Laibcher TaBlatt. 3fcbnction linh Expcditi on: Badnhofglifle Nr. 1b. Nr. 83. BlEESJiHi Dienstag, 13. April 1880.— Morgen: Tiburtius. 13.Jahrg. Mit bet Post: GonziSbr. fl. 12. ^ icigen big 6 gcilen 20 ft. u Znskrtioilipreise: (Sin* Aus der Budgetdebatte. Endlich ist das Schweigen auf der Minister-bank gebrochen roorben; aber es hietze den That-sachen wirklich Gewalt anthun, menu man den in der gestrigen Reichsrathssitzung gesprochenen Reden des Finanzministers itnd des Ministerprasidenten irgend eine hohere Bedentung beilegen wollte. Was znncichst die Worte Kriegsans anbelangt, welcher seinen Speech mit einer kleinmuthigen Klage iiber das ihin angethane Unrecht einleitete, so bewegt fie sich dnrchaus in Tonarten, fiir welche man nach den vorhergegangenen Erorternngen der Generaldebatte iiber die Budgetvorlage nnmiiglich tin Verstandnis haben kann. Oder ist es etwa staatsmannisch, wenn der Minister den von einem Abgeordneten gemachten Hinweis auf eine friihere, mit der gegenwarligen Haltung des Kriegsau in Widerspruch stehende Broschtire des letzteren mit der Bemerkung beantwortel, dass dieser Abgeord-nete friiher einmal Freihandler gewesen sei uni) sich erst neuerdings znm Schutzzoll bekehrt Habe? Werden dadurch die Einwendungen gegen das Budget widetlegt, dass der Finanzminister erklart, die Regiernng stimrne mit dein Budgetansschusse in dem Bestreben iiberein, das Gleichgewicht im Staatshaushalte zu erzielen? Muss es nicht viel-mehr eineit fast klaglich zu nennenden Eindruck hervorbringen, wenn Kriegsau, um nur ein en Punkt zu finden, welcher die Verfassungspartei versohnlicher stimwen tonntc, betont, dass er mit dem Abgeordneten Wolfrum insoferne auf gleichein Boden stehe, als ouch dieser die Nothwendigkeit einer Vermehrnng der Staatseinkunfte und die Unmoglichkeit weiterer Ersparungen hervorhob? Mit solchen schwachlichen Mitteh werden die ziffern-matzig vorgebrachten Anklagen gegen das Budget ebenso wenig widerlegt, wie dnrch die Betheuerung, dass dem Budget wirkliche positive Zahlen zu-grunde liegen und dass die von der Regiernng in Aussicht genominenen Steuerreformen alles zum Heile der Staatsfinanzen ordnen werden. Uebrigens fcheint auch Graf Taaffe, nach dem Gauge seiner Rede zu schlietzen, viel von dem Selbstvertrauen verloren zu haben, mit welchem er anlasslich der Adressdebatte die Verfassungspartei indirect beschuldigte, die Slavcu an die Wand drucfen zu wollen, um sich auf diefe Art als Ret« ter unt) Beschiitzer der Uitterbtiicften dem offeut-lichen Wohlwollen recommandieren zu konnen. Was er znr Entkrastung des Vorwurfes vor-brachte, dass die Regierung ihr Finauzprogramm nicht einhalte, ist aber auch nicht darnach, um dem Redner irgendwelches Vertrauen auf die Be-weiskraft seiner Rede einznflotzen. Graf Taaffe entschuldigt sich namlich damit, dass die Regie-rung nicht im vorhinein die Parteiverhaltnisfe des Haufes keunen konnte und dass sie hiedurch behindert war, Steuervorlageu einznbringen, ohne sich der Gefahr einer Zuriickweisung derselben aus-zusetzen. „Rom wurde nicht in einem Tage ge-baut" — mit dieser trivialen Phrase glaubte sich Taaffe gegen den Vorwurf der UntHatigfeit auf sinanziellern Gebiete fchiitzen zu konnen, wahrend er unmittelbar daranf dutch die Bemerkung, dass sich die Nationen Oesterreichs behufs Hebuug der Macht und des Ansehens des Reiches in keinem ihrer ungeboreuen oder historischen Rechtc bedriickt suhleu durften, ben Beifall wenigstens der Auto-nomisten zu erhalten strebte. Und sie haben auch wirklich Beifall geklatfcht, bei der eben erwahnten ©telle ebenso, wie bei der tveiteren Phrase, dass er — Graf Taaffe namlich — auch femerhin, ohne rechts oder links zu blicken, die goldene aber dornenvolle Mittelstrahe wandeln werde. Nur da haben felbst die Autonomisten kein Bravo gerufen, als ihr Gonner die Vorwiirfe wegen einer uu-ziemlichen Handhabuug der Vereins-, Press- und Wahlvorschriftea mit der Phrase absertigte, bass ja in Oesterreich genug Recurswege often stehen. Man weitz auch wirklich nicht, ob dcrartige Satze ernst zu nehmen find, otgleich es wieder fur einen Scherz doch etwas zu weit gegangtn ist, wenn Graf Taaffe behauptet, dass die Regierung alle ihre in der Thronrede angefundigten Aufgabm als gelost betrachtet. Nach solchen Aussuhrungen war es dem Abgeordneten Dr. Herbst als Generalredner der Ver-faffungspartei nicht fchwer, die butch die ministeriel-len Reden ungelost gebliebenen Widetsptiiche zwi-schen ben Wotten und den Thaten des CoalitionS-chefs neuerdings aufzudecken und sowohl die sinanzielle als auch die parteipolitische Haltung Taaffes m treffeiider Weise zu Iritisieren. Denn wer komite wohl die Zusammensetzung des neuen Abgeordneten-hanses besser voraussehen, als Graf Taaffe, wei-chem Dr. Herbst vorhalt, dass selbst fiir den Fall der Annahme aller auf die Steuerreform bezurji-cher Staatsvorlagen das Deficit doch nicht 'ht* seitigt worden ware. Nicht minder scharf firlen die Hicbe, welche Dr. Herbst gegen daS Geflunkec der Autonomisten iiber die Vortheile der Decentralisation richtete, indem er unter anderem auch den Nachweis fiihrte, dass die Autonomisten im eigenen Laude die strammsten Centralisten seieu und dassnameiitlich die Czechen nicht iibel Lust hatten, die Deutschen in Biihmen zu blotzen ©tatifteu herabzuwiirdigen. Gegeniiber den Ausfiihrungen der Verfassungs-gegner und der Minister iiber die Hilfsmittel zur Bejeitigung des Deficits erklarte Herbst, dass nur durch Schaffung guter Gesetze und die Wiederkehr des Vertrauens auf die Stabiliiat dec staatSrecht-lichen Verhalinisse eine wirtschaftliche Besserung herbeifiihren Ionite. Redner tadelt die Coalitions-politik als eine Politik fortgesetzter Zugestandnisse — denn nut dnrch letztere werde die gegenwartige Regierung iiber Wasset gehalten — unb erklari, bass bie Bevolketnng, bet immer wiedetholtcn Expetimente niiide, das Aufhoten det letzteren und Ieuisseton. Erika. Novelle von g. 6. 