sache, daß die zahlreichen wertvollen Anwendungen, die die Elektrizität im Laufe der letzten Jahrzehnte in einem geradezu stürmischen Siegeslaufe gefunden hat, nur zum geringsten Teile in einem für Unterrichtszwecke bestimmten Lehrbuche der Physik Aufnahme finden können. Schon der Umstand, daß dasjenige, was uns heule als gewaltiger Fortschritt erscheint, schon einige Monate oder Jahre später durch noch Besseres ersetzt sein kann, läßt es zuweilen gewagt erscheinen, dem Unterrichtsstoffe, der doch nur einen völlig gesicherten Bestand umfassen soll, jedwede Neuerung sofort einzuverleiben. Auch müßte ja durch ein übermäßiges Zusammenhäufen von Einzelheiten die Gründlichkeit des Unterrichtes empfindlichen Schaden erleiden. Da nun aber anderseits gerade künftige Fachlehrer der Physik von diesen D.ngen, die ja dem gegenwärtigen Zeitalter einen ganz eigenartigen Einschlag geben, etwas mehr wissen sollen, als ein Schulbuch enthalten kann, wird es auch schon zur Vorbereitung auf eine Fachprüfung sehr 3382 ratsam sein, hier neben dem eigentlichen Lehrbuche ein umfangreicheres Hilfsbuch zur Hand zu nehmen. Gerade für das schwierige Selbststudium der Elektrizitätslehre hat uns ein hervorragender Fachmann einen erstklassigen Behelf geschenkt. Es ist dies das jüngst in 17. Auflage (77.-86. Tausend) erschienene Werk vor) Dr. L. Graetz, o.-ö. Prof. a. d. Universität in München: Die Elektrizität und ihre Anwendungen (XVI und 748 S. mit 687 Abb.; Stuttgart, Engelhorns Nachf. 1914). Auf dem modernsten Standpunkte der Wissenschaft und Technik aufgebaut, enthält es alles, was im Laufe der letzten Jahre zum dauernden Bestände der Elektrotechnik geworden ist, reicht aber auch bis zu den neuesten Erfindungen und Entdeckungen auf diesem Gebiete. Die erste Hälfte des Buches umfaßt gleichsam die rein physikalischen Grundlagen der Elektrotechnik, die zweite vermittelt uns deren technische Verwertung. Das Buch ist so elementar und verständlich geschrieben, daß es eine geradezu fesselnde Lektüre bildet. Der Preis (9 Mark in geschmackvollem Leinenbande) ist im Verhältnis zu dem Gebotenen ein sehr bescheidener zu nennen. Wir würden die Anschaffung dieses schönen Werkes, das man immer gerne wieder zur Hand nehmen wird, jedermann wärmste ns empfehlen. Übrigens hat derselbe Verfasser auch einen kleinen Leitfaden: „Kurzer Abriß de r Elektrizität“ (8. Aufl., ebendort) geschaffen, der bei einem Umfange von etwas über 200 Seiten mit über 180 Abbildungen in elegantem Leinenbande nur 3 5 Mark kostet und vielfach auch zur ersten Einführung in die Elektrizitätslehre ausreichen dürfte. — Jedenfalls kann gesagt werden, daß eine ergänzende Lektüre eines der beiden Bücher das Verständnis für den im Lehrbuche für Oberklassen naturgemäß etwas knapper gehaltenen Stoff in günstigster Weise fördern wird. Landesschulinspektor Dr. Karl Rosenberg. b) Für Volksschulen. Unterrichtssprache. 