6 ten gel. (Forlsctzung.) Abet welches vetlcingte er nun von ihr, von der Waldblume, von dem oertrauenben Kinde, das auf ihn bauen soll gegen alle Welt; wie barf er wagen, fetches von ihr zu verlangen! — Er strich mit det Hand iiber Stitn und Augen, alr vetfuche er ben unangenehmen Gebanken wegzuwifchen; fein Blick fchweifte unfchliissig in die SBcite iiber ben nebelgtanen Gotten, als snche et hintet dem biistern Echleier nach einem sonnigen Bilde. Abet alles blieb fltau unb fatblos, umsonst suchte er die sttahlenden Augen seiner Waldblume in bet Erinnetung zu schauen, bet Blick, ben biese ihm vorhielt, war ttau» rig unb umflort. Er trat zuriick an ben Schreibtisch, Sffnete dort ein Schubfach und nahm ein Miniatutbild hetaus, MatiaS Bilb, bas sie ihm beim Abschieb gegeben hatte. Es war dem Kiinstlet gelungen, den ganzen Reiz ihrer Erscheinung so wiederzngeben, basS Eieg-bert, wenn er fich im Anschauen beS BilbeS vertiefte, den kleinsten Zug be§ Madchens wiederfanb. Lange haftete fein Blick baraus, was war es, bas ihn auch hier so fremd beriihrte; war benn auch in dem ge^ molten Auge bet stnmme Vorwurf zn lesen? Was fehlte der f(einen Waldblume? ©ehnt fie fich nach ihm, oder lasst seine eigene Schnsucht ihn das Auge bet ©etiebten trube schauen? Ja, sie verlangt nach ihm, et weih es, liest er es nicht in jebet Zeile, die sie schreibt, in jeder findet er bie Liebe, bie fein Opfet scheut, bas schwetste nicht. Ja, fie toitb fein bteiben, fein, trotz allem unb gegen alles! Abet wie ihr fchreiben, wie ihr bie Nachricht von seiner Verlobung beibringen? — Gtaf Walbheim muss es thun, er toitb gewiss Wege finden unb Mittel bazu. Nahenbe Schtitte im Vorzimmet unb bas batauf folgenbe tasche Oeffnen bet Thiit stSrte ben Gebankengang bes Prinzen, eilig legte er bas Bilb in bas Fach unb schob es zu. Dann fich umtoen-benb, erblickte er ben Fiirsten. ,Hoheit," tief et erftount, „zu so friiher Stunbe?" »Mich fflhrt Wichtiges zu bit, Siegbert," sagte bet Fiirst, fich auf ben ihm gebotenen Srsfel nie-derlassenb, „unb ich fanb es einfacher, gerade zu bit zu kommen, als ben gewohnten Weg durch alle Stufen bet Etikette zu burchlttufen, zumal ich ein ganz ungestvttes Beisammenfeiu wiinsche. Du bleibst boch jetzt alleiu?" „Ja, Hoheit," entgegnete bet Prinz, „wir find ganz ungestSrt. — llnb barf ich fragen, was mit die Gunst von Ener Hoheit verfchafft?" fuht er fort, als bet Fiirst eine Zeitlang schwieg. „Lafs biese Fotmen, Siegbert, beitt Oheim spricht mit bit, nicht bet Fiirst," erwibette bieset ungedutbig. „Wie ist es mit bent Entwuts beine# Antwortschreibens nach O . . ." Det Courier ist jebe Stunbe bcreit abznteisen. je ehet besto defier. Zeige mit bus Blatt; boch wie," fuht er fort mit einem Blick auf ben Schreibtisch. „noch nicht zu Ende? WaS hat bies zu bebeuten? Ich hoffe nicht, bass bit noch in bet letzten Stunbe Schwierigkeiten erheben toirft. Det Contract ist mehr als gflnftifl fiir uns, unb man bewies fich fo sehr entgegenkom-menb, bass wit, ohne einen hbchst ptinlichen Conflict hetbeiztifuhren, ben ich um jeben PteiS ver-rneiben mufs, was bit fo gut weiht, wie ich selbst, nicht (Snger zdgetn obet markten biirfen. DaS Schteiben mufs heute noch in mein Cabinet z»uc Ausfertigung kommen unb wo mSglich nvch obgchen; was hast du iibtigens fttt JBebenlen?" eine friedliche Entwicklung der wirtschaftlichen Jn-teressen wunsche. Nachdem noch Czartoryski als Generalredner der Autonomisten eigentlich nut die Grunde entwickelt, warum die gegen ein Alifgehen Galiziens im Reiche protestierenden Polen sich den Parteien der Rechten anschliehen, endigte der denkwiirdige Tag der Budgetdebatte, an welchem die Vertreter des Coalitionssystems durch ihre Kraft- und Muthlosigkeit bei Vertheidigung der eigenen Stellung den klarsten Beweis geliefevt, dasS eS nur eines einzigen unvorhergeschenen Zwi-schenfalles bedarf, um item Ministerium Taaffe das Stitckchen Soden, den es derzeit noch sein eigen nennt, vollends unter den Fiitzen wegzn-ziehen. Oesterreich-Angarn. Der Dispositionsfond, gegen dessen Bewilligung bekanntlich alle Frac-tivnen der Verfassungspartei stimmen roerden, steht ouch der Partei deS Grafen Hohenwart nicht recht zu Gesicht. Wir schliehen das aus einer Mit-theilung deS „Vaterland", noch welcher sich die Rechtspartei entschlossen hat, fur die Dotierung des Reptilienfondes nur mit der Clause! zu stiin-men, dass diese Bewilligung nicht etwa als ein Vertrauensvotum