3.) Ein weiterer Rat, den ich jenen Jüngern des Lehramtes gebe, die sich der Befähigungsprüfung für Volksschulen unterziehen wollen, ist der, daß sie sich beim Studium des Lesebuches auch den Blick schärfen für den verschiedenen Stil der Lesestücke und deren besondere Eignung zu gewissen Sprachübungen und daß sie mit diesen Betrachtungen mündliche sowie schriftliche Übungen verbinden. Als Prüfer habe ich in dieser Hinsicht bei den Kandidaten nicht selten eine rührende Unbeholfenheit beobachten müssen, oft nur ein dunkles Tasten und Fahnden auch dort, wo ein geübter Blick sofort das Richtige oder doch etwas Annehmbares erschaut, ein klarer Verstand es aufgezeigt hätte. Es kann sich um die Frage handeln, ob ein Lesestück zu einer Erzählübung geeignet sei, und wenn, zu welcher Art der Wiedergabe (ob im ungefähren Umfange des Lesestückes, ob in verkürzter, in erweiterter Erzählweise) und aus welchen Gründen man sich dazu entschließe. Man kann zu beurteilen haben, ob sich ein Gedicht, eine Parabel, der oder jene Teil eines Prosastückes zum Auswendiglernen und Vortragen eignet und aus welchen Gründen die Entschließung erfolgte. Oder man hätte zu prüfen, ob aus einem Lesestücke ein für die Lehrstufc passender Aufsatz zu gewinnen sei, welcher Art dieser sein könne (ob eine Erzählung, eine Charakterzeichnung, ein Vergleich, ein Brief, ein Gedankengang), ob das Lesestück eine Anregung zu Aufsätzen enthält, indem der oder jener Umstand desselben dazu benützt werden könnte, und wie diese Aufsätze etwa zu lauten hätten. Und nicht nur der Lesestücke Sachwert (Unter- haltung, sittlicher Gehalt, Belehrung, Gemüts- und Charakterbildung) ist zu beachten, sondern auch deren Sprach wert (Eigenart des Stils, Eigenheiten des Ausdrucks, besondere Satz- und Wortformen). Man nehme weiter wahr, zu welchen sprachlichen Übungen (Wortbedeutung,Wortbildung, Biegungsformen, Wortfügungen, Rechtschreiben) das eine oder das andere Lesestück Veranlassung und Stoff bietet, ob es hiebei den Ausgangspunkt bilden oder aber als Übungsfeld gelten könne. Der Kandidat erkennt aus diesen allgemeinen Andeutungen, daß die Verwertung des Lesestückes eine reiche und zugleich mannigfaltige sein könne und er dem Lesebuch auch nach der sprachlichen Seite näher treten müsse. Am besten besorgt er diese anregende, bildende Arbeit, indem er sie von mündlichen und schriftlichen Übungen begleiten läßt. Erstere sollen zur Beherrschung des Wortes, letztere zu einem guten Stile führen und eine Sammlung verschiedener und eigenartiger Spracherscheinungen zeitigen. So hebt und vertieft der junge Lehrer seine allgemeine wie fachliche Bildung und erhöht seine Ausdrucks- und Darstellungsfähigkeit zum Segen für sich und die Schule. Zur Verdeutlichung, wie die bezeichnete Arbeit angefaßt werden könne, seien im folgenden einige Beispiele gegeben. Ein wunderbares Beispiel für ausführliche Darstellung, welche die „Lust zu fabulieren“ recht deutlich zeigt, ist der Schwank „Hans im Glück“, erzählt von den Brüdern Grimm. Hat man den Faden gefunden (Goldklumpen—Pferd—Kuh-Schwein—Gans— Wetzstein und Feldstein — nichts), so wird der schwache Erzähler diese 3383 „Wendepunkte" nützen und - wenn auch schlecht und recht — in kurzer Erzählung zu Ende kommen. Aber kurze Erzählweise ist hier der Verzicht auf allen Humor, die Würze des Schwankes. Freie Wiedergabe ist der Prüfstein, ob ich launiger Darstellung gerecht zu werden vermag. Der Erzähler muß sich mit Humor und kindlichem Sinn in das Glücksgefühl des dummen Hans hineinversetzen können; dann schlägt er auch den richtigen Ton an. Würdiger Ernst und „zusammenfassende“ Kürze bedeuteten hier die