fiir die Regierung angesehen werden durfe. Motiviert wird dieser Beschluss damit, „dass man der Regierung so lange kein unbedingtes Vertrauen entgegenbringen fonne, als Streniayr ein Mitglied derselben sei." Dcsgleichen wurde, dem genannten Blatte zufolge, dem Wunsche Ausdiuck gegeben, „dass die Regierung eine griind-liche Reorganisation des officiellen Pressbureaus in Angriff nehmen solle, da sonst aus dem Dis-positionsfonde Leute honoriert roerden, toelche die erbittertften Gegner der jetzigen Majoritat des Reichsrathes find." Letztere Behauptung ist ge-radezu lacherlich. Denn roie kann man denn itbcrhaupt bei einem Soldschreiber des Dispo-sitionsfonds von einer politischen Ueberzeugung oder einer principiellen Gegnerschaft sprechen! Der »Pester Lloyd" bespricht den Wechsel im ReichSfinanzministerium, wobei eben nur wie-der der Gedanke zum Ausdruck kommt, dass Herr v. Szlavy zunachst berufen sein wird, ben unga-rischen Einfluss in der geineinsamen Regierung iiberhaupt, nicht bloh in feinem Ressort zur Gel-tung zu bringen. Der »Pester Lloyd" schreibt namlich: „DaS Bediirfnis lediglich, den Freiherrn v. Hofmann abznlosen, komite auf Herm v. Szlavy leinestoegS bestimmend wirken. Unb roenn er gleichroohl bem Rufe Gehor gab, so muss er sich wohl mit ber Consequenz abgefunben haben, bass „Keines, Hoheit, gegen ben Jnhalt des Con-trcicteS, nur —" »Welche sonst?" unterbrach ihn der Fiirst. »AH so! immer noch die Affaire mit der fteinen Waldheim," und dabei zog cine diiftere Wolke iiber das Gesicht des Fiirsten. „Ein unglitckseliger Stern brachte die Familie toieder in unsere Nahe! — Siegbert," fuhr er mit tiefem Ernste nach einer Pause fort, in einem Tone, dessen Trailer dem Prinzen zu Herzen gicng, „ich spreche zu dir a!s dein Oheirn, als dein Voter, roie ich zu meineni Sohne sprechen wurde, roenn er an deiner ©telle ware; ich weih, dass du die Verbindnng mit bet Waldheim immer noch unterhattft; lass dich war-nen, fie find keine gewvhnlichen Frauen, die Frauen dieses Geschlechtes, man spielt nicht mit ihnen, und die jiingste Tochler hat etwos," dabei wurde seine Stimme leise, fast flusternd, „von der armen Elsa. — Ich, unsere Familie, that Unrecht an den Waldheim, und wenn fie auch die Ungnade durch anderes verdient hatten, so mitbert dies unsere Schuld nicht. Aber, Siegbert, an dieser einen Schuld tragen wit fchwet geimg, lade keine zweite auf uns. Deine Wermahlung muss das Verhaltnis lSsen, fiir immer lSsen, ich, dein Oheini, fcitte dich datum, zwinge den Fiirsten nicht, zu befehlen," fiigte er bei, das un-willige Aufflammen in den Blicken des Prinzen er in den Rath der Krone tritt zroar in ber Eigen* fchaft eines gemeinfamen Ministers, ber ttt bet Sphare seines Amtes toebet ein fpecififch unga= tisches noch ein fpecififch osterreichisches, fonbern bas gemeinfatne Jnteresse ber Monarchic zu wah-ren hat, ber sich aber nicht zum Stillschweigen verurtheilen muss, wenn es gilt, ein flares unb wahtes Urtheil iiber Fragen von allgemeiner Be-beutung obet iiber ungarische Angelegenheiten be-sonbers abzngeben. Deutschland. Die Kanzlerkrisis ist beendigt, unb wenn auch Fiirst Bismarck berzeit noch feine Reform ber Vetfassung burchsetzie, so hat er boch erzielt, bass in Zukunft im Bunbesrathe voin bis-her geiibten System ber Stellvertretmigen Um-gaug genommen wirb, durch welches insbesonbere bie Stimmen ber fteinen Staaten auf einige we-nige Beisitzet tiereinigt wurben, welche bann im-ftanbe roaren, butch iht Votum einen weit gro-heteu Einfluss auf bie Entfcheidungen des Bun-desrathes zu iibett, als ihnen naturgemah mit Riicfficht auf die von ihnen tiertretene Bevvl-kerungsziffer znkommen fofite. Die „Post" veroffentlicht das Schreiben, wo-mit ber Reichsrathsabgeorbnete Biihlet unterm 29.|gebruar 1880 den vom Reichstage abgelehn-ten Antrag auf Herbeifiihrung eines ©tauten-congresses behufs Abtiistung dem Reichskanzlet iiberreichte, unb bie Antwort des Fiirsten Bismarck vom 2. Marz. In ber letzteren heiht es: „Jch bin leiber durch bie praktischeu uub dring-iichen ©efchafte der Gegenwart so in Ansprucb genommen, dass ich ntich mit der Moglichkeit der Zukunft nicht befaffen kann, die, roie ich fiirchte, roir beibe nicht erlebett roerden. Erst roenn es Ihnen gelungeit sein wird, unfete Nachbatn fiir Ihre Plane zu geroinnen, konnte ich oder eitt an-deter beutfcher Kanzler fiir unset stets defensives Vateiland die Verantroortlichkeit fiir analoge An-regutig ubernehmen. Abet auch dann fiirchte ich, dass die gegenfeitige Controle ber Volker iiber den Riistungszustand ber Nachbarn fchroierig und unficher bleiben unb bas Forum, roelches fie roirk-fam haitdhaben konnte, fchwet zu beschaffen sein wird. Ueber die Friedensuiiterhandlungen zwischen Deutschland unb dem Vatican bringt das Berliner „Tagblatt" eine Privatdepesche, nach welcher ber papstliche Nobelgardist Mellara von Ron, ab-gereiSt ware, um den papstlichen Nuntius in Wien, Msgr. Jacobini, eine Art Ultimatum fiir bie beutfche Regierung zu iiberbringen. Von ben abgesetzten Kitchenfutsten will sich nur ber Etzbischof Mel- sehend; „gib mit dcin Wort als Mann, dass du den Vetkchr abbrichst, heute noch." „Hoheit! ich kann es nicht, es