poetische Vernichtung des Schwankes. — Ein zweiter zu erwägender Fall. Mir liegt das Lesestück „Einigkeit“ von Curtman vor. Ist hier eine umständliche Erweiterung nötig? Nein; denn im ersten Teile ist der einzelne, besondere Fall deutlich genug gekennzeichnet (das ältere Kind versagt dem jüngeren Geschwister die Hilfeleistung), im zweiten ist die Parabel von den Fingern zur Behebung des Fehlers vollständig ausreichend. Gleichwohl könnte eine zu rechtfertigende Erweiterung an zwei Stellen eintreten; an welchen? Der Familienauftritt könnte umständlicher und anschaulicher geschildert werden, u. zw. in dramatischer Form (Gesprächsform), und ich versuche dies schriftlich und mündlich; dann die Parabel selbst, u. zw. dort, wo von den anderen Fingern erzählt wird, daß sie dem Zeigefinger nicht helfen wollten. Den zwei Fällen (dem Blumen-und dem Pflaumenpflücken) könnte man noch andere beifügen, indem man dabei ans Schreiben, Waschen und auch — zurückkehrend auf das Familienereignis — ans Anziehen denkt. Auch zu einer Stilfrage — wenngleich nebensächlicher Natur — gibt dieses Stück Gelegenheit. Im vorletzten Abschnitte stehen die Sätze: „Der Zeigefinger wollte eine Blume pflücken“ . . . „als er Kirschen vom Baume nehmen wollte“, . .. Warum das zweitemal „nehmen“? Man pflückt ja auch die Kirschen! Es wäre ein Mißklang (Stilfehler), im zweiten Satze das Zeitwort „pflücken" zu wiederholen. — Deutlicher liegt der Fall bei der Erzählung „Die guten Nachbarn“ von Chr. Schmid. Hier ist schon zum Zwecke der Darbietung (des Vorerzählens) eine die Anschauung fördernde Erweiterung angezeigt; denn der erste Absatz zeichnet den Schauplatz in gedrängtester Kürze. Hier ist Gelegenheit zur Übung im Ausmalen. Dorf, Bach, Brücke, die Lage der beiden Nachbarhäuser, das ist vor den innern Sinn zu stellen; selbst eine Zeichnung (ein skizzenhafter Plan) kann die Anschaulichkeit steigern. — Nach der Würdigung des Gedichtes „Die Wanderschaft“ („Das Wandern ist des Müllers Lust.. .“) von W. Müller kann die Frage aufgeworfen werden: „Ist das Gedicht auswendig zu lernen?“ Nichts leichter, als darauf die richtige Antwort zu geben: „Lieder, die gesungen werden sollen, müssen aus- wendig gelernt werden.“ Und knüpft sich die Frage nach den Hilfen beim Auswendiglernen daran, so zeigt gerade dieses Gedicht die Antwort darauf in seinem Aufbau (dem Gedankengang, der Gliederung): Einleitung: Wanderlust des Müllers. Inhalt: Er hat das Wandern gelernt vom Wasser, von den Mühlrädern, von den Mühlsteinen. Schluß: Preis des Wanderns; Abschied. — Eine minder leichte Entscheidung bezüglich des Auswendiglernens wäre zu treffen, wenn sich diese Frage auf das Gedicht „Das Schwert“ („Zur Schmiede ging ein junger Held ...“) v. L. Uhland bezöge. Was sich dort als notwendig erwies, ist hier empfehlens-, wünschenswert; denn das Gedicht ist trefflich in der Kennzeichnung, in der Zeichnung der Personen, nach dem sittlichen Kern („Der Wille macht stark“) und ist — kurz und leicht einzuprägen und prächtig vorzutragen. Auch läßt sich aus dem Gedichte sehr gut eine Erzählung für schriftliche Darstellung entwickeln oder auch eine kurze Charakterdarstellung; ja selbst ein Vergleich mit desselben Dichters Heldensage: „Siegfrieds Schwert“ (bezeichnenderweise stehen beide in Uhlands Werken hintereinander)liegt sehr nahe. Wiekönnen diese Aufsätze lauten? — Geradezu ein Lehrbeispiel volkstümlichen Stils (kindlicher Ausdrucksweise) ist das von den Brüdern Grimm erzählte Märchen „Der süße Brei“: möglichste Vermeidung der Nebensätze. Der Kandidat betrachte den Satzbau des ganzen Stückes und beurteile, wo wir nach allgemeiner Schreibart Nebensätze bildeten. Sehen wir uns das erste Satzganze an: „Es war einmal ein armes, frommes Mädchen, das lebte mit seiner Mutter allein und sie hatten nichts mehr zu essen.“ Satzverbindung; Satzbild: H, H + H. Verwandelte Form: „Es war einmal ein armes, frommes Mädchen, das mit seiner Mutter allein lebte, und sie hatten nichts mehr zu essen.“ Satzverbindung; Satzbild: H, b, + H. Im ursprünglichen Satze ist „das“ ein hinweisendes, im veränderten ein bezügliches Fürwort. Rechtfertigung der Satzzeichen! — Gülls vierzeiliges Gedichlchen „Mahnung“ weist in seinen Ankündigungssätzen (Spricht der Vater: „...!“ H! Spricht die Mutter: „ . ..I“ Hl) Bedingungssätze in der Form der Selbständigkeit auf, was sehr oft der Fall ist (Hauptsatzform mit versetzter Wortfolge). — Ich lese die Fabel: „Die Maus und der Löwe“. Da fallen mir im Endsatze plötzlich die nacheinanderstellenden Bindewörter „und als“ auf. Was? Ein beiordnendes und ein unterordnendes Bindewort so brüderlich gesellt? Ich lese den Satz noch einmal: „Es lief hinzu, zernagte die Stricke, welche seine Vordertatzen gefesselt hatten, und als diese frei waren, zerriß er das übrige Netz.“ Die Untersuchung des Satzbaues bringt mir die Erkenntnis: das „als“ 3384 leitet als unterordnendes Bindewort den Nebensatz, das „und“ als beiordnendes Bindewort das nachfolgende Satzgefüge (nicht etwa den Nebensatz) ein. Satzbild: fl,"ff, b, + (u, H). — Das Lesestück „Eile mit Weile“ von Grimm beginnt mit den Sätzen: „Einmal hatte ein Kaufmann auf dem Markte gute Geschäfte gemacht. Er hatte alle Waren verkauft und seine Geldtasche mit Gold und Silber gefüllt. Jetzt wollte er heim-reisen.“ Die ersten beiden Sätze in der Vorvergangenheit, während der dritte in der Mit Vergangenheit steht? Warum? Ist nicht dieVorvght. eine „bezügliche“ Zeitform? Ei, freilich; man braucht nur diese Sätze bezüglich ihres Zeitverhältnisses richtig aufzufassen und die ersten zwei Sätze vom dritten abhängig zu machen: „Als einmal ein Kaufmann ... gute Geschäfte gemacht und seine Geldtasche ... gefüllt hatte, wollte er heimreisen. — ln der Erzählung „Kannitverstan“, die uns die unübertreffliche Hebelsche Darstellungskunst bewundern läßt, fällt mir der Ausdruck auf: „er konnte sich nicht entbrechen, einen Vorübergehenden anzureden.“ Ich verstehe, aber das Wort „entbrechen“ ist mir in seiner Bedeutung nicht klar; deshalb greife ich nach Weigands Wörterbuch und erfahre: „sich entbrechen, mit Gen.: sich wovon mit Kraftanstrengung losmachen oder zurückhalten.“ — Die Sage (Legende ? Allegorie?): „Die Boten des Todes“ von Grimm bietet dem Kandidaten eine gute Gelegenheit, sich in den Formen der abhängigen Rede zu üben (schriftlich und mündlich); auch schöne Beispiele zur Unterscheidung zwischen Umstands- und Eigenschaftswort („Der Tod lag besiegt da und war so kraftlos...“) gibt es darin; selbst für die Aufstellung von Wortreihen (wider — wieder; Tod — tot) kann dieses Lesestück der Ausgangspunkt sein. — Ein prächtiges Übungsfeld zur Befestigung in der Groß-, beziehungsweise Kleinschreibung bietet die treffliche, hausbackene Lebensweisheit darstellende Erzählung „Das Loch im Ärmel“ von H. Zschokke: „Es blieb beim alten.“ (Warum klein? Welchen Sinn gäbe der Satz: Das Kind blieb beim Alten? „Aus euch beiden gibt’s in Ewigkeit nichts.“ (Wann wäre „Euch", wann „Nichts“ zu schreiben ?) „Dann denkt an etwas anderes.“ (Man schreibt aber: etwas Böses, viel Gutes, manch Wissenswertes) usf. Ich breche ab, obzwar ich noch vieles bringen könnte; aber ich wollte nur an regen und nicht die Arbeit für den Kandidaten machen. Nur eigene Arbeit und eigene Art macht selbständig. Hans Sommert. 3. Ausweis über die 2. Kriegskrone der „Bl.“. U. Richter, Obi, in Khaa 1. — J. Gruber, Schl!, in Stöckern 1. — F. Kolletnik, Obi. in Wind.-Feistritz 1. — Schulleitung in Senftleben 1. — E. Dittrich, Obi. in Wampersdorf 2. — F. Mohaut, Direktor in Böhm.-Leipa 5. — Schulleitung in Sandhübel I. — F. Braumüller, Lehrerin in Zwentendorf 1. — U. Minks, Obi. in Josefsthal 2. — Schulleitung in Prägarten I. — F. Repa, Obi. in Sallingstadt 2. — W. Meutzner, Schll. in Grafensulz 1. — F. Guggi, Obi. in Graz 1. — J Pietsch, L. in Johnsdorf I. — J. Santner, B. Sch. Insp. in Murau 1. — Schule in Tresdorf 2. — J. Brenner, Lehrer in Unterradiberg 1. — F. Kraft, Lehrerin in Klosterneuburg 1. — J. Knopp, Schll. in Kunzendorf 1. — Volksschule in Schrems 5. — Schulleitung in Karnabrunn 1. — A. Platzer, Lehrer in St. Margareten 1. — M. Beer, Lehrerin in Salnau 1. — M. Schweigier, Lehrerin in Ob.-Pulsgau 1. — J. Bubi, Lehrer in Schönfeld 2. — A. Wagner, Lehrerin in Wien 1. — H. Kruschandl, Obi. in Schönau I. — M. Olsacher, Lehrerin in Villach 1. — H. Jedlitschka, Lehrer in Orlau 1. — H. Zach, Lehrer in St. Margareten 1. — G. Kaul-fersch, Lehrerin in Hohenelbe 5. — U. Wiblinger, Obi. in Altwasser 2. — P. Hilber, Lehrer in Traiskirchen 1. — R. Ortner, Lehrer in Traiskirchen I. — U. Hartei, Lehrer in Traiskirchen 1. — J. Materna, Obi. in Wultendorf 1. — J. Kraul, Obi. in Luschitz I. — A. Kahler, Obi. in Herrnleis 1. — P. Juroszek, Lehrer in Istebna I. — U. Eberl, Obi. in Maria Kulm 1. — J. Kainz, Obi. in Unterpremstätten 3. — Schulleitung in Hieflau 1. — S. Rieger, Direktorin Eggenberg 1. — H. Liumer, Schll. in Allhaming I. — Schule in Gerersdorf 2. — K. Seiler, Obi. in Unter-Lanzendorf 1. — A. Eberhart, Lehrer in Stammersdorf 1. — R. Chlup, Schll. in Koritschau 1. — Th. Frühauf, Lehrer in Lauterbach 2. — F. Schinagel, Lehrer in Wien I. — J Korger, k. k. B. Sch. Insp. in Nikolsburg 1. — F. Grüner, Obi. in Albersdorf 1. — M. Kogelnigg, Obi. in Eberndoif 1. — F. Kretschmer, Obi. in Niederberrdorf 1. — P. Hofer, Lehrer in Maransen 2. — J. Sandner, Lehrer in Nebanitz 2. — A Krumböck, Obi. in St. Georgen 1. — J. Kokail, Schll. in Breitenbrunn 1. — G. Erker, Obi. in Nesseltal 1. — G. Künzel, Lehrerin in Mähr.-Schönberg 1. — F. Grotz, Lehrerin in Triebendorf 1. — A. Patscheider, Lehrer in See 2. — A. Bock, Lehrer in Flatz 1. — Knab.-Volksschule in Wien VI., Grasgasse 5 1. — P. Diridl, Schll. in Pechgraben I. (Bisheriges Ergebnis der 2. Kriegskrone 330 K.) Innigen Dank mit der Bitte um weitere Spenden! D. Sch. ö