bricht Marias Herz." „Siegbert," entgegnete ber Fiirst ftreng, „ich weih nicht, welche Vetsptechungen du ber Grafin gemacht, noch roie weit du gegangen, ich sage nut Eines: Deine Verlobnng lSst jedc berartige Vcr-bindnng, muss fie Ibsen, tint deiner fiinftigen Gc-mahlin, um deiner sellist, ja auch um ber Gcafin willen. Wolltest du diese so erniedrigen, nachdem dn sic zu deiner ©attin zu macheit gesonnen roarft ? Dazu ist fie zu gut! Ich stelle mich dir in den Weg, ich will keine zweite Elsa erleben! Det Neffe soll nicht ettSihen, roie eiiift ber Dheim. Gebe Maria auf! Ich flehe fiir fie, — lass mich nicht umsonst bitten!" Det Ptinz blieb ftumm, die widetstrebendsten Gesiihle bewegten ihn, die Worte des Fiirsten weck-ten a lies, was in ihni groh und edel war und tie-fen einen Kainpf hertiot zwischen ber Leidenschast und seinem bessern Ich. — Die Blicke beS Oheiins hiengen gespannt an ben Ziigen bes Neffen, ben wechselnben Ausbrnck dort tietfolgenb unb nach ber Antwort bangenb. Als Siegbert schwieg, fuhr er mit fast bebenber Stimme fort: „Mein Sohn, gtaube mir, bet fchtocre Kampf chers von Koln zur Erreichung eines Gnabengesuches bequemen, roahrend die anbertt einen folchen Schritt als „Eingeftanbnis bes Unrechts" zuruckweisen. Im Rathe des Papstes foll zwischen Cardinal Hohenlohe, der fiir Verfohnlichkeit stimmt, unb Ledochorofki, welcher „Aushatren" empsiehlt, ein heftiger Conflict zum Ausbtuch gelangt sein. Lrankreich. Die Proteste, welche die Bi-fchofe gegen die Jesuitendecrete tieranftalten, haben ber Regierung ben ©ebanken nahe getegt, biefen Urntrieben dutch ein Verbot weiterer Kundgebun-gen zugunsten bet ©ongregationen zu begegnen. Es fcheint jeboch nicht, als ob sich bie Bischbfe dutch die Aussicht auf Entfeffetung eines Cultur-kampfes uoitt Widerftande zutllckschtecken laffen roollen. Was bie Jesuiten anbelangt, so wollen es biese offenbar auf bie Gewalt ankoinmen laffen. So nehmen fie trotz bes Aufhebungsbecretes in ihren Schulen fiir bas Winterfemefter tteue Zog-tinge auf, unb follen bereits alle Plcitze in ihren Gymuasien befetzt sein. Anbererseits vetnimmt man, bass ber Rector bes Jesuiten-College in Lille, L. Pillon, letzter Tage sich in einer Anfpvache, bie er an bie Zoglinge ber Anstalt hielt, fotgen* dermahen auherte: „Niemals roerden wit biefe Schulen, biefe Kitchen, diese geroeihten Hauser vetlassen, die auf Gtund gesctzlichet Bestimmun-gett erroorben ober gebaut roorben find. Unfer Geroiffen, unsere Ehte, bie Majestat bes GesetzeS uerbieten es uns. Wenn roir uns zu Zugestand-niffen bewegen liehen, so wiirben wir baburch zugleich Gott, bie Kirche, Eute Familien und Frankreich oerrathen. So benken roir alle, so benkt auch ber Carbinal-Erzbischof von Cambrai, welcher nach Empfang ber Decrete vom 29. Marz an uns folgeitbe fchlichte Worte richtete, die meht fagen als lange Reden: „Selig find, die um bet Gerechtigkeit roillen berfolgt roerden. Ernpfanget meine Gliickwunsche u. s. ro." — Derartige Reden klingen gewiss wenig nachgiebig, unb ist die Re-gierutig demnach im volleu Rechte, roenn fie den schroarzen .Hochtievrathern gegenuber die voile Strenge des Gesetzes anroendet. Dem Prinzen Napoleon hat sein Brief iiber die Marzdecrete nicht geniigt. Wohl abet hat n zur Auflofung ber bonapartiftifchen Partei beige-tragen, beren clericale Elemente sich infolge ber gegen bie Jesuiten gerichteteit Erklcirung bes Ober-hauptes det Napoleoniden von letzterem selbst sich lossagen. Eine bonapartiftifche Partei ohne bona* partiftifches Dberhaupt ist aber fchlechterbings un* inoglich unb erklaren sich auch daraus die Bemii-hungen det Segitimiften, die ctericalen Mitgliebec mit deinem Herzen, mit ber Leidenschast ist uichtS gegen ein ganzcs Leben ber Rene. In Etfiillnng bet Pflichten, welche du iibernimmst, wirst du die alte Zeit leichter verschmetzen letnen, als du denkst — aber weder Pftichterfiillung noch SSergniigungs-taumel tiermag die Reue zu betauben." „Hatte ich boch nie die Einwilligung zu biefen Verhandlnngen gegeben," fagte Siegbert brnnpf, „lafst mich zuriicktteten.mein Oheim, noch ist es Zeit I" „Nein, es ist zu spat," entgegnete ber Furst ftreng. „Uebtigens, Siegbert," fuhr er mitber fort, „trage, was nicht zu anbern ist, bit weitzt, dass diese Allianz geschlossen roerden muss, und jede Herzensneignng muss vor ben Jntcreffen bes Staa-tcs roeichen — das ist Furstenlos, rootle es nicht beffer haben als roir anbern, wit stehen nicht unison st auf ber HSHe." Siegbert schwieg: er kannte bie Gtiinbe, bie zut Verschwogerung mit bem Nachbarstaate zwangen, und fiihlte beren Stichhaltigkeit; kein Riickzug war meht mbgtich. Det Fiirst stand aus und trat zu dem Prinzen: »Siegbert, fei ein Mann unb benke an Man* nesehre, — teich mit bie Hand und vetsprich, waS ich verlangen muss." „Ja, mein Oheim," fagte det Ptinz endlich, „ich verspreche es Ihnen. ES muss sein." der imperialistischen Partei an ihre Fahnen zu frsseln. So bringt ein ultramontaneS Blatt, die »Civilisation", die Mittheilung, dass Graf Cham-bord alle Bonapartisten, welche sich infolge bež Briefes des Prinzen Napoleon dem KSnigthum anschlietzen wollen, aufnehmen werde, und ver-sichert, die nationals Monarchic achte alle Ruhmes-zeichen der Vergangenheit, sie werde allen Mannern von gutem Willen geoffnet werden und sei alien Verdiensten gewogen; die Monarchic werde weder Groll noch Verdacht kennen; urn in dieselbe einzutre-ten, branchc man nicht den Kopf zu beugen. Die Orleans beobachten inzwifchen ihre gewohnte Reserve, und sie hoffen eines Tages als der lachende Dritte auf dem Kampfplatz zu erscheinen. England. Der in seiner jetzigen Ausdeh-nung gar nicht fur moglich gehaltene, geschweige denn befurchtete oder erroartete Sieg der Whigs Lei den Parlamentswahlen hat in den leitenden Kreisen eine umso grohere Ueberraschung hervor. gerufeit, als selbst den sonst auherst feinfiihligeii „Times" von der Nahe eines derartigen Um« schwunges gar trine Ahnnng hatten. Es scheint aber auch, dass das alte England, von dem Ma-canlay behanptet, dass es weder der Partei der Whigs noch der Partei der Tories angehore, sondern sich eben nur dann fiir eine Regierungs-anderung entscheide, roetm es der frLher herrschen-den Partei uberdrnssig geworden set, an dem Er* gebnis der letzten Wahlen nur mehr einen ge-ringen Antheil hatte. Schon eine kurze Revue fiber die jungsten Wahlreden lasst crkennen, dass jene Elemente, welche sich gegen das System Beaconsfield aussprachen, nicht mehr unter den Begriff der traditionellen Tories unterznbringen find, welche man nur auf gewissc Analogien hin als Liberale bezeichnen konnte. Das, was man auf dem Continente conservativ und liberal, reac-tionar und radical nennt, war der englischen Par-teipolitik bisher sremd geblieben. Erst jetzt, erst bei den letzten Wahlen scheinen gewisse continental« Anschauungen auch in die Parteipolitik des englischen Jnselstaates eingeschmuggelt worden zu sein, so wie denn aitch wirklich so manche von Seite der Whigs gesallene Aentzerung auch recht gut in ben Mimb eines radicalen Candidaten nach contincn- Er nahm die dargebotene Hand, und einem unwillklirlichen Impulse folgend, fuhrte er sie an seine Lippen: nicht der Furst hatte ihn besiegt, wohl aber der alte Oheim, der, den Nefscn vor Unheil zu behuten, nicht davor zuriickschreckte, seinen eigenen Fehltritt zur Warnung aufzudecken. Schweigend standen sie einen Angenblick Hand in Hand, der Furst brach zuerst die ©title, indent er frogte: „Wann kann ich den Entwnrs erwarten?" »Noch in dieser Stnnde," war die Antwort. „Jch danke dir, Siegbert," sagte der Furst, „du machst mich heute glucklich und nimmst eine schwere Gorge von inir, ich hatte nie ertragen kbit-nen, die Prinzessin an die Seite eines Treulosen gefesselt zn sehen." Eines Treulosen! Diese Worte tonten noch lange in Siegbert nach. — Unt einer Fremden treu ju werden, bricht er der Geliebten die Treue! Treulos ist er immer, er mag handeln, wie er will! — aber wenigstens soll er nicht ehrlos werden! Noch am selben Tage gieng das Schreiben ab, in welchem Prinz Siegbert nnt die Hand der Prinzessin von O. warb, und nach wenigen Tagen schon verknndete Kanonendonner und Flaggenschmnck die Verlobung bent hocherfrenten Sande. Auch noch ein zweiter Brief gieng in diesen Tagen in die Ferne, ein Schreiben, das mit Worten der Liebe Abschied von der Geliebten nahm, mit bittettden, flehenden Worten, bie bent Treubruch ben Stachel nehmen und einen Tropsen Balsam in die Wnnbe traufeln sollten, welche eben biese Worte unbarmherzig schlugen. (Fortsetznng solgt.) taler Auffassung passen wurde. Die Erweiterung des Stimmrcchts hat eben auch auf den Geist der englischen Wahlagitation verandernd cingewirkt und den alten Einfluss der Aristokrati? gcbrochcn, fur welche der Parteistandpunkt im Lager der Whigs und Tories doch nur ein auheres Kcnn-zcichen im Kampfc um die Politischc Macht und nur auherst sclteit eine Ueberzsugungssachs, oder, wie wir wohl auch sagen wnrden, eine Prin-cipienfrage war. Das ist nun andcrs geworden. Die grotze Masse der Bevolkerung hat durch die Erweiterung der Wahlen mehr Rechte erlangt und sucht nun auch jene Grnndsatzc zur Geltung zu bringcn, welche auf dem Continente die Scheidung der Parteien bewirken. Eine Zeitlang wird zwar die heute fiegreiche Partei noch die alten Farben der Whigs tragett. Denn der eng-lische Bolkscharakter in seiner streng conservativen Anlage bcfrcundet sich nur schwer mit tteuen Theorien. Aber er wirb sich boch noch aus seinen Trabitionen herausarbeiten unb bantt, wenn bie heutige Partei Glabstones uub Granvilles sich ganz und offen als radicals Partei bekennt, dann ist auch fur England, dieses Land der socialen Gegensatze, der Zeitpunkt zur Aufnahme fetter Katnpfe gekommen, die zwar auf focialem Boden wurzelnd doch hentzntage das energischeste Motiv des gesammten politischen Lebens der Gegenwart abgeben. Nussland. Gortschakoff scheint den Zusam-mcnbruch seiner politischen Plane nicht uberlebcn zu sollen. Bereits seit langerer Zeit etwas un-passlich ist nun Gortschakoff von einer ernstlichen Krankheit heimgesucht worden, welcher nach den letzten Berichten die Lebenskrast des Greises nicht Trotz zu bieten vermag. vermischtes. — Erzherzoge in Lebensgefahr. Aus Bozen wird geschrieben: Als am Dienstag nach-mittags bie Erzherzoge Heinrich unb Ernst in der Psarrgasse bie Equipage bestiegen, um auf bie erz-herzoglichen Guter zu sahren, zeigte sich bas Pferd, ein vierjahriger Braun, auherst sttitzig. PIStzlich machte es einen Seitensprung, bie Rader geriethen in bie Ritsche unb die Kntsche war nahe daratt, untzuschlageii. In diesern kritischen Augenblicke ge-lattg es ben Erzherzogen, glucklich a us dem Wagen zu springen, und auch der Kntscher war von seinem Bocke mit einem Sprunge auf die Strahe gelangt. An den Wagen der Erzherzoge wurbe fofort ein anderes Pferd gespannt. — Eine Sp arka sse beraubt. Ans Szerencs, 9. d. M, wird geschrieben: Heute nachts wnrden die Socalitaten der hiesigcn ©parkasse er-brochen. Die Thater suhrten die Wertheimkafse, die 2800 ft. an Barem enthielt, mit sich fort. — Attentat auf einen Eisenbahn-P 0 rtier. Auf ben Portier der AlsSldbahn in Szegedin, Jakob Herzfeld, tmirben am 9. b. von dem Conducteur Adam Abraham meuchlings brci Revolverschtisse abgeseuert, von welchen zwei in den Rncken des Portiers drangen, denselben aber gliick-licherweise nicht lebensgesahrlich verletzten. Die That soll von Abraham aus Brotneib verubt warden sein, da er frtther bie Porticrstelle bekleibete, bieselbe aber vor einiger Zeit bem ans Amerika zuruckgekehrten Herzselb ubergeben mufste. Der Thater wnrde sestgenommen. — Naubmorb. Ans Gttrahumora wirb geschrieben: In Baltinossa (Bukowina) wnrde am 6. b. ber Miihlenbesitzer Johann Heihler sammt seinem Weibe nachts von acht vermnmmten, im Ge-fichte geschwcirzten Rciubern ubersallen, um 600 fl. beraubt unb mit Hackenhieben bcrart jugerichtct, bass ber Mtiller im Cause bes hcutigen Tages bereits gestorben unb bas Ablebett seines Weibes sttinblich erwartet wirb. Der kleine Sohn bes Mullers wurbe bloh von ben Raubern geknebelt unb lam mit bem Schrecken bavon. Die Thater ftnb bis nun unbtlannt. — Mafsenvrrgiftung in St. Denis. Die ©tabt St. Denis ist, wie bereits telegraphisch gemeldet wurbe, in groher Aufregung wrgett der Sergiftung von naheju 150 Personen, die seit Dienstag conftatiert wurbe. Da alle Er» krankten Knnben des Backers Duboc stub unb sich infolge bes Genusses bes Brotes, bas er ihnen Dienstag frith brachte, unpasslich ftthlten; da Duboc selbst, seine Frau, seine Nichte unb seine Magd die Symptome einer Vergistung spurten, die nie-ntand sich zu erklaren vermochte, so begab der Backer sich im Saufe des Tages selbst zum Polizei-commissar, unt ihn aufjufordern, das in seinem Haufe beftndliche Brot, Salz, Waffer und Mehl mit Beschlag zu belegen. Ueber die Ergebniffe bet Unterfuchung ist noch nichts Genaiies befamtt. Man schrieb bie Ver« giftung, vielleicht in Erinnerung eines ahnlichen Falles, ber sich vor einigen Jahren hier ereignet hatte, bem Gebronch von Holz zu, das vom Abbruch alter Gebaude herruhrt unb mit fchadlichett Farben be-malt ist, welche bei ber Verbrennuitg einen giftigen Niederschlag erzeugeu. Dagegen lasst aber der Backer Duboc Einsprache erheben, ittdem er den Unsall, der ihn in seinem Gewerbe berintrachtigt, der Rachsncht eines Tagliihners znschreibt. Dieser, Jules Baude, der jetzt verhaftet ist, ware von Frau Duboc auf Unterschleisen ertappt unb mit bem Ver-lust seines Platzes bebroht worben, was ihn be* wogen haben soll, einem ber Sacke Mehl eine gif* tige Snbstanz beijumifchen. Von ben 150 Personen, welche burch bas Brot tiergistet wurben, finb bie meiften schon auher ©efaht unb nur zehn liegett ttoch schwer frank baniebcr; wahrcnb nach ben einen bis jetzt noch tein Tobesfcill zu verzeichnen wSre, hatten zwei Solbaten ber Garnison, ber „8anterne" znsolge, unter grasslichen Schmerzen ben Geist auf* gegeben. Unter ben besonbers schwer Betroffenen nennt man ein ganzes Madchenpensionat, von wo der Schrecken zuerst fiber die ©tabt ausgieng. Local- und Provinzial-Angelegenhetten. — (Anerkennungsabreffe)- Der Ausschttss bes constitutionellen Bereines in Laibach hat an ben Neichsrathsabgeorbneten Ptener eine Znschrist gerichtet, in welcher er bent [etztern zu seiner gebiegencn staatsmannischen Rebe in ber Bub* getdebatte, in welcher er unter anberm auch ber stets staatstreuen unb patriotischen Haltnng der fttiheren verfaffungstreuen krainischen ReichsrathS* abgeorbneten anetkenncnb gebochte, — beglutfroiinfcht. — (Unferen nationalenAbgeorb* neten) scheint bie fiuft im Abgeorbnetenhaufe ziernlich schwtil vorzukommen. Obgleich man benken sollte, bass bie Budgetdebatte fiir jeden Volksver* treter genug bes Wichtigen unb Interesanten bieten werbe, haben boch mehrere bieser Herren ihre Oster-serirn bis auf bie letzten Tage ausgebehnt unb mussten erst auf telegraphifchem Wege zur heute stattsindenben Abstimmung einberufen werben. — (Was bie Nationalen untec tt0b* jectivitat" ve r st e hen.) Nachgerade wird eS klar, warum bie Nationalen fiber bie vom Statt-haltet Ritter v. Kallina dem Biirgermeister Laschan gegenuber gemachte wohlwollende Aeuhetung so fchc aus bem Hauschen geriethen. Sie hatten bie ©ache gut angelegt, inbent sie in ber Absicht, auf bit Be* arntenwahler einzuwirken, allenthalben die Kunde verbreiteten, bass bie Regiermtg bie Wahl natio* naler Gemeittderathscandidaten wiinfche. Wie tin-attgenehm wurden sie nun in bieser Agitationsarbeit burch die Worte Kallinas gestSrt, da fie unter „0bjectivitat" das ©tillschweigen ber Regiernng zu allen ihren Wahlogitationsmitteln verstehen zu Our* sen vermeinten. In besonbers zudringlicher Weise wnrden auch die Wahlberechtigten bes Lehrerstanbes beeinflnsst. Als es mit bem von ben Nationalen allenthalben verbreiteten Geruchte ber Pensionierung des Lanbesschulinspectors Pirker nicht gieng, ittdem sich basselbe alsbalb als lugenhast herauSstellte, wurbe bie Mare verbreitet, Herr Pirker Habe be* Lehrern die Wahl national« Candidaten empfshlen, eine freche Luge, wie solche nut Don eincr so er-barmlichen Agitatoreuclique verbreitet werden konnte. Schon frLher wurde das Gerrtcht der Landtags-auflbfung unb ein falscher Bericht iiber Vorgange im Landesschnlrathe anlasslich der Begutachtnng des Berichtes der Direction der k. f. Lehrer-Mldungs-anftalt wegen der Pflege der slovenischen Sprache verbreitet. Es war wohl eines dcr erfolglosesten Agitationsmittel der Lehrerschaft gegenuber, den k. k. Landesschulrath als Patron des Vosnjak'schen Schulenslovenisiernngsgesuchs hinznstellen. welcher Bersuch durch die dem „Narod" knapp vor den Wahlen, also sehr ungelegen zngekommene amtliche Berichtigung rechtzeitig vereitelt wurde. Hierin mvgen die Nationalen ebenfallS einen Beweis er-blickt haben, dass R. v. Kallina, welcher als Vor-sitzender des k. k. Landesschnlrathes der fraglichen Berichtigung zustimmte, einer Anslegung des von ihin aufgestellten Gruudsatzes der „Objectivitat" in dem Sinne, als ob darunter das Geschehenlassen jedweder nationalen Umtriebe zu verstehen sei, nicht zulasse. So war deun auch die Beeinflussung der WSHler des Lehrerstandes missglitckt — unb datum nun das Wuthgeschtei deS nationalen Ptessbengels, welches jedem Regietungschef des Landes ein Fin-gerzeig sein soll, dass im Verkehte mit den Fuh-tctn ver nationalen Partei die griihte Vorsicht ge-boten sei. — (L aibacher Liebertafel.) Das Samstag uitter Mitwirkung ber Theaterkapelle ab= gehaltene Concert ber Laibachet Liebertafel gab sowohl waS bie Auffuhrung ber einzelnen Pieteti als auch was bie Theilnahme eines bistingiuerteu Publicums an belangt, Zenguis bafiir, bass ber jnnge Verein seine Aufgabe mit Ernst unb mit Erfolg anffasst. Die CHLre waren sorgsciltig stubiert unb fanben ebeuso wie „Die Weinprobe", welche gut gesungen unb gut ge-spielt wurde, die allseitige Aaerkemuing. Auch die Theaterkapelle war recht brav, unb es steht nur zu wllnschen, bass biesclbe im Laibachet Publicum, das ja ohnehin immer ben Mangel einer stanbigen Musikkapelle beklagt, auch bie zu ihrem fernetcn Be-stanbe nSthige Unterstutznng findet. — ( Cultutb ilb v o in Lanbe). Die letzte Nummer ber „Marburger Zeituug" bringt sol-genbe Berichte: „1.) In Negau, Gerichtsbezirk Lut-tenberg, hat ber Grundbesitzer Johann Kautschitsch ben Bauernsohn Jakob Kautschitsch im ©treite „wcgen eines Weibsbilbes" mit einem Holzpsahl erschlagen. 2.) Der Bauernsohn I. Koschnch in Bresnitzen, Gerichtsbezirk Winbisch Feisttiz, wollte am letzten Sonn-tag abenbs seine Geliebte in Kreuzberg besuchen. Bor bent Hause berselben angetomnien, rourbe Ko-schuch von tnchreren Burschen tibctfallen unb mit Knutteln derart gefchlagat, dass er insolge ber Ver-letzungen starb. 3.) Mathias Kantenschek, Sohn eines Jnwohners in Stoperzen bei Maria-Neustist, wurde zut Nachtzeit aus bem Heimwege von brei Banern-sbhnen — ohne die geringste Veranlassung — iiber« fallen unb etschlagen. Die Thaler befinden sich be-reits in gerichtticher Haft." — Gewiss ist es bloh ein Zufall, dass brei so bmtale Gewaltacte in so lurzem Zwischenraume sich ereigneten. Abet bei bem Umftanbe, alS bcrtei Vorkommnisse auch bei uns zu Lanbe butchatts nicht felten stub, ist wohl bie Frage berechtigt, ob es nicht ein gtbheres Vetbienst ware, Wenn bie Geistlichkeit ber innerbfterreichischeu Alpen-lcinder ihren Einfluss lieber auf bie sittliche Hebnng ihrer Kirchkinbet als zu politischen Agitationen ausubte. * * * Bischoflack, 12. April. Sonntag, bett 11. b. M, fanb die britte ordentliche Generalversamnilnitg un-seres freiwilligen Feuerwehrvereines ftatt. Den Bvrsitz fuhrte geuermehrhauptmann - Stellvertreter Hetr Lorenz Sadat. Der Feuerwehrabjutant Herr Raimund Katlinger brachte ben Bericht iiber bie Wirksamkeit des Vereines in ber zweiten zweijahri- gen Periode bes Bestanbes, b. i. seit 11. Matz 1878 bis 31. Marz 1880, zum Vortrag, welchem wit solgende Details entnehmen: Mit Schlnss ber zweiten zweijahrigen Periode zahlte der Fener-wehrverein in Bischoflack 58 ausubenbe unb 33 un-tetstittzende Mitglieder, unb haben im heurigen Jahte 14 nene Mitglieder ihren Beitritt zngesagt. Die Beteinskasse - Eiunahnten beliefen sich auf 807 fl. 30 ft., die Ansgaben auf 785 fl. 3.) ft. Die nn-tetsttttzenden Mitglieder haben 269 fl. 44 fr. ein-gezahlt. Die Jnventarsgerathe dcr Feuerwchr re-ptaseiitieteit ein Vetcinsvetmogen von 3309 fl. Die Feuerweht wurde im SSerlaufe ber zweiten zwei-jahrigen Periode ihres Bestandes fiinfmal allar-miert unb war zweimal im Orte unb dteimol aus-Warts in Thatigkeit. Der Berein hiclt vier Hanpt^ versammlnngen, sechsnudzwanzig Ansschusssitznngen unb zwei Ehrengerichtssitzungeu, sieben Haupt- unb sechszehn Schuliibungen nb. Bei ber nach Vorlage unb Gcnehmigung bes Rechenschastsbetichtes vorgenommeiten Wahl ber gunctionare rourbett gewahlt: Lorenz Sadar zum Hauptmann, Anbreas Slabnik zum Hauptmann* Stellvertreter unb Bereinskassier Raimnnb Karlin-ger zum Adjutanten, Johann Triller, Anton ©abet unb Gregor Dolenz zu Vertrauensmannern; Franz Jesenko und Georg Gusell zn Spritzenleitmannern; Theodor Fani uitb Franz Peternel zu ©teigerleit« manttern; Wenzel Payer un) Blasius Pegam zu Schutzmannschafts-Leittnatiuern. Witterung. Laibach, 13. April. Angenehmcr, sonnigct Tag, ettoas windig, schwacher Oft. Wcirme: morgens 7 Uhr + 7 9", nachniittags 2 Uhr + 15 6° C. (1879 + 13 0°, 1878 + 12 8» C.) Barometer im Steigen, 736 98 Millimeter. DaS gestrige Tages-mittcl dcr 'Sannc + 9 2°, uni 1U° iiber bem Normale; dcr gestrige Riebcrfchlag 100 Millimeter Regcn. Angekommene Fremde am 12. April. Hotel Stadt Wien. Signer, Mosbriigger, Lang unb Katz, Kaufleute, Wien. Hotel Elephant. Ambrozij f. k. Bezirkssecrctiir, Loitsch. — Bodnicer, Vidic, Kaufleute, und v. Meyer Marie, Private, Wien. — Centa, Cilli. — Zinari, Ksm., Triest. — Guthard Marie, Kausmannsgattin, unb Ccrnovsek, Beamtcr, »Igram. — Lengycl, Ksm., Kanischa. — Gilbrich, Bergone Anseren geehrten P. L. Abonnenlen ?ur gefalligen tloti?! Die^ dieswochentliche Rummer des fallt aus. Jg. v.Kleinmayr & Fed.Bambergs Wuchhandlung. Mit tiesgesiihlten Schmerzen geben wir alleit Verwandten, Freunden und Bekannten die trau-rige Nachricht von dem Hinscheiden unserer in-nigst geliebten Tochler unb riicksichllich Schwe-ster, Schwagerin und Tante, des Frauleins Marie Deu, Gedenktafel uber die am 15. April 1880 stattfindenden Lici-tationeit. 3. Feilb., Strukelj'sche Real., Strukelsdorf, BG. tiaaS. 3. Feilb., Rogel'sche Olcal, Urtterfernif, BG. Kraiu-burg. — Relic. Bajt'scher Real., St. Georgcn, BG. Kraiu-burg. — 3. Feilb., Mauser'jche Real., Hoievje, BG. Groh-laschiz. — 1. Feilb., Treven'schc Real., Godovie', BG. Jdria. — 3. Feilb., Porok'sche Real., Klance, BG. Laas. — 3. Feilb., Mulc'schc Real., Nadlesk, BG. Laas. 1. Feilb., Majerle'sche Real., Obcrgurk, BG. Sittich. — 2. Feilb., Mesajedec'sche Real., Bruchanavas, BG. Grohlaschiz. — 2. Feilb., Blntnit'iche Real., Les^evje, BG. Sittich. — 2. Feilb., Spendal'sche Real., Gorenjavas, BG. Sittich. Telegramm. (Original-Telegr. des „Laib. Tagbl.") Wien, 13. April. Der Dispositionsfond wnrde heute vom Abgeordnetenhause mit zwei Stimmen Mehrheit abgelehnt. welche gesleru urn 11 Uhr nachts nach langctn schmcrzhastei, Leiden im 27. Lebensjahre, vet-fchcn mit belt heiligcn Sterbesacramcnten, tuhig mtfchlummerte. Das Lcichcubegangnis finbet Donnerstag, den 15. b. M., urn 3 Uhr nachmittags vom Stcrbchause Ncugasse Nr. 5 aus stall. Die heiligcn Scclcumcssen werden in meh-rcren Kirchcn gelefeit werden. Laibach am 13. April 1880. Josefine Deu, als Mutter. Dr. Eduard Deu, Hof- und Gerichtsadvocat; Touffaint Deu, Ge-i ichtsadiunct, als Briider. Sofie Krause geb. Deu; Anna Deu, Lehrerin; Julie Matschek geb. Den, als Schwcstern. Hanua Deu, als Schwagerin. Franz Kranse, Jngenieur; Josef Matschek, Handelsmann, als Schwager. Hermann Deu, Josef, Eduard und Julius Gustin, Richard Krause, Emil Matschek, als Ncffcn. Marlene Deu, Luise unb Anna Krause, Marianna Matschek, als Nichtcn. Wiener Borsc vom 12. April. Utfyrawin« Staoli-Wuld. Pavierrente...........■ feilbmcntc j iflolbrcnte...........I Siaarsloje, 1854. . I860. . 1860 zu 100 fl. 1864. . Geld 73*65j 73 75 ' 74— 74l10 | 89 50? 89 60 123f)0 124 — 130-50,130-7 ,133 50! i 174*50 134— 175 — ®riindtniltt^ungs- Hbliyatioaek. AaUzien . . . . Siebenbiirgen . Zcuieier Banal llngarn ......... Under« offaUz. #arlsi‘ubtoitfb. jfemberg - Szernowltz -riovd.^eselljchait . . 98 75j 9150 91-—! 92 — 99 — 92 25 91*50 92 56 113 25 114 —j 118-50 386 80 840 • — 113 50 114-50 118 75 287- 842'- 156-60 157 — 609 — CIO — 191 25 19i*50 2435 | 244V 169*50 170 — 265 25 265-50 166-25 16676 662 — 663 Vcctbtoetlbabn . . !^ubolsS°Bahn . . . StaatSbahn .... Sitbbabn........... Ung. Nordoftb.»dn . PfaodBricfe. Sobencrebitanftai! in ®oIb............ in osterr. Wabr. . Nationalbank.......... Ungar. Bobenkrebrt- DrioritSt»-O5lis Elisabethbahn, l.Em. Ferb.-Norbb. i. Silbe, Franz-Ioseph-Babn . Galiz.K-Lubtvigb.i.L Oest. Norbwest-Bahr Siebenbitrger Bahn SlaatSbabn. 1. Sm. Siibbahn 4 3 Perz. 4 5,. Prip*l(of<. (Srcbitlofe .......... ^ludclfSlose . . . . Devisea. London .... Ducaren............ 20 tzrancS 100 d. Reichsmark Lilber............ 166 25 161-GO ^78 50 78-50 148 120 — 102 15 103-50 102 50 107 99 85 106 50 101 25 84 80 176 76 125-75 113-50 177 50 18 — 11875 Ware 166-5 H 162— 279 — 78 75 148*50 120 50 10S40 103 65 103 — 99-50 107 50 100 — 107.—-101-75 85'— 177-25 123 — llS'75- 178 — 18 50 118 85 5-68 6-5B 9*45 |9 45«/s 58-45 158 55 Truck vou Jg. v.K1 eiumayr L Fed. Bamberg. Telegraphischer CurSbericht am 13. April . 'icr-Rentc 73 80. — Silber-Reute 74 20. — @oIb-Rciitc 89 85. — 1860cr Staats-Anlehen 130 25. — Bank' actien 840. — Creditacticn 287 90. — London 118 85. — ©iiber . — K. k. Munzducaten 5 58. - 20-FrancS-etiide 9 45°/,,. — 100 Reichsmark 58 45. Berleger: Ottomar Bamberg. Fiir die Redaction verantwortlich: Dr. HanS